Geschichte des k.k.
Infanterie-Regimentes Hoch- und
Gustav Amon von Treuenfest
Digitized by Google
.* » » • » « • .
i ' 3 •
■ •
* . • » • • •
• # «
Digitized by Google
GESCHICHTE
des
k. k. Infanterie- Regimentes
Hoch- und Deutschmeister
Nr. 4.
Ergänzung*- Bezirks- Station Wien.
£ftach den fyldakten und iomtigcn "VriginaüjuclUn der k. k. Archive
vorfasst von
Gustav Ritter Anipn von Treuenfest,
Garde und Rittmeister der Enten Ameren-Leibgardc, Ritter der euernrn Krone 3, Kl»»»e K -!).,
Besitzer des Militär- Verdienstkreuzes K.-I) , der Kriegs- und Tiroler- Medaille, des Officur»-
dienatkreuzes I. Klasse und des Marianorkreuzes des deutschen KlIR-rurden», hiltcr d«-s königl.
preußischen Kmnenordens 3. Klas.e, Besitzer der grossen goldenen Medaille für Kun.t und
WUMDsebaft, Ehrenbürger In Tirol. Ehrenmitglied des .r'erdinaudeum.' In Innsbruck.
WIEN.
Verlag des Regiments. — Druck von Ludwig Mayer.
1879.
uA
.Z.6
A5X
Digitized by Google
Seiner k. k. Hoheit
dem hochwürdigst- durchlauchtigsten Prinzen und Herrn
kaiserl. Prin/en und Erzherzogs von Oesterreich, konigl. Prinzen von Ungarn,
Böhmen etc. etc , Grossmeistcr des deutschen Ordens im Kaiserthume Oesterreich,
Grosskreuz des österr. kaiserl. Ix-opolds- Ordens K.-l)., Besitzer des Militär-
Verdienstkrcuzcs K. - D. und der Kriegs - Medaille. Ritter des nis-i-ch kaiserl.
St. Andreas -Ordens erster Klasse (mit den Schwertern), Feldzeugmeister, General-
Artillerie - Insnector, Inhaber der k k. Infanterie - Regimenter Nr. 4 und 12, des
k. k. Feld -Artillerie -Regiments Nr. 6. Chef der kaiserl. russischen Batterie Nr. 7
und des konigl. ost|>reusxischen Feld - Artillerie - Regiments Nr. I,
in tiefst er Ehrfurcht
gewidmet
vom Offiziers -Korps.
1
Zu)3^)cl -IVO
Vorwort.
Das Regiment Hoch- und Deutschmeister hat in
20G Schlachten und Gefechten, oft siegreich, den Lorheer-
kranz an seine Fahnen gewunden, immer mit Ehren gekämpft,
Tausende von wackeren Kriegern haben in seinen Reihen
den Heldentod gefunden, lausende aus ehrenvollen Wunden
geblutet.
Die Geschichte eines Regiments ist die Ruhmeshalle
seiner ausgezeichneten Mitglieder, das Monument auf dem
Grabe der in treuer Erfüllung ihrer Pflicht für Fürst und
Vaterland gefallenen Helden. Die Theilnahme an den voll-
brachten Thaten ist dieselbe im Regimente, wie im Kreise
der Bürger, aus welchen dasselbe hervorgegangen. Die Glieder
des Regiments werden diese Thaten, wenn der Kaiser zum Kampfe
ruft, zur gleichen Begeisterung wecken und neue Lorbeer-
blätter zu jeuen fügen, die sich ihre früheren Waffenbrüder auf
den blutigen Feldern der Ehre errangen ; die Kreise der
Bürger der Haupt- und Residenzstadt Wien, deren Brüder
und Söhne die Thaten vollbrachten, werden sie mit hoher
Befriedigung und gerechtem Stolze erfüllen.
Die Geschichte eines solch wackeren Regiments, das an
seiner Spitze seit seiner Errichtung die hochgeehrten Namen
der edelsten und erlauchtesten Prinzen des vielgeliebten
Kaiserhauses trägt, und einen Namen führt, dessen Helden-
ruhm einst zwei Welttheile erfüllte, zu schreiben, musste den
Verfasser begeistern, Alles aufzubieten, um dieselbe in wür-
digster Weise zu Stande zu bringen.
An redlichem Willen, das möglichste zu leisten, hat
es ihm nicht gefehlt, und er übergibt die Geschichte dieses
ausgezeichneten Regiments mit dem Wunsche der Oeffentlich-
keit, selbe möge nebst einer freundlichen Aufnahme den
vorangeführten Zweck erreichen, — ein Denkmal den
Gefallenen, den Nachfolgenden ein leuchtendes Beispiel auf
den Bahnen der Ehre und des Ruhmes, den Bürgern Wiens
ihr gerechtester Stolz.
WIEN, im August 1879.
Der Verfasser.
Digitized by Google
Google
Digitized by Google
Digitized by Google
1696.
-
U
igitized by Goo^c
1696-1699
Kaiser Leopold I. war im Jahre 1G95 noch immer mit der
Tflrkoi und Frankreich im Kriege, und hatte Armeen in Ungarn,
Deutschland, den Niederlanden und in Italien im fortwährenden
Kampfe.
Um in Folge dieser kriegerischen Ereignisse dem Kaiser hilf-
reiche Unterstützung zu leisten, hatten sich mehrere deutsche Kur-
fürsten angehoten, Regimenter zu stellen. Darunter hefand sich auch
der Kurfürst Johann Wilhelm von Pfalz - Nouburg, Bruder der
Kaiserin Eleonore, mithin Schwager des Kaisers, mit dem Antrage,
ein Regiment zu Fuss unter dem Namen „Teutschmcister" auf
eigene Kosten stellen zu wollen.
Die hierüber zu Wien am 15. Marz 1G95 abgeschlossene Capi-
tulation lautet wörtlich:
„Wir Leopold von Gottes Gnaden, Erwälter Römischer Kaysser,
„zu allen Zeiten Mehrer des Reichs, in Germanien, zu Hungarn,
„Böhaimb, Dalmatien, Croatien und Slavonien, König, Ertzhcrzog
„zu Oesterreich, Hertzog zu Burgundt, Steyer, Cärndten, Crain, und
„ Württemberg, in Ober- und Nieder Schlesien, Markgraf zu Mähren,
„in Ober- und Nieder - Laussnitz, graff zu Habspurg, Tyroll und
„Göre etc. Beckennen Öffentlich und thuen kundt Jedermänniglich,
„wessgestalt mit dass durchlauchtig Hochgeborenen Johann Wil-
helm!) Pfaltzgraffen bei Rhein, Hertzogens in Baiern, Grafens zu
„Weltents und Sponnheimb, des Hayligen Römischen Reichs Ertz-
„ Schatzmeister, Unsers lieben Vetters, und Kuhrfurstens Libden, etc.
„wegen eines Regiments zu Fuess von Zwölf Compagnien, in zwei
„Tausendt Mann bestehend, auf Volgende weiss capitulirt werden.
1
2 1690-1699.
,1. Haben Wier auf ermeltes Kurfflrstens Liebden Verlangen,
„Bereuths gnädiglich verwilligct, dass Unser Obrist Veldzeugraeister
„und bestellter Obrister Hans Carl Fre yberr von Tb Qngen,
„von dessen Unterhabenden Regiment (jetzt Nr. 20), aus der Gar-
rison zu Maintz, Vier alte Compagnicn, wegen schon allzuweit
„avancirter Zeit, Unter dieses Neu formirende Regiment mit Prima
„plana und Ober - Offiziere hergeben solle.
„2. Nehmen mehr Bedeuthes Churfürstens Liebden auf sieh,
„noch acht völlige Corapagnien, jede mit Prima planen, Ober- und
„Unteroffizieren, zu Hundert Fflnf und Siebentzig Köpfe so viel
.immer möglich, in alter Mannschaft herzugeben, damit soleher-
„ gestalten solches aufzurichten Vorhabende Regiment mit zwölff
„Kompagnien in Zwey Tausentlt Mann stark in Unsere Dienste
„öbernohmen werde, und gleich wie dieses Regiment in omnibus und
„per omnia denen anderen- Kays. Regimentern gleichgehalten und
»verpflegt werden solle, also würdet zur Vergüettung aller künftig
„Betragenden Differenzien, Unsere Kays. Verpflegs - Ordonnanz, wie
„Wier solche durchgehend» Bey all Unsern Kais. Regimentern
»beobachten lassen, zu welcher auch der Obrister von diesem Regi-
ment sich zu bequemben hat, pro norma hiebey gelegt.
„Nit weniger — 4. — die gleichheit bei denen vorfallenden
„Commendi zu beobachten, wann ganze Corpora, Bataglionen oder
„Compaguien- weiss zu Diensten employrt werden, so sind die Zwelff
„Compagnien dieses Regimeutes mit Ober- und Unteroffizier, wie
„eben besagte Beylag enthaltet, nach Unsern Kays. Fuess änzentlich
„einzurichten, und zu übergeben.
5. Wollen des Churfürstens Liebden mehr bedeuthe acht Com-
„pagnien, in Vierzehnhundert Mann, wo mit halben, längstens, ad
,finera May Currentis Anni, Einem Unserigen Kays. Kriegs - Com-
„mis8ario zu Donauwerth auf Dero gefahr stellen, und übergeben
„lassen, dergestalt, dass dieselbe, so vill möglich, in einer gutten
.alten Brauchbaren Mannschaft bestehen, und mit Hiebey beschrie-
„benen Montirungs-Sorten versehen werden solle.
„Mehr Bedeuthes Reglement hat auch durchgehend» sich allen
„Musterungen, revisions, abrechnungen , und wass sonsten dass
„öeconomicum angehet, Winter und Sommer zu Bequemben.
6. Lassen Wier für einen jeden Mann, ausser der Prima planen
„die Verglichene 34 Reichsthaler allhier in goldt, den Duggaten zu
Digitized by Google
1696-1699.
3
«Vier gülden gerechnet, Bezahlen, so eiclusive der Prima planen Bey
.diesen 8 Kompagnien auf 1336 Mann aussteigt, 17034 Duggaten;
„auf die 12 Proviandt und 3 Zelt- Wägen aber, werden denen Zwelf
.Kompagnien allhier aparte Bezahlt werden 3000 Gulden.
7. So baldt die 8 Kompagnien in Unsere pflicht und Dienst
„zu Donauwerth öbernohmen werden, so werden dieselben ohne
„weithern des Churfflrstens Liebden entgeldt auf Unsere Unkosten
«eingeschifft und fernere in das Königreich Hungarn abgeführt, da
„Tnmittels von Unsern Commissariat im Römischen Reich, die
.Dispositiones zu machen, dass die 4 Thingische Compagnien in
„dem Herauf Marsche der gegend Frankfurth, zu denen übrigen
„stossen und Unter eins embarquirt werden.
8. Bleibt es bei Derne, dass es Ein Kays. Regiement mit denen
„andern in gleichen Rang, Bedien und Verpflegung stehen, ob es
„aber den Namen eines Chur-Pfaltzischen Reglements Behalten solle,
„stehet zwischen gedachtes Churfflrstens und Dero Bruder, dess
„Teutschmeisters Liebden, gleich wohlen zu vergleichen. Nach ge-
„endigtem Krieg aber, fals Wier Uns mit dess Churfflrsten Liebden
„nit eines anderen und gnädiglich verstehen, sollen die 8 Kom-
„pagnien so mehr gedachter Churfflrstens Liebden gestellt haben,
„in status quo, wie selbe sich alsdann Befinden werden, Deroselben
„wider zurflckgegeben werden.
9. Weillen allen ansehen nach dieses Regiement BerQhrter
„Teutschmeisters Liebden bekommen, so ist auf solchen Fall die
„nottturftt wegen künftiger Rekrutirung dieses Regicments, mit
„deroselben abzuhandeln. Endlichen wollen wir
10. Bei dem Päbstlichen Stuell Unsere officia dahin anwenden,
„womit sein, dess Churfflrstens Liebden die angesuchte Collectation
.der Geistlichen in Dero Landen erhalten. Alles getreulich und ohne
, gefährde mit Urkundt dieser Capitulation die mit Unserer augenen
„Handt unterschrieben und mit Unserem Kaysl. Secret. Insigl.
„Beckraftiget worden ist So geschehen in Unserer Stadt Wien
„den 15. Monathstag Marty im Sechzehnhundert und Fünf und
„Neunzigsten, Unserer Reiche des Römischen im Sieben und
„Dreissigsten, des Hungarischen im Vierzigsten, und des Böhaim-
„ bischen im Neun und Dreissigsten Jahre.
Leopold m/p. Starhemberg.
l*
4
wm um.
Nach der mitgegebenen Verpflege - Ordonnanz bestand die Ver-
pflegung bei einem Regiment zu Fuss und zwar für den Regi-
ments - Stab :
Obrister
50
Mündt-, 12 pferdt -Portionen
13
ii
8
ii
ii
Obristwachtmeister . . . .
5
11
6
n
ii
4
'1
3
i»
ii
3
n
2
ii
ii
2 V,
ii
2
i»
ii
Sccretari
27,
ii
2
ii
ii
o
»i
2
•i
ii
2'/,
ii
2
n
2
»i
2
ii
M
Profoss mit Stecklen- Knechten
4
••
5
ii
ii
901/, Mündt-, 46 pferdt- Portionen
Eine Compagnie zu Fuess:
. 15 Mündt-,
3 pferdt -Portionen
. 5
n
2
n
ii
n
2
i»
ii
3
ii
ii
ii
2
ii
ii
ii
2
n
ii
11
Q
n
ii
n
o
n
ii
ii
2
ii
ii
ii
12 gefreuthe
. 18
M
ii
ii
4 Spielleuth
6
II
ii
ii
6
ii
ii
!•
141
11
n
n
1-±J- uemeiuc • 1 1 ' <i
208 Mündt-, 7 pferdt -Portionen
12 Proviantwägen 24 Mündt-, 48 pferdt -Portionen
3 Zelt oder Baraquen- Wägen . 0 „ 12 „ „
30 Mündt-, 60 pferdt -Portionen
Ein Kays. Musquetirer hat gemeiniglich mondirt zu werden:
1. Mit Einem Gueten durch und durch aussgefüttert Röckl
von gutten Tuch, und Camisol, so etwas über die Knie gehet, und
wohlweit ist, auf dass der Mann das gewöhr darunter Bedeckhen
Digitized by Google
MM-ltM,
5
könne. 2. Mit einem Par Hosen von gutten Tuch. 3. Ein Par starken
und glitten Strflmpf. 4. Ein gnttes Par Schuh. 5. Ein gutter Hueth.
6. Zwei Hemeter. 7. Ein Halstuch. 8. Ein Währgeheng und Bajonet.
9. Ein Patron- oder Pulverflaschen. 10. Ein Rantzeu. 11. Die Barack-
hauhen. 12. Guette Musquete oder Flinthe.
Laut Befehl des Hofkriegsraths vom 10. Juni gab das Regiment
Thüngen (jetzt Nr. 20) am 11. August 1695 vier Kompagnien und
zwar: Die Leib - Obristwachtmeister Franz v. Co 11 et-, Hauptmann
Baron von Brithscheider und von Zöppe-Kompagnie an das Re-
giment ab. Das Regiment Thüngen erfreute sich eines besonderen Rufes
der Tapferkeit in der Armee; in diesen Kompagnien befanden sich
viele Leute, welche die Vertheidigung von Wien (1683), die Er-
stürmungen von Neuhäusel (1685) und Ofen (1686) mitgemacht hatten.
Nachdem die Werbungen nicht den erwünschten Erfolg hatten,
der Kaiser aber nach dem Unfälle des Veteranischen Korps dringend
Truppen in Ungarn benöthigte, so wurden diese vier Kompagnien
unter Kommando des Hauptmanns Brithscheider nach Peter-
wardein als Garnison gesendet, wo dieser Hauptmann bald nach dem
Einrücken starb, daher seine Kompagnie Hauptmann Moriz v. Mühlen
erhielt, während Obristwachtmeister v. Coli et das Bataillons-
Kommando übernahm. Auch überliess der Kurfürst dem Kaiser
das Sachsen -Meunungen'sche Regiment, welches statt dem neu zu
errichtenden sogleich nach Ungarn marschirte.
Im Laufe* des Winters sammelte sich das Regiment nach und
nach in Donauwerth, in Folge dessen, wie in der Kapitulation
zugesagt, Kaiser Leopold den Bruder des Kurfürsten, Franz
Ludwig Herzog in Bayern und Teutschmeister mit nachstehendem
Patente zum Obrist- Inhaber ernannte:
»Wir Leopold I. etz: Beckhenen öffentlich und thun khund
„jedermänniglich, dass Wir des Ehrwürdigen, durchlauchtigst -hoch-
„gebornen Franz Ludwigens, Pfalzgrafens bey Rhein, Herzogens
,in Bayern, Jülich, Cleve und Baar, Grafens zu Woldenz und Spon-
„heiiub, Administrator des Hochmeisterthumb in Prige, Masters des
„TeuUsch- Ordens in Teutsch- und Wälsch-Land, Bischofens zu
■ Wormbs, Probstcns zu Feiwang, Bischofeus zu Brcsslau und Obrister
„Haubtmanns im Herzogt!) umb Ober- und Nieder -Schlesien, Unsers
.lieben Vetters und Fürsteus und in gnädigster Anseh- und erwegung
„dero unss beckanthe fürtreffliebe qualitete, geschicklichkeit, Auch
6
»wegen Valors und Tapferkeit Ober das einige Regt: welches
„des durchlauchtigsten Hochgebohrnen Johann Wilhelmb, Pfalz-
„grafens bey Rhein und des Heyl: Römischen Reichs Krzschazmeisters,
„Unsere lieben Vetters und Chur - Fürstens zu Unsern Dienst auf-
wehten und stellen werde, zu Unserem Kays: Obristen zu Fuss
„bestellen, und selbes alss Obristen zu commandiren unterstellt wohl
„allermassen, Wür zu diesem Ende an dieselbe die zu solche desti-
„nirirte in Unserem I: ö: Landen defacto sich befindenden 4 Com-
„pagnien vom angesetzten Tag ernannt pro interim mit dem Respeckt
.und gehorsamb angewiesen habe.
„Befehlen hierauf Unseren Obristlieutenant, Obristwachtmeister,
„Haubtleuthen, Lieuthenanten, Fähnrichen und insgemein allen Offi-
ziers, wie auch gemeinen Knechten, welche sich in Unseren Kaysl.
„Kriegsdiensten unter gedachtes Regiment bereits befinden, oder
„noch künftighin einlassen werden, hiermit gut und ernstlich, dass
„Ihr vermelteten Herzogens Franz Ludewigens Liebden für
„Unseren Euch vorgesetzten Obristen erkhennen, Ehren und Re-
„specktiren, nicht weniger an Alles, was Sr. Ehrwürdigen zu Fort-
setzung Unserer Kriegsdienste von einer Zeit zur Andern befehlen
„oder verordnen werde, gebührlichst und schuldigst gehorsamb leisten
„sollet, Allermassen Euch vermög Alten Kriegsgebrauch, und Her-
„khommens zu thun gebühret, auch Ehrlichen Kriegsleuten wohl
„anstehet, und Wür Unss kheines Andern gegen Euch versehen, und
„Ihr vollziehet hieran Unsere gnädigste auch endtlicbe Befehle,
„Willen und Meinung. Gegeben Wien den 21. Januar 1696.
Leopold, m. p.
Das Regiment führte von nun an den Namen „Teutsch-
m eist er* und war im Frühjahre 1696 so weit fertig, dass am
3. Juni der Ober -Kriegskommissär Wolfgang Wilhelm v. Völkern
zu Donauw erth die Musterung abhalten konnte, wobei die acht Kom-
pagnien ihre neuen, das Regiment aber eine kostbare Leibfahne von
der Kaiserin Eleonore, welche sie selbst angeschlagen hatte,
erhielt. Da der Obrist-Inhaber nicht persönlich anwesend war, kom-
mandirte der Obristlieutenant Damian Hugo Graf v. Virmond das
Regiment, die Kompagnien die Hauptleute Br. Wachtendonk,
Vely, von der Mülbcn, Heistermann, Graan, v. Blume n-
kron und Graf v. Nesselrod.
Digitized by Gc
ie»6-ifi»o.
7
Der Eid, welchen das Regiment ablegte, lautete: „Wier Offizier
„und Soldaten schwören und Globen zu Gott dem Allmächtigen und
„seinen Heyligeu mit diesem körperlichen Aydt: dass so lang uns
„Gott leben lässt, Wier Bey unserem Löbl. Regiment und Fähnlein,
„auch unsern vorgesetzten Ober- und Unter -Offizieren in allem wass
„OHM zu Ihro Röm. Kayssl. Majestät diensten und nutzen, schaffen
„und anbefehlen werden, alles Treu, auffrichtig und fleissig, ohne
„einzigen wiederwillen, verrichten und gehorsammen wollen, in-
, gleichen von dem löbl. Regiment noch unserm Fähnlein, in Feld-
„zfigen, schlachten, Stürmen, Besatzung, noch in summa, wie es
„den nahmen haben mögte, weder davon ausreissen, entlauffen, noch
„dieselbigen quittiren, und von denen entweichen wollen, sondern
.jederzeit unsern Fähnlein, so wohl zu dess Löbl. Regiment ehr,
„und Ruhm, als auch unssers eydes und Pflichte gemess, alss es
„einem ehrliebenden Soldaten geziemed, und wohlanstehet, in allen
„occassionen mainteniren, schützen und Beschirmen helffen, nie-
„mahlss einige gedanken schöpften, dieselbige zu verlassen, davon
„entweichen, noch weniger ausreissen wollen, so wir den mit auf-
gehobenen tingern, sowohl die allhier versambelte und absente,
„unter freyem Himmel zu Gott Treulich, Geloben zu halten, so
„wahr Gott undt sein Heyl. Evangelium unss zur Ewigen Seeligkeit
„verhelfen solle. Amen!*
Der Stab des Regiments bestand aus dem Obristen- Inhaber,
Obristlieutenant , Obristwachtmeister , Regiments - Quartiermeister,
Kaplan, Sekretär, Proviantmeister, Feldscherer, Regiments-Tambour
und Profoss. Das Regiment aus drei Bataillons zu vier Kompagnien ;
die Kompagnie aus dem Hauptmann, Lieutenant, Fähndrich, Veld-
weibel, 24 Rottenführer, nämlich: 0 Korporals, 18 Gefreite, 88 Mus-
quetiere, 48 Pickeniere, 8 Grenadiere, welche auch Handgranaten
warfen, ausserdem der Fourier, Fourierschütz, Musterschreiber, Feld-
scherer, Tambour und Pfeifer. Die Offiziere waren mit Stossdegen
und Partisanen, die Mannschaft mit Flinten uud Musqueten, darunter
die Pickenire mit langen Picken bewaffnet. Adjustirung gab es
eigentlich noch keine, doch begann man gerade um diese Zeit die
Regimenter gleichmässig zu adjustireu. Sic bestand in einem mit
breiten Brustklappen versehenen bequemen Rocke, der bis zur Wade
reichte, breite Aermelaufschläge, der Kragen war bequem und niedrig,
ein Kamisol, gute Schuhe, kurze Hosen von Kalbfell oder Tuch,
8
im 1690.
wollene lange Strümpfe, der Hut auf einer Seite aufgeschlagen,
schwarzes Halstuch, zwei Hemden, lederne Stutzhandschuhe, einen
Ranzen von rauhem Kalbfell zum Umhängen und die bis 1868
allgemein gebräuchliche Patrontasche mit 40 Patronen, endlich einem
ledernen Leibgürtel für den Degen, der auf dem Kamisol unter dem
Rocke getragen wurde.
Die Offiziere tragen graue rechts aufgestülpte Hüte mit roth
und weissen langen bis auf den Rücken hinabwallenden Federn,
einen gelblichen langen Rock, spitzen Brustharnisch, um den Hals
einen grossen Spitzenkragen, weite kurze Hosen an den Knien mit
Rändern verziert, Strümpfe und Schuhe mit Schnallen, im Felde
aber hohe weite Stiefel mit Manchetten, um die Hüfle den Degen
und eine grosse breite Feldbinde von rothem Stoff, Rock und Kamisol
waren reich mit Goldborden verziert. Die Chargengrade bezeichnete
die Partisane und der Stock, welchen der Offizier als Attribut seiner
Würde stets bei sich führte und auch damit kommandirte ; die
Unteroffiziere führten einen Haslinger mit Riemen, die Fähnriche
einen langen Springstock, der Lieutenant eine eiserne Partisane ohne
Franzen und ohne Vergoldung, ein spanisches Rohr ohne Knopf,
auf dem Marsche trug der Tambour den Stock des Lieutenants, auf
dem Feldmarsche aber die Partisane desselben. Je nach der Höhe
des Ranges wurde der Stock dünner. Der Hauptmann führte eine
Partisane mit seidenen silbergemischten Franzen und den Stock mit
beinernem Knopf. Der Obristwachtmeister hatte einen Stock mit
silbernem dicken Knopf und mit einem Kettchen umwickelt, in
welches der kleine und vorletzte Finger gelegt werden konnte; im
Reiten Hess er die Spitze des Stockes auf dem rechten Schuhe
ruhen. Der Obristlieutenant hatte eine Partisane mit golddurch-
mischteu seidenen Franzen, sein Stock bestand in einem spanischen
Rohr mit einem silbernen Knopf ohne Kcttchcu. Der Obrist hatte
eine ganz mit silbernen Franzen behängte Partisane, deren Eisen
nur bei ihm völlig vergoldet sein durfte ; sein Stock war mit einem
goldenen Knopfe verziert. Im Feld und bei Paraden waren immer
die Hüte der ganzen Armee mit grünen Feldzeichen geziert, im
Winter mit Strohwischen.
Jedes Regiment hatte sein eigenes and besonderes Exerzitium,
wie es der Inhaber für gut fand; die Handgriffe mit der Flinte
hatten 50 Kommandoworte, wovon das Laden und Feuern die meisten
Digitized by Google
i«9<; um.
9
in Anspruch nahm ; der Mund war dabei sehr stark beschäftigt.
Das alte Kommando «Kugel aus dem Munde!" fand noch immer
Anwendung, auch musste der Soldat das Ladmass mit den Zähnen
öffnen oder die Patrone abbeissen, oder zum Aufschütten des Zünd-
krauts den Zapfen des Pulverhorns mit dem Munde ausziehen. Die
Pfropfe zum Aufsetzen auf das Pulver trug er in der aufgestülpten
Krempe seines Hutes, daher das Kommando „ Pfropf vom Hut!"
auch gab es ein Kommando „Haar untern Hut!" weil alles lange
Haare trug.
In allen Kriegen gegen die Türken wurden bei den Kompag-
nien spanische Reiter, sogenannte Schweinsfedern, mitgetragen, die
in der Schlacht vor die Front gelegt, die Infanterie gegen das Ein-
dringen der Heiter schützten.
Die Soldverhältnisse waren überaus günstig. Der Obrist hatte
monatlich 450 fl., Obristlientenant 120 fi., Obristwachtmeister 50 Ii.,
Quurtiermeistcr 40 fl., Kaplan und Sekretär 20 fl., Profoss sammt
, seinen Leuten 40 fl., Hauptmann 140 fl., Lieutenant 40 fl., Fähnrich
28 fl., säramtliche nebst den früher bezeichneten Mund- und Fourage-
Poiüonen; Feldwebel 20 fl., Fourier 13 fl., Feldscherer, Korporal,
Musterschreiber je 12 fl., Gefreiter 7'/s h\, Gemeiner 6'/* fl., Re-
gimentskassa 150 fl. Der Stab 12, jede Kompagnie 8 Bagagepferde.
Die monatliche Gebühr des Regiments betrug 0410 fl.
Gleich nach der Musterung wurden die acht neuen Kompagnien
unter Kommando des Obristlicutenants Graf Vir mond in Donau-
werth eingeschifft und nach Ungarn transportirt, wo nach ihrem
Eintreffen zwei Kompagnien nach Kaschau und ebensoviele nach
Szolnok, Szegedin und Erlau verlegt wurden. Die vier Kompagnien
Thüngen, welche nun das Leib-Bataillon formirten, rückten nach
Ofen und Obristlicutenant Graf Vir mond führte ad intcrim das
Regiments-Koni man 1 ■■>.
Der Regimentsstab bestand aus dem Quartiermeistcr Engel-
hard v. Ca melier, Auditor und Seeretarius Kaspar Rosa, Kaplan
Benedikt Charmoiselle, Wachtmeister Lieutenant Georg L i n c k a,
Proviantmeister Kaspar Kutter, Wagenmeister Hanns Fischer
und dem Profoss cum suis Jakob Dauno.
In diesen Garnisonen blieben die beiden Bataillone nur kurze
Zeit und rückten dann zum Korps des G. d. K. Graf Hab utyn
nach Siebenbürgen, wo das Obrist-Bataillon die Garnison Herman-
10
um- um.
stadt, das Obristwaehtmeister-Batailloii jene in Bistritz erhielt. Der
Stab und das Leib - Bataillon blieben in Ofen.
Anfangs Juli 1697 erregten mehrere Anhänger Tökuli's
Unruhen in ungarischen Gegenden. Die Empörer überfielen Patak,
Tokai und Szerenes, wurden aber von beweglichen Kolonnen ange-
griffen und zersprengt, auch jene Festen wieder erobert. Sultan
Mustapha II., welcher 1695 den Thron bestieg und sich selbst
an die Spitze des Heeres stellte, hatte dadurch den kriegerischen
Geist seines Volkes zu heben gesucht. Am 30. April schlug er
sein Zelt bei Adrianopel auf und sendete Befehle zur Beschleunigung
der Truppenmärsche ab. Am 17. Juni war ein grosser Theil der
Armee versammelt, welche am 4. Juli Sofia und am 10. August
Belgrad erreichte. Von hier verstärkte der Sultan die Festung
Temesvar und Hess die nöthigen Brücken schlagen, um das Beich
des Kaisers mit Krieg zu überziehen. 120—150.000 Mann zählten
die Streiter des Erbfeindes.
Am 5. Juli ernannte Kaiser Leopold L den Prinzen Eugen
von Savoyen zum Ober-Kommandanten über das kaiserliche Heer
in der Stärke von 75.000 Mann, welches sich zu anfangs Juli bei
Kolluth sammelte, wohin auch das Leib-Bataillon abrückte. G.-d.-K.
Graf Kabutin erhielt den Befehl, nach Zurücklassung einiger
verlässlicher Regimenter in Siebenbürgen sich ebenfalls mit der
Hauptarmee zu vereinigen, in Folge dessen das Obrist- und Obrist-
wachtmeister-Bataillon in Siebenbürgen zurückblieb.
Am 12. Juli traf Prinz Eugen bei der Armee im Lager
bei Kolluth ein, wo dieselbe nach dem damaligen Gebrauche mit
einer dreimaligen Salve die Ankunft ihres Feldherrn feierte, dem
die Herzen so vieler Tapferer mit der freudigen Zuversicht entgegen-
schlugen, dass nun die Tage des Zauderns zu Ende seien, und das
Heer, geführt von kundiger und sicherer Hand, die Bahn ruhmvoller
Erfolge betreten würde. Insbesondere die alten kampferprobten
Soldaten des Leib -Bataillons Teutschmeister empfingen ihren wohl-
bekannten Feldherrn mit unbeschreiblichem Jubel und der Vorahnung
herrlicher Siege.
Am folgenden Tage hielt Eugen Musterung Über 16 kaiser-
liche, 9 sächsische Infanterie-, 8 kaiserliche und 9 sächsische Ka-
vallerie - Regimenter, das Leib - Bataillon stand dabei mit vier Kom-
pagnien am linken Flügel. Die Sollstärke der Armee sollte 44.590 Mann
Digitized by Google
lWMt-l«99.
11
betragen, welche aber nicht erreicht war, denn es befanden sich nur
30.000 Mann präsent; auch das Leib -Bataillon befand sich nicht
auf dem vollen Kriegsstande.
Da Prinz Eugen die Nachricht erhielt, dass der Feind bereits
bei Nissa stehe, ertheilte er am 17. Juli den Truppen den Befehl
zum Abmärsche, als dessen nächstes Ziel Peterwardein bezeichnet
wurde. Am 18. wurde nach Monostorszeg, am 19. in die Nähe von
Zombor, am 20. und 21. zu den isolirten Posthäusern Labschatza
und Kovacserecz und am 22. nach Bäcs marschirt. Am 23. rückte
die Armee nach Palänka, wo am 24. gerastet und der Proviant
ergänzt wurde. Das nächste Lager wurde am 25. bei Ö-Futak auf-
geschlagen und am 26. gelangte die Armee an die Stelle des
heutigen Neusatz. Am 28. wurde wieder aufgebrochen und das Lager
in den Römerschanzen bezogen, wo die Armee bis 4. August ver-
blieb; Tags darauf in das Lager bei Kovil, ungefähr fönf Stunden
von Peterwardein ä cheval des nach Titel führenden Weges marschirt.
Am 11. August erhielt Prinz Eugen von dem G.-F.-W. Nehem
die Meldung, dass der Sultan mit seiner Armee bei Belgrad ein-
getroffen soi. In Folge dessen wurde Peterwardein mit vier Regi-
mentern verstärkt, und die Armee brach mit grauendem Morgen am
22. August aus dem Lager bei Kovil auf und marschirte nach
Sablia. Dieser Marsch war in Folge des trockenen Wetters und des
Holz- und Wassermangels höchst beschwerlich, man musste Brunnen
graben und die Kochfeuer mit Haidegras unterhalten. Der nächste
Marsch brachte die Armee in fünf Kolonnen bis an den Sz. Tamäser
Morast bei Földvar. Hier wurde die erste türkische Patrouille gefan-
gen. Die vielen Rekognoszirungspatrouillen, welche hier ausgesendet
wurden, verzögerten den Abmarsch bis 25., an welchem Tage die
Armee in sechs Kolonnen bis Puszta Czik marschirte, wo wieder
Brunnen gegraben werden mussten, die nur nothdürftig den Bedarf
lieferten. Am 26. marschirte die Armee wieder nordwärts, lagerte
eine Stunde südlich Zenta und vereinigte sich hier mit dem Korps
F.-M.-Lt. Prinz Vauddmont und den brandenburgischen Truppen.
Am 1. September marschirte die Armee nahe an Zenta und nun rückte
auch G. d. K. Graf Rabutin mit seinen Reitern aus Siebenbürgen
ein, wodurch die gesammte Armee vereinigt war.
Der Feind hatte indessen Titel erobert, ein verschanztes Lager
bei Kovil bezogen und unternahm von hier verheerende Streifeuge
12 1696-16M.
in die Umgegend, alle Ortschaften gingen in Feuer auf. Prinz
Eugen detachiiie nun das Regiment Marsigli und 170 Komman-
dirte, worunter 1 Fähnrich und 30 Manu des Leib -Bataillons zur
Instandsetzung nach Szegedin und Hess die Armee am 2. September
in neun Kolonnen und vollkommener Kampfbereitschaft nach U-Bccse
marschiren, wo selbe bivouakirte. Der folgende Tag führte zu dem
ersten Zusammenstosse mit dem Feinde. Als die Armee auf ihrem
Marsche die Tamäser Morastbrüeke erreichte, fand sie selbe von
einigen Tausend feindlichen Reitern besetzt, welche die Brücke
anzündeten, und als die kaiserlichen Truppen zum Löschen vor-
rückten, ein heftiges Feuer eröffneten. Die Styrum -Dragoner sassen
ab, stürmten, unterstützt von einer Batterie, die brennende Brücke
und warfen den Feind zurück, welcher dann nach einigen Kanonen-
schüssen die Flucht ergriff. Hierauf wurde die Brücke hergestellt,
überschritten und die Armee lagerte in Schlachtordnung, den Rücken
an den Morast gelehnt. Während der Nacht wurde strengste Kampf-
bereitschaft gehalten, mit Tagesanbruch des 4. September Boutesselle
geblasen, die Armee en bataille formirt und der Marsch nach dem
Szireger Morast angetreten. In der Nähe der Morastbrücke stiess
man wieder auf feindliche Reitertrupps, welche die Brücke anzün-
deten, dann aber das Weite suchten, so dass der Brand schnell
gelöscht und die Armee jenseits des Morastes das Lager beziehen
konnte. Den nächsten Tag, zwei Stunden vor Tagesanbruch liess
Eugen Boutesselle blasen und sendete Rekognoszirungs - Patrouillen
ab, welche aber erst um 8 Uhr von feindlichen Reitern umschwärmt
rückkehrten. Wegen der grossen Hitze und dem bevorstehenden
starken Marsche, befahl der Prinz einen Rasttag zu halten, den die
Truppen dringend beuöthigten. Den ganzen Tag umschwärmten die
feindlichen Reiter die Vorposten und schössen sich mit ihnen herum,
was einige Todte und Verwundete kostete.
Eine Stunde vor Tagesanbruch des 0. September setzte sich
die Armee wieder in Marsch, stiess nach 1'/* Stunden auf feind-
liche Reitermassen, welche zum Augrille übergingen, aber von den
in Quarre's formirten Bataillonen so übel empfangen wurden, dass
sie bald das Gefecht aufgaben uud sicli zur Flucht wendeten, worauf
die Armee ihren Marsch fortsetzte. Aber bald erschienen die feind-
lichen Reiter wieder, uud hatten es nuu vorzüglich auf die liuke
FJauke und Queue abgesehen. Dadurch kam auch das Leib-Bataillon
Digitized by Google
um -um.
13
in's Feuer, welches fest im Viereck geschlossen, mit aller Ruhe sein
Feuer abgab und die Türken jedesmal zurückschlug. Erst um
'/,G Uhr abends gelangte die Armee, fast erschöpft von dem über-
langen Marsche zu den Römerschanzen, wo eine kurze Rast gehalten
und das lang entbehrte Trinkwasser aus dem Moraste für die der
Hitze und dorn Durste fast erliegenden Soldaten und Pferde geholt
wurde. Endlich um 10 Uhr nachts wurde das Lager gegenüber der
Festung Peterwardein bezogen. Diesen furchtbaren Marsch von
18 Stunden hatten die Truppen in Schlachtordnung, Mann an Mann
geschlossen, in Staub und sengender Hitze ohne einem Tropfen
Wasser und stets vom Feinde beunruhigt, in solch1 musterhafter
Ordnung zurückgelegt, dass auch nicht ein einziger Mann zurück-
blieb. Kaiser Leopold I. zollte der Armee in einem gnädigen
Erlasse vom 14. September die verdiente Anerkennung ihrer ausser-
ordentlichen Leistung.
Die Ermüdung der Truppen forderte nun eine längere Rast,
auch weil die Armee seit drei Wochen nur das schlechte Wasser
der Theiss und der Moräste getrunken hatte. Aber die Gunst der
Verhältnisse, die das Genie Eugens zu benfltzen verstand, kürzte die
Rast bedeutend ab - - die Armee eilte zu einem unsterblichen Siege!
Beim Eintreffen der Armee bei Peterwardein war der Sultan
mit seinem Heere im Lager bei Kovil gestanden, aber schon nach
einigen Tagen, am 7. September, verliess er dasselbe und rückte
Theiss aufwärts. Eugen fasste sogleich den Entschluss, dem Feinde
auf dem Fusse zu folgen, und gab der Armee den Befehl, für den
9. marschbereit zu sein. Die Armee hatte somit nach kurzer Rast
dieselben beschwerlichen Märsche, die sie vor wenigen Tagen mit
so grosser Anstrengung vollführte, wieder zurückzulegen, aber dem-
ungeachtet traten die Regimenter am Morgen des 9. September mit
frischem Muthe zum dritten Male den Marsch über jene öden Steppen
und Sümpfe an ; die Infanterie gelangte nach neunstündigem Marsche
an ihr Ziel. Die Türken hatten alles zerstört, die Bninnen ruinirt
und sogar das Haidegras verbrannt. Am 10. wurde bis Ö-Becse
marschirt, wo die unerwartete Nachricht einlief, dass die Türken
bei Zenta die Theiss passiren, daher noch abends Rekognoszirungs-
Patrouillen abgingen.
Mit Anbruch des 11. September 1697, jenes Tages, der mit
unvergänglichem Glänze in der Geschichte Oesterreichs und der
14
IfiJW- 1ß99.
kaiserlichen Armee strahlen sollte, brachen die Truppen aus dem
Lager auf, und setzten ihren Marsch in der Richtung nach Szegedin
fort. Die Nähe des Feindes machte es nothwendig, dass die Armee
in voller Kampfbereitschaft marschirte. Prinz Eugen Hess die Armee
in zwölf Kolonnen, und zwar sechs von der Infanterie und sechs von
Kavallerie formiren, zwischen welchen die nicht bei den Regimentern
eingeteilte Artillerie marschirte. Gegen 9 Uhr kam die Meldung,
dass die abends ausgesendeten Abtheilungen unweit Zenta in ein
nachtheiligcs Gefecht mit überlegenen Gegnern verwickelt seien,
daher der Prinz rasch Kavallerie zur Unterstützung vorsendete,
welche den Feind zurückwarfen und einen Pascha einbrachten, welcher
aussagte, dass der Sultan mit seinem Heere im vollen Uebergang
über die Theiss bei Zenta begriffen sei. Eine Wegstunde südlich
vor Zenta angelangt, überzeugte sich Prinz Eugen von der Wahrheit
dieser Aussage. Der Tag neigte sich bereits seinem Ende zu, kaum
waren noch einige Stunden bis zur völligen Dunkelheit. Gelang es
dem Feind die Armee nur einige Stunden aufzuhalten, so konnte er
in der Nacht seinen Uebergang beenden, die Brücke abtragen und
dann ungehindert seinen Marsch in das Hera des Reiches fortsetzen.
Eugens Feldherrngenie erkannte, dass nicht nur der Erfolg dieses
Feldzuges, sondern auch der fernere Verlauf des Krieges an die
wenigen Stunden geknüpft sei und entschloss sich rasch zum Angriffe.
Der Feind hatte vor der Brücke ein mit tiefen Gräben ver-
sehenes Retranchement aufgeworfen, welches von Aussen eine Wagen-
burg umgab, ausserdem lief auf 1000 Schritte vor der Brücke eine
halbkreisförmige mit Rondellen und Ausfallsöffnung versehene starke
Schanzenlinie, deren Enden sich an die Theiss lehnten. Die Theiss
war 350 Schritte breit und mit einer Brücke auf 60 Schiffen ver-
sehen. Innerhalb der Verschanzungen befand sich der grösste Theil
der feindlichen Infanterie, einige Cavallerie und zahlreiche Geschütze.
Sobald die Infanterie anmarschirt war, formirte Prinz Eugen
die Armee in Schlachtordnung, so dass sich der rechte Flügel
geschlossen an die Theiss lehnte, der linke aber durch eine doppelte
Linie verstärkt, sich in die Ebene ausdehnte. Zur Deckung dieses
Aufmarsches rückte die Artillerie vor und setzte sich sofort in's
Feuer.
Das Leib-Bataillon Teutschmeister unter Kommando des Obrist-
lieutenant Graf Virmond befand sich mit noch vier Bataillons und
Digitized by Google
1690-1 «99.
15
13 Schwadronen unter F.-M.-Lt. Prinz Vaud^mont, General
Feldwachtmeister Ffärst Liechtenstein im zweiten Treffen des
linken Flügels.
In der obenbezeichneten Schlachtordnung, deren Formation
zwei Stunden beansprucht hatte, rückte nun die Armee Theiss-
aufwärts vor. Unweit Zenta brachen einige Tausend feindliche
Reiter vor, gegen welche Eugen drei Dragoner - Regimenter des
zweiten Treffens personlich vorführte. Der Feind zog sich aber in
die Schanzen zurück und eröffnete aus diesen ein heftiges Gcschfltz-
feuer, welches die Artillerie der Dragoner kräftig erwiderte, während
letztere in ihre Kintheilung rflekkehrten. Die Armee rückte hierauf
bis auf halbe Kanonenschussweite an die feindliche Stellung heran und
vollführte dabei eine Rechtsschwenkung, so dass das Corps de bataille
vor die Wagenburg gelangte, die beiden Flögeln aber sich an den
Flus8 lehnten, und somit der Feind halbkreisförmig von der kaiser-
lichen Armee umschlossen war. Das Gesehützfeuer aus den Schanzen
konnte das mit tadelloser Fräcision ausgeführte Manöver der Truppen
nicht beirren; erst als der linke Flügel in seine Stellung rückte,
versuchte die feindliche Reiterei vorzubrechen, wurde aber durch
ein nachdrückliches Geschützfeuer der Art zurückgeworfen, dass sie
in Unordnung zur Brücke retirirte, welche nun von den Batterien
beider Flügel in's Kreuzfeuer genommen wurde. Hierauf befahl
Eugen die Vorrflckung des linken Flügels, während er die übrigen
Truppen auf die ihnen gegenüberliegenden Theile des Retranchements
dirigirte.
Obgleich der Feind rasch seinen rechten Flügel verstärkte,
und trotz eines mörderischen Kartätschen- und Gewehrfeuers, drangen
die kaiserlichen Truppen nicht nur unaufhaltsam vor, sondern es
erstürmte auch die gesammte Infanterie des linken Flügels, dabei
das Leib-Bataillon Teutschmeister, die Schanzenlinie, warf die Ver-
theidiger in den inneren Raum zurück und fasste die feindliche
Stellung im Rücken. — Fast gleichzeitig begann auch der Angriff
im Centrum und am rechten Flügel. Trotz verzweifelter Gegenwehr
erstieg die Infanterie die Brustwehren und nun begann ein blutiges
Ringen, Mann gegen Mann auf dem ganzen weiten Umkreise den
die feindlichen Werke umschlossen.
Als sich der glänzende Erfolg des linken Flügel fühlbar machte,
und der Widerstand der Türken zu erlahmen begann, waren die
IG
NIM -1099.
kaiserlichen Truppen nicht mehr zu halten. Der jahrelang unbefriedigte
Thatendrang und der Grimm des Kriegers gegen die Erbfeinde,
welche so oft ihr Vaterland in eine Wüste umgewandelt hatten, kam
plötzlich zum gewaltsamen Ausbruche; jeder hatte nur das eine
Bestreben an den Feind zu kommen, sogar die Reiter, durcli die
breiten Gräben aufgehalten, der Infanterie zu folgen, sprangen von
ihren Pferden und stürmten mit dem Degen in der Faust gegen den
Feind. Im verzweifelten Kampfe suchten sich die Türken gegen die
Brücke durchzuschlagen, alleiu die kaiserlichen Bataillone des linken
Flügels hatten ihnen bereits diesen einzigen Rettungsweg versperrt.
Heldenmflthig wie ihre Kampfgenossen am rechten Flflgel und im
Zentrum, hatten sie den Feind zu Boden geschmettert, die hartnäckig
vertheidigte innere Schanze und die Wagenburg genommen, und
den Rückzug der Türken über die Brücke unmöglich gemacht. Nun
folgten die fürchterlichsten Scenen. Von allen Seiten umringt, kämpften
die Feinde hoffnungslos um ihr Leben, denn die kaiserlichen Soldaten
gaben keinen Pardon, obwohl ihnen von den Pascha's und höheren
Offizieren bedeutendes Lösegeld geboten wurde. Ein grosser Theil warf
sich in die Fluthen der Theiss, oder wurden in das Wasser gedrängt;
aber auch hier folgten die ergrimmten Sieger und richteten ein furcht-
bares Blutbad an. Erst die vollständige Dunkelheit schloss diesen Akt
rächender Vergeltung. Die ruhmvolle Geschichte des kaiserlichen
Heeres war um eines ihrer glänzendsten Blätter und um einen der
schönsten Siege bereichert, die Oesterreichs Waffen je erkämpft.
Man hatte gar keine Gefangenen gemacht, erst später wurden
einige unter den Leichen und aus den Brückenschiffen hervorgezogen,
von welchen man erfuhr, dass ausser der Leibwache des Sultans,
die gesammte feindliche Infanterie im Gefecht gewesen sei. Mehr
als 20.000 Todte bedeckten das Schlachtfeld, über 10.000 wurden in
die Theiss gesprengt, deren Leichen das Wasser an der Brücke
stauten, kaum 2000 entkamen auf das jenseitige Ufer. Die feindliche
Reiterei am jenseitigen Ufer zerstob in wilder Flucht; der Sultan
floh nach Temesvär und das ganze Lager mit allen Vorräthen und
Schätzen fiel den Siegern zur Beute. Die türkische Armee war ver-
nichtet, welche noch einige Stunden früher in übermächtiger Kraft
das Reich des Kaisers, die Kultur und Sicherheit Mittel - Europas
bedrohte. Seit Zenta musste die Türkei alle Vcrgrösserungspläne
aufgeben. Europa war durch diesen Sieg von einer seit Langem
Digitized by Google
1090-160«).
17
drohenden Gefahr befreit, Kultur und Sitte vor dem zerstörenden
Griffe asiatischer Barbarei bewahrt.
Zwei Stunden nach Sonnenuntergang wurde die Armee aus
den Verschanzungen zurückgezogen, und bezog in deren Nähe das
Lager; nur ein Bataillon hielt die Brücke besetzt. Am nächsten
Tage erst wurde das Lager ausgesteckt, und die Bataillone geordnet,
von jedem Regiment Hess Eugen eine Abtheilung in das verlassene
feindliche Lager rücken, um die wohlverdiente Beute zu machen.
Der Verlust der Armee betrug an Todten 28 Offiziere, 401 Mann;
an Verwundeten 133 Offiziere und 14G5 Mann; leider siud die Verluste
nicht spezifizirt, daher jene des Leib - Bataillons nicht angeführt
werden können.
Am frühen Morgen des 12. setzte die Kavallerie dem fliehenden
Feinde nach und machte noch grosse Beute. Mit der Siegesbotschaft
ging am selben Tage der F. - M. - Lt Prinz V a u d <5 m o n t nach Wien,
welchem am 15. der Dragoner - Obrist Graf Dittrichstein mit
der Relation, 7 eroberten Rossschweifen und 423 Fahnen folgte.
Kaiser Leopold I. zeichnete für ihr hervorragendes Benehmen
in der Schlacht mehrere Offiziere durch kaiserliche Dankschreiben aus.
Unter diesen befand sich auch der Obristlieutenant Graf Virmond,
ein Beweis, dass sich das Leib - Bataillon Teutschmeister jedenfalls
sehr tapfer benommen hatte. Dieses Dankschreiben lautete:
„Demnach Uns von Unseres (titul.) Prinzen Eugcnii zu
„Savoyen Durchlaucht, sehr angerühmt worden, dass Du Dich bei
.der, am 11. dieses unweit Zenta mit dem Feind vorbeigegangenen
„Action und vermittelst göttlicher Gnade erfolgten, so stattlichen
„und remarquablen Victori gar wohl verhalten, und dabei Deinen
„Valor und Tapferkeit absonderlich erwiesen habest, und Uns solches
,zu gnädigstem Wohlgefallen, Dir aber und Deiner Posterität zum
„steten Nachruhm gereichet ; als werden Wir solche von Dir er-
„wiesene Tapferkeit und prästirte Treue und erspriesslichen Dienste
„data occasione, mit kais. und königl. gnädigste Zuerkennung nicht
„unterlassen; thuen Uns auch hingegen gnädigst versehen, Du werdest
„fürohin wie bisher, Unseren und des gemeinen Wesens Dienst bester-
„massen zu befördern, Dir noch weiteres nach möglichsten Kräften
„angelegen sein lassen."
Wien, 27. September 1697.
•Leopold m. p.
2
18
Ära 14. September wurde das Lager wegen des penetranten
Geruches der vielen tausend noch nnbeerdigten Leichen abgebrochen
und nördlich zwischen Zenta und Kis - Kauisza verlegt. Hier blieb
die Armee bis 28., an welchem Tage sie das Lager verliess und
nach einem fünfstündigen Marsche den Weiher Palies-Tö* erreichte,
an welchem sie das Lager bezog. Der gänzliche Mangel an Holz
und zum Theil auch an trinkbarem Wasser nöthigte die Armee am
29. zu einem siebenstündigen Marsche bis Melykut; am 30. wurde
nach Rigyicza und am 1. Oktober nach S/intova an der Donau
marschirt. G. d. K. Graf Rabutin war nach Siebenburgen zurück-
gekehrt und der Wunsch des Prinzen K u g e n, dass sich die dort
befindlichen acht Kompagnien Teutschmeister mit dem Leib-Bataillon
vereinigen sollen, wurde vom Hofkriegsrath nicht bewilligt. Am
5. Oktober ruckte die Infanterie unter G.-F.-W. v. Hasslingen
nach Mohäcs, die Kavallerie nach Pest und die Artillerie nach
Böhmen.
Prinz Eugen hatte wegen dem bei den Truppen herrschen-
den Mangel an Montur, Geld und Proviant auf alle weiteren
Operationen verzichten müssen und desshalb bezog die Armee so
frühzeitig die Winterquartiere. E u g e u unternahm aber noch mit
6000 Mann einen Einfall in Bosnien, der von dem besten Erfolge
gekrönt war. Das Leib-Bataillon war dabei nicht betheiligt, sondern
bezog in Ungarn die Winterquartiere, wo die Truppen bequartirt
und sich mit der Hausmannskost, die der Quartiergeber verabreichte,
begnügen mussten; die Offiziere erhielten für jede Mundportion
drei Keichsthaler, wofür sie sich selbst zu verpflegen hatten.
Im Laufe des Winters erhielt das Regiment von den Reichs-
werbungen zwar einige Rekruten, aber der kompletc Stand wurde
nicht erreicht.
Anfangs August 1698 sammelten sich 18 kaiserliche Infanterie-
und 16 Kavallerie-Regimenter nebst einem Theil der Feld-Artillerie
bei Kolluth. Am 3. August rückte auch der Regimentsstab und das
Leib-Bataillon .Pfalz- Neuburg- Teutschmeister" wie das Regiment
in allen damaligen Akten benannt ist, hier ein und bezog mit der
Infanterie das Lager bei Monostorszeg.
Da der Feind schon bei Belgrad stand, wartete Prinz Eugen
die fehlenden Truppen nicht ab, sondern ordnete auf deu 4. August
den Vormarsch an. Die Armee gelangte über Zombor, Labschatza
Digitized by Google
J«90-ltt»9.
19
und Kovacsevecz am 7. August nach Bacs, wo sie Rasttag hielt und
sich mit Proviant versah. Am 9. marsehirte die Infanterie nach
Bukin, die Kavallerie nach Illotzka, wo die Armee bis 18. verblieb,
um die noch ausständigen Truppen zu erwarten. Am 19. wurde
nach Glozsän marschirt, dort am 20. gerastet, am 21. über Futak
bis gegenüber Peterwardein vorgerückt und das Lager bezogen.
Hier blieb die Armee den folgenden Tag, folgte am 23. der vor-
jährigen Route Aber die Romerscbanze bis Käty und langte am 24.
auf demselben Lagerplatz bei Kovil an, von wo Prinz Eugen
im Vorjahre die denkwürdigen Operationen begonnen, welche zum
Siege von Zenta führten. Die Schanzen fanden sich noch wohl-
erhalten vor, aber die Ortschaften hatten die Türken der Erde
gleich gemacht.
Um den Feind, welcher fortwährend ruhig bei Belgrad stand,
zur Ergreifung der Offensive zu nüthigen, traf Prinz Eugen alle
Vorkehrungen, um Temesvär zu bedrohen, kommandirte am 26.
eine starke Truppenabtheilung, dabei das Leib- Bataillon, unter
General Spielberg, um den Morast bei Vilova gangbar zu machen
und durch Schanzen zu sichern. Die Armee blieb während diesen
Arbeiten im Lager bei Kovil, wo mehrere Regimenter Verstärkung
eintrafen. Mit dem Aufgebote aller Kraft wurde bis 29. August eine
570" lange Brücke über den Morast und eine dreifache Schanzen-
linie zu Stande gebrocht, worauf die Armee am 30. morgens ihre
Vorrückung begann und abends das Lager am Tiller Berge bezog.
Hier wurden fflnf Brücken über die Theiss geschlagen, am 2. September
diese überschritten und an der Stelle des beutigen Pertaszväros
gelagert. Der Feind beunruhigte durch nichts diesen Uebergang,
sondern blieb ruhig in seiner Stellung, daher Prinz Eugen bcschloss,
den Vormarsch gegen Becskerek fortzusetzen. Die Armee brach am
8. auf, rückte an die Bega, eine Stunde südlich Becskerek, und
lagerte in Gefechtsbereitschaft. Eugen wartete nun die Wirkung
seiner Vorrflckung ab, Hess grössere Streifungen gegen Temesvdr
vorgehen, am 14. aber das Lager abbrechen, die Armee den Bega-
nuss überschreiten und eine vortheilhafte Stellung knapp an Becs-
kerek nehmen. Auf die Nachricht, dass von den Türken ein grosser
Proviant -Transport, nach Temesvär im Anzüge sei, eilte Prinz
Eugen mit der gesammten Kavallerie dorthin, warf den Feind
zurück und vereitelte die Verprov iantimng.
2*
20 lm-im.
Mittlorweile wor die Diplomatie zur Herstellung des Friedens
sehr thätig gewesen, denn alles sehnte sich nach 15jährigen ununter-
brochenen Kriegen nach Ruhe. Am 26. September erhielten die
kaiserlichen Friedens -Bevollmächtigten ihre Instruktionen, und da
Prinz Eugen die Nutzlosigkeit jedes weiteren Versuches im Felde
mit Aussicht auf Erfolg einsah, Hess er am 5. Oktober die Armee
von Becskerok abmarschircn und am linken Theissufer, Zablya
gegenüber, ein Lager beziehen.
Schon wiederholt hatte Prinz Eugen auf die Wichtigkeit von
Arad hingewiesen; der Kaiser besehloss nun die regelrechte Be-
festigung dieses Platzes und befahl, unverzüglich damit zu beginnen.
In Folge dessen rückten am 15. Oktober unter Obrist Solari vier
Regimenter und das Leib -Bataillon Teutscbmeister, denen am 16.
noch 12 Geschütze folgten, nach Szegedin. Am 18. traf die Nach-
richt vom abgeschlossenen Waffenstillstand bei der Armee ein,
worauf Tags darauf dieselbe nach Zablya marschirte, von hier aber
12 Kavallerie-Regimenter nach Arad rückten, während der Rest der
Armee sich mit dem Ausbau der Werke von Zablya zu beschäftigen
hatte. Am 22. erreichte der Prinz Szegedin, rückte mit den vor-
benannten Truppen des Obrist Solari am 24. bis Deska, 25. Nagy-
Läk, 26. bis zu den Ruinen des von den Türken zerstörten Szemlak,
und am 27. nach siebenstündigem Marsche nach Arad. Nachdem
Infanterie und Kavallerie ihre Lager auf der Insel bezogen hatten,
begann am 29. die Infanterie die Arbeit. Das Leib - Bataillon
Teutschmeister hob den ersten Graben aus, und in der kurzen
Zeit von 29 Tagen entstanden unter Eugen 's obersten Leitung
ansehnliche Erdwerke mit doppeltem Brückenkopfe; sämmtliche
Brustwehren waren mit Faschinen verkleidet und durch Palissaden
verstärkt.
Die vorgeschrittene Jahreszeit hinderte die ferneren Arbeiten,
und da die bis auf Weniges vollständig durchgeführte Fortificirung
des Platzes erreicht war, so liess Prinz Eugen am 27. November
das Lager aufheben und die Regimenter nach Zurücklassung einer
Garnison in die Winterquartiere abrücken, womit die Unternehmungen
des .Jahns 1698 ihren Schluss fanden.
Ende Oktober hatten die Friedensverhandlungen zu Karlowitz
begonnen und am 26. Jänner 1699 wurde der Friede zwischen dem
Kaiser und der Pforte auf fünf und zwanzig Jahre abgeschlossen.
Digitized by Google
HiJMl-1«»».
21
Siebenbürgen und die damit verbunden gewesenen ungarischen Bezirke
blieben dem Kaiser, der Temesvarer Bezirk den Türken.
Hierauf erfolgte die Entlassung der fremden und Auxiliar-
Regimenter, auch wurde die A/mee mit Ausnahme der in Ungarn
und Siebenburgen stehenden Regimenter bedeutend reduzirt, wovon
das Regiment nicht betroffen wurde. Obristlieutenant Graf Virmond
rückte mit dem Stab zu den beiden in Siebenbürgen befindlichen
Bataillons, dagegen übernahm Obristwachtmeister von Collet das
Leib -Bataillon, welches Kaschau als Garnison erhielt. Hauptmann
Z e p p e 1 quittirte und wurde Hauptmann bei der Wiener Stadt-
Guardia; seine Kompagnie erhielt Hauptmann Graf Onelli.
Laut der im k. k. Kriegsarchive befindlichen ältesten Ausweise
sämmtlicher Offiziere der k. k. Armee bestand das Offiziers - Korps
im Jahre 1G99 aus dem:
Obrist-Inhaber Franz Ludwig, Herzog in Bayern, Hoch-
und Teutschmeister ;
Obristlieutenant Damian Graf Virmond;
Obristwachtmeister Franz von Collet;
Hauptleuten Moriz Freiherr von Mühlen, Johann Graf
Onelli, Heinrich Vely, Johann Frik, Johann Graan, Johann
von der M ü 1 b e n, Franz Graf Nesselrod, Betram Baron von
Wachtendonk, Gottfried Zeppel, Heistermann, von
Blumenkron;
Lieutenants Anton Pukoneffy, Johann Baumgarten,
Rudolf Pietz, Johann Kessel, Christof K ä r g e n, Augustin
Thonnen, Philipp Gruthausen, Josef G rann, Gerhardt
Mannem und Christian Sturkhardt;
Fähndrichs Franz Bruno, Michael P e r t i n g, Franz Chevalier
Petruvi, Albrecht Kessel, Basil Dörnek, Friedrich Gabel,
Augustin Hanau, Rudolf Baron Hornstein, Leonhardt Hamoth,
Arnold Wöltrun, Matthäus Nagel.
Das Leib -Bataillon rückte im Sommer nach Kövär und von
hier im Dezember in die Haidukenstädte. Die Bataillone in Sieben-
bürgen blieben in Hermanstadt und Bistritz.
22
1700-1711
1700-1711.
Von dem am 11. Mai 1700 reduzirtcn Regiment Mompelgand
erhielt das Regiment 172 Mann zur Deckung seines Abganges.
Se. Majestät geruhte mit Patent vom 3. August 1700 den
Obristlieutenant Damian Graf Virmond zum Obristen zu befördern.
Das Regiment war mit acht Kompagnien in seinen alten Postirungen
in Siebenbürgen, mit vier Kompagnien in Ungarn — mit eiuem
Stand von 1677 Mann.
Im Jahre 1701 erhielt die k. Armee Feuergewehre mit fran-
zösischen Schlössern, die Mannschaft statt den Degen die bei der
Erstürmung von Ofen, 2. September 1686, das erste Mal ange-
wendeten Bajonnete, die Grenadiere Säbeln.
Wahrend der Garnisonirung des Obrist-Bataillons in Hermann-
stadt wurde Kapitän-Lieutenant Fischer des Sachseu-Gothaischen
Regiments wegen Rebellion, nach infamer Kassation auf dem grossen
Platze die rechte Hand abgehauen, uud hierauf enthauptet ; auch fünf
Musketiere des Thürheimischen Regiments, weil sie ihren Posten an
der Grenze ohue Gegenwehr dem Feinde überlassen, enthauptet, dann
geviertheilt und ihre Körper an den Strassen ausgesteckt. Bei der
Enthauptung des Grafen der sächsischen Nation, Hans Sax von
Harteuek, war am 14. Oktober 1703 das Bataillon mit der ge-
sammten Garnison auf dem grossen Platze ausgerückt.
Seit dem pyrenäischen Frieden, und noch mehr seit dem Tode
König Phil ipps IV. von Spanien 1663, war unter allen politischen
Fragen, die über das künftige Schicksal der spanischen Monarchie
eine der bedeutendsten. Kaiser Leopold I. hatte unzweifelhafte
Ansprüche auf dieselbe, denn als Karl II. am 1. November 1700
starl), hatte er ganz unrechtmässig Philipp von Anjou zum
Erben Spaniens eingesetzt, und da Frankreich hievou Gebrauch
machte, gab diess Veranlassung zu jenem grossen Kampfe, der unter
dem Namen „der spanische Successiouskricg* bekannt ist, und in
welchem später auch das Regiment mitzuwirken berufen wurde.
Kaiser Leopold im Bündnisse mit England, Schwaben, Franken
u. a. hatte am 15. Mai 170J an Frankreich den Krieg erklärt;
Digitized by Google
Digitized by Google
Obristwachtmeister und Musketier von
Hoch -u nd Deutschmeister.
1700-1711. 23
Baiern und Köln standen auf der Seite der Franzosen. Am thätigsten
ffir den Kaiser zeigte sich der neue König Friedrich von Preussen,
welcher von demselben vor Kurzem die Königswürde erhalten hatte.
Um den Kaiser möglichst zu schwächen, hatte Ludwig XIV.,
König von Frankreich, Emissäre nach Ungarn an Franz Rdkoczy
gesendet, welchen sie auch bereit fanden, sich als Werkzeug fflr
fremde Pläne gebrauchen zu lassen. Seine verrätherische Verbin-
dung mit Ludwig XIV. wurde jedoch entdeckt und Räkoczy
im April 1701 verhaftet. Im November gelang es ihm durch die
Hilfe eines cid- und ehrvergessenen Rittmeisters aus Wiener -Neu-
stadt zu entfliehen, welcher Rittmeister dann enthauptet, geviertheilt
und seine Körpeneste au den Strassen aufgesteckt wurden.
Nun erhob R ä k o c z y die Fahne der Rebellion, in Folge dessen
ein durch Gräuel, Verwüstung, glänzende Waffcnthaten und Unge-
mach der kaiserlichen Truppen, äusserst beschwerlicher und hart-
näckiger Krieg 1703 ausbrach, welcher erst 1711 durch den Vertrag
von Szäthmär dauernd beigelegt wurde.
Die beiden Bataillone des Regiments in Siebenbürgen ver-
einigten sich iu Klausenburg und rückten nach Ober -Ungarn, wo
der Kaiser den Adel aufbieten Hess, mit welchem Alexander Käroly
und Stefan Czäky die Rebellen bei Dotha schlugen. Räkoczy
selbst erlitt Ende Juni eine Niederlage bei Munkäcs.
Nach diesen Unternehmungen rückten die beiden Bataillone
nach Kaschau, wo nun das Regiment mit IG Kompagnien ver-
einigt war.
Mit letzten Juni 1703 crtheilte Se. Majestät dem Obristen
Damian Hugo Graf Vi rmond die Bewilligung, ein neues Infanterie-
Regiment, jetzt Nr. 1(>, zu werben, wozu das Regiment die vier
jüngst erhaltenen schlesischen Auktions-Kompagnien unter den Haupt-
leuten von Buttler, Reichel, Brett witz abgab. Hauptmann
Baron Dalberg, welcher die vierte Kompagnie kommandirte, hatte
inzwischen die Kompagnie des Obristwachtmeisters von Collet er-
halten, welcher auf einer Jagd angeschossen, in Folge dieser Ver-
wundung starb. Ausser diesen Kompagnien wurden noch die Leib-
Kompagnie des Obristen Grafen Virmond, die Obristlieutenant-
und die Kompaguien der Hauptleute Baron Wachtendonk und
Urly abgegeben, so dass das Regiment Teutschmcistcr nur mehr
aus acht Kompagnien bestand. Später wurden noch einige Stabs-
24
1700-1711.
Parteien transferirt, die Kompagnie Wachtendonk aber wieder zurück-
gegeben.
Tn die erledigten Stabsoffiziersstellen geruhte Se. Majestät den
Hauptmann Bertram Anton Baron Wachtendonk, deutscher
Ordens-Ritter, zum Obristlieutenant und Regiments - Kommandanten
und den Hauptmann Graf Nesselrod zum Obristwachtmeister zu
ernennen. Auch erhielt das Regiment abermals vier Auktions-Kom-
pagnien aus Schlesien unter den Hauptleuten v. Bohunsky,
Br. Britschke, Mengen und Wargotsch, ausserdem auch
250 Rekruten aus Oesterreich. Graf Virmond wurde später Feld-
zeugmeister und kaiserlicher Gesandter zu Konstantinopel.
Im März 1704 passirte das Regiment in Kaschau die Musterung,
worauf ein Bataillon nach Pressburg marschirte und dort seine Ein-
theilung in die Brigade des General -Feldwachtmeisters Baron Rit-
schan erhielt.
Diese Brigade, welche aus 2331 Mann Infanterie, 150 Reiter
und 4 Geschützen bestand, rückte auf Befehl des kommandirenden
Generalen Feldmarschall Graf Heister nach Szcreth zur Bchauptuug
der Waag. Auf dem Hinmarsche litten die jungen ungedienten Leute
nebst den Uebrigeu, ausserordentlich durch den gänzlichen Mangel
an Brod, daher der General in Smölnitz am 21. Mai 1704 Rasttag
halten und Brod backen liess. Gegen Abend zwischen 9 und 10 Uhr
brachte ein Kourier des Schlosskommandanten von ScharfTenstein
die Nachricht, dass der Feind mit bedeutender Macht im Anzüge
sei, um das Lager zu überfallen. General Ritschau hielt sogleich
Kriegsrath, ordnete nach demselben wieder den Rückzug über das
Gebirge nach Skalitz an, worauf die Brigade um 1 1 Uhr bei finsterer
Nacht links abmarschirte. Die Avantgarde koinmaiulirte Obrist-
lieutenant Baron Maitz an, die Arrieregarde Obristlieutenant Baron
Wachtendonk des Regiments. Um 2 Uhr nach Mitternacht
erreichte die Brigade allmälich den Fuss des Gebirges und schickte
sich an, dasselbe durch einen l'/2 Meilen langen Wald zu ersteigen,
als die Rebellen unter Geschrei und heftigem Feuern die Avantgarde
angriffen. Kaum war dieser Angriff nach einem halbstündigen Char-
gieren mit Pelotons zurückgewiesen worden, als die 2000 Manu
starken feindlichen Reiter die Arrieregarde mit solchem Ungestüm
angriffen, dass unsere wenigen Reiter Schutz uuter dem Feuer der
Bataillone Tcutschmeister und Starhemberg suchen mussten. Nach
Digitized by Google
1700 1711.
25
einem anderthalbstfindigen mörderischen Gefecht, in welchem von
den Rebellen 300 Mann auf dem Platze blieben, wurde von den
beiden tapferen Bataillons auch dieser Angriff abgeschlagen. Von
der Brigade blieben gegen 100 Mann; General Ritsch an wurde
zweimal, Obristlieutenant Baron Wachtendonk durch einen Schuss
in den rechten Arm verwundet. Hierauf setzte die Brigade ihren
Marsch fort, während der Feind beobachtend folgte.
Kaum war die Kolonne in den Wald gelangt, als sie abermals,
nun von allen Seiten von Infanterie und Kavallerie angefallen
wurde ; aber wieder setzte sie ein kräftiges Pelotonfeuer entgegen
und warf den Feind abermals zurück, welcher aber fortwährend die
Angriffe, geschützt durch das Dickicht des Waldes erneuerte, wo-
durch die Brigade von 4 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags zu einem
unaufhörlichen Kampfe gezwungen und nicht im Stande war, das
Defitee zu passiren. Um diese Zeit schickte Obristlieutenant Baron
Wachtendonk einen Lieutenant mit der Meldung zum Brigadier,
dass sich die Arrieregarde gänzlich verfeuert habe, und nur auf
das Bajouuet angewiesen sei, welcher aber nicht mehr zurückkehrte.
Mittlerweile war der Geueral aus dem Wald debouchirt und liess
die Truppen einige hundert Schritte in der Ebene halten, um den
Anmarsch seiner Arrieregarde zu erwarten. Nim zeigten sich starke
Rebellenhaufen, um den Weg nach dem eine halbe Stunde entfernten
Jablonitz zu verlegen, worauf der General in den Wald zurück-
schickte und die Arrieregarde zur Beschleunigung des Marsches
auffordern liess, Jablonitz dann mit Sturm nahm und vor dem Orte
die 70 Bagagewägen als Wagenburg auffahren liess.
Der Feind, welcher sich auf 15.000 Mann belaufen haben soll,
übersah nun die geringe Stärke der debouchirten Brigade, griff
sogleich au, und zwang den General Ritsch an sich in das Schloss
zurückzuziehen, wo er sich abends am 22. Mai wegen gänzlichem
Mangel an Munition und Lebensmitteln, nachdem es dem Haupt-
mann Renaud von Jungdaun - Infanterie mit 300 Mann und
50 Reitern gelungen war, sich nach Skalitz durchzuschlagen,
ergeben musste.
Als es dem Obristlieutenant Wachtendonk endlich gelang
aus dem Walde zu debouchiren, sah er zu seiner Ueberraschung
statt der gehofften Brigade den Feind gegen sich anrücken. Er liess
sogleich einen Kanonenschuss abfeuern, in der Hoffnung, den General,
26
1700-1711.
welchen er in Jablonitz vermuthen musste, von seiner Ankunft zu
avisiren; als dort alles still blieb, beschloss er, sich bei der Ueber-
macht der Feinde und seinem Mangel an Munition und Lebensmitteln
nach Scharffenstein zurückzuziehen, welches er auch, unter fort-
währenden Scharmützeln um 4 Uhr erreichte. Hier wurde den
äusserst ermüdeten Soldaten, welche nebstbei zwei Tage kein Brod
erhalten hatten, eine kurze Rast gegönnt, dann der Marsch bis
Blasenstein fortgesetzt, und am 20. Mai Auger an der March erreicht,
ohne vom Feinde weiter verfolgt worden zu sein.
Diese Aktion wurde später Ursache zu einer kriegsgerichtlichen
Untersuchung, aus welcher Obristlieutenant Baron Wachtendonk
und seine Truppe, welche im Gefechte 250 Mann verloren hatte, so
ehrenvoll hervorging, dass Se. Majestät sich bewogen • tänd, den
heldenmüthigen Obristlieutenant auszeichuungsweise zum übristen
zu ernennen.
Das Bataillon vereinigte sich dann wieder mit dem Regiment
in Kaschau und blieb hier dieses Jahr als Besatzung, ohne an den
stattgefuudeneu weitereu Kämpfen Tlieil zu nehmen.
Kaiser Leopold L hatte den Insurgenten noch im Früh-
jahre Amnestie angeboten ; diese trotzten aber, kühn gemacht durch
einige errungene Vortheile und die wiederholt zugesicherte franzö-
sische Unterstützung. Hierauf vertrieb sie Heister mit deutschen,
Pälffy mit ungarischen Truppen aus den Komitaten am rechten
Donau-Ufer, ging dann bei Komorn über die Donau und schlug
das Räkoczy'sche Korps am 14. Juni bei Koroneso. Dagegen
musste sich Neuhäusel am 15. November ergeben, worauf die In-
surgenten Leopoldstadt belagerten, aber am 26. Dezember unweit
Tyruau von Heister der Art gesehlageu wurden, dass sie auch
diese Belagerung aufgeben mussten. Heister bezog Winter-
quartiere bei Tyrnau; Räkoczy au der Waag und um Erlau. Die
Stände Siebenbürgens hatten Räkoczy zu ihrem Fürsteu erwählt,
jedoch die meisten festen Plätze hielt F.-Z.-M. Rabutin mit
kaiserlichen Truppen besetzt.
Am 26. April passirtc <las Regiment die Musterung, und
errichtete am 1. Mai aus den bei jeder Kompaguie befindlichen
acht Grenadieren die erste Grenadier - Kompagnie, welcher der
Lieutenant Byrr als Grenadier -Hauptmann vorgestellt wurde, und
wodurch nun das Regiment 17 Kompagnien formirte. Denselben
Digitized by Google
1700-1711
27
Tag wurde Obristwachtmeister Graf Nesselrod zum Obristlieute-
nant beim Regiment Virmond ernannt und seine Kompagnie dem
Quartiermeister Engelhard von Camellern verliehen, dagegen
Wenzel Nendek zum Quartiermeister ernannt. Hauptmann Damian
Casimir Baron Dalberg wurde vom Regiments-Inhaber zum Obrist-
wachtmeister befördert.
Am 5. Mai 17U5 starb Kaiser Leopold L zu Wien im
49. Jahre seiner Regierung. Nach der Vorschrift der damaligen
Zeit fonnirte das Regiment einen Ring um den Christen, welcher
den Tod des Monarchen publizirte und eigenhändig die Trauerflore
an die Fahnen band. Kaiser Joseph I., welcher schon 1687 als
ungarischer, 1090 als römischer König gekrönt worden, bestieg den
Thron seiner Ahnen.
Eude September wurde Obristlieutenant Baron Wachten-
donk als wirklicher Obrist, Obristwachtmeister Baron Dalberg als
Obristlieutenant und Hauptmann Moriz Br. M ühleu als Obristwacht-
meister dem Regiment vorgestellt. Ueber diese Vorstellungen der neu
Beförderten bestand nachstehende Vorschrill. Der Obrist, welchem
ein Regiment von Sr. Majestät verliehen worden, ward durch
einen Oberkriegs - Koiuniissarius vorgestellt, wofür ihm der Obrist
100 Species - Dukaten überantworten und für seine gehabte Mühe
ein beliebiges Präsent zuzustellen hatte. In der Folge geschah diese
Vorstellung durch den kommaudireuden oder einen hiezu delegirten
Generaleu. Die Gebühr bestand dann für den Vorsteller in einem
Reitpferd sammt allem Zugehör, für den Kommissarius 100 Speeies-
Dukaten und für das Patent an den Hofkriegsrath 450 H. Dem
Obristwachtmeister, welcher die Vorstellung der Olliziere vom Haupt-
mann abwärts zu vollziehen hatte, gebührte jedesmal von dem betref-
fenden Offizier ein Paar gute Offiziers- Pistolen. Dem Oberolbzier,
welcher in der Zeit avancirte, als das Regiment die Parole erhielt,
überbrachte der Wachtmeister Lieutenant (Adjutant) nach seiner
Vorstellung abends die Parole in Person, wofür der Beförderte ihm
einen Dukaten zu übergeben hatte.
Eude September erhielt das Regiment 300 Mann aus Schlesien,
wodurch sich der Stab und die 17 Kompagnien auf voller Kriegs-
stärke befanden.
Nach der vorhandenen Liste bestand der Stab 1705 aus: Obrister
und Regiments - Inhaber Franz Ludwig, Hoch- und Teutschmeister-
28
1700-1711
Obrist, Reginients-Kommandant Bertram Anton Freiherr v. Wachten-
donk, Obristlieutenant Damian Kasimir Freiherr v. Dalberg.
Obristwachtmeister Christof Moriz Freiherr v. Mflhlen. Aggregirte
Hauptleute v. Fortenburg, Mathias v. Wallis, Bittner, Lieute-
nant Franz Wurff, v. Wagen heim, Mayer. Quartiermeister
Wenzel Neudek, Auditor Kaspar Rosa, Kaplan Benedikt Char-
m o i s eil e, Wachtmeister Lieutenant Georg L i n k a, Proviantmeister
Kaspar Müller, Wagenmeister Hermann Hubert, Profoss cum suis
Andreas Steiner.
Die 17 Kompagnien hatten folgende Hauptleute: Byrr, von
der Mülben, v. Heistermann, de Graan, Graf Onelli,
v. Blumenkron, Bohunsky, Baron Britschk e, Wargotsch,
v. Behner, v. Lockstädt, v. Camellern, v. Mangen. Die
Leib-, Obrist-, Obristlieutenant- und Obristwachtmeister-Kompagnien
kommandirten Lieutenants, deren Namen nicht angeführt sind.
Ludwig XIV. nährte auch in diesem Jahre die Unruhen in
Ungarn mit Geld und Truppen, wodurch ein Theil der kaiserlichen
Truppen hier beschäftigt wurden. Im Mai 1705 begann Rakoczy
mit dem Kaiser zu unterhandeln, doch die Feindseligkeiten währten
fort. Rakoczy rückte im Sommer mit seiner Hauptmacht an
die Waag vor, und wurde am 12. August vom Feldmarschall
Graf Herbeville bei Pudmeritz und Bibersburg geschlagen.
Trotzdem drangen seine Reitcraehaaren wiederholt nach Mähren und
plünderten weite Landstriche. In Siebenbürgen erhielt sich noch
immer Rabutin, zu dessen Unterstützung Herbeville Ende
Oktober über Grosswardeiu anrückte. Zu diesem Unternehmen
hatte derselbe alle in Ungarn disponiblen Truppen versammelt
und auch das Regiment aus Kaachau an sich gezogen. Rakoczy
und Forgäcz erwarteten mit 23.836 Manu den Einbruch der
Kaiserlichen in einem gut verschanzten, mit zahlreichem Geschütz
versehenen Lager bei Schibo.
Am 11. November 1705 gegen Mittag befahl der Feldmarschall
den Angriff der feindlichen Linien. Obrist Wachtendonk, dessen
Kommando ausser dem Regimente nocli drei Bataillons untergeordnet
waren, hatte zur Seite des Generals Löwenburg die Mitte der
feindlichen Verschanzungen zu forciren. Seine Truppen mussten,
bevor sie an dieselben gelangen konnten, einen in die Samos ein-
fallenden Bach im feindlichen Kanonenfeuer bis an den Gürtel
Digitized by Google
1700-1711
29
durchwaten , was sie nach dem Berichte des Feldmarschalls in
ungemein kurzer Zeit bewerkstelligten. Kaum an dem jenseitigen
Ufer angelangt, wurden sie von einem feindlichen Korps auf das
Hitzigste angegriffen; Wachtendonk rückte kühn vor und hielt
dasselbe so lange auf, bis sich alle Bataillons formirt hatten. Hierauf
begann er den Angriff, unterstützt durch drei Eskadrons Löwenburg-
Dragoner im Verein mit dem General Löwenburg durch ein
heftiges Feuer, erstürmte dann im unwiderstehlichen Anlauf die
Brustwehren, bemeisterte sich des auswärtigen Ketranchements und
brachte den weichenden Rebellen, welche zuletzt in wilder Flucht
auseinanderstoben, einen namhaften Verlust bei.
Bei der grossen Erbitterung der Soldaten gegen die Rebellen
wurden nur wenige Gefangene gemacht, dagegen bedeckten gegen
4000 Tode der besten ungarischen und französischen Truppen
Räkoczy's die Wahlstatt. Erobert wurden 50 Fahnen, 28 Kanonen,
viele Munitions- und Proviantwägen. Der Verlust der Kaiserlichen
an Todten und Verwundeten betrug 450 Mann.
Feldmarschall Graf Herbe ville rühmte in seinem Bericht an
den Kaiser auf das Höchste die unvergleichliche Tapferkeit der
Truppen nach den vielen Nöthen, Fatiquen und Beschwerlichkeiten,
denen sie durch Mangel an Proviant, forcirte Märsche in übelster
rauher Witterung bis zur Stunde des Angriffes ausgesetzt waren.
Nach Besetzung mehrerer fester Plätze bezogen die Truppen
Winterquartiere, nachdem Ende Oktober zu Tyrnau der Friedens-
kongress begonnen hatte.
Am 20. März 1 706 wurde der Hauptmann v. Wildchan
mit 73 Mann von einem aufgelösten Freikorps dem Regiment
in Zutheilung gegeben. An demselben Tage starb Hauptmann von
Blumenkron, welcher seit Errichtung des Regiments in dem-
selben diente.
Bei Sterbefällen waren folgende Gebühren festgestellt: Wenn
ein Stabsoffizier oder Hauptmann ab intestato starb, so war der
Obrist der Erbe: von den Subaltern - Offizieren und von der Mann-
schaft hatte der Hauptmann die Erbschaft anzutreten. Von einem
Obristen gebührte dieselbe dem General unter dessen Kommando
das Regiment stand. Sonst waren folgende Gebühren üblich: Vom
Obristlieutenant die Partisane nebst 100 Dukaten oder das beste
Reitpferd dem Obristen, der Stock und ein Paar Pistolen dem
30
1700-1711.
Obristwachtmeister, der Degen den Tambours; vom Obristwacht-
meister, der Degen den Tambours, der Stock dem Adjutanten, ein
Paar Pistolen dem Obristlieutenant, ein Pferd oder 100 Dukaten
dem Obristcn ; vom Hauptmann der Degen den Tambours, der Stock
dem Obristwachtmeister, die Partisane dorn Obristlieutenant. dem
Obristen das beste Pferd oder 100 Dukaten; von einem Lieutenant
ein Paar Pistolen dem Hauptmann, die Partisane dem Adjutanten,
der Stock dem Profossen, der Degen den Tambours ; vom Fähnrich
ein Paar Pistolen dem Hauptmann, die Partisan»1 dem Adjutanten,
der Stock und der Degen den Tambours.
Ende April 170G ist Hauptmann von C am eil er n mit einem
Transport von 300 nieder-österreichischen Rekruten beim Regiment
eingerückt, und wurde das Regiment in drei Bataillons formirt.
Am 8. Mai 1706 wurde Wail'enstillstand geschlossen. Das von
Räkoczy vorgelegte Friedensprojekt enthielt jedoch so unannehm-
bare Bedingungen, dass es verworfen wurde, in Folge dessen er den
Stillstand aufsagte, und im August Gran eroberte, welches aber
Starhemberg am 0. Oktober wieder nahm. Rabutin brach mit
seinem Korps, dabei das Regiment, aus Siebenbürgen auf, um sich
mit Starhemberg zu vereinigen, konnte jedoch am 1. Oktober
Kaschau nicht angreifen, daher jene Vereinigung nicht gelang. Er
marschirte hierauf nach Tokay und Debrezin, dann nach Ofen. Das
Regiment rückte nach Pressburg und sendete von hier die Haupt-
leute Mfilben, Graan und Onclli mit 108 Kommandirten zur
Uebernahme der Rekruten nach Mähren.
Hauptmann Heistermann war am 20. September gestorben.
Im Monat April 1707 rückte Hauptmann 0 n e 1 1 i mit 108 mäh-
rischen, am 1. Mai die Hauptleute Mülben und Graan mit 648
schlesischen Rekruten beim Regimente ein.
Französische Emissäre hatten im Winter 1706 auf 1707 nach
Kräften das Feuer der Empörung geschürt. Als aber Räkoczy
von Frankreich Hilfo verlangte, erhielt er keine. Rabutin wurde
wieder nach Siebenbürgen gesendet, während Starhemberg mit
einem kaiserlichen Korps, bei welchem sich das Regiment befand,
Oesterreich und Johann Pälffy mit einem anderen Steiermark
deckten.
Im Monat November ist der beim Regiment zugetheilte Obrist-
wachtmeister von Wildchan gestorben.
Digitized by Google
1700-1711.
31
F.-Z.-M. und Banns von Croaticn, Johann Graf Pälffy,
sendete am 20. Dezember den Hauptmann G r a a n als Kourier an
den Prinzen Eugen, um ihm die äusserste Xoth der in Ungarn
stehenden Tnippen zu bekräftigen.
1. Mai 1708 wurde das ganze Regiment in Pressburg kon-
zentrirt. Am 22. desselben Monats geruhte Se. Majestät den Obristen
Freiherrn von Wachtendonk zum General - Feldwachtmeister,
dagegen den Obristlieutenant Damian Kasimir Freiherrn v. Dalberg
zum Obrist-Regimonts-Kommandanten, und den Hauptmann Johann
Graf 0 n e 1 1 i zum Obristlieutenant im Regiment zu ernennen.
Wachtendonk erhielt am 14. März 1710 das vakante Infanterie-
Regiment Kriesbaum und nahm am 17. Oktober 1714 das an Oester-
reich abgetretene Herzogthum Luxemburg im Namen des Kaisers
in Besitz.
Das Regiment war im Jahre 1708 im Armee - Korps des
General Siegbert Heister, und kämpfte am 4. August in der
Schlacht bei Trentschin, in welcher die Konftderirten geschlagen
wurdeu, wobei das Regiment einige Mannschaft verlor; dann bei der
Belagerung von Neutra, welches sich am 25. August ergab. Hierauf
erhielt es die Eintheilung in das Korps des F.-Z.-M. Graf Pälffy
und wurde bei der Blokade von Neuhäusel verwendet.
Hauptmann von Lockstädt ubernahm im August auf den
Sammelplätzen Troppau und Schweidnitz GOO Rekruten, welche der
Kriegs - Kommissär Baron St ei nbach am 3. Oktober musterte,
worauf sie sich zum Regiment in Marsch setzten. Ende Oktober
war Hauptmann Graan verstorben, und wurde in seine Stelle der
vom Regiment Virmond hertransferirtc Hauptmann Baron Schiefer
dieser Kompagnie vorgestellt.
Nachdem bei Eintritt*, der strengen Jahreszeit die Blokirung
von Neuhäuscl aufgehoben wurde, bezog das Regiment die Winter-
quartiere mit dem Stab der Grenadier- und vier Musketier - Kom-
pagnien in Gross -Tapolczän, 1 Lieutenant mit 30 Mann in Nagy-
Ugarosz, drei Kompagnien in Lcopoldstadt, zwei Kompagnien in
Sellin und eine Kompagnie in Wol.
Jene Kompagnie, welche in Wrol die Winterquartiere mit
zwei Eskadronen Savoyen - Dragoner bezogen hatte , wurde am
14. Jänner 1709, Nachmittags 4 Uhr, von einem 3000 Mann
starken Rebellenhaufen überfallen. Die Ueberraschten, unfähig dieser
32
1700-1711.
Uebermacht zu widerstehen, zogen sich in ein kleines, an das Dorf
angrenzendes Gehölze zurück, wo sie sofort angegriffen wurden. Die
Braven hielten sich aber so tapfer, dass sie nicht nur alle Angriffe
durch ihr mörderisches Feuer abschlugen, sondern sogar den Feind
zwangen mit einem Verlust von 30 Todten, 12 Gefangenen und
gegen 100 Verwundeten abzuziehen, worauf er das Dorf in Brand
steckte. Der Verlust dieser wackeren Abtheilung bestand in 7 Todten,
9 Verwundeten und 38 Pferden. Diese AfTaire ist aus einem Schreiben
des Kapitän Moriz von Savoyen an seinen Oheim den Prinzen
Eugen entnommen.
In demselben Monat rückten 140 Mann Teutschraeister und
120 Stainville zur Belagerung des Schlosses Arva.
Vom Jänner 1709 cxistirt die erste Offiziers - Eintheilungsliste.
Laut derselben bestand das Offiziers -Korps:
Stab. Obrister quatalis und Regiments-Inhaber Franz Ludwig, Herzog
in Bayern, Hoch- und Teutsehmeister.
Obrister, Regiments- Kommandant Damian Kasimir Freih. v. Dalberg.
Obristlieutenant Johann Graf Onelli.
Obristwaehtmeistcr Christof Moriz Freiherr von Mühlen.
Aggregirter Hauptmann von Fortenburg.
Lieutenant von Wagen he im.
Quartiermeister Paul Rinhardt.
Auditor und Sekretarius Oktavianus Lanius.
Kaplan Benedikt Charmoiselle.
Wachtmeister-Lieutenant Franz Karl von Hetzel.
Proviantmeister Johann Ernst Hey mann.
Wagenmeister Christof Simon.
Profoss cum suis Andreas Steiner.
Haubtlenthe Mathias v. Byrr. Michael v. Scrling, Nikolaus Schmidt,
Filipp Sturcb, Job. Zutraffer, Albrocht v. d. Mülben, Ant. Bohunzky
von Iczedmo, Johann Bar. Britschkc, Balthasar v. Vargo tiefe, Emst
v. B ö h n e n, Johann v. L o c k s t ä 1 1, Franz Freib. Schiefer, Engelhard v.
C a m e 1 1 e r n, Franz Bar. Gr 1 ob 1 t 1, Bruno d'E 1 z i n s, Wilhelm v. Hey d-
hausen, Johann v. T I eh a nie r.
Lieutenants Job. v. Nischemeischel, Fabian v. d. Mülben. Karl
Hühner, Wenzel Neu d o k, Christof D u b i g n o n, Franz D o 1 1, Johann
Meyer, Wilhelm de P o n t i, Ignaz Trapp, Anton v. C a m e 1 1 e r n, Franz
Wurf f, Karl Schirbusch, Wilhelm Freih. v. L e s t w i t z.
Fähndrichs Johann Schönbach, Hieronymus Graf Arzio, Maximilian
v. Logau, Franz Baron v. Henk, Stefan v. Oraszky, Anton Megitsch von
Münzberg, Mathias v. Heydhausen, Georg Linka, Johann Kerl ich,
Hermann H übers, Johann de Troyto, Georg v. Baum garten, Johann
v. Kroppatsoh, Ignaz v. Lohr, Joh. Ritter v. Freudenfeld, Karl Freih.
v. Lestwitz, KaBpar de Gardi.
Digitized by Google
1700-1711.
33
Anfangs Mai 1709 rückten sechs Kompagnien nach Pressburg,
zwei blieben in Leopoldstadt, neun marschirten wieder zur Belagerung
von Neuhäusel, wo sie bis zur Aufhebung verblieben und dann zu
Vadkert und Konkurrenz Postirungen bezogen.
F. -M. Graf Heister hatte im August Sflmegh und Simon-
tornya, im September Vesprim erobert. Nur die im Lande verbreitete
Pest, welche zahlreiche Opfer hinraffte, hinderte die Fortschritte der
Kaiserlichen.
Am 1, November 1709 wurde auf Allerhöchsten Befehl die
zweite Grenadier - Kompagnie errichtet, und hiezu die Kompagnie
des Hauptmann vonTschamer, welche, die schönsten Leute hatte,
ausgewählt.
Die Grenadiere waren mit Flinten bewaffnet und hatten eine
grosse Ledertasche zum Tragen der Granaten; diese waren von
Glas oder Eisen und wurden auf kurze Distanzen, vorzüglich bei
Erstürmung von Festungen, mit der Hand geworfen. Die Grena-
diere trugen Bärenmntzen und auf ein martialisches Aussehen wurde
bei dieser Elite -Truppe viel gehalten. „Ein Grenadier mn.ss nicht
.weibisch aussehen, sondern furchtbar, von schwarzbraunem An-
.gesicht, schwarzen Haaren, mit einem starken Knebelbart, nicht
, leicht lachen oder freundlich thun."
Im Jahre 1710 sollte die schon durch mehrere Hauptschläge
und den Verlust bedeutender fester Plätze vielfach gebrochene Macht
der Konföderirten vollends gebeugt werden. Am 22. Jänner stiess
General Freiherr von Sickingen mit nur 2500 Mann, unter welchen
sich die nenn Kompagnien des Regiments befanden, zwischen Vad-
kert und Bombay auf das Hauptheer, welches Rakoczy und Karoly
persönlich anführten, und sprengte dasselbe gänzlich auseinander.
An demselben Tage fiel Leutschan, im Juli Zips, am 4. September
üjvär; der Feldmarschall Graf Johann Palffy blokirte Neuhäusel.
Da diese Blokade ans Unzulänglichkeit der hiezu bestimmten Truppen
zu keinem Ende fflhrte, so entschloss sich Feldmarschall Graf
Heister, dieselbe in eine förmliche Belagerung unter seiner persön-
lichen Leitung zu verwandeln, zu welchem Ende er das nöthige
Geschütz und Fuhrwesen von Ofen, Raab, Komorn und Pressburg
nebst aller aufzubringen möglichen Infanterie von den Regimentern
Heister, Hasslinger und Teutschmeister gegen die Festung in Maisch
setzte.
3
34
1700-1711.
Am 9. September wurden die Traneheen eröffnet, und am
14. Früh begannen 13 halbe Karthaunen aus zwei Batterien auf
die Bastionen Leopold und Maria ihr Feuer. Am 17. wollte man
die Parallelen eröffnen, aber die Konföderirten Hessen es nicht auf
das Aeusserste kommen, sondern schlössen eine Kapitulation ab,
kraft welcher sie am 24. September den kaiserlichen Truppen die
Thore öffneten, sie selbst frei abzogen und dazu ein Geschenk von
20.000 0. erhielten.
In die eroberte Festung wurden unter dem Kommando des
Obristen Graf Zinzendorf fünf Kompagnien Tentschmeister mit
der Grenadier - Kompagnie als Besatzung verlegt. Die Truppen
bezogen unter dem G. d. K. Marchese Cnsani in einem Lager von
Poloma, gegen Raho, Kima- Szomhäth, Hätvrtn, Jaszberen, Kecz-
kemet und den Städten der Kumanen. die Winterquartiere.
Nach dem bald erfolgten Falle von Szolnrtk, Bartfeld, Erlau
und Eperies verliess der grösste Theil des Adels den Usurpator und
die meisten Truppen gingen zu den Kaiserlichen über. Graf Johann
Pälffy übernahm statt Feldmarschall Graf Heister den Oberbefehl
und umschloss Kaschau durch die eigenen Winterquartiere.
Die Lieutenants Jakob Zutraffer, Nikolaus Schmidt und
Fähnrich Georg Linka waren im Jahre 1710 gestorben. Fähnrich
Mathias von Heydhausen wurde am 20. Oktober erstochen.
Ende des Jahres war der Stab und 2 Kompagnien in Doczay,
3 Kompagnien in Pressburg, 3 in Neuhäusel, 3 in Tyrnau, 2 in
Leopoldstadt, 1 in Modern, 1 in Pösiug und 2 in Oknot.
Räkoczy flüchtete im Febniar 1711 aus Ungarn nach Polen;
die Konföderirten übergaben nun die noch von ihnen besetzten
Festen und am 27. April Kaschau. Pälffy bezwang im Juni
Unghvär und Munkäts und vernichtete die sogenannte schwedische,
aus Ueberläufern aller Nationen zusammengeworbene Legion. Am
30. April zog Käroly in der Ebene von Maiteny die ganze Reiterei
der ungarischen Konföderirten zusammen, eine lange IJnie wurde
gebildet und nun traten die Träger von 149 Standarten mit sämmt-
lichen Offizieren in einem weiten Kreise um ihn. Mit lauter Stimme
schworen sie dem Kaiser den Huldigungseid und kehrten dann ruhig
in ihre Heimatsorte zurück. Am 1. Mai wurde die Friedensurkunde
zu Szäthmär unterzeichnet, womit die Hydra eines verderblichen
inneren Krieges ihr Ende fand.
Digitized by Google
1700-1711.
35
Kaiser Joseph I. war am 17. April 1711 nach kurzer Krank-
heit zu Wien, erst 33 Jahre alt, verschieden. Die Kaiserin Mutter
Eleonore Qhernahm bis zum Eintreffen ihres Sohnes Karl III.,
welcher in Spanien weilte, die Regierung, und sämmtliche Truppen
wurden auf Befehl des Prinzen Eugen von Savoyen für König
Karl in Eid und Pflicht genommen.
Ende April 1711 war der würdige Regiments-Kaplan Benedikt
Charmoiselle gestorben, welcher seit der Errichtung, mithin
durch IG Jahre, dessen Freud und Leid getheilt hatte. Der Kaplan
war nicht gut besoldet, hatte aber mehrere NebengebQhren, wodurch
es ihm ermöglicht wurde, die Kapelle zu erhalten. Wer nach Ostern
noch nicht die Beichte abgelegt hatte, wurde durch Abzug, der
Offizier mit einer Monatsgage, die Mannschaft mit einer wöchent-
lichen Löhnung, gestraft. Auch die Marketender, welche während
dem Gottesdienste Wein schenkten oder Spielleute hielten, mussten
einen Reichsthaler ; Offiziere, welche Frauenspersonen unter dem Vor-
wände einer Köchin hielten, nach Verhältniss ihres Vermögens eine
Strafe an die Kapelle bezahlen. Von diesen Geldern musste alles ftir
dieselbe bestritten werden; der Ueberrest gehörte zum Theil dem
Kaplan und ein Theil den Kranken im Spital. Fflr das Begräbniss
eines Soldaten gebührten ihm 2 fl., für die Kopulation 1 fl. 30 kr.,
für das Begräbniss eines Offiziers eine Diskretion; endlich für die
Beichtzetteln von jedem Mann jährlich ein Groschen.
Im Laufe des Jahres 1711 sind Kapitänlieutenant Albert
Dubignon, Lieutenant Wilhelm de Ponti und v. Wagenheim
gestorben.
Das Regiment traf für den Winter 1711 auf 1712 folgende
Dislokations - Veränderungen : 7 Kompagnien kamen nach Huszt-
Kövär und andere Ortschaften bis Szäthmär; die übrigen Kompagnien
rückten nach Kalo, Eczet und Szäthmär.
3*
30
1 712-1 7*9.
Karl III. folgte seinem kinderlosen Bruder Joseph I. in der
Herrschaft fiber die österreichischen Länder. Die deutschen Kur-
fürsten erwählton ihn in Frankfurt am 12. Oktober 1711 zum
römischen König und künftigen Kniser. Karl hatte Katalonien Ende
September verlassen, landete hei Genua und reiste durch Italien und
Tirol nach Frankfurt, wo er am 22. Dezember als Karl VI. ge-
krönt wurde.
Der spanische Sueccssionskrieg hatte trotz Eugens herrlichen
Siegen noch kein Ende gefunden. Am 29. Jänner 1712 wurde der
Kongress zu Utrecht eröffnet, auf welchem Bevollmächtigte aller
Alliirten erschienen : aber die Feindseligkeiten wurden fortgesetzt. In
den Niederlanden befehligte Prinz Eugeu von Savoyen die kaiser-
lichen und holländischen, Herzog von Ormond die englischen
Truppen. Da England nun eine andere Politik betrieb, hatten seine
Truppen Befehl unthätig zu bleiben.
Das Regiment erhielt im Frühjahr 1712 den Befehl nach den
Niederlanden zu marschiren, verliess daher Ungarn, in welchem es
sich seit seiner Errichtung durch 16 Jahre thatenvoll bewegt hatte,
und überschritt die Donau bei Kehlheira am 5. Mai. Die Schiffe für
das Regiment befanden sich zu Markbreit, wo es am 20. einbarquirt
wurde und auf dem Main und Rhein bis Weiss im Kölnischen fuhr.
Vou hier marschirte dasselbe bis Beissel, vor dessen Thoren es
Fahnenweihe hielt. Gegen Ende Mai marschirten zwei Bataillone
nach Ribacourt, das dritte nach Möns in Garnison. Nach drei Wochen
vereinigte sich dasselbe wieder und rückte in das Feldlager vor
Quesnoi.
Nach der Eintheilungsliste bestand das Offizierskorps aus:
Obrist - Inhaber Kranz Ludwig, Herzog in Bayern, Hoch- und
Teut6chmeister.
*
Obrister Freiherr von Dalberg.
Obristlieutenant Graf On eil i.
Obristwachtmeister Freiherr von Mühlen.
Äggregirter Hauptmann Jenico de Bellieu.
Quartiermeister Franz Weber.
Digitized by Google
1712-1732.
37
Auditor Laniue.
Kaplan Sigmund de Gaudy.
Wachtmeister-Lieutenant Georg Bayer.
Proviantmeister Johann Uli rieb.
Wagenmeister Kaspar Gabriel.
Profoss Johann Piek.
Grenadier -Haubtlenthe Fortunatus Br. Heydorf, Mathias v. Wallis.
Grenadier -Lieutenants W. Frfiii. v. Lostwitz, Anton v. Gropper.
Grenadier -Fähndrichs Anton Mühgitsch, Elias Kfiss.
Haubtlenthe Franz Wurff, Job. Schleicher. Christian Jung. Paul
Beinhardt. Albrecht Br. v. d. Mülben, Heinr. v. Byrr, Ernst v. Bohnen,
Adrian v. Lockstätt. Fianz Br. Schiefer, Engelhard v. Cainel lern, Franz
Br. Globitz, Bruno d'Elzius, Wilhelm von Heydhausen, Christof von
Tschamer, Balthasar Nischemeise hcl.
Lieutenants Sebastian v. d. Mülben, Kaspar de Gardi, Wilhelm Dott,
Jon. Mayer, Anton v. Bauingarten, Ignaz Trapp, Ph. Gr. Korgoscho-
witz, Franz v. Hetzcl, Karl Schirbusch, Hermann Hfibcrs, Joh Zahn.
Fähndrichs Silvius v. Billing, Jakob v. Wilsdorff, Karl Senner,
Peter v. Putkammer, Philipp v. Jaschwitz, Gottfried Burgkcller, Karl
Pantolvini, Ludwig v. Schnekenhofen, Joh. v. Hoohenfeld, Wenzel
v. Kroppatsch. Ignaz Kren, Gottlieb Br. v. Schwarzenau, Karl Freth.
v. Lest witz, Martin v. Klehm, Johann Herneker.
Der Stand des Regiments ist ausgewiesen mit: 17 Feldwobels, 16 Führer,
15 Musterschreiber, 15 Feldscherer, 98 Korporals, 64 Spielleute, 64 Fourir-
sebtitzen, 180 Gefreite. 1230 Gemeine, zusammen 1768 Mann; daher ein
Abgang vom completen Stand 532 Mann.
Prinz Eugen unternahm, damit die Armee nicht unthätig
verweile, die Belagerung von Quesnoi und befahl eine allgemeine
Vorrückung der Armee. 30 Bataillons, darunter das Leib -Bataillon
Teutschmeister und 20 Eskadrons erschienen am 8. Juni vor der
Festung und eröffneten am 18. abends die Trancheen. Die Leitung
der Belagerung führte der holländische General Fagel.
Während nun diese ihren Gang ging, hatte England mit Frank-
reich Friedensunterhandlungen angeknüpft, auf welche letzteres mit
der Bedingung einging, dass die in Englands Solde stehenden Preussen,
Holländer, Dänen, Sachsen und Hessen sich nicht der Armee des
Kaisers anschliessen, sondern den Kriegsschauplatz verlassen. Dieses
gingen nun die betreffenden Fürsten nicht ein, ebensowenig deren
Generale, welche rund erklärten, dass sie „nieht des Geldes, sondern
der Ehre halber dienen.'
Eugen betrieb die Belagerung von Quesnoi mit aller Kraft ; in
der Nacht vom 27. auf den 28. Juni befanden sich die Belagerer
nur noch 15 Schritte von den Pallisadeu und im Stande Bresche
1712-1732.
zu schiessen. Am 1. Juli wurde in einem allgemeinen Sturm,
den auch das Leib -Bataillon mitmachte, die Contre-Escarpe und
der bedeckte Weg genommen. Obgleich der Feind zwei Minen
sprengen Hess, drangen doch die Belagerer mit wahrer Todes-
verachtung vor. Muthig klommen die Soldaten über die PalHsaden,
machten viele Feinde nieder und setzten sich in den eroberten
Werken fest. Am Morgen des 3. Juli sprengte der Feind eine neue
Mine, welche viele Angreifer tödtete. Das Leib - Bataillon, welches
sich bei diesem Sturme ausserordentlich tapfer benahm, hatte den
Wagenmeister Bartholomäus Kumer, 5 Unteroffiziers, G Gefreite
und 33 Gemeine verloren.
Am 3. Juli mittags begehrte die Besatzung gegen Bewilligung
freien Abzuges zu kapituliren, was nicht zugestanden wurde, und
so ergab sie sich am 4. Juli kriegsgefangen. General - Lieutenant
Marechal de champ Labadie Damas, 3 Brigadiere, 5 Oberste,
333 Offiziere und 2507 Soldaten sammt einem Dragoner- Regiment
wurden in die Gefangenschaft nach Holland abgesendet.
Am Morgen des 16. Juli wurde beim englischen Heere der
Waffenstillstand verkündet und traten die im englischen Solde
gestandenen Truppen der Preussen, Hanoverancr, Sachsen und Dänen,
ja auch viele englische Offiziere in die Reihen der kaiserlichen Armee.
Das englische Heer marschirte bis Gent und Brügge, und setzte
sich dort fest, da Frankreich den Waffenstillstand nicht anerkannte,
weil die Hauptbedingung nicht erfüllt war.
Eugen setzte seine Ollensivbewegungen fort, und Hess am
17. Juli Landrecy zerniren, während er selbst eine Stellung bei
Denain nahm, um die Belagerung zu decken. Das Obristen-
Bataillou mit der Hauptmann H e y d o r ff Grenadier -Kompagnie
waren bei den Truppen vor Landrecy, die übrigen beim Prinzen
Eugen. Der französische Marschall Villars rückte mit überlegenen
Streitkräften heran; es kam bei Denain am 25. Juli zur Schlacht
und der Graf v. Albcmarte, welcher hier die Kaiserlichen kom-
mandirte, wurde geschlagen, wodurch Eugen genöthigt war, die
Belagerung von Landrecy aufzuheben.
Der Verlust der beiden Bataillons Teutschmeister in dieser
Schlacht war bedeutend, er betrug an Todten: Die Lieutenants
Wenzel Neudek und Philipp Storch, Fähurich Christof von
Sterzing; an Gefangenen: Obrist- Lieutenant Graf Onelli, Haupt-
Digitized by Google
1712-1782.
39
leute Böhnen, Lockstätt, Nischemeisehel, d'Elzius, Wallis,
Kapitänlieutenant Wurf f. Fähnrich Kroppatsch. Von der Mann-
schaft todt und verraisst: 3 Feldwebels, 1 Führer, 4 Musterschreiber,
1 Feldscherer, 17 Korporals, 13 Tambours, 8 Fourierschützen,
29 Gefreite und 2G2 Gemeine: an Verwundeten: 1 Hauptmann,
1 Lieutenant, 1 Fähnrich, 1 Feldschercr, 3 Korporals, 1 Tambour,
1 Gefreiter, 1 Fourirschütz, 28 Gemeine.
Zur Formirung uud Ergänzung des durch diesen grossen Ver-
lust sehr zerrütteten Regiments wurde dasselbe nach Lille und dann
einige Wochen später nach Brüssel in Garnison verlegt und ihm
mittelst Reparation vom 6. November 1712, 1000 Rekruten aus
Oberösterreich zugewiesen. Das übristlieutenant Bataillon und die
Wallis'sche Grenadier - Kompagnie marschirten nach Ingolstadt
in -Baiern.
Das unglückliche Treffen bei Denain hatte den Fall der
Festungen Douai am 8. September, le Quesnoi am 4. und Bouchain
am 19. Oktober zur Folge, welche die Franzosen im ungehemmten
Siegeslauf eroberten und damit den Feldzug 1712 beschlossen.
Im Laufe dieses Jahres sind die Hauptleute Wenzel Bohunsky,
Sigmund v. Vargotsuh und Fähnrich Baron Absen atz gestorben.
Am 31. Jänner 1713 starb der Obristwachtmeister Christof
Moriz Freiherr v. Mühlen; in seine Stelle wurde mit 1. Februar
der Hauptmann Albrecht Freiherr von der Mülben zum Obrist-
wachtmeister befördert und der Hauptmann Franz Baron R e i n n a c h
bei dessen Kompagnie vorgestellt.
Im April marschirte der Stab, die beiden Bataillons und die
Heydorf- Grenadier Kompagnie aus den Niederlanden an den Rhein
langten am 19. in Wiesbaden an, passirten am 21. bei Kostheim den
Rhein und marschirten in das Lager bei Gernsheim, wo die 1000 Re-
kruten einrückten, von welchen 450 Mann dem Bataillon in Ingol-
stadt zugesendet wurden.
Die Räumung der Niederlande geschah, weil England am
11. April 1713 zu Utrecht mit Frankreich einen Separat - Frieden
abgeschlossen hatte, und in Folge dessen den Kriegsschauplatz ver-
lie8s. Die dort gestandenen Kaiserlichen vereinigten sich am Rhein
mit der Reichsarmee.
Im Laufe des Sommers wurde der Stab mit den beiden Ba-
taillons aus dem Lager bei Gernsheim, dem Korps des G. d. K.
40
1712-1782.
Marquis de Vaubanne einverleibt, bei dem dieselben nach der Ordre
de bataille im ersten Treffen unter den Befehlen des F.-M.-Lt. Baron
Sickingen und des General - Feld Wachtmeisters Grafen Daun zu
stehen kamen. Im September rückte das Regiment nach Philippsburg
und dann nach Rothweil. Der Feind belagerte Freiburg, bei dessen
Verth ei digung sich F.-M.-Lt. Baron Harsch unsterblichen Ruhm
erwarb. Nach dem Falle dieser Festung wurden Ende November die
Friedensunterhandlungen vom Prinzen Eugen und Marschall Villa rs
in Rastadt wieder begonnen und gleichzeitig erhielten die Truppen
den Befehl die Winterquartiere zu beziehen. Die beiden Bataillons
des Regiments wurden nach Achen und Henningen verlegt, während
das Obristlieutcnant - Bataillon in Ingolstadt verblieb.
In diesem Jahre war der Regiments - Kaplan Sigmund de
Gaudi gestorben.
Arn 0. März 1714 wurden in Rastadt die Friedens-Präliminarien
und zu Baden im Aargau am 7. September der Schlusstraktat
unterzeichnet. Frankreich gab an den Kaiser Alt -Breisach und
Freiburg, Kehl an das deutsche Reich zurück. Von dem spanischen
Erbe erhielt das Haus Oesterreich die spanischen Niederlande,
dann Mailand, Sardinien, Neapel, die Häfen und Plätze an der
toskanischen Küste. Dadurch hatte ein langjähriger blutiger Krieg
ein Ende, der dem ganzen Westen Europas unsägliche Drangsale
bereitet hatte.
Im September wurde das ganze Regiment iu Achen konzentrirt,
wohin auch das Obristlieutcnant- Bataillon von Ingolstadt einrückte.
Mit Beginn des Jahres 1715 marschirte das Regiment in die
Niederlande und erhielt seine Garnisonen im Luxemburgischen, bis
die Festung Luxemburg übergeben wurde, worauf dasselbe als Garni-
son einzog. Im Februar 1710 marschirte das Regiment nach Brüssel
und blieb hier nur kurze Zeit in Garnison; dann wurde der Stab
mit dem Leib - Bataillon nach Ruremond, das Obristlieutenant - Ba-
taillon nach Ath, das Obristwaehtraoister-Bataillon nach Möns verlegt.
Hauptmann Adrian von Lockstätt war am 31. Jänner 1710
zum Regiment Greiner als Obristlieutenant transferirt worden.
Den Obristcn Regiments - Kommandanten Damian Kasimir
Freiherrn von Dalberg, welcher seit dem Friedensschlüsse in
den Niederlanden als Volontär dem Türkenkrieg beiwohnte, geruhte
Se. Majestät mit 28. Februar 1717 zum General-Feldwachtmeister,
Digitized by Google
1715-1732.
41
den Obristlieutenant Johann Graf 0 n e 1 1 i zum Obristen und
Regiments-Kommandanten, den Obristwachtmeister Albrecht Freiherr
von der M ü 1 b e n zum Obristlieutenant und den Hauptmann Franz
Freih. v. Globitz zum Obristwachtmeister im Regiment zu ernennen.
Im Jahre 1718 musste das Regiment wegen dem in Brüssel
ausgebrochenen Aufruhr in Eilmärschen dorthin marschiren, und
kampirte den ganzen Sommer im dortigen Thiergarten. Im Herbst
erfolgte dann dessen Bequartierung bei den Bürgern.
In diesem Jahre sind die Lieutenants Paul Reinhardt
und Karl Schirbusch gestorben.
Während des Aufenthaltes des Regimentes in den Niederlanden
hatten sich in Ungarn grosse Dinge zugetragen. Die Türken hatten
den Karlowilzer Frieden verletzt und 1715 den Venezianern Morea
entrissen. Der Kaiser schloss daher am 13. April 1716 mit der
Republik Venedig ein off- und defensives Bündniss, und im Sommer
kündigte ihm die ottomanische Pforte in ihrem Uebermuthe selbst
den Krieg an. Der Grossvezier drang im Juli in Ungarn ein. wurde
jedoch am 5. August von Prinz Eugen bei Peterwardein auf das
Haupt geschlagen. Zu Ende dieses Monats Hess Eugen die Belagerung
von Temesvar beginnen. Der zum Entsätze nahende Seraskier
wurde am 23. September von dem Prinzen geschlagen, und die
Festung ergab sich am 14. Oktober. Noch früher waren die Festungen
Gradiska und Dubitza erobert worden, später Pancsova und Uj-
Palanka.
Am 29. Juni 1717 begann Eugen die Belagerung von Belgrad.
Der Grossvezier nahte zum Entsatz, schloss mit seiner weit über-
.legenen Macht das kaiserliche Belagerangsheer von allen Seiten ein,
wurde aber am 10. August von Eugen total geschlagen. Am 18.
kapitulirte Belgrad, ebenso fielen Semendria, Sabacz und Orsowa.
Am 21. Juli 1718 wurde der Friede von Passarowitz unterzeichnet.
Oesterreich behielt das Temesvar« r Banat, die kleine Walachei,
Belgrad und den Theil Serbiens bis an den Timok und die Drina,
Bosnien bis an die Unna.
Im Frühjahre 1719 marschirte das Regiment nach Gent in
Flandern, blieb aber hier nur kurze Zeit; da in Mecheln eine
Revolte ausgebrochen war, so wurde dasselbe dorthin verlegt. Haupt-
mann Bruno d'Elzius und Fähnrich Jean von Camelleru sind
in diesem Jahre gestorben.
42
1712-1782.
Im Jahre 1720 rückten der Stab und zwei Bataillons wieder
nach Brüssel, das dritte nach Antwerpen — im Sommer der Stab
mit einem Bataillon nach Gent, die beiden übrigen nach Brügge.
Von dem reduzirten Regiment Königseck wurde Hauptmann Ernst
Zadubsky von Schönthal, Lieutenant Johann Fellner von
Feldek, und Fähnrich Franz von St e gen fei d beim Regiment
aggregirt.
1721 blieb das Regiment in den obbenannten Garnisonen, und
erhielt vom aufgelösten Regiment Lucini den Hauptmann Theodosius
Labhardt und Lieutenant Bartholomäus Braun aggregirt ; Lieute-
nant Georg Zahn war gestorben. Im Frühjahre 1722 marschirten
der Stab und die zwei Bataillone von Gent nach Brüssel, das dritte
aber nach Ostende, das Regiment hatte einen Abgang von 253 Mann.
Das Handgeld betrug 6 Pistolen (5C H. 70 kr. ö. W.). Es entstand eine
grosse Noth mit der Auszahlung der Gagen und Löhnungen. Die
Offiziere aller Regimenter lebten 8 Monate ohne ihre Gagen; das
Regiment hatte auf seine Wiutergebühr von 60.085 ti. 16 kr. eine
Forderung von 26.548 ti. 26 kr., ausser der Gebühr für Mai
und Juni.
Obristlieutenant Albrecht Freiherr von der Mülben starb am
11. Mai 1724 zu Brüssel, in seine Stelle avancirte der Obristwacht-
meister Franz Baron Globitz zum Obristlieutenant und Hauptmann
Ernst Regislaus von Bühnen zum Obristwachtmeister. Auch sind
in diesem Jahre die Hauptleute Wilhelm Dott, Anton v. Groper
und Lieutenant Karl von Hetzel gestorben.
Im Jahre 1725 wurde in Möns das Infanterie - Regiment
Boneval aufgelöst, in Folge dessen das ganze Regiment mit seinen
drei Bataillons diese Garnison bezog, und von dem aufgelösten
Regiment den Obristeu Petrus Ludwig de la Tour, die Hauptleute
Mathias Helo, Joachim von Petersill, Karl Graf Sonn au, die
Lieutenants Petrus de Rineloty, Adam D irb aum, GrafSugano,
und die Fähnrichs Graf Nostiz, Anton Baron Haxhausen,
Baron von Schmcrtzing, Dittrich von Schön borg als aggregirt
erhielt. Hauptmann Mathias von Wallis und Regiments - Feldscherer
Balthasar Steger sind in diesem Jahre gestorben.
Im Jahre 1727 marschirte Obristlieutenant Baron Globitz
mit seinem Bataillon nach Ostende, blieb dort bis Ende des Jahres
und rückte dann wieder beim Regiment in Möns ein. Grenadier-
Digitized by Google
1712-1732.
43
Hauptmann Alexander Baron Seh ade wurde mit Verleihung des
Obristlieutenants- Titels am 30. Oktober zum Kommandanten des
Forts Montre" ernannt. Hauptmann Belieu quittirte und wurde
seine Kompagnie dem aggregirten Obristen de la Tour verliehen.
Jeder aggregirte Stabs- und Ober - Offizier stand so lange auf
Halbsold, ja nach Umstanden auch ohne Sold, bis ihm eine erledigte
Kompagnie übergeben werden konnte. Im Jahre 1728 marschirte
der Stab mit zwei Bataillons nach Brüssel; das Obristlieutenant-
Bataillon nach Dendermond. Hauptmann Franz Baron Schiefer
starb in Brüssel.
Der Stab und die beiden in Brüssel gelegenen Bataillone
marschirten im Mai 1730 nach Antwerpen und bezogen dort die
Citadelle, das Obristlieutenant - Bataillon rückte von Dendermond
nach Charleroi. In beiden Garnisonen besichtigte im Jahre 1731
Se. kön. Hoheit Herzog Franz von Lothringen die Bataillone
des Regiments, und Hess dieselben mehrere Evolutionen im Feuer
ausführen , wobei in Brüssel ein so arger Hegen niederströmte, dass
nicht ein Gewehr losging. Trotzdem harrte der Herzog bis zum
Schlüsse aus, und geruhte dem Regiment seine volle Zufriedenheit
auszusprechen.
Nachdem das Regiment IG Jahre ununterbrochen in den Nieder-
landen gestanden, erhielt dasselbe im Dezember 1731 den Befehl,
in die Erblande zurückzumarschiren, setzte sich am 14. und 15. De-
zember von Brüssel und Charleroi in Marsch, durchzog das heilige
Römisch-Deutsche Reich, überschritt bei Köln den Rhein, und rückte
über Böhmen nach Mähren und Schlesien, wo es im März Schweidnitz
erreichte. Hier blieb der Stab, die Hauptmann Logau Grenadier-
Kompagnie kam nach Freyberg , Leib - Kompagnie nach Paloka,
Obrist Graf Onelli Kompagnie nach Reichenbach, Obrist de la Tour
Kompagnie nach Leobschütz , Obristwachtmeister Bühnen Kom-
pagnie nach Neustadt, Hauptmann Wurff nach Ohlau, Macdon eil
nach Rcithen, Lestwitz nach Strehlen, Hübers nach Sorau,
Graf Sehelart nach Frankensteiu , von Greiffenberg nach
Wegstadt in Schlesien, Hauptmann Baron Schwarzenau Grena-
dier-Kompagnie nach Iglau, Obristlieutenant Baron Globitz mit
seiner Kompagnie nach Brünn, Baron Heydcnfels nach Olmütz,
Trapp nach Neustadt, Baumgarten nach Baja, Korgoschowitz
nach Znaim in Mähren.
44
1712-1782.
Am 18. April 1732 starb zu Breslau der Obrist- Inhaber und
Errichter des Regiments,
Franz Ludwig,
Administrator des Hochmeisterthums in Preussen, Meister Teutsehen
Ordens in teutsehen und wälschen Landen, postulirter Bischof zu
Worms, Probst und Herr zu Ellwangen. Bischof zu Breslau, Pfalz-
graf in Baiern, zu Jülich, Kleve und Berg Herzog, Graf zu Veldenz,
Sponheim, der Mark Kavensburg und Mörs, Herr zu Ravenstein,
Freudenthal und Eulenberg, der Röm : Kaisl: Majestät Obrister
Hauptmann des Herzogthums Ober- und Nieder-Schlesien,
Obrister Inhaber eines Regiments zu Fuss.
Am 18. Juli 1664 geboren, wurde er für den geistlichen
Stand erzogen und erhielt auch nachfolgende geistliche Worden:
30. Juli 1683 Bischof von Breslau, 8. Juni 1694 die fürstliche Würde
eines Probstes zu Ellwaugen, 12. Juli das Bisthum Worms und an
demselben Tage erwählte ihn, nachdem er sich den Tag früher zu
Mergentheim in den deutschen Orden einkleiden liess, das Ordens-
Kapitel zum Hoch- und Teutschmeister.
Am 4. November 1710 wurde er Koadjutor des Erzstiftes Mainz,
20. Februar 1716 Kurfürst von Trier, 7. April 1729 Kurfürst von
Mainz. Die ihm vom Kaiser anvertraute Stelle eines obersten Haupt-
manns in Schlesien, welche er 33 Jahre inne hatte, legte er 1716
als Kurfüret von Trier nieder.
Er liegt in der Johanneskirche zu Breslau in der Kapelle
St. Sacramenti begraben. Seine Wirksamkeit als Hoch- und Teutsch-
meister war in der That stauuenswerth und er wird als einer der
Reformatoren des deutschen Ordens bezeichnet.
Als die Armee statt den Gewehren mit Luntenschlössern jene
mit französischen Schlössern erhielt, bewaffnete er das ganze Regi-
ment auf seine Kosten mit diesen Gewehren, auch spendete er
grosse Summen für die Werbung und erhielt dadurch immer das
Regiment auf dem kompleten Stand.
Gegen Ende Mai wurde aus dem ganzen Regiment ein Bataillon
zusammengesetzt, welches nebst den beiden Grenadier- Kompagnien
unter Kommando des Obristlieutenant Baron G 1 o b i t z nach Linz
marschirte und dort gelegentlich der Huldigungsfeier vor Sr. Majestät
Kaiser Karl VI. paradirte ; nach beendeter Feierlichkeit rückte
dasselbe wieder beim Regiment ein.
Digitized by Google
Google
.. * --»-.iit Werde
. < frfth<«r xu
.* ■'r* Oriicii*-
i\ «trittst wie
, -:. -!er HapeUa
< i «• eta#-tWr
. -••!:. : ■ --cf.ro JpMf
m?;r>< unmes 4**
.w, tin BnUtilUß}
Im t v nach
■
Digitized by Google
1730.
Selm«Hpr«*f*n- Druck de» k k m>hi Jeo$r*f JnitituU»
Grenadier und Musketier von
Hoch-und Deutschmeister.
Digitized by Google
1733-1735.
45
Den 20. Augnst 1732 wurde auf Allerhöchsten Befehl der Kur-
fürst von Köln, Klemens August Herzog zu Baiern, Hoch- und
Tentschmeister, dem Regiment als Ohrist- Inhaber vorgestellt.
Im Sommer erhielt das Regiment einige Mannschaft von dem
aufgelösten Regiment Wilczek und die Hauptleute Leopold Graf
Maitz an, Konstantin v. Schmidauer, Jean de Hall, Lieute-
nants Hermann v. Pels, Baron Hielhofen, Karl v. Lindner,
Fähnrich Wilhelm v. Rattenhausen aggregirt.
Hauptmann Philipp («raf Korgoschowitz ist in diesem
Jahre gestorben.
Am 1. Februar 1733 starb König August Tl. von Polen.
Sein Sohn, der sächsische Kurffirst August III., und der ehemalige
Regent Polens, Stanislaus Leszinsky, bewarben sich um
den erledigten Thron. Den Letzteren unterstützte sein Schwieger-
sohn, der französische König Ludwig XV., den Ersteren hingegen
begünstigte der Kaiser und Russland. Die Kaiserin Anna vertrieb
den Stanislaus aus Polen, während ein österreichisches Korps
an die Grenze dieses Landes rückte.
Zu diesem Korps erhielt auch das Regiment seine Eintheilung,
verliess am 12. Mai 1733 seine Garnisonen und marschirte in das
Feldlager bei Oppeln, wo dasselbe bis 15. Juli verblieb. Von hier
erhielt das Regiment den Befehl in das Feldlager bei Gross-Glogau
zu marschiren, erhielt aber auf dem Marsche bei Breslau die
Weisung umzukehren und nach Pilsen zu rücken.
Unter Oesterreichs und Russlands gewaltigem Schutze war
August m. zum König von Polen erwählt worden, worauf Lud-
wig XV. am 10. Oktober, Sardinien am 14. Oktober und der König
von Spanien am 7. Dezember dem Kaiser den Krieg erklären liess.
Zwei Tage nach der Kriegserklärung überschritten die Franzosen
am 12. Oktober den Rhein, eroberten am 28. Kehl und besetzten
Lothringen.
40
1788-173.-».
Oesterreich hatte ein Heer unter dem Herzog von Braun-
sen weig-Bevem zusammengestellt, von welchem sich ein Theil
in der Starke von 17 Bataillons und sieben Reiter -Regimentern bei
Pilsen sammelte. Hierher marschirte nun das Regiment am 10. August
von Breslau, nachdem es sieben Tage auf seine auf der Oder
transportirte Bagage gewartet hatte und nickte am 8. September
im Lager bei Pilsen ein. Den 21. und 22. Oktober brach es von
hier wieder auf, marschirte durch Baiern und Württemberg und
bezog die Kantonnirung bei Ettlingen, wo es das ganze Jahr verblieb,
da der Herzog an Truppen viel zu schwach war, um gegen die
Franzosen etwas zu unternehmen. Ausser einigen kleinen Streifnngen
gegen den Feind, an welchen sich auch Abtheilungen des Regimentes
betheiligten, fiel nichts von Bedeutung vor.
Am 15. Dezember 1 733 war der Obrist - Wachtmeister Ernst
von Bühnen gestorben, und an seine Stelle der Hauptmann Josef
Fortunatus Baron von Heydorff als Obrist - Wachtmeister vor-
gestellt worden. Auch starben in diesem Jahre Hauptmann Tgnaz
Trapp und Peter Wolfgang von Groiffenberg.
Am 20. Februar 1734 brach das Regiment von Ettlingen auf
und marschirte nber Tirol nach Italien, wo es am 2. April Mori
erreichte. Wahrend dem Marsche wurde Obristlieutenant Baron
Globitz nach Schlesien geschickt, um das in der Errichtung be-
findliche vierte Bataillon zu nbernehmen und auf den Kriegsschau-
platz zu bringen. Am letzten Februar erhielten der Obrist-Regiraents-
Kommandant Johann Graf 0 n e 1 1 i und der aggregirte Obrist Peter
de La Tour die Beförderungen zu General - Feldwachtmeisters,
Obristwachtmeister Baron Heydorff fibernahm das Regiments-
Kommando. Hauptmann Baron Spies von Levingstein - Infanterie
avancirte mit demselben Tage zum Obristwachtmeister im Regiment
Am 7. April marschirte das Regiment nach Mantua und
bezog bei der Festung das Lager. Der mit 1. Marz vom Obrist-
lieutenant zum Obrist - Regiments - Kommandanten beförderte Baron
Globitz erreichte mit dem neu errichteten vierten Bataillon zu
fünf Kompagnien Mori, hielt hier Fahnenweihe, worauf dieses
Bataillon als Garnison nach Mantua marschirte. Obrist Baron
Globitz übernahm hier vom Obristlieutenant Baron Heydorff,
welcher ebenfalls am 1. März hiezu befördert worden, das Regi-
ments - Kommando.
Digitized by Google
173.1-1735.
47
Nach der Kriegserklärung im Jahre 1733 hatte der König
von Sardinien, in Verhindnng mit einem französischen Korps unter
Marschall Villars, seine Truppen in die Lomhardic gefuhrt und
eroberte in dem Winterfeldzuge 1733 auf 1734 Pizzighettone, die
Castelle von Mailand. Novara, Tortona, die Schlösser von Cremona
und Seravalle, und die Festen Arona, Trezzo, Lecco und Fuentes.
Die Kaiserlichen hatten sich auf Mantna znrflckgezogen, und sich
mit ihnen, wie oben geschildert, das Regiment vereinigt.
Nach der Offiziers -Fiintheilungsliste bestand das Offiziers - Korps
im Jahre 1734 aus:
Obrister Regiments-fnliaUr Damen* Augast, Herzog von Baiern,
Hoch- und Deutschmeister.
Obrister Rcgiments-Kominandant Franz Baron Globitz.
Obristlicntcnant Josef Baron Heydorff.
Obristwacblmeister Baron Spies,
Lieutenant (Jnartiermeister Karl Knöffel.
Auditor Heinrich Kohl.
Kaplan Anton Hütt er.
Wachtmeister-Lieutenant Franz Schreyer
Feldscheror Jakob Kays er.
Proviantmeister Augustin Leuth ner.
Wagemut . r Bernhardt Brauner.
Profoss mit 10 Knechten Michael Werner.
Grenadier-Haubtlcnthc Alexander v. Logau, Oottl. Br. Schwarzenau.
Grenadier-Lientcnnnts Friedrich Avelins. Christof Wo 1 ff.
(irenailier-Fiibndriclis lieorg Stnk, Leopold v. Gasten au.
HauMIcutlie Karl Br. L c s t w i t z, Engenins Gr. 0 n c 1 1 i, Franz Wurff,
Franz de M a c d o n e 1 1, Willi. Br. L e s t w i t z, Hermann H A b © r s, Wilhelm
Gr. Sehelart. Leopold Cr. M a 1 1 z a n. Konst. v. Schmidtner, Anton
v. B a u in g a r t c n, Job. Feiner v. F e I d e k, Franz de H a a 1, Louis Doxat
de L a Motte. Karl Br. L e s t w i t z, Rudolf Br. W e r t c n s t e i n, Gr. Oy e n-
hausen. Philipp Messner.
Lieutenants Christian Jung, Bartholomaus Brann, Gottf. Bn rgk el 1 er,
Pankratius Brinkmann. Jakob B a 1 d a u f , Johann 8 c h 1 i c Ii e r. Hermann
v. Beck, Joh. v. Schm erzenhofen, Johanu Senner, Jakob Br. Wilsdorf,
Rudolf v. Schneckenhof f. Mathias H ervay, Adolf v. 8 o h ä f e r, Sylvester
E 1 v e n i c h, Baron Hill h o f e n, Baron S e h a d e, Philipp Br. Bibra, Karl
v. L i n d n e r.
Fähndrichs Balthasar Schäfer, Johann Br. Sourma, Jodocus Geiscn,
Johann 1 1 1 n c r, Edmund Br. Horst, Silvius v. U 1 1 m a n n, Johann Br.
Meichsner, Wilh. v. Kaltenhausen, Nikolaus W o 1 f f , Karl v. Hör He,
Josef Br. Metzenhausen, Friedrich t. C o c o e s y, Heinrich v. Höchen-
hausen, Jakob de Gamanston, Ernst v. Höchberg, Br. Satzenhoffen,
Max Br. Litzelbarg, Max Br. Lambfritz, Alexander Gr. Aliardy,
Peter Mayer.
48
I7S8-17S5.
Laut Ordre de bataille vom 23. April 1734 befand sich das
Regiment, 3000 Mann stark, in der Armee unter General F.-Z.-M.
Prinz Ludwig von Württemberg, und zwar: Zwei Bataillons
und zwei Grenadier -Kompagnien im ersten Treffen, linker Flflgel,
in der Division F.-M.-Lt. Graf Lanthieri, Brigade General-Feld-
wachtmeister Prinz Sachsen-Hildburgshausen: ein Ba-
taillon im zweiten Treffen, linker Flflgel, in der Division F.-M.-Lt.
Baron Czeyka, Brigade General - Feldwachtmeister Graf Franz
Palffy; in der Reserve - Brigade General -Feldwachtmeister Baron
Fürstenbus eh das vierte Bataillon. Die kaiserliche Armee betrug
61.050, jene der Gegner 70.000 Mann.
Am 24. April traf der F. -M. Graf Mercy bei der Armee in
Mantua ein, und begann sogleich die Anstalten, um mit dem Heere
über den Po zu setzen. Mit grauendem Morgen des 1. Mai 1734
rückte der General-Quarticrmeister, Obristlieutenant von G ram lieh,
mit den Fouriers aller Regimenter aus Mantua, um für die Armee
bei S. Nikola und S. Giacomo die Stellung aufzusuchen. F.-M. Graf
Mercy und F.-Z.-M. Prinz Württemberg folgten mit sämmt-
lichen Truppen und marschirten bis zum Abend am Po auf. So wie
es dunkel wurde, schiffte sich der General Ligneville mit
20 Grenadier - Kompagnien, dabei die beiden des Regiments, ein,
landete, ohne vom Feinde bemerkt zu werden, am rechten Ufer,
und stellte sogleich die Grenadiere im Quarree auf.
Die Pontons wurden nun in das Wasser gelassen, und um
drei Uhr Morgens des 2. Mai waren beide Schiffbrücken vollendet,
worauf die Armee hinüber defilirte und sich jenseits des Flusses
aufstellte. Durch diesen Uebergang war die auf einer langen Linie
vertheilte französisch -sardinische Armee überrascht, durchbrochen
und getrennt. Der König von Sardinien traf unverweilt Gegen-
anstalten, um den Folgen dieser kühnen Unternehmung der Oester-
reicher zu begegnen, indem er zwei Brigaden nach Quastalla rücken
licss, welche längs dem Crostelo mit mehreren nachgeschickten
Regimentern ein Lager bezogen.
Am 3. Mai rückte der kaiserliche Vortrab links nach S. Bene-
detto. Bei dessen Ankunft räumte der Feind diesen Ort und verliess
nach und nach auch den ganzen Po bis bei Stellata; alles retirirte
auf die Kunde des österreichischen Ueberganges nach Parma und
Hess Lebensmittel, Munition und Bagage zurück. Die kaiser-
Digitized by Google
1733 1735.
49
liehe Armee bezog abends Stellung bei S. Benedetto. Backöfen
wurden in diesem Orte erbaut und der Proviant auf dem Po zu-
geführt. In diesem Lager stand das Regiment mit drei Bataillons im
zweiten Treffen.
Der König von Sardinien hatte den Plan entworfen, eine Unter-
nehmung gegen die österreichischen Schiffbrücken zu wagen, um
der kaiserlichen Armee ihre Verbindung mit Mantua abzuschneiden.
Schon war er bis Curtatone, Montanara und Borgoforte mit drei
Kolonnen angerückt und hatte selbe bei letzterem Orte vereinigt,
als der Feldmarschall rasch mit zwei Brigaden und zehn Grenadier-
Kompagnien, dabei die beiden des Regiments, von S. Benedetto auf-
brach und Qber den Po bei S. Giacomo ging. Als der König so
seinen, auf Ueberraschuug gebauten Plan vereitelt sah, gab er die
Unternehmung auf und zog sich bei Gazzoldo über den Oglio; auch
der Feldmarschall kehrte noch am 5. Mai mit den genannten Truppen
wieder in das Lager bei S. Benedetto zurück. An diesem Tage ver-
liess die feindliche Hauptmacht ihr Lager hinter der Enza und zog
sich nach Colorno hinter die Parma zurück. Am G. Mai verbreitete sich
das Gerficht, daas die ganze feindliche Macht sich gegen den Oglio
vereinige, daher wurde noch in der Nacht das zweite Treffen, dabei
das Regiment und die siimmtlichen Grenadiere, über den Po geschickt
und die Dispositionen ausgegeben , den Feind anzugreifen. Aber
am 7. überzeugte man sich von der Grundlosigkeit dieser Nachricht,
da der Feind sich bereits gänzlich über den Oglio zurückgezogen
hatte, und zog das zweite Treffen wieder in das Lager zurück.
Am 8. Mai verliess der Feind seine Stellung bei Colorno,
ging bei Sacca über den Po und bezog dort das Lager. Ein
feindliches Korps stand bei Bozzolo, wo der König sein Haupt-
quartier nahm. An demselben Tage übersetzte die kaiserliche Armee
die Brücke von S. Giacomo nach Govcrnolo, um die Verbindung mit
Mantua zu erleichtern. F.-M. Graf Mercy erkrankte so schwer,
dass er die Armee verlassen musste. F.-Z.-M. Prinz Württem-
berg übernahm wieder das Kommando der Armee.
Die folgenden Tage wurden mit der Sicherstellung der Be-
dürfnisse der kaiserlichen Armee zugebracht, Brückenköpfe bei den
Brücken angelegt und mit Geschütz armirt.
Am 17. Mai marschirte der Feldzeugmeister mit der Armee
vorwärts und bezog das neue Lager mit dem linken Flügel gegen
4
50
1783 1735
Pegogna, mit dem rechten gegen Camatto. Am 18. wurde der Marsch
nach Luzzara fortgesetzt und am 19. Mai nach Quastalla gerückt.
Nach achtmonatlicher unerhörter Trockenheit fiel jetzt ein paar
Tage hindurch starker Rogen, durch den die Flüsse bedeutend an-
schwollen. Am 22. war das schwere Geschütz in S. Benedetto
angelangt, und der dort zurückgebliebene General Berlichingen
brachte dasselbe zur Armee. Am 23. rückte die Armee über den
Crostolo in das Lager bei Bresello und rekognoszirte am nächsten
Tage die Enza, um zwei Schiffbrücken zu schlagen. Am 25. wurden
die Brücken gesi hlagen, von der Armee überschritten und am 2G.
Iiis Sorbole marschirt. Von hier aus unternahmen unsere Huszaren
Rekognoszirungen nach Colorno, drangen kämpfend in die Stadt und
brachten die Meldung, dass diese und das Schloss Parma vom
Feinde besetzt sei, worauf die kaiserliche Armee vorwärts gegen
Frassonara das Lager bezog.
F.-Z.-M. Prinz Württemberg unternahm am 31. Mai eine
starke Rekognoszirung gegen Colorno und befahl für den 1. Juni
den Angriff gegen diese Stadt. Die hiezu befehligten Truppen, unter
welchen sich nur die Grenadiere des Regiments befanden, rückten
nach Mitternacht am 1. Juni in grösster Stille gegen Colorno vor.
Die französischen Regimenter Auvergne und Dauphin unter Oberst
Marquis Contades bildeten die Besatzung und waren in Be-
reitschaft.
Die Oesterreicher begannen den Angriff mit grosser Lebhaitig-
keit. General L i g n e v i 1 1 e, welcher zur rechten Hand hätte vor-
rücken sollen, verfehlte den Weg nach seinem Angriffspunkte und
gerieth am rechten Ufer der Parma hinab gegen den dortigen Ein-
gang der Stadt, wo er mit der linken Kolonne des Generals Graf
Walsek zusammentraf. Gleich darauf wurde General Ligneville
erschossen und General Devins übernahm die Führung der Grena-
diere. Nun drangen die Stürmer in drei Abtheilungen vor: die
eine führte General Walsek linker Hand in die nächsten Gassen
des Städtchens und wollte durch dieselben gegen den Palast vor-
dringen. Da sie aber diesen Eingang mit Wagen verrammelt fand,
so wurde Walsek hier lange aufgehalten. Major Graf Browne
mit sechs Grenadier- Kompagnien öffnete durch Kanonenschüsse die
Mauer und das Thor des Gartens, welcher sich weit über einen
Flintenschuss vor der Fronte des Schlosses ausdehnte und von drei
Digitized by Google
1733-1785.
51
Alleen Cypressenbäumen durchschnitten mit dem rückwärtigen Thier-
garten verbunden war. In diesen Alleen rückten nun die Grenadiere
vor, beschossen mit Kanonen das Schloss, aber ohne besondere
Wirkung. Die Grenadiere stürmten hierauf mit grosser Entschlossen-
heit das Schloss, wurden aber durch das heftige feindliche Feuer
genöthiget sich nach beiden Seiten zu ziehen und hinter den Bäumen
und Bogengängen vorzurücken. Endlich gelang es ihnen das Schloss
zu erreichen und suchten nun, obwohl vergebens, einzudringen.
Der Feind hatte indessen bedeutende Verstärkungen erhalten.
G.-L. Mallebois hatte alle Truppen bei Sacca unter die Waffen
treten lassen und eilte mit 10 Grenadier-Kompagnien nach Colorno
voraus, während die Infanterie folgte.
Die Besatzung leistete durch zwei Stunden den hartnäckigsten
Widerstand und unterhielt aus den Fenstern des Schlosses ein leb-
haftes Gewehrfeuer. Endlich stieg der tapfere Hauptmann Graf
La Tour des Regiments Ligneville Nr. 3 ganz allein über mehrere
Dächer, sprang in einen Hof hinab und öffnete von Innen ein Thor
des Schlosses. Mallebois befürchtete nun, dass die Oesterreicher
sich der Brücke über die Parma bemeistern, dadurch der Besatzung
den Rückzug abschneiden würden und befahl daher dem Oberst
Contades den Rückzug. Dieser räumte dann mit seinen Leuten
den Palast. In einem Thurme blieben jedoch 3 Offiziere und 00 Mann
zurück, welche die Waffen strecken mussten.
Beim Sturm auf das Schloss war der Grenadier -Lieutenant
Friedrich Avelius und 7 Grenadiere des Regiments todtgeschossen
worden.
Noch am Abend und den darauf folgenden Morgen rückte die
kaiserliche Armee in das Lager links neben Colorno hinauf gegen
San Siro. Die Grenadiere des Regiments im Vereine mit noch acht
Kompagnien besetzten die Häuser und Casinen jenseits der Parma.
Am frühen Morgen des 3. Juni verbreitete sich ein plötzlicher
Allarm über das ganze Lager. Die kaiserlichen Patrouillen meldeten
den Anmarsch eines französischen Korps, welches bald darauf mit
gesenkten Fahnen längs dem Flusse aufmarschirte. Da um diese
Zeit der General Ligneville mit allen militärischen Ehren-
bezeugungen in der Hofkapelle zu Colorno beigesetzt und dabei die
üblichen Salven abgefeuert wurden, so hatten die Franzosen ver-
muthet, dass ihr Korps angegriffen sei, daher der König viele Truppen
V
52
km - 1786.
über den Po eilen und in Schlachtordnung aufmarschiren Hess. Prinz
Württemberg befahl alle Schiffe auf der Parma zu vernichten
und alle Orte, wo man durch den Fluss waten konnte, zu besetzen.
Am 4. frnh ruckte G. - Lt. Mallebois mit 12.000 Mann
gegen Colorno vor, worauf sich die kaiserliche Armee diesseits des
Flusses Parma in Schlachtordnung aufstellte und Colorno mit
12 Grenadier-Kompagnien, dabei die beiden des Regiments, besetzte.
Um ö Öhr morgens griff Mallebois die Brücke Ober den
Lormo und die Vorstadt an und eroberte sie gegen 8 Uhr nach
einem heftigen Kampfe. Die österreichische, diesseits des Flusses
längs dem Damme und in den Hänsern aufgestellte Infanterie
empfing die Franzosen mit einem sehr lebhaften Gewehrfeucr, auch
die Geschütze feuerten mit grosser Wirkung. Die durch drei Stunden,
bis 11 Uhr mittags oft wiederholton Angriffe der Franzosen wurden
jedesmal von den Kaiserlichen mit Nachdruck abgewiesen. Die
Feinde warfen sich nun in die zu beiden Seiten gelegenen Casinen
und beschränkten sich den übrigen Tag auf ein lebhaftes Feuer.
Der König von Sardinien selbst, welcher die ganze Armee Aber den
Oglio an sich gezogen hatte, und der G. -Lt. Marquis de Coigny
hatten die letzteren Angriffe geleitet. Während diesen hatte der Feind
mehrere Brücken Ober den Lormo geschlagen, begann um 3 Uhr
nachmittags den Uebergang, zog sich immer näher gegen Parma,
nahm am Abend sein Lager an dem Flusse Parma und dehnte sich
rechts bis S. Andrea aus.
Prinz Württemberg befahl den Rückmarsch in das vorige
Lager, damit nicht feindliche Detachements eine Unternehmung
gegen Reggio wagen könnten; denn von der Erhaltung der dortigen
Magazine hing die Existenz des kaiserlichen Heeres ab.
Der Feind rückte am 5. Juni vormittags gegen Parma; als
die kaiserlichen Grenadiere um 5 Uhr nachmittags Colorno räumten,
besetzten die Franzosen den Ort, und beunruhigten den kaiserlichen
Nachtrab nicht weiter.
Die k. Armee war in drei Kolonnen in das Lager bei Sorbole
marselürt, welches sie mit der Nacht erreichte.
Am 7. Juni traf der kaum hergestellte Feldmarschall Graf
Mercy wieder bei der Armee in Sorbole ein, bezeugte ein
grosses Missfallen über den Rückzug von Colorno, liess sogleich
drei Brücken über die Enza im Rücken der Armee schlagen und
Digitized by Google
1733-1735.
53
rekognoszirte die Arbeiten des Feindes am Po. Dieser deckte
seine neue Brücke Ober diesen Fluss durch Schanzen und Batterien,
und stellte ein Korps Piemontesen diesseits auf. Zwei französische
Brigaden lagerten vor Colorno, und die Stadt Parma wurde bedeutend
verstärkt. Am 13. Juni marschirte die k. Armee in das Lager von
S. Prospero, der rechte Flügel lehnte sich an diesen Ort, der linke
an eine Hügelreihe des parmesanischen Gebirges. Von hier wurde
General Fürstenbusch mit sechs Grenadier-Kompagnien, darunter
eine des Regiments, 600 Reiter und sechs Kanonen gegen das feste
Schloss Montechiarugolo gesendet, dessen Besatzung, ein parme-
sanischer Oberst mit 100 Mann, sich auf die erste Aufforderung
ergab, wodurch fünf Kanonen, eine Menge Munition und Lebens-
mitteln den Kaiserlichen in die Uünde fielen.
Am 19. Juni reiste der abermals schwer erkrankte Feldmarschall
von der Armee ab und Prinz Württemberg Übernahm wieder
das Kommando. Dieser Hess am 20. und 22. grosse Fouragirungen
vornehmen, um den Feind aus seinen Stellungen zu locken, aber
dieser rührte sich nicht. Um dem grossen Wassermangel abzuhelfen,
verliess die k. Armee am 25. ihr Lager, bezog jenes bei San Lazaro
und besetzte auch die Karthause von Parma mit 10 Grenadier-
Kompagnien, unter welchen sich beide des Regiments befanden.
Nachdem am 25. Juni Feldmarschall Graf Mercy abermals
das Armeekommando übernommen hatte, unternahm er schon am
nächsten Tage den Versuch, den Feind zum Angriff zu verleiten
und ihn dadurch aus seiner festen Stellung zu locken. Der Feind
zeigte sich anfangs wirklich mit einem starken Korps ausser dem
Bereiche der Stadt Parma, zog sich aber bald wieder unter dessen
Kanonen zurück. Am 27. Hess der Feldmarschall abermals eine starke
Rekoguoszirung vornehmen und da die Berichte günstig lauteten,
erhielt die Armee am Abende den Befehl zum Vorrücken.
Nach Mitternacht am 28. Juni brachen die Oesterreichcr in
zwei Kolonnen auf, bewegten sich links um die Stadt Parma herum,
und bezogen anderthalb Miglien von der Stadt das Lager bei St. Anto-
niano. Der rechte Flügel lehnte sich an diesen Weiler; der linke
dehnte sich an der Braganza, gegen das Gebirge aus. Der Vortrab
besetzte die Brücken über den Naviglio di Taro.
Durch diesen Marsch der k. Armee war die Stelluug des
Feindes in der rechten Flanke umgangen, in Folge dessen die
54
17.18-1785.
französischen Marschälle beschlossen, am 29. der k. Armee entgegen
zu gehen.
Mit Anbruch des Morgens am 29 Juni stellte sich die k. Armee
in Schlachtordnung und war bereit, gegen den Feind zu marschiren.
Da man nicht wusste, in welcher Stellung man den Feind antreffen
werde, da man nur unbestimmte Nachrichten (Iber seine Bewegungen
erhalten hatte, so wurden nur Dispositionen zum Vormarsche, aber
nicht zur Schlacht gegeben, daher die Generale nicht wussten, was
sie zu thun hatten, wenn sie auf den Feind stiessen. In derselben
Lage befanden sich auch die französischen Generale, daher dieser
Nachtheil der Kaiserlichen dadurch aufgehoben wurde.
Um halb sechs Uhr Morgens gingen 200 Pionniere voraus, um
Wege und Brücken herzustellen und als diese Arbeiten einige Fort-
schritte gemacht hatten, befahl der Feldmarschall der rechten Kolonne
vorzurücken. Gegen neun Uhr setzte sich das, die linke Kolonne
bildende zweite Treffen, dabei das Regiment, in Bewegung.
Der kaiserliche Vortrab, bei welchem sich die Grenadiere des
Regiments befanden, rückte über die zwei, bei der Molino - Maesta,
über den Naviglio di Torro geschlagenen Brücken, und auf den
jenseitigen schlechten Wegen vor. Als der Vortrab ungefähr vier
Miglien jenseits des Naviglio vorgerückt war, geschahen von fran-
zösischer Seite zwei Kanonenschüsse, und die vordersten Karabiniere
meldeten: »ganz nahe vor ihneu stehe die ganze feindliche Armee
in Graben und Casinen aufgestellt.*
Bald darauf, gegen 11 Uhr vormittags fing das Feuer zwischen
den beiderseitigen Vortruppen an. Die österreichischen Grenadiere
gaben eine Dccharge, griffen die in den Hecken vertheilten fran-
zösischen und piemontesischen Grenadiere an, welche sich, nach-
dem sie ihre Gewehre abgefeuert hatten, zurückzogen. Die öster-
reichischen Grenadiere postirten sich längs den mit der Strasse
parallelen Hohlwegen und hinter den Hecken, und vertrieben nach
einem heftigen Gewehrfeuer, durch welches auf beiden Seiten viele
Leute getödtet wurden, gegen 12 Uhr die französischen Grenadiere
aus dem Garten von Mambriani Diese sammelten sieh jedoch
in der sehr festen Casine, und setzten dort den Widerstand auf
das Hartnäckigste fort.
So wie die ersten Regimenter anlangten, befahl der Feld-
marschall sogleich zum Angriffe vorzugehen. Die fünf Greuadier-
Digitized by Google
1788-1785.
55
Kompagnien, gefolgt von zwei Regimentern nickten in bester Ordnung
bis auf dreissig Schritte an die Strasse von Piacenza, wo sie Halt
machten nnd einige Dechargen abgaben. Sie wurden mit einem leb-
haften Feuer der feindlichen, in den Casinen und zu beiden Seiten
von Crocetta aufgestellten Grenadieren, der links stehenden Bataillone
von Piccardie und des dort postirten Geschützes empfangen.
Feldmarschall Graf Mercy war vorgeritten, um die Stellung
des Feindes zu besichtigen, als er von zwei Kugeln getroffen, todt
vom Pferde stürzte. Dieser Unglücksfall erschütterte einen Augen-
blick die kaiserlichen Grenadiere; gleich darauf aber drangen sie
mit solchem Heldenmuthe vor, dass sie die zehnfach Überlegenen
Franzosen und Piemontesen aus mehreren Graben und Casinen heraus-
warfen, die zwei feindlichen gegen den Ausgang des Hohlweges auf-
gepflanzten Geschütze eroberten, sie sogleich gegen den Feind um-
wendeten und diesen aus denselben beschossen. Der General Saint
Perrier floh mit den fünf rechts von Mambriani aufgestellten
französischen Kanonen hinter den Weiler Crocetta, Hess aber auch
hier noch eine Kanone den Oesterreichern zurück. Die Brigade
Piccardie wankte; die Grenadiere von Teutschmeister, welche ganz
vorzüglich schössen, hatten bereits den G.-Lt. du Guerhois tödt-
lich, den Brigadier Prinz Montauban schwer verwundet und fünf
Bataillons - Chefs von den Pferden herabgeschossen ; auch waren die
Grenadiere bis auf den vom Feinde zum Lager gewählten Platz
vorgedrungen. Doch die französischen Grenadiere behaupteten sich
in drei Casinen von Crocetta, denen man nicht Meister werden
konnte, da das schwere Geschütz noch weit zurück war.
Die so weit vorgedrungenen Grenadiere und zwei Regimenter
Infanterie wurden nun von zahlreichem feindlichen Geschütz und
mehreren frischen Bataillons mörderisch beschossen; die Generale
Prinz Brandenburg- Culmbach und Baron Devins mit einer
Menge von Offizieren blieben hier todt auf dem Felde der Ehre
und die Truppen, welche einen ausserordentlichen Verlust erlitten,
geriethen in Unordnung. Die Armee war noch weit zurück und
konnte sie nicht unterstützen, daher blieb diesen Tapferen nichts
übrig, als sich in jene Graben und Hecken zurückzuziehen, wo sich
anfangs die Grenadiere festgesetzt hatten. Die eroberten Kanonen
konnten wegen Mangel an Bespannung nicht zurückgebracht werden
and fielen dem Feinde wieder in die Hände.
56
1?3S— 1785.
So wie die kaiserlichen Bataillone eintrafen, marschirten sie
in Front auf, und nun währte das Feuer der kaum auf eine halbe
Musketen-Schussweite von einander entfernten beiderseitigen Truppen
mit grösster Heftigkeit und verheerender Wirkung fort. F. - Z. - M.
Prinz Württemberg, welcher nach dem Tode des F. -M. Graf
Mercy das Kommando übernommen hatte, wurde von einer Kugel
am rechten Arm getroffen, und verlor das Pferd unter dem Leibe.
Fast alle Generale, welche bei diesem ersten Angriffe zugegen ge-
wesen, waren todt oder verwundet.
Unterdessen gelang es immer mehr Truppen der beiden Treffen
heranzuziehen, und so kam allmälig die ganze Infanterie auf dem
Schlachtfelde an. Die Kavallerie konnte in dem durchschnittenen
Terrain nicht wirken und stellte sich daher hinter dem Centrum der
Infanterie auf.
Als die vordersten Brigaden, in welchen sich auch das Regi-
ment eingetheilt befand, aufraarschirt waren, rückten sie im Centrum,
mit geschultertem Gewehre und in trefflichster Ordnung, bis nahe an
die Strasse von Piacenza vor, und begannen dann — nach dem
französischen Berichte — so regelmässig wie auf dem Exerzierplatze
zu feuern. Sie wechselten, weil der Raum zur Vorrückung gegen die
feindliche Stellung vor der Mühle bis Crocetta nur einige hundert
Schritte breit war, Bataillonsweise im Angriffe ab. Aber sie mussten
dem heftigen Feuer sehr bald weichen, welches der Feind gegen sie
unterhielt.
Um drei Uhr rückten die Oesterreicher mit ihrem Centrum,
in welchem sich das Regiment, mit noch 21 Bataillons anderer
Regimenter befand, uud einem Theile des linken Flügels, zum dritten
Male zum Angriffe vor. Die Grenadiere marschirten in der vordersten
Linie, machten an der Strasse von Parma Halt und begannen dort
ihr Feuer. Doch bald drangen sie über die Strasse, fielen die feind-
lichen Grenadiere rechts von Crocetta mit dem Bajonuete an, trieben
dieselben aus ihren Deckungen, und warfen sie auf die Brigade
Piccardie, welche von den Regimentern Ligneville Nr. 3 und Hild-
burgshausen ebenfalls derart zum Weichen gebracht wurden, dass
sie über tausend Schritte zurückeilten und dort erst vom G. - Lt.
Chatillon gesammelt werden konnten.
Diese zwei tapferen Regimenter wurden aber nicht ausgiebig
unterstützt, und von einem mörderischen Kugelregen so überschüttet,
Digitized by Google
1783-1735
57
dass sie sich, nachdem ein grosser Theil der Mannschaft getödtet
war, zurückziehen mussten. Das französische Regiment Champagne
verfolgte diese Truppen, wagte sich aber zu weit und gerieth in das
heftigste Feuer der Regimenter Teutschmeister und Seckendorf,
verlor sehr viele Leute und floh endlich in Unordnung zurück. Bei
seinem eiligen Rückzug gerieth es gegen die französische Brigade
Sourre und die piemontesische Savoye, welche diese Flüchtlinge für
Oesterreicher hielten, und mehrere Salven gaben, wodurch dieses
Regiment von dem Feuer seiner eigenen Armee beinahe aufgerieben
wurde.
Hierauf versuchte der Feind einen Angriff gegen den rechten
Flügel der Oesterreicher, der aber an der Tapferkeit der dort auf-
gestellten Truppen scheiterte. Der später vom linken Flügel der
Oesterreicher unternommene Vorstoss war nur eine Demonstration
ohne Erfolg.
In dem kaiserlichen Centrum kam es zwar seit 3 Uhr zu
keinem weiteren Angriffe, aber das Feuer währte auf der ganzen
Linie ununterbrochen bis 7 Uhr fort. Zwar versuchte der Feind
nochmals den rechten Flügel zu umgehen, da aber alle drei Brigade-
Generale erschossen wurden und die Truppen viele Leute verloren,
zog er sich zurück; ebenso wurden zwei piemontesische Bataillone
auf dem linken Flügel beinahe vernichtet, jedoch rückte die piemonte-
sische Garde an ihre Stelle.
Nach 7 Uhr Hess das Feuer allmählig nach. Die Franzosen
hatten um diese Zeit ihre in erster Linie gestandenen Truppen zum
fünften Male abgelöst. Das Feuer dauerte, doch immer schwächer,
bis 9 Uhr, belebte sich von Zeit zu Zeit von Neuem und verstummte
mit der Nacht gänzlich. Die feindliche Armee erwartete den Morgen
unter den Waffen und belürchtetc in der Nacht einen Ueberfall ; denn
als zwei Patrouillen aufeinander stiessen und Feuer gaben, feuerten
auch die feindlichen Bataillone in die dichte Finsterniss hinein und
tödteten viele der eigenen Kameraden.
Das kaiserliche Heer stand zu Ende des Kampfes in Schlacht-
ordnung, im Angesicht des Feindes aufmarschirt; seine Vortruppen
hielten jene oft benannten Hecken und Graben besetzt, wo sich die
Grenadiere zuerst festgesetzt hatten.
Als der Feind mit Einbruch der Nacht den gewöhnlichen
Zapfenstreich schlug, antworteten in gleichem sämmtliche Tambours
58
1783-1785.
der Oesterreicher, um zu beweisen, dass das österreichische
Heer sich im Besitze des Schlachtfeldes befinde, dem
Feinde Terrain abgenommen habe, und dieser es nicht
wage, demselben diese Stellung streitig zu machen.
Die kaiserliche Infanterie hatte einen ausserordentlichen Verlust
erlitten, und war daher nicht in einem Zustande, am Morgen die
Schlacht fortzusetzen. Auch war alle Munition verfeuert, obwohl
zwei Mal die Patrontascheo frisch gefallt wurden. Man wendete
die grösste Sorgfalt au, die Verwundeten zu retten, wobei sich der
Feldscherer Jakob Kay ser besonders aufopfernd auszeichnete. Zwei
Stunden vor Tagesanbruch, am 30. Juni, marschirte die Armee in
das Lager bei San Antonio, wo sie die Nacht vor der Schlacht
zugebracht hatte.
Die feindliche Armee dachte nicht daran, sich den Sieg zuzu-
schreiben, denn die Marschälle hatten in der Nacht im Kriegsrath
beschlossen, den Rückzug aus der Gegend von Parma anzutreten*,
auch wurde ein Kourier mit der Meldung an Ludwig XV. abge-
sendet, dass die Schlacht verloren sei und man mit Tagesanbruch
retiriren werde. In der Früh brachten Plünderer die erfreuliche
Botschaft, dass die Kaiserlichen abgezogen seien, worauf natürlich
schnell ein zweiter Kourier mit der Meldung „des Sieges* abge-
sendet wurde.
Sämmtliche Truppen hatten mit wahrem Heldenmuthe gefochten ;
unter jenen, welche sich mit besonderem Ruhme bedeckten, glänzen
das Regiment und insbesouders die Grenadiere von Hoch- und
Teutschmeister.
Der Brigadier G.-F.-W. Prinz Sachsen-Hildburgshausen
wurde verwundet. Das Regiment verlor an Todten: Lieutenant
Silvius von Uttmann und 46 Mann; an Verwundeten: Obrist-
lieutenant Josef Baron Heydorff, Hauptmann Konstantin von
Schmidauer, Johann Feiner von Feldek, Franz de Haal,
Walzheimb und Graf Khuen, Lieutenant Johann von Schmerzen-
hofen, Fähnrichs Nikolaus Wollf und Jus tau nebst 191 Mann.
Lieutenaut Schmerze uho fen erlag am 13. Oktober seinen Wunden.
Der ganze Verlust des kaiserlichen Heeres betrug 6283 Mann
und 800 Reitpferde; jener des Feindes ist nicht genau bekannt,
jedoch geben ihn französische Geschichtschreiber mit 700 Offizieren
uud 6000 Mann an.
Digitized by Google
1733- 1735
59
Nach dem Einrücken in das Lager zu San Antonio wurde
Hauptmann Wilhelm Br. Lestwitz, Lieutenant v. Elvenich und
60 Mann zur Verstärkung der Besatzung in Quastalla abgesendet.
Noch am 30. Juni Nachmittags führte Prinz Württemberg
die Armee an die Enza nach dem sieben Miglien entfernten Monte-
chiarugolo, um das Hauptmagaziu zu Reggio zu decken und den
Truppen, die so sehr gelitten hatten, die nöthige Zeit zur Erholung
zu verschaffen, den grossen Abgang an Generalen und Offizieren
nach Möglichkeit zu ersetzen und dann dem Feinde desto kräftiger
zu begegnen. Der Marsch fand in zwei Kolonnen statt und das
Lager, in dem die Armee abends eintraf, wurde vor jenem Markt-
flecken bezogen. Die feindliche Armee rückte nach San Lazzaro und
beobachtete die Bewegungen der kaiserlichen Armee.
Als am 1. Juli die Nachricht einlief, dass der Feind gegen
Sorbole und Cafallone vorrücke, verliess die kaiserliche Armee ihr
Lager und marschirte am 2. in das Lager bei Reggio, wo dann das
feierliche Leichenbegängniss des Feldmarschalls Grafen Mercy
mit allen militärischen Ehren stattfand.
Die feindliche Armee besetzte Sorbole und Cafallone, konnte
aber wegen Maugel an Lebensmitteln ihre Bewegung nicht mit der
nöthigen Schnelligkeit fortsetzen, daher die Oesterreicher Zeit ge-
wannen, sich bei Reggio zu sammeln. Nun beschloss der König längs
des Po hinab zu ziehen und die kaiserliche Armee von ihren
Brücken bei S. Benedetto abzuschneiden. In Folge dessen wurde
Tag und Nacht bis 4. nach Carpi di Modena, am 5. hinter die
Secchia nach Concordia maischirt. Auf die Nachricht von diesen
Märschen der Kaiserlichen ging der König am 4. mit der Armee
über den Erostolo und den Kanal la Botta und bezog das Lager
mit Quastalla im Rücken, welches die Franzosen zernirten.
Noch an diesem Tage forderte der König Quastalla, welches
weder mit Proviant, noch mit hinreichendem Geschütz und Munition
versehen, auch sonst nicht im Vertbeidigungsstande war, zur Ueber-
gabe auf. Der Kommandant Ohristlieutenant Baron Reizenstein
ergab sich am 5. Juli um 8 Uhr morgens. In Folge dessen gerieth
Hauptmann Wilhelm Br. v. Lestwitz, Lieutenant v. Elvenich
und 60 Mann des Regiments in Kriegsgefangenschaft, welche der
Feind nach Mondovi in Savoycn interuirte, von wo sie im Winter
zum Regiment zurückgeschickt wurden.
60
1733-1785.
Die kaiserliche Armee setzte am G. den Marsch hinter der
Secchia bis Quistello fort und bezog abends an dem rechten Ufer
der Secchia zu beiden Seiten des Ortes das Lager. Am 7. Juli
gegen Mittag erschien ein feindliches Korps mit fliegenden Fahnen
und vielem Geschütz am jenseitigen Ufer und begann Quistello zu
beschiessen. Es war der Marschall Broglio mit allen Grenadieren
der Armee und der gesammten Reiterei, welchem der König be-
fohlen hatte, sich der Brücken über die Secchia und jener Über
den Po zu bemächtigen. Aber die Oesterreicher waren ihm schon
zuvorkommen, hatten die Brücken abgetragen und sämmtliche Schiffe
nach Revere abgeführt. Marschall Broglio nahm sein Lager bei
Bondanello, während die kaiserliche Armee, welche schon drei Tage
kein Brod hatte, noch am Abend nach Quiogeutole zurückging
und am 9. nach Revere rückte. Die kaiserliche Armee war durch
die angestrengten Bewegungen der letzten dreizehn Tage äusserst
erschöpft und bedurfte dringend der Ruhe, welche ihr diese Stellung
gewährte. Den für die Folge wichtigen Platz Mirandola hatte der
Prinz mit einer Besatzung und den Erfordernissen zu einer Ver-
teidigung versehen. Die feindliche Armee besetzte am 10. Bondanello
und lagerte Brigadeweise längs der Secchia.
Der zum Oberbefehlshaber der kaiserlichen Armee in Ober-
Italien eruanute FeldmarschaU Graf Lothar v. Königseck traf am
11. Juli in Revere ein und übernahm das Kommando. Den folgenden
Tag rekognoszirte er die feindliche Stellung und führte am 19. die
kaiserliche Armee nach dem neuen Lager von Quingeutole. Nach der
Ordre de bataille am 23. Juli 1734 befand sich das Regiment,
2720 Mann stark, in diesem Lager in der Division F.-M.-Lt. Mar-
quis Valparaiso, Brigade G.-F.-W. Baron Wachtendonk im
ersten Treffen auf dem linken Flügel.
Der Feind hatte mit ununterbrochener Anstrengung an den
Verschattungen am linken Ufer der Secchia gearbeitet und eine
besondere Sorgfalt auf den Posten Quistello verwendet. Er hielt
sich durch diese Arbeiten gegen jede Unternehmung der Oesterreicher
gesichert, worin ihn auch der FeldmarschaU nach allen Kräften zu
täuschen trachtete, welcher die Absicht hegte, diese sorglose Sicher-
heit zu einein Ueberfall zu benützen. Hierzu wurde die kaiserliche
Armee in zwei Flügel getheilt, der linke Flügel wieder in sechs
Kolonnen, wovon die erste oder rechte Kolonne aus 12 Grenadier-
Digitized by Google
1733-1735.
Gl
Kompagnien, dabei die beiden des Regimentes unter den Befehlen
des General Prinz Hildburgsbaiisen, dahn 7 Bataillons, dabei
das Regiment unter F.-M.-Lt. Marquis Valparaiso und General
Baron Wachtendonk, bestand. Sämmtliche Truppen mussten
abends nach dem Zapfenstreiche bei der Casina Gabiana in möglichster
Stille zusammenrücken. Am 15. September nach Mitternacht rückten
alle sechs Kolonnen in grösster Stille vor, und standen eine Stunde
vor Anbruch des Tages in der Nähe der Stellen, wo sie über den
Flosa geben sollten, in Bereitschaft. Der Mond schien so hell, dass
man alle Gegenstünde klar wie beim Tage unterscheiden konnte,
und doch hatten die feindlichen Feldwachen nichts bemerkt, ja sie
vollzogen den Sicherheitsdienst mit solcher Leichtfertigkeit, dass
auch dann ihre Aufmerksamkeit noch nicht erregt wurde, als zwei
kaiserlichen Soldaten durch Zufall die Gewehre losgingen.
Eine Stunde nach Anbruch des Tages wurde das Zeichen zum
Angriff' gegeben. Alle Kolonnen überschritten den Fluss, nur die
erste verfehlte die Furt, und die Soldaten des Regiments mussten
bei Gaillardo und Prospero fiero bis an die Brust im Wasser durch
die Secchia waten. Dadurch entstand Lärm, wodurch die dieser
Kolonne gegenüber stehenden französischen Posten Zeit gewannen,
die Waffen zu ergreifen. Sie zogen sich aber eilfertig in das Lager
zurück und verbreiteten Verwirrung und Allarm unter den vier
Brigaden. Einige österreichische Hnszaren waren gleich im ersten
Momente über den Fluss gegangen, erschienen zugleich mit den
französischen Vorposten im Lager, jagten an der Zelter -Linie hinab
und warfen alle Gewehr -Pyramiden um. Die Soldaten stürzten,
grösstenteils im Hemde, aus den Zelten, rafften die nächsten Ge-
wehre auf und begannen ein ordnungsloses Feuer, wodurch die
entfernteren Brigaden allarmirt, und nun bei der ganzen feindlichen
Armee Generalmarsch geschlagen wurde.
Die erste Kolonne kam dennoch früher als der Allarm bei der
Casine Gaidella an, in welcher der französische Marschall Broglio
seine Wohnung hatte. Unbegreiflicher Weise fand auch hier noch
eine vollkommene Ueberraschung statt. Was von den Franzosen
dem zuerst eingedrungenen Regiment Teutschmeister in den Weg
kam, wurde niedergemacht und die Casine so schnell erobert, dass
der Marschall sich kaum noch im Hemde und Pantoffeln durch eine
Hinterthüre des Gartens mit der Flucht retten konnte. Doch wurden
G2
1738-173.',.
dessen Sekretär und Adjutanten, dann sein Neffe, der Brigadier und
Obrist des Regiments Berry, Graf Ca r am an, alle seine Bedienten,
sowie die Generalswache mit ihren Offizieren und Fahnen gefangen,
das ganze Gepäck, der heilige Geist -Orden, die Kriogskanzlei, Land-
karten, eine reich gefüllte Kasse, das Silberzeug, die Pferde u. 8. w.
des Marschalls erbeutet. Der Verlust, welchen der Marschall bei
diesem Vorfall erlitt, wurde auf 130.000 venctianische Dukaten
berechnet. Der General -Adjutant Kavallerie -Obrist Beaumont,
welcher sich mit der Pistole in der Hand den Weg aus der Casine
öffnen wollte, wurde erschossen.
Die Grenadiere unter Prinz Hildburgshausen griffen die
durch die handvoll Huszaren in Schrecken gesetzten vier feind-
lichen Brigaden sofort an und warfen sie mit leichter Mflhe zurück.
Nach diesen Erfolgen Hess der Feldmarschall auf dem Lager-
platze der vier geworfenen Brigaden in einer Linie aufmarschiren,
was viel Zeit raubte und dem mittlerweile erschienenen König Zeit
gab, seine Truppen möglichst zu ordnen und mit den Brigaden
d'Auvergne und du Roi, denen alle anderen Brigaden folgen sollten,
vorzurücken. Diese wurden aber sogleich von den Grenadieren in
der rechten Flanke angegriffen, und als der König die Muthlosigkeit
dieser von panischem Schrecken betäubten Truppen sah, wartete er
den Angriff der kaiserlichen Linie nicht ah, sondern befahl den
Rückzug anzutreten.
Der Feldmarschall wendete sich nun rechts und marschirte
gegen die Brücke von Quistello, welchen Ort der Feind nach kurzem
Widerstande sogleich räumte, daher hier nur 200 Mann gefangen
genommen werden konnten ; aber die kaiserliche Reiterei, unterstützt
von den Grenadieren des Vortrabs, verfolgte diese Fliehenden, welche
häufig die Gewehre wegwarfen, hieb deren viele nieder und machte
700 Gefangene.
Auf dem eroberten Boden fielen die feindlichen Lager mit den
noch aufgeschlagenen Zelten, darunter jenes des Königs, welches
auf 100.000 fl. geschätzt, alles Gepäcke, 2554 Pferde, 3100 Maul-
thiere und Wagen, eine Menge Waffen, Munition und Proviant,
darunter 1000 Ochsen, 500 Kühe, 5000 Fass Wein, 10.000 Ztr.
Mehl, den Siegern in die Hände.
Der Feldmarschall glaubte nicht, noch an diesem Tage einen
Angriff auf die feindliche Stellung unternehmen zu können, da die
Digitized by Google
1733 1735.
63
Trappen seit fünfzehn Stunden in steter Bewegung und durch die
drückendste Hitze ganz erschöpft waren. Die Armee nahm daher
bei Quistello in dem eroberten Lager des Feindes, ihre Stellung.
Am IG. September vor Sonnenaufgang stand die k. Armee in
zwei Linien in Schlachtordnung. Als Vortrab marschirten 30 Grenadier-
Kompagnien, theils vor dem Zentrum, theils vor beiden Flögeln.
Der Feind erwartete den Angriff in der vortheilhaften Stellung hinter
den Kanälen, in welcher er die Nacht zugebracht hatte. Der Feld-
marschall Hess diese Stellung zum Scheine von fünf Bataillons
angreifen, während die k. Armee mit klingendem Spiele und fliegen-
den Fahnen immer mehr links gegen Pegognaga und Gonzaga
marschirte, um den rechten Fldgel des Feindes zu umgehen. Als
der König dieses für ihn verderbliche Manöver erkannte, zog er sich
rasch gegen Luzzara zurflck, wohin ihm die Oesterreicher nicht
schnell folgen kounten, da sie mit der Passirung mehrerer tiefer
Graben viel Zeit verlieren mussteu. Die k. Armee machte bei
S. Benedetto Halt, während die Kavallerie dem Feinde folgte, eine
Menge niederhieb und viele Gefangene machte.
Der in der Früh begonnene Scheinangriff hatte seinen Zweck
vollkommen erreicht. Der äussere Theil des feindlichen linken Flügels
hatte sich durch diesen festhalten lassen und war zu der Zeit, als die
Oesterreicher bei S. Benedetto am Po anlangten, noch auf dem
Rückzüge von der Bocca di Secchia nach diesem Orte begriffen, um
durch denselben ihrer Armee zu folgen und waren nun abgeschnitten.
Die Grenadiere unter Hildburgshausen und das Regiment mit
einem zweiten unter Wachtendonk wurden beordert, von S. Bene-
detto vorzumarschiren und diese Trappen zu umringen. In kurzer
Zeit ergaben sich Ober 4000 Mann, worunter zwei ganze piemontesische
Bataillons (die ersten der Regimenter Garde und Savoyen) mit ihren
Fahnen waren. Sie legten die Waffen nieder, behielten jedoch ihr
Gepäck.
Die k. Armee hatte nicht ganz 100 Mann verloren, das Regi-
ment keinen Verlust
Da die k. Armee die Ankunft der Proviantschiffe abwarten
musste, auf welchen auch die Oberröcke und das Gepäck aus dem
alten Lager von Quingentole nachgebracht wurden, so konnte der
Aufbrach am 17. September erst um neun Uhr vormittags geschehen.
Der Marsch ging bis Montechiana gegenüber von Borgoforte; die
G4
1783-1735.
feindliche Armee war an diesem Tage bis Quastalla marschirt. Am
18. brach die k. Armee mit dem Tage auf und rückte bis Luzzara.
Als der König die Ankunft der k. Armee bei diesem Orte erfahren
hatte, beschloss er mit den französischen Marschällen, derselben bei
Quastalla eine Schlacht zu liefern, rekognoszirte zu diesem Ende das
vorliegende Terrain, stellte seine Armee in eine neue Schlachtordnung
und Hess dieselbe gegen einen vermutheten Angriff die ganze Nacht
unter den Waffen stehen.
Am 10. September nach Mitternacht brachen zuerst 25 Grenadier-
Kompagnien, dabei beide des Regiments, von Luzzara auf und rückten
auf der Hauptstrasse hinauf gegen Quastalla. Etwas später folgte
die ganze Infanterie in einer, die Reiterei in der zweiten Kolonne.
Gegen 9 Uhr vormittags hatten die Grenadiere die vom Feinde
besetzte Stellung im Gesicht. Der Feldmarschall liess nun die
Infanterie von dem Theilungspunkte der beiden Dämme bei dem
Gehölze la Sralapia, anfangs auf diesen beiden Strassen, dann
aber gleich darauf hinab in den Raum zwischen den Dämmen
ziehen und da er immer fester glaubte, nur die feindliche Nachhut
vor sich zu haben, um 10 Uhr 12 Grenadier- Kompagnien rechts
von Tagliata und dem Argine maestro in einer Linie vormarschiren.
Die kaiserliche Artillerie eröffnete ihr Feuer gegen die Casinen und auf
das sich zeigende Fussvolk mit Kartätschen, während die Grenadiere
zum Angriffe vorrückten und den Feind, obgleich sie mit einem sehr
heftigen Feuer empfangen wurden, nächst dem kleinen Damme
zurückwarfen.
Hierauf unternahm ein Theil der kaiserlichen Reiterei einen
Angriff gegen die aufmarschirten feindlichen Reiter - Regimenter,
konnte aber nichts ausrichten und musste nach einem sehr hitzigen
Kampfe zurück.
Die Grenadiere standen schon eine Stunde im Feuer und es
war ihnen nicht gelungen, sich in dem anfangs gewonnenen Terrain
zu behaupten. Sie begannen zu ermüden und zurückzuweichen. Um
sie zu unterstützen und einen zweiten Angriff auszuführen, beorderte
der Feldmarschall die Division Valparaiso, Brigade Wachtendonk
mit sieben Bataillons, darunter das Regiment, zum Vormarsch. Um
11 Uhr rückte die erste Brigade, einige Zeit darauf das Regiment
in der zweiten Brigade, beide vergeblich vor. F.-M. -Lt. Valparaiso
und General Wachtendonk wurden gleich anfangs verwundet,
Digitized by Google
1733-1735.
G5
Obristwachtmeister v. S p i e s und Hauptmann Graf Thum des
Regiments, auch sonst so viele Stabsoffiziere getödtet oder ver-
wundet, dass Obristlieutenant Hohenfeld das Kommando der
ganzen Division Obernehmen musste.
üm diese Zeit war die k. Kavallerie-Kolonne angelangt, welche
der Feldmarschall sofort den feindlichen linken Flflgel angreifen Hess.
In dem durchschnittenen Terrain konnte die Kavallerie sich nicht
gehörig entwickeln, und drei nacheinander mit vieler Bravour aus-
geführte Angriffe roisslangen.
Während dieser Attaquen hatten die Grenadiere und die
Division Valparaiso durch das mörderische Feuer des Feindes bereits
grossen Verlust erlitten. In jeder französischen Kompagnie waren
vier geübte Schützen eingetheilt, die den Aufkrag hatten, besonders
die Offiziere auf das Korn zu nehmen. Diese hatten ihre Obliegen-
heit so gut erfüllt, dass die sieben Bataillone schon des grössten
Theils ihrer Offiziere beraubt, und dadurch, der Führer entbehrend,
in Unordnung gerathen waren. Die Soldaten des Regiments feuerten
lebhaft auf die Bäume, Hecken und Gebüsche, hinter welchen die
Franzosen gedeckt standen, aber ohne dieselben zu sehen und den-
selben viel Schaden zufügen zu können. Dagegen hatte die k. Artillerie
bereits 29 Geschütze in s Feuer gebracht und richtete unter den
Feinden viele Verheerungen an.
Der Feldmarschall beorderte nun den General Prinz nild-
burgshausen, mit den noch übrigen 17 Grenadier- Kompagnien
den Angriff zur rechten Hand nächst dem Argiuello zu beginnen.
Die Grenadiere legten sogleich den Sturm an, doch wurden
sie von den beiden gegen den Damm gelegenen Casinen zurück-
geschlagen, und konnten nur eine dritte einnehmen, welche der
Feind beim Verlassen in Brand steckte. Nun räumten die Grenadiere
die Fronte und zogen sich in die Gebüsche an beiden Dämmen, um
durch dieselben vorzudringen, was ihnen aber nicht gelang. So
waren bereits 29 Grenadier - Kompagnien und sieben Bataillone in
dem engen Räume zwischen den beiden Dämmen im Gefechte ver-
wickelt, und hatten sich beinahe aufgelöst. — Der Feldmarschall
Graf Königseck hoffte dennoch, durch hartnäckige Fortsetzung
und Wiederholung der Angriffe endlich durchzubrechen und die
feindliche Stellung zu sprengen, Hess daher um die Mittagsstunde
den General Baron Succow mit sechs Bataillons zum vierten
5
Digitized by Google
66
173.1 - 1785.
Angriffo vorrücken, und denselben durch den F. - M. - Lt. Graf
W a 1 s e c k mit 13 Bataillons unterstützen.
Der König von Sardinien hatte unterdessen zehn Geschütze
aufführen lassen , um die österreichischen , welche mit grosser
Wirkung feuerten, zum Schweigen zu bringen. Jetzt breiteten sich
eben Succow und Walseck mit ihren Bataillonen vor dem
feindlichen linken Flflgel aus, und ein Theil derselben drang bereits
über die in Flammen stehende Casine und längs dem Arginello vor.
Hieraus gelangte der König zur Ueberzeugung, dass sich die ganze
kaiserliche Macht gegen seinen linken Flflgel wende, und Hess
sogleich einen grossen Theil der Truppen seines rechten Flügels
zur Verstärkung des angegriffenen herbeieilen.
Die vorrückenden frischen österreichischen Truppen vermochten
auf der Angriffslinie kein Terrain zu gewinnen, da sie durch die zwei
stark besetzten Casinen sehr aufgehalten wurden ; nur an dem Damme
gelang es den Oesterrcichern vorzudringen, und es schien, dass der
Feind, obgleich eine Brigade Verstärkung bereits eingetroffen war,
hier nicht lange mehr werde Stand halten können. Als die Gefahr
hier immer wuchs, rief der König noch zwei Brigaden im Eilschritt
herbei, welche sich hinter seinem bedrohten Flflgel im zweiten
Treffen aufstellten.
Die kaiserliche Keitcrei unternahm noch einen Angriff, konnte
aber wieder in dem durchschnittenen Terrain nicht vorwärts kommen
und verlor viele Offiziere und Mannschaft. Um diese Zeit wurden
die Angriffe der österreichischen Infanterie auf beiden Dämmen mit
solchem Nachdruck wiederholt, dass der König auch den Best der
Infanterie des rechten Flügels eiligst herbeizog und dort nur sieben
Eskadronen zurückliess.
Unterdessen hatten die feindlichen Geschütze alle Anstren-
gungen der österreichischen Kavallerie durch ihr verheerendes Feuer
vereitelt. Unsere braven Reiter, welche beinahe alle ibre Generale
und Offiziere verloren hatten, wichen doch nicht aus ihrer Stellung,
bis die feindlichen Grenadiere ihnen so furchtbare Verluste bei-
brachten, dass ein ferneres Aushalten nur ein nutzloser Menschen-
verlust gewesen wäre. Sie räumten die mit Leichen bedeckte Wiese
und zogen sich in die Gebüsche am Ufer des Po.
Während der König seine letzten Bataillone herbeigezogen
hatte, liess auch der Feldmarschall seine letzten sieben Bataillone
Digitized by Google
1 733-1785.
07
unter F.-M.-Lt. Graf N e i p p e r g vorrücken, welche muthvoll in den
Kampf gingen, die piemontesische Fussgarde mit Nachdruck angriffen,
dann aber in der Flanke angefallen auch nicht durchdringen konnten.
Es war bereits 4 Uhr vorbei, als die Angriffe der öster-
reichischen Infanterie allmählig schwächer wurden. Diese Infanterie
hatte in dem sicbenstflndigcn Gefechte einen sehr bedeutenden
Verlust erlitten. Besonders war eine solche Menge von Generalen,
Stabs- und Oberoffizicren thcils getödtet, theils verwundet worden,
dass die Leitung der Truppen sehr erschwert wurde und die Be-
wegungen in Verwirrung geriethen. Das Misslingen so vieler, mit
ausgezeichneter Tapferkeit unternommenen Angriffe hatte auch den
Muth der Soldaten niedergeschlagen; sie begannen nunmehr sich
allmählig aus dem Feuer zu ziehen, in welchem sie seit so vielen
Stundeu muthvoll ausgehalten und alle ihre Munition verschossen
hatten. Bei der Erschöpfung srimmtlichor Truppen befahl der Feld-
marschall den Rückzug der Armee nach Luzzara, der, ohne vom
Feinde gestört zu werden, bis '/a^ Uhr abends ausgeführt wurde,
um welche Zeit sie in ihrem früheren Lager eintraf.
Der Verlust des Regimentes welches ununterbrochen im Kampfe
gestanden, war sehr bedeutend. An Todten : Obristwachtmeister
Baron Spies, Hauptmann Graf Thum, Lieutenant Adolf von
Schacfer, Fähnrich Edmund Baron Horst und 300 Mann; an
Verwundeten: Obristlieutenant Alexander de Macdon eil, Grenadicr-
Hauptleutc Alexander von Logau und Louis Toxat de La Motte,
Grenadier - Lieutenants Franz Om an n und Nikolaus Wolf f, Haupt-
mann Gottlieb Baron von Schwarzenau, Hermann H fl b e r s,
Lieutenant Mathias Hervay, Fähnrichs Karl Baron Eplingen,
Johann Baron Meichsner und Karl von Hörle, nebst 492 Mann.
Der Verlust der Armee betrug 5984 Mann und 1660 Pferde; jener
des Feindes 1734 Todte und 3930 Verwundete.
Am 20. September früh rückten die französischen Grenadiere
und Karabiniers gegen Luzzara vor, während die k. Armee bereits
ihren Rückzug über den Fluss Zero, nach Montechiara ausgeführt
hatte. Der Feind bezog am Nachmittage das Lager bei Luzzara und
blieb hier am 21., sowie die k. Armee hinter dem Zero und dem
Damme des Po stehen. Da die k. Armee Miene machte über den
Po zu gehen und gegen den Oglio zu rücken, marschirte das feind-
liche Heer nach Quastalla zurück.
5*
08
178«- 1785.
Der Fouragemangel war in der von den Oesterreichern be-
setzten Gegend so gross, dass der Feldrnarschall gezwungen war
über den Po zurückzugehen, was die Armee am 25. ausführte, die
Brücken abbrach und das Lager bei Borgoforte bezog, wo sie bis
7. Oktober stehen blieb. Das bisher als Besatzung in Mantua ge-
wesene vierte Bataillon vereinigte sich hier mit dem Regimente.
Am 7. Oktober marschirte die k. Armee von Borgoforte gegen
Mantua, in das Lager bei Montanara und Curtatone, am 0. nach
Castellugio. Währond dieser Zeit war der französische General-
lieutenant Mallebois mit C000 Mann vor Mirandola gerückt,
welches der k. Obrist Baron Stcntsch mit nur 300 Mann helden-
müthig vertheidigte. Der Feldmarschall sendete am 10. Oktober
den F.-M.-Lt. Grafen Neipperg mit den Generalen Prinz Hild-
burgshausen und Anhalt mit 500 Huszaren, drei Kavallerie-
und drei Infanterie - Regimenter, dabei Teutschmeister, zusammen
bei 5000 Mann, zum Entsätze gegen Mirandola. Tn der Nacht auf
den 11. wurde die Schiffbrücke mit möglichster Stille aus dem
Mincio in den Po geführt und zwischen Sacchetta und Sostinente
aufgestellt, wo dieses Korps übergehen sollte. Die am rechten Ufer
stehenden feindliehen Posten hatten jedoch diese Zubereitungen be-
merkt und Allarm geschlageu. Der zur Deckung der Belagerung in
Revere aufgestellte General Marquis Monconseil, sandte ein
Detachement von 100 Grenadieren und 50 Reitern an dem Flusse
hinauf, um das kaiserliche Korps zu rekognosziren. Dieses wurde
von einem Bataillon Teutschmeister und einigen Huszaren, welche
bereits über den Fluss gesetzt waren, angegriffen und bis Revere
verfolgt. Am 12. um 4 Uhr morgens räumte Monconseil Revere
und flüchtete gegen Mirandola. Das Belagerungs - Korps wurde von
panischem Schrecken ergriffen; Mallebois, welcher bereits Bresche
geschossen und sich auf dem bedeckten Wege festgesetzt hatte,
hob so schleunig die Belagerung auf und zog sich so eilends nach
Modena zurück, dass er 10 Geschütze mit vieler Munition nebst
seinen Proviantvorräthen und vielen Verwundeten zurückliess. An
demselben Tage als die Franzosen von Mirandola abzogen, wurde
erst die Schiffbrücke fertig und der Uebergang des Korps begonnen.
Als Neipperg vor Mirandola ankam, war nichts mehr vom Feinde
zu sehen. Nachdem die feindlichen Angriffsarbeiten der Erde gleich
gemacht worden, rückte Neipperg mit seinem Korps wieder bei
Digitized by Google
17:18-178«.
69
der Armee ein, die er am 17. Oktober bei Madonna della Grazie
am Mincio antraf.
Die Witterung war damals höchst ungünstig; last ununter-
brochene Regengüsse währten durcli drei Wochen, alle Flüsse traten
aus ihren Ufern und überschwemmten weit das Land. Diese immer
zunehmenden Ueberschwemmungen nöthigten die k. Armee am
21. Oktober nach Rivaita, 24. nach Rovigo und am 29. in das
Lager bei Gazzoldo zu marschiren. Von hier aus rückten die
Truppen in Kantonnirungen längs dem Oglio, das Regiment nach
Ostiano. Aus dieser Stellung wurde General Prinz Hildburgs-
hausen mit dem Regiment Teutschmeister nach Sabionetta gesendet,
um die dortige feindliche Besatzung aufzuheben. Bei seiner Ankunft
Hess er die französische 200 Mann starke Besatzung zur Uebergabe
auffordern, worauf der Kommandant, Oberetlieutenant La Doue,
vom Regiment Luxemburg antwortete, ,dass er sich nicht eher er-
geben könne, bis nicht wenigstens einiges Geschütz vor der Stadt
erscheine." Der Prinz, welcher wegen den verdorbenen Strassen das
Regiraentsgeschütz nicht mitnehmen konnte, bediente sich nun der
List, dass er einen dicken Baum fällen, in der Gestalt eines Kanonen-
rohres zuhauen, gelb bemahlen und auf einen Wagen legen Hess,
vor den acht Paar Ochsen gespannt, mit grossem Lärm und Geschrei
angetrieben wurde. Ein Tambour brachte nun die zweite Aufforderung
in den Platz, welche die Drohung enthielt, „dass die ganze Be-
satzung über die Klinge springen müsse, wenn sie auch nur einen
Schuss aus dieser Kanone abwarte." So wie die französische Besatzung
dieses fürchterliche Geschütz von Weitem herannahend erblickte,
begehrte sie zu kapituliren und erhielt freien Abzug nach Crcmona.
In den letzten Tagen November hatte es stark gefroren, und
dadurch waren plötzlich alle Strassen fahrbar geworden. Der Feld-
marschall sammelte am 1. Dezember die Armee, ging am 3. über
den Po und rückte gegen Luzzara, als aufs Neue anhaltendes Regen-
wetter hereinbrach, welches die Strasseu ganz unbrauchbar, und die
Zufuhr unmöglich machte. Da es nun undenkbar war, die Operationen
fortzusetzen, so führte der Feldmarschall am 25. Dezember die Trappen
über den Po zurück. Das Regiment erhielt wieder Ostiano als
Kantonnirung.
Obrist Regiments - Kommandant Franz Ferdinand Baron von
Globitz starb am 25. Dezember 1734, und nun kommandirtc der
70
1783-178.Y
am 1. August als aggregirt zugewachsene Ohristlieutenant Alexander
de Macdonell das Regiment.
In diesem Jahre ist Hauptmann Malanotta de Caldes und
Kegiments-Feldschercr Johann Sturm gestorben.
Ausser einigen Rekognoszirungen, um die feindliche Armee in
Athem zu erhalten, fiel im Winter 1734 auf 1735 nichts vor. Das
Regiment blieb ruhig in seinen Quartieren. Nach der vorhandenen
Ordre de bataille befand sich ein Bataillon, 542 Mann stark in
Mantua, zwei Bataillons in der Division F.-M.-Lt. Baron Leutrum,
Brigade G. -F. -W. Baron Dam nitz.
Gegen Ende April 1735 befahl F. -M. Graf Königseck den
Truppen, sich am Po und Oglio zu sammeln, und am 1. Mai be-
zogen selbe das Lager bei Sau Beuedetto. Als die Nachricht einlief,
dass der Feind sich am Oglio zusammenziehe, rückte anfangs die
Division Leutrum auf das linke Ufer dieses Flusses; am 14. Mai
folgte das ganze Korps Neipperg. Dieses Korps theilte sich am 21.;
Neipperg selbst nahm Stellung bei Borgo forte, Leutrum blieb
bei Campitello. Als anfangs Juni der Feldmarschall die Mittheilung
erhielt, dass sich die aus Neapel angerückten spanischen Truppen
mit den Frauco-Sarden vereinigt hätten, liess er die k. Armee auf
das linke Ufer des Po zurückgehen und ein Lager bei Sacchetta be-
ziehen. Am 3. Juni setzte die k. Armee ihren Marsch nach Ostiglia
fort, wo sie um Mittag einrückte. In der Nacht vom 10. auf den 11.
brach die Armee von hier nach Governolo auf, wo sie des Morgens
ein Lager bezog, dann am 13. am linken Ufer des Mincio hinauf
in das Lager bei der Vorstadt San Giorgio von Mantua. Die k. Armee
verliess am 14. die Gegend von Mantua, und raarschirte auf Mar-
mirolo. In Mwtua blieb der berühmte Vcrtheidiger von Philippsburg,
F. - Z. - M. Baron Wutgenau, als Befehlshaber zurück. Die Be-
satzung bestand bisher nur aus zwei Bataillons und erhielt nun
sieben Bataillons mit 200 Reitern Verstärkung. Vom Regiment
wurde der Lieutenant Peter de Mayer mit 00 Mann nach Mantua
kommandirt. Am 15. rückte die k. Armee nach Castiglionc Mantorano,
am 17. nach Rovcrbella, 19. Villafranca, 20. Bussolengo, dann bei
Einbruch der Nacht nach Campara an der Etsch, welches am 21.
des Morgeus erreicht wurde. Am 23. Juni stellte sich das Regiment
mit noch einigen anderen auf den Anhöhen von Rivoli auf, indess
die Armee den Uebergang über die latsch ausführte und rückte dann
Digitized by Google
mn j78r,.
71
am 24. in das Lager bei Dolcc. Am 25. besetzte die Division den
Montebaldo mit einigen Regimentern, an welche sich die Landes-
vertheidiger Tirols anschlössen, während die Hauptarmee in Tirol
einrückte, die Grenze und alle Pässe besetzte. Der Feind rückte
nicht ferner nach, sondern begann die Belagerungen von Mantua
und Mirandola.
Anfangs September wurde die in Kantonnirungen liegende
k. Armee durch die Nachricht allarmirt, dass der Feind in mehreren
Kolonnen gegen die Gebirgspässe vorrücke. Sämmtliche Truppen
rückten an die ihnen angewiesenen Posten, das Regiment mit vielen
Tiroler-Schützen auf Val di Ledro, wo dasselbe so lange blieb, bis
am 3. Dezember zu Verona der Waffenstillstand unterzeichnet wurde.
Obristlieutenant Baron Heydorff traf um diese Zeit, von
seiner Verwundung genesen, beim Kegimente ein, und übernahm
vom Obristlieutenant Macdonell das Kommando.
Gegen Ende Dezember marschirte das Regiment in der Divi-
sion Lcutrum in das Gebiet von Bologna und bezog mit dem Stabe
und einigen Kompagnien in Codigora, die übrigen in Migliariuo,
Corna, Cervina und Ostelatto Kantonnirungsquartiere.
Im Jahre 1735 waren der Quartiermeister Karl Knöffel,
Wachtmeister -Lieutenant Franz Schreyer, Feldscherer Jakob
Kay ser, Hauptmann Leopold Graf Maltzan, Lieutenant Barth.
Braun und Fähnrich Josef Baron Metzenhausen gestorben.
Der Schlussvertrag des Friedens wurde erst am 18. No-
vember 1738 unterzeichnet. Herzog Franz v. Lothringen, seit
12. Februar 1736 mit der kaiserlichen Erbtochter, der Erzherzogin
Maria Theresia, vermählt, erhielt das Grossherzogthum Toskana.
Oesterreich blieb im Besitze der Lombardie und des Herzogthums
Mantua, bekam dazu Parma und Piacenza, und Frankreich anerkannte
die pragmatische Sanktion.
72
1736-1740.
Anfangs Januar 1736 erhielt das Regiment den Befehl, 480 Re-
kruten aus Schlesien abholen zu lassen. Hauptmann Graf Lecrod,
Lieutenant B6cr und Merkel, und Fähnrich Rivenich brachen am
6. dorthin auf ; ebenso Hauptmann Carl Baron Lcstwitz, Lieutenant
Wollt' und Baron Meichsner, Fähnrich Kleisten am 11. nach
Schweidnitz zur Abholung von 420 Rekruten.
Im Mai verliess das Regiment seine Stationen und marschirte
nach Piacenza; anfangs September mit dem Regiment Alt-Vallis
nach Pavia; wo am 14. diese Stadt durch F.-M.-Lt. GrafHohen-
ems von den abziehenden Franzosen übernommen wurde.
Auf Allerhöchsten Befehl vom 1. November 1736 wurde
Obristlieutenant Josef Baron Heydorff als Obrist- Regiments-Kom-
mandant vorgestellt, der aggregirte Obristlieutenant Alexander
de Macdonell in die Wirklichkeit eingebracht und der Obrist-
lieutenant Fürst Piccolomini d'Aragona dem Regimente aggregirt.
Ende des Jahres rückten die beiden Rekruten -Transporte in
Pavia beim Regimente ein, welches 2 Grenadier- und 20 Musketier-
Kompagnien formirte.
Hauptmann Peter Elvenich und Philipp Mesner, Lieutenant
Gottfried Burgkeller, Fähnrich Gottfried Berger sind 1736 ge-
storben. Fähnrich Baron Matuschka hat dem Hauptmann Wurff
die Kompagnie abgekauft und wurde als Hauptmaun vorgestellt.
Am 21. April 1736 war zu Wien Oesterreichs grösster Feld-
herr und Staatsmann, Prinz Eugen von Savoyen, gestorben. Die
Trauer um seinen Verlust war beim Kaiser, der Armee, ja ganz
Oesterreich allgemein. Auf ausdrücklichen Befehl des Kaisers wurde
sein Leichenbegünguiss in eiuer Weise veranstaltet, wie es vor
ihm in Oesterreich noch keinem Unterthan zu Theil geworden war.
„Denn man solle sehen," so lauteten des Kaisers Worte, ,dass des
a Verstorbenen merita allzeit bei mir unsterblich sein werden." Am
26. fand das Leichenbegängnis« statt, welches an düsterer Pracht
alles übertraf, was man bis dahin in Wien gesehen hatte. Vierzehn
Feldmarschall -Lieutenants trugen die Enden des Bahrtuches; die
Digitized by Google
1736-1740.
73
ganze Garnison gab den Kondukt, der Kaiser selbst wohnte der
Einsegnung in der Stefanskirche bei, wo die Leiche in der Kreuz-
kapelle in die Gruft gesenkt wurde. Ein steinerner Sarg mit der
Abbildung des vom Papst geweihten Hutes und Degens bedeckt, über
ihm in halberhabener Arbeit das Bild der Belgrader Schlacht, das
Ganze von einer Pyramide überragt, die mit der Inschrift versehen
ist, bezeichnet die Ruhestätte des Helden.
Im dreissigj ährigen Kriege hatten die Feldherren Tilly und
insbesondere Waldstein, Herzog von Friedland, sich bemüht, eine
gewisse militärische Ordnung in ihre zusammengewürfelten Armeen
zu bringen, welcher das alte frundsberg'sche Landsknecht-Reglement
zu Grunde lag; Monteccucoli ging schon weiter, aber die ersten
militärischen Verordnungen erschienen erst unter Kaiser Leopold I.
1697 und 1699. Dann trat Prinz Eugen auf, und diesem ist vor-
züglich die Organisirung der Armee zu danken. Sein Werk war der
vorzüglichste Geist, der die Armee beseelte, und unter seinem Wirken
als Hofkriegsraths -Präsident kamen die Worte des grossen Dichters
zur vollen Geltung:
»Der Soldat muss sich können fühlen,
„wer's nicht edel und nobel treibt
»lieber weit von dem Handwerk bleibt.'
Früher waren zwei Faktoren geltend, um eine glänzende Lauf-
bahn zurückzulegen : Gunst und Geld ! Unter Eugen galt nur das
Verdienst, die Meriten, wie man sich ausdrückte. Er schaffte das
Kaufen der Stellen ab und verfuhr gegeu Käufer und Verkäufer
ohne Rücksicht auf Stellung und Rang mit Entlassung aus der
Armee. Die Sitte, dass der Inhaber einem Kinde bei der Geburt
ein Lieutenants -Patent in die Wiege legen konnte, hörte auf. Der
pünktlichste Gehorsam wurde gefordert und streng darauf gehalten,
dass die Bewohner des Landes nicht bedrückt wurden; in diesen
beideu Fällen durfte jeder Uebertreter der strengsten unnachsichtigsten
Bestrafung gewiss sein und da galt weder hoher Rang, noch persön-
liche Bravour oder sonstige Auszeichnung des Schuldtragenden. Auch
für das Wohl der Offiziere und Soldaten wurde schon mehr Sorg-
falt verwendet; man errichtete iu jeder Festung eine Kompagnie
Invaliden, in welche die im Dienste erwerbsuufähig oder gar zu
Krüppel gewordenen eingetheilt wurden, damit sie, wie sich Eugen
in seinem Vorschlage ausdrückt, in anständiger Weise versorgt
Digitized by Google
74 1786-1740.
und nicht ihrer eigenen Regierung zur Schmach, dem Elende preis-
gegeben bleiben.
Unter Kaiser Joseph I. wurde eine gleich massige Uniform
eingeführt; perlgraue oder weisse Röcke. Das Tuch lieferten Frank-
furter Kaufleute ; später bezog die ganze Armee die Tücher aus den
Fabriken zu Iglau, damit das Geld die einheimischen Industriellen
verdienen. Nach einer Musterliste vom Jahre 1717 hatte das Re-
giment weisse Röcke mit blauen Aufschlägen, blaue Kamisols und
Hosen. Die Bewaffnung bestand aus der Muskete und dem Bajonnet,
welches um die Hüfte an einem Riemen vor dem linken Fusse hing.
Mit der Uniform bürgerte sich auch der Schnurbart mehr und mehr
ein; zuerst erschien er 1705 bei den Grenadieren.
Die Mannschaft wurde in aller Herren Länder geworben, jedoch
auch hierin herrschte mehr Ordnung. Um auf den Ehrgeiz der
Soldaten zu wirken, durften keine Schindersknechte oder mit dem
Staubbesen ausgestaubte, ebensowenig Deserteurs fremder Truppen
in die Armee aufgenommen werden, denn von diesen galt der Grund-
satz »Schelm bleibt Schelm sein Lebelang."
Das Regiment formirte drei oder vier Bataillone zu fiinf Kom-
pagnien und zwei Grenadier - Kompagnien. Die Tambours standen
bei dem Kommandanten und gaben die Signale; es wurde eigentlich
mit der Trommel kommandirt. Das 1737 erschienene Reglement
ordnete das Benehmen in besonderen Dienstesangelegenheiten ; der
gewöhnliche Dienstbetrieb blieb dem Kommandanten überlassen.
Das österreichische Heer war noch ein buntes Gemisch von den
Gebräuchen des Heerbannes, des Söldnerwesens und der Regeln
für ein stehendes Heer. In fortwährenden Kriegen gebildet, hielt
man die Details für geringfügig, war an eine leichtere Disciplin
und freieres Leben gewöhnt. Es wurde scharf getrunken und
gespielt, selbst das Reglement trat diesen Lastern nicht entgegen,
sondern verbot blos das „ heimliche Spielen". Nüchternheit ver-
langte es nur bei gewissen Diensten, wie z. B. bei dem Kriegsrecht,
Musterung etc.
Nachdem die Dienstzeit meistens lebenslänglich war, so wurden
den Heiraten der Mannschaft wenig Schwierigkeiten entgegengesetzt,
wodurch manche Kompagnie die gleiche Anzahl Soldaten und Weiber
hatte. Jene Weiber, welche keine Kinder hatten, durften neben der
Kompagnie marschiren, die übrigen brachte der Profoss auf Wägen
Digitized by Google
178« 1740.
75
nach. Die Soldaten waren zerstreut bequartirt, oft nur einige Mann
im Dorfe, wo der Bürgermeister für ihre Erhaltung sorgen musstc.
Am 1. Oktober 173C wurden die vierten Bataillons aller In-
fanterie-Regimenter aufgelöst und diese durchaus auf drei Bataillons
und zwei Grenadier - Kompagnien mit einem kompleten Stande von
2300 Mann gesetzt. In Folge dessen wurden mehrere Offiziere als
aggregirt behandelt und der Proviantmeister Augustin Le ithner,
sowie der Wagenmeister Augustin Dressel in die Kompagnien ein-
getheilt.
Im Jänner 1737 erhielt das Regiment 300 in Wien angeworbene
Rekruten, welche Hauptmann Graf Onelli, Lieutenant Lorenz Wolff
und Fähnrich Hl v mich nach Paria brachten.
Die durch Auflosung des vierten Bataillons aggregirt gewordenen
Hauptmann Baron Matuschka, Lieutenant Nikolaus Wolff und
Fähnrich Offare 1 schlössen sich in Wien dem vom General Pal a-
vicini errichteten Freikorps an und machten in demselben den
Tnrkenkrieg mit. Hauptmann Baron Matuschka starb aber bald
nach dem Ausraarsche.
Im Mai wurde zur Beschützung des österreichischen Litorale
gegen die alles zerstörenden Türken ein Korps aus Italien von
1000 Mann, bei welchem sich eine Kompagnie des Regimentes, unter
Hauptmann Hübers und Lieutenant Valoraile befand, unter
Kommando des Obristlieutenant v. Macdon eil, auf dem Po ein-
geschifft und nach Triest geführt. .
Der aggregirte Obristlieutenant Fürst Piccolomini d'Aragona
wurde mit Reskript vom 28. Juli 1737 in ein anderes Regiment
eingetheilt, dagegen Obristlieutenant v. Albersdorf mit 1. No-
vember dem Regiment als aggregirt in Stand gegeben.
Mit Reskript vom 9. Februar 1738 wurde der Obristlieutenant
Anton Graf Collorcdo vom Baden sehen Regiment, als aggregirter
Obrist in das Regiment eingetheilt, dagegen der aggregirte Obrist-
lieutenant von Albersdorf in jenem Regiment in die Wirklichkeit
eingebracht. Obrist Graf Colloredo befand sich als Volontär im Feld-
zuge gegen die Türken und rückte erst im Oktober beim Regimente ein.
Ein Bataillon des Regiments marschirte als Besatzung in das
Castell von Mailand; ein Detachement nach Mantua; auch gab das
Regiment mehrere Kommandos nach Deutschland, um Ersatzmann-
schaft zur Armee in Ungarn zu führen.
76
178Ö 1740
Hauptmann Kasimir Graf Leer od ist in diesem Jahre zu
Achen gestorben.
Anfangs Mai 1739 kam der Grossherzog von Toskana sammt
Gemahlin Maria Theresia nach Mailand, in Folge dessen die
beiden Grenadier-Kompagnien zur Aufwartung dorthin abrückten und
bis zur Rückreise der höchsten Herrschaften nach Wien den Dienst
leisteten.
Ende Mai begab sich Obrist Baron Hey dorff in ein Bad nach
Deutschland, starb aber auf der Reise zu St. Tomaso. In Folge
dessen wurde Obrist Graf Colloredo in die Wirklichkeit eingebracht
und übernahm im Oktober das Regiments - Kommando.
Im Frühjahre 1740 rückte Obristlieutenant Macdonell mit
der Kompagnie aus Triest, ebenso das Bataillon aus dem Mailänder
Castell wieder beim Regimente in Pavia ein. Lieutenant Baron
Meichsner, welcher als Transportskoramandant in Deutschland
kommandirt war, brachte am 8. August 259 deutsche Rekruten zum
Regiment, welche auf Kosten des Obrist-Inhaber geworben waren.
Am 20. Oktober 1740 starb Kaiser Karl VI. - Obrist Graf
Colloredo knüpfte die Trauerflore an die Fahnen, worauf das
Regiment der Kaiserin Maria Theresia, welche mit dem Wahl-
spruche „Justitia et dementia" den Thron ihrer Vater bestiegen
hatte, das juramentura fidelitatis in feierlicher Weise ablegte.
Mit Kaiser Karl VI. starb der Mannesstamm des Hauses
Habsburg aus, das durch die Grösse seiner Schicksale merkwürdig
ist. Von kleinen Anfängen war es zu staunenswerther Macht empor-
gestiegen. Das Gebiet des Grafen Rudolf von Habsburg umfasste
wenige Stunden und im Reiche Karls V. ging die Sonne nicht
unter. Das erlauchte Geschlecht ist reich an wunderbaren Wechseln
des Glückes. Rudolf I. ward vom einfachen Grafen von Habsburg
auf den ersten Thron in der Christenheit erhoben und gewann dem
Reiche und seinem Hause die Herzogthümer Ober- und Nieder-
Oesterreich, Steiermark und Kärnten. Sein Sohn Alb recht I. erwarb
das Königreich Böhmen. Die Krone des deutschen Reiches, die dessen
Sohn Friedrich der Schöne nur kurze Zeit trug, blieb dem Hause
länger als ein Jahrhundert eutrissen. Dann unter dem edlen, hoch-
begabten Albrecht II. nahmen die Habsburger wieder einen Auf-
schwung und dreizehn Glieder ihres Stammes trugen nacheinander die
Kaiserkrone. Unter dem ritterlichen Maximilian I. nahm die Macht
Digitized by G
17:10-1740.
77
des Hauses einen herrlichen Aufschwung durch seine Vermählung
mit Maria von Burgund, welche das Herzogthum Burgund,
Belgien und die Niederlande mitbrachte. Sein Sohn Philipp der
Schöne ward durch seine Gemahlin Johanna der Erbe von Spanien,
Neapel, Sizilien und der neuentdeckten Länder in Amerika. Noch
mächtiger war Philipps Sohn Karl V. Er besass als Kaiser eine
Macht, wie wenige vor ihm. Ein Grundzug kehrt in der Geschichte des
Geschlechtes immer wieder — Der Sinn für das Recht! — Der
Glaube an das Recht kennzeichnet Alle, sie glauben an Ehre und Treue
unter den Menschen und stehen dafür ein und greifen nicht muth willig
nach fremden Besitz. Diesen Sinn hatte auch der letzte vom Manns-
stamm der Habsburger. Karl VI. glaubte an das Halten der Verträge,
weil er sie selber hielt. Ruhig schied er aus der Welt, weil alle
Staaten die pragmatische Sanktion anerkannt und deren Gewähr-
leistung feierlichst zugesagt hatten. Der grosse Feldherr Eugen
rieth dagegen dem Kaiser beständig, auf ein starkes Heer und einen
gefüllten Schatz mehr zu halten, als auf alle Versprechen. ,100.000
Soldaten und ein gefüllter Schatz seien besser, als alle Traktate."
Kaiser Karl VI. hatte nur einen Sohn, Erzherzog L e o p o 1 d,
geboren 13. April 1710, der aber schon am 6. November starb. Es
trat also der in der pragmatischen Sanktion vorgesehene Fall ein,
dass die älteste Tochter Maria Theresia all' diese schönen
Länder erbte. Geboren den 13. Mai 1717 war die Herrscherin bei
der Thronbesteigung 23 Jahre, f> Monate alt; ihre Vermählung
mit dem Herzog Franz Stephan von Lothringen hatte am
12. Februar 1736 stattgefunden.
Das Heer war nicht stark, 80.000 Mann von der türkischen
Grenze bis in die Niederlande, und von Toskana bis nach Böhmen
zerstreut; es fehlte der alte siegesgewisse Geist, die Disziplin war
gelockert, die Festungen verwahrlost, die Veteranen Eugens durch
Pest und Seuchen hingerafft; die Bevölkerung war in Ungarn wie
in den deutschen Provinzen in bedenklicher Stimmung. Die Aufgabe,
welche Maria Theresia zu lösen hatte, war riesengross, aber
sie verzagte nicht und der Geist der Zuversicht, der sie beseelte,
theilte sich bald ihrer Umgebung mit. Am 21. November ernannte
die Kaiserin ihren Gemahl zum Mitregenten.
Hauptmann Wilhelm Graf Schelart ist 1740 gestorben.
78
1741-1748.
1741-1748.
Das erste Anzeichen eines drohenden Sturraes kam von München,
nämlich ein Protest gegen den Regierungsantritt Maria Theresia's,
weil der Kurfürst Karl Albert mit der zweiten Tochter Kaiser
Joseph L vermählt war, die aber bei ihrer Vermählung auf alle
Ansprüche Verzicht geleistet hatte. Der Widerstand Baiern's war
nicht gefährlich, aber in Paris, Madrid und Berlin entwarf mau
Pläne, Oesterreich zu zertrümmern, und dem Kurfürsten von Baiern
den Kaisermantel umzuhängen, wenn er undeutsch genug wäre, sein
Vaterland den Fremden preiszugeben und mit ihnen zu theilen.
Eine grosse Gefahr trat für Oesterreich heran, aus der es allein
durch die Seelengrösse der Herrscherin und durch die Treue seiner
Völker gerettet werden konnte.
Der erste Angriff auf das Gebiet der edlen Herrscherin ging
von Preussen aus, von einem Könige, von dem man Feindseligkeiten
zu erwarten keinen Grund hatte. Das Haus der Kurfürsten Hohe n-
zollern war 1701 vom Kaiser Leopold I. mit königlichen Ehren
bedacht worden. Am 16. Dezember 1740 rückte das preussisehe Heer,
40.000 Mann stark, mit fliegenden Fahnen und unter Trommelschlag in
Schlesien ein; keine Kriegserklärung war vorausgegangen, die Provinz
war wehrlos, denn nur 7000 Maun waren im Lande. Die Festungen
waren verfallen und seit 90 Jahren nicht ausgebessert. Zum Glück
stand an der Spitze der wenigen Regimenter ein tüchtiger Führer,
F. -M. -Lt. Browne, 8onst wäre Schlesien im Durchmarsche
genommen worden. Einige Festungen leisteten Widerstand. Browne
lieferte ein heisses Scharmützel bei Grätz am 25. Jänner und zog
sich dann nach Mähren zurück ; — beide Armeen bezogen die Winter-
quartiere ; — bis auf einige Festungen war ganz Schlesien in den
Händen der Preussen.
Am 29. März lückte F.-Z.-M. Graf Neipperg mit 12 Bataillons
und 11 Reiterregimenter wieder in Schlesien ein; am 10. April
erfolgte die Schlacht bei Mollwitz, die für Oesterreich verloren ging.
Man schrieb diesen Sieg den preussiseben eisernen Ladstöcken zu,
während die Oesterreicher hölzerne hatten, die beim schnellen Laden
Digitized by Google
1741 1748.
79
leicht zerbrachen; auch wurde er als Folge der strengen taktischen
Disziplin der preussischen Truppen angesehen.
Durch diesen Erfolg Preussens ermuthigt, hielten die Mächte,
mit Ausnahme Englands, den Zeitpunkt geeignet, die österreichische
Monarchie unter sich zu thcileu. Frankreich schloss am 18. Mai den
Nymphenburger Vertrag, worin dem Kurfürsten von Baiern durch
Sendung zweier Heere die Unterstützung seiner vermeintlichen An-
sprüche zugesagt wurde.
Diesem Vertrag traten später fast alle Höfe bei und enthielt
derselbe die Bestimmungen, dass Baiern nebst der Kaiserwürde,
Böhmen, Oberösterreich, Tirol und den Breisgau erhalten sollte ; an
Sachsen käme Mähren und Ober-Schlesien ; an Spanien die Lombardie,
Parma, Piacenza und Mantua. Preussen sollte Schlesien behalten,
und die österreichischen Niederlande an Frankreich fallen. Der so
vereinbarte Plan wurde ohne Verzug in's Werk zu setzen begonnen.
Am 31. Juli überfielen die Baiern Passau; am 15. August
überschritten die Franzosen den Rhein, vereinigten sich mit den
Baiern und besetzten am 15. September Linz; eine zweite französische
Armee stand zum Einbmche in Böhmen bereit.
In solcher Bedrängniss verlor Alles den Kopf, nur die Kaiserin
Maria Theresia nicht.
Die Regiments -Geschichte hat das Regiment in seinen Gar-
nisonen in der Lombardie Ende 1740 verlassen.
Anfang des Jahres 1741 hatte der Gouverneur Feldmarschall
Graf Traun den Obristen Grafen Collorcdo mit einer Mission
nach Wien gesendet, von wo derselbe im März wieder beim Regiment
einrückte. Einige Tage darauf langte die frohe Botschaft an, dass
Ihre Majestät am 13. März mit einem Knaben glücklich entbunden,
dem in der Taufe der Namen Joseph beigelegt wurde. Aus diesem
Anlasse fand in der Domkirche zu Mailand ein feierliches Te Deum
statt, wobei das Regiment auf dem Platze vor der Kirche paradirte
und die drei Salven abgab.
Am 1. Mai fand die neue Aufstellung der Hautboisten-Banda
statt ; auch erhielt das Regiment den Befehl, sich mit Feldrequisiten
zu versehen und überhaupt so bereit zu sein, mit jedem Augenblicke
in das Feld rücken zu können.
80
1741-1748.
Im Oktober gab das Regiment ein Detachement zur Besetzung
der Pässe gegen die Schweiz; Hauptmann Br. Schwarzenau röckte
mit einem Detachement nach Arona an den Lago magiore; Lieutenant
Baron Meichsner nach Dossola, Lieutenant H ervay nach Trezzo
und Nikolaus Wolff nach Lecco am Coraer-See. Tm Winter nickten
diese Kommandos wieder beim Rcgimcnte ein.
Spanische Truppen landeten zu Endo dieses Jahres in den
toscanischen Häfen, um dem Infanten Philipp die eiserne Krone
zu erobern. Mit ihnen vereinigte sich eine neapolitanische Hilfsarmee,
deren König die zugesagte Neutralität brach. Diesen 26.000 Mann
konnte F.-M. Graf Traun blos 12.000 Mann entgegenstellen. Unter
diesen befand sich das Regiment Teutschmeister mit seinen zwei
Grenadier -Kompagnien und drei Musketier -Bataillons.
Nach der Eintheilungs - Liste bestand das Offiziers - Korps im
Jänner 1742:
Stab. Obrister Regiments- Inhaber C lerne ns Anglist, Chnrförst von
Köln, Hoch- und Teutschmeister.
Obrister Kogiments-Kommandant Anton Graf Colloredo.
Obri8tlicnteiiant Franz de Macdon eil.
Obristwachtmeister Wilhelm Freiherr v. Lestwitz.
Lieutenant Quartiermeister Augustin Leu Um er.
Hauptmann Auditor Heinrich Kohl.
Kaplan Pius Bourgat.
Wachtmeister Lieutenant Albrecht Pisker.
Feldscherer Dominikus Maisch.
Proviantmeister Peter Maurer.
Wagenmeister Augustin Drossel.
ProfosB Michael Werner.
Grenadier- Hauptleuthe Louis Doxat de La Motto, Hermann v. Beck.
Grenadier- Lieutenants Lorenz Wolff, Christof M e r z.
Grenadier- Fähndrichs Johann üssavell, Bernhard Brauner.
Hauptleuthe Philipp Baron Schädel, Hermann H ü b e r s, Franz
v. Log an, Gottlieb Br. Schwarzenau, Anton v. Baumgarten, Franz
de Hall, Karl Freiherr Lestwitz, Eagenius Gr. 0 n e 1 1 i, Johann von
Schnecken hoff, Jakob Baron Wilsdorf, Karl v. Hörle, Ludovico
de B a 1 1 a g 1 i a.
Lieutenants Mathias H e r v a y, Leopold de V a I o r a i 1 e, Christof
Br. Meichsner, Balthasar Schäfer, Max Br. L i z e 1 b u r g, Pankratius
Bringmann, Karl v. Keihl, Christian Beer, Nikolaus Wolff, Vincenz
B i r a g o d'A i p r e m o n t, Adam Böhm, Georg H a a k, Peter de M a j e r,
Franz de V i s c a r d y.
Fähndrichs Max Br. Hautzenberg, Sylvester v. E 1 v e n i o h, Karl
Bretschneider, Friedrich v. Pilgrim, Franz Gebele v. Wal stein,
Karl Wurff, Peter Kohl, Karl Gr. Artz, Philippert Br. Klast, Paul
Montignoui, Anton Wurff, Sirus Gr. Vantoni, Josef H e 1 e n u s,
Karl Mohr de W a 1 d t, Christof £ s c h e r.
Digitized by Google
1741- 174S.
81
Am 22. Februar 1742 marschirte das Regiment nach Piacenza
und blieb hier bis 10. März. An diesem Tage erfolgte seine Ablösung
durch ein piemontesisches Regiment. Der König von Sardinien war
nämlich am 1. Februar ein Schutzbündniss mit Oesterreich ein-
gegangen und liess seine Truppen mit diesen vereinigen. Die ver-
bündeten Austro-Sarden rflckten ohne Anstand in das Modenesische
und vor Modena. Das Regiment, welches sich dieser Bewegung an-
geschlossen hatte, wurde hier zur Eröffnung der Laufgräben ver-
wendet, worauf am 29. Juni die Citadelle kapitulirte und von Truppen
der Verbfindeten besetzt wurde.
Am 0. Juli brach die Armee aus dem Lager von Modena nach
Bnonporto auf, setzte von da den Marsch nach Concordia fort und
bezog am 12. hier das Lager. Die Vorbereitungen zur Belagerung
von Mirandola wurden sogleich getroffen; schon am IG. erfolgte die
Eröffnung der Laufgräben und am 22. nach einem zweitägigen
Bombardement die Kapitulation der Festung. Tags darauf zog sieh
ilie spanisch -neapolitauische Armee, die zur Rettung Mirandola's gar
nichts unternommen, in grösster Kilo Ober Rimiui nach Fanno und
Pesano zurflck. Die Verbflndeten gingen am 24. Juli bei Solara
über den Panaro und marschirten über Castell San Giovanni gegen
Bologna, trafen daselbst am 20. im Lager bei der Karthause ein,
rückten am 00. bis an die Idria, am 01. nach Castell San Piotro,
dann 3. August über Imola, 4. Faenza, 0. Forli und 7. nach Cescna.
Das Erscheinen einer englischen Flotte nöthigte den König
von Neapel zur Einhaltung der Neutralität und zur Zurückberufung
seiner Truppen. Nun gingen auch die Spanier nach Foligno zurück,
wo sie Kantonniruugsquartiere bezogen. Statt sie zu verfolgen, ging
der König von Sardinien über Bologna nach Turin mit seinem Heere
zurück; F.-M. Traun sah sich daher genöthigt, eine Stellung hinter
dem Panaro zu nehmen, in welcher die Infanterie am 4. September
eintraf. Der Feldzug war hiemit beendet Im Monat Jänner 1743
wurden die Winterquartiere bezogen und das Regiment, welches alle
diese Unternehmungen und Märsche mitgemacht hatte, kam nach
Finale im Modenesischen.
Obristlieutenant Franz Alexander deMacdonell war am letzten
Juli 1742 gestorben. In seine Stelle wurde mit Allerhöchstem Be-
fehl der Obristwachtmeister Wilhelm Freiherr von Lestwitz als
Obristlieutenant und der Grenadier -Hauptmann Louis Doiat de
6
82
1741 -174*.
La Motte als Obristwachtmeister , Lieutenant Christof Barou
Meichsner als Grenadier -Hauptmann vorgestellt.
Auf Allerhöchsten Befehl avaneirte der Obrist-Regiments-
Kommandant Anton Graf Colloredo mit 27. Januar 1743 zum
General- Feld Wachtmeister und Obristlieutenant Freiherr v. Lest-
witz übernahm ad interim das Regiments -Kommando.
Feldmarschall Traun erhielt den Befehl, noch während dem
Winter Ober den Panaro zu gehen und gegen die Spanier vor-
zurücken, ebenso drang auch der Madrider Hof in Gag es, zum
Angriff auf die Quartiere der Oesterreirher zu schreiten. Beide
konnten wegen Mangel an Lebensmitteln diesen Befehlen nicht nach-
kommen. Da aber von den Spaniern viele Leute desertirten, so hoffte
Gag es diesem üebelstande durch das Vorrücken gegen die Oester-
reicher ein Ende zu machen. Am 1. Februar 1743 brach er mit dem
Heere von S. Giovanni auf und langte am 3. bei Campo santo ein,
wo er sogleich zwei Schiffbrücken schlagen liess, auf denen am 4.
das ganze Heer über den Panaro setzte. Traun erhielt am 3. die
Nachricht, dass der Aufbruch des spanischen Heeres erfolgt sei, und
beeilte sich, schleunigst seine Armee zu sammeln. Allen Truppen
wurde die Gegend zwischen Madonna della Bastia uud Buonporto
zum Vereinigungspunkte bestimmt, wohin das Regiment eiligst rückte
und am 5. abends eintraf. An demselben Tage führte Gages sein
Heer eine Stunde vorwärts, und sendete am C. den General B e a u-
fort mit einem Heerestheile gegen Buonporto, um Stärke und
Stellung der Oesterreicher zu erkunden. Diese hatten sich schon
vereinigt und waren mit dem rechten Flügel an Buonporto, mit dem
linken gegen Madonna della Bastia hinter dem Kanal von Modena
aufgestellt. Beaufort wagte keinen Angriff und zog sich nach
Solara zurück.
Als Gages die Vereinigung der Oesterreicher erfuhr, und
mithin die von ihm beabsichtigte Ueberrumpelung vereitelt sah,
beeilte er sich, sobald als möglich nach Bologna zurückzugehen,
führte noch am 6. sein Heer nach Campo santo, wollte am 7.
wieder hinter den Panaro marschiren und sendete sogleich sein
Fuhrwerk über die Brücken. Dieses geschah in grosser Un-
ordnung, Fuhrwerke zerbrachen, alles wollte zugleich über die
Brücken, und man hatte den 7. vollauf zu thun, um den Knäuel
zu entwirren.
Digitized by Google
1741- 1748.
83
Traun hatte den Plan gefasst, die Spanier während dem Ueber-
gange anzugreifen. Obgleich durch die angestrengten Märsche zur Ver-
einigung die Truppen sehr erschöpft waren, brach er doch am 7. mittags
auf und führte das Heer auf dem Wege, der von Mirandola nach
Campo santo führt, bis hinter den kleinen Bach La Regiana und
blieb, als die Nacht einbrach, von dem feindlichen Heere, das hei
Campo santo lagerte, eine starke Stunde entfernt, in Kolonnen stehen.
Obrist Hohenau rückte am 8. früh so nahe an das feindliche
Heer, dass dessen Kanonen auf ihn zu feuern begannen, und brachte
die Meldung, dass die Spanier nur ihr Gepäck auf das jenseitige
Ufer gesendet hätten, die Armee aber in Schlachtordnung auf-
marschirt sei.
Die Truppen, welche Traun vereinigt hatte, bestanden in
16 österreichischen uud 8 piemontesischen Bataillons , 2 öster-
reichischen und 2 piemontesischen Reiter -Regimentern, zusammen
10.000 Mann. Die Spanier hatten 81 Bataillons und 4 Reiter -Regi-
menter, zusammen 12.400 Mann.
Mittag war vorüber, als T r a u n seine Kolonnen über die
Regiana führte und sie hinter der, von Finale nach Modena führen-
den Strasse in zwei Treffen, eine halbe Stunde vom Feinde, auf-
marschiren Hess. Das Regiment Tentschmeister stand im ersten
Treffen gegen den linken Flügel, zwischen den Regimentern Roth
und Traun. Der Aufmarsch der Armee hatte, da die Gegend sehr
durchschnitten war, viel Zeit erfordert. Traun befahl nun, dass die
Vorrückung mit ganzer Front geschehen und das Heer sich dabei
so links ziehen solle, dass der rechte Flügel den spanischen Garden
gegenüber zu stehen komme. Der Vormarsch geschah mit klingendem
Spiele und türkischer Musik unter dem Jubel der Soldaten, jedoch
um die Fronte nicht zu brechen, äusserst langsam.
Die Geschütze eröffneten den Kampf, worauf die feindliche
Kavallerie vorbrach und unsere Kavallerie nach hartem Kampfe,
welche dabei alle ihre Generale und Stabsoffiziere bis auf einen
einzigen verlor, so zerstreute, dass sie erst um 6 Uhr abends wieder
vorgebracht werden konnte. Zum Glück verfolgte die spanische
Reiterei ihren errungenen Vortheil nicht, sondern ging in ihre frühere
Stellung zurück, wo sie antheillos dem weiteren Kampfe zusah. Da-
gegen rückten die spanischen Garden gegen unseren linken Flügel
vor und griffen die Regimenter Wallis und Roth an. Gleich darauf
6*
Digitized by Google
84
1741-174*.
stürmten auch die Regimenter Irlandia und Ibernia ohne einen Schuss
zu thun in grösster Wuth auf das Regiment Teutschmeister, welches
in grösster Ruhe seine Dcchargen abgab und ihnen viele Leute
tödtete. Obristwachtmeister Louis Baron Doxat de La Motte
liess sich von Kampfesmuth hinreissen, mit seinem Bataillon dem
Feinde entgegen zu gehen. Furchtbar war der Zusammenstoss, man
kämpfte mit Bajonnet und Kolben, Mann gegen Mann. Durch einige
Miauten schwieg das Flintenfeuer; man hörte nur Waffengeklirr und
das Geschrei der Kämpfenden. Trotz der heldenmflthigen Tapfer-
keit wäre dieses Bataillon im ungleichen Kampfe mit zwei Regi-
mentern doch unterlegen, wenn nicht schnell aus dem zweiten Treffen
das Regiment Piccolomini Nr. 25 herbeigeeilt, die Irländer ange-
griffen und zurückgeworfen hätte. Der tapfere Obristwachtmeister
Baron Doxat und Lieutenant Wurff blieben hier todt auf dem
Felde der Ehre.
Das heftigste Gewehrfeuer begann auf's Neue. Der Kampf war
sehr ungleich, denn der rechte Flügel des Feindes hatte die ge-
sammte Infanterie der Verbündeten vor sich. Es entspann sich ein
mörderischer Kampf; Traun wurden zwei Pferde unter dem Leibe
erschossen, als er das dritte bestieg, riefen die Soldaten jubelnd :
»Unser Vater Traun lebt noch!" und diess war das Signal die
Feinde gänzlich zurückzuwerfen. Die spanischen Garden schlugen
sieb mit echt spanischer Tapferkeit und echt spanischem Stolz. Die
anderen Regimenter, welche ihnen zu Hilfe geschickt wurden, wollten
sie nicht in gleicher Linie mitkämpfen lassen. Gages versuchte
nun seinen rechten Flügel durch Bataillone des linken Flügels, die
gar keinen Feind vor sich hatten, zu unterstützen, allein es war zu
spät; die Nacht war schon eingebrochen und obgleich der Mond
hell das Schlachtfeld beschien, machte der starke Pulverdampf doch
das Nächste unkenntlich. Durch einen Irrthum hielten die folgenden
spanischen Bataillone die vormarschirenden für Oesterreicher, wo-
durch der ganze feindliche linke Flügel unter sich in Kampf gerieth,
der erst nach grossen Verlusten an Todten und Verwundeten beendet
werden konnte.
Der im fortwährenden Weichen begriffene spanische rechte
Flügel, wurde nochmals angegriffen, zum eiligsten Rückzüge ge-
zwungen, die Casinen bei den Teichen erobert und der Oberst mit
dem Bataillon Quadataxara gefangen.
Digitized by Google
1741-1748. 85
Die Verbündeten zogen sich dann, das Gefecht abbrechend,
wieder hinter die Teiche zurück, während die Spanier eiligst den
Panaro überschritten, die Brücken abwarfen und den Rückzug nach
San Giovanni ununterbrochen fortsetzten. Traun wollte den Fliehen-
den folgen, aber die pieraontesischen Generale erklärten, den Panaro
nicht überschreiten zu dürfen.
Der Verlust der Oesterreicher belief sich auf 1103 Mann, jener
der Piemontesen auf 600, jener der Spanier auf 3976 Mann. Das
Regiment hatte an Todten: Major Louis Baron DoiatdeLaMotte,
Lieutenants Adam Böhm, Anton Wurff, 13 Mann; Verwundeten:
Hauptmann Gottlieb Baron Schwarzenau, Anton v. Baum-
garten, Lieutenant Nikolaus Wolff, Fähnrich Johann Graf Artz,
Peter Kohl, 29 Mann; Gefangenen Lieutenant Karl Graf Artz,
Fähnrich Esc her und 64 Mann verloren. In die Stelle des
gebliebenen Baron Doxat wurde auf Allerhöchsten Befehl vom
9. Februar Hauptmann Franz v. Log au als Obristwachtmeister
vorgestellt.
Nach der Schlacht blieb die Armee bis 12 auf der Wahlstatt
stehen, worauf sie in Kantonnirungen verlegt wurde; das Regiment
rückte nach Finale mit einem streitbaren Stande von 1051 Mann.
Es fehlte gänzlich an Geld; man wusstc kaum die tägliche Ver-
pflegung aufzubringen, mithin der Feldmarschall jede weitere Operation
aufgeben musste. Am 25. August marschirte das Regiment nach
Cento di Pieve — die Armee in die Lager an den Po, Santa Bianca
am Panaro und Ducentolo. Feldmarschall Traun hatte am 10. die
Armee an den Fürsten Christian Lobkowitz übergeben und war
nach Wien abgereist.
Fürst Lobkowitz fasste den Entschluss, nachdem einige
Regimenter Verstärkung bei der Armee eingetroffen waren, in die
Legazionen zu rücken. Am 2. Oktober wurde von der Armee der
Panaro überschritten, und am 4. bei der Karthause von Bologna
gelagert, am 19. nach Castel San Pietro und den 20. nach Imola
gerückt. Die Kavallerie marschirte am 22. nach Rouco, die Infanterie
am 23. nach Faenza. Die Spanier retirirten nach Rimini ; 800 Deser-
teure meldeten sich bei unseren Vorposten. Am 24. rückte das
österreichische Heer nach Forli, am 26. nach Cesena. Gages, der
kaum 12.000 Mann unter den Waffen hatte, retirirte an diesem Tage
nach Pesaro und verschanzte sich hinter Foglio. Das österreichische
86 1741-174*.
Heer erreichte am 20. Iii mini, stellte wegen Mangel an Lebens-
mitteln und der spaten Jahreszeit seine Vorrückung ein, und bezog
um Mitte November die Winterquartiere dergestalt, dass es in
30 Stunden konzentrirt sein konnte. Die Spanier thaten ein gleiches
am rechten Ufer der Foglia. Hauptmann Baron Schwarzenau
ging zur Abholung der Rekruten in das deutsche Reich ab.
Während diesen geschilderten Vorgängen in Italien waren am
0. November 1741 20.000 Sachsen nach Böhmen eingedrungen und
bis Leitmeritz vorgerückt. Von Linz hatten sich Ende Oktober auch
die Baiern und Franzosen nach Böhmen gewendet. Am 20. November
wurde Prag durch den Marschall von Sachsen mit Sturm genommen
und der Kurfürst von Baiern liess sich am 7. Dezember zum König
von Böhmen ausrufen. Am 27. Dezember eroberten die Preussen
Olmütz; am 9. Jänner 1742 fiel Glatz, die Preussen besetzten
Königgrätz, Pardubitz und Leitmeritz; in Frankfurt wurde am
24. Jänner 1742 der Kurfürst von Baiern zum römischen Könige
gewählt und am 12. Februar gekrönt.
Maria Theresia wurde am 25. Juni 1741 zur Königin vou
Ungarn gekrönt.
Zu Ende Dezember war F.-M. Graf Khevenhüller mit 30.000
Mann von Wien aufgebrochen, nahm Steyr und Euns, schlug die Baiern
am 17. Jänner 1742 bei Schärding, worauf Linz und Passau kapitulirte.
Am 13. Februar wurde München und in den nächsten Wochen ganz
Baiern besetzt. Am 28. Juli wurde der Friede mit Preussen zu
Berlin unterzeichnet. Oesterreich trat Ober- und Nieder -Schlesien
sammt der Grafschaft Glatz an Preussen ab; der Kurfürst schloss
am 11. September Friede und am 20. Dezember 1743 ein Bündniss.
Prinz Karl von Lothringen vereinigte sich Ende Mai 1742
mit Fürst L o b k o w i t z und ging in Böhmen auf den französischen
Marschall B r o g 1 i o los ; dieser wich nach Prag zurück, welches
F.-M. Graf Königs eck am 27. Juni umschloss. Im Herbst
rückten 40.000 Franzosen au, um Prag zu entsetzen, wurden aber
vom Prinzen Karl abgeschnitten und mussten sich Ende Oktober
nach Baiern zurückziehen. Mit Anfang des Jahres 1743 war Böhmen
befreit und Maria Theresia wurde am 12. Mai 1743 als
Königin von Böhmen gekrönt.
Nachdem Khevenhüller im Herbst 1742 nach Böhmen
marschirte, hatte sich Kaiser Karl VH. in seine Hauptstadt
Digitized by Google
1741-174«.
87
München begeben. Aber im April 1743 rückten die Oesterreich«
wieder in Baiern ein und schlugen ein baierisches Korps am 9. Mai
bei Simpach. Karl flüchtete nach Fraukfurt; München wurde am
9. Juni nochmals von den Oesterreichern besetzt. Durch den im
Kloster Nieder - Schönaich am 27. Juni abgeschlossenen Vertrag
nahmen die Oesterrcichor von den baicrischen Ländern militärischen
Besitz; im September huldigten die Baiern und Oberpfälzer der
Königin Maria Theresia.
Auf Allerhöchsten Befehl vom 24. Jänner 1744 wurde dem
Kegimente der Obristlieutenant Wilhelm Baron Lestwitz als
Obrister Regiments -Kommandant, der Obristwachtmeister Franz
von L o g a u als Obristlieutenant und der Hauptmann Karl Ludwig
Baron Lestwitz als Obristwachtmeister vorgestellt. Die Vor-
stellung geschah durch den kommandirenden (ieneralen Fürsten
Lobkowitz, wozu das Regiment mit fliegenden Fahnen ausrückte.
Im Monat Jänner 1744 wurde in der Armee als Norm bestimmt,
dass jedes Infanterie-Regiment zwei dreipfündige Kanonen in's Feld
mitführen sollte.
Der Winter 1743 auf 1744 verfloss ruhig, indem sich beide
Theile für den nächsten Feldzug rüsteten. Oesterreich hoffte das
Königreich Neapel, Spanien aber die Lombardie zu erobern. Der
dienstbare Stand der Oesterrcicher betrug anfangs März 1744 sammt
der Kavallerie 14.481 Mann, jener des Regiments 813 Mann. Die
Spanier hatten um diese Zeit die wohlverschanzte Stellung vor
Pesaro bezogen. Fürst Lobkowitz versammelte am 6. März sein
Heer bei Rimini, marschirte am 7. in die Gegend von Arcione um
von hier aus die Stellung der Spanier im Rücken zu nehmen. Der
spanische Feldherr verliess aber, als er Nachricht vom Anrücken
der Oesterreicher erhielt, seine starke Stellung vor Pesaro, retirirte
am 7. nach Fanno, dann weiter nach Crotta -mare, wo er am
15. eintraf. Als Lobkowitz den Rückzug der Spanier erfuhr,
liess er sie durch den F.-M.-Lt. Grafen Browne mit 20 Grenadier-
Kompagnien, dabei die beiden des Regiments, dann säramtliche
Huszaren verfolgen. Browne vermochte sie aber nicht zu erreichen.
Am 8. März rückte das österreichische Heer nach Pesaro,
bezog am <J. das Lager bei Fanno und erreichte am 11. Sinigaglia.
Am 13. lagerte das Heer zwischen dem Flusse Fiumessino und
Ancona, am 14. bei Camurano und am 15. bei dem Hafen von
88 1741-174*.
Rccanati. Die Vorhut Browno's stand an diesem Tage bei Fermo.
Die Spanier gingen bis Pescara und bezogen unter den Kanonen dieser
Festung das Lager. Am 17. bezog das österreichische Heer bei
Porta di Civita nuova, am 18. bei Santa Maria a Mare das Lager.
Die Vorposten, welche das Regiment bestritt, standen gegen Torro
di Palma. Browne erreichte am 19. Grotta-mare. Ein Raum von
zehn Meilen schied die Oesterreicher und Spanier.
Ende April erhielt Fürst Lobkowitz den bestimmten Befehl,
den Einbnich in das Neapolitanische nicht länger zu verschieben.
Am 2. Mai wurde die Armee zum Marsche nach Rom bei Macerata
versammelt, am 4. nach Foligno aufgebrochen und daselbst am 6.
das Lager bezogen. Am 10. wurde nach Spoletto. 11. nach Terni
marschirt und am 13. Civita Castellana erreicht und hier bis 17.
gelagert. An diesem Tage marschirte die Armee nach Monte rotondo
und bezog, den Ort vor der Fronte, die Tiber im Rücken, das Lager.
Hier paradirte die Armee vor dem Kardinal A 1 b a n i, worauf Fürst
Lobkowitz mit vielen Offiziers nach Rom ritt.
Das Regiment und Colloredo- Infanterie marschirten am 26.
als Avantgarde über die Brücke Tererone alla Spinosa und erwarteten
hier die Armee, welche am 28. nach Longhezza, 20. Fraseati, 30.
nach Marino marschirte und von hier am 2. Juni über Nemi gegen
Velletri vorrückte. Am 20. hatte sich hier der König von Neapel
mit den Spaniern vereinigt.
Am 2. Juni bezog Lobkowitz vor Nemi ein Lager, besetzte
den Berg Spina und den sogenannten kleinen Berg, welchen General
Pestalnzzi mit 1000 von den Regimentern Kommandirten zu
vertheidigen hatte. Vom Regiment war dazu der Fähnrich Franz
G e b e 1 e von W a 1 s t e i n mi"t 50 Mann kommandirt. In der
Nacht vom 16. auf den 17. Juni überfiel der Feind mit drei starken
Kolonnen die Stellung P c s ta 1 u zzi 's, die nachlässigen Vorposten
wurden überfallen, die Truppen fanden kaum Zeit die Gewehre zu
ergreifen, die Dunkelheit vermehrte die Verwirrung und obgleich
dann tapferer Widerstand geleistet wurde, musste sich endlich doch
General P e s t a 1 u z z i mit seiner Truppe ergeben. Vom Regiment
gerieth Fähnrich v. Wal stein mit Ii Mann in Gefangenschaft,
7 blieben todt und der Rest hatte sich zur Armee durchgeschlagen.
Durch diesen dem Feinde gelungenen Ueberfall war für Lob-
kowitz die günstige Gelegenheit zum Angriff der feindlichen
Digitized by Google
1741-174*
89
Fronte vorbei und er hoffte nun durch eine Vorrückung in den
Abruzzen, die Feinde zur Verlassung der »Stellung bei Velletri zu
vermögen. Zu diesem Ende wurde Obrist S o r o gegen Ende Juni
mit leichten Truppen in diese Provinzen gesendet, wo er anfangs
einige Vortheile errang, dann aber doch genöthigt wurde, sich
wieder zur Armee zurückzuziehen.
Anfangs August beschloss Fürst L o b k o w i t z die Feinde in
Velletri zu überfallen. Er bestimmte hiezu den F.-M.-Lt. Browne
mit sechs Bataillons und eben so vielen Grenadier -Kompagnien,
1000 Slavonieru und zwei Reiter - Regimenter. Am 10. August nach
Mittag setzten sich diese Truppen, unter welchen sich ein Bataillon
und eine Grenadier- Kompagnie Teutschmeister eingethcilt befanden,
gegen Lavinia in Bewegung. Man bemerkte diess im feindlichen
Lager, glaubte jedoch, dass man nur die Zufuhr des Proviantes
decken wolle. Browne traf am 11. eine Stunde vor Tag an der
Quelle Paganina ein, wo er einen Augenblick Halt machte. Die
Reiterei hatte sich verirrt und war nicht angekommen, auch war
ein Grenadier in das feindliche Lager desertirt. So bedenklich diese
Umstände auch waren, so beschloss Browne die Unternehmung
doch auszuführen. Er war dem Lager der Spanier schon ganz nahe,
als diese endlich sein Anrücken bemerkten. Ein Piquet machte
einigen Aufenthalt, wodurch fünf feindliche Bataillone Zeit gewannen,
die Waffen zu ergreifen und sich vor dem Thore von Neapel auf-
zustellen. Die Oesterreicher steckten sogleich das Lager der feind-
lichen Reiterei in Brand, erbeuteten viele Pferde und das ganze
Gepäck. Hierauf wurden von allen Seiten die fünf feindlichen
Bataillons angefallen, welche sich mit verzweifeltem Muth wehrten.
Oberst Macdonal, 11 Hauptleute und viele Offiziere blieben
todt. Die fünf Bataillone wurden gänzlich aufgerieben, nur Wenige
entkamen. Die Oesterreicher sprengten nun das Thor von Neapel
und drangen unter Führung des General Marquis N o w a t i in
drei Kolonnen getheilt in Velletri ein. Alles erwachte aus dem
tiefsten Schlafe und es herrschte eine heillose Verwirrung; jeder
dachte nur auf seine eigene Rettung. Erhitzt von dem Kampfe
drangen die Slavonier in den Ort und lösten sich plündernd in den
Häusern auf, wo sie viele Reichthümer an Gold und Silber fauden,
was sich zeigte, wurde niedergemacht, alle Gräuel der Erstürmung
kamen über die unglückliche Stadt und manche Häuser standen in
00
1741 1748.
Flammen. Auch die regulären Truppen wurden von dieser Plün-
derungswuth augesteckt und es war sehr schwer die Ordnung her-
zustellen.
Der Herzog von Modena hatte sich zu dem Könige in den
Palast Ginetti geflüchtet. Hauptmann Baron Meiehsner, welcher
seine Grenadier- Kompagnie beisammen hatte, war bis zu diesem
Palaste vorgestürmt, als plötzlich das Schweizer-Hegiment Wirz und
die wallonischen Garden zur Kettung des Königs erschienen. Nun
entspann sich ein verzweifelter Kampf mit den braven Grenadieren,
welche sich mit wahrem Heldenmuthe gegen diese grosse Ueber-
macht vertheidigten. Lieutenant Brauner und 14 Grenadiere
blieben todt am Platze; Hauptmann Christof Baron Meichsner
v. Alekhofen und 32 Grenadiere geriethen verwundet in Ge-
fangenschaft. Der König entkam gerade noch in das Kapuziner-
kloster.
Nach Ueberwiudung der Grenadier -Kompagnie rückten die
Feinde in drei Kolonnen vor, aber auch die Slavonier ergriffen nun
in den Hausern wieder ihre Waffen und eröffneten ein heftiges Feuer
aus allen Fenstern. Der Kampf gerieth dadurch in's Stocken. General
Be au fort stellte sich an die Spitze der Garden, fiel aber sogleich
tödtlich getroffen; von Wuth entbrannt drangen diese nun vor,
warfen die Slavonier zurück und setzten sich beim Thorc fest.
Browne gab nun den Befehl zum Kfickzuge und erreichte, obgleich
seine Truppen in Unordnung waren, vom Feinde unbelästigt um
9 Uhr vormittags das Lager. Obgleich der Zweck der Unternehmung
nicht gelungen war, hatten B r o w n e 's Truppen doch mehrere
feindliche Fuss- und Reiter- Regimenter zu Grunde gerichtet, den
General Marian i, einen Brigadier nebst 85 Stabs- und Ober-
offizieren als Gefangene zurückgebracht und mehr als 1000 Pferde
erbeutet. Der Verlust des Regiments bestand an Todteu: Lieutenant
i
Brauner, Fähnrich Peter Roth und Arled nebst 15 Mann.
Ende September wurden die Gefangenen ausgewechselt; trotz-
dem betrug der Stand des Regiments nur mehr 530 Mann.
Am Morgen des 1. November verliess das Heer die Gegend
von Nemi und zog sich nach Torra di mezza zurück, marschirte
am 2. an Rom vorbei, ging bei Ponte molle über die Tiber, und
lagerte bei Aquatraversa. Am 4. rückte das Heer in das Lager bei
Baccano, am 5. in das bei Monte rosi, am G. nach Ronciglione und
Digitized by Google
1741 1748.
91
hielt hier Rasttag. Die Spanier waren deu Oestcrreicheru gefolgt
und lagerten an diesem Tage bei Monte rosi; nur drei Stunden
trennten die Heere.
Am 8. marsehirten die Oesterreicher nach Viterbo; von hier
am 12. nach Montefiascone, am 14. nach Orvieto, 15. Cornajola,
17. Tavernelle und am 18. nach Perugia. Am 23. wurde wieder
aufgebrochen und über Gubbio nach Cagli marschirt, welches man
am 25. erreichte, dann weiter am 27. nach Fossombrone, und am
28. nach Fanno, wo die Armee hinter dem Metauro Stellung nahm
und liier unangefochten bis gegen Ende Dezember verblieb. Um diese
Zeit verlegte Fürst Lobkowitz sein Hauptquartier nach Imola.
Die Truppen bezogen in den Legazionen die Winterquartiere; das
Regiment in Imola. Die Oesterreicher hatten den Zweck, wegen der
geringen Mittel, nicht erreicht; die weit überlegeneren Spanier und
Neapolitaner begnügten sich, das Königreich Neapel gerettet zu
haben.
Tn diesem Jahre hatte Friedrich II. mit Frankreich,
Karl VII. mit dem Kurfürst der Pfalz und dem Landgrafen von
Hessen - Kassel, der auch König von Schweden war, Bündnisse
geschlossen, um für Karl VII. Böhmen zu erwerben, wofür er
den Rest von Schlesien und mehrere Kreise Böhmens und Mährens
verlangte. Gegen Knde August rückte Friedrich in Böhmen
ein, erschien am 2. September vor Prag, welches sich am 16.
ergab und besetzte dann einen grossen Theil des Landes. Prinz
Karl von Lothringen war bis Strassburg vorgedrungen, als er
die Kunde von diesem überraschenden Angriff erhielt; marschirte
daher den 23. August über den Rheiu zurück nach Böhmen,
wo er sich mit Bathiany, der bisher in Baiern stand, und
mit einem starken sächsischen Korps vereinigte. Prinz Karl
schnitt durch treffliche Manövers den König von seinen im Lande
vertheilten Truppen ab, nahm den Freusseu Tabor, Budweis,
Frauenberg und andere Orte ab und bedrohte das feindliche Haupt-
magazin in Königgrätz. Der König suchte den Prinzen vergeblich
zu einer Schlacht zu verleiten, welcher dieser sorgfaltig auswich.
Am 0. November retirirte der König bei Kolin über die Elbe,
worauf der Prinz sogleich Prag blokirte, dessen preussische Be-
satzung am 20. die Stadt räumte und nach grossen Verlusten
erst um die Mitte Dezember Schlesien erreichte. Eben dahin hatte
02
1741—1748.
auch der König seinen Rückzug fortgesetzt, weil Esterhazy
mit der ungarischen Insurektion diese Provinz bedrohte. Prinz Karl
und Esterhazy besetzten nun die Grafschaft Glatz und Ober-
Schlesien.
Nachdem Prinz Karl das Elsass geräumt hatte, gingen die
Franzosen Ober den Rhein, bemächtigten sich des österreichischen
Schwaben und Konstanz — aber Vorarlberg widerstand. Die Baiern
rückten am 16. November wieder in München ein; die Oesterreicher
behielten aber Ingolstadt, Schärding, Braunau und Passau besetzt.
Karl VII. kehrte in seine Residenz zurück und starb hier am
20. Jänner 1745.
Fürst Lobkowitz hatte, wie früher gesagt, zu Anfang 1745
das österreichische Heer von dem Metauro in die Legazionen zurück-
geführt und hier Verstärkungen erwartet, die man ihm aber nicht
geben konnte, da die Armee in Schlesien vollauf zu thun hatte. Es
blieb ihm also nichts übrig, als sich zu behaupten, während die
verbündeten Spanier und Neapolitaner, 30.000 Mann stark, mit der
Absicht vorrückten, die Oesterreicher aus Italien zu vertreiben.
Lobkowitz hatte Ende März 1745, sein nur 12.545 Mann starkes
Heer in Cesena konzentrirt, rückte am 1. April nach Forli, 2. Faenza,
4. Castel S. Pietro und Iniola, am 5. die Infanterie nach Bologna,
die Reiterei nach Castel S. Pietro, und blieb hier am 6. und 7.
Am 8. ging das Heer nach Castel franco, setzte am 10. über den
Panaro und bezog bei Fossalta das Lager. Dieses wurde am 12.
verlassen, bei Modena eine Stellung bezogen, deren rechter Flügel
sich an die Secchia, der linke an die Citadelle stützte. Zur Deckung
der Front wurden Verschanzungen aufgeworfen. Am 13. früh gingen
die Feinde durch den sehr seichten Panaro, plänkelten mit der
österreichischen Nachhut und bezogen bei Montale das Lager, welches
sie aber schon nach einigen Tagen verliesseu und in das Genuesische
abzogen. Lobkowitz beschlosfl nun, sieh mit dem Könige von
Sardinien zu vereinigen, marschirte am 23. nach Reggio und er-
reichte am 24. Parma. Ein Streifkominando setzte dem Feinde nach
erreichte ihn bei Pontremoli und brachte ihm einen Verlust von
2 Offizieren und 300 Manu bei.
Bei Parma blieben die Oesterreicher bis 23. Mai, an welchem
Tage sie nach Boigo S. Donino und am 24. nach Firenzuola
marschirten, lagerten hier bis 9. Juni und marschirten am 10. bei
Digitized by Google
1741-174*.
93
Ponte-nura Ober den Po, am 11. nach Chignolo und den 13. nach
Belgiojoso, wo Lobkowitz zur Armee des Prinzen Karl nach
Böhmen abberufen, das Kommando dem F.-M.-Lt. Graf Schul em-
burg nbergab. Schon am 15. führte dieser das Heer bei Spessa
Ober den Po zurück, sendete die Reiterei nach Voghera, die Infan-
terie nach Casteggio. Letztere kam am IG. nach Ponte Curone, die
Beiterei verblieb in Voghera. Am 17. bezog das ganze Heer das
Lager bei Rivaita und erhielt hier sieben Bataillone und zwei Reiter-
Regimenter Verstärkung. Am 19. rückte das Heer nach Novi und
bezog hier das Lager. Auf einen Antrag der Spanier fand hier die
Auswechslung der Gefangenen statt. Laut Ausweis hatte das Regi-
ment nur zwei Hauptleute effektiv. Am 30. Juli kehrten 3 Stabs-
offiziere, 18 Hauptleute und 40 Offiziere aus der spanischen Ge-
fangenschaft zurück, dagegen wurden den Spaniern 3 Brigadiere,
3 Stabsoffiziere, 30 Hauptleute und 70 Offiziere zurückgesendet.
Das Regiment hatte 300 Rekruten erhalten, aber es fehlte
derart an Geld, dass die Offiziere bereits durch acht Monate ihre
Gagen rückstandig hatten.
Anfangs Juli rückte der Feind wieder vor; Schulemburg,
der sich mit dem weit überlegenen Feinde in seiner ungünstigen
Stellung in kein Gefecht einlassen konnte, marschirte am 3. Juli
nach Rivaita, und am 5. nach Torre «Ii Garafola. In der Nacht vom
15. auf den 16. wurde wieder aufgebrochen, nach Monte Castella
marschirt und das Lager mit dem rechten Flügel gegen Alessandria,
mit dem linken gegen Basiguana bezogen.
Um das rechte Po -Ufer zu bewachen, wurde F.-M.-Lt. Graf
Pertusati mit 3711 Mann, dabei ein Bataillon Teutschmeister
mit 485 Mann am 10. Juli nach Belgiojoso gesendet. Am 19. ging
der Feind bei Stradella über den Po und besetzte Pavia, worauf
Schulemburg am 22. nach Pieve de Cairo zur Deckung der
Lombardie, Pertusati aber, um nicht von Mantua abgeschnitten
zu werden, gegen Pizzighettone zurückwich. Am 27. September wurden
die Sardinier bei Bassignana geschlagen, und retirirten nach Casale,
wo sich Schulemburg, nachdem er eine Besatzung in das Castell
von Mailand gelegt hatte, mit ihnen vereinigte.
Kurze Zeit nach diesen Ereignissen war der zum Feldmarschall
ernannte Fürst Wenzel Liechtenstein in Pizzighettone angekommen,
um den Befehl über die österreichischen Truppen von Schülern-
94 1741-1748.
bürg zu übernehmen. Er berichtete ans dieser Stadt der Kaiserin
die bedauernswerthe Lage der Truppen. „Die Offiziere leiden Mangel
„an Nahrung, Kleidung und Wäsche. In mehreren Regimentern
„befinden sich nicht zwei Berittene. Er habe sein Silber und Effekten
„versetzt, um den Offizieren eine Monatsgage erfolgen zu können,
„die bisher nur vom Kommisbrod lebten. In der Kasse befanden
„sich 1500 fl. ; er wisse nicht, wie er im künftigen Monat die
„Löhnung der Mannschaft bestreiten solle.« Die edle Kaiserin schickte
100.000 Gulden, welche sie als Geschenk erhalten mit dem Beisatze:
„mit Vergnügen widme Ich dieses der Unterstützung Meiner tapferen
„notleidenden Officiere und Soldaten!»
Am 15. Oktober traf Liechtenstein im Hauptquartier zu
Baizola ein und trachtete den König von Sardinien zu bewegen,
sich mit der Armee zur Deckung der Lombardie aufzustellen, was
dieser aber nicht einging. Nach und nach fielen Valenza, die Castelle
von Valenza und Asti und endlich auch Mailand dem Feinde in
die Hände. Die Armee blieb mit der Sardinischen vereint in der
Lomelina, und stellte unter F. -M.-Lt. Lynden sechs Bataillons
und 12 Grenadier - Kompagnien an dem Tessin auf, unter welchen
sich ein Bataillon des Regiments und seine Grenadiere befanden,
das zweite Bataillon kam nach Novarra und bezog das Kloster,
während das dritte unter F. - M. - Lt. Pertusati in Pizzighettone
garnisonirte.
Fähnrich Franz Gebele von Walstein ist in diesem
Jahre gestorben.
Am 5. Februar 1746 überschritten 20.000 Spanier zwischen
Sorna und Sesto Calende den Tessin und rückten gegen Oleggio vor.
Liechtenstein versammelte sein kaum 10.000 Mann starkes Heer
am 5. abends bei Novarra, ging am 6. gegen die Sesia zurück,
überschritt diesen Fluss am 7. und bezog enge Kantonnirungen bei
Albano. Die Spanier gingen am 9. über den Tessin zurück, worauf
Liechtenstein wieder nach Novarra rückte und auch Oleggio
besetzen liess.
Schon vor Unterzeichnung des Friedens mit Preussen hatte
die Kaiserin zwei Infanterie-Regimenter nach Italien beordert; nach
Unterzeichnung rückten unter F. - M. - Lt. Browne noch fünf In-
fanterie- und vier Kavallerie - Regimenter nach, denen dann noch
vier Infanterie - Regimenter und 2000 Grenzer folgten. Schon an-
Digitized by Google
1741 -174H.
95
fangs Februar waren die Spitzen dieser Truppen im Mantuanischen
eingetroffen, und wurden längs dem Oglio aufgestellt. Nun ergriff
der König von Sardinien im Vereine mit dem Fürsten Liechten-
stein die Offensive. Die erste Waffenthat verrichteten die Piemontesen
durch die Einnahme von Asti. Der Adjutant, der dem Könige die
Nachricht dieser glänzenden Waffenthat Oberbrachte , legte ihm
27 eroberte Fahnen zu den Füssen. In der Lomelina hatten sich
die Oesterreicher Zemas, in der Nähe von Mortara bemächtigt, und
dabei 10 Offiziere und 200 Soldaten gefangen. Am 11. wurde
Alessandria entsetzt, und von hier sechs Bataillons, darunter eines
des Regiments, unter General Leutrum, in das Bormida - Thal ge-
sendet, und hier Aqui eingenommen, wobei die Teutschmeister
fünf Todte und sieben Verwundete verloren. Dann drang diese Kolonne
in die Appenninen vor und nöthigte die Franzosen, sich in die Riviera
zurückzuziehen. Wegen der sehr ungünstigen Witterung bezogen die
sehr ermüdeten Truppen dieser Kolonne Kantonnirungen, während
die Franzosen abzogen.
In derselben Zeit war auch Browne, dessen Truppen alle
eingetroffen waren, vorgerückt; kam am 10. März nach Pizzighettone
und sendete von hier eine starke Abtheilung nach Codogno, welche
das hier aufgestellte Schweizer Regiment zwang, uaeh Piacenza zu
flüchten.
Durch diese Unternehmung wurden die Spanier gezwungen,
Mailand am 19. zu räumen und sammelten sich am 20. bei der
Karthause bei Pavia. Auf diesem Rückzüge folgten ihnen öster-
reichische Huszaren, welche die Nachhut in Verwirrung brachten
und viele Gefangene machten. Die aus 1574 Mann bestehende, vom
General Bardon befehligte Besatzung der Citadelle von Mailand,
unter welchen sich auch 45 Teutschmeister befanden, nahmen Besitz
von der Stadt, fanden grosse Vorräthe und zerstörten die gegen die
Citadelle errichteten Verschanzungen. Die Mailänder empfingen die
Oesterreicher mit demselben Jubel, mit dem sie vor drei Monaten
die Spanier empfangen hatten. Liechtenstein Hess Casale
wegnehmen, Leutrum schloss Valenza ein; Browne ging am'
25. März bei Borgoforte über den Po und rückte vor Quastalla, wo
sich vier spanische Bataillons von ihrer Armee abgeschnitten, am
27. kriegsgefangen ergeben mussten. Seit Eröffuung der Feindselig-
keiten hatten die Oesterreicher 2113 Gefangene gemacht, worunter
90
1741-174S.
2 Generale, 2 Brigadiere und ö Obriste sich befanden, und selbst
nur einen sehr unbedeutenden Verlust erlitten.
Liechtenstein, der durch die Lomcllina gezogen war, kam
am 5. April nach Codoguo, wo er zwei Infanterie -Regimenter,
Teutschmeister und Sprecher Nr. 22, ein Kürassier- und ein Huszaren-
Regiment unter Befehl der Generale Gross und Cavriani zurflck-
liess, mit den übrigen Truppen aber den Maisch nach Casalmaggiore
fortsetzte. Am G. traf ein Theil des spanischen Heeres in Piacenza
ein; Liechtenstein vereinigte sich am 11. mit Browne am Taro,
besetzte am 21. Parma und Hess die Citadelle belagern, welche
schon am nfichstcn Tage kapitulirte. Die zum Entsätze herbeigeeilten
Spanier zogen sich gegen Piacenza zurück, wohin ihnen Liechten-
stein folgte und am 5. Mai das Lager vor Borgo S. Donino bezog.
Die Spanier waren kaum in Piacenza eingerückt, als ihr Ober-
kommandant Gages den G.-Lt. Marquis Pignatelli mit G00O Mann
Infanterie und 2000 Reiter nach Codoguo sendete, um die dort auf-
gestellten Oesterreither zu vertreiben. Die Rückkehr der Spanier
nach Piacenza hatte den General Gross auf seine Sicherheit bedacht
gemacht. Er Hess in der Nacht vom 5. auf den 6. Mai 1740 seine
Tnippen unter dem Gewehr; als indessen am 0. Morgens die Huszaren-
Patrouillen meldeten, dass am Brückenkopfe von Piacenza sich nichts
vom Feinde zeige, liess er sie in die Quartiere gehen. Pignatelli
ging am G. um 7 Uhr früh über den Po und fand kein Hinderniss ;
erst bei Fombio stiessen spanische Dragoner auf einen Huszaren-
posten, den sie sogleich angriffen, und im raschen Laufe bis Codogno
verfolgten. Bevor die zerstreuten Oesterreicher sich zu ordnen ver-
mochten, war das spanische Fussvolk bereits in Codogno eingedrungen.
Die überraschten Oesterreicher wehrten sich in den Häusem und
Gassen mit vieler Tapferkeit, mussten aber überall der Ueberlegenheit
weichen. Dem Regiment Teutschmeister gelang es doch einige
Kompagnien zu sammeln, denen sich einzelne Versprengte anschlössen.
Nach einem heftigen Kampfe, in welchem das Regiment 122 Mann
an Todten und 1 Lieutenant, 2 Fähnrichs und 242 Mann an Ge-
fangenen verlor, schlug es sich mit dem General Cavriani durch
und erreichte Pizzighettone, wo es sich mit dem dort befindlichen
dritten Bataillone vereinigte. General Gross warf sich mit dem Re-
giment Sprecher in den Palast Tirulzi und ergab sich, da kein
weiterer Widerstand möglich war, mit 800 Mann kriegsgefangen.
Digitized by Google
1741 — 1748.
97
Das Heer brach am 6. Juni von Borgo S. Donino auf und bezog
ein Lager bei Fiorenzola, dann am 8. bei Pontenure. Am 16. Juni
fand die Schlacht bei Piacenza statt, in welcher die Oesterreicher
einen glänzenden Sieg erfochten. 9 spanische, 21 französische Fahnen
und 10 Kanonen wurden erobert; 4815 Feinde gefangen. Das Re-
giment in Pizzighettone, wo auch seine Grenadiere von der Haupt-
armee eingerückt waren, hatte an der Schlacht keinen Antheil ge-
nommen. Nach der Schlacht kehrte Fürst Liechtenstein nach
Wien zurück und übergab das Armee -Kommando an F.-Z.-M.
Marquis Botta.
In Piacenza waren 4000 Spanier unter C a s t e 1 1 a r zurück-
geblieben. Am 29. rückten die Oesterreicher näher an diesen Ort
und beorderten einige Truppen zur Cernirung, wozu ein Bataillon
und die Grenadiere des Regiments von Pizzighettone herbeigezogen
wurden. Am 15. Juli vereinigte sich das Heer bei Parpanese mit
den Sardiuieru, während sich das spanisch-französische am Lambro
sammelte und S. Colombano besetzte. Am 9. Juli verliess Castellar
Piacenza und schloss sich am Lambro an die Franzosen an. Das
Bataillon und die Grenadiere des Regiments rückten beim Regiment
ein, welches seither zur Hauptarmee in die Division des F.-M.-Lt.
Roth, Brigade P a 1 1 a v i c i n i gezogen worden war.
Am 10. August mit Tagesanbruch setzte sich das spanisch-
französische Heer nach Stradella in Marsch, während die Oester-
reicher nach Rottofreddo rückten. Schon am Morgen begannen die
österreichischen Vortruppen am Tidone mit den Spaniern zu schar-
muziren und wurden bald von den feindlichen Reitern geworfen. In
demselben Augenblicke erschien General Stampach mit tausend
Reitern stellte das Gefecht her und warf die Spanier über den
Tidone. Während dieser Ereignisse kam F.-M.-Lt. Botta mit
seinem Korps und stellte sich zwischen dem Tidone und der Nuretta
in Schlachtordnung. Das wechselseitige Geschützfeuer wurde nun
allgemein. Die Spanier hatten die Casinen am linken Ufer stark
besetzt ; der Kampfplatz war mit Hecken und Graben durchschnitten.
F.-M.-Lt. Barnklau ging mit zwei Brigaden und vier Eska-
dronen des rechten Flügels eine halbe Stunde unterhalb des Ortes
Tidone über den Fluss, bemächtigte sich mehrerer Casinen und
brachte die Spanier in solche Verwirrung, dass Gag es alles ver-
loren glaubte. Leider wurde hier General B ä r n k 1 a u, einer der
7
Digitized by Google
OS
1741 174«
ausgezeichnetsteil Generale der österreichischen Armee, von einer
Musketcnkugel tödtlich getroffen, was sehr nachtheilig auf seine
Truppen wirkte, so zwar, dass sie sich, von Verstärkungen ange-
griffen, mit bedeutendem Verluste auf das rechte Ufer des Tidone
zurückzogen.
Nun nickte F.-M.-Lt. Roth mit dem linken Flflgel vor, um
oberhalb der Brücke den Tidone zu überschreiten und den Feind
in der rechten Flanke zu nehmen. Das Regiment kam hier in's
Feuer; das Gefocht wurde sehr hartnäckig, dreimal wurde gestürmt,
dreimal musstc man zurück. Endlich gelang es den braven Truppen
«lie so tapfer kämpfenden Spanier zu überwinden und 3ich auf dem
linken Ufer fest zu setzen. Da auch der österreichische rechte Flügel
wieder über den Tidone vordrang, verliessen die »Spanier und Fran-
zosen den Fluss und retirirten nach Stradella. Das Treffen, welches
mit Tagesanbruch begann und durch eilf Stunden währte, endete
gegen 3 Uhr Nachmittags. Der Verlust des Regiments war be-
deutend : Grenadier - Lieutenant Christof i\I a n z nebst 42 Mann
blieben todt; Hauptmann Eugenius Graf On eil i wurde schwer ver-
wundet und starb in Folge dessen am 24. August in Pizzighettone;
auch wurden noch 1 Hauptmann, 2 Lieutenants, 2 Fähnriche und
108 Mann verwundet.
Nach diesem Treffen kapitulirtc Piacenza und erhielt den Stab
und ein Bataillon des Regiments als Garnison. Die Feinde ver-
einigten sich in Stradella, wo sie am 11. verblieben. Die Oester-
reicher marschirten gegen Tortona, dann nach Rivaita und besetzten
am 19. Novi, wo sie ein bedeutendes Magazin erbeuteten und
700 Mann gefangen nahmen. Die Feinde hatten sich während diesen
Märschen in das Genuesische zurückgezogen. Das Leib - Bataillon
mit den Grenadieren blieb als Garnison in Novi, während ein Korps
Oesterreicher die Bochetta erstürmte und bis an die Thore von
Genua vorrückte, welches sich am 5. September ergab.
Am 7. bezog die Hauptarmee enge Kantonuirungen, brach
aber anfangs November wieder auf, überschritt am 30. den Var und
vertrieb den Feind aus seinen verschanzten Stellungen, rückte dann
am 1. Dezember vor Gagen, am 4. nach Biot und am 10. abends
in ein Lager bei Cannes, um mit Hilfe der englischen Flotte Artibes
einzuschliessen. An demselben Tage brach in Genua ein allgemeiner
Aufstand aus, der sich schnell über die Riviera ausbreitete und den
Digitized by Google
1741— 174S,
09
Rückzug des General Botta nach Novi zur Folge hatte. Durch
diesen Umstand kamen die Truppen in der Provence in eine sehr
missliche Lage, welche ohnehin bisher durch die nasse Witterung
und Krankheiten viele Menschen und Pferde verloren, auch überhaupt
nur durch Streifkommandos in der Provence und Dauphine*e sich
mit Proviant versorgt hatten. Als den Feinden auch noch Ver-
stärkungen unter Marschall Belle-Isle zukamen, sahen sich die
Truppen genothigt, Ende Jänner 1747 die Belagerung aufzuheben,
über deu Var zurückzugehen und Winterquartiere zu beziehen.
F. -Z.-M. Graf Schülern bürg übernahm vom F. -Z.-M. Marquis
Botta das Armee-Kommando.
Das Leib - Bataillon marsohirte von Novi nach Pavia und
sendete ein Kommando Dach Mailand. Kndc Dezember vereinigten
sich das Leib- und Obristlieutcnants - Bataillon nebst den Grenadieren
im Castcll zu Mailand; das Obrist- Bataillon und der Regiments -Stab
blieben in Piacenza.
Anfangs Jänner 1747 erhielt das Regiment 900 Rekruten.
F. -Z.-M. Graf Schülern bürg hatte den Befehl erhalten,
Genua wieder zu erobern, daher nun alle Operationen gegen diese
Stadt gerichtet wurden. F.-M.-Lt. Browne hielt noch die Provence
besetzt, daher zur Unternehmung gegen Genua nur 22 schwache
Bataillons, 14 Grenadier-Kompagnien, 4000 Warasdiner, 1 Huszaren-
und ein Dragouer-Regimcnt verfügbar waren.
Das Regiment vereinigte sich am Tessin und rückte nach
Voltaggio. Die Avantgarde der Armee vertrieb am 7. Jänner 1747
die Genuesen aus Ovada und nahm bei Campofreddo Stellung. Am
14. wurden sie durch General Andrassy von der Bochetta und
dem anliegenden Gebirge vertrieben. General St. Andre" rückte mit
dem Regiment am 13. Jänner abends von Voltaggio nach Borgo di
Formari, griff am 14. den ihm gegenüberstehenden Feind an, nahm
vier eiserne Kanonen und acht Doppelhacken, und verfolgte ihn über
Ponta-Decimo. Hierauf rückten die aus dem Bisagno-Thal ver-
stärkten Genueser ihrerseits zum Angriff vor. St. Andre* entsendete
den Hauptmann Friedrich v. Campen mit 200 Mann in die Flanke
der Angreifer, deren weitere Vorrückung er mit dem Regiment und
den übrigen Truppen aufhielt. Der überraschende Flanken -Angriff
des Hauptmann Campen setzte die Genueser dermassen in Ver-
wirrung, dass sie bis hinter die Stadtmauern zurückliefen, obschon
7*
100
1741 174S.
St. Andre" sie nur bis Bisagno verfolgte. Am 19. griffen grosse
Schaaren bewaffneten Landvolkes die österreichischen Posten an,
wurden aber Oberall mit blutigen Köpfen versprengt
Die Truppen blieben in ihren Stellungen, da zur Belagerung
Genua's das Geschütz fehlte, auch ein grosser Mangel an Proviant
herrschte. Erst anfangs April, als die Armee einige Verstärkungen
erhalten hatte, wurde gegen Genua vorgerückt, in welchem mittler-
weile C000 Franzosen unter G.-Lt. Duc de Boufleurs ange-
kommen waren. Am 11. April begann die Vorrücknng in vier Ko-
lonnen. Das Regiment befand sich in der zweiten, unter St. Andre\
welche längs dem Bisagno nach dem Berge Kreto marschirte und
hier Stellung nahm. Die Genueser flohen in grösster Verwirrung
und Hessen sogar ihre Vorwerke im Stich. Schulemburg forderte
die Stadt zur Uebergabe auf und als diese abgewiesen wurde, ver-
schanzten sich die Truppen in den eingenommenen Stellungen. Die
schlechten Strassen machten es unmöglich das schwere Geschütz
herbeizuführen und man musste sich lediglich auf eine enge Zernirung
beschränken. Am 17., 18. und 10. Mai waren die Vortruppen mit
den genuesischen in beständigem Gefechte. Am 21. Nachmittags
fielen Spanier, Franzosen und Genueser auf drei Seiten aus, um
sich der verlorenen Posten wieder zu bemächtigen. Am heftigsten
war der Kampf im Polcevera - Thal, wo das Regiment im Feuer
stand. Übristlieutenant v. Logau besetzte mit den Grenadieren und
seinem Bataillon die Karthause von Rivarolo und schlug alle An-
griffe zurück. Besser gelang es dem Feinde auf dem rechten Üfer
der Polcevera vorzudringen; wurde aber hier später im Rücken und
Front angegriffen, ebenfalls zurückgetrieben.
Die Feinde in der Provence hatten sich während dieser Zeit
sehr ansehnlich verstärkt und nöthigten die Oesterreicher und Sar-
dinier sich zurückzuziehen. 40 Bataillone Franzosen und Spanier
rückten über den Var. Wie bedrohlich auch diese Umstände
waren, beschloss Schulemburg doch noch mit 38 Bataillons und
30 Grenadier - Kompagnien in das Bisagno -Thal zu rücken, um
Genua von der Seite anzugreifen, wo es am zugänglichsten war.
In der Nacht vom 12.— 13. Juni führte er die Truppen in drei
Kolonnen an den Bisagno. Die dritte Kolonne führte General
St. Andre\ bei welcher sich das Regiment befand, links gegen den
Monte dei Ratti. Die Genueser wurden durch die Angriffsbewegung
Digitized by Google
1741-1748
101
gänzlich überrascht, flüchteten aus dem Bisagno - Thale den Schanzen
zu, die auf den Bergkuppen erbaut waren. Die Oesterreichor, welche
folgten, vertrieben sie aus allen Verschanzuugen, eroberten drei
Kedouten, machten viele Gefangene und draugen über S. Martin
d'albaro bis an's Meer. Das Regiment hatte bei dieser Unternehmung
einen Verlust von 4 Todtcn und 11 Verwundeten.
Am 14. wurden die Genuesen aus mehreren Casinen verjagt,
die Verbindung mit der englischen Flotte eröffnet und das Schloss
Stura besetzt.
Trotz diesen erfreulichen Fortschritten sah sich Schulemburg
doch genöthigt die Belagerung aufzuheben, da die gegen die an-
rückenden Spanier und Franzosen aufgestellten Truppen dringend
Verstärkungen benöthigten. Am 4. Juli wurde das Lager an dem
Bisagno aufgehoben und nach und nach die Truppen zurückgezogen.
In der Nacht vom 18. — 19. verliess Schulemburg alle vor Genua
innegehabten Stellungen und bezog das Lager bei Campo marone.
Am 20. wurde der Marsch über die Bochetta fortgesetzt und das
Lager am Voltaggio bezogen. Hier blieb General Nädasdy mit
fünf Regimentern und zog einen Kordon. Die übrigen Truppen, dabei
das Regiment, marschirten nach Fiemont zurück, wo Schulemburg
das Kommando an F. - Z. - M. B r o w n e übergab. Browne marschirte
am 28. Juli nach Ovada und von hier in vier Kolonnen nach Car-
magnola, wo er am 6. August eintraf. Erst am 16. konnte der
Marsch wegen mangelhafter Verpflegsvorkehrungcn in das Stura-
Thal angetreten werden. Am 20. waren die Truppen bei S. Dalmazzo,
unweit Cuneo vereint. Sie bestanden aus 38 Bataillons, 31 Grenadier-
Kompagnien und 300 Huszaren. Das Regiment befand sich mit
zwei Bataillons Colloredo im ersten Treffen, in der Division F.-M.-Lt.
Graf Piccolomini, Brigade General St. Andre.
Am 1. September marschirte Browne nach Mojola. Picco-
lomini, der mit seiner Division bereits bis Vinadio vorgerückt war,
ging an diesem Tage bis Sambucco. Seine Vorhut unter General
St. Andre* vertrieb den Feind aus Argentiera. Das Regiment hatte
2 Verwundete. Am 2. marschirte Browne nach Vinadio. Am
7. Oktober wurden 6 Bataillons, darunter das Leib - Bataillon und
die 1. Grenadier- Kompaguie des Regiments, unter Befehl des General
Andrassy über den Col di Tenda nach der Riviera in Marsch
gesetzt; Browne marschirte mit den übrigen Truppen in die Lom-
102
1741 -174*.
bardie zurück und verlegte sie in die Winterquartiere. Dan Regiment
kam nach Pavia, von wo bald darauf Hauptmann Hervay mit
133 Mann als Besatzung in das Castell nach Mailand marschirte.
Im Jahre 1747 hatte der Regiments - Kaplan Pius Bourgeal
quittirt, die Hauptleute Hermann Hübers, Franz de Hall und
Nikolaus Wolff sind gestorben.
Anfangs März 1748 sammelte Browne die Armee in der
Lombardie und rückte wieder vor. Das Regiment hatte am 21. März
Pavia verlassen und marschirte mit der Annee nach Ovada. Haupt-
mann Ludwig de Battaglia besetzte mit seiner Kompagnie Gavi.
Am 21. April marschirte die Armee nach Carroftio und nahm
hier Stellung. Obristlieutenant von Logau besetzte mit seinem
Bataillon am 13. Mai Campofreddo, wohin das Regiment am 13. Juni
folgte und die vorrückenden Franzosen zurückwarf. Tags darauf
wurden die Feindseligkeiten eingestellt und darüber mit den Franzosen
ein Vertrag abgeschlossen.
Das Regiment rückte am 6. Juli nach Ovada und bezog Kan-
tonnirungs- Quartiere. Am 7. August erhielt dasselbe eine komplete
Kompagnie des aufgelüsten Regiments Traun mit dem Hauptmann
Andreas de G u s i o, Lieutenant Daniel de Polastre und Fähnrich
Josef de Mohris.
Am 13. Oktober marschirte das Obrist- und Obristlieutenant-
Bataillon sammt den Grenadieren nach Novi, wohin am 23. November
auch das Leib -Bataillon folgte, von wo dann am 25. das ganze Re-
giment aufbrach und über Pavia, Mantua, Roveredo, Trient, Bozen,
Brunecken, Lieuz, Klagenfurt nach Marburg rückte, dieses am
10. Jänner 1749 erreichte und in nachstehende Orte dislozirt wurde:
Stab und Grenadiere Marburg, die übrigen Kompagnien nach Ffirsten-
feld, Lanschberg, Cilly, Pettau, Ratkersburg, Leibnitz, Windisch-
gratz, Voigtsberg, Feistritz, Hartberg und Pettau.
In Aachen hatten inzwischen die Friedensunterhandlungen statt-
gefunden, in Folge deren der Friede am 18. Oktober 1748 von
England, Holland und Frankreich, am 2U. von Spanien und am 23.
von Oesterreich unterzeichnet worden war. Die Kaiserin Maria
Theresia überliess Parma, Piacenza und Quastalla an den Infanten
Don Philipp, die in Schlesien 1742 an Preussen, in der Lombardie
1743 an Sardinien gemachten Abtretungen wurden bestätigt und die
pragmatische Sanktion Kai Ts VI. allgemein anerkannt.
Digitized by Google
1741- 174S.
103
Im Kample hatte die Welt erfahren, welch' riesenhafte Kräfte
Oesterreich birgt, wie halb Europa es nicht zu zertrümmern vermag,
wenn diese Kräfte recht verwendet werden. Als Grossmacht stand
es wieder da und fahrte das erste Wort im Käthe der Völker. Es
war ärmer geworden an Schlesien, aber reich an Ruhm, innerer
Macht und äusserer Kraft.
. Niemand kann die Ehre den Tapferen versagen, welche in
jenen Kriegen ihr Blut hingaben für die Erhaltung, für die Grösse
des Vaterlandes.
Vor Allem gebührt aber der grossen Kaiserin MariaTheresia
der schönste Kranz der Ehren, deren Seelengrösse die Kräfte weckte
und deren Geist das Reich erhielt, als auch die Muthigsten an seinem
Bestände verzagten. Ihr Bild, das herrlichste der Frauen, möge uns
stets vorschweben, dass wir uns im Unglücke an ihm erheben!
Am 8. Dezember 1748 hatte der Hofkriegsrath befohlen, dass
die 16 Füsilier - Kompagnien, 4 Bataillons bilden, die 2 Grenadier-
Kompagnien aber für sich bestehen sollen. Beim Leib- und Obrist-
lieutenants- Bataillon führten die am rechten, beim Obrist- und
Obristwachtmeister-Bataillon die am linken Flügel stehenden Kom-
pagnien denselben Namen wie das Bataillon. Sie wurden durch die
nun gleichzeitig in's Leben gerufenen «Kapitän -Lieutenante", die
andern Kompagnien aber durch Hauptleute kommandirt. Auch
wurden die .Oberlieutenante" neu errichtet und angeordnet, dass
die Fähnriche beim Stab im Stande zu führen sind. Jedes Bataillon
hatte von nun an nur zwei Fahnen zu führen, die Musikbanden
mit 36 Mann das erste Mal vorgeschrieben, obgleich schon früher
Hautboisten als Privateiurichtung bestanden. Mit türkischer Musik
rückten zuerst 1741 die Trenk'schen Panduren in's Feld, welche
dann bald in allen Regimentern eingeführt und von allen europäischen
Staaten nachgeahmt wurde. Teutschmeister rückte, wie in der Ge-
schichte erwähnt, das erste Mal in der Schlacht bei Campo santo
am 8. Februar 1743 mit türkischer Musik in den Kampf.
Das Regiment bestand nach diesen neuen Einrichtungen Ende
1748 laut Eintheilungs-Liste aus:
«lab. Obrist -Inhaber Clemens AugURt, Churfürst von Köln, Hoeh-
« nJ Tentechmeister.
Obrist ifegiinents-Kommanilant Wilhelm Freiherr v. Lustwitz.
Obrist] ieutenant Franz v. Logau.
Obristwachtmeister Karl Freiherr v. Lest will.
Digitized by Google
104
1749 -1755.
Lieutenant -Quartiermeister Karl Dubiel.
Hauptmann- Auditor Heinrich Kohl.
Auditor- Sekrotariue Egydius Otto.
Fähndriclis Friedrieh Hauk, Franz Wolff, Johann Hervay, Josef
Br. Wilsdorf, Johann Lingerin, Josef Hr. Stael de Carignoni, Georg
Freiherr v. La st witz, Franz v. Ger stiug, Johann d'A Itrop p, Franz Kichl,
Karl v. Berge.
Regiments-Kaplan Pio Thomase Bitorti.
Wachtmeister-Lieutenant Maximilian v. Sorozansky.
Feldscherer Georg Hirsch.
Wagenmeister AuguBtin Dressel.
Profoss Michael Werner.
Grenadier-Hauptleute Hermann v. Beek, Christof Baron Meichsner
v. Alekhofen.
Grenadier-Oberlieutenants Paul Montignoni, Josef Br. Formentini.
Grenadier-Unterlieutenants Karl r. Ku stein. Lorenz v. Kasz.
Hatiptleute Augustin Leuthner, Gottlieb Br. Schwarzenau, Johann
von 8chnekenhoff, Karl von Hörle, Karl Graf Artz, Ludovico de
Battaglia, Andreas de Gusio, Franz v. Schmidt, Sylvester v. Elvenieb,
Friedrich v. Kämpen, Lorenz Wolff, Peter v. Mayer, Vincenz Birago
d'Aspremont, Karl Mohr v. W a 1 d t, Johann Graf Boro, Max Baron
Hautzenberg.
Oberlieutenants Johann Offarel, Johann Gr. Artz, Kaspar Scheibels-
dorf, Johann Kerpan, Franz v. Peteneck, Christof Vogel, Daniel
de Polastre, Karl v. Bonn, Antonio de Vela. Christian Bohr, Vincenz
Thierri, Friedrich v. Schi ndel, Friedrich v. Pelgrim, Josef Helenus,
Christof Escher, Karl Wurf f.
Unterlieutenants Thomas Albert, Kaspar Schuppe, Petrus de
Zamboni, Josef de Kohl, Friedrich H a a k, Michael Ellert, Josef de
Mohris, Peter Mochne, Friedrich v. Tham, Hannibal de Carasco. Josef
Dickmann, Wilhelm Br. Truchses, Erasmus de Polastre, Josef Graf
Soro, Josef Baron Stael, Franz Baron Wilsdorf.
Regiments - Kaplan Frateruus Kostineck und Hauptmann
Mathias Hervay sind 1748 gestorben.
Während der nun folgenden Friedensjahre war die Kaiserin
unablässig bemüht, die Armee zu verbessern. Die wesentlichen
Veränderungen waren: ein neues Verpllegsreglement, welches die
Etappen-Verpflegung abschaffte und den Mann mit Brod in Natura
und baarem Gelde zur Beköstigung versah ; ein Bcquartirungs-
Normale und eiu neues Reglement für die Infanterie; ferners eine
Verfügung, dass die Regimenter das Tuch aus den Magazinen in
Digitized by Google
m»-i7öö. 105
•
Wien, Iglau und Prag gegen Entrichtung der limitirten Preise zu
beziehen haben.
Das Reglement ordnete den innern Dienst mit Ausführlichkeit,
vermehrte die Beweglichkeit ohne die Steifheit abzulegen. Die Griffe
sind mit grosser Umständlichkeit ausgebildet ; für den Mann 54, für
den unterrichtenden Offizier 98; diese müssen sehr taktmässig mit
Pausen um von 1-4 zählen zu können, die Chargirung dagegen so
schnell als möglich vollzogen werden. Auf Letztere wird ein beson-
deres Gewicht gelegt. 10 Arten sind aus der geschlossenen Front,
10 aus dem Quarrte und bei anderen Gelegenheiten vorgeschrieben.
Die Schweinsfeder, welche aus zwei Balken zum Zusammenfügen
und einem eisenbeschlagenen Stocke bestand, welche in zwei solche
zusammengefügte Balken gesteckt und dann einige Schritte vor die
Front der Infanterie gelegt wurde, um die Annäherung der Kavallerie
zu hindern, bestand noch immer. Auf Märschen wurde sie nach-
geführt; in den Gefechten aber vier Stück per Kompagnie von der
Mannschaft getragen.
Ausserdem erschien eine neue, die Kleidung der Truppen fest-
stellende Norm. Die früher bis an die Waden reichenden Röcke
wurden bis an die Kniee verkürzt; die Farbe des Kamisols, der
Beinkleider und des Rockfutters blieb wie früher dem Willen des
Regiments - Inhabers überlassen. Das Regiment behielt seine seit der
Errichtung getragene blaue Farbe des Aufschlages und Rockfutters;
der ganze übrige Anzug war weiss, die Kamaschen zum gewöhn-
lichen Gebrauche schwarz. Die Halsbinde, für gewöhnlich schwarz,
war zur Parade roth, die Gefreiten und Gemeinen mussten die
Enden derselben rückwärts auf den Nacken, vom Korporalen auf-
wärts vorne auf die Brust herabhängen lassen. Man trug Zöpfe und
an den Schläfen Locken weiss gepudert. Die Offiziere mussten sich
nun wie die Mannschaft kleiden, wenn sie beim Regiment erschienen ;
ausser Dienst konnten sie die reich mit Gold- oder Silberborden be-
setzten Röcke und Kamisols tragen. Die Feldbinden waren durch-
gehends von Gold. Die Chargeugrade bezeichnete wie früher der
verschiedenartige Stock. Die Grenadiere trugen Bärenmützeu mit
einem grossen Messiugschild am Vordertheil ; die Füsiliere drei-
spitzige Hüte, die mit einer Spitze nach vorwärts aufgesetzt wurden.
Als Waffe behielten die Ofliziere die Partisane, Grenadiere Flinten.
Die Unteroffiziere der Füsiliere Kurzgewehre, d. i. 7 Schuh, 6 Zoll
106
1749-1755.
lauge Pikeii. Ein Gewehr mit Bajonnet uud ein Säbel .vollendete die
Bewaffnung der Mannschaft; die Grenadiere behielten ihre Bestim-
mung zum Werfen der Handgranaten. Das erste Exerzier -Reglement
vom F.-M.-Lt. Graf Daun erhielt das Regiment im Jänner 1740
in vier gedruckten Exemplaren. Zur praktischen Einübung wurde
Major v. L e s t w i t z mit dem Wachtmeister-Lieutenant Sorozanski
nach Wien berufen und erhielten näheren Unterricht durch General
S i n c e r e und Obrist v. Anger n. Im Jahre 1748 hatte man bei
den Kanonen die Richtmaschine, auch Patronen eingeführt.
Der Stand eines Infanterie-Regiments bestand aus 2408 Mann
und zwar vom Stabe nebst den Oberoffizieren noch 10 Unter-
feldscherer und 8 Führer. Bei den Kompagnien nebst den Ober-
offizieren 18 Feldwebel, 18 Fouriere, 88 Korporale, 36 Fourier-
schützen, 36 Tambours, 36 Pfeifer, 18 Zimmerleute, 160 Gefreite,
1908 Grenadiere und Gemeine; Artillerie-Büchsenmacher mit Hand-
langern zur Bedienung der zwei beim Regiment befindlichen Feld-
geschütze und zwei Karren. Die Grenadier -Kompagnien standen
getrennt an den Flügeln des Regiments; die Kompagnien rangirten
nun statt in vier, in drei Gliedern.
Ende April 1749 wurden die Hauptleute Beek und v. Wal dt
in das römisch - deutsche Reich nach Heilbronn gesendet, um die
dort auf Kosten des Regimeuts-Iuhabers angeworbenen 300 Rekruten
zu übernehmen.
Am 15. August rückte das ^anze Regiment in das bei
St. Nikolaus ausgesteckte Exercier-Lnger, wo dasselbe bis Ende
September mit den Regimentern Hildburghausen, Kheul, Marschall
und Forgats unter Kommando des F. - M. - Lt. Kheul in dem
neuen Reglement eingeübt wurde. Nach aufgehobenem Lager erhielt
es die Stationen Klagenfurt, Wolfsberg, Villach, St. Veith und
Feldkirchen.
Auditor Heinrich Kohl ist 1749 gestorben.
Obrist Regiments -Kommandant Georg Wilhelm Freiherr von
Lestwitz wurde auf Allerhöchsten Befehl mit letzten Jänner 1750
zum General - Feldwaehtincister befördert und in seine Stelle der
Obrist Karl Graf Colloredo, deutscher Ordensritter, mit 1. Februar
vom Regiment Colloredo als Regiments -Kommandant; mit letzten
Jänner Obristlieutenant Franz v. Logau als Obrist beim Regi-
ment Waldek ; Obristwachtmeister Karl Freiherr von Lestwitz
Digitized by Google
1749-1755.
107
als Obristlieutenant und Hauptmann Karl Mohr v on W a 1 d t
als Obristwachtmeister, beide mit 1. Februar dem Regiment vor-
gestellt.
General Lestwitz war zu Schlauben in Schlesien 1685
geboren, trat im Jahre 1703 als Fähnrich in die Reihen des Re-
giments, war 1709 Grenadier- Lieutenant, 1718 Hauptmann, 1734
Obristwachtmeister, 1742 Obristlieutenant und 1744 Obrist- Re-
giments -Kommandant. Während seiner 47jährigen Dienstzeit im
Regiment hat derselbe alle Schlachten und Gefechte mitgemacht.
Obrist Logau war 1700 zu Gebersdorf in Böhmen geboren; trat
1717 als Fähnrich in die Reihen des Regiments, avancirte 1724
zum Hauptmann , 1743 zum Obristwachtmeister und 1744 zum
Obristlieutenant.
Am 1. Juni rückte das Regiment in das grosse Exerzierlager
bei Pettau, wo am 4. Juli auch die Majestäten erschienen. Das
Regiment hatte die Ehre, sich vor Ihrer Majestät der Kaiserin
Maria Theresia zu produziren, und wurde ganz besonders belobt.
Am 7. reisten die Majestäten wieder nach Wien zurück, und das
Regiment marschirte am 17. August in seiue früheren Stationen.
In diesem Jahre wurden die Gagen normirt: Hauptmann 45 h\,
Lieutenant 21 fl., Fähnrich 18 fl., Auditor 28 fl. 30 kr., Kaplan
19 fl. 30 kr., Wachtmeister- Lieutenant 13 fl. 30 kr., Feldscherer
21 fl., Fcldscherergesell 9 fl. Die tägliche Löhnung: Feldwebel 15 kr.,
Führer 8 kr., Fourier 14 kr., Korporal 8 kr., Fourierschütz, Gefreiter,
Gemeine 5 kr., Spielmann 4 kr. Der monatliche Sold und Service
betrug beim Regiment 17.439 fl. 45 kr. Die Brodportion wurde mit
7 Pfenningen, eine Pferdportion mit 12 kr. bezahlt.
Nebst dem bereits zu Pest bestehenden Invalidenhaus wurden
noch solche zu Wien, Prag und Pettau, zusammen ffir 6000 Invalide
errichtet. Auch stiftete die Kaiserin Elisabeth Christine den
Elisabeth - Theresien - Orden für 21 Obriste mit einer bedeutenden
Zulage.
Im März 1750 wurde das Heiratsnormale publizirt und das.
Heiraten ohne Bewilligung bei Kassation verboten.
Hauptmann Johann Schmekenhoff und Oberlieutenant
Christian Böhr erhielten 1750 die Versorgung im Invalidenhaus,
Hauptmann Mathias hat seine Charge um 1600 fl. dem Ober-
lieutenant v. Bonn verkauft.
108
1749-1765
Vom 25. Mai bis 7. Juli 1751 befand sich das Regiment unter
General Maquier bei Klagenfurt konzentrirt.
Auf Allerhöchsten Befehl vom 1. Dezember 1751 wurde Haupt-
mann Christof Baron Meichsuer v. Alekhofen als aggregirter
Obristwachtmeister vorgestellt.
Im März 1752 erhielt das Regiment den Befehl, ein Werb-
kommando in Wien aufzustellen , wozu Hauptmaun v. E 1 v e n i c h,
Lieutenant de Polastre und Mochnc nebst 40 Mann kora-
mandirt wurden.
Im April kam die Ordre, sich marschbereit zu halten, um nach
Böhmen zu marschiren. Am 30. Juni wurde aufgebrochen und iu
drei Kolonnen über Linz, Prag in den Bunzlauer- Kreis marschirt,
wo das Regiment am 8. August eintraf und die Stationen Jung-
bunzlau, Melnick, Sobotka, Dobravitz, Leipa, Turnau, Weisswasser
und Münchengrätz erhielt. Hier überbrachte Oberlieutenant Po-
lastre 61 Wiener Rekruten zum Regiment.
Uire Majestät die Kaiserin Maria Theresia begegnete in
diesem Jahre den Duellen durch ein strenges Duell -Mandat. Nicht
nur die Duellanten und Sekundanten, sondern auch die Hilf-, Rath-
und Vorschubgeber, sowie auch jene, welche durch Hinterbringung
von Schmähreden zum Duelle aufhetzen oder jemanden eine ab-
gelehnte Ausforderung über kurz oder lang zum Vorwurfe machen,
sind mit dem Tode durch das Schwert zu bestrafen. Die Strafe tritt
ein, wenn auch im Duell Niemand verletzt worden ist. Auch wurde
mit 30. Juni befohlen, dass die Regiments - Adjutanten oder so-
genannten Wachtmeister -Lieutenante, sowie auch die Regiments-
feldscherer, welche Regiments -Chirurgus zu betiteln seien, nicht
mehr unter dem Stocke des Obristen zu stehen hätten. Auf Vor-
schlag Daun'a wurde die Militär -Akademie für 300 Kadeteu zu
Wiener Neustadt und im folgenden Jahre ein Erziehungshaus für
Offiziers -Töchter zu Kbersdorf (jetzt in Hernais) errichtet.
Auf Allerhöchsten Befehl vom 31. März 1753 wurde der
Obrist und Regiments - Kommandant Karl Graf Colloredo zum
General- Feldwachtmeister und Gesandten in England ernannt.
Am 7. April kam Hauptmaun Elvenich und Lieutenant Mochne
mit 32 Rekruten von der Werbung in Wien zurück. Am 14. Mai
passirte das Regiment die Musterung und rückte den 26. Juli in
das grosse Exerzier -Lager bei Kollin. Hier wurde am 29. August der
Digitized by Google
1749- 176&
109
Obristlieutenant Karl Ludwig Freiherr Lestwitz vom F.-Z.-M. Grafen
Browne dem Regiment als Obrist Regiments - Kommandant vor-
gestellt. An demselben Tage avancirte Obristwachtmeister Karl
Mohr v. Waldt zum Obristlieutenant und der aggregirte Obrist-
wachtmeister Christof Meichsner v. Alekhofen wurde in die
Wirklichkeit eingebracht.
Am 31. August erschien Sr. Majestät der Kaiser im Lager um
bei den Manövern die Truppen zu besichtigen, worauf das Regiment
am 5. September wieder in seine früheren Garnisonen abrückte.
Oberlieutenant und deutscher Ordens - Ritter Leopold Baron
Rump ist in diesem Jahre gestorben.
Beim Beginn des Jahres 1754 erhielt das Regiment den Befehl,
nach dem grossen Lager bei Kollin nicht mehr in die alten Garni-
sonen, sondern nach Ungarn abzurücken. Den 28. Juli wurde auf-
gebrochen und in das Lager marschirt, wo sodann unter Befehl des
Feldmarschall Graf Browne grosse Manöver stattfanden. Am
17. August geruhten die beiden Majestäten mit einer grossen Anzahl
Damen und Cavaliers im Lager zu erscheinen, im Wagen langsam
die lange Fronte der in grösster Parade ausgerückten Truppen
hinahzufahren und dann im Schlosse Neuhof das Allerhöchste Hof-
lager zu nehmen, worauf abends im Lager ein prachtvolles Feuer-
werk abgebrannt wurde, wobei die Truppen unter vielfachem Abfeuern
der Gewehre und Kanonen der geliebten Kaiserin enthusiastische
Vivat's ausbrachten.
Die folgenden Tage wohnten die Majestäten den grossen Ma-
növern bei und geruhten nebst Ihrem ausgesprochenen Allerhöchsten
Wohlgefallen, auch jeden Geraeinen durch zwei Tage mit einem,
Gefreiten zwei, Korporal drei, Feldwebel mit vier Siebenzehner zu
beschenken, während die Ober - Offiziere durch die ganze Lagerzeit
die Brod- und Pferd - Portionen doppelt erhielten.
Den 23. August verliessen die Majestäten nach abermaliger
Besichtigung der Truppen das Lager und reisten nach Prag, worauf
das Regiment am 26. August in drei Kolonnen nach Ungarn
marschirte. Der Stab mit den Grenadiers und zwei Bataillons kamen
nach Ofen, das Obrist-Bataillon nach Gran und das Obristwachtmeister-
Bataillon nach Kaschau. Zur selben Zeit ging Hauptmann de Polastre
nebst dem Oberlieutenant Peteneck und Lieutenant d'Altropp
in das teutschmeisterische Gebiet nach Neckarulm zur Werbung.
110
175« 17«:i
Korporal Josef v. Sonnenfels erhielt in Ofen seinen Abschied,
nachdem er seit dem Jahre 1749 als Gemeiner und Korporal im
Regiment gedient hatte. Derselbe studierte dann Jus und starb am
26. April 1817 im Alter von 80 Jahren, nachdem er es zum Frei-
herrn, Ritter des St. Stefans - Ordens, k. k. Hofrath, Vice - Präsident
der k. k. Hofkommission in politischen Gcsctzsachcn und zum
Präsidenten der Akademie der bildenden Künste in Wien gebracht
und durch seinen Vorschlag zur Aufhebung der Tortur in den
k. k. österreichischen Staaten, welchen die Kaiserin Maria Theresia
bestätigte, sich einen unsterblichen Namen erworben hatte.
Oberlieutenant Montignoni wurde am 18. Februar 1755
nach Mühlhausen in Thüringen gesendet, um für das Regiment
200 Rekruten zu übernehmen.
Hauptmann Ludovico de Battaglia war am 1(3. April unter
Verleihung des Obristlieutcnants - Titels mit 300 fl. Pension in Ruhe-
stand getreten.
Am 11. Juni sind 7G vom Hauptmann de Polastre im römisch-
deutschen Reich geworbene Rekruten beim Regiment eingerückt.
Die Leib -Kompagnie wurde wegen des starken Dienstes am 15. Juli
nach Ofen gezogen und am 0. August ist Hauptmann Graf Soro
zur Uebernahme von 00 landständischen Rekruten nach Laibach
abgegangen. Hauptmann Alexander Raron Wulffen wurde am
31. Oktober mit 300 fl. Pension in Invalidenstand übersetzt.
Die Regiments - Chirurgen erhielten den jüngsten Fähnrichs-
Rang und die Bewilligung, das goldene Porte d'eple und goldene
Hutrosen zu tragen.
1756-1763.
Im Aachener Frieden hatte Maria Theresia ausser einigen
kleinen Landstrichen in Italien, ein schönes reiches Land, Schlesien
mit der Grafschaft Glatz, an Preussen abtreten müssen. Schlesien
wieder zu gewinnen, war von da an ihr heissester Wunsch — sie
konnte einen Schlesier nicht sehen, ohne in Thränen auszubrechen.
Im Jahre 1753 hatte Graf Kau nitz- Rietberg die Geschäfte
als Staatskanzler übernommen und begann sogleich die diplomatischen
Digitized by Google
1756.
Schntüprm«- Druck des « l> mil<i jMjuf Jntntutes
Tambour und Pfeifer von
Hoch-und Deutschmeister.
y Google
III
Verhandlungen, welche zur Vereinzelung Pieussens führten. Am
11. Mai 1756 schloss der König Ludwig XV. von Frankreich zu
Versailles ein Bündniss mit Oesterreich, dem sich das deutsche Reich,
Russland, Schweden und Sachsen gegen Preussen anschloss. Die
Gegenpartei wurde von Preussen und England, Hannover und Hessen-
Kassel gebildet.
Am 20. August 175G nickten die Preussen in Sachsen ein.
Bei dem österreichischen Heere waren die Kriegsvorbereitungen noch
keineswegs vollendet. Aber sobald die Grenzen des Vaterlaudes
bedroht erschienen, zeigte sich die Liebe des Volkes zu seiner
Herrscherin wieder im vollen Masse. In der Armee lebte der regste
Kriegseifer wieder auf; jedermann trug dazu bei, um das den Truppen
noch Fehlende nach Kräften beizubringen und insbesondere stellte
der Adel zahlreiche Pferde aus seinen Ställen für die Kavallerie
und die Bespannung der Geschfltze.
Das Regiment war bemüht, sich schleunigst auf den Kriegs-
stand zu setzen. Hauptmann Graf Soro brachte am 13. April aus
Km in 96, Hauptmann de Polastre von der Werbung im deutschen
Reiche anfangs Mai 118 Mann. Am 4. August marschirten beide
Grenadier -Kompagnien zur Dienstleistung nach Wien und am 19.
wurde der Hauptmann Karl Graf Kallenberg von Harsch -In-
fanterie als Obristlieutenant beim Regiment aggregirt.
Am 9. September erhielt das Regiment den Befehl, mit den in
Wien stehenden Grenadieren zur Armee nach Böhmen zu marschiren,
vier Kompagnien aber nach Esseg in Garnison zu verlegen. In Folge
dessen wurden die 12 Kompagnien, Leib-, Obristlieutenant-, Obrist-
wachtmeister, Hauptmann Hörle, Gusio, Schmidt, Rautzen-
berg, Elvenich, Bonn, Polastre, Wann und Rosenberg
auf den Kriegsfuss gesetzt und rückten am 20. von Ofen ab, ver-
einigten sich am 26. zu Acs mit dem Bataillon aus Koniorn und
erreichten am 28. Raab, wo der Obristlieutenant Karl Mohr von
Wald als Obrister Regiments - Kommandant, Obristwachtmeister
Christof Baron Meichsner v. Alekhofen als zweiter Obrist-
lieutenant vorgestellt wurde. Obristlieutenant Graf Kallenberg
kam in die Wirklichkeit und Baron Meichsner übernahm das
Kommando der nach Esseg marschirten vier Kompagnien.
Obrist Karl Freiherr v. Lestwitz kam am 3. Oktober 1756
in das Invaliden - Institut. Er war 1688 zu Schlauben in Schlesien
112
175«- 170«.
geboren und diente seit 1708 ununterbrochen mit Auszeichnung im
Regiment.
Am 6. Oktober langte das Regiment in Wien an und wurde
vor dem Stuben -Thore vom Feldmarschall Graf Daun besichtigt,
welcher seine besondere Zufriedenheit aussprach. Hier erhielt das-
selbe den Befehl, nicht zur Armee dos F. -M. Browne, sondern
zu jener des F.-M.-Lt. Piccolomini nach Königgrätz zu marschiren,
welche es am 24. Oktober erreichte. Tags darauf wurde im Lager
der Grenadier-Hauptmann Johann Graf Soro als Obristwachtmeister
vorgestellt und dann am Kroaten - Berge die Retranchements besetzt.
Am 2G. marschirte die Armee nach Holinau und da sehr flbles
Wetter eintrat, wurden die Winterquartiere bezogen.
Die vier Kompagnien, welche sich aus Kaschau in Marsch
gesetzt, hatte Obristlicutenant Graf Kallenberg übernommen,
erreichten am 28. Oktober Wien, paradirten in Schönbrunn vor der
Kaiserin Maria Theresia und rückten dann nach Brünn.
Am 10. November marschirten die zehn Kompagnien mit dem
Stabe nacli Zaar in Mahren und bezogen hier und in der Konkurrenz
die Winterquartiere, wo am 17. auch die vier Kompagnien unter
Obristwachtmeister Graf Kallenberg aus Brünn eintrafen. Den
10. Dezember wurde wieder aufgebrochen, an die schlesische Grenze
marschirt, der Stab mit den Grenadiers nach Neustadt, die übrigen
Kompagnien nach Muglitz, Littau, Sternberg und Schönberg verlegt
und das Regiment in die Brigade G.-M. Baron Krottendorf
eingetheilt. Von hier wurde am 31. Hauptmann Hörle und Ober-
lieutenant Graf Artz mit einem Kommando in Freudenthal auf-
gestellt, welchem am 21. Jänner 1757 Lieutenant de Mohris mit
30 Mann als Verstärkung folgte.
Kaplan Franz Weiss ist 1756 gestorben.
Am 20. April passirten beide Bataillone zu Mährisch-Neustadt
die Musterung. Tags darauf brach der Stab mit dem Obrist-Bataillon
und den Grenadiers aus den Winterkantonnirungen auf, und mar-
schirten zum vierten Armeekorps des Feldmarschall Graf Daun in das
Lager bei Böhmisch - Brod, welches sie am 9. Mai erreichten. Das
Leib-Bataillon unter Obristwachtmeister Graf Soro war ebenfalls
am 21. April aufgebrochen und nach Littau in Mähren marschirt.
Am 2. Mai war König Friedrich IL, nachdem er sich mit
dem Fürsten Dessau vereinigt hatte, auf dem weissen Berge bei
Digitized by Google
175<l-17«8.
113
Prag erschienen. Am 0. Mai kam es zur Schlacht bei Prag. Der
blutige Tag vernichtete die schönste Armee, welche Oesterreich seit
langer Zeit aufgestellt hatte; der grösste Theil des k. k. Heeres
zog sich nach Prag, bei 13.000 Mann waren gegen die Sazawa
geflüchtet und sammelten sich in Beneschau.
Die UnglOcksbotschaft vom 6. Mai verbreitete in Oesterreichs
Provinzen die grösste Bestürzung; man sali nicht nur Böhmen ver-
loren, man glaubte die Monarchie ihrem Untergange nahe. Doch
standen die Dinge noch immer nicht so .schlecht; die Verzweifelnden
kannten nicht des österreichischen Heeres Zähigkeit! Noch immer
waren 50.000 streitbare Mann in Prag, diese Stadt konnte also
nicht im ersten Anlauf genommen werden, und noch war «las vierte
Korps, welchem das Regiment angehörte, unerschüttert. Das Gros
dieses Korps, dessen Kommando der Feldmarsehall Leopold firaf
Daun Qbernommen hatte, erreichte am Morgen des Schlachttages
Podebrad. Am 7. Mai rückte Daun mit dem Gros des Korps nach
Böhmisch - Brod, hierher kam am 9., wie oben gesagt, auch das
Regiment
Nach der Schlacht am G. umzingelte Friedrich die
k. k. Armee in Prag; er wollte sie entweder durch Waffengewalt
oder Hunger zur Uebergabe zwingen. Weil aber bei diesem Vor-
haben ihm die Streitmacht Daun's nicht gleiehgiltig sein konnte,
trachtete er diese so weit als möglich zu entfernen. Deshalb
unternahm am 0. Mai der preussische General-Lieutenant Ziethen
mit 43 Schwadronen eine Rekognoszirung gegen Böhmisch - Brod ;
schnell waren die den Vortrab bildenden wenigen österreichischen
Huszaren geworfen und Ziethen drang bis zu den Fahnenwachen
des Korps. Das Regiment war eben im Lager einmarschirt und im
Abkochen begriffen; rasch griff man wieder zum Gewehr, allein
Ziethen begnügte sich mit der Allarmirung und zog gegen Prag.
F.-M. Graf Daun, in Folge dieser Rekognoszirung für einen
ernstlichen Angriff besorgt gemacht, und einen gewagten Kampf
unzeitig haltend, zog sich in der Nacht vom 9. auf den 10. nach
Planian und stand am 11. bei Kolin. Aber auch hier dünkte dem
Könige die Streitmacht Daun's zu nahe; er Hess den Prinzen
Bevern über Böhmisch-Brod vorrücken, wodurch Daun sich ver-
anlasst sah, am 13. Mai bis in die Gegend zwischen Kuttenberg,
Alt-Kolin zurück zu gehen. Wohl hatte Prinz Karl von Lothringen
8
114
175« 1763.
aus Prag den Feldmarschall wissen lassen, dass er ohne seine Mit-
wirkung die Befreiung der Armee unthunlich halte, und hatte
dringend baldige Hilfe gefordert; allein Daun, dem von Wien alle
Vorsicht empfohlen war, konnte dieser Aufforderung nicht nur keine
Folge geben, sondern sah sich nach einem gelungenen Handstreiche
des Prinzen B e v c r n auf Kolin, zum Rückzüge nach Czaslau ver-
anlasst. Das Regiment war allen diesen Bewegungen im Verbände
des Korps unter F. - M. - Lt. M o r o c z gefolgt.
So entfernte sich Daun immer mehr von Prag, wo die Preussen
nun emsiger die Belagerung betrieben und die Noth höher und hoher
stieg. In Wien beschäftigte man sich mittlerweile eifrigst, das Korps
Daun's, jetzt die einzige Hoffnung der Monarchie, auf das Schleunigste
zu verstärken.
Durch die nun täglich anlangenden Verstärkungen, war das
Korps Daun's zu Ende Mai auf 53.000 Mann gebracht, und mithin
war das Korps zur Armee geworden. Der Feldmarschall, welcher
für die Troppen väterlich sorgte, hob mit eiserner Hand die Manns-
zucht und benützte eifrigst die gebotene Zeit zur Ausbildung und
vollständigen Ausrüstung seines Heeres.
Gleichwie das k. k. IV. Korps zur Armee geworden, ebenso
hatte Prinz Bevern, welcher dem F.-M. Daun gegenüber stand,
ansehuliche Verstärkungen erhalten und rückte am 5. Juni von
Kolin gegen Kuttenberg. Daun ging gegen Deutsch -Brod zurück
und erreichte am 6. Juni Goltsch Jenikau.
Indessen hatte Prinz Karl nach Wien gemeldet, dass die in
Prag eingeschlossene Armee, wegen Mangel an Lebensmitteln sich
nicht länger als bis 20. Juni halten könne. Da dieser Umstand eine
Offensive gebieterisch verlaugte, erhielt Daun den Befehl, dem
Feinde entgegen zu gehen und die Schlacht zu wagen. In ange-
stammter Huld verpfändete hiebei Maria Theresia dem Feld-
marschall ihr kaiserliches Wort, dass sie bei einem glücklichen
Ausgange seine grossen Verdienste mit allem Danke und Gnaden
ansehen, hingegen einen unglücklichen Erfolg ihm nimmermehr zur
Last legen werde.
Am 12. Juni brach Daun von Goltsch - Jenikau nach Kot h -
Janovic auf, erreichte Tags darauf Maleschau und am 14. Gintic.
Am Nachmittag des 16. rückte er in die Gegend von Krychnau und
lagerte in zwei Treffen. Das Regiment mit Baaden - Baaden Nr. 23
Digitized by Google
Google
Digitized by Google
1757.
( COLIN)
ScKfttllprn«n-Orgck U% « * Wilit |«0tr'f
Obristwachtmeister Johann Graf Soro
1 . Mana-Theresien-Ordens-RiUer
von Hoch-und Deutschmeister.
1756-1768.
115
und Botta Nr. 12, die Brigade Plonquet, stand am 16. Juni zwischen
Przebos und Poborz am linken Flügel der Armee, im zweiten Treffen
unter F.-Z.-M. Graf Anton Colloredo, F.-M.-Lt. Baron Sincere.
Bei Krychnau blieb die Armee am 17. Juni, wahrend Fried-
rich, der mit 12.000 Mann von Prag herbeigeeilt kam und sich
beiKaufim mit Bevern vereinigte, im Angesichte des österreichi-
schen Heeres gegen Planian marschirte. Diese Bewegung veranlasste
Daun bei einbrechender Nacht seine Aufstellung zu ändern, er
schob den rechten Flügel auf deu Kamhajeker Berg, den linken aber
auf die Höhe von Boschitz.
Des baldigen Kampfes gewiss, erwarteten die k. k. Truppen
mit Ungeduld den Anbruch des in den Annalen Oesterreichs, gleich-
wie in den Blattern der Regiments - Geschichte so merkwürdigen
Tages. Lebhaftes Geplänkel der Vortruppen begrüsste die ersten
Strahlen der Sonne, sie beleuchteten das auf den Knieen liegende
Regiment , welchem im Sinne des Reglements , sein Feldpater
Franziskus Bu ekler die General - Absolution ertheilte.
Das Ofliziers-Korps bestand am Tage der Schlacht aus:
Obrist Karl Mohr von W a 1 d t.
Obristlieutenant Karl Graf Kallenberg.
Obristwachtmeister Johann Graf Soro.
Kaplan Franziskus B u c k I c r.
Chirargns ficorg Hirsch.
Wachtmeister-Lieutenant Melchior S e h ü 1 1 e r.
a
o
Ui
i
s
|
9
33
Hauptmann
Lieutenant
Fähnrich
Kapitän-
Ober-
Unter-
Ferd.Br.Haack
Thomas Albert
Maximilian V.
Zorozansky
Dan.de Polastre
Paul de
Montignoni
Wilhelm Br.
Truchscs
Peter v. Mayer
Peter Mocbne
KonstantinRoth
Georg Br.
Lestwitz
Karl Gr. Artz
Hannibal de
Carasco
Josef Br. Stael
Karl Br.
Frakstein
Vinoenz Birago' Peter de
d'Aspremont Zamboni
Ferd. t. Hövel
Johann Maroth
de Montiqui
Erasmus de
Polastre
Christ. d'Altrop
Amadeus
d'Almann
Karl v. Hörle
Frz. deVarenna
Johann Hervay
Karl Leuthner
110
175«— 17««.
§
Hauptmann
Lieutenant
Fähnrich
Kapitän-
Ober-
Unter-
Andr. de (iusio
_
JoIj. Gr. Artz
Karl Wolff
Karl v. Hörle
r rz. v. öcnmiiii
Josef dn Mohris
Lovina! de
Kanne
Maximilian
r.r. Thürbeim
-
Maximilian Br
Friedrich von
Josef Br.
.Ins (ir Snrptti
i
u
Hautzenberg
Schindel
Wilsdorf
o
"S
Sylvester von
Franz Baron
Clemens Br.
Karl
M
m
Kl von ich
Wilsdorf
Kleist
v. Claudenburß
5
Karl v. Bonn
Josef <ir. Soro
Rupert ile Mae-
AtTri
Barou Sobek
Joh. Chevalier
de Quanno
Fried, v. Thain
Anton Br.
Manndorff
Karl de <insio
Wilhelm Br.
Kosenberg
Ilannibal de
Spurlati
Nikolaus Bohr
Um 6 Uhr morgens zeigten sich die Spitzen der auf der
Hauptstrasse gegen Kolin vorrückenden preussischen Kolonnen dies-
seits von Planian. Um 8 Uhr hatte ihre Vorhut das Wirthshaus
„zur goldenen Sonne* orreicht; der König liess halten, die getrennten
Kolonnen anschliessen, rechts aufschwenkeu und ungefähr 300 Schritte
vorrücken.
F. - M. Dan n, der mit seiner Begleitung angesessen war,
sah von dorn Kamhajeker Berge dem Marsche der preussischen
Kolonnen zu; nicht die mindeste Bewegung seines Gegners konnte
ihm entgehen. Als das preussische Heer von der Strasse vor-
rückte, glaubte Daun, dass der König einen Angriff auf seine
Mitte beabsichtige, und liess zwei Brigaden der Division Wied
hinter der Mitte der Armee in dritter Linie aufmarschiren. Die
Armee selbst stand unbeweglich. Erwartungsvolle Stille herrschte
längs der ganzen Schlachtlinie. Die Truppen ruheten, das Gewehr
in der Hand, Jeder auf seiner Stelle, jeden Augenblick bereit,
den Feind zu empfangen. Ruhig, gefasst und frohen Muthes sahen
die österreichischen Krieger den Ereignissen entgegen, die sich vor
ihren Augen entwickelten.
Als der König durch zwei Stunden die unerschütterliche Ruhe
seines Gegners sattsam betrachtet hatte, liess er seine Treffen in
die ursprüngliche Stellung zurückgehen und versuchte einige Schein-
Digitized by Google
17.16 1763
117
bewegungen. Weil aber auch diese Versuche keinen Erfolg zeigten,
beschloss endlich Friedrich die Offensive, hiebei den rechten
Flügel der Oesterreicher zu umgehen und in schräger Linie mit
versagtem rechten Flögel anzugreifen. Um J/,l Uhr setzten sich
die Preussen in der Richtung gegen Koliu in Bewegung und bald
hatte sich ein Reitergefecht in der Gegend von Krechof entsponnen.
Daun hatte diesen Ort, welcher den äussersten rechten Flögel
bildete, durch Kroaten und einige reguläre Infanterie besetzen lassen,
und ertheilte nun der Division Wied den Befehl, im Geschwind-
schritt gegen Krechof zu eilen, um dort zum Schutze des rechten
Flügels eine Flanke zu bilden. Zu derselben Zeit marschirten beide
Treffen der Armee rechts ab und rückten in gleiche Höhe mit den
Preussen in der Richtung gegen Krechof.
Es war '/j2 Uhr, als die Division Wied, sich mit dem rechten
Flügel an ein Wäldchen gelehnt, Krechof vor der Front, als Flanke
aufgestellt hatte ; die rechts abmarschirte Armee setzte indessen ihre
Bewegung fort, und als sie mit ihrem rechten Flügel, an den linken
der Division Wied stiess, schwenkte sie auf.
Das feindliche Heer war um diese Zeit mit seiner Spitze
gegenüber von Krechof angekommen : General Hülsen rückte sofort
gegen diesen Ort, nahm ihn im ersten ungestümen Anlaufe und
eroberte eine Batterie. Die in Krechof gestandenen Abtheilungen
zogen sich in das hinter diesem Orte gelegene Wäldchen und
Hülsen wollte zum weiteren Augriffe schreiten, als er die Division
Wied vor sich sah. Daun, durch Hülseu's Erfolge um die eigene
rechte Flanke besorgt gemacht, disponirte jetzt zu ihrer Unter-
stützung die Division Starhemberg, wodurch diese als zweite Linie
hinter die Division Wied zu stehen kam. Auch die Infanterie -Divi-
sion Sincere vom linken Flügel, dabei das Regiment, erhielt Befehl,
sich rechts zu ziehen und dem rechten Flügel des ersten Treffens
(Kavallerie-Division Benedikt Daun) als Rückhalt zu dienen.
Friedrich war aulgeschwenkt und bald rückten seine Ba-
taillons gegen die österreichische Stellung; es war 2 Uhr, als in
ganzer Ausdehnung die mörderische Schlacht begann. Der liuke
Flügel der Preussen (ihr rechter blieb noch versagt) rückte zum
Angriffe der hinter Brzistwye stehenden Oesterreicher mit ganzer
Front vor. Nun fing das zahlreiche, gut bediente und vortheilhaft
gestellte Geschütz der Oesterreicher zu spielen an. Das preussische
118
1750- 1703.
antwortete, doch mit geringerem Erfolg. Nachdem die Preussen
einige hundert Schritte vorgerückt waren, liess sie der König etwas
links ziehen, um sich der österreichischen rechten Flanke zu nähern.
Das Geschützfeuer der Oesterreicher, riess während dieser Bewegung
ganze Reihen nieder, so dass der König gcnöthigt war, um die
dadurch entstandenen grossen Lücken auszufüllen, vier Bataillons
aus dem zweiten, in's erste Treffen rücken zu lassen.
Trotzdem rückte die preussische Infanterie im heftigsten Kar-
tätschenfeuer mit grösster Entschlossenheit vorwärts, und stiess
zuerst auf die im ersten Treffen auf den Anhöhen südlich Brzistwye
stehende Reiterei des F.-M.-Lt. Benedikt Daun. Diese schwenkte
plötzlich mit Eskadronen ab, und durch die auf diese Art ent-
standenen Zwischenräume brachen die rückwärts aufgestellten In-
fanterie-Regimenter Teutschraeister, Baaden und Botta vor. Statt
einer Kavallerie-Front erblickte der Feind eine Linie Fussvolk, die
ihm ein mörderisches Feuer entgegen schickte und ihn die Anhöhe
hinabwarf.
Indessen kamen die preussischen Bataillone stufenweise, eines
nach dem anderen, wie es ihre schräge Schlachtlinie gestattete, zum
Angriff gegen die Regimenter Erzherzog Karl Nr. 2, Moltke Nr. 13
und Puebla Nr. 23 der Division Marschall, welche neben der Divi-
sion Sincere aufmarschirt waren. Auch die früher zurückgeworfenen
preussischen Bataillone gingen wieder zum Angriffe vor, wurden aber
abermals zurückgeschlagen. Hiebei hatte sich Major Graf Soro,
welcher mit den zwei Grenadier -Kompagnien des Regiments, nebst
zwei anderon, die Flanke der Stellung zu beschützen hatte, besonders
ausgezeichnet, indem er, obschon anfänglich durch den Schenkel ge-
schossen und im nämlichen Fusse blessirt wurde, doch noch zwei
Stunden bei der Truppe aushielt, und während dieser Zeit, so oft
der Feind angriff, sich in seine Flanke warf und ihn jedesmal mit
Verlust zurücktrieb, bis er endlich durch den bedeutenden Blut-
verlust ohnmächtig aus dem Gefechte getragen werden musste.
Siebenmal wurde der feindliche Angriff zurückgeschlagen. Das
Regiment hatte seinen Obristen, sämmtliche Offiziere und sehr viele
Mannschaft verloren und sich ganz verschossen. Der Moment war
äusserst kritisch; da erschien der tapfere Major Graf Soro, welcher
auf dem Verbandplatz von zurückgebrachten Verwundeten die Lage
des Regiments erfahren hatte, stellte die Ordnung her und führte
Digitized by Google
lKfr-1911.
119
das Regiment mit gefälltem Bajonnet dem Feinde entgegen. Auch
Obrist Först Kinsky mit dem Regiment Botta that ein Gleiches
und warf vereint mit den Tentschmeistern den Feind die Höhen
hinab. Dem heldenmflthigen Major Graf Soro zerschmetterte bei
dieser Gelegenheit eine Kanonenkugel den rechten Fuss.
Nach diesem brillanten Angriff nahm das Regiment seine
frühere Stellung wieder ein.
Während die Oesterreicher hier entschieden Sieger blieben,
war die Division Wied auf dem äussersten rechten Flügel, gegen
die aus Krechof ungestüm vorstürmenden preussischen Generale
Hülsen und Seidlitz minder glücklich, so zwar, dass die Division
in Unordnung gerieth und sich zur Flucht wendete.
In Folge dessen war die rechte Flanke der Division Sincere
entblösst, daher die Regimenter dieser Division, daninter auch
Teutschmeister mit dem dritten und vierten Gliede gegen den Feind
rechtsum machten und das Feuer nach rückwärts eröffneten. Aber
rasch eilten zwei sächsische Chevauilegers - Regimenter und das
österreichische Dragoner -Regiment de Ligne herbei, hieben mit
ausserordentlicher Entschlossenheit ein und brachten den Feind zum
Stehen. Nun rückten bald die übrigen österreichischen Kavallerie-
Regimenter heran, fielen die l'reussen von allen Seiten an und
warfen ihre Kavallerie zurück. Die Division Wied hatte sich während
dieser Zeit wieder gesammelt und bezog im Sturmschritt ihre vorige
Stellung. Die österreichische Reiterei griff nun die preussische
Infanterie an, und in einem Augenblick waren vierzehn Bataillone
theils zusammengehauen und gefangen, theils zersprengt.
Es war schon Abend, als F.-M.-Lt. Sincere mit vier
Bataillons, darunter eines von Teutschmeister, alleu Grenadier-
Kompagnien und einigen Dragoner - Eskadronen bei der Flanke an-
langte. Was vom Feinde noch Stand hielt, ward von diesen Truppen
zerstreut. Schrecken und Verwirrung wurden beim Feinde nun
allgemein. Der geschlagene linke Flügel überliess sich der Flucht
und würde von der kaiserlichen Reiterei vollkommen aufgeriebeu
worden sein, wenn nicht die Aufmerksamkeit derselben, durch
Ziethens standhaftes Ausharren auf dem Schlachtfelde gefesselt
worden wäre.
Mit Einbruch der Nacht hatte die Armee Oesterreichs einen
ihrer glorreichsten Tage vollbracht. Die Preussen retirirten auf
120
1JÖ6-17U3.
Nimburg, die Oesterreicher blieben auf dem mit Todten und Ver-
wundeten bedeckten Schlachtfelde. Der erfochtene Sieg belebte alle
Gemüther. Im masslosen Jubel entstand bei einem Bataillon des
rechten Flügels ein Laufteuer, dasselbe durchlief ohne Kommando
das ganze erste Treffen und weil dies mit scharf geladenen Ge-
wehren geschah, hatte es zur Folge, dass einige aus der Suite des
Feldmarschalls, der eben vor der Fronte hielt, verwundet wurden.
Aber nicht allein das siegreiche Heer jubelte ; das ganze Volk Oester-
reichs fühlte sich gehoben und mit ihm seine erhabene Monarchin.
Diese schrieb an Daun: „ — es ist Euch am Besten be-
gannt, wie viel Zuneigung für Mein ge9ammtes Militare trage und
„wie bey jedem widrigen Ausschlag eines Treffens nicht nur der
„ Meinem Dienste zugehende Nachtheil, sondern insbesondere Vor-
stellung Mir zu Gemüthe dringe, dass die Ehre Meiner Waffen
»vermindert werde und ihr vorhiniges Ansehen verliere. Allein nun-
„mehro geniesse Ich eines gedoppelten Vergnügens, nachdem nebst
„denen mit Zuverlässigkeit zu hoffen stehenden erspriesslichen Folgen,
„zugleich Meine brave Armee den Ruhm der Hertzhaftigkeit neuer-
„dings erfochten hat. Ihr habt solches in Meinem Nahmen der gantzen
„Armee bekannt zu machen und zu versichern, dass ihren ruhm-
vollen Betrag mit allem Danke erkenne u. B. w."
Das Regiment hat sich bei Kolin eines der schönsten Blätter
in seine Geschichte geschrieben ; die tapferen Thaten Einzelner sind
der Vergessenheit anheim gefallen. Das Regiment hatte furchtbar
gelitten; es zählte unter allen Regimentern der Armee den bei
weitem grössteu Verlust. Todt blieben: Hauptmann Andreas de Gusio,
Karl v. B o n u, Oberlieutenant Friedrich v. Schind e 1, Lieutenant
Anton Baron Manndorf f. < »brist Karl Mohr v. W a 1 d t und
Oberlieutenant Josef (traf Soro erlagen den folgenden Tag ihren
Wunden ; der Obrist wurde, nachdem ihn der Feldkaplan B u c k 1 e r
mit den heil. Sterbesakramenten versehen hatte (Todten - Matrikel zu
Swoyssie) in der Kirche zu Wodrad, Graf Soro in der Kloster-
kirche zu Zasmuk begraben. Gleich beim Eingange in diese Kirche
ist ein mit dem gräflichen Wappen versehener Grabstein, welcher
die Inschrift enthält: „Anno 17r>7, Die 25. Junii in conflictu ad
Chocemitz vulneratus vitam fiuivit: Illustrissimus Dominus, Dominus
Josephus, Bruno, Nareissus Coraes de Soro incliti Regiminis
Teutonia Laidnamiiis, llic Scpultns Requi<'scit."
Digitized by Google
1750- K«3.
121
Die fehlerhafte Aufschrift sagt Laidnancius, was wohl mit
Locumtenens zu Obersetzen gewesen wäre, auch war Josef Graf
Soro bereits seit 1752 Oberlieutenant.
Von der Mannschaft blieben 150 Mann todt. Verwundet wurden :
Obristwachtmeister Johann Graf Soro, welchem den folgenden Tag
noch auf dem Schlachtfelde der Fuss amputirt wurde; Grenadier-
Hauptmann Daniel de Polastre und Ferdinand Baron Haack,
Hauptmann Karl v. Hörle, Franz y. Schmidt, Maximilian Baron
Hautzenberg, Johann Chevalier de Quanne, Wilhelm Baron
Rosenberg, Kapitän-Lieutenant Vincenz Biragod'Aspremont,
Karl Graf Artz, Peter v. Mayer, Oberlieutenant Peter Mochne,
Hannibal de Carasco, Erasmus de Polastre, Franz de Varenua,
Johann Graf Artz (erlag am 2. November zu Kuttenberg seiner
Wunde), Hannibal de Spurlati, Paul de Montignoni, Thomas
Albert, Lieutenant Constantin Roth, Josef Baron Stael, Fer-
dinand v. Hövel, Christian d' A 1 1 r o p p, Wilhelm Baron T r u c h s e s,
Maximilian v. Zorozansky; Fähnrich Karl Leuthner und
Baron S ob eck; vom Feldwebel an 230 Mann; unwissend verloren
80 Manu; mithin der Total - Verlust : 1 Obrist, 1 Major, 9 Haupt-
leute, 3 Kapitän - Lieutenants , 10 Ober-, 7 Unter - Lieutenants,
2 Fähnriche, 33 Offiziere und 400 Mann. Die Grenadiere hatten alle
Offiziere verloren.
Um dem Siege bei Kolin ein bleibendes Andenken zu geben,
w urde der Militär - Maria - Thercsien - Orden, dessen Stiftung schon
früher beschlossen war, in's Leben gerufen und der 18. Juni 1757
als Stillungstag bestimmt. Am Schlüsse des Allerhöchsten Kabinet-
schreibons an Feldmarschall Daun bezüglich der Stiftung finden
sich folgende eigenhändige Zeilen der Kaiserin: „Ihr habt Euere
.Ordensprobe vor den Augen der ganzen Armee schon abgelegt, Ihr
«seid also als der erste Grosskreuz aufgenommen.*
Auch das Regiment zählt mit gerechtem Stolze seinen ersten
Maria Theresien - Ritter aus der Schlacht bei Kolin. Dies ist der
Major Johann Graf Soro, welchem in der dritten Promotion vom
4. Dezember 1758 für seine bei Kolin bewiesene Tapferkeit von
dem Ordeiis- Kapitel das Kleinkreuz zuerkannt wurde.
Um die Allerhöchste Zufriedenheit mit der Armee weiters zu
bethätigen, bewilligte die Kaiserin besondere Gratifikationen im Gelde.
Das Regiment erhielt laut Original - Verthciler 0203 fl. 17 kr.; den
122
1750-1708.
verwundeten Offizieren und Soldaten wurde ein doppelter Monatssold
ausgezahlt und den Offizieren die verlorenen Pferde ersetzt.
Der grossen Verluste wegen formirte das Regiment nach der
Schiacht nur ein Bataillon und eine Grenadier - Kompagnie. Diese
Formations - Aenderung bewirkte man im Lager bei Krychnau, wohin
das Regiment am Tage nach der Schlacht den Truppen Daun's
gefolgt war. In der Swoyssicer Kirche wohnte am 20. Feldmarschall
Graf Daun mit der ganzen Generalität einem solennen Hochamte
und Te Deum bei, während gleichzeitig auf den nahen, nördlich der
Kirche und der Schäferei Rauzow gelegenen Feldern, vor einem
Kapellen - Zelte unter Paradirung sämmtlicher Truppen dieselbe
Feierlichkeit stattfand. Zum Schlüsse derselben erschallten die
Trommeln und Pfeifen, die Feldmusik ertönte und die sämmtlichen
142 Geschütze und das Kleingewehr wurden dreimal abgefeuert.
In bisheriger Ordre de bataille waren die Regiments - Ab-
theilungen auch am 21. bei Krychnau geblieben, wo mit Generals-
Befehl vom 20. der Obristlieuteuant Franz Graf Kallenberg als
Obrister statt dem auf dem Felde der Ehre gebliebenen Obrist von
Mohr dem Regiment vorgestellt wurde.
Obrist und teutscher Ordeusritter Karl Mohr von Waldt
wurde 1721 zu Luxemburg in den Niederlanden geboren, trat am
31. Jänner 1741 als Fähnrich heim Regiment in die Reihen der
Armee, avancirte 1744 zum Greuadier- Lieutenant, 1. Juni 1740
zum Hauptmann, 1. Februar 1750 zum Major, 29. August 1753
zum Obristlieutenant und am 3. Februar 1 7513 zum Obrist -Regi-
ments - Kommandanten. Bei der standhaften Vertheidigung der An-
höhe hinter Brzistwye wurde er schwer verwundet und starb den
folgenden Tag in den Armen des braven Feld -Paters und deutschen
Ordens - Priesters B u c k 1 e r.
Am 22. folgte das Regiment der Armee nach Schwarzkosteletz,
dann über Skworec am 20. nach Kolodeg. Der Sieg bei Kolin
befreite Prag; das eingeschlossene Heer überfiel am 20. die ab-
ziehenden Preussen, verliess am 24. Prag und vereinigte sich am 29.
bei Kolodeg mit den Truppen Daun's.
Die Preussen waren allenthalben im Rückzüge; die bei Kolin
geschlagenen Truppen gingen unter Prinz Bevern nach dem Bunz-
lauer Kreise, wendeten sich aber, weil eine russische Armee von
Polen im Anmärsche war, gegen die Lausitz ; die vor Prag gestandenen
Digitized by Google
17ÖU -17U3.
123
preussischen Truppen, zu welchen sich der König hegab, zogen, um
Sachsen zu decken, nach Leitmeritz.
Den gegen die Lausitz ziehenden Gegner verfolgend, überschritt
die vereinigte k. k. Armee am 1. Juli bei Celakowitz oberhalb
Brandeis die Elbe; die Regiments - Abtheilangen waren beim Gros
der Armee und standen am 4. bei Benatek, 6. bei Kosmanos,
7. Münchengrätz, 13. Hühnerwasser, 14. Niemes.
Prinz Bevern hatte die Lausitz erreicht; Gabel war von
einigen preussischen Bataillonen besetzt geblieben. F.-M.-Lt. Mac-
quire sollte sich Gabeis hemächtigeu uud es wurden ihm hiezu
zwölf Grenadier- Kompagnien, wobei jene des Regiments, dann
1500 Kommaudirte, zur Verfügung gestellt.
Am 13. Juli erschien Macquire vor Gabel; der Tag war
vorgerückt, und so begann erst am nächsteu Morgen die Beschiessung.
Nicht zahlreich und leicht im Kaliber konnten die Kanonen M a c-
quire's keine besonderen Resultate erzielen; nichtsdestoweniger
schritt man gegen Abend zum Sturm. Die Grenadiere des Regiments,
gehoben durch die allgemeine Anerkennung ihrer tapferen Haltung
bei Kolin, gingen mit Bruvour in\s Feuer, öffneten das äussere
Thor, konnten aber wegen der Mauer nicht weiter vordringen. Auch
die übrigen Truppen waren bis an die Mauern gelangt, als das
weitere Vorrücken allgemein eingestellt und der Rückzug anbefohlen
wurde. Tags darauf kam der Herzog von A r h e m b e rg mit schwerem
Geschütz; bald war ein Theil der Umfassungsmauer niedergeschmettert,
worauf die preussische Besatzung unter G. -M. v. Putkammer,
2 Grenadier-, 2 Füsilier -Bataillons und 1 Escadron Huszaren sich
kriegsgefaugen ergab.
Der Verlust der Grenadiere bestand in 2 Todten und 5 Ver-
wundeten.
Macquire sagt in seiner Relation: „Ich kann mich nicht
.enthalten, meinem gerammten Corps das rühmliche Lob beizulegen,
.dass ein Jeder sich beeyfert, Alles dasjenige beizutragen, was dem
.allerhöchsten Dienste zu Nutzen und Vorschub gereichen könne."
Nach dem glücklichen Unternehmen auf Gabel rückte die
k. k. Armee näher an die Lausitz und stand am 21. Juli vor der
mit starker Besatzung versehenen Stadt Zittau. F.-M.-Lt. Mac-
quire forderte die Stadt zur Uebergabc auf; der preussische
G.-Lt. Graf Sch mettau schlug diese ab, worauf F.-Z.-M. Kheul
124
1756-1763.
mit der Forcirung der Stadt beauftragt wurde. Am 23. begann die
Beschiessung; bald stand Zittau an mehreren Punkten in Flammen
und G.-M. Buttler unternahm mit beiläufig 1000 Mann den Angriff.
Er drang beim Frauenthore in die Stadt, von wo zwar der grössere
Theil der Besatzung noch in der vorhergegangenen Nacht abgezogen
war, die zurückgebliebene kleine Garnison unter Pionnier - Obrist
Dierke aber sich in den mit Rauch erfüllten Güssen todesmuthig
vertheidigte. Wacker wehrten sich die Preussen, aber sie unterlagen ;
ein Theil fiel; viele durch brennendes Gebälke in ihrem Rückzüge
aufgehalten, wurden gefangen und ehe sirh der Tag neigte, war das
blühende Zittau ein Schutthaufen. Das Regiment hatte keinen Ver-
lust erlitten.
Herzog Bevern zog nun mit seinem 40.000 Mann starken
Heere nach Bauzen, die k. k. Armee — 90.000 Mann — blieb bei
Zittau. Um Bevern Luft zu machen, eilte der König mit 20.000
Mann von Leitmeritz herbei und vereinigte sich am 29. mit diesem
Korps. Nach dieser Vereinigung setzte sich die preussische Armee
am 20. Juli wieder gegen Görlitz in Marsch und rückte den
2. August bis Wrissenberg. Bei allen diesen Hin- und Hermärschen
wurde die preussische Armee von leichten österreichischen Truppen
lebhaft verfolgt, welche viele Bagagen, alle Pontons eroberten, auch
sonst ihr bedeutenden Schaden zufügten. In Böhmen war der
preussische F.-M. Keith mit 10.000 Mann zurückgeblieben; sobald
aber die Magazine nach Sachsen gebracht waren, rückte er am
29. Juli bis Nollendorf und dann nach Pirna. Die leichten öster-
reichischen Truppen folgten ihm nach. Den 12. August brach
Friedrich II. von Wrissenberg auf und rückte bis Bernstädtel.
Die k. k. Vortruppen verliesscn Görlitz und der König rückte mit
der Avantgarde am 16. bis auf einen Stückschuss vor das öster-
reichische Lager. Den folgenden Tag schickte er den G.-Lt.
von Winter fei d über die Neisse, um zu versuchen, ob die Oester-
reicher auf dem rechteu Flügel mit Vortheil anzugreifen seien.
Winterfeld Hess das im Thale liegende Dorf Wittgendorf mit
überlegenen Kräften angreifen. Die Preussen erstürmten den Ort.
Nun wurden Kommandirte verschiedener Regimenter, darunter Haupt-
mann Franz von Schmidt und Oberlieutenaut Peter de Zamboni
mit 200 Mann des Regiments aus der Stellung der Armee abge-
sendet, um den Ort wieder zu nehmen. Trotz dem heftigsten feind-
Digitized by Google
17.i« 1763.
125
liehen Feuer gingen diese Braven mit wahrer Todesverachtung
vorwärts, erstürmten den Ort und warfen die Feinde hinaus. Leider
waren beide obgenannte Offiziere, welche der Mannschaft mit dem
schönsten Beispiele der Tapferkeit vorangeleuchtet hatten, todt auf
dem Felde der Ehre gehlieben; ausserdem hatte das Regiments-
Detachcment 22 Todte und 47 Verwundete vom Feldwebel abwärts.
Winterfeld fand die Stellung der kaiserlichen Armee zu
vortheilhaft, um hier durchzudringen und zog sich zur Armee des
Königs zurück, worauf dieser am 20. wieder nach Bernstädtel auf-
brach und, nachdem er den General Grumko w mit einem Korps
nach Schlesien gesendet und den Prinzen von Bevern mit dem
grössten Theil der Armee in der Lausitz gelassen, am 25. August
mit dem (Ihrigen Theile seiner Armee über Dresden in das Innere
Sachsens marschirte.
Bevern blieb dem österreichischen Heere gegenüber bei
Bernstädtel unangefochten bis 31. August stehen. An diesem Tage
zog Bevern gegen Görlitz und als in Folge dessen das k. k. Heer
zwischen Bernstädtel und Leuba rflckte, folgten die Regiments-
Abtheilungen dieser Bewegung. Am 7. September erfochten die
kaiserlichen Truppen einen Sieg auf dem Holzbergo in der Nähe
von Moys, bei welcher Gelegenheit das Regiment nicht in's Feuer
kam. Herzog von Bevern zog nach dieser Schlappe gegen Breslau,
ihm folgte das k. k. Heer. In dieser Bewegung kam das Regiment
am 10. September nach Pfaffenhofen, 13. Löwenberg, 16. Ludwigs-
dorf, 18. und 10. bei .Tauer, 25. Hochkirchen, 30. Lampersdorf, über-
schritt am 1. Oktober das Schweidnitzer Wasser und lagerte zwischen
Goldschmiede und Stabelwitz, unweit Breslau. Die Grenadier-Kom-
pagnien wurden am 3. Oktober zu dem vom F.-M.-Lt. Sprecher
kommandirten Grenadier - Korps eingetheilt. Beide Armeen hatten
bei Breslau günstige Stellungen und standen sich fast zwei Monate
unthätig gegenüber.
Ihre Majestät die Kaiserin hatte mit Allerhöchster Ent-
schliessung vom 24. August den Obristwachtmeister Johann Graf
S o r o in Anerkennung seiner hervorragenden Tapferkeit bei Kolin
zum zweiten Obristlieutenant und in seine Stelle den Grenadier-
Hauptmann Ferdinand Baron H a a c k zum Obristwachtmeister be-
fördert; femer mit letztem Oktober den Hauptmann Gottlieb
Baron Schwarzenau mit Beibehalt der ganzen Hauptmanns-
126
1756-1768.
gage jubilirt. Graf Soro versah nun mit einem hölzernen Stelzfuss
den Dienst beim Regiment.
Das in Esseg stationirte Bataillon des Regiments war am
10. Juli von dort aufgebrochen, hatte am Durchmarsche in Wien
249 ober- und 81 niederösterreichische landständische Rekraten erhalten
und rückte nach Brünn. Lieutenant Schuppe brachte am 29. Sep-
tember 90 Manu zum Regiment.
Während die k. k. Armee im Lager bei Breslau stand, wurde
österreichischerseits die wichtige Festung Schweidnitz belagert.
G. d. K. Graf N a d a 8 d y war mit dieser Belagerung betraut und
sein bisheriges Korps durch Kommandirte verschiedener Regimenter
der Hanptarraee (vom Regiment die Hauptleute de Q u a n n e und
S p u r 1 a ti, Oberlieutenant de P o 1 a s t r e und 300 Mann) die unter
dem Befehl des Herzogs v. Arhemberg 15 Bataillone bildeten,
dann mit einigen kleinen Korps verstärkt.
Am 14. Oktober begann die engere Einschliessung der Festung.
Die Laufgräben wurden in der Nacht vom 20. auf den 27. Oktober
eröffnet. Bis zum 10. November waren 21 Batterien fertig, das
Bögendorfer Thor eingeschlossen und der Feind zur Uebergabe auf-
gefordert. Als diese abgeschlagen wurde, ward das Feuer verdoppelt,
am 11. November zwischen 10 und 11 Uhr abends der Sturm auf
drei Forts unternommen und diese trotz der tapfersten Gegenwehr
des Feindes um 2 Uhr nach Mitternacht eingenommen. Am folgen-
den Tage 4 Uhr früh verlangte der Festungs - Kommandant General
Loth v. S e r s zu kapituliren und so fielen 4 Generale, 2 Obristen,
4 Obristlieutenants, 14 Majors, 30 Hauptleute, 143 subalterne
Offiziere und 6217 Mann in österreichische Kriegsgefangenschaft.
Nach der Eroberung von Schweidnitz, wohin sofort eine aus
Kommandirten zusammengesetzte Besatzung verlegt wurde, rückte das
Korps Nädasdy zur Hauptarmee. Das Kommando des Regiments kam
während dieses Marsches am 18. November nach Marxdorf, am 19.
nach Klettendorf bei Breslau, wo es dann beim Regiment einrückte.
Hier war die Nachricht eingelangt, dass der tapfere Oberlieutenant
Johann Graf Artz am 2. zu Kuttenberg seiner bei Kolin erhaltenen
Wunde erlegen sei, was im Regiment« gerechtes Bedauern über
den Verlust eines so ausgezeichneten Offiziers hervorrief.
Verstärkt durch die Trappen Nadasdy's beschloss Prinz Karl
von Lothringen die Preussen anzugreifen; er wollte an der Oder
Digitized by Google
127
festen Fuss fassen, um die Winterquartiere, welche die vorgerückte
Jahreszeit zu nehmen gebot, gesichert zu sehen.
Die Preussen, vom Prinzen Bevern befehligt, standen vor
Breslau in einem stark verschanzten Lager. Ihr rechter Flügel
lehnte sich an die Oder, wo das stark verschanzte Dorf Pilsnitz die
Stellung verstärkte und ihre Front war durch die verschanzten
Dörfer Schmiedefeld, Huschen, Klein - Mochbern und Gräbschen
gedeckt. Vor diesen Durfern ergiesst sich die sumpfige Lohe in die
Oder und hinter deuselben bildeten mehrere Feldschanzen eine zweite
Vertheidigungslinie.
Prinz Karl traf die Dispositionen zum Angriffe, indem er die
Armee von Oross-Mochbem bis Operau Stellung nehmen Hess; bei
letzterem Orte schlössen Nädasdy's Truppen an die Armee. Sämmt-
liche Bagage erhielt den Befehl sich hinter dem Schweidnitzerwasser
aufzustellen, den Feldscherern aber waren die Orte angewiesen, wo
sie sich zur Besorgung der Verwundeten aufzuhalten hatten.
Der 22. November 1757, welcher zum Angriffe bestimmt war,
begann mit einem dichten Nebel, trotzdem eröffneten um 9 Uhr
vormittags 4 österreichische Batterien, welche aus 20 halben Kar-
tauneu und ebenso vielen Quartierschlangen bestanden, ihr Feuer
gegen die vom Feinde besetzten Durfer und setzten dieses bis nach
12 Uhr mittags ununterbrochen fort. Inzwischen war der Nebel
ziemlich gefallen, worauf sogleich die Schlagung von sieben Brücken
im Angesichte und im Feuer des Feindes über die Lohe begann,
welche in dreiviertel Stunden fertig waren.
Nun wurde das Zeichen zum allgemeinen Angriffe durch An-
zünden dreier mit Pechkränzen behängten Tannenbäumen bei Operau,
Mochbern und Neukirchen gegeben.
Die k. k. Armee raarschirte über die Brücken und stellte sich
jenseits der Lohe im heftigsten feindlichen Kanonenfeuer in zwei
Treffen auf. Die Grenadiere des Regiments befanden sich im Grenadier-
Korps des F. -M.-Lt. v. Sprecher, welches sogleich den vor-
rückenden Preussen entgegen ging. Nach 1 Uhr begann hier das
Gewehrfeuer und nachdem dieses über eine halbe Stunde gedauert
hatte, mussten die preussischen Regimenter weichen. Die Grenadiere
nahmen das Dorf Gräbschen, sowie eine dahinter gelegene Batterie
und rückten unaufgehalten gegen das Retranchement von Klein-
Mochbern. Gleichwie sich die Grenadiere beim Sturme auf Gräbschen
128
1750-17««.
und Klein - Mochbera henorthaten, ebenso hatte das Regiment durch
seine tapfere Haltung in dieser Schlacht seinen Ruhm von Kolin
wieder glänzend zur Geltung gebracht. Dasselbe war im Korps des
F. - Z. - M. Baron Kheul, Division F.-M.-Lt. Graf Puebla,
Brigade General Marquis d'Aynse gegen Pilsnitz vorgeruckt. Die
Zugange dieses Ortes waren sehr durchschnitten, dessen vorderer
Theil von dem rückwärtigen durch den mit hohen Ufern versehenen
Lehbach getheilt und der Ein- und Ausgang durch Redouten ver-
stärkt. Die engen Defik'en, starken Verschanzungen und des Feindes
tapferer Widerstand, kosteten viele Zeit, Aufopferung und Leute.
Dreimal wurde das Dorf erstürmt und dreimal mussto es wieder
verlassen werden, jedoch war die Tapferkeit der hier kämpfenden
österreichischen Regimenter viel zu gross um von dem begonnenen
Werk abzustehen. Obgleich es schon 7*c Uhr, mithin dunkel war,
unternahmen sie noch einen vierten Angriff mit solcher Kühnheit
und unwiderstehlicher Tapferkeit, dass der Feind endlich nicht nur
den Ort, sondern auch seine Verschanzungen verlassen und die Flucht
ergreifen musste. Vm 7 Uhr abends wehten die kaiserlichen Fahnen
beleuchtet von den Flammen des in Brand aufgegangenen Ortes,
sowohl in diesem, als auf den Redouten.
Obristwachtmeister Baron Haack, welcher das Regiment statt
dem erkrankten Obristen Kallenberg kommandirte, war bei Er-
stfirmung der Brücke verwundet worden, worauf Hauptmann von
Mayer das Kommando übernahm und noch zwei Schanzen mit
0 Kanonen, 1 Haubitze, 1 Mörser und 5 Munitionskarren eroberte.
Lieutenant Karl v. Glau den bürg und 37 Mann blieben todt, die
Hauptleute Johann Chevalier de Quanne, Wilhelm Baron
Rosenberg, Hannibal de Spurlati, die Oberlieutenants Peter
Mochne, Josef de Mohris, Josef Baron Stael, Lieutenant
Constantin Roth, Fähnrich Horetzky und 117 Mann wurden ver-
wundet.
In Folge des Sieges der k. k. Waffen ergab sich Breslau am
25. November.
Prinz Karl von Lothringen erhielt für diesen Sieg das
Grosskreuz des Militär -Maria -Theresien- Ordens und in dem Aller-
höchsten Handschreiben vom 28. November sagte die Kaiserin:
„— — und bin Ich zur werkthätigen Bezeugung Meines über diesen
„Sieg schöpfenden höchsten Vergnügens Meiner dermalen zu Feld
Digitized by Google
1756 1763.
129
.stehenden Armee a lmo- Novembris durch die sechs Wintermonate
.einen doppelten Beytrag gnadigst zu bewilligen, hierob bewogen
.worden.*
Die Niederlage bei Breslau hatte Friedrich II. trotz des am
5. November Ober die Franzosen bei Bossbach erfochtenen glänzen-
den Sieges, in eine missliche Lage gebracht. Schweidnitz und Breslau
waren gefallen, seine Regimenter zersprengt; sein Unterfeldherr
Prinz von Bevern durch einen Kroaten -Posten gefangen genommen;
die Winterquartiere der Oesterreicher in dem reichen Schlesien
gesichert, er selbst fern an der Unstrut. Seine fatale Situation
konnte nur ein entscheidender Sieg an der Oder günstiger gestalten.
Er richtete also seinen Marsch dorthin und legte in der kurzen Frist
von 12 Tagen den Marsch von Leipzig bis an die Oder zurück;
bereits am 28. November stand er bei Parchwitz und schon am
3. Dezember vereinigte er sich mit den Trümmern des bei Breslau
geschlagenen Heeres.
Die österreichische Armee hatte nach der Einnahme Breslau's
dort das verschanzte Lager bezogen und als das Anrücken Fried-
richs bekannt wurde, ging Prinz Karl seinem Feinde entgegen.
Er brach am 4. auf, passirte die Lohe , dann das Schweidnitzer
Wasser und nahm folgende Aufstellung: der rechte Flügel an das
Dorf Nypern, die drei Treffen der Infanterie hinter Frobelwitz gegen
Leuthen; das dritte Treffen war gebildet vom Korps Nädasdy und
dem Reserve - Korps, bei welchem sich das Regiment und dessen
Grenadiere befanden.
Friedrich hatte mittlerweile den Marsch über Neumarkt
vollführt, er lehnte seinen rechten Flügel an Krintsch, seinen linken
an Bischdorf und schob seine Vortruppen bis Borne.
In diesen Stellungen blieben beide Armeen im Laufe der
eisigen Mitternacht vom 4. zum 5. Dezember unter Gewehr und
durch die bisherigen Erfolge gehoben, erwarteten die österreichischen
Völker mit Sieges -Zuversicht den kommenden Tag.
Ehe noch der Morgen graute, rückte das Korps Nädasdy auf
den linken Flügel der Armee nach Sagschütz und postirte sich
derart, dass die k. k. Truppen zunächst an das Zentrum der Armee
anschlössen, während die gleichfalls zu diesem Korps gehörenden
Württemberger und Baiern einen nach rückwärts abgebogenen Haken
bildeten. Gleichzeitig wurde das Reserve - Korps hinter Nädasdy,
9
130 1750-1763.
also hinter der linken Flanke der Armee postirt. Nach Tagesanbruch
begannen die Preussen ein Schein - Manöver, und weil dieses die
Oesterreieher für ihren rechten Flügel besorgt machte, wurde das
Reserve-Korps dorthin disponirt. Es war aber diese Bewegung kaum
ausgeführt, als die Preussen zum Angriffe des linken Flügels schritten.
Der Kampf begann nach der Mittagsstunde und nach einem
heftigen Geschfitzfeucr ruckten die Preussen gegen das Nadasdy'sche
Korps. Die Wflrttemberger, denen der erste Anprall galt, wurden
geworfen und zum Rückzüge genöthigt, wodurch die Flanke durch-
brochen war, und nur, wenn es die Bayern vermocht hätten, die
entstandene Lücke rasch zu schliessen, wäre das Gefecht noch
herzustellen gewesen. Die Bayern mussten aber bald den Württem-
bergern folgen und nun wälzte sich die überlegen«! feindliche Macht
auf die Flanke der österreichischen Bataillone Nädasdy's. Durch das
feindliche Geschützfeuer erschüttert, konnten auch diese Bataillone
der Gewalt der feindlichen Massen nicht lange Stand halten; bald
eilte das ganze Korps in regelloser Flucht bis auf die Höhe hinter
Gross-Gohlau, wo sich dasselbe ordnete. Der österreichische linke
Flügel war entschieden geschlagen; Nädasdy zog sich hinter den
Rathener Busch.
Zu spät disponirte man Verstärkungen vom rechten Flügel ; in
der linken Flanke gefasst und bedroht, aufgerollt zu werden, musste
die österreichische Schlachtlinie unter dem verheerenden feindlichen
Geschützfeuer eine Frontveränderung auf die Mitte links ausführen.
Der Pivot dieser Frontveränderung war Leuthen und .gegen dieses
Dorf richtete der König seine Angriffe. Ein furchtbarer Kampf hatte
sich um Leuthen erhoben, — wo das Regiment zum Schlüsse an-
langte, — und die hohe Tapferkeit, mit der hier die Oesterreicher
fochten, fand selbst in den feindlichen Berichten die vollste Aner-
kennung. Leuthen musste aber trotzdem preisgegeben werden.
F.-M. Graf Daun beorderte das Regiment, die Brücke bei
Lissa zu besetzen, welches, obgleich in Leuthen im heftigsten Kampfe
verwickelt, in guter Ordnung jenen Punkt erreichte, und während
der ganzen Schlacht nur 50 Mann verlor, welche, da ihr Schicksal
ungewiss, als vermisst bezeichnet wurden.
Friedrich glaubte nach der Einnahme von Leuthen die
Schlacht beendet, allein der österreichischen Truppen Zähigkeit
überliess ihm noch lange nicht den Sieg und unmittelbar hinter
Digitized by Google
175G-17B3
131
Leuthen begann der Kampf aufs Neue. Das österreichische Zentrum
hatte nämlich auf dem Windmühlen-Berge Stellung genommen und
dort lichteten österreichische Kartatschen die anrückenden Fronten
der Preussen, die erbittert Ober die beispiellose Zähigkeit ihrer
Gegner, mit allen noch disponiblen Bataillonen und Schwadronen
in den Kampf eilten. Noch blutiger als bei Leuthen war der Kampf
auf dem Windmühlen - Berge, und nochmals schwankte die Waage
des Sieges, besonders als die Kavallerie des noch unerschütterten
rechten Flügels Miene machte, der Mitte zuzueilen. Die preussische
Kavallerie ging der österreichischen entgegen, warf sie auf die hinter
ihr anrückende Infanterie des rechten Flügels imd brachte auch
diese in Unordnung und zum Weichen. Nun überliessen die Oester-
reicher dem Feinde das Schlachtfeld und zogen sich hinter das
Schweidnitzer Wasser zurück, Die Schlacht, welche von 1 bis 5 Uhr
Nachmittag gedauert hatte, war trotz dem Opfermuth und Tapferkeit
der österreichischen Truppen, welche auch in dem Berichte an die
Kaiserin besonders hervorgehoben wurde , für die Oesterreicher
verloren.
Die Armee wurde bei Breslau, wohin auch das Regiment
marschirte, gesammelt, von wo sie von den Preussen lebhaft ver-
folgt, unter Ungeheuern Verlusten, namentlich an Kranken und
Deserteuren (das Regiment verlor mit Ausnahme der Kassa seine
ganze Bagage) über Schweidnitz und Landshut am 18. Dezember
die Grenze Böhmens überschritt. Feldmarschall Daun Übernahm das
Kommando über die Armee.
Während dem Rückzüge wurde die Besatzung von Schweidnitz
kompletirt und hiezu vom Regiment Hauptmann von Hörle, Ober-
lieutenant Karl Wolff, Josef Baron Wilsdorf, Erasmus de
Polastre mit 300 Mann kommandirt, welche am 13. in die
Festimg einrückten.
Die Armee rückte weiter auf Landshut und Trautenau, wo
Hauptmann Graf Artz und Lieutenant de Varenna mit 100 Mann
kommandirt zurückblieben. Das Hauptquartier kam nach König-
grätz, das Regiment bezog Kantonnirungs - Quartiere zu Petschna,
Stubenicz und Prausnitz, dann bald darauf um Königgrätz in den
Orten Nimschorec, Luschec imd Sadowa.
Breslau, von den Preussen eingeschlossen, kapitulirte am
21. Dezember. Die Garnison, sowie alle dort zurückgebliebenen
9*
132
176Ö-1768,
Verwundeten wurden kriegsgefangen; unter Letzteren waren vom
Regimenter Hauptmann Baron Rosenberg und de Quanne,
Oberlieutenant Mochne, de Moh ris, Lieutenant Roth, Fähnrich
Horetzky und 62 Mann.
Die grossen Verluste des abgelaufenen Feldzuges bedingten
ungeheuere Anstrengungen, um das k. k. Heer zu kompletiren. Alle
Provinzen Oesterreichs wetteiferten in Aufbringung ihrer Kontingente.
Das dritte Bataillon, welches sich in Brünn befand, war eifrig
beschäftigt mit Abrichtung der zahlreichen Rekruten, und sendete
mehrere starke Ergänzungs-Transporte zum Regiment, so dass das-
selbe in kurzer Zeit wieder komplet dastand.
Bei jedem Infanterie - Regiment wurde ein zweiter Major und
ein zweiter Wachtmeister-Lieutenant systemisirt, femer die Fähnriche
beim Stabe in Abgang gebracht und jeder Füsilier - Kompagnie
ein Fähnrich, dann ein ITntcrfeldscherer in Stand gegeben. Das Regi-
ment hatte nun systemgemäss aus zwei Grenadier-Kompagnien und
drei Bataillons, jedes zu sechs Kompagnien zu bestehen.
Ihre Majestät die Kaiserin Maria Theresia ertheilte den
Offizieren die Begünstigung, nach 30j ähriger, im Kriege und Frieden
tadelloser Dienstzeit mit dem Degen in der Faust, unentgeltlich in
den Adelsstand erhoben zu werden.
Bei der Mannschaft wurde das Dienstgratiale eingeführt und
befohlen, dass die Obristwachtmeister von den beförderten Offizieren
keine Taxen mehr erheben dürfen.
Mit Allerhöchster Entschliessung vom 16. August 1757 wurde
angeordnet, dass sämmtliche Regimenter durchaus weiss mit rothen
Aufschlägen zu adjustiren und vom 1. November alle Monturssorten
aus der Wiener Legstatt zu empfangen sind. Gleichzeitig wurde
ein Gutachten abverlangt, wie ein Regiment vom andern zu unter-
scheiden sei.
Da die meisten Regimenter im Felde standen, so war dieser
Befehl nicht ausführbar und es erschien am 27. Oktober 1757 mit
Circulare 84/555 die Resolution, dass die Monturen und Offiziers-
üniformen, wie solche gegenwärtig sind, auch die bavaroisses und
Aufschläge von den nämlichen Farben wie jetzt, so lange der Krieg
dauert, — dagegen für die neu zu montirende Mannschaft die
Kamissöler und Unterfutter durchaus weiss, die Knöpfe bei allen
Regimentern durchgehends gelb und in Form gleich zu sein haben.
Digitized by Google
1750-17(53.
133
Gleichzeitig wurde mitgetheilt, dass für Rock, Kamissol, Hosen,
Hemden und Kamaschen das Material verabfolgt werde, die Ver-
fertigung dieser Stücke, ebenso die Beischaffung der Schuhe dem
Regiment überlassen bleibe und dafür der Macherlohn verabreicht
werden wird. Kein Inhaber durfte ferner etwas ändern und hatte
ohne Widerrede oder Gegeneinwendung vom 1. November 1757 alle
Monturssorten aus der Wiener Legstatt zu nehmen. Hier war eine
Kommission von Stabsoffizieren angestellt, welche das Materiale und
die Monturen zu besichtigen und nur Probe- und Mustermassige
anzunehmen hatten.
Hauptmann Sylvester v. Elvenich wurde mit 31. Januar 1758
zum Obristlieutenant bei dem Wiener Monturs - Magazin befördert.
Obristwachtmeister Ferdinand Baron Haack, deutscher Ordens-
ritter, Kommandeur zu Reinersdorf und Kammerherr des Kurfürsten
zu Köln, ist am 17. Februar 1758 zu Luschetz gestorben und
wurde in der dortigen Pfarrkirche begraben.
Grenadier-Hauptmann Franz Baron Neu haus des Regiments
Andlau, wurde am 20. Februar beim Regiment als Obristlieutenant
aggregirt und in die beiden offenen Obrist Wachtmeisters- Stellen mit
25. März der Hauptmann Petrus von Mayer des Regiments als
erster und der Grenadier-Hauptmann Ludwig von Grafforst des
Regiments Botta als zweiter Obristwachtmeister dem Regiment«
vorgestellt.
Laut Eintheilungs-Liste bestand im Jahre 1758 das Offiziers-
Korps aus:
Obrist- und Regiments -Inhaber Clemens August, Kurfürst von Köln,
Hoch- und Teutschmeister.
Obrist-Segiments-Kommandant Franz Karl Graf Kallenberg.
1. Obristlieutenant Johann Christof Freih. Meichsnerv. Alekhofen.
2. „ Johann Graf Soro.
Aggregirter Obristlieutenant Franz Baron Neu haus.
1. Obristwachtmeister Petrus Nikolaus von Mayer.
2. „ Ludwig von Grafforst
Kaplan Johann Gregor.
Quarliermeister Karl Dubiel.
Chirurgus Norbert Fauler.
Proviantmeister Andreas Hahnbaum.
Auditor Franz von Liedelsheimb.
1. Wachtmeister-Lieutenant Kaspar Sartorius.
2. „ Karl 8tialeck.
VVagenmeister Gottfried Hern ig.
Profoss Michael Schweitzer.
134 175«- 17^3.
Kompagnie
Hauptmann
Lieutenant
r «iiHincii
Ober- Unter-
1. Grenadier-
Daniel dePolastre
Martin Kessler
Johann Theodor
2. Grenadier-
Jraul de
Montignoni
Kaspar Schuppe
Josef Weiler
Leib-*
Kapitän-
August. Leuthner
Christ. d'Altropp
Karl Gärtner
Franz Schmid
Obrist-
Kapitän-
Jobann Hervay
Josef Ertel v.
Sean
Wilh. Br. Kerpen
1 .11 A w ! (t i \ a
i j lh i \> » ue
Briedieu
Obristlieutenant-
Kapitän-
Josef Br. Stael
Johann Maroth
de Montiqni
Karl v. Gehren
Felix de ßoveretti
Obristwachtm.-
Kapitän-
Frz. Br. Wilsdorf
Ignaz Kichl
Karl v. Hörle
Franz de Graza
Moehne-
Peter Mochne
Meloh. Schüller
Karl Gr. Traun
L CIC1 VJ l «11
Bernigotti
Hautzcnberg-
Maximilian Br.
Hautzenberg
Franz Wulff
Michael de Onelli
\\ orl 7nrnTf*nclrc
IVall /iUlUtailshj
de Marti nitz
Artz-
Karl Gr. Artz
Konrad Stinkel
AdamFilienbaum
Joh. de Brcvost
Martinutzi-
J. de Martinntzi
Konstantin Both
Johann Neumann
Joacb. deZuchari
Qnanne-
Joh. Chevalier
de Quanne
Josef de Mohlis
Johaun Schmid
Franz Empel
de Cropcn
Bosenberg-
Wilhelm Baron
Bosenberg
August Br. Kleist
Georg Baron
Lestwitz
Franz de Bonne
Spnrlati-
H»n. de Spurlati
Maximilian Graf
Thürheim
Johann Ottenthai
Johann de Lara
Truchseg-
Wilhelm Br.
Trnchses
J»kob Or. Sprettij £™0™
Josef Graf
Auersperg
3. Bataillon in Brünn.
Obristlieuteuant-
Kapitän-
Friedr. Pilgrim
Karl Wulff
Wenzel Hüttiach Jakob Böck
Obristwachtm.-
Vincenz Birago
d'Aspremont
Wilh. v.Frakstein
Josof HelenuR
Michael Eiert
Kaspar Wagner
Johann Mohr v.
Mohrbergu.Soneg
Campen-
Wilh. v. Campen
Karl Leuthner
Anton Birago
d'Aspremont
Moilart-
Joh. Gr. Mollart
Josef v. Kgen
Tbaai-
Friedr. v. Tham
Karl de Gusio
Heinrich Sterhan
Alberth-
Thomas Alberth
Btidolf de Mac-
Affri
Mich. Schumann
Digitized by Google
175«-17«3.
135
Der Feldzug 1758 begann, indem die Preussen die österrei-
chischen Truppen aus der Grafschaft Glatz verdrängten und zur
Belagerung der seit 15. Dezember 1757 eingeschlossenen Festung
Schweidnitz schritten. In der Nacht vom 1. zum 2. April 1758
wurden die Laufgräben eröffnet, in den nächsten Tagen das Bom-
bardement begonnen und bis zum Abend des 10. April war das
Feuer der Belagerten zum Schweigen gebracht. Letzteres ward
zwar in den nächsten Tagen wieder thätig. doch erzielten die
Preussen immer grössere Fortschritte, und erstürmten in der Nacht
vom 15. zum 16. das Galgenfort. Nun folgte die Kapitulation und
am 18. ergab sich die Garnison.
Die in der Festung vom Regiment kommandirten Hauptmann
Hörle, Kapitänlieutenant Baron Wilsdorf, Oberlieutenant Wolff
und Polastre, nebst 205 Mann geriethen dadurch in Kriegs-
gefangenschaft. Die Offiziere wurden Ende 1758 auf Parole entlassen.
Nach dieser Einnahme wendete sich Friedrich gegen
Mähren, in der Absicht Olmütz zu nehmen und solchergestalt Wien
zu bedrohen. F.-M. Daun konzentrirte die k. k. Armee bei Skalic.
Der König setzte seinen Marsch nach Mähren fort und traf
vor Olmütz ein, ehe die k. k. Armee dies zu hindern in Verfassung
gewesen. Als Daun mit der Hauptarmee von Skalic am 3. Mai
aufbrach, stand Friedrich schon in der Ebene von Olmütz.
Dem Marsche der Hauptarmee folgend, stand das Regiment
am 3. Mai mit dem Regiment Nr. 31 bei Woderad, am 4. bei
Chocen und am 5. bei Lcitomischl.
Mittlerweile waren die Preussen zur Belagerung von Olmütz
geschritten ; die k. k. Armee aber blieb bis 23. Mai bei Leitomischl,
wo F.-M. Daun bemüht war, seine zumeist aus ungeübter junger
Mannschaft bestehenden Regimenter kriegstüchtig auszubilden. Die
Grenadiere wurden hier unter F.-M. -Lt. Graf Lacy in Bataillone
zusammengestellt.
Daun hatte beschlossen, erst dann die Offensive zu ergreifen,
wenn der Zustand seiner Armee für einen günstigen Erfolg aus-
reichende Garantie bieten Wörde. Er brach also erst am 23. Mai
nach Zwittau auf, das Grenadier-Korps bildete die Vorhut und in
der zweiten Kolonne, welche von dem ersten Treffen formirt war,
marschirte das Regiment. Am 21. Mai erreichte die Armee Gewitsch.
Hier blieb Daun abermals stehen und erst am 16. Juni rückte er
17«0-17ft8
in vier Kolonnen nach Protiwanow. Das Regiment erreichte nach
höchst beschwerlichem Marsche durch Schluchten und Hohlwege
gegen Abend das neue Lager. Am 17. wurde der Marsch in grösster
Stille fortgesetzt und auf schwierigen Gebirgspfaden das zwischen
Prödlitz und Eywanowitz ausgesteckte Lager erreicht.
Den Preussen begann es bald an Lebensmitteln zu fehlen, die
nächste Umgegend ihres Lagers war ausgesogen und die Zufuhr
durch Thätigkeit der österreichischen Parteigänger erschwert. Auch
an Munition gebrach es dem Belagerungskorps und um den dies-
fälligen Kalamitäten, die täglich energischer auftraten, ein Ende zu
machen, Hess Friedrich einen grossen Nachschub -Transport
von 4000 mit Munition, Proviant, Monturen und Oelde beladene
Wagen unter 10.000 Mann Bedeckung von Neisse und Kosel nach
Mähren in Marsch setzen, dem General Ziethen mit 3000 Mann
entgegengeschickt ward. Daun Hess diesen Transport durch
L o u d o n überfallen, was dieser am 30. .Tum bei Domstadtl sehr
geschickt bewerkstelligte; die Preussen verloren bei 2000 Todte
und Verwundete, 650 Gefangene, 300 Ueberläufer, 1100 Wagen,
7 Kanonen und gegen eine Million Thaler; die erbeuteten Munitions-
wagen wurden in die Luft gesprengt, eine grosse Zahl Fuhrwerke
verbrannt.
Friedrich wurde durch Verlust dieses heiss ersehnten
Transports gezwungen, die Belagerung am 2. Juli aufzuheben und
marschirte nach Böhmen. Dann folgte bedächtig und Hess den
Feind durch die Generale B u c c o w und L o u d o n fortwährend
beunruhigen.
L a c y mit den Grenadieren bildete die Avantgarde der den
Preussen nach Böhmen folgenden Hauptarmee und war einen Tage-
marsch voraus. Am 7. Juli traf L a c y bei Krönau ein, als eben
eine preussische Kolonne, die nach Zwittau im Marsche begrifTen
war, diesen Ort passirte. Ohne einen Mann zu verlieren, wurde
Krönau forcirt, worauf der Feind ausserhalb des Ortes Stellung
nahm, ein heftiges Geschützfeucr eröffnete und gegen Abend zum
Angriffe schritt. Es kam beim Friedhofe zum mörderischen Kampfe,
da hierher der Feind seine heiligsten Angriffe richtete. General
Tilliär, der hier die Verteidigung leitete, wusste den hart-
näckigsten Widerstand zu leisten und nach grossem Verluste brachen
die Preussen bei völlig eingetretener Nacht das Gefecht ab. Die
Digitized by Google
1756-1763.
137
Grenadiere des Regiments, welche im Dorfe aufgestellt waren,
zählten 5 Todte und 9 Verwundete.
Am 12. verfolgte Friedrich seinen Marsch gegen König-
grätz, rückte dann nach Schlesien, überschritt am 4. August die
Grenze, theilte hier sein Heer, Hess einen Theil in Schlesien und
ging am 16. August den Russen entgegen, welche Kflstrin belagerten.
Am 25. August wurde derF.-Z. Prinz v. Baaden-Durlach
mit einem beträchtlichen Korps, bei welchem sich auch das Regiment
mit seinen Grenadieren befand, nach Schönberg gesendet, wo er
sich dergestalt aufstellte, dass er nicht nur die in Schlesien stehen-
den Preussen beobachten, sondern auch die Lausitz und Böhmen
von dieser Seite decken und so die Unternehmungen der Hauptarmee
sichern konnte.
Daun brach am 26. August von Görlitz auf, rückte in Sachsen
ein und nahm eine gute Stellung bei Stolpen. Friedrich siegte
am 25. über die Russen, ging dann in Eilmärschen nach Sachsen
und wendete alle Kunstgriffe an, um Daun zu einer Schlacht zu
bringen; griff zweimal Loudon an, welcher immer mit seiner
gewohnten Vorsicht und Klugheit beinahe ohne Verlust auswich
und neue vorteilhafte Stellungen nahm, während Daun ruhig in
seiner blieb. Das Korps des Prinzen v. Baaden-Durlach rückte
anfangs September nach Löbau, dann am 11. September nach
Wiltcn. Endlich rückte der König, um sich aus seiner zweifelhaften
Lage zu ziehen, gerade auf Bautzen und nun räumte Daun Sachsen,
um nicht von seinen Magazinen bei Zittau abgeschnitten zu werden
und den König an seinem Zuge nach Schlesien zu hindern. Am
5. Oktober trat die Armee ihren Marsch an, während das Korps
des Prinzen Baaden-Durlach sich auf den Anhöhen von Arend-
dorf aufstellte und kam dem König zuvor. Dieser schickte zwar
mehrere Regimenter nach, den Marsch zu beunruhigen; allein sie
fielen bei Butschke in den gelegten Hinterhalt imd verloren dabei
2 Kanonen und 400 Mann.
Daun lagerte sich am 7. Oktober mit der Armee dem Dorfe
Hochkirchen gegenüber, so dass die Stellung alle umliegenden Höhen
beherrschte. Der König langte mit seiner Armee am 10. Oktober
bei diesem Dorfe an, besetzte dasselbe mit dem rechten Flügel sehr
stark und stellte den linken bei Kottitz im Angesicht der Kaiser-
lichen auf.
138 1756- 17«3.
Am 14. Oktober 1758 um 5 Uhr früh überfiel Daun die
Preussen in Hochkirchen und erfocht einen glänzenden Sieg. 101 Ka-
nonen, 70 Munitionswagen, 28 Fahnen, 2 Estandarten, fast das
ganze Lager und der grösste Theil der Bagage waren die Trophäen
dieses in der Geschichte Oesterreichs ruhmreichen Tages.
Nach der Schlacht wurde das Regiment, welches während der-
selben nicht in's Feuer gekommen war, zur Besetzung der von den
Preussen verlassenen Schanzen beordort.
Friedrich retirirte nach Bautzen; die k. k. Armee nickte
am 17. nach Wurschen. wo sich das Korps des F.-Z.-M. Prinzen
v. Baaden-Durlach wieder mit ihr vereinigte. Der König brach
am 25. von Bautzen auf und ging nach Schlesien. Loudon folgte
ihm auf dem Fusse, während die österreichische Hauptarmee sich
nach Sachsen wendete, um Dresden in ihre Gewalt zu bekommen.
Das Regiment wurde am 2G. Oktober mit noch vier Infanterie- und
zwei Kavallerie -Regimentern unter Kommando des F.-Z.-M. Baron
Harsch zur Belagerung von Neisse detachirt, wohin inzwischen
am 9. Oktober Obristlieutenant Baron Meichsner, Hauptmann
v. Campen und Oberlieutonant Helenus mit der erforderlichen
Mannschaft vom 3. Bataillon aus Brünn die Artillerie transportirten.
Als sich der rührige König dem Sachsenlande näherte, verliess
die österreichische Hauptarmee die am 9. November nächst Dresden
genommene Aufstellung und marschirte nach Böhmen, um die
Winterquartiere zu nehmen. Auch die Belagerung der Festung
Neisse wurde zu gleicher Zeit aufgehoben; das Regiment in der
Division des F.-M.-Lt. Baron Beck rückte nach Gabel in Böhmen,
wo es am 2. Dezember anlangte, und in diesem Orte der Stab, die
Grenadiere und die Obrist- Kompagnie, die übrigen Kompagnien in
den nächsten Ortschalten untergebracht wurden. Obristlieutenant
Meichsner war gleichzeitig mit seinem Kommaudo direkt nach
Brünn zum dritten Bataillon eingerückt. Obristwachttneister von
Mayer bezog mit seinem Bataillon sofort die Vorposten bei Zittau,
wo er bis Ende des Jahres stehen blieb.
Im Laufe des hiemit abgeschlossenen Feldzugsjahres wurden
die „Kurzgewührc* der Unteroffiziere abgeschafft. Dem Befehle ist zu
entnehmen, „die Untcroffiziers-Kurzgcwöhre sollen in den Zeughäusern
„abgegeben, dahingegen Feuergewöhre ohne Bajonneter empfangen
„werden. Die Oberoffiziers - Gewöhre sind sich selber anzuschaffen."
Digitized by Google
1756-1708.
139
In diesem Jahre erhielt die k. k. Armee ein neues Verpflegs-
system und dieses enthielt folgende Gebühren:
Für ein Infanterie-Regiment:
Als
•
Jährliche
sammt
Zulage
fl7~7kr7
Brodport.
Tugliehe * & b
Löhnung £ 2 ~ *
fl. I kr. o 2 s
Pferdportion
Obrist Reg -Kommandant Tractament
1
1098
!
Briefporto und Sehreibmat. ■ • •
300
Feuergewöhr-Reparation • • • •
6C0
8900
•
•
•
10
: 11
1410
!>0
1500
8
9
Obristwachtmeister Tractament ■ • •
1134
66
1200
6
•
8
Regiments-Kaplan Tractament • • • •
2i>7
120
Für monatlich 2 Seelenmessen • -
iL'
429
2
•
3
Regiments-Auditor Tractament • . •
411
auf Protokolle, und Kchri'ibiiiittcriiil
54
496
2
4
Reginients-Qnarticruicistir Traetanicut
321
Adjutum sur Abholung der Ver-
pflegsgeldcr und für Kanzlei-Un-
47tj
boo
2
3
Rcgimcnts-Chirurgus Tractament .
324
300
«521
2
:t
Wachtmeisterlientenant Tractament •
207
3«J
246
• *
2
180 .
* 1 •
2
2
180 1 •
. ! 2
■
2
Bataillons-Feldscheer Tiactament ■ ■
156
24
180
*
1
•
156
•
1
Büchsenschiftcr - .
108
* 1
108
324
3
3
Proviantknecht ......
8
•
1
Proviantpferd . . • • • , . .
1
•
•
1
Kapitänlieutenant Tractament • • . -
918
für Papier und Flickerci • • -
86
«J54
• 1
(
6
4
501
für Papier und Flickerei • • • •
3t;
540
3
2
312
:!
*
2%
2
288
• -1
2
2
140
1750-1763
Jährliche
a
I
Als
Gage
sainmt
Zulage
Löhnung
— 02
u
!
■j?
1
■
kr.
1 II. | kr.
EL
Fähndrich .
252
• 1
• 1
•
l
•
1
1
10
l
Von den V, Kreuzer/
DIN der Tambour r,renadier-
•
«V.
l
Trommelfell, LeineJ '-Tambour
Reifen u. Schlegeln I |
selbst anschaffen (l'u8,lier- |
*
*Vt
1
Grenadier-Fourierschütz
7»J
1
Gefreiter
:
1
Grenadier • • •
6
l
Zimmermann
<*
1
Füsilier-Fourierschütz
5
1
Musquetier
5
1
Die glücklichen Kriegsereignisse im Jahre 1758 hatten den
Grossmeister des Maria Theresien - Ordens bestimmt, noch vor
Beendigung des Feldzuges und vor Beziehung der Winterquartiere
ein Ordens - Kapitel einzuberufen. Dieses versammelte sich am 19.
und 20. September im Hanptquartier zu Gieshübel, unter dem
Vorsitze des F.-M. Daun. Das Gutachten des Kapitels wurde am
27. September vom Kaiser bestätigt und die Ernennung der Armee
bekannt gemacht; die feierliche Aufnahme fand im Hauptquartier
zu Prag am 4. Dezember statt, wozu sich auch vom Regiment
der Obristlieutenant Johann Graf Soro eingefunden hatte, welcher
am 9. Februar 1759 zum Obristen und Vize - Kommandanten der
Festung Temesvar ernannt, aus dem Regiment zum allgemeinen
Bedauern schied.
Graf Soro, zu Ofen im Jahre 1730 geboren, hatte, wie be-
kannt, auf dem Schlachtfelde von Kolin durch eine Kanonenkugel
den rechten Fuss verloren. Zu Kriegsdiensten untauglich, leistete
er in seiner Stellung zu Temesvar vorerst bei der Verbesserung der
Landeseinrichtung im Bauate, dann im Turkenkriege wichtige Dienste,
so dass er nach und nach immer weiter befördert, 1788 bereits
Feldmarschall -Lieutenant und Kommandirender im Banate wurde.
Digitized by Googl
1756-1768.
141
1805 zum Feldzeugmeister ernannt, starb Graf Soro zu Lugos im
Banate am 15. Februar 1809, nachdem er 66 Jahre dem Staate
mit ganzer Aufopferung gedient hatte.
Obristlieutenant Johann Christof Baron Meichsner von
Alekhofen wurde am 19. Jänner 1759 zum zweiten Obristen ernannt
und der aggregirte Obristlieutenant Franz Baron von Neuhaus in
die Wirklichkeit eingebracht. Mit demselben Tage erschien der
Befehl, dass jene Offiziere, welche in die Stelle der in Kriegs-
gefangenschaft gerathener befördert wurden, bei deren Rückkunft
nur die Gage der früheren Charge beziehen dürfen.
Ende Jänner wurden beiderseits die Kriegsgefangenen aus-
gewechselt.
F.-Z.-M. Harsch befehligte in Abwesenheit des nach Wien
abgerückten F.-M. Daun und ordnete mit 1. März 1759 neue
Kantonnimugen an. Das Regiment verliess an diesem Tage seine
Winterquartiere und marschirte nach Freudenthal in Ober-Schlesien,
wo dasselbe am 19. anlangte und im Korps des F.-M. -Lt. Baron
Wolffersdorff einen Monat stehen blieb.
Bevor noch Daun zum Heere rückkehrte, wussten die Preussen
einzelne Unternehmungen, vorzugsweise zahlreiche Streifzüge zur
Eintreibung von Brandschatzungen, glücklich auszuführen. Auch die
Oesterreicher unternahmen einzelne Züge ; so einen nach Greifenburg
unter General Baron Buttler, um dem eben bei der Armee ein-
getroffenen Feldmarschall „mit dem kleinen Streiche unterthänigst
aufzuwarten", welcher als Resultat die Gefangennahme von IG
preussischen Offizieren und 700 Mann aufzuweisen hatte.
Kapitänlieutenant de Martinutzi, welcher aus der Auf-
stellung des Regiments nach Troppau gegangen war, um ein
Pferd zu kaufen, wurde dort von der plötzlich einrückenden Avant-
garde des preussischen Generals Fouque* gefangen. Das Regiment
brach mit den Truppen des F.-M.-Lt. Wolffersdorff am
15. April aus seiner Stellung auf und vereinigte sich mit den
Truppen des F.-M.-Lt. Marquis de Ville bei Hotzenplotz, welcher
nun den Befehl führte.
Den 29. April rückte das Korps nach Zuckmantel, wo man
die Nachricht erhielt, dass der König mit 30.000 Mann Infanterie
und 10 Reiter - Regimentern von Neisse im Anzüge sei, daher sich
das Korps über Hermannstadt und Freudenthal zurückzog, um dem
Digitized by Google
142
175«-17«3.
Könige, falls er Ober Neustadt nach Jägerndorf gehen sollte, den
Eingang nach Mähren bei Hartan streitig zu machen. Als der König
dem Korps folgte, zog sich dasselbe von Freudenthal noch tiefer
in das Gebirge, worauf der König in das vorige Lager nach Oppers-
dorf zurückging, nachdem er bei Ludwigsdorf, Zuckmantel gegen-
über, 7—8000 Mann zurückgelassen hatte. F. -M. -Lt. de Ville
blieb darauf, um die preussischen Bewegungen zu beobachten, bei
Hermannstadt stehen und stellte seine leichten Truppen bei Olbers-
dorf und Maydelberg auf.
Am I. Mai Hess F. -M. Daun alle Regimenter der Haupt-
armee aus ihren Kantonnirnngs-Quartieren aufbrechen und den 2. das
Lager zwischen Schurz und Jaromif beziehen. Am 3. Mai besichtigte
I) a u n die Truppen ; er ordnete fleissiges Exerzieren der Rekruten
an, doch nicht übermässig, .mithin nur in deine, so man vor dem
„Feynde nöthig hat." Der Feldmarschall sah auf eiserne Mannszucht
und begehrte unbeugsam die pünktlichste Einhaltung der Vorschriften.
So forderte er unter Anderem mit Gcueralsbefehl vom l t. Mai die
Regiments -Kommandanten auf, ,in Nichten von dem Regulament
„abzugehen, besonders aber wenn Leuthe auf die Wacht kommen,
»sollen jederzeit die Haarzöpf nach der Vorschrift eingeflochten seyn.*
Hauptmann Karl Leopold von Hörle wurde mit 10. Mai als
Obristlieutenant zum Armee- Hauptspital transferirt.
Unthütig lagerte die Hauptarmee im Laufe der Monate Mai
und Juni bei Schurz, ebenso das Korps de Ville bei Hermannstadt;
die Verhandlungen der Hufe brachten diese Ruhe des Abwartens
mit sich. Am 20. Juni endlich brach sie nach der Lausitz auf, um
die Unternehmungen der anrückenden Russen zu unterstützen. Am
2. Juli traf die Armee bei Reichenberg, 5. bei Friedland und 6. bei
Gerlachstein ein; das Korps de Ville war nach Lissa gerückt.
Wieder trat eine längere Pause ein; die Armee blieb bis zum
29. Juli in dem bezogenen I>ager. Diese Pause war eine Folge des
langsamen Vorrückens der Russen. Endlich besiegten diese am
23. Juli den preussischen G.-Lt. Wredel bei dem Dorfe Kay
unweit Züllichau und rückten nach Frankfurt an der Oder. Jetzt
entsendete Daun den F. - M. - Lt. L o u d o n mit 20.000 Mann zu
den Russen und brach seinerseits nach Lauban auf.
König Friedrich war längere Zeit unthätig bei Landshut in
Schlesien gestanden. Als er die Nachricht von dem Missgeschicke
Digitized by Google
nr.« ms.
143
Wedel's erhielt, eilte er nach Sagan und unternahm nun Operationen,
uro die Vereinigung Loudon's mit den Russen zu verhindern, welche
aber ungeachtet seiner Bemflhungen am 3. August bei Frankfurt
gelang. Der König überschritt nun am 11. August die Oder; er
fand seine Gegner bei Kunnersdorf und griff dort am 12. die Russen
an. Bald hatte er den Sieg erfochten und schon eilten des Königs
Boten mit der Siegeskunde nach Berlin und Breslau; da aber
wendete sich im letzten Augenblicke des Tages Schicksal. Loudon
rückte an — er rückte an, gleich erhaben an Genie wie an Tapfer-
keit und brachte dem Könige eine Niederlage bei, wie er sie noch
nie erlebte. Nach der Schlacht schrieb König Friedrich II. an
seinen Minister Finkenstein in Berlin mit Bleistift: »Alles ist
«verloren! Retten Sie die königliche Familie! Adieu für immer!'
Der Verlust der Preussen war ungeheuer, an Todten, Verwundeten
und Gefangenen 20.075 Mann, 20 Fahnen, 2 Standarten, 178 Ka-
nonen, 120 Pulverwägen; Verlust der Russen 13.477, beim Korps
Loudon 2210 Mann.
Ein entschiedenes Vorrücken der Russen hätte den Feldzng
mit Preussens Untergang beendigen müssen ; aber der russische
Feldherr Graf Soltikow blieb unthätig. Hiedurch war auch
Loudon in seinen Unternehmungen gelähmt, und F. - M. Daun,
der zwar nach der Schlacht bei Kunnersdorf von Lauban über
Priebus nach Triebel, 10. August, gezogen war, seine Operationen
aber nach jenen der Verbündeten einrichten musste, sah sich eben-
falls auf das Zuwarten gewiesen. So kam Friedrich unangefochten
über die Oder und konnte sein halbvernichtetes Heer organisiren.
F.-M. Daun stand am 31. August mit der k. k. Hauptarmee
bei Mufka und lagerte am 3. September bei Sorau. Am folgenden
Tage hatte zwar die Reichsarmee Dresden erobert, aber gleichzeitig
war den Preussen ein Streifzug nach Böhmen gelungen, auf welchem
sie grosse Magazine der Oesterreicher zerstörten und Daun sah
sich veranlasst, am 9. September von Sorau nach Bautzen aufzu-
brechen, wo er am 13. eintraf.
Das österreichische Korps unter F.-M.-Lt. Marquis de Ville,
welches während allen diesen Vorfällen ruhig bei Lissa gestanden
hatte, brach am 5. September von dort auf und raarschirte nach
Lauban, dann am 8. nach Trotzendorf bei Görlitz, an welchem Tage
die Avantgarde der preussischen Armee des Prinzen Hein rieb das
114
175«- 1703.
Lager bei Lauban besetzte, in welches den folgenden Tag diese
Armee einzog. Im Lager bei Görlitz vereinigte sich mit dem Korps
de Ville das Korps des F. - M. - Lt. Beck und nun nabmen beide
rasch an der Neisse Stellung.
Prinz Heinrich Hess seine Armee am 10. September nach
Pfaffendorf aufbrechen, um auf dem linken Flügel des österreichischen
Korps Aber die Neisse zu gehen und dasselbe zum Verlassen seiner
guten Stellung zu nöthigen. Hierauf brach F.-M.-Lt. de Ville mit
seinem Korps in der Nacht vom 10. auf den 11. von Görlitz auf, und
marschirte nach Bautzen zur Deckung des dortigen grossen Magazins.
Die preussische Armee bezog nun am 12. bei Görlitz das Lager.
Wie früher gesagt, traf F. -M. Daun am 13. ebenfalls bei
Bautzen ein und beschloss, den bei Görlitz lagernden Prinzen
Heinrich anzugreifen. Als die gesamrate Armee am 23. zu diesem
Unternehmen aus dem Lager bei Bautzen aufbrach, theilte das Regi-
ment, welches in diesem Feldzuge noch keinen Schuss abgefeuert
hatte, die allgemeine Freude über den endlich in Aussicht gestellten
Kampf, allein die Hoffnungen blieben unerfüllt, denn Prinz Heinrich
die Schlacht meidend, hatte in der Nacht vom 23. auf den 24.
Görlitz verlassen. Dahin rückte nun die k. k. Hauptarmee; weil
aber Daun erfuhr, dass sich die Preusseu zur Wiedereroberung
Dresdens nach Sachsen gewendet, eilte er auch seiuerseits dahin,
brach am 25. auf, passirte am 29. bei Dresden die Elbe und
lagerte bei Kesselsdorf. Nach zweitägigem Aufenthalte marschirte
Daun nach Tannenberg; er wollte jetzt den preussischen General
Fink bei Meissen angreifen ; aber auch dieser, den Oesterreichern
nicht gewachsen, zog sich in der Nacht vom 1. zum 2. Oktober
nach Strehlen zurück. Daun rückte über Rothschönberg, Lomasch,
Risa am G. nach Oschatz. Am 12. Oktober begann Daun mittelst
Detachirungen die feindliche Stellung bei Strehlen zu umgehen,
worauf Prinz Heinrich, der sich mit General Fink vereinigt
hatte, am 16. nach Torgau zog. Die k. k. Armee rückte am 18.
nach Strehlen, 19. Belgern und am 22. nach Schiida, wo die
Truppen wegen der ungewöhnlich rauhen Witterung Kantonnirungen
bezogen. Am 4. November brach Daun wieder auf, zog zu Kaun-
burg den F. -Z. -M. Arhemberg an sich und erreichte, gefolgt
von den langsam nachrückenden Preussen, am 13. das Lager
bei Wildsruf.
Digitized by Google
17M-1763.
145
Auch König Friedrich war mittlerweile in Sachsen ein-
getroffen, es lag ihm noch immer der Besitz Dresdens am Herzen,
und er beabsichtigte durch Abschneiden der Zufuhren aus Böhmen
die Oesterreicher zum Aufgeben ihrer (leckenden Stellung und zum
Rückzüge nach Böhmen zu zwingen. Deshalb entsendete er den
General Fink mit einem ansehnlichen Korps nach Dippoldiswalda,
um diesen Ort und die nach Böhmen führenden engen Wege von
Oltendorf und Maxen zu besetzen. Daun zog sich von Wildsruf
in die feste Stellung hinter dem Plauen' sehen Grunde und liess den
General Fink durch das Reserve - Korps des F. -Z. -M. Sin eure
angreifen. Dieses Korps rückte am 19. November von Rizgen gegen
Dippoldiswalda. Fink marschirte nach Maxen, wo er am 20. ange-
griffen, total geschlagen und mit seinem ganzen Korps von den
Oesterreichern gefangen wurde.
Die Grenadiere des Regiments, welche allen diesen Bewegungen
in der Hauptarmee folgten, waren während diesem Treffen, das man
in der k. k. Armee „den Finkenfang bei Maxen" nannte, im Lager
hinter dem Plauen'schen Grunde mit Sack und Pack in Bereitschaft
gestanden. 9 Generale, 11 Stabs-, 450 oheroffiziere und 14.400 Mann
wurden kriegsgefangen ; drei silberne Pauken , 00 Fahnen, 34 Stan-
darten, 90 Kanonen waren die Trophäen dieses Sieges. F. -M. -Lt.
Beck nahm dann noch den preussischen General D i e r i c k e mit
1500 Mann am 4. Dezember bei Meissen gefangen.
Am 11. Dezember 1759 bezog die k. k. Armee die Winter-
quartiere in Sachsen.
Das Regiment war am 24. September nach dem Marsche der
k. k. Hauptarmee nach Görlitz, mit noch vier Infanterie- und vier
Reiter-Regimenter unter F.-M.-Lt. C a m p i t e 1 1 i zum Korps des
F.-M.-Lt. Loudon beordert worden, rückte nach der Vereinigung
mit diesem Korps bei Christianstadt über die Bober nach Grünberg
in Unter - Schlesien, wo sich das Korps mit den Russen vereinigte.
Nach verschiedenen Märschen blieb das Korps einige Zeit in Guhran
stehen, marschirte dann mit den Russen nach Hernstadt, welches
diese am letzten Oktober beschossen. Den 1. November ging das
Loudon'sche Korps bei Carolath über die Oder nach Frauenstadt in
Polen, wo es sich von den Russen trennte, den 2. nach Skalitz, weiter
durch Polen über Krakau, wo zwei Rasttage gehalten wurden nach
Bilitz, Teschen und Holleschau und blieb hier einige Tage stehen.
10
146
17.>0-17(>3.
Das Regiment erhielt hier den Befehl, die Winterquartiere zu
Leipnik in Mähren zu beziehen, marschirte sofort ab und rückte
dort den 23. Dezember ein, allein hier erhielt dasselbe den 27. nachts
die Ordre nach Prag zu marschiren. Den folgenden Tag wurde
aufgebrochen, und da in Grewitsch der Befehl einlangte, auf das
Schleunigste in Prag einzurücken, Hess Obrist Kallenberg das
Regiment auf requirirten Schlitten weiter befördern und erreichte
auf diese Art am 5. Jänner 17G0 Oral in Böhmen. Hier langte
abends der Befehl an, mit dem Regiment die Winterquartiere zu
Eisenstadt und den nächsten Ortschaften in Böhmen zu beziehen,
was am 6. in Vollzug gesetzt wurde. Hier rückten bald darauf auch
die Grenadiere von der Hauptarmee ein.
Während diesem Feldzuge, in welchem das Regiment durch
beispiellose Märsche und Strapazen viel gelitten, aber nicht einen
Schuss abgefeuert hatte, erhielt dasselbe als Ersatz für die viele zu
Grunde gegangene Mannschaft vom dritten Bataillon aus Brünn
200 Rekruten aus Steiermark, 200 aus Mähren, 200 aus Böhmen,
99 aus Kärnten und 400 aus Oesterreich zugesendet.
Die k. k. Hauptarmee, welche im Winter durch ausserordent-
liche Anstrengungen auf 140.000 Mann gebracht wurde, blieb in
Sachsen. Das Regiment marschirte am 6. Februar 1760 nach Rechlitz,
dann am 13. März nach Reichenberg und wurde hier und in den
nächsten Ortschaften bequartirt.
Obrist Franz Karl Graf v. Kallenberg wurde am 8. April
1760 zum General -Feldwachtmeister befördert; der zweite Obrist
Johann Christof Freiherr Meichsner zu Alekhofen übernahm
das Regiments - Kommando.
Den 15. April erhielt das Regiment seine Eintheilung in das
Korps des F.-M.-Lt. Baron Beck und marschirte denselben Tag
nach Albersdorf bei Zittau in der Lausitz, woselbst Obrist Freiherr
v. Meichsner mit einiger Ersatzmannschaft vom dritten Bataillon
aus Brünn anlangte. Am 18. Mai marschirte das Regiment nach
Pless, unweit Jaromif zu dem Korps Loudon, dann mit diesem
am 29. nach Kosk'lec, wo nur einige Stunden gerastet wurde,
hierauf den 30. wieder zurück nach Braunau und nach kurzer Rast
nach Neurode in der Grafschaft Glatz. Den 1. Juli wurde der
Marsch über Silberberg nach Frankenstein in Schlesien fortgesetzt
und hier das Lager bezogen.
Digitized by Google
1756-17f>:t.
147
Die Friedensverhandlungen, welche während des Winters ge-
pflogen wurden, blieben ohne Erfolg und so setzten sich die Armeen
in Bereitschaft, um die Diplomaten in ihrem Werke abzulösen.
Laut Eintheilungs-Liste bestand das Offiziers-Korps 1760 aus :
Obrist Inhaber Clemens August, Kurfürst zu Köln, Iloch- und
Tentschineister.
Obrist Regiments -Kommandant Johann Christof Freiherr Meichsner
r. Alekhofen.
Obristlieutenant Franz Baron Neuhaus.
1. Obristwachtmeister Petrus Nikolaus v. Mayer.
2. n Ludwig v. Graff orst
Sämmtliche Stabs-Parteien wie im Jahre 1758.
Kompagnie
Hauptmann
Lieutenant
Fähnrich
Ober- Unter-
1. Grcnadier-
DanieldePolastre
Martin Kessler
Joach.deZuchari
—
2. Grenadier-
Paul de
Montignoni
Josef Ertel v.
8eau
Karl Gärtner
—
Leib-
Kapitän»
Fried. Pilgrim
Josef Weiler
Josef Graf
Auersperg
Cölestin v. Mohr
Obrist-
Kapitän-
Christ. dAltropp
Johann Schmid jWilh. Br. Kerpen
Joh. v. Fontenct
Obristlieutenant-
Kapitän-
Johann Hervay
Franz Wolff
Franz Empel
Saetini von
Starbemberg
Obristwachtm.-
Kapitän-
Joh. deMartinuzi
Johann Theodor
Karl Leuthncr
Franz Fr&chetzi
Obristwaehtm.-
Kapitän-
Frz. Br. Wilsdorf
Ignaz Kichl
Karl Stalek
Johann v. Mohr
Hautzenberg-
Maximilian Br.
Rautzenberg
Karl v. Hörle
Michael de Onclli
Wilib. Leibinger
Artz-
Karl Gr. Art«
Johann Ottenthai
Felix de Roveretti
Johann Wagner
Quannc-
Joh. Chevalier
de Quanne
Karl de Gusio
Jakob Böck
Johann Böck
Rosenberg-
Wilhelm Br.
Rosenberg
Konstantin Roth
Georg Baron
Lestwitz
Kajetan de
St. Vito
Spurlati-
Ban. de Spurlati
Jakob Gr. Spretti
Franz de Bonne
Moria v. Schiann
Truchses-
Wilhelm Br.
Truchses
Aug. Br. Kleist
Peter Graf
Bernigotti
Wenzel Dötner
Tham- jFriedr. v. Tham
MelchiorSchüller
Anton Birago
d'Aspremont
Paul de Candiani
10*
Digitized by Google
148
1766-1708.
3. Bataillon in Brünn.
Kompagnie
Hanptmann
Lieutenant
Fähnrich
ol, et- Filter-
Leuthner-
l
August Leuthner Wenzel HüttisehHerm. WarncsinB1 f ^kSSipftlg
Campen- jWilh. v. Campen
Josef Helenus
v«„m..>., Demeter Gehmel
Johann Neumann v Hirschbach
Birago-
Vincenz Birago
d'Aspremont
Josef Br. Stadl
~-
Michael Klert
Wilhelm
v. Fiakstein
Franz Schmid
Joh. de Brevost
Stael-
Karl v. Gehren
Anton (Jraf
Grottcncg
Mochne-
I'eter Moehne
Josef v. Kgen
Anton Birago
d'Aspremont
Mac-Affri-
Rupert de Mae-
Affri
Heinr. Sterhan
Adam Fillen-
banm
Anfangs Juni konzentrirte Daun die k. k. Hauptarmee bei
Dresden. London hatte, wie oben gesagt, Mähren verlassen und
lagerte in Schlesien. Zu seiner Beobachtung stand der preussische
General de la Motte Fouque* in den Fürstentümern Schweidnitz
und .Tauer nahe der Grenze Böhmens mit 17 Bataillons und
18 Schwadronen. Loudon sendete von Frankcnstein Streifkommandos
bis in die Nähe von Breslau und Hess die Anhöhen von Kleutsch
und Habendorf besetzen. Dies bewog den General Fouque Lands-
hut zu verlassen und eiligst Ober Löwenberg nach Komenau zu
marschiren, um die Hauptstadt zu decken. F. -M.-Lt. Wolffers-
dorff besetzte hierauf Landshut, wo er einen bedeutenden Proviant-
vorrath fand und liess die Verschanzungen schleifen. Loudon
hatte seinen Feind trefflich getäuscht und bezog ein Lager bei
Pischwitz. General P o u q u 6 indessen durch Kundschafter von den
Bewegungen Loudon's gegen Glatz unterrichtet , verliess seine
Stellung bei Komenau und rückte am 10. Juni über Kanth nach
' Gräditz vor. F.-M.-Lt. Wolf fersdorff wurde demnach wieder
zur Armee berufen und Landshut nur mit 3 Bataillons Kroaten und
5 Eskadronen Huszaren besetzt, zu deren Verstärkung jedoch am 14.
noch F.-M.-Lt. Gaisrugg mit 4 Bataillons und 1 Kürassier-
Regiment nachrückte.
Während dem hatte der König die Besetzung des Lagers bei
Landshut durch die Oesterreicher mit Entrüstimg vernommen und
Digitized by Google
1756-176*. 149
sogleich an den General Fouque den Befehl erlassen, Landshut
den Oesterreichem, es koste was es wolle, wieder zu entreissen.
Diesem Befehle zufolge marschirten die Preussen am IG. Juni in
der Nacht von Graditz in zwei Kolonnen gegen Landshut, wo sie
den 17. um 10 Uhr morgens anlangten und sich anschickten die
Verschanzungen mit Sturm zu nehmen. Allein F. - M. - Lt. G a i s-
r u g g, welcher für gut fand, sich in kein ernstes Gefecht mit einem
so überlegenen Feinde einzulassen, liess nur den Buchberg mit
GOO Kroaten besetzen und zog sich mit seinen übrigen Truppen
nach Reichhennersdorf zurück. Auf diese Art kamen die Preussen
ohne grosse Anstrengung wieder in den Besitz des verschanzten
Lagers bei Landshut, dessen beschädigten Werke sie sogleich her-
stellten und noch überdies den Doktorsberg mit der Mummelschanze
durch ein Zangenwerk in Verbindung setzten.
Da hiedurch General F o u q u e* ganz isolirt stand, entging dem
Feldherrnblick eines London nicht, dass nun der Augenblick ge-
kommen sei, den Feind mit Vortheil anzugreifen nnd zu schlagen.
Schnell war der Entschluss gefasst, mit dem grössten Theile seiner
Macht gegen Landshut zu marschiren und die Verschanzuugen zu
erstürmen.
Noch am 16. Juni wurde F. -M. -Lt. Wolf fersdo rff mit
fünf Bataillons und einem -Kavallerie - Regiment zur Unterstützung
des F. -M.-Lt. Gaisrugg nach Friedland gesendet. Den 17. mar-
schirten noch drei Bataillone und zwei Kavallerie - Regimenter eben-
falls zu dessen Unterstützung nach Reichhennersdorf ab und am
18. brach das ganze Korps, mit Ausnahme von drei Bataillons und
zwei Kavallerie - Regimenter, welche zur Einschliessung von Glatz
zurückblieben, aus dem Lager von Pischwitz auf, marschirte an
demselben Tage über Johannesberg und Waldenburg und den 19.
über Gottesberg bis auf die Anhöhe vor Schwarzwalde. Hier stiess
General Nauendorf, welcher die Avantgarde führte, auf den feind-
lichen, mit 200 Reitern und 300 Mann Infanterie auf Rekognoszirung
ausgesendeten General Malachowsk y, welcher sogleich angegriffen
und mit Verlust von 5 Offiziers und 130 Gemeinen, welche gefangen
wurden, zurückgeschlagen ward.
Am 20. liess Loudon die Anhöhen bei Forste, sowie auch
den Ziegenrücken besetzen und breitete sich mit seiner Kavallerie
dergestalt bis Hartmannsdorf aus, dass den Preussen die Gemeinschaft
150
1756- 17ttS.
mit Schweidnitz und dem General Ziethen völlig abgeschnitten
wurde. Um dem Feinde auch den Rückzug gegen Schmiedeberg zu
verlegen, ersuchte Loudon den nach Friedberg vorgerückten F.-M.-Lt.
Beck, gegen Hirschfeld zu marschiren und daselbst Stellung zu
nehmen.
Den 21. und 22. Juni verwendete L o u d o n zur Rekognoszirung
der Gegend und zu den nöthigen Vorbereitungen zum Angriffe auf
das verschanzte Lager, wozu nachstehende Disposition erfolgte : Den
22. Juni in der Nacht hat die Artillerie in möglichster Stille auf
den Höhen in Batterien aufzufahren und auf das gegebene Signal
mit einem heftigen Feuer den Angriff zu eröffnen. Gleich darauf
rücken die Truppen in vier Kolonneu zum Sturme gegen die Ver-
schanzungen vor und zwar : die erste, zur Erstürmung des Doktors-
berges ; die zweite, zur Erstürmung der Redoute auf dem Buchberge ;
die dritte, bei welcher sich das Regiment mit seinen Grenadieren,
diese im ersten Treffen unter F.-M.-Lt. Campitelli, das Regi-
ment im zweiten Treffen unter F.-M.-Lt. M Offling befand, zur
Erstürmung der Mummelsehanze und der verschanzten Linie; die
vierte, zur Erstürmung der verschanzten Berge bei Blasdorf und
Reichhennersdorf. Ferner rücken zugleich mit der ersten Kolonne
24 Eskadronen im Thale des Lassig - Baches über Hartmannsdorf
gegen Vogelsdorf vor, theils um den Angriff dieser Kolonne zu unter-
stützen, tlieils um dem Feind den Rückzug gegen Ruhbank abzu-
schneiden. 20 Eskadronen marschiren über Hartmannsdorf und
Krausendorf auf die Anhöhe bei Schreibersdorf und schneiden dem
Feinde die Strasse nach Schmiedeberg ab. Alle diese Truppen mar-
schiren am 22. abends dergestalt ab, dass selbe den 23. Juni um
1 Uhr morgens am Orte ihrer Bestimmung eintreffen.
Diesen Anordnungen zu Folge war General Fouque* den 22.
abends von einer Macht von 20.000 Mann Infanterie und 6000 Mann
Kavallerie bereits auf allen Seiten eingeschlossen und ohne Hoffnung
eines Entsatzes, sich selbst überlassen.
Den 22. abends brach das Regiment, nachdem es seine Bagage
zurückgesendet (,die Schnapssäcke und Kessel" blieben im Lager)
auf, marschirte in seine Stellung und rastete im Walde bis 12 Uhr
nachts. Mit Schlag 2 Uhr früh am 23. Juni gaben vier auf dem
Steinberge aufgeführte Haubitzen das Zeichen zum Angriffe. Sogleich
fing die auf den Anhöhen aufgestellte Artillerie zum Feuern an
Digitized by Google
1756-17(13.
151
und unter ihrer Begünstigung ruckten die Kolonnen, welche sich
bereits um 1 Uhr vor dem Walde formirt hatten, zum Sturme gegen
die ihnen zugewiesenen Punkte vor.
Obwohl beim Beginn des Kampfes ein furchtbares Gewitter
mit Sturm und Regengüssen losbrach, Hess Loudon doch angreifen;
und als ihm ein General melden liess, seine Truppen könnten im
Regen nicht feuern, erwiderte Loudon: „Es regne auch auf der
Seite der Preussen.*
Während die erste Kolonne gegen die Schanze auf dem Doktors-
berge in Front und Flanke stürmte, griff der Vortrab der Kavallerie
den Feind im Rücken an und warf alles nieder, was sich ihr entgegen-
stellte. Zu gleicher Zeit brach auch die zweite Kolonne aus dem
Walde gegen den Buchberg vor. Diesen beiden Kolonnen folgte
F.-M. -Lt. Campitelli mit der dritten und bemächtigte sich mit
dem ersten Treffen des Mummelberges und der neu angelegten ver-
schanzten Verbindungslinie. Bei dieser Gelegenheit wurde Obrist-
lientenant Franz Baron Neuhaus, welcher die Grenadiere zum
Sturm geführt hatte, durch eine Kanonenkugel getödtet.
Ungeachtet der grossen Beschwerlichkeit bei Erstürmung der
Berge und der tapfersten Gegenwehr des Feindes in den wohl-
befestigten Verschanzungen, waren der Doktorsberg, die verschanzte
Linie, der Mummelberg und Buchberg binnen drei Viertelstunden
erstiegen und erobert. Die Reste des feindlichen linken Flügels
flüchteten nach dem Kirchberge.
Nicht minder glücklich war der Angriff der vierten Kolonne
gegen die Anhöhen bei Reiehhennersdorf. Die Redouten rechts der
Mummelschanze wurden erobert und der Feind bis auf den Kirch-
und Galgenberg, aus allen seinen Werken und Stellungen vertrieben.
Die Artillerie fuhr nun auf dem Buch- und Mummelberge auf und
unter ihrer Begünstigung griffen die erste und zweite Kolonne die
letzte Stellung der Preussen am Kirchberge an.
Die Regimenter Esterhazy und Blau Loudon der zweiten Kolonne
konnten die Verschanzungen am Kirchberge nicht einnehmen und
mussten nach einem mörderischen Kampfe zurück. Nun wurde das
Regiment Teutschmeister aus dem zweiten Treffen der dritten Kolonne
vom F. - Z. - M. Loudon zum Vorrücken beordert. Mit klingendem
Spiel und fliegenden Fahnen rückte es trotz des heiligsten feindlichen
Feuers in bester Ordnung vor, erstürmte ohne einen Schuss zu thun
152
17M-1H*.
die Verschanzung am Kirchberge, eroberte särnmtliche darin auf-
gestellten Geschütze, rangirte sich dann schnell, eilte dem Feinde
durch den Kavins auf die andere Anhöhe nach und nahm auch diese
im ersten Anlaufe. Hauptmann Johann Hervay hatte sich helden-
müthig ausgezeichnet.
Nun vereinigte sich der Rest aller noch übrigen feindlichen
Truppen und Fouque" entschloss sich zum Rückzüge, hoffend, sich
bei Schreibendorf noch durchschlagen zu können. Doch kaum hatten
die Preussen die Lober bei Leppersdorf passirt, als sich ihnen auch
hier die Oesterreicher entgegenstellten. Sie formirten ein Quarree
und wiesen anfangs die angreifende Kavallerie zurück. Allein bald
kam dieser auch die Infanterie zu Hilfe und nun mussten sie sich,
als P o u q u e" verwundet in die Hände der Oesterreicher fiel, ergeben.
Nur ein kleiner Theil preussischer Huszaren und einige Infanteristen,
welche einzeln zu flüchten Gelegenheit fauden, entkamen nach Jauer,
sonst wurden alle Preussen gefangen; der kommandirende General
de la Motte Fouque, die Generale Schenkendorf und Ma-
lachowsky, 11 Obriste, 1 Obristlieutenant, 14 Majors, 46 Haupt-
leute, 150 Lieutenante, 1 Auditor, 3 Regimentsärzte, 1 Feldprediger
und 8318 Mann; 67 Geschütze mit 38 Munitionskarren, 34 Fahnen,
2 Standarten waren die Trophäen der Sieger.
Der Verlust der Oesterreicher betrug an Todten: 18 Stabs-
und Oberoffiziere, darunter der schon genannte Obristlieutenant
Freiherr v. Neuhaus und 750 Mann vom Feldwebel abwärts,
darunter 6 Mann vom Regiment Blessirt wurden 81 Stabs- und
Oberoftiziere , 2114 Gemeine und Unteroffiziere, vom Regiment
Hauptmann Mochue, Oberlieutenant Soau und Wagner, Lieute-
nant Zuchari und Fähnrich Waruesius nebst 70 Gemeinen.
So war nach einem blutigen Kampfe von weniger als sechs
Stunden (von zwei bis dreiviertel auf acht Uhr morgens) das Lager
bei Landshut mit allen Schanzen erobert und das ganze Korps des
Generals Fouque vernichtet. Dieser Verlust war empfindlich und
der Anfang des Feldzuges verhäugnissvoll für den König.
Das »Wiener Relations - Blatt" schrieb die ausgezeichnete That
des Regiments Teutschmeister dem Regiment Blau Loudon zu und
verschwieg Ersteres gänzlich. Aus diesem Anlasse erliess das Re-
giment folgeude Erklärung: »In dieser Attaque hate das Löbl.
„Regiment die Ehre da bey der letzten Redoute auf dem sogenannten
Digitized by Google
1750-1763.
»Kirch -Berg bey dem Lutherischen Kirchhofe, sowohl das Joseph
»Esterhazy'sche und nach denen das Blau Loudonische Regiment
„repussiret worden. Dass Es auf Befehl Sr. Excellenz des Kom-
»mandirenden Herrn Generalen F.-Z.-M. Baron Loudon an-
»ruckete, und von Derne Hr. Obrist die Disposition gemacht wurde:
,dass Herr Obristwachtmeister v. Mayer mit dem Leib - Bataillon
.Links, Herr Obristwachtmeister v. Grafforst mit dem Obrist-
, Bataillon rechts die Attaque ohne zu Feuern Formirte, und mittelst
»auf Bey den Seiten geschickten Manöevres den Feind nach ersterer
»Abfeuerung in solche Confussion zu Bringen, dass Er diese Redoute
,und seine hier Orths Postirte Artillerie verlassen musste, welche
»dann das Regiment Besetzte und in Ordnuug sich rangirend durch
„den Ravine Auf die Andere Anhöhe dem Feind nachsetzte, hiedurch
»aber die complete Victorie Bewürkete, hierbey (folgen die Verluste).
„Dabey zu Bemerken komet, dass diese eingelegte Ehre,
»Welche doch im Angesicht des Kommandirendeu und vieler Gene-
ralität und Regimenter, dem Löbl. Regiment einzig zuzuschreiben,
,in dem Wiener Relations - Blat, dem Blau Laudonischeu Regiment
,zu geeignet und das Löbl. Regiment ganz verschwiegen worden!
»Welches nebst Angedeuten Augenschein so Wunderlich fallet, als
»man sonst im Generals -Befehl denjenigen Von Loudon, nicht
»aber denen Von gegenwärtigen Löbl. Regiment wie der Beschehen,
.Welche die erste in diese Redoute gedrungen, sämmtliche drei
»Herrn Stabs-Offiziers zur Anlangung des Theresia-Ordens ermahnt
»haben.*
Den Tag nach der Schlacht wurde der Obristwachtmeister
Peter Nikolaus von M a y e r als Obristlieutenant und der Hauptmann
Maximilian Emanuel Baron H a u t z e n b e r g als zweiter Obristwacht-
meister dem Regimente vorgestellt.
Nach dem Siege bei Landshut übertrug Loudon die Be-
lagerung von Glatz dem General Harsch. Am 20. Juli wurde aus
allen Batterien das Feuer gegen die Festung eröffnet und ehe noch
Bresche geschossen war, die alte Festung mit Sturm genommen,
worauf auch die neue kapitulirte, wodurch 2000 Manu, 200 Kanonen,
viel Munition und Material die Eroberer übernahmen.
Während dieser Vorgänge in Schlesien standen sich in Sachsen
Daun und der König Friedrich IL gegenüber. Daun hielt
durch seine Stellung den König ab, an den Kämpfen in Schlesien
154
175K-17ÖH.
Theil zu nehmen, bis Loudon die grossen Erfolge errungen hatte
und vor Breslau stand. Dreimal hatte der König versucht, nach
Schlesien zu gelangen und jedesmal waren die Versuche missglückt.
Daun stand in den unangreifbaren Stellungen bei Boxdorf und ver-
legte den Weg nach Schlesien.
Nun rückte der König am 8. Juli vor Dresden, traf alle
Anstalten zu einer regelrechten Belagerung, Hess die Stadt vom
14. Juli an aus 50 Kanonen beschiessen und dann vom 19. an mit
Bomben und glühenden Kugeln bewerfen, wodurch fünf Kirchen
und über 400 Häuser in Schutt und Asche gelegt wurden. Der
österreichische General Macquire vertheidigte sich mit seiner
Besatzung mit Heldenmuth und harrte auf den von Daun zu
gewärtigenden Entsatz. Als dieser anrückte, hob der König die
Belagerung auf, raarschirte am 28. Juli von Dresden ab, setzte über
die Elbe und legte dann vom 3. bis 7. August den zwanzig Meilen
langen Weg bis Bunzlau in Schlesien zurück. Aber auch dahin war
ihm Daun gefolgt, hatte bereits am G. August das Lager bei
Schmottheisen bezogen und vereinigte sich am 8. August bei Jauer
mit dem von Breslau heranmarschirteu Loudon. Der forcirte
Marsch, die stete Kampfbereitschaft, nicht minder die grosse Hitze
hatten die Truppen sehr erschöpft, aber Daun hatte seineu Zweck
erreicht, der König war von den österreichischen Korps durch
einen Kreis umringt, der, wie es schien, sich nur zu schliessen
brauchte, um dem preussischen Heere eine gänzliche Niederlage
zu bereiten.
Am 15. August sollte der König, welcher bei Liegnitz lagerte,
von Daun in der Front, von L a c y im Kücken und von Loudon
in der linken Flanke angegriffen werden. Am 14. ergingen die Detail-
Dispositionen, welchen zufolge das Regiment in Loudons Korps am
Abende die Zelte abbrach und den Vormarsch begann. Wie bei
Hochkirchen mussten die Lagerfeuer unterhalten und im verlassenen
Lager die Schaarwache geschlagen werden.
Das Korps marschirte von Kotschwitz über Kunitz gegen die
Katzbach, nach deren Ueberschreitung über Binowitz auf Panten,
und es mochte etwa 3 Uhr gewesen sein, als die beiden Grenadier-
Bataillone des Korps, in welchen sich auch die des Regiments ein-
getheilt befanden, welche die Avantgarde bildeten, auf der Anhöhe
bei Panten auf das preussische Huszaren - Regiment Ziethen stiessen,
Digitized by Google
155
welches sicli sogleich zurückzog. Das Korps setzte uuu den Marsch
schleunigst fort, um die Anhöhen zu erreichen, als aber dann der
Tag anbrach, bemerkte man, dass diese sehr stark mit Infanterie
und Geschütz besetzt waren. Die Kolonnen gingen nun mit ausser-
ordentlicher Tapferkeit gegen diese Höhen vor und zwangeu den
Feind, trotzdem er aus 72 Geschützen ein mörderisches Feuer
unterhielt, selbe zu verlassen. Bis nun hatte man wegen des dichten
Nebels die wahre Stärke des Feindes nicht unterscheiden können,
aber da dieser nun schwand, sah London die ganze feindliche
Armee, welche hinter dem Walde von Humeln aufmarschirt war,
plötzlich hervorbrechen und gegen sein Korps anrücken.
Der König hatte nämlich durch einen Verräther (ein Ausländer,
welcher am 14. desertirte) die genaueste Mittheilung über das Vor-
haben der Oesterreicher erhalten, war hierauf nach Zurücklassung
einiger Bataillone mit seiner Annee nach Paschwitz gerückt und
hatte sich mit ganzer Macht gegen den isolirten L o u d o n gewendet.
L o u d o n liess sogleich auch das zweite Treffen in den Kampf
rücken, welcher nun grosse Dimensionen annahm. Bis 6 Uhr früh,
mithin durch drei volle Stunden, hatte sich das Korps gegen die
ganze feindliche Armee gehalten, ja sogar 10 preussische Fahnen
und 1 Standarte erobert, auch Gefangene gemacht. Das Regiment
Teutschmeister, eingedenk seines bei Kolin und erst kürzlich bei
Landshut wohl erworbenen Ruhmes , schlug sich mit höchster
Tapferkeit und war, als Loudon den Rückzug anordnete, am
schwersten aus dem Gefechte zu ziehen, daher dasselbe auch unter
allen Regimentern des Korps den bedeutendsten Verlust erlitt, aber
höchst ehrenvoll, die wenigsten Gefangenen einbüsste. Von allen
Seiten von der feindlichen Kavallerie angefallen, schlug das Regiment
mit wahrem Heldenmuthe alle Angriffe ab und zog sich, in fester
Ordnung immer kämpfend, hinter die Anhöhe von Binowitz, auf
welcher inzwischen Loudon sein Geschütz und die beiden Grenadier-
Bataillone aufgestellt hatte, zurück. Letztere eröffneten nun ein so
heftiges Bataille- Feuer gegen die nachstürmenden Preussen, dass
sie von der Verfolgung abstanden und der Rückzug des Korps in
möglichster Ordnung hinter die Katzbach ausgeführt werden konnte.
Diese Ordnung im Rückzüge entriss dem siegenden König den be-
wundernden Ausruf: „Da seht hin, von Loudon müssen wir
Retiriren lernen!"
156
175H-1768.
Die Verluste des Korps waren bedeutend. Sie bestanden an
Todten, Verwundeten, Gefangenen und Vermissten in 6034 Mann
und 476 Pferde. Das Regiment war mit 272 Rotten in's Gefecht
gegangen und kehrte nur mit 109 Rotten zurück. Oberlieutenant
Michael Schumann und 184 Mann blieben todt, Obrister Freiherr
v. Meichsner, Hauptmann Graf Artz, welcher majorisirte, v. Mon-
tignoni, Hervay, Kapit&nlieutenant d'Altropp, Oberlicutenant
Merode, Graf Spretti, Lieutenant Graf Traun, Brenkenson,
Fähnrich Hauk und Faber, Wachtmeister-Lieutenant Hoff gen
und 355 Mann wurden verwundet, 62 Mann waren vermisst.
F.-Z. -M. Loudon sagte in seinem Bericht ddo. Gross -Rosen,
17. August 1760: „Ich muss den Herren Generals und allen übrigen
„Stabs- und über- Offiziers, wie auch allen Völkern zum Ruhme
„nachsagen, dass dieser Rückzug weder übereilt, noch mit Verlierung
„des Muthes, sondern gauz ruhig und mit aller Ordnung, soviel im
„Angesicht einer so überlegenen feindlichen Macht möglich gewesen,
„geschehen seyn, u. s. w. dann: „In dem Treffen selbst hat jeder-
mann seine Schuldigkeit redlich gethan und alles wie tapfere,
„rechtschaffene Leute gefochten.*
Bezüglich dieser ungünstigen Schlacht erliess die hochherzige
Kaiserin Maria Theresia unterm 22. August 1760 an den
F.-Z. -M. Loudon nachfolgendes Allerhöchstes Handbillet:
„Obzwar der 15. dieses ein unglücklicher Tag vor mich gewesen
„ist, weil es dem Feinde gelungen hat, einer decisiven Schlacht zu
„entgehen, nur mit euerem unterhabenden Korps anzubinden und
„sich den Weg nach Breslau zu eröffnen, andnrch aber seine ver-
„th eilte Macht zu vereinigen und solche zwischen die meine und
„russische Armee zu stellen, so vermindert doch dieser widrige
„Ausschlag nicht im mindesten die grossen Verdienste, so ihr und
„auch alle Generals, Offiziers und Gemeine (die unter eurem Commando
„gefochten) erworben habt; vielmehr lasse ich euerer genauen Be-
folgung des erhaltenen Auftrages, wie ingleichen euren klugen und
„auf der Stelle ergriffenen Anstalten, Herzhaftigkeit und Vorsicht
„alle Gerechtigkeit wiederfahren und ihr könnet auf mein Wort
„sicher glauben, dass ich solches im gnädigsten Andenken erhalten
, werde; nicht minder gereicht mir die von euch einberichtete und
„Lieber Freiherr von Loudon!
Digitized by Google
175«-17fi.T
157
, versicherte heldenmüthige Tapferkeit meiner Generalität, Offiziers
.und Truppen zum grössten Tröste und inniglichsten Vergnügen.
„Solche rechtschaffene Kriegsmänner verdienen mit Recht das grösste
«Lob und meine vollkommene Gnade, wie ich dann darauf sehen
„werde, ihr Wohlverhalten bei Gelegenheit danknehmig zu erkennen.
„Diese meine Gesinnung habt ihr in meinem Namen dem
„ganzen unter euerem Commando gestandenen Corps behörig erkennen
„zu machen und ich setze in die göttliche Verfügung das voll-
kommene Vertrauen, dass meine Armee annoch in dieser Campagne
„die Gelegenheit erhalten werde, ihre Revange rechtschaffen zu
„nehmen und die Welt zu überzeugen, dass meine Truppen den
„15. dieses nur in der Zahl, nicht aber in der Herzhaftigkeit und
„dem tapferen Verhalten vor dem Feinde ubertroffen worden, wie
„ich nun auf euerem treuesten Eifer und erspriessliche Dienste
„sichern Staat machen kann ; als verbleibe euch auch mit kais: köng:
„und landesforstlichen Gnaden wohlgewogen. "
Nach dieser „bei Liegnitz ■ benannten Schlacht bewirkte
Friedrich nicht nur die Vereinigung seiner bis dahin getheilt
gewesenen Armee und die Verbindung mit Breslau, sondern erreichte
auch, dass die russische Armee, welche in das Herzogthum Schlesien
gedrungen war, gleich wieder dieses Land räumte.
Das Loudon'sche Korps vereinigte sich am 17. August zu
Striegau mit der österreichischen Hanptarmee, die nun verschiedene
Bewegungen ausführte, um die Festung Schweidnitz einzuschüessen,
was denn auch geschah; der König rückte aber, nachdem er den
bisher gegen die Russen gestandenen Prinzen Heinrich an sich
gezogen hatte, gegen diese Festung und manöverirte derart, dass
Daun besorgen musste, von seinen Magazinen in Böhmen ab-
geschnitten zu werden, daher er am 31. August die Stellung bei
Schweidnitz verliess und in einem Marsche bis Kunzendorf und
Bögendorf, das Loudon'sche Korps aber bis Freiburg ging.
Obri8tlieutenant v. Mayer hatte während dieser Zeit 2400
Blessirte verschiedener Korps nach Kloster Grisau und dann weiter
nach Kukus in das Hauptlazareth transportirt, wo sich seit vorigem
Monat der Hauptmann Baron Truchses kommandirt befand.
In obgenannten Stellungen blieb die österreichische Armee
einige Zeit unverändert stehen, desgleichen der König zwischen
Schweidnitz und Striegau.
158
17M-1768.
Am 11. September, an welchem Tage das Regiment die Nach-
richt erhielt, dass der Fähnrich Franz Faber seinen ehrenvollen
Wunden erlegen sei, brach der König gegen Landshut auf, welche
Absicht aber Daun dadurch vereitelte, dass er einige Korps, worunter
auch jenes des F.-Z.-M. Baron London, der feindlichen Armee
zur Verlegung des Weges entgegenstellte, wobei L o u d o n bis in
die Gegend von Reichenau gelangte. Der König lagerte sich nun
bei Giesmannsdorf ; die österreichische Hauptarmee nahm Stellung
auf den Höhen von Adelsbach; das Loudou'sche Korps aber bei
Neu-Reichenau gegen Giesmannsdorf. In dieser Position blieben wieder
beide Armeen bis zum 17. September, während welcher Zeit fast
täglich Gefechte zwischen den gegenseitigen Vorposten und einzelnen
Korps vorkamen, die aber keine weitern entscheidenden Folgen hatten.
Daun wollte am 17. September den König angreifen, welcher
jedocli unter beständigen Plänkeleien die k. k. Armee in der Rich-
tung über Gottesberg umging und Waldenburg im Gebirge zu
erreichen suchte. L o u d o n kam ihm aber in Waldenburg zuvor,
worauf der König das Lager von Dittmannsdorf bezog ; Daun
hingegen Kunzendorf und Seitendorf besetzte. Beide Armeen hatten
nun starke Stellungen inne, welche auch noch verschanzt wurden,
so dass kein Theil den anderen, ohne sich grossen Verlusten aus-
zusetzen, angreifen konnte. In diesem Verhältnisse blieben die beiden
Heere bis Ende September.
Die russischen Generale Czernitschef und Tottleben
unternahmen von Frankfurt an der Oder und der Österreichische
General Lacy durch Sachsen einen Zug gegen Berlin, welches am
9. Oktober 1760 besetzt und gebrandschatzt wurde; der König ver-
liess nun seine bisherige Stellung, um seiner Hauptstadt zu helfen ;
da aber die Russen sehr bald wieder nach Frankfurt und Lacy
nach Sachsen zurückeilten, so marschirte der König nach Sachsen,
wohin ihm Daun folgte.
Loudon, der in Schlesien zurückblieb, begann den Angriff
auf die Festung Kosel, musste aber dieses Vorhaben wegen der
anhaltend äusserst schlechten Witterung wieder aufgeben, und
beschränkte sich blos auf diejenigen Bewegungen, welche nöthig
waren, um das in Schlesien unter dem Befehle des Generalen von
der Goltz zurückgebliebene, 24.000 Mann starke preussische Korps
im Zaume zu halten.
Digitized by Google
159
Mit dem 29. November, zu wekher Zeit Loudon mit seinem
Korps nach Reichenau und Wartha kam, wurden der eingetretenen
rauhen Witterung wegen die Operationen im Felde von beiden krieg-
führenden Theilen abgebrochen. Loudon zog hierauf von der
böhmischen Grenze über Braunau, Neurode, Silberberg, Johannesberg,
Ziegenhals etc. bis gegen den Teschner- Kreis einen Kordon und
Hess die übrigen Truppen theils in Oberschlesien, theils im Glatzischen
Quartiere beziehen. Das Regiment, welches allen diesen Bewegungen
im Korps Loudon gefolgt war, bezog die Winterquartiere zu Ober-
Schlägel in der Grafschaft Glatz.
Zwischen den beiden, anfangs Oktober nach Sachsen gezogenen
Hauptarmeen kam es am 3. November 1760 bei Torgau zur Schlacht,
welche zum Nachtheile der österreichischen Armee ausfiel. Nach
derselben ging Daun nach Dresden und bezog das Lager hinter
dem plauen'schen Grunde, der König aber rückte noch in die Gegend
von Meissen und Ende November bezogen beide Armeen in Sachsen
die Winterquartiere.
Da die Unterkünfte in Ober- Schlägel für eine Brigade nicht
ausreichten, marschirte das Regiment unter Kommando des Obrist-
wachtmeister Grafforst, da Obrist Meichsner als qua Brigadier
zurückblieb , nach Gabersdorf und Gersdorf im Glatzischen und
Wartha in Schlesien und erhielt hier recht gute Quartiere. In diesen
wurde das Regiment, bei welchem der Obrist wieder eingerückt war,
und welches 200 böhmische Rekruten erhalten hatte, plötzlich am
8. Dezember allarmirt und besetzte die Schanzen, da sich ein
feindliches Detachement gezeigt hatte; abends rückten die Ab-
theilungen aber wieder in ihre Quartiere. Obristlieutenant v. Mayer
rückte am 11. Jänner 1761 von seiner Kommandinmg im Haupt-
Lazareth zu Kukus wieder beim Regimente ein.
Am 6. Februar 1761 ist auf einer Reise nach München zu
Ehrenbreitstein der Inhaber des Regimentes an einem Blutsturz
plötzlich verschieden. Clemens August Maria Hjacinth,
Erzbischof zu Köln, des h. Reichs durch Italien Erzkanzler und
Kurfürst, legatus natus des h. apost. Stuhles zu Rom, Administrator
des Hochmeisterthums in Preussen, Meister teutschen Ordens in
teutschen und wälscheu Landen, Bischof zu Hildesheim, Paderborn,
Münster und Osnabrück, in Ober- und Nieder-Baiera auch der
oberen Pfalz, in Westphalen und zu Engen Herzog, Pfalzgraf bei
Digitized by Google
160
175«— 17««.
Rhein, Landgraf zu Leuchtenberg, Burggraf zu Stromborg, Graf zu
Pyrmont, Herr zu Borkelohn, Werth, Freudenthal und Eulenberg,
Sohn des Kurfürsten von Bayern Max Emannel und der Theresia
Kunigunde Sobieski, Tochter Johann Sobieski's, Königs
von Polen, war am 16. August 1700 zu Brüssel geboren. Tn Rom
für den geistlichen Stand mögen, wurde er 26. März 1719 Bischof
zu Münster und Paderborn, 1723 Erzbischof von Köln, 8. Februar 1724
Bischof von Hildesheim, den 4. Mfirz 1725 zum Priester geweiht,
erhielt er zu Witerbo durch Papst Clemens XI. 10. November 1727
die bischöfliche Konsekration. Eingekleidet wurde er in den teutschen
Orden den 16. Juli 1728 und Tags darauf zum Hoch- und Teutsch-
meister erwählt. Clemens August war der reichste geistliche
Fürst seiner Zeit, unendlich gütig und wohlthätig. Für das Regiment
war er sehr besorgt, dem er zahlreiche, auf seine Kosten geworbene
Rekruten zusendete und sowohl die verwundeten Offiziere, als die
Witwen und Waisen der gebliebenen Offiziere und Mannschaft
wahrhaft fürstlich unterstützte. Sein Leichnam wurde in der Ka-
thedrale zu Köln begraben.
Nachdem F.-Z. -M. Baron Loudon den Waffenstillstand ge-
kündigt hatte, erhielten die Regimenter des Korps den Befehl, sich
zu konzentriren. Das Regiment versammelte sich am 22. März 1761
zu Silberberg, rückte den folgenden Tag über Neurode in das Lager,
wo es zu verschiedenen Postirungen verwendet und dann nach Weiss-
Gersdorf zum Korps des F. -M. -Lt. Elrichsha usen gezogen
wurde.
Oesterreichischerseits war das Ziel des sechsten Feldzuges die
Behauptung Sachsens und die Eroberung Schlesiens. Daun liess
die Armee vom 8. Mai 1761 an kampiren und gedachte den König
in dem Lager von Strehla festzuhalten, um Loudon zu seiner Ver-
einigung mit den Russen und Operationen gegen Schlesien Zeit und
Luft zu verschaffen; der König jedoch, besorgt um Schlesien, brach
anfangs Mai dorthin auf und liess den Prinzen Heinrich mit
33.000 Mann bei Meissen stehen. Nach des Königs Abzüge liess
Daun die preussischen Vorposten häufig beunruhigen und sendete
am 8. Mai zehn Infanterie- und acht Reiter -Regimenter dem F.-Z.-M.
Loudon als Verstärkung.
Am 1. Juni 1761 erhielt das Regiment vom F.-Z.-M. Baron
Loudon die Mittheilung, dass Ihre Majestät die Kaiserin den
Digitized by Google
1750-1768.
161
General - Lieutenant Herzog Karl zu Lothringen und Bar, Hoch-
und Teutschmeister, Gouverneur und General - Kapitän der öster-
reichischen Niederlande, Ritter des goldenen Vliesses, mit Aller-
höchstem Handschreiben vom 3. Mai, zum wirklichen Obrist- Inhaber
des Regiments ernannt habe. Dieses Allerhöchste Handschreiben
lautete :
„So vergnüglich Mir die auf Euer Liebden einhellig ausgefallene
„Wahl Eines Hoch- und Teutschmeisters, letzthin zu Vernehmen
.gewesen, So erfreulich ist Mir nunmehr auch die gelegenheit, die-
selben zum wirklichen Obristen nber das durch Absterben dero
.Vorfahrers in dem Hochmeisterthum des teutschen Ritter Ordens
.erledigte zum Dienst Meines Ertzhauses errichteten Infanterie Regi-
,ment zu bestellen: Welches also Euer Liebden zur angenehmen
.Nachricht hierdurch erinnern ; Wie Ich dann auch das gewöhnliche
.Patent unter Meiner Signatur samt übrigen Dazu erforderlichen
.Eipeditionen durch den Hofkriegsrath nblichermassen ausfertigen
.lassen.
.Wien 3. Mai 1761.
.Maria Theresia m. p.*
Zwei Monate vergingen mit resultatlosen Manövern ; die Russen
marschirten Oberaus langsam und erreichten erst am 15. Juli die
schlesische Grenze. Trotz allen von Friedrich II. in Anwendung
gebrachten strategischen Kunststücken, gelang es Loudon, sich am
19. August bei Strigau mit den Russen zu vereinigen und da jetzt
60.000 Oesterreicher und 70.000 Russen der nur 50.000 Mann
zählenden preussischen Heeresmacht gegenüberstanden, schien Frie-
drichs Verderben als das Ereigniss der nächsten Tage. Dieser zog
sich in die Nähe von Schweidnitz zurück und bezog ein festes
Lager bei Bunzelwitz. Loudon schlug im Kriegsrathe einen Sturm
auf dasselbe vor; allein der russische General erklärte sich nicht
einverstanden, und als die Preussen ein russisches Magazin weg-
nahmen, gab dies Anlass, dass er sich am 9. September von
Loudon trennte, abermals über die Oder zurückging und so die
Früchte der lang ersehnten Vereinigung in ihren Keimen erstickte.
Friedrich blieb nach dem Abmärsche der Russen noch 14 Tage
im Lager bei Bunzelwitz, worauf er einen Einfall nach Mähren
demonstrirte ; aber Loudon ging nicht in die Falle, sondern ver-
11
Digitized by Google
1G2
stand es, des Königs Abmarsch zur Ausführung einer der kühnsten
Thaten dieses Krieges zu benützen. Es galt die Festung Schweidnitz
unvermuthet zu überfallen und mit Sturm zu nehmen. Schon am
30. September schlössen Huszarcn, Kosaken und Kroaten einen Kreis
um die ganze Festung, der sich gegen Abend immer mehr verengte,
um zu verhindern, dass eine Nachricht in die Festung gelange.
Um 4 Uhr nachmittags versammelten sich die zum Sturm
bestimmten Truppen in der Stille bei Kunzendorf; die Armee aber,
in welcher das Regiment bisher alle Bewegungen mitgemacht hatte,
brach gegen Abend die Zelte ab und marschirte gegen Reichenbach
in das ausgesteckte Lager, um den Festungs - Konimandanten irre
zu führen. Dieser hatte aber doch Nachricht von dem bevorstehenden
Angriff erhalten und liess daher die Besatzung abends 5 Uhr in's
Gewehr treten, die mit Einbruch der Nacht ihre Posten bezog und
so vertheilt war, dass vier Bataillone die Aussenwerke und ein
Bataillon die Stadt besetzt hielt. L o u d o n erschien selbst in Kunzen-
dorf, ermunterte die dort zum Sturm versammelten Truppen, empfahl
Ordnung und Mannszucht, verbot die Plünderung aufs schärfeste,
statt deren er den Soldaten eine Belohnung von 100.000 Gulden
versprach. Nun riefen die Grenadiere einhellig: „Nein, Vater
„Loudon, wir brauchen kein Geld, führe uns nur zu Ruhm und
„Ehre!'
Nachdem die Kolonneu geordnet, die Arbeitsleute eingetheilt
und die Leitern ausgegeben waren, marschirte die Kolonne an ihre
Bestimmung ab, wo sie um 2 Uhr nach Mitternacht ankam. Nach
einer Stunde Rast begann der Angriff. Die Truppen rückten auf
allen Seiten, ohne einen Schuss zu thun, in der grössten Ge-
schwindigkeit und Stille an und hielten sich auch dann nicht auf,
als sie sich entdeckt sahen. Trotz Wolfsgruben, Fussangeln etc.
machten sich die Grenadiere, die an der Spitze jeder Abtheilung
standen, Bahn mit dem Bajonnet, drangen in den bedeckten Weg
und trieben die Feinde aus den Aussenwerken der Forts. Ohne
Verzug sprangen nun die vordersten Bataillone in den Graben, er-
stiegen die Schanzen und Zugbrücken und bald waren die Forts in
ihren Händen. Am hartnäckigsten vertheidigte sich das Galgen-Fort
gegen das Regiment Loudon, dem es erst nach dem dritten An-
griffe gelang, Herr desselben zu werden. Von den eroberten Forts
richteten die Sieger die feindlichen Geschütze auf die Stadt, die
Digitized by Google
MM~1MS,
163
nicht lange Widerstand leistete und mit stürmender Hand genommen
wurde. Der preussische General Zastro musste sich mit der Be-
satzung auf Gnade und Ungnade ergeben. Ausser 3776 Gefangenen
und 211 Kanonen waren grosse Vorräthe an Kriegsbedarf jeder Art
und wohlgefttllte Magazine die reiche Beute dieser unsterblichen
Waffenthat. Der Verlust der Oesterreicher bestand in 500 Todten
und 1179 Verwundeten, ein Beweis, wie tapfer sich die Besatzung
vertheidigt hatte.
Die Einnahme von Schweidnitz war der wichtigste Dienst, den
London in diesem Zeitpunkte der österreichischen Armee leistete,
die nach sechs blutigen Feldzügen dadurch zum erstenmale die
Winterquartiere in Schlesien beziehen konnte.
Loudon erhielt von der Kaiserin ein sehr gnädiges Hand-
schreiben, grosse Geschenke und zwei Chatouillen mit Kostbarkeiten
als ein Andenken zur Vertheilung an jene Offiziere, die sich am
meisten hervorgethan. Zwei Grosskreuze und mehr als 20 Ritter-
kreuze des Maria Theresien - Ordens wurden durch das Kapitel an
die Generale, Stabs- und Oberofliziere vertheilt, welche sich helden-
müthig ausgezeichnet hatten; die Mannschaft erhielt einen halb-
jährigen Sold und die versprochenen 100.000 Gulden.
Der König hielt die Nachricht für ein Märchen, bis er sich
von der Wahrheit durch die Vereitelung seiner Absicht, nach Mähren
einzudringen, überzeugte.
Das Kriegsjahr 1761 hatte somit für den König mit einem
schweren Verlust geendet. Loudon war Herr eines grossen Theiles
von Schlesien geworden und hatte die Gebirge inne, welche als
vortreffliche Stützpunkte für die weiteren Unternehmungen dienten.
Das Regiment hatte in Breitenhein die Winterquartiere bezogen und
gab täglich einige hundert Mann auf Schanzarbeit.
Mit 1. November wurden beim dritten Bataillon zwei Kom-
pagnien, dann beim Stabe der zweite Obristwachtmeister und der
zweite Wachtmeister - Lieutenant auf Befehl des Hofkriegsratiis
reduzirt.
Am 4. Dezember wurde das Regiment nach Hausdorf in Schlesien
verlegt; das dritte Bataillon marschirte am 16. nach Wien, wo das-
selbe am 24. eintraf.
Daun stand in Sachsen in günstig gelegenen Winterquartieren ;
die Russen hatten Preussen, Hinter- Tömmern und die Neumarkt
11*
164
besetzt. Friedrichs Heer war auf 60.000 Mann geschmolzen
und es fehlten die Mittel zur Ergänzung. Auch die politischen Ver-
hältnisse standen ungünstig. England stellte die Zahlung der Sub-
sidiengelder ein und der Krieg der Türkei gegen Oesterreich erwies
sich als eitel. Aber ein glücklicher Zufall rettete den König aus
seiner höchst bedenklichen Lage.
Am 5. Jänner 1762 starb die Czarin Elisabeth von Russ-
land; ihr Nachfolger Peter III. schloss am 16. Februar Waffen-
stillstand, in Folge dessen die russischen Truppen alle preussischen
Besitzungen räumten und am 5. Mai wurde der Friede unterzeichnet.
Auch Schweden sagte sich vom Bunde los und schloss am 22. Mai
Frieden; Friedrich II. konnte also seine ganze Streitmacht den
Truppen der Kaiserin, sowie der Reichsarmee entgegenstellen und
ernster ward die Situation ffir Oesterreich als Peter III. mit
Preussen in offenen Bund trat.
Unter ungleich ungünstigeren Verhältnissen fflr Oesterreich
begann also der siebente Feldzug, zu dessen Einleitung Friedrich
an die Eroberung der Festung Schweidnitz schritt. Daun übernahm
am 12. Mai das Oberkommando in Schlesien und dahin war ein
grosser Theil der k. k. Regimenter marschirt; das Regiment kam
am 5. Februar nach Silberberg in Schlesien, blieb hier bis anfangs
Mai, worauf seine Eintheilung in das Korps des F.-M.-Lt. Hadik,
dann später in jenes des F.-M.-Lt. Brentano erfolgte, welches
bei Adelsdorf Stellung nahm.
Laut Eintheilungs-Liste bestand das Offiziers-Korps 1762 aus:
Obrist-Inhaber Herzog Karl v. Lothringen, Hoch- und Teutschmeister.
Obrist- Regiments -Kommandant Johann Christof Freiherr Meiohsner
von Alekhofen.
Obristlientcnant J Virus Nikolaus von Mayer.
1. Obristwachtmeister Ludwig von Grafforst.
IL „ Maximilian Br. H a u t z e n b e r g.
Kaplan Franz S o h w a b.
Quartiermeistcr Karl D u b i o 1.
Auditor Franz von Liedelsheim b.
Ohirurgus Norbert Pauler
Fähnriche Johann Mohr von Sonneg und Mohrberg, Moria
von Staun, Cölestin v. Mohr, Franz v. Tachetzi, Anton v. G rotten eg,
Paul de C a n d i a n i.
1. Wachtmeister-Lieutenant Andreas Zapletal.
2. „ David Höf fern.
Wagenmeistci Gottfried H o r n i k.
Profoes Michael Schweitzer.
Digitized by Google
1756 17«8.
165
Kompagnie
Hauptmann
i
L i c u t e ti :i :i t
Ober- Unter-
1. Grenadier-
Paul de Montigtioni
Wilhelm Freiherr
Truchses
Martin Kessler
Franz de Bonne
2. Grenadier-
Johann Theodor
Karl Gärthner
Leib-
Kapitän-
Konrad Stinkel
Josef v. Egen
Josef Gr. Auersperg
Obrist-
Kapitän-
Christian d'Altropp
Konstantin Roth
Johann de Brevost
Obristlieutenant-
Kapitän-
Josef de Mohns
Johann Schmid
«j osei \> arnes
v. Maas
Obristwachtm.-
Kapitän-
Franz Br. Wilsdorf
Johann Ottenthai
Felix de Coretti
Obristwachtm.-
Peter Mochne
Friedrich Stephan
Michael d'Orelli
Quanne-
Johann Chevalier
de Quanne
Melchior Schüller
Jakob Böok
Rosenberg-
Wilh. Br. Rosenberg
Wilh. v. Frakstein
Georg Br. Le6twitz
Spurlati-
Han. de Spurlati
Karl v. Hörle
Herrn, v. Warnesius
Truchsef-
Wilhelm Freiherr
von Truchses
AuguBt Br. Kleist
Peter Gr. Bernigotti
Tbam-
Friedrich v. Tham
Karl de Gusio
Anton Birago
d'Aspremont
Stael-
Clemens Br. Stael
Ignaz Kichl
Karl Stialek
Herray-
Johann Hervay
Franz Wolff
Karl v. Gehren
3. Bataillon iu Brunn.
Cauipen-
Leuthner-
Friedrieh v. Campen Johann Schinid
Johann Neumaun
Augustin Leuthner
Josef Weiler
Franz Schmid
Polastre-
Pilgriin-
Daniel de Polastie
Josef Ertel v. Seau
Willibald v. Raadt
Friedr. v. Pilgrim
Wenzel Huttisch
Wilh. Br. Kerpen
Polastre-
Erasmus de Polastre
Josef Graf Spretti
Joachim de Zuchari
Mochne
Peter Mochne
Josef Belenus
Karl Leuthner
16G
17««— 1763.
Anfangs Juni verstärkte 1) a u n die Garnison in Schweidnitz
durch Kommandirte ; das Regiment stellte hiezu : Obristwachtmeister
Baron H a u t z e n b e r g, Kapitänlieutenant de M o h ri s, Oberlieutenant
Hörle, Lieutenant Warnesius, 1 Feldwebel , 1 Feldscher,
1 Fourier, 8 Korporale, 2 Spielleute, 1 Zimmermann, 200 Gefreite
und Gemeine.
Friedrich II. stand bei Breslau und als sich ihm ein
russisches Hilfskorps angeschlossen hatte, begann er die Operationen,
um die Oestencicher von Schweiduitz zu entfernen. Er brach am
1. Juli auf und wollte Daun umgehen; dieser aber, hievon recht-
zeitig in Kenntniss, zog sich am 2. Juli nach Kunzendorf hinter
Schweidnitz. Friedrich war bis Buuzelwitz vorgerückt, von wo
er Anstalt traf, des Feldmarschalls linke Flanke zu umgehen. Diesmal
blieb die Absicht des Königs geheim ; es gelang ihm die Umgehung
und er traf auf den mit einem kleinen Korps fast im Rücken der
Armee postirten F. - IL - Lt. Brentano.
Es war am 6. Juni früh morgens, als 26 feindliche Bataillons
und 50 Eskadrons auf der Strasse von Hohenfriedberg gegen Reichenau,
dann durch dieses Dorf und den Ravin gegen das auf den Höhen
postirte Korps Brentano vorrückten. Dieser liess aus seinen schweren
Geschützen sogleich das Feuer eröffnen, worauf die feindliche Artillerie
auf den gegenüber liegenden Höhen auffuhr und ebenfalls das Feuer
begann. Dieser Geschützkampf wahrte über drei Stunden sehr lebhaft,
worauf endlich fünf feindliche Bataillons durch das Dorf Adelsbach
zogen und den Sturm gegen die Höhen begannen, während gleich-
zeitig die übrigen feindlichen Truppen in angemessener Entfernung
folgten. Ungeachtet des heftigen Feuers der gut bedienten kaiser-
lichen Geschütze, kamen jene fünf Bataillons durch den Wald bis
an den Berg, wurden aber hier von der kaiserlichen Infauterie mit
einem so heftigen Bataillefeuer empfangen, dass sie augenblicklich zu
wanken anfingen und sofort durch zwei Bataillons Warasdiner mit
dem Säbel und Bajonnet über den Haufen geworfen. Hiebei wurden
4 Fahnen erobert, 4 Offiziere und eine beträchtliche Anzahl Mann-
schaft gefangen genommen, auch giugeu über GOO Mann über. Der
Wahlplatz war mit Todten und Blessirten besät; der Feind zog sich
durch Reichenau zurück und nahm Stellung bei Bauragarteu.
Das Regiment hatte nur 5 Todte und 11 Blessirte; der Ge-
sammtverlust des Korps betrug 150 Mann.
Digitized by Google
175« -17«3.
167
Breutauo nahm am 7. früh mit seinem Korps Stellung bei
Friedland, wohin der Feind Nachmittags mit 22 Bataillons und 35
Eskadrons folgte. Da diese Stellung durchaus nicht geeignet war,
den Kampf mit einer solchen Uebermacht aufzunehmen, marschirte
Brentano ungesäumt gegen Dittersbach ab, um Braunau zu decken.
Die feindliche Reiterei setzte hitzig nach, aber die österreichische
warf sie jedesmal zurück und ersetzte durch Tapferkeit ihre Minder-
zahl. Kurz vor Hausdorf griff die feindliche Reiterei nochmals an,
wurde aber abermals durch das Regiment Leopold - Dragoner nicht
nur abgewiesen, sondern auch gänzlich über den Haufen geworfen.
Nun Hess der Feind vom Verfolgen ab und das Korps besetzte ohne
Anstand seine neue Stellung.
Wegen dieser tapferen Haltung des Korps erliess die Kaiserin
nachstehendes Allerhöchstes Handschreiben:
»Lieber Feldmarschall - Lieutenant von Brentano!
«Der Feldmarschall von Daun hat mir die von Euch bey der
.letztern glücklichen Aktion bewiesene Klugheit und Tapferkeit be-
sonders angerühmt; dieses günstige Zeugniss hat mich in der vor-
teilhaften Meynung, welche ich zwar ohnedem von diesem wichtigen
.Vorfall gehabt, noch mehr bestärket, habe dahero mich entschlossen,
»Euch hierob meine vollkommene Zufriedenheit Selbsten zu bezeugen.
.Nehmet hieraus eine überzeugende Probe des gnädigsten Wohl-
gefallens, mit welchen Euren so tapfern als klugen Betragen, wovon
.Ihr bey dieser, wie bey andern Gelegenheiten, öfftere Merkmale
, gegeben, ansehe; eben so zufrieden bin ich auch mit der Stand-
.haftigkeit der Truppen, welche unter Eurer herzhaften Anführung,
,als wackere Leute, unerschrocken gefochten haben, und trage Euch
.auf. dass Dir denselben Offiziers, auch Gemeinen, mein gnädigstes
.Wohlgefallen über ihre rühmliche Aufführung in meinem Nahmen,
.zu erkennen gebet, seyd anbey versichert, dass Euch und Euren
.Truppen mit kaiserlich - königlichen auch landesfürstlichen Huldeu
,und Gnaden jederzeit wohl gewogen verbleibe
.Schoenbrunn, den 14. Juli 1703.
.Maria Theresia m. p.-
Dieses Allerhöchste Handschreiben wurde dem mit präsentirtem
Gewehr aufgestellten Regiment vom F. -M. -Lt. Brentano vor-
Digitized by Google
168
175G -1708.
gelesen, und hierauf mit weithin schallenden enthusiastischen Vivats
beantwortet.
Die beispiellos heldenmüthige Haltung dieses kleinen Korps,
vereitelte auch diesmal theilweise die Absicht Friedrichs; denn
Daun kam mit der Armee ungefährdet in das Lager zwischen Ditt-
mannsdorf und Purkersdorf. Das Regiment wurde hier in das Korps
des F.-M.-Lt. Lacy eingeteilt.
Wahrend sich so der König vergeblich abmühte, seinen Gegner
von Schweidnitz gänzlich zu trennen, trugen sich einflussreiche Dinge
in Russland zu. Eine Revolution zu St. Petersburg warf Peter HL
in den Kerker und hob Katharina II. auf den Thron. Als diese
Nachricht nach Wien langte, sendete die Kaiserin den Obristlieute-
nant v. M a y e r mit derselben an den General-Gouverneur der Nieder-
lande und Inhaber des Regiments, Herzog Karl von Lothringen.
Katharina II. löste sogleich den Bund mitPreussen. Misslich
war nun wieder Friedrich's Lage, denn von Russlands Seite
drohte ihm von Neuem der Krieg. In diesem kritischen Augenblicke
wusste die Klugheit des Königs, die schon zum Abmärsche befeh-
ligten Russen noch einmal für Preussens Zwecke zu benützen, indem
sich der General Czernitschef bewegen liess, seinen Abzug
um drei Tage zu verschieben. Im österreichischen Lager kannte man
nicht die Aenderungen in der russischen Politik, hielt also die Russen
noch immer für Preussens thätige Alliirte und liess sie durch zwei
Korps beobachten. Friedrich eroberte die von Brentano und
0 *K e 1 1 y tapfer vertheidigten Pässe von Purkersdorf und Leutmanns-
dorf, worauf Daun im Rücken bedroht, die Festung Schweidnitz
ihrem Schicksale überliess und die k. k. Armee nach Falkenberg
und Tannhausen zurückführte.
Friedrich II. schritt nun zur Einschliessung von Schweidnitz.
Am 15. August versuchte Daun die Festung zu entsetzen und
rückte an diesem Tage bis an den Fuss der hohen Eule. Den IC.
maischirte die Armee gegen den Prinzen Bevern, welcher mit an-
sehnlicher Macht auf dem Spittelberge nächst Reichenberg stand.
Die Grenadiere des Regiments formirten mit jenen von Harr ach
und Lacy ein Bataillon unter Kommando des Majors Mittrovsky,
und befanden sich sammt dem Regiment im Corps des F.-M.-Lt.
Lacy, welches sich am 16. in der Nacht bei Schönwalde sammelte,
seine Zelte aufschlug und dann am Tage abkochte. Um 3 Uhr nach-
Digitized by Google
1756 17«3.
10.9
mittags setzte sich die Armee in v ier Kolonnen zum Angriff in Be-
wegung. Die zweite unter Lacy marschirte links ab, bildete die
Mitte, rückte nach Ober-Peilau und begann den Kampf mit einer
lebhaften Kanonade. Hier kam ihr die feindliche Kavallerie entgegen,
welche mit der österreichischen handgemein wurde, welche nach
einem langen hartnäckigen Kampfe zurück musste, worauf auch
Lacy nach Peilau zurückmarschirte und hier Stellung nahm. Im
Verlaufe des weiteren Kampfes konnte Lacy nicht vorwärts kommen,
da B e v e r n ansehnliche Verstärkungen erhielt und nur dem F.-M.-Lt.
Beck war es gelungen mit Erfolg seine Aufgabe zu lösen; er drang
über Peilau hinaus gegen die Kuppe des Fischberges. Die einge-
brochene Nacht endigte den Kampf, in welchem das Regiment vom
Feldwebel abwärts 6 Todte und 14 Verwundete verloren hatte.
Daun wollte den andern Tag den Kampf wieder aufnehmen;
da sich aber die Preussen fortwährend verstärkten und eine nahezu
unangreifbare Stellung inne hatten, zog Daun die Armee in die
Grafschaft Glatz zurück, lagerte am 19. bei Schlägel und am 20.
zwischen Ober-Neine und dem Heuschauer-Gebirge. General Bren-
tano marschirte nach Dittersbach und dort lagerte das Regiment,
welches wieder seine Eintheilung in diesem Korps erhielt, neben
dem Regiment Haller Nr. 31.
Jetzt konnte Friedrich II. zur Belagerung von Schweidnitz
schreiten. Es war die letzte Waffenthat des siebenjährigen Krieges,
ein Kampf, in welchem sowohl die kaiserliche Besatzung unter
F.-M.-Lt. Franz Graf Quasco, wie die Belagerer unter General-
Lieutenant T a u e n z i e n alles aufboten, was sich an Muth, Ent-
schlossenheit und Ausdauer von den besten Truppen erwarten Hess.
Das Tagebuch bildet eine ununterbrochene Schilderung rühmlicher
Thaten. In der Nacht vom 7. auf den 8. August wurden die Lauf-
gräben eröffnet, und bei dem in derselben Nacht unternommenen
Ausfalle that sich Major Baron Hautzenberg, welcher während
der Verth eidigung ein zusammengesetztes Bataillon kommandirte,
rühmlich hervor. Die Arbeiten der Gegner wurden durch tüchtige
Gegenwehr und häufige kflhne Ausfälle, deren auch das Detachement
des Regiments öfter beiwohnte, gestört. Der König hielt den Fall
des Platzes in 10 bis 12 Tagen für sicher; später, am 26. September,
schrieb er schon: „Ich habe zu schnell das Ende der Belagerung
»auf den 12. angegeben. Wir müssen sechs Wochen verwenden, um
170 1756-1768.
„ einen Platz wieder zu nehmen, welchen wir in zwei Stunden ver-
loren haben." Aber aus sechs Wochen wurden acht, und noch hielt
sich Qua sco in Schweidnitz. In der grössten Ausdehnung wurde
der Minenkrieg geführt. Die Belagerer wendeten alles an, durch
Minen oder Sturm die Festung zu erobern, aber die Belagerten
vereitelten durch Gegenminen jede ihrer Bemühungen und zerstörten
oft durch Ausfalle die schwierigsten und langwierigsten Arbeiten der
Feinde. Auch die hier zum ersten Male in Anwendung gebrachten
Druckkugeln machten nicht die gehoffte Wirkung. Am 23. September
übernahm der König selbst die Leitung der Belagerung. Am
8. October schlug eine Granate in ein grosses Pulvermagazin des
Jauernicker Forts, welches mit 200 Mann der Besatzung in die
Luft flog, wodurch der Graben verschüttet und der Zugang offen
gelegt wurde. Zwar schlugen die Kaiserlichen trotz dieses Unfalls
den von den Preussen in der folgenden Nacht gegen diese Bresche
versuchten Sturm zweimal zurück; da aber die verwüstete Stelle
nicht mehr sturmfrei herzustellen war, die Besatzung sich durch
64 Tage mit unvergleichlichem Heldenmuthe in einem Platze, der
eigentlich gegen eine regelmässige Belagerung gar nicht widerstands-
fähig war, gehalten hatte, auch die Munition mangelte, so entschloss
sich Quasco zur Uebergabe. Am 11. Oktober marschirte die Be-
satzung, 218 Offiziere und 8094 Mann , mit allen kriegerischen
Ehren, mit fliegenden Fahnen und klingendem Spiele aus der Festung,
legte die Gewehre ab und wurde kriegsgefangen. Die Offiziere be-
hielten ihre Degen, die Unteroffiziere die Seitengewehre. Vom Regi-
ment : Obristwachtmeister von Hautzenbcrg, Hauptmann de
Mohris, Oberlieutenant von Hörle (verwundet), Lieutenant von
W'arnesius; von der Mannschaft waren 19 geblieben, 7 gestorben,
42 verwundet.
In dem Tagebuche, welches F. - M. - Lt. Q u a s c o an den
Hofkriegsrath gesendet, heisst es zum Schlüsse :
„Es ist überflüssig, den Eifer, die Standhaftigkeit und Tapfer-
keit der gesammten Offiziers, den guten Willen, die Geduld und
„das Verhalten der Besatzung es seyen Grenadiers oder Füsiliers,
„allhier mit Lobsprüchen zu erheben.' Alle haben gleiche Mühselig-
keiten ausgestanden und sind der Gefahr mit so freudigem Ge-
„müthe entgegen gegangen, dass man wenig dergleichen Beispiele
„hat. Bei allen Gefahren und Beschwerlichkeiten waren diese braven
Digitized by Google
1756-17(43.
171
»Leute munter und fröhlich. Von dieser Gesinnung der Soldaten,
„und dem Eifer, seine Schuldigkeit zu thun, konnte man allein einen
„solchen Widerstand erwarten."
Nun folgen alle jene Offiziere, welche sich hervorragend aus-
gezeichnet haben, unter welchen Obristwachtmeister v. H a u t z e n-
b e r g mit dem Beisatze genannt ist, dass er als Kommandant
eines Forts, ß viele schöne Proben seines Fleisscs und Uncrschrocken-
heit abgelegt habe."
In Folge dieser tapferen Vertheidigung erhielt F.-Z.-M. Graf
Quasco und 2 Feldmarschall-Lieutenants, das Grosskreuz, 2 Obriste,
2 Obristlieutenants, 2 Majors, 8 Hauptleute, 3 Grenadier-Hauptleute
und 1 Lieutenant das Kitterkreuz des Maria -Theresien- Ordens. Die
Kaiserin bewilligte den Offizieren vom Obristlieutenant bis ein-
schliesslich zum Hauptmann einen sechsmonatlichen, den Ober-,
Unterlieuteuanten und Fähnrichen einen einjährigen Gehalt, der
Mannschaft einen einmonatlichen Sold.
Als Quasco kriegsgefangen noch Königsberg gebracht wurde
und an der Spitze seiner Offiziere Friedrich U. begrüsste, sagte
dieser: .Mein Herr, Sie haben Allen, die Plätze zu vertheidigen
haben, ein schönes Beispiel gegeben, aber Ihr Widerstand hat mich
8000 Mann gekostet."
Der Fall dieser Festung beendete den Feldzug in Schlesien. Am
24. November wurden Waffenstillstands-Verträge für Schlesien und
Sachsen abgeschlossen und die Armeen bezogen die Winterquartiere.
Das Kegiment war am 20. Oktober mit dem Korps F.-M.-Lt.
Brentano, welches seit dessen Erkrankung der Herzog Albert von
Sachsen - T eschen kommandirte , nach Sachsen aufgebrochen,
traf am 2. Dezember bei Dresden ein, erhielt hier die Eintheilung
in das Korps des F.-M.-Lt. Hadik, marschirte dann nach Podevitz,
wo es täglich vor Anbruch des Tages die Schanzen besetzen musste ;
bis es eudlich in Dölnitz und den umliegenden Ortschaften die
Winterquartiere bezog.
Am 31. Dezember 1702 eröffneten die Diplomaten von Oester-
reich, Preussen im Schlosse Hubertsburg bei Leipzig die Friedens-
unterhandlungen ; kurz nur währten die Debatten, denn alle Parteien
sehnten sich nach Ruhe. Am 15. Februar 17(33 wurde der Friede
geschlossen, kein Thcil hatte gewonnen, die Karte Europas blieb
unverändert.
Digitized by Google
172
1756- 1763.
Da nach dem Friedenssehl uss die k. k. Truppen Sachsen ver-
lassen mussten, brachen die beiden Feld - Bataillons am 5. März
1763 auf und trafen am 14. in Ellbogen ein, wo sie hier und in
den umliegenden Ortschaften bequartirt wurden. Das Regiments-
Depositorium unter Hauptmann Stael, bisher in Leutomischel,
rückte nach Eger.
F. -Z.-M. Graf Lacy wurde von Ihrer Majestät mit der
Musterung der Truppen betraut. Derselbe erliess eine Regiments-
Norma, laut deren zwölftem Punkte jedes Regiment im Frieden aus
4 Bataillons mit je 4 Kompagnien, ä 113 Mann, dann 2 Grenadier-
Kompagnien, ä 114 Mann, bestehen sollte. Die Proviantwägen wurden
abgeführt, der Büchsenmacher, Wagenmeister und Hegimentsschmied
entlassen ; auch wurde 439 Kapitulanten, welche kein frisches Hand-
geld nahmen, und 211 Mann als Invalide in ihre Heimat gesendet,
worauf am 1. April das Regiment die Revision passirte.
Der aus Preussen oder Sachsen gebürtigen Mannschaft wurde
freigestellt in ihre Heimat zurückzukehren oder im Regimente zu
bleiben. Anfangs April erhielt das Regiment aus Nieder-Oesterreich,
Böhmen, Mähren und Steiermark 655 Rekruten, wodurch der Abgang
vollkommen gedeckt war.
Am 5. Mai 1763 brach der Stab und die Feld-Bataillons von
Ellbogen auf, marschirten durch das Beireut- Vogt -Bamberg- und
Würzburgische bis Lohr in Fussmärschen; hier wurden dieselben
einbarquirt und auf dem Main und Rhein bis unweit Köln geführt,
dann am 30. Mai in Fussmärschen Über Aachen nach Brüssel rückten,
wo dieselben am 16. Juni eintrafen und vom Regiments - Inhaber,
Herzog Karl von Lothringen, besichtigt und sehr belobt wurden.
Hierauf marschirte das Regiment in die ihm angewiesene Garnison
nach Möns im Hennegau, welche dasselbe am 19. Juni erreichte.
Das in der Wiener Garnison gestandene dritte Bataillon ist
am 16. Mai, nachdem jeder Offizier von Ihrer Majestät der Kaiserin
eine monatliche Gage, jeder Mann eine einmonatliche Löhnung als
Geschenk erhalten hatten, aufgebrochen, marschirte nach Eger in
Böhmen, dann durch die deutschen Lande nach Schweinfurt, wo es
den 27. Juni einbarquirt und auf dem Main und Rhein bis Gründ-
lingshausen bei Düsseldorf fuhr, rückte hierauf in Fussmärschen
über Rohrmund und Brüssel nach Möns, wo es am 21. Juli nach
langjähriger Trennung beim Regiment eintraf.
Digitized by Google
|7M- 17«3.
173
Während dieser Zeit erhielt das Regiment vom Hofkriegsrath
mit 8. Juni den Befehl, 2 Fahnen-Kadeten mit Offiziersrang, welche
beim Wachtmeister - Lieutenant zum Dienste zu verwenden sind,
dann 6 kaiserliche ordinari Kadeten, im Stande zu führen, welch'
letztere bei den Kompagnien unter dem Gewehr nach ihren Fähig-
keiten als Gemeine oder Unteroffiziere zu verwenden sind. Die ersten
Kadeten im Regiment waren Fahnen-Kadet Franz Birago d'Aspre-
mont; ordinari Josef L i n z, Josef Kell er, Franz Fi edlen, Ernst
Urbany, Ferdinand von Glomm er, Gotthard Baron Pilati,
Vincenz Pischotti de Kosta.
Am 7. Juli wurden drei Offiziere auf Werbung in das deutsche
Reich gesendet. 'Hauptmann Mochne kam in die Hauptstation
Köln, Oberlieutenant Baron Kleist nach Ncisse bei Dflsseidorf und
Oberlieutenant Roth nach Aachen.
Auf Befehl des Hofkriegsraths vom 8. September wurden die
Fähnrichs vom Stabe wieder bei den Kompagnien eingetheilt; auch
wurde befohlen, dass die Regiments-, Bataillons- und subalternen
Chirurgen nicht mehr die Regiments-Uniform, sondern mohrengraue
Rocke mit schwarzen Aufschlägen und rothom Unterfutter, dann
rothe Westen und Hosen, auch gelb bordirte Hute mit dem Unter-
schiede tragen sollen, dass die Rock- und Kamisol - Knöpflöcher
bei den Regiments- und Bataillons - Chirurgen mit einer schmalen
goldenen Bollete ausgenäht, die Weste des Regiments - Chirurgus
mit einer schmalen Goldborte bordirt, die Unter - Feldscherer aber,
ausser dem Hut, ganz glatt zu tragen haben.
Am 17. Oktober röckte das Regiment auf dem Johannesplatz
zu Möns in grösster Parade aus und wurde hier von seinem Inhaber,
Herzog Karl von Lothringen, und höchst dessen erlauchter
Schwester, Anna Charlotte von Lothringen, welche sich mit den
Stiftsdamen eingefunden hatte, besichtigt. Nach der Besichtigung
fand die Defilirung statt, und das Regiment erwarb sich einen
.solchen gnädigsten Beyfall als jemals ein Regiment sich dessen
.flattiren kann.* (Brüsseler Zeitung.)
174 1764-1777,
1764 -1727.
Am 1. Jänner 1864 errichtete die Kaiserin die adelige Arcieren-
Leibgarde: vom Kegiment wurde der Lieutenant Franz Josef Graf
Auers p er g, welcher alle Schlachten und Gefechte des sieben-
jährigen Krieges im Regimente mitgemacht hatte, als Obcrlieutenant
eingetheilt; auch stiftete Ihre Majestät am 5. Mai 17G4 den zunächst
für Civil- Verdienste bestimmten St. Stefans-Orden.
Am 27. März 1764 erfolgte die Wahl des Erzherzogs Josef
zum römischen König, und am 3. April dessen Krönung, welche
das Regiment durch eine Kirchenparade feierte.
Gelegentlich der Anwesenheit des Obrist - Inhabers zu Möns,
produzirte sich das Regiment am 31. August vor den Festungs-
thoren in einem Revue - Manöver im Feuer und erhielt trotz der
vielen Rekruten, welche noch nicht vollkommen abgerichtet waren,
die höchste Zufriedenheit.
Das Regiment erhielt zu seinen Werbstationen im deutschen
Reiche noch drei im fränkischen Kreise zu Mergentheim, Neckarsulm
und Elbingen, und sendete am 13. September den deutschen Ordens-'
ritter Hauptmann Baron Truchses, Oberlieutenant Roth und
Schüller in diese Stationen; Hauptmann de Montignoui über-
brachte um diese Zeit 165 böhmische landständische Rekruten.
Mit Ablauf dieses Jahres langte der Allerhöchste Beschluss
herab, dass in Hinkunft die Regimenter wieder zu drei Bataillone,
und zwar die beiden ersten zu sechs, das dritte zu vier Kompagnien
formirt werden sollen. Demgemäss wurde am 15. April 1765 das
Obristüeutenants-Bataillon in das Leib- und Obrist-Bataillon einge-
theilt, auch die mit Rescript des Hofkriegsrath es noch im Jahre 1757
anbefohlene Adjustirungs- Vorschrift im Regiment durchgeführt.
Am 18. August 1765 starb zu Innsbruck Kaiser Franz I.,
Gemal der Kaiserin Maria Theresia. Die Armee erhielt den
Befehl, ein ganzes Jahr die grosse Trauer zu tragen, nämlich beim
Regiment vom Obristen bis inclusive Fahnenkadeten bei jedem öffent-
lichen Erscheinen mit dem grossen Flor von der rechten Schulter
zur linken Seite statt der Feldbinde, dann mit dem Flor an dem
Digitized by Google
Digitized by Google
17 t
•i
17'
Am 1. Jü>ner W>4
/«ibgardc: vom UryiuvJ
Auercporir, «t.'.t'i oli
jährig«« Krwp'v i>n «"' jjri
eiogetiieilt; .\urt: r.U'i :•• I
för Civil- WnM.- Im*!:"
Am 27 1 1; iT'i-l
Uta r^mir !* "■■
da« U«^in>
tbunm ii» »
Urica Rek;- »'
Reicht? >h*. • « ?ik •
uml K1H*«*» • « . - '!='•!» m
S r h ; ; ; >• ■
Iii-;»
Vitt \ .
. iti iiiftbiüsil
■ 1 1
UljUMIIiniLTr*
•llW 'U*ICflllltt 5*
ftcgimettt • 1
Digitized by Google
1776.
Schill . Druck Oti k.k HUli1 y:zi ■-• .'lilltUiU
Offizier und Musketier von
Hoch-und Deutschmeister.
Digitized by Google
1764-1777.
175
Hut, Degen und Stock, auch ausser Dienst mit schwarzen Strümpfen
und schwarz angelaufenen Schuhschnallen.
Mit Allerhöchstem Handschreiben vom 23. September 1765 er-
nannte die Kaiserin ihren erstgeborenen Sohn, Josef, Allerhöchst-
weicher nach dem Ableben Franz I. als Kaiser Josef II. mit
dein Wahlspruche .Virtute et exemplo* den deutschen Thron be-
stiegen hatte, zum Mitregenten in den österreichischen Staaten,
Grossmeister aller Ritterorden und zum Chef des ganzen Kriegswesen.
Kaiser Josef II., dessen vorzüglichstes Augenmerk auf die
Armee gerichtet war, suchte den Maria Theresien - Orden dadurch
zu verherrlichen, dass er den Qrosskreuzen zu den bisherigen Ordens-
zeichen einen gestickten Stern, der auf der linken Brust zu tragen
war, beilegte, und nach dem Beispiele anderer Orden eine Mittel-
Klasse zwischen dem Gross- und Ritterkreuze, jene der Comman-
deure einführte.
Die Oommandeure sollten dasselbe Ordenszeichen wie die
Grosskreuze, jedoch um den Hals, letztere aber mit dem Ordens-
sterne von der rechten Schulter zur linken Seite tragen.
In Folge dieser neuen Verfassung des Ordens wurde der
15. Oktober 1765, das Namensfest der erlauchten Stifterin und das
Titularfest des Ordens selbst, zur Aufnahmsfeierlichkeit der Comman-
deure bestimmt und durch den Grossmeister neun Ritter zur Com-
mandeurs-Würde erhoben.
In diesem Jahre erhielt die Armee das vom F.-M. Lacy ver-
fasste Dienst- und Exercier - Reglement (dauerte bis 1807). Die
Bataillone hiesseu : Leib-, Obristens- und Obristlieutenants-Bataillon.
Die Kompagnien sollten ihre Eintheilung bleibend beibehalten, damit
sich selbe «recht aneinander gewöhnen." Die schon seit 1757 übliche
Raugirung in drei Gliedern wurde zur Norm erhoben, und fest-
gesetzt, dass die Mannschaft Ellbogen an Ellbogen geschlossen zu
sein und die Glieder - Distanz zwei Schuh zu betragen habe. Jede
Kompagnie bestand nun aus zwei halben Kompagnien oder vier
Zügen. Zwei nebeneinander stehende Kompagnien wurden Division
genannt und es theilte sich das Leib-Bataillon in die Leib-, mittlere
und erste Majors - Division, das Obristens - Bataillon in die zweite
Majors-, mittlere und Obristen- Division, das Obristlieutenants-Ba-
taillon, in die Obristlieutenants- und zweite Division. Bei Paraden
standen der Obrist und Obristlieutenant, wenn sie kein Bataillon
170
1764—1777,
kommandirten, zu Fuss an den Flügeln des Regiments, die Bataillons-
Kommandanten immer zu Pferd vor der Mitte ihrer Bataillone. Alle
Offiziere, Fahnen und Spielleute hatten en parade die Aufstellung
vor, die Zimmerleutc hinter der Front. Zwischen den zwei zu einem
Bataillon gehörigen, von den Führern getragenen Fahnen, stand ein
Fahnenkadet mit gezogenem Säbel. Bei der Aufstellung en Ordre
de l>ataille war auch der Obrist und Obristlieutenant zu Pferd; die
Offiziere standen theils in, theils hinter der Front, die Fahnen und
Spielleute hinter der Front. Die Bajonnete mussten stets gepflanzt
sein, die Stabs- und Ober-Offiziers - Partisanen und Gewehre kamen
ab; alle Offiziere zogen nun das Seitengewehr. .Gedachtes Seiten-
»gewehr", sagt das Reglement, „hat in einem vergoldet messingenem
„GelViss. mit einem derlei gedrehten Gewiekel, nebst einer einem
.Soldaten anständigen Klinge zu bestehen, und werden in Zukunft
»die bishero ziemlich in Schwung gewesenen Modeklingen keines-
wegs mehr gestattet werden. Da sich die Offiziere ihrer Seiten-
gewehre bedienen sollen, so versteht sich von selbsten, dass sie
»bei Ziehung derenselben jederzeit Handschuhe anhaben mflssen,
»nur will nöthig sein beizurfleken, dass solche ebenfalls egal von
»gelbem Leder mit kleinen Stulpen sein müssen, üebrigens gedenket
»man zur besseren Bewehrung der Offiziere, ihnen vor dem Feinde
»eine Pistole an der Kuppel tragen zu lassen."
Sämratliche Stabs- und Ober - Offiziere, so auch der Auditor,
Rechnungsführer, Regimentsadjutant, Regiments- und Bataillons-
Chirurgus, Wagenmeister und Profoss, ferner die Feldwebel, Führer
und Regiments - Tambour trugen spanische Röhre, die Korporale
Stöcke von Haselholz.
Das Dienst - Reglement war in das Kompagnie- und Regiments-
Reglement getheilt. Ersteres umfasste in gesonderten Kapiteln die
Verhaltungen für die Chargen einer Kompagnie vom Gemeinen bis
zum Hauptmann. Der Gefreite fahrte die Schildwachen auf und
führte die Patrouillen. Der Korporal stand einem Zuge oder einer
Korporalschaft vor. Der Feldwebel rangirte die Kompagnie, kom-
mandirte den Dienst, holte die Befehle ab, überbrachte sie den
Offizieren und publizirte sie der Kompagnie. Dem Fähnrich war
besonders die Obsorge für die Kranken empfohlen und in den Vor-
schriften für den Unterlieutenant speziell das Benehmen als Ordonanz-
Offizier vorgezeichnet. Kein Unteroffizier oder Subaltern - Offizier
Digitized by Google
17G4-1777
177
durfte einen Mann mit Stockstreichen belegen, dieses war nur mehr
dem Kompagnie - Kommando gestattet.
Das Regiments - Reglement enthielt die Vorschriften Ober Stand
und Verpflegung, welche umstehendes Tableau zeigt.
Weiters enthielt das Regiments -Reglement 49 Kriegsartikeln,
den Eid, dann die Verhaltungs-Vorschriften för die unter der Rubrik
.Stabe* erscheinenden Chargen. Der Profoss sollte ein nüchterner
Mann sein, dem nicht nur die Aufsicht Ober die Arrestanten, sondern
auch die Polizei über das Marketenderwesen, Über die Reinlichkeit
der Lokalien und Sittlichkeit im Allgemeinen anvertraut war. Die
Fouriere waren bei jeder Division Einer zur Versehung der Kom-
pagnie-Manipulation bestimmt. Der Unterfeldscher sollte ein „in
.der Chirurgie, wie auch in iunerlichen Krankheiten erfahrenes
„Subjektum sein.* Der Regiments - Adjutant war noch immer nicht
Offizier, .er sollte gegen die Hauptleute und Subaltern - Offiziere
.jederzeit den gebührenden Respekt beobachten, unter ihnen den
.Huth nicht aufsetzen und keinen Kameraden machen," doch mussten
die Schildwachen vor ihm präsentiren. Die Fahnenkadeten waren
als die jüngsten Fähnriche anzusehen. Der Auditor führte nebst den
juridischen Geschäften alle Korrespondenzen und ein Protokoll über
die Erlebnisse des Regiments.
Abgestellt wurde: die spanische Reverenz (Kniebeugen beim
Salutiren) und die Abdankung; das Trommeln und Musiziren bei Be-
förderungen, desgleichen das Aufrichten von Maibäumen. Beim Ehr-
lichmachen sollte der Arrestant in das Quarrte gehen, statt wie bisher
hineinkriechen, auch musste die Kompagnie vor dem Akte um ihre
Einwilligung befragt werden, und wenn sie nicht einwilligte, war ihr
,ein derley Mensch nicht zum Kameraden aufzudringen." Die Chi-
rurgen, Unterfeldschere und Fourierschützen legten die Gewehre ab.
Die Heirats - Kautionen wurden normirt: fOr den Obristen
12.000 fl., Obristlieutenant 9000 fl., Major 8000 fl., Hauptmann
6000 fl., Kapitäulieutenant 4000 fl., Ober-, Unterlieutenant und
Fähnrich 2000 fl., Regiments-Adjutant, Regiments- und Bataillons-
Chirurgus 1500 fl. Bei der Mannschaft wurde eine gewisse Anzahl
Verheirateter systemisirt und das gebräuchliche Geschenk eines
Silberlöffels für den Hauptmann kam ab.
Die Adjustirung der Infanterie erhielt mit Reskript vom
23. Mai 1767 eine genaue Norm; der Hut wurde abgeschafft und
12
178
1764-1777.
inj
5>P"M
pOJfl
6fl
a
a
Uli
-
p
: m>
a
P
epjojj
joip«n
-WO
JOIp«U
•MB-
5 = - <=
» JS
joipuu
•-••[.IM Uli
I S
s s
SS
UHtSUQ ui
ptllij
US
a
IJCUipJQ
sqsjg | g.
— -aojp
03 | -ItllOJJ)
.21 ropwij
Ii uopou^
US
uepou^
uapeuj
CS
n i ! s s M i M i
■o n ib * ,™ . ^ .s .2 3
=
«8
E
5
©
a
2 5
s
es
«0
3
CS
US
ß
8 I
-» .2
ig
s.
—
-a
o
I 1
O
o
— •
3
M
s
1
5 »
B
'S»
!
«
:sS
J3
■
1
-
'S
o
&
es
-
<— ~* «-c ?1 ■ — —
«5 »
Digitized by Google
17M-1777.
179
H rH H f) SO
CO
f) N IM
m et ei
«
TS
CS
f
a
<v
a
08
CT t-< O <Xl --X) 00 o
B
"3
ö
- ■ — ■ - — — — op
O © »O O iß "t" iÖ iß
I pH —
«9
O
=3
te to ^
a
1
■
ss
§
I
■2
n
CO
B
«
TS
iß O CO SO CD
s
CT 5*
5
IQ |Q
H r-<
1»
f.
TP
t—
S CN
CT
CN
8
§5
p-i
pH
CT
pH ?>
es eo
p»
CT
Iß
CN
<r-
B
CO (O
CT CN
* • i
•
PN
CT
& $
t-
»
CN
p*
iß
SP
CN
r-
CT CN
8
US
S
2
"3
b .£
e *•
'S 3
- u.
3
J
s
CS
H
«
§
'S
s
o
00
o
o
CS
3 2
— es
a b a
S
08
a
a
o
■9
§ 3
a. .t; -g
9 Cu es
• «8 JB
cq M o
a
OD
es
:3
—
B
C
© »
■s JS 2 S* §
<u o o
9 m ~ S
§ -s a s
H ft« O N O
• •
p->
pH
p*
pH pH
M
rl
" o
CN
P-4
. H
P-l
pH
pH
'S"
—
rl
»
at
<0
CN
—i
cN
il
• •
pH
pp
—
—
pH
ri
CN
»-I
90
'pH
• ■
pH
p-l
•
CO
CN
CN
■— <
• •
— i
•
tH
CN
" CN
pH
Oi
CT.
1-
— ph
• ■
•
*
■ fr
•
•
sc
pH r-t
Q
B ffi
"O -B
* 2
B
O
-
B
2 *
B to
5 5
>B
12*
180
1704-1777.
statt ihm das Casquet eingeführt, welches von schwarzem Leder,
ohne Sonnenschirm, der vordere Theil nach ohen rund zugeschnitten,
einen messingenen Schild mit dem Allerhöchsten Namenszug trug;
dieser Theil war für den Geraeinen mit einem weiss - wollenen, für
den Unteroffizier mit schmalen silbernen, für den Oberoffizier mit
goldenen Tressen eingefasst. An der linken Seite steckte eine schwarz-
gelbe wollene Rose und oberhalb derselben ein derlei gelber Stutz.
Der weisse Rock hatte nun mit seinen aufgeschlagenen Schössen
bis an die Fingerspitzen zu reichen und war mit einer Reihe von
10 Knöpfen geschlossen; der schmale umgelegte Kragen, die breiten
Aufschläge, sowie das Unterfutter der nach vorne aufgeschlagenen
Rockschösse waren beim Regiraente von blauer Farbe. Der gelb-
montirte Säbel war nun kurz und auf der Klinge stand „Vivat
Maria Theresia* ; derselbe hing in einer breiten, vorne mit einer
Schnalle geschlossenen, um die Mitte des Leibes getragenen Kuppel ;
die Patrontasche und der Tornister hingen im Kreuze Ober die
Schultern , der Gewchrriemen war locker. Jedes Regiment musste
einen Mann nach Wien senden, welcher hier die neue Adjustirung
erhielt, die dann im Regimcnte genau darnacli anzufertigen war.
Die Infanterie tmg Epauletten, denn in dem hofkriegsräthlichen
Original - Reskript vom 3. Jänner 1765 heisst es: „Da der Aller-
höchsten Willensmeinung gemäss von denen Regimentern die so-
genannte Epaulettes oder Achselschlingen durchaus geführt werden
„sollen, so seyendt aus der neuen Montirung untereinstens die Muster
„von diesen Epaulettes beygelegt worden, vermög welcher nicht
„allein die Verschiedenheit deren Charakter von Obristen an bis in-
klusive den Fahnenkadeten, sondern beynebst vom Feldwebel bis
„inclusive Gefreiten durch alle Grade ganz kennbar gleich in die
„Augen fallen." Diese Epauletten dürften sich in der Armee nur
bis zum Jahre 1779 erhalten haben.
Den Spielleuten konnten die Röcke nach dem Gutdünken der
Regimenter mit Borden oder Tressen verziert werden.
Im Jahre 1766 wurden bezüglich des Verkaufes der Offiziers-
Chargen eigene Modalitäten festgesetzt, um den dabei stattgefundenen
Missbräuchen zu steuern (für eine Stabsoffiziers - Charge wurden
20.000 Gulden, für eine Hauptmanns-Charge 6000 Gulden bezahlt) ;
auch erschien die Verordnung, dass bei Besetzung der k. k. Kadeten
nur Offiziers-Söhne angestellt werden dürfen und mittelst Reskriptes
Digitized by Google
17G4— 1777.
181
vom 1. April wurde ungeordnet, dass die in Erledigung kommenden
Fähnrichsstellen folgcndermassen zu besetzen seien ; die erste durch
einen Fahnenkadeten, die zweite nach Willkür des Inhabers, die
dritte dem tüchtigsten ordinären Kadcten, die vierte abermals durch
den Inhaber, die fünfte wieder durch einen Fahnenkadeten.
Mit hofkriegsräthlichem Reskript vom 4. September 1766
wurde der Obristwachtmeister Ludwig von Grafforst als zweiter
Obristlieutenant und der Grenadier- Hauptmann Hyacint Baron
V i g n u e 1 1 e, des Regimentes Kaiser, als zweiter Obristwachtmeister
dem Regimente vorgestellt.
Mit Reskript vom 12. Februar 1767 erhielten je zwei und
zwei Regimenter gleiche, unabänderliche Egulisirungsfarben, die durch
das Loos bestimmt wurden ; Knöpfe von weissem oder gelbem Metall
unterschieden die gleich egalisirten Regimenter. Dem Regiment
wurde mit Generalkommando-Verordnung vom 12. Juli 1767 bekannt
gegeben, dass ihm mit dem Regimente Lothringen (Nr. 3) die
himmelblaue Farbe mit goldenen Knöpfen (Nr. 3 silberne) zugefallen
sei. Gleichzeitig wurden die Rrustklappen abgeschafft und den
Offizieren befohlen, immer in Uniform zu erscheinen; die Montur und
Rüstung der Mannschaft erhielt eine bestimmte Tragzeit und wurdo
nun nicht mehr beim Regiment, sondern in eigenen, vom Staate
errichteten Kommissionen erzeugt.
Mit Reskript vom 13. November 1767 wurden den mit Ehren
ausgetretenen Offiziers die Bewilligung ertheilt, die Regiments-
Uniform zu tragen.
Im Jahre 1767 erhielt der Quartiermeister die Benennung
Rechnungsführer und der Inhaber wurde im Dezember ermächtigt,
dem Auditor den Hauptmanns-, dem Rechnungsführer den Ober-
lieutenants-Titel zu verleihen. Die Wachtmeister-Lieutenants erhielten
den Titel Regiments-Adjutanten. Der Inhaber hatte bisher das Recht,
jungen Edelleuten oder Offiziers-Söhnen das Tragen der Regiments-
l'niform zu gestatten; fortan durften nur die Söhne der Offiziere
vom Oberlieutenant abwärts, die Kleidung ihrer Väter, uniformartig
zugerichtet, tragen.
In den Niederlanden wurde zu Gent die Haupt - Monturs-
Kommission errichtet und der Obrist Baron Meichsnerv. Alek-
hofen anfangs April 1768 als Chef dabei angestellt, in Folge dessen
Obristlieutenant von Mayer das Regiments - Kommando übernahm.
182
1764-1777.
Am 2. Mai 1768 hatte das Regiment sechs neue, in Wien
bestellte Fahnen erhalten, welche im Quartiere des Obristlieutenants
von Mayer in der Stille geweiht und angeschlagen wurden, worauf
das Regiment auf dem Johaunesplatz zu diesen neuen Fahnen
den Schwur leistete. Die Leib -Fahne hatte auf einer Seite das
Bildniss der unbefleckten EmpfUngniss Maria, die zweite Fahne den
heiligeu Carolus Borromäus, die dritte den heiligen Christofus, die
vierte den heiligen Petrus, die fünfte den heiligen Ludovicus, die
sechste den heiligen Maximiiianus, sämmtlich Namenspatronen des
Regiments - Inhabers ; auf der andern Seite befand sich der kaiser-
liche Doppeladler.
Mit Reskript vom 18. Mai 1768 wurde dem Obristlieutenant
Maximilian Baron Hautzenberg mit Beibehalt des Offiziers-
Charakters und Tragung der Uniform bewilligt, seine Charge an
den deutschen Ordensritter und Grenadier - Hauptmann Wilhelm
Baron Truchses zu verkaufen, worauf der letztere dem Regiment
als Obristwachtmeister vorgestellt wurde.
Am 1. August 1768 hat sich das Regiment in Parade vor
dem Könige von Dänemark produzirt, wobei sich viele hohe Offiziere
fremder Staaten eingefunden hatten.
Mit 15. August 1769 erhielten die Regimenter Nummern und
zwar nach dem Range der Regiments-Inhaber. Das Regiment rangirte
als „ Haus-Regiment* immer nach jenen der Allerhöchsten Herrschaften
und erhielt auch jetzt in dieser Eintheilung die Nummer 4.
Die Grenadiere erhielten anfangs Dezember ihre Eintheilung
in selbstständige Bataillone, nur in Kompletirungs - Judizial, Ver-
pflegs- und Monturs - Angelegenheiten blieben die Divisionen im
Ressort des Regiments. Das erste nieder - österreichische Bataillon
wurde aus den Regimentern Lothringen Nr. 3, Teutschmeister Nr. 4
und Salm-Salm Nr. 14 unter Kommando des Obristlieutenants Baron
Reisky des Regiments Lothringen zusammengestellt und erhielt
die Station Brüssel, wohin die Regiments-Division am 21. Dezember
1769 abrückte.
Letzten März 1770 rückte Obrist Meichsner von seiner Kom-
mandirung wieder beim Regimente ein und übernahm dessen Kommando.
Am 1. August hielt gelegentlich der Konzentrirung mehrerer
Regimenter um Möns der General Graf Murray über das Regiment
die Musterung ab.
Digitized by Google
1764-1777.
183
Mit Allerhöchster Entschliessung vom 5. Oktober 1770 erhielt
der Grenadier -Hauptmann Paul v. Montignoni bei seinem Aus-
treten den Majors - Charakter sammt Gehalt.
Die Musterungen, welche bisher alle Jahre zweimal stattfanden,
wurden auf eine beschränkt. Die Regimenter erhielten spanische
Reiter, um in deren Gebrauche unterrichtet zu werden. Die Witwen
und Waisen der im Dienste gestorbenen Offiziere erhielten nach dem
in diesem Jahre veröffentlichten Pensions - Normale eine nach der
Charge des Verstorbenen bemessene Pension.
Am 8. Dezember 1770 ist das Regiments -Titular- Fest im-
maculata Conceptionis, nachdem es viele Jahre wegen den Kriegs-
zeiten nicht abgehalten werden konnte, in Möns bei den P. P. Franzis-
kanern, wo das Regiment jederzeit seinen Gottesdienst hielt, mit
einem Hochamt und Predigt feierlichst celebrirt worden.
Mit Allerhöchster Entschliessuug vom 10. Jänner 1771 wurde
Obrist Johann Christof Freiherr Meichsner v. Alekhofen zum
Generalmajor mit jährlichen 2000 fl. befördert; Obristlieutenant
v. Mayer übernahm das Regiments -Kommando mit 500 fl. Tafel-
gelder. Gleichzeitig wurde dem Obristwachtmeister Hyacint Baron
Vi gnueile das Kommando des zweiten niederländischen Grenadier-
Bataillons übertragen.
General Freiherr Meichsner, zu Neuhath in der baierischen
Ober-Pfalz 1710 geboren, hatte 41 Jahre ununterbrochen im Regiment
gedient und während dieser langen Zeit alle Schlachten, Gefechte und
Unternehmungen mit Auszeichnung mitgemacht. Er wurde bei Quastalla
und Liegnitz verwundet und erhielt ausserdem fünf Kontusionen.
Mit Reskript vom 10. Dezember 1771 wurde der Obrist-
lieutenant Petrus v. Mayer zum Obristen ausser dem Regiment
mit dem Gehalt von 1500 fl. befördert, welchen er überall, nur
nicht im Auslande, verzehren konnte ; am 8. März übernahm Obrist-
lieutenant Grafforst das Regiments -Kommando.
Am 14. März erhielt das Regiment den Befehl sich marsch-
bereit zu halten und anfangs April erhielten die in den Nieder-
landen stationirten deutschen Infanterie - Regimenter Lothringen Nr. 3,
Teutschmeister Nr. 4, Ferraris Nr. 14 und das aus diesen Regi-
mentern gebildete Grenadier -Bataillon, welches nun der Obrist-
lieutenant Schogre* kommandirte, dann das Artillerie -Bataillon
und das Kürassier - Regiment Alt-Modena die Weisung, sich am
184
1*64-1777
17. April in ftinf Kolonnen nach den Erblanden in Marsch zu setzen.
Das Regiment formirte zwei Kolonnen, trat am 24. und 27. den
Marsch an und rückte vorerst nach Brüssel, wo es vor seinem
Inhaber paradirte. Auf dem weiteren Marsche passirte dasselbe in
Luxemburg am 10. und 13. Mai die Musterung, rückte dann durch
das Trier'sche, passirte am 25. und 28. bei Germersheim den
Rhein, wo dasselbe vom Prinzen Durlach und Herzog von Darm-
stadt besichtiget, dann auf dem Weitermarsche am 29. Mai und
1. Juni vom Herzog von Württemberg ebenfalls besichtigt
wurde, welcher die Offiziere und sämmtliche Mannschaft auf seinem
Lustschlosse Solitude, dann ebenso in der folgenden Station Kirch-
heim „mit einem rechtschaffenen Frühstück* bewirthen liess. Den
8. und 6. Juni erreichten die Regiments -Kolonnen Ober -Fallheim
zwischen Ulm und Günzburg, blieben hier bis 8. und 11., schifften
sich dann ein und erreichten am 16. und 19. ohne jeden Unfall
Krems in Oesterreich; von hier wurde der Marsch zu Fuss nach
Ungarisch -Brod fortgesetzt, wo das Regiment am 30. Juni und
3. Juli eintraf und mit dem Stabe und einigen Kompagnien in
diesem Orte, die übrigen Kompagnien aber in den umliegenden Ort-
schaften einquartirt wurden.
Das Grenadier-Bataillon marschirte zur Aufwartung nach Wien
und bald nach seinem Eintreffen in das Laienburger - Lager. Das
Garnisons-Bataillon marschirte nach Olmütz.
Auf diesem weiten Marsche hatte sich das Regiment durch
seine musterhafte Ordnung und Disziplin vortheilhaft ausgezeichnet;
immer von ausländischen Werbern umschwärmt, waren doch nur
einzelne sehr wenige Leute ihrer Fahne untreu geworden.
Am 23. September rückten die beiden Feld -Bataillons in die
Kontraktion unweit Hradisch, wo dann Se. Majestät Kaiser Josef U.
in Begleitung des F. -Z. -M. Baron Loudon und der F. -M. -Lt.
Marquis Botta und Graf Nostitz am 3. Oktober nachts in
Kunowitz anlangte und beim dortigeu Pfarrer abstieg. Am folgenden
Tag bezog Hauptmann Stünkel, Oberlieutenant Zuch ari, Lieute-
nant von Wiedersberg und Fähnrich de le Prun mit der
Kompagnie die Wache am Allerhöchsten Hollager, welche Se. Maje-
stät aber sogleich einrücken liess und nur den Feldwebel mit
24 Mann behielt. Hauptmann Baron Rosenber'g und Lieutenant
B e a u f o r t waren auf Ordonnanz.
Digitized by Google
17(14-1777.
185
Am 4. Oktober 1771 um 9 Uhr vormittags hatten die beiden
Feld-Bataillons beim Pfarrhofe aufgestellt zu sein. Der Kaiser er-
schien allein und besichtigte das Regiment, Hess die Glieder öffnen
und sprach in der leutseligsten Weise nicht nur mit den Offizieren,
sondern auch mit vielen gemeinen Soldaten, was einen unbeschreib-
lichen Eindruck auf das Regiment hervorbrachte. Nach dieser in
den Annalen des Regiments unvergesslichen Besichtigung marschirten
die Bataillone auf die Kunowitzer Heide, wo dann der Kaiser mit
den genannten Generalen zu Pferd erschien und das Regiment ein
Manöver im Feuer ausführte. Se. Majestät bezeugte hierüber sein
allergnädigstes Wohlgefallen, liess durch den F. - Z. - M. Baron
L o u d o n seinen Dank sagen und bewilligte jedem Mann vom Feld-
webel abwärts eine dreitägige Gratislöhnung und beschenkte noch
ausserdem die Wachmannschaft.
Nachmittags setzte Se. Majestät die Reise nach Olmütz fort
und besichtigte dort am 5. das Garnisons-Bataillon. Am 6. rückten
die Feld - Bataillone wieder in ihre Standquartiere, das Garnisons-
Bataillon am 11. November von Olmütz nach Altstadt und besetzte
die glatzische und schlesische Grenze zur Verhütung der Getreide-
ausfuhren.
Mit Allerhöchster Erschliessung vom 15. April 1772 wurde
der Obristlieutenant Ludwig von Grafforst zum Obristen und
Regiments-Kommandanten ernannt. Am 11. Mai passirte das Regi-
ment in Ungarisch - Brod vor dem F. - M. - Lt. Marquis B o 1 1 a die
Musterung. Am 17. marschirte das Garnisons - Bataillon unter
Kommando des Obristwachtmeisters Baron Truchses nach Teschen,
wo dasselbe die Eintheilung in die Brigade des General d' Alton
erhielt.
Am 5. August 1772 wurde zu Petersburg der Definitiv-Traktat
über die erste Theilung Polens zwischen Russland, Preussen und
Oesterreich unterzeichnet, wodurch Oesterreich die Zipserstädte, die
Herzogtümer Auschwitz und Zator, nebst einigen anderen Bezirken
unter dem Namen des Königreiches Galizien und Lodomerien
übernahm.
Obristwachtmeister Baron Truchses kommandirte bei Ueber-
schreitung der Grenze bei Biala die Avantgarde des d 'Altonischen
Korps, und somit waren die Teutschmeister die Ersten, welche die
Fahnen Oesterreichs in dem neu erworbenen Lande entfalteten. Auf dem
186
17Ä4-1777,
Marsche durch das Land bis Taruow hatte das Bataillon viel durch
die fortwährend üble Witterung zu leiden und konnte sich erst in
den Kantonnirungen zu Kadomischel, Pilsno und Tarnow erholen, wozu
die freundliche Bevölkerung, welche das Bataillon überall herzlich
empfing, alles beitrug.
Mit Allerhöchster Entschliessung vom 27. Mai 1772 wurde der
Obristwachtmeister Hyacinth Baron V i g n u e 1 1 e zum Obristlieutenant
befördert. Am 1. Juni rückte eine Division der Feld - Bataillons
nach Olmütz; das Kegiment hatte den Monat Juli Kontraktion. Die
zu Olmütz gestandene Division ist am 4. August wieder eingerückt.
Grenadier -Hauptmann Johann Chevalier de Quanne erhielt
mit Allerhöchster Entschliessung vom 17. August den Majors-
Charakter und die Expektance auf die Platzmajors -Stelle zu Möns;
Hauptmann Wilhelm Baron Rosenberg avancirte zum zweiten
Obristwachtmeister.
Am 29. Oktober wurde abermals eine Division nach Olmütz
gesendet; das in Galizien befindliche dritte Bataillon in Landskron
und Mislenice, zur Reparatur der Festungswerke des ersteren Ortes,
in Winterquartiere verlegt : Ende November rückte die Division aus
Olmütz wieder beim Regimente ein.
Grenadier - Hauptmann Johann H e r v a y, ein sehr verdienst-
voller Offizier, welcher seit 1746 im Regiment diente und alle
Schlachten und Gefechte dieser Zeit mit Auszeichnung mitgemacht
hatte, wurde mit Allerhöchster Entschliessung vom 2. April 1773
zum Platzmajor in Termonde ernanut.
Am 1. Mai ist das Grenadier-Bataillon Schogre von Wien auf-
gebrochen und nach Kremsier raarschirt ; am 26. passirte das Regi-
ment die Musterung vor dem General Graf Wallis, und rückte am
31. Juli in das Eierzierlager, wo dasselbe unter seinem Brigadier
General Graf Mittrowsky vor dem kommandirenden Generalen
F.-Z.-M. Baron Ellrichshausen sich wiederholt produzirte und
Ende August wieder in seine früheren Stationen einrückte; am
27. Oktober wurden abermals zwei Divisionen nach Olmütz verlegt.
Mit Reskript vom 31. Dezember 1773 wurde dem Obrist-
lieutenant Hyacinth Baron Vignuclle die Charge - Konvention mit
dem Major Philipp Graf Dasson des Regiments Los Rios bewilligt.
Am 5. Februar 1774 sind die beiden Divisionen aus Olmütz
wieder beim Regiment eingerückt. Obristlieutenant Philipp Graf
Digitized by Google
1704-1777
187
Dasson hat am 1. Mai 1774 mit dem Obristlieuteuant Friedrich
Baron Lilien des Regiments D'Einse getauscht.
Anfangs April war das dritte Bataillon aus Galizien auf-
gebrochen, nach Ybbs in Nieder-Oesterreich marschirt, wo dasselbe
im Mai eintraf und die Kaserne bezog.
Die beiden Feld -Bataillons rückten am 16. September in das
Lager bei Nenowitz nächst Brünn und langten dort am 20. an.
Am 24. erschien Se. Majestät Kaiser Josef II. in Begleitung der
Herzoge Xaver und Albert von Sachsen, des Prinzen Hild-
burgshausen, der F.-Z.-M. Baron Loudon und Grafen Lacy
nebst anderen Generalen.
Am 25. wohnte der Kaiser bei seinem Regiment' im Lager
der Kirchenparade bei, besichtigte dann die vier Grenadier-Batail-
lone und liess nachmittags 2 Uhr die fünf Infanterie - Regimenter
des rechten Lagerflügels vor sich im Feuer manövriren. Das Regi-
ment erhielt für seinen musterhaften Frontmarsch und schnelles
Laden von Sr. Majestät das Allerhöchste Wohlgefallen ausge-
sprochen. Den folgeuden Tag verwandelte sich das bisher schöne
Wetter in strömenden kalten Regen, welcher Se. Majestät be-
stimmte, das Lager aufheben und die Truppen in ihre Garnisonen
einrücken zu lassen. Das Regiment sendete aus dem Lager aber-
mals zwei Divisionen nach Olmütz und die übrigen Abtheilungen
rückten in ihre früheren Standquartiere, welche sie am 1. Oktober
erreichten.
Im Jänner 1775 rückten die Divisionen aus Olmütz wieder
beim Regimente ein, und am 11. März erhielt das Regiment den
Befehl, sich zum Marsche nach Oesterreich in Bereitschaft zu setzen.
Am 30. April wurde der Marsch angetreten. Beim Durchmarsche
durch Wien wurde dem Regiment die Fihre zu Theil, vor der
Favoriten-Linie bei der sogenannten Vogelstange von Ihrer Majestät
der Kaiserin Maria Theresia besichtigt zu werden, Allerhöchst-
weiche ihr Wohlgefallen auszusprechen geruhte.
Major Baron Truchses kam mit einer Division in die
Salzgries - Kaserne, die übrigen Abtheilungen hingegen setzten den
Marsch fort und kam der Stab mit einer Division nach Bruck a. d.
Leitha, eine Division nach Neustadt, eine Kompagnie nach St. Pölten,
die zweite nach Wilhelmsburg, eine Division nach Tulln und eine
nach Herzogenburg.
Digitized by Google
188
17K4-1777.
Am 26. Juni brach das dritte Bataillon von Ybbs auf, niarschirte
wieder nach Galizien und bezog dort in Tarnograd die Garnison.
Am 24. Juli verliess auch Major Baron Truchses mit der Division
Wien und marschirte nach St. Pölten.
Das Regiment konzentrirte sich im August Bataillonsweise zu
Bruck und St. Pölten und hielt in diesen Orlen seine Kontraktions-
Uebungen ab.
Kapitänlieutenant Ignaz Kiehlc erhielt mit Allerhöchstem
Erlass vom 31. August 1775 bei seiner Pensionirung nebst der
Pension noch jährlich 400 Gulden aus dem Kammerbeutel.
Der Kaiser stellte am Charfreitag 1775 die lästigen, zu grossem
Putze Veranlassung gebenden Seitenlocken ab, aber der Haarzopf
erhielt sich noch 30 Jahre ; auch befahl er, dass einschliesslich des
Hin- und Hermarsches nicht länger als zwei Stunden exerzirt werden
dQrfe und schaffte die Strafe des Gewehrtragens ab. Die Soldaten-
weiber wurden im Frieden auf 15 per Kompagnie beschränkt, wor-
nach die Obristen die Heiratsbewilligungen zu bemessen hatten.
Vom 15. Juli bis 15. August 1776 befand sich das Regiment
in dem grossen Exerzier-Lager bei MQnchendorf, in welchem sämmt-
liche Regimenter aus Unter- und Ober - Oesterreich versammelt
waren. Bei dem vorletzten grossen Manöver war auch Ihre Majestät
die Kaiserin MariaTheresia mit dem ganzen Hofstaate erschienen
und belobte die durch ihre Anwesenheit hoch begeisterten Soldaten
mit huldreichen Worten. Am 14. August rückte das Regiment
in seine früheren Garnisonen.
Mit Verordnung vom 22. November 1776 wurde Grenadier-
Hauptmann Peter M o c h n e in das Invaliden - Institut übersetzt und
ihm der Majors - Charakter verliehen.
Im Jahre 1776 war angeordnet worden, dass die Verlassen-
ßchaft der ohne Erben sterbenden Offiziere nicht wie bisher dem
Obristen, sondern dem Invalidenfonde anheim falle; ebenso solle
die Strafe des Fastens bei Wasser und Brod nur mittelst Kriegs-
rechtsurtheils verhängt werden. Die Gage-Karrenz wurde eingeführt;
es musste ein jeder Beförderter ein Jahr lang in dem Gehalte seiner
früheren Charge bleiben ; den Regimentern befohlen, die Mannschaft,
besonders die Verheirateten, bei Handwerken und in Fabriken arbeiten
zu lassen, damit sie sich etwas verdienen könnten. Die Wachen
mussten in den grösseren Städten auf das Aeusserste beschränkt,
Digitized by Google
1764-1777.
180
namentlich alle Ehrenwachen, welche blos zum iu's Gewehrrufen
aufgestellt waren, sogleich eingezogen werden.
Auch im Jahre 1777 rückte das Regiment am 5. August in
das Exerzier -Lager nach Münchendorf und kehrte am 6. September
wieder in seine früheren Garnisonen zurück.
Am 3. März 1777 wurde das Fourierschützen -Normale kund-
gemacht, in Folge dessen die Stabsoffiziere und Hauptleute sich
diese Diener mit Kapitulation werben konnten ; für deren Bekleidung
wurde ein Pauschal von 10 fl. jährlich bewilligt, welche der Inhaber
in Schnitt und Farbe (nicht weiss) zu bestimmen hatte. Am 30. Juli
erschien für die Privatdiener ebenfalls ein Normale, nach welchem
diese nur von der halbinvaliden Mannschaft genommen werden
durften, obligat waren und sich in die Regiments -Uniform kleiden
mussten.
Aus dem Feuergewehrstandc durfte Niemand der Bande zu-
getheilt werden und die Grenadier-Bataillone keine Hauboisten-Bande
haben. Die Normalien vom 31. Mai regelten die Transferirung in
und zu anderen Regimentern — erstere dem Obristen überlassend,
letztere von den General -Kommanden abhängig machend — und
die Beurlaubungen der Offiziere. Am 16. August erflossen die
Bestimmungen wegen Reengagirung der ausgedienten Ausländer;
Inländer durften erst vom Jahre 1802 an reengagirt werden. Von
diesem Jahre an durften die General -Kommanden, zu Offizieren
beförderten Unteroffizieren, wenn sie wenigstens vier Jahre diese Stelle
begleitet hatten, einen Equipirungs -Beitrag von 60 fl. bewilligen.
Endlich erschien noch am 22. November das Unkostenfonds-Normale.
Das jährliche Ausmass für ein Infanterie -Regiment betrug 3165 fl.,
deren Verwendung dem Obristen in den gegebenen Formen freistand,
über die er jedoch Rechnung legen musste.
Am 1. November 1777 marschirte das Leib -Bataillon zur Auf-
wartung nach Wien.
Am 14. November 1777 erhielt das Regiment seine Werb-
bezirks-Eintheilung, wornach demselben das Viertel unter dem
Wiener- Walde in Niederösterreich zugewiesen wurde.
190
1778-177»,
1778-1779.
Am 30. Dezember 1777 war der kinderlose Kurfürst von
Bayern Maximilian Josef III. ans diesem Leben geschieden.
Oesterreichs Regenten stammten von der Bayrischen, im Jahre 1424
verstorbenen Prinzessin Johanna, Gemahlin des Herzogs Alb recht IV.
und Mutter des Kaisers Albrecht II. Maria Theresia forderte
ihren natürlichen Erbantheil. Mit dem nächsten Verwandten und
Haupt -Erben, dem Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz, wurde
im Jänner 1778 ein Vertrag abgeschlossen und die österreichischen
Truppen besetzten die vermög desselben au Oesterreich überlassenen
Theile von Bayern und der Ober- Pfalz. Der nächste Erbe Karl
Theodor's, der Herzog von Zweibrucken, hatte jenen Vertrag eben-
falls angenommen, wurde aber später von dem König von Preussen
bewogen, gegen denselben zu protestiren. Friedrich II. übernahm die
Vermittlung ; da aber seine Vorschläge nicht angenommen wurden,
so kam es zum Kriege.
Da einige Regimenter von Wien zur Besetzung Bayera's ab-
marschirt waren, wurde auch der Stab und das Obrist- Bataillon
am 4. Jänner 1778 nach Wien gezogen, rückte aber am 8. Februar
wieder in seine frühere Garnison nach Bruck. Bald darauf erschien
der Befehl zur Konzentrirung der Armee in Böhmen; Stab und die
Feld -Bataillons brachen am 9. März auf, rückten den 10. in Wien
ein, passirte am 12. vor dem Ausmarsch die Revision, wobei den
Offiziers die Naturalien unentgeltlich, die Gage auf den Feldfuss
und das Gratis -Monat angewiesen wurden, marschirten sodann über
Komeuburg, Znaim, Iglau, Czaslau nach Elbeteinitz, wo die beiden
Feld -Bataillons am 30. März anlangten und im Czaslauer - Kreis
einquartiert wurden. Beim Ausmarsch des Regiments erhielten die
Offiziers - Frauen in den verlassenen Garnisonen, ebenso wie die
Soldatenweiber Quartiere angewiesen, letztere auch täglich eine
Portion Brod. Hauptmann Josef Baron Stael v. Hollstein blieb
zur Besorgung des Konskriptions- Geschäftes in Wien.
In der Stabsstation zu Elbeteinitz langten am 11. April
40 Proviantpferde mit 20 Knechten, dann vier dreipfündige und
Digitized by Google
1778-1770.
191
zwei seehspfündige Kanonen nebst der nöthigen Artillerie-Mannschaft
als zur KriegsausrQstung des Regiments gehörig, an.
Das Regiment erhielt seine Eintheilung beim Flügel des
F.-Z. -M. Graf Lacy, in der Division des F.-M.-Lt. Stein. Das
Grenadier - Bataillon Schogre' war in derselben Zeit von Wien
nach Prag marschirt.
Laut Eintheilungs-Liste bestand das Ofßziers-Korps 1 778 aus :
Obrist- Inhaber General- Lieutenant Karl Herzog von Lothringen und
ßaar, Hoch- und Teutschraeieter.
ObriBt Regiments-Kommandant Ludwig von Grafforst.
Obristlieutenarit Friedrich Freiherr von Lilien.
Major Wilhelm Baron Truchses, Wilhelm Baron RoBonbcrg.
Kaplan Konstantin Seypel.
Auditor Franz LiedelBheimb.
Rechnungsführer Josef Zechenberger mit !» Fouriers.
Fahnen-Kadet Franz Catti, Franz Ka tinschütz.
Adjutant Wilhelm Keller.
Chirurgus Karl Mitschko.
K. k. Kadetten Georg Baron W cid e n , Heinrich Baron Orchetzki,
Franz Molak, Kmanucl Jörgen.
Frofoss cum suis Johann von Schnöd.
Kompagnie
Hauptmann
Lieutenant
Fähnrich
Obcr-
Unter-
1. Grenadier-
Karl Br Wilsdorf
Joh. de Brevost
Nikolaus
du Jardin
2. Grenadier-
Franz Wolff
Georg Feder
Franz Mellan
Leib-
Kapitän-
W. v. Lindenherg
Lorenz Keller
Kajetan Hernick
Wolfgang
Vukftaaevioh
•
Stael-
Josef Baron
Start v. Böllstein
Johann Otto
von Ottcnfeld
Josef Dcdovich
Josef Br. Hoche
Dubus-
Karl Dubus
Adam John
Willibald"
von Rath
Franz Pennings
Joh. Hofmann
ßrenkenson-
Franz Ottovich
von Brenkenson
Karl Graf
von Sinzendorf
Vinz. Ottovich
Blavier-
Ludwig Baron
de le Blavier
Kapitän-
Frz.v.Kottulinsky
Ang. de Costerns
Regnauld
de Flauxcourt
Philipp Mertloch
1. Majors-
Joach.deZuchari
Anton Graf
Sprinzenstein
Kajetan
v. Pettenek
2. Majorg-
Kapitän-
Maxim, v. Wahler
Leopold
de Le Pran
Aug. de Beaufort
Karl v. Pöck
Roth-
Konstantin Roth
l
Ludw. Br. Nagel
WiBielm-
von Gallasan
Karl Hr. Odonell
Digitized by Google
102
1778—177«.
Kompagnie
Hauptniann
Lieutenant
Fähnrich
Ober- Unter-
Messey-
Hubert Graf
Mcssey
Ludw. de Renette Ludw. Br. Terzy
Adolf v. Cortenis
Wilsdorf-
Franz Baron
Wilsdorf
Frz. de Birago
Philipp Baron
Lensbach
Frz. Kleinschmid
Beer-
Wilhelm Beer
von Pleichten
Jodocus Fontenct
Franz Baron
Rechbach
Christ-Zurwesten
Obrist-
Kapitän-
Paul de Candiani
Franz
von Wiedersberg
Martin Weller
Leop. Gr. Rumpf
Obristlieutenant-
Kapitän-
Otto v. Gehren
Joh. v. Neree
Karl Chevalier
Dümont
Albert Graf
Taufkirchen
Tham-
Wilhelm
von Tham
Wilh. v. Neesen
Johann Hasse
Jakob Möckel
Vertegans-
Adolf Chevalier
de Vertegans
Friedr. Hossisch
Friedr. Chevalier
de Bertrand
Philipp de Vanx
Fragstein-
Wilh. Fragstein
von Nimsdorf
Ludwig Piret
de Bihain
Emil Haacke
Karl Gr. Perthold
Am 29. April setzte sich die Armee in Bewegung; das Regi-
ment marschirte nach Kaaden unweit Gitschin und erhielt hier eine
zwölfpfundige Kanone und eine Haubitze zugotheilt; auch rückten
120 Rekruten aus Wien ein.
Mit Allerhöchster Entschliessung vom 10. Mai 1778 wurde der
Grenadier -Hauptmann Konrad Stflnkel zum Major bei Preiss-
Infanterie befördert. Das Regiment marschirte am 12. Mai nach
Liskowic im Königgrätzer-Kreis, bezog hier die Quartiere und erhielt
30 Maulthiere mit den nöthigen Knechten. Das dritte Bataillon war
aus Galizien abmarschirt und den 14. Juni in Prag eingetroffen.
Das Regiment marschirte am 20. Juni nach Droskovic und bequar-
tirte sich hier und in der Konkurrenz. Am 6. Juli brach das Regi-
ment wieder auf, marschirte nach Kolin unweit Gitschin, dann den
9. nach einem fflnfzehnstflndigem Marsche in der Nacht in das
von Jaromif bis Arnau befindliche verschanzte Lager. Während dieser
Zeit war das dritte Bataillon von Prag nach Budweis marschirt.
Der König drang mit seiner Hauptmacht Ober Glatz und
Nachod nach Böhmen, Prinz Heinrich in Sachsen ein, wo sich
der Kurfürst, welcher ebenfalls einen Theil des bayerischen Erbes
ansprach, mit ihm vereinigte. Kaiser Josef H. stellte sich per-
sönlich an die Spitze der Armee, welche sich bei Königgrätz und
Digitized by Google
1778-1779.
193
Jaromif aufstellte. F.-M. London stand mit einer zweiten Armee
bei Niemes, Liechtenstein mit einem Korps bei Leitmeritz und
F.-M. -Lt. Marquis de Botta befehligte die Truppen in Mähren
und Oesterreichisch -Schlesien. Der preussische General Werner
rflckte mit einem Korps über Troppau nach Mähren, wurde aber
an der Mora durch das feste Lager aufgehalten, welches F.-M.-Lt.
Botta bei Heidenpiltsch bezogen hatte.
Der König manöverirte seit 15. August am linken Ufer der
Elbe hinauf, aber die Oesterreicher marschirten immer in gleicher
Höhe am rechten Ufer. Zu Ende August erkannte der König, dass
er die obere Elbe nicht überschreiten und die linke Flanke der
Oesterreicher nicht gewinnen könne. Das Regiment war unter zurück-
lassung der Bagage diesen Bewegungen der Armee gefolgt und
hatte von den zahlreichen Deserteurs, welche von den Preussen
anlangten, einige sehr schöne Leute engagirt.
Am 8. September begannen die Preussen in der Nacht den
Rückmarsch aus Böhmen, Prinz Heinrich nach Sachsen, der König
nach Landshut in Schlesien, wo er seinem Heer die Winterquartiere
beziehen Hess.
Das dritte Bataillon wurde am 26. September von Budweis
wieder nach Prag beordert, musste aber während dem Marsche am
29. vor Tabor eine Division nach Budweis zurücksenden.
An demselben Tage war das Regiment aus dem Lager von
Gitschin aufgebrochen und nach Smirschitz gerückt, wo dasselbe
in der Umgebung Kantonnirungen bezog. Hier blieb das Re-
giment bis 29. Oktober und marschirte an diesem Tage nach
Leitomischel.
Am 4. November erhielt das Regiment den Befehl, nach
Mähren zu rücken, brach denselben Tag auf, erhielt aber in der
ersten Marschstation Hermannstadt die Ordre, einen Tag Rast zu
halten und dann nach Ströbitz in Böhmen zurückzumarschiren.
Mit Reskript vom 13. November 1775 wurde der Obristlieute-
nant Friedrich Freiherr von Lilien zum Obristen bei Muray- Infan-
terie Nr. 55 ernannt.
Das Regiment erhielt am 19. November den Befehl, zu Pross-
nitz in Mähren die Winterquartiere zu beziehen, brach am 20. auf,
erhielt aber während dem ersten Rasttage zu Gelwitsch die Contre-
Ordre, wornach dasselbe nach Römerstadt in Mähren zu dem Korps
13
104
1778-1779.
des F.-Z.-M. Baron Ellrichshansell zn marschiren hatte, welche
Station dann am 27. erreicht und das Regiment in dieser und den
nächsten Ortschaften endlich die Winterquartiere bezog.
Major Wilhelm Baron Truchses avancirte am 1. Dezember 1778
in Folge Intimats des Regiments - Inhabers vom C. Dezember zum
Obristlieutenant und der zweite Major Wilhelm Baron Rosenberg
zum ersten Major.
Das Regiment wurde in seinen Winterquartieren wiederholt
allarmirt; nach einem solchem Allarm am 8. Dezember marschirte
das Leib- Bataillon nach Altstadt, Ebersdorf und Schielendorf, dann
nach Unter - Ebersdorf und Friedrichsdorf, das Obrist - Bataillon
nach Gross- und Klein - Morau und stellten hier Vorposten auf.
Am 16. rtickte das Obrist - Bataillon, nachdem es die Hauptmann
Baron Wilsdorf Division in Gross-Morau gelassen hatte, wieder nach
Römerstadt in die Kantonnirungen. Hier erhielt das Regiment am 28.
198 Rekruten aus öalizien. Am 31. wurde das Obrist - Bataillon
nebst dem Regimentsstab nach Engelsberg in Ober-Schlesien beordert
und bezog dort nach seinem Eintreffen die Kanton niningen. Sämmt-
liche unexerzirte Rekruten blieben unter Kommando des Hauptmanns
Baron Kottulinsky in Römerstadt zurück.
Am 5. Jänner 1779 löste das Leib- das Obrist - Bataillon in
Engelsberg ab. Am G. erhielt das Regiment 164 österreichische
Rekruten, welche mit jenen aus Römerstadt unter Kommando des
Hauptmann Roth nach Mährisch - Littau verlegt wurden.
Die feindlichen Generale Wunsch, Lengenfeld und Prinz
Hessen-Philippsthal rückten am 14. Jänner 1779 mit 14 Ba-
taillons, 10 Escadrons und 18 Kanonen von Ziegenhals gegen Zuck-
mantel, welches der Chevauxlegers-Obrist Freiherr von Levenehr
mit seinen Truppen, unter welchen sich auch zwei Divisionen des
Regiments befanden, besetzt hatte, vor. Die feindliche Kavallerie
erschien um %10 Uhr vormittags vor der Stadt und wurde sogleich
mit heftigem Geschützfeuer empfangen. Levenehr nahm hierauf
sogleich Gefechtsstellung, sendete vier Escadronen der feindlichen
Kavallerie vor der Stadt entgegen, liess links seitwärts der Stadt
unweit des Galgens die beiden Divisionen des Regiments und zwei
von Langlois nebst einer Eskadron von Darmstadt und vier Kanonen
unter Obrist von Schindler aufmarschiren ; die zwei auswärtigen
Verschanzungen, die eine durch das banatische Freikorps mit vier
Digitized by Google
1778-1779.
105
Kanonen, die andere darch das Leib - Bataillon von Langlois auch
mit vier Kanonen und der Reserve-Division der Karlstädter-Kroaten,
dann in der rechten Flanke den Heissigberg mit 200 Kroaten und
den Rochusberg mit einer Division Langlois und zwei Kanonen besetzen.
Der Feind rückte inzwischen immer vor und machte Miene
den linken Flügel Levenehrs zu tourniren, wurde aber so heftig
beschossen, dass er zum formellen Angriff nicht vorging. Die zweite
feindliche Kolonne näherte sich gleichzeitig dem rechten Flügel und
da die schwache Besatzung der kleinen Schanzen dieser bedeutenden
Uebermacht nicht gewachsen war, zog sie sich auf den Rochusberg,
als die einzige vortheilhafte Position, zurück.
Die zweite feindliche Kolonne zog sich längs des Waldes, um
die Anhöhe des Rochusberges zu gewinnen, während die dritte
Kolonne gerade demselben gegenüber aufmarschirte. Diese beiden
Kolonnen wurden durch die gut bediente kaiserliche Artillerie heftig
und mit Erfolg beschossen ; fünf Kompagnien Langlois vertheidigten
den Wald. So wie der Feind diesen angriff, wurden die meisten
Geschütze dorthin dirigirt, welche ihn mit einem solchen Kartätschen-
hagel überschütteten, dass er mit bedeutendem Verlust den Angriff
aufgab und in Unordnung retirirte. Die Kroaten folgten ihm auf
dem Fusse und jagten ihn in die Flucht. Seine dritte Kolonne
deckte zwar den Rückzug, aber auch diese verlor viele Leute, denn
man erfuhr nach dem Gefechte, dass Über 90 Wägen mit Verwun-
deten nach Neisse gefahren waren.
Um 4 Uhr nachmittags war dieses siegreiche Gefecht zu Ende,
der Feind retirirte wieder nach Ziegenhals zurück und ging am 15.
theils gegen Weidenau, theils gegen Neisse. 300 feindliche Deser-
teurs hatten sich bei den Oesterreichern gemeldet, welche 23 Mann
verloren hatten. Die Divisionen des Regiments hatten 1 Mann todt,
3 verwundet. Hierauf wurde der linke Flügel des Korps in Neu-
Willmsdorf im Gebirge unweit Johannisberg und der rechte in
Johannisthal und Rebersdorf aufgestellt.
Am 18. Jänner unternahm F.-M.-Lt. Graf Wurms er einen
Einfall in das Glatzische, überrumpelte Habelschwert, nahm den
Prinz Hessen-Philippsthal mit 3 Obristen, 4 Hauptleuten und
714 Mann gefangen und eroberte 10 Fahnen; bei dieser Gelegen-
heit wnrde auch das Blockhaus erstürmt und die ganze Besatzung
1 Major, 4 Kapitäns, 15 Lieutenants und 335 Mann gefangen.
13*
10<)
177S-1770.
Bei dieser Unternehmung hat sich der beim General Baron
T erzy als Adjutant befindliche Oberlieutenant Lorenz Keller
des Regiments durch ausnehmende Bravour und Geschicklichkeit der
Art ausgezeichnet, dass Se. Majestät sich bewogen fand, ihn mit
Allerhöchstem Befehle zum Hauptmann im Generalquartiermeister-
Stabe zu ernennen.
Am 27. Februar wurde Obrist v. Grafforst und Obrist-
wachtmeister Konstantin v. Roth, welch' letzterer mit Reskript
vom 20. Dezember 1778 hiezu befördert worden war, mit dem Leib-
Bataillon zum Korps des F.-M.-Lt. Olivier Graf Wallis detachirt,
welches dann vom 27. auf den 28. die ganze Nacht marschirte, um
das feindliche Regiment des Prinzen von Prcussen in der Früh in
Schlesisch - Neustadt zu überfallen. Beim Anlangen wurde die Gar-
nison sofort zur Uebergabe aufgefordert und da eine abschlägige
Antwort erfolgte, das Städtchen beschossen, welches leider in Brand
gerieth. Mittlerweile hatte eine Kolonne, bei welcher sich das Leib-
Bataillon befand, versucht, sich des Jägerndorfer - Thores zu be-
mächtigen, fand aber die Brücken abgetragen und das Ufer so
sumpfig, dass das Vordringen unmöglich war. Sie nahm darauf
einen anderen Weg, fand aber gleiche Hindernisse, ebenso bei dem
dritten Unternehmen. Während dieser Zeit und als das Städtchen
in hellen Flammen aufging, zog sich der Feind bei dem rückwärtigen
Thore hinaus und behielt nur den Kirchhof besetzt. General
Brechainville fand in der Gegend des Neissethores eine kleine
Oeffhung und drang mit einem Zuge des Grenadier - Bataillons
Schogre" hinein, gerieth aber unter das Gewehrfeuer des den Kirch-
hof vertheidigenden Feindes und konnte nicht weiter vordringen.
Der Eingang war so enge, dass man ohne den Kirchhof einzunehmen,
nicht weiter vorrücken konnte, und um daher die Grenadiere nicht
nutzlos zu opfern, liess man zwei Zwölfpfönder auffahren, um in die
Kirchhofmauer Bresche zu schiessen. Aber die Mauern widerstanden
und die Kugeln machten nur so geringe Wirkung, dass man bald die
Beschiessung einstellte. Da ein bedeutender feindlicher Succurs an-
rückte, beschloss F.-M.-Lt. Wallis den Rückzug und führte ihn ohne
vom Feinde belästigt zu werden, obgleich sämratliche Offiziere um
die Fortsetzung des Kampfes gebeten hatten, in guter Ordnung aus.
F.-M.-Lt. Graf Wallis lobte in seinem Berichte, insbesonders
die Tapferkeit der Offiziere und Gemeinen .deren Begierde an den
Digitized by Google
1778—1779.
197
.Feind zu kommen, ohne viele Mühe nicht zurückhalten konnte.*
Das Leib -Bataillon hatte 2 Blessirte.
Dieses unentschiedene Gefecht war die letzte blutige Szene
in diesem Kriege, den die Oesterreicher spott weise „Zwetschken-
ruramel", die Preussen „Kartoffelkrieg" nannten. Am 10. März
begann der Waffenstillstand und am 13. Mai 1779 wurde in Tescheu
der Friede unterzeichnet. Oesterreich erhielt von dem bayerischen
Erbe das Inn -Viertel, welches mit Ober- Oesterreich vereinigt
wurde. Während diesem Feldzuge hatte Kaiser Josef den Bau
der Festungen Josefstadt und Theresienstadt angeordnet, König-
grätz und Eger wurden verstärkt.
Der Stab und das Leib - Bataillon inarschirten von Engelsberg
nach Mährisch - Littau, wohin auch die Rekruten gezogen wurden;
das Obrist - Bataillon marschirto nach Zuckmantel.
Mit Reskript vom 1. Mai 1779 erhielt der Hauptmann Josef
Baron Stael v. Ho 11 stein den Obristlieutenants - Charakter
und als Pension jährlich G00 11. aus dem Invaliden - Institut.
Am 13. Mai wurde dem Regiment der Friede publizirt, mit
15. hörte die 6 kr. Löhnung auf; die Offiziere bezogen die Fourage
noch vier Wochen uud den Geldbeitrag drei Monate.
Das Regiment gab seine Feldausrüstung, Kanonen und Proviant-
wägen nach Olmütz ab und marschirte dann in seine Friedens-
garnison nach Wrien, wo das Leib - Bataillon in der Aiser-Kaserne
bequartirt wurde. Das Obrist - Bataillon, welches vorher noch nach
Gewitsch marschiil war, kam dann mit einer Division nach Wr.-
Neustadt; je eine Kompagnio nach Petersdorf, Mödling, Wolfers-
dorf und Plessing.
Mit Allerhöchster Entschliessung vom 7. Juni 1779 wurde
Obrist Ludwig v. Gralforst zum General - Major und Brigadier
zu Budweis befördert, Obrist Friedrich Freiherr v. Lilien des
Regiments Murray, als Kommandant dem Regiment vorgestellt.
Am 23. Juni traf auch das dritte Bataillon von Prag unter
Major Baron Rosenberg in Wien ein und wurde Divisionsweise
nach Bruck a. d. Leitha und Hainburg verlegt.
Sämmtliche Regimenter wurden auf den Friedensfuss gesetzt
und den bei Frei-Korps gestandenen Offiziers nur in ihrer früheren
Charge der Rücktritt in ihre Regimenter gestattet; auch wurden
alle Beförderungen eingestellt. Das Regiment hatte während dem
198
Feldzuge 257 preussische Deserteurs, welche meistens über 66 Zoll
gross waren, enrollirt.
Die Chirurgen, welche bisher meergrüne Röcke trugen, wurden
hechtgrau adjustirt, behielten die schwarzen Aufschläge und rothe
Westen. Die Verpflegung der Armee wurde eigenen Beamten über-
geben und kreisweise geordnet; Wäsche und Schuhe hatten die
Regimenter von selbst angekauftem Materiale in eigener Regie zu
erzeugen. Kittel durfte die Mannschaft nur im Frieden haben, im
Kriege mussten aus selben Brodsäcke erzeugt werden.
Das Regiment marschirte am 15. Mai 1780, nachdem alle
Urlauber einbezogen waren, in das Eierzier-Lager bei Münchendorf,
wo sich noch vier Infanterie- und ein Kavallerie - Regiment ver-
sammelten. Am 21., nach einem heftigen Regen, trat der dortige
Bach aus seinen Ufern und überschwemmte so rasch die ganze
Heide, dass die Regimenter eiligst das Lager verlassen mussten.
Das Regiment erhielt die Quartiere in Ebreichsdorf; die Haupt-
Manöver konnten erst am 12. und 13. Juni abgehalten werden,
welchen auch Ihre Majestät die Kaiserin Maria Theresia bei-
wohnte. Vor Ende der Kontraktion erhielt jeder Mann vom Feld-
webel abwärts eine doppelte Löhnung; auch einige Offiziere erhielten
Gratificationen, und von der Mannschaft, welche wieder auf Urlaub
ging, erhielt jeder Mann 6 Gulden auf die Hand bezahlt. Das Re-
giment rückte am 15. wieder in seine Standquartiere.
Am 4. Juli 1780 starb auf dem Schlosse zu Temen der
Obrist- Inhaber Herzog Karl v. Lothringen und Baar, General-
Lieutenant, Hoch- und Teutsehmeister, General - Kapitän der öster-
reichischen Niederlande. Der Herzog war zu Luneville am 12. De-
zember 1712 geboren. Im 24. Lebensjahre erhielt der Prinz eine
Obristenstelle bei der Infanterie, bald darauf die eines General-
Majors und legte schon im Türkenkriege grossen Muth an den Tag.
Bei dem Rückzüge der Armee von Schupaneck gegen Kownia (1738)
führte der Herzog die Arrieregarde. Er wurde in dem Defiltfe bei
Digitized by Google
17K0 -1787.
190
Mehadia, vou einem mehrfach überlegenen feindlichen Korps zum
Stehen gezwungen, schlug jedoch nach einem langen blutigen Gefechte
die Türken, welche durch eine schnelle Flucht Schrecken und Ver-
wirrung unter ihre bei Orsowa gestandene Hauptarmee brachten.
Auch in der Schlacht bei Krozlia, wie überhaupt bei allen Vorlallen,
bezeugte der Prinz so grossen Diensteifer und so viele Einsicht, dass
ihn der Feldmarschall Graf Wallis, der bekanntlich kein Schmeichler
war, bei allen Gelegenheiten mit vielen Lobeserhebungen anrühmte.
Als Lothringen im österreichischen Erbfolgekriege die Anführung
der Truppen gegen die Franzosen und Bayern übertragen war, führte
er in zwei Feldzügen so grosse Unternehmungen aus, dass ihn selbst
die Feinde bewunderten. Er schlug die Bayern aus ihrem verschanzten
Lager bei Braunau und die Franzosen aus ihren Verschanzungen
bei Deckendorf, setzte oberhalb dieses Ortes, im Angesichte des bei
Blatling gestandenen Feindes, über die Donau und trieb ihn, ohne
eine Schlacht zu schlagen, vom Lech an über den Rhein zurück.
Da nun die Franzosen besorgten, den Kriegsschauplatz in ihr eigenes
Land versetzt zu sehen, besetzten sie das Rheinufer in kleinen
Entfernungen mit einer grossen Menge Verschanzungen und Posten,
hinter welchen die Armee auf den ersten Wink wartete, um dahin
zu eilen, wo die Oesterreicher den Uebergang versuchen würden.
Prinz Karl wusste sie jedoch durch Scheinanstalten und Bewegungen
irre zu machen und seine Dispositionen so geheim und zweckmässig
zu treffen, dass die ganze Armee in zwei Abtheilungen fast ohne
Verlust über den Rhein setzte. Gleich hierauf trieb der Prinz die
Franzosen so in die Enge, dass sie sich bis unter die Kanonen von
Strassburg zurückzogen und die österreichische Armee bis auf eine
Stunde vor diese Stadt rücken konnte. Als jedoch der König von
Preussen ganz unerwartet in Böhmen eindrang und Prag mit dem
grössten Theile des Landes von Truppen entblöst war, sah sich der
Prinz genöthigt, seine errungenen Vortheile im Elsass aufzugeben
und im August 1744 nach Böhmen zu eilen. Dieser unter den Augen
des starken französischen Heeres, über einen so bedeutenden Fluss
mit vieler Ordnung und wenig Verlust ausgeführte Rückzug bleibt
ein Denkmal der Kriegskunst dieses Feldherrn.
Im siebenjährigen Kriege verlor der Prinz die Schlacht bei
Prag, gewann aber am 22. November 1757 jene bei Breslau gegen
den Herzog von Bevern, welcher Sieg der grossen Kaiserin die
200
17HO-1787.
lang gewünschte Gelegenheit verschaffte, dem Herzoge für die vielen
Ihr geleisteten Dienste, durch die Ernennung zum ersten Grosskreuz
des neuerrichteten Militär- Ordens, Ihre Dankbarkeit öffentlich zu
bezeugen.
Nach der unglücklichen Schlacht bei Leuthen legte Lothringen
das Armee - Kommando, und bei der Uebernahme des Grossmeister-
thums des deutschen Ordens am 4. Mai 1761 auch das Theresien-
kreuz ab.
Als Gouverneur der Niederlande hatte er sich deren Achtung
und Liebe in hohem Grade erworben und deren Stande ehrten ihn
durch ein Gedächtnissbild, auf welches sie die Worte: Optimi Principi
(dem besten Fürsten) setzen liessen.
Das Regiment legte durch sechs Wochen die Trauer an.
Am 1. September 1780 erhielt das Regiment vom General-
Kommaudo die Intimation, dass mit Allerhöchstem Handbillet vom
22. und hofkriegsräthlichem Reskript vom 23. August, Se. königliche
Hoheit Erzherzog Maximilian als nunmehriger Hoch- und Teutsch-
meister, der Art als Obrist- Inhaber das Regiment erhalten habe,
dass solches den Namen „Hoch- und Teutschmeister* behält, die
Inhaber-Rechte aber an den F.-M.-Lt. Wilhelm Freih. Schröder
v. Lilienhof übertragen worden sind.
Am 13. September marschirte das bisher zu Hainburg und
Bruck gelegene dritte Bataillon nach Wiener-Neustadt, dagegen die
hier gelegenen zwei Divisionen des Obrist - Bataillons, eine nach
Bruck, die andere nach Hainburg.
Am 29. November 1780, abends 9 Uhr, starb die Kaiserin
Maria Theresia. Die grosse Kaiserin hinterliess die Monarchie,
deren Bestand nach dem Tode Karl's VI. so schwankend schien,
mächtig, geachtet von Europa und geschützt durch eine kriegserprobte
Armee von 200.000 Streitern, welche abgöttisch die grosse Kaiserin
verehrten, die für ihre Bildung Akademien gestiftet, ihre Subsistenz
verbessert, ihre Tapferkeit und guten Dienste durch Orden und Adel
belohnt und die Invaliden anständig versorgt hatte. In ihrem letzten
Willen hinterliess sie jedem Soldaten „vom Höchsten bis zum
Letzten" einen einmonatlichen Gehalt. Kaiser Josef II. trat nach
dem Tode seiner Mutter die Alleinregicrung an.
Das Legat der Kaiserin wurde dem Regiment am 2. Jänner 1781
mit 10.032 fl. 45 kr. ausbezahlt.
Digitized by Google
1780-1787.
201
Das Grenadier - Bataillon Sehogre hatte in diesem Jahre der
Obristlieutenant Baron Schneidauer von Nr. 3 erhalten..
Mit hofkriegsräthlichem Reskript vom (3. April 1781, beim
Regiment publizirt am 12. April, erhielt das Regiment als Werb-
bezirk 13 grundherrliche Vorstädte ioner der Wiener-Linie, nämlich :
die Jäger-Zeil, Thury, Sporkenbüchel, Liechtenthal, Alt-Lerchenfeld,
St. Ulrich, das obere und untere Guth, Spitelberg, Maria -Hilf,
Gumpendorf, Hundsthurm, Reinprechtsdorf und Erdberg — ferner
ausser der Linie , alles was links der Eärntnerstrasse in dem
V. U. W. W., links gegen Ungarn und Steiermark liegt. Zusammen
5 Städte, 13 grundherrliche Vorstädte, 23 Marktflecken, 203 Dörfer
mit 15.150 Häuser.
Dieser Werbbezirk war in so viele Kompagnie - Bezirke abge-
theilt, als das Regiment Kompagnien zählte. Der Kompagnie-Kom-
mandant hatte ein militärisches Populationsbuch und besorgte in
seinem Bezirke die Konscription uud Rekrutirung. Zur Führung der
Populationsbücher war bei jeder Kompagnie ein Offizier bestimmt,
der alljährlich die Bereisung im Kompagnie - Bezirke in der Zeit
vom 1. März bis Ende Mai vornahm. Das Stellungspflichtige Alter
war zwischen 17 und 40 Jahren. Ausser diesem Werbbezirk erhielt
das Regiment auch einen Theil des Zolkiewer- Kreises in Galizien.
Mittelst Reskriptes vom IG. März 1781 wurden die Beur-
laubungen der Inländer eingeführt, um grosse Ersparnisse zu machen;
der Locostand möglichst restringirt, die übrige Mannschaft in die
Heimat geschickt und nur zu einer jährlichen Exerzier-Periode ein-
berufen. Eine hofkriegsräthliche Verordnung stellte die , Schaar-
wacht ' ab; es war nämlich von Alters her Gebrauch, um 12 Uhr
nachts vor der Hauptwache eine Viertelstunde die Schaarwacht zu
trommeln, um die Wachen und Piquete an ihre Pflicht zu erinnern
(in der Armee war unter der Mannschaft die Tradition verbreitet,
dass, als einst die Armee im tlreissiyj ährigen Kriege im tiefen Schlafe
lag, die Schweden schon uahe an das Lager zum Ueberfalle vor-
gedrungen, ein gütiger Engel die Trommel gerührt und so der
Ueberfall vereitelt ward, daher zum Andenken jede Nacht 12 Uhr
die Trommel gerührt wurde) ; ferners wurde befohlen, dass jeder
ankommende oder abgehende Brief des Mannes vom Hauptmanne
gelesen werde. Das Toleranz - Patent gestattete dem akatholischen
Soldaten den Besuch seines Gotteshauses und gewährte ihm in allen
Digitized by Google
202
17HO-1787.
Fällen die Tröstungen seiner Religion. Die Generale durften sieh je
nach der Charge Hauptleute, Ohcr- und Unterlieutenants zu Adju-
tanten wählen, jedoch musste der betreifende Offizier dem Generalate
unterstehen.
Schon früher hatte sich Kaiser Josef ernstlich mit der Er-
ziehung und Versorgung der Soldatenkinder befasst ; Jedermann, der
ein Soldatenkind in die Versorgung übernahm, erhielt, bis das Kind
das achte Jahr vollstreckt hatte, jährlich 12 Gulden und zur An-
schaffung der Kleidungsstücke 2 Gulden mehr.
Am 1. Mai 1781 raarschirte die in Mödling und Petersdorf
bequartierte Division nach Laxenburg und bezog dort die neu erbaute
Kaserne. Am 16. August die beiden Feld - Bataillons in das Exerzier-
Lager nach Münchendorf, wo sich alle Regimenter und auch die
Grenadier -Bataillone aus Unter- und Ober - Oesterreich versammelt
hatten. Am 20. passirte das Regiment die Musterung und fanden
dann grosse Manövers, meistens in Gegenwart Sr. Majestät des
Kaisers, statt. Das Regiment und dessen Obrist Baron Lilien
zeichneten sich bei diesen Gelegenheiten so vorzüglich aus, dass der
Kaiser den Truppen das Regiment Teutschmeister nicht nur als
Muster empfahl, sondern auch, nur beim Regimente, jedem Mann
eine doppelte Löhnung auszahlen Hess.
Nach aufgehobenem Lager am 10. September 1781 rückte das
Obrist-Bataillon nach Wien in die Alser-Kaserne, das Leib-Bataillon
Divisionsweise nach Laxenburg, Bruck und Hainburg, das Grenadier-
Bataillon Baron Schneidauer auf die Mauer.
Mit 31. Jänner 1782 erhielt das Regiment das Reskript, für
48 Soldatenknaben ein Erziehungshaus zu errichten, wozu vom
Staate 2000 Gulden bewilligt wurden.
Am 24. April wurden die pensionirten Offiziere aufgefordert,
ob sie nicht in Böhmen oder Mähren als königliche Richter oder
Rathsmänner angestellt zu werden wünschen.
Mit Allerhöchster Erschliessung vom 10. Juni 1782 ist der
Major Konstantin Roth zum Regiment Migazzi, dagegen von dort
der Major Wilhelm Baron Kerpen in das Regiment eingetheilt
worden.
Am 12. Juli wurden die Packpferde zum Tragen der Kom-
pagnie-Kesseln und Kasserols, sowie der Zelte in der Armee ein-
geführt.
Digitized by Google
17H0- 17*7.
203
In diesem Jahre fand kein Exerzier - Lager statt, dagegen
mussten die Regimenter im August doch ihre Urlauber einziehen
und bei ihren Qaruisonsorten die Uebungen abhalten. Die Bataillone
passirten in diesem Monat die Musterung. In der Garnison Bruck
a. d. Leitha fand zum Schlüsse vom Leib - Bataillon ein Revue-
Manöver in Parade statt, wozu sämmtliche Honorationen, für welche
Zelte aufgeschlagen waren, erschienen. Die Mannschaft erhielt vom
Obristen 12 Eimer Wein und der Tag endete mit einem Balle. In
Wien rückte das Obrist - Bataillon am 29. vor Sr. Majestät dem
Kaiser aus, produzirte verschiedene Manövers, Ab- und Aufmarsch
aus der Masse, Frontmarsch, Deploirungen, Chargirung mit Peletons
und Halb - Kompagnien, mit ganzen Gliedern aus dem Bataillon
vor- und rückwärts und dem schrägen Feuer aus dem Quarrte,
defllirte zum Schlüsse vor dem Kaiser, welcher sich dann mit der
gesamraten Generalität in die Kaserne begab, dem Auf- und Ab-
packen der Packpferde beiwohnte und dann dem Regiment seine
volle Zufriedenheit und Wohlgefallen bekannt gab.
Der Gemeine D übler des Regiments hatte eine mechanische
Vorrichtung zur schnellen Zurichtung der Flintensteine erfunden,
welche der Hofkriegsrath akzeptirte und D u b 1 e r zum Korporal
bei der Artillerie beförderte.
Der Stand des Regiments bestand Ende Oktober 1782 aus
3241 Mann, unter welchen sich 1686 In- und 1555 Ausländer
befanden.
Am 1. November 1782 trat im Sternthalischen Hause am
Rennweg das Regiments - Erziehungshaus mit 48 Soldatenknaben
unter Kommando des Lieutenants Johann Klip fei in's Leben.
Hauptmann Wähler marschirte am 1. April 1783 mit
3 subaltern Offiziers und 569 Mann zum Bau der in Böhmen neu
anzulegenden Festung Pless. Am 25. Juli wurde das dritte Bataillon
in Wr. Neustadt gemustert und sendete dann eine Division zur
Verstärkung der Wachen nach Wien. Die beiden Feld -Bataillone
rückten am 31. in das Lager bei Münchendorf, in welchem sich
14 Linien-, 3 Grenadier - Bataillone, 2 Divisionen Kürassiere und
Dragoner versammelten und passirten dort am 4. August vor dem
General Baron T e r z i die Musterung. Am 12. langte Se. Majestät
der Kaiser in Laxenburg an, hielt am 14. Revue und am 16. das
grosse Manöver ab. Am 22. um 6 Uhr nachmittags besichtigte der
204
1780-1787
Kaiser das Regiment im Detail und liess dann einzelne Kompagnien
und Züge vor sich exerziren. Am 23. fand das grosse Schluss-
manöver bei Moosbrunn statt, worauf am 24. die Urlauber entlassen
und am 25. das Lager aufgehoben wurde. Auch in diesem Jahre
hatte das Regiment wegen seiner guten Adjustining und Geschick-
lichkeit das Allerhöchste Wohlgefallen Sr. Majestät erworben. Die
Feld - Bataillone wechselten nun die Stationen, daher rückte das
Leib-Bataillon nach Wien in die Alser-Kaserne, das Obrist-Bataillon
Divisionsweise nach Bruck, Hainburg und Laxenburg.
Am 1. April 1784 wurde das Arbeits-Komraando in Pless durch
den Kapitänlieutenant Chevalier Plonquet mit derselben Zahl-
mannschaft abgelöst. Mit Hofkriegsraths - Dekret vom 24. April
wurde der Major Wilhelm Baron Kerpen mit dem zum Major
beförderten Hauptmann Ignaz Graf Brandis des Regiments Kallen-
berg verwechselt.
Die beiden Feld -Bataillone bezogen am 31. Juli das Lager in
Münchendorf, wo sich dieselben Truppen wie im vorigen Jahre ein-
gefunden hatten. Kaiser Josef belobte nach beendigten Manövers
nicht nur die Schönheit des Regiments, sondern liess ihm auch über
seine Geschicklichkeit im Manöveriren das Wohlgefallen bedeuten.
Am 25. August rückten die Bataillons wieder in ihre früheren
Garnisonen.
Am 21. Oktober erhielt das Regiment den Befehl, sich schleu-
nigst in Bereitschaft zu setzen, um ehebaldigst abmarschiren zu
können, da mit Holland wegen der SchinTahrt auf der Scheide der
Ausbruch eines Krieges bevorstand, daher das Arbeiter- Kommando
aus Pless in Eilmärschen und auch die Urlauber einberufen wurden ;
jedem Offizier schenkte der Kaiser ein Pferd.
Am 1. November erhielten die Offiziere die Gratisgage und
die unentgeltlichen Naturalien. Die beiden Divisionen aus Hainburg
und Bruck marschirten am 20. nach Laa, hielten hier drei Rast-
tage, worauf am 24. die beiden Feld - Bataillone 2240 Mann stark
nachdem sie einige Kassawagen mit zwei Millionen in Gold über-
nommen hatten, sich in Marsch setzten. Dieselben befanden sich mit
dem Regiment Preiss in der Brigade des General -Majors Graf
d' Alton. In Mauthausen vereinigte sich das Arbeiter - Kommando
vom Festungsbau in Pless mit dem Regiment, wodurch dessen
Stärke 2825 betrug, passirte dann in Linz die Revision und erhielt
Digitized by Google
17SO-17R7.
205
hier zwei zwölfpfündige und vier dreipfündige Kanonen nebst
Munitionskarren und 150 Reserve - Pferde.
Am 9. Dezember erreichte das Regiment Payerbach und blieb
hier sechs Tage stehen. Am 15. wurde der Marsch fortgesetzt und
beim Betreten Bayerns die Kriegsgebühren ausbezahlt, ausserdem
aber jedem Mann auf Befehl des Kaisers taglich eine halbe Wein
oder eine Mass Bier verabfolgt. Am 14. Jänner 1785 passirte das
Regiment bei Wertheim den Main, am 1. Februar bei Köln den
Rhein, traf am 6. in Aachen ein, rastete hier neun Tage, um die
zurückgebliebene Artillerie zu erwarten, erreichte am 25. Brüssel,
wo dasselbe vom Gouverneur Herzog A 1 b r e c h t von Sachsen-
Teschen und dessen erlauchter Gemalin Erzherzogin Christine
besichtigt wurde und rückte am 1. Marz mit 2802 Mann in die
Kantonnirungsquartiere in Möns ein. Hier wurde das Regiment in
die Kaserne bequartiert, wo die Mannschaft dann die ganze Zeit
nichts als einen Strohsack ohne Leintücher und Decken hatte. Korps-
Kommandant war F.-Z.-M. Graf F e r a r i s, Divisiouär F. - M. - Lt.
Graf Wenzel C o 1 1 o r e d o und Brigadier Generalmajor Baron
S t a a d e r.
Das Grenadier- Bataillon, welches nun aus den Divisionen der
Regimenter Nr. 3, 4 und 46 bestand, erhielt der Obristlieutenant
des Regiments Nr. 14 Heinrich Xin. Fürst Reuss.
Am 1. März 1785 erhielt das Regiment den Befehl des Kaisers,
dass die goldenen Schärpen der Offiziere abgeschafft, dagegen die
seidenen, so wie selbe noch heute bestehen, zu tragen sind;
auch enthielt dieser Befehl die Weisung, dass die Offiziere die
Degen -Kuppel von nun an über dem Kapot zu schnallen haben.
Der Regiments - Chirurgus, welcher bisher mit Er benannt wurde,
erhielt die Benennung Sie.
Anfangs August produzirte sich das Regiment im Feuer vor
mehreren angekommenen französischen Generals und Offiziers, dann
am 20. vor dem Gouverneur der Niederlande, welcher das Regiment
ganz besonders belobte.
Da mit 15. September das Ultimatum mit Holland endigte,
wurden die Regimeliter, um für alle Fälle in Bereitschaft zu sein,
an der Grenze aufgestellt; auch das Regiment erhielt am 8. die
Ordre, am 10. nach Gent aufzubrechen und rückte an diesem Tage
über Ath, Gcsmond und Souderkam, am 14. mit einem Stand von
Digitized by Google
206
1780-1787
3088 Mann in Gent ein, wo dasselbe die Eintheilung in die Brigade
des General Major Graf Rutland erhielt.
Mit Allerhöchster Kntschliessung vom 1. Oktober 1785 wurde
der Obristlieutenant Wilhelm Baron Truchaes zum Obristen beim
Regiment Karlsburg ernannt. Das Regiment passirte am 2. die
Musterung.
Nach unterfertigten Haupt -Präliminar -Artikeln mit der Repu-
blik Holland, wodurch der Scheidestreit beigelegt war, erhielten die
Regimenter den Befehl, wieder nach Oesterreich zurflekzumarschiren.
Das Regiment rfickte am 15. Oktober nach Brüssel und traf am 16.
dort ein. Mit Allerhöchster Kntschliessung vom IG. Oktober 1785
wurde der Obristwachtmeister Wilhelm Baron Rosenberg zum
Obristlieutenant, der zweite Major Ignaz Graf Brandis zum ersten
und der Hauptmann Rudolf Baron de le Blavier zum zweiten
Major befördert. Das Grenadier - Bataillon erhielt der Obristlieutenant
Karl Graf A n e r s p e r g des Regiments Stain.
Das Regiment marschirte am 3. Dezember 1785, nachdem
dasselbe der Gouverneur der Niederlande besichtigt und wieder die
Kassa- Wagen mit den zwei Millionen in Gold übernommen hatte,
von Brftssel ab, rfickte, beinahe dieselbe Route wie beim Hinmarsche
berührend, am 18. Februar 1780 in Wien ein und bezog hier mit
dem Stabe und dem Obrist- Bataillon die Aiser -Kaserne, während
das Leib - Bataillon die früheren Garnisonen Divisionsweise in Hain-
burg, Bruck und Laxenburg erhielt.
Am 1. März marschirte Hauptmann John mit 608 Mann zum
Festungsbau nach Pless.
In diesem sowie im folgenden Jahre 1787 war das Regiment
im Eierzierlager bei Münchendorf und bezog nach demselben wieder
seine früheren Garnisonen. Das Festungsbau -Kommando in Pless
rückte im letzteren Jahre ein.
Digitized by Google
1788-1791.
207
1788-1791.
Im Jahre 1788 waren Ereignisse eingetreten, welche das
Heer zu neuen Thaten riefen. Oesterreich war nämlich durch Ver-
träge verpflichtet, dem russischen Reiche bewaffneten Beistand gegen-
über türkischen Angriffen zu leisten; als nun Katharina die
geforderte Rückgabe der Krim verweigerte, die Pforte deshalb gegen
alles Völkerrecht den nissischen Gesandten in die sieben Thürrae
warf und am 24. August 1787 an Russland den Krieg erklärte,
rüstete auch Oesterreich zum Kampfe.
Das Regiment erhielt sofort den Befehl, sich am kompleten
Kriegsstand zu setzen, alle Urlauber wurden einberufen und auch
eine Reserve- Division aufgestellt. Anfangs Jänner war das Regiment
fertig und rückte mit dem Stabe und den Feld -Bataillons nach
Pressburg, das dritte Bataillon unter Obristwarhtmeister Gf. Brandis
nach Raab.
Kaiser Josef trachtete die Pforte zur Annahme eines Ver-
gleiches zu bewegen ; als aber alle Bemühungen scheiterten, übergab
am 9. Febmar 1788 der k. k. Internuntius dem osmanischcn Reichs-
Effendi die nachstehende Kriegserklärung, welche denselben Tag der
Armee und in der ganzen Monarchie bekannt gemacht wurde:
„In ganz Europa ist bekannt, mit welcher Redlichkeit und
»Aufrichtigkeit der k. k. Hof seit so vielen Jahren eine ruhige gute
, Nachbarschaft mit der Pforte zu unterhalten gesucht und mit
»welcher unermüdeter Sorgfalt derselbe sich bestrebet hat, durch
«seine freundschaftliche Vermittelung auch alle Veranlasssung eines
,Priedensbruches zwischen dem Ottomannischen Reiche und dessen
»übrigen Nachbarn aus dem Wege zu räumen.
„Einen neuen überzeugenden Beweis von dieser Sorgfalt gab
,der k. k. Hof, vereinigt mit seinem Alliirten, dem köng: französischen
„Hofe bei Gelegenheit der letzten zwischen Russland und der Pforte
„entstandenen Beschwerden.
„Da nach dem wörtlichen Inhalte der Tracktaten die Gerechtig-
keit der Russisch -Kaiserlichen Forderungen nicht zu miskennen
,war, und über diess der Russischen Kaiserin Majestät zu einem
208
178H-1791.
„ gütlichen billigen Vergleiche sich geneigt bezeigten, so zweifelte
„der k. k. Hof keineswegs, dass es seinen und den französischen
„vereinigten Bemühungen gelingen würde, dem Ausbruche des
„Kriegsfeuers zuvorzukommen, und den erwünschten Ruhestand auf-
brecht zu erhalten.
.Desto unerwarteter und befremdlicher niusste Sr. kaisl.
„Majestät das Betragen der Pforte sein.
„Weit entfernt den wohlgemeinten dringlichsten Vorstellungen
„des k. k. und französischen Hofes Gehör zu geben, gestattete sie
„dem Russisch -Kaiserl: Gesandten nicht einmal die physisch noth-
, wendige Frist, um von Petersburg mit neuen Anweisungen versehen
„werden zu können. Sie forderte von ihm, dass er durch eiue schril't-
„ liehe Urkunde, den mit seinem Hofe bestehenden Handelsvertrag
„und die Transaktion wegen der an Russland abgetretenen Halbinsel
„Krim für null und nichtig erklären sollte. Als er eine Forderung
„verweigerte, deren Bewilligung alle Gewalt und Vollmacht eines
„Ministers weit übersteiget, ward derselbe, mit offenbarer Verletzung
„des Völkerrechts als Gefangener in die sieben Thürme gebracht und
„dem Russisch - Kaiserl : Hofe der Krieg angekündiget.
»Selbst noch in der Lage dieser Umstände sahen Se: kaiserl:
„Majestät für die Abhaltung wirklicher Gewalttätigkeiten nicht alle
„Hoffnung als verloren an. Allerhöchstdieselben gründeten solche auf
„die Vermuthung, dass die Pforte durch die vereinigten Vorstellungen
„aller in Konstantinopel anwesenden fremden Botschafter und Minister
„sich bewegen lassen dürfte, den Russisch - Kaiserl : Gesandten in
„Freiheit zu setzen, für die durch seine Gefangennehmung verübte
„schwere Verletzung des allgemeinen Völkerrechts hinlängliche Genug-
tuung zu leisten und dadurch wenigstens die Möglichkeit einer
„gütlichen Unterhandlung wieder herzustellen.
„Allein, auch diese Erwartung hat die Pforte vereitelt. Sie hat
„mit Ausübung wirklicher Feindseligkeiten den Anfang gemacht, sie
„hat folglich den Russisch - Kaiserl : Hof in die unumgängliche Noth-
„wendigkeit versetzt,. gleichfalls die Waffen zu ergreifen und zu seiner
„gerechten Verteidigung Gewalt gegen Gewalt anzuwenden.
„Der Pforte sind die engsten Bande der Freundschaft und
„Allianz zwischen Sr: Kaiserlichen und Ihrer Russisch - Kaiseil :
„Majestät nicht unbekannt. Sie sind ihr mit allen ihren notwendigen
.Folgen bei mehreren Gelegenheiten mündlich und namentlich zu
Digitized by Google
1788-1791
200
„Ende des Jahres 1783 schriftlich in wohlgemeinte freundschaftliche
.und zugleich nachdrückliche Vorstellung gebracht worden.
„Die Pforte hat es also einzig und allein sich selbst beizumessen,
.dass Se: Kaiserl: Majestät nach einer gegen sie beobachteten so
, vieljährigen friedfertigen guten Nachbarschaft und nach allen bei
.jeder Gelegenheit angewandten eifrigsten Vermittlungsbemühungen,
„ nunmehr sich veranlasset und durch sie genöthiget sehen, die Aller-
.höchstdenenselben als getreuen Freunde und Alliirten Ihrer Russisch-
. Kaiserl : Majestät obliegenden Pflichten in die vollständigste Erfüllung
,zu bringen und an dem Kriege unverzüglichen wirklichen Theil zu
„nehmen.*
Das Regiment hatte mittlerweile seine Kriegsausrüstung erhalten.
Jedes Bataillon vier dreipfündige und eine seehspfündigc Kanone,
ferner 78 Stück spanische Reiter, dann 15 Jäger (ausgezeichnete
Tiroler- Schützen), welche neben den Spielleuten bei den Fahnen
standen, damit sie der Bataillons - Kommandant schnell zur Ver-
fügung bei der Hand habe. Jeder Jäger erhielt 12 kr. Löhnung und
1 Brod- Portion.
Auch erhielt das Regiment 40 Windbüchsen. Die Fourier-
schützen und Domesti(|uen wurden mit Feuergewehren versehen, um
die Bagagen vertheidigen zu können; auch wurden Gewehrkolben-
futterale zu besserer Konservirung der Schäfte eingeführt. Das
Regiment hatte 1 Feldschmiede und 12 Proviantwägen, auf welchen
für jedes Bataillon 200 Paar Schuhe, 200 Paar Hosen und 200 Gatien
mitgefühlt werden musstcn.
Das Regiment erhielt den Befehl am 1. März 1788 aus seinen
Stationen aufzubrechen. Das Obrist - Bataillon rückte zu dem kroa-
tischen Armeekorps, unter dem F. -M. -Lt. Mittrowsky in das
Lager von Esseg, das Leib - Bataillon mit dem Regimentsstab zur
Verstärkung der Hauptarmee mit dem Regiment Toscana in das
Lager von Polifze, wo es bei der zweiten Reserve unter dem G.-M.
Sturm seine Eintheilung erhielt, endlich das dritte Bataillon in
das Korps des G. d. K. Fürst Karl Lichten stein nach Glina.
Auch das Grenadier-Bataillon Graf Auersperg, bestehend aus den
Divisionen der Regimenter Nr. 3, 4 und 46, brach am selben Tage
von Wien auf und marschirte nach Semlin.
Nach der Eintheilungs-Liste bestand das OfiFiziers-Korps beim
Beginn des Türkenkrieges 1788 aus:
14
210
17SH-171M.
Obrist-Inhaber Maximilian, Krzherzog von Oesterreich, Hoch- und
Teutsehmeister.
2. Obrist-Inhaber Wilhelm Freih. Schröder v. Lilienhof, F.-M.-Lt.
Obrist-Rogiments-Kommandant Friedrich Freiherr von Lilien.
Obristlieutenant Wilhelm Baron Rosenberg.
Major Ignaz Graf Brandis, Ludwig Baron de le Blavier, Karl
Baron Wilsdorf.
Kaplan Dominik Cos ti a 1.
Auditor Anton Fest.
Adjutant Nepomtik Schmidt, bei den Grenadiers Johann Schwarz.
Chirurg Ferdinand F a 1 1 e r.
1
Kompagnien
Hauptmann
Lieutenant
Fähndrich
&
Kapitan-
Ober-
1 TT i
Unter-
IX) Ul
t:
o
1
l. Grenadier-
Wahler
jjcui uacii
—
Sobot
2. Grenadier-
Br. Urracca
öinzenaori
Bauer
—
Lei b-
—
v. uiiciueiu
Aul wesien
IV up J)
Breitschko
1. Major-
—
v. xiorcranu
Honlr
Jit-ck
Mayer
Steffens
«
Beer-
v. Beer
k' oll Ar
neuer
uttinecK
Tratm
®
Lindenberg-
v. Lindenberg
Golem
>V allern
Lindenberg
Zuohari-
de Zuchari
Peteneck
Resch
Wiedersberg-
von
Wiedersberg
Klipfeld
Wutschke
Bruder
Obrist-
Terzi
Splasosny
Croyer
Krämer
2. Majors-
Welter
Mertloch
Vehla
Hochmann
•
OB
■ ~-«
Gehren-
v. Gehren
Costerus
Hackl
Demet
t*
-Q
o
Nereen-
Nereen
Haacke
Schitter
Sonnenfeld
Keller-
Keller
•
du Jardin
Krunoviecki
Thill
Fontenet-
Fontenet
--
Tanfkirehen
Sehapiz
Wugovich
S
-**
Obristlient.-
Renette
Villassovich
Coreth
1
Schmidt
Q
Kottulinski- |
Baron
Kottulinski
Chaihovsky j
1
Lathe
Rauch
Digitized by Google
17S8 1791.
211
Kompagnien
Hauptmann
Lieutenant
Fähnrich
\\ ■ t r 1 1 r 1 1 ' -
UAL1 1 mu-
Oh Ar-
Iintpr-
Fleischer-
v. Fleischer
Albrecht
1
Gerger
Stcinlein
Prevost-
t. Prevost
Neree
Krammer
Mollack
Plonquet-
v. Plonquet
Callya
Niess
J oh. Orelli
Marga-
v. Marga
Schönfeld
Feeder
Frz. Orelli
Reserve-
Division
de Bertiliier
8terneck
Kussel
Oleczick
Stand der Feld - Bataillone 3144 Mann und 52 Jäger, 3. Bataillon 1409 Mann,
30 Jäger, Reserve-Division 800 Mann.
Nach Publizirung der Kriegserklärung erhielten am 9. Februar
um 7 Uhr abends alle Brigadiers und Stabs - Offiziers den Befehl,
bei dem kommandirenden General F.-M.-Lt. de V i n s zu erscheinen,
wo ihnen die Ordre ertheilt wurde, strengste Kampfbereitschaft zu
halten und jeder seine Disposition erhielt. Am folgenden Tage wurde
dem ganzen Kordon, welcher schon seit dem vorigen Jahre an der
Sudgrenze der Monarchie aufgestellt war, die Kriegserklärung publizirt
und sogleich an mehreren Punkten offensiv vorgegangen, die türkischen
Posten angegriffen und an den meisten Punkten besiegt oder ver-
jagt. Beim Angriffe auf Dubiza durch zwei Bataillons des Banater
Grenz - Regimentes misslang der Sturm und die Türken hieben 5
liegen gebliebenen verwundeten Offizieren und 82 Gemeinen die
Köpfe ab, setzten diesen die Kaskette auf und steckten sie auf
Stangen auf der Stadtmauer zur Schau aus. Diese empörende Schand-
that jener verächtlichen Barbaren wurde in der ganzen Armee
publizirt und erregte selbstverständlich die höchste Erbitterung.
Kaiser Josef II. war schon am 2. Februar von Wien ab-
gereist, um persönlich das Kommando der Armee zu übernehmen.
Se. Majestät besichtigte alle Tnippen, traf an Ort und Stelle zweck-
mässige Verfügungen, überzeugte sich von allem, kaufte z. B. einem
Soldatenweib in Karlstadt um ein Goldstück einen Laib Komissbrod
ab und versuchte die Güte und den Geschmack desselben. Die
Soldaten, die ihrem geliebten Kaiser enthusiastisch zujubelten, be-
schenkte er reichlichst und vier Türken, welche gerade gefangen
14*
Digitized by Google
212
178H-1791.
eingebracht wurden, sich beim Anblick des Kaisers aber sofort auf
die Knie warfen, schenkte er sogleich die Freiheit. Am 14. März
traf der Kaiser von seiner Rundreise wieder im Hauptlager bei
Semlin ein und übernahm vom FeldmarschaU Graf L a c y das Kom-
mando der Armee.
In Folge der eigentümlichen Fechtweise der Türken, deren
Hauptwaffe die mit Opium berauschte irreguläre Reiterei bildete,
und welcher sich dieselben vorzüglich zu häufigen Ueberfällen be-
dienten, erliess der Kaiser den Befehl, dass sowohl bei Marsch-
ais bei stabilen Lagern stets die Quarrfoform angenommen werden
müsse. BetrefT der Ausrüstung und Adjustirung erliess der Kaiser
folgendes, die Sorge für die Erhaltung seiner Offiziere bekundendes
Handschreiben :
„Lieber Feldmarschall L a c y !
„Nachdem es bei einem Türkenkriege die Noth wendigkeit
„erfordert, die Offiziers von der Infanterie jeden mit einer Pistole
„zu versehen und zu vermuthen ist, dass jeder solche bereits bei
„Händen haben wird, so werden Sie die Anordnung an die Regi-
menter ergehen lassen, dass die Offiziers den Bedacht nehmen,
„sich mit den dazu erforderlichen Hacken zu versehen. Auch will
„ich gestatten, dass die Offiziers, die es wünschen, sich graue
„Kaputröcke, wie die Roquelors der Soldaten anschaffen können,
„um nicht so sehr von dem Feinde erkannt zu werden.
„Futak, am 27. März 1788.
„Joseph m. p.B
Die Hauptarmee bezog am 16. April das Lager bei Futak,
den 20. bei Banofze und den 24. bei Semlin. General Mittrowsky
zog am 18. seine Truppen bei Klenak (Öabac gegenüber) zusammen
und da an eben diesem Tage auch der Kaiser und der Erzherzog
Franz dort anlangte, so wurde am 20. der Anfang mit der Ueber-
schiffung der Save gemacht, worauf die Türken sogleich die Vor-
städte von Sabac in Brand steckten. Den 21. gingen die noch
übrigen Truppen über den Fluss und rückten in drei Kolonnen auf
höchst beschwerlichen Wegen durch einen dicht verwachsenen Wald
bis vor die Festung, wo sie, obgleich seit 5 Uhr auf dem Marsch,
erst um 10 Uhr anlangten. Das Lager wurde unter dem Kanonen-
Digitized by Google
1988-11*1.
213
fcuer der Festung aufgeschlagen ; man postirte sich in ein Quarrcc,
das mit spanischen Heitern verschanzt wurde. Der Kaiser Hess
drei Rataillons gegen die Vorstadt Pcyra rücken, welche die Türken
sogleich verliessen. Josef II. rekoguoszirte nun seihst und da er
fand, dass Peyra den Belagerern hinderlich wäre, befahl er, sie durch
das Freikorps in Brand stecken zu lassen. Der Kaiser bivouakirte
die Nacht mit seinen Soldaten unter freiem Himmel. Den folgenden
Tag wurde die Festung heftig beschossen und die Trancheen
eröffnet. Der Kaiser war bei diesen Arbeiten immer gegenwärtig
und setzte sich so der Gefahr aus, dass neben ihm drei Kanoniere
getödtet wurden. Als ihn die Generale dringend baten, sich nicht
so dem Feuer auszusetzen, antwortete der Kaiser lächelnd: „Für
einen Kaiser werden keine Kugeln gegossen." Er bemerkte eine
Stelle, an welcher der Festung leicht beizukommen wäre und Hess
Freiwillige und eine Kompagnie Scharfschützen, welchen ein Kom-
mando des Regiments Pälffy folgte, vorrücken. Diese Truppen
erstürmten mit ausnehmender Bravour die Palanka, erstiegen das
Rondell, warfen die Türken hinaus, welche nun in die obere Festung
flüchteten.
Der Kaiser Hess die Besatzung durch einen Trompeter zur
Cebergabe auffordern, worauf diese eine weisse Fahne aussteckte.
Die Besatzung, 1 Janitscharen - Aga, 31 Offiziere und 800 Mann
ergaben sich auf Diskretion — 24 Fahnen, 17 Kanonen und
2 Trommeln waren die Trophäen; das Regiment Nr. 48 besetzte
die Festung und am 27. rückten die übrigen Truppen wieder in das
Lager bei Semlin ein. Das dritte Bataillon Teutschmcister hatte
bei dieser Unternehmung keinen Mann verloren.
Die Eroberung von Sabac war das einzige, was die Haupt-
armee bis zum Mai vornahm. Obgleich alle Anstalten zur Belagerung
von Belgrad vorbereitet waren, musste diese doch einstweilen unter-
bleiben, da die Russen noch nicht so weit vorgedrungen waren, um
den vereinbarten Plan ausführen zu können.
Die Türken unternahmen zuletzt mit bedeutender Truppen-
macht Angriffe auf den bei Semlin errichteten Damm von Besanja,
zu welchem Unternehmen sie von Belgrad nach der sogenannten
Sauspitze überschifften und so ungestüm die Vorposten und die zum
Schutze des Dammes aufgestellten Wachen Überfielen, dass es der
höchsten Anstrengungen bedurfte, sie wieder zurückzuwerfen, wobei
214
1788-1791.
der Verlust auf Seite der Oesterreicher auf 118Todte und 193 Ver-
wundete sich bezifferte. Vom Regiment waren bei diesem Gefechte
nur die Jäger betheiligt, welche sich sehr tapfer hielten und viele
Türken erschossen, selbst aber nur einen Verlust von zwei Todten
und vier Verwundeten einbüssten.
Von dieser Detachirung rückten die braven Jäger später wieder
zum Regimente ein, bei welehem mit Allerhöchster Entschliessung
vom 19. Mai 1788 der Obrist Friedrich Freiherr von Lilien zum
General - Major ernannt und in seine Stelle der Obristlieutenant
Wilhelm Baron Rosenberg zum Obrist und Regiments-Komman-
danten, der Major Ignaz Graf Brandis zum Obristlieutenant und der
Hauptmann Karl Baron Wilsdorf zum Major befördert worden war.
Am 12. Mai wurden die Dispositionen zur Belagerung von
Belgrad hinausgegeben und das Unternehmen auf den 26. Mai fest-
gesetzt. Die Armee war hiezu in drei Abtheilungen geschieden und
alles in bester Ordnung vorbereitet, als auf einmal am 24. Mai ein
Gegenbefehl erschien, welcher die ergangenen Dispositionen aufhob.
Statt dessen fand der Kaiser für nöthig, dem Banate Verstärkungen
von der Hauptarmee zuzusenden. Acht Bataillone marschirten aus
dem Lager von Semb'n dorthin ab. Um die Lücke dieser Bataillons
in der Linie des Semliner - Lagers auszufüllen, wurden acht andere
Bataillone, darunter eines des Regiments von dem Korps der Reserve
nach Semlin gezogen.
Die Türken hatten auch in diesem Feldzuge die barbarische
Gewohnheit des Kopfabschneidens nicht vergessen. Parlamentäre
nahmen sie nicht an, Hessen sie aber doch meistens nahe heran-
kommen und feuerten dann auf sie. F.-Z.-M. Baron Gemmingen
benützte den Umstand, als zwei Knechte des Belgrader Gouverneurs
gefangen genommen wurden, um dem Pascha, bei Gelegenheit der
Zurücksendung der beiden Gefangeuen, Vorstellungen über obige
zwei Punkte zu machen. Hierauf antwortete der Pascha: »dass die
„eingewurzelte Gewohnheit des Kopfabschneidens vielleicht dadurch
»sich verlieren werde, dass jetzt für einen lebenden Getangenen
„mehr gezahlt werde, als für einen Kopf. Die Parlamentäre sollten
»sich immer nur einer weissen Fahne bedienen, um sicher zu sein,
„dass sie ungescheut sich nähern können."
Schon jetzt stellten sich bei der Armee häufig die Wechsel-
fieber ein, so dass Ende Mai der Krankenstand bei der Hauptarmee
Digitized by Google
17S8-1791.
215
55 Offiziere und 5306 Mann erreichte; auch das Regimeut blieb
nicht verschont und hatte Ober 300 Mann in den Spitälern.
Der menschenfreundliche Monarch, der so sehr um die Er-
haltung des Soldaten besorgt war, liess eigene Verhaltungsmassregeln
für die Mannschaft zur Erhaltung der Gesundheit bekannt machen
und alle Vorgesetzten zur strengsten Handhabung derselben unter
persönlicher Verantwortung anweisen.
Das Grenadier - Bataillon Aucrspcrg, welches mit noch drei
anderen bei Jakoba lagerte, waren so geschwächt, dass alle drei
nur ein Bataillon formiren konnten. Major Schotten dorf übernahm
das Kommando, die anderen Stabsoffiziere rückten zu ihren Regi-
mentern ein; das Bataillon wurde in die Semliner Redoutc verlegt.
Seit dem Aufenthalte der Truppen bei Semlin hatten sie
ununterbrochen an der Aufwerfung der Schauzen gearbeitet, welche
am 20. Juni vollkommen hergestellt waren und nun mit 300 Ge-
schützen armirt wurden. Vier Bataillons rückten zur Bewachung in
die Retranch ements ; drei andere Bataillone des Lagers waren zu
deren Unterstützung bestimmt. F.-M.-Lt. Graf Clerfait führte den
Oberbefehl.
In den Schanzen des ßcsanja - Dammes stand ein Bataillon,
welches alle 24 Stunden aus dem Lager abgelöst wurde; zwei
andere Bataillons des Lagers hatten immer die Bereitschaft zur
Unterstützung des ersten. Das Bataillon des Regiments war sehr
oft zu diesen Diensten verwendet.
Der Krankenstand hatte sich im Monat Juni auf 12.000, beim
Regiment auf 500 Mann, vermehrt, indem sich die Ruhr zu den
Wechselfiebern gesellte und viel mehr Opfer verlangte als ihr Vor-
gänger.
In den Monaten Juni und Juli fanden bei der Hauptarmee
beinahe gar keine Kriegsereignisse, daher auch keine Aenderung in
der Lage und Stellung statt. Am 22. Juli attaquirten die Türken die
Schanzen zwischen Semlin und dem BeSanja- Damm, wurden jedoch
mit Verlust zurückgeworfen.
Der Monat Juli war dem Gesundheitszustande der Hauptarmee
noch um vieles gefährlicher als der vergangene Monat; indem am
Ende des Monats bei 20.000 Mann die Spitäler überfüllten. Auch
war dieser unselige Zustand noch nicht im Abnehmen, obschon alles
aufgeboten wurde, ihm zu steuern. Kaiser Josef bereiste alle
216
17HH— 17»1.
Spitäler, um sich persö nlicli von der Befolgung seiner Anordnungen
zu überzeugen. Er liess ohne Kucksicht auf den Kostenaufwand alle
erdenklichen Mittel anwenden, um die Kranken jene Vorsorge zu
ihrer Herstellung gemessen zu lassen, die so ganz in dem menschen-
freundlichen Herzen des Kaisers gegründet war.
Da sich anfangs August aus den Bewegungen der türkischen
Armee, vorzüglich durch ihr starkes Ansammeln im Lager bei
Czernez mit Bestimmtheit herausstellte, dass der Gross -Vezir mit
der Hauptmacht einen Einbruch in das Banat unternehmen würde,
theilte der Kaiser am 12. August die Armee in zwei Theile. Der
erste Theil 21 Bataillone mit 30 Eskadronen, darunter das Grenadier-
Bataillon Auersperg und das Regiment blieben im Lager bei Semlin
unter Kommando des F.-Z.-M. Baron Gemmingen. Man hatte
hiezu jene Regimenter ausgesucht, die in ihrem Stande durch die
Krankheiten am meisten herabgesetzt waren. (Das Regiment hatte
bereits über 200 Mann durch den Tod verloren und gegen 500
lagen in den Spitälern.) Der zweite Theil, 21 Bataillone und 32 Eska-
drons marschirten in das Banat.
Am 30. August rückte das Grenadier- Bataillon, mit einem
Bataillon Kaiser- und einer Division Uhlanen, denen einige 100 Mann
beigegeben wurden, über die Dunawitza gegen den alten Damm,
um das hohe Rohr nieder zu machen. Diese Unternehmung allar-
mirte die Besatzung Belgrads, welche von den Wällen ein lebhaftes
aber unschädliches Feuer eröffnete. Gegen Abend kamen vier türkische
Tschaiken an den Einfluss der Dunawitza, vertrieben mit ihren
Doppelhacken die österreichischen Piquets, wurden aber durch das
wohlgezielte Feuer der Achtzehnpfünder aus der Seraliner Redoute
zum Rückzüge gezwungen. In der Nacht auf den 9. September
errichtete der Feind eine Batterie auf der Kriegs- und eine auf der
Zigeuner- Insel, jede zu vier Kanonen, gegen den Damm und liess
gegen Morgen bei 3000 Spahis und 0000 Janitscharen auf die Sau-
spitze überführen. Von den Oesterreichein zeitlich wahrgenommen,
ergriff das Korps die Waffen und raillirte sich auf seinen Allarm-
Plätzen, um jeden Angriff abweisen zu können. Drei Bataillone mit
der sämmtlicheu Kavallerie besetzten die Anhöhe auf dem Ober-
brunnen, das Regiment stand am Damme unter Gewehr und jedes
Bataillon hatte einen Posten im Retranchement zu besetzen. In der
Semliner Redoute stand das Grenadier- Bataillon Auersperg in der
Digitized by Google
i7hk im.
217
Bereitschaft. Mit Tagesanbruch eröffneten die Türken ein lebhaftes
Feuer, sowohl gegen die Semliner Kedoute, als auch gegen die Stadt
und den Damm, während feindliche Tschaiken in dem Flusse auf-
wärts fuhren und sowohl die kaiserliehen Fahrzeuge als auch den
Damm beschossen. Der dreimalige Angriff der Türkeu wurde durch
die Attaquen der Kavallerie, als auch das lebhafte Geschützfeuer
abgewiesen.
Am 27. Oktober traf der Kaiser mit 7 Grenadier-, C Füsilier-
Bataillonen und 3 Kavallerie - Regimentern aus dem Banate wieder
im Lager vor Semlin ein. Am 19. November wurden die Feind-
seligkeiten eingestellt und die Winterquartiere bezogen. Das Regiment
rückte in das Lager bei Okutschany ; das Grenadier - Bataillon,
welches am 3. November der Obristlieutenant Baron Sebottendorf
von Nr. 59 übernommen hatte, stand in Illok in Syrmien, dessen
Brigadier General -Major Duc d1 Ursel in Peterwardein.
Am 18. November verliess Sr. Majestät in Begleitung des
Erzherzogs Franz und des F.-M. Grafen Lacy Semlin und traten
über Peterwardein, schwer erkrankt, die Reise nach Wien an.
Eine mit dem Feinde abgeschlossene Konv ention setzte für die
Dauer des Winters eine Art von Waffenstillstand fest, wodurch den
Truppen eine grössere Ruhe verschafft wurde.
Die Regimentsgeschichte hat das Obrist-Bataillon beim Ausbruch
des Feldzuges beim kroatischen Truppenkorps unter dem G. d. K.
Fürst Karl Lichtenstein verlassen. Dieses Korps unternahm
am 9. Februar die Unternehmungen auf Dresnik, Dubitza und
Sturlich, wobei das Bataillon nicht in's Feuer kam. Nach diesen
Vorfällen wanderten so viele türkische Unterthanen in das kaiser-
liche Gebiet aus, dass die am Unnallusse befindlichen Fahrzeuge
zu ihrer Herüberschiffung kaum hinreichten. Die in den türkischen
Schlössern befindlichen Besatzungen versammelten sich öfters, um
diesen Auswanderungen Einhalt zu thun, doch da diese von den
Oesterreichern unterstützt wurden, kamen beide Theile öfter in's
Handgemenge, wobei die Türken jedesmal weichen mussten.
Am 25. März brachen 1000 Türken bei Klockoch, einem
fünf Stunden von Karlstadt gelegenen Schlosse, ein, hieben ein
Piquet von 36 Mann nieder und steckten in barbarischer Weise die
Dörfer Kussava und Klockoch in Brand. Vier Kompagnien Szluiner-
Grenzer, welche schnell herbeieilten, warfen sie aber mit bedeutendem
218 1788-1791.
Verlust in die Wälder zurück. Am 4. April um '/28 Uhr früh
rückten drei starke türkische Kolonnen unter dem Schall ihrer Feld-
musik in den Bezirk Dresnik, um diesen wieder zurück zu erobern.
Obrist Peharnick warf sie überall zurück, worauf sie sich mit
ihren drei Kolonnen auf den Anhöhen bei Dresnik sammelten und
das Schloss von allen Seiten umringten. Die tapfere Besatzung und
das in dem Verhaue jenseits der Korona gut bediente Geschütz
hielt sie aber in respektvoller Entfernung, bis das Obrist- Bataillon
des Regiments und ein Grenz -Bataillon anrückten, die Türken in
Verwirruug brachten uud mit grossem Verlust in die Flucht jagten.
Eine Fahne, eine Menge Waffen und viele Pferde, sowie das
sämmtliche geraubte Vieh fiel den Siegern in die Hände, welche
nur 5 Todte und 20 Verwundete verloren hatten.
Nun rückte Fürst Lichtcnstein mit seinen Truppen über
die Unna, traf am 17. April in Czerostany vor Dubitza ein, und
begann sogleich die Belagerung dieser Festung. In der Nacht vom
21. zum 22. war eine Tranchee von 200 Klaftern zu Stande ge-
bracht, welche bis auf 10 Klafter gegeu die Mauern von Dubitza
reichte, gleichzeitig eiue Breschbatterie von sechs schweren Ge-
schützen errichtet, und daraus am 22. ein so wirksames Feuer unter-
halten, dass noch an demselben Tage eine Bresche von mehreren
Klaftern geöffnet war. Ein ausgesendetes Kekognoszirungs-Dctache-
ment stiess auf 1000 zum Entsätze anrückende berittene Türken,
verlor nach einem hartnäckigen Kampfe, in welchem endlich die
Türken doch in die Festung gelangten, an Todten 5 Offiziere und
156 Mann. Mit dieser Verstärkung zählte die Besatzung in Dubitza
12.000 Streiter.
In der Morgendämmerung des 25. April erhielt das Bataillon
Teutschmeister mit einem von Preiss, unter Anführung des General
Khuen den Befehl, die Bresche zu stürmen. 50 Scharfschützen,
vom Oberlieutenant Stadler geführt, bildeten die Spitze, 100 Frei-
willige von Teutschmeister und ebenso viele von Preiss hatten rasch
zu folgen, je eine Division dieser Bataillons sollte sie unterstützen,
und 50 Scharfschützen schlössen den Zug. Seit Eröffnung der Bresche
erwartete die Besatzung den Sturm und kaum erblickte sie mit dem
ersten Lichte des Tages die Spitze der Stürmenden, als sie sich
auch schon halb gedeckt auf der Höhe der Bresche zeigte. Aus dem
Schutte sprühte nun den Anrückenden ein mörderischer Kugelregen
Digitized by Google
1788-1791.
219
entgegen. Oberlieutcnant Stadler fiel am Rande des Grabens todt
nieder; die Scharfschützen zerstreuten sich in Verwirrung. Zwei an
die Bresche vorgezogene Dreipfflnder entluden nur einige Male ihre
•SchrottbOchsen, denn bald lagen ihre Kanoniere todt hingestreckt.
Hauptmann V r e v o s t stürmte mit wahrem Heldenmuthe an der
Spitze der Freiwilligen von Teutsehmeister, überschritt nebst 12 Mann
den auf Kniehöhe unter Wasser gestandenen Graben, erhielt aber
einen Schuss, ebenso Oberlieutenant Duroont einen in das rechte
Auge und mussten zurückgetragen werden. Der übrige Theil der
Freiwilligen, statt schnellen Schrittes das Wasser des Grabens zu
durcheilen, entwickelte sich längs dem Rande desselben, zum eigenen
Verderben in Plänkler. Das ununterbrochene Feuer von der Bresche
und den Schussluchern brachte eine allgemeine Unordnung in die
Stürmenden. Vergeblich führte General K hu en die zwei ünter-
stützungs - Divisionen hervor, er erhielt zwei tüdtlichc Wunden und
Obristlieutenant Rosen borg einen Schuss in den linken Fuss; die
Unterstützungen, welche viele Leute verloren, geriethen in Unord-
nung und so misslang insbesonders durch den Tod oder Verwun-
dungen der Führer der kühne Angriff.
Oberlieutenant Karl Chevalier Dumont starb an der schweren
Verletzung, 21 Mann des Bataillons blieben todt, 115 wareu verwundet.
Nach diesem missluugenen Sturme fielen die Türken mit
langen Spiessen unter grässlichem Geschrei in die TranchSen, während
gleichzeitig ein erschienener Entsatz die Oesterreicher im freien Felde
angriff'. General Schlaun, welcher nun statt dem schwer verwun-
deten General Khuen kommandirte, schlug die Türken aus den
Tranchieu und verfolgte sie bis an die Bresche, wo auch er, tödtlich
getroffen, fiel. Hierauf begann der Kampf auf dem freien Felde, der
über drei Stunden währte, wobei die Türken mit ihren langen Spiessen
bis an die Infanterie vordrangen, von dieser aber mit einem mörderi-
schen Feuer haufenweise hingestreckt, und endlich durch eine Schwa-
dron Kinsky-Chevauxlegers gänzlich in die Flucht geschlagen wurden.
Die Oesterreicher hatten 1 Feldmarschall-Licutenant, 2 Generale,
1 Obristlieutenant, 14 Offiziere und 534 Mann todt oder verwundet;
dagegen bedeckten gegen tausend todte und verwundete Türken das
Schlachtfeld. Die Chevauxlegers hatten eine Standarte erobert.
Lieh ten stein zog sich abends mit seinen Truppen über die
Unna zurück und nahm mit seinem Lager bei Czerostany eine
1
220 1788-1791.
solche Stellung, dass die über den Fluss geschlagene Pontonsbrücke
durch den Brückenkopf behauptet werden konnte. Die Türken unter-
nahmen im Laufe des Monats Mai eine Menge Angriffe auf die
Brücke und den Brückenkopf, wurden aber jedesmal mit blutigen
Köpfen abgewieseu; ebenso heraübten sie sich im Juni vergebens in
Kroatien einzubrechen und unternahmen wiederholte fruchtlose Angriffe
gegen den Brückenkopf. Ihre beiden gegenüber errichteten Batterien
feuerten ohne alle Wirkung; der mit bedeutenden Verstärkungen
angelangte Pascha von Travnik führte persönlich das Kommando.
Im Juli war, ausser einigen fruchtlosen Versuchen in Kroatien
einzudringen, der Feind hauptsächlich bemüht, die Feldfrüchte ein-
zuernten und sie tiefer in's Land in Sicherheit zu bringen. Auch
die Oesterreicher fouragirten öfter im feindlichen Gebiete, bei welchen
Gelegenheiten gewöhnlich kleine Scharmützel vorfielen.
In der Mitte dieses Monats wurde auch Fürst Lichtenstein
von der herrschenden Krankheit ergriffen und war daher genöthigt
das Kommando dem F.-M.-Lt. Baron de Vins zu übergeben und
sich den 18. Juli nach Petrinia und von dort nach Wien zu begeben,
wo er einige Monate später starb.
Gleich beim Beginn des Monats August beschloss de Vins
die Türken in ihrem verschanzten Lager bei Dubitza anzugreifen.
Nachdem zwischen dem 8. und 0. in der Nacht noch eine Pontons-
brücke über die Unna geschlagen worden, gingen den 9. um 2 Uhr
früh die zum Angriffe bestimmten Truppen über beide Brücken.
General Brentano rückte mit dem in Masse formirten Bataillon Preiss
und einem Bataillon Grenzer, das seine Kanonen mit sich führte,
über die der Brückenschauze gegenüber gelegene Anhöhe, gerade
auf die türkischen Batterien los. Diesem rückte General Kalt-
*
schmied mit dem Bataillon Teutschmeister und einem von St.
Georger-Kegiment, die mitsammen ein Quarree formirten, nachdem
er die Scharfschützen vorausgeschickt hatte, über dieselbe nach.
Ihm zur Seite marschirte General Buben holen mit einer Division
Dragoner und Chevauxlegers. Ein Bataillon von Nr. 3 in drei Massen
formirt, rückte am Abhänge der Anhöhe gegen die erste feindliche
Batterie, um Brentano zu unterstützen. Die Generale Schmackers
und Schindler deckten mit den nöthigen Truppen die Brücken.
Um 4 Uhr morgens kam Brentano dem türkischen Lager so
nahe, dass das Bataillon Preiss die erste türkische Batterie angreifen
Digitized by Google
17KS-17H1
221
konnte. Das Kaltschmied'sche Quarree, mit der Kavallerie zur Seite,
rückte im Zusammenhange nach. Das Bataillon Preiss griff nun mit
Hilfe der Scharfschützen die erste türkische Batterie an. Während
dieses Angriffes wurde das dahin im Anmärsche hefindliche Bataillon
von Nr. 3 durch die herbeigeeilte türkische Reiterei mit Heftigkeit
unter dem gewöhnlichen kannibalischen Geheul angefallen und um-
ringt; es hielt aber drei wiederholte Anfalle mit vielem Muthe und
solcher Standhaftigkeit aus, dass die feindliche Reiterei davon abliess,
sich zurückzog und da indessen das Kaltschmied'sche Quarrte und
die Reiterei vorrückte, sich eiligst gänzlich entfernte, daher die
Truppen ruhig ihren Marsch gegen die türkischen Batterien fortsetzten,
während indessen das Bataillon Preiss die erste eingenommen hatte.
Das Kreuzer Grenz-Bataillon griff in der nämlichen Zeit das
türkische Lager an. Die Türken setzten sich Oberall tapfer zur
Gegenwehr und der Kampf währte bis gegen Abend. Das Bataillon
Teutschmeister erstürmte die zweite, das Bataillon St. Georger die
dritte Batterie; die Türken mussten mit vielem Verluste auf allen
Punkten weichen und ihre Schanzen, sowie das Lager den Siegern
überlassen.
Um ljt7 Uhr abends war laut Bericht des F.-M.-Lt. de
Vins „der Angriff mit dem günstigsten Erfolge geendigt, weil die
»Generale, Stabs- und Ober-Offiziere sowohl, als die Truppen ihren
.Obliegenheiten genau nach dem vorgeschriebenen Plane vollkommen
„Genüge geleistet haben, und jeder Theil zweckmässig mitwirkte.
„Daher auch dieser Angriff Überhaupt mit so vieler Ordnung und
.Pünktlichkeit, wie ein Manöver auf dem Exerzierplatze vor sich
„gegangen ist.«
Als Belohnung des besonderen Wohlverhaltens Überliess
F.-M.-Lt. de Vins den beim Kampfe betheilt gewesenen Truppen
das ganze türkische Lager als Beute.
Der Verlust des Bataillons Teutschmeister bestand nur in
einem Todten und zwei Verwundeten; bei der gesammten Truppe
in 27 Todten und 55 Verwundeten. Die todten Türken lagen überall
haufenweise ; fünf schwere Kanonen wurden in den Schanzen erobert.
Noch spät abends, nachdem alle Truppen über die Unna
herübergezogen und sich angeschlossen hatten, rückte das Korps vor
Dubitza und eröffnete aus allen Geschützen ein so heftiges Feuer,
dass der Ort bald einem Steinhaufen ähnlich sah.
222
1788—1791
Die Truppen bezogen in der Nähe das Lager. Am 11. August,
gegen Abend versuchten die auf die Anhöhe Agyno Berdo zurück-
gegangenen Türken mit 5 — 6000 Mann an derselben Stelle, wo sie
am 25. April zum Entsätze von Dubitza eingebrochen waren, nun
wieder der Festung zu Hilfe zu kommen; sie machten wiederholte
Angriffe, fanden aber den Graben stark besetzt und wurden durch
ein heftiges Kanonen- und Musketenfeuer jedesmal mit beträcht-
lichem Verluste zurückgeschlagen.
Am 18. traf Feldmarschall Loudon im Lager ein und über-
nahm das Kommando des gesammten kroatischen Truppen - Korps.
Die auf dem Agyno Berdo gelagerten Türken griffen am
20. früh 4 Uhr abermals das Lager an, wurden aber durch den
tapferen "Widerstand mit einem Verluste von 600 Mann an Todten
und Verwundeten zurückgeschlagen, während die kaiserlichen Tmppen
^ar keinen Verlust hatten.
Durch die fortwährende Beschiessung war am 21. bereits eine
grosse Bresche in den Mauern von- Dubitza entstanden und mit den
Sappen waren so bedeutende Fortschritte gemacht, dass sie am 25.
abends nur noch zehn Schritte von der Mauer eutfernt waren. Nun
verlor die Besatzung den Muth und Hess den Feldmarschall am
26. morgens durch Deputirte um freien Abzug bitten. Diess wurde
abgeschlagen, bis 12 Uhr Bedenkzeit gegeben, worauf der Sturm
erfolgen würde. Um diese Stunde wehte die weisse Fahne von der
Mauer und die Besatzung ergab sich kriegsgefangen.
An demselben Tage hatte eine Division des Bataillons Teutsch-
meister die Höhe des Agyno - Berdo erstiegen und verkündete durch
Flintenschüsse dem Feldmarschall, dass das ganze feindliche Lager
verlassen sei.
Dubitza wurde nun wieder in einigen Tagen mit aufgebotenen
Provinzial-Arbeitern so hergestellt, dass dessen Besitz die weiteren
Bewegungen an der oberen Unna begünstigen konnte. Unter diesen
Arbeiten war der Monat August verflossen. In den ersten Tagen
des September hatte der Feldmarschall mehrere Rekognoszirungen
des feindlichen Lagers bei Jellovacz persönlich vorgenommen und
liess dasselbe bewachen. Da die vorgerückte Jahreszeit keinen
Stillstand gönnte, liess Loudon den General Schmackers mit
sechs Bataillons aus der Stellung bei Dubitza gegen Novi abrücken,
für übertrug dem F.-M.-Lt. de Vins mit dem Reste der zurück-
Digitized by Google
17KS-1791.
223
gebliebenen Truppe, unter welcher sich das Bataillon Teutsehmeister
befand, Dubitza und die Unna bis Novi zu bewachen und begab sich am
6. September nach Devor vor Novi, wo er sein Hauptquartier aufschlug.
Am 7. September begann die Heiagerung und am 4. Oktober
wehten die österreichischen Fahnen auf den Wallen, denn an diesem
Tage hatte Novi kapitulirt. General Schmackers wurde nun mit
vier Bataillons zur Einnahme von Berbir abgesendet; F. -M. -Lt.
de Vins hob am 15. Oktober das Lager aufBegovstan bei Dubitza
auf und marschirte nach Kostainicza. Das Bataillon Teutsehmeister
war nach Glina gerückt, brach aber am 9. November auf Befehl
des Feldmarschalls von dort auf und marschirte nach Petrinia, wo
dasselbe in die Brigade General Klebek eingetheilt, die Winter-
quartiere bezog.
Das Regiment hatte in diesem Feldzuge bis Ende des Jahres
1788 C Offiziere und über 1000 Mann am Fieber und der Ruhr
verloren, sogar die beiden Wiutermonate November und Dezember
rafften noch 185 Mann hin, so dass trotz den zahlreich nach-
gesendeten Rekruteu am 20. Mai 1780 die drei Bataillons zusammeu
nur 1G00 Mann unter den Waffen hatten. An diesem Tage über-
nahm Feldmarschall L o u d o n das Kommando der kroatischen Armee
und zog die Truppen wegen der Einfalle der Türken in die Szluiner-,
Banalisten- und Liccaner - Regiments - Bezirke in einem Lager bei
Szluin zusammen; auch sollte die Festung Bihac belagert werden,
allein die Schwierigkeiten der Verpflegsanstalten bei der üblen
Witterung nöthigten zum Aufgeben dieses Unternehmens, wogegen
der Feldmarschall sich entschloss, nachdem die Hochwasser sich
verlaufen hatten, sogleich zur Belagerung von Berbir zu schreiten.
Die Armee marschirte in vier Abtheilungen, das Regiment unter
dem Generalmajor Klebek in der zweiten Abtheilung und brach
am 7. Juni mit dem Stabe und den Feld -Bataillons aus dem
Lager von Szluin nach Weljun auf, rückte am 8. nach Woinich,
10. Werginmosi, 11. Glina, 13. Petrinia, 14. Sunia, 15. Drenovbok,
17. Novska, 18. Okucsani. Das dritte Bataillon war mit noch
drei dritten Bataillons anderer Regimenter zur Deckung des sehr
wichtigen Szluin, in zweiter Linie hinter der Brigade Peharnik in
den Redouten zu Brochanacz, Szluin, Malyevacz und Czritovich
zurückgeblieben. Loudon war am 17. Juni zu Okucsani angelangt
und schlug am 19. sein Hauptquartier zu Alt-Gradiska auf.
Digitized by Google
224
17K8-1701
In der Nacht zum 21. setzten sich die gesammten Bataillons,
Tentschmeister 2 Bataillons 1000 Mann stark, mit dem Regiment
Nr. 39 in der Brigade General Schindler und 2 Eskadronen
Huszaren gegen Alt - Gradiska in Bewegung. Sie lagerten am Morgen
in der Fläche zwischen den Dörfern Ober- und Unter -Väros, die
Festung Alt- Gradiska vor der Front. In zweiter Linie war das Be-
lagerungsgeschütz aufgefahren.
Alle Anstalten zum Uebergange der Save waren am 22. Juni
vollendet. Den folgenden Tag fiberschritt ein Theil der Truppen auf
der in der Nacht geschlagenen Brficke den Fluss und erbaute rasch
einen Brückenkopf. In der Nacht vom 27. auf den 28. wurde in der
Nähe von Unter- Väros eine zweite Brücke geschlagen. 50 Scharf-
schützen, 2 Kompagnien des Regiments und 400 Arbeiter waren
frfiher hinübergeschifft, um theils den Brückenschlag zu sichern,
theils auch die jenseitige Auffahrt zu erbauen. Feldmarschall Loudon
leitete persönlich, als die Brficke fertig war, den Uebergang. General
Schindler ffihrte 2 Bataillons Nr, 39 und 10 Kompagnien Tentsch-
meister, welche insgesammt spanische Reiter trugen und 14 Ge-
schütze hinüber; 2000 Arbeiter folgten nach. Jenseits der Brücke
bildeten diese Truppen, indem sie den Rücken am Flusse sich mit
spanischen Reitern umgaben, die drei vorderen Seiten eines läng-
lichen Viereckes. Im Innern desselben schritten die Arbeiter also-
gleich zum Bau eines Brückenkopfes. Die wenigen, aus der unteren
Wasserbastion in Berbir gefallenen Kanonenschüsse tödteten einen
Mann und verwundeten fünf. Den 28. waren die Erdwerke vollendet
und in denselben die mitgebrachten Geschütze eingeführt.
Nun wurden die Laufgräben gegen die Festung eröffnet und
die ordentliche Belagerung nahm ihren Anfang. Abtheilungen des
Regiments waren nun täglich in den Schanzen kommandirt, bei
welcher Gelegenheit am 20. Juni Fähnrich Josef Onclly von einer
feindlichen Kugel getroffen todt blieb.
Am Morgen des 9. Juli waren die Erdarbeiten bis auf dreissig
Schritte von der Save und sechzig von dem Banjalukaer - Thore
entfernt. Die Besatzung musste sich nun auf den Sturm gefasst
machen oder die Festung übergeben. Sie wählte jedoch den Mittel-
weg, indem sie nachmittag auf dem unbesetzten Wege gegen Banja-
luka unter einem heftigen Geschütz- und Musketenfeuer der Belagerer
die Festung im Stiche liess und das Weite suchte. Bei dem hierauf
Digitized by Google
1788—1791
225
erfolgten Einrücken der Oesterreicher fand man dieselbe mit Aus-
nahme eine« schlafenden Griechen ganz von Menschen verlassen.
Während dieser erfolgreichen Unternehmung hatte der Kaiser
noch am 2. Mai Befehle fflr die Hauptarmee erlassen, denen zu
Folge die Donau zwischen Semlin und Alt-Orsova nur leicht besetzt
blieb und die übrigen verwendbaren Truppen sich bei Karansebes
zu vereinigen hatten.
Obristlieutenant Graf St. Julien des Tiroler Land- und Feld-
Regiments Nr. 40 übernahm das Kommando des Grenadier- Bataillons,
welches in der Grenadier- Brigade General Wenkheim jnn. im
April 1789 zu Alt- Carlo witz stand.
Am 10. Mai erhielten die Truppen den Befehl, sich am 19.
und 20. in dem Lager bei Opowa nächst Gross -Becskcrek zu ver-
sammeln; da jedoch in dieser Gegend Wassermangel herrschte und
man der bedrohten Süd -Ost -Grenze des Banats näher sein wollte,
so marschirten die Truppen in das Lager bei Weisskirchen. Hier
angelangt, erhielt das Grenadier- Bataillon, welches nur 300 Streiter
zählte, seine Eintheiluug in die Division des F.-M.-Lt. Browne.
Am I. August übernahm der Feldmarschall Baron Loudon
das Kommando der Armee von dem erkrankten Feldmarschall Graf
H a d di C k.
Die bei der Belagerung von Berbir verwendet gewesenen Truppen
brachen am 2. August in vier Kolonnen auf. Die beiden Feld-
Bataillone des Regiments befanden sich mit noch vier Bataillons in
der ersten Kolonne unter General -Major Schindler und marschirten
nach Gradiska. Am 30. August rückte die Hauptarmee in fünf
Kolonnen aus dem Lager von Weisskirchen in jenes von Banovze,
um von da zur Belagerung Belgrads vorzugehen. Die 10 Grenadier-
Bataillone, die zweite Kolonne bildend, brachen am 1. September
auf, überschritten bei Szurduk die Donau und langten am 10. im
Lager an. Schon am G. waren die Dispositionen zur Einschliessung
Belgrad's erflosscn und am 12. begann die Bewegung.
Die Grenadiere in der zweiten Abtheilung der Hauptarmee
rückten am 13. nach Szurcsin, überschritten am 14. bei Ostrusnicza
die Save und bewirkten am 15. die Einschliessung Belgrad's auf dem
rechten Donau- und Save -Ufer.
Nachdem die auf der Dunawitza befindliche Brücke herab-
gelassen und naher an dem Besanja-Damme geschlagen war, rückten
15
Digitized by Google
22(5
17**- 1701.
die beiden Feld - Bataillone des Regiments mit 2 von Nr. 54 und
2 Divisious Chevauxlegers von den Besanja Anhöhen herab und
bezogen 1000 Schritte von der Brückensehanze das Lager, 1 Bataillon
von Nr. 51 zog aber an diese Schanze, 1 Division dieses Regiments
in die Redoute der Zigeuner -Insel und 2 Divisionen wurden zur
Unterstützung rückwärts beordert.
Den 15. mit anbrechendem Tage setzten sich jene Truppen in
Bewegung, welche die Eugenischen Linien zu besetzen hatten, und
nahmen ohne Anstand von dieser Stellung Besitz, ebenso waren um
dieselbe Zeit die beiden Feld -Bataillone des Regiments mit zwei
Bataillons der Regimenter Nr. 14, 4ö und 48 in der Gegend des
Oberbruunens in das Lager gerückt.
Während der ganzen Belagerung behielt das Regiment diese
Aufstellung. Das Grenadier- Bataillon blieb in den Eugenischen
Linien bei der Beobachtungs -Armee, welche die Belagerung gegen
einen allenfalls anrückenden Entsatz zu decken hatte. Die Feld-
geschütze jedes Bataillons, 1 Sechspfünder und 2 Dreiptunder, wurden
in den Bataillons - Intervallen aufgestellt.
Am Morgen des 7. Oktober war die zweite Parallele vollendet,
und man überblickte von hier nahe genug die Zerstörung im Platze,
welche das fortwährende Bombardement angerichtet hatte. Alle
Gebäude lagen in Schutt. Ein starker Brand flammte im Innern.
Beinahe alle Geschütze des Walles schwiegen. Die Scharten waren
zerstört und der bedeckte Weg durch Bomben und Granaten auf-
gewühlt. Gegen 9 Uhr schwiegen alle Batterien. Loudon ertheilte
um diese Zeit der Besatzung Antwort auf das Begehren eines fünf-
zehntägigen Waffenstillstandes: „ Nicht fünfzehn Stunden wolle er
„die Waffen ruhen lassen und bot nur sechs Stunden Bedenkzeit.
, Würde nach Ablauf derselben die Festung übergeben, so könne die
„Besatzung mit allen Habseligkeiten, wohin sie wolle, ruhig ab-
ziehen, wo nicht, so möge sie den Folgen eines Sturmes unterliegen/
Schon nach einer Stunde erklärte Osman Pascha sich einver-
standen, worauf die Unterhandlungen mit den Abgesandten bis in die
späte Nacht währten und am Mittage des kommenden Tages die
Kapitulation der Festung unterschrieben wurde. Die Grenadier-
Bataillone unter F.-M. -Lt. Browne, dabei St. Julien rückten
sogleich auf das Glacis und besetzten die Thore. General K 1 e b e c k
eilte nach Mitternacht mit der Meldung von der Besitznahme der
Digitized by Google
1788- lfM. 227
Festung nach Wien zum Kaiser Josef. Am 9. vormittags erfolgte
sie wirklich. Die Grenadiere besetzten das Innere des Platzes und
die Wasserstadt; die Besatzung 4883 Mann zu Fuss, 1088 zu Pferde
mit ihren Habseligkeiten, Wreibern und Kindern, zog nach und nach
zu dem Semendrianer - Thore der Wasserstadt hinaus und lagerte
sich längs der Donau.
Feldmarschall Loudon pflanzte also gerade nach 50 Jahren
wieder die österreichischen Fahnen auf die Wälle Belgrads. 361 Ka-
nonen, 34 Mörser, 50 TschaikenstQcke , 6000 Zentner Pulver,
2500 Zentner Blei, eine Menge Stück- Kugeln, 20 Tschaiken und
45 Schiffe waren die Trophäen der Sieger.
Das Innere der eroberten Festung lag in Trümmern. Diese
bedeckten unzählige Leichen und Aeser, welche die Türken einer
offenen Verwesung überliesseti. Man trug daher sogleich Sorge,
durch eine beträchtliche Zahl Arbeiter alle Spuren wilder Nach-
lässigkeit zu vertilgen und die nothwendigste Ordnung herzustellen.
Kaiser Josef II. sendete dem greisen Feldmarschall Baron
Loudon, zum Grosskreuz des Maria Theresien- Ordens, den Stern
in Brillanten, welch' höchste Auszeichnung bisher Niemand erhalten.
Der Fall Belgrad's zog jenen von Semendria nach sich, sowie
auch die Vertreibung des bei Eupria gestandenen türkischen Armee-
korps, das mit Zurücklassung von 11 Kanonen förmlich entfloh und
sich zerstreute, so dass der grösste Theil Serbiens in Besitz genommen
werden konnte.
So glücklich der diesjährige Feldzug an der türkisch-serbischen
Grenze sich gestaltete, ebenso von Siegen begleitet war derselbe bei
den Armeekorps in der Moldau und Siebenbürgen. Ersteres rückte in
die grosse Wallachei ein, erfocht am 1. August unter dem Prinzen von
Coburg in Verbindung mit der russischen Truppen - Division des
Generals en chef, Grafen Suworow einen glänzenden Sieg bei Fokschan
und am 22. September einen noch glänzenderen über den Grossvezir
selbst, bei Martinestje. Prinz Coburg setzte hierauf seinen Marsch
fort und nahm am 10. November die Hauptstadt des Landes Bukarest
in Besitz. Nicht minder glücklich waren die Truppen des Siebenbürger-
Korps, welche in die kleine Wallachei vorrückten und nach einem bei
Vajdeni erfochtenen Siege über Rimnik bis Krajowa vordrangen.
Ein Theil der vor Belgrad gestandenen Truppen rückte bereits
am 15. Oktober in das Banat ab und unternahmen die Belagerung
15*
Digitized by Google
228
17*8- 1791.
von Neu-Orsova, welche aber später, da sich der Winter zu rauh
anlioss, in eine Blockade verwandelt wurde.
Als der Feldmarschall die ohen berührte Flucht der Tflrken
aus Eupria erfuhr, suchte er diese Begebenheit auf das Beste zu
benutzen, um in das feindliche Gebiet von Serbion weiter einzu-
dringen. In Folge dessen erhielt der General Czernell einige
Bataillone Infanterie, darunter das Leib - Bataillon des Regiments,
Pontons und Artillerie mit dem Auftrage zugotheilt, um diese Idee
auszuführen. Czernell Hess sofort den Obristen Davidovich
mit zwei Bataillons Grenzer, einer Division Wurmser-Huszaren
und der nöthigen Artillerie von Sabac aus nach Losnicza vorrücken,
während er selbst am 20. Oktober mit dem Beste seiner Truppeu
von Valjero in der Absicht aufbrach, gemeinschaftlich mit Davi-
dovich das feindliche 5000 Mann starke Lager bei Losnicza an-
zugreifen.
Den 22. Oktober rückte Davidovich gegen Losnicza an.
Sobald er sich dem Orte näherte, entfloh die feindliche Besatzung
gegen Lippnicza. Davidovich folgte ihr auf dem Fasse, fand jedoch,
vor Lippnicza angekommen, die Tflrken so zahlreich, dass er sich
auf die Kolonne zurückzog. Nun stflrzte sich aber der Feind so
schnell und heftig auf die sich zu rückziehenden Huszaren und
Kanonen, das letztere nahe daran waren, verloren zu gehen. Zu
rechter Zeit traf aber die Infanterie ein, welche nun mit solchem
Nachdrucke die Tflrken angriff, dass sie gleich zu weichen anfingen
und die Flucht ergriffen. Sie verliesscn dann auch Lippnicza und
Losnicza und setzten noch am Abend bei der Losniczer Ueberfuhr
mit solcher Uebereilung Aber die Drina, dass noch viele in dem
Flusse ertranken. Bei dieser Unternehmung wurden 400 Stück
Hornvieh und 30.000 Metzen Kukuruz, Waizen und Hafer, wie
auch ein sehr grosser Vorrath Heu erbeutet und durch die Besetzung
von Losnicza die ganze Gegend an der Drina bis zu der Ueberfuhr
bei Zwornik in Besitz genommen.
Das Bataillon des Regiments blieb nun bis 25. November im
Lager bei Losnicza und rückte dann in die fflr das Regiment be-
stimmte Winterstation Valpo ein, wo es sich mit dem bereits dort
befindlichen Regimentsstab und Obrist - Bataillon vereinigte.
Sämmtliche 10 Grenadier-Bataillone, darunter St. Julien, waren
in Belgrad verblieben, marschirten aber vom 12. November ange-
Digitized by Google
1788-1791.
fangen nach Ofen - Pest und der Umgebung ab, um daselbst über
den Winter zu verbleiben.
Das dritte Bataillon war von Szluin im November nach Glina
gerückt und hatte die Bewegung unter F.-M.-Lt. Wallisch gegen
den Feind bei Priboy mitgemacht. Am 7. November hatten die
Türken mit 2000 Mann Izachach und die Redoute bei Priboy an-
gegriffen. Die Oesterreicher leisteten tapferen Widerstand, bis die
Türken nach vielen fruchtlosen Stürmen beim Einbrüche der Nacht
sieh hinter Heliava zurückzogen. Am folgenden Tage erschienen die
Türken wieder vor Priboy uud erneuerten die Augriffe um so heftiger,
da sie auch Kanonen mitgebracht hatten. Den ganzen Tag währte
der Kampf, welchem erst abends durch einen Ausfall der Besatzung
ein Ende gemacht wurde. Die Türken retirirten wieder über die
Heliava und Hessen sehr viele Waffen liegen, woraus man auf ihren
beträchtlichen Verlust schloss.
Der Feind erneuerte am 10. seine Versuche gegen Priboy
nicht mehr, verbrannte am 11. sein Lager und zog sich nach
Bihac zurück.
Da man bald die Nachricht erhielt, dass der Pascha von Sku-
tari nur einige schwache Abtheilungen in den befestigten Schlössern
zurückgelassen und mit dem Reste seiner Schaaren gerade nach
Hause gezogen sei, ernste Einfalle der Türken mithin nicht mehr
zu besorgen waren, so ging F.-M.-Lt. Wal lisch mit dem Haupt-
quartier nach Karlstadt und liess die Truppen die Kautonnirungs-
Quartiere bezichen. Das dritte Bataillon, welches bei dem Kampfe
um Priboy eine Aufnahmsstellung besetzt hatte und nicht in's Feuer
gekommen war, bezog die Quartiere in der Brigade des General-
Major Schlaun zu Petrinia.
Kaiser Josef II. hatte im Juli 1789 in dankbarer Anerkennung
der Verdienste seines Heeres die goldene und silberne Ehren-Denk-
münze mit der ganzen und halben Löhnungszulage gestiftet, damit
die Mannschaft vom Feldwebel abwärts, nicht wie bisher, mit bald
verzehrten Geldbeträgen für ihre Tapferkeit belohnt, sondern ihr
Wohlverhalteu durch ein öffentliches und fortdauerndes Ehren-
zeichen der Vergessenheit eutrissen und mit demselben, wenu diese
wackeren Männer verheiratet sind, auf ihre Nachkommen fort-
gepflanzt werde, damit auch diese zur Ehrbegierde und zum Dienste
des Vaterlandes aufgemuntert werden.
230
17&8-1791.
Im Monat Jänner 1790 erhielt das Regiment mit den beiden
Feld-Bataillons Marschbefehl nach Ofen und Pest, um von da zu
der in Mähren und Schlesien unter Kommando des Feldmarschall
London gegen Preusseu aufgestellten Beobachtungs -Armee abzu-
gehen. Am 18. Februar rückte das Regiment in Ofen ein, hielt da
Rasttag, marschirte am 20. wieder ab und direkte nach Schlesien.
Auch die in Ofen und Pest liegenden 10 Grenadier-Bataillone hatten
sich zwischen dem 27. Jänner und 4. Februar in Marsch gesetzt und
trafen zwischen dem 14. und 22. Februar in Wien ein, wo sie vorläufig
zu verbleiben hatten. Das dritte Bataillon war in Kroatien geblieben.
Preussen war mit der Pforte in ein Bündniss getreten und
hatte an der schlesischen Grenze ein Heer zusammengezogen, welchem
gegenüber Oesterreich obgedachte Armee aufstellte.
Während des Marsches erhielt das Regiment die Trauerkunde
von dem am 20. Februar erfolgten Tode Kaiser Josef II., des
wahren Vaters seiner Soldaten, der es für Ehre hielt, mit ihnen für
das Vaterland zu streiten und alle Mühseligkeiten und Entbehrungen
des Krieges zu tragen, der liebevoll für ihre Gesundheit und für
ihre Kinder sorgte, der mit Grossmuth ihre Tapferkeit belohnte und
selbst im Sterben ihnen das ehrendste, öffentliche Zeugniss ihrer
Tugenden gab, sie seiner Dankbarkeit und Liebe nochmals ver-
sicherte, wie der nachstehende Erlass des Hofkriegsraths-Präsidenten
Graf H a d d i k ddto. Wien 14. Februar 1 790 darthut, welcher allen
Abtheilungen des Regiments gegen Ende Februar publizirt wurde:
„Seine Majestät haben mir Hofkriegsraths-Präsidenten auf-
getragen, der gesaminten in der wirklichen Dienstleistung stehenden
„Armee, vom höchsten General bis zum gemeinen Manne herab, in
„Allerhöchstdero Namen bekannt zu machen:
„Wreil Seine Majestät sich dem Ende Ihres Lebens näherten,
„so hielten Sie sich für undankbar, wenn Sie nicht der gesammten
„Armee für- die in allen Gelegenheiten und ohne Ausnahme, Aller-
„höchstderoselben bewiesenen Treue, Tapferkeit und Un Verdrossen-
heit Ihre volle Zufriedenheit zu erkennen geben.
„Seine Majestät müssten die Armee, eben weil Sie dieselbe
„bei einer im Felde sich zugezogenen Krankheit, nicht hätten ver-
fassen wollen, nuu früher ganz verlassen, als nach dem gewöhn-
lichen Laufe der Natur und von ihrer Leibesbeschaffenheit zu ver-
, mutheu gewesen wäre.
Digitized by Google
1788-17*1
231
„Soldat zu sein, war von jeher Allerhöchstdero vorzügliche
„Neigung, sowie die Beförderung des Wachsthumes an Ansehen, an
.innerlichen Kräften und Werth der gesammten Armee, stets der
»Gegenstand Höchstdero grösster Sorgfalt gewesen.
„Als Landesfürst hätten Seiner Majestät alles Mögliche dazu
„beigetragen und als Kriegsgefährte alles Ungemach und alle
„Gefahren mit Bereitwilligkeit getheilet ; was immer zur Heilung der
»erkrankten und verwundeten Mannschaft, zu ihrer Erleichterung und
„Erhaltung ersonnen werden konnte, sei von Seiner Majestät nie
„ausser Acht gelassen worden und jeder einzelne Mann sei Ihnen
„schätzbar gewesen.
„Der vorige Feldzug habe alle Wünsche, die Seine Majestät
„für die Ehre der Armee in Ihrem Vaterherzen genährt haben,
„vollkommen gekrönet und dieselbe habe in ganz Europa das Ansehen,
„welches sie verdient, erworben. Seine Majestät nähmen die trost-
reiche Beruhigung mit sich , sie werde sich nun auch immer
„bestreben, diesen Ruhm zu erhalten.
„Da Seine Majestät nach Ihrem Hinscheiden für die Armee
„nichts mehr thun können, so wollten Sie ihr diese dankbaren
„Gesinnungen mit dem innigsten Wunsche hiedurch zu erkennen
„geben, dass sie dem Staate und Seiner Majestät Nachfolgern,
„immer auch ebenso getreu wie Allerhöchstderselben zugethan sein
„möge."
Schon sechs Tage nach Erlass der Proklamation starb der
Kaiser, von seinen Soldaten und Völkern tief betrauert. Der Bruder
des Verewigten, Grossherzog Leopold von Tose an a folgte in der
Regierung der österreichischen Länder als Leopold II. mit dem
Wahlspruche: „Pietate et Concordia", wurde am 30. September in
Frankfurt zum römischen Kaiser erwählt und am 9. Oktober gekrönt.
Am 15., November empfing er in Pressburg die ungarische, am
6. September 1791 in Prag die böhmische Krone.
Den Winter 1789 auf 1790 hindurch waren die Feindseligkeiten
mit den Türken nicht wie im vorigen Jahre eingestellt, sondern im
Gegentheilc trotz der ungünstigen Jahreszeit längs der Kordonslinie
zahlreiche Scharmützeln vorgefallen. F.-Z.-M. de Vins langte am
19. April 1790 von Wien an und abernahm vom F.-M.-Lt. Wallisch
das Kommando des kroatischen Armeekorps, verlegte am 20. Mai
das Hauptquartier von Karlstadt nach Voinich und versammelte hier
232
im Lager das Armeekorps. Das dritte Bataillon des Regiments,
unter Obristlieutenant Graf Brandis, 600 Mann stark, marschirte
von Petrinia in dieses Lager und wurde in die Brigade des G. -M.
Bubenhofen eingetheilt.
Gegen Ende Mai unternahm der Kommandirende, von einigen
Generalen und den Offizieren des Generalstabs begleitet, auf ver-
schiedenen Wegen Rekognoszirungen gegen die türkische Feste
Czettin, deren Belagerung nunmehr das Ziel des österreichischen
Operations - Planes war. Nach genommenem Augenschein wurden
Pionniere beordert, einen Weg herzustellen und zur Deckung dieser
Arbeiten das Frei-Bataillon Gyulay bei Klokoch aufgestellt, welches
am 2. Juni durch ein Bataillon Durlach, dann dieses am 11. Juni
vom dritten Bataillon Teutschmeister abgelöst wurde.
Am 21. Juni erthciltc der Kommandirende die Befehle zur
Vorrückung gegen Czettin, welche bis 22. Mittag vollzogen wurden.
Das Bataillon Teutschmeister führte Major Ceriny, das Ingenieur-
Korps mit der erforderlichen Zahl Arbeiter gegen die Höhe Sztari-
Schanacz, wo dasselbe drei Massen bildete, die Arbeiter jedoch
unverweilt den Schanzbau für sechs achtzehnpfündige Kanonen
begannen. Obgleich der Feind aus der Feste sein Geschütz gegen
diesen Punkt wandte, und big Mitternacht spielen Hess, erlitt das
Bataillon und die Arbeiter doch nicht den mindesten Verlust. In
einer Linie, welche die Feste in einem halben Bogen einschloss,
wurden am folgenden Tage noch mehrere Verschanzungen aufge-
worfen, welche am 25. beendet waren. Das Wurffeuer gegen die
Feste begann in der Morgendämmerung des 20. Juni mit Bomben
und Granaten; die Demontier- Batterien feuerten gleichfalls. Bald
gerieth das Holzwerk im Innern der Feste in Brand, und um 2 Uhr
flog ein Pulver-Magaziu auf. Um der Besatzung die Wasserquellen
zu verwehren, wurde 120 Klafter gegen Czettin eine kleine Redoute
erbaut, gegen welche die Türken sofort einen Ausfall machten, aber
von einer Kompagnie von Nr. 24 zurückgejagt wurden. Leider hatte
bei dieser Gelegenheit der tapfere Brigadier General Bubenhofen
eine so schwere Wunde erhalten, dass er schon nach einigen
Tagen starb.
Die Belagerung nahm nun ihren Fortgang, wobei es zu zahl-
reichen Gefechten kam, von welchen aber das Bataillon auf der Höhe
Dicht berührt wurde. Die türkischen Entsatz - Truppen, 6000 Mann
Digitized by Google
1186- 1791
233
stark, lagerten fortwährend auf Grabarska ; am 11. Juli unternahmen
sie einen Angriff, eroberten eine Flesche, in welcher sie stolz fünf
Fahnen aufpflanzten, wurden aber dann durch GeschQtzfeuer und
einen Bajonnetangriff der Bataillone von Nr. 7 und 24 derart
geworfen, dass sie in regelloser wilder Flucht ihr Heil suchten.
200 Todte blieben auf dem Platze und die Sieger hatten 2 Fahnen
erobert.
Am 20. Juli hatten die Breschbatterien schon bedeutenden
Schaden in den Mauern der Feste angerichtet und an zwei Stellen
ganz in Trümmer geschossen. Da die Türken im Innern mit be-
deutenden Holzhaufen Abschnitte vorgerichtet hatten, erstiegen an
diesem Tage nachmittags 5 Uhr ein Feldwebel mit 7 Freiwilligen
vom Freikorps diese Breschen und bemühten sich mit Brandzeug
einen Brand zu legen. Gleichzeitig waren einige Freiwillige Teutsch-
meister tollkühn bis an das Hauptthor der Feste vorgedrungen und
machten hier einen solchen Höllenlärm, dass die Besatzung diesem
ihre ganze Aufmerksamkeit schenkte und zur Vertheidigung an das
Thor eilte. Diesen Moment benützten die Freiwilligen des Freikorps
und steckten das Holz in Brand. Nach einer halben Stunde stand
Czettin in vollen Flammen; die Besatzung, durch Wassermangel
ausser Stand gesetzt, dem furchtbaren Brande, welcher die Feste
einschloss, zu steuern, ergriff panischer Schrecken — der grösste
Theil nahm die Flucht und drängte sich bei dem Ergarska- und
Zigeuner -Thore gegen Grabarska hinaus, geriethen hier in das
mörderische Feuer des Frei - Bataillons, so dass 117 Mann und
37 Weiber todt liegen blieben und der Best wieder in die Feste
zurückgetrieben wurde.
Der kommandirende General benützte diesen Augenblick der
allgemeinen Verwirrung und liess die Feste durch Freiwillige stürmen.
Unter diesen befand sich Obristlieutenant Graf Brandis mit zwei
Zügen Teutschmcister, welchen sich Fürst Johann Lieh teustei n,
Obrist von Kinsky-Chevauxlegers, freiwillig angeschlossen hatte. Drei
Kompagnien rückten als Unterstützung nach. Todesmuthig kletterten
die tapferen Freiwilligen trotz dem heftigsteu Feuer aus nächster
Nähe die Breschen hinauf, drangen trotz der verzweifelten Gegen-
wehr der Türken in den Platz, machten alles was sich zur Wehr
stellte nieder und nahmen den Best gefangen. Es muss der Wahr-
heit getreu in der Regimentsgeschichte bemerkt werden, dass Fürst
234
17RB — 1701.
Johann Lichtenstein der Erste mit dem Degen in der Faust
die Mauer erstieg.*)
Der immer mehr um sich greifende Brand, von dem man noch
die Zündung aller Pulvermagazine erwarten musste, von denen bereits
zwei aufgeflogen waren, verwehrte den Belagerern den Eintritt nach
Czettin. Man verbaute sich daher auf der Bresche und dem Haupt-
wall. Vormittags am 21. Juli steckten die Türken das Lager auf
Grabarska in Brand und entfernten sich in der Richtung gegen
Pöcsi. Viele Tage benöthigte man, um den Brand der Feste gänzlich
zu löschen und das Innere derselben nur einigermassen zu reinigen.
Die Belagerung hatte 28 Tage gewährt und kostete den Be-
lagerern 58 Todte, worunter 1 General, dann 252 Verwundete,
worunter 1 General und 11 Offiziere. Der feindliche Verlust betrug
2000 Mann. Fähnrich Schmid von Teutschmeister wurde wegen
bewiesener hervorragender Tapferkeit Sr. Majestät namhaft gemacht
und demselben im Armeebefehle die „besondere Zufriedenheit* des
Kaisers zu erkennen gegeben. Korporal Johann Dr6e, welcher sich
auch durch hervorragende Tapferkeit ausgezeichnet hatte, war der
Erste, welcher beim Regiment die silberne Ehren -Denkmünze erhielt.
Dem gesammten Korps wurde eine zweitägige Gratislöhnung bewilligt
Mit der Einnahrae von Czettin war der Feldzug des kroatischen
Armeekorps beendet, denn es fanden nur mehr einzelne kleine Ge-
fechte statt, bei welchen das Bataillon nicht betheiligt war. Am
22. August langte die Bestimmung an, dass nichts Feindliches mehr
gegen die Türken unternommen, sondern nur vertheidigungsweise
gegen dieselben sich verhalten werden solle. Am 3. Oktober erhielt
der Kommandirende im Lager bei Czettin den Ferman des Gross-
vezirs über den bis zum Mai 1701 abgeschlossenen Waffenstillstand.
Die für den Rückmarsch des Armeekorps getroffenen Anordnungen
traten am 13. in Vollziehung, wornach das Bataillon Teutschmeister
nach Karlstadt marschirte und hier in Garnison verblieb.
*) Fürst Johann Lichtenstein erhielt für diese That das Maria-
Theresien- Kreuz. In den folgenden Kriegen zeichnete er sich unzählige Male
aus, erwarb das Kommandeur- und als General der Kavallerie das Grosskreuz
des Maria -Theresien- Ordens — in der Armee den Namen: „der echte Ritter
ohne Furcht und Tadel." Als der Fürst im Jahre 1809, damit Wien schnell
von den Franzosen geräumt werde, den Wechselhäusern seine sämmtlichen
Besitzungen zum ünterpfande anbot, hatte er sich ein ewiges Denkmal der
Dankbarkeit in jedem Wiener Herzen gesetzt
Digitized by Google
17S8-1791
235
Die Spannung mit Preussen fand mit dem Kongress zu Reichen-
bach ein schnelles Ende. Die beiden Feld - Bataillons kehrten, nach-
dem sie im Juli und August im Lager bei Gumma und in Konzen-
trirung bei Fridek gestanden, im September nach Oesterreich zurück.
Im Oktober war der Regimentsstab mit dem Leib - Bataillon und
der Grenadier-Division in Wien, das Obrist-Bataillon Divisionsweise
zu Laxenburg, Hainburg, Bruck a. d. Leitha und Wiener Neustadt.
Am 4. August 1791 kam zu Sistowa, wo die Unterhandlungen
gepflogen worden waren, der Friede mit der Pforte zu Stande. In
diesem wurde festgesetzt, dass Oesterreich die eroberten Landstriche
räumen und seine Truppen innerhalb der Grenzen, wie sie vor Aus-
bruch des Krieges bestanden hatten, zurückziehen solle. Die geringen,
durch den dreijährigen Krieg errungenen Vortheile, standen demnach
in gar keinem Verhältnisse zu den glänzenden Waffenthaten der
Armee, insbesonders in der Moldau und Wallachei, die gänzlich
erobert waren, woran hauptsächlich die durch Preussen ausgeübte
diplomatische Pression Ursache war. Nichts destowcniger setzte
Oesterreich Punktationen zu Gunsten des Handels, des Kriegsbrauches
und zum Schutze der Christen in den türkischen Provinzen durch.
Es war dies der zwanzigste Friedensschluss zwischen Oesterreich
und der Türkei, nach welchem beide Reiche bis auf die Gegen-
wart in keinen Krieg mehr verwickelt wurden, denn das öster-
reichische Schwert hatte die Macht der Osmanen, lange der Schrecken
und die Plage Europas, gebrochen.
Nach dem Friedensschlüsse brach am 25. September 1791
das dritte Bataillon von Karlstadt auf und marschirte nach Wiener
Neustadt.
Kaiser Josef II. hatte bei der letzten Verleihung der Inhabers-
stelle den F.-M.-Lt. Wilhelm Freiherr v. Schröder aus dem
Grunde zum zweiten Inhaber ernannt, weil Höchstderselbe die
geistlichen Würden des Hoch- und Teutschmeister mit dem Militär-
stande nicht vereinbarlich gefunden. Nach dem Tode des Kaisers
richtete aber der Erzherzog Maximilian Franz am 8. März 1790
die Bitte an den Kaiser Leopold IL, ihm das Regiment, sowie
diess bei seinen Vorfahren im Teutschmeisterthum der Fall gewesen,
als Obrist - Inhaber zu verleihen, damit er in Stand gesetzt werde,
die dem Inhaber zufallenden Offiziersstellen mit Rittern und Kom-
thuren des deutschen Ritterordens zum Besten des Allerhöchsten
23G
1702-1708
Dienstes zu besetzen, und um nach den Statuten die pflichtschuldige
Exercitium Militare desto besser in Ausübung bringen zu können.
Sr. Majestät geruhte in Folge dessen, den Erzherzog Maximilian
Franz mit Allerhöchster Erschliessung vom 3. Mai 1790 in alle
Rechte eines Obrist - Inhaber beim Regimente einzusetzen und dem
zweiten Inhaber F. -M.-Lt. Wilhelm Freiherr v. Schröder das
Infanterie-Regiment Nr. 26 zu verleihen.
Aus dem bei dieser Gelegenheit vom Hofkriegsrathe erstatteten
Vortrage geht hervor, dass das Regiment seit seinem Bestehen aus
dem ihm vom deutschen Ritterorden zugewiesenen Werbbezirke
Mergentheira immer koraplet erhalten, auch von diesem Orden mit
vorzüglichen Offizieren, sehr guten Gewehren, Monturen und sonstigen
Unterstützungen ausgiebig versorgt worden sei.
1792-1793.
Mit Allerhöchstem Haudbillet vom 31. Dezember 1791 wurde
Obrist Baron Rosenberg mit Generalmajors -Charakter pensionirt
und der Obristlieutenant Mittrowsky von Nr. 54 zum Obristen
im Regiment ernannt; dann aber mit jenem vom 5. Jänner 1792
die Ernennung des Ohristlieutenants Mittrowsky als ein Versehen
erklärt und der Obrist Wilhelm Baron Kerpen von Nr. 54 zum
Obristen und Kommandanten des Regiments, dagegen Mittrowsky
zum Obristen bei Nr. 54 ernannt.
Mit Allerhöchster Entschliessung vom 2. April 1792 wurde
der supernumeräre Major Wolff bei Nr. 37 eingctheilt.
Die im Februar 1787 in Frankreich begonnene Revolution
verführte die Niederländer zur Empörung, welche 1789 zum Aus-
bruche kam. Die Revolution in Frankreich hatte die deutschen Fürsten
und Stände vielfach beeinträchtigt. Die nach Frankreich geflüchteten
niederländischen Aufwiegler fanden dort Aufnahme und Unterstützung,
die über den Rhein entkommenen französischen Royalisten bildeten
in Deutschland die Emigrantenkorps. Die ersten beiden Thatsachen
gaben dem Kaiser, die letzte der französischen Regierung Anlass
zu Beschwerden. Da bei der revolutionären Partei von Recht, Billig-
Digitized by Google
1792-1793.
237
keit, Mässigung und Nachgiebigkeit keine Spur vorhanden war, so
konnte dieser Zwist wohl nur mit einem Kriege enden. Daher wurde
am 7. Februar 1792 zwischen Oesterreich und Preussen ein Defensiv-
Bündnis8 geschlossen.
Feldmarschall Bender hatte 1700 die niederländischen Insur-
genten oftmals geschlagen, ebenso 1701, worauf sie gänzlich aus-
einander gingen, und der kaiserliche General - Gouverneur Herzog
Albert von Sachsen - Tesche n die Huldigung entgegennahm.
Am 1. März 1702 starb plötzlich Kaiser Leopold II. und es
bestieg sein Sohn Franz, geboren 12. Februar 1768, den Thron.
Wahlspruch: Justitia regnorum fundamentum. Schon am 14. Juli
erhielt er als Kaiser Franz II. die deutsche Kaiserwflrde, am
8. Juni die Krone des heil. Stefan zu Ofen und wurde am 0. August
in Prag mit den böhmischen Reichs - Insignien gekrönt.
Der vom Kaiser Franz II. und König FriedrichWilhelmll.
von Preussen geschlossene Bund hatte bisher keinen aggressiven
Schritt gegen die französische Revolution gemacht, als dio National-
versammlung in Paris am 20. April 1702 den König Ludwig XVI.
zur Kriegserklärung an Oesterreich zwang und sofort ihre Kolonnen
in die Niederlande einnicken Hess. Mit Leichtigkeit schlugen die
österreichischen Vortruppen diese undisziplinirten Eindringlinge zurück,
während der Herzog von Sachsen-Teschcn die Armee zwischen
Möns und Tournay sammelt*. Am 2G. Juni erklärte auch Preussen
den Krieg an Frankreich und der Herzog von Braunschweig
überschritt anfangs August an der Spitze eines preussischen Heeres,
dem 15.000 Oesterreicher angeschlossen waren, die Grenze Frank-
reichs. Die Umsturzraänner benützten die Aufregung des Pöbels, als
die Kunde dieser Invasion Paris erreichte, um am 10. August unter
gräulichen Mordszenen die Tuillerien zu erstürmen und den König
in den Thurm des Tempels einzukerkern.
Der Herzog von Braunschweig betrat indessen die
Champagne, bedrohte die Hauptstadt und man hoffte in Bälde die
Revolution beendet zu sehen. Aber die Invasion in die Champagne
misslang und in Folge dessen auch der beabsichtigte Angriff auf
Valenciennes. Als die Preussen den Rückzug angetreten hatten,
kassirte in Paris der National - Konvent die Königswürde, pro-
klamirte Frankreich zur Republik und machte dem Könige den
Prozess.
238
1792-1798.
Die abziehenden Preussen wurden nicht verfolgt, dagegen
wendeten sich die Franzosen mit 100.000 Mann gegen die Nieder-
lande, zu deren Vertheidigung dem Herzoge von Sachsen-Teschen
nur 20.000 Oesterreicher zu Gebote standen. Nach mehreren Ge-
fechten, in welchen sich die Oesterreicher tapfer schlugen, aber
gegen die Uebermacht nicht reussiren konnten, gingen Namur,
Antwerpen und Lüttich verloren und F. -Z. -M. Clerfait, der das
Oberkommando übernommen hatte, bezog hinter der Maas die Winter-
quartiere.
Die früher angeführte Transferirung des Major Wolff zum
Kegiment Nr. 37 wurde mit Allerhöchster Entschliessung vom
5. Mai 1792 rückgängig gemacht.
Oesterreich machte alle Anstrengungen, um seine Armee an-
sehnlich zu verstärken und so wurde am 20. November 1792 vom
Hofkritgsrathe der Chargenstand einer Kompagnie mit G Korporale,
12 Gefreite und 160 Gemeinen systemisirt, kurz darauf aber der
Mannschaftsstand auf 200 Gemeine erhöht.
Am 21. Jänner 1793 war unter der Guillotine das Haupt
Ludwig XVI. jenes unglücklichen Königs gefallen, dessen einziger
Fehler allzu grosse Güte war. Alle gesitteten Länder und fast ganz
Europa durchschallte ein Schrei des Entsetzens und erhoben sich
gegen Frankreich ; der National-Kouvent nahm kühn den Kampf auf.
Der Regimentsstab und das Leib - Bataillon waren anfangs
Jänner 1793 aufgebrochen und nach Kur -Baiern und Franken
marschirt, wo sie am 26. eintrafen, dann am 27. nach Weinheim
in der Mittelpfalz gerückt, wo sie bis 1. Februar stehen blieben.
An diesem Tage marschirten sie nach Lampertheim bei Worms und
kantonnirten hier und in der Konkurrenz bis 12., waren dann vom
13. bis 22. am Ober- Rhein und rückten hierauf zum Korps des
F.-M.-Lt. Prinz Württemberg.
An dem Tage, als das Leib - Bataillon mit dem Stabe im
Vereine mit einem Bataillon der Infanterie -Regimenter Nr. 3, 23,
20, 56 und 59 nebst vier Kürassier - Regimentern und der dazu
gehörigen Artillerie als Verstärkung der Armee einrückten, mar-
schirte diese zum Entsätze der belagerten Festung Mastricht und
bezog am 28. Februar enge Kantonnirungen hinter der Roer. In der
Nacht auf den 1. März 1793 wurde dieser Fluss in fünf Kolonnen
überschritten und die französische Kantonnirung bei Aldenhofen und
Digitized by Google
1795 -179».
239
Eschweiler überfallen. Das Korps Württemberg und das zweite
Treffen gingen bei Düren über die Roer. Erst nach einem halb-
stündigen Marsch stiess man auf den Feind, der sich eiligst in
seine auf dem Roer-Berge durch 10 bis 12 Geschütze vertheidigte
Verschanzung zurückzog. Um gegen denselben zu demonstriren,
blieb Prinz Württemberg mit seinem Korps stehen, die Avant-
garde und das zweite Treffen marschirten gegen die französische
Stellung von Hönningen.
Um 2 Uhr nachmittags erfolgte der Angriff auf selbe, wahrend
der Prinz Württemberg gleichzeitig dem Generalen Davidovich
befahl, nunmehr gegen den Roer -Berg vorzurücken. Da aber der
Prinz fand, dass der Feind nicht eher aus seiner guten Stellung
weichen würde, bevor nicht dessen linke Flanke umgangen sei, so
beorderte er den Obristen Fürsten Reuss mit seinem Bataillon
von Nr. 56, einer Eskadron von Latour-Dragoner, einer Jäger-Kom-
pagnie Mahoni hiezu und schickte das Leib - Bataillon Teutsch-
meister als Unterstützung nach. Obrist Fürst Reuss nahm nach
kurzer Kanonade die Stellung und besetzte sie. Mittlerweile hatte
Erzherzog Karl auch die Stellung von Hönnigen mit besonderer
Bravour forcirt. F.-Z -M. Clerfait, unterdessen mit dem ersten
Treffen bei Jülich über die Roer gegangen, vertrieb die Franzosen
aus ihren Redouten und schickte seine Hauptmacht über Aldenhoven
vor, wo er sich mit der von Düren ankommenden Kolonne vereinigte.
So war also die feindliche Position, welche Aachen und Rolduc
decken sollte, genommen. 2 Fahnen, 23 Kanonen und 5000 gefangene
Franzosen waren nebstbei die Früchte dieses schönen Sieges bei
Aldenhoven, zu welchem Erzherzog Karl am meisten beigetragen
hatte.
Um */49 Uhr abends besetzte das Leib - Bataillon Eschweiler
und blieb hier die Nacht unterm Gewehr.
Am 2. März verliessen beim Vormarsche der Oesterreicher die
Franzosen die Stadt Rolduc und deren Verschanzungen. Erzherzog
Karl säuberte mit der Avantgarde Fouquemont und das württera-
bergische Korps rückte gegen Aachen, eine Kolonne, dabei das Leib-
Bataillon, unter General Davidovich über Ellendorf zur Um-
gehung des Defilles hinter diese Stadt entsendend.
Die in Aachen gestandenen Franzosen hatten sich schon zurück-
gezogen, allein eine von Rolduc retirirende, 6000 Mann starke feind-
240
175*2 - I7f»3.
liehe Kolonne warf sich jetzt in dasselbe. Die österreichische Avant-
garde bemächtigte sich zweier Thore. Man schlug sich in allen
Gassen; der Feind vertheidigte sich noch auf dem Hauptplatz und
verliess die Stadt erst dann, als die in seine rechte Flanke marschirende
Kolonne unter David ov ich das grosse Defilee umgangen hatte,
sich der Strasse von Herve näherte und so seinen Rückzug bedrohte.
Er retirirte nun auf die Anhöhen von Herve, wurde aber auch hier
mit Verlust von 7 Kanonen geworfen.
Am 3. Marz zog der Kommandirende, F. -M. Prinz Coburg,
unter dem Jubel der Bevölkerung in das seit 20. Februar belagerte
Mastrieht ein, während an demselben Tage die Avantgarde Aber die
Maas ging. Prinz Württemberg marsehirte bis Henri Chapelle.
Die Franzosen waren überall schon in Eile retirirt. Erzherzog Karl
vertrieb am 4. die Franzosen aus Tongern, worauf das erste Treffen
gleichfalls die Maas Übersehritt. Der Prinz Württemberg kam
zu Herve an; seine Avantgarde zu Soumagne. Derselben gegenüber
auf den Höhen von Aigneux standen feindliehe Truppen mit vieler
Artillerie. Der Prinz verstärkte seine Avantgarde mit 1 Bataillon
von Nr. 5G unter Obrist Fürst Reuss und marsehirte mit dem
ganzen Korps durch das Gebirge über Herve nach Lüttieh in des
Feindes linke Flanke. Unterdessen waren die Höhen von Aigneux
en Front angegriffen worden; man hatte dem Feinde auch schon
zwei Kanonen abgenommen, aber er vertheidigte sich so lange hart-
näckig, bis der Prinz ihn ganz tournirt hatte und mit seiner Tete
angriff. Nun verliess er mit Einbruch der Nacht seine Position und
Lüttich selbst, wo die Oesterreich er am 5. des Morgens einzogen,
und 100 Kanonen, nebst vielen Kriegs- und Lebensbedürfnissen
fanden.
Am 10. März marsehirte das Leib - Bataillon mit dem Korps
des F.-M.-Lt. Graf Latour über Hay, Namur und Möns gegen
Maubeuge, wo es am 9. April eintraf und zur Cernirung dieser
Festung verwendet wurde.
Mittlerweile war der französische General Dumouriez bei
dem entmuthigten französischen Heere angekommen und gab sich
alle Mühe, den Truppen wieder Selbstvertrauen einzuflössen und
den Geist der militärischen Disziplin herzustellen. Aber schon am
18. März wurde er bei Nerwinden geschlagen, wobei der jugendliche
Erzherzog Karl gegen den französischen linken Flügel den Haupt-
Digitized by Google
ITtS— 17M.
241
sieg erfocht. Die Franzosen verloren 4000 Mann und 30 Kanonen ;
nach ein paar Tagen waren nur mehr 20.000 Mann beisammen.
Am 24. März besetzten die Oesterreicher Mecheln, am 25.
Brüssel, wo Erzherzog Karl mit unbeschreiblichem Jubel empfangen
wurde und am 26. Namur. Nun scbloss Dumouriez mit dem
Prinzen Coburg einen Waffenstillstand, weil er Aber das Ver-
fahren des Konvents empört und ob des Verlustes der Niederlande
für seinen Kopf besorgt gemacht, nach Paris raarschiren wollte, um
das Königthum wieder herzustellen. Schon nahm Dumouriez die
zu seiner Verhaftung entsendeten Konvents - Kommissäre gefangen
und lieferte sie an die Oesterreicher aus, als er, von der Armee
verlassen, sich mit seinen Anhängern in das k. k. Lager zu flüchten
bemOssigt sah.
Dampierre wurde Befehlshaber des französischen Heeres
und bezog das feste Lager bei Famars. Coburg kündigte am
8. April 1703 den Waffenstillstand und unternahm die Belagerungen
der Festungen Conde, Valenciennes , le Quesnoi, Landrecy und
Maubeuge, wo das Leib-Bataillon Teutschmeister bereits abwechselnd
den Vorpostendienst beim Belagerungskorps versah und mehrere
Rekognoszirungen bis nahe an die Festungsthore ruhmlich durch-
geführt hatte. Den ganzen April währten die Vorpostongefechte vor
Maubeuge. Am 1. Mai versuchte Dampierre den Entsatz der
Festung Conde\ wurde aber mit vielem Verluste in sein Lager bei
Famars zurückgeschlagen.
Seit 1. Mai hatte die Besatzung von Maubeuge mehrere Aus-
fälle gemacht und unternahm am 7. Mai einen solchen mit grosser
Truppenzahl gegen fünf Punkte. Die Schanze auf dem linken Flügel
war einer jener Punkte, welchen der Feind ebenfalls mit grosser
üebermacht angrift' und mit sechs Kanonen und Haubitzen lebhaft
beschoss. Eine Kompagnie des Regiments Nr. 20 hielt sich hier
ausnehmend tapfer, war aber endlich gezwungen, die Posten aus
den vorderen Gräben zurückzuziehen, als in demselben Augenblicke
eine Division Teutschmeister, geführt von Major Blavier, recht-
zeitig eintraf und sogleich das Gefecht herstellte. General Davi-
dovich sagt in seinem Berichte: „Bei Ankunft der Teutschmeiste-
„rischen Division hingegen durch besondere Verwendung des mit-
bekommenen Herrn Majors Blavier und dessen rechtschaffenen
Jndividuen nicht nur diese Schanze gänzlich behauptet, sondern
16
242 1702-1798.
„auch sämmtliche die innegehabten Posten wieder eingenommen und
„besetzet worden. Ich kann also meinen Pflichten gemäss nicht
„unterlassen, die Herzhaftigkeit sämmtlicher unserer Troupp vom
„höchsten Offizier bis zu den Gemeinen wo ich zugegen war und
„ersehen habe, nicht mit hinlänglichen Ausdrücken zu beloben. In
„Sonderheit — von Teutschmeister der Major Baron Blavier,
„Lieutenant Thiel, Fähnrich Blankenheim, Feldwebel Rad-
ovan y, Korporal Martini, Gefreiter K o n s i k o w s k y, Gemeine
.Thomas Pentolano, Anton Remischka, Paul Bösch,
„Philipp F e i c h t m a y e r, Georg Hold und Lorenz P i 1 a wegen
.ihrem ruhmwürdigen Betragen zu beloben und der höchsten Gnade
„anzuempfehlen.*
Der Verlust des Leib - Bataillons vor Maubeuge bestand in
5 Todten und 17 Verwundeten.
Am 14. Mai rückte das Regiment Nr. 59 beim Korps des
F.-M.-Lt. Latour ein, und das Leib - Bataillon marschirte zur
Hauptarmee nach Quiverain, wo dasselbe die Eintheilung unter
General Otto erhielt.
Nachdem sich die Preussen, Holländer, Engländer und Han-
noverauer mit dor kaiserlichen Armee vereinigt hatten, beschloss
Feldmarschall Prinz Coburg, die Franzosen, deren Kommando
General Custine von dem verwundeten Dampierre übernommen
hatte, in ihrem festen Lager zu Famars anzugreifen und von
Valenciennes wegzuschlagen. Der Angriff war in fünf Kolonnen
bestimmt. Die- Seiteukolonne unter General Otto bestand nur aus
zwei Bataillons, dabei Teutschmeister und 12 Escadrons. Sie
sammelte sich auf dem Unken Flügel des Lagers und rückte nach
Villerspol; sie war bestimmt, alles anzugreifen, was sie von der
Garnison von le Quesnoi etwa dort fände. So deckte sie der Armee
die Flanke und nach der Passirung der Ronette den Rücken.
Um die Bewegungen der Armee zu verbergen, wurde mit ein-
brechender Nacht die Vorpostenkette verdoppelt. Nach Mitternacht
des 23. Mai formirten sich alle Truppen in ihre Kolonnen und als
der Tag anbrach, wurde vorgerückt. Ein dichter Nebel lag auf der
Gegend. Die angreifende Armee schickte zahlreiche Patrouillen vor
sich hin ; diese stiessen auf die feindlichen Vorposten uud jagten sie
bis an die längs der Ronette gelegenen Dörfer. General Otto über-
fiel mit seinen Truppen Villerspol, Teutschmeister nahm dasselbe mit
Digitized by Google
1792-171)3.
243
Sturm, eroberte 6 Kanonen und 4 Munitionskarren und drückte die
Franzosen durch Orsainval bis an die Festung Quesnoi zurück.
Um den Uebergang der Hauptarmee zu erleichtern, welche durch
einige zwischen Mareche und Villerspol liegende Schanzen beunruhigt
wurde, liess General Ott o Huszaren durch den Bach setzen, welche
zwei derselben wegnahmen. Der Feind machte mehrere Versuche,
Orsainval und Villerspol wieder zu erobern, aber sie misslangen alle.
Teutschmeister hatte den letzteren Ort mit besonderer Tapferkeit
vertheidigt und dem Feinde nahmhafte Verluste zugefügt. Mit Ein-
bruch der Nacht blieb hier alles ruhig. Die Truppen Otto's blieben
die Nacht in ihren Stellungen mit den Waffen in der Hand. Die
Armee hatte auf allen Punkten entschieden gesiegt. Die Franzosen
verloren 3000 Todte und Blessirte, 300 Gefangene, 17 Kanonen und
14 Munitionskarren.
Der Verlust der alliirten Armee betrug 6—700 Todte und
Blessirte, darunter Teutschmeister 8 Todte, 21 Blessirte.
Am 24. Mai um 2 Uhr früh setzten sich alle Kolonnen in
Bewegung, um den Angriff fortzusetzen. Aber man fand keine Feinde
mehr. Diese hatten in der Nacht die Höhen von Famars und Anzain
verlassen und sich hinter Buchain und Cambray zurückgezogen.
Durch diesen Marsch waren sie der Gefahr, gefangen oder in die
Festung geworfen zu werden, glücklich entgangen. Die Alliirten
bezogen die verlassene Stellung des Feindes. Das Leib - Bataillon
Teutschmeister kantonnirte in dem ruhmvoll eroberten Villerspol.
Nun wurde Valenciennes durch eine kombinirte Armee unter
dem Herzoge von York berannt; F.- M.Coburg bezog mit einem
Theile der Observationsarmee ein Lager auf den Höhen hinter
Vavrechin zwischen der Scheide und Vallors, welches er stark ver-
schanzen liess. F. -M.- Lt. Latour hielt einen Kordon von Villerspol
bis Charleroi und beobachtete Philippeville, Maubeuge und le Quesnoi.
Die Stellung bei Villerspol wurde im Juni noch mit einigen
Truppen verstärkt und unter das Kommando des Generalen Grafen
Bellegarde gestellt. Am 5. Juli, eine Stunde vor Tagesanbruch,
griff der Feind plötzlich diese Stellung mit allem Nachdrucke an
und drückte die Posten von Haye bis Franoy zurück. Der Feind
wurde einmal zurückgetrieben, allein er wiederholte den Angriff mit
drei aus Quesnoi vorgerückten Bataillons und 6 Kanonen vereint
mit seiner geworfenen Truppe auf verschiedenen Punkten und gewann
16*
241
1792 1793.
wirklich schon Terrain ; da warfen sich ihm die Oesterreicher kühn
mit dem Bajonnet entgegen und jagten ihn in die Flucht. Das Leib-
Bataillon hatte 3 Todto und 9 Verwundete, war mit besonderer
Tapferkeit gegen zwei feindliche Bataillons losgestürmt und hatte
sie sofort über den Haufen geworfen.
Am 11. Juli rückte ein Bataillon von Nr. 3 in Villerspol
ein, wogegen das Bataillon Tcutschmeister um 11 Uhr abends von
dort abmarschirte und zum Korps des F.-M. -Lt. Latour nach
Bettiguies rückte.
Am 11. Mai war das Obrist-Bataillon von Wien abmarschirt,
durchzog bis 28. Kur- Baiern, im Juni Franken und die Kheinischen-
Kreise und vereinigte sich am 11. Juli im Feldlager bei Bettignies
mit dem Ilegimcntsstab und Leib - Bataillon.
Nach der Eintlieilungs- Liste vom Jahre 1793 bestand der Stab,
das Leib- und Christ- Bataillon aus nachstehenden Offizieren:
Obrist- Inhaber Erzherzog Maximilian, Hoch- und Teatschmeister.
Obrist Kcgiments-Kommandant Wilhelm Baron Kerpen.
Major Ludwig Baron de In Blavier.
Kaplan Hilarius Wal lisch.
Auditor Anton Fest.
Adjutant (icorg Mehlführer.
Chirurg Ferdinand Falta.
Kompagnie
Hauptmann
Lieutenant
Kapitiin- j Ober- Unter-
Fähnrich
Leib-
Helenus
de Sa vetin
Karl Bauer
Ignaz Fels
Mathias
Schmidt
1. Major-
Kajetan
Petteneck
Ig. Albrecht
Johann
de Schüttre
Wilhelm
Br. Steinlein
Xocsen-
Wilh. Neesen -
Graf Ajatta
Gabriel
Michalievich
Michael Kato
Znchari-
Zuchari
Wolfgang
Wagovich
Otto
Br. Coletti
Karl O Lyneh
_
Augustin
Bergen
Klippfeld-
Klippfeld
Franz
liraf Coreth
Lndwig
Lindenberg
Costerus-
Costerus
Philipp
v. Mertloch
Johann Till
Maria
Blankenheim
ObriBt-
Franz
Zurwesten
Ig. Splavski
Johann
Hochmann
Ad. Stephens
2. Major-
Vinc.Ostovioh
Johann Vella
Loop. Hönig
Kajetan
Konsky
Digitized by Google
1792- 1703.
245
Kompagnie
Hauptmann
Lieutenant
Fähnrich
Kapitän-
Ober-
Unter-
Prevost-
Baptist
Prevost
Anton
Ruisdürfer
Joh. Rauch
Ignaz
Pfefferkorn
Terzy-
Karl Terzy
Alex. Graf
Taufkirchen
Ferdinand
Wittum
Bertrand-
Franz
de Bertrand
Ludwig
Br. Stael
Xepomnk
Sehmid
Friedrich
Schultz
Weller-
Martin Weiler
üottl. Kramer
Josef Schmidt
.loh. Alhrecht
Fahnen-Kadet Franz Hervay von Kirchberg.
Leib-Bataillon 12t.r) Mann, 9 Kanoniere, 15 Knechte, 57 Pferde.
Obrist- „ 1173 9 12 r 50 r
Am 11. Juli kapitulirte Conde. Am selben Tage griffen die
Franzosen die Vorposten des F.-M.-Lt. Latour mit grosser U eber-
macht an und gewannen im ersten Anfall einige Verschanzungen,
wurden aber von den herbeieilenden Verstärkungen mit Verlust
zurückgeworfen. Teutschmeister waren nicht in's Feuer gekommen.
Der Feldmarschall liess am 23. Juli eine Haupt-Rekognoszirung
vornehmen, um sich von der Stellung und Stärke des Feindes zu
überzeugen. Sie geschah in fünf Abtheilungen ; das Regiment marschirte
über Villers en Cauchie bis Riew. Man fand des Feindes Hauptmacht
zwischen Oisy und Cambray gelagert. Die leichten Truppen hatten
viele Gefangene gemacht.
Am 26. wurden die Vorwerke der Festung Valenciennes mit
Sturm genommen, worauf der Kommandant General Ferrand kapi-
tulirte, dann am 1. August mit der noch 7000 Mann starkeu Gar-
nison nach den Höhen von Famars marschirte und dort die Waffen
streckte. General Custine, der Valenciennes nicht entsetzte, endete
unter dem Beile der Guillotine; sein ehemaliger Adjutant Houchard
folgte ihm im Kommando.
Die Verbündeten waren nun nicht nur im vollkommenen Be-
sitze der Niederlande, sie standen grösstentheils auf feindlichem
Boden. Alles schien sich vereinigt zu haben, die Republik zu ver-
nichten, als die Franzosen auch aus dem für unangreifbar gehaltenen
»Camp de Caesar* verdrängt wurden. Ausserdem waren ihre Heere
in den Pyrenäen geschlagen, in der Vend^e hatte sich ein furcht-
barer Aufstand zu Gunsten des Königthums erhoben, ebenso waren
in Marseille, Toulon und Lyon drohende Empörungen wider die
246
1792 1793
revolutionären Machthaber ausgebrochen. Allein nun begann erst
die volle Schreckensherrschaft unter Robespierre's scheusslicher
Diktatur und diese wusste mit haarsträubender Grausamkeit die zur
Fortsetzung des Krieges erforderlichen Mittel dem unglücklichen
Laude abzupressen. Ganz Frankreich wurde zur Kriegswerkstätte
und bald gebot die Republik über zahlreiche Armeen. Die Guillotine
war in Permanenz, nur Sicherheit in den Reihen der Armee.
Nach dem glücklichen Ausschlage auf den Camp de Caesar
marschirte der Herzog York mit einer kombinirten Armee von
37.000 Mann gegen Dünkirchen; die k. k. Hauptarmee unter Prinz
Coburg aber bezog an der Scheide die Stellung zwischen Bettignies
und Deuaing. Das Regiment blieb unter F. -M. -Lt. Latour bei
Bettignies.
Während der Herzog York Dünkirchen belagerte, wollte
Prinz Coburg die Festungen le Quesnoi und Maubeuge angreifen
und liess zu diesem Zwecke am 17. August die Franzosen aus dem
Mormal - Walde vertreiben. Die Festung le Quesnoi wurde jetzt
blockirt. Das Blockade - Korps stand über Orsainval, Ruesne, Beau-
dignies, Louvignies, Jollimez und Villereaux; das Observations-
Korps, mit der Aufgabe Landrecy, Cambray, Bonchain und Douay
zu beobachten, stand über Denaing, Douchy, Saulzoir, Montrecourt,
Romerie, Englefontaine durch den Wald von Mormal bis Charleroi.
Das Obrist-Bataillon war am 21. August von Bettignies abmarschirt
und am 23. bei dem Blockade -Korps vor le Quesnoi eingetroffen,
wo dasselbe seine Eintheilung in die Division des F.-M.-Lt. Terzy,
Brigade General Hutten erhielt.
Am 25. August mit Anbruch des Tages unternahmen die
Franzosen mit 2000 Mann und einigen Kanonen einen Ausfall gegen
die im Bau begriffene Schanze, welche gegen die feindliche hinter
der Cense du Parc errichtet werden sollte. 400 Mann des Obrist-
Bataillons, welche die Waffen und Rüstung abgelegt hatten, waren
mit dieser Arbeit beschäftigt. Sogleich ergriffen sie die Waffen,
empfingen den Feind mit einem mörderischen Bataillefeuer, als er
in Unordnung gcrieth, stürmten sie mit dem Bajonnet kühn entgegen,
und warfen ihn in die Festung zurück. Oberlieutenant Max Gral
Taufkirchen und 2 Mann waren todt auf dem Felde der Ehre
geblieben, 6 Mann verwundet. Die Franzosen hatten durch Kugeln
und Bajonnet bedeutende Verluste erlitten.
Digitized by Google
1792-1798.
247
In der Nacht vom 28. zum 29. August wurden die Laufgräben
eröffnet; in wenigen Tagen waren die erste Parallele und 12 Batterien
fertig, aus welchen nach zurückgewiesener Aufforderung zur üeber-
gabe ein ununterbrochenes Feuer begann. Die Frauzosen versuchten
keinen Entsatz. Am 8. September eröffnete man die zweite Parallele
und am 13. ergab sich die noch 5224 Mann starke Besatzung kriegs-
gefangen. Die Kapitulation war bereits geschlossen, nur hatte die
Garnison das Gewehr noch nicht gestreckt, als die Franzosen am
12. September morgens beide Flügeln des Observations - Korps an-
griffen, aber zurückgeschlagen wurden.
Der französische General Houchard hatte inzwischen die
neu zu erschaffende Nordarmee bei Vitry gesammelt und eilte
Dünkirchen zu entsetzen. Am 8. September siegten die Franzosen
bei Hontscooten über einen Theil des Beobachtungs - Korps der
Alliirten, worauf Herzog York am folgenden Tage die Belagerung
aufhob. Nicht allein bei Hontscooten waren die Waffen der Fran-
zosen glücklich, auch in Flandern drangen ihre Heere ein, wagten
zwar einen vergeblichen Angriff auf Ypern, siegten aber bei Wcrwik
und Halluin, wodurch sie Menin in ihre Gewalt bekamen und den
Herzog von York zum Bückzuge auf Thourout veranlassten.
Als der Feldmarschall Prinz Coburg diese ungünstigen Nach-
richten erhielt, eilte er am 15. September mit eiuem Theile der bei
le Quesnoi gestandenen Truppen gegen Menin. Dieses war aber am
15. schon wieder von deu Oesterreichern, nämlich von der Kolonne
des F.-M.-Lt. Beaulieu und der Avantgarde des York'schen
Korps, welches bis Rousselaire vorgerückt war, erstürmt worden.
Panischer Schrecken ergriff die Republikaner, eiligst retirirten sie
hinter die Lys und Flandern war wieder frei.
Neue Angst bemächtigte sich des Konvents, der Ober -Kom-
mandant Ho uch ard wurde guillotinirt, Jourdau General en Chef
der Nordarmee.
Es wurde nun zur Belagerung von Maubeuge geschritten. Prinz
Coburg sammelte die uiezu erlesenen Truppen an der Sambre,
und beschloss, vorerst den Gegner aus seiner, Maubeuge deckenden
Aufstellung, entweder in die Festung zu werfen oder von dort abzu-
drängen. In sechs Kolonnen setzten sich die Verbündeten am 28.
in Bewegung und lagerten gedeckt in der Gegend von Berlaimont
und Pont sur Sambre. Bei letzterem Orte wurden die beiden Bataillone
Digitized by Google
248 1792-1793.
des Regiments im Korps des F.-M.-Lt. Graf Kinsky, Brigade-
General Graf Bellegarde mit 10 Bataillons und 6 Eskadrons
aufgestellt und blieben hier während den mm folgenden Bewegungen
der Hauptarmee.
Am 29. Oberschritten die Alliirten die Sambre und warfen den
Feind, welcher 11 Kanonen, 15 Munitionskarren und viele Gefangene
einbüsste. Maubeuge wurde eingeschlossen; das Blockade - Korps
kommandirte F.-Z.-M. Graf Colloredo, das Observations -Korps
F.-Z.-M. Graf Clerfait, dem auch das Korps Kinsky unterstellt
war. Das Hauptquartier des Prinzen Coburg kam nach Pont sur
Sambre, bei welchem die Bataillone des Regiments häufig den Dienst
versahen.
In der Nacht des 3. Oktober wurde der bekannte Postmeister
Drouet, der den König Ludwig XVI. verrathen hatte, bei der
Gelegenheit, als er sich mit 10 Reitern aus Maubeuge durchschlagen
wollte, gefangen und in das Hauptquartier gebracht, wo ihn Soldaten
des Regiments bis zu seiner Abtransportirung bewachten.
Der französische Oberbefehlshaber Jourdan hatte mittler-
weile aus Paris den gemessenen Befehl erhalten, Maubeuge zu ent-
setzen. Er sammelte desshalb seine Armee zwischen Cambray-Douay,
griff am 15. Oktober das nur 18.000 Mann zählende Observations-
Korps der Verbündeten bei Wattignies an, wurde zwar zurück-
geschlagen, blieb aber am folgenden Tage Sieger.
In der Nacht vom 10. zum 17. hob Prinz Coburg die
Blockade von Maubeuge auf und die Verbündeten zogen sich über
die Sambre zurück. Am 21. Oktober hatte Jourdan die Posten
Denaing, Marchiennes, Orchics u. a. m. mit Uebermacht angreifen
lassen, aber überall zogen die Franzosen das Kürzere, nur in Mar-
chiennes wussten sie sich festzusetzen.
Die Hauptarmee, dabei das Regiment in der zweiten Kolonne
uuter F.-Z.-M. Graf Colloredo, marschirtc am 23. nach Villers-
pol, am 24. nach Solesmes hinter die Seile.
Hier erhielt das Regiment den folgenden Geueralsbcfehl ddto.
Hauptquartier Bermerain 24. Oktober 1703: „Ich kann nicht umhin,
»der Armee die höchst betrübende Nachricht von der unerhörten
„und grausamen Hinrichtung der würdigen Königin von Frankreich,
.welche den 17. d. M. auf die schrecklichste Art durch des Henkers
»Schwert in Paris vollzogen worden, bekannt zu machen. Ich bin
1792 179.1.
240
„überzeugt, dass jeder kaiserliche Unterthan, noch mehr jeder Soldat,
„tief die lasterhafte Ermordung fühlt, und gewiss bei der ersten
«Gelegenheit, die, wie ich hoffe, sich bald darbieten wird, das auf
„dem Schaffote vergossene Blut der Tochter unserer im unvergess-
enen Andenken stehenden grossen Kaiserin Maria Theresia,
.mit Aufopferung seines eigenen Lebens zu rächen trachten werde.
„Diess ist der ganzen Armee in allen Sprachen recht verständlich
„zu erklären."
Am 30. Oktober überfielen die Generale Kray und Otto die
Stadt Marchiennes. Der grösste Theil der französischen Besatzung
wurde niedergemacht, der Rest, welcher sich in die Abtei geflüchtet
hatte und hier die Waffen streckte, nur durch die höchsten An-
strengungen der Offiziere vor der Wuth der Soldaten gerettet.
Mit Generalsbefehl wurde auf das strengste befohlen, die in
Menge der Armee nachziehenden Juden und Händler, welche äusserst
sträfliche Räubereien treiben, entfernt zu halten und durchaus nicht
mehr zu dulden.
F.-Z.-M. Clerfait war mit 19 Bataillons, darunter das Regi-
ment, und 29 Eskadrons an der Sambre zwischen Berlaimont und
Thuin stehen geblieben, um die Franzosen von einem Einbrüche in
das Lüttich'sche abzuhalten.
Am 24. griffen die Franzosen die Vorposten bei Sommaing an,
ohne dass durch einen sechsstündigen Kampf hier etwas entschieden
wurde. Der Hauptangriff geschah auf Orchies. In fünf Kolonnen und
von allen Seiten näherte sich der Feind. Aber er wurde überall ge-
schlagen, verlor 5 Kanonen und G — 700 Mann. Am 25. Oktober
rückte der Herzog von York von Tournay vor. Templcuvc, Menin
und Lanoix wurden nach verschiedenen für die Franzosen nach-
theiligen Gefechten am 27. eingenommen und das Lager bei Cisoing
wieder bezogen.
Am 2. November griff* eine 0000 Manu starke französische
Kolonne, die von Florenne vorrückte, den F.-M.-Lt. Beaulieu an.
Dieser zog seine sehr vertheilten Truppen zusammen und marschirte
abends, um nicht von Namur abgeschnitten zu werden, nach Saint
Gerard. Am folgenden Tage grillen die Franzosen alle Vorposten
bei Divant, Pont, Merbcs le chateau und Boussieres an. Bei Pont
leistete das Regiment Teutschmeister heldenmüthigen Widerstand
und stand im heftigsten Kanonenfeuer wie eine eherne Mauer. Sein
250
179*2-1793.
Verlust bestand in 2 Todten und 9 Verwundeten. „Alle Offiziere
von Teutschmeister", berichtot F.-Z.-M. Clerfait in seiner Rela-
tion, .haben sich durch Tapferkeit sehr ausgezeichnet.*
Auf allen Punkten wurdeu die Franzosen zurückgeschlagen,
welche diese Gefechte zu dem Zwecke unternommen hatten, um den
Abmarsch einiger Divisionen an die Mosel zu maskiren.
Das eingefallene schlechte Wetter, sowie der Umstand, dass,
laut Meldung des Feldmarschall Prinz Coburg, „zwei Drittel der
„armen braven Mannschaft ohne Mäntel ist, und bei der gegenwärtig
„rauhen Jahreszeit erschrecklich leidet*, gaben Veranlassung, die
Armee in engere Kantonnirungen zu verlegen. Das liegiment erhielt
die Quartiere zu Valcour, Thuin, la Longueville, Orsainval, Jolinet,
Forest und ein Theil im Lager bei Robertshalle.
Mit Oeneralsbefehl vom 13. November wurde befohlen, dass in
Folge Allerhöchster Anordnung sämmtliche Offiziere zur Trauer für
die höchstselige Königin Marie Antoinette von Frankreich einen
Flor um den linken Ann durch 46 Tage zu tragen haben.
Die Franzosen unternahmen anfangs Dezember öfter Ueberfälle
auf die kaiserlichen Vorposten. Am 4. vormittags rückten aus der
Festung Philippeville beiläufig 400 Mann Infanterie und 150 Reiter
gegen Yres, wo vom Regiment und Barco - Huszareu ein Posten
aufgestellt war. Die Piquete von Teutschmeister leisteten dem sehr
überlegenen Feind die standhafteste Gegenwehr und es gelang den
Franzosen nicht, den Posten zum Weichen zu bringen. Dieser Kampf
währte volle drei Stunden und schon begannen der braven Mannschaft
die Patronen auszugehen, als der Rittmeister K e r e k e s von Barco-
Huszaren die günstige Gelegenheit zum Einbauen wahrnahm und
sofort durch eine brillante Attaque die Frauzosen warf und in die
Flucht jagte. Teutschmeister hatten 1 Mann todt und 1 verwundet.
Von den Franzosen waren viele auf dem Platze geblieben und die
Huszaren brachten mehrere Gefangene zurück.
Sr. Majestät der Kaiser erliess an den Kommandirenden nach-
stehendes Allerhöchstes Handbillet:
„Es ist nicht zu verkennen, dass der heurige so merkwürdige
„als glückliche Feldzug nächst Gott dem ruhmvollen Verhalten
„Meiner Armee zu verdanken ist. Ich sehe daher für eine Meiner
„wesentlichen Pflichten an, dem Allmächtigen hierüber den innigsten
.schuldigsten Dank abzustatten, wozu Ich einen allgemeinen Beth-
1792 — 1798.
251
„tag angeordnet habe, zugleich aber Ihnen hiemit aufzutragen, den
«Armeen insgesammt und jedem insbesondere vom Goneral bis zum
, Gemeinen für die während diesem so langen als harten Feldzug
„erfochtene mehrere Siege, und alle errungene wichtige Vortheile
„Meine vollkommenste Zufriedenheit nebst dem gefühlvollesten Dank
«mit der Versicherung zu erkennen zu geben, dass gleich wie das
„gesammte Militär durch diese Mir und dem Staate geleistete
„wichtige Dienste Mir annoch schätzbarer geworden ist, Ich zu allen
„Zeiten aufmerksam seyn werde, diesem Stande überhaupt nicht nur
„Meine ganze Zuneigung zu beweisen, sondern auch jedes aus-
gezeichnete Verdienst bei jeder sich ergebenden Gelegenheit zu
„belohnen und vorzuziehen.
„Wien, 12. Dezember 1793.
„Franz ra/p."
Die Grenadier - Division im Bataillon St. Julien war im Sep-
tember 1793 von Wien aufgebrochen, durch Oesterreich und Tirol
an den Rhein marschirt, um das Korps des G. d. K. Graf Wurmser
zu verstärken, wo dasselbe die Einteilung in die Brigade General
Jordi s erhielt. Während der Operationen am linken Rhein -Ufer
half es, in der Division des F. - M. - Lt. S t a a d e r, das rechte zu decken.
Nach dem Gefechte am 18. November fasste Wurmser den
Entschluss, sich seiner Winterpostirung bei Hagenau zu nähern. Diese
wurden von OfFendorf an über Rurzenbausen, Scheffelsheim, Ohlungen,
dann von Schweighofen über Reichshofen bis auf den Liebfrauenberg
genommen. Die Vorposten blieben an der Zorn stehen.
Seit diesem Tage dauerten die Neckereien von beiden Seiten
fort. Um einen Ersatz für den täglichen Verlust zu haben, befahl
Wurmser dem F.-M.-Lt. Staad er, 3 Grenadier -Bataillons,
dabei St. Julien und das Regiment Hohenzollern Kürassiere, über den
Rhein zu schicken, welche zwischen Sulz und Schöneberg Stellung
nahmen, um sowohl die rechte Flanke des Armeekorps, als auch die
Strasse von Sulz nach Weissenburg zu decken.
Durch den Rückzug Wurmser's gegen die Winterpostirung
noch kühner gemacht, überschritten die Franzosen am 20. November
die Zorn und drückten die österreichischen Vorposten zurück.
Wurmser griff sie aber am folgenden Tage an und warf sie mit
Verlust zweier Kanonen wieder zurück. Diess schreckte aber den
252
1792 17H3.
Feiud nicht ab. Am 22. erschien derselbe neuerdings und in grösserer
Anzahl und griff vorzüglich den linken Flügel der Stellung an. Hier
dauerte das Kanonen- und Kleingewehrfeuer den ganzen Tag. Auch
in den folgenden drei Tagen war es sehr unruhig, indem der Feind
mit der ganzen Vorpostenlinie scharmuzirte. Am 26. November
fand auf dem rechten Flügel der Stellung ein hitziger Kampf statt
Die Franzosen unternahmen einen Angriff auf Uttenhofen, verdrängten
die dort stehenden Szekler nach langem Widerstande, drangen mit der
Reiterei über die Zinzel und General B u r c y suchte die Stellung des
Generals H o t z e bei Reichshofen in Flanke und Rücken zu nehmen.
Aber die kaiserlichen Kürassiere stürzten sich mit Ungestüm in die
feindliche Reiterei, versprengten solche und hieben den General Bure y
mit vielen seiner Leute zusammen. Ein allgemeiner Angriff des Feindes
am 27. wurde gleichfalls zurückgeschlagen. Die Grenadiere, vor deren
Augen diese Kämpfe stattfanden, waren beide Tage mit den Gewehren
im Arm in Bereitschaft gestanden, kamen aber nicht ins Feuer.
Am 29. und :J0. wurde die Schlacht bei Kaiserslautern geschlagen,
in welcher 20.000 Preussen und Sachsen 40.000 Republikaner
besiegten. Leider wurde dieser Sieg nicht benützt, wodurch sich die
Franzosen wieder formiren und 12 frische Bataillone an sich ziehen
konnten.
Die Franzosen fuhren fort, Wurrasers Stellung durch unauf-
hörliche Angriffe zu beunruhigen. Am 1. und insbesonders am 2. De-
zember fanden blutige Gefechte statt; General Hotze überfiel den
Feind am 4. auf den Höhen von Reichshofen, brachte ihm namhafte
Verluste bei und eroberte ü Kanonen. Die folgenden drei Tage ver-
gingen ebenfalls unter blutigen Scharmützeln.
Trotz diesen meistens glückliehen Gefechten war Wurms er 's
Armee, welche durch die ungeheueren Anstrengungen, Mangel an
Bekleidung, dem beschwerlichen Schanzenbau, die schlechte Nahrung
und die ununterbrochenen Vorpostengefechtc äusserst hart mitge-
nommen worden, in Gefahr, bald von den vereinten Kräften der
feindlichen Rhein- und Mosel -Armeen augegriffen zu werden.
Wurmser ersuchte daher den Herzog von Braunschweig um
Verstärkung, welche dieser wegen zu grosser Ausdehnung seiner
Position verweigerte.
Die Franzosen setzten unterdessen ihre Angriffe ununterbrochen
fort. Der Konvent dekretirte, dass die Rhein- und Mosel -Armeen
1792-1798.
253
keine Ansprüche auf Winterquartiere hätten, so lange Landau nicht
entsetzt sei. , Landau ou la mort" war ihre Losung. Die Guillotine
gab diesem Befehle Nachdruck. Am 5. und 0. Dezember fanden
wieder Gefechte statt; an letzterem Tage besetzte eine feindliche
Division die Höhen von Snlzbach.
Dieso Umstände und die Versagung der Unterstützung bewogen
den G. d. K. Grafen Wurms er sich gänzlich in die Winter-
postiningen zurückzuziehen. Diese schränkten sich auf die Haupt-
posten Drnsenheim, Bischweiler, Hagenau, Schweighansen, Reichs-
hofen, Froschweiler, Werth, den Liebfrauenberg und Lembach ein.
Die Grenadiere kamen nach Reichshofen. Die Truppen kampirten
hinter Verschanzungen oder machten sich Erdhütten. Nachdem die
Gefahr für einen oder den anderen Posten sich vermehrte, wurde
er durch den nebenstehenden verstärkt, was tägliche Aenderungen
in den Stellungen veranlasste.
Am 11. und 15. Dezember erfochten die Franzosen anfangs
einige Vortheile, wurden aber zuletzt doch zurückgeworfen. Am 18.
erneuerten sie ihre Angriffe mit Uebermacht und nur schwer konnten
die Oesterreicher ihre Stellungen behaupten. Die Truppen unter-
lagen beinahe den Beschwerlichkeiten und dem Mangel.
Die Franzosen hatten drei Divisionen Verstärkungen erhalten
und griffen am 22. Wurmser's Stellung bei Froschweiler an. Nach
einem Kampfe, welcher den ganzen Tag mit abwechselndem Glücke
geführt wurde, setzten sich die Franzosen endlich auf einigen Punkten
fest, wodurch die Stellung an der Motter nicht mehr haltbar war.
Die k. k. Armee trat daher um 8 Uhr abends den Rückzug gegen
Selz, Rödern, Betschdorf und Surburg an und rückte am 23. gegen
Weissenburg, um sich auf dem Geissberge aufzustellen. General
Jordis marschirte mit vier Grenadier-Bataillons, dabei St. Julien,
und drei Eskadrons voraus, um gegen das Gebirge Posto zu fassen
und die Strasse gegen Weissenburg zu sichern. Diese Massregel
war von der grössten Nothwendigkeit, denn kaum war Jordis bei
Retschweiler angelangt, so stiess er schon auf eine feindliche Kolonne,
welche im Marsche gegen die Weissenburgerstrasse begriffen war,
die einzige, die bei der nassen Jahreszeit mit schwerem Geschütz
befahren werden konnte. Er griff auf der Stelle die Spitze der feind-
lichen Kolonne an, um sie von der Strasse entfernt zu halten. Unter
seinem Schutze ging die Armee Über Sulz und marschirte unweit
254
1792-1703.
Schönenburg auf. Um 1 Uhr nachmittags verstärkten sich die Fran-
zosen von Gersdorf her und warfen sich hierauf mit Macht gegen
das Korps des GeneralJ o r d i s. Lange boten seine tapferen Grena-
diere dem überlegenen, mit zahlreichem Geschütze versehenen Feinde
Trotz. Zweimal hatten die Franzosen das Dorf Betschweiler genommen
und wurden jedesmal von den Grenadieren wieder herausgetrieben.
Gegen abends 5 Uhr stürmten sie zum drittenmal und zwar
mit solcher Ueberlegenheit, dass die Grenadiere geworfen und zum
Rückzüge gezwungen wurden. Es war schon finster, aber General
J o r d i s hatte noch fünf Kompagnien in Reserve gehalten, als der
kritische Moment des Rückzuges eintrat. An der Spitze derselben
stürzte sich Jordis auf den andringenden Feind, der über dieses
muthige Benehmen stutzte und vom weiteren Vordringen einhielt.
Die übrigen schon zurückgewichenen Grenadiere, belebt durch das
kühne Beispiel dieser fünf Kompagnien, wenden sich nun neuerdings
gegen die französischen Schaaren, brechen in selbe ein, treiben sie
in die Flucht und behaupten ihre Stellung für diesen Tag. G. d. K.
Graf Wurmscr gab der Brigade General Jordis das ehrenvolle
Zeugniss, dass ihrer Tapferkeit die Armee ihre Rettung verdanke,
da sonst die Franzosen ihm in den Rücken gekommen wären und
dem Heere den Rückzug nach dem Geissberg abgeschnitten haben
würden. Die Grenadier - Division des Regiments hatte 7 Todte und
27 Verwundete ; Obristlieutenant Graf St. Julien wurde ebenfalls
verwundet.
In der Nacht um 2 Uhr auf den 24. Dezember trat die
k. k. Armee ihren Rückzug nach dem Geissberge an und stellte
sich dort auf. Die Orte Moderen, Lauterbach und Siegen wurden
jeder mit einer Brigade besetzt.
Obschon die Stellung auf dem Geissberge von kleiner Aus-
dehnung und durch die Vereinigung der Preussen auf dem rechten
Flügel gesichert war, so glaubte Wurms er dennoch, sich in dieser
späten Jahreszeit auf die Dauer nicht halten zu können, da sich
seine Soldaten im traurigsten Zustande befanden, in den sie durch
die täglichen Gefechte, Nachtwachen, anstrengende Märsche, den
Mangel an Kleidung und Nahrungsmittel versetzt worden waren.
Am Abende wurde Kriegsrath gehalten und verabredet, den Feind
am anderen Tage durch den linken Flügel angreifen zu lassen. Zwei
Scheinangriffe, vom rechten Flügel ausgeführt, sollten den Feind
175)2 -17t>.*J.
255
beschäftigen und dem wahren Angriffe Nachdruck verleihen. Jordis
hatte indessen mit 15 Bataillons, dabei die Grenadiere und 14 Eska-
drons die Stellung auf dem Geissberge zu halten.
Am 26. Dezember mit grauendem Morgen hatten sich alle
Kolonnen zum verabredeten Angriff formirt. Um diese Zeit lief der
Rapport ein, dass eine Abtheilung der feindlichen Mosel - Armee im
Anweiler - Thale die Preussen umgangen und mit beträchtlichem
Verluste von dort vertrieben habe, so dass man auf dieser Seite den
Hauptangriff vermuthe. Den vorrückenden Kolonnen wurde nun der
Befehl erthcilt, zu halten und ruhig stehen zu ldeiben. Aber mittler-
weile war schon der Feind mit ganzer Macht zum Angriff geschritten.
H o c h e, vom Konvente zum Oberbefehlshaber der Rhein- und
Mosel - Armee ernannt, rückte in drei starken Kolonnen gegen die
Stellung der Verbündeten heran. Die Kolonne des General Aufsess
wurde bei Schleithal lebhaft angegriffen, leistete zwar tapferen
Widerstand; auch schickte ihr Wurms er Reiterei zur Unter-
stützung, aber das vom Feinde aufgeführte zahlreiche Geschütz
erlaubte ihr nicht , Terrain zu gewinnen. Wurmser ertheilte
daher den Befehl zum Rückzug auf den Geissberg, der aber, da
Aufsess ununterbrochen mit dem Feinde im Kampfe verwickelt
war, nicht in bester Ordnung geschah. Ziemlich untereinander
gemengt, erreichte diese Kolonne um zwei Uhr nachmittags den
linken Flügel der Stellung, wo sie sich unter dem Schutze der
Artillerie am Fusse des Geissberges formirte. Um dieselbe Zeit
wurde auch das Lager am Geissberge und die Scheerhöhle ange-
fallen. Mit Uebermacht rückten drei französische Divisionen gegen
den Geissberg, der nicht verschanzt war und den Bataillonen keinen
Schutz gegen die zahlreiche feindliche Artillerie bot, drängten die
dort stehende Infanterie vom ersten Abschnitte desselben zurück,
brachten durch ein heftiges Geschütz- und Kleingewehrfeuer die
österreichische Kavallerie, die 30 Eskadrons stark, von WTurmser
geführt, sich dem Feinde entgegen gestürzt hatte, in Unordnung
und drückten selbe gegen Altstadt, wohin ihr die ganze feindliche
Reiterei nachfolgte.
Einige Bataillone warfen mit besonderer Tapferkeit die schon
Sieges gewissen Franzosen wieder von der Anhöhe hinab ; auch
brachte man 14 Kanonen in's Feuer, aus denen man den Feind sowohl
in der Fronte, als auch jene Kavallerie beschoss, die noch in der
256
1702-1793.
Flanke die Position bei Altstadt hielt. In der Fronte entbrannte
indess der Kampf immer heftiger. Der Feind war hier, wie auf
allen Punkten den Verbündeten an Zahl und Geschütz sehr über-
legen, aber nicht an Tapferkeit. Die Bataillone am Cieissberge,
darunter die Grenadiere, stritten gleich Helden gegen übermächtige
Schaaren der Republikaner, die stets durch frische abgelöst wurden
— man wich hier keinen Fussbreit und auf diese Art blieben die
Verbündeten bis zur dunklen Nacht Meister des »Schlachtfeldes. Die
Grenadiere des Regiments hatten 16 Todte und 47 Verwundete
eingebfisst.
In der Nacht um 10 Uhr zog sieh die k. k. Armee in die
Position von Freckenfeld zurück; auch die Preussen traten ihren
Rückzug an. Mit Tagesanbruch, am 27. stand Wurmser bei
Freckenfeld, Braunschweig bei Bergzabern. Wurmser, um nicht
umgangen zu werden, setzte seinen Rückzug am 27. in zwei Ko-
lonnen nach Herxheim und Rilsheim fort. Der Herzog von Braun-
schweig hob die Blockade von Landau auf und verlegte seine
Truppen hinter Kdighofen in Kantonnimngen. W nrmser ging in
der Nacht vom 20. zum 30. mit dem grössten Theüe seines Heeres
bei Philippsburg über den Rhein. Der Rest desselben mit der
Reserve- Artillerie bewerkstelligte seinen üebergang bei Mannheim.
Das Grenadier-Bataillon St. Julien, welches allen diesen Bewegungen
in der Brigade Jordis gefolgt war, kam mit noch einem Bataillon
als Verstärkuug der pfälzischen Garnison nach Mannheim.
Das dritte Bataillon war während dem Feldzug 1793 unver-
ändert in den Garnisonen Wien und Wr. Neustadt geblieben und
hatte die dritte Division wieder aufgestellt.
Major Baron Wilsdorf war am 16. Mai 1793 mit Obrist-
lieutenants-Charakter ad honores in Ruhestand getreten und in seine
Stelle mit Allerhöchster Entschliessung vom 18. Juli der Grenadier-
Hauptmann Wilhelm Beer v. Pleichtcn zum Major befördert
worden.
Mit Allerhöchstem Handbillet vom 27. November 1793, dem
Regimente kundgemacht am 1. Jänner 1794, wurde Obrist Wilhelm
Baron Kerpen zum Generalmajor befordert.
1794.
257
1794.
Um dem Regiment eine bequemere Bequartienmg zu verschaffen,
wurden demselben noch die Orte Valcourt, Chastre\ Malladrie, Fostain
und Lair zugewiesen und dahin am 17. Jänner zwei Divisionen ver-
legt. Der Stand des vor dem Feinde stehenden Regiments bestand
an diesem Tage aus 3 Stabs-, 44 Ober-, 92 Unter-Offiziers, 53 Spiel-
und Zimmerleute, 1424 Gemeine; von der Artillerie 2 Unteroffiziers,
16 Kanoniere und 36 Handlanger mit 4 Kanonen.
Die kaiserliehe Hauptarmee wurde Ende Februar in drei grosse
Korps eingetheilt; F.-Z.-M. Clerfait mit 18.000 Mann, darunter
das Regiment und 3000 Reiter stand bei Tournay, die Hauptarmee
38.000 Mann und 10.000 Reiter zwischen Quiverain, Valenciennes
und le Quesnoi, Hohenlohe mit 10.000 Mann und 4000 Reiter
zwischen Bavay und Battignies. Diesen Truppen standen 300.000
Franzosen gegenüber.
Mit Armeebefehl ddo. Valenciennes vom 17. März 1794 wurde
dem Regiment bekannt gegeben, dass Se. Majestät der Kaiser mit
Allerhöchster Entschliessung vom 26. Februar 1794 den Obrist-
lieutenant Ignaz Graf Brandis zum Obristen und Regiments-Kom-
mandanten ernannt und den Obristlieutenant Johann v. Hansen des
Regiments Nr. 54 in das Regiment eingetheilt, dann den bei den
jüngeren Firzherzogen angestellt gewesenen Hauptmann Josef Baron
Urracca mit Allerhöchstem HandbilM vom 5. April zum zweiten
Major im Regiment ernannt haben.
Die Operationen der kaiserlichen Armee begannen am 14. April;
Clerfait versammelte seine Truppen an diesem Tage in den
Dörfern vor Tournay. Kaiser Franz I., welcher am 15. im Haupt-
quartier zu Valenciennes angekommen war, musterte die dort ver-
sammelten 80.000 Mann der schönsten Truppen Europas. Die lange
Linie hinabreitend empfing und begleitete ihn der Jubelruf der
Tapfem, welche mit Ungeduld den Augenblick des Kampfes herbei-
wünschten und in ihrem Muth den sichern Bürgen des Sieges
fanden. Clerfait bezog nach der Revue die Lager von Tournay,
Morscroen und la Laine d'or.
17
258
1794.
Am 17. griff die Hauptarmee die feindliche Stellung bei
Landrecy mit acht Kolonnen an und erfocht einen vollständigen
Sieg. Die Franzosen verloren 21 Kanonen und 2500 Mann. Am 18.
setzten die Kolonnen ihre Operationen zur Einschliessung von
Landrecy fort, warfen auf allen Punkten die Feinde und schlössen
abends die Festung ein.
Die Franzosen hatten beschlossen, alles Mögliche zum Entsätze
von Landrecy zu versuchen. Am 23. griff der Feind an der Seile
die Posten Douchy, Haspres, Saulzoir und Montrecourt an. Er be-
mächtigte sich der drei Letztern, die nur schwach besetzt waren,
drückte die Vorposten Ober den Fluss zurück und unterbrach dadurch
die Verbindung zwischen Denaing und der Hauptarmee. Noch am
nämlichen Tage kam F.-Z.-M. Clerfait mit 9 Bataillons, darunter
die beiden des Regiments und 13 Eskadrons in der Gegend von
Denaing zur Unterstützung an und stellte sich bei Douchy auf;
doch wurden hier nur einige Kanonenschüsse mit dem Feinde ge-
wechselt. Am folgenden Tage warf die kaiserliche Avantgarde bei
Montrecourt die Franzosen zurück und fügte ihnen bedeutende Ver-
luste zu. Clerfait rückte ebenfalls vor; das Regiment erstürmte
mit ausgezeichneter Tapferkeit im ersten Anlaufe Haspres. Major
Wilhelm Beer hatte mit einer Division den Feind mit stürmender
Hand aus einer hartnäckig vertheidigten Schanze geworfen, wobei
sich Hauptmann Z u c h a r i , die Oberlieutenants W e h 1 a und
B o u 1 besonders auszeichneten. Hauptmann Keller nahm mit
seiner Kompagnie die am Ufer liegenden vom Feinde stark besetzten
und hartnäckig vertheidigten Häuser. Feldwebel Johann Ed tinger,
Korporal Michael Mistel, Gefreiter Johann L e c h n e r und Ge-
meiner Georg Waldhauser erhielten für ihre hier bewiesene
hervorragende Tapferkeit mit Kommissions - Beschluss etc. Feldlager
bei Fouren le Comte, 19. August 1794, jeder die silberne Ehren-
Denkmünze.
Nach der Einnahme Haspres, wobei das Regiment 9 Todte
und 35 Verwundete hatte, setzte Clerfait mit seinen Truppen
über die Seile und verfolgte den Feind bis Jouy. Die Verbindung
mit Denaing und der Armee war durch dieses siegreiche Gefecht
wieder hergestellt.
Am 20. April rückte der Feind abermals zum Entsätze von
Laudrecy auf allen Punkten mit bedeutenden Streitkräften vor, wurde
1794.
250
aber überall so tüchtig geschlagen, dass er gegen Abend mit einem
Verluste von 37 Kanonen, 3 Haubitzen, 50 Munitionskarren und
7000 Mann, das Schlachtfeld räumte. Das Regiment hatte an diesem
glänzenden Siege nicht Theil genommen, welcher das Schicksal
Landrecy's entschied. Am 29. kapitulirte die Festung und wurde
am 30. von den Kaiserlichen besetzt. Der Regimentsstab und das
Leib - Bataillon kamen als Garnison in 'dieselbe, welche sogleich
wieder in Vertheidigungsstand gesetzt wurde.
Anlässlich des erfochtenen Sieges wurde den Truppen nach-
stehender Generalsbefehl publizirt :
.Nachdem wir so glücklich waren, mit der Hilfe Gottes den
»Feind heute auf allen Punkten zu schlagen, so haben Se. Majestät
.der Kaiser befohlen, dass Morgen um 8 Uhr früh bei allen Regi-
mentern Te Deura laudaraus gehalten und alles in denen von Juchy
.bis Bas Marvilles befindlichen Redouten und Retrauchements ein-
geführte Geschütz dreimal blind abgefeuert werden solle.
.Die Regimenter halten keine Kirchenparade, damit die Mann-
schaft abkochen und ausruhen könne.
„Uebrigens danken Se. Majestät sämmtlichen Herrn Generals,
.Stabs-, Ober- und Unteroffiziers und Gemeinen sowohl von Ihren
,als den alliirten Armeen, für denjenigen Beweis von Klugheit,
.Tapferkeit und Ordnung, welche sie heute unter Allerhöchst Ihro
.Augen an den Tag gelegt haben.
«Hauptquartier Catillon am 26. April 1794.
.Herzog Coburg m. p., F.-M."
Der Prinz von Oranien, in dessen Korps nun das Regiment
eingetheilt war, besetzte am 30. April Landrecy und Hess eine
Avantgarde von einigen Bataillons, dabei das Obrist - Bataillon, am
1. Mai ein Lager vor der Festung gegen Favril hin beziehen. Sein
Korps hatte die Bestimmung alle zur Belagerung errichteten Erd-
werke einzuwerfen, sodann aber ein Lager bei Malgarni hinter den
Wäldern von l'Evesque und le Comte zu beziehen.
Nach der Niederlage bei Cateau und dem Verluste Landrecy's
hatten sich die Franzosen im Centrum zurückgezogen und griffen
wiederholt die Flügeln der Alliirten an. Die Hauptarmee wurde
dadurch genöthigt, bedeutende Detachirungcn vorzunehmen; sie selbst
war vom Feinde lange nicht beunruhigt worden. Am 12. und 13. Mai
17 •
2G0
1704.
wurde diese Ruhe durch starke Rekoguoszirungen des Feindes unter-
brochen; die drohenden Bewegungen des französischen Obergenerals
Piche gm, welcher mit 50.000 Mann von Lille nach West-Flan-
dern vorgedrungen war und die Belagerung von Ypern begonnen
hatte, bewogen den Prinzen Coburg, seine Streitkräfte am IG. Mai
bei Tournay, Cisoing, Lamoin und Marquain zu vereinigen, um die
verschiedenen Theile der französischen Armee von Lille abzuschneiden
und zu umfassen, was zur zweitägigen Schlacht von Tourcoing führte,
welche in Folge missverstandener Befehle nnglöcklich für die Waffen
der Verbündeten ausfiel.
Das Regiment blieb während dieser Bewegungen der Armee
im Korps des Prinzen von Oranien in und bei Landrecy.
Die Verbündeten waren nach der Schlacht von Tourcoing in
das Lager bei Tournay geruckt. Dorthin wendete sich am 22. Mai
Pichegru mit ganzer Macht und es kam zur Schlacht, welche
unter den Augen dos Kaisers Franz mit abwechselndem Glücke
den ganzen Tag währte. Die Verbündeten, auf allen Punkten in der
Minderzahl, wussten abends den Republikanern den Besitz der blut-
gedrängten Wahlstatt entschieden abzutrotzen.
Die wiederholten Unfälle an der Sarabrc hatten die Franzosen
erschöpft, dringend bedurften sie einiger Ruhe. Allein der im Lager
anwesende Volks-Repräsentant bewilligte keine Stunde der Erholung
und so ging Charbonnicr am 28. Mai zum dritten Male über
die Sambre, schloss die Festung Charleroi ein und begann am 31.
deren Beschiessuug. Am 3. Juni wurde Cbarbonnier in Gegen-
wart des Kaisers abermals geschlagen und wieder über die Sambre
zurückgeworfen. Am Abende des Schlachttages hatte sich hinter der
Sambre Cbarbonnier mit J o u r d a n vereinigt. Letzterer übernahm
den Oberbefehl dieses auf 70.000 Streiter angewachsenen Heeres,
dessen bedeutende Uebermacht die Verbfindeten zum Rückzüge in
die vor der Schlacht innegehabte Stellung bei Rouveroy nöthigte.
Zehn Tage nach diesem Treffen reiste Se. Majestät der Kaiser
Franz nach Wien ab.
Die Franzosen überschritten nun zum vierten Male die Sambre
und schlössen Charleroi abermals ein. In der Nacht zum 12. Juni
verliess die alliirte Sambre-Armee ihr Lager bei Rouveroy; am 16.
erfolgte das Treffen und nachmittags waren die Franzosen total
geschlagen und mussten zum vierten Male über die Sambre zurück.
261
Während dieser Ereignisse an der Sambre hatte Pichegru
Ypera angegriffen und am 19. eingenommen. Zwei Tage früher, am
17., überschritten die Franzosen zum fünften Male die Sambre, um
gegen Möns zu operiren und Charleroi einzuschliessen. Coburg
eilte mit 30.000 Mann der bei Tournay gelagerten Armee herbei,
um am 26. die feindliche Stellung anzugreifen. Mittlerweile hatte
sich die auf das Aeusserste gebrachte Festung Charleroi am 25.
ergeben, daher Coburg den folgenden Tag den siegreich be-
gonnenen Kampf bei Fleurus abbrach, um in einer Position an der
Scheide die Niederlande zu vertheidigen.
Die Truppen bei Landrecy waren zur Hauptarmee gerückt,
das Obrist - Bataillon aber ebenfalls in die Festung verlegt worden.
General Ludwig Baron Foulon war Kommandant der Festung,
deren Besatzung aus den beiden Bataillons des Regiments, einer
Abtheilung Tiroler Scharfschützen und einer Eskadron Barco-Muszaren
Nr. 10 bestand, und welche mit 34 Geschützen armirt war.
Am 26. Juni rückte der Feind in mehreren Kolonnen auf die
Sarviller Anhöhe vor, drückte die Vorposten bis in den bedeckten
Weg zurück, führte hinter der Chaussee Kanonen und Haubitzen
auf, feuerte bis zur Nacht und zog sich dann wieder hinter die
Anhöhe zurück. Aus der Festung wurde ein heftiges Kanonenfeuer
unterhalten und dadurch die Annäherung verhindert. Den folgenden
Tag früh morgens erschien der Feind auf derselben Anhöhe, aber
mit der doppelten Zahl Geschütze, feuerte den ganzen Tag und zog
sich gegen Abend wieder hinter die Anhöhe zurück. Das ltegiment
hatte 1 Mann todt, 5 blcssirt.
Den 28. rückte 1 Offizier mit 45 Tirolerschützen in die Festung,
dagegen marschirte die Eskadron Huszaren wegen Maugel an Fourage
zum General Haddik.
Am 29. ging ein Zug Jäger dem für die Festung bestimmten
Geld- und Vcrpflegs-Convoi entgegen, um diesen herein zu begleiten,
musste sich aber, wegen dringender Gefahr vom Feinde aufgehoben
zu werden, nach Quesnoi werfen. Mit Anbruch des Tages am 30.
rückte der Feind in mehreren Kolonnen bei der Windmühle von
Favrille vor, setzte seine Geschütze iu's Feuer, drückte die Vor-
posten zurück und kanonirte bis Mittag sehr heilig, welches die
Festung energisch erwiderte und dadurch die Arbeiter, welche die
Laufgräben eröffnen wollten, verjagte. Das Regiment hatte 9 Blessirte.
2G2
1794.
Um 3 Uhr nachmittag forderte der feindliche General Jacob die
Festung zur Uebergabe auf, welche General Foulon mit Indignation
zurückwies. In der Nacht errichtete der Feind, trotz des heftigsten
Feuers der Festung, fünf Batterien gegen das Hornwerk und drei
gegen die Bastion Nr. III.
Am 1. Juli feuerten die feindlichen Batterien unaufhörlich;
das Regiment verlor todt 3, blessirt 3 Mann. Am folgenden Tage
ys3 Uhr früh feuerte der Feind wieder aus allen Batterien sehr
heftig durch zwei Stunden und forderte sodann die Festung zum
zweitenmale zur Uebergabe auf. Als diese abgeschlagen wurde, begann
das Feuer von Neuem, auch errichtete der Feind eine neue Batterie
gegen die Bastion III. An diesem Tage hatte das Regiment 3 Todte,
1 Hauptmann, 1 Lieutenant und 15 Gemeine wurden verwundet.
Am 3. unterhielt der Feind wieder ein sehr heftiges Feuer,
jedoch gelang es der Festungsartillerie, die neue feindliche Batterie
zum Schweigen zu bringen. Drei Häuser geriethen in Brand, welche
die Mannschaft trotz der dabei platzenden Bomben und Granaten
mit tapferer Sebstlaufopferung löschte. 1 Mann blieb dabei todt,
1 Lieutenant und 5 Gemeine wurden verwundet.
Schon um 2 Uhr früh am 4. eröffnete der Feind eine äusserst
heftige Beschiessung aus allen Geschützen, welche bis Mittag währte,
wodurch die meisten Häuser in der Stadt, sowie das Heu- und Stroh-
Magazin im Hornwerk in Flammen aufgingen. Das Regiment verlor
beim Löschen 14 Verwundete. Um 3 Uhr wurde die Festung zum
drittenmale zur Uebergabe aufgefordert und als General Foulon
eine abschlägige Antwort ertheilte, setzten die feindlichen Batterien
das Feuer durch zwei Stunden fort. Gegen Abend zog der Feind
einen Theil seines Geschützes aus den Batterien und machte mehrere
Bewegungen gegen den Mormaler - Wald.
Vom 5. bis 10. schwiegen sämmtliche feindliche Geschütze;
nur die zahlreichen Plänkler beunruhigten durch ihr Kleingewehr-
feuer die Besatzung auf den Wällen Tag und Nacht. Das Regiment
unternahm öfter kleine Ausfälle, um sie zu vertreiben, konnte aber
wegen der grossen Ueberzahl der Feinde diesen Zweck nicht
erreichen. Das Regiment hatte in dieser Zeit an Verwundeten, 1 Offizier
und 12 Mann. In der Nacht sendete General Foulon drei Huszaren,
welchen die Ehren - Denkmünze zugesagt wurde, mit einem Bericht
an das Armee - Kommando, welche aber nicht zurückkehrten.
1704.
263
Der Feind arbeitete fleissig an den Parallelen und wurde
hievou durch das wohlgezielte Artilleriefeuer oft vertrieben. Am 10.
gegen Mitternacht begann er die Eröffnung der Trancheen von zwei
Seiten, gegen welche die Artillerie so ausgezeichnet wirkte, dass die
Arbeiter oft die Flucht ergriffen und der Feind bedeutende Ver-
luste erlitt.
Am 16. früh forderte der französische General Scher er,
welcher die gesammte Belagerungsarmee vor Landrccy, Valenciennes,
le Quesnoi und Conde kommandirte, die Festung mit dem Beisatze
zur Uebergabe auf, dass der Konvent unterm 5. Juli dekretirt habe,
die Besatzungen dieser vier Festungen, wenn sie sich nicht auf die
erste Aufforderung ergeben, unausweichlich Ober die Klinge springen zu
lassen. Der Kommandant von le Quesnoi gab auf diese barbarische, jedem
Völkerrecht Hohn sprechende Aufforderung die Antwort: „dass keine
Nation das Hecht habe, die Schande einer anderen zu dekretiren!*
Zur Ehre der französischen Offiziere muss gesagt werden, dass
sie selbst diesen schändlichen Konventsbeschluss, welchen ihre nichts-
würdigen Tyrannen in ihrem Wahnsinn ausgeheckt hatten, verab-
scheuten und so lange zurückhielten, bis die Festungen ohnehin auf
das Aeusserste gebracht waren.
Landrecy war im äusserst schlechten Vertheidigungszustande
nur mehr mit 394 Zentner Pulver versehen, von welchem man
täglich 75 Zentner auf den Wällen benöthigte (mithin nur mehr für
5 Tage). Die Festung hatte kein Geld, so dass man gezwungen war,
von den Soldaten - Weibern und anderen Individuen Geld zur Be-
zahlung der Löhnungen auszuborgen ; die Mannschaft des Regiments
war grösstenteils ohne Schuhe, in schlechter Kontur, durch Arbeit,
Dienste und immerwährende Nachtwachen auf das äusserste erschöpft,
24 Offiziere theils verwundet, krank oder kommandirt, daher die
wenig Uebrigbleibenden seit 16 Tagen ununterbrochen im Dienste
standen. Die Verpflegung schlecht und ungenügend, Wein und Brannt-
wein gar nicht vorhanden. Die Festung ohne Kassematten, Blenden
und allen zur Vertheidigung nöthigen Bedürfnissen. Die Kranken
in der abgebrannten Stadt lagen auf blosser Erde und ausser diesem
allen, keine Hoffnung auf Entsatz, da die Armee alle Stellungen in
den Niederlanden aufgegeben und sich im vollen Rückzüge hinter
den Rhein befand; auch wareu die Einwohner bei der Nähe ihrer
Landsleutc von einer Stimmung ergriffen, die Gefahr drohte.
264 UM-
Diese traurigen Zustünde und nur diese allein , durchaus
nicht das schändliche Dekret, zwangen den tapfern Festungs- Kom-
mandanten General Baron Foulon mit seiner braven Besatzung,
die sich nach seinem Ausspruche während der Belagerung stets
heldenmOthig ausgezeichnet und alle Entbehrungen willig ertragen
hatte, zu kapituliren.
Um Uhr erfolgte die fünfte Aufforderung und nun wurden
die Hauptleute Terzy und de Bertrand des Begiments beauf-
tragt, die Kapitulations - Bedingnisse abzufassen. General Scher er
bestätigte die Kapitulation mit der Aenderung, dass die Garnison
nicht an die kaiserliche Armee ausgeliefert, sondern kriegsgefangen
nach Frankreich transportirt werde. Mittags besetzten zwei französische
Grenadier- Bataillone die Festuugsthore, dann raarschirte die Garnison
mit allen militärischen Ehren, mit fliegenden Fahnen und klingendem
Spiele aus und legte auf dem Glacis die Waffen nieder. Die Offiziere,
welche die Degen behielten, wurden von ihrer Mannschaft getrennt und
in verschiedenen Stationen in Frankreich, vorzüglich in Chatres, Bon-
chaton, Langds, Chatillon, Nieves untergebracht Die Mannschaft kam
in viele Ortschaften in der Champagne, wo sie in Kirchen, leere Ställe
und Scheunen ohne alle Utensilien in der bedauerungswürdigsten
Art ihre Unterkünfte erhielt und äusserst brutal behandelt wurde.
Die Aufforderungen zur üebergabe und die Kapitulation im
Original - Text folgen zum Andenken an diese zwar traurige, aber
sehr ehrenvolle Epoche des Regiments:
Premiere Stimulation
du Gt'ueral Jacob en date du 30 Juin ä 5 heu res apres midi, au quartier
general devant Laudrccy le 12. Mcssidor 2. an nee republicaine.
Le G£ne>al Divisionnaire Jacob, ä M. le Commandant de
la place de Landrecy; au nom de la Republique franeaise, je
vous somme de reudre ä ses armes victorieuses la place de
Landrecy que vous commaudez, je vous donne une heure pout
tout delai, l'armce franeaise tftant sous ses murs, les batteries
dress^es pretes ä la foudroyer.
Je vous präviens que si vous ne vous y döterminez pas,
vous entrainerez par votre refus, la perte d'une infinite* des
vötres qui seront ensevelis sous les murs de cette place.
Le Ueueral Fraw.ais, Commandant devant Landrecy
Jacob.
Digitized by Google
1704
EAfMM
au General Francis Commandant devant Landrecy.
Je sorais indigne de la confiance que S. M. FEmpereur
raon maitre a en moi, si j'avais la faiblesse de nie rendre ä la
Sommation que vous me faites.
Landrecy, le 30 Juiii 1794.
Foulon,
General et Commandant de la Place.
Seron de Sommatioa
du meme General le 14. Messidor ou le 2 Juillet 17f*4.
Si vous attendez du Secours du Quesnoi, votre attente est
vaine. Cette ville est au pouvoir de la republique ainsi que
Moos, j'espere que vous vous d^termiuerez dans le plus court
d£lai ä suivre cet exemple. (Test pour la derniere fois que
je vous somme, si vous persistez dans votre refus, aucun de
vous n'echappera a la vengeance des soldats republicains.
Le General Framjais Cominandant l'Armee de
Siege devant Landrecy
Jacob.
Repoose
General Divisionnaire Commandant le Corps d'Armee devant Landrecy.
Mon honneur et mon devoir exigent qu'un Soldat vieilli
sous les Annes, se deTende de facon ä menter votre appro-
bation et votre estime.
Foulon,
General Commandant de Landrecy.
Troisieme Sommatiou
de la part du meme General le 4 Juillet 1794.
Jusqu'ici j ai voulu epargner le sang de deux parties.
Bruges, Gand, Möns, Ostende, Tournay et St. Amand ont 6tä
soumises par les Annes toujours victorieuses des republicains
— de toute part Tarmee de TEmpereur votre maitre est en
pleine deroute. Votre opinietrct£ est vaine et j'en suis affeetf.
Je vous prdviens qu'aucun coup de canon ne sera plus tire\
266
1794.
nos balonnettes sauront vous donner iudistinctement la mort la
plus prochaine si dans deux heures pour tout delai, vous ne
vous d^tenninez ä me rendre la place.
Le General Francais Commandant l'Arme« de
Siege devant Landrecy
Jacob.
Rrponse a Tiislaat.
Vous conuaissez saus doute le Devoir d'un Commandant
de Place, Monsieur le General, vous me blämeriez si je m'en
^cartais.
Landrecy, le 4. Juillet 1794.
Foulon,
General Commandant de la Place de Landrecy.
Qnatritme Sommntiou
du general de Division Scherer le 16 Juillet 1794.
General!
L'Annce de la ^publique francaise, que j'ai Thonneur de
Commander, investit les murs de la ville, que la lächete" a livr^e
entre vos mains. Cette arm£e bravant le feu de vos batteries,
vient d'ötablir, comme vous le voyez ä 200 toises de la place
les foudres vengeurs, qui doivent r^duire en cendre et ses
remparts et ses deTenseurs.
General! la Convention nationale m'a ordonne de vous
sommer, vous et votre garnison de vous rendre ä discrötion
prisonniers de guerre. Je vous pre\iens que si 24 heures apres
la sommation que je vous fais, vous n'avez pas accepte* ce
parti, que la gänerosite' de la nation francaise veut bien encore
accorder a ses cnnemis, je vous pröviens, dis-je, que j"ai Tordre
absolu, passe" ce delai de vingt quatre heures, de ne plus en-
tendre ä aucune Capitulation, et de passer vous et toute votre
garnison au fil de repee.
Je vous envoye le Dekret impriml, pour que vous ne
puissiez en douter, soyez sür que j'obeirai a ce Dekret dans
toute la force du terme.
Les quatre plans de Landrecy, Le Quesnoi, Valenciennes
et Condl, tons dans ce moment cernö"s ou attaque's par nos
Digitized by Google
1794
267
troupes: Möns, Tournay, Ypres, Menin, Courtray, Ostende,
Bruges, Gand, Bruxelles, Charleroi et Naniur sont en nos mains,
vos armees consternees et partout repoussees abandonnent les
Pays-Bas aui Amines victorieuses de la ^publique firancaise,
vous n'avez enfin aueun secours ä esperer.
General, je vous donne une heure pour repondre ä ma
Sommation, passe" ce delai, le feu va commencer, et si dans
les 24 heures qui suivront cette Sommation, vous et votre
garnison ne vous etes pas rendus ä discretion prisonniers de
guerre, sachez qu'une heure apres les vingt quatre heures
expir^es, il ne m'est plus pennis de recevoir aueune espece
d'offre, pas meme de trompette, qull serait par consequent
inutile d'envoyer.
Le General de Division Commandant en Chef
l'Armee de la repnblique Francaise devant
Landrecy
Signe Scher er.
Copic
de la Capitalation proposee et envoyee par les Capitaines Terzy et
Bertrand de Teutschmeister.
Art. 1. La Garnison sortira avec tous les honneurs de la
guerre, drapeaux deployes, tambours battans, meches allumees,
avec armes et bagages, leurs piöces d 'Artillerie consistant en
4 pieces de bronze de 6. (S. de balle ; leurs caissons et chevaux
d'attelage, chaque homme rauni de 60 cartouches, däposera les
armes sur le glacis, pour etre conduite sous escorte quelquonque
par le chemin le plus court ä Tarnte imperiale et royale avec
le peu de bagages et chevaux appartenant ä MM. les officiers
de la garnison : s'obligeant par le präsent article de ne pas
servir contre les troupes de la nation fran9aise pendant le
terme d'un an.
Art. 2. Pour faciliter la remise de tous les objets sans
exception qui appartiennent ä la forteresse, au commissaire que
Ton trouvera a propos d'envoyer, qui immädiatement serout admis
dans la place, ou demande un d<Slai de 24 heures.
Art. 3. Le pain, le fourrage et les autres subsistances
ne'cessaires, seront livr^s a tout ce qui compose ou est attaehe
268
et employd ä la garnison durant la marche au meme prix que
Ton fait les livrances aux troupes de la nation francaise.
Art. 4. II sera accordö une escorte süffisante de cavalerie
pour la sürete des personnes comprises dans la garnison, et
de ses bagages, äfin d'etre a l'abri de toute molestation imprevue.
Art. 5. Les malades et les blosses aupres desquels on
laissera un ofllcier et les chirurgiens et gardes malades neees-
saires, seront soign<?s avec rbumanite' que les victimes de la
guerre ont droit dattendre, jusquä leur retablissement , et
seront ensuite conduits aux meines conditions de l'article pre-
c£dent ä l'arme'e imperiale.
Art. 6. H sera accorde' gratis les chariots nfoessaires pour
le transport des bagages de la garnison.
Art. 7. Les Deserteurs resteront dans les corps oü ils sont,
sans etre inqui£t£s ni Melanies.
Art. 8. Aussitot que la präsente Capitulation sera signee, il
sera envoye sous escorte uu ofrlcier de la garnison au Commandant
de larmee de S. M. TEinpereur avec la copie de la presente
Capitulation.
9. S il survient quelques difficultes dans les termes de la
Capitulation, ils seront interprötes en faveur de la garnison.
Foulon,
General - Major et Comtnandaut de la Place.
Reponsf
du Gdneral Scherer a la Capitulation proposco et qui fut agreee par les
officiers de la garnison ; considerant qu'il n'y avait point d'espoir d'un secours
dans linteryalle de quatrn jours tont au plus que la place
pouvait eueore ee defendre.
1. La garnison de Landrecy se rendra prisonniere de guerre
ä discretion et remettra la place a Tarmee de la republique.
2. La garnison sortira demain 29 Messidor de Landrecy,
avec Drapeaux deployea, tambours battans, meches allum<?es;
arrivee sur le glacis de la porte de France, eile deposera ses
armes, et de suite sera conduite et escortee jusqu'au lieu de
sa destination.
3. La republique pourvoira a la subsistauce de la garnison
1704.
269
4. Les armes et les chevaux de la garnison, appartenant ä la
republique, les officiers ainsi que les soldats döposcront leurs armes
sur le glacis en meme tems que les troupcs de la garnison.
JiB. Verbal ement il fut convenrt que les officiers conserveront leurs epces.
5. Le general Commandant de la place fera remettre aux
officiers du genie, de l'Artillerie, et Commissaires de guerre
qui scront desigm's, les munitions de guerre et de bouche,
rartillerie, les plans, memoire» et les papiers relatifs ä la place
dans Tespace de 24 heures et avant que la garnison n'eVacue
la dito place.
G. GtSncralcment tont ce qni appartient ä la place ou ä
l'Empereur sera remis fidelement entre les mains des com-
missaires qui seront nommfo.
7. Les Emigres, les Deserteurs seront livrte aux troupes
de la republique pour etre punis selon la rigueur des lois.
8. Pour tout ce qui n'est pas speeifie* dans cette capitu-
lation, il y sera statue par les Commissaires nomme*s, sous la
ratification du general en chcf.
9. Aussitot la presente Capitulation signee par le General
Commandant de la place de Landrecy, ses deux portes occupees
par deux Bataillons de Grenadiers, qui ne garderont que les
remparts et ouvrages exterieures, et la garnison Imperiale
l'interieur de la place.
10. Les chevaux appartenant aux officiers seront estimes et
leur valeur en sera remise aux dits officiers.
11. Les voitures pour les transports des effets appartenant aux
officiers et a la garnison, seront fournis de gite en gtte aux frais
de la republique et sur le visa des commissaires de guerre.
Au quartier General de Favril le 28 Messidor Tan 2 de
la ^publique Franeaise.
Le General de Division Commandant en chef
l'armee devant Landrecy:
Scherer.
P. 8. II a ete observe par les officiers de la garnison de pouvoir prendre
parmi les soldats do leurs Compagnies respectives des hommes qui leur seront
attacht-s pour leurs besoins domestiques pendant le tems de leur etat de pri-
sonniers de guerre: leurs domestiques etant restes ä leurs equipages ä l'armee
imperiale.
Le general voudra bien ratifier cet article
approuve le General en Chef
S c h e r e r.
Digitized by Google
270
1794.
Die Armee am Ober -Rheine, bei welcher die Regiments-
geschichte Ende 1793 die Grenadiere zu Mannheim verlassen hatte,
übernahm am 7. Jänner 1794 F.-Z.-M. Graf Browne, welcher
dieselbe am 15. April dem Herzog Albrecht von Sachsen-Teschen
übergab. 15.000 Mann, dabei das Grenadier - Bataillon St. Julien,
lagen beim Beginn der Operationen am Unken Rhein -Ufer in den
Umgegenden Mannheims unter dem General Prinz Hohenlohe, die
Hauptarmee hatte das rechte Rhein -Ufer von Mannheim bis Basel
besetzt; die preussisch-sächsische Armee unter F.-M. Möllers dorf
stand zwischen Alzey und Kirchheim.
Der durch Coburg am 26. April bei Cateau erfochtene Sieg
veranlasste den F.-M. Möllen dorf zu dem Entschlüsse, die Be-
lagerung von Saarlouis zum Hauptobjekt seiner Bewegungen zu
machen. Am 18. Mai verlegte er sein Hauptquartier nach Alzey,
in und bei welchem Orte sich seine Truppen konzentrirten. Auch der
Herzog AI brecht hatte bereits am 17. Mai 30 Bataillons, darunter
das Grenadier - Bataillon und 40 Eskadrons in ein Lager bei
Schwetzingen zur Mitwirkung bei der Unternehmung Möllendorfs
zusammengezogen.
Am grauenden Morgen des 23. Mai setzten sich sämmtlichc
Kolonnen in Bewegung und schon um 8 Uhr früh begann der AngrifT
auf allen Punkten. Das österreichische Korps rückte unter stetem
Gefechte über Mutterstadt gegen den Reebach vor, um Schifferstadt
und die Reehfltte anzugreifen. Der feindliche General Desaix, zum
Empfange seines Gegners vorbereitet, setzte den Oesterreichern
unter General Hotze bei ihrer Annäherung vor Schifferstadt einen
so kräftigen Widerstand entgegen, dass sie vor dem Orte in ge-
messener Entfernung halten mussten, um die Unterstützung der
Division des F.-M. -Lt. Benjovsky, in welcher sich die Grenadiere
in der Brigade General Baader befanden, abzuwarten. Doch diese
fand keine Möglichkeit, den stark angeschwollenen Reebach zwischen
Schifferstadt und der Reehütte zu übersetzen. Beide verhielten sich
folglich beobachtend in ihrer Stellung vor Schifferstadt.
Während F.-M.-Lt. Erbach unter dem heftigsten Kartätschen-
feuer die grössten Schwierigkeiten zu besiegen hatte, und nach
Wegnahme des Kohlhofes und Durchwatung des geschwellten Ree-
baches die feindlichen Verschanzungen an der Reehfltte erstürmte
und den Feind gegen Speyer zurückwarf, hatte Desaix den Posten
1794,
271
von Schifferstadt so bedeutend verstärkt, dass er den General Hotze
selbst angriff und zum Rückzug zwang. Die durch F.-M.-Lt. Er-
bach so mühsam errungenen Vortheile mussten, um sich nicht der
Gefahr auszusetzen, abgeschnitten zu werden, aufgegeben werden.
Der Rückzug musste um so mehr beschleunigt werden, als auch
Fürst Hohenlohe die Meldung erhielt, dass die Preussen vor
Deidesheim sich zu schwach fanden, die Franzosen von Rupertsberg
zu verdrängen. Hohenlohe gebot demnach den Rückzug bis in
die Stellung bei Oggersheim.
Das österreichische Korps hatte bereits nachmittags um 5 Uhr
ein Lager zwischen Mundenheim, Maudach und Scharam bezogen.
Rheingenheim und Mutterstadt wurden mit leichten Truppen besetzt.
Der Feind hatte zwar alle Angriffe auf seinen rechten Flügel
abgeschlagen, aber sein linker war beinahe aufgerieben. Sein Verlust
bestand in 2000 Todten und Verwundeten, 2100 Gefangenen, 17
Kanonen, 10 Fahnen und 91 Munitionskarren.
Der französische Ober-General Mich au d ordnete am folgenden
Tage auch den Rückzug seines rechten Flügels bis hinter die Linien
der Queich an. Das österreichische Korps besetzte Speyer und dehnte
sich gegen Duttenhofen aus. Hotze mit der Avantgarde stellte
sich zwischen Heiligenstein und Hanthausen. Am 28. wurden die
Franzosen abermals von den Preussen geschlagen. Hotze vertrieb
sie aus Schweigenheim, Lingenfeld und Westheim, worauf sie sich
abends nach Landau zurückzogen.
Die Oesterreicher beschäftigten sich im Monat Juni mit
Anlegung von Verschanzungen auf den Anhöhen von Fraischbach
und Schweigenheim. Starke Verhaue deckten die* Fronte ihrer
Stellung, in welche nun alle Truppen aus dem Lager von Schwezingen
abgerückt waren. Das erste Treffen unter F.-Z.-M. Fürst Hohen-
lohe stand zwischen Speyer und Marientraut, dabei das Grenadier-
Bataillon St. Julien in Harthausen.
In dieser Stellung blieb die Armee unthätig bis zum Juli,
dagegen benützte der französische Obergeneral die ihm gegönnte
Ruhe, so viele Verstärkungen an sich zu ziehen, als zur Wieder-
eroberang der verlassenen Stellungen erforderlich waren und griff
dann am 2. Juli die Verbündeten an allen Punkten an. D e s a i x
rückte mit dem rechten französischen Flügel bei Tagesanbruch gegen
Schweigenheim und Freischbach vor, wurde aber, ebenso wie die
272
1794.
übrigen französischen Truppen mit Verlust zurückgeschlagen. Das
Grenadier - Bataillon war während dein Gefechte zur Besetzung der
Höhen bei Weingarten vorgerückt, aber nicht in das Feuer gekommen.
Am 12. und 13. Juli rückten die Franzosen abermals gegen
die Stellungen der Preussen vor, während sie gegen jene der Oester-
reicher nur demonstrirten. Es gelang dem Feinde, die Preussen nach
einem äusserst hartnäckigen Kampfe, in welchem beide Theile be-
deutende Verluste erlitten, zum Ruckzuge über den Speyerbach in
das Lager von Musclibach zu nötbigen. Diess erheischte auch den
Kückzug der Oesterreicher, der mit Tagesanbruch des 14. angeordnet
wurde. Noch vor der Bückbewegung erschienen schon um 4 Uhr
morgens die Franzosen, um den noch nicht bewirkten Abzug zu
drängen. Fiine heftige Kanonade begann auf Schweigenheim und
bald war das Feuer auf der ganzen Linie allgemein. Mit Ungestüm
drang D e s a i x in Freimarsheim ein und griff auch den Posten
von Fraischbach an, um durchzubrechen; aber standhaft schlugen
sich hier die Oesterreicher. Die Nachricht, dass der Feind zu
gleicher Zeit in mehreren Kolonnen gegen Musclibach vordringe und
bereits die rechte Flanke bei Germersheim umgangen sei, gebot den
Rückzug, der um 9 Uhr früh in fünf Kolonnen angetreten wurde.
Das Grenadier- Bataillon St. Julien, in der zweiten Kolonne
unter dem F.-M.-Lt. Jordis, zog von Schweigenhoim über Dutten-
hofen nach Schifferstadt, wo sich diese Kolonne auf der Höhe hinter
diesem Orte gegen Boehl aufstellte. Kaum in der neuen Aufstellung
angelangt, drang auch schon D e s a i x mit Macht vor und griff
die Stellung vor Schifferstadt mit einer heftigen Kanonade an. Als
man diese mif ähnlichem Kaliber beantwortete und muthig seine
Angriffe mit grossem Verlust zurückwies, wiederholte er bis gegen
Abend noch mehrere fmchtloso Versuche, nach welchen er nach-
gebend sich etwas zurückzog.
Die Nacht legte beiden Theilen Stillstand auf, der bis am
folgenden Mittag nicht unterbrochen wurde. Um diese Zeit rückte
eine französische Kolonne gegen Muschbach vor, während D e s a i x
mit 6000 Mann gegen die bei Schifferstadt aufgestellte österreichische
Avantgarde vordrang. Diese vertheidigte sich unter General Hotze
mit wahrem Heldenmuthe und auf allen Punkten hatten die Oester-
reicher an diesem Tage ihre Stellung behauptet. Die Preussen
zogen sich aber gegen die Pfrim zurück, auch hatte F.-M. Möllen-
1704.
273
dorf sein Lager bei Kaiserslautern aufgehoben, um sich über
Otterberg in der Stellung bei Kirchheim - Boland festzusetzen.
Es war 6 Uhr abends, als der Herzog Albert von dieser
Anordnung Kunde erhielt, die ihn zum Ruckzuge Qber den Rhein
bei Mannheim veranlassen musste. Mit einbrechender Dämmerung
wurde dieser angetreten, der Rhein überschritten und ein Lager
bei Neckarau bezogen. Die Grenadiere hatten in allen diesen Gefechten
keinen Verlust erlitten. Grenadier Daniel Semotzka, welcher sich
durch Tapferkeit besonders ausgezeichnet hatte, erhielt die silberne
Ehren - Denkmünze.
Nun fanden mehrere Bewegungen der Alliirten und Franzosen
statt, welche aber kein entscheidendes Resultat erzielten. Das
Grenadier - Bataillon St. Julien war während dieser Zeit ununter-
brochen in der Rheinschanze vor Mannheim. Am 18. Oktober be-
gannen die Franzosen die Circumvallations - Arbeiten, die sich von
Rheingenheim über Mundenheim, bis in den Friesenheimcr Wald
erstreckten und am 12. November fertig wurden. Nun war der
Feind bedacht, sich mit Angriffswerken den österreichischen Ver-
schanzungen insoferne zu nähern, dass er nicht nur diese, sondern
auch die Stadt beschiessen konnte. Diese Arbeiten waren durch den
Sumpf begünstiget, der sich gegen Gräfenau und die Hemshöhe
herumzieht und die österreichischen Verschanzungen dergestalt um-
schloss, dass diese durch zweckmässig angelegte Redouten mit einem
konzentrisch kreuzenden Feuer und zugleich die Stadt mit Ein-
äscherung bedroht wurde.
Der Feind benutzte diesen Umstand uud vollendete sein Werk
im Laufe November, ungeachtet die Belagerten durch ein heftiges Feuer
das drohende Ungcwitter zu entfernen sich bemühten. Am 2. Dezember
kündeten mehrere Kanonenschüsse an, dass die feindlichen Redonten
bereits mit dem gehörigen Belagerungsgeschütz dotirt seien.
In einem Kriegsrathe ward nun über das Schicksal Mannheims
berathen und alle Mittel als unzulänglich befunden, die Einäscherung
der Stadt zu verhindern. Man beschloss, bei dem Umstände, dass
der Eisgang am Rhein die Verbindung mit der Rheinschanze absperre,
dem Feinde unter der Bedingung, dass er die Stadt nicht beschiesse,
das ganze linke Rhein -Ufer abzutreten.
Der französische General Vachot kam jedoch jedem Antrage
schon am 22. Dezember mit der Aufforderung zuvor, die Rheinschanze
1«
Digitized by Google
271
1795.
binnen drei Stunden zu Obergeben. Da jedoch die österreichischer-
seits gemachten Vorschläge nicht angenommen wurden, so begann
der Feind in der Nacht vom 23. auf den 24. um die Mitternachtsstunde
aus acht Batterien ein heftiges Feuer mit Mörsern und Haubitzen,
sowohl gegen die Verschanzungen am linken Rhein-Ufer, wie gegen
die Stadt, in welcher mehrere Häuser zerstört und viele Einwohner
getödtet und verwundet wurden. Die Beschiessung währte den ganzen
folgenden Tag mit der alles vernichtenden Wirkung bis 4 Uhr fort,
wo dann der Feind die zweite Aufforderung machte.
Die Vorstellungen des Magistrats, der Jammer der Bürger,
welche die Einäscherung ihrer Häuser und den Tod der Ihrigen mit
ruhiger Ergebenheit ertragen hatten, dann die Unmöglichkeit, die
Besatzung der Rheinschanze zu unterstützen, die folglich unter-
liegen musste, bestimmten den F.-M.-Lt. Wartensleben, unter
der Bedingung eine Kapitulation abzuschliessen , dass Mannheim
während dem Laufe des Krieges vom linken Rhein -Ufer nicht be-
schossen werde. Am 24. Dezember abends um 11 Uhr wurde die
Kapitulation angenommen, unterzeichnet und am 25. nahmen die
Franzosen nach einer zehnwochentlichen Berennung und geführten
Belagerung, von der Rheinschanze Besitz. Die kaiserliche Armee
blieb über Winter am rechten Rhein-Ufer zwischen Mainz und Basel
in engen Kantonnirungs - Quartieren.
Das dritte Bataillon hatte auch im Jahre 1794 seine Garnison
Wiener-Neustadt nicht verlassen.
1795.
Offiziere und Mannschaft der beiden Feld - Bataillone befanden
sich beim Beginn des Jahres 1705 noch in französischer Kriegs-
gefangenschaft. Die Offiziere waren von der Mannschaft immer
getrennt und streng, ja sogar wegen ihren Aeusserungen flberwacht
Die Mannschaft befand sich in der traurigsten Lage in Kirchen,
verlassenen Scheunen und Ställen eingesperrt. Sie lag auf der nackten
Erde, allen Unbilden eines strengen Winters um so mehr ausgesetzt,
als diese Unterkünfte nicht heizbar und auch die Uniformen der
1795.
275
Art herabgekommen waren, dass sie kaum die Blossen bedeckten.
Beinahe alle waren ohne Mäntel und ohne Schuhe. Man hatte einen
Kübel Wasser unter die Thore gestellt, der einmal während des
Tages gefüllt wurde — zur Verrichtung der Nothdurft durfte kein
Mann das Lokale verlassen und man kann sich daher einen Begriff
von dem Zustande derselben machen. Die National - Garde versah
den Dienst, und wenn auch unter diesen oder der Bevölkerung Leute
waren, welche ein Herz für das Unglück der Gefaugenen hatten und
ihr Schicksal erleichtern wollten, so Hessen es die von Robespierre
abgesandten Freiheitsmänner nicht zu und die Betreffenden hatten
in dieser Zeit des Terrorismus das Aergste zu befürchten, denn die
Guillotine war in Permanenz. Diese sogenannten Kommandanten
behandelten die Gefangenen, welche ohne Unterschied des Ranges
einen äusserst geringen, zur Erhaltung des Lebens kaum hinreichenden
Gehalt erhielten, auf eine äusserst grausame, allem Völkerrechte
Hohn sprechende Weise und doch gaben diese verächtlichen Menschen
durch ihr lächerliches Auftreten und komische Uniform den echten
Wiener Kindern Anlass genug, durch urwüchsige, selbst in diesem
Elende nie versiegende Witze, Heiterkeit und möglichst guten Muth
zur Ausdauer unter den Gefangenen zu erhalten.
Die Fuhrknechte des Regiments hatte man bei den Verpflegs-
Transporten angestellt und diese waren die ersten, welche den
Franzosen durchgingen und sich im Jänner in Lörach bei der Auf-
uahms - Kommission meldeten. Bald folgten auch kleine Trupps
Infanteristen, welche aus den Gefängnissen ausgebrochen, bei Nacht
auf Seitenwegen die Grenze erreicht hatten. So verzeichnen dio
Präsentirungs - Listen über 300 Mann, welche sich auf diese Art
selbst rantionirten. Alle diese Braven waren ohne Schuhe, entstellt
vom überstandenen Elend und den besiegten Gefahren. Die Sehnsucht
nach dem theueren Oesterreich hatte diese wackeren Männer zur
Ueberwindung der grössten Gefahren gestählt. Viele gingen bei den
Fluchtversuchen zu Grunde, viele erlagen dem namenlosen Elende,
denn nach den Standes - Listen sind von den 1400 Mann, welche
in Landrecy kapitulirten, gegen 500 Mann bis heutigen Tag ver-
schollen.
Oberlieutenant Otto Baron Colletti, welcher in Landrecy als
Kontrolor beim Verpflegsamte angestellt war, wurde von den Fran-
zosen zurückgesendet und am 29. juni 1795 präsentirt, dann
18*
270
i7or,
am 1. Juli Lieutenant Josef Steinling, dem einzigen Offizier,
welchem es gelang, sich seihst zu rantioniren. Die übrigen Offiziere
entliessen <lie Franzosen nach und naeh gegen Parole, so dass erst
im Jahre 1700 die letzten wieder heim Regiment einnickten. Alle
fanden in Wien ihre Pferde und Bagagen, da diese in die Festung
nicht mitgenommen worden waren.
Zur neuen Formirnng des Regiments hatte der Hofkriegsrath
im Jänner 1705 die Aufstellung von drei Divisionen in Wien an-
geordnet, zu welchen dann die aus der Kriegsgefangenschaft rück-
kehrenden Offiziere und Mannschaft einrückten.
Das dritte Bataillon erhielt anfangs März 170.r> Marsch-
bereitschaft und dann den Befehl, am 10. nach Triest abzurücken,
wo dasselbe am 14. April eintraf. Am 27. Juli marschirten zwei
Kompagnien nach Kroatien und im Dezember erhielt das Bataillon
den Befehl, zur Armee nach Italien zu nicken.
Bei dieser Gelegenheit machte der Staatsrath T ü r k h e i m
Erwähnung von dem Schwindelfreiheitsgeist, den die aus der
Gefangenschaft, zurückgekommene Mannschaft in sich eingesogen
haben sollte: er meinte, dass, eine öffentliche Bangigkeit hierüber
zu zeigen, bedenklich sei, schlug aber vor, ein anderes Bataillon
statt diesem nach Italien zu senden. Se. Majestät Kaiser Franz
gestattete zwar aus anderen Gründen, dass statt jenem ein Bataillon
von Nr. T>0 dahin beordert wurde, beruhigte aber den Hofkriegsrath,
hierüber ohne Sorge zu sein, dass es möglich werden könne, dass
durch die gewesenen Gefangenen der verderbende unglückliche
Freiheitsgeist seiner mit Ehre und Ruhm gekrönten Armee bei-
gebracht werde.
Die Grenadiere im Bataillon St. Julien lagen im Winter in
engen Kantonnimngs-Qnartieren um Mannheim.
Begünstigt durch ungewöhnlich strenge Kälte, welche alle
Gewässer mit festem Eise bedeckte, umging Pichegru die Stellung
der Alliirten und nahm Holland, welches sich als batavische Republik
konstituirte. Bei dieser Gelegenheit geschah es, dass ein französisches
Reiter-Regiment die im Texel eingefrorene Flotte eroberte. So halfen
selbst die Elemente dem übermüthigen Frankreich, wo zwar mit der
Hinrichtung Robespierre 's am 27. Juli 1704 die blutigen Ge-
stalten der Schreckensregiemng verschwunden waren, nichts desto-
weniger aber die gewaltige Erhebung der Nation ungeschwächt fort-
1705.
277
dauerte. Mit Beginn des Jahres 17i>5 standen sieben französische
Heere siegreich auf fremdem Boden : in Spanien, Piemont, am linken
Rhein -Ufer, in den Niederlanden und iu Holland. Die Koalition war
mächtig erschüttert, denn sie hatte drei Jahre fruchtlos gegen die
Revolution gekämpft. Eingeschüchtert begannen jetzt einige Staaten
zu erkalten und suchten mit der Republik Frieden zu schliessen.
Preussen schloss am 5. April einen Separatfrieden, etwas später
traten auch Toscana, Spanien und Portugal von der Koalition zurück.
In Oesterreich wurden aber ungeachtet der bisher gebrachten uner-
messlichen Opfer die Kriegsrflstungen mit dem grössten Eifer fort-
gesetzt. Hier bemühten sich, wetteifernd im Patriotismus, alle Pro-
vinzen, die zur Fortsetzung des Krieges nöthigen Mitteln beizuschaffen
und die Mannschaften aufzubringen. Die Grenadiere erhielten vom
dritten Bataillon 50 altgediente Soldaten.
Anfangs 1795 kantonnirten die Verbündeten von Basel längs
dem Rheine hinab bis zur Nordsee. Die k. k. Armee war getheilt
in jene des Niederrheines, dann in jene des Oberrheines, bei welcher
sich das Grenadier- Bataillon St. Julien befand. Zwischen diesen
beiden Rhein -Armeen in der Ausdehnung zwischen Kaub bis Gerns-
heim standen die Preussen und deren Abmarsch aus dieser Stellung
war im Jahre 1795 das erste Ereigniss von Bedeutung. Hiedurch waren
nämlich ausgiebige Nachrückungen erforderlich und auch die Grena-
diere wurden in Folge derselben aus der Ruhe ihrer winterlichen
Kantonnirung geweckt. Am 10. Februar wurde das Grenadier-
Bataillon St. Julien zur Versehung des Kordonsdienstes an den Rhein
beordert. Dieser Dienst war einem rührigen Feinde gegenüber um
so beschwerlicher, als der zu bewachende Ström mit festem Eise
bedeckt, überall zu passireu war. Doch das nur Veteranen zählende
Grenadier -Bataillon war der Aufgabe gewachsen, hatte ja mit Aus-
nahme der jüngst erhaltenen 50 Mann, jeder Grenadier schon in
mehreren Treffen gelochten und iu öfterer Berührung mit dem Feinde
längst dessen Kniffe kennen gelernt. Erfahren im Kriegshandwerke,
durch riesige Strapazen gestählt, war jeder einzelne Grenadier Krieger
im vollsten Sinne des Wortes und auch nur so war es möglich, dass
trotz des rührigen Gegners, trotz der anhaltenden grimmigen Kälte und
dem fühlbarsten Mangel au Verpflegung (aus einem Bericht ist ersicht-
lich, dass die Grenadiere eine volle Woche kein Brod erhalten hatten)
die Mannschaft mit heiterem Muthe die Mühseligkeiten der schwierigen
278
1795.
Kordons - Bewachung ertragen, und dass ihre erfolgreiche Dienst-
leistung wiederholt die Anerkennung der Generale erhalten konnte.
Im März wurden die Truppen des Kaisers und Reiches in ciue
„k. k. offensive Ober - Rhein - Armee" und eine „ Reichs - Armee*
geschieden; Ober erstere übernahm F. - Z. - M. Graf Clerfait das
Kommando.
Schon nach Ablauf eines Monats wurden die Grenadiere ver-
anlasst, einer abermaligen neuen Heeres - Eintheilung wegen sich in
Bewegung zu setzen. F. - Z. - M. Graf Clerfait zum Feldmarschall
und Kommandanten des gesammten Heeres ernannt, hatte nämlich
dasselbe in eine offensive und in eine defensive Armee geschieden.
Das Grenadier -Bataillon St. Julien kam in das erste Treffen unter
F. -Z.-M. Graf Kinsky, Division F.-M.-Lt Verneti nach
Dornheim. In der neu bezogenen Aufstellung blieben die Grenadiere
im Laufe Juli. Die Truppen hatten in dem Masse, als sie im
jüngsten Winter durch übermässige Kälte fatikirt wurden, jetzt durch
peinigende Hitze zu leiden und der üble Einfluss der heissen Jahres-
zeit konnte umsoweniger ausbleiben, als die Verpflegung mit Geld
sowohl, als mit Naturalien beharrlich höchst nothdürftig blieb. Der
Krankenstand lieferte bald eine bedenkliche Ziffer — das Grenadier-
Bataillon erreichte 192.
Da trat anfangs August abermals eine neue Heeres-Eintheilung
in's Leben; alle Reichstruppen und ein Theil der Oesterreicher
bildeten die »Nieder -Rhein -Armee/ der Rest der Oesterreicher
die „Ober- Rhein -Armee." Erstere unter F.-M. Graf Clerfait
erhielt die Stellung von Düsseldorf bis Kappel, letztere unter
G. d. K. Graf Wurmser von Kappel bis Basel.
Fast acht Monate schon ruhten die Waffen. Da wurden endlich
die Feindseligkeiten eröffnet, indem anfangs September der fran-
zösische General J o u r d a n bei Urdingen und Düsseldorf über den
Rhein drang, Pi chegru aber am 20. September Mannheim besetzte.
Am 24. schlug F.-M.-Lt. Quosdanovich die Franzosen bei
Handschuchsheim.
Der Feldmarschall theilte nun seine Armee in eine Avantgarde,
mit drei Abtheilungen, dann in zwei Treffen, ein Reservekorps und ein
Observationskorps, beschloss über den Main zu gehen und Jourdan
die Schlacht zu liefern. Im Reservekorps unter F.-M.-Lt. Baron
Wernek befand sich das Grenadier - Bataillon St. Julien.
1795.
270
Die Armee hatte sich am 0. Oktober im Lager bei Boben-
hausen aufgestellt. Am folgenden Tage ging die erste Abtheilung
der Avantgarde, nach dieser die beiden Treffen der Armee und das
Reserve - Korps bei Seligenstadt über den Main. Die Avantgarde
rückte an die Kinzig vor; die Armee lagerte an der Kahl.
Die Avantgarde war noch in der Morgendämmerung am 11.
vorgerückt und drängte die derselben begegnenden französischen
Patrouillen hinter die Nidda zurück. Die Armee kam um die Mittags-
zeit bei Bergen an und bezog das Lager zwischen der Berger und
Fricdberger Warte.
Am 12. Oktober liess Jourdan den linken Flügel der kaiser-
lichen Avantgarde bei Nidda angreifen ; der hartnäckige Kampf endete
bei Einbruch der Nacht mit dem Rückzüge der Franzosen. Die Armee
blieb in ihren Stellungen.
In der Nacht hielt Jourdan in Höchst Kriegsrath, in welchem
die Franzosen beschlossen, die Blockade von Mainz aufzuheben, und
da es in der von der Armee innehabenden Stellung zu gefährlich
sei, eine Schlacht zu liefern, auch mit der Armee den Rückzug
anzutreten. Dieser wurde nun in der Nacht mit grosser Eile aus-
geführt. Zeitlich früh am 13. bemerkten die Oesterreicher den in
der Nacht stattgefundeneu Abzug der Franzosen. Die Avantgarde
übersetzte sogleich die Nidda, die dritte Abtheilung marschirte gegen
Usingen; zu ihrer Unterstützung folgte F.-M.-Lt. Wernek mit
dem Reserve - Korps und stellte sich bei Homburg auf.
Erst am 14. Oktober um 5 Uhr morgens erreichte die dritte
Abtheilung der Avantgarde, die auf den äusserst schlechten Wegen
die ganze Nacht marschirt war, Usingen, von wo sie nach kurzer
Rast an die Lahn vorrückte und die Strasse von Münster über
Weilburg bis Leyen besetzte. Das Reserve - Korps marschirte bis
Usingen, dann am 15. nach Altcnhausen am Weilbach und nahm am
16. Stellung zwischen Ober -Brechen und Vilmar.
Die drei Abtheilungen der Avantgarde hatten an diesen Tagen
die retirirenden Franzosen erreicht, ihnen Kanonen nebst vielem
Train abgenommen und bedeutende Verluste zugefügt.
Der Feldmarschall führte die beiden Treffen in das Lager bei
Weilmünster, nahm in diesem Orte sein Hauptquartier und beschloss
die unaufhaltsam retirirende feindliche Armee nur mehr durch die
drei Abtheilungeu der Avantgarde verfolgen zu lassen, selbst aber
280
1705.
mit der Hauptmacht im Lager bei Weilmünster stehen zu bleiben,
um die Truppen für andere Operationen zu schonen. Das Wetter
war schlecht, die Strassen ganz verdorben, der Mangel an Lebens-
mitteln herrschte in diesen Gegenden schon geraume Zeit und war
durch die vierwochentliche Anwesenheit der Franzosen sehr ge-
steigert worden, welche eben jetzt auch noch die Landstriche plün-
derten und verheerten, welche sie verlassen mussten, um das Vor-
rücken der Kaiserlichen zu erschweren. Wenn man es auch sonst
zweckmässig gefunden hätte, die Verfolgung mit der Hauptmacht
fortzusetzen, so wäre es doch beinahe unmöglich gewesen, die
Truppen dabei zu ernähren.
Das Reserve-Korps rückte am 17. an die Lahn in das Lager
zwischen Runkel und Emmerich vor und dann am 19. nach Monta-
baur, von wo F.-M.-Lt. Wernek am 21. den General Graf Kol-
low rat mit drei Grenadier -Bataillons, dabei St. Julien, und vier
Eskadrons nach Neuwied zur Verstärkung des General Boros
sendete. Jourdan retirirte an demselben Tage über den Rhein,
womit der Rückmarsch der Franzosen und deren Verfolgung durch
die Kaiserlichen beendigt war. Die Franzosen hatten auf diesem
Rückzüge 1000 Gefangene, 6 Kanonen, 100 Munitionskarren, 20
Pontons, viele Waffen, Kriegsgeräthe und Bagagen verloren.
F.-M. Clerfait beschloss nun das Blockade-Korps vor Mainz
anzugreifen und den Entsatz dieser Festimg auszuführen. Zu diesem
Behüte brachen am 25. Oktober die beiden TrefTcn aus dem Lager
an der Else vor Limburg auf und trafen am 27. nach drei Märschen
im Lager bei Wikert am Main ein. F.-M.-Lt. Baron Wernek
trat am 26. mit dem Reserve - Korps, bei welchem auch die mit
General Kollowrat bei Neuwied kommandirt gewesenen drei
Grenadier - Bataillone und vier Eskadrons wieder eingerückt waren,
den Marsch von Moutebaur nach Wiesbaden an, wo er am 28. Oktober
anlangte.
Noch am 27. begab sich der Feldmarschall nach Mainz und
rekoguoszirte die Hohen am linken Rhein -Ufer, auf welchen die
französische Blockade-Armee, 30.800 Mann stark, mit 200 Kanonen
aufgestellt war. In der Nacht kehrte er nach Wiesbaden zurück, wo
am 28. die Disposition zum Angrilf entworfen wurde. An diesem
Tage gegen Abend erhielten die Truppen der bei Wikert gelagerten
beiden Treffen und die erst am Vormittage bei Wiesbaden einge-
im.
281
troffene Reserve des Heeres den Befehl, um 7 Uhr nach Kassel,
am rechten Ufer bei Mainz zu raarschiren. Von dem Reserve-Korps
blieb die Grenadier-Brigade des General Kollow rat, dabei das
Bataillon St. Julien, im Lager bei Wiesbaden.
In der Nacht vom 28. auf den 20. Oktober waren die Truppen
in voller Bewegung, um die Stellungen einzunehmen, aus welchen
sie dann zum Angriff vorrücken sollten. Die Franzosen hatten nicht
die geringste Ahnung und wurden vollkommen überrascht. Nach
halb 6 Uhr morgens wurde das Zeichen zum Angriff von einer
Batterie gegeben und abends hatten die Oesterreicher einen glänzen-
den Sieg erfochten. Alle feindlichen Schanzen und Stellungen waren
erobert und die Franzosen im vollen, theilweise fluchtartigen Rückzug
über Bingen nach Kreuznach. Ihr Verlust bestand an Gefangenen
in 153 Offizieren und 1633 Mann, an Todten 3000 Mann; 138
Kanonen, 250 Munitionskarren und 144 Artillerie- Fuhrwerke fielen
in die Hände der Sieger.
F.-M. Graf Clerfait, welcher den Angriff persönlich geleitet
hatte, ordnete abends selbst die Vorpostenlinie und liess dann die
Truppen ein Lager in zwei Treffen auf der Höchtsheimer Höhe be-
ziehen. In dieses Lager rückten am 30. Oktober auch die bei
Wickert und Wiesbaden zurückgelassenen Truppen ein.
Pichegru sammelte seine geschlagenen Truppen hinter der
Pfrim und wollte iu dieser Stellung die Annäherung Jourdan's
mit der Sambre- und Maas -Armee erwarten. Seine Linie stützte
sich rechts bei Worms an den Rhein, links bei Kirchheim - Boland
an den Donnersberg. Um diese Stellung zu bewältigen, hatte F.-M.
Clerfait gleich nach dem bei Mainz erfochteuen Siege das Korps
des F.-M. -Lt. Graf Latour von der Ober -Rhein -Armee zu sich
beordert und seine Truppen in zwei Korps gethcilt. F.-Z.-M. Graf
Warteusieben bezog am 4. November mit dem Observations-
Korps ein Lager bei Ober -Ulm, um die Bewegungen Jourdan's
zu beobachten. F.-M. Graf Clerfait marschirte mit der offensiven
Armee, bei welcher sich das Grenudier - Bataillon St. Julien, unter
dem F.-M. -Lt. Staad er, Brigade General Kollow rat, befand,
in das Lager bei Zornheim, nahe der Selz. Am 5. rückte Wartens-
leben auf die Höhen von Partenheim; die Vortruppen der offen-
siven Armee drängten Pichegru 's Posten bis nahe an die Pfrim
zurück.
282
Der Feldmarschall blieb am G. und die nächsten Tage mit der
Offensiv- Armee in dem Lager bei Ost- und Westhofen, denn vor
der Vereinigung mit dem Korps Latour konnte er die Stellung
Pichegru's nicht angreifen. Diese erfolgte am 8., worauf sogleich
die Dispositionen für den auf den 10. festgesetzten Angriff ertheilt
wurden.
Am 10. November begann das Observations - Korps die Vor-
rückung, nahm dem Feinde mehrere Dörfer ab und trieb ihn gegen
Kaiserslautern zurück. Als diese Vortheile erfochten waren, liess der
Feldmarschall die drei Hauptkolonnen an die Pfrim marschiren.
Nachmittags kam der F.-M.-Lt. S t a a d e r mit der ersten Haupt-
kolonne auf den gegen Nieder-Flörsheim liegenden Höhen an und ent-
wickelte dort seine Truppen. Das Liniengeschütz derselben und einige
Reserve - Batterien begannen zu gleicher Zeit das lebhafteste Feuer.
Die französische Avantgarde wurde von den Höhen zwischen Meisheim
und Kriegsheim vertrieben und gänzlich geworfen. Staad er rückte
hierauf gegen Pfedersheim; die Avantgarde gegen Leiselnheim vor.
Unterdessen nahten auch die erste und zweite Kolonne der Pfrim und
griffen die am Flusse gelegeneu Dörfer an. P i c h e g r u leistete zwar
ernstlichen Widerstand, musste aber dennoch den kraftvollen Augriffen
der Oesterreicher unterliegen. Auf den sanften Anhöhen zwischen
der Pfrim und Eis suchte er nochmals das Vordringen der öster-
reichischen Kolonnen aufzuhalten, aber bei einbrechender Abend-
dämmerung entschieden dieselben durch einen allgemeinen Front-
angriff das Treffen. Ungeachtet des lebhaften Kanonen- und Gewehr-
feuers der Franzosen wurden jene Höhen genommen. Gegen 8 Uhr
abends befahl Piche gm die Fortsetzung des Rückzuges.
Die offensive Armee lagerte längs dem linken Ufer der Pfrim,
ging am 11. über diesen Fluss und bezog auf dem rechten Ufer,
zwischen Pfedersheim und Wackenheim das Lager ; W e r n e k
mit seiner Division auf der Fläche von Kindernheim. Da der Feld-
marschall dermalen keine Besorgnisse von Jourdan für seine rechte
Flanke und das an der Nahe stehende Observations-Korps hegte, so
beschloss er, den Angriff auf Pichegru's Truppen ohne Unter-
brechung fortzusetzen und den Weg zum Mannheimer Brückenkopf
mit Gewalt zu öffnen.
Noch am 13. wurde der linke französische Flügel durch die
Avantgarde angegriffen und Türkheim genommen. Am Morgen des
1795
283
14. November marschirtc die offensive Armee gegen den Feind. Im
Centrum rückte F.-M.-Lt. Staader über Gerolsheim vor und die
Flügelkolonnen waren angewiesen, den Erfolg seines Angriffs auf
Lambsheim abzuwarten. Gegen Mittag liess er dieses, mit Mauern
und Graben umgebene und von der Division Ferino stark besetzte
Städtchen durch den General Graf Bai 11 et mit dessen Brigade
angreifen. Zu gleicher Zeit schlugen die Pionniere oberhalb dieses
Ortes eine Laufbrücke über den Fuchsbach; sobald diese vollendet
war, eilte ein Bataillon hinüber, Lambsheim zu umgehen, während
zwei Bataillons die Mauern bestürmten. Die Besatzung räumte nun
das Städtchen und zog sich auf den Haupttheil der Avantgarde
zurück. Diesen hatte Desaix hinter dem morastigen und zum Theil
vom Isenach-Flusse überschwemmten Boden unangreifbar aufgestellt.
Die Bataillone des General Baillet suchten zwar von Lambsheim
vorzudringen, wurden aber durch die Ungangbarkeit des Terrains
und das heftige Feuer des feindlichen Geschützes aufgehalten. Indess
blieben sie unerschüttert in der vorwärts des Städtchens eingenom-
menen Stellung und deckten dadurch den Aufmarsch der übrigen
Truppen des F.-M.-Lt. Staad er, welche sich mit Mühe durch das
Defile'e von Lambsheim wanden. Es blieb unmöglich, mit der Infan-
terie auf diesem Terrain gegen die feindliche Linie vorzudringen
und mit der Reiterei Bewegungen auszuführen. Daher begnügte sich
F.-M.-Lt. Staad er, seine ganze Artillerie auffahren zu lassen,
welche durch ihr wirksames Feuer gar bald die feindlichen Batterien
zum Schweigen brachte.
F.-M.-Lt. Wernek hatte mit der rechten Kolonne eine
Abtheilung der französischen Avantgarde aus Weisenheim auf dem
Sande vertrieben. Dann rückte er gegen den Fuchsbach und jagte
Desaix Truppen, die Freinsheim, und jene Ferinos, welche die Ers»
heimer-Mühle besetzt hielten, in die Flucht. Nachdem das Centrum
Lambsheim erobert hatte, liess F.-M.-Lt. Wernek unter dem
heftigsten Feuer des Feindes eine Laufbrücke über den Isenay-Fluss,
in der Nähe von Erpolsheim schlagen, und über dieselbe das
Grenadier-Bataillon St. Julien und vier Eskadrons gehen. Aber auch
hier, sowie im Centrum, hinderte das sehr durchschnittene und von
den Franzosen wohlbesetzte Terrain das Vordringen der Oester-
reicher und beschränkte dieselben auf die Wirkungen ihres Ge-
schützes. Die Kanonade endete erst mit Einbruch der Nacht.
284
1JJ>5
Wernek mit dem rechten Flügel der Armee blieb am Fuchsbache
und Isenach-Flusse stehen und rQhmte in seiner Relation »die ausser-
ordentliche Standhaftigkeit seiner Truppen, mit welcher sie in dem
„ heftigsten feindlichen Kanonenfeuer gestanden." Die Grenadier-
Division des Regiments zählte 7 Todte und 21 Verwundete.
In der Nacht vom 14. auf den 15. November setzte der Ober-
general Pichegru, welcher bedeutende Verluste erlitten hatte,
seinen Rückzug über Mutterstatt hinter den Rehbach fort. Die
erwähnten Terrainhindernisse dieser Gegend, in welchen die Fran-
zosen alle Brücken abgebrochen hatten, sowie auch das Dunkel der
Nacht selbst, sicherten diese Bewegungen der Franzosen vor jeder
Beunruhigung von Seite der Oesterreicher.
Durch den Verlust von Kaiserslautern war die französische
Linie hinter dem Speierbache in ihrer linken Flanke bedroht.
Pichegru räumte diese in der Nacht vom IG. auf dem 17. und
zog hinter die Queich. Die Reiterei der österreichischen Avant-
garde war mit Tagesanbruch des 17. den Franzosen nachgezogen,
hatte 37 Munitionskarren und viele Bagagen erbeutet, sowie 150 Mann
gefangen. Der ganze Verlust, welchen Pichegru in den Gefechten
an der Pfrim und bis an die Queich vom 10. bis 17. November
erlitten, betrug 8000 Mann, 22 Kanonen und 100 Munitionskarren.
Am 17. rückte F. - M. - Lt. Wernek auf die Höhe von
Ruppertsberg am Marlachbache vor, um den nach Neustadt an der
Hart vorgedrungeneu General Kray zu unterstützen, dann am 19.
mit 7 Grenadier-Bataillons, dabei St. Julien, 12 Eskadrons und
einiger leichter Infanterie von der Avantgarde nach Hochstätten. Er
hatte den Auftrag, mit General Nauendor f vereint, Anweiler
zu nehmen und durch weiteres Vordringen Pichegru 's Stellung
im Rücken zu bedrohen. Der Feldmarschall wollte diese Operation
mit der Hauptarmee durch Demonstrationen gegen Landau und die
Queich unterstützen. G. d. K. W u r m s e r sollte hiezu mitwirken,
welcher aber diess mit der Entschuldigung ablehnte, dass er seine
Truppen bei den ganz verdorbenen uufahrbaren Wegen im Hundsrück
nicht ernähren könne. Indem auch eben jetzt anhaltendes Regen-
wetter eingetreten war, welches die ohnehin elenden Strassen jener
Gegenden ganz unbrauchbar machte, sah sich Feldmarschall Clerfait
genöthigt, die Vorrückung nach dem Auweiler-Thale uud die davon
abhängenden Bewegungen einzustellen. Am 22. November führte
17JMJ-1797.
285
F. - M. - Lt. Wernck seine Truppen von Hochstatten zur Haupt-
armec zurück, welche nun ganz in enge Kantonnimngen am Rehbach
und Frankenthalerbache vertheilt wurde.
Am 23. kapitulirten 10.000 Franzosen in Mannheim, welches
nun von den Truppen Wurms er 's besetzt wurde. F.-M.-Lt. Wer-
nek brach am 20. mit 7 Bataillons, dabei St. Julien, und G Eska-
drons nach Alzey auf, wo er sich am 27. als ein Reserve- Korps
aufstellte, das dann den Umständen gemäss entweder nach Kreutz-
nach oder nach Kirchheim -Boland verwendet werden konnte; der
Feldmarschall marschirte an demselben Tage mit der Hauptarmee
gegen die Nahe. Nun fielen noch mehrere Gefechte vor, welche zu
Gunsten der Oesterreichor endeten, dann erschien am 18. Dezember
der franzosische General Marc e an bei den österreichischen Vor-
posten und trug einen Waffenstillstand an, worauf die Feindseligkeiten
bis 22. eingestellt wurden; am 20. Dezember unterzeichnete F.-M.-Lt.
Graf Latour und General Desaix, beide im Namen ihrer Ober-
feldherren, einen Waffenstillstand von unbestimmter Dauer gegen
zehntägige Aufkündigung; ein gleicher Vertrag wurde am 27. von
den Generalen Kray und Marceau unterzeichnet. Hierauf wurden
die Winterquartiere bezogen; das Grenadier- Bataillon St. Julien kam
nach Mannheim unter das Kommando des General Baader. F.-M.
Graf Clerfait verliess mit Urlaub die Kaiserliche- und Reichs-
Armee; F.-Z.-M. Graf Wartensleben übernahm das Kommando
des kaiserlichen Heeres. Clerfait kehrte zu den Gefährten seiner
Siege nicht mehr zurück und schon 1708 endete sein thaten-
reiches Leben.
General Napoleon Buonaparte hatte im Oktober 1795
den in Paris gegen den Konvent ansgebrochenen Aufstand mit Kar-
tätschen niedergeworfen, worauf der Konvent am 26. abdankte und
an seine Stelle das gemässigtem Direktorium trat. Die furchtbaren
Leidenschaften der Revolution waren erloschen, die Kriegslust schien
in Frankreich abgenommen zu haben und das Jahr 1700 begann
mit Friedensunterhandlungen. Den französischen Heeren mangelten
28G
17fM-1707.
überall jene Elemente, welche die Bestandteile der Armee sichern:
Geld, Lebensmitteln, Kleidung und Waffen. Insbesondere war das
französische Heer in Italien dem unbeschreiblichsten Elende preis-
gegeben. Dasselbe stand 42.000 Mann stark, in den letzten Tagen
des Monats Marz in der Grafschaft Nizza.
In nicht riel besserer Lage befand sich aber auch das öster-
reichische Heer, dessen Befehl am 17. März der Feldzeugmeister
Baron B e a u 1 i e u übernahm. Die Stärke desselben betrug Ende März
32.000 Mann mit 5000 Reitern und 148 Geschützen.
Das dritte Bataillon des Regiments war am 7. Jänner in Lodi
eingetroffen und hier in die Brigade General Roselmini, Division
F. -M. -Lt. Graf Argente au, eingetheilt worden. Bald darauf
marschirte dasselbe nach Mailand und besetzte das Castell.
Das Offiziers - Korps bestand aus:
Major Ludwig Baron do lo Bis vi er.
Hauptleute
Lieutenant
Fähnrich
Ob«r-
Unter-
Joh. de Fontenet
Philipp v. Mertloch
Fl*. Kosteletzky
Heiurich du Jardin
Josef Br. Renette
Georg Wallek
Mathias Schmidt
Hippolit Meyer
Friedrich Scholz
Ludwig Margo
Adalbert Catty
Johann Schwarz
Nepomuk
Baron Wöber
Kajetan Petteneck
Emanuel Gerger
Martin Wenzel
Ignaz v. Splavsky Nikolaus Klipp
Johann Mullak
Ferd. Wittum
1184 Mann, 9 Kanoniere, 15 Artillerie-Handlanger, 10 Fubrkncchte.
Bei der französischen Armee war Napoleon Buonaparte
als Ober -General angelangt und clektrisirte schon in den ersten
Tagen seine im trostlosen Zustande befindlichen Truppen. B e a u 1 i e u,
welcher sein Hauptquartier in Acqui aufgeschlagen hatte, fasste in
den ersten Tagen des Monats April den Plan, die Franzosen, welche
mit ihrem rechten Flügel immer mehr gegen Genua und darüber
hinaus sich ausbreiteten, mit dem linken Flügel der österreichischen
Armee anzugreifen und so den Feind gegen sein Centrum zurück-
zuwerfen,
1976-1797.
287
Die Truppen in der Lorabardie, dabei das dritte Bataillon
waren seit vierzehn Tagen in Bewegung, um sich aus den Winter-
quartieren in die neuen Stellungen zu begeben. F. -M. -Lt. Argen-
te au liess vier Bataillone des von ihm befehligten rechten Flügels
der k. k. Armee in das Thal der östlichen Bormida rücken. General
Kuccavina mit zwei Bataillons kam nach Dego, das dritte Bataillon
Teutschmeister nach Spino. — Provido, St. Giulia und Monte alto,
wurden jedes mit zwei Kompagnien besetzt. Die französischen Vor-
posten standen dort vom Monte Bra bis Cadibona; ihre Patrouillen
gingen bis nahe an das von seinen Einwohnern verlassene Dorf
Montenotte.
F.-Z.-M. Baron Beaulieu wurde durch die Vorrückung des
französischen rechten Flügels über Voltri gegen Genua bewogen,
auf dem rechten Flügel seiner Armee die Zurückziehung des General
Ruccavina mit seinen vier Bataillons aus dem Bormida - Thale
zu beschliessen.
Am 31. befahl er, dass vier Bataillone des k. k. Auxiliarkorps
unter F.-M.-Lt. Provera in die Bormida - Thäler rücken und
die Brigade Ruccavina ablösen sollen, was erst am 6. April aus-
geführt war.
Am 3. April setzten sich mehrere tausend Franzosen gegen
die Vortruppen des k. k. rechten Flügels in Bewegung, wovon sich
zwei Kolonnen, jede von 1000 Mann, bei Montenotte auf dem Gebirgs-
rücken gegen Dego zeigten. Zur Verteidigung dieses Postens waren
zunächst nur zwölf Kompagnien vorhanden. Argenteau verlegte
sein Quartier von Aqui nach Spigno, vier Stunden hinter Dego, um
diesem bedrohten Punkte näher zu sein. Die Bataillone der Brigade
Ruccavina wurden mehr zusammengezogen und mussten zu Dego's
Unterstützung in steter Bereitschaft sein. Die übrigen Bataillone
dieser Division bewachten die Annäherungswege von Paretto, Sassello,
Ovada u. s. w.
Am G.April kam F.-M.-Lt. Provera mit seinen vier
Bataillonen im Bormida-Thale an und zog mit denselben eine Linie,
rechts bis an die piemontesische, links bis an die kaiserliche Armee.
Die von diesen Truppeu abgelöste Brigade Ruccavina marschirte links
nach Sassello ab. Da Provera kein Geschütz mit sich gebracht
hatte, so musste Ruccavina die Kanonen seiner Brigade in Dego
zurücklassen.
288
1700 - 1797.
Am 7. rekognoszirte Massena den Montenotte und stellte
seine Vorposten bei Gallina auf. R u c c a v i n a war mit seiner
Brigade in ihrer neuen Stellung bei Sassollo, la Maddalena und
Ca di Cravin eingetroffen und meldete am 8. früh, dass, wenn
Dego angegriffen werde, er bei den engen und schlechten Wegen
acht Stunden brauchen würde, um diesem Posten zu Hilfe zu
kommen.
Die noch zu Argentean's Division gehörigen Bataillone waren
am 0. April endlich eingetroffen , worauf die Brigade Ruccavina
von Sassello wieder rechts in das Bormida - Thal nach Dego
marsch irte.
Am 11. April ergriff F.-M. -Lt. Argenteau die Offensive,
vertrieb den Feind aus Montenottc und bezog um 7 Uhr abends eine
Stellung auf dem Monte Bra, während die Franzosen die Redouten
auf dem Monte Legino, welche Freiwillige vergebens gestürmt hatten,
besetzt hielten. In der Nacht auf den 12. umhüllte ein dichter nasser
Nebel das ganze Gebirge, so dass die Vorposten nicht einmal die
Feuer des Feindes entdecken konnten. Buon aparte hatte den
grössten Theil seiner Streitmacht seit dem Abend in die Apenninen
vorgeschickt und liess am 12. vormittags, als die Sonne den Nebel
durchbrach, die kaiserliche Stellung von verschiedenen Seiten mit
bedeutender Uebermacht angreifen.
F. -M. -Li A r g e n t e a u ordnete, sobald er sich von einer so
überlegenen Macht angegriffen sah, den Rückzug an. Die öster-
reichischen Bataillone fochten mit ausgezeichneter Tapferkeit, mussten
aber unter immerwährenden Kämpfen von den Franzosen lebhaft ver-
folgt bis Mioglia und Paretto zurückweichen. Buon aparte rückte
nach diesem ihm nicht schwer gewordenen Siege in den Thälern
der beiden Bormida's vor.
Pro vera, welcher am 12. April in Salicetto und Camerona
stand, erhielt von seinen Vorposten die Nachricht, dass der Feind
in starken Kolonnen von drei Seiten anrücke, marschirte sogleich
nach Cossaria und besetzte die Umgebung und die Ruinen dieses
Schlosses.
Am 18. mit Anbruch des Tages drangen die Franzosen durch
die Schluchten bei Millesimo und griffen Pro vera mit grösstem
Ungestüm und vielfacher Uebermacht an. Nach einer äusserst ruhm-
vollen Verteidigung und nachdem das Schloss von 11.000 Fran-
1796-1797
289
zosen umrungen war, musste sich Provera am 14. ergeben;
die Franzosen hatten 2 Generale und 600 Mann verloren.
Das in Spigno kantonnirende Bataillon Teutschmeister und die
beiden sardinischen Bataillons Montferat erhielten von Argenteau
am 13. April um 0 Uhr abends datirten Befohl Ober Monte alto
vorzurücken, um Dego zu unterstützen, wenn der Feind sich gegen
diesen Punkt wenden würde. Sie traten am 14. um 3 Uhr morgens
den Marsch nach Monte alto an, wahrend Massena schon am 13.
mit seiner Division gegen Dego im Marsch begriffen war. Aber die
unerwartete Verteidigung von Cossaria bewog Buonaparte diese
Division nach Cairo zurückzuziehen und erst als Augereau am
14. vormittags dieses Schloss wirklich in Besitz genommen hatte,
wendete sich die ganze französische Macht gegen Dego. Die Division
Massena marschirte am rechten (Ter der östlichen Bormida, um Dego
auf dessen linker Seite zu umgehen. Die Division Augereau entsendete
einen Theil ihrer Truppen auf den Riieken von Cossaria gegen
St. Giulia; diese suchten die bei Dego aufgestellten Oesterreicher
auf der rechten Flanke zu umgehen, denselben in den Rücken zu
fallen, sich des Weges von Dego nach Spigno zu bemächtigen und
so der Besatzung von Dego den Rückzug abzuschneiden. Den Angriff
auf der Fronte hatte General La Harpe auszufahren.
Die Gefahr, welche Dego bedrohte, bewog den F.-M.-Lt. Argen-
teau, wie schon gesagt, das Bataillon Teutschmeister und die zwei
Bataillons Montferat zur Vorrückung zu beordern und ertheilte auch
dem Obrist Vukassevich den Befehl von Sassello gegen Ponte
Ivrea und Giuvalla vorzurücken. Eine Irrung im Datum war jedoch
Ursache, dass diese ansehnliche Verstärkung leider nicht eintraf.
Am 14. gegen Mittag erhielt A r gen t eau die Nachricht, dass
der Feind sich gegen Cairo zurückgewendet habe und also wahr-
scheinlich den k. k. rechten Flügel nicht länger bedrohe. Doch um
2 Uhr wurde ein grosser Rauch bei Dego bemerkt und auch
feuern gehört. Zwei schwache Bataillone der Regimenter von Nr. 39
und 49 leisteten hier heldenmüthigen Widerstand.
Das 3. Bataillon Teutschmeister mit den beiden piemontesischen
Bataillons Montferat hatten gegen 10 Uhr den Monte alto erreicht
und erwarteten hier die weiteren Befehle. Am Mittag tönte heftiger
Kanonendonner von Dego herüber, und als bis 2 Uhr kein Befehl
zum Vorrücken eintraf, dagegen das Feuer mit gleicher Heftigkeit fort-
200
17JW 1707.
währte, liess Major Baron de le B 1 a v i e r die Waffen ergreifen und
rückte im Eilschritte gegen die Anhöhen von Dego. Dort angelangt,
marschirte das Bataillon auf piner Anhöhe in Front auf und eröffnete
ein heftiges Bataillefeuer gegen die auf der jenseitigen Anhöhe auf-
gestellten Franzosen, welche dasselbe energisch erwiderten. Dieser
• Kampf, unterstützt von den beiden piemontesischen Bataillonen,
währte bereits ohne Unterbrechung eine Stunde, als die Franzosen
in starker Anzahl über eiue seitwärts liegende Höhe in die linke
Flanke dieser Truppen vorrückten. Die genannten drei Bataillons
hatten schon beinahe alle Patronen verfeuert und da sie nun der
augenscheinlichen Gefahr ausgesetzt waren, abgeschnitten zu werden,
traten sie in guter Ordnung fechtend den Rückzug an. Die Fran-
zosen drängten sogleich ungestüm nach, wodurch die Ordnung der
Retirirenden verloren ging. In diesem kritischen Momente führte
F. -M.-Lt. Argenteau ein Bataillon der Regimenter Nr. 16 und
26 mit klingendem Spiele dem Feinde entgegen. Die schon auf-
gelösten Kompagnien von Teutschmeister sammelten sich trotz des
heftigen feindlichen Feuers sogleich wieder, griffen im Verein mit
obigen beiden Bataillons den Feind herzhaft an, warfen ihn und
eroberten eine stehen gebliebene Kanone zurück.
Der Feind wurde bis an eine Bergspitze, wo er sich in grosser
Anzahl sammelte, verfolgt, aber nun brach die feindliche Division
Massena vor und warf durch ungestümen und der Menge wegen
unwiderstehlichen Angriff, die Bataillons über den Haufen. Jetzt
war au eine Rettung des Postens Dego selbst durchaus nicht mehr
zu denken. Das Einzige, was noch zu erreichen übrig blieb, war,
den Rückzug mit möglichst geringem Verluste auszuführen. Aber
auch hierzu liess der Feind keine Zeit, sondern verfolgte die Bataillone
mit seiner Reiterei mit grösstem Nachdrucke bis Monte alto, wo
die Nacht dem Gefechte und der Verfolgung ein Ende machte.
Auf diesem Rückzüge, wo es bei der eingerissenen Unordnung
und dem fortwährenden Drängen der feindlichen Kavallerie beinahe
unmöglich war Widerstand zu leisten, hatte, wie F. -M.-Lt. Argen-
teau in seiner Relation ddto. Acqui, am 16. April 1796 sagt: „der
„Herr Obristwachtnieistcr Blavier von Teutschmeister, obgleich
„verwundet, bei dieser Gelegenheit sehr viel Eifer und Bravour
„gezeigt, sein Bataillon vorgeführt und alles zum Besten des Dienstes
„angewendet und beigetragen/
179« 1707
201
Der Vertust des Bataillons bestand an Todten 57, Verwundeten
92 Mann; Gefangenen: Hauptmann Ludwig v. Margo, Kapitän-
lieutenant Ignaz v. Splavsky, Oberlieutenant Philipp v. Mertloch,
Hyppolit M e y e r, Lieutenant Johann M u 1 1 a k, Mathiaa Schmidt,
Martin Bruder, Fähnrich Ferdinand Wittum, Franz Koste-
letzky und 277 Mann vom Feldwebel abwärts, unter diesen waren
die meisten verwundet.
Am folgenden Tage erschien Yukassevich mit seinen fünf
Bataillons auf dem Kampfplatze, warf die schon siegesgewissen
Franzosen von Position zu Position, eroberte sogar Dego und die
dabei befindlichen Schanzen mit 19 Kanonen und machte Ober
500 Gefangene. Ein neuer Angriff der Franzosen wurde glänzend
abgeschlagen, bis General Buonaparte zwei frische Halb-Brigaden
in den Kampf sendete, welche aber ebenfalls kein Terrain gewannen.
Endlich von der ganzen französischen Armee angefallen, unterlag der
tapfere Vukassevich mit seinen heldenmüthigen Truppen, von
denen sich nur ein kleiner Theil zurückziehen konnte, die aber doch
300 Gefangene mitbrachten.
Argenteau hatte, obwohl unverfolgt, seinen ßückzug nach
Terzo und Acqui fortgesetzt. F.-Z.-M. Beaulieu sah sich durch
die Niederlage seines rechten Flügels gezwungen, seinen linken
Flügel über die Bochetta zurückzuziehen und eine Stellung bei Acqui
zu nehmen, um in dieser die durch die letzten Gefechte zerstreuten
Truppen zu sammeln. Das Bataillon Teutschmeister war durch die
erlittenen Verluste so im Stande herabgekomraen, dass es als selbst-
ständiger Körper nicht mehr existiren konnte, und wurde daher unter
Kommando des Hauptmanns Fontenet anderen Truppenkörpern
angeschlossen.
Beaulieu führte von Acqui die Armee am 2. Mai bei Valenza
über den Po und am 8. bei Pavia über den Ticino, um sich hinter
diesem Fluss auf die Defensive zu beschranken. Hier zersplitterte
er aber seine 20.600 Mann Infanterie und 5500 Reiter zählende
Streitmacht auf eine Kordonstrecke von fünfzehn deutschen Meilen,
wodurch es Buonaparte leicht wurde, am 7. bei Piacenza den Po
zu überschreiten und den General Liptay aus Fombio und Codogno
gegen Pizzighettone zu drängen. Die kaiserliche Armee, in kleine,
*<it 1 1 ff r feiih (istftinfe Koijs un Codogno üler Paua Iis Bufla-
lora aufgelöst, war nun auf ihrem linken Flügel umgangen, die
19*
202
1790-1707.
feindliche, weit überlegene und konzeutrirte Armee im ununterbrochenen
Anmärsche über den Po. Der Feldzeugmeister hielt es daher für das
Beste, seine zerstreuten Kräfte auf eine neue, rückwärts liegende
Linie, dieAdda, zu konzentriren. Eilboten wurden nach allen Richtungen
abgeschickt, um den Truppen den Befehl zum eiligsten Rückzug nach
Lodi zu überbringen, wohin er selbst mit 10 Bataillonen und 10 Es-
kadronen abrückte. Kaum am 9. dort angekommen, Hess er F.-M.-Lt.
Sebottendorf mit vier Bataillonen zurück, um die noch übrigen
Arraeetheile aufzunehmen und die Brücke über die Adda zu ver-
theidigen, während er selbst mit dem Reste nach Crema marschirte.
In der Zwischenzeit hatte Buon aparte die Piemontesen ge-
schlagen und zum Frieden gezwungen.
F.-M.-Lt. Sebottendorf Hess um 11 Uhr vormittags am
10. Mai, nachdem der grösste Theil der noch im Rückzug begriffenen
Truppen Lodi erreicht hatte, seine 8535 Manu starke Division auf-
marschiren. Die Reste des dritten Bataillons Teutschmeister befanden
sich hier bei dem Regiment Nr. IG. Sebottendorf entsendete
einen bedeutenden Theil seiner Truppen; 1958 Mann nach Corte
di Palasio, um die Strasse nach Crema zu decken und 1092 Mann
eine halbe Stunde hinter Lodi, nach Fontana, um die Division, wenn
sie den Rückzug von Lodi autrat, aufzunehmen. Ein Bataillon und
zwei Eskadronen stellte er auf dem rechten üfer vor die Stadt, um
die noch immer eintreffenden einzelnen Abtheilungen und die Nach-
zügler aufzunehmen. Es wurde keine Vorkehrung getroffen, um beim
Anrücken des Feindes die Brücke zu zerstören. Drei Bataillone Kroaten
und 14 Kanonen wurden in einer Linie bei der Brücke am linken
üfer, die noch Übrigen fünf Bataillons und sechs Eskadrons einige
hundert Schritte hinter den Kroaten aufgestellt. Die Truppen waren
durch den nächtlichen Eilmarsch von fflnf deutschen Meilen, auf
dem sie keine Nahrung hatten zu sich nehmen können, sehr er-
schöpft, und da man keinen Grund zu haben glaubte, einen ernst-
lichen Angriff von einer bedeutenden feindlichen Macht zu erwarten,
wurden die nöthigen Anstalten zum Abkochen getroffen.
General Buonaparte, welcher beschlossen hatte, um jeden
Preis noch am 10. Mai die Brücke bei Lodi zu nehmen, war mittler-
weile mit 24.000 Mann im Anzüge. Um halb 12 Uhr erschien seine
Avantgarde vor Lodi und griff sogleich das auf dem rechten üfer
stehen gebliebene Bataillon an. Dieses konnte dem heftigen Andränge
17M-1797.
293
der französischen Grenadiere nicht lange widerstehen, und zog
sich durch die Stadt unter dem Schutze der jenseits aufgestellten
österreichischen Geschütze über die Brücke auf das linke Ufer
zurück. Das wirksame Kanonenfeuer hielt die Franzosen im Nach-
dringen auf.
Durch diesen schnellen und unerwarteten Andrang des Feindes
wurde die mit dem Abkochen beschäftigte Division überrascht und
gegen die Absicht des Generals in ein Gefecht verwickelt. Sebotten-
dorf fand es nicht für rathsam, sieh am Tage zurückzuziehen und
entschloss sich daher durch fortgesetzten Widerstand die Nacht zum
Ahmarsch zu gewinnen. Allein die Ufer der Adda bei Lodi sind so
beschaffen, dass auf dem linken kein erfolgreicher Widerstand ge-
leistet werden kann. Buonaparte Hess nun die ganze französische
Artillerie auffahren, besonders um die Oesterreicher zu hindern an
der Zerstörung der Brücke zu arbeiten. Diese Artillerie stellte sich
grösstenteils auf die Wälle von Lodi, von wo aus sie das kaiser-
liche Geschütz noch mehr beherrschte. Eine heftige Kanonade be-
gann und währte ununterbrochen einige Stunden.
Unterdessen traf die französische Division Massena zu Lodi
ein. Buonaparte Hess den Truppen Zeit, sich von dem beschwer-
lichen Eilmarsche zu erholen und mit dem requirirten Wrein zu dem
bevorstehenden Kampf zu stärken. Nach 6 Uhr wurden sämmtliche
französische Grenadiere, hinter dem an der Adda fortlaufenden Walle
gedeckt, zum Angriff der Brücke aufgestellt; die ganze Division
Massena hatte dieselben zu unterstützen.
Gegen 7 Uhr abends verdoppelte die französische Artillerie die
Lebhaftigkeit ihres Feuers und unter dem Schutze desselben drangen
die Grenadiere gegen die Brücke vor. Das Kartätschenfeuer der
österreichischen Geschütze streckte die Franzosen haufenweise nieder
— die Spitze der Kolonne stutzte und hielt plötzlich in ihrem Laufe
dort au, wo sie am meisten dem Feuer der Vertheidiger ausgesetzt
war. Doch bald ermannte sie sich wieder, indem sich fünf Generale
an ihre Spitze stellten. Von dem Drucke der hintern Abtheilungen
fortgestossen, erreichte die Masse im vollen Laufe bald die Mitte
und über Leichenhaufen ihrer vordersten Reihen, auch das Ende der
Brücke. Eine Menge Tirailleurs hatten sich in die Inseln der Adda,
zu beiden Seiten der Brücke geworfen und unterstützten den Angriff
durch lebhaftes Feuer.
204
179« 1797.
Das Überlegeue Feuer der ganzen französischen Artillerie, von
dem beherrschenden Ufer und den Wällen Lodi's, sowie jenes der
Tirailleurs, hatte die drei Kroaten - Bataillone stark gelichtet und
erschüttert, als nun endlich die französischen Grenadiere so schnell
und durch das Kanonenfeuer unaufgehalten über die Brücke drangen,
geriethen diese Bataillons in Unordnung und zogen sich zurück.
Hinter dieser ersten Linie stand F.-M.-Lt. Baron Sebo tt en-
do r f mit fünf Bataillons als Rückhalt. Die französischen Grenadiere,
3500 Mann stark, stürzten sich nun schnell auf diese zweite Linie,
während die im Laufe über die Brücke folgenden Truppen Massena's
sich auf beiden Seiten ausbreiteten, um das schwache österreichische
Korps zu umfangen. Diesem blieb nun nichts übrig, als sich schnell
zurückzuziehen. Das Regiment Terzy Nr. 16, dabei das Bataillon
Teutschmeister, machte mit einigen Kanonen die Arrieregarde. Diese
setzte unter Kommando des Obersten Grafen Attems, den An-
strengungen des verfolgenden Feindes den entschlossensten Wider-
stand entgegen. Graf Attems verlor zwei Pferde unter dem Leibe,
dann wurde er selbst verwundet und wenige Minuten später getödtet.
Die Arrieregarde war bereits von mehreren Seiten umgangen und
die ganze Macht der Franzosen konnte sich ganz allein gegen diese
kleine Schaar wenden. Demungeachtet vermochte es Buonaparte
nicht, den Rückzug dieser Tapfern zu hindern. Sechs Eskadronen
Uhlanen und Huszaren deckten endlich den Rückzug nach Fontana,
wo noch acht Eskadronen aufgestellt waren, welche die retirirenden
Bataillone aufnahmen. Bei diesem, nur eine halbe Stunde von Lodi
entfernten Orte, sammelte sich die Division Sebottendorf und setzte,
nachdem die verfolgenden Franzosen durch die Kavallerie zurück-
geworfen waren, in einer nach den Vorfällen des Tages bewunderungs-
würdigen Ordnung, vom Feinde unbehelligt, den Marsch auf Crema
fort, welches sie in der Nacht erreichte.
Das Bataillon Teutschmeister zählte 21 Verwundete und 37 Ver-
misste vom Feldwebel abwärts.
Mit Anbruch des folgenden Tages marschirte die Division
Sebottendorf über Sorezina nach Casa buttana, vereinigte sich am
12. Mai bei Cremona mit dem F.-Z.-M. Beaulieu und rückte in
das Lager nach San Lorenzo de Piccinardi. Beaulieu marschirte
in jenes bei Marcaria, wohin Sebottendorf am 13. folgte. Am
14. marschirte die kaiserliche Armee in das Lager bei Rivaita und
171)6 -1797,
295
von hier wurde die Festung Mautua mit einer hinreichenden Garnison
und Lebensmitteln versehen, um mehrere Monate dem Feinde einen
kräftigen Widerstand entgegensetzen zu können.
Die Stellung bei Rivaita konnte umgangen werden, daher zog
sich Beaulieu am 10. abends mit der Hauptmacht über den Mincio
in ein Lager bei Roverbclla; 23 Bataillone marschirten von hier
nach Mantua. Buon aparte fand es für gut, den Angriff auf
diese Stellung einstweilen noch zu verschieben, bis er sich in dem
militärischen Besitz der Lorabardie einigermassen befestiget haben
würde. Die Reste des 3. Bataillons marschirten uun nach Bozen in
Tirol, um sich zu reorganisiren und Verstärkungen an sich zu ziehen.
Der Regimentsstab mit den beiden Feld- Bataillons hatten sich
während diesem Jahre in Wiener-Neustadt neu forniirt und die
schon voriges Jahr errichteten drei Reserve - Divisionen in ihren
Stand aufgenommen. So auf dem vollen Kriegsstand erhielt dasselbe
anfangs Mai den Befehl sich marschbereit zur Armee in Italien
zu halten.
Laut Eintheilungs-Liste bestand das Offiziers-Korps aus:
Obrist- Inhaber Krzherzog Maximilian, Hoch- und Teutschuieister.
ObriBt -.Regiments -Kommandant Ignaz Graf Brandis.
Obristlicutenant Johann von flansch.
1. Major Ludwig Baron de le Blavier, 2. Major Wilhelm Beer von
PI eichten. 3. Major Josef Baron Urracca (supernuuierär).
Adjutant David Franz.
Chirnrgus Ferdinand Falta
Kompagnie
Hanptmann
1
i i e u t e n a n t
Fähnrich
:x^- ~ ^=
Kapitän
Ober-
Unter-
1. Grenadier-
Neesen
Franz
Graf Coreth
Karl Br.
Landenberg
2. Grenadier-
Prevost
Eberhard
Nies
Josef
Br. Sickel
Leib-
Adalbert
Catti
Nepomuk
Schmidt
Frz. Kabesch
Georg
Graffler
Obrist-
Hermann
Gerger
Karl Bauer
Johann
Albrecht
Kaspar
Graf Goretti
Obristlieut.-
Otto
Br. Colletti
Johann
Müllöcker
Johann
Budkauer
1. Major-
Philipp
Mertloch
Mathias
Schmidt
Josef
Petteneck
Leonhard
Vanko
2. Major-
Josef
Albrecht
Ludwig
Br. Stael
~Adolf~"
Steffens
Franz
Graf Thum
200
179C-1797,
H i 11 1 1 f lf 1 '( ! ' L
ii uui/l UM II Jl
Lieutenant
Fähnrich
Kapitän*
Ober-
Unter-
Margo-
1 .tlH WH?
Margo
Ang. Berger
Friedr.Scholz
Jos. Niederer
Fontenett-
.Initnnn
de Fontenett
Martin
Rinder
Franz
Kosde7kv
Renette-
.1 fIKpf
v U8C1
Br. Renette
Hvppolit
Terzi-
*v all
v. Terzi
Kiffel
Frz. Kaiser
Heinrich
Carovie
Weller-
Martin
il Iii III II
Weller
Josef
Wornpr
Nikolaus
H n m r»r h nfnr
II U 1 1 1 1 I 1 1 " I! [
Neuomuk
Innbofer
Petteneck-
U a i a t a Ii
I\ «IJ e lall
v. Pettenek
Wenzel
Fiala
Josef
Graf Mohr
Zurwesten-
Christof
■ IJ I 15 IUI
v. Zurwesten
Johann Töll
Job. Schrott
JAfl ftnn
-r v n 11 1 1 Ii
Br. Delvicu
Kcllcr-
Wilhelm
'» 1 1 UPI Iii
v. Keller
—
Johann
Hamann
Martin
Blankenheim
Ma v imi lian
Neumann
Andlau-
Johann
Br. Andlau
Alois
Gr. Ojata
Frz. Hcrvay
Ferd. Graf
>V olkenstein
Costerus-
Adolf
?. Costerus
Johann
Schwarz
Georg
Mehlführer
Friedrich
Gr. Attems
Ostovich-
Vinccnz
Ostovich
Josef Till
Wilhelm
Br. Bunk
Splavsky-
Jgnaz
v. Splavsky
Georg
Wallek
Ferdinand
Wittum
Josef
Ellemann
Zuchari
Joachim
de Zuchari
Konrad
Br. Boul
Job. Bauer
Franz
von Wessen
ölGO Mann.
Am 0. Mai erschien der Befehl zum Abmarsch und am 11.
setzte sich der Stab mit dem Ohrist-, am 12. das Leib - Bataillon
in Bewegimg. Der Marsch ging stationatim ohne Kasttage durch
Steiermark und Kärnten, dann aber, da mittlerweile das Venetianische
verloren gegangen war und sich F.-Z.-M. Beaulieu nach Tirol
zurückgezogen halte, durch das Pusterthal nach Bozen in Tirol,
welches am 8. und 10. Juni erreicht wurde. Nach zwei Rasttagen
marschirte das Übrist- Bataillon am 10. nach Meran, 11. Schlanders
und am 12. nach TautVers, um den dortigen Pass gegen den allen-
falls aus Graubüuden vordringenden Feind zu vertheidigen. Zu diesem
Zwecke besetzte das Bataillon die Maiser -Heide und das Dorf
Martinsbruck im Vereiue mit zahlreichen Schützen des patriotischen
171MJ-1707.
297
Tirolervolkes, welche begeistert von wahrer Vaterlandsliebe herbei»
geeilt waren und das Bataillon mit Jubel empfingen. Das Leib-
Bataillon hielt zu Bozen keinen Rasttag, sondern marschirte nach
Kaltem, dann nach Revo, Malle, Venniglio und endlich nach Ponto
di Legno, wo dasselbe eine solche Stellung nahm, die ihm gestattete,
mit dem größtmöglichsten Vortheile dem Feinde den Einbruch von
dieser Seite verwehren zu können.
Kaum in diesen beiden Stellungen angelangt, erhielten die
Bataillone den Befehl zurflckzumarschiren und Ober Trient in das
Lager bei Cagliano zu rflcken. Beide Bataillone vereinigten sich in
Deutschmetz und rOckteu dann vereint unter Obrist Graf Brandis
nach Trient.
Bei der Armee in Deutschland waren im Winter keine Feind-
seligkeiten vorgefallen und aas Grenadier - Bataillon, welches nun
statt dem zum Obristen beförderten Grafen St. Julien, der Obrist-
lieutenant, Maria Theresien - Ordensritter, L'Aisne des Iufanterie-
Regiments Nr. 8 befehligte, war ununterbrochen in Mannheim ge-
blieben. Mit Allerhöchstem Befehl vom 29. Mai erhielt dasselbe
den Befehl mit noch 18 Bataillons, 18 Eskadrons und einer ganzen
Artillerie - Reserve über Füssen und Reute durch Tirol zur italie-
nischen Armee zu marschiren. Hier im Juni angelangt, erhielt es die
Einthcilung in die Brigade des General Graf Spork.
F.-Z.-M. Beaulieu hatte das Kommando der Armee ad
interim an F.-M.-Lt. Ritter Melas übergeben; auf Allerhöchsten
Befehl übernahm am 26. Juni Feldmarschall Graf Wurms er das
Kommando der Armee.
Der Kommandant der Festung Mantua F.-M.-Lt. Graf
d'Yrles hatte in mehreren Schreiben seit Ende Juni vorgestellt,
dass er sich nur mit höchster Anstrengung halten könne und dringend
um Hilfe ersucht. In der zweiten Hälfte Juli wurden seine Bitten
dringender und da der Feind nun der Festung mit Stürmen, Be-
schiessung und Bombardement immer ernster zusetzte, so wuchs mit
Mantua's Gefahr auch die Noth wendigkeit, den Entsatz un verweilt aus-
zuführen. Der Beginn der Operationen wurde daher auf den 29. Juli fest-
gesetzt. Wurmser theilte hiezu die Armee in vier Hauptkolonnen.
Das Grenadier-Bataillon L'Aisne kam in die erste, unter F.-M.-Lt.
Q u o s d a n o v i c h, Brigade Spork, das Regiment in die dritte, unter
F.-M.-Lt. Davidovich, Brigade General Graf Mittrowsky.
298
1796 — 1797.
Die Kolonne Q u o s d a n o v i c h brach am 28. Juli nach Mitter-
nacht auf und marschirte auf einem äusserst beschwerlichen Wege
nach Condino. Der grösste Theil des Geschützes war zurückgeblieben,
da dasselbe auf den fast ungangbaren Wegen der Kolonne nicht
folgen konnte. Von dem Versammlungsorte Condino setzte Quos-
d a n o v i c h noch am selben Tage, nachdem die gehörige Ver-
pflegung der Truppen nicht erzielt werden konnte, den Marsch in
vier Kolonnen fort. Die dritte unter General Graf Spork mar-
schirte nach Noza, die übrigen nach Barghi und Terriso. Am folgen-
den Tage rückte Spork mit der Avantgarde nach St. Ossetto ;
die Generale 0 c s k a y und Ott griffen Salo und Gavardo an und
vertrieben den Feind, Brescia wurde überfallen und mit grosser
Beute genommen. Die beiden Brigaden Spork und Fürst Reuss
vereinigten sich am 31. Juli um 0 Uhr früh in Monte -Chiaro und
nahmen an den erwähnten Gefechten keinen Antheil.
General Ott wagte einen Angriff auf Lonato, wurde jedoch
abgewiesen und musste sich so wie F.-M,-Lt. Quosdanovich
mit den Brigaden Spork und Rcuss nach St. Marco zurückziehen ;
General Oeskay wurde ebenfalls aus Salo gedrängt.
Buonaparte Hess die Belagerung Mantua's aufheben und
gab seinen Divisionen den Befehl, sich gegen Brescia zu wenden,
um von dort aus dann den F. - M. - Lt. Quosdanovich anzugreifen
und zu schlagen, ehe er sich mit der Armee des Feldmarschalls
W u r m s e r vereinigen konnte.
Am 1. August eroberte der Feind Brescia; F.-M.-Lt. Quos-
danovich ging nach Gavardo, wo er ein Lager bezog.
Am 2. laugte vom Feldmarschall Wurmser die Nachricht
an, dass Mantua glücklich entsetzt sei, und dass nun die Armee den
Mincio übersetzen werde, um in den Rücken des Feindes zu operiren.
F.-M.-Lt. Quosdanovich beschloss, um nicht unthätig zu sein,
den Feind anzugreifen, daher die Brigade Oeskay noch in der
Nacht um Uhr aufbrach. Vom General Ott lief die Meldung
ein, dass eine feindliche Kolonne von ungefähr 4000 Mann zwischen
ihm und dem General 0 c s k a y bis Desenzano gerückt sei, worauf
Quosdanovich den General Keuss mit dem Regiment Nr. 14
dahin detachirte, der jedoch mit dem Feinde nicht zusammentraf.
Die feindliche Kolonne führte General G i eux, welchen Buona-
parte gegen den Rücken der Stellung von Gavardo entsendete,
179« 1797
290
während Mas sc na die Generale Ott und Oeskay in der Front
angriff. Sie wurden geworfen und es gelaug auch Gieui mit Tages-
anbruch des 3. August unbemerkt bis in den Rücken des Lagers zu
kommen, den ganzen Artillerie-Park zu erobern und grosse Verwirrung
anzurichten. In dieser kritischen Lage eilte F.-M.-Lt. Quosdanovich
mit den beiden Grenadier - Bataillonen Kottulinsky und L\Aisne, sowie
mit einem Bataillon vom Regiment Nr. 10 dem Feinde entgegen,
nahm ihm wieder die Geschütze ab und warf ihn bis nach Salo.
Quosdanovich erwartete nun im Lager von Gavardo stehend,
Nachrichten von den Generalen Ott und Oeskay, sowie von dem
Obristlieuteuant Vogel. Das Unglück des Tages, sowie hauptsäch-
lich die von der Hauptarmee erhaltenen Weisungen bewogen ihn
noch in der Nacht den Rückzug nach Nozza anzutreten, obgleich
er den richtigen Entschluss gefasst hatte, Salo um jeden Preis zu
nehmen, um sich den Rückzug- über das Gebirge zu sichern.
General Graf Spork bildete mit den Grenadieren und dem
Infanterie - Regiment Nr. 42 die Arrieregarde; ein Bataillon von
Nr. 27, welches bei St. Marco auf Vorposten stand, sollte den Zug
schliessen. Die Grenadiere nahmen Stellung auf dem Wege nach Salo.
Der Feind rückte am 4. August zeitlich früh mit starker Macht
aus Salo und attaquirte die Grenadiere in der Front, gleichzeitig
Truppen gegen das Defilee von Vobarno entsendend, um selbes zu
forciren und hiedurch den Rückzug abzuschneiden. Um 6 Uhr zog
sich General Graf Spork zurück, nachdem er vergeblich auf das
Bataillon des Regiments Nr. 27 gewartet hatte. Der Feind war
schon zuvorgekommen, denn die Grenadier - Division , welche zur
Besetzung der Brücke bei Vobanio Tags vorher vorausgeschickt
war, befand sich schon mit ihm im lebhaften Gefechte; Spork be-
schleunigte daher seineu Marsch, um sich womöglich durchzu-
schlagen, was jedoch nur den Grenadieren mit sehr grossem Verluste
gelang, nachdem die feindlichen Tirailleurs, welche bereits die Höhen
erstiegen hatten, ein verheerendes Feuer unterhielten, so dass nur
diejenigen durchkamen, welche glücklicher Weise eine Furth fanden
oder schwimmen konnten und dann die Höhen von Vobarno und
Glibio erreichten. Dem Brigadier General Graf Spork wurden zwei
Pferde unter dem Leibe erschossen und es gelang ihm nur auf
einem Ordonnanz - Pferde die l'hiese zu durchschwimmen und so
wieder die Kolonne einzuholen.
Digitized by Google
300
170«- 1707.
Das Infanterie - Regiment Erbach Nr. 42 war nach Gavardo
zurückgekehrt, wo es sich mit dem lang erwarteten Bataillon von
Nr. 27 vereinigte und dann bei Lonato an Buon aparte ergeben
musste. Dieser war anfangs nur mit einer Wache in Lonato und wäre
daher bei einem raschen Angriffe wahrscheinlich gefangen worden,
allein der günstige Augenblick wurde mit Parlamentiren versäumt,
während dem sich der Ober -General durch einen Garten flüchtete.
F. - M. - Lt. Quosdanovich rQhmt in seiner Relation
dto. Trient 15. August 1796 „das standhafte Benehmen der beiden
»Grenadier -Bataillone L'Aisne und Kottulinsky, durch deren Bravour
»das grösste Unglück in der Affaire am 3. August vermieden wurde
„und durch deren Tapferkeit, die bereits in Feindeshänden befindliche
„Artillerie -Reserve gerettet worden ist* und sagt dann zum Schlüsse
„in denen Augenblicken, als die Lage die Betrübteste war, die
„äussersten Kräfte und Thätigkeit zum besten des ganzen angespannt
„haben und hiedurch fast mehr Verdienst und Auszeichnung als in
„glücklichen Augenblicken sich erworben haben."
In der Affaire vom 3. und 4. verlor das Bataillon 6 Todte
und 3 Verwundete, beim Rückzüge geriethen 254 Mann in Ge-
fangenschaft, von welchen aber viele geblieben oder verwundet waren.
Auch der Kommandant Obristlieutenant L'Aisne und 5 Offiziere
der übrigen Divisionen wurden gefangen. Von diesem Verluste
kömmt auf die Division Teute chmeister 2 Todtc, 1 Verwundeter und
97 Gefangene.
Die Kolonne marschirte nun, vom Feinde unbehelligt, am 6.
nach Thione, 7. Baiin, 8. Torbole, 9. Movi, 10. Rivoli ; in Rocca
d'Anfo blieb F.-M.-Lt. Reusa mit seinen Truppen zurück.
Das Regiment befand sich, wie früher erwähnt, bei der Vor-
rückung aus Tirol zum Entsätze der Festung Mantua in der dritten
Hauptkolonne, die linke des Centrums, unter den Befehlen des
F.-M.-Lt. Baron Davidovich, mit 10 Bataillons, 10 Eskadrons
und 40 Geschützen. Sie wurde in drei Abtheilungen geschieden, wovon
die zweite, bei welcher sich das Regiment befand, General Graf
Mittrowsky kommandirtc.
Am 29. Juli bei anbrechendem Morgen setzte sich auch diese
Kolonne in Bewegung, marschirte am linken Ufer der Etsch gegen Dolce
und unterstützte den Angriff der zweiten Kolonne durch das lebhafte
Feuer, welches das Geschütz und die leichten Truppen über den
17M-1797. 301
Fluss auf die an dor längs dem rechten Ufer desselben hinablaufenden
Strecke aufgestellten feindlichen Posten unterhielten.
General Se botten dor f eroberte das Dorf Brcntino "mit Sturm.
Seine Avantgarde hatte unter dem heftigsten Kartätsehenfeuer des
Feindes vorrücken, sich in tiefe Schluchten hinablassen und steile
Felsenwände erklettern müssen, um zu den französischen Schanzen
zu gelangen. Sie gab den nachrückenden Truppen ein glänzendes
Beispiel des Muthes und der Beharrlichkeit. Die hartnäckige Ver-
teidigung der französischen Vorhut führte deren Aufreibung herbei.
Denn indess sie in der Fronte nach langein Widerstande endlich
geschlagen wurde, hatte ihr das am linken Etschufer vorrückende
Regiment Teutschmeister bereits durch sein Feuer auf der Strasse
zwischen Brentino und Preabocco den Rückzug abgeschnitten. Die
zweite leichte Halb -Brigade wurde umringt und mit vier Kanonen
gefangen.
Mittlerweile hatte F.- M.- Lt. Davidovich mit dem Haupttheil
der dritten Kolonne Dolce erreicht, wohin das Regiment nachfolgte.
Die Schift'brflcke wurde geschlagen, der Uebergang begonnen und
die Vorhut rückte gegen Rivoli vor. Als der F.-M.-Lt. Davi-
dovich mit der Spitze seiner Kolonne sich dort gegen Abend mit der
Abtheilung der zweiten Kolonne unter F.-M.-Lt. Sebottendorf
vereinigt hatte und die feindlichen Schanzen bei Rivoli eingenommen
waren, befahl der Feldmarschall Wurraser aus seinem Haupt-
quartiere Dolce, dass diese beiden Kolonnen vor Rivoli eine Stellung
nehmen und rechts Caragion, links Campora an der Etsch besetzen
und General Mittrowsky die Chiusa angreifen solle. Dieser General
schickte eine Abtheilung Teutschmeister mit zwei Kanonen dahin,
an welche sich die französische, aus 1 Kapitän, 3 Offizieren und
90 Mann bestehende Besatzung noch spät in der Nacht auf die erste
Aufforderung ergab.
Am 30. Juli marschirte F.-M.-Lt. Davidovich über La
Sega und Campora. Auf den Höhen zwischen dem letzteren Orte
und Piovesauo stiess der Vortrab auf Matena, welcher hier den
grössten Theil seiner Division gesammelt hatte. Er wies durch ört-
liche üebermacht den österreichischen Vortrab zweimal zurück. Als
endlich F.-M.-Lt. Davidovich mit dem Haupttheile der Kolonne
anlangte, wurde Masse na geworfen und gezwungen sich gegen
Castelnuovo zurückzuziehen, nachdem er 4 Kanonen und 250 Mann
Digitized by Google
302
1706-1797.
verloren hatte. Die dritte Kolonne lagerte diese Nacht auf dem er-
kämpften Boden.
F.-M: Wurmser liess am Morgen des 31. Juli die dritte Kolonne
von Campora über Sandra auf Castelnuovo marschireu. Von dem
rechten Flügel unter F.-M.-Lt. Quosdanovich hatte man bisher
noch gar keine Nachricht erhalten. Aber von den Höhen, über
welche der Marsch des Centrums führte, unterschied man deutlich,
dass die erste Kolonne mit dem Feinde im Gefecht verwickelt sei, auch
dass noch mehrere französische Kolonnen nach jener Gegend zogen.
Der Feldmarschall beschloss. daher noch an demselben Tage bis
Valleggio vorzurücken, dort über den Mincio zu gehen und hinter
dem Rücken des französischen Heeres dem rechten Flügel die Hand
zur Vereinigung zu bieten. Da Wurmser jedoch vermuthete, dass
ein ansehnlicher Theil des französischen Heeres bei Roverbella zurück-
geblieben wäre, um die Belageruug Mantuas zu decken, so hielt er
es für nöthig, zur Sicherung seiner linken Flanke und des Rückens
ein Korps aufzustellen. Hiezu beorderte er die Brigaden Spiegel,
Pittoni und Mittrowsky, welch1 letztere sogleich über die Brücke bei
Bussolengo über die Etsc*h gehen musste. Diese drei Brigaden
sollten sich bei Villafranca vereinigen und das bei Roverbella ver-
muthete französische Korps beobachten. Die übrigen Truppen des
Centrums setzten um 4 Uhr nachmittags von Castelnuovo den Marsch
gegen Valleggio fort.
General Mittrowsky benöthigte den ganzen 1. August, um
seine Brigade theils auf Plätten, theils mittelst der erst nachmittags
von Dolce eingetroffenen Schiffbrücke über die Etsch zu setzen.
Eine vom General Spiegel abgesendete Huszaren - Patrouille
hatte in Roverbella keinen Feind angetroffen, ging dann weiter nach
Goito, und als hier die Brücke hergestellt war, bis in die Festung
Mantua, deren Belagerung in der vergangenen Nacht der französische
General Serrurier aufgehoben und sich mit seinen Truppen an
den Oglio gezogen hatte.
Der Feldmarschall beschloss nun mit seiner ganzen Macht
bei Goito über den Mincio zu gehen. Die Brigade Mittrowsky
brach noch abends auf, vereinigte sich in der Nacht mit der
dritten Kolonne und setzte sich mit dieser, nach einer kurzen Rast,
um 3 Uhr morgens des 2. August nach Goito in Marsch. Vor diesem
Orte wurde um Mittag das Lager bezogen, während die Brigade
17M-1707.
303
Liptay nach Castiglione rückte, die Franzosen verjagte und ein be-
deutendes "Magazin eroberte. Am 3. August morgens 3 Uhr brach
die Division Davidovich (dabei Brigade Mittrowsky mit dem Regiment)
und Sebottendorf auf und marschirten gegen Giudizzolo. Um dieselbe
Zeit hatte sich auch die Avantgarde-Brigade Liptay von Castiglione
gegen Montechiaro in Marsch gesetzt, als sie von der ihr an Truppen-
zahl weit überlegenen Division Augereau angegriffen wurde. Diese
Brigade, welche nun zu beiden Seiten von Castiglione aufmarschirte,
hielt sich mit ausnehmender Tapferkeit und zog sich erst, als sie
in beiden Flanken mit Umgehung bedroht war, fechtend zurück.
Um diese Zeit begannen die ersten Truppen des österreichischen
Centrums durch Giudizzolo hervorzubrechen. Der F.-M.-Lt. Davi-
dovich hatte auf seinem Marsche von Goito am frühen Morgen
kaum das Feuer bei Castiglione vernommen, so schickte er Patrouillen
zu beiden Seiten der Strasse vor. Diese stiessen gar bald auf fran-
zösische Tirailleurs und trieben dieselben zurück. Nun liess Davi-
dovich seine Division in Schlachtordnung aufmarschiren, so gut
das ungünstige Terrain es erlaubte. Eine feindliche Kolonne sah er
gegen Medole ziehen; eine andere war rechts von der Strasse auf
den Anhöhen herwärts Castiglione aufraarschirt. Der Letzteren gegen-
über besetzte Davidovich einen rechts von der Strasse gelegenen
Berg mit zwei Bataillons. Mit den übrigen Truppen seiner Division
marschirte er vorwärts.
Liptay kämpfte den ganzen Vormittag mit seinen wenigen
Truppen gegen die dreimal stärkeren Feinde mit der glänzendsten
Tapferkeit und als Davidovich nahte, liess er sogar eine offen-
sive Bewegung gegen Augereau's rechte Flanke unternehmen.
Dieser französische General entwickelte jetzt drei Halb - Brigaden
in der Ebene und stellte eine Kavallerie - Division hinter denselben
auf. Das Gefecht wurde immer lebhafter und blutiger; mehrere
französische Generale, Offiziere und Soldaten fanden ihren Tod vor
der Stellung, welche Liptay so ruhmvoll vertheidigte. Mittag war
bereits vorüber, als General Schub irz die bis auf die Höhen von
Solferino vorgerückten Franzosen vertrieb.
Durch die unerschütterliche Festigkeit, mit welcher die Vor-
truppen in dem so lang währenden Kampfe die feindlichen Angriffe
zurückgeschlagen hatten, gewann der Feldraarschall Zeit, mit den
übrigen Truppen des Centrums heranzukommen und dieselben auf
304
17!»«- 1707.
den Höhen von Solferino in Schlachtordnung aufzustellen. Die ganze
österreichische Macht betrug nicht volle 20.000 Mann und war zwar
den beiden französischen Divisionen Augereau und Killmaine Ober-
legen, aber Wurm ser unternahm an diesem Tage keine offensive
Bewegung mehr, sondern beschrankte sich wegen Erschöpfung der
Truppen auf die Vertheidigung der Höhen von Solferino. Das Re-
giment Teutschmeister war den ganzen Vormittag bis in die Nacht
in seiner Brigade -Eintheilung im Feuer gestanden lind hatte einen
ziemlich bedeutenden Verlust erlitten.
Der französische Oberfeldherr Buon aparte war am Abend
des 3. August zu Castiglione angekommen, zog bedeutende Ver-
stärkungen an sich und traf die Anordnungen für den folgenden Tag.
Dieser verging unter verschiedenen, die Verbesserung der Stellungen
bezweckenden Bewegungen der beiden Heere und kleinen Posten-
gefechten, wodurch die Entscheidung für den folgenden Tag schon
eingeleitet und vorbereitet wurde.
Mit Anbruch des 5. August rückte die französische Armee zum
Angriff vor. Der bei Solferino vereinigte Theil des österreichischen
Heeres war in zwei Treffen aufgestellt, mit dem linken Flügel auf
die Hügel bei Mcdole gestützt, mit dem rechten Ober Solferino aus-
gedehnt, Es zahlte, wie gesagt, nicht volle 20.000 Streiter; die
französische Armee durch die angerückten Verstärkungen beinahe
das Doppelte.
Das Regiment in der Brigade Mittrowsky stand auf den
Höhen von Solferino in der Nähe des Thurmes spia d'Italia. Der
Kampf begann auf dem linken Flügel, während der Feind gegen
den rechten nur demonstrirte. Der österreichische rechte Flügel
begann hierauf eine Vorwärtsbewegung, um den gegenüber stehenden
General Masse na boi Castel Venzago zu überflügeln. Jetzt Hess
Buonaparte, dem diese Ausdehnung des rechten Flügels der
Oesterreicher erwünscht war, den Angriff gegen den linken Flügel
derselben mit grösserem Nachdruck fortsetzen und erobert« nach
einem heftigen Gefechte den Hügel bei Medole. Die Divisionen
Augereau und Massena bildeten sich Halb-Brigadenweise in Angriffs-
kolonnen und rückten, die Erste gegen die Fronte des linken Flügels
und die Mitte der Oesterreicher bei Solferino, die zweite gegen den
rechten Flügel vor. Die Oesterreicher widerstanden mit der grössten
Entschlossenheit, durch das heldenmflthige Beispiel ihrer Anführer
17;>Ö- 1707.
305
begeistert, wobei dem F. -M.-Lt. Davidovich zwei Pferde unter
dem Leibe erschossen wurden.
Die Division Sermrier war von Marcaria aufgebrochen und
nahte während diesem Kampfe Giudizzolo. Wurmser liess die
Vorrflckung des rechten Flögeis einstellen und zog dessen Truppen
auf die Höhe rechts von Solfcrino zurück. A u g e r e a u drang mm
gegen die Mitte der österreichischen Stellung vor, wahrend Masse na
zwischen dieser und dem rechten Flügel durchzubrechen suchte.
Das österreichische Heer hatte nun bereits durch mehrere
Stunden dem überlegenen Feinde den tapfersten Widerstand entgegen-
gesetzt; das Regiment Teutschmeister seine «'ingenommene Stellung,
trotz namhaften Verlusten, mit Bravour behauptet. Indess mehrte
sich die Gefahr auf beiden Flügeln mit jeder Minute durch das
Erscheinen der von Buon aparte entsendeten Umgehungskolonnen.
Bei längerer Behauptung des Schlachtfeldes konnte dem Heere die
Verbindung mit den Uebergangspunkten des Mincio abgeschnitten
und dasselbe in den Winkel, welchen der Fluss mit dem Garda-See
bei Peschiera bildet, zusammengedrängt werden. Daher gab der
Feldmarschall den Befehl, nunmehr den Rückzug über Camana und
Volta nach Borghetto zu beginnen.
In diesem Momente eroberten die Franzosen den Thurm von
Solferiuo und die demselben benachbarten Höhen, wodurch der Rück-
zug des rechten Flügels beschleunigt und dessen Verlust vermehrt
wurde. Massena hoffte denselben vom Mincio abzuschneiden, setzte
sogleich einen Theil seiner Division in Marsch, um diesen Flügel
zu umgehen und die zur Brücke von Borghetto führende Strasse zu
gewinnen. General Schubirz mit seiner schwachen Abtheilung und
der General Mittrowsky, welcher nach dem Verluste von Solferino
sich mit einem Bataillon Teutschmeister an ihn angeschlossen hatte,
suchten den Rückzug dieses Flügels zu decken. Oberst W ei den fei d,
welcher bisher mit vier Bataillons Peschiera blockirt hatte, erschien
gerade um diese Zeit am Schlachtfelde und griff die Division Massena
in ihrer Flanke mit solchem Nachdruck an, dass er dieselbe zwang,
in ihrer Bewegung inne zu halten, wodurch die Truppen des rechten
Flögeis wieder Fassung gewannen, um den Marsch in Ordnung an
den Mincio fortzusetzen. Endlich erreichten die kaiserlichen Truppen
die Brücke des Mincio bei Borghetto und begannen den Uebergang
nach Valleggio. Diesen zu decken, stellten die Generale Schubirz
20
30f>
17M-1797.
und Mittrowsky drei Eskadronen Huszaren und einige Infanterie
vorwärts des Dorfes Borghetto auf. Nachdem alle Truppen vom
Feinde ungehindert den Uebergang ausgeführt hatten, gingen auch
diese Generale Aber die Brücke und liessen dieselbe abbrechen.
Die französische Armee stellte sich in einiger Entfernung am
rechten Ufer des Mincio auf.
Der Verlust des Regiments an den beiden Schlachttagen war
an Todten : Hauptmann Franz Bertrand, Kapitän - Lieutenant
Wolfgang Vukassevich, Oberlieutenant Johann Wehla, Karl
Ollinek, Lieutenant Wilhelm Baron Lindenberg, Fähnrich
Franz M a x m i 1 i a n und 52 Mann ; an Verwundeten : 112 Mann ; an
Gefangenen: Oberlieutenant Josef Werner und 47 Mann vom Feld-
webel abwärts.
F. -M. Graf Wurms er war gesonnen, sich so lange hinter
dem Mincio zu halten, bis die erste Kolonne unter F.-M.-Lt. Quos-
danovich und die aus dem Innern der Monarchie durch Tirol
heranziehenden Bataillons beim Heere eingetroffen wären. Nach Ver-
einigung seiner ganzen Macht wollte er wieder die Offensive
ergreifen. Um den Franzosen den Uebergang zu verwehren, stellte
General Vukassevich eine Vorpostenlinie von Valeggio bis
Peschiera, Oberst Piaczek von Valeggio bis Goito. Den rechten
Flügel kommandirte F.-M.-Lt. Davidovich, den linken
Sebottendorf.
Das Hervorbrechen des Feindes aus Peschiera zu hindern,
brach General Mittrowsky mit seiner Brigade, dabei das Regiment,
noch am Abende des 5. August, nach einer Rast von zwei Stunden,
im Eilmarsche gegen jene Festung auf und vereinigte sich in der
Früh mit dem vor derselben aufgestellten General Bajalics.
Vor Anbruch des 6. August sitzte sich die französische Divi-
sion Massena nach Pescbiera in Marsch, um das Blockade-Korps in
die Flucht zu schlagen und dann in die reclite Flanke der bei
Valeggio aufgestellten Hauptmacht vorzudringen, während Augereau
nach Borghetto vorzurücken und durch die Besehiessung Valeggio's
den Feldmarschall festhalten sollte. Es war ungefähr '/,!) Uhr vor-
mittags, als die Spitze der Division Massena in der Festung eintraf.
Zu gleicher Zeit kam aber auch die Brigade Mittrowsky bei Caval-
caselle an. Beide Brigaden zählten höchstens 5500 Streiter, welche
nun den Kampf gegen 11.000 Franzosen aufnahmen.
1796-1707.
307
Masse na brach mit den zuerst angelangten Bataillons gleich
aus der Festung vor und griff die Schanzen an, mit welchen General
Bajalics die Festung von dieser Seite umzingelt hatte. Dieser
Ausfall geschah mit so geringer Energie, dass die österreichischen
Vortruppen genügten, den Feind in die Festung zurückzuweisen.
Indess hatte Mittrowsky sich hinter dem linken Flügel der Eiu-
schliessungslinie aufgestellt. Nach Beendigung dieses ersten Gefechtes
bestimmte dieser General das Regiment Teutschmeister zur Ver-
stärkung der Mitte und des rechten Flügels der Brigade Bajalics.
Doch ehe noch diese Entsendung ganz ausgeführt war, — um
'/«.IG Uhr — unternahm Masse na den zweiten Ausfall mit be-
deutender Stärke. Nach einem hartnäckigen Gefechte wurden die
Franzosen wieder in die Festung zurückgeworfen. Sobald der Rest
der Truppen Massena's angelangt war, führte er seine ganze
Macht aus der Festung und begann den dritten Angriff. Weil er
den Oesterreichern so sehr au Streiterzahl überlegen war, so endete
das Gefecht zu seinen Gunsten. Er hatte sich mit dem Haupttheil
der Division auf die am linken Flügel stehenden Truppen geworfen
und diese zum Weichen gebracht. Dann griff er den rechten Flügel
der Brigade Bajalics au, welcher seine Stellung noch geraume Zeit
vertheidigte, aber in der eutblössten linken Flanke umgangen, sich
dann über Cavalcaselle zurückzog. F. -M. Wurms er hatte auf die
erste, von dem bei Peschiera begonneneu Gefechte erhaltene Kunde
sechs Eskadrons von Valeggio dorthin aufbrechen lassen, welche zu
spät eintrafen, aber durch ihr Erscheinen den General Massena
von der Verfolgung abhielten. Die Generale vereinigten ihre Truppen
bei Castelnuovo und Hessen ihre Nachhut auf den Höhen von
Pastrengo und Cavalcaselle stehen.
Der Verlust des Regiments bestand: todt 24, verwundet 41,
vermisst 110 Mann vom Feldwebel abwärts. Das Regiment brachte
von den vielen Gefangenen Franzosen doch 100 Mann zurück.
Durch das Vordringen Massena's auf das linke Ufer des
Mincio sah der Feldmarschall seine rechte Flanke und den Rückzug
bedroht, er befahl daher am Abend, dass in der Nacht der Mincio
verlassen und der Rückmarsch nach Tirol angetreten werden solle.
Die Generale Bajalics und Mittrowsky wurden beordert, der
Ersten1, sich in die Stellung bei Madonna della Corona auf dem Monte-
baldo zu ziehen, der Zweite am Fusse des Gebirges, am rechteu
20*
308
170«— 1797.
Ufer der Etsch, bei Canale sich aufzustellen. Die Armee rnarschirte,
nachdem gleichzeitig eine Division nach Mantua rückte, gegen
Verona zurück, wo sie um 4 Uhr morgens am 7. August eintraf.
Bei Anbruch des Tages ordnete 13 non aparte die Verfolgung
an. Die Vortruppen scharmuzirtcn an mehreren Punkten mit dem
österreichischen Kachtrab; auch Bajalics wurde bei Iiivoli an-
gegriffen und zog sich auf den Montcbaldo, Mittrowsky hatte
Canale erreicht und besetzte das Schloss Croara mit einem Bataillon
Teutschmcistcr. F. - M. - Lt. Q u o s d a n o v i c h erhielt den Befehl,
den General Spork mit drei Grenadier -Bataillons, darunter L'Aisne
nach Ala zu schicken, mit der übrigen Infanterie aber auf den
Montebaldo zu ziehen und das Kommando zu übernehmen.
Um 0 Uhr abends verliessen die kaiserlichen Truppen Verona
und rückten in das tessinische Gebirge ; gegen Mitternacht erreichten
die Franzosen Verona.
Buon aparte ordnete am 9. den Angriff auf die österreichischen
Stellungen an. General Mittrowsky in seiner rechten Flauke, mit
einer Umgehung im Gebirge bedroht, verliess am Abend die Stellung
bei Canale und zog sich nach Brentino zurück. Der Feldraarschall
Hess von Ala Truppen zu seiner Unterstützung vorrücken und am
Vormittage des 10. August besetzte Mi ttrowsky wieder seine vorige
Stellung bei Canale und Croara. F.-M.-Lt. Scbottendorf über-
nahm das Kommando der auf und nächst dem Montebaldo stehen-
den Truppen.
Am 11. August, um die Mittagsstunde, drückten Massena's
Vortruppen, von Torri her, den rechten Flügel der Vorposten der
Brigade Bajalics zurück, indess eine Kolonne sich nach der Gegend
von Canale wendete und die Brigade Mittrowsky angriff. Auf dem
Montebaldo wurde das Geplänkel der Vortruppen bald unterbrochen
und es blieb dann eine Stunde hindurch ganz ruhig, bis der Haupt-
theil der Division Massena die Höhe des Berges erreicht hatte. Nach
2 Uhr wurde der AngrifT erneuert, der rechte Flügel der Brigade
Bajalics durch Umgehimg zum Rückzüge nach dem Monte cerbiole
gezwungen und musste sich über das Dorf Corona zurückziehen.
General Mittrowsky hatte sich nachmittags, nachdem er die
Stellung von Canale drei Stunden vertheidigte, hinter das Schloss
Croara zurückgezogen. Als er dann Kunde von dem Rückzüge des
General Bajalics erhalten, Hess er Croara. räumen, welches 70
17M-1797.
309
Teutschmeister- Grenadiere tapfer verthcidigt hatten und setzte um
9 Uhr abends den Marsch über Brentino nach Kivalta fort.
Das Vordringen des Feindes im Gebirge, der Verlust der
Stellungen auf dem Montebaldo und am rechten Ufer der Etsch,
hatten zur Folge, dass auch F. -M. -Lt. Davidovich die Chiusa,
Dolce und Peri am 12. August räumte und sich nach Ala zurück-
zog. General M i 1 1 r o w s k y marschirte von Kivalta nach Avio zurück
und wurde Krankheitshalber im Kommando der Brigade durch Obrist
Weidenfeld abgelöst. Die Grenadiere standen unter Graf Spork
im Val fredda. Die österreichische Armee befand sich nun ungefähr
auf derselben Linie, welche sie vor dem Aufbruche zum Entsätze
Mantua's inne gehabt hatte.
Am 13. August marschirten die Truppen des F.-M.-Lt. Davi-
dovich, dabei das Regiment und die Grenadiere, durch Val fredda,
Val buona und Val di Ronchi nach Ala, dann bei Einbruch der
Nacht zurück nach Roveredo, wo die Grenadiere in der Brigade
Spork verblieben und am 14. nach Trient. Kaum hier angelangt,
wurde das Regiment dem General Baron Schubirz zugetheilt,
welcher mit sechs Bataillons und vier Eskadrons eine Position am
rechten Ufer der Etsch bezog und in derselben den von Ala mit
seinen Truppen zurückkehrenden General Fürst Reuss aufnahm.
Am folgenden Tage marschirte General Schubirz mit zwei
Bataillons Teutschmeister 680 Mann, und zwei Eskadrons des
Huszaren-Regiments Nr. 2 durch das Pustertbal und Kärnten nach
Pontafel, um diesen wichtigen Pass zu besetzen. Dieser General
war nach einem Marsche von 14 Tagen am 30. und 31. August zu
Tarvis in der Nähe jenes Passes angekommen. Schon am 1. Sep-
tember erhielt er jedoch Befehl, schleunigst aufzubrechen und durch
das venezianische Gebiet nach Bassauo zu marschiren; Feldmarschall
Wurms er hatte von Sr. Majestät den Befehl erhalten, den Feind
nochmals anzugreifen und Mantua zu befreien, daher er obige An-
ordnungen erliess, um die Armee am 7. September bei Bassano zu
vereinigen. General Schubi rz meldete, „dass er zwei Tage bedürfe,
„um seine bereits im Gebirge vertheilte Truppe zu sammeln, fünf-
zehn Tage, um den ihm nach Bassauo vorgeschriebenen Weg
„zurückzulegen. Der Marsch durch das venezianische Gebieth wurde
„überdiess Aufsehen erregen und ob es ihm dalier nicht gestattet
„würde, durch das Geil- und Pusterthal, über Brixen und Trient,
310
17JMJ-1797,
„nach Bassano zu marschiren, welcher Weg freilich 18 Tage erforderte?*
General Schub irz blieb in Tarvis stehen, um die Antwort des
Feldmarschalls abzuwarten. Am 4. September wiederholte Wurms er
den Marschbefehl, welchen jedoch General Schub irz erst am
7. September erhielt, wodurch diese Truppen der Division Meszaros
während der ganzen Zeit der Operationen entgingen. Ein Bataillon
stand in Saifnitz, das andere in Malborghetto, eine Kompagnie in
Deutsch - Pontafel.
Am 7. September brach General Schubirz mit dem Regiment
und den Huszaren auf und marschirte nach Pontafel, am 8. nach
Reseiuta und am 9. nach Gemona, wo er den Befehl erhielt, nach
Pontafel zurückzukehren und wieder die früheren Stellungen zu
besetzen; dieser Befehl war am 12. ausgeführt.
Wie früher erwähnt, hatte Feldmarschall Wurmser den Befehl
erhalten, abermals zum Entsätze der Festung Mantua vorzurücken.
Die bisher in der Division des F.-M.-Lt. Quosdanovich im
Lager bei Trient befindlichen Grenadiere marschirten am 2. September
mit der Division nach Pergine vor. Am 3. wurde der Marsch nach
Selva fortgesetzt und am 4. Borgo di Valsugana, am 5. Ospeda-
letto und am 6. Primolano erreicht. Am folgenden Tage wurde
nach Bassano gerückt und auf einem sanften Abhänge, ungefähr
2000 Schritte von der Brenta, parallel mit dem Flusse und die
Fronte gegen denselben gewendet, ein Lager bezogen, dessen rechter
Flügel sich an das Gebirge lehnte.
Zu gleicher Zeit als die Oesterreicher in das Venezianische
vordrangen, waren auch die Franzosen in Tirol eingerückt, warfen
überall die schwachen Posten des zur Beschützung des Landes
zurückgebliebenen F.-M.-Lt. Davidovich zurück und besetzten
Trient. Der Feldmarschall Hess sich durch diese Unfälle in seinem
Rücken nicht abhalten, seinen Plan zum Entsätze Mantua's dennoch
auszuführen ; und als er an diesem Tage die Nachricht erhielt, dass
eine feindliche Division gegen Bassano im Anmärsche sei, traf er
alle Anstalten, um den Feind, wenn er noch in der Nacht angreifen
oder den Abmarsch am folgenden Tage stören wolle, kräftigst zurück-
zuweisen. Die Truppen traten iu's Gewehr, blieben jedoch noch einst-
weilen im Lager stehen. Nur einige Bataillone wurden bei Campo
lungo und Solagna aufgestellt, um die Franzosen zu hindern, aus
dem Thale in die Ebene hervorzubrechen.
17M-17&7
311
Um 2 Uhr morgens am 8. September brach Buon aparte
mit zwei Divisionen von Oismone auf und zog am linken Ufer der
Brenta gegen Bassano. Als der Vortrab dem Ausgang des Thaies
nahte, stiess er auf die bei Solagna aufgestellten Oesterreicher,
worauf eine Division auf das rechte Ufer überging.
Gegen 7 Uhr morgens nahm das Gefecht auf beiden Ufern
seinen Anfang. Die beiden österreichischen Abtheilungeu kämpften
mit grosser Entschlossenheit gegen die feindliche Armee, wurden
jedoch umgangen, fortwährend mit frischen Abtheilungen angegriffen,
und da sie keine Unterstützung erhielten, endlich zersprengt. Die
zurückeilenden Abtheilungen nahm F. - M. - Lt. S e b o 1 1 e n d o r f mit
den Grenadieren im Lager bei Bassano auf.
Diese Unfälle hatten in der Stadt und im Lager grosse Be-
stürzung bereitet und in ersterer stieg dieselbe bald auf den höchsten
Grad. Der Feldmarschall befahl, dass F. - M. - Lt. Sebottendorf
mit den Grenadieren aus dem Lager aufbrechen, nach Bassano
marschiren und über die Brücke gehen solle, um den auf dem
rechten Ufer anrückenden Feind aufzuhalten. Dieser Marsch wurde
sogleich angetreten und unter beständigem Gefechte mit der un-
gestüm vordringenden Division Massena, Bassano erreicht. Aber hier
wurden die Grenadiere durch den Schwärm von Flüchtigen, welche
die Franzosen von Campo lungo her verfolgten, in Unordnung ge-
bracht. Fruchtlos blieben die Anstrengungen, Bassano selbst und
die dortige Brücke zu vertheidigen. Nur dem F.-M.-Lt. Sebotten-
dorf gelang es noch mit einem Grenadier-Bataillon über die letztere
zu passiren und dann auf der Strasse von Vicenza fortzuziehen.
Nun aber kam die Division Augereau eilends herbei, besetzte die
Höhen, welche auf dem rechten Ufer vor dem Ausgange der Brücke
liegen und empfing die dem F.-M.-Lt. Sebotteudor f nach-
ziehenden Bataillone mit Kanonen- und Musketenfeuer. Diese mussten
umkehren, um bei dem Paduaner - Thore den weiteren Weg über
Cittadella nach Vicenza einzuschlagen. Augereau rückte nun im
Sturmschritt gegen die Brücke vor. Die Division Massena nahte
derselben auf dem linken Ufer und eroberte die aufgefahrenen vier
Geschütze, worauf Augereau über die Brücke und in die Stadt
drang. Die von Sebottendorf abgeschnittenen Grenadier-Bataillone
L'Aisne und Gavassini bemühten sich ihn aufzuhalten und den Ab-
zug des Hauptquartiers zu decken. Sie konuten aber dem Andränge
312
17IMJ 1797.
der feindlichen Uebermacht nicht lauge widerstehen und hatten
viele Muhe sich mit den Resten der Division Quosdanovich zu ver-
einigen und auf dem Wege gegen Cittadella zu retiriren. Doch
wurden auch diese Bataillons vom Feinde lebhaft verfolgt und ein
Theil derselben zersprengt. Von nun an schlug jeder Führer einer
Abtheilung den nächsten Weg ein, der ihm geeignet erschien, wieder
zu seinem Bataillon zu gelangen. Von den Grenadieren der Division
Teutschmeister, welche im Kampfe 18 Todte und nebst dem ver-
wundeten Oberlieutenant Graf Coreth 13 Gefangeue und 02 Ver-
misste zählten, vereinigten sich bald hinter Bassano auf dem Wege
nach Vicenza, die Hauptleute mit 50 Alaun, marschirten in diese
Stadt und dann weiter bis hinter den Isonzo, wo Quosdanovich die
aus dem Gefechte von Bassano zurückkehrenden Truppen sammelte.
22 Grenadiere hatten sich an das Bataillon Jordis angeschlossen und
der Rest, 40 Grenadiere, mit dem Oberlieutenant Nies und Lieute-
nant Baron Landenberg retirirten mit den Truppen des Feld-
marschall Wurm s er, welcher nach Legnago rückte, daselbst über die
Etsch setzte und Mantua erreichte, sich aber im freien Felde nicht
zu behaupten vermochte und daher in die Festung werfen musste.
Unter der Zeit von der Mitte September bis zu Ende Oktober
wuchsen die österreichischen Korps in Tirol und Friaul durch die von
allen Seiten eingetroffenen Verstärkungen wieder zu einer bedeuten-
den Macht an. Ans der kroatischen Grenze stiessen 15 neu errichtete,
aus Galizien 6 Bataillone zum Heere. Die schon früher hier ge-
standenen Regimenter erhielten zahlreiche Ergänzungs - Transporte,
so das Regiment G00 Mann, welche zur Gewinnung der Zeit auf
Wagen zum Heere gebracht wurden. Am 24. September übertrugen
Se. Majestät dem F. -Z. -M. Baron Alviuzy die Leitung aller
Operationen der von den F. -M.-Lt. Quosdanovich uud Davi-
dovich befehligten Korps. Da ihm befohlen war, die Bewegungen
zu Mantua's Entsatz sobald als möglich zu beginnen, wurde am 27.
im Kriegsrath zu Bozen der Opcrationsplau entworfen.
Die Brigade Schubirz mit dem Regiment Teutschmeister ver-
liess am 2. Oktober seine Stellung bei Pontafel und marschirte nach
Osoppo, welches sie am G. erreichte und in den rechten Flügel des
Friauler Korps unter F. - M. - Lt. Marquis P r o v e r a eingetheilt
wurde. Dieser bezog ein Lager hinter dem Tagliameuto, bei Toraba
di Buja nächst Osoppo.
175W-17W. 313
Am 22. Oktober begann die Vorrückung des Friauler Korps.
F.-M.-Lt. Quosdanovich rückte mit den bei Görz versammelten
10 Bataillons in's Lager bei Romans, am 23. in jenes von S. Pele-
grino, dann am 24. nach Codroipo. Da der Tagliamento durch einen
heftigen ununterbrochenen Regen bereits weit aus seinen Ufern ge-
treten war, konnte keine Brücke geschlagen werden, sondern die
Truppen durchwateten am 25. diesen Fluss und bezogen das Lager
bei Valvasone, am 26. jenes zwischen Pordenone und Cormons.
An diesem Tage verliess Provera das Lager bei Osoppo, durch-
watete bei Pinzano den Tagliamento und stiess am 28. zum
F.-M.-Lt. Quosdanovich, wodurch die Vereinigung vollzogen
war. Am 29. Oktober marschirte das Korps nach Fontana fredda.
Am 30. bezog es das Lager bei Campana, wodurch es mit der Vor-
hut unter General Liptay vereinigt war. Die Truppen hatten durch
die so ungünstige Witterung sehr viel gelitten und die Nachtheile
der höchst mangeDiaften Bekleidung und Beschuhung wurden bereits
schwer empfunden. In der Nacht vom 30. hörte endlich der Regen
auf und die Gewässer fielen bedeutend. Gegen Abend des 1. November
wurde die Brücke über die Piave in der Richtung von Campana gegen
Lowadina geschlagen, die Vorhut ging sogleich hinüber und stellte
sich am jenseitigen Ufer auf. An demselben Tage hatte Massena
seine Division bei Bassano gesammelt und eine Halb -Brigade an
die Piave zur Beobachtung der Oesterreicher vorgesendet.
Am 2. November ging das Friauler Korps 28.699 Mann stark
über die Piave in das Lager bei Lovadina und Valpago. Die Vorhut
rückte gegen Castelfranco. Den folgenden Tag marschirte das Korps
in's Lager bei Barcone und am 4. November an die Brenta vor.
General Liptay gelangte bei Fontaniva an das linke Ufer, Hess
einige Abtheilungen Infanterie und Reiterei durch den Fluss setzen
und bildete jenseits eiue Postenkette. Pro vera rückte mit dem Reste
seiner den linken Flügel bildenden Division bis über Cittadella hinaus.
Quosdanovich mit dem rechten Flügel auf Bassano. Massena
nahm eine Stellung auf halbem Wege zwischen Bassano und Vicenza,
wo B u o n a p a r t e am 5. mit der Division Augereau anlangte und
gegen Mittag einen Theil der Division Massena gegen die Brenta
vorrücken liess.
General Liptay hatte eine Brücke bei Fontaniva geschlagen
und den Uebergang mit seiner Brigade am 5. nachmittags ausgeführt
314
1796-1797.
als der Feind bereits über S. Pietro Engu nahte und um 4 Uhr
nachmittags die Vorposten angriff. Zweimal wurden die Franzosen
mit dem Bajonnet zurückgeworfen, bemächtigten sich aber durch
Uebermacht bei einbrechender Nacht der beiden Posten Carmignano
und Ospital di Brenta. General Liptay zog sich auf Provera's
Befehl hinter den Fluss in's Lager bei Fontaniva zurück und wurde
dann vom Feinde nicht mehr beunruhiget.
Am Morgen des 0. November ging die Vorhut der Division
Quosdanovich über die Brenta, welcher bald der Haupttheil
folgte, weil heftiger Kanonendonner aus der Gegend von Fontaniva
die Gewissheit gab, dass der Feind dort den Angriff begonnen habe.
Die Division ordnete sich zum Gefecht, lehnte den rechten Flügel
an den Monte Grado; vor der Fronte wurden Marostica, le Novo
und Marchesane stark besetzt und hinter dem letzteren Orte dehnte
sich der linke Flügel bis an die Brenta aus.
Die Brigade Liptay hielt sich mit heldenmüthiger Tapferkeit
gegen die immerwährenden Angriffe der Franzosen ; von 7 Uhr früh
bis 6 Uhr abends machte Massena auf dieselbe mehr als zehn
Angriffe, welche alle blutig abgeschlagen wurden. Gegen 3 Uhr
nachmittags begann F. -M. -Lt. Provera sich überzeugt zu halten,
dass der, durch den üblen Erfolg seiner Angriffe bestürzte Feind keinen
ernstlichen Angriff gegen einen anderen Punkt mehr zu unternehmen
gedenke und sendete daher dem General Liptay das Leib - Bataillon
Teutschmeister, 1 Bataillon Banater und 2 Kompagnien Lacy zur
Hilfe. Das Bataillon Teutschmeister löste jenes von Nr. 51, das
bis jetzt an der Spitze gefochten, unter dem heftigsten Kartätschen-
uud Musketenfeuer des Feindes ab und erwiderte dasselbe mit
vieler Tapferkeit auf das lebhafteste. Auch die übrigen eben genannten
Truppen nahmen am Gefechte rühmlichen Antheil. Das Kanonen- und
Musketenfeuer hielt bis spät in die Nacht an und der heftige
Kampf währte in Allem volle 11 Stunden.
General Liptay war im Gefechte verwuudet worden, blieb
aber an der Spitze seiner Truppen und leitete das Gefecht mit
unerschütterlicher Festigkeit bis zu Ende. Derselbe lobt in seiner
Belation dtto: Feldlager bei Moutebello am 10. November 1790
,die Tapferkeit und Standhaftigkeit der Truppen* und sagt dann
bei Anführung der Verdienste einzelner: »Auch vom Teutschmeister
,Leib- Bataillon hat sich der Hauptmann Zuchari, welcher sein
17M-1797.
315
, Bataillon uuter dem heftigsten Kartätscheu- und Musketenfeuer
„vorgefahrt und in aller Ordnung die Splenischen abgelöst hat,
»besonders ausgezeichnet, er wurde auch dabei verwundet und sein
„ Pferd unterm Leib erschossen; diese Ordnung rührte ganz sicher
.von der Bravour der Offiziers, die Alle Proben ihres Wohlverhaltens
, gegeben haben. ' F.-M.-Lt. Provera bestätigte als Augenzeuge
in seinem Bericht dtto: Feldlager bei Caldiero 14. November 1796
diese Relation.
Der Verlust des Leib -Bataillons bestand in diesem ruhmvollen
Kampfe an Todten: Regiments -Adjutant Emerich Radvany und
10 Mann, Verwundeten: Hauptmann Zuchari, Oberlieutenant
Baillet, Lieutenant Pettenek und 109 Mann vom Feldwebel
abwärts.
F.-Z.-M. Alvinzy traf in der Nacht vom 6. auf den 7. No-
vember alle Anstalten, um die erfochtenen Vortheile zu benützen
und beschloss, mit der Division Quosdanovich den Feind an-
zugreifen; auch Pro vera erhielt Befehl, gleichzeitig bei Fontaniva
über den Fluss zu setzen und auf die Division Massena loszugehen.
Am Morgen langte jedoch von den Vorposten die Meldung ein,
dass kein Feind mehr zu sehen sei, welcher die Nacht benützt
hatte, um in grösster Stille abzuziehen und zurück nach Vicenza
zu marschiren. Die Avantgarde folgte dem Feinde, während der
linke Flügel, welcher eine Brücke schlagen musste, erst um 1 Uhr
nachmittags übergehen konnte, dann über Carmignano vorrückte und
um 9 Uhr abends das Lager bei S. Pietro Engu bezog. Am 8. No-
vember marschirte das Friauler- Korps in's Lager bei Vicenza, die
Franzosen retirirten bis Verona. Am 9. rückte das Korps in das
Lager bei Montebello, am 11. nach Villanova. Die bei la Rotta
aufgestellte Avantgarde wurde abends von dem Feinde aus Verona
mit einer solchen Leber macht angegriffen, dass die Truppen, welche
bei St. Martin ■ standen, bis Vago zurückgehen mussten. Hier
behauptete sich die Avantgarde, nachdem sie den Feind zurück-
geschlagen hatte und bezog die Stellung bei Caldiero.
Am Morgen des 12. November griff Buonaparte mit seiner
ganzen Macht in mehreren Kolonnen diese Stellung an. Die Oester-
reicher vertheidigteu jeden Fussbreit des Bodens mit der glänzendsten
Tapferkeit und der Kampf währte ohne Entscheidung bis nachmittags
ununterbrochen fort. Die Franzosen hatten bereits grosse Verluste
Digitized by Google
310
175HJ-17OT.
erlitten, als es endlich einer ihrer Kolonnen gelang, über llasi die
rechte Flanke der kaiserlichen Stellung zu umgehen und die Höhe
von Colognola zu erreichen.
F.-Z.-M. Alvinzy hatte aus dem Lager bei Villanova auf
die Nachricht von dem feindlichen Angriff mehrere Bataillone, darunter
Teutschmeister, aufbrechen lassen, um den Vortrab zu unterstützen.
Durch das den ganzen Tag anhaltende Regenwetter waren jedoch
die Strassen so verdorben, dass die Truppen nur sehr langsam fort-
kommen konnten. Endlich in dem entscheidendsten Augenblicke kam
die Spitze der einen über Soatze und Costeggiola marschirendeu
Kolonne unter General Schubirz bei Colognola an, welche Höhe,
wie erwähnt, der Feind bereits sehr stark besetzt hatte. Das Obrist-
Bataillon von Teutschmeister unter Kommando des Hauptmanns
Terzi, welchem das Leib - Bataillon folgte, griff sogleich mit
unwiderstehlicher Tapferkeit die vielfach überlegenen und vorteilhaft
auf der Höhe postirten Franzosen an und warf sie der Art zurück,
dass sie in Verwirrung geriethen und unter Zurücklassung vieler
Todten und Verwundeten die Flucht ergriffen. FiS waren Truppen
der Division Massena, welche sich bald wieder sammelten und
erneuert vordrangen, um den Teutschmeistera die Höhe zu entreissen.
Diese waren aber schnell mit einer staunenswerthen Ordnung auf-
marschirt, empfingen die Angreifer mit einem mörderischen Bataille-
feuer und behaupteten die so ruhmvoll genommene Stellung gegen
alle Anstrengungen des Feindes.
Mittlerweile war auch F. -M. -Lt. Provera mit den übrigen
Truppen angelangt und griff die Division Augereau in der rechten
Flanke mit solchem Ungestüm an, dass sie bald den Widerstand
aufgab und dann die ganze französische Macht nach Verona retirirte.
Das Regiment Teutschmeister hatte im Laufe des Gefechtes
ein Bataillon von Nr. 3ö als Unterstützung erhalten. Während dieses
Bataillon in Fronte aufmarschirte, fiel das Obrist- Bataillon Teutsch-
meister dem Feinde mit dem Bajonnet in die linke Flanke und
entschied dadurch den Sieg.
F.-M.-Lt. Pro vera rühmt in seiner Relation die ausser-
ordentliche Tapferkeit des Regiments, ebenso seines Adjutanten, des
Oberlieutenant Schmidt von Teutschmeister. General Schubirz
hebt „bei dieser das Ganze so bedeutend entscheidenden Gelegenheit
den raschen uud muthvollen Angriff" ganz besonders hervor.
Google
17M-17!)7.
317
Das Regiment zählte 7 Todte und 41 Verwundete, vom Feld-
webel abwärts und hatte beim Verfolgen CO Franzosen gefangen.
Der Verlust des Feindes betnig 2500 Mann ; 1 General, 52 Offiziere
wurden gefangen; 1 Fahne und 2 Kanonen erobert.
Das Regiment stellte sich nach der Schlacht mit einem Bataillon
vor und mit dem andern bei dem Dorfe Vago auf und bezog die
Vorposten; das Friauler - Korps hatte den rechten Flügel auf den
Höhen von Lavagno bis S. Giacomo, den linken bei la Rotta und
die Vorhut bei S. Martino.
Buonaparte hatte den Entschluss gefasst, bei Ronco über
die Etsch zu setzen, schnell längs dem Wildbache Alpon Über Arcole
und S. Bonifacio vorzudringen, den vor Villanova zurückgelassenen
Artillerie - Park und Armeegepäck der vor Verona stehenden öster-
reichischen Armee zu überfallen und diesem Heere den Rückweg
an die Brenta abzuschneiden. F. - Z. - M. A 1 v i n z y war eben in
seinem Hauptquartier Gombione mit den Vorbereitungen beschäftigt,
um in der Nacht vom 15. zum IG. November bei Zevio über die
Etsch zu gehen und gleichzeitig Verona angreifen zu lassen. Da ver-
nahm er am Morgen des 15., dass Buonaparte mit den Divisionen
Massena und Augcreau in der Nacht den Fluss bei Ronco übersetzt
und die Vorposten auf dem linken Flflgel der Armee bei Arcole und
S. Bonifacio znrückged rückt habe.
Das Terrain zwischen dem Alpon und der Etsch ist ganz mit
Morästen bedeckt, durch welche zwei Hauptdämme führen, auf
welchen die Franzosen anrückten und auf welchen die Schlacht
geliefert wurde. F.-Z.-M. Alvinzy liess den rechten Flügel aus
der Stellung von Caldiero über Porcile gegen Bionde vorrücken.
Sticker stiege auf dem Damme mit der Division Massena zusammen;
das Gefecht dauerte hier mit abwechselndem Glucke den ganzen
Tag fort, worauf am Abende Massena den Rückzug nach Ronco
antrat. Unterdessen hatte Augereau die Brücke über den Alpon
bei Arcole angegriffen, welche der österreichische linke Flügel mit
wahrem Heldenmuthe vertheidigte und alle Stürme abschlug. Buona-
parte mit der Fahne in der Hand und alle französischen Generale
setzten sich vergebens an die Spitze ihrer Truppen — die Franzosen
mussten nach ungeheueren Verlusten weichen. Bei Anbruch der
Nacht zog Buonaparte sein Heer bei Ronco über die Etsch
zurück und liess auf dem linken Ufer nur einige Halb - Brigaden zur
318 175M1-1797.
Bewachung der Brücke stehen. Das Dorf Arcole wurde abends von
den Oesterreichern geräumt und dann von den Franzosen besetzt.
AI vi dz; hatte nachmittags die Brigaden Schubirz, dabei das
Obrist- Bataillon Teutschmeister, und Stiker zur Unterstützung des
linken Flügels bei Arcole an den Alpon aufbrechen lassen, wo sie
in der Nacht eintrafen und unter das Kommando des General
Mittrowsky gestellt wurden, dessen Truppen nun 14 Bataillons
betrugen. Buonaparte hatte noch in der Nacht Arcole räumen
lassen.
Am Morgen des 16. November liess er seine Truppen wieder
über die Brücke bei Ronco ziehen und auf den Dämmen gegen
Porcile und Arcole vorrücken. Die beiden österreichischen Flügel
waren zu derselben Zeit in der Vorrückung gegen die Brücke bei
Konco begriffen und stiessen daher mit den feindlichen Kolonnen
auf den Dämmen zusammen. Provera mit dem rechten Flügel
kämpfte gegen M a s s e n a bei la Zerpa und musste endlich gegen
Caldiero zurückweichen.
Als die Truppen des General Mittrowsky mit der Division
Augereau auf dem Damme zusammenstiessen, entspann sich ein
lebhafter Kampf. Die Division Augereau wurde beinahe bis an das
Ufer der Etsch zurückgedrängt. Die Franzosen schienen auf dieser
Seite eben zu jener Zeit zu unterliegen, als die Kolonne Provera
sich zurückzog. Die auf dem Damm von Arcole so rühmlich käm-
pfende Kolonne verlor jedoch über dieses widrige Ereigniss, welches
von ihren Truppen vollkommen übersehen werden konnte, ebenfalls
die Fassung und begann zu weichen. Augereau 's Vortrab rückte
nun wieder vor und es war zu befürchten, dass die Franzosen auch
auf dieser Seite grosse Vortheile erringen würden. Doch ein Bataillon
Kroaten schlich sich hinter dem Damme vorwärts und machte
plötzlich ein so verheerendes Feuer auf die am weitesten vor-
gedrungenen Franzosen, dass die meisten dahingestreckt und der
Rest mit Zurücklassung einer Kanone die Flucht ergriff.
General Mittrowsky sammelte um Mittag seine Truppen an
der Brücke von Arcole und stellte dieselben zu deren Vertheidigung
auf. Das Obrist- Bataillon Teutschmeister mit einem Bataillon Karl-
städter-Grenzer kam am linken Ufer des Alpon hinter Arcole.
Mehrere neue Versuche Augereau's an die Brücke vorzudringen,
wurden vereitelt. Auf dem Damrae schlug mau sich mit Hartnäckig-
1700-1797.
310
keit und beiderseitigem grossen Verlust. Teutschmeister und die
Grenzer feuerten den französischen Kolonnen, so oft diese vorrückten,
mit grosser Wirkung in die Flanke. Augereau's Versuch, die-
selben mit Granaten aus ihren Posten zu vertreiben, hatte keinen
Erfolg. Auch trugen diese Bataillone dazu bei, mehrere Versuche
der Franzosen zur Uebersetzung des unteren Alpon zu vereiteln.
Mit Einbruch der Nacht beschlossen die Franzosen, die den
ganzen Tag fortgedauerten Gefechte mit einem neuen Angriff, bei
welchem sie die linke Flanke tourniren wollten, was aber gänzlich
misslang und wobei sie einige Geschfltze verloren.
In der Nacht führte Buonaparte sein ganzes Heer zum
zweiten Male über die Brücke bei Ronco zurück und Hess dann eine
Bockbrücke über den Alpon schlagen.
Am 17. November vor Anbruch des Tages setzte sich die
französische Armee in Bewegung um zum dritten Male über die
Brücke bei Ronco die Etsch zu passiren. Gegen 10 Uhr vormittags
rückte die Division Massena auf beiden Dämmen vor. General Robort
gelangte bis gegen die Brücke von Arcole, wurde aber von Mittrowsky
geschlagen, ihm eine Kanone und einige hundert Gefangene abge-
nommen. Nun verfolgten die Oesterreicher die fliehenden Franzosen
bis gegen die Brücke von Ronco, wurden aber hier von allen Seiten
angefallen und zurückgedrückt.
Das Leib - Bataillon Teutschmeister und ein Grenz - Bataillon
waren am Morgen von Caldiero aus zur Unterstützung der Division
Mittrowsky nach S. Bonifacio in Marsch gesetzt worden, wo sie
gegen Mittag eintrafen, am linken Ufer des Alpon hinter Arcole als
Reserve aufgestellt wurden und hier der Kolonne Gardanne in ihrem
Streben die Brücke zu erstürmen, ein Ziel setzton.
Die Division Augereau hatte eine Brücke über den Alpon
geschlagen und rückte auf dem an des Baches linken Ufer fort-
laufenden Damme, der sehr schwach besetzt war, gegen Arcole vor.
Buonaparte hatte einen Trupp Reiter mit mehreren Trompetern,
um die Moräste herum, gegen Arcole eilen und in jener Gegend
durch Blasen und Schiessen einen gewaltigen Lärm verbreiten lassen.
Durch diese List wähnton sich die längs dem Alpon aufgestellten
Truppen bereits abgeschnitten und setzten dem Feinde einen ge-
ringeren Widerstand entgegen. Die von Legnago kommende fran-
zösische Kolonne rückte über S. Grazione in den Rücken von Arcole,
320
179« -1797.
und da auch ein Theil der Divison Massena längs dem rechten Ufer
des Alpon gegen die Brflcke vorrückte, so rausste der österreichische
linke Flügel endlich das Dorf räumen und zog sich nach S. Bonifacio,
wo auch der rechte Flflgel von Galdicro ankam. Die aus Arcole vor-
hrechenden Franzosen drangen Ichhaft nach und es wäre ihnen
beinahe gelungen, die unter Provera sich zurückziehenden Truppen
von Villanova abzuschneiden. Aber F. -Z.-M. Alvinzy selbst setzte
sich an die Spitze der Brigade Schuhirz, bei welcher sich das Obrist-
Bataillon befand, griff die verfolgenden Franzosen an und warf sie
nach Arcole zurück. Von den Truppen des General Mittrowsky
stand nunmehr der rechte Flflgel an S. Bonifacio gelehnt, der linke
hatte sich nach Cologna gezogen. Der österreichische rechte Flügel
langte spät abends bei Villanova an. In dieser Stellung brachte das
Korps, vom Feinde gar nicht beunruhigt, die Nacht zu und trat am
18. vor Tagesanbruch den Marsch nach Montebello an.
Die Armee hatte in dieser dreitägigen Schlacht einen Gesammt-
verlust von G211 Mann. Das Regiment zählte 31 Todte, 07 Ver-
wundete und 09 Vermisste, unter letzteren den Fähnrich Josef
Bai er. Die Franzosen verloren 4500 Mann .und fast alle ihre
Generale waren todt oder verwundet, da sie nur durch ihr eigenes
Beispiel und persönliche Aufopferung die so oft zurückgeschlagenen
Truppen zum Vorgehen bewegen konnten.
Ohne vom Feinde verfolgt worden zu sein, bezog das Korps
am Abend des 18. bei Olmo das Lager. Alvinzy hielt hier Kriegs-
rath, in welchem alle Generale den ehrenvollen Beschluss fassten,
wieder vorzurücken, damit Buonaparte sich nicht mit voller
Macht auf das Tiroler Korps werfen könne.
Noch im Laufe des 19. erlangte man die Gewissheit, dass die
französische Armee über Verona im vollen Marsche gegen das Tiroler-
Korps begriffen sei, daher das Friauler Korps am 20. morgens von
Olmo aufbrach, gegen Montebello vorrückte und hinter Villanova
aufmarschirte. Am 21. rückten die Kolonnen gegen Caldiero und
Arcole vor. Prinz Hoheuzollern erstürmte die Höhen bei
Caldiero, worauf die Division Provera bei Colognola das Lager
bezog ; General Mittrowsky nahm bei Arcole und Albaredo
gegen Abend Stellung.
In der Nacht traf die gewisse Nachricht ein, dass die Division
Augereau über das Veroneser Gebirge nach Peri, in Rücken und
17M-1797.
321
Flanke des Tiroler - Korps marschirt sei. F. -Z.-M. Alvinzy
detachirte daher am Vormittage des 22. den General S c h u b i r z
mit beiden Bataillons Teutschmeister Ober Lovagno, Ventri und
Quinto in das Val pontena, um der feindlichen Kolonne, welche
sich in diese Gebirge eingelassen, in den Rucken zu fallen. Ein
zweiter, «lern General nachgesendeter Befehl wies denselben an,
seinen Marsch über Lugo zu nehmen. Am 23. sah sicli Augereau
durch den Marsch der Brigade Schubirz in seinem Rücken bedroht
und zog sich daher aus dem oberen Etsch-Thale und den Gebirgen
von Pen nach Dolce zurück.
Das Friauler Korps blieb den 22. und 23. in seinen Stellungen.
Vormittags erfuhr Alvinzy das nachtheilige Gefecht bei Kivoli
und den v ölligen Rückzug des Tiroler - Korps. Er gab nun jede
Hoffnung zur Fortsetzung der offensiven Operationen zum Entsätze
Mantua's auf. Um den Rückzug zu maskiren, wurden die französischen
Vorposten angegriffen und nach Verona geworfen, dann in der Nacht
vom 23. auf den 24. der Marsch von Colognola bis Montebello und
am 24. November nach Vicenza ausgeführt. Hier wurden die Truppen
in die Stellung hinter der Brenta vertheilt; F.-M.-Lt. Quos-
d a n o v i c h stellte sich mit den Brigaden Brigido und Schubirz im
Centrum bei Bassauo auf und dann bezogen am 25. die Bataillone
Kantonnirungen.
Das dritte Bataillon hatte seit seinem Einrücken fortwährend
den Garnisonsdienst in Bozen versehen und war erst im November
durch eingerückte Verstärkungen und aus der Kriegsgefangenschaft
ausgewechselter Mannschaft wieder auf den vollen Stand gebracht
worden.
Seit den letzten Tagen des November waren die beiden sich
gegenüberstehenden Heere fast ganz unthätig geblieben. Das Re-
giment erhielt aus dem Werbbezirk 150 Mann, auch rückten die in
Gefangenschaft gerathenen Offiziere -und viele von der Mannschaft
ein, so dass das Regiment gegen Ende Dezember beinahe den vollen
Kriegsstand formirte. Für die Verpflegung war ausgezeichnet gesorgt
und so erholten sich die Truppen zusehends von den unerhörten
Strapazen des Feldzuges 1796. Der patriotische Sinn der Wiener,
welche ein schönes Freiwilligen -Bataillon von 1000 Mann errichtet
hatten, bedachte auch ihre im Regiment Teutschmeister vor dem
Feinde stehenden Söhne mit vielen Spenden an Geld und Wäsche.
21
322
179« 1797.
Auch waren alle Briefe voll des Lobes Ober die vom Regiment be-
wiesene Tapferkeit bei Caldiero und Arcole, welche die wackeren
Bürger mit Stolz und hoher Befriedigung erfüllte.
Obristlieutenant Hansch war in Folge Allerhöchster Ent-
schlicssung vom 14. Mai 1790 zum Obristen beim Regiment Nr. 51
befördert worden.
Kaiser Franz L befahl gegen Ende Dezember abermals vor-
zurücken, um das hart bedrängte Mantua zu entsetzen. Man beschloss
zu diesem Ende zwei Kolonnen in der Ebene gegen Mantua und
Verona demonstrativ vorrücken zu lassen, um die Aufmerksamkeit
des Gegners hierher zu lenken uud dann mit sechs Kolonnen die
feste feindliche Stellung bei Rivoli anzugreifen. Das dritte Bataillon
des Regiments erhielt seine Eintheilung in die vierte Kolonne, unter
dem Generai Oeskay, die beiden Feld - Bataillone in die fünfte
Kolonne, unter General Fürst Reuss.
Am 7. Jänner 1797 brachen die Kolonnen, welche die weitesten
Strecken zurückzulegen hatten, von ihren Sammlungspunkten auf;
die vierte von Rovercdo gegen Ala, die fünfte von Bassauo durch
das Val suggana gegen Trient. Am 12. erreichte die erstere Belluno
und Rivaita, die letztere Avio. Die Infanterie der vierten Kolonne
hatte, nach einem am 12. um 5 Uhr abends aus dem Hauptquartier
abgegangenem Befehl, am Morgen des 13. durch die Schlucht von
Belluno nach der Höhe des Montcbaldo marschiren und sich der
dritten Kolonne anschliessen sollen. Doch diese Ordre kam erst
gegen Mitternacht des 12. dem Oberbefehlshaber der vierten und
fünften Kolonne, F.-M.-Lt. Quosdanovich, in Peri zu. Um halb
1 Uhr nach Mitternacht des 13. Jänner schickte derselbe dem General
Fürst Reuss den Befehl, die Infanterie der vierten Kolonne in
Belluno durch eine gleich grosse Zahl ablösen zu lassen, worauf
jene erst den Marsch auf den Montebaldo antreten konute. Diesen
Befehl erhielt General Fürst. Reuss erst am 13. Nachmittag,
während die vierte Kolonne den Vormittag im ununterbrochenen
Marsche über Croara gegen Canale und die fünfte hinter derselben
auf Belluno hinab, sich befand. General Oeskay kehrte mit seinen
vier Bataillons auf der Etschstrasse über Croara und Preabocco
zurück nach Belluno und erstieg dann durch die dortige Schlucht
den Montebaldo. Um 7 Uhr abends marschirte er hinter der zweiten
und dritten Kolonne so auf, dass sich sein linker Flügel mit der
1796-1797.
323
dritten Kolonne nächst den sich gegen S. Marco dehnenden Höhen,
der rechte bei Caprino mit der zweiten Kolonne verband. Die fünfte
Kolonne Hess mittags von Belluno mehrere Bataillons über Preabocco
und Croara vorrücken, um die früher für die vierte Kolonne bestimmte
Stellung einzunehmen. Mit Einbruch der Nacht stand der Vortrab
der fünften Kolonne vor Canale, nahe an den feindlichen Schanzen.
Ein Bataillon Teutschmeister marschirte nach Peri und detachirte
nach seinem Eintreffen am 14. zwei Kompagnien nach St. Anna,
zwei nach Breonio, um den Rücken des Obrist Mixich zu sichern
und ihn nöthigenfalls zu unterstützen.
Um 7 Uhr abends erliess F.-Z.-M. Alvinzy die Angriffs-
Disposition für den 14., nach welcher die viert« Kolonne am Fussc
der Höhen von St. Marco zwischen der dritten und zweiten vor-
rücken, die in der Tiefe gelegenen Orte S. Michaele imd Lubiara,
dann alle sonstigen dort von den Franzosen besetzten Häuser erobern
solle. Die fünfte Kolonne hatte, ihrer Vorhut folgend, über Brentino,
Preabocco, Croara gegen Canale hcrabzurucken, dann auf der Strasse
der Osteria dela dogana das Plateau zu ersteigen und in der rechten
Flanke der Stellung von Kivoli vorzudringen.
Erst am Abend des 13. hatte Buonaparte die volle Ueber-
zeugung von den eigentlichen Absichten der Oesterreicher erlangt,
da ihn die beiden Kolonnen in der Ebene durch ihre Angriffe in
der Meinung bestärkten, dass hier die Entscheidung beschlossen sei.
Vor Mitternacht, am 13., liess er die Division Massena im Eilmarsch
nach Rivoli rücken, wohin er sich auch persönlich begab. Noch in
der Nacht erfuhr Alvinzy, dass der bei Kivoli kommandirende
General Joubert bedeutende Verstärkungen unverzüglich erwarte,
daher die vierte Kolonne Befehl erhielt, dem so wichtigen Punkte
der Markus-Kapelle näher zu rücken.
Noch in der Nacht begann das Feuer der Vorposten, welches
beim Anbruch des Tages, 14. Jänner, fortwährte und nun, da die
zweite, dritte und vierte Kolonne gegen die Höhen, auf welchen
sich Joubert 's Centrum gestellt hatte, vorrückten, in die förmliche
Schlacht überging. Die dritte und vierte Kolonne kämpften um den
Besitz der Kapelle von S. Marco und der von dieser sich gegen
Rivoli herabziehenden Höhen, welche die französische Brigade Vial
vertheidigte. Diese hielt rechts die dritte Kolonne zwei Stunden in
ihrem Vorrücken auf; erst als General Oeskay mit der vierten
21*
324
171)« -1797.
Kolonne, nachdem diese lange mit der 14. Halb -Brigade um den
Besitz des Dorfes S. Giovanni gekämpft hatte, nach 9 Uhr vor-
mittags auf den Höhen westlich des Plateaus von Rivoli vorrückte,
eroberte auch die dritte Kolonne die Höhen der Markus - Kapelle.
Die Brigade Vial wich gegen die Verschanzungen von Osteria
zurück und wurde lebhaft verfolgt. Oeskay unterstützte die An-
strengungen der dritten Kolonne auf das thätigste, eroberte noch
mehrere der vor ihm liegenden Höhen und nahm dem weichenden
rechten Flügel der Division Joubert zwei Kanonen ab. Bei allen
diesen Kämpfen war das Bataillon Teutschmeister in erster Linie
und zeichnete sich durch besonderen Muth und Entschlossenheit aus.
Buonaparte erkannte die Gefahren, welche ihm in diesem
Momente drohten, denn auch die zweite Kolonne war siegreich in
den Rücken der Stellung vorgedrungen, aber zu seinem Glücke
langte nun die Division Massena an, welche die ganze Nacht
marschirt war und nahm Stellung auf dem linken Flügel, vorwärts
Rivoli.
Indessen war auch die 14. Halb -Brigade durch die vierte
Kolonne aus S. Giovanni vertrieben worden, welches die Grenadiere
besetzten. Die 14. Halb-Brigade hatte sich weiter rückwärts noch-
mals aufgestellt, widerstand mit grösster Hartnäckigkeit der Kolonne
des Generals Oeskay und deckte dadurch die über Lubiara nach
Rivoli führende Strasse, auf welcher sich damals eben der rechte
Flügel der Division, nämlich die Brigade Vial, von der dritten
Kolonne lebhaft gedrängt und auch schon von der fünften Kolonne
Fürst Reu ss in ihrer rechten Flanke bedroht, auf Rivoli zurückzog.
Diese Halb - Brigade griff sogar das Dorf S. Giovanni aufs Neue an.
Da um diese Zeit die zweite Kolonne den linken Flügel Joubert's
in die Flucht getrieben hatte, so gewann auch im Centrum General
Oeskay überall Terrain. Nur um den Besitz des Dorfes S. Giovanni
rangen noch heftig die Grenadiere und eine Division Teutschmeister.
General Berthier suchte das Vordringen der Oesterreicher aus
diesem Dorfe auf der geraden Strasse nach Rivoli zu hindern, damit
die Brigade Vial ihren Rückzug nach diesem Orte ausführen könne.
Da die zweite Kolonne immer weiter in der linken Flanke der
bei S. Giovanni fechtenden 14. Halb-Brigade vordrang und von
dieser Seite bereits der Strasse nach Rivoli nahte, so rückte
Massena mit einer Brigade dieser Kolonne entgegen und es gelang
1706 1707.
325
ihm hier einige österreichische Abtheilungen aufzuhalten. Indem
sich Massena auf den Höhen von Trombalona behauptete, ver-
zögerte er zwar die allgemeine Niederlage, doch schien dieselbe
nicht lange mehr zu vermeiden.
Nachdem die dritte Kolonne die Brigade Vial von den Höhen
von S. Marco hinabgeworfeu, eilte sie gegeu den Rflcken der Ver-
schanzungen bei der Osteria della Dogana vor, um der fünften
Kolonne den Zugang nach der Hochfläche zu eröffnen. General
Oeskay Hess die diese Schanzen besetzende Halb-Brigade und die
weichende Brigade Vial aus den zwei eroberten Kanonen beschiessen
und vermehrte dadurch die allgemeine Verwirrung der Franzosen.
Die dritte im Vereine mit der fünften Kolonne erstürmten die
Schanzen, wodurch die Spitze der letzteren die Fläche erreichte,
während die übrigen Truppen dieser Kolonne, dabei das Feld-
Bataillon Teutschmeister, voll Eifer die Entscheidung zu beschleu-
nigen, sich durch den beschwerlichen Engweg nach der Höhe hinauf-
drängten. Die Niederlage des rechten Flugeis der Division Joubert
war vollendet. Auch die erste Kolonne hatte die ihr durch die
Disposition vorgeschriebenen Bewegungen vollendet und war nun über
der Strasse, welche von Rivoli nach Campara führt, im Rücken des
Feindes aufmarschirt. Um den Sieg zu vollenden, sollten die dritte
und vierte Kolonne noch auf eine kurze Strecke vorwärts rücken,
die Entwickelung der fünften decken und dann vereint die von den
Franzosen vor Rivoli angelegten Schanzen, welche nach dem Ver-
luste der Höhen ohnehin nicht mehr haltbar waren, erstürmen.
Massena widerstand mit zwei Brigaden im Ceutrum der
zweiten und vierten Kolonne und erhielt sich auf der Anhöhe von
Trombalora; Joubert sammelte seine iu grösster Unordnung be-
findlichen Brigaden bei Rivoli. Abteilungen der dritten und vierten
Kolonne, dabei das dritte Bataillon Teutschmeister, hatten nach und
nach die meisten die Hochfläche von Rivoli einfassenden Höhen
genommen und vermehrten die unter dem Feinde herrschende Ver-
wirrung durch ihr lebhartes Gewehrfeuer. Aber auch diese Truppen
waren auf dem durchschnittenen Terrain aus der Ordnung gekommen,
verfolgten in ihrem Eifer vereinzelt die fliehenden Feinde und Hessen
sich zerstreut in die Fläche von Rivoli hinab.
Indessen hatte Buonaparte der fluchtigen Brigade Vial
200 Reiter zu Hilfe gesendet, unter deren Schutze sich dieselbe
326
wieder sammeln sollte. Die unerwartete Erscheinung dieser Reiter
machte auf die zerstreut vordringenden österreichischen Plänkler
einen überraschenden Eindruck; einzelne begannen zurückzuweichen.
Bald verbreitete sich Bestürzung über die ganze Linie der Plänkler
und diese flohen gegen ihre Kolonneu zurück. Die französischen
Reiter folgten anfangs nur langsam, denn sie konnten selbst die
grosse Wirkung nicht ahnen, welche ihr Erscheinen erregt hatte.
Die dritte und vierte Kolonne waren mit ihren geschlossenen Haupt-
theilen im steten Vorrücken begriffen, als die Schwärme der fliehenden
Plänkler plötzlich auf sie zurückstürzten und hinter denselben die
verfolgende Reiterei sich zeigte. Da verloren auch diese Truppen
die Fassung, der Schreck wurde allgemein; ohne noch selbst an-
gegriffen zu sein, geriethen sie in Verwirrung und eilten nach
S. Giovanni zurück. Diese rückgängige Bewegung artete bald in
Flucht aus. Alle Bemühungen und Aufopferung der Offiziere war
vergebens; kaum hatten sie einige Leute zusammengebracht, riss
sie ein dahereilcnder Schwärm wieder auseinander und so wurde die
Markus - Kapelle und alle die so mühsam erkämpften Höhen ver-
lassen. Auch die fünfte Kolonne ward mitgerissen, doch gelang es
dem General Fürst Reuss einige Kompagnien, wo sich die Strasse
nächst dem Engweg der Osteria naht, in die Laufgräben zu werfen,
welche die französische Infanterie in ihrem Vordringen aufhielten.
Diese Kolonne begann dann den Rückzug in guter Ordnung über
Croara nach Preabocco gegen Brcntino und Rivaita.
Die Sammlung und Ordnung der zweiten, dritten und vierten
Kolonne wurde mit der angestrengtesten Thätigkeit betrieben und
F.-Z.-M. Alvinzy befahl am nächsten Tage wieder vorzurücken.
Gegen 8 Uhr morgens am 15. Jänner stiessen die von beiden
Theilen vorrückenden Truppen im Centrum aufeinander. Nur zu
bald überzeugte man sich, dass die Truppen der zweiten, dritten
und vierten Kolonne mit geringer Kraft und Eifer fochten. Die
Unfälle, welche am vorigen Tage so überraschend den bereits
errungenen Sieg vereitelten, hatten auf die Gemüther der Soldaten
einen zu tiefen Eindruck gemacht, Kälte, Hunger und Ermattung
deren Körperkräfte abgespannt. Doch wurde das Gefecht gegen
zwei Stunden fortgesetzt, bis die französischen Flügel - Kolonnen
allmählig Terrain gewannen und die Umgehung iu den Flanken
ausführten. Dann zogen sich die Truppen jeuer drei Kolonnen gegen
17M-17Ö7.
327
jene Wege und Schluchten zurück, auf welchen sie vor vier Tagen
den Montebaldo erstiegen hatten. Auch die fünfte Kolonne zog sich
zurück und marschirte gegen Belluno. Hier besetzte das Bataillon
Teutschmeister die Schiffbrücke und blieb so lange stehen, als es
nöthig war, um den Bückmarsch der übrigen Kolonnen zu decken.
Der Verlust des Regiments bestand an Todten 91 Mann, ver-
wundet 127 Mann, vermisst und gefangen Hauptmann Ludwig
Margo, Johann Fönten et, Josef Baron Renette, Johann
Küffel, Oberlieutenant Wenzel Lathe, Lieutenant Karl Baron
Renette, Johann Krall und 158 Mann vom Feldwebel ab-
wärts. Dieser Verlust betraf beinahe nur das tapfere dritte Bataillon ;
auch waren die obgenannten Offiziere beinahe alle verwundet.
Am 2. Februar 1797 kapitulirte die Besatzung der Festung
Mantua, nachdem sie bei der ruhmvollen achtmonatlichen Ver-
theidigung und durch Krankheiten 16.333 Mann verloren hatte.
Oberlieutenant Eberhard Nies, Lieutenant Karl Baron Landen-
berg nebst 1 Feldwebel, 1 Korporal, 1 Tambour, 1 Pfeifer und
2 Grenadiere marschirten mit den 300 Mann, welche dem Feld-
marschall Wurmser bewilligt waren, zu den österreichischen Vor-
posten; von dem Rest der Grenadiere waren 27 gestorben oder
geblieben, daher nur 7 Mann in Gefangenschaft gerathen.
Die Brigaden General Fürst Reuss und Oeskay, bei welchen
sich das Regiment befand, hatten sich am 25. und 20. Jänner 1797
in Bewegung gesetzt, um durch das Valsuggana am 28., 29. und
30. Bassano zu erreicheu. Mittlerweile hatten die österreichischen
Truppen die Stellung au der Breuta verlassen, daher sich F.-Z.-M.
Alvinzy entschloss, die Vertheidiguog dieses Flusses aufzugeben
und sich auf jene der Piave zu beschränken. Fürst Reuss erhielt
demgemäss den Befehl, nach Feltre zu marschiren, welches er auch
am 27. erreichte; Oeskay musste nach Trient zurückkehren und
dann in Eilmärschen über Bozen und durch das Puster -Thal,
Ober -Kärnten und Friaul an die Piave abrücken. Ain 29. erhielt
auch Fürst Reuss den Befehl, mit seiner Brigade zu dem Korps
an der Piave zu stossen. nier vereinigten sich die drei Bataillons
des Regiments, in welches der Rest der Grenadiere ciugetheilt war,
daher dieselben als selbstständige Division nicht mehr existirten.
F. -Z. - M. Baron Alvinzy erhielt um diese Zeit die Gewährung
der mehrmals wiederholten Bitte, wegen seinem hohen Alter den
328
171M»- 1707.
Heeresbefehl niederlegen zu dürfeu. Seine kaiserliche Hoheit der
Erzherzog Karl wurde zum Oberbefehlshaber der österreichischen
Armee von Italien bestimmt. Am 9. Februar langte der Erzherzog
von der Rhein -Armee, welche er zu so vielen Siegen geführt, in
Briien an, besichtigte das Tiroler - Korps, dann jenes an der Piave
imd befahl, dass Letzteres Erholungsquartiere hinter dem Taglia-
mento beziehen solle, während nur Prinz Hohen zollern mit der
Kavallerie an der Piave zur Beobachtung des Feindes zurückgelassen
wurde. Der Erzherzog verbesserte hierauf in aller Eile so viel er
konnte — die Regimenter erhielten Ergänzungen, so Teutschmeister
300 Mann, neue Montureu, Schuhe und Gewehre — und wenn etwas
im Stande war den gesunkeneu Muth, den durch so viele Nieder-
lagen verloren gegangenen kriegerischen Geist dieser Armee wieder
aufzurichten, so war es das Vertrauen auf den neuen, schlacht-
erprobten Feldherrn.
Bald, das ist am 10. März, eröffnete Buonaparte an der
Piave die Operationen und Oberschritt am 12. mit 43.000 Mann
gegen 24.000 Oesterreicher diesen Fluss. Auf die Nachricht hievon
zog Erzherzog Karl seine Hauptmacht in engere Kantonnirungen
am Tagliamento zusammen und theilte sie in die neue Schlacht-
ordnung ein. Das Regiment kam in die Division F. -M. -Lt. Graf
Spork, Brigade Obrist Augustinetz in Kantonnirungen rück-
wärts um Beiüolo.
Am 10. erzwangen drei französische Divisionen durch ihre
Uebermacht den Uebergang über den Tagliamento, worauf sich die
Oesterreicher nach Palma zurückzogen.
Der Erzherzog wollte sich mit der überlegeneu französischen
Macht jetzt noch nicht in ein entscheidendes Gefecht einlassen,
sondern hiezu die in Eilmärscheu anrückenden Verstärkungen ab-
warten. Daher beschloss er den Rückzug hinter den Isonzo fort-
zusetzen, dessen Uebergang für die Franzosen mit bedeutenden
Schwierigkeiten verbunden war.
Am 17. marschirte Obrist Augustinetz mit dem Regiment
Teutschmeister und Nr. 51 in die Festung Gradiska, die Armee
gegen den Isonzo zurück.
Am 19. März nahte die französische Division Bernadotte in
drei Kolonnen Gradiska. Die Division Serrurier watete oberhalb der
Brücke von Cossegliano durch den Isonzo, drückte die österreichischen
171»«- 1707.
329
Vorposten zurück und eilte dann auf dem Kamme der gegen Gradiska
ziehenden Höhen fort, den Platz von jeder Verbindung auf dem
linken Ufer abzuschneiden. Um die Aufmerksamkeit der Besatzung
von jener Umgehung abzulenken, Hess Bernadotte den Platz auf-
fordern und, da er kein Gehör fand, den Angriff auf dem rechten
Ufer beginnen. Die Befestigung Gradiska's war unvollendet und diese
Stadt daher einer längeren Verteidigung gar nicht fähig. Auf den
Wällen standen nur zwei Sechs- und fünf Dreipfündcr. Das Geschütz-
feuer trieb zwar anfangs die französischen Tirailleurs von dem Glacis
zurück und demontirte zwei Kanonen von den vieren, welche Berna-
dotte gegen die Porta nuova hatte autrühren lassen. Indess begann
es der Besatzung bald an Munition zu fehlen ; auch war durch die
französischen Granaten Feuer in der Stadt entstanden.
In diesem Momente erschien plötzlich die Division Serrurier
am linken Ufer auf dem Damme des Isonzo und schnitt für ihr
Geschütz, Batterien in demselben ein. Christ Augustinetz gab
nun die Vertheidigung der Brücke auf, zog die jenseits gestandenen
zwei Kompagnien Teutschmeister herüber und liess die Brücke zer-
stören. Dabei setzte er sein Feuer ununterbrochen bis 6 Uhr abends
fort. Nuu erfolgte eine zweite Aufforderung. Die Munition ging
bereits zu Ende, indem nicht mehr als 10 Patronen für jeden Mann,
60 Kartätschen uud 250 Kugel - Patronen für das gesammte Geschütz
vorhanden waren. Augustinetz musste sich daher zur Unter-
handlung bequemen. Um 0 Uhr nachts wurde die Kapitulation unter-
zeichnet und um V210 Uhr räumte die Besatzung, die noch 3 Stabs-
und G2 Ober -Offiziere, dann 2448 Mann zählte, von Teutschmeister
39 Offiziere imd 1531 Manu, den Platz. Nachdem der Ausmarsch
mit allen Kriegsehren vollzogen worden, streckte die Garnison auf
dem Glacis die Waffen, dann wurde die Mannschaft in die Kriegs-
gefangenschaft abgeführt, die Offiziere aber, auf ihr Ehrenwort, nicht
vor der Auswechslung gegen Frankreich zu dienen, den nächsten
Vorposten übergeben.
„ Der Verlust dieser Besatzung, welche anerkannt zum Kern
der Armee gehörte, wurde dadurch herbeigeführt, dass der Division
Serrurier der U ebergang bei Cossegliano nicht länger und kräftiger
verwehrt worden, daher fand der Offizier, welcher dem Obrist
Augustinetz den Befehl überbringen sollte, Gradiska zu räumen,
alle Zugänge von den Truppen jener Division besetzt und konnte
330
1796-1797.
nicht mehr in den Platz gelangen. Ebensowenig vermochten es die
von der Brigade Kerpen abgeschickten zwei Bataillons, welche in der
Dämmerung Gradiska nahten, um der Besatzung mit Gewalt den Weg
zum Rückzüge zu öffnen, durch die feindliche Division zu dringen
und wurden gar bald genöthigt, auf ihre Haupttruppe zurückweichen.
Die zurückgekehrten Offiziere verfügten sich zum Depot nach Wiener-
Neustadt, wo sie sogleich mit der Einexerzirang der vielen Rekruten
Beschäftigung fanden ; von der Mannschaft ranzionirteu sich 396 Mann
in die Tiroler Berge, wo sie bei der patriotischen Bevölkerung die
herzlichste und gastfreundlichste Aufnahme fanden und dann über
die Gebirge geleitet, nach Oesterreich und Wien gelangten.
Im Laufe des Jahres 1707 hatten unter den Stabsoffizieren des
Regiments nachstehende Veränderungen stattgefunden : Major Ludwig
Baron de le Blavier war in Folge Allerhöchster Erschliessung
vom G. Jänner in Anerkennung seiner hervorragenden Dienste bei
seinem Uebertritt in den Ruhestand der Obristlieutenants-Charakter
verliehen worden; Major Wilhelm Beer von PI eichten zum
Obristlieutenant ernannt, Major Graf Wcisscnwolf vom Gyulai'schen
Freikorps als erster Major eingcthcilt und Hauptmann Joachim
Zuchari zum zweiten Major ernannt; mit Allerhöchstem Hand-
schreiben vom 28. Februar Obrist Ignaz Graf Brandis als General-
Major in Ruhestand versetzt; dagegen mit Handbillet vom 15. Mai
Obrist Karl von Brixen von dem Kur - Kölner - Kontingent zum
Obrist und Regiments- Kommandanten, mit jenem vom 29. April
den Major Anton von Vcrmatti des Regiments Nr. 17 zum Obrist-
lieutenant, mit 8. Juli Major Josef Baron Urracca zum super-
numerären Obristlieutenant, mit 21. Juli Major Graf Weissenwolf
zum Obristlieutenant beim Regiment Nr. 11 und in dessen Stelle
der Hauptmann Ludwig Margo zum Major im Regiment ernannt.
Am 27. Oktober erhielt das Regiment mittelst Korpsbefehl
die Kunde von dem Friedensschlüsse, welcher am 17. Oktober 1797
zwischen Oesterreich und der französischen Republik zu Campo
formio unterzeichnet wurde, und gemäss welchem Oesterreich gegen
Abtretung der Niederlande, Lombardie, des Breisgau und der Graf-
schaft Falkenstein, das venezianische Gebiet in der Terra ferma,
dann Istrien und Dalmatieu erhielt. Die entgiltige Schlichtung der
zwischen dem deutschen Reiche und Frankreich noch schwebenden
Fragen übernahm ein Kongress zu Rastadt, Hierait war der erste,
1796-1719.
331
sogenannte Revolutionskrieg gegen Frankreich beendet. Aehulich dem
sich vollziehenden politischen Umgestaltungs-Prozesse auf dem euro-
päischen Kontinent machte sich in den FeldzOgen 1796—97 auch in
den militärischen Verhältnissen ein totaler Umschwung geltend.
Buonaparte bringt zum ersten Mal das Requisitions - System
zur Anwendung. Die veraltete Linear - Taktik unterliegt den um-
fassenden Tirailleur- und Kolonnen - Angriffeu der Franzosen und
eine neue Aera der Kriegskunst begann.
1798-1799.
Ende 1797 und anfangs 1798 rfickte die in Kriegsgefangenschaft
gerathene Mannschaft und viele aus den Spitälern beim Regimente
ein, wodurch sein Stand bedeutend den Kriegsstand Oberschritt,
daher die überzähligen Leute zur Depot - Division nach Wiener-
Neustadt ihre Eintheilung erhielten.
Am 30. März trat das zweite Bataillon und die Grenadier-
Division von Laibach den Marsch nach Oesterrreich an und traf
am 23. April in den Stationen Mannersdorf und Sommerein ein.
Mit 1. Oktober wurden die Direktiv-Regcln wegen Bestrafung
der Deserteure in 40 Paragraphen publizirt; die Vermögens - Kon-
fiskationen in allen, der Tod durch den Strang in den meisten
Fällen sollten als furchtbare Wächter die Soldaten von diesem Ver-
brechen abschrecken. Die Inhaber- Gage, 3798 h\ 24 kr., welche
diese, wenn sie nicht im Felde ein Kommando hatten, erhielten,
wurde gänzlich abgeschafft. Auch erhielt das Regiment das Reskript
vom 20. Oktober 1798, laut welchem über Allerhöchsten Befehl
mit 1. Jänner 1799 eine neue Adjustirungsvorselirift in's Leben
trat. Unter anderen auf die Einführung dieser Norm bezüglichen
Anordnungen wurde die Errichtung der Regiments - Offiziers - Uni-
formirungs - Anstalten angeregt, indem es in dem Reskripte heisst:
„Um die Gleichheit der Uniformiruug bei denen Regimentern zu
„erhalten, erachten Sr. Majestät das beste und sicherste Mittel zu
„sein, die Lieferung des Offizierstuches durch die Regimenter
„besorgen zu lassen, auf welche Art die Offiziers auch mit weniger
„Kosten ihre Uniform überkommen werden. ■
332
179S-17W>.
Die Adjustirung des Regiments wur nun die folgende: Als
Kopfbedeckung ein Helm aus schwarz lackiriem Terzenleder, <'>';, Zoll
hoch, vorne tmg ein messingener, für Stabs- und Oberoffiziere ver-
goldeter Schild den Allerhöchsten Namenszug und die den oberen
Theil des Helmes zierende Kammquaste war für Stabsoffiziere aus
Goldfransen, für Oberoffiziere aus gelb und schwarzen Seidenfransen,
für Mannschaft aus gelb und schwarzer Wolle. Ausser Dienst
trugen die Stabs- und Ober-Offiziere dreieckige Hüte. Der Uniform-
rock für Stabs- und Ober-Offiziere, sowie das „Röckl" für die Mann-
schaft waren von weissem Tuche mit himmelblauen Kragen und Auf-
schlägen, dann mittelst einer Reihe gelber Knöpfe geschlossen. Die
Schosse des Uniformrockes, weiss gefüttert, reichten beim Nieder-
knien bis an den Boden, waren aber stets nach vorne umgeschlagen.
Der Kragen mass in der Höhe zwei, die Aufschläge in der Breite
drei Zoll und es trugen auf letzteren die Stabsoffiziere ein halbzoll
breites goldenes Distinktionsbördchen. Das Mannschafts -Röckl war
eigentlich ein Frack mit kurzen Schossen, welche zusammengenäht
und gleich den daran angebrachten Taschen himmelblau egalisirt
waren. Beinkleid war für Offiziere und Mannschaft weiss, engan-
liegend; dazu hatte letztere schwarze, bis über die Knie herauf-
reichende Gamaschen und Schuhe, die Offiziere bis an die Knie
reichende steife Stiefeln.
Zur Schonung des weissen „so kostbaren Rockes" war den
Stabs- und Oberoffizieren ein mit zwei Knopfreihen versehener Ober-
rock von der Farbe der Mannschafts - Mäntel mit Kragen und Auf-
schlägen von Egalisirungstuch gestattet. Ebenso trugen die Offiziere
für gewöhnlich grau melirto enge Beinkleider.
Die Säbelkuppel für Stabsoffiziere mit einer 2 Zoll 1 Strich
breiten Gold und schwarzer Borde übernäht, für Oberoffiziere von
derselben Breite, jedoch von weisslackirtem Leder war mittelst einer
4 Zoll breiten und 2 Zoll hohen stählernen Schnalle, auf welcher
ein vergoldeter Doppeladler angebracht war, geschlossen. Die Mann-
schaft trug das Seitengewehr, welches künftighin für den Gemeinen
lediglich aus dem etwas länger erzeugten Bajonnete bestand, an
einem Ueberschwungriemen über die rechte Schulter, über die linke
hing die Patrontasche und der neuartige Tornister wurde auf dem
Rücken getragen. Unteroffiziere und Grenadiere trugen neben dem
Bajonnet auch einen kurzen Säbel.
17J>S-170f>.
333
Die Degen der Stabs- und Oberoffiziere in schwarz lederner
Scheide waren mit vergoldetem Messing montirt. Das goldene Porte-
d'epee sollte künftighin nicht aus einer runden, sondern aus einer
platten Quaste bestehen; „die Generale und Stabsoffiziere können
„solche, wenn sie wollen, reicher haben." Die gelb und schwarze
Feldbinde, für Stabsoffiziere von Seide, für Oberoffiziere aus Kameel-
haar, wurde zweimal um die Mitte des Leibes geschlungen.
Der Mantel fQr Stabs- und Oberoffiziere rausste „ganz von
der Farbe wie die Mäntel für die Mannschaft sein" und bestand
aus einem Rocke mit Aermeln, dann einem Regenkragen. Der grau
melirte Mannschaftsmantel war mit einer Reihe Knöpfe geschlossen
und reichte bis zu den Knien.
„Um den Offizier in Reih und Glied um seiner eigenen Er-
haltung willen soviel möglich mit der Mannschaft in der Tracht
„ gleich zu machen, so erhält er einen ganz glatten, weissledernen
„zwei Zoll breiten Ueberschwungriemen, woran er eine kleine Pistole
„im Futteral umzuhängen hat."
Die Stabs- und Oberoffiziere behielten das spanische Rohr,
oben mit einem weissen Knopf, unten mit einem messingenen Be-
schläge; desgleichen behielten die Feldwebels, Führers und äqui-
parirenden Chargen das Rohr, die Korporale den Haselstock.
Die Haare wurden im Zopf getragen. „Die Umwicklung des
„Bandes hat vier Zoll, das unten herausbleibende Haar einen Zoll,
„daher der ganze Zopf fünf Zoll lang zu sein."
Der Kongress zu Rastadt sollte den Frieden zwischen dem
deutschen Reiche und der französischen Republik herstellen. Während
dessen Dauer im Jahre 1798 traten neue, den Frieden bedrohende
Ereignisse ein. Frankreichs Truppen besetzten im Februar den
Kirchenstaat, vertrieben den Papst Pius VI., welcher in ein Kloster
nach Pisa flüchtete und schufen die römische Republik. Im März
führte Frankreich mit Waffengewalt die politische Umstaltung der
Schweiz aus. Zu gleicher Zeit wurde die eisalpinische Republik der
durch den Traktat von Campo formio zugesicherten politischen
Selbstständigkeit beraubt. Im Herbste erhoben sich die Schweizer
für ihre Unabhängigkeit, wurden aber von den Franzosen nach
blutigem Kampfe unterjocht. Graubündteu fürchtete gleiches Schick-
sal, erbat sich Oesterreich's Schutz und wurde auch im Oktober
militärisch besetzt. Die Unterhandlungen des zur Herstellung des
334
17!>H-17M.
Friedens in Rastadt getagten Kongresses, scheiterten an den
ungerechtfertigten Forderungen des Direktoriums und es bildete sich
gegen die französische Republik zur Wahrung dos neuerdings
bedrohten europäischen Friedens eine zweite Koalition. Diese um-
fasste Oesterreich einen Theil der übrigen deutschen Staaten, Eng-
land, Russland, Neapel und die Türkei, letztere wegon Buona-
p arte's Angriff auf Aegypten.
Die Garnisonen des Regiments, welches sich fortwährend auf
dem vollen Kriegsstand befand, blieben am Ende des Jahres 1798
dieselben, mit Ausnahme des dritten Bataillons, welches zu Pressburg
in Kasernen untergebracht wurde.
Nachdem anfangs des Jahres 1700 die Grenadiere wieder in
Bataillone zusammengestellt wurden, marschirte die Division des
Regiments im Februar in das Venezianische und formirte hier mit
den Divisionen der Regimenter Nr. IG und 23 ein Bataillon, Ober
welches der Obristlieutenant Otto Graf Hob enf cid vom Regiment
Nr. 23 das Kommando ubernahm. F.-Z.-M. Kray führte ad Interim
das erledigte Kommaudo der Armee in Italien, General Scher er
jenes der Franzosen. Als dieser an verschiedenen Punkten Be-
wegungen gegen die Stellungen der Oesterreicher ausführte, gebot
die eigene Sicherheit dem F.-Z.-M. Kray sogleich alle Tmppen
zwischen der Ktseh, Vicenza und Padua vorrücken zu lassen. Die
Division des F.-M.-Lt. Zoph, bei welcher sich das Grenadier-
Bataillon befand, war noch im Anmärsche.
Am 26. Mint 1700 griffen die Franzosen, ohne vorher den
Waffenstillstand aufzukündigen, die Stellungen der Oesterreicher
an und somit hatte der Krieg begonnen. Am 9. April kam der
G. d. K. Ritter M e 1 a s bei der österreichischen Armee an und
übernahm das Oberkommando. Bald darauf, am 14. April, rückte
das russische Armeekorps, 16.000 Mann stark, in Verona ein und
der russische Feldmarschall Suworow fibernahm das Kommando
über beide Armeen.
Das Grenadier - Bataillon Hohenfeld erhielt den Befehl, zu
dem Armeekorps des F.-M.-Lt. Grafen Bellegarde nach Tirol
abzurücken und setzte sich sogleich dorthin in Marsch. Bei seinem
Eintreffeu in Bozen erhielt dasselbe Haltbefehl, da Bellegarde
mit seinen Truppen den französischen General Lecourb bereits
jn die Schweiz zurückgeworfen hatte und sich nun am Marsche zur
335
italienischen Armee befand. Am 28. Mai war das ganze Korps Belle-
garde, dabei das Grenadier-Bataillon Hohenfeld, bei Como vereinigt
und marschirte dann über Mailand, Pavia nach Tortona.
Während das Grenadier-Bataillon diese Bewegungen ausführte,
hatte die österreichisch - russische Armee die Franzosen auf allen
Punkten geschlagen, die Lombardie erobert und war in Piemont
eingerückt. Das Grenadier- Bataillon wurde nun zur Blockade von
Tortona in der Brigade G. - M. A l c a i n i verwendet. Es war um
die Zeit, als der französische General Macdonald mit seiner
Armee über die Apcnninen gegen Bologna und Modena marschirte,
um sich mit M o r e a u zu vereinigen.
F.-M.-Lt. Graf Belle gar de erhielt den Befehl, wenn der
Feind mit Macht gegen ihn anrücken sollte, die Blockade von Tortona
aufzuheben, ihn jedoch zu hindern, etwas im Rücken der gegen
Piacenza vorrückenden Armee zu unternehmen.
Moreau hatte am IC. Juni 14.000 Mann zwischen Voltagio,
Garesio und Gari zusammengezogen. Bellegarde zog, auf die
Nachricht davou, seine Infanterie nach Spinetti zurück und hielt nur
Kavallerie - Posten zwischen der Orbe und der Scrivia. Den 18.
schickte Moreau den General Grenier mit senior Division nach
Seravalle; Grouchy mit der anderen besetzte Novi. Diese Be-
wegung gab zu Vorpostengefechten Anlass, welche den ganzen Tag
währten. Bei diesen Umständen war es nicht rathsam, die Blockade
von Tortona fortsetzen zu lassen. Bellegardo zog den General
Alcaini mit dem Blockade - Korps nach Spinetti, wo er alle seine
Truppen da, wo die beiden Strassen von Novi und Tortona sich
vereinigen, lagerte, um den Feind anzugreifen, wenn er in die Ebene
herunterkommen sollte; Grenier marschirte nun längs dem rechten
Scrivia -Ufer nach Tortona. Grouchy cotoirte dessen Marsch auf
dem linken Ufer, vertrieb die österreichischen Vorposten aus Rivaita
und zog sich bis hinter Torre di Garrafoli. Am 19. Hess Moreau
den General Grenier seinen Marsch bis Voghera fortsetzen,
während er selbst zwischen beiden Korps in Tortona blieb. Grouchy,
um den Marsch der anderen Division über Voghera zu decken, griff
am 20. die Vorposten des F.-M.-Lt. Bellegarde an und trieb
sie nach S. Giuliano zurück. Dieser rückte Grouchy entgegen,
licss seine Artillerie auf einer vorteilhaften Höhe auffahren, griff
unter dem Schutze derselben dessen rechten Flügel an und brachte
17i)H_17W>.
ihn zum Weichen. Das Gefecht schien für die Oesterreicher ent-
schieden zu sein, als gegen 4 Uhr nachmittags Moreau mit den
an der Scrivia zurückgebliebenen Bataillons herankam , auf den
rechten Flügel der Oesterreicher fiel und diesen zurückschlug. Sie
zogen sich über die Bormida zurück, ein Bataillon blieb bei Marengo,
um den Kückzug zu decken. Das Grenadier - Bataillon Hohenfeld
hatte einen Verlust von 26 Todten, 51 Verwundeten und 53 Ge-
fangenen, darunter die Division Teutschmeister 7 Todte, 21 Ver-
wundete und 12 Vermisste.
Indessen hatte Suworow am 19. und 20. die französische
Armee unter General Macdonald vernichtet; dieselbe verlor
4000 Mann an Todten und gegen 13.000 an Gefangenen. Nun eilte
Suworow dem F. -M. -Lt. Bellegarde zu Hilfe, brach sofort
auf und bezog schon am 27. ein Lager an der Orba, während seine
Avantgarde in Novi und Ovada Stellung nahm. Belle garde erhielt
den Auftrag, mit seinen Truppen Alessandria zu belagern. Macdonald
musste sich wieder hinter die Apenninen zurückziehen und trachten,
sich jenseits derselben mit der Armee Moreau's zu vereinigen, um
sich neu zu organisiren. Das Grenadier-Bataillon Hohenfeld ward in das
Korps des G. d. K. Ritter Melas, Division F.-M.-Lt. Frehlich und in
die Brigade General Loudon eingetheilt. Es wurde nun beschlossen,
mit der Hauptarmee keine weiteren Bewegungen vorzunehmen, bis
nicht die Festungen Mantua, Alessandria und Tortona gefallen wären.
Während diesen glücklichen Ereignissen bei der verbündeten
Armee in Italien, war das Regiment Ende Mai mit den beiden Feld-
uud dem dritten Bataillon von Wien aufgebrochen, durch Steiermark
und Kärnten nach Italien marschirt und im Juni bei der Belagerungs-
armee des F.-Z.-M. Kray vor Mantua eingetroffen, wo dasselbe
die Eintheilung in die Brigade General St. Julien erhielt.
Das Offiziers-Korps bestand nach der Standes-Liste des Monats
Juni 1799 aus:
Obrist-Inhabcr Erzherzog Maximilian Kranz. Hoch- u. Teutschmeister.
Obrist Regiments -Kommandant Karl von Brixcn.
Obristlieutenant Friedrich Kirchner, Josef Baron Urracca.
1. Major Joachim de Zuchari, 2. Major Ludwig Margo.
Kaplan CeUus K i c h t e r.
Adjutant Lorenz Bert hall.
Arzt Ferdinand Falta.
Auditor August Kittel.
Rechnungsführer Franz Kühne.
1798-17»».
337
Kompagnie
Hanptmann
Lieutenant
' Fähnrich
Kapitän- Ober- Unter-
* > VJ I V tl AVI HI
Karl
v. Tensy
-
Josef Till
v. Sternheim
Ferdinand
Graf Attems
"Wilhelm^
v. Keller
—
Jos. Werner
Josef
Pettencck
Kberhard
Niess
Ferdinand
Wittum
11 mint
Mayer
Karl Baron
Laudenberg
Johann
Stemmer
Obriat-
V WI J öl
Wenzel
Latin'
Franz
Graf Coreth
Louis
Gr. Ayatta
Johann
Br. Dellwig
Frz. Br. Beer
v. Plcichten
Ohrifltl ioiit -
.
Johann
Ilaaman
Franz
Kosterzky
Josef
(ir. Mohr
1 Mfiinr-
Michael
Fiala
Karl
v. Führer
Paul
v. (iaismar
Franz Gr.
Heissenstamm
2 Maior-
Louis
Br. Stael
Xepomuk ■ Josef
Albrecht Br. Sichel
Weiler-
Martin
Weller
—
Georg
Wallek
Sigmund
Koller
»ieorg
Kittkauer
Josef Andree
P<*tton<*k-
Kajetan
v. Pettenek
—
Kail
Br. Boul
Dionis
Benitzky
Ztirwestan-
Christof
v. Zarwesten
—
Johann Till
v. Sternheim
Kaspar
Gr. Coreth
\ i 1 1 1 'k 1 ] -
Johann
Br Andlan
—
Franz
Hervay
Franz
Gr. Thum
Josef
Riedera
Franz
Wisner
Co^terns-
VVOttll HO
Adolf
v. Costerus
—
Adolf
Steffens
Ferdinand
v. Fürer
Ostoich-
Vincenz
Ostoich
—
Johann
Schwarz
David Franz
r ranz nun
Snlavskv-
Ul' i Ca ! onj
Ignaz
v. Splarsky
—
Martin
Bruder
Georg
v. Grafern
josei uonaa
K i p^sp] -
Iii CöOVl"
.loh riipQ<spl
Josef
Br. Renette
Wilhelm
Br. Burcel
Heinrich
Carove
Mertloch-
Philipp
Mertlocii
Max
Blankenheim
Frz. Kaiser
Johann
Br. Imhof
Calti-
Adalbert
Catti
Mathias
Schmidt
Peregrin Gr.
Wolkenstein
Franz Rigl
Albrecht-
•
Jos. Albrecht
Aug. Bergner
Georg Dobay
Josef Bayer
Josef
Br. Galliot
Coletti-
Otto
Br. Coletti
Friedrich
Scholz
Johann Kolb
Johann Catti
Gerger-
ßamuel
Gerger
Georg
Mehlführer
Norbert
Krall
Bernhard
Vanotti
Stand 3620 Mann.
22
338
17!)« -1790,
Obristli entenant Willielm Beer v. PI eichten war in Foljre
Allerhöchster EntSchliessung vom 13. Februar 1799 mit Obrist-
Charakter pensionirt und in seine Stelle der Obristlieutenant Friedrich
Kirchner von Nr. 7 in das Regiment eingetheilt, mit jener vom
18. Mai 1798 der Obristlieutonaut Anton v. Vermatti zu Nr. 56
transferirt worden.
Mantua wurde von der Seite des Hornwerks und der Porta-
Pradella angegriffen. Am 5. Juli errichtete man zwei Batterien
bei C. Sparavera und Simeone und zog in der Nacht auf den 6.
eine verschanzte Linie Aber C. rossa, Chiesa nuova, Palazzino bis
Angioli an den Ober -See. Die Belagerten eröffneten, als sie am Tage
diese Arbeiten bemerkten ein sehr heftiges Feuer, so dass die Arbeiten
eingestellt werden mussten. Das Regiment hatte 2 Todte und 3 Ver-
wundete. Nun wurden rechts von Cerese vier Batterien eingeschnitten,
welche in der Nacht vom 9. zum 10. Juli fertig wurden und um
3 Uhr früh ein sehr lebhaftes Feuer gegen den Thurm eröffneten,
worauf zwei Bataillons zum Sturm vorrückten, welchen die Franzosen
nicht abwarteten, sondern eiligst in die Hauptverschanzung flüchteten.
Am 12. und 13. waren 300 Mann des Regimeuts, mit noch 2900 Mann
anderer Regimenter eifrigst an Erbauung der Verschanzungen von
Pietole bis Angioli beschäftigt, welche gegen Abend sammt der
Kommunikation vollendet waren.
In der Nacht auf den 14. wurde die erste Parallele, am 16. die
zweite eröffnet; in jener auf den 19. arbeiteten abermals 300 Mann
des Regiments im Vereine mit 3700 an den Batterien und Kommuni-
kationen. Das Regiment verlor 2 Todte und 7 Verwundete, da der
Feind durch das heftigste Geschütz- und Gewehrfeuer diese Arbeiten
stören wollte. Ein heftiges Gewitter am folgenden Tage zerstörte
diese mühsame Arbeit der Art, dass am 21. und 22. 5000 Arbeiter
tleissig beschäftigt waren, selbe wieder herzustellen. In der Nacht
auf den 24. wurde das letzte Geschütz eingeführt und den 24. mit
Tagesanbruch auf das gegebene Signal fingen alle Batterien zugleich,
sowohl diess- als jenseits des Mincio gegen die Festung zu feuern
an. Die Festung antwortete lebhaft, aber viele ihrer Batterien wurden
nach und nach zum Schweigen gebracht. Am 27. Juli konnte man
in der dritten Parallele auch am Tage arbeiten, da die feindlichen
Batterien ganz schwiegen. Gegen 10 Uhr schickte F.-Z.-M. Kray
in die Festung und Hess den feindlichen Kommandanten, Divisions-
i;jw-i7M.
330
General Foissac- Latour, zur Uebergabe auffordern, indem er
keinen Entsatz mehr hoffen und jetzt noch eine ehrenvolle Kapi-
tulation erhalten könne. Foissac verlangte freien Abzug der Garnison
nach Frankreich, welcher abgeschlagen wurde. Abends gegen 6 Uhr
kam indessen die Kapitulation zu Stande, und das Feuer wurde von
beiden Seiten eingestellt. Die Garnison ergab sich kriegsgefangen
und verpflichtete sieh, ein Jahr lang gegen die Verbündeten nicht
zu streiten. Als die Garnison, 7820 Mann, ausmarschirte, machte
auf der einen Seite das Regiment Teutschmeister, auf der anderen das
Regiment Nr. 16 Spalier. 600 Kanonen, 13.000 Gewehre, 1260 Pistolen,
eine grosse Masse Kriegsmateriale und Verpflegung auf ein Jahr
fiel den Siegern in die Hände.
F.-Z.-M. Kray Hess nach der Besitznahme von Mantua
7 Bataillons als Besatzung zurück, 11 Bataillons schickte er zur
Verstärkung K 1 e n a u 's gegen Ancona. Mit 22 Bataillons, dabei das
Regiment, zog er nach Cremona, wo er am 5. August eintraf und
3000 Kranke, darunter 295 vom Regiment, zurücklassen musste, so
dass er seinen Marsch nur mit 13.600 Mann zur Armee fortsetzen
konnte. Er erreichte den 10. August Casteggio und am 12. abends
Alessandria, wo er hinter der Hauptarmee ein Lager bezog. Diese
hatte indessen Alessandria und Seravalle erobert und war noch mit
der Belagerung von Tortona beschäftigt.
Die Franzosen benützten die Unthätigkeit der Verbündeten und
setzten die republikanische Kriegsmacht auf 450.000 Mann. Bei 25.000
Mann sammelten sich hinter den Alpen und bildeten eine neue Armee,
mit welcher General Championnet über Cuneo vordringen sollte.
General Joubert, ein junger kühner Mann, der sich unter Buona-
parte bereits Ruhm erworben hatte, erhielt das Oberkommando der
Armee in Italien, welche auf 75.000 Mann gebracht werden sollte
und traf in Moreau's Hauptquartier zu Cornigliano bei Genua,
mit dem gemessensten Befehle des Direktoriums ein, die Offensive
ohne Verzug zu ergreifen und um Tortona zu entsetzen, eine Schlacht
zu liefern. Demgeraäss brach er in drei Kolonnen längs den Flüssen
Lemme di Orba und Bormida aus den Apennineu hervor, liess die
Kolonnen bei Carosio, Mornese und Acqui debouchiren und bei Novi
sich zusammenziehen.
Am 13. August vertrieb der rechte Flügel der französischen
Armee die ihm entgegenstehenden Vorposten und rückte in die
22*
340
179S 171)9.
Stellung von Novi Tor, während sich der linke Flügel mit dem
Centrum vereinigte und auf den Höhen von Capriata, westlich von
Novi, lagerte.
Die Österreich! sehen Vorposten wurden über Pasturana zurück-
gedrängt; zn gleicher Zeit mussten sie die Gegend von Seravalle
verlassen, welcher Ort von den Franzosen cernirt wurde.
S u w o r o w hatte zuerst die Absicht, die Franzosen unge-
hindert in die Ebene vorrücken zu lassen, um von seiner Ueber-
legenheit an Reiterei und Geschütz den gehörigen Gebrauch machen
zu können ; doch änderte er plötzlich seinen Plan und befahl am
14. abends Kray mit dem rechten Flflgel der Armee, an welchen
sich Bellegarde angeschlossen hatte, den auf den Höhen von
Pasturana aufmarschirten linken Flügel des Feindes anzugreifen,
während die Russen die Mitte und Melas den rechten Flflgel be-
schäftigen würden. Kray setzte mit einbrechender Dämmerung
seine Truppen in zwei Kolonnen in Marsch, Hess auf Kanonen-
scliussweite vom Feinde in zwei Treffen aufmarschiren und erwartete
den Anbruch des Tages. Das Regiment Teutschmeister war in der
Kolonne links unter dem F.-M. -Lt. Ott, Brigade G. -M. Eisnitz
im ersten Treffen eingetheilt. Als es hell wurde, dass man alle
Gegenstände von einander unterscheiden konnte, wurde der fran-
zösische linke Flflgel angegriffen. Die Huszaren trieben die Vor-
posten zurück. Kray selbst griff mit den Oguliner und Szluiner
Kroaten an der Spitze der linken Kolonne die vom Feinde besetzten
Höhen an, während das erste Treffen dieser Kolonne auf dem Fusse
nachfolgte. Dieser Angriff wurde durch ein lebhaftes Kanonenfeuer
unterstützt und gelang vollkommen.
Um die nämliche Zeit griff auch F.-M.-Lt. Belle gar de mit
dem ersten Treffen seiner Kolonne, den äussersten linken Flflgel der
Franzosen an und erstürmte die zunächst der Ebene gelegenen Höhen.
Diese beiden Kolonnen behaupteten sich unter dem heftigsten Feuer
auf diesen Höhen gegen zwei Stunden und Bellegarde Hess nun
auch die weiter rückwärts gelegenen Höhen angreifen, welche die
Franzosen auch schon zu verlassen begannen. Indessen bemerkte
Joubert, welcher von seiner dominanten Stellung alles, was sich
in der Ebene von Novi zutrug, deutlich sehen konnte, dass er für
seine Mitte und rechten Flügel nichts zu besorgen habe, da Su-
worow und Melas nicht vorrückten. Er setzte sich daher an die
171)8 1790.
341
Spitze seiner hinter Novi aufgestellten Reserven und grill die Truppen
des F. -M. -Lt. Kray, welche durch das Gelecht von mehreren
Stunden schon viel gelitten hatten, in ihrer Front und linken Seite
an, schlug sie zurück und nahm die meisten Hohen, welche er
anfanglich inne hatte, wieder in Besitz, ohne jedoch den F.-M.-Lt.
Kray in die Ebene zu verfolgen, welcher seine in Unordnung ge-
ratenen Bataillons hinter seinem zweiten Treffen wieder in Ordnung
zu bringen suchte. Die Division Bellegarde behauptete sich noch
auf den ersten Höhen, wo man von beiden Seiten mit der grössten
Hartnäckigkeit stritt.
Bei diesem Angriff der Franzosen gegen F.-M.-Lt. Kray
hatte der Korporal Strakate des Regiments einen jungen fran-
zösischen General bemerkt, welcher ganz nahe an die Plänklerlinie
geritten kam, um den linken Flügel zu rekognosziren. Strakate
eilte mit 11 Mann, durch Bäume und Gestrüppe gedeckt, rasch gegen
ihn vor, kommandirte , Feuer", worauf der feindliche General, welcher
gerade seinen Leuten „en avant!" zurief, tödtlich getroffen vom
Pferde fiel. Nach der Schlacht stellte es sich heraus, dass der Ge-
troffene der Obergeneral Joubert war, welcher von einem Teutsch-
meister - Infanteristen durch die Brust geschossen, wenige Stunden
darauf starb. Moreau übernahm an seiner Stelle das Oberkommando.
Der mit Einsicht und vieler Entschlossenheit ausgeführte An-
griff des Kray 'sehen Korps würde vielleicht schon das Schicksal
dieses Tages entschieden haben, wenn eine Uebereinstimmung in
den ertheilten Befehlen geherrscht hätte. Allein Melas hatte den
* Befehl erhalten, nur einige Detachemente gegen den feindlichen
rechten Flügel abzusenden, sonst aber keinen Mann in Bewegung zu
setzen; auch die Russen blieben ruhig in ihrem Lager und er-
schienen erst um 9 Uhr, mithin 5 Stunden später, vorwärts Pozzolo
formigaro.
Um diese Stunde erhielt F.-M. Kray vom F.-M. Suworow
den Befehl, den Angriff mit dem rechten Flügel zu erneuern, mit
der Versicherung, dass die ganze Armee mitwirken werde. Kray
ermahnte seine Truppen und setzte sie augenblicklich in Bewegung.
Mit festem Schritt drang das Regiment Teutschmeister, sowie die
übrigen Bataillone, unter dem schrecklichsten Feuer in den Feind.
Die beiden französischen Divisionen Lemoine und Grouchy wurden
in Unordnung gebracht, geworfen und die vorderste Höhe ihrer
342
179S-1799,
Stellung abermals besetzt. Zu gleicher Zeit Hess Suworow die
Mitte der französischen Stellung — die wohlbesetzte Stadt Novi
und die nächst der Stadt liegenden steilen Höhen — durch seine
Russen angreifen, welche aber mit bedeutendem Verluste zurück
mussten. In Folge dieses ungünstigen Ereignisses musste auch
F.-M.-Lt. Kray wieder weichen und die zum zweiten Male eroberten
Höhen verlassen, jedoch nahmen seine Truppen deu General Par-
terrenaux, weil er zu hitzig verfolgte, gefangen. Kray sammelte
in diesem gefahrlichen Augenblick seine ganze Reiterei, welche noch
nicht in's Gefecht gekommen war, um dem Feinde, wenn er ihm in
der Ebene folgen sollte, damit entgegen zu gehen, und liess zugleich
sein gesammtes Geschütz aufführen. Indessen behauptete sich ein
Theil der Infanterie, darunter auch einige Kompagnien Teutsch-
meister in den Hecken und Casincn auf der Höhe links von Pastu-
rana und bedrohten dadurch immerwahrend den französischen linken
Flügel. Einige französische Bataillons, welche doch vordrangen,
wurden von der Kavallerie mit verhängtem Zügel angegriffen und in
die Schluchten und Graben zurückgejagt.
Es war bereits Mittag, aber die Schlacht war noch nicht ent-
schieden. Durch grosse Anstrengung und die Hitze des Tages
erschöpft, sah man sich auf beiden Seiten genöthigt, eine Pause
zu machen, welche nur durch einzelne Kanonenschüsse und das
Musketenfeuer der leichten Truppen hinter den Hecken unter-
brochen wurde.
Während diesem Kampfe hatte M e 1 a s mit dem österreichischen
linken Flügel im Lager von Rivaita auf einen Befehl des Feld-,
marschalls zur Theilnahme an der Schlacht gewartet. Gegen 11 Uhr
erhielt er von seinen entsendeten Detachements die Nachricht, dass
das Centrum und der rechte Flügel der Armee weichen mussten. Er
liess nun seine Truppen ungesäumt die Waffen ergreifen und rückte
in drei Kolonnen vor. Die beiden russischen Divisionen hatten sich
wieder formirt, um den Angriff mit aller Kraft zu erneuern. Das
Kray'sche Korps, welches durch eilf Stunden mit der grössten
Anstrengung gefochten, den Feind zweimal aus seiner Stellung ver-
drängt, gegen dessen üebermacht sich behauptet und bei der grossen
Hitze sich keine Labung hatte verschaffen können, weil in der
ganzen Gegend nicht einmal Wasser zu rinden war, griff demunge-
achtet, durch das Beispiel seiner Generale und Offiziere aufgemuntert,
17t>K-17»f>.
343
den linken Flügel der Franzosen mit neuem Muth und Entschlossen-
heit an. Es erstürmte zum dritteu Male die von den Franzosen auf
das Tapferste vertheidigteu Höhen.
So glücklich dieser neue Angriff des rechten Flügels ausfiel,
so wenig konnte jener auf die Mitte der französischen Stellung
gelingen, welche eigentlich unangreifbar war. Dreimal stürmten die
Russen mit ausgezeichneter Tapferkeit, konnten sich aber nicht
behaupten und mussteu wieder nach Pozzolo formigaro zurück. K r a y,
welcher seine zum drittenmale eroberte Stellung um keinen Preis
mehr aufgeben wollte, sicherte seine nun wieder blosgestellte Flanke
durch die Kavallerie uud einige Kompagnien, worunter sich auch
eine von Teutschmeister befand.
Es war nun kein Augenblick mehr zu verlieren, deun man
durfte den aus Novi hervorkommenden Frauzosen nicht Zeit lassen,
sich am Rande des Plateau festzusetzen. Melas traf zur rechten
Zeit ein ; seine vorderste Brigade Mittrowsky hatte bereits den Monte
rotondo erreicht, welcher die Brigade Loudon, dabei das Grenadier-
Bataillon Hohenfeld als Unterstützung folgte. Die übrigen Truppen
schwenkten rechts auf, griffen sofort das Plateau an und zwangen
den Feind zum Rückzug nach Novi. Nun erstürmten die Truppen
des Korps Melas auch die von dem Monte rotondo gegen Novi
ziehende Höhe, welche die Franzosen mit v ieler Hartnäckigkeit ver-
theidigten. Lange blieb der Kampf unentschieden, doch plötzlich
wendete sich der Sieg auf die Seite der Uesterrcicher.
Die Brigaden Mittrowsky uud Loudon hatten sich indessen auf
dem Monte rotondo formirt und rückten in geschlossener Ordnung
längs dem Abfall herunter, in die rechte Flanke der Franzosen.
M o r e a u nahm einige Bataillons aus der Linie und ging ihnen
entgegen. Allein als diese von den Grenadier- Bataillons Weisseu-
wolf, Görscher und Hohenfeld geworfen wurden und die mit klin-
gendem Spiel nachrückenden Brigaden sich endlich auch der Strasse
von Novi und Gavi bemeisterten, so gab Moreau den Befehl zum
Rückzug über Tassarolo und Pasturaua.
Die zur Deckung dieses Rückzuges aufgestellten Brigaden
wurden nun überall geworfen, auch Novi mit Sturm genommen und
der Feind durch die Brigaden des Korps Melas so lebhaft ver-
folgt, dass er sich nirgends mehr formiren, noch bedeutenden Wider-
stand leisten konnte. Kray vereinigte sich mit Melas und nahm
344
170S-17W.
bei dieser Gelegenheit 2000 Franzosen gefangen. Die Generale
G r o n 0 h y und P c r i g n o n brachten nocli einige Haufen zusammen,
um die Artillerie zu retten ; nach einem heftigen, aber kurzen Ge-
fechte, au welchem sich auch einige Kompagnien Teutschmeister
betheiligten, wurden auch diese geschlagen und beide Generale ge-
fangen. Dfe Russen erstürmten Pasturana; es entstand im Dorf ein
fürchterliches Gemetzel, wobei die Russen kein Pardon gaben. Nur
diejenigen Franzosen, welche dem Kray'schen Korps in die Hände
fielen, retteten ihr Leben.
Die Franzosen verloren 22 Kanonen, 28 Munitionskarren und
4 Fahnen ; sie Hessen an Todten und Gefangenen 9000 Mann auf
dem Platze. Das Krav'sche Korps hatte 710 Todte, 3260 Verwundete
und 1175 Gefangene oder Vermisste, darunter das Regiment Teutsch-
meister Todte: Fähnrich Josef Andr^e und Ferdinand v. Führer,
122 Mann; Verwundete: 427 Mann; Gefangen und Vermisst: 210 Mann
vom Feldwebel abwärts. Die Grenadier -Division 7 Todte, 23 Ver-
wundete. Die Schlacht bei Novi war die blutigste seit dem Anfange
des Revolutionskrieges. Das Regiment Teutschmeister hatte sich an
diesem Tage mit Ruhm bedeckt und derselbe füllt eines der ehren-
vollsten Blätter seiner Geschichte.
G. d. K. Ritter Melas als Oberkommandant der österreichischen
Armee, sagt in der Relation über diese Schlacht: „Ich finde nicht
„Ausdrücke und Worte genug, um das Verdienst, die unerschütter-
liche Tapferkeit und den bis zur Begeisterung gestiegenen Muth
„der ganzen Armee, sowie jenen der gesammten Herren Generals,
„ Stabs- und Oberoffiziere hinlänglich zu schildern und ich muss ge-
stehen, dass jedes einzelne Individuum an diesen für die k. k. Waffen
„ewig merkwürdigen Tage, wo jeder Schritt mit Blut bezeichnet
„ward, sich einen Anspruch auf unsterblichen Ruhm und allgemeine
„Achtung erworben hat."
Feldwebel Ignaz Radmanu, welcher sich in dieser Schlacht
hervorragend ausgezeichnet hatte, erhielt die silberne Ehren -Denk-
münze.
So eifrig Suworow vorher alles zu einer Unternehmung in
die Riviera vorbereitet hatte, so wenig nützte er den Sieg von Novi,
der ihm doch den Weg nach Genua öffnete, dazu aus. Er beschränkte
sich den Tag nach der Schlacht darauf, den Monte Mesina bei Gavi
durch eine russische Division besetzen zu lassen, sendete Bellegarde
1798—179».
345
nach Acqui, Kray nach Alessandria und Melas mit seinem Korps
in das alte Lager bei Rivaita an der Serivia; das Hauptquartier
blieb zu Novi. Die Ursache dieser Uiithätigkeit Suworow's war
die ihm zugekommene Nachricht, dass er in Folge einer Ueberein-
kunft der drei verbündeten Mächte mit den russischen Truppen
Italien verlassen und in die Schweiz abrücken werde.
Nachdem sich die Truppen einige Tage nach der Schlacht
erholt hatten, marschirte die ganze Armee nach Asti, wo sie den
20. August eintraf. Als hier die Nachricht einlangte, dass die
Truppen von dem Gotthard und Symplon zurflckgedrflckt worden,
schickte der Feldmarschall den F.-Z.-M. Kray mit 14 Bataillons,
dabei Teutschmeister und zwei Kavallerie-Regimenter nach Novarra
ab, um jene Truppen im Nothfalle zu unterstützen. Dieser lagerte
den 20. August bei Vigevano und erreichte am 21. Novaria. Als er
erfuhr, dass Lecourbe sich wieder zurückgezogen habe, liess er
nur die Brigade Loudon bei Novarra stehen ; er selbst aber ging am
27. August mit dem Ueberrest seines Korps nach Mortara zurück.
»Die Armee stand noch immer bei Asti und die Franzosen
konnten ungehindert sich hinter den Pässen der Apennineu sammeln
und wieder erholen. Am 8. September brach Suworow mit den
Russen auf und marschirte in die Schweiz. F.-Z.-M. Melas
übernahm das Kommando der österreichischen Truppen und führte
sie, als am 11. abends sich die Festung Tortona ergeben hatte, an
demselben Tage in das Lager bei Bra, zwischen der Stura und
dem Tanaro.
Das Regiment wurde im letzten Drittel des August, mit dem
Regiment Nr. 48 in der Gegend von Fossano und Savigliano im
Tanaro- und Maira-Thale in Picmout zur Unterstützung der dort
stehenden Kavallerie in der Brigade seines Obrist von Brixen vereint,
zum Vorpostendienst verwendet, wo es häufig Plänkler- Scharmützel
mit den feindlichen Posten bestand.
Der französische General Championnet liess am 14. September
seine Vortruppen aus dem Stura-, Grana- und Mairathai vorbrechen,
welche von den Oesterreichern bei Voltignasco und Valdigio bis zum
16. aufgehalten wurden. Am 17. aber drangen die Franzosen mit
7000 Mann bis Fossano und Savigliano vor. Das Regiment, welches
Kompagnieweise zerstreut zum Vorpostendienst aufgestellt war,
konnte sich nur mit äusserster Anstrengung, immerwährend gegen
340
179S-17JM».
bedeutende Ucbermaclit kämpfend, sammeln. Nach einem mehr-
stündigen äusserst hartnäckigen Gefechte Hess, der mittlerweile das
Kommando der Brigade übernommene General Gottes heim seine
Truppen nach Marcne vor Bra zurückmarsehiren, wohin der Feind
nachpatrouillirte. 379 Mann des Regiments, welche auf Vorposten
abgeschnitten wurden, gerietheil in Gefangenschaft; ausser diesen
blieben 13 Mann todt und 21 waren verwundet.
So wenig wahrscheinlich es war, dass die aus den genannten
Thälern vorgedrungenen französischen Abtheilungen einen Angriff
auf die Stellung der österreichischen Hauptarmee wagen würden, so
beschloss M e 1 a s dennoch, den Feind anzugreifen und in die Gebirge
zurückzuwerfen. Hiezu wurden zwei Augriffs - Kolonnen, jede 10.000
Mann stark, unter F.-M.-Lt. Ott und Kray formirt. Die erste
Kolonne unter Ott, bei welcher sich Melas befand, traf, nachdem
sie am 18. September um 11 Uhr vormittags aus der Stellung bei
Bra aufgebrochen war, um 4 Uhr in der Gegend von Savigliano
ein, stiess hier auf den Feind und warf ihn bis zur Brücke Alea
vor Savigliano zurück. Hier stellten sich aber die Franzosen, ent-
schlossen alles anzuwenden, um Fluss und Brücke zu vertheidigen ;
auch schlugen sie tapfer den ersten Angriff der österreichischen
Infanterie zurück.
Während nun F.-M.-Lt. Ott die feindliche Linie heftig
kanoniren Hess, sandte er eiu Bataillon gegen Cavalero raaggiore,
welches die Grana durchwatete und mit Ungestüm in des Feindes
Flanke fiel. Ein Bataillon ging über Canavere und bedrohte des
Feindes Rückzug nach Cuneo. Unterdessen waren die zwei Grenadier-
Brigaden angelangt und der Kampf ward allgemein. Im Sturmschritt
und mit gefülltem Bajounete griffen die Braven den Feind an, der
die Kolonnen mit einem verheerenden Kartätschenfeuer empfing.
Aber die Gefahr verachtend, erstürmten die Grenadiere die Brücke
und warfen den Feind aus Savigliano. Die Franzosen zogen sich in
voller Unordnung zurück und wurden bis Maresco verfolgt; 2 Kauoneu
wurden erobert, 23 Offiziere uud G00 Mann gefaugeu genommen.
Der Franzosen Verlust belief sich auf 1200 Mann, jener der Oester-
reicher auf 320 Mann. Das Regiment hatte 5 Todte, 10 Verwundete,
die Grenadier -Division TVutschmcister 11 Verwundete. Auch die
zweite Kolonne hatte den Feind total geschlagen, welcher dann nach
Cuneo retirirte.
1708-179*.
347
Nun sammelte Melas seine Haupttruppe am 19. bei Savigliauo,
nahm mit dem rechten Flügel an der Maira Stellung und dehnte
den linken gegen S. Lorenzo aus ; gleichzeitig beschloss er den Feind
aus den Ebenen zu vertreiben, bevor die Vereinigung der feindlichen
Korps zu Stande käme. Zu diesem Behufe rückte F.-M.-Lt. Fürst
Liechtenstein am 22. mit 18 Bataillons gegen Piguerole, schlug
dort am 23. 6000 Franzosen aus ihren verschanzten Stellungen,
zwang sie nach Fenestrelles zu retirireu und rückte dann wieder in
Savigliauo ein.
Durch diese siegreichen Gefechte waren des Feindes Ab-
sichten überall vereitelt. Melas konnte nun auf die Vereinigung
der in der Riviera aufgestellten Truppen mit jenen die bei Cuneo
versammelt waren, rechnen. Am 29. September marschirte die Armee
nach La Trinitä; die Brigade St. Julien, dabei das Regiment, kam
als Garnison nach Cherasco. Am 30. bezog die Armee das Lager
bei Magliano di sopra, um die feindlichen Bewegungen in der Nähe
zu bewachen. Die französische Armee hatte sich unterdessen aus
der Riviera gegen Cuneo gezogen; dieselbe war 20.000 Mann stark
und vermied sorgfältig jede Gelegenheit zu einer Schlacht.
Am 1. Oktober brach eine starke feindliche Kolonne über Villa
nuova gegen Mondovi vor, wurde aber abgewiesen. Um nun den
General Gottes heim in der Gegend von Villa nuova zu unter-
stützen, sandte der Kommandirende den General Loudon mit sechs
Grenadier - Bataillons, dabei Hohenfeld, gegen Chiusa vor. Loudon
bemächtigte sich am 2. Oktober dieses Postens, nahm den General
Gui Hotte und 70 Mann gefangen, eroberte einen Munitionspark
und zog sich am 3. über Bainettc wieder in das Lager bei Magliano.
Obristlieutenant Hohenfeld wurde in der Relation besonders an-
gerühmt. Die Grenadier-Division hatte keinen Verlust.
Des Feindes Bewegungen gegen Acqui bestimmten Melas,
diesen Ort zu besetzen und von Cherasco aus, über Dogliani und Bel-
vedere, gegen Mulossano eine starke Rekognoszirung anzubefehlen.
Das Regiment führte diese aus, ohne auf den Feind zu stossen.
Indessen hatte Masse na die Schweiz erobert und durch die
Schlacht bei Zürich das linke Rhein-Ufer gewonnen. Diese Ereignisse
machten die Lage des österreichischen Heeres in Italien sehr be-
denklich, denn dessen beide Flügel waren somit umklammert, aber
je weniger die Verhältnisse die Absichten des österreichischen Feld-
348
1798-17»».
heim begünstigten, je mehr erhob der Werth und die Tapferkeit
seiner Truppen ihn über die Bedränguiss seiner Lage. F. - M. - Lt.
Haddik wurde in Ivrea zur Unterstützung der Truppen am Gotthard
aufgestellt und Aroua am Lago maggiore in Verteidigungszustand
gesetzt.
Championnet griff am 9. Oktober früh mit 12.000 Mann
Margarita und Busca an, worauf drei Bataillons zur Unterstützung
des Generals Gottes heim auf Marozzo vorrückten und den Feind
zwangen, auf allen Punkten zurückzugehen.
Da der Feind bei Cuneo sich immer mehr verstärkte, beschloss
Melas, sein Lager bei Magliano zu verlassen, näher gegen Cuneo
in die Ebene vorzurücken, dem Feinde eine Schlacht anzubieten
und dadurch das Schicksal Cuneo's zu entscheiden. Am 12. Oktober
früh 6 Uhr setzten sich die T nippen in Marsch und bezogen das
Lager bei Margarita. Obrist Festenberg befehligte die Vorposten-
kette von Villa nuova bis Mondovi und zwischen letzterem Orte
bis Carru (welches Obrist Brixen von Cherasco aus mit einem
Bataillon Teutschmeister besetzt hatte) längs dem Ellero und Tanaro.
Durch diese drohende Stellung sollte der Feind gezwungen werden,
eine Schlacht zu liefern oder sich tief in die Gebirge zurückzu-
ziehen.
Die Franzosen hielten das auf der Strasse nach Cuneo ge-
legene Dorf Bainette mit 2000 Mann besetzt; General Mittrowsky
griff sie am 13. um 2 Uhr früh an und warf sie nach einem hart-
näckigen Gefechte, welches mehrere Stunden währte, gegen Cuneo
zurück.
Um die Stellung der Armee mit dem rechten Flügel in nähere
Verbindung zu bringen, wurde derselbe am 18. Oktober auf das
rechte Stura-Ufer gezogen, Castelletto und Marozzo verschanzt.
Am 19. allarmirte der Feind die ganze Linie. Am linken
Stura - Ufer rückte er in drei Kolonnen gegen Ccntale und Benigno
vor. Gegen Mondovi und Carru kamen ebenfalls feindliche Ab-
theilungen und gegen abeuds bewegten sich 2000 Mann auf Bainette,
welches die Oesterreicher räumten. Melas vermuthete einen allge-
meinen Angriff, da sich um das Dorf Carru ein heftiger Kampf
entsponnen hatte. Er liess daher die Armee die Waffen ergreifen,
aber die Stellung der Oesterreicher schien dem feindlichen Ober-
general zu vortheilhaft , dass er auch diesmal den Kampf nicht
Digitized by Google
1 79* 1799.
349
wagte, sondern nur die Division Victor bei Bainette stehen Hess
und sich zurückzog. Bei Carru scheiterten alle Anstrengungen der
Franzosen an der Tapferkeit und Standhaftigkeit des Bataillons
Teutschmeister, welches alle Angriffe blutig zurückwies.
F.-M.-Lt. Ott griff am 21. die Division Victor in Bainette
an, erstürmte den Ort, eroberte zwei Kanonen, nahm 530 Mann
gefangen und zwang die Franzosen mit einem Verlust von 600 Mann,
welche todt oder verwundet das Schlachtfeld bedeckten, in das Ge-
birge zu retiriren. An demselben Tage vereinigten sich die Brigade
Gardanne und ein Theil der Division Le Moino und besetzten die
Anhöhen von Mondovi. M elas schickte sogleich den Ohrist B rix en
mit fünf Bataillons, darunter zwei des Regiments nach Mondovi,
mit dem Auftrage, sich dort so aufzustellen, dass er den Feind,
welcher von Villa nuova oder Monastero kommen könnte, bedrohe.
Am 25. erhielt der Feind Über Vico und Lezegno Verstärkungen
und rückte gegen Mondovi vor. General L e M o i n e fordert am 27.
den Obristen v. Briien zur Uebergabe auf, was dieser entschlossen
abschlug. Durch den Besitz von Mondovi hätte der Feind seine Ver-
teidigungsstellung sehr verstärkt; Melas sendete daher den General
Auersperg mit 6 Bataillons und 2 Eskadronen den Posten zu
entsetzen. Obrist v. B r i x e n hatte mit seinen 5 Bataillons und
3 Eskadronen die Vorstädte Crassone, Breo und Pian delle Valle
besetzt und hielt sich auf das tapferste.
General Auersperg brach am 26. aus dem Lager bei
Montanera auf und zog sich nach Carru. Am folgenden Tage setzte
er sich gegen Niella in Marsch, Hess dort durch zwei Bataillone
den Feind angreifen und wandte sich mit seinen übrigen Truppen
nächst Lezegno nach S. Michele. Hinter diesem Orte hatte der Feind
die Reserve seines Berennungskorps von Mondovi aufgestellt. Ent-
schlossen griff sie General Auersperg an und warf sie nach
Vico ; gleichzeitig unternahm auch Obrist B r i x e n einen Ausfall
und schlug den Feind vor Mondovi zurück; die eingetretene Nacht
hinderte die weitere Verfolgung. Bei diesem Ausfall blieb der
Fähnrich Paul v. Gaismar und 30 Mann todt, Lieutenant Josef
Baron G a 1 1 i o t, Oberlieutenant Michael F i a 1 a nebst 47 Mann
geriethen in Gefangenschaft.
Indessen sendete der Feind eine starke Kolonne nach Lezegno,
um die Verbindung des General Auersperg mit der in Nieila
3Ö0
1708-170!).
zurückgelassene Truppe zu unterbrechen. Auersperg Hess mit
Tagesanbruch am 20. diese Kolonne Oberfallen, eroberte 2 Fahnen
und 3 Kanonen und nahm den General Grossart mit 20 Offizieren
und 453 Mann gefangen. Le Moine marschirte nach Monastero, gab
seine Absichten auf Mondovi auf und kehrte in das Gebirge zurück.
Während diesen Kämpfen um Mondovi hatte der Feind die
Vorposten bei Genola angegriffen und zwei Halb-Brigaden drängten
auch die österreichischen Vorposten vor Piansey bis hinter die
Kapelle von (iottardo. In Piansey theilte sich der Feind und rückte
durch das Pagliola- und Pesiothal auf Maria di Rocca vor. Aber
die aus dem Hauptquartier vorgeschickten Unterstützungen warfen
alle drei Kolonnen bis Chiusa, Bainette und S. Carlo delle Gambe
zurück. Das dritte Bataillon Teutschmeister, welches von Carru bei
der Armee eingerückt war, kam hier in das Gefecht. Major Joachim
de Zuchari und fünf Mann wurden verwundet.
Championnet zog am 30. seine Truppen gegen Murazzo
und Centale vor und sammelte 12.000 Mann auf dem linken Stura-
Ufer. Da diese den rechten Flügel der Oesterreicher bedrohten,
beschloss F.-Z.-M. Melas sie anzugreifen und durch einen Haupt-
schlag den theilweisen Kämpfen ein Ende zu machen. Noch
am 30. abends wurden bei Montanera und Castelletto im Angesicht
des Feindes zwei Brücken geschlagen. Die Divisionen Ott, bei
welcher sich das Greuadier-Bataillon Hohenfeld befand, und Eisnitz
sammelten sich vor Tagesanbruch am 31. bei diesen Brücken und,
nachdem das österreichische Geschütz das feindliche bald zum
Schweigen gebracht hatte, übersetzten beide Kolonnen zu gleicher
Zeit den Fluss, passirten überraschend schnell den langen und
beschwerlichen Engweg, und obgleich das Terrain für die Franzosen
sehr günstig war, wurden sie trotz ihres mörderischen Feuers von
den Anhöhen vertrieben und in die Ebene geworfen. Jetzt benützte
die österreichische Reiterei die Verwirrung der Franzosen und nur
die schnelle Flucht rettete sie vor gänzlicher Aufreibung. Eisnitz
verfolgte den Feind bis unter die Kanonen von Cnneo; Ott ver-
folgte ihn bis Busca. Bis zum Abend blieb die Armee an der Grana ;
vier Kanonen und 800 Gefangene fielen in die Hände der Sieger.
Die Grenadier - Division hatte 2 Todte und 13 Verwundete.
In der Nacht ging die Armee, da der General Duhesme
mit bedeutenden Verstärkungen anrückte, wieder auf das rechte
Digitized by Google
17f)S- 170f».
351
Stura-Ufer zurück und bezog die Stellung bei Magliano di sopra.
Durch die eingetroffene Verstärkung war die Macht der Fran-
zosen auf 45.000 Mann angewachsen und Championnet fühlte
sich nun stark genug, die Stunde der Entscheidung selbst herbei-
führen zu können. Schon am 1. November drang er wieder bis
Murazzo vor, drückte am 2. die ganze österreichische Vorposten-
kette zurück, bemeisterte sich des Ortes Genola und beorderte am 3.
eine Division nach Savigliano, um den rechten Flügel der Oester-
reicher zu umgehen.
In Folge dieser Bewegungen des Feindes Hess F.-Z.-M. Melas
die Armee wieder auf das linke Stura-Ufer übergehen, Mondovi
wurde verlassen , dort zehn piemontesische Kanonen , die nicht
fortzubringen waren, vernagelt und ihre Munition vertilgt Die
Besatzung unter Obrist B r i x e n, bei welcher auch das dritte
Bataillon eingerückt, mithin das ganze Regiment vereinigt war,
marschirte nach Cherasco.
Am 3. November um 7 Uhr abends rückte die feindliche
Avantgarde in die Vorstadt von Fossano. Melas bildete nun drei
Angriffskolonnen und bestimmte die erste unter den Befehlen des
F.-M.-Lt. 0 1 1, Savigliano, welches nachmittags die österreichischen
Vorposten verlassen und von der Division Orenier in Besitz ge-
nommen wurde, anzugreifen, den Feind daraus zu vertreiben, ihn
schwach nach Laguasco zu verfolgen, mit der ganzen Stärke sich aber
nach Voltinasco und Valdigio zu wenden.
Endlich erschien der von der Armee und ihrem Feldherrn lang
ersehnte Tag, der 4. November 1799. Um 4 Uhr früh, von einem
dunklen Morgen begünstigt, rückten in stiller Ordnung die Kolonnen
beider Heere vor, jeder Theil entschlossen, des Feldzugs Ende zu
erzwingen, ihrer Waffen Ehre mit aller Kraft zu erhalten. So stiessen
die Divisionen Victor und Grenier, bei 18.000 Mann stark, auf deu
F.-M.-Lt. Ott, um Marenne anzugreifen. Das Gefecht wurde sogleich
äusserst heftig, die Batterien fuhren auf und eine furchtbare Kanonade
war die Verkünderin des Angriffs auf der ganzen Linie. Wechsel-
weise bestrebten sich beide Theile, einander zu umgehen und so gut
als es das durchschnittene Terrain erlaubte, entwickelten sich die
Kolonnen. Der energische F.-M.-Lt. Ott, welcher von einerlangen
Kanonade keine Entscheidung erwartete, befahl auf seiner ganzen
Linie vorzurücken und stürzte treffenweise mit immer frischen
352
1798- 1790.
Truppen auf den Feind, welcher nach einem zweistündigen Wider-
stand zum Weichen gezwungen war. Jeden Schritt standhaft ver-
teidigend, zog sich der Feind nach Sayigliano, wo die beiden
feindlichen Generale durch eine heftige Kanonade den F. -M. -Lt.
Ott in seinem Vordringen hemmen wollten, aber die Truppen nahmen
mit unwiderstehlicher Tapferkeit diesen Ort. Ott Hess nun die
Stadt durch ein Grenadier -Bataillon besetzten, schickte den General
Auersperg mit einer Brigade gegen Voltinasco und verfolgte mit
dem Reste den sich nach Valdigio ziehenden Feind. Um 2 Uhr
nachmittags griff Ott diesen Ort an, wo sieh auch die bereits von
Genola zurückgeschlagenen französischen Truppen aufgestellt hatten.
Aber die Sieger fanden keinen Widerstand, denn der Feind trat
seinen Rückzug nach Centale an, um dort nach der Vereinigung
den Kampf herzustellen. Aber M e 1 a s ging auch hier auf ihn los
und trieb ihn gegen Cuneo, wo die Nacht dem Gefechte ein Ende
machte.
Noch waren die Orte Madonna dell' Olmo, Ronchi und Murazzo
vom Feinde besetzt. Am 5. November Hess Melas den F.-M.-Lt.
Ott bis an das verschanzte Lager Madonna dell' Olmo vorrücken,
während Eisnitz Murazzo im Rücken nahm und die Franzosen
von dort vertrieb. Zwar wollte sich ein Theil derselben durch die
Stura retten, was aber nur wenigen gelang, denn bei 400 Mann
fanden in den Finthen den Tod und mehr als 1000 Mann wurden
gefangen. Die österreichische Armee stellte sich zwischen Murazzo
und Ronchi auf; sie hatte einen glänzenden Sieg erfochten! Die
Franzosen hatten 8000 Mann verloren, 180 Offiziere und 4000 Mann
waren gefangen. Die Grenadier -Division Teutschmeister, welche im
Bataillon Hohenfeld, in der Grenadier - Brigade Weidenfeld, die
Schlacht und oft in erster Linie mit besonderer Bravour mitgemacht
hatte, war vom Glücke so begünstigt, dass sie gar keinen Verlust
zählte. Obristlieutenant Graf H oben fei d wurde in der Relation
unter den Ausgezeichnetsten genannt, ein Beweis, dass das Bataillon
sich besonders hervorgethan hatte.
Melas beschloss, allen möglichen Vortheil aus seinem Siege
zu ziehen, dem Feind jede Vereinigung zu wehren und ordnete daher
eine allgemeine Verfolgung an. Die Divisionen Ott und Mittrowsky
gingen zu diesem Zwecke, das Granathai durchstreifend, nach
Caraglio, von wo dann Ott die Stellung der Franzosen bei Borgo
Digitized by Google
1708-1790.
353
S. Dalmazzo rekognoszirte, diese angriff und nach einem hartnackigen
Kampfe, in welchem die ausgezeichnete Wirkung der österreichischen
Artillerie den Ausschlag gab, den Feind zwang flher den Gesso zu
gehen und nach Vernate zu retiriren.
Nachdem nun der Feind bis zum Col di Tenda und an den
Tanaro zurückgeschlagen war, Hess M e 1 a s die Festung Cuneo be-
lagern. F. - M. - Lt. Ffirst Johann Liechtenstein erhielt das
Kommando der Belagerung: die Division Ott als erste Beobachtungs-
abtheilung lagerte hei Roccavione, zwischen der Vermagna und Gesso,
beide Thäler deckend. Am 3. Dezember kapitulirte Cuneo; die
Garnison rückte am 4. Dezember nachmittags, 3000 Mann stark,
mit allen Ehrenzeichen und zwei Kanonen aus der Festung, streckte
auf dem Glacis die Waffen und wurde kriegsgefangen in die öster-
reichischen Erblande abgeführt. In Cuneo wurden 14G Kanonen,
41 Mörser, 1400 Zentner Pulver, 2000 Gewehre und eine grosse
Menge Kriegsmaterial erobert.
Melas Hos8 die Hauptarmee am 8. Dezember enge Kauton-
nirungen beziehen. Die Grenadiere in der Division des F.-M.-Lt. Graf
Karaczay. welcher zum Kommandanten von Cuneo ernannt wurde
und in der Brigade General Weidenfeld kantonnirten in Coni;
das Regiment in der Division F. - M. - Lt. Graf Mittrowsky, Bri-
gade Obrist Brixen mit den Regimentern Nr. 45 und 48 in Bra,
Alba, Sommariva, Caramagna, Moretta, Polognere und Murella.
Obristlieutenant Graf Hohenfeld wurde am 21. November
zum Obrist befördert und in seine Stelle der Obrist Graf Kheven-
hüller des Regiments Nr. 34 zum Kommandanten des Grenadier-
Bataillons ernannt.
Den Franzosen war nun von allen ihren Eroberungen in Italien
nichts mehr übrig, als die westliche Riviera von Genua, diese Stadt
selbst und der kleinere Theil der östlichen Riviera. Championnet
starb zu Nizza und in seine Stelle erhielt Massena das Ober-
Kommando.
In einem Armeebefehl aus Borgo S. Dalmazzo vom 6. Dezember
sprach der greise österreichische Feldherr F. - Z. - M. Ritter Melas
die Achtung aus, welche die brave Armee in diesem ruhmvollen
Feldzuge sich verdient hatte. Gerührt dankte er allen Generalen,
Stabs- und Oberoffizieren für ihre bei jeder Gelegenheit erprobte
thätige Mitwirkung und Entschlossenheit in Gefahren, — der Mann-
354
1800.
schalt für ihren männlichen Muth und Ausharren in den vielfältigen
Beschwerden dieses Feldzuges. .Da nun (sagte er am Schlosse)
„meine ganz besondere Sorge auf die Erhaltung des Mannes gerichtet
„ist, so kann durch den schnellen Fall von Cuneo keine beruhigendere
„Freude meinem Herzen zugewachsen sein, als das angenehme
„Bewusstsein, meiner braven Mannschaft gute Winterquartiere ver-
schafft und den Genuss derselben gesichert zu wissen. Ich werde
„die Ruhezeit dazu benutzen, für ihre Bedurfnisse zu sorgen und
„ihren Muth zu erhalten. Ich werde meine Thätigkeit vermehren,
„um ihnen alles dasjenige zu verschaffen, was zu ihrem Unterhalt,
„Bedeckung und Ausrüstung nur immer noth wendig sein kann. Sollte
„aber wider Vermuthen der Feind unsere winterliche Ruhe stören
„und uns um den so schwer verdienten Lohn unserer Mühe bringen
„wollen, so verspreche ich mir von der ün Verdrossenheit der braven
„Krieger, dass auch dieser feindliche Versuch fruchtlos bleiben und
„ein neuer siegreicher Schlag uns diese Ruhe nur um desto dauer-
hafter sichern wird/
1800.
Der Feldzug vom Jahre 1799 war für die österreichische
Armee eine ununterbrochene Reihe glänzender Siege gewesen. Die
Eroberung von ganz Ober -Italien mit 22 Festungen und festen
Schlössern war die Frucht ihrer Tapferkeit. So glänzend nun der
Feldzug gewesen, so sehr hatte er die Kräfte der Armee erschöpft.
Die Regimenter hatten durchgehends viel gelitten; Deutschmeister
zählte nicht viel mehr als 250 Mann hei einem Bataillon.
Die grosse Entfernung von den Ländern, aus welchen die
Armee jede Unterstützung beziehen musste, hinderte die schnelle
Abhilfe des Mangels, welcher schon früher fühlbar geworden und
am 15. Jänner 1800 den Kommandirenden zwang, die zwei Armee-
Divisionen Mittrowsky und Haddik aus Piemont bis an die Adda
zurück zu verlegen.
M e 1 a s hatte anfangs beschlossen, die Eröffnung des nächsten
Feldzuges von feindlicher Seite abzuwarten. Er beschränkte sich
Digitized by Google
1S00.
355
darauf, den Franzosen ihre Verpflegung zu erschworen und die
Winterquartiere der k. k. Armee gegen feindliche Anfalle zu decken.
Das Regiment erhielt 350 Mann, welche von der Reserve -Division
eingerückt waren.
Da bald darauf der günstigste Zeitpunkt für die Eroberung
der Riviera erschienen war, erhielt die k. k. Armee die Disposition,
in sechs Kolonnen die Apenninen zu ersteigen. Dieser gemäss mar-
schirte das Regiment in der Brigade des G.-M. St. Julien nach
Asti. Aber ein plötzlich eingetretener starker Schneefall machte
das Gebirge unzugänglich und zwang den F.-Z.-M. Melas den
Angrifl* auf die bessere Jahreszeit zu verschieben. M a s s e n a, von
den Bewegungen der Oesterreicher in Kenntniss gelangt, ordnete
am 5. März einen allgemeinen Angriff der österreichischen Vor-
posten an, welcher am 6. ausgeführt wurde, worauf sich die Fran-
zosen aber am 7. wieder zurückzogen.
Diese Bedrohungen veranlassten neue Anstalten zur Sicherheit
der Posten von Novi und Aqui. Das Regiment wurde von Asti nach
Feliciano und Salerio vorgezogen.
Die eingetretene mildere Jahreszeit, welche den Angriff auf
die Riviera nunmehr begünstigen konnte, machte eine engere Zu-
sammenziehung der Truppen nöthig. Melas verlegte am 24. März
sein Hauptquartier von Turin nach Alessandria und stellte die Armee
am 27. in zwei Abtheilungen auf. Der 5. April ward zum allgemeinen
Angriff bestimmt und die gegen die Riviera bestimmten Kolonnen
formirten sich in vier Abtheilungen. Die Hauptkolonne unter eigener
Anführung des Kommandirenden 32 Bataillons stark, darunter
Deutschmeister, sammelte sich bei Aqui. SämmtJiche Offiziere
mussten ihre Pferde zurücklassen, ebenso blieb das Liniengeschütz
zurück und wurden dagegen 8 Gebirgskanonen mitgenommen.
Von der Hauptkolonne sandte am 4. April der Kommandirende
die Brigade St. Julien durch's Erothal nach Mioglia, mit der
Bestimmung voraus, das Regiment Nr. 48 über Giuvalla auf dem
ganzen Bergrücken aufzustellen. Dieses Regiment sollte den Seiten-
angriff auf den Montenotte bewirken, während der Rest der Brigade
am 6. April über Ponte Ivrea und die Orte Montenotte inferiore
und superiore zum Frontangriff des Montenotte marschiren würde.
Zugleich sollte diese Brigade Sasello besetzen und sich für die
Vortruppe einer starken Kolonne ausgeben.
23*
356 l*00-
Am 6. April mit grauendem Morgen brach die Divison Mittrowsky
von Carcare auf und drang ohne grossen Widerstand Ober Altäre
nach la Torre di Ca di buona. Der Feind empfing die Oesterreicher
mit heftigem Kanonenfener, aber trotzdem wurden alle Schanzen
erstürmt und die Franzosen auf den Monte Ajnto zurückgeworfen.
Indessen frische Truppen zum Angriffe dieses Berges sich in Be-
wegung setzten, hatte General Graf St. Julien den Montenotte
bereits erstiegen und war gegen den vom Feind besetzten Monte
Regino im Anmarsch. General Lattermann umging mit fünf
Grenadier - Bataillons die rechte Flanke des Monte Ajuto, während
andere Truppen der Division Mittrowsky den Feind mit Verlust aus
seinen Schanzen warfen und gegen Savonna verfolgten. Der französische
General S ou lt kam in diesem Augenblicke von Cornegliano an, führte
die geworfenen Truppen den Oesterreichern entgegen und hielt diese
in ihrem Vordringen auf. Um 1 Uhr nachmittags bezog Soult die
Stellung von Monte moro und das Feuer verminderte sich. Aber
St. J u 1 i e n hatte mittlerweile den Monte Legino bezwungen, 1 Kanone
und viel Munition erobert, 13 Offiziere und 80 Gemeine gefangen.
Er eilte jetzt, die Division Mittrowsky zu unterstfltzen, welche den
Monte moro angriff. St. Julien bedrohte Arbizola und somit Soult's
Rückzug, worauf dieser eiligst zurückging aber von den Oesterreich era
mit solcher Hitze nach Savonna verfolgt wurde, dass einige Kom-
pagnien zugleich mit den Franzosen in die dortigen Vorstädte ein-
drangen. Soult trieb diese jedoch zurück, versah die Feste mit
Lebensmitteln und 1000 Mann Besatzung und drang um 2 Uhr
morgens über Arbizola nach Genua durch. Das Regiment hatte in
diesen Gefechten 7 Todte und 16 Verwundete.
M a s s e n a war durch dieses siegreiche Vordringen der Oester-
reicher von Suchet getrennt und konnte die Vereinigung nur durch
das Zurückschlagen der Hauptkolonne erreichen. Melas stellte am
8. die Hauptkolonne längs dem Bergrücken des Monte Legino und
Montenotte bis nach Arbizola, wo sich der rechte Flügel an den
See lehnte, hinter dem Bache Reggio auf; St. Julien bildete den
linken Flügel. Am 9. abends brach dieser auf und nahm nach dem
Monte Vereira die Richtung. Der schlechte Weg in diesen Gebirgen
erlaubte keine Beschleunigung des Marsches und so ereilte ihn die
Nacht. Die Kolonne trennte sich auf diesem Nachtmarsche, denn
auf dem Punkte, wo sich der Weg nach Sassello von jenem, welcher
Digitized by Google
1K00.
357
über steile Felsen am kürzesten nach Vereira führt, scheidet, Hess
St. Julien einen Offizier mit dem Auftrage zurück, alle Maulthiere
mit dem Gepäck und Lebensmitteln über Sassello nach dem Berge
Yereira zu weisen, da der andere Weg für Maulthiere ganz ungangbar
sei. Als Oberst Brilon mit dem Regiment Deutschmeister eintraf,
beschloss er diese Lebensmittel und Munition zu decken und wandte
sich ebenfalls nach Sassello, wo er am 10. mittags um 1 Uhr ein-
traf. Seit 19 Stunden war das Regiment am Marsche und hatte
also etwas Ruhe nöthig. Nach Verlauf von einigen Stunden war
Briien eben im Begriff, auf den Berg Vereira zu dem General
St. Julien zu stossen, als Bauern die Nachricht brachten: „der
»Feind sei sehr stark in S. Pietro eingerückt und mache Miene,
.Sassello anzugreifen.* Es war der General Poinsot, welcher von
Soult befehligt worden, Sassello wegzunehmen. Soult selbst nahm
eine Stellung bei Pallo, um den Monte Vereira zu besetzen. Oberst
Briien, überzeugt von dem Anmärsche der Feinde, stellte sich
zwischen Sassello und dem Monte Vereira auf und bedrohte dadurch
die Flanke der Angreifer. Als die feindliche Kolonne vorwärts rückte,
liess er ein heftiges Bataillefeuer beginnen, und sandte den Oberstlieute-
nant Kirchner mit einem Bataillon in der Richtung gegen S. Pietro,
um den General Poinsot für seinen Rückzug besorgt zu machen.
Die Franzosen hielten im Marsche an, aber Poinsot bemerkte
bald, dass diese österreichische Truppe nicht stark genug war, seinen
Angriff zu hindern. Er entwickelte gegen Oberst Briien einige
Bataillons und zwang ihn, sich immer höher gegen den Monte
Vereira zu ziehen. So kam Poinsot bis Sassello, welches erstark
besetzte. Jetzt erschien General St. Julien an der Spitze eines
Bataillons Nr. 45, brach durch das Regiment Deutschmeister durch,
stürzte sich auf den verfolgenden Feind und warf ihn in das Thal
zurück. Aber der Angriff auf Sassello selbst wurde von dem über-
legenen Feind zurückgewiesen. Nun zog sich St. Julien gegen
S. Giustina und vereinigte sich mit General Belle gar de. Oberst
Briien setzte seinen Marsch auf den Monte Vereira fort und traf
dort um Mitternacht ein.
Soult beschloss am Morgen des 11. April, den Monte Vereira
anzugreifen. St. Julien aber liess den Berg mit 1300 Mann unter
Oberst Briien besetzt und zog mit 3000 Mann gegen den Berg
Ormetta. Oberst Briien hatte kaum seine Anstalten zur Vcr-
358
isoo.
theidigung getroffen, als er schon von Sassello her angegriffen ward.
Das schwache Regiment Nr. 48 konnte dem immer stärkereu Druck
nicht widerstehen. B r i x e u liess gleich den Pass nach dem Ormetta
besetzen, sandte alles Gepäck sammt den Tragthieren dahin und
folgte fechtend mit dem Kegimente nach. Indessen hielten die Regi-
menter Deutschmeister und Nr. 45 (900 Mann) noch immer den
Vereira besetzt und kämpften muthig gegen die sich immer mehren-
den Feinde. Soult und Gazan waren bereits auf der Hohe
angelangt, aber die Oesterreicher unter der Anführung des tapferen
Majors v. Z u c h a r i vertheidigten sich entschlossen gegen des Feindes
Uebermacht. Endlich nach einem achtstündigen Kampfe mussten sie
weichen. Mit dem Reste von 200 Mann zog sich Zuchari nach
Tagliarino, fand sich aber bald von allen Seiten umringt und ge-
zwungen, sich zu ergeben. Er fand jedoch schon am 21. die Ge-
legenheit, sich mit seinem Kommando mit seltener Kühnheit zu
ranzioniren.
Poinsot blieb zwischen Puzone und Sassello stehen und
Soult stellte sich gegeuüber des Ormetta auf dem Passo grosso,
als eben St. Julien mit dem Reste seiner Brigade von Ormetta
Besitz nahm. Soult liess nun auch gegen diesen Berg den Angriff
fortsetzen ; sein linker Flügel rückte mit Erfolg vor, aber sein rechter
wurde noch immer zurückgehalten, als auch General Fressinet
erschien. Soult drang nun um so lebhafter vor und vereinigte sich
bei Untergang der Sonne auf dem Ormetta mit diesem General.
St. Julien marschirte nach S. Giustina zurück.
Während hier der französische rechte Flügel Vortheile erkämpfte,
drang Melas am 11. gegen Congaretta vor und warf die Feinde
bis Arenzano. Indessen hatte Massena seine Absicht erreicht;
Soult hatte den Kern der Truppen vereinigt, stand in der linken
Flanke der österreichischen Armee und hinderte deren Vordringen
gegen Genua.
Am 12. April früh hielten die Brigaden Bellegarde und Bren-
tano den Monte fajale besetzt; St. Julien stand mit den Resten
seiner Truppe bei St. Giustina. Am frühen Morgen bildete Soult
drei Angriffskolonnen und um 10 Uhr geschah der Angriff. Fres-
sinet erstürmte nach zweistündigem Kampfe den Monte fajale und
die Oesterreicher zogen sich nach Brico di Cavallo und Stella zurück.
Nun beschloss Soult auch den Brico Cavallo zu erstürmen. Drei
Digitized by Google
359
Mal wurde der Sturm uuteraonimen, doch ebenso oft zurückgewiesen.
Die eintretende Nacht endete das Gefecht, welches den Franzosen
weit über 1000 Mann gekostet hatte.
Gegen diese Vortheile, welche Soult errungen hatte, setzte
nun M e 1 a s schnell eine nachdrucksvolle Bewegung entgegen, indem
er seinen rechten Flügel auf die Höhen von Arhizola und Monte
Legino zurückzog. Als dieser am 14. in den Stellungen anlangte,
wurde St. Julien nach alle Moglie gesendet, um Sassello zu
bedrohen. Soult sammelte seine Hauptmacht auf dem Ormetta und
liess nachmittags am 15. die Oesterreicher angreifen, wurde aber
überall zurückgeschlagen. Endlich drang der Feind mit verstärkter
Macht auf die Stellung alle Moglie ein, aber General Bussy liess
den Monte Lovrino leicht besetzt, warf sich mit zwei Regimentern
in des Feindes Flanke und half dadurch St. Julien seine Stellung
behaupten.
Soult hielt den Ormetta besetzt und schien auch Sassello
behaupten zu wollen. Am IG. April mit Tagesanbruch beorderte
Melas die Brigaden St. Julien und Bussy gegen Sassello und die
Brigaden Bellegarde, Brentano und Sticker nach dem Monte Ormetta
zum Angriff. Die Franzosen wichen, sobald sie die österreichischen
Kolonnen durch s Gebirge vordringen sahen, auf dem Wege gegen
Vereira nach dem Ormetta, um sich mit Soult zu vereinigen. Die
Oesterreicher erstürmten den Monte fajale, auch rückte eine ihrer
Abtheilungen im Rücken Soult's vor. Dieser ordnete in der Nacht
seine Kolonne und setzte sie am 17. früh über Areuzauo nach Voltri
in Marsch, wohin auch Masse na von Varraggio seinen Rückzug
nahm.
So wie die Franzosen den Ormetta und die anderen Höhen
verliessen, nahmen Bellegarde's Vortruppeu diese Punkte eiu.
Melas beorderte den Geueral St. Julien ebenfalls nach dem
Ormetta, wo sodann unter Bellegarde's Befehlen die Brigaden
Sticker, Brentano und St. Julien vereint waren. Am 18. wurden die
Feinde auch bei Voltri geschlagen und dieser Ort von den Oester-
reichern besetzt, worauf sich Soult am 19. nach Genua zurückzog.
Melas t heilte jetzt seine Truppen in zwei Haupttheile: in
das Blockadekorps um Genua und in die Beobachtungsarmee. Um
die Umzinglung von Savonna mit grösserem Nachdruck fortzusetzen,
wurde General St. Julien mit seiner Brigade, dabei das Regiment,
360
l.NÖO.
dahin beordert. Der Generale uartiermeister General Zach besichtigte
die Stellung des Umzinglungskorps und ordnete die Errichtung
mehrerer Batterien an, um die Festung zu beschiessen. Der Kom-
mandant derselben (B u g e t) forderte soeben die Burger von Savonna
zu den Waffen auf, um zur Befreiung seiner engen Erschliessung
mitzuwirken und drohte im Weigerungsfalle, die Stadt in Asche zu
legen. General Graf St. Julien Hess ihm erklären: „Er habe
„Macht zu thun, was ihm bedanke. Nur möge er nicht vergessen,
„dass in Kurzem, wo er sich doch ergeben müsste, man Repressalien
„an Jenem brauchen würde, der gewissenlos über alle Kriegsgebräuche
„sich wegzusetzen aumasste." Ein unbedeutender Ausfall wurde schnell
zurückgewiesen und hiemit die Unterhandlung abgebrochen. Das
Regiment war nun in der Lage, sich einigermassen von den grossen
Strapazen zu erholen, denn dasselbe war in der Brigade St. Julien
allen vorbezeichneten Bewegungen gefolgt und stellte täglich 50 Mann
zum Schanzenbau auf dem Kapuzinerberge. Am 15. Mai verlangte
General Buget zu kapituliren, wornach die Besatzung bestehend
aus einem Generalen, 48 Offizieren und 998 Mann am IG. um 3 Uhr
nachmittags auf dem Glacis die Waffen streckte und über Sassello,
Alessandria als kriegsgefangeu abgeführt wurde. Die Feste befand
sich noch im vollkommenen Vertheidigungsstandc und es wurden in
derselben 146 schwere, meist metallene Geschütze, 100.000 Patronen,
200 Zentner Pulver nebst vielem Kriegsmaterial erbeutet. General
Graf St. Julien erhielt den Befehl, den Oberst Brixen mit dem
Regiment Deutschmeister in der Feste als Besatzung zu lassen
und mit den übrigen Regimentern nach Nizza zu marschiren. Am
4. Juni kapitulirte auch Genua und somit war ganz Picmont sammt
der Riviera in deu Bänden der siegreichen Oesterreicher.
Bis zu diesem Abschnitte war der Feldzug für die öster-
reichischen Waffen ein glänzender, leider sollte sich aber das Kriegs-
glück nur zu bald von denselben wenden. Die französische Reserve-
Armee, welche der erste Konsul Buon aparte, 30.000 Mann stark,
bei Dijon versammelt hatte, setzte sicli schon im April in Bewegung,
überschritt Mitte Mai deu grossen und kleinen St. Bernhard und
drang in Ober- Italien im Rücken Melas ein, da das hier aufgestellte
Beobachtungskorps unter F.-M.-Lt. Keim zu schwach war, um
diess verhindern zu können. Melas erfuhr am 18. von dieser
Bewegung, Hess F.-M.-Lt. Eisnitz mit 17.000 Mann am Var-
Digitized by Google
361
Flusse Suchet gegenüber stehen uud eilte mit 30.000 Mann nach
Turin, wohin er den Marsch der Reserve -Armee gerichtet glaubte.
Buonaparte hatte aber nur das Korps Lannes von Ivrea aus
gegen Turin vorgeschoben, war selbst nach Mailand raarschirt und
rückte über Piacenza nach Marengo bei Alessandria vor, wo er mit
Melas zur Schlacht am 14. Juni zusammentraf. Schon hatten die
Oesterreicher den Sieg errungen und verfolgten lebhaft die reti-
rirenden Franzosen, als durch das plötzliche Eintreffen der Division
Desaix in der Flanke die durch das eilige Verfolgen aus der taktischen
Ordnung gerathenen österreichischen Truppen nach Alessaudria
zurückgeworfen wurden. (Das Nähere folgt bei den Bewegungen
der Grenadiere.)
Um dieselbe Zeit war auch £ 1 s n i t z von Suchet mit Ueber-
legenheit angegriffen und über den Col di Tenta gegeu Mondovi
zurückgeworfen worden. Früher, am 5. Juni, hatte Oberst Brixen
die Besatzung des Kastells Finale, 4 Offiziere, 90 Mann sammt den
dortigen Pulvervorrathen nach Savonna gezogen.
Die Regimentsgeschichte hat die Grenadiere Ende 1799 in der
Kantonnirung zu Coni verlassen. Anfangs Jänner 1800 marschirte
die Grenadier -Brigade General Weidenfeld nach Saluzzo bezog
hier Kantonnirungen und versah auch den Vorpostendienst von Ellero
bis einschliesslich des Po-Thales. Im Februar marschirte die Brigade
nach Turin und erhielt ihre Eintheilung in die Division Morzin.
Mit Armeebefehl vom 11. Februar 1800 erhielt der bisherige
Kommandant des Grenadier-Bataillons Oberst Graf Khevenhüller
das Kommando des Regiments Nr. IG.
Als Melas die Armee in zwei Theile schied, kam die Brigade
unter den F. - M. - Lt. Baron E 1 s 11 i t z und marschirte nach Bra,
am 30. März nach Bene, dann nach Cera, wo sich die Truppen des
rechten Flügels vereinigten, dann den 3. April nach Monte Zemolo,
4. Millcsirao, 5. Carcare, 0. nach Mallere, nahm ohne besonderen
Widerstand die Höhen von St. Giacomo und besetzte die Linie von
Vado bis zu den benannten Höhen.
Am 10. April griff der französische General Suchet die Stellung
an, es gelang ihm die Brigade Ulm durch einen dichten Nebel be-
günstigt eiuzuschliessen und grossen Theils gefangen zu nehmen,
sowie Sette pauni zu besetzen. Nun wendete sich Suchet am
12. April gegen den St. Giacomo -Berg, hier wurde er jedoch
Digitized by Google
362
1800.
kräftig empfangen, zurückgeworfen und abends noch bis Madonna della
neve verfolgt. Die Grenadiere, welche sich so tapfer geschlagen hatten,
dass sie im Armeebefehl vom 17. April öffentlich belobt wurden,
hatten einen Verlust von 4 Todten und 17 Verwundeten erlitten.
Suchet hatte am 19. April alle seine Truppen aus dem
Tanaro-Thale an sich gezogen und besehloss am kommenden Tage
einen Hauptschlag auf St. Giacomo auszuführen. E 1 s n i t z hatte
schon um Mitternacht die Waffen ergreifen lassen, um die Feinde
zu empfangen. Mit grauendem Morgen stürzte sich Suchet mit
drei Kolonnen auf die Fronte der österreichischen Stellung, die er
durch eine vierte, gegen Feligno vorgeschobene erschüttern wollte.
Der Heftigkeit des Angriffs wurde eine kalte Entschlossenheit entgegen
gesetzt. Suchet erkannte bald die Unmöglichkeit eine so vortheil-
hafte und wohl vertheidigte Stellung einzunehmen und zog sich mit
bedeutenden Verlusten zurück. Eisnitz verfolgte ihn über Malere
und Costa. Die Grenadier-Division hatte 7 Verwundete. F.-M.-Lt.
Eisnitz sagt in seiner Relation über dieses Treffen: „Ich kann
»nicht anders, «als das ganze Korps, nämlich die sechs Greuadier-
„ Bataillone der Brigade Weidenfeld, sowie alle übrigen Truppen
»besonders anzurühmen und zu bitten, die ausgezeichneten Ver-
dienste dieser Truppen öffentlich bekannt machen zu wollen/
Am 21. marschirte Eisnitz von Malere gegen Madonna
della neve und vertheilte seine Truppen zum Angriff' der feind-
lichen Stellungen. Aber heftige Regengüsse und darauffolgende
dichte Nebel verhinderten alle Unternehmungen in diesem Hoch-
gebirge, daher E 1 s n i t z in der Stellung von St. Giacomo blieb,
bis der Feind selbst die Gelegenheit zum Angriffe herbeiführen
würde. Abends am 28. kam der Chef des General -Quartiermeister-
stabes General Zach in St. Giacomo an und fand die Entwürfe
zum Angriffe schon bereit. Suchet verliess am 29. abends die
Stellung auf dem Sette pauni und marschirte gegen Capo di S. Spirito.
Am folgenden Tage setzten sich die Oesterreicher in drei Kolonnen
zur Verfolgung in Bewegung. Die des F. - M. - Lt. M o r z i n mit
der Brigade Weidenfeld hatte mit zahllosen Hindernissen, die in
diesen Felsengebirgen den Truppen im Wege standen und die durch
den vorangegangenen Hegen noch vermehrt wurden, zu kämpfen
und machten es ihr unmöglich die festgesetzten Punkte zur vor-
geschriebenen Zeit zu erreichen. Mit grosser Anstrengung war
Digitized by Google
1800.
303
M o r z i n auf der Höhe, die von Monte Calvo zwischen Giustenice
und Turo läuft, am 30. abends angekommen. Suchet stand in
der Stellung von S. Spirito und hielt Loano stark besetzt.
Am 1. Mai vereinigten sich die beiden Kolonnen Morzin und
Brentano bei Monte Calvo, um dem Feinde das Vordringen gegen
Sette panni zu verweigern. Morzin bemerkte am 2. eine Blosse
des Feindes, Hess vier Bataillone gegen Kocca barbena vorrücken
und zwang den Feind nach einem Gefechte, welches von 10 Uhr
morgens bis abends währte, sich auf Col di Sambucco zurückzuziehen.
F. - M. - Lt. Morzin sammelte hierauf seine drei Brigaden in der
Stellung von Kocca barbena. Die Grenadiere waren nicht in's Feuer
gekommen.
Mittlerweile hatte F.-M.-Lt. Eisnitz mit den übrigen Truppen
die Stellung des Feindes bei S. Spirito umgangen, welcher, nun
ohne einen Angriff abzuwarten, unter Zurücklassung von vier Kanonen,
sich hinter Allassio zurückzog. Morzin marschirte hierauf nach
Kocca di Curiaira und am 5. Mai nach Ubaga. Der Feind hielt die
Höhen von Muchio delle Pietre, nördlich von Cessio besetzt. Der
Angriff wurde auf den 6. beschlossen, jedoch wegen Erschöpfung
der Truppen auf den 7. verschoben. Die Division Morzin rückte in
drei Kolonnen, das Grenadier - Bataillon in der Hauptkolonne zum
Angriffe vor.
Um 724 Uhr früh begann die Vorrückung ; das Regiment Nr. 49
drang in die feindliche Stellung, während die Grenadiere durch
Seitenschluchten in die Flanken vorbrachen; das Gefecht war sehr
lebhaft und mörderisch. Das rechtzeitige Eintreffen der Nebenkolonnen,
sowie die Tapferkeit der Truppen, warfen den Feind vollkommen.
General Cravöl, 60 Offiziere, gegen 1500 Mann und eine Fahne
fielen in die Hände der Oesterreicher. Um 7 Uhr früh war das
Gefecht beendet. Das mit Leichen bedeckte Feld bezeichnete die
noch grösseren Verluste des Feindes. Die Grenadiere hatten 19 Ver-
wundete.
F.-M.-Lt. E 1 s n i t z bezog mit der Division Morzin die Stellung
an der Toggia bei Monte -Alto und traf am 10. in Dolce Aqua
ein, wo er sich mit den Generalen Goriupp und Lattermann
vereinigte.
Die Truppen hatten viel zu leiden, sie waren 10 Tage ununter-
brochen im Marsche in dieser unwirklichen Gegend, die Mannschaft
864
fast ohne Schuhe, du selbst die Aushilfe mit Ochsenhäuten den Mann
im trockenen Wetter mehr beschwerte, als der Gang mit blossen
Füssen ; auch die Verpflegung traf nicht pünktlich ein, doch sämmt-
liche Truppen ertrugen standhaft das Ungemach, was oft unaus-
weichlich den Muth des Soldaten prüft und ihn adelt, wenn er sich
durch Selbstbeherrschung den Dank des Vaterlandes erwirbt.
F. -M. -Lt. Eisnitz traf am 14. in seiner Stellung am Var
ein, wo er mit 13.648 Mann ein starkes Observations - Korps bildete.
Die Brigade Weidenfeld stand nebst zwei anderen in der Mitte und
zwar die sechs Grenadier - Bataillone gegen den Brückenkopf. Am
26. wurde dieser von der Land- und Seeseite stark beschossen und
um 10 Uhr abends sollten die Grenadiere ihn und dann die Brücke
über den Var-Fluss erstürmen. Dieser Angriff, welchen die beiden
Bataillone Neny und Paar unternahmen, misslang und wurde nicht
wieder versucht.
Suchet hatte Verstärkungen aus der Provence erhalten und
griff am 27. den rechten Flügel der Oesterreicher und am 28. die
Stellung des F.-M.-Lt. Eisnitz an. Er liess die Stellung der
Grenadier -Brigaden nur beobachten und rückte mit voller Macht
gegen jene bei Aspremont. F.-M.-Lt. E 1 s n i t z wurde genöthigt,
den Rückzug anzutreten. Aber um diesen mit Ruhe ausführen zu
können, drang er vorerst mit den Grenadier -Brigaden vor und zwang
Suchet, wieder in den Brückenkopf zurück zu gehen. Bei dieser
Gelegenheit hatten die Grenadiere des Regiments 2 Todte, 5 Ver-
wundete und 1 Vermissten.
Am 29. erfolgte der weitere Rückzug auf den Col di Raus,
wo am 30. die Brigaden versammelt waren. Hier erhielt F. - M. - Lt.
Eisnitz den Befehl die Riviera zu räumen. Am 2. Juni marschirte
die Brigade Weideufeld nachmittags aus ihrer Stelluug über S. Agostino
nacli Bordighera und traf hier abends mit der Brigade L at ter-
ra a n n ein. Am 3. lagerten beide Brigaden bei S. Remo, ohne vom
Feinde beunruhigt worden zu sein. Um sich aus seiner gefährlichen
Lage zu retten, musste Eisnitz den Gebirgskamm früher erreichen,
als Suchet, denu kam ihm dieser zuvor, so drohte dem Korps Ver-
nichtung. Am 4. Juni brachen daher die Grenadiere schon mit
Tagesanbruch von S. Remo auf und nachdem sie drei Stunden bei
Oneglia gerastet und abgekocht hatten, setzten sie nachmittags ihren
Marsch nach la Pieve fort. Die Anstrengung und Ermattung der
Digitized by Google
1*00.
36S
braven Truppen hatte einen ausserordentlichen Grad erreicht, sie
konnten nicht mehr weiter, es bildeten sich eine Menge Nachzügler,
die weder mit Gflte, noch mit Strenge weiter zu bringen waren.
Am 5. war es wieder möglich geworden, die Truppen zu sammeln
und den Marsch auf den Monte - Nave anzutreten, wo sie um Mitter-
nacht ankamen. Am G. Hess F.-M. -Lt. Eisnitz die Grenadier-
Brigade Lattermann hei Monte -Nave stehen, — die Brigade Weiden-
feld besetzte Ormea. Um 11 Uhr griff der Feind an, dreimal wurde
er durch die Brigade Lattermann geworfen. Die Brigaden Ulm und
Bellegarde, welche gegen den Monte Grano im Anmarsch waren,
wurden von den Franzosen abgeschnitten, angegriffen und zersprengt.
Hierauf rückten sie dem General Lattermann auch in die Flanke,
welcher dadurch genöthigt wurde, seine so tapfer vertheidigte Stellung
zu verlassen und sich auf Ponte di Nave zurückzuziehen.
Am folgenden Tag geschah- der allgemeine Rückzug des Korps
nach Ceva, Priero und Monte Zemolo: dann am 7. nach Carru,
8. Cherasco, 0. Alba, 10. Asti und den 11. nach Alessandria.
Von den Ueberresten des Korps des F.-M. -Lt. Eisnitz
konnten nur die beiden Grenadier -Brigaden zum Hauptschlag ver-
wendet werden, die übrigen Regimenter waren so herabgekommen,
dass sie als Besatzung nach Alessandria gelegt wurden. Nach der
Ordre de bataille zur Schlacht von Marengo stand die Brigade
Weidenfeld in der Grenadier -Division Morzin, in der Hanptkolonne,
bei der sich F.-Z. -M. Melas aufhielt.
Mit grauendem Morgen des 14. Juni zogen die Oesterreicher
mit gewohnter Fassung und ruhiger Entschlossenheit zum Kampfe.
Nachdem sich die Treffen entwickelt hatten, blieben die Grenadiere
rückwärts als Reserve in Kolonnen aufgestellt. Nach 9 Uhr begann
die Schlacht mit der allgemeinen Vorrückung des ersten Treffens.
Am Fontanone - Bach entspann sich ein mörderischer Kampf und
nachdem dieser endlich fiberschritten war, ebenso um das Dorf
Marengo. Aber auch dieses erstürmten die Oesterreicher und drangen
auf der ganzen Linie siegreich vor. Um 1 Uhr mittags leisteten die
Franzosen nur noch schwachen Widerstand und traten mit allen
ihren Divisionen den Rückzug an ; alle Wege waren mit Flüchtlingen,
Verwundeten und Leichen bedeckt. Im vollen Bewusstsein des Sieges
folgten die Oesterreicher den geschlagenen Feinden nicht in bester
Ordnung; nur die Grenadier - Brigade Weidenfeld rückte fest ge-
366
1S00.
schlössen als Reserve nach. Aber die Lage der beiden Armeen
wurde durch die Ankunft der französischen Division Desaii plötzlich
verändert. Es war gegen 5 Uhr abends, als diese von Rivaita vor
S. Giuliano ankam. So wie die Oesterreicher gegen diesen Ort vor-
rückten, wurden sie durch ein fürchterliches Kanonen- und Flinten-
feuer überrascht, wodurch sie in Unordnung geriethen und auf das
zweite Treffen zurückwichen.
Nun ergriff Desaix die Offensive, welcher sich auch die
übrigen französischen Divisionen anschlössen, stürzten sich mit ausser-
ordentlicher Wuth in das erste Treffen des österreichischen Vortrabs
und brachten es zum Weichen; die französische Kavallerie, rasch
bei der Hand, rieb ihn nun beinahe auf. Die Bataillone des zweiten
österreichischen Treffeus wollten aufmarschiren, wurden aber von den
Flüchtigen überritten und auseinandergesprengt und durch den
reissenden Strom gewaltsam in die Verwirrung mit hineingezogen.
Bei diesem bedenklichen Zustande langte die französische Reiterei
an und hieb sogleich in die Infanterie ein. Die Unordnung erreichte
nun den höchsten Qrad. Auf und neben der Strasse ging alles in
Unordnung zurück. Nur die sechs Grenadier -Bataillone, welche unter
General Weidenfeld in der Höhe von Spinetta aufgestellt waren,
hielten Stand. Vergeblich war zwar ihr Bemühen geblieben, die
Weichenden aufzuhalten, doch liess Weidenfeld links von der
Strasse seine Grenadiere eine Stellung nehmen und bereitete sich,
die Feinde mit allem Nachdruck zu empfangen.
Es war schon eine geraume Zeit verstrichen, dass die Flücht-
linge bei den Grenadieren vorbeigezogen waren und noch zeigte
sich kein Feind. Die französische Reiterei hatte nämlich mit dem
Verfolgen in so lange eingehalten, bis das französische Fussvolk
wieder Terrain gewonnen hatte. Aber kaum war diess bewirkt, als
sie auch vor Marengo erschien, wohin die Grenadiere marschirt
waren und dort so lange zu halten beschlossen, bis die österreichische
Division O'Reilly von Frugarolo mit ihneu in gleicher Höhe würde
angekommen sein. General Weidenfeld empfing die Franzosen
mit einem lebhaften Kanonen- und Gewehrfeuer, setzte der Ver-
folgung ein Ziel, und sowie er die Annäherung O'Reilly's gewahrte,
zog er sich in Ordnung gegen den Brückenkopf.
Die Grenadier -Division des Regiments hatte 4 Todte, 57 Ver-
wundete, darunter Lieutenant Joh. Br. Dallwig und 32 Vermisste.
Digitized by Google
1*00.
367
Nach der Schlacht bei Marengo wurde Kriegsrath gehalten
und in diesem beschlossen, mit dem französischen Obergeneral zu
unterhandeln. Diese Unterhandlung führte am 15. Juni zu einer
Uebereinkunft, nach welcher die österreichische Armee Piemont und
alle in diesem Lande befindlichen Festungen und Schlösser räumte
und sich in die Lombardie zurückzog. Gleichzeitig wurde ein Waffen-
stillstand gegen Htägige Kündigung abgeschlossen. Das Regiment
zog demnach am 24. Juni mit allen kriegerischen Ehren aus Savonna
und vereinigte sich auf der kürzesten Route mit dem aus Genua
abgezogenen F.-M. - Lt. Prinz H o h e n z o 1 1 e r n. Bei Nevi erhielt
dieser von allen Seiten die bittersten Klagen über das anmassende
Benehmen der französischen Generale und Truppen. Die zurück-
gebliebenen österreichischen Offiziere wurden sehr übel behandelt;
die Kranken erhielten weder Wartung noch Verpflegung, auch
wandten die Franzosen alles an, um die österreichischen Truppen zur
Entweichung zu verführen, aber bei den Soldaten von Deutsch-
meister war diese Mühe vergebens. Kleine feindliche Abtheilungen
vermischten sich während dem Marsche mit den österreichischen
Kolonnen und plünderten Pferde uud Bagagen. Von jetzt an mar-
schirte Hohenzollern in strengster Ordnung, mit brennenden
Lunten, als ob es zur Schlacht ginge. Kein Franzose durfte sich
mehr weder seinen Kolonnen, noch dem Lager nähern. In Tortona
wollte man ihm kein Holz für seine Truppen ausfolgen lassen und
die Fassung der Naturalien verhindern. Hohenzollern schrieb
hierauf dem Kommandanten : „Ein General an der Spitze von
„10.000 Kriegern lässt sich so etwas nicht vorschreiben. Ich werde
„keinen Schritt weiter marschiren, bis ich meinen Truppen die Ver-
pflegung gesichert habe.* Er liess nun selbst Holz fällen, doch
bedurfte es keiner fernem Zwangsmittel, da der französische Kom-
mandant sich nicht mehr weigerte, die andern Verpflegsartikel zu
erfolgen. Der weitere Marsch der Kolonne ging nun Über Voghera,
Stradella, Piacenza, Borgo S. Donino, Parma, Quastalla und Borgo-
forte nach Mantua, wo sich die Armee am 5. Juli vereinte und
auch die Grenadiere auf derselben Route von Alessandria zurück-
marschirend eingetroffen waren.
Hier kehrten nun die ausgewechselten Gefangenen zurück und
da das Regiment auch einen Nachschub von 500 Mann von der
Reserve -Division erhielt, hatte dasselbe beinahe wieder seinen voll-
868
ständigen Stand. Die eingerückten Gefangenen erhielten ans den
Depots der Festungen die Armatur und Rüstung, auch wurden dem
Regiment von dem aus Cremona geretteten Montnrs - Depot viele
Monturen, Wäsche und Schuhe ühergehen.
In einem Allerhöchsten Handschreiben hatte Se. Majestät der
Kaiser dem G. d. K. Ritter Melas geboten, der ganzen Armee
seinen Dank für ihre tapferen Anstrengungen während der letzten
Periode erkennen zu geben und die Zuversicht ausgedruckt, dass
ein augenblicklicher Wechsel des Olflckes den Muth der Armee
nicht beugen werde. Indem der Oberbefehlshaber der Armee diese
huldreichen Gesinnungen des Monarchen in einem Armeebefehl mit-
theilte, schloss er diese mit den Worten : a Stolz, an der Spitze
„einer solchen Armee zu stehen, sehe ich mit Zuversicht und ruhig
„dem Augenblick entgegen, in welchem vielleicht neuerdings der
„Ruf des besten Monarchen, das Wohl des Vaterlandes und die
„Sicherstellung der Erblande uns gebieten sollten, den durch die
„letzten Ereignisse stolz gewordenen Feind zu bekämpfen. Ich bin
„ganz überzeugt, dass dieser Zeitpunkt die Armee mit einem wett-
eifernden Bestreben beseelen nnd derselben Gelegenheit verschaffen
„werde, durch den entscheidendsten Erfolg das zu ersetzen, was
„einigen Theilen durch Zufall an Ruhm benommen worden war."
Mit Armeehefehl vom 28. Juni erhielt Major Joachim von
Zuchari das erledigte Grenadier- Bataillon und der Hauptmann
Andreas Lang v. Langenau des Regiments Nr. 34 wurde zum
dritten Major im Regimente ernannt.
General B rigid o marschirt gegen Ende Juli mit 8 Bataillons,
darunter 1 Deutschmeister, nach Ferrara, über welche im August
F.-M.-Lt. Baron Mylius das Kommando übernahm.
Der Waffenstillstand in Italien, welcher auch bei der Armee
in Deutschland eingetreten war, dauerte fort und wurde zur An-
knüpfung von Friedensunterhandlungen benützt. Diese zerschlugen
sich mehrmals, wurden aber wieder angeknüpft und darum der
Waffenstillstand erneuert.
F.-Z.-M. Melas beschloss, zur Sicherheit seines rechten
Flügels ein Truppenkorps von 10.000 Mann im südlichen Tirol
aufzustellen, welches in Verbindung mit dem F.-M.-Lt. H i 1 1 e r
in Graubündten zur Vertheidigung Tirols mitwirken und dadurch
die Stellung der kaiserlichen Armee am Mincio sichern sollte. Er
Digitized by Google
1S00.
369
erwählte hiezu den F. -M.-Lt. Vukassevich mit 19 Bataillons
und 8 Schwadronen 11.213 Mann. Unter diesen befand sich das
Regiment Deutschmeister mit 2 Bataillons in der Brigade General
Kottulinsky, welche nun nach Trient marschirten, wo Vukas-
sevich sein Korps zu sammeln hatte, am hei der nächsten feind-
lichen Gefahr mit demselben auf die Hauptmasse des Feindes ein-
dringen zu können. Das dritte Bataillon, welches sich, wie oben
gesagt, unter General Brigido in Ferrara befand, wurde ebenfalls
zu dem Regiment in das Lager bei Trient gezogen. Die Grenadiere
befanden sich im Korps der Reserve unter F. -M.-Lt. Schellen-
berg, in der Grenadier - Brigade des General Weidenfeld.
Am 4. September 1800 um 4 Uhr nachmittags langte aus dem
französischen Hauptquartier ein Kourier mit der Aufkündigung des
Waffenstillstandes in Verona an. Zufolge dieser sollten binnen
10 Tagen, nämlich am 13. September, die Feindseligkeiten beginnen.
Nach dem Eintreffen dieser Nachricht in Wien begaben sich Se. Ma-
jestät der Kaiser nach Alt-Oetting zur Armee in Deutschland, Ober
welche Erzherzog Johann zum Oberbefehlshaber ernannt wurde.
Mittelst eines Generalbefehls vom 0. September erklärten
Se. Majestät den beiden Armeen : „dass Sie bisher Alles versuchten,
„Ihren Königreichen, Provinzen und Völkern einen anständigen
„Frieden zu verschaffen; die französische Regierung habe aber,
„ungeachtet einiger friedlichen Schritte, den zu diesem Endzweck
„abgeschlossenen Waffenstillstand aufgekündiget. Wenn daher, ohne
„ Rücksicht auf diese Handlungen, die Feindseligkeiten französischer
„Seits wirklich ausgeübt werden sollten, so würden Sie alles zur
„Beschützung ihrer Erblandc und Völker aufbieten. Se. Majestät
„seyen von der bisherigen Tapferkeit und dem Ihren Armeen eigenen,
„der ganzen Welt bekannten Muth und Beharrlichkeit so überzeugt,
„dass Sie sich für den zu erzielenden Endzweck den besten Erfolg
, versprechen.*
Am 12. September setzte sich die Armee gegen den Mincio
in Bewegung. Das Reserve - Korps, dabei die Grenadiere, formirte
das dritte Treffen, brach aus seinem bisherigen Lager bei S. Michaele
auf und rückte in jenes bei Tombetta. Am 13. nach dem Abkochen
rückte das Reserve -Korps nach Villafranca und erhielt hier den
Befehl, das Lager zu beziehen, da abermals ein Waffenstillstand
gegen 24stündige Kündigung abgeschlossen wurde.
24
370
180«.
F.-Z.-M. Ritter Melas hatte wiederholt wegen seinem hohen
Alter um die Abberufung vom Armee -Kommando gebeten. Se. Ma-
jestät geruhte den G. d. K. Graf Heinrich Belle gar de zum Ober-
befehlshaber der Armee in Italien zu ernennen und dem F.-Z.-M.
Melas das Generalkommando in Innerösterreich zu übertragen.
Belle garde übernahm demnach am 15. das Kommando.
Der Waffenstillstand war keineswegs geeignet, der Truppe
einige Bequemlichkeit zu verschaffen, weil 24 Stunden nach der Auf-
kündigung die Feindseligkeiten eröffnet werden durften, folglich auch
alles auf der ganzen Linie in der alten Stellung und in Bereitschaft
bleiben musste. Um den F.-M.-Lt. Vukassevich von der Auf-
kündigung baldigst verständigen zu können, wurde eine Telegraphen-
linie zwischen Peschiera und Trient errichtet, auch rückten bei
demselben noch 6 Bataillons Verstärkung ein.
Am 24. September erhielt die Armee die Nachricht, dass am
20. September ein Waffenstillstand auf 45 Tage zu Hohenlinden
abgeschlossen worden sei. Diesem zu Folge bezog die Armee Kan-
touuirungen; das Reserve - Korps kam nach Padua und Vicenza.
Die Truppen des F.-M.-Lt. Vukassevich wurden auch etwas
bequemer bequartirt, aber das Regiment hatte täglich 200 Mann
beim Schanzenbau, bei Castello della pietra, vorwärts Cagliano.
Mit Handbillet vom 29. Oktober 1800 wurde Oberst Karl von
Brixen zum General-Feldwachtmeister befördert; Oberstlieutenant
Friedrich Kirchner führte ad internim das Regiments -Kommando.
Die Friedensunterhandlungen blieben wieder ohne Erfolg; am
13. Oktober kündigten die Franzosen in Italien den Waffenstillstand,
daher Bellegarde die Armee wieder im Lager bei Villafranca
vereinigte. Das Reserve - Korps verliess am 28. seine Kantonnirungen
und marschirte nach Verona, dann nach Lonigo.
Kaum hatte die Armee ihre Stellungen bezogen, als die Fran-
zosen abermals einen Waffenstillstands -Antrag gegen lOtägige Kündi-
gung machten, der auch angenommen wurde. Aber auch dieser führte
zu keinem Resultat, sondern wurde am 13. November wieder auf-
gekündigt, wornach die Feindseligkeiten am 23. beginnen konnten.
Am 22. bezogen die Truppen ihre Stellungen; das Reserve - Korps
bei S. Michele.
Das Regiment, welches während dieser Zeit von Trient nach
Ala vorgerückt war, erhielt am 21. November die Bestimmung, zur
Digitized by Google
371
Armee nach Italien, brach noch denselben Tag auf und erreichte
am 22. Verona, wo dasselbe mit dem Regiment Nr. 47 dio Ein-
teilung in die Brigade des General S z e* n ä s y, Division F.-M.-Lt.
O'Reilly im zweiten Treffen erhielt.
Mit Allerhöchster Erschliessung vom 26. November 1800 wurde
Oberstlieutenant Friedrich Kirchner zum Oberst und Regiments-
Kommandanten, Oberstlieutenant Josef Baron Uracca mit Belassung
in seiner Anstellung beim Regiments - Inhaber zum zweiten Oberst,
Major Joachim von Zuchari zum Oberstlieutenant, mit Beibehält
des Grenadier-Bataillons, Major Andreas Lang v. Langenau zum
ersten, Hauptmann Christof Zurwesten zum zweiten und Johann
Baron An dl au zum dritten Major ernannt.
Aus den verschiedenen Lagern, in welchen sich die Truppen
am 22. November gesammelt hatten, brach die österreichische Armee
am 23. in das Hauptlager bei Gherla auf; der Vortrab ging über den
Mincio. Nun fanden bei den Vortruppen viele kleine Gefechte statt,
welche ftr das Ganze ohne Entscheidung blieben; beide Armeen
hielten sich auf der Defensive. Als aber die Nachricht von der für
die österreichischeu Waffen unglücklich ausgefallenen Schlacht bei
Hohenlinden anlangte, formirten sich die Franzosen zum Angriffe und
rückten am 21. Dezember auf allen Punkten vor; auf der Höhe von
Volta wurden die sechs Signalschüsse gegeben, worauf sich die
österreichische Armee bis Mittag in der Stellung bei Gherla sammelte
und der Vortrab nach hartnäckigen Gefechten über den Mincio
zurückkehrte. Das erste Treffen besetzte den Mincio, das zweite und
das Reserve - Korps standen im Lager bei Gherla zwischen Valleggio
und Villafranca und in dieser Stellung wartete Bellegarde die
weiteren Bewegungen der Franzosen ab, welche sich am 22. und
23. nur mit Rekognoszirungcn am Mincio beschäftigten.
Mit grauendem Morgen, am 25. Dezember, hatte der Feind
die Höhen bei den Mühlen von Goito, oberhalb Pozzolo erreicht,
vertrieb mit einem helligen Kanonen- und Flintenfeuer die öster-
reichischen Vorposten vom Ufer, setzte in Kähnen einige Truppen
über den Mincio und begann mit dem Brückenschlag. Dieser war
bald fertig und nun marschirte die Brigade Musnier über dieselbe
gegen Pozzolo, welches nur mit fünf Kompagnien Jäger besetzt
war. Pozzolo wurde von einer Halb -Brigade genommen und nun
stellten sich die Franzosen längs dem Damme von Pozzolo bis zu
24*
372
1*00.
den Mühlen auf. 0. d. K. Graf Bellegarde vereinigte gegen 1 Uhr
vier Brigaden und leitete selbst den Angriff. Der Feind wurde aus
allen Stellungen geworfen, Fozzolo wieder erobert und die fliehenden
Franzosen bis gegen die Bracke verfolgt. Ein verlierendes Feuer
aus 27 Geschatzen von den jenseitigen Höhen setzte den vordringen-
den Oesterreichern Schranken; um aber doch die errungenen Vor-
theile mit Nachdruck verfolgen zu können, hatte Bellegarde die
Brigade Sztfnäsy vom Rideau hinter Pozzolo zur Unterstatzung vor-
gesendet. Wahrend dieser Vorrückung wurde das Regiment Deutsch-
meister zur Division des F. -M.-Lt. Keim detachirt, welche bei
Pozzolo sich im heftigsten Kampfe befand, wo die Franzosen an
der Brücke den verzweifeltsten Widerstand leisteten. Unter dem
Schutze der Artillerie, welche die Oesterreicher vom Ufer entfernte,
hatte sich der Feind gesammelt und rückte wieder gegen Pozzolo
vor. In Massen stürmte er nun diesen Ort, kam wieder in den
Besitz desselben und F. -M.-Lt. Keim suchte das Rideau mit
seinen Brigaden wieder zu gewinnen, da seine Truppen durch die
feindlichen Geschütze ausserordentlich gelitten hatten.
Der feindliche General Dupont sammelte alle seine Trappen
und drang gegen das Rideau vorwärts, wurde aber mit einem
mörderischen Kanonenfeuer empfangen, worauf die österreichischen
Brigaden dem Feinde muthig entgegenrückten. Es entspann sich
neuerdings ein heftiges Gefecht in der Ebene, Pozzolo ward wieder
genommen und Dupont zurückgeworfen.
Das Regiment hatte bei seinem Anrücken in Pozzolo gekämpft
und sich nun bei dieser Vorrückung besonders ausgezeichnet. Die
französische Brigade Gazan bemächtigte sich abermals jenes Dorfes,
hatte sich aber noch nicht in dessen Besitze befestigt, als sie wieder
herausgeworfen wurde. General Lesuire rückte demungeachtet
wieder auf Pozzolo los und nahm zum vierten Male das Dorf ein,
um dessen Besitz so wüthend gekämpft wurde. Die Erbitterung um
den Besitz dieses Ortes hatte bei beiden Theilen unglaubliche
Anstrengungen erregt. Die Oesterreicher stürmten abermals und die
Franzosen müssen wieder weichen. Im Orte selbst gerathen die
Kämpfer wuthentbrannt aneinander. Das Gewirr der Streiter, die
nur Schritt für Schritt weichen und das Getümmel in den Häusern,
welche hin und wieder von französischen Soldaten besetzt blieben
und nun von den eindringenden Oesterreichern gestürmt wurden,
Digitized by Google
1K0O.
373
hatte die Hitze des Kampfes auf das Höchste gesteigert. Nach und
nach waren die Kompagnien sämmtlicher Bataillone des Regiments
liier im Feuer. Endlich siegten die Oesterreicher und General
Lesuire rausste das Dorf räumen; indessen blieben mehrere Häuser
von den Franzosen besetzt.
Während diesem Kampfe um den Ort hatten die Franzosen
bedeutende Truppenmassen auf das linke Ufer gezogen und unter-
nahmen nun einen Angriff gegen die ganze Linie der Oesterreicher.
Die ganze Division Loison erstürmte Pozzolo, in welchem mehrere
Offiziere und Mannschaft des Regiments, die sich in den Häusern
vertheidigten, gefangen genommen wurden. Die österreichischen
Brigaden hatten sich mit Schnelligkeit auf dem Rideau aufgestellt
und das lebhaft unterhaltene Kanonenfeuer von diesen Höhen zeigte
dem Feinde den Entschluss zur hartnäckigen Vertheidigung.
Als der Abend hereingebrochen war, wurde es auf dem Kampf-
platze ruhiger ; die Oesterreicher blieben über Nacht in der Stellung
auf dem Rideau, die Franzosen in Pozzolo und bei den Brücken. Das
Reserve-Korps, welches in Erkrankung des F.-M.-Lt. Schellenberg
der F.-M.-Lt. Friedrich Graf Bellegarde übernommen hatte,
wurde mit einbrechender Nacht aus dem Lager von Gherla vorgezogen
und so disponirt, dass es nach Umständen schnell gegen Monzambano,
Valleggio oder Pozzolo in Bewegung gesetzt werden konnte.
Unter Begünstigung eines starken Nebels überschritten am
20. Dezember um 7 Uhr früh die Franzosen bei Monzambano den
Mincio, schlugen rasch zwei Brücken, vertrieben die schwachen
österreichischen Truppen und rückten in zwei Kolonnen, eine gegen
den Monte bianco, die andere gegen Valeggio vor. General Lezzeny
wollte mit seiner Brigade den Feind aufhalten, musste aber gegen
Valeggio weichen.
Unter diesen Ereignissen war F.-M.-Lt. Bellegarde mit
dem Grenadier- Korps über Valeggio, auf der Strasse gegen Castel-
nuovo um die Mittagszeit eingetroffen. F.-M.-Lt. Prinz Ho h en-
zolle rn erhielt den Befehl nur eine Division vor Pozzolo zu be-
lassen, mit allen übrigen Truppen aber zur Unterstützung des
Grenadier-Korps über Valeggio zu rücken. Letzteres drang auf der
Strasse von Castelnuovo gegen Saiionze vor; die Anstrengungen
aber, den Monte bianco wieder zu erobern, scheiterten an den Terrain-
vortheilen, die der Feind mit bedeutender Macht inne hatte.
374
Während diesem Gefechte der Grenadiere war Prinz H oh en-
zoller u mit seinen Truppen über Valeggio auf der Strasse nach
Castelnuovo eingetroffen und marschirte neben dem Maffeischen
Garten mit der Front gegen die Höhen von Valeggio auf. Eben
hatten drei Grenadier- Bataillone, darunter Zuchari, den Feind bei
dem Hause Parozie angegriffen, um ihm sein Vordringen gegen
Valeggio längs den Höhen zu verwehren. Die Grenadiere erstürmten
die Höhe, aber es währte nicht lange, so raussten sie einem er-
neuerten Anfalle wieder weichen. Mehrmals wurde von den Grena-
dieren dieser Angriff wiederholt, aber die Franzosen hatten bedeutende
Verstärkungen erhalten, welche den Grenadieren die errungenen Vor-
theile entrissen, sie wieder zum Weichen nöthigten und in die Ebene
verfolgten. Nun hieb aber die österreichische Kavallerie - Brigade
Nimptsch wacker ein, trieb die Franzosen auf die Höhe zurück und
rettete die Grenadiere. Aber hier hatten die Franzosen ihre Vortheile
schon verfolgt und waren nahe gegen die Mauer von Valeggio
vorgedrungen. Zwar unternahm das Regiment Nr. 34 noch einen
brillanten Angriff unter persönlicher Führung des F.-Z.-M. Belle-
garde, aber er blieb ohne Erfolg, da die Feinde bereits die Mauer
erstiegen und auch in der Ebene vordrangen. Hohen zollern that
jedoch dem Vordringen des Feindes durch sein Geschütz Einhalt
und trieb ihn mit der Reiterei zum zweiten Male auf die Höhe zurück.
Nun richteten die feindlichen Generale ihren Angriff gegen
Valeggio in zwei Kolonnen, von welchen eine den Brückenkopf von
Borghetto im Rücken nahm, während die andere in den Ort eindrang,
in welchem sich nun ein heftiger Kampf entspann. Die Brigade
Weissenwolf warf sie wieder hinaus, aber bald darauf erstürmten die
Franzosen abermals den Ort. Indessen lief das Regiment Deutsch-
meister, welches das Kastell besetzt und in welches sich auch der
F.-M.-Lt. Graf St. Julien geworfen hatte, Gefahr, von der Armee
abgeschnitten zu werden. General d'Aspre stürmte aber mit den
Regimentern Nr. 19 und 34 aufs Neue den Ort, und obgleich dieser
Angriff nicht den erwünschten Erfolg hatte, so gab er dennoch Ge-
legenheit, dass der Feldwebel Rubinig vom Regiment Nr. 26 der
Besatzung den Abrückungsbefehl überbringen konnte.
Hohenzollern liess nun einige Batterien gegen den
Ort aufführen und mit Granaten und Kartätschen dem Verfolgen
Einhalt thun. Auch wurde es nach diesem Kanonenfeuer nach und
Digitized by Google
180«.
375
nach so stille in Valeggio, dass es schien, der Feind habe dasselbe
geräumt, was wegen der eingebrochenen Dunkelheit nicht wahrzu-
nehmen war. Mehrere Heiterpatrouillen ritteu in den Ort, um den
Feind zu erforschen und bemerkten bald, dass die Franzosen noch
anwesend waren. Während nun die Dragoner eine Verwirrung
anrichteten, benützte F.-M.-Lt. St. Julien diese Gelegenheit, führte
das Regiment Deutschmeister aus dem Kastell, vermehrte in dem Orte
die Verlegenheit des Feindes, von welchen viele von den Deutsch-
meistern niedergemacht wurden und zog frei heraus zur Armee.
F.-Z.-M. Bellegarde beschloss den Kampf nicht zu erneuern,
sondern die Armee hinter die Etsch zu führen. Die Grenadier-
Brigade Weidenfeld deckte die Strasse nach Castelnuovo und zog
sich nach Somma-Campagna zurück. Die übrige Annee setzte sich
um 9 Uhr abends in Marsch und rückte über die Schiffbrücke bei
Tomba in das Lager bei S. Michaele.
Der Verlust des Regiments an diesen beiden Schlachttagen
bestand anTodten: 4G; Verwundeten: Major Christof Zurwesten,
Oberlieutenant Josef Ott und 42 Mann; Gefangenen Hauptmann
Ignaz Splavsky, Emanuel Gerger, Wenzel Lathe, Josef
Werner, Kapitänlieutenant G ottlieb H a h ra a n n, Oberlieutenant
Norbert Krall, Lieutenant Johann Prohaska, Fähnrich Clement
Spillmann und 444 Mann vom Feldwebel abwärts; darunter
befanden sich von den Grenadiers 6 Todte, 12 Verwundete und
35 Gefangene.
Das zweite Treffen, F.-M.-Lt. Graf O'Reilly, dabei das
Regiment, lagerte am 28. vor San Michaele, wo sich auch das Haupt-
quartier befand; das Reserve-Korps marschirte hinter diesen Ort.
Um Mitternacht vom 2. zum 3. Jänner 1801 setzte sich die Armee
in drei Kolonnen in die Stellung von Caldicro in Bewegung, am 4.
marschirte dieselbe nach Montebello und bezog hier in drei Treffen
das Lager, brach am 7. in der Früh 5 Uhr wieder auf und rückte
in die Stellung Montecchio maggiore. Der Feind war hierher auf dem
Fusse gefolgt und es kam zu einem hartnäckigen Kampfe zwischen
der österreichischen Arrieregarde und zwei französischen Divisionen.
Als es schon dunkel wurde, erhielt die Brigade Szenäsi den Befehl,
zur Unterstützung vorzurücken ; bei ihrem Eintreffen hatte der Kampf
schon ein Ende erreicht und so lagerte man auf einen Flintenschuss
von den Franzosen entfernt mit den Waffen in der Hand.
1H01-1H04.
Um Mitternacht gab Bellegarde den Befehl zum Rückzüge.
Die Armee schlug den Weg über Vicenza ein, in Lisiera wurde
gerastet, von hier F.-M.-Lt. Prinz Hohenzollern mit vier
Brigaden zur Aufnahme des von Tirol anrückenden F.-M.-Lt.
Vukassevich nach Bassano gesendet, während Belle garde den
Rest der Armee nach Fontaniva hinter die Brenta dann am 13.
nachdem sich die ganze Armee vereinigt hatte, bei Lovadina über
die Piave führte. Nun wurde Waffenstillstand geschlossen, der zu
dem Friedensschlüsse von Luneville fahrte, in welchem Oesterreich
mit geringen Veränderungen, die im Vertrag von Campo formio
erworbenen Länder behielt.
1801-1804.
Im April konzentrirte sich das Regiment in Udine und trat
sodann den Marsch nach Oesterreich an, woselbst es im Monat Juni
in seinen alten Stationen Wien, Bruck an der Leitha, Hainburg und
Wr. - Neustadt eintraf.
Der parademässige Einmarsch des Regiments in den Friedens-
stationen bot kein glänzendes Bild, denn die erduldeten unerhörten
Fatiken des beschwerlichen Feldzuges spiegelten sich gar deutlich
in dem Aussehen der Truppe. In abgenützten, der Farbe nach un-
kenntlichen Monturen, ohne heitere Weisen türkischer Musik, denn
auch diese hatte sich theilweise aufgelöst, kehrten die Abtheilungen
des Regiments in ihre Heimat zurück. Aber wenn auch der äussere
Glanz und Schimmer fehlte, so konnten doch die Heimkehrenden
mit Stolz auf ihre sämmtlichen makellos erhaltenen Fahnen weisen
und mit dem erhebenden Bewußtsein treu erfüllter Pflicht, die viel-
fachen .herzerhebenden Ovationen entgegeunehmen, mit welchen die
immer patriotischen Oesterreicher und besonders die Wiener, ihr
aus schweren Kämpfen heimkehrendes „Haus- Regiment" festlich
begrüssten.
Bald nach dem Einrücken erreichte der Efl'ektivstand des
Regiments eine die vorgeschriebene Stärke weit überragende Höhe,
denn nicht nur die kriegsgefangene, sondern auch jene Mannschaft
Digitized by Google
1801 1804.
377
rückt« ein, die während dem Kriege anderwärts verwendet war; so
wurden am 1. Jänner 1802 Ober 1000 Mann auf Urlaub geschickt.
Die aus der französischen Kriegsgefangenschaft eingerückten
Offiziere und Mannschaft erzählten, dass sie anständig behandelt
wurden. Es war eben nicht mehr der Konvent an der Spitze der
französischen Regierung, denn diesen hatte Buonapartemit seinen
Grenadieren auseinander gejagt und an dessen Stelle waren die
Konsule getreten. Der Stabsoffizier hatte täglich 65 Sous, Haupt-
mann 50, Oberlieutenant 38, Lieutenant und Fähnrich 27, Feld-
webel 8, Korporal 6, Gefreiter 4, Gemeiner 3 Sous. Die Offiziere
konnten zwei Stunden vor die Stadt spazieren, wenn ein Bürger
cavirte; die Mannschaft war in Quasi - Kasernen untergebracht und
erhielt auch Brod.
Oberstlieutenant Joachim v. Zuchari, welcher 45 Jahre gedient
und sich in allen Feldzügen durch besondere Tapferkeit ruhmvoll
ausgezeichnet hatte, trat zum tiefsten Bedauern des Regiments, wegen
seiner durch viele Wunden sehr geschwächten Gesundheit am letzten
Oktober 1801 mit Oberstens - Charakter ad honores in den wohl-
verdienten Ruhestand ; in seine Stelle wurde mit 1. November der
Oberstlieutenant Frauz Baron Engelhardt von Nr. 29 in das Re-
giment eingetheilt.
Im Jahre 1801 erhielten die subalternen Offiziere, der Kaplan
und Auditor auch im Frieden eigene Diener. Diese führton die Be-
zeichnung , Privatdiener ' und sollten aus Leuten bestehen, die sich
der Invalidität näherten ; auch wurde in diesem Jahre das geistliche
Verdienstkreuz pro piis meritis gestiftet.
In der Nacht vom 26. zum 27. Juli 1801 starb der Oberst-
Inhaber des Regiments, Se. königl. Hoheit Erzherzog Maximilian
Franz, Kurfürst von Köln, Hoch- und Deutschmeister, der jüngste
Sohn der Kaiserin Maria Theresia und Franz I. von Loth-
ringen, geboren am 8. Dezember 1756. Er war in seiner Jugend
ffir den Militürstand bestimmt, für den sich bei ihm Anlage und
Neigung vereinigten ; auch hatte er unter seinem Bruder, dem Kaiser
Josef II. den bairischen Erbfolgekrieg mitgemacht. Aber durch
einen Sturz vom Pferde zog er sich ein Uebel am linken Fusse zu,
das ihn hinderte, seiner Neigung zu folgen. Er wurde im Alter von
14 Jahren Coadjutor des Hoch- und Deutschmeisters Karl von
Lothringen, seines Oheims und 1780 des Kurfürstens von Köln
378
1S01-18O4.
und Bischofs von Monster. In Köln gelangte er noch 1780, in
Münster aber erst 1784 zum vollen Besitze dieser Würden. Beim
Ausbruche der französischen Revolution hielt er sich von jeder offen-
baren Theilnahme der Emigranten fern; als Keiehsfürst stellte er
sein Kontingent in*s Feld gegen Frankreich. Als im Herbste 1794
Bonn von den Franzosen besetzt wurde, verliess er diese Stadt, die
bis dahin seine Residenz gewesen und die insbesonders seiner Regie-
rung viel verdankte, begab sich nach Münster, später nach Mergen-
theim und Ellingen. Im Frühjahre 1800 verfügte er sich nach Wien,
bezog das kaiserliche Lustschloss Helzendorf, starb aber schon im
folgenden Jahre, erst 45 Jahre alt. In seinen letzten Lebensjahren
nahm der Umfang seines Körpers so zu, dass er gestorben über fünft-
halb Zentner wog. Als Regent und Mensch lebt er in der Erinnerung
seines Landes, dessen letzter Kurfürst er war, das unter seiner
segensvollen Regierung den entschwundenen Wrohlstand wiederkehren,
Kunst, Wissenschaft und Industrie wieder aufblühen sah. Körper-
schönheit und Geistesstärke machten ihn bald bei seinen Unterthanen
beliebt. Er unterstützte Talente und belohnte Verdienste. Bonn ins-
besonders dankt seiner Munifizeuz die Erweiterung der Universität,
die er überdiess zur Landes-Universität erhob, und die Begründung
der reichen Bibliothek. Der Erzherzog sprach mehrere Sprachen,
war in verschiedenen Gebieten der Literatur bewandert und mit den
ausgezeichnetsten literarischen Produkten vertraut. Die Anlagen von
Godesberg, Poppelsdorf und Augustusburg zeigen seinen Sinn für
Naturschönheit. Für alles brachte er ein reges Interesse mit; jeder-
mann hatte zu ihm Zutritt, konnte seine Beschwerde persönlich
vorbringen und seines Schutzes gewiss sein. Auch das Regiment er-
freute sich seiner besonderen Fürsorge; zahlreiche Unterstützungen
der aus dem Felde Heimgekehrten, insbesondere den krüppelhaft
gewordenen Soldaten, hoher Gerechtigkeitssinn bei den Beförderungen
und reichliche Versorguog mit Uniformen und den neuen Gewehren
gaben volle Beweise der Zuneigung.
In seine Stelle wurde Erzherzog Karl zum Hoch- und Deutsch-
meister erwählt und demselben mit Allerhöchstem Handbillet vom
5. August 1801 als Oberst -Inhaber das Regiment verliehen.
Für die konskribirten Erblande wurde 1802 die lebenslängliche
Dienstzeit aufgehoben und die Konskription, das ist: Dienstzeit auf
eine bestimmte Anzahl Jahre eingeführt. Das ärztliche Personale
Digitized by Google
1 SOI -1804.
370
erhielt statt Chirurg die Benennung Feldärzte, die Bataillons-
Chirurgen den Titel Oberärzte, erstere mit 14 H. letztere mit 19 fl.
monatlichem Gehalt. Die Fahnen-Kadeten gingen ein.
Im Jahre 1802 befanden sich die Grenadiere, der Regiments-
stab, das erste und zweite Bataillon in Wien, das dritte zu Wiener-
Neustadt.
Oberst Friedrich von Kirchner wurde mit Allerhöchster
Entschliessung vom 13. Dezember 1802 am 1. Jänner 1803 mit
Generalmajors-Charakter in den Ruhestand übersetzt und der Oberst
Philipp von Faber von Nr. 17 als zweiter Oberst in das Regiment
eingetheilt.
Mit 12. März 1803 erhielten die Regiments - Adjutanten den
Fähnrichsrang ; sie waren seither, bis auf das goldene Porte - d'£pee,
wie die Offiziere uniformirt.
Major Johann Baron A n d 1 a u, deutscher Ordensritter, wurde
am 30. April 1803 zum Infanterie - Regiment Nr. 10 transferirt.
Oberst und Regiments -Kommandant Josef Baron Uracca trat am
29. November 1803 mit Generalmajors-Charakter in Ruhestand und
nun Obernahm Oberst von F a b e r das Regiments-Kommando. Major
Josef Zur westen trat am 15. Dezember 1803 in Pension; in seine
Stelle wurde der Major Josef von Mecsery des Infanterie-Regiments
Nr. 10 in das Regiment eingetheilt. Major Lang v. Langenau
wurde in das Ministerial - Bureau, dagegen Major Graf Lazansky
in das Regiment eingetheilt. Hauptmann Konrad Baron Boul erhielt
bei seiner Quittirung mit 8. November 1803 den Majors - Charakter.
Erzherzog Karl legte am letzten Juni 1804 die Würde eines
Hoch- und Deutschmeisters nieder, dagegen wurde Erzherzog Anton
am 1. Juli hiezu gewählt und auch mit demselben Tage zum Oberst-
Inhaber des Regiments ernannt. (Handbillet vom 30. Juni 1804.)
Im Jahre 1804 quittirte Lieutenant Kaspar Baron Gaismar
seine Charge, trat in russische Dienste und avancirte dort in der
Folge zum General der Infanterie und Korps-Kommandanten.
380
1805.
1805.
Während das Regiment unter dem alltäglichen Treiben friedlichen
Garnisonslebens in seinen Stationen gestanden war, gingen in Europa
grosse Dinge vor sich. Im Jahre 1801—1802 veränderte Buona-
parte die Verfassungen der italienischen Republiken und Helvetiens
auf solche Weise, dass dieselben ihre politische Selbstständigkeit
verloren und nunmehr ganz von Frankreich abhingen. Im August 1802
Hess er sich zum lebenslänglichen Konsul erheben und im Juli 1803
den grössten Theil des Reiches Neapel von den Franzosen militärisch
besetzen. Im Mai 1804 wurde Buon aparte als erblicher Kaiser
der Franzosen ausgerufen und am 2. Dezember als Napoleon I.
gekrönt. Im März 1805 nahm er auch die italienische Königs würde
an und setzte sich die eiserne Krone auf das Haupt, Im Juni wurde
Ligurien, im Juli Parma und Piacenza mit Frankreich vereinigt.
Diese vielfachen Usurpationen mussten neuerdings ganz Europa
gegen Frankreich bewaffnen. Schon am 8. Mai 1803 erklärte England
den Krieg, mit dem sich Russland und Schweden verbanden und
Oesterreich schloss sich bald darauf diesen Mächten an.
Kaiser Franz hatte laut Pragmatikalgesctz vom 11. August
1804 als Franz I. den Titel und die Würde eines Erb-Kaisers von
Oesterreich angenommen, wodurch die Königreiche und Länder, aus
denen die österreichische Monarchie bestand, noch unauflöslicher als
bisher, als für ewige Zeiten unzertrennbares Ganzes aneinander
gekettet wurden.
Freudig, voll Glut für das gute Recht und erfüllt von Kampf-
lust, gewahrte das Regiment die Anzeichen zum neuen Kriege.
Begeistert eilten im Mai 1805 die einberufenen Urlauber zu den
Fahnen und die regste Thätigkeit herrschte in allen vom Regimente
besetzten Orten. Es wurde täglich nach der neu herabgelangten,
vom Erzherzog Karl verfassten Vorschrift exerzirt, welche die bisher
vorgeschriebenen Evolutionen der Infanterie wesentlich vereinfachte
und unter anderen das Niederknieen des ersten Gliedes beim Feuern
abschaffte, sowie die blos zeremoniellen zwecklosen Handgriffe
beschränkte.
Digitized by Google
17QQ _ 1QAQ
Digitized by Google
Digitized by Google
1798 - 1809.
S;rmtHprtinn Druck des k k wllt gtsgrjf JnstiUitct
Offizier und Gemeiner von
Hoch-und Deutschmeister.
Digitized by Google
1805
381
Die Regimenter wurden in 1 Grenadier- und 4 Füsilier-
Bataillone ä 4 Kompagnien, das Grenadier- Bataillon aus einer
Division mit der Zulage und aus einer zweiten (Jung- Grenadiere)
ohne Zulage eingethcilt. Zwei Bataillone wurden durch Hauptleute
koramandirt, die nehstbei auch noch ihre Kompagnien versahen,
jedoch die Stabs- Offiziers -Fourage- Portionen bezogen. Major Graf
Lazanski erhielt das Grenadier -Bataillon.
In allen Theilen wurde eifrigst gerüstet und mit frischem
aufgeweckten Sinn sah das Regiment ungeduldig dem ersehnten
Marschbefehle entgegen. Noch ehe dieser herablangte, erschien ein
Befehl, welcher, wie Traditionen es konstatiren, der Mannschaft und
auch manchem alten Offizier gar nahe an's Hera ging, es wurde
nämlich der Haarzopf bei der ganzen Armee abgeschafft. Das
bezügliche Allerhöchste Handbillet vom 30. Juli 1805 lautet: »Nach
»dem Vorschlag Meines Kriegsministers, des Erzherzogs Karl
»Liebden habe Ich beschlossen, bei Meiner ganzen Armee den
»bisherigen Haarputz abzuschaffen, und dagegen zu gestatten, dass
»die Haare kurz, d. i. in der Länge von 1 Zoll abgeschnitten, so
»wie sie natürlich fallen, getragen werden sollen.
»Diese Länge der Haare muss an dem ganzen Kopfe gleich
»sein; die Mannschaft hat sie uneingeschmiert und ungepudert zu
»tragen, alle Stabs- und Oberoffiziere aber pomadirt und gepudert.
»Diesen ist dabei auf das Ernstlichste zu bedeuten, dass sie sich
»genau an die obige Vorschrift halten, mithin jede Mode, von
»welcher Art sie sein möge, gänzlich vermeiden sollen, wie dann
»auch die Uebertretter mit unnachsichtlicher Strenge dafür anzusehen
.sein würden.
»Es versteht sich von selbst, dass die Haare von Zeit zu Zeit
»wieder geschnitten werden müssen, damit ihre Länge niemals das
»oben vorgeschriebene Mass mehr als •/« Zoll übersteigen möge.
»Auch ist die Mannschaft aufzumuntern und anzuhalten, sich den
»Kopf öfter mit frischem reinen Wasser zu waschen, denn die
»Gesundheit, Reinlichkeit und Erleichterung Meiner treuen und tapferen
»Soldaten, zugleich aber die damit verbundene Ersparung eines für
»sie nicht unbeträchtlichen Aufwandes von ihrer Löhnung sind die
»Hauptbeweggründe, welche den Erzherzog Kriegsminister zu diesem
.Vorschlag und Mich zu der Genehmigung, die Ich demselben mit
.Vergnügen ertheile, veranlasst haben.
382
1805.
, Allen Meinen Generalen bleibt es überlassen, die Haare wie
, bisher oder nach dieser neuen Art zu tragen, jedoch müssen sie
,sich in letzterem Fall eben auch genau nach der obigen Vorschrift
, verhalten.'
Dieser Befehl wurde beim Regimente mit 15. August 1805
in Vollzug gesetzt.
Oberst Philipp v. Faber erhielt mit Allerhöchstem Befehl
vom 19. Juni die Anstellung als Unter - Direktor in der Neustadter
Militär - Akademie. In Folge dessen wurde mit Armee -Befehl vom
2. August Oberstlieutenant Franz Baron Engelhardt zum Oberst
Regiments - Kommandanten, Major Josef v. Mccscry zum Oberst-
lieutenant, der zweite Major Max Graf Lazansky zum ersten Major
und Grenadier - Hauptmann Vincenz Ostoich zum zweiten Major
befördert.
Ein gewaltiges Heer sammelte sich unter Erzherzog Karl in
Italien, wo man den Hauptschlag zu führen gedachte, während ein
zweites unter F.-M.-Lt. Mack in Verbindung mit den unter
Kiitusow heranmarschirenden Russen nach Deutschland bestimmt
war. Im August schon wurden die Tmppen unter dem Vorwande
von Exerzierübungeu in mehrere Lager zusammengezogen. Die
Offiziere erhielten den 20. August eine zweimonatliche Gratisgage.
Ungeachtet aller Vorbereitungen hatte man in den entscheiden-
den Kreisen die Hoffnung, den Frieden zu erhalten, noch nicht
gänzlich aufgegeben und die seit lange schon eingeleiteten Unter-
handlungen wurden aufs eifrigste fortgesetzt. Doch als die Nach-
richt von der am 27. August erfolgten Aufhebung des Boulogner-
lagers und dem Anmärsche Napoleons gegen den Rhein, zu Wien
einlief, erfolgte der Marschbefehl. Man hoffte durch schnelles Vor-
rücken noch rechtzeitig den Kurfürsten von Baiern zum Eintritt in
die Allianz zu bewegen, aber Napoleon war es bereits gelungen,
die deutschen Mittelstaaten von der gemeinsamen Sache zu trennen.
Nach der Standes - Liste des Monats September 1805 bestand
das Offiziers -Korps:
Oberst -Inhaber Erzherzog Anton, F.-Z.-M., Hoch- und Deutschmeister.
Oberst, Begiments-Kommandant Franz Baron Engelhardt.
Oherstlientenant Josef v. Mccsery.
Major Max Gf. Lazansky, Vincenz Ostoich, Valentin Niedermann.
Kaplan Johann Eohaut.
Auditor Peter Di polt.
Digitized by Google
1MU».
383
Rechnungsführer Johann Aicher v. Aichcncgg.
Regiments - Adjutant August v. Witte.
Arzt Johann Kelter er.
Bataillons-Adjutant Johann Sa eher, Franz Buell, Gottfried Conradi,
Franz Maasburg, Hermann Kavanagh.
| Hauptmann
Lieutenant
Fähnrich
i
tS
Kapitän-
Ober-
Unter-
1.
Johann
Schwarz
—
Karl
v. Andujar
Xarl
v. Frosch
2.
Stephan
Br. Erdmann
—
Nepomuk
Holbe
Josef
Br. Welten
3.
Ludwig
Br. Stael
—
Wilhelm
Br. Burcell
Josef
Wagenheim
*
Otto
Br. Collctti
—
Georg
Rickauer
Josef
Kraushaar
■
L
Christian Br.
Stockhausen
August
Wermersch
Franz
Adrario
Leopold
( "araoi ol 1 a
OD
2.
Eberhart
Niess
David Franz
Frz. Aumer
Karl Voigt
U
W
3.
—
Hermann
Velten
Johann
Alborl
Simon
Carove
Joh. Novak
4.
Michael
Fiala
-
Johann
Br. Sichel
—
Josef
in au i vi
5.
Georg
Mehlfübrer
Johann
Blasius
Karl
Stokhammer
Titus
L>1 it J ) tv L 1 1 II ( 1 1 1 (
00
<v
6.
Gr, Loeben
—
Georg Bach
Ludwig
Gr. d'Angest
Johann
Schwarz
Sc
N
7.
Nepomuk
Schmidt
Mathias
Kirzinger
Franz
Fürst Ruspoli
Andreas
Müller
8.
Karl Baron
Landenberg
Josef
Br. Renette
Georg
Schlinger
Ludwig Graf
Moranville
9.
Johann Till
Franz
Montluisant
Gabriel
Schneichel
Stephan
Kersehmar
00 1
o> 1
10.
v. üilg
Lorenz
Berthai
Andreas
Stöker
Franz
Brünner
•c
Q
11.
(ieorg
Wallek
Norbert
Krall
Johann
Sourville
Peter
Wagner
12.1
Engelbert
Br. Bretten |
Lorenz
v. Zach
Johann
Tranquilini
2
13.
Anton
Gr. Bubna
Androas
Roggen
Konrad
Möhlmann
Franz
Bechini
1
14.
Georg
Br. Hertwig
Johann
Baumann
Johann
Schnantz
Franz
Unkclhäuser
384
1805.
i
Komp.!
naupiniann
Lieutenant
r auunon
ö
Kapitän-
Ober-
Unter-
s
g
15.
Mörs
Frz. Riegel
Frz Eisnitz
r eruinanu
Engelhardt
a
>
16.
Franz
v. Hcrvay
Edmund
Rr. Droste
1.
Gottlieb
iiahmann
Alexander
Geluciani
:
Job. Katty
Karl
Strakatte
Reserve-
2.
Dntranolu-e
Josef
Ried er
Johann
Rudnyack
Johann
Mondenay
3.
Anton
Rr. Stentseh
Lorenz
Maier
Josef
Karaczay
4.
Marquis
de Villa
Josef Piller
Johann
O'Karin
Mit Armee - Refohl vom 1. September 1805 wurde Oberst-
lieutenant v. Bosio des Peusionstandes zum Kommandanten des
Reserve - Bataillons mit Majorsgage ernannt und der Hauptmann
Valentin Nieder mann des Regiments Nr. 49 zum 3. Major im
Regiment, dagegen Hauptmann Kieffel zum Major bei Nr. 40
befördert.
Pas Regiment marschirte am 14. September 1805 aus seinen
Stationen zur Armee in Deutschland und traf am 7. Oktober 1805
in Ingolstadt bei dem Korps des P. -M. -Lt. Baron Kienmayer
ein, dessen Hauptmacht sich nach dem Ucbergangc der Franzosen
bei Donauwörth, bei Aicha konzentrirte. Am G. wurden unter Be-
deckung des Lieutenants Stokhammer 1,002.435 fl. CM. zur
Feldoperationskasse der Armee in Deutschland abgeschickt.
Der Generalquartiermeister F. - M. - Lt. M a c k hatte den Plan
gefasst, das österreichische Heer am linken Donau - Ufer in der ver-
schanzten Stellung bei Ulm zu vereinigen, daselbst die Ankunft der
Russen und deren Vereinigung mit Kienmayer zu erwarten oder
nach Umständen sich gegen eine der durch die Pilsse des Schwarz-
waldes anmarschirenden französischen Kolonnen zu werfen. Doch
Napoleon im Besitze einer Streitmacht, welche nach seiner Ver-
einigung mit den alliirten deutschen Truppen die österreichische um
mehr als 60.000 Mann Oberragte, war, ohne sich um die Neutralitat
Preussens zu kümmern, mit einem Theil seiner Armee durch das
preussische Gebiet von Anspach marschirt und näherte sich rasch
in Mack's Flanke und Rücken der Donau. Zwischen dem 7. und
Digitized by Google
isor,.
385
8. Oktober trafen schon die Korps der Marschälle Lannes und
Soult, dann die Garden unter Bessieres nebst einem Theile
der Reiterei Murat's bei Donauwörth ein, stellten unter dem
Schutze zahlreicher Batterien die Brücke her und drängten den
F.-M.-Lt. Ki en m a y er zurück, welcher, um seine Verbindung mit
den heranziehenden Russen nicht zu verlieren, den Rückzug nach
Schwabhausen antrat und am 10. in das Lager von München ein-
rückte. Die Avantgarde hielt Tachau besetzt. Am 13. ging das Gros
des Korps nach Amphingen, am 18. bezog es die Stellung bei Mühl-
dorf, endlich jene von Binghausen, um die unter Kutusow nahenden
Russen zu erwarten, deren Vortrab mit Fürst Bagration bereits
bei Braunau angelangt war.
F.-M.-Lt. Kienmayer, der die Bestimmung zur Haupt-
armee uach Böhmen erhielt, übergab das Kommando seines Korps
dem F.-M.-Lt. Grafen Mcrveld, welcher die Angriffe der jetzt
mit grosser Macht vorrückenden Franzosen nicht weiter erwartete und
gegen Salzburg zurückging, während Kutuso w die Russen nach
Lambach führte. Am 20. Oktober erhielten die Regimenter Deutsch-
meister und Nr. 57 nebst IG Kürassier -Eskadronen den Auftrag,
am rechten Ufer der Enns längs diesem Flusse, von seiner Mündung
angefangen bis nach Stever Kantonnirungsquartiere zu beziehen.
Die Mannschaft des Regiments hatte auf diesem Rückzüge wegen
schlechter Beschuhung viel gelitten, worüber auf Befehl des Hof-
kriegsraths-Präsidentcn die strengste Untersuchung eingeleitet wurde.
Man hoffte durch einen kombinirten Angriff die bereits be-
drohte Verbindung mit der noch in Böhmen verweilenden Haupt-
armee wieder zu sichern ; aber die Bewegungen Napoleon 's, so
wie der Flankenmarsch B e r n a d o 1 1 e 's auf Salzburg bedrohten
immer mehr die Stellungen der Alliirten und erzwangen bald das
Aufgeben der Inn- und der Traunlinie, an welch1 letzterem Flusse
die Nachhut M e r v e 1 d's bei dem Markte Lambach noch einen
blutigen Kampf zu bestehen hatte. Während dieser Zeit war das
Regiment in der Division des F. - M. - Lt. Fürst Hohenlohe nach
Strasswalchen und Friedberg, am 30. Oktober in die Stellung bei
Dimelkam, 31. Lambach und am 2. November an das rechte Enns-
Ufer bei Steyer marschirt.
Obgleich es nun im Plane lag sich an der Enns festzusetzen,
um die so nothwendige Vereinigung der österreichisch - russischen
25
38(5
1S05.
Streitkräfte zu ermöglichen , so war doch bald K u t u s o w ge-
zwungen, längs des Donauthales über Strengberg und Amstetten
zurückzuweichen, während Merveld nach lebhaftem Kampfe Steyer
verliess, als die Marschälle D a v o u s t und Marraont unterhalb
der Stadt die Enns überschritten.
Vom Regiment wurden am 4. November zwei Bataillons unter
dem General Baron Schustek nach Neustift detachirt , um
daselbst in einer guten Stellung Posto zu fassen, die beiden andern
Bataillons unter dem General Devchich stellten sich bei Aschau
auf und hatten die Bestimmung, die Strasse von St. Peter auf das
hartnäckigste zu vertheidigen.
Merveld beschloss aber nun sich durch das Gebirge zurück-
zuziehen und über Lunz, Mariazell, St. Pölten wieder mit den Russen
zu vereinigen. Das Korps marschirte daher in der Nacht auf deu
5. in guter Ordnung über Ternberg bis Gross -Raming in die feste
Stellung hinter deu Neustiftgraben, wo dasselbe nach einem er-
schöpfenden Marsche am 5. abends anlangte.
Diese Stellung bot nun grosse Vortheile. Gesichert im Rücken,
an einer vortrefflichen Strasse, die in kürzester Linie auf Leobeu
führte, geschützt durch wichtige, fast nicht zu nehmende Pässe und
Stellungen lag der Gedanke nahe, den durch lange und angestrengte
Märsche tief erschöpften Truppen eine kurze Rast zu gönnen und
die weiteren Schritte des Feindes abzuwarten. Doch Merveld
hielt seinen Plan aufrecht, hoffte mit Bestimmtheit die Vereinigung
zu erzielen, zum mindesten aber durch seine Märsche den Feind
für seine Flanke besorgt zu machen und zu starken Detachirungcn
gegen das Gebirge zu nöthigen. Vergebens wurde der Korps -Kom-
mandant auf das Gefahrliche dieses Schrittes aufmerksam gemacht,
da die Brigade Hendelet des Korps Davoust schon auf Waidhofen
und Gaming vordrang, vergebens wurde auf die physische Er-
schöpfung der Truppen, welche solch* forcirten Märscheu durch das
unwegsame, schwierige Gebirge nicht mehr gewachsen, endlich auf
den vollständigen Mangel aller Verpflegung hingewiesen; Merveld
blieb bei seinem Entschlüsse und ordnete die Fortsetzung des
Marsches noch für den 6. abends an. Bereits war die Nacht weit
vorgerückt, als die Kolonne, auf dem schlechten Wege, beständig
durch die Artillerie aufgehalten, erschöpft bei Reith ankam, wo
man seit fünf Tagen das erste Mal für einen Tag Brod fand,
Digitized by Google
1S05.
387
obwohl General Auer schon den 3. von Wien der Verptlegs-
anstalten wegen vorausgeschickt war, welcher aber bei der armen
Bevölkerung und wegen Mangel aller Transportsmittel seinen Auftrag
nicht erfüllen konnte.
Bald nach dem Eintreffen der Kolonne in Reith traf die
Nachricht ein , dass die Marschälle D a v o u s t und Bernadotte
über Seitenstetten in Waidhofen eingeröckt seien imd die dort auf-
gestellte Uhlanen - Eskadron von den Franzosen angegriffen uud bis
Gaming verfolgt wurde. Die Franzosen waren somit nur durch den
Gruberg von Lunz getrennt, durch welchen Ort die einzige Rückzugs-
linie des Korps ging und konnten mithin denselben weit früher als
Merveld von Reith erreichen. Noch war es Zeit bei Göstling
sich nach Eisenerz zu wenden, aber Merveld blieb bei seinem
Entschluss und wollte den andern Tag noch, den 7., bis Neuhaus
gelangen. Da jedoch schon bei Hollenstein die gebahnte Strasse
gänzlich aufhörte und das eingetretene leichte Thauwetter die Wege
sehr verdorben hatte, so konnten die letzten Bataillone Deutsch-
meister des Abends erst zu Lunz eintieften, wo das ganze Korps
auf dem sogenannten „Oisboden* ein Lager im Schnee bezog. Die
zuerst in Lunz angekommeueu Bataillone hatten schnell alle Lebens-
mittel in dem kleinen Orte aufgezehrt, denn die patriotischen Be-
wohner gaben recht gern alles her, um die hungernden Soldaten zu
verpflegen. Als das Regiment Deutschmeister anlangte, war nichts
mehr vorhanden und ein junger Fähnrich des Regiments, welcher
seine goldene Uhr für ein Stück Brod anbot, konnte es nicht mehr
erhalten.
Merveld stellte das Grenadier - Bataillon Deutschmeister
auf den Weg, der über Boding nach Ipsitz führt und ein zweites
auf der Strasse nach Gaming auf, um sich in seiner linken Flanke
zu sichern. Gleich hinter Lunz befindet sich ein äusserst steiler
Gebirgsrücken, ,der Durchlass", welcher das Lunzer- von dem
Langauer- Thale trennt, über welchen der Weg nach Neuhaus führt.
Der nach leichtem Regen in der Nacht noch einfallende Frost hatte
diesen, zur günstigen Jahreszeit schon höchst schwierigen Weg,
mit Glatteis überzogen. Merveld versprach 20 Gulden für jedes
Geschütz, welches heute noch bis Neuhaus gebracht würde. Mit
namenloser Mühe und Anstrengung war es zuletzt möglich, nachdem
sich hunderte der braven Soldaten vor die Geschütze gespannt, auch
85*
.388 1WS.
die Offiziere und sogar Major Graf Lazansky Hand angelegt hatten,
die Geschfitze jene steile Höhn hinaufzubringen, da die durch längeren
Mangel der Fourage entkräfteten Pferde bald jeden Dienst versagten.
Unter diesen Anstrengungen ging der Tag und die darauf-
folgende Nacht vorüber und als der Morgen des 8. November an-
brach, war erst ein geringer Theil der Kolonne zu Neuhaus einge-
troffen, aber nicht, ohne dass selbst von diesen Bataillonen ein
ansehnlicher Theil auf der ganzen Länge des Weges in gänzlich
erschöpftem Zustande zurückgeblieben wären. Es war um 9 Uhr
morgens, als sich der Rest der Kolonne zwischen Langau und Neu-
haus mQhsam endlich bis an das letzte DefibSe geschleppt hatte und
eben anfing die Kanonen hinaufzuziehen. Die Arrieregarde, welche
das Grenadier-Bataillon Deutschmeister unter Major Graf Lazansky
bildete, marschirte nach Uebersteigung des Durchlasses gegen das
Thal, als plötzlich Rittmeister M e n ge n auf der Strasse von Garning
im Carriere nach Neuhaus eilte und dort dem F.-M.-Lt. Merveld
die Meldung erstattete, dass der Feind über den Gruberg in dichten
Kolonnen ihm rasch auf dem Fusse folge. Gleich darauf erschien
französische Kavallerie mit einem Bataillon Infanterie, welche trotz
dem Feuer der Grenadiere gegen Langau vordrangen, dann aber
vom Oberstlieutenant Volkmann, des General - Quartierraeister-
stabes, mit einigen eiligst zusammengerafften Abtheilungen des
Regiments Deutschmeister von vorne und von den Grenadieren im
Rücken angegriffen, zur Waflenstreckung gezwungen wurden.
Die Unordnung unter den gänzlich erschöpften österreichischen
Truppen, welche seit drei Tagen nur eine Portion Brod erhalten
hatten, war aber so gross, dass weder dieser Vortheil benützt, noch
die Gefangenen fortgebracht werden konnten. Die Lage des Korps
wurde von Augenblick zu Augenblick desto kritischer, als die Haupt-
kolonne der Franzosen in dicht geschlossenen Reihen anrückte, ihre
Chasseurs auf die Höhen sendete, welche ihr Feuer auf die Be-
spannungspferde richteten, während die Kavallerie zu verschiedenen
Malen angriff, um auf der Strasse durchzubrechen. Major Graf
Lazansky sah sich genöthigt den Rückzug anzubefehlen.
Zwei sechspfündige Kanonen und zwei Munitionskarren, deren
Pferde erschossen waren, mussten stehen bleiben, jedoch konnte
man noch eine Kanone vernageln. Der Feind drängte äusserst leb-
haft, vorzüglich mit seiner Kavallerie.
Digitized by Google
1K0.V
380
Um die stehen geblichenen Kanonen zu retten, befahl Mer-
veld den Abtheilungen des Regiments, welche einige Höhen erklommen
hatten, und ein heftiges Bataillefeuer unterhielten, herabzusteigen
und die vorgedrungenen Franzosen zurückzuwerfen. Oberst Baron
Engelhardt stieg vom Pferde, zog den Degen und ging mit dem
Rufe „ Deutschmeister mir nach!* kühn dem Feinde entgegen. Die
anwesenden Offiziere, Major Graf Lazanski, Hauptmann v. Hervay,
Baron Stael, Baron Stok hausen, Lieutenant Conrady und
mehrere andere umringten ihren tapferen Obersten und eilten mit
ihm unter dem Rufe „Deutschmeister vor!* vorwärts, warfen den
Feind eine beträchtliche Strecke zurück, kounten aber nicht zu den
Geschützen gelangen, da die Franzosen schon alle Höhen besetzt
hielten und durch ihr Feuer viele Leute des Regiments tödteten und
verwundeten. Auch der Korps-Kommandant F.-M.-Lt. Graf Merveld
hatte diesen Angriff in den vordersten Reihen mitgemacht und sich
so ausgesetzt, dass ihm einige Franzosen in die Zügel fielen, welche
Feldwebel Matern des Regiments mit dem Bajonnet niedermachte
und hiedurch den Korps -Kommandanten vor Gefangenschaft rettete.
Ungefähr 8/4 Stunden hielt Oberst Baron Engelhardt mit
seinen Braven in diesem mörderischen Feuer von den Höhen tapfer
aus und schlug mehrere Angriff** der Franzosen zurück, bis diese
die Stellung überflügelten und die Kämpfenden abzuschneiden drohten.
Nun wurde der Rückzug nach Neuhaus angetreten und hier wieder
Stellung genommen.
Lieutenant Kraushaar und Feldwebel Muckenfuss
erkletterten mit 40 Grenadieren, denen sich der Oberlieutenant
Frohaska von Riese-Grenadier mit einigen seiner Leuten anschloss,
den mit hohem Schnee und Eis bedeckten Felsen und behaupteten
diesen Berg über eine Stunde gegen alle Anstrengungen des Feindes.
Gegen 1 Uhr bemächtigte sich derselbe der beiderseitigen Gebirge
und nun trat im Thalc unter den retirirenden ganz erschöpften
Truppen Unordnung ein. General Devchich Major Graf Lazansky
und die Offiziere gaben sich alle Mühe, die Truppen zum Halten
zu bringen, aber es war alles vergebens, da der Feind stürmend
nachdrängte, die rechte Flanke gewann und mit seinem heftigen
Feuer iu dieser regellosen Masse viele Leute tödtete.
Bei diesem Rückzüge geschah es, dass der die Fahne der
Grenadiere tragende Korporal erschossen wurde und mit dem Panier
MO
iu das I'recepisse stürzte, aus dem er nicht mehr herausgeholt
werden konnte. Die Fahne wurde ein Opfer der Elemente, denn
die Franzosen haben sie nicht erbeutet.
Die Anstrengungen der Grenadiere, welche bis hinter Langau
sich auf das tapferste vertheidigt hatten, blieb ohne Unterstützung
und so mussten auch sie auf eiligen Rückzug bedacht sein, um der
Gefangenschaft zu entgehen.
Major Graf Lazansky, Oberlieutenant Rickauer, Lieutenant
Conrad y, Kraushaar und Feldwebel Matern bildeten mit
einigen Grenadieren die Arrieregarde bis in den Wald vor Mariazell,
wo sieh das Grenadier- Bataillon wieder ziemlich gesammelt hatte.
Das Bataillon stand schon eine Weile am Waldsaurae, als Haupt-
mann v. Hervay mit einem Trupp Franzosen erschien, welchen er
mit sechs Mann gefangen genommen hatte ; bald nach ihm erschien
der Feind, welchem nun das Grenadier -Bataillon bis 4 Uhr Wider-
stand leistete.
Gleich beim Beginn des Kampfes war Hauptmann Graf Loeben
mit seiner Division (5. und 6. Kompagnie) abgeschnitten worden.
Es blieb ihm nichts übrig, als wieder über den Durchlass zurück-
zuraarschiren, wo er die Nachricht erhielt, dass eine starke Kolonne
Franzosen bereits in Lunz eingerückt seien. Nun marschirte er in
die enge Schlucht gegen den Mittersee, in der Hoffnung, vielleicht
doch auf einem Gebirgspfade den Dürenstein zu übersteigen und so
seine Truppe nach Steiermark zu retten. Aber gleich beim Betreten
dieser Schlucht hatte die Division mit den grössten Terrainschwierig-
keiten zu kämpfen, sie musste durch den Bach waten, über Felsen
klettern und sich durch dichtes Niederholz winden. Endlich erreichte
sie den Mittersec und hoffte sich geborgen, als ihr am Ende des-
selben steile mit Schnee und Eis bedeckte Felsenwände den Weg
versperrten. Graf Loeben Hess den Muth nicht sinken und ver-
traute auf die in dieser Gegend befindliche, stets vom wärmsten
Vaterlandsgefühle begeisterte, biedertreuc Bevölkerung. Er erwartete
ruhig die Nacht und sendete dann einen Unteroffizier gegen Lunz,
um Jemand von der Bevölkerung aufzusuchen, der die Division
vielleicht auf einem andern Wege nach Steiermark geleiten könne.
Im ersten Bauernhause am See erhielt der Korporal Bauernkleider
und ging dann nach Lunz zu dem ihm als richtigen Mann bezeichneten
Eisenwerksbesitzer Johann v. Amon. Dessen Haus war angefüllt
Digitized by Google
391
mit zechenden französischen Offizieren und Soldaten, aber doch gelang
es dem Korporal mit A m o n allein zu sprechen, welcher sich sogleich
bereit erklärte, persönlich die Division zu retten.
Um Mitternacht kam dieser echte Patriot, nachdem er Weib
und Kinder, Hab und Gut bei den übermüthigen Feinden zurück-
gelassen, mit einigen seiner Gewerkarbeiter bei der Division an und
vertheilte vorerst Branntwein und sonstige Lebensmitteln unter die
gänzlich erschöpften Soldaten. Dann wurden in dem Eise an der
schroffen Wand Stufen ausgehauen, wo im Sommer ein schmaler
Pfad hinaufführt. Mit höchster Lebensgefahr erstiegen nun die
Soldaten diese schwindelnde Höhe und erreichten, von Amon und
seinen Leuten unterstützt, den Obersee, ohne dass ein Mann ver-
unglückt wäre. Von hier ging der Marsch nun über Schnee und Eis
nach dem 6000 Fuss hohen Dürenstein, der auch glücklich über-
stiegen wurde, und so war die Division gerettet. Den Dank der
Division wiess Amon mit der einem Patrioten würdigen Aeusserung
zurück: „dass er nur seine Pflicht als Oesterreicher erfüllt habe!"*)
Auf dem Weitermarsche des Korps gegen Mariazell folgte der
Feind demselben auf dem Fusse. Bei Mariazell angekommen, galt
es vor allem so lauge Widerstand zu leisten, bis die namhaften
Aerarialgüter aus dem Orte uud bedeutenden Schätze aus der Wall-
fahrtskirche in Sicherheit gebracht werden konnteu. Oberlieuteuant
Johann Montluisant entschloss sich das Wagstück zu unter-
nehmen, forderte Freiwillige Deutschmeister auf, welche sich mit
ihm dem Feinde entgegenstellen wollten und als im Augenblicke
viele um ihn versammelt waren, liess er seinen kühnen Entschluss
zur Tbat werden.
Der tapfere Offizier eilte, ohne sich um des Gegners Stärke
weiter zu kümmern, mit der auserwählten Schaar den Franzosen
entgegen und nahm auf der Strasse eine so vortheilhafte Stellung,
dass er nicht nur dem zehnfach überlegenen Feinde Trotz bieten,
*) Am 13. Juni 1810 erschien br. Majestät Kaiser Franz I. persönlich
im Hause des Edlen von Amon mit den Worten: „Ich danke Ihnen für Ihren
bewiesenen Patriotismus in Meinem und des Vaterlandes Nnmcn!" Und als
•las Regiment am Rückmärsche von Neapel Waidhofen passirte, wollte das
Offizierskorps die Gelegenheit benützi'ii, Amon ebenfalls den Dank abzustatten,
fand aber zu seinem innigen Leid den Patrioten im Grabe, in welchem er schon
seit 25. März 1825 ruhte.
392
1805.
solidem diese auch deii liest des Tages mit seltener Bravour
behaupten konnte. Die Schätze frommer Meinungen der Wallfahrts-
kirche, darunter das höchst werthvolle silberne Gitter, eine Spende
der Kaiserin Maria Theresia, eine kaiserliche Kasse und die im
Gefechte bei Neuhaus geretteten Kanonen, konnten, begünstigt durch
diesen heroischen Widerstand der Deutschmeister, in Sicherheit
gebracht werden. Erst als die Nacht einbrach, als der heldenmüthige
Oberlieutenant Montluisant durch einen Schuss im Fusse und
durch sieben Bajonnetstiche entkräftet zur Erde fiel und in Feindeshand
gerieth, war es den Franzosen, welche bedeutende Verluste erlitten
hatten, möglich, ihr Vorhaben, nach Mariazell zu dringen, zu
erreichen; sie fanden aber das nicht mehr, was sie gehofft hatten.
Oberlieutenant Johann Montluisant wurde in der 71. Pro-
motion im April 180C für diese Heldenthat mit dem Ritterkreuz
des Maria Theresien- Ordens belohnt.
In Mariazell war für das Korps auf mehrere Tage Brod in
Bereitschaft, aber die Truppen hatten nur kurze Zeit zu ihrer Samm-
lung benützt, waren dann unaufhaltsam nach Wegscheid retirirt und
die Braven von Deutschmeister, welche sich bis in die Nacht wacker
mit den Franzosen herumgeschlagen hatten, fanden dann auch keine
Zeit mehr die Verpflegung zu sich zu nehmen, sondern mussten
sich, von dem Feinde hart gedrängt, ebenfalls nach Wegscheid
zurückziehen. Hier hatte Merveld mittlerweile eine ziemlich vor-
teilhafte Stellung eingenommen und die Grenadiere von Deutsch-
meister bezogen die Vorposten.
Auf diesem Rückzüge vou Neuhaus bis Wegscheid (hinter
Mariazell) hatte das Regiment verloren an Gefangenen: Kapitän-
lieutenaut Christian Br. Stockhausen, Oberlieutenant Job. Mont-
luisant, Mathias Kirzinger, Franz Aumer, Johann Albori,
Lieutenant Konrad Mühl mann, Job. Okarin, Andreas Stöcker,
Peter Wagner, Fähnrich Franz U n k e 1 h ä u s e r , Joh. E b e r 1 i n,
Regiments - Adjutant Joh. Sa eher und 937 Mann vom Feldwebel
abwärts, nebst 8 Artilleristen ; todt sind nur 2 Grenadiere aus-
gewiesen. Von den als gefangen ausgewiesenen rückten über 200 Mann
beim Regiment bald ein, — auch dürfte eine bedeutende Zahl todt
geblieben sein.
Am 9. November früh 3 Uhr wurde die Aufstellung vor Weg-
scheid verlassen, über Seewiesen nach Allenz marschirt und vor
Digitized by Google
1H0...
393
dem Orte mit den Grenadieren Stellung genommen, während das
Regiment und die übrigen Truppen ihren Rückmarsch fortsetzten.
Um '/jl2 Uhr rückten 300 feindliche Huszaren und einige Bataillons
Infanterie zum Angriffe vor, wurden aber zurückgewiesen, worauf
eine Division Merveld - Uhlanen die Huszaren über den Haufen
warf, viele tödtete und mehrere gefangen nahm. Das Gefecht, in
welchem die Grenadiere 2 Todte und 7 Gefangene verloren hatten,
währte bis !/t2 Uhr, um welche Zeit eine halbe Stunde hinter Aflenz
zurückmarschirt und auf den Höhen wieder Stellung genommen
wurde. Nach einer Viertelstunde musste das Bataillon wieder auf-
brechen, da sich bedeutende feindliche Abtheilungen auf beiden
Gebirgsseiten bewegten und marschirte über Kapfenberg bis vor
Bruck a. d. Mur, wo General Devchich, welcher die Arriere-
garde kommandirte, den Befehl erhielt, mit dem Grenadier-Bataillon
Lazansky umzukehren und die Brücke bei Kapfenberg zu besetzen.
Als dieser Befehl um 9 Uhr abends ausgeführt war, zeigte es sich,
dass der Feind bereits in beiden Flanken vorgerückt und im Be-
griffe stand, von den Höhen herabzusteigen und so dem Grenadier-
Bataillon den Rückzug nach Bruck zu verlegen. Der grösste Theil
der Mannschaft war ohne Schuhe und hatte durch den Marsch auf
der steinigen Strasse wunde Füsse, war seit 3 Uhr früh theils im
Kampfe oder am Marsche ohne Verpflegung, ausser einigen Laib
Brod, welche die Bevölkerung der einzelnen Hütten den vorbei-
ziehenden Grenadieren geschenkt hatte. Man kann sich einen
Begriff von der unerhörten Ausdauer dieses braven Bataillons
machen, bei der Thatsache, dass seit Reith der Kommandant Major
Graf Lazansky ausser einem Laib Brod nur von vier Eiern
lebte, die Offiziere und die Mannschaft hatte gewiss nicht mehr.
An einen Abmarsch und ein Gefecht war mithin mit dem
gänzlich erschöpften Bataillon nicht zu denken; Major Graf Lazansky
Hess nur kleine Posten unter den Waffen und den Rest rasten.
Noch bei völliger Duukelheit am 10. November um 4 Uhr früh
brach das Bataillon in aller Stille auf. Alles strengte seine letzten
Kräfte an, um die ungebahnten mit Schnee und Eis bedeckten
Gebirge zu ersteigen; man erreichte Stainz, dann über den äusserst
steilen und hohen Schanzberg Fischbach, welches um l|55 Uhr nach-
mittags erreicht und die Quartiere bezogen wurden. Hier konnten
seit 14 Tagen die braven Grenadiere, von welchen auch nicht einer
304
ISO».
zurückgeblieben war, endlich eine Nacht ruhig schlafen und erhielten
hinlängliche Nahrung.
Am folgenden Tage ging der Marsch über Pirki'eld nach Pellau,
welches um 7 Uhr abends erreicht und die Truppe bequartirt wurde.
Hier rückte Hauptmann Graf L o e b e n mit seiner Division ein
und 8chloss sich au das Bataillon an. Am 12. wurde nach Blumenau
und am 13. nach Fürstenfeld raarschirt, wo das Eegiment mit den
Resten des Korps Merveld, welches von Wegscheid direkt über
Graz hierher gerückt war, angetroffen wurde. G.-M. Ruschofsky
übernahm das Kommando der Grenadier - Brigade.
Napoleon war um diese Zeit bereits in Wien eingerückt
und es war zu befürchten, dass er weiter nach Pressburg vordringe.
Merveld hielt es daher am gerathensten seinen Rückzug nach
Raab fortzusetzen. In Folge desseu marschirte das Korps am 14.
über Heiligenkreuz nach St. Michael, 15. über Könnend nach
Bologvär, 16. über Steinamanger nach Schaar, wo der Ober-
lieutenant Baron Burcell und Lieutenant Schlinger nebst
25 Grenadiers, welche bei Neuhaus abgeschnitten sich über das
Gebirge gerettet, einrückten, 17. nach Papa, 18. Thot und am 19.
nach Raab. Hier erhielt Merveld aus dem Armee - Hauptquartier
den Befehl sich unverweilt an die mittlerweile durch Napoleon
nach Mähren zurückgedrängte vereinigte österreichisch - russische
Armee anzuschliessen. Das Korps überschiffte somit am 21. mittelst
zwei Plätten bei Medvet die Donau, am 22. bei Niaros die Donau-
armee und rückte nach Dalos, 23. nach Abraham, 24. Liets und
nachmittags nach Tyrnau, wo den 25. und 26. die dringend nöthigen
Rasttage gehalten wurden. Am 27. brach das Korps wieder auf und
marschirte nach Wessely, 28. Neustadt a. d. Waag und den 29.
nach Ungarisch - Brod. Hier schloss sich das Wiener Freikorps
Maria Theresia, 820 Mann stark, unter Oberst Baron G e r a m b
an das Korps an. Am 30. der Marsch über Ostrau nach Bisenz.
Die Uhlanen der Avantgarde nahmen mehrere französische Offiziere
und Mannschaft bei Göding gefangen; von der Gegend aus Brünn
hörte man deutlich Kanonendonner; 1. Dezember über Göding nach
Birnbaum, wo am 2. um 4 Uhr früh gegen Lundenburg Stellung
genommen wurde. Der Stand des Regiments betrug 23 Offiziere und
828 Mann, jeuer der Grenadiere 212 Mann. F.-M.-Lt. Graf Mer-
veld sendete von hier den Oberlieutenant v. Andujar bis Auspitz
Digitized by Google
ISO.',.
305
rekognosziren, «reicher mehrere Gefangene zurückbrachte. Den ganzen
Tag währte heftiger Kanonendonner bis in die sinkende Nacht bei
Austerlitz.
F. - M. - Lt. Graf M e r v c 1 d wollte von hier den Marsch
gegen Austerlitz fortsetzen, als der unglückliche Ausgang der Schlacht
die Lage der Dinge betrübend änderte.
Am 3. Dezember nach dreiviertelstündigem Marsch stellte sich
das Korps zwischen Neudorf und Nikolitsch in Schlachtordnung auf
um den Rückzug der Armee zu decken. Deutschmeister- und Riese-
Grenadiere besetzten die äussersten Posten und plänkelten mit feind-
lichen Kavalleristen. Erst abends 9 Uhr bei eisiger Kälte und
stürmischem Wetter erhielten die Truppen Holz und etwas Stroh,
auch brachten die braven Bauern jener Gegend um Mitternacht den
hungernden Soldaten Lebensmitteln.
Schon mit Tagesgrauen am 4. Dezember begann das Gewehr-
feuer auf der ganzen Vorpostenlinie ; das Grenadier - Bataillon wurde
durch das Regiment um 9 Uhr in der vordersten Linie abgelöst
und stellte sich zwischen Nikolitsch und Lesitsch um '/„II Uhr auf.
Zahlreiche feindliche Kavallerie war in der Ferne sichtbar und alles
war in Erwartung des bevorstehenden Kampfes, als um 4 Uhr nach-
mittag ein französischer Parlamentär erschien und die Nachricht
von dem abgeschlossenen Waffenstillstand überbrachte. Nachts 11 Uhr
schlugen die Franzosen in ihrem Lager Generalmarsch und verliessen
ihre Stellung; um dieselbe Zeit brach auch das Korps Merveld auf
und bezog um 7,1 Uhr nachts die Stellung vor Göding, in unmittel-
barer Nähe vor der Armee. Generalmajor Auer übernahm das
Vorposten- und Generalmajor Mond et statt dem erkrankten General
Baron Schustek das Divisions - Kommando.
Am 5. Dezember abends 5 Uhr wurde die Stellung bei Göding
verlassen und im Dorfe Radiskovich Kantonnirung bezogen, dann
am 6. nach Holitsch marschirt, wo das Grenadier -Bataillon den
Dieust im Hauptquartier Sr. Majestät des Kaisers bis zum Abmärsche
der Russen am 10. versah. Da nun die Friedensunterhandlungen zu
Nikolsburg begannen, wurde das Regiment nach Trentschin, das
vierte Bataillon nach Olmütz verlegt. Am 27. Dezember erfolgte zu
Pressburg der Friedensschluss, in welchem Oesterreich an Frank-
reich Venedig, Dalmatien, Tirol und die deutschen Vorlande abtrat
und dafür Salzburg und Berchtesgaden erhielt.
306
IHOG-lSOn.
Obcrstlieutenant Josef v. Mecsery war auf Allerhöchsten
Befehl vom 8. November zur ungarischen Insurrektion abgegangen,
Oberstlieutenant v. Bosio am letzten Oktober wieder in den Pen-
sionsstand zurückgetreten, dagegen hatte Major Johann Baron Andlau
das Kommando des Reserve - Bataillons übernommen, welches bei
dem Vordringen der Franzosen gegen Wien, nach Galizien abmar-
schirt war.
Im Monate Juli 1805 war der Befehl erschienen, dass die
Kompagnien nicht mehr die Namen ihrer Hauptleute, sondern die
laufenden Nummern zu führen haben und nach diesen auch zu
benennen sind.
Oberlieutenant Willi, v. Kozebue wurde mit 31. August 1805
zum Generalquartiermeisterstab transferirt, quittirte nach dem Feld-
zug seine Charge, trat in die kaiserlich - russische Armee, in welcher
er bis zum General vorrückte und sich als solcher bedeutenden
Ruhm erwarb.
Das Regiment stand im Jänner und Februar 1806 in Marchegg
und rückte anfangs März in seine alten Garnisonen nach Wien,
Neustadt und Hainburg ein. Das Reserve - Bataillon war nach Lubnitz
marschirt und wurde im März aufgelöst.
Oberstlieutenant Josef Mecsery wurde mit Generals -Befehl
vom 8. März 1806 wieder von der ungarischen Insurrektion in das
Regiment eingetheilt. Major Johann Baron Andlau trat am 15. März
in den Ruhestand zurück; Hauptmann Johann Traut mann des
Grenz -Regiments Nr. 11 wurde am 1. April zum Major im Regiment
befördert und übernahm nach seiner Einrückuug das Konskriptions-
geschäft. Oberst Philipp v. Faber wurde am 7. Oktober 1806 von
seiner Stellung in der Wiener - Neustädter Akademie enthoben und
in das Regiment eingetheilt.
Im April 1806 wurden die aus der Gefangenschaft zurückge-
kehrten Offiziere zu Offenburg präsentirt und rückten beim Regiment
ein; die Mannschaft kehrte truppweise zu 30 und 50 Mann nach
und nach zurück.
Digitized by Google
ISO« -1809. 397
f
Im Juni erhielt das Regiment zwei neue Fahnen, welche zu
Wiener - Neustadt mit den gewöhnlichen Feierlichkeiten geweiht
wurden.
Im Dezember 1806 ergingen einige Aendeningen in der Ad-
justirung. Die bemerkbarste in derselben war die Einführung der
Czako anstatt der Helme. Die Czako waren von schwarzem
Tuche, nach oben stark ausgeschweift, mit einem Sonnen-, einem
Nacken- und zwei Seitenschirmen versehen. Sie waren vorne
mit einer Schlinge und Kokarde von Messing, sowie mit einer schwarz
und gelben wollenen Kose geziert. Die Offiziere trugen den Czako
in gleicher Form wie die Mannschaft, jedoch ohne Nacken- und
Seitenschirm und hatten die Schlinge, Kokarde, Rose sowie die
Chargen -Abzeichen von Goldborden. Die Stabsoffiziere erhielten statt
der Helme goldbordirte Hüte ohne Federbusch.
Major Otto Baron Coletti wurde am 15. Februar 1807 zum
Regiment Nr. 42 transferirt. Major Max Graf Lazansky quittirte
am letzten März 1807 seine Charge; in seine Stelle wurde Haupt-
mann Johann Nied ermann zum zweiten Major ernannt.
Mit dem Reskripte vom 15. August 1807 wurde ein Distinktions-
zeichen für jene Veteranen gegründet, welche ihre gesetzliche Ka-
pitulation bereits hinterlegt hatten und sich reengagiren Hessen.
Dieses Distinktionszeiehen bestand ans zwei Klassen und zwar ein
ovales für 14 und ein sechseckiges messingenes Schild mit einer
Trophäe und der Unterschrift „Veteranis* fOr 20 vollstreckte
Dienstjahre.
In diesem Jahre erhielt die Armee das vom Erzherzog Karl
ausgearbeitete Dienst - Reglement, ein Musterwerk, welches in Europa
als das Ausgezeichnetste anerkannt war. Selbes erhielt sich unver-
ändert nahezu 40 Jahre; sein Geist wird für ewige Zeiten Geltung
behalten. Auch erschien ein neues Abrichtungs- und Exerzier-
Reglement. Die Kompagnien führten nun Nummern nebst den Namen
ihrer Hauptleute und Kapitänlieutenants, welch' letztere die Flügel-
Kompagnien kommandirten. Der Oberstlieutenant befehligte das dritte,
der erste Major das erste und der zweite Major das zweite Bataillon.
Die Offiziere und Unteroffiziere standen theils in, theils drei Schritte
hinter der Front. Die Tambours und Zimmerleute hatten ihren Platz
hinter der Mitte des Bataillons. Die Charge der Pfeifer ging ein;
auch wurde befohlen, dass das Seheibenschiessen einen ganzen Monat
1MW-1H00.
vorzunehmen sei und jedes Bataillon nur eine Fahne zu führen habe.
Die Armee erhielt neue Kriegsartikel, 40 an der Zahl und ein neues
Diäten - Normale.
Im Jahre 1808 stand der Regimentsstab mit der 1., 2., 3. und
4. Kompagnie in Wr. -Neustadt, die Grenadier-Division in Perchtolds-
dorf, die 5., 15. und 16. Kompagnie in Mödling, 6. Brunn, 7. Leobcrs-
dorf, 8. und 12. Neustadt, 9. Vöslau, 10. Gainfarn, 11. Weigels-
dorf, 13. und 14. Laxenburg, 300 Mann waren beim Festungsbau
in Ofen und mehrere Offiziere, Unteroffiziere und Tambours zur
Ablichtung der Landwehr kommandirt.
Kaiser Franz stiftete am 14. Juli 1808 zur Verherrlichung
des ruhmwürdigen Andenkens seines Vaters Kaiser Leopold II.
und zur Belohnung besonderer Verdienste um den Kaiser und das
Vaterland den .Leopold - Orden" in drei Klassen.
Oberst Philipp v. Faber wurde im August 1808 zum Kom-
mandanten der Neustädter Militär- Akademie ernannt.
Der Inhaber erhielt die Befugniss, dein Rechnungsführer bei
guter Verwendung den Hauptmannstitel zu verleihen.
Seit dem Pressburger Frieden waren grosse Veränderungen in
Europa vor sich gegangen. Im Juli 1800 unterzeichneten 10 deutsche
Fürsten, darunter Bayern, Württemberg und Baden einen Vertrag,
in welchem sie als »rheinische Bundesstaaten" einen besonderen
Bund schlössen, sich vom deutschen Reiche lossagten und in den
Schutz und die Dienstpflicht Frankreichs begaben. Am 1. August
wurde der Beschluss dem Reichstage in Regensburg mitgetheilt und
die Erklärung abgegeben, dass man das deutsche Reich als aufgelöst
ansehe. Da nun die deutsche Kaiserwürde ohne Inhalt, Recht und
Gewalt war, erklärte Kaiser Franz am 6. August 180t3, dass er
die deutsche Kaiserkrone niederlege.
Karl der Grosse hatte im Jahre 800 die römische Kaiser-
würde erneuert ; seit Otto I., 962, war sie bei dem Reiche deutscher
Nation und seit 1438 bei dem Hause Oesterreich; Kaiser Franz II.
war der zwanzigste und letzte in der Reihe der Fürsten seines
Hauses, welche die deutsche Kaiserkrone getragen. Hinfort nannte
er sich Franz I., Kaiser von Oesterreich.
Im selben Jahre schlössen Preussen, England, Russland und
Schweden eine Koalition, um den völkerrechtswidrigen Gewaltthaten
Napoleon 's Einhalt zu thun, jedoch vergebens, denn ihre Truppen
Digitized by Google
300
wurden in den Schlachten hei Jena, Eylau und Friedland geschlagen
und diese Koalition rausste den Frieden zu Tilsit 1807 mit schweren
Opfern erkaufen. Preussen's Bestand hatte dadurch beinahe aufgehört.
Terrorisirender denn je griff Napoleon in die Geschicke
Europa's. 1808 schuf er in Spanien ein neues Königreich; da aber
dieses Volk sich widersetzte, wodurch Napoleon zu bedeutenden
Truppensendungen gezwungen wurde, benutzte Oesterreich die Ge-
legenheit, um nicht länger in leideuder Haltung die französischen
Uebergrifle zu erdulden und ergrifl' das Schwert.
Die Armee war auf 400.000 Mann gebracht und in Korps
eingetheilt, die Artillerie verbessert und durch Errichtung der Land-
wehr der Armee eine bedeutende Reserve geschaffen. Der ruhm-
gekrönte und allgemein geliebte Erzherzog Karl, Generalissimus,
f ührte mit unumschränkter Vollmacht den Befehl Ober die in Böhmen
und Oberösterreich sich sammelnde Hauptarmee, welche aus sechs
Armee- und zwei Reserve- Korps bestand. Zwei Korps wurden in
Italien, eines in Galizien aufgestellt.
Beim Regiment wurde die 17. und 18. Kompagnie, sowie eine
Reserve - Divisiou errichtet. Sämmtliche Offiziere und Unteroffiziere,
welche zur Ablichtung der Landwehr kommandirt waren, nickten
ein, auch* wurde die Kadeten - Akademie in Krems, Ober welche
Hauptmann Innerhofer das Kommaudo führte, aufgelöst.
Oberstlieutenant Josef v. Meesery wurde mit Armee -Befehl
vom 16. Februar 1800 zum Infanterie - Regiment Nr. 28 transferirt,
dagegen der Major Josef v. Klop stein des Regiments Nr. 48 mit
gleichzeitiger Beförderung zum Oberstlieutenant in das Regiment
eingetheilt.
Das Regiment brach am 25. Februar 1800 aus seinen Garni-
sonen auf und marschirte auf der Reichsstrasse aber St. Pölten,
Enns, Linz, Efferding nach Neumarkt in Oberösterreich, woselbst
es vom 12. bis 30. März in Kantonnirungen stand und seine Ein-
theiluug in das sechste Armee -Korps des F. -M. -Lt. Baron Hiller,
Division F.-M.-Lt. Kottulinsky, Brigade G.-M. Graf Weissen-
wolf, erhielt.
Die Grenadiere befanden sich mit den Divisionen von Nr. 49
und 63 im Bataillon Major Scovaud, beim zweiten Reserve-Korps
F.-M.-Lt. Baron Kienmayer, mit fünf Grenadier- Bataillons in
der Brigade General d' A s p r e.
400
1SOG-180».
Laut Eintheilungs-Liste de9 Monats Februar 1809 bestand das
Offiziers-Korps :
Oberst-Inhaber Erzherzog Anton Hoch- und Deutschmeister. F.-Z.-.M.
Oberst-Regiuients-Kominandant Xaver Baron Engelhardt.
Oberstlieutenant Josef von K 1 o {> 6 t e i n.
Major Vincenz 0 s t o i c h, Job. Niedcrmann, Joh. T r a u t in a n n.
Kaplan Johann Kohant
Auditor Peter D i b o 1 1.
Arzt Dr. Johann K c 1 1 e r e r.
Rechnungsführer Johann A i c h e r von Aichenegg.
Adjutant Oberlioutenant August von Witte.
Bataillons - Adjutanten Simon C a r o v e, Vincenz T n e h i, Alexander
Baron Engelhardt.
5
Komp.
Hauptmann
Lieutenant
Fihnrich
«-»
es
23
Ober-
Unter-
Ii
1.
Br. Krdtmann
Eduard
v. Droste
Georg Sehlinger
—
!f
2.
v. Stael
Johann
Bamiianti
Josef
Gr. Sourvilie
1.
Nepomuk Kolbe
A Ii rrn cf
Vemersch
Johann Schwarz
Urban Wilhelm
2.
ÜOOlg
Mchlfiihrcr
Josrf Möllmann
Wenzel Beohinie
Karl Mebfführer
Anton Braun
OD
&
a
Christian
Br. Stockhausen
Thaddäus
Tonetti
Johann
Feldmann
Julius Strasoldo
*
w
4.
Norbert Krall
Georg Ri kauer
Karl Voigt
Johann
Schönberger
5.
Franz Beer
Franz Adrario
Josef Maurer
Georg Hollbein
i;.
Br. Stensen
Johann
Montluisant
Johann
l'ukelhäuser
Heorg Miller
.. . , t
7.
Gilg
Josef Kraushaar
Andreas Stüter
Caspar Ingram
s.
Faber
Josef Rieder
Johann Sacher
Johann Eidem
*
. -
;».
Till
Georg Bach
Franz Dietrich
Frani Stadler
4-?;
'S
äs
>a
10.
Andujar
Josef Br. Sichel
Josef Zipfer
Vincens Sellien
»
Wallek
Clement Baron
Stockhausen
Sigmund
Ruspoli
Ludwig Meyer
12.
Br. Bretton
Franz Riegel
Stephan
Kerschmar
Ignaz Antoine
Digitized by Google
ISOO^ISOD.
401
Bataii.
a
Hauptmann
•
Lieutenant
Fähnrich
©
m
Obcr-
Unter-
18.
Schwarz
Lugwig
d'Hangest
Thaddäus
Bruckinaver
J
r . % • TT L
Ludwig Hahn
1 A
14.
Michael r iala
Franz Aumer
Friedr. Elsnitz
Ludwig
Eberling
•
10.
Anton Br.
de Bnrvillo
Josef Püller
Josef
Heiden8chreiter
Franz
Wertenfeld
'C
Q
16.
du Chateau
Johann Albory
.
Josef Wurst
Sebastian
Wermuth
17.
Josef
Innerhoffer
David Franz
Georg Roetter
Alois Jesehkn
18.
Andrä Kosgen
Josef Blasius
Frz. Jankovich
Philipp Bctza
>
3
1.
Niess
Johann Catti
Franz Buell
Anton Reinert
Depot-
2.
Göttlich
Hahmann
Gabriel
Schneifels
Melchior Gang
Krnst Alstcr
Stand 4405 Mann. -
- IIS Soldaten we
ber beim Depot.
Am G. April 1800 erliess Erzherzog Karl folgenden denk-
würdigen Armeebefehl:
»Der Schutz des Vaterlandes ruft uns zu neuen Thaten.
„So lange es möglich war den Frieden durch Aufopferungen zu
.erhalten und so lange die Aufopferungen verträglich waren mit
„der Ehre des Throns, der Sicherheit des Staates und mit der
„Wohlfahrt der Völker, so lange schwieg jede schmerzliche Empfin-
dung in dem Herzen unseres gütigen Monarchen. Aber wenn alle
„Versuche fruchtlos sind, unsere glückliche Selbstständigkeit gegen
„den unersättlichen Ehrgeiz eines fremden Eroberers zu bewahren;
„wenn Nationeu um uns fallen und rechtmässige Regenten von den
„Herzen ihrer ünterthanen losgerissen werden; wenn endlich die
„Gefahr der allgemeinen Unterjochung auch Oesterreichs gesegneten
„Staaten und ihren ruhigen glücklichen Bewohnern droht: so fordert
„das Vaterland von uns seine Rettung und wir stehen zu seinem
„Schutze bereit. Auf Euch, meine tapferen Waflfengefährten ! ruhen
„die Augen der Welt und Aller, die noch Sinn für Nationalehre
„und Nationaleigenthum haben. Ihr sollt die Schmach nicht theilen,
„Werkzeuge der Unterdrückung zu werden; Ihr sollt nicht unter
„entfernten Himmelsstrichen die endlosen Kriege eines zerstörenden
20
402
ISO« -l ho».
.Ehrgeizes fuhren. Ihr werdet nie för fremdes Interesse und fremde
„Habsucht bluten, Euch wird der Fluch nicht treffen, schuldlose
, Völker zu vernichten und auf den Leichen erschlagener Vaterlands-
„vertheidiger den Weg zum geraubten Throne einem Fremdling zu
„ bahnen! Auf Euch wartet ein schöneres Loos: die Freiheit
„ Europens hat sich unter unsere Fahnen geflüchtet!
«Euere Siege werden ihre Fesseln lösen und Eure deutschen Brüder
„ — jetzt noch in feindlichen Reihen — harren auf ihre Erlösung.
„Ihr gehet in rechtlichen Kampf, sonst stände ich nicht an Eurer
„Spitze. Wir werden auf den Feldern von Ulm und Marengo, an
„die uns der Feind so oft prahlend erinnert, die glorreichen Thatcn
„von Würzburg und Üsterach, von Liptingen und Zürich, von Verona,
„der Trebbia und Novi erneuern; wir wollen unserm theuern Vater-
„lande einen dauerhaften Frieden erkämpfen. Aber wir können das
„grosse Ziel nur durch grosse Tugenden erreichen ; unbedingte Folg-
samkeit, strenge Disziplin, ausharrender Muth und unerschütterliche
„Standhaftigkeit in der Gefahr sind die Begleiter der wahren Tapfer-
keit. Nur Einheit des Wirkens, Zusammenwirken des Ganzen führen
„zum Siege. Seine Majestät, mein Monarch und Bruder, hat mir
„ausgedehnte Vollmacht zum Belohnen und zum Strafen gegeben;
„ich werde überall in Euerer Mitte sein und den ersten Dank des
„Vaterlandes sollt Ihr von Euerem Feldherrn auf dem Schlachtfelde
„erhalten. Der Patriotismus vieler Edlen Oesterreichs ist Euren
„Bedürfnissen zuvorgekommen, er verbürgt Euch das höchste Mass
„der allgemeinen Erkenntlichkeit. Aber auch die Strafe wird unnach-
, sichtlich jeder Pflichtverletzung folgen. Das Verdienst wird Belohnung,
.das Vergehen Ahndung treffen, ohne Rücksicht der Person und des
„Ranges. Mit Schande gebrandmarkt, soll der Unwürdige hinaus-
„gestossen werden, dem sein Leben theurer ist, als seine und unsere
„Ehre; mit den Merkmalen der öffentlichen Achtung geziert, werde
„ich unserem Souverän und der Welt jene Tapferen vorstellen, die
„sich um das Vaterland verdient gemacht haben und deren Namen
„ich ewig in meiuem Herzen tragen werde. Noch bleibt mir eine
„Erinnerung übrig; der wahre Soldat ist nur dem bewaffneteu Feinde
.furchtbar, ihm dürfen die bürgerlichen Tugenden nicht fremd sein.
.Ausser dem Schlachtfelde, gegen den wehrlosen Bürger und Land-
smann ist er bescheiden, mitleidig und menschlich. Er kennt die
„Leiden des Krieges und sucht sie zu mildern. Ich werde jeden
Digitized by Google
403
.muthwilügen Frevel um so strenger ahnden, als die Absicht unseres
,Monareheu nicht daliiu geht, benachbarte Völker zu bedrücken,
.sondern sie von ihren Bedrückern zu befreien und mit ihren Regeuten
«ein festes Band zur Erwirkung einer dauerhaften Ruhe und zur
„Handhabung allgemeiner Wohlfahrt und Sicherheit zu knüpfen.
,Bald werden fremde Truppen im innigen Verein mit uns den
„gemeinschaftlichen Feind bekämpfen ; dann tapfere Waffengefährten,
„ehret und unterstützet sie als Euere Brüder. Nicht Ruhmredigkeit,
„sondern männliche Thaten ehren den Krieger. Durch Kühnheit
„vor dem Feinde müsst Ihr zeigen, dass Ihr die ersten Sol-
daten seid. So führe ich Euch dann einst, begleitet von der
„Achtung der Feinde und von dem Dankgefühle fremder Nationen,
„nach erkämpftem rühmlichen Frieden in das Vaterland zurück, wo
„Euch die Zufriedenheit unseres Monarchen, der Beifall der Welt,
.die Belohnungen der Tapferkeit, die Segenswünsche Euerer Mit-
bürger und das Selbstgefühl verdienter Ruhe erwarten.
„Erzherzog Karl m/p., Generalissimus.*
Am 9. April setzte der Erzherzog- Generalissimus den Marschall
Lefevre, Obcrgeneral der französischen Armee in Bayern, von der
Eröffnung der Feindseligkeiten in Kenutniss und am folgenden Tage
überschritt die kaiserliche Armee bei Braunau, dann zwischen diesem
Orte und Schärding, fernen bei Schärding und Wasserburg den Inn
und stand, die Bayern in kleinen Gefechten vor sich herdrängend,
am 15. auf dem rechten Ufer der Isar.
Das Regiment, welches mit Beibehalt seiner Brigade-Eintheilung
den F.-M.-Lt. Vincent zum Divisionär erhalten hatte, war den
Bewegungen des sechsten Armeekorps gefolgt, welches vereint mit
dem fünften Armee- und dem zweiten Reservekorps (Grenadier-
Bataillon Scovaud) am 10. April früh 4 Uhr den Inn überschritt
und an diesem Tage vor dem Dorfe Stamham unweit Marktl ein
Bivouak bezog. Am 11. April folgten die Regiments - Abtheilungen
dem Zuge der drei vereinigten Korps und zwar das Regiment mit
dem sechsten Armeekorps nach Neu-Oetting, das Grenadier-Bataillon
Scovaut mit dem zweiten Reservekorps nach Marktl, worauf am 12.
das Regiment in Mühldorf und Mössling die Kantonnirungen und
das Grenadier - Bataillon in seinem Korpsverbande bei Hohenwart
an der Alp das Freilager bezog. Am 14. brach das Regiment fortan
2«;*
404
l MC - isno
im Brigadeverbando mit dem Infanterie - Regimente Nr. 49 von
Mühldorf auf, marschirte auf der Chaussee bis Ampfing, wendete
sich dort nördlich gegen Neumarkt und lagerte bei Lohkirchen;
das Grenadier -Bataillon war an diesem Tage mit dem Reserve-
korps über Neu - Otting bis Stetten marschirt.
Aus dem Bivouak bei Mflhldorf waren in der Nacht der Tam-
bour Johann M a y, die Gemeinen Peter C h a q u e und Jakob
I) e p r e meineidig entwichen. Sämmtliche drei waren Ausländer,
welche im vergangenen Jahre freiwillig ins Regiment eingetreten. Die
patrouillirende Kavallerie wurde derselben habhaft und im Lager
bei Lohkirchen erfolgte vor der Front des Regiments ihre .stand-
rechtmässige Hinrichtung mit Pulver und Blei.
Am 15. erreichte das Regiment bei äusserst schlechtem Wetter
in seinem Korpsverbande Aber Ober - Bergkirchen das Städtchen
Buchbach und die Grenadiere (Iber Neumarkt das Dorf Ekelhofen;
am IG. marschirte das Regiment mit dem sechsten Korps über
Taufkirchen bis nach Buch und die Grenadiere mit dem zweiten
Reservekorps in der Richtung auf Landshut bis zu dem Bauern-
hofe Annaburg, wo das vereinigte erste und zweite Reservekorps
bivouakirten.
Am Morgen des 17. April folgte das Regiment dem sechsten
Armeekorps nach Moosburg, wurde dort sehr gedrängt bequartirt
und hielt am 18. Rasttag, wahrend das zweite Reservekorps nach
Pfeffenhausen marschirte und sich mit dem fflnften Armeekorps
vereinigte. Am 10. kam das Regiment mit dem sechsten Korps
Aber Randlstadt nach Au, wo F.-M.-Lt. Hill er den Befehl
erhielt, sich auf das Schleunigste Ober PfefTenhausen mit dem
fünften Armee- und zweiten Reservekorps zu vereinigen, welche an
diesem Tage bei Siegenburg standen und mittelst der bei Kirch-
dorf aufgestellten Brigade Thiery die Verbindung mit den gegen
Regensburg operirenden Korps der Hauptarmee erhielten. Nach der
Vereinigung sollte F.-M.-Lt. H i 1 1 e r das Kommando der drei
Korps übernehmen und die Operationen auf Regensburg in Flanke
und Rücken decken.
Der Erzherzog- Generalissimus hatte nämlich den Plan gefasst
nach Regensburg vorzurücken, um den dort aufgestellten Marschall
Davoust zu schlagen, bevor dieser sich mit der über Abensberg
erwarteten Hauptmacht Napoleon's vereinigen könne. Desshalb
Digitized by Google
1806-1809.
405
hatte er am Morgen des 19. in drei Kolonnen den Vormarsch be-
gonnen ; weil aber gleichzeitig auch die Franzosen sich von Regens-
burg gegen die Abens in Marsch gesetzt hatten, so waren die
beiderseitigen Kolonnen bald auf einander gestossen und es kam bei
Haufen zum blutigen Gefechte.
Schon war dieses Gefecht im Gange, als F. - M. - Lt. H i 1 1 e r
den erwähnten Befehl zur Vereinigung mit dem fünften Armee- und
zweiten Reserve - Korps erhielt. Es trat zwar unmittelbar nach dem
Abkochen das sechste Korps den Weitermarsch von Au an, erreichte
aber spät abends erst Mainburg und musste die angestrebte Ver-
einigung auf den folgenden Tag verschieben.
Mittlerweile hatte das Gefecht bei Hausen für die Oesterreicher
eine ungünstige Wendung genommen und gleichzeitig war es den
Franzosen gelungen, nach Zurückdrängung der bei Kirchberg auf-
gestellten Brigade Thiery nach OfTenstetten, das fünfte und sechste
Armee- dann das zweite Reserve - Korps v on der übrigen Armee zu
trennen. Napoleon war mit der Hauptmacht am Abend zu Abens-
berg eingetrofl'en ; er überzeugte sich sofort, dass die unter Kommando
des F.-M.-Lt. Hill er gestellten drei Korps durch einen grossen
Zwischenraum von der übrigen Armee getrennt waren und fasste
den Plan auf der Strasse über Rohr nach Laudshut zu operiren und
den Generalissimus vom F.-M.-Lt. Hiller unwiederbringlich zu
trennen. Zur Ausführung dieses Planes liess Napoleon durch die Mar-
schälle Davon st und La nn es die Hauptmacht des Generalissimus
an der Laber festhalten, während er selbst über Kirchdorf, Rohr,
Rottenburg gegen Hill er vorging.
Am 20. April 9 Uhr morgens begann die Angriffsbewegung
auf Offeustetteu; General Thiery zog sich vor der Uebermacht
auf Rohr, wohin der Kommaudant des von Siegenburg auf Ludmanns-
dorf zurückgedrückten fünften Korps Erzherzog Ludwig, den
F.-M.-Lt. Schustek zur Aufnahme der Retirirenden disponirte.
Das sechste Armeekorps war am 20. mit Tagesanbruch von
Mainburg aufgebrochen und marschirte über Attenhofen und Ober-
Hornbach. F.-M.-Lt. Hill er begab sich voraus nach Ludmanns-
dorf, um sich mit dem Kommandanten der übrigen zwei Armee-
korps über die nächsten Massnahmen zu besprechen. Während der
diessfälligen Unterredung langte vom F.-M.-Lt. Schustek der
Rapport an, dass er von einer ganz unverhältuissmässigen Ueber-
•100
ISO« — 1 SOI».
macht angegriffen und hitzig verfolgt sei. Man beschloss sofort, «las
im Anmärsche begriffene sechste Korps nach Rohr zu disponiren
und F. - M. - Lt. Hiller beeilte sich, die nöthigen Anstalten zu
treffen.
Die an der Spitze des Korps marschirende Division Vincent,
dabei das Regiment in der Brigade G.-M. Graf Weissenwolf,
wurde zur Unterstützung Schustek's beordert; dieselbe rückte
gegen Rottenburg, in dessen Nähe sie auf der Chaussee eine Wagen-
kolonne fand, in welche bereit« einige feindliche Reiter eingedrungen
waren und mit der Bedeckung Schüsse wechselten. Es blieb kaum
noch Zeit, einige Kompagnien nach Rottenburg zu werfen; aber
auch diese waren nicht mehr im Stande, die Laber - Brücke und das
morastige Flussufer gehörig zu besetzen, denn schon kam die feind-
liche Kavallerie mit der österreichischen vermischt auf und neben
der Strasse heran. F.-M.-Lt. Vincent Hess die beigehabten vier
Eskadronen zur Aufnahme des F.-M.-Lt. Schustek vorgehen,
während die Regimenter Nr. 31 und 51 im vollen Laufe voreilten,
um noch vor den Franzosen die Höhen hinter Rottenburg zu besetzen,
was ihnen auch gelang. Bald nach Besetzung der Höhen erschien
auch der Feind, welchen F.-M.-Lt. Vincent mit heftigem Kanonen-
feuer empfing und zum Stehen brachte; die mittlerweile angerückte
Brigade Weissenwolf stellte sich links neben den obgenannten
Regimentern auf und lehnte sich mit ihrem linken Flügel an ein
sehr sumpfiges Terrain, wodurch sie gegen die Angriffen der zahl-
reichen feindlichen Kavallerie in Sicherheit war.
Inzwischen war auch F. - M. - Lt. H i 1 1 e r zu Rotteuburg ange-
kommen, um sich selbst von der Lage der Dinge zu überzeugen.
Er sendete sogleich den Obersten C z o 1 i c h , Chef seines General-
stabes, zu dem General Weissenwolf mit dem Auftrage, den
Wald vom Mostanerhofc, wo der rechte Flügel des Feindes stand,
anzugreifen. Es war gegen 7 Uhr abeuds, als das Regiment Deutsch-
meister in schönster Ordnung mit fliegenden Fahnen und klingendem
Spiele gegen den Wald vorrückte und ihn auch im ersten Anlaufe
mit besonderer Bravour erstürmte. Ueber 300 Bayern wurden
gefangen, viele erschossen oder niedergestochen und mit Sieges-
gew issheit drangen die Abteilungen im Walde vorwärts, in welchem
die Feinde jeden Abschnitt hartnäckig vertheidigten. Napoleon,
welcher persönlich anwesend war, beorderte aber sofort eine Brigade
Digitized by Google
ISOG-lHOft.
407
zur Unterstützung der Bayern in den Wald. Nun entspann sich ein
mörderischer Kampf, Mann gegen Mann, aber das Regiment musste
von der üebermacht von allen Seiten angefallen, trotz seiner emi-
nenten Tapferkeit weichen. Oberlieutenant Carove, dann die
Lieutenants Voigt und Unkelhäuser traten au die Spitze von
160 Freiwilligen, warfen den Feind Ober eine Schlucht auf die
bayerische Division zurück und hielten sich bis zur eingebrochenen
Dunkelheit in der so tapfer eroberten Stellung. Das Regiment hatte
wieder seine frühere Stellung eingenommen und dessen Verlust
bestand an Todten: Fähnrich Alois Jeschka und 35 Mann, Ver-
wundeten und Gefangeneu: Hauptmann Michael Fiala, Kapitän-
Lieutenant Josef Baron Sichel, Norbert Krall, Oberlieutenant
Johann Catti, Fähnrich Georg Hollbein und Ferdinand Jeschka,
welcher während der Gefangenschaft zum Fähnrich avancirte und
241 Mann vom Feldwebel abwärts. Die 10. Kompagnie hatte den
grössteu Verlust, denn sie zählte 18 Todte.
Nach beendetem Kampfe zog sich das sechste Armee -Korps
auf Türkenfeld und das fünfte Armee-, sowie das zweite Reserve-
Korps nach Pfeft'enhausen. Trotz der allgemeinen Ermüdung und der
grossen Finsterniss befahl F. - M. - Lt. H i 1 1 e r den sofortigen Rück-
zug an die Isar; und zwar sollte das Reserve - Korps diesen beginnen,
dann das sechste und endlich das fünfte Armee -Korps folgen.
Landshut, das nächste Ziel des Rückzuges, liegt mit dem
grösserem Stadttheile auf dem rechten Isar -Ufer, während der
kleinere Stadttheil von einem Arme dieses Flusses eingeschlossen
wird ; jenseits desselben liegt die Vorstadt Seelingenthal. Vor dieser
Vorstadt dehnt sich eine sumpfige Niederung bis zu den Dörfern
Altdorf und Ergolding aus, über welche eine einzige lange Damra-
strasse an das Brücken - Detilee von Landshut führt.
Nächst Ergolding und Altdorf, also vor der Dammstrasse und
vor dem Brücken - Defilee, befanden sich die Kolonnen - Magazine,
Bagagen, kurz ein sehr namhafter Train und furchtbar wurde die
Verwirrung, welche bald in dem zügellosen Trosse entstand, als
jeder sich bemühte, zuerst in Sicherheit zu kommen.
Um also Zeit zu gewinnen die Niederung und die Brücken zu
passiren. befahl Hiller dem F. -M.-Lt. Vincent sich mit seiner
verstärkten Reiterei bei Altdorf und Ergoldingen aufzustellen. Hiller
selbst ordnete inzwischen die in einander gerathenen Truppen des
408 1800-1809.
fünften und sechsten Korps und liess sie über die Brücken defiliren,
während das Regiment den Befehl erhielt, sich vor dem Orte zur
Unterstützung des F.-M.-Lt. Vincent aufzustellen. Es mochte
10 Uhr gewesen sein, als das Regiment diesem Befehle nachkam.
Bald näherten sich die Franzosen und zwar Napoleon mit der
Kürassier -Division Nansouty, mit der bayerischen Division Wrede
und mit den Württembergern auf der Strasse von Altdorf, Lannes
mit zwei Infanterie - Divisionen und der bayerischen Kavallerie-
Brigade auf jener von Ergolding. Während Nansouty die Reiterei
des F.-M.-Lt. Vincent links und die Bayern dieselbe rechts angriff,
wurde das Regiment beordert, sich auf Landsnut zurückzuziehen.
Der Anprall der feindlichen Kavallerie war so gewaltig, dass
Vincent nicht lange Stand zu halten vermochte und sich auf
Landshut ziehen musste. Noch vor dem Rückzüge der Kavallerie
war es einem Tlioil des Regiments gelungen, glücklich über die
Isar zu kommen, während der Rest in einen heftigen Kampf mit
dem Feinde verwickelt wurde, zwar standhaft Widerstand leistete,
aber doch bald zum Rückzüge gezwungen wurde. Der Adjutant
Napoleon's, General Mo u ton, stürmte nun, ohne einen Schuss
zu thun, über die bereits in Brand gesteckte Brücke und es mochte
nicht viel über 1 Uhr gewesen sein, als die Franzosen in die Stadt
eindrangen. Hier verbreitete sich das erschütternde Gerücht, dass
der Feind bereits im Rücken von Landshut stehe und gegen das
Defilöe von Geisenhausen dränge. Die Sache hatte ihre Richtigkeit,
denn während die Franzosen von Rottenburg her die geschilderte
Verfolgung ausführten, hatten sie eiue zweite starke Kolonne über
Moosburg dirigirt, welche die dort postirten schwachen österreichischen
Abtheilungen geworfen hatte und nun auf dem linken Ufer der Isar
gegen Landshut vordrang.
Sofort beschloss Hill er den weitern Rückzug. F.-M.-Lt.
K i e n m a y c r übernahm in Person das Kommando der Arrieregarde,
welche aus vier Grenadier - Bataillone , hiebei Scovaud, und
mehreren Kavallerie - Abteilungen gebildet war. Der Feind folgte
dem Nachtrabe, welcher mit Ordnung und ruhiger Haltung marschirte
und ohne Verlust durch den Hohlweg bei Geisenhausen kam. Zwei
schwache Grenadier -Kompagnien von Deutschmeister waren zu dessen
Deckung in einem Gehölze aufgestellt gewesen und befanden sich
beim Rückmärsche aus demselbeu, mitten in einer Ebene, plötzlieh
Digitized by Google
1 HO(j 1 809,
400
von einer zahlreichen feindlichen Kavallerie bedroht. Ein Grenadier
bemerkt verlassene Pulverkarren zwischen der Division und dem
Feinde; er eilt darauf los, gibt Feuer, sprengt sie in die Luft
und fällt als Opfer seines Muthes ; *) die Grenadiere marschiren
unangefochten unter Begünstigung dieser Explosion, welche die Luft
verdunkelt und die Erde erbeben macht, durch die Ebene und treffen
glücklich und ohne allen Verlust bei ihrem Bataillone ein.
Während dem ferneren Rückzüge wurde das Grenadier-Bataillon
Scovaud auf der Anhöhe rechts der nach Neumarkt führenden Strasse
aufgestellt, um die zerstreuten Truppen aufzunehmen und den Feind
am Vorrücken zu hindern. Bald darauf machten die Grenadier-
Bataillone Scovaud und Scharlach die Nachhut des rechten Flügels.
Der Feind besetzte ein an der Strasse gelegenes Gebäude, aus
welchem er diese Bataillone beunruhigte, aber daraus vertrieben ward.
Scovaud machte nun auf dem weitern Marsche allein die Nachhut
und hielt das unablässig drängende feindliche Fussvolk in Respekt.
Jetzt erschien Reiterei und machte Miene, in Scovaud's Gre-
nadiere einzuhauen, als diese eben Geisenhausen erreicht hatten.
Sofort wurden die Eingänge mit Wägen verrammelt und sich vor
der feindlichen Reiterei gesichert. Ein bayerisches Chevauxlegers-
Regiment umritt den Ort und wartete, bis die Grenadiere im Verfolg
des weiteren Rückzuges ihn zu verlassen genöthigt sein würden. Sie
traten, um nicht abgeschnitten zu werden, in Massen formirt den
weiteren Marsch an. Mit kaltem Blute wurden die feindlichen Reiter
erwartet; 50 Schritte hatten sie sich den Massen genähert, da
kommandirte Major Scovaud , Feuer" und, dieses wohl angebracht,
trieb die Feinde mit Hinterlassung mehrerer Todten und Ver-
wundeten in die Flucht und liess sie von der weiteren Verfolgung
abstehen.
Das Regiment war dem allgemeinen Rückzüge gefolgt, der in
Folge falscher, durch versprengte Kavalleristen verbreiteter Nach-
richten in grosser Unordnung Über Vilsbiburg bis Neumarkt fort-
gesetzt wurde.
*) Der Name dieses Helden ist leitler nicht zu eruiren. Die Grenadier-
Division weisst in der vorhandenen Standes -Liste für den Monat April 1801»
nur 26 Gefangene und nicht einen Todten namentlich aus und doch war der
Mann vom Regiment Deutschmeister, da diess in allen Berichten und Geschichta-
werken ausdrücklich gesagt wird.
410
1S06-180».
Schwer lässt sich der Zustand beschreiben, in welchem die
Truppen Neumarkt erreichten. Seit drei Tagen hatten sie, ohne
abzukochen, zwei Gefechte geliefert und waren in fast beständiger
Bewegung. Die erlittenen Verluste waren namhaft; vom Regiment
blieben in dem Gefechte bei Landshut Major Vincenz Ostoich und
37 Manu todt auf dem Felde der Ehre; verwundet wurden: Oberst
Franz Baron Pingelhardt, Kapitänlieutenant Anton Baron Bur-
v i 1 1 e , Lieutenant Karl Voigt, Fähnrich Franz S t a d e r und
122 Mann, welche Mannschaften, da sie nicht fortzubringen waren,
mit noch 1147 Mann vom Feldwebel abwärts, die grösstenteils an
der Brücke abgeschnitten wurden, in feindliche Gefangenschaft
geriethen. Sehr viele dieser Mannschaft rückten nie mehr ein und
es ist mithin gewiss, da sich die Leute sehr tapfer schlugen, dass
sie im Kampfe geblieben sind.
Dem General Graf Weissenwolf wurde von dem F.-M.-Lt
Hill er in der Relation das Zeugniss gegeben, dass er mit den
Regimentern Deutschmeister Nr. 4 und Kerpen Nr. 49 bei den
Angriffen am 20. und 21. April auf einen weit zahlreicheren Feind
Alles gethan, was sich von Unerschrockenheit und Tapferkeit er-
warten lässt.
Noch am 22. April überschritt F.-M.-Lt. Baron Hill er mit
dem ihm unterstehenden Armeekorps den Inn und lagerte bei Neu-
Oetting.
Auf diesem Marsche wurde bei Au der Oberlieutenant David
Franz und 10 Mann mit dem Regiments - Fuhrwesen von der
nachfolgenden Kavallerie gefangen.
Die Trennung der drei Armeekorps von der österreichischen
Hauptmacht war nun entschieden und hätte nur gehoben werden
können, wenn der Erzherzog Karl einen grossen Sieg erfocht.
Aber auch die Gefechte, welche die unter dem Generalissimus ver-
bliebenen Heerestheile am 22. April den Franzosen lieferten und als
Schlacht von Eggmühl bekannt sind, endeten ungünstig, worauf sich
der Erzherzog zum Rückzug hinter die Donau entschloss.
Der seit 8. April zu Schärding weilende Kaiser Franz hatte
am 23. die Meldung über den Ausgang der Schlacht bei Eggmühl,
sowie über den notwendigen Rückzug hinter die Donau erhalten
und in Folge dessen alle öffentlichen Kassen, Archive u. s. w. von
Wien nach Pest beordert, wohin der Regierungssitz verlegt werden
Digitized by Google
1H06 — 1809.
411
sollte. Gleichzeitig dachte man Allerhöchsten Orts daran, den
F. -M. -Lt. H i 1 1 e r in offensiver Absicht gegen die Donau vor-
rücken zu lassen, um den Rücken der Franzosen zu bedrohen, falls
diese dem Generalissimus, welcher den Weg nach Böhmen ein-
schlug, nachfolgen sollten. Bevor aber noch F.-M. -Lt. Hiller
diese Allerhöchste Willensmeinung empfing, hatte er bei den ersten
Gerüchten über den Ausgang der Schlacht bei Eggmühl den Plan
zu einer Offensiv - Bewegung über Dingolfing entworfeu. Dieser
Entwurf H i 1 1 e r 's basirte jedoch auf der Vermnthung, dass sich
der Erzherzog über Straubing und Passau hinter den Inn zurück-
ziehen werde.
F.-M. -Lt. Hiller theilte seine Truppen in drei Kolonnen
mit drei Avantgarden, welch' letztere sich nachmittags am 23. jen-
seits des Inn aufstellten. Das Regiment war mit dem 49. Infanterie-
Regiment, eine Brigade - Batterie und eine halbe Eskadron Knesevich-
Dragoner beim Vortrab der zweiten Kolonne, Division F.-M. -Lt.
Kottulinsky, Brigade General Weissenwolf.
Am 24. April um 3 Uhr morgens rückten sämmtliche Kolonnen
bei Neu-Oetting über den Inn und näherten sich Neumarkt ; F.-M.-Lt.
Kienmayer folgte mit fünf Grenadier - Bataillons, dabei Scovaud.
Der Vortrab des Centrums fand den Feind auf der Strasse jenseits
des Dorfes Stetten. So wie die Bayern die Spitzen der öster-
reichischen Kolonnen wahrnahmen, marschirten sie auf den Höhen
vor Neuniarkt in Schlachtordnung auf; ihren linken Flügel stützten
sie auf das Dorf Scherm und an die Waldungen; der rechte war
durch Kavallerie gedeckt.
Die erste österreichische Kolonne manövrirte so ausgezeichnet
in die linke Flanke des Feindes und griff denselben mit solcher
Tapferkeit an, dass er von Höhe zur Höhe zurückgeworfen und
zuletzt bis hinter Neumarkt auf die Strasse bei Eklhofen zurück-
gedrängt wurde.
Die Vortheile, welche diese Kolonne erfocht, erleichterten der
mittleren, welche sehr kanonirt wurde, ihr Vorrücken. Die dritte
fand gar keinen Feind vor sich und ging, ohne Widerstand zu finden,
bis an den Rottbach.
Als die Bayern ihren linken Flügel weichen sahen, traten sie
mit ihrem Centrum ebenfalls den Rückzug an ; allein das Defilee
vor Neumarkt, welches sie im Rücken hatten und die Uebereilung
Digitized by Google
412
IHOfl-lSOfl.
waren Ursache, dass sie dabei ganz in Unordnung geriethen. Um
3 Uhr nachmittags war das Gefecht vollkommen entschieden.
General Weissenwolf folgte dem Vortrabe der zweiten
Kolonne nach Neumarkt; dort fand er den Feind geschlagen und
von den Truppen der ersten Kolonne verfolgt; er ging daher links
von der Stadt durch den Rottbach, rückte nach Heising und das
Regiment Deutschmeister, welches an der Spitze marschirte, verjagte
alles, was es von feindlichen Truppen vor sich fand.
Der Verlust des Regiments, welches einige Stunden im heftigsten
Kanonenfeuer unerschütterlich gestanden war, bestand an Todten : 5,
Verwundeten: 34, darunter Oberlieutenant Franz Aumer, Franz
Adrario, Verraissten 12 Mann vom Feldwebel abwärts.
General Graf Weissenwolf nennt in seiner Relation die
Hauptleute Br. Bretton, Mehlführer, Rösgen, Innerhofer
als die ausgezeichnetsten.
Am folgenden Tage wollte F. -M.-Lt. Hill er, welcher für
diesen glänzend erfochtenen Sieg das Kommandeurkreuz des Maria
Theresien - Ordens erhielt, die errungenen Vortheile weiter ausbeuten,
als ihm noch in der Nacht zum 25. ein Allerhöchstes Handbillet
zuging, woraus er den Marsch des Erzherzogs Generalissimus nach
Böhmen entnahm und sich behufs Deckung der Residenz zum Rück-
züge aus Bayern bemüssigt sah. In Folge dessen brachen die drei
vereinigten Korps in der Früh des 25. April aus dem Lager bei
Neumarkt auf, passirten bei Neu - Oetting den Inn und nahmen dort
ein Lager. Noch am selben Abend folgte das Grenadier - Bataillon
Scovaud dem zweiten Reserve - Korps, welches über Marktl nach
\ Braunau abgesendet wurde, um die nöthigen Vorkehrungen zur Ab-
brennung der Inn -Brücken, sowohl bei Marktl als bei Braunau zu
treffen. Am 26. erreichte das zweite Reserve - Korps Braunau und an
diesem Tage marschirte F. -M.-Lt. Hill er mit dem fünften und
sechsten Korps nach Burghausen, am 27. aber nach Braunau. Aber
nur kurze Zeit fanden die Truppen Ruhe, denn noch auf dem Marsche
nach Braunau hatte H i 1 1 e r die Nachricht erhalten, dass der Feind
die Stadt Schärding in Brand geschossen und nach Zurückdrängung
des dort aufgestellten F. -M.-Lt. Dedovich den Inn passirt habe.
Desshalb marschirte Hiller ungeachtet des bereits hinterlegten
neunstündigen Marsches, unmittelbar nach dem Abkochen bis auf
die Höhen bei Weng und beorderte das zweite Reserve - Korps nach
Digitized by Google
413
Altheira, von wo dasselbe am Nachmittage durch Dedovich abgelöst,
sofort bis nach Ried rflckte. Dort vereinigten sich am 28. die drei
Korps, marschirten am 29. nach Obern -Haag, am 30. nach Lambach,
am 1. Mai nach Wels und am 2. in die Stellung vor Linz.
Die französische Armee war dem F.-M.-Lt. Hiller in zwei
grossen Abtheilungen gefolgt. Auf der Strasse von Straubing nach
Linz, voran der Marschall Masse na, dann der Marschall Davon st,
endlich der Marschall Bernadotte, deren Streitkräfte zusammen
eine Truppenmacht von 82.000 Mann bildeten, während auf der
Strasse von Landshut, Braunau, Wels Napoleon mit der Garde,
die Marschälle Lannes und Bessieres, dann der General Van-
damme, zusammen 58.000 Mann marschirten. Die Streitkräfte,
welche F.-M.-Lt. Hille r der grossen französischen Armee ent-
gegen zu setzen hatte, betrugen zwar im ganzen nicht mehr als
32.000 Mann; nichtsdestoweniger war er aber mit dem Vorsatze
nach Linz gezogen, dort den Kampf aufzunehmen. In der Nacht
zum 3. Mai erhielt jedoch der Feldmarschall -Lieutenant den Befehl
zum Rückzüge auf das linke Donau -Ufer, wesshalb er die Stellung
bei Ebelsberg zu gewinnen trachtete, um dann die Donau bei Maut-
hausen zu überschreiten.
Zur Aufnahme des die Nachhut bildenden F.-M.-Lt, Schustek,
welcher sich von Maria Scharten gegen die Traun zurückzog, hatte
die Brigade Radetzky auf der Welser Haide Stellung genommen,
und da der Marschall Bessieres zeitlich frfl.li am 3. Mai in der
Richtung von Wels gegen Ebelsberg aufbrach, so wurde auf der
Welser Haide schon gekämpft, als Hill er, welchem der Marschall
Masse na, von Efferding her, mit aller Macht nachrückte, kaum
im Rückzüge von Linz war. Bevor noch das Gros diesen Rückzug
antrat, war der F.-M.-Lt. Vincent mit der Brigade Hofmeister
auf Klein- München geeilt, um dort eine Aufnahms - Stellung zu
nehmen, durch welche sich das retirirende Gros und zwar zuerst
das zweite Reserve - Korps, hierauf das sechste, dann das fünfte
Armeekorps und endlich die Nachhut - Brigade zu ziehen hatten.
Kaum als F.-M.-Lt. Hill er Linz geräumt hatte, nahm
Massena diese Stadt in Besitz, worauf ein Theil der französischen
Division Claparede, geführt von dem Brigade - General Coehorn,
unverweilt der Nachhut - Brigade folgte. Von Wels her standen die
Dinge nicht besser, denn gleichwie Coehorn von Linz, so drang
1KÖB--1K09.
von Wels der Marschall Bessieres mit vollem Ungestüm an die
Traun. Gegen Bessieres hatte aber der General Graf Kadetzky
mit vollendeter Meisterschaft die Aufnahme des F.-M.-Lt. Schustek
bewirkt und das Defiliren des Letzteren über die Traun ermöglicht,
worauf Radetzky sich auf Klein -München zurückzog und an den
linken Flügel der Brigade Hofmeister anschloss.
Indessen war auch das Gros des F.-M.-Lt. Hiller, nach
Ceberwindung zahlreicher Hindernisse, über die Traun gekommen
und hatte nur die Brigade Weissenwolf, Regiment Deutschmeister
und Kerpen, a cheval der Strasse auf dem jenseitigen Ufer auf-
gestellt, zurückgelassen. So wie die Nachhut - Brigade ebenfalls die
Traunbrücke passirt hatte, marschirte General Weissenwolf mit
seiner Brigade ebenfalls hinüber und stellte sich auf dem linken
Flügel der Höhen hinter Ebelsberg, beiläufig 80Ü Schritte von der
nach Enns führenden Strasse auf.
Bald drangen die Franzosen von Linz her gegen die Brigade
Hofmeister, sowie von Wels gegen die Brigade Radetzky. Um den
Besitz von Klein -München entbrannte nun ein heftiger Kampf,
welches endlich von den beiden Brigaden geräumt werden musste;
Radetzky zog sich nach einem rühmlichen Kampfe über die
Traun zurück und nun standen nur die beiden Siebenbürger - Regi-
menter Nr. .31 und 51 allein vor der Brücke, wo sie eiuen engen Raum
inne hatten und vom Gegner mit einem Hagel von Projektilen über-
schüttet wurden. Immer näher rückten die feindliehen Massen der ganzen
Division Claparede und schon griff man zur blanken Walle, während
einzelne Franzosen die an der Strasse stehen gebliebenen Pulver-
karren in die Luft sprengten. Der Kampf entbrannte immer heftiger
und immer furchtbarer wurde sein Bild. Die ganze Macht des feind-
lichen Angriffes hatte sich gegen die wenigen kaiserlichen Bataillons
gerichtet, welche mit ihrer Brust einen lebendigen Wall bildeten
und sich wie Verzweifelnde wehrten. Dieser heroische Widerstand
hielt den Feind eine geraume Zeit in der Front auf; da aber rückten
endlich einzelne französische Abtheilungen längs dem Ufer der Traun
heran, gelangten so in den Rücken der Vertheidiger und gleichzeitig
unternahmen die Massen Claparede 's einen neuen gewaltigen
Anprall. Die Widerstandskraft war jetzt gebrochen ; die Bataillone
der Brigade Hofmeister betraten, vermengt mit der französischen
Brigade Coehorn, die Brücke und die schmale, geländerlosc Bahn
Digitized by Google
18M- isoi).
415
öffnete für gar Viele den traurigen Weg in die schäumenden Flutheu
der Traun. Furchtbar wurde das Gedränge auf der Brücke, wo
Freund und Feind, Mann an Mann dicht gedrängt, den Geschossen
der Batterien von beiden Seiten blosgestellt war. Es war ein seltenes,
schreckliches Schauspiel, dieser verworrene Zug von Oesterreichern
und Franzosen, die, umschwirrt von mörderischen Projektilen, auf
der langen Brückenbahn das Handgemenge fortsetzten.
Um diese Zeit erhielt General Weissenwolf den Befehl
mit der Brigade rechts abzumarschiren und sich auf der Haupt-
strasse nach Enns mit den übrigen Truppen näher zu verbinden.
Der Brigade Coehoru folgte unmittelbar der Rest der Division
Claparede, welche die von den Oesterreichern besetzten Häuser an
der Brücke erstürmte, dann aber über den Markt durch das Enuser
Thor bis gegen deu Friedhof und links gegen das Schloss vordrang.
In diesem entscheidenden Augenblicke stürzten sich die Wiener
Freiwilligen dem Feinde entgegen und fochten, obschon sie das
erste Mal in's Feuer geführt wurden, mit einer Unerschrockenheit
sonder Gleichen.
Schon begann ein Theil der Division Claparede sich über die
Brücke zurückzuziehen, als die ersten sechs Bataillone der nach-
gerückten Division Legrand anlangten und über die Brücke vor-
drangen. Die Oesterreicher verloren wieder ihre Vortheile und es
begann um dieselben neuerdings ein erbitterter Kampf. Da hatte
der Artillerie-Korporal Gabetta mittelst einer Granate ein von den
Franzosen nahe an der Brücke besetztes Haus gezündet, das in Flam-
men aufschlug und schnell auch die nebenstehenden Häuser ergriff.
Die französische Artillerie und Reiterei konnte, da bald der ganze
Ort in Flammen stand, nicht folgen und so vermochte nur die In-
fanterie der Divisionen Claparede und Legraud den von Ebelsberg sich
zurückziehenden Oesterreichern nachzurücken. Als diese die Streit-
kräfte des F. - M. - Lt. H i 1 1 e r in Schlachtordnung auf dem Schilden-
berge aufgestellt sahen, stellten sie sich links und rechts von Ebels-
berg in zwei Vierecke auf und der Kampf würde ohne Zweifel
fortgesetzt worden sein, wenn Hill er nicht die Nachricht erhalten
hätte, dass der französische Marschall L a n n e s gegen Steyer und
andere feindliche Abtheilungen am rechten Traun -Ufer vorrücken,
worauf österreichischerseits der weitere Rückzug gegen Strengberg
angetreten wurde.
416
IM)« -ISO».
Das Regiment Deutschmeister in Verbindung mit Truppen des
F. - M. - Lt. Först R e u s s erhielt den Befehl, den Rückzug zu decken.
Die Bataillone marschirten hiezu ä cheval der Strasse in Fronte auf
und empfingen die nachrückenden Franzosen mit einem heftigen
Bataille- Feuer. Oberst Baron Engelhardt wurde bald schwer
verwundet und nun übernahm Oberstlieutenant v. Klopstein das
Kommando des Regiments, welches abwechselnd Bataillonsweise eine
Strecke zurückging, wieder Posto fasste und einige Dechargen abgab
und in dieser Art bis in die sinkende Nacht den Rückzug, so
vortrefflich deckte, dass ihm von allen Generalen das beste; Lob
ertheilt wurde. Major Niedermann hatte sich mit dem ersten
Bataillon hervorragend ausgezeichnet, indem er einige Mal die rasch
folgenden Franzosen mit dem Bajonnet angriff und zurückwarf; auch
werden in der Relation der Hauptmann Mehlführer und Lieute-
nant Anton Tichy nebst dem Feldwebel Johann Webel wegen
ihrem tapferen und umsichtigen Benehmen genannt.
Der Verlust des Regiments bestand, todt vom Feldwebel an 32,
verwundet Oberst Franz Baron Engelhardt, welcher schon am
8. Mai in Wien seinen schweren Wunden erlag, Hauptmann Christian
Baron Stockhausen, Oberlieutenant Thaddäus Bruckmayer,
Fähnrich Johann Schönberger und 137 Mann, Gefangene 184,
vermisst52 Mann. Hauptmann Stockhausen und Fähnrich Schön-
berger geriethen, sowie alle verwundete Mannschaft, da die Wagen
zum Fortbringen fehlten, in Gefangenschaft.
Um 11 Uhr nachts hatten sämmtliche Truppen die Enns über-
schritten, worauf die Brücke den Flammen Preis gegeben wurde.
Das zweite Reserve -Korps (Grenadier -Bataillon Scovaud) war,
nachdem es die Traun bei Ebelsberg überschritten hatte, vorerst
hinter diesem Orte aufgestellt ; es wurde später gegen Asten disponirt,
und rausste endlich die von Ebelsberg retirirenden Korps aufnehmen,
worauf es die weiteren Schritte des Gegners aufhielt und um 10 Uhr
nachts den Rückzug antrat.
Zeitlich früh am 4. brachen sämmtliche Truppen aus ihren
Bivouaks auf und marschirten bis Amstetten ; die Division Kottulinsky
stellte sich zwischen Zeilern und Amstetten auf. Vor dem Abmärsche
erhielt Obcrstlieutenant von Klopstein den gemessenen Befehl,
sich mit dem dritten Bataillon und einer Division Lichtenstein-
Huszaren an der Enns aufzustellen, dem Feinde den Uebergang zu
Digitized by Google
1808— -1 $00,
417
verwehren und sich bis abends 8 Uhr zu halten, auch wenn er ganz
umrungen würde; als Belohnung für diese Aufopferung, wodurch
die Armee gerettet würde, erhielt er den Maria- Theresien Orden
zugesagt.
Oberstlieutenant v. Klopstein theilte dem Bataillon, welches
kaum 300 Mann in seinen Reihen zahlte, den erhaltenen ehrenvollen
Auftrag mit, worauf alle sich bereit erklarten, tapfer bis zum letzten
Mann zu streiten. Hierauf wurden die am rechten Ufer liegenden
Häuser des Ortes Ennsdorf, sowie die in der Nacht verfertigten
Aufwürfe rechts und links an der Brücke besetzt, hinter den Hausern
die Reserve verdeckt aufgestellt und beide Flanken durch Offiziers-
Piquets, sowie die entferntere Gegend längs dem Flusse durch
Huszaren- Patrouillen gesichert, welche die hiezu kommandirte erste
Majors -Division von Lichtenstein -Huszaren Nr. 7 unter Kommando
ihres Majors Josef Garnica versah.
Um 7 Uhr früh erschien eine französische Kavallerie -Patrouille
von 30 Mann, welche das linke Ufer und die Brücke rekognoszirte.
Schon diesen wurde die Anwesenheit der Deutschmeister durch
einige wohlgezielte Schüsse kund, welche mehrere Reiter und Pferde
niederstreckten. Bald darauf erschienen zwei Kavallerie - Regimenter
in zwei Kolonnen, welche, von den Liniengeschützen empfangen,
sofort die Enns aufwärts gegen Steyer abschwenkten.
Etwa eine halbe Stunde später erschien die französische Infanterie
in dicht geschlossenen Kolonnen und marschirte links von Enns auf
der Anhöhe auf. Zwei Kanonen eröffneten gleichzeitig das Feuer
gegen die hinter Ennsdorf aufgestellte Huszaren -Division und eine
Batterie gegen die Stellung des Bataillons, jedoch ohne alle Wirkung,
da sämmtliche Kugeln zu hoch gingen. Da der Feind diess selbst
zu bemerken schien, setzte er noch eine Batterie in's Feuer, welche
nun die Stellung des Bataillons mit einem Hagel Projektilen über-
schüttete. Obgleich einige Soldaten schwer verwundet wurden, zeigte
die Mannschaft doch die grösste Entschlossenheit in Behauptung
ihres Postens.
Um die Mittagszeit brachte der Feind eine grosse Feuerspritze
an die Brücke, um den Brand derselben zu löschen, was bei der
Mannschaft grosse Heiterkeit erzeugte. Nachdem einige Franzosen
erschossen wurden, Hessen die übrigen die Spritze im Stich und eilten
im vollen Lauf und unter dem Gelächter der Deutschmeister zurück.
27
418
IS©«- IHM.
Gegen 2 Uhr fuhr der Feind gegenüber dem rechten Flügel-
Piquet vier Kanonen auf, die sogleich ein heftiges Feuer eröffneten.
Unter dieser Protektion liess er drei grosse Pontons in das Wasser,
in welchen je 50 Mann Platz nahmen und sofort gegen das dies-
seitige Ufer ruderten. Trotz dem heftigen Kanonenfeuer stellten sich
Lieutenant Tichy, Korporal Franz Kugler, Anton Kleinert,
Josef Seemayer, Gefreiter Franz Linkhauer, Josef Fuchs mit
den Gemeinen Josef Daiba, Josef Pflanzer, Rick und Schmid
diesen Feinden kühn entgegen und vereitelten nicht nur deren
Landimg, sondern brachten ihnen auch sehr nahmhafte Verluste bei.
Jede Kugel traf in den vollgepfropften Schiften ihren Mann und
obgleich auch aus diesen ein heftiges Gewehrfeuer unterhalten wurde,
wodurch der Gefreite Linkhauer und die Gemeinen Rick und
Schmid schwere Wunden erhielten, so musste der Feind doch
zurück, die Schiffe verlassen und in der Flucht sein Heil suchen.
Mehrere Huszaren waren bei dieser Gelegenheit von ihren Pferden
abgesessen und hatten mit ihren Karabinern wacker mitgefeuert.
Das feindliche Kanonenfeuer hatte inzwischen auf der ganzen
Linie fortgewährt, welches Oberstlieutenant v. Klopstein mit
seinen zwei Geschützen zwar schwach, aber mit sichtbar gutem
Erfolge beantworten liess; auch waren zahlreiche Plänklerschwärme
an das jenseitige Ufer vorgedruugen und so währte das gegenseitige
Feuer bis zum Einbrüche der Nacht ununterbrochen fort. Um diese
Zeit kamen die beiden feindlichen Kavallerie - Regimenter von
Steyer zurück und einzelne Trupps versuchten durch die Enns zu
schwimmen, wurden aber durch gut angebrachte Schüsse mit Verlust
zurückgetrieben.
Zum Schluss rückten 1000 Franzosen vor und eröffneten
ein heftiges Bataillefeuer, welches aber ebenso kräftig erwidert
wurde und als es dunkel wurde nach und nach gänzlich ver-
stummte.
Es war gegen 10 Uhr abends, als der Oberstlieutenant von
Klopstein das Bataillon raillirte, welches 29 meistens schwer
Verwundete zählte. Die Aufgabe war glänzend gelöst. 300 Deutsch-
meister hatten eine französische Armee - Division einen ganzen Tag
aufgehalten und dadurch den Korps des F.-M. -Lt. Hille r die
Gelegenheit geboten, in aller Ruhe Amstetten zu erreichen und
noch am selben Abende nach Blindenmarkt zu marschiren.
Digitized by Google
410
Höchst schmerzlich war es für das Bataillon, die braven ver-
wundeten Kameraden zurücklassen zu müssen, denn es fehlten alle
Transportsmittel. Da die Brückenjoche bis an das Wasser abgebrannt
waren, setzte sich das Bataillon mit den Huszaren in Marsch, traf
dann in der Nacht auf die Division Schustek, welche zu seiner
Aufnahme aufgestellt war und die Deutschmeister mit einem Jubel-
geschrei empfing. Nach eiuer kurzen Rast marschirte das Bataillon
am 5. um 3 Uhr früh im Verein mit dieser Division über Oed und
stellte sich dann zwischen diesem Orte und Amstetten auf.
Die drei Armeekorps hatten am 4. Mai Strengberg erreicht,
marschirten nach dem Abkochen bis Amstetten, erreichten am 5.
Kemmeibach, am 6. Melk, marschirten am 7. über St. Pölten bis
Meidling bei Wolfing; das zweite Reserve - Korps bis Göttweig bei
Furt, passirten am 8. bei Mauthern die Donau und bezogen die
Kantonnirungen. Das dritte Bataillon mit der Division Schustek
hatte dieselben Marsche zurückgelegt und traf am 9. beim Re-
giment ein, welches um Grafenwörth, die Grenadiere in Langenlois
kantonnirten.
Dem Marsche des F. - M. - Lt. Hille r über die Donau lag
die angestrebte Verbindung mit dem Generalissimus zum Grunde;
allein während sich die Oesterreicher jetzt auf dem linken Donau-
Ufer befanden, eilte Napoleon auf dem rechten Ufer gegen
Wien und schon am 9. Mai erhielt H i 1 1 e r von dem Komman-
danten der bedrohten Residenz Erzherzog Maximilian die Auf-
forderung, sofort nach Wien zu marschiren. Unter Avantgarde des
zweiten Reserve-Korps brach H i 1 1 e r am 10. nach Kirchberg auf,
marschirte nach dem Abkochen bis Pettendorf und sendete das
Reserve-Korps, welches an diesem Tage bereits in Korneuburg ein-
getroffen war, nach zwei Raststunden bis .1 Allersdorf am Spitz. Am
11. um 7 Uhr früh war das zweite Reserve-Korps bereits am Spitz
eingetroffen, das fünfte und sechste Korps aber marschirten an
diesem Tage über Korneuburg gegen die Residenz, wohin die
Division Vincent vorangeeilt war und zwischen Jedlersee und Jedlers-
dorf am Spitz Aufstellung genommen hatte.
Eben als das zweite Reserve-Korps am Spitz eintraf, besetzten
die Franzosen die Vorstädte Mariahilf, Laimgrube, Lerchenfeld und
Rossau; am Abend des 11. rückten die Grenadier - Bataillone unter
F.-M.-Lt. Kienraaycr nach Wien und besetzten die Leopold-
U7*
420
1*00-1 NO».
stadt, sowie die innere Stadt, welche Napoleon in der folgenden
Nacht aus Haubitzen bewerfen Hess. Gleichzeitig okkupirten die
Franzosen das Landhaus im Prater uud da Napoleon jetzt leicht
in der Lage war, die Verbindung der Residenz mit dem linken
Donau -Ufer aufzuheben, verliess Erzherzog Maximilian am
Morgen des 12. Mai mit dem grössten Theile der Besatzung Wien,
ging auf das linke Donau -Ufer und brannte hinter sich die Tabor-
brOcke ab. Der in Wien zurückgebliebene F.-M.-Lt. Graf O'Reilly
musste die Residenz dem Feinde mit Kapitulation Obergeben.
Die vom Regiment in Wien stationirte Depot -Division in der
Stärke von 11 Offizieren und 2050 Rekruten, wovon der grösste Theil
erst vier bis acht Tage diente, mithin nicht das mindeste vom
Dienst und Exerzieren kannte, war am 0. Mai auf dem Wall zwischen
dem Schotten- und Neuthor aufgestellt, besetzte die Batterie Nr. 10
und blieb die Nacht in dieser Stellung ohne vom Feinde beunruhigt
zu werden. Frflh G Uhr marschirte Fähnrich Reinert mit 4 Kor-
porals und 50 Gemeinen als Eskorte der Arrestanten des Stabsstock-
hauses nach Brünn. Gegen 7 Uhr wurde die Division in den Häusern
am Hof, Freiung und Tuchlauben bequartirt, musste aber dann
sogleich wieder auf den Wall rücken, da einzelne französische Reiter
durch das Kärntnerthor bis in die Stadt sprengten. Um 11 Uhr
mittags besetzten von der Division 6 Offiziere und G00 Mann den
Burgwall von der Limonade - Hütte bis an die Melker - Bastei und
die Batterien Nr. 7 und 8, dann 1 Offizier mit 50 Mann das ver-
rammelte Burgthor, G00 Mann unter Hauptmann Schwarz und
Oberlieutenant Kraushaar blieben als Reserve am Burgplatz, die
übrigen 600 Mann wurden in den Häusern am Michaelerplatz und
Kohlmarkt bequartirt und hier von den biederen Bewohnern mit
Speise und Trank im Ueberfluss versehen. Die Bürger - Garde hatte
den Wall von der Melker- bis zur Schotten - Bastei besetzt.
Am 11. Mai wurde Oberlieutenant Kraushaar mit 3 Offiziers
und 160 Mann in dem Vorwerk vor dem Kärntnerthor aufgestellt.
Abends Schlag 9 Uhr eröffnete der Feind ein heftiges Kanonenfeuer
aus den hinter den kaiserlichen Stallungen errichteten Batterien,
welches die ganze Nacht bis gegen 4 Uhr morgens währte und wo-
durch mehrere Häuser in Brand geschossen wurden. Um 11 Uhr
nachts unternahm der Feind einen Angriff gegen das Vorwerk, ging
aber, mit einem heftigen Bataillefeuer begrflsst, bald zurück. Die
Digitized by Google
ISO« -1S09.
421
Besatzung in diesem Werke konnte nicht viel leisten, da wie gesagt,
die Rekruten mit den Waffen gar nicht umgehen konnten, desto
besser machte aber die brave Börgergarde ihre Sache, die trotz dem
feindlichen Geschützfeuer, welches ihre Stellung mit Granaten und
Kartätschen überschüttete, nicht nur wacker Stand hielt, sondern
ein so ausgiebiges Bataillefeuer unterhielt, dass die Franzosen recht
bald umkehrten.
Am 12. morgens gegen 8 Uhr wurde das Feuer beiderseits
eingestellt und am 13. die Kapitulation abgeschlossen, worauf der
französische General Andreossi mit den Oudinot'schen Grenadiers
in Wien einrückte und die Besatzung in die Kriegsgefangenschaft
abmarschirte. Dieses Loos traf vom Regiment die Hauptleute Faber
und Nies, Oberlieuteuant Kraushaar, Wissiak, Witte, Rieder,
Fähnrich Bechinie, Braun, Grampaire, Baron Synnot und
Fischer. Die Fähnriche waren eben aus der Neustädter- und In-
genieur-Akademie ausgemustert worden. Den grössten Theil der
Mannschaft, denn nur 640 Mann geriethen in Gefangenschaft, ver-
sahen die patriotischen Bürger Wien's mit Civilkleidcrn und hielten
sie mit Gefahr ihres Lebens und Eigenthums in den Häusern
verborgen.
Die früher von Wien abgezogenen Truppen traten unter Kom-
mando des F.-M.-Lt. Hill er, der noch am 12. Mai mit dem
fünften und sechsten Armeekorps bei Stammersdorf und mit dem
zweiten Reserve - Korps bei Seyring das Lager bezog.
An dem Tage, als die Kapitulation der Residenz vollzogen
wurde, erhielt die Brigade Weissenwolf, welche durch die drei
Landwehr -Bataillone 4, 5 und 0 verstärkt worden war, um 6 Uhr
abends den Befehl, dem Feinde die Nussdorf gegenüber liegende
Insel „schwarze Lacken" wegzunehmen. Hiezu wurde das Regiment
Kerpen Nr. 49 und das Landwehr - Bataillon Obergefall Nr. 6 be-
stimmt, während das Regimeut Deutschmeister in nächster Nähe
Stellung nahm. Das Regiment Nr. 49 und die Landwehr griffen die
französischen Grenadiere, welche die Insel hartnäckig vertheidigten,
mit wahrem Heldenrauthe au ; lange währte der Kampf bis es dem
Major O'Bricn durch das Wasser watend gelang, dem Feinde in
die Flanke zu fallen, worauf er total geschlagen mit dem Verluste
vieler Offiziere und 500 Mann die Insel räumte. Nun wurde die
Insel durch das Regiment Deutschmeister besetzt, welches in der
422
1S06-1809.
Nacht die wiederholten Versuche des Feindes, sich wieder in deren
Besitz zu setzen, blutig abwies. Bei diesem Nachtkample hatte das
Regiment 2 Todte und 5 Verwundete.
Es wurde nunmehr die Bestimmung der Brigade, den Feind
in jeder Art zu hindern, sich der Insel wieder zu bemächtigen. Die
schwarze Lacken wurde verschanzt, mit Kanonen besetzt und taglich
kamen zwei Bataillons auf Vorposten; der Rest stand im Bivouak
bei Strebersdorf. Leider entging dadurch dem Regiment die ersehnte
Gelegenheit, an dem ewig denkwürdigen Siege der Hauptarmee am
21. und 22. Mai Theil zu nehmen und war dabei nur durch seine
Grenadiere vertreten.
Der Brigadier des Regiments, G. -M. Graf Wei ssenwolf,
hatte eine anderweitige Bestimmung erhalten und Oberstlieutenant
v. Klopstein übernahm ad interim das Brigade - Kommando.
Major Niedermann kommandirte in Folge dessen das Regiment,
Hauptmann Baron Erdmann und Drohn spater das erste und
zweite Bataillon.
Nach der Einnahme von Wien breitete sich die französische
Armee in der Umgegend aus. Napoleon wollte das linke Donau-
Ufer gewinnen; er entschied sich für den Uebergang unterhalb
Kaiser - Ebersdorf und besetzte die Insel Lobau. Der Generalissimus,
welcher am 17. Mai sich mit dem F.-M.-Lt. Hill er vereinigt
hatte und Höchstweicher jetzt mit der Armee zwischen dem Bisam-
berge und dem Russbache (die Grenadiere bei Seyring) lagerte, setzte
seinem Gegner keine Hindernisse entgegen; der Landstrich vom
Bisamberge bis an die ungarische Grenze heisst das Marchfeld. Hier
hatte Rudolf von Habsburg, der Stammherr unseres erlauchten
Herrscherhauses vor mehr als einem halben Jahrtausend seinem
Geschlechte die Herrschaft über diese Länder erstritten. Herzog von
Lothringen erwartete hier die Polen, um mit ihnen die Türken
zu vertreiben. Nun lagerte auf diesem Boden wieder eine öster-
reichische Armee, bereit mit einem mächtigen Feinde zu kämpfen
für des Landes Recht und Freiheit.
Die Franzosen begannen am 20. Mai auf drei Brücken den
Uebergang in die Insel Lobau, rückten dann mit mehreren Bataillons
und Eskadronen auf einer vierten Brücke über den schmalen Arm,
wurden aber von der österreichischen Reiterei in die Auen zurück-
geworfen. Da die Brücke noch am selben Abende durch Hochwasser
Digitized by Google
18ÖÄ — 1800.
423
zerstört und erst in der Nacht wieder fertig wurde, rückte die Haupt-
masse erst am Morgen des 21. auf das linke Ufer; zuerst das Korps
Massena, dann die Garde, zwei Divisionen Kürassiere und eine In-
fanterie-Division vom Korps Lannes, ungefähr 30.000 Mann.
Massena besetzte Asperu, Lannes Esslingen, zwischen diesen
Dörfern stellten sich die Kürassiere, hinter diesen die Garden und
Grenadiere. Die Franzosen waren ungewiss, wo sie die Oesterreicher
treffen würden : in der Nacht hatten sie an den langen Feuerstreifen
erkannt, dass die Armee am Bisamberge lagere. Die österreichische
Armee hatte in den letzten Tagen die Ruhe genossen, deren sie
nach so vielen Anstrengungen und in der Erwartung einer bevor-
stehenden Schlacht bedurfte. Man hatte den Uebergang bei Nuss-
dorf erwartet, als jedoch am 19. die Vorposten meldeten, dass die
Franzosen auf die Lobau übersetzten, Hess Erzherzog Karl die
Avantgarde K 1 e n a u 's eine Rekognoszirung vornehmen, bei welcher
unsere Reiter den Feind überall zurückwarfen und die Bestätigung
des Ueberganges keinem Zweifel mehr unterlag. Am 20. hatte die
Avantgarde den Befehl, sich in dem Maasse wie der Feind sich
ausbreiten würde, zurückzuziehen, denn der Erzherzog hatte die
grosse Absicht, den Feind in dem Augenblicke, wo derselbe vor-
rücken und sich zu entwickeln suchen würde, anzugreifen und in
einer grossen Entscheidungsschlacht über die ersten Donauarme
zurückzuwerfen, während zugleich durch vorbereitete Schilfe die
Brücken zerstört werden sollten.
Noch am Abende des 20. erliess der Erzherzog den Schlacht-
befehl mit den Worten: »Morgen ist Schlacht, das Schicksal der
.Monarchie hängt von ihr ab, ich werde meine Schuldigkeit thun
„und erwarte dasselbe von der Armee.'
Kaiser Franz, welcher bei der Armee eingetroffen war, über-
nachtete in Wolkersdorf. Napoleon auf der Lobau; die Truppen
blieben in ihren früheren Stellungen.
Sowie am 21. Mai, es war der erste Pfingsttag, der Morgen
graute, Hess Erzherzog Karl die Armee in's Gewehr treten und
formirte sie in zwei Treffen auf der sanften Höhe hinter Gerasdorf,
zwischen dem Bisamberge und dem Russbache. Als die Kolonnen
den Marsch antraten, sang alles mit lauter Stimme unter Begleitung
der Feldmusik das Volkslied: „Gott erhalte Franz den Kaiser!'
Um 9 Uhr des Morgens liess der Erzherzog Karl die Gewehre in
424
1H06-1H09.
Pyramiden stellen und abkochen. Auf die Meldung des Postens am
Bisamberge, dass die Brücke Ober die Donau hinter der Lobau voll-
endet sei und dass über dieselbe, sowie auf Fahrzeugen unausgesetzt
Truppen in die Insel defiliren, sowie auf die Meldung der Vorposten,
dass sich der Feind allmälig in Stadl-Enzersdorf, Esslingen und Aspern
ausbreite und gegen Hirschstätten vorrücke, erkannte Erzherzog Karl,
dass der rechte Augenblick erschienen sei, die Schlacht zu beginnen.
Rasch begab er sich nach Gerasdorf, die Bataillone ergriffen die
Gewehre, die Offiziere sprachen ihre Soldaten an. Um 12 Uhr
mittags brachen die Kolonnen auf und marschirten fest geschlossen
auf den bestimmten Wegen zur Schlacht wie zu einer Parade. Vor
Süssenbrunn stand der Kaiser. «Seid brav meine Kinder, Gott wird
euch segnen!" rief dieser hart geprüfte, allgeliebte Vater seiner
Völker mit bewegter Stimme und thränenvollem Blicke. Ein all-
gemeines begeistertes .Lebehoch* ertönte aus allen Kehlen und
diente als heiliger Schwur: Blut und Leben für Kaiser und Vater-
land unbedingt zu opfern.
103 Bataillone, 148 Schwadronen, ungefähr 75.000 Mann mit
288 Geschützen, die beste Armee, welche der Erzherzog Generalissimus
in seinem ruhmreichen Leben in's Feuer führte, rückten nun in fünf
Kolonnen vor. Wer diese Armee gesehen in ihrer Mannigfaltigkeit,
in ihrer Krall und Bewegung, in ihrem unwandelbaren Gehorsam,
dem stellte sich ein Bild des vielgestaltigen Oesterreich dar. Deutsche,
Czecheu, Kroaten, Ungarn, Rumänen waren hier vereinigt: alle von
einem Geiste geleitet und allo bereit, Tod und Verderben in die
Reihen der Feinde zu tragen. Wohl waren die Uniformen abgetragen,
theilweise sogar die Schuhe zerrissen, aber die Ehre und die Waffen
waren blank, die Fahnen wehten unbefleckt in den Lüften, der Muth
hoch, die Herzen schlugen freudig.
Die erste Koloune führte Hill er gegen Stadlau und Aspern,
die zweite und dritte unter Bellegarde und Holl en zoll ern
über Breitenlee ebenfalls gegen Aspcrn, Rosen berg die vierte
nach Esslingen, die fünfte Dedovich Über Enzersdorf an die Donau.
Den Raum zwischen der Mitte und dem linken Flügel füllte die
Kavallerie-Reserve unter Johann Lichtenstein aus; die Grenadiere,
dabei die Regiments- Division, blieben bei Gerasdorf.
Napoleon hatte noch am Morgen die Schlacht nicht erwartet,
aber er nahm sie an, obwohl die Verbindung mit dem rechten Ufer
Digitized by Google
ISOC-lftOO.
125
unterbrochen war. Er traf seine Verfügungen, um die Stellung am
linken Ufer zu behaupten. Hiller's Vortrab warf um 4 Uhr von
Stadlau die feindlichen Vorposten zurück und drängte gegen Aspern.
Die Franzosen standen vor dem Dorfe durch Gräben und Gebüsche
gedeckt. Als die Oesterreicher mit gefälltem Bajonnet anstörmten,
zogen sie sich zurück. Das Dorf bildet eine lange Gasse. Die ersten
Häuser waren rasch erobert, aber weiter innen leisteten die Franzosen
zähen Widerstand. Sie feuerten aus jedem Hause, aus den Fenstern,
Kellern und Dachlucken. Die Oesterreicher mussten jede Mauer,
jede Hecke erkämpfen. Es war ein wahrhaft mörderisches Gefecht,
das mehrere Stunden dauerte ; die Flammen stiegen aus den Häusern
auf, Bäume und Büsche verbrannten. Von der zweiten Kolonne
waren bereits mehrere Bataillone im Feuer, auch die dritte Kolonne
kam nun bei Aspern an und griff mit in den Kampf ein, während
die vierte und fünfte Kolonne gegen Esslingen und Enzersdorf
anrückten und die Schlachtlinie schlössen. Der Andrang gegen die
beiden Endpunkte der französischen Stellung war gewaltig. Napoleon
wollte nun in der Mitte durchbrechen und dadurch sowie bei Austerlitz
die Schlacht entscheiden. Er gab Bessieres und d Espagne Befehl,
mit 12 Heiter - Regimentern und 2 der Linien - Infanterie vorzurücken.
Es war diess die entscheidende Stunde des Tages. Bessieres ver-
suchte wiederholt unsere Geschütze zu nehmen, endlich rückte die
feindliche Kavallerie in voller Linie an. Las alle gegen Lichteu-
stein, d'Espague gegen Hohcnzollern, Bellegarde und
die Geschütze. Muthvoll warfen sich die Chevauxlegers- Regimenter
Nr. 5 und 11 den feindlichen Kürassieren entgegen; doch sie ver-
mögen ihrem gewaltigen Anprall nicht zu widerstehen und schon
glaubt der Feind auch die Geschütze nehmen zu können, als sie
sich noch rasch genug retten ; nun aber dringt d'Espagne auf die
in der Flanke entblösste Infanterie ein und Bessieres wendet sich
gleichfalls hierher. Ein folgenschwerer Augcublick. Erzherzog Karl
sprengt herbei und wird mit Jubel empfangen. Bataillone der Re-
gimenter Nr. 15, 21, 28, 50, 54, 57 und das zweite der böhmischen
Legion standen nun im Angesichte des Feindes ruhig, ernst und
mauerfest. Wie eine Woge des Meeres braust die Masse der gehar-
nischten Reiter über die Felder her. Kaum 100 Schritte von den
Oesterreichern hält die Masse. In voller Siegesgewissheit reiten einige
Offiziere vor und rufen: .Streckt die Waffen!' „Holt sie Euch!"
42G
hallt es von den Oesterreichern zurQck und einige Schüsse fallen.
Nim sprengen die Kürassiere an. Sie sind kaum 15 Schritte entfernt,
da erschallen die Kommandos Feuer. Salven auf Salven kuattern.
jedes Bataillon scheint ein Vulkan, der Feuer speit. Ganze Reihen
französischer Heiter stürzen, der Boden ist mit Helmen, Kürassen,
Menschen und Pferden bedeckt; die noch lebenden wenden zur
Flucht und nun stürmen die Bataillone mit gefällten Bajonneten;
auch sind die beiden Chevauxlegers - Regimenter wieder bei der Hand,
ebenso Johann Fürst Lichteusteiu, der echte Ritter ohne Furcht
und Tadel und werfen den Feind in das Alignement Aspern-Esslingen.
Dieser glückliche Erfolg in der Mitte setzte Hiller in den
Stand, den Angriff auf Aspern zu erneuern. Das Dorf wurde mit
einem Hagel von Kugeln überschüttet und mit Granaten gezündet.
Wieder fand ein grauenhaftes Gemetzol statt. In zwei Stunden
wurde das Dorf dreimal genommen und dreimal verloren. Bataillone
der Regimenter Nr. 11 und 47 rückten wieder zum Sturm herbei,
General Vaquant geht mit der Fahne voran und wieder wird das Dorf,
die Kirche und der Friedhof genommen ; 12.000 Franzosen müssen
hinaus, aber Massena fuhrt zwei frische Regimenter heran, die sich
in den letzten Häusern halten. Erst in der Nacht 9 Uhr hört der
Kampf auf. Auch auf diesem Punkte sind die Franzosen geschlagen.
Nur aus Esslingen waren die Feinde nicht zu vertreiben. Die
Truppen der vierten und fünften Kolonne, welche Rosenberg von
Wagram her zum Kampfe führte, erstiegen den kleinen Damm vor
dem Dorfe, aber die Häuser des Dorfes, besonders der Schüttkasten
waren in Festungen verwandelt. Auf Befehl des Erzherzogs gingen
Bataillone der Regimenter Nr. 2, 33, 44, 46 noch um 7 Uhr zum
Sturme vor, aber Marschall Lannes vertheidigt diesen Stützpunkt
der französischen Armee mit der grössten Hartnäckigkeit
Nach 8 Uhr liess Napoleon nochmals durch Bessieres
mit 3000 Reiter die Mitte angreifen, aber der Angriff scheiterte
wie mittags. Ein Huszaren- und ein Dragoner - Regiment nahm sie
in die Flanke und schlug sie völlig zurück.
Die Armee blieb über Nacht mit dem Gewehr im Arm auf
dem Boden, den sie blutig erkämpft hatte. Die Franzosen erhielten
Verstärkungen, die sie auf 100.000 Mann brachten; Erzherzog K a r 1
Hess die Grenadiere, welche während der Schlacht um 5 Uhr nach-
mittags nach Breitenlee marschirt waren, näher heranrücken, sonst
Digitized by Google
1806-1809.
427
wurde an der Disposition nichts geändert. Das Flintenfeuer währte
die ganze Nacht, alles stand unter den Waffen und schon gegen
2 Uhr morgens nahm das Feuer an Lebhaftigkeit zu und verbreitete
sich später Ober die ganze Schlachtlinie.
Mit Tagesanbruch am 22. Mai begann der Kampf heftiger als
Tags vorher. Die französische Garde - Infanterie rückte gegen Aspern
vor, der dichte Nebel verdeckte ihren Anmarsch; sie stürmte rasch
das Dorf und V a q u a n t wurde bis an den Kirchhof zurückgedrängt.
Das Regiment Nr. 14 hielt sich eine Stunde mitten unter Trümmern,
Leichen und Flammen, bis es auch von der Garde verdrängt wurde.
Gegen 10 Uhr rückte das Regiment Nr. 31 im Sturmschritt herbei,
eroberte im ersten Anlauf die Kirche und den Friedhof, dessen
Mauern sogleich niedergerissen wurden, stürmte dann mit wahrem
Heldenmuthe in das Dorf und warf die Franzosen trotz ihrem ver-
zweifelten Widerstand hinaus; alle ihre ferneren Anstrengungen,
Aspern wieder zu gewinnen, scheiterten an der Tapferkeit und Aus-
dauer dieses artberühmten Regiments.
Auch an diesem Tage suchte Napoleon die Entscheidung in
der Mitte zu erreichen, aber diesmal verwendete er Infanterie und
Geschütz. 400 Kanonen eröffneten ein Feuer, wie es die ältesten
Soldaten nie erlebt haben, dann rückten fünf Divisionen in ge-
schlossenen Massen gegen unsere zweite und dritte Kolonne. Lichten-
stein ging mit der Kavallerie entgegen und hieb tapfer ein.
Napoleon Hess unsere Infanterie heftig beschiessen, aber die
Bataillone der Regimenter Nr. 18, 21, 50 und 57 standen wie die
Mauern und schlugen den Angriff ab. Das Regiment Nr. 15 begann
zu wanken, da führte Erzherzog Karl selbst ein Bataillon herbei,
das Regiment Nr. 28 marschirt in drei Massen auf und weist einen
Sturm von vier französischen Reiter - Regimentern zurück. Der Erz-
herzog ergreift die Fahne des Regiments Zach Nr. 15 und führt
ein Bataillon im Kampf so nahe, dass ihn die französischen Offiziere
erkennen. Die Infanterie rückt vor, Smola führt seine Batterien
auf und schmettert Tod und Verderben in die Feinde und so tapfer
die Franzosen fochten, sie mussten zurück und nahmen wieder die
Stellung zwischen den Dörfern ein. Der Sieg war in der Mitte ent-
schieden auf Seite der Oesterreicher.
Es war zwischen 8 und 9 Uhr morgens. Napoleon gab den
Tag bereits für verloren. Die Brücken waren wieder zerstört und so
428
1K06 — 180J>.
befahl er, Aspern so lange als möglich, Esslingen aber um jeden
Preis zu halten, denn nur durch den Besitz dieses Dorfes war der
Rückzug der Franzosen möglich. Wie schon gesagt, wurde Aspern
um 10 Uhr genommen und behauptet: Rosenberg hatte Ess-
lingen schon seit frühem Morgen gestürmt, konnte aber nicht
eindringen.
Alles hing nun davon ab, dem Gegner Esslingen zu entreissen;
allein Napoleon hatte dort eine sehr achtunggebietende Defensiv-
Stellung. Die Notwendigkeit, den letzten feindlichen Stützpunkt zu
nehmen, bewog endlich den Generalissimus, gegen 11 Uhr vor-
mittags den F.-M.-Lt. Fürst Rosenberg zu befehligen, »Esslingen
abermals anzugreifen." Um diese letzte Kraftanstrengung folgenreicher
zu machen, wies man dem Fürsten noch die vier Grenadier - Ba-
taillone Kirch enbetter, Scovaud, Scharlach und Georgi zu. Diese
erprobten Bataillone sollten die nordwestliche Dorfseite, F.-M.-Lt.
Dedovich aber den Schüttkasten angreifen. Im ersten Anlaufe
gewannen die Grenadiere deu grossen Garten an der Nordseite von
Esslingen. Das Grenadier- Bataillon Scovaud war dem Bataillon
Scharlach als Unterstützung gefolgt. Links des Friedhofes waren
mehrere feindliche Garde -Bataillone und eine Batterie aufgestellt,
welche ein verheerendes Feuer gegen das anrückende Bataillon
Scharlach unterhielten. Dieses wich gegen Enzersdorf aus und Oberst-
lieutenant Scovaud, als Unterstützung, hätte dieser Bewegung
folgen sollen; er erkannte aber nur zu gut, dass durch diese
Bewegung der eigentliche Zweck, das Centrum des Feindes zu werfen
und ihn für deu Rückzug über die Brücke besorgt zu machen, ver-
loren ging und grill', nachdem er das auf 40 Mann geschmolzene
Bataillon Kirchenbetter an sich gezogen hatte, mit seinem Bataillon
aus freiem Antriebe ganz allein das hartnäckig vertheidigte Esslingen
mit dem Bajonnet an, bemächtigte sich auch des Friedhofes und
zwang die links aufgestellten Garden zum Weichen, obgleich er in
beiden Flanken beschossen wurde. Mangel an Munition und der
unglückliche Irrthum, dass das Bataillon, welches sich ohne Unter-
stützung zu weit vorgewagt, von den österreichischen Batterien für
Feinde gehalten und angeschossen wurde, nöthigten dasselbe den
blutig errungenen Vortheil aufzugeben.
F.-M.-Lt. Dedovich fand, an dem Fusse des Schüttkastens
angekommen, unüberwindlichen Widerstand. Die Grenadiere verfolgten
Digitized by Google
1886-1809.
429
ihren Angriff gegen die zur Vertheidignng krenelirte Gartenmauer,
konnten aber ungeachtet aller Anstrengungen hier nicht durchdringen.
Ffinfmal wurde der Anlauf wiederholt; mit der äussersten Bravour
drangen die Grenadier -Bataillone, voran ihre braven Offiziere, bis
an die Maueru; wtlthend stiesseu sie ihre Bajonnette in die Schiess-
scharten; allein immer neue Verstärkungen des Gegners vereitelten
den Erfolg, und so sah sich endlich Fürst Rosenberg veranlasst,
alle weiteren Versuche aufzugeben.
Die Grenadiere erbittert ob des feindlichen Widerstandes trugen
sich nun freiwillig zum neuen Angriffe an; allein der Generalissimus
dem das Blut seiner braven Soldaten viel zu kostbar dünkte, verbot
jeden weitern Angriff auf Esslingen und bereitete einen entscheiden-
den Schlag gegen die feindliche Mitte vor. Die Batterien rflckten
in breiten Fronten vor; hinter ihnen die Bataillonsmassen und Reiter-
geschwader. Es war der Vormarsch eines siegreichen Heeres, welcher
jedoch den allmälig ersterbenden Riesenkampf nur noch schwach
aufflackern liess, denn Napoleon, längst schon zum Rückzüge
entschlossen, befahl dessen Ausführung. Mit hereinbrechendem Abend
hatte sich der Kampf in ein mattes Wänklerfeuer aufgelöst.
Die Franzosen zogen sich in die Lobau zurück; die Schlacht
war beendet, welche am 22. Mai 15 Stunden gedauert hatte und
vielleicht die furchtbarste seit dem Beginne des Revolutionskrieges
war. Die Geschichte Oesterreichs hat dieselbe in ihre schönsten
Blätter genommen und im Laufe dieser Schlacht hatten sich auch
die Grenadiere von Deutschmeister eines dor schönsten Blätter ge-
schrieben. Alle sechs Offiziere der mit 200 Mann in den Kampf
gerückten Grenadier- Division , nämlich Hauptmann Baron Erd-
mann, Stahl v. Holstein, Oberlieutenant Droste v. Senden,
Baumann, Lieutenant Graf S o u r v i 1 1 e und Baron B e c h i n i e nebst
62 Mann vom Feldwebel abwärts waren verwundet, 16 Grenadiere
todt und in der letzten Stunde der Schlacht kommandirte Korporal
Ferdinand Fischer die Reste der tapferen Division, welcher auch
zur Belohnung zum Fähnrich avancirte.
Die Oesterreicher hatten in diesen zwei Tagen 23.000 Mann,
darunter 87 Offiziere, 4286 Mann todt, verloren ; von den Franzosen
wurden 7000 Mann auf dem Schlachtfelde begraben, 5000 Ver-
wundete lagen in den Verbandhäusern, 29.773 Verwundete wurden
in Wien untergebracht, 1 Marschall und 4 Generale waren gefallen.
430
1H4MJ 1H00.
Die österreichische Armee nahm in der Nacht die Stellung
zwischen Aspern nnd Esslingen ein.
Am 23. Mai kam Kaiser Franz zur Armee. Sie war in
Schlachtordnung aufgestellt, als der geliebte Monarch vor ihr erschien
und Angesichts aller der Tapferen seinen Bruder Erzherzog Karl
und dann den Fürsten Johann Li cht enstein umarmte. Hierauf
eilt er unter enthusiastischem Jubel der Soldaten die Front hinab und
sprach noch jedem Chef und Fahrer insbesonders seinen Dank aus.
Am folgenden Tage erhielten die Truppen den nachstehenden
Tagsbefehl: ,Die Tage vom 21. und 22. Mai werden ewig denk-
würdig bleiben in der Geschichte der Welt. Die Armee hat Be-
weise von Patriotismus, von Heldengeist, von Verachtung der Ge-
fahren gegeben, welche die Nachwelt bewundern und unseren
„ Enkeln als Beispiele seltener Grossthaten darstellen wird. Sie hat
„dem Feinde, der unlängst erst mit ihrer Vernichtung prahlte, ihr
, Dasein blutig bewiesen. Sie hat meine grossen Erwartungen über-
großen und ich fühle mich stolz, ihr Anführer zu sein. Ihr seid
„auf dem Schlachtfelde die ersten Soldaten der Welt!
.Seid und bleibt es im Geiste der Disziplin, der Ordnungsliebe, der
.Ehrfurcht für das Eigenthum der Bürger! Dann seid ihr nicht
.allein die erste, dann seid ihr auch die einzige Armee und
.das dankbare Vaterland wird euere Thaten segnen. Unser an-
gebeteter Monarch vertraut und dankt euch mit väterlichem Gefühl
.die Sicherheit seines Thrones und die Wohlfahrt euerer Angehörigen.
„Ich erwarte ehestens die umständliche Relation. Das Vater-
,land und der Monarch wollen die Stützen ihrer Unabhängigkeit,
„ihres Ruhmes und ihrer Grösse kennen; ihre Namen sollen in den
„Annalen Oesterreichs glänzen. Bis dahin kann ich nur jene nennen
.und belohnen, deren ausgezeichnetes Verdienst entweder von der
„ganzen Armee anerkannt ist, oder die der Zufall meiner persönlichen
.Ueberzeugung näher brachte.
.Erzherzog Karl m. p., Generalissimus.«
Oberstlieutenant Franz Scovaud de Bastite, der tapfere
Kommandant der Grenadiere, erhielt das Ritterkreuz des Militär-
Maria Theresien - Ordens.
In der Stellung vor Aspern blieb die Armee bis zum 25. Mai,
au welchem Tage dieselbe eine Aufstellung von der .schwanen Lacke*
Digitized by Google
UM* 1*00.
431
Wagram, Baumersdorf bis Markgraf-Neusiedel nahm ; das Grenadier-
Korps aber Aber Aderklaa in ein Lager bei Helmahof marschirte.
Hier wurde den Truppen nachstehendes Allerhöchstes Handschreiben
Sr. Majestät des Kaisers dto. Wolkersdorf 24. Mai 1809 publizirt:
.Lieber Herr Bruder Erzherzog Karl! Ich habe Ihnen zwar
«gestern den lebhaftesten Dank für den erfochtenen glorreichen Sieg
.mündlich gezollet, aber dieses genügt Meinem Herzen nicht. Ich
.wül es Ihnen hiemit und in jeder Gelegenheit wiederholen, weil
.Ich, den die göttliche Vorsicht zum Beherrscher einer grossen
„Monarchie gemacht hat, Mich ausser Stand finde, Sie lieber Herr
.Bruder! Ihre nächsten Waffengefährten und Meine tapfere Armee
.nach Verdienst zu belohnen. Ihnen war es vorbehalten, das fünf-
zehnjährige Waffenglück des stolzen Gegners zuerst zu unterbrechen.
.Sie, der Meinem Herzen theuere Bruder, Sie, die erste Stütze
.Meines Thrones, Sie sind der Retter des Vaterlandes das Ihnen,
.so wie der Monarch ewig danken und Sie segnen wird.
.Mit inniger Rührung sah Ich gestern den hohen Muth, die
.Begeisterung der Truppen und ihren männlichen Entschluss, die
.Unabhängigkeit der Monarchie zu erkämpfen. Es war der schönste
.Augenblick Meines Lebens, ein seltenes, gemüth erhebendes Schau-
, spiel, das in Meinem Herzen unvergänglich bleiben wird. Ich
.ersuche Sie lieber Herr Bruder! dieses Meiner braven Armee zu
.sagen und für die Erhaltung dieses seltenen Geistes alles aufzubieten."
Zum ersten Male war Napoleon aus einer offenen Feld-
schlacht gewichen, der Zauber seines Namens und seiner Unbesieg-
barkeit dahin. Die Soldaten, welche aus Esslingen abzogen, konnten
es gar nicht begreifen. Durch ganz Europa brachte die Botschaft
einen gewaltigen Eindruck hervor. In Oesterreich, in Deutschland
richteten sich alle Herzen wieder auf. Seit Zenta und Kolin war
kein solcher Sieg erfochten. Mit Recht sagte der Bericht des Erz-
herzogs Karl an den Kaiser: »dass es bei dem allgemeinen Wett-
streite der höchsten militärischen Tugenden kaum möglich gewesen
.sei, die Tapfersten zu sondern und erkläre alle Soldaten von
„Aspern der öffentlichen Dankbarkeit würdig." Der Tag von Aspern
hat der Welt bewiesen, dass der Oesterreicher sein Vaterland bis zum
Tode liebe, dass dieses Reich fest gekittet sei in allen seinen Theilen.
Die Franzosen verzeichnen in ihren Büchern keine Schlacht
von Aspern, sondern nur eine von Esslingen ; und wie hoch nun die
432
IM6-1M».
Armee bei Napoleon im Ansehen stand, beweist seine Antwort an
Jene, welche sich wunderten, dass er Oesterreich nicht zerstückelt
habe: „Ihr urtheilt wio die Blinden von der Farbe; Ihr habt die
„Oosterreicher bei Aspern nicht gesehen, folglich habt Ihr gar
„nichts gesehen."
Beim Regiment wurde mit Armee- Befehl ddto. Markgraf-
Neusiedel, vom 27. Mai 1800 der Oberstlieutenant Josef v. Klop-
stein zum Oberst -Regiments -Kommandanten , Major Johann
•Niedermann zum Oberstlieutenant, der Grenadier- Hauptmann
Stefan Baron Eid mann zum ersten und Hauptmann Franz Drohn
von Nr. 50 zum zweiten Major befördert.
Zwei Tage vor der Sohlacht bei Aspern erschien ein hof-
kriegsrathliches Reskript, welches die Statuten der Ehren-Denkmünze
verbesserte, die hinfort „Tapferkeit« -Medaillen' genannt wurden.
Die beiden Armeen standen sich nun ruhig mehrere Wochen
lang gegenüber. Erzherzog Karl zog die Landwehren aus Böhmen
und Mähren, dann das Korps Kollowrat an sich. Das Regiment
erhielt mit Nr. 40 und dem fünften Wiener Freiwilligen - Bataillon
Salis die Einteilung in die Brigade G.-M. Mayer, Division
F.-M.-Lt. Graf Weissenwolf, im fünften Armee-Korps F.-M.-Lt.
Fürst Reu ss.
Erzherzog Karl hatte die Armee auf 122.000 Mann mit
15.000 Reitern und 452 Geschützen gebracht; das Hauptquartier
war in Wagram ; das fünfte Korps lagerte am Fusse des Bisam-
berges bei Strebersdorf, die Grenadiere vor Seyring, die Offiziere
und Soldaten hatten sich Erdgruben ausgeworfen und diese mit
Rasen und Laubzweigen überdacht. Auch Napoleon hatte in den
sechs Wochen frische Tnippen und Geschütze herbeigezogen. In
den ersten Julitagen hatte er 180.000 Mann mit 600 Geschützen
zur Verfügung. Die Lobau war durch Brückenköpfe und Verschanzungen
in eine Festung verwandelt.
Seit dem 30. Juni war alles zu einem Angriffe bereit. An
diesem Tage Hess Napoleon an derselben Stelle wie im Mai
einige Tnippen überschiffen. Es kam zu einer Kanonade; Erzherzog
Karl Hess die Tnippen vorrücken, worauf die Franzosen wieder
zurückgingen; ebenso bezog der Erzherzog die früheren Stellungen.
Korps Hohenzollern, Bellegarde und Rosenberg lagerten hinter dem
Kussbach. Die Grenadiere und Reiter bei Gerasdorf, Kollowrat
Digitized by Google
ISO«- 1S09.
133
und Heu ss am Felde des Bisamberges und nur das sechste Korps
unter Kien au war bis an die Donau vorgeschoben. Am 4. Juli
erging der Befehl an den Erzherzog Johann, sogleich nach dem
Schlachtfelde aufzubrechen.
Am 1. Juli erhielt die Brigade Mayer den Befehl, über
Lang -Enzersdorf nach Stadl- Enzersdorf zu marschiren, woselbst sie
mit der Brigade Kiese und dem Regiment Hessen-Homburg-Huszaren
als Reserve aufgestellt wurde. Am 4. eröffneten die französischen
Batterien ihr Feuer und bald stand Enzersdorf in hellen Flammen;
die Brigade Mayer formirte Massen und blieb die ganze Nacht in
ihrer Stellung im Bereiche des feindlichen Geschützes.
In der Nacht vom 4. auf den 5. Juli Hess Napoleon bei
einem furchtbaren Unwetter fünf Brücken über den Donauarra bei
Enzersdorf und Mühlleiten schlagen und ging auf das linke Ufer.
Nun entspann sich sogleich ein Gefecht mit der Vorhut; da aber
der Erzherzog den Kampf in der Stelluug hinter dem Russbache
aufnehmen wollte, wurde die Vorhut, das Korps Klenau und auch die
Brigaden Mayer und Riese zurückberufen. Da das ganze 5. Korps an
der Schlacht nicht theilnahm, so war die Armee um 30.000 Mann
und 42 Geschützen schwächer, als früher angegeben.
Napoleon Hess seine Korps bis mittags von der Donau bis
Markgraf-Neusiedel fächerförmig aufmarschiron und um 1 Uhr rückten
die Massen in die Ebene des Marchfeldes. Auf der ganzen Linie
unterhielten beide Theile ein so furchtbares Kauonenfeuer, dass vor
Rauch anfangs nichts zu sehen war. Erst gegen Abend zwischen
6 und 7 Uhr brach die Schlacht los.
Die beiden Brigaden wurden auf ihrem Marsche an den Russ-
bach wiederholt von der feindlichen Kavallerie angegriffen und als
diese nichts auszurichten vermochte, mit Granaten beworfen, wodurch
sie empfindliche Verluste erlitten. Nichtsdestoweniger wurde der
feindlichen Uebermacht das Vorrücken auf das Aeusserste erschwert
und erst um 8 Uhr abends war die Brigade Mayer am Russbach
angelangt, woselbst sie auf dem äussersten linken Flügel als Reserve
für die Avantgarde des F.-M.-Lt. Nordmann, sowie für das
sechste Korps aufgestellt wurde.
Mittlerweile hatten die Frauzosen den Angriff auf Wagram
und Gaunersdorf begonnen, welches sie mit 40 Kanonen beschossen,
aber Hardegg behauptete letzteres mit beispielloser Entschlossen-
2«
|;J4 180« -180».
lieit. Am linken Flügel trieb Rosenberg die feindlichen Reiter
zurück. Die Sonne war schon im Untergehen, als zwei feindliche
Kolonnen rechts und links von Gaunersdorf über den Russbach
gingen und die Hohen erstiegen. Die Kolonne rechts wurde zurück-
geworfen und weit verfolgt, aber jene links brachte mehrere Regi-
menter in Unordnung; da rückte das Regiment Erbach Nr. 42 aus
dem zweiten Treffen vor und warf den Feind mit dem Bajonnet
zurück. (Dieses tapfere Regiment erhielt in Folge dieser That die
Auszeichnung, bei jeder Gelegenheit den Grenadier - Marsch zu
schlagen.) Der feindliche Angriff war hiemit auch hier abgeschlagen
und die Franzosen konnten sich erst bei ihrer Garde wieder sammeln.
Der Erzherzog Karl wurde bei dieser Gelegenheit verwundet, blieb
aber bei dem Sturme bis die Franzosen über den Russbach ge-
worfen waren. Auch Wagram wurde bis in die Nacht tapfer ver-
theidigt und behauptet.
Es war spät in der Nacht als der Kanonendonner und das
Kleingewehrfeuer verstummte. Die Armee behielt die Stellung von
Markgraf- Neusiedel bis Wagram; die Truppen ruhten mit den
Waffen in der Hand, ihnen gegenüber lagerten die Franzosen von
Hirschstetten bis Glinzendorf. Zahlreiche Bivouakfeuer bezeichneten
die Richtung von Freund und Feind.
Erzherzog Karl Hess noch in der Nacht die Armeekorps ihre
Bewegungen beginnen. Rosenberg kam schon um 4 Uhr morgens
vor Neusiedl mit dem rechten Flügel des Feindes in s Feuer, zog
sich aber auf Befehl des Erzherzogs nach Neusiedl zurück, welches
er gegen die heftigsten Stürme D.avoust's behauptete. Die Kolonnen
K 1 e n a u und K o 1 1 o w r a t kommen am lichten Tag über Breitenlee
und Hirschstetten an den Feind. Ihr Angriff war so entscheidend,
dass die feindliche Division Bondet bis hinter Aspern und Esslingen
zurückweichen musste, welche Kien au besetzte, während sich
Kol low rat links anschloss. Bellegarde rückte von Wagram
bis Aderklaa vor; dieses griffen aber die Franzosen so ungestüm
an, dass einige Bataillone in Unordnung geriethen, welche aber der
Erzherzog - Generalissimus wieder gegen den Feind führte und durch
die Greuadiere unterstützt, Aderklaa wieder erstürmte und die Fran-
zosen und Sachsen so auseinander sprengte, dass Napoleon und
M a s s e n a Mühe hatten, sie wieder zu sammeln ; sie liessen über
3000 Todte und Verwundete zurück. Das Grenadier - Bataillon
Digitized by Google
1HW1- ]SW>.
435
Scovaud, welches sich beim Sturm auf Aderklaa durch seine Bravour
sehr ausgezeichnet hatte, hielt nun diesen Ort bis zum anbefohlenen
Rückzüge besetzt. In derselben Stunde unternahm Bessieres mit
12 französischen Reiter - Regimentern einen Angriff auf das Korps
Kollowrat, aber die Bataillone standen wie eine Mauer, schlugen
den Angriff glänzend ab und warfen die Reiter und die nachfolgende
Infanterie zurück. Besseres selbst wurde verwundet
Gegen 10 Uhr vormittags waren die Oesterreicher auf allen
Punkten im Vortheil. Am rechten Flügel war die Schlacht gewonnen,
der Feind bis an die Lobaubrücke zurückgedrängt, welche die öster-
reichischen Kanonen beschossen. Nicht so gut ging es am linken
Flügel, wo wie bekannt das Regiment in seiner Brigade-Eintheilung
stand ; hier unternahm der Feind eine Ueberflügelung und als
Napoleon sah, dass seine Truppen über Neusiedl hinausgekommen
waren, erneuerte er seinen Angriff gegen die Mitte. »Tout rartillerie
de la garde, en avant!" rief er auf seine Umgebung und nun fuhren
100 Kanonen im Galopp auf, welche mit einem Hagel Granaten
und Kartätschen die österreichischen Bataillone überschütteten. Diese
Tapferen stürmten wiederholt gegen die Batterien, aber der Kugel-
regen streckte ganze Reihen nieder. Nun griff Macdonald mit
zwei Divisionen an, aber die Oesterreicher erwarteten sie bis auf
hundert Schritte und eröffneten dann ein heftiges Bataillefeuer.
Der Erzherzog kam herbeigesprengt und ermunterte die Soldaten.
Napoleon Hess auch die Kürassiere der Garde, Eugen's Divisionen
und die Bayern vorrücken; aber alle konnten nichts ausrichten, die
Oesterreicher wichen keinen Schritt.
Es war Mittag und die Oesterreicher in der Mitte und am
rechten Flügel entschieden Sieger. Aber am linken Flügel stand es
schlecht. Mit Sehnsucht erwartete der Generalissimus das Korps
des Erzherzogs Johann: einige Bataillone von- Marchegg her
mussten den Sieg entscheiden. Immer mehr überflügelte der Feind
die österreichische Linke; fünf Bataillone und ein Regiment Ka-
vallerie, welches Fürst Johann Lichtenstein zur Verstärkung
schickte, konnte sie vor Ueberflügelung nicht mehr sichern.
Gegen 10 Uhr vermehrte der Feind sein Artilleriefener und
demontirte den grössten Theil der vor Nensiedl aufgestellten Kanonen.
Das Erlöschen des österreichischen Artilleriefeuers vor Neusiedl
gewährte dem Feinde den Vortheil, zu seinem vorgehabten Angriffe
28*
43G
1S0U- 1M)9.
unbeirrt schreiten zu können. Er formirte sich in der linken Flanke
in zwei Treffen, eine andere Kolonne, den Ort Russbach zur linken
lassend, im dritten Treffen, das leichte Geschütz war vor der Front,
die schweren Batterien hinter dem zweiten Treffen aufgeführt.
F. -M. -Lt. Nostitz konnte diesem wtlthendeu Artilleriefeuer nur
den Rest zweier, zum Theil demontirter Batterien entgegenstellen,
er liess die Brigade Mayer, dann die bis jetzt rfickwärts in Reserve
gestandene Brigade Riese mit einer Batterie eine Flanke bilden,
vor welcher er alle disponiblen Geschütze aufführte. Der Feind
drang, dichte Plänklersehwärmo voraus, gegen Neusiedl vor; da3
gut unterhaltene Feuer, sowie die wackere Verteidigung schlug
mehrere Stürme ab, bis endlich die Ermattung, die Flammenhitze
des brennenden Dorfes, sowie die feindliche Uebermacht den Ver-
lust der rechts von dem Dorfe gelegenen Mühle bewirkten, wonach
auch ein Theil des vor Neusiedl besetzten Grabens dem Feinde
überlassen werden musste. Hierauf wurde das Gefecht vor dem Orte
allgemein, nachdem aber keine Truppen zur Unterstützung disponibel
waren, so mussten die Brigaden zum Rückzüge auf die Höhen
beordert werden.
Unterdessen näherten sich die in einem Winkel ganz nach
der Form der österreichischen Stellung formirten feindlichen Linien
unter dem Schutze eines verheerenden Artilloriefeuers. Die vor Neu-
siedl sich formirenden feindlichen Plänklcr unternahmen mehrere
Angriffe, winden jedoch immer abgewiesen, bis endlich ans den von
Ober-Siebenbrunn auf die linke Flanke vorgerückten feindlichen
Kolonneu, — sechs Massen in drei Linien — zum Angriffe aus dem
ersten Treffen vorrückten, während das zweite die entstandenen
Lücken ausfüllte. F.-M.-Lt. Nostiz befahl den Erzherzog Fer-
dinand - Huszaren diese Massen zu attaquiren, wodurch ein kleiner
Aufschub gewonnen wurde.
Auch später, als die Massen den Angriff erneuernd, durch das
Feuer der Brigade M a y e r zurückgewiesen wurden, versuchten zwei
Huszaren - Regimenter einen jedoch erfolglosen Angriff. Hierauf stiess
die erste feindliche Linie auf die Brigade Mayer, wurde jedoch
von dem in erster Linie kämpfenden Regiment Deutschmeister
zurückgeschlagen ; sogleich stürmte die zweite Linie der Massen vor,
aber auch dieser Angriff scheiterte an der Standhaftigkeit der tapferen
Brigade. Erst die dritte Linie brachte sie zum Weichen. Die im
Digitized by Google
lMlfi — 1H00.
437
zweiten Treffen stehenden schwachen Abteilungen der Regimenter
Nr. 44, 46 und 58 brachen nun mit grosser Bravour vor, um dem
ersten Treffen Zeit zur Raillirung zu geben, wurden aber durch die
immer sich mehrenden Feinde ebenfalls zum Rückzüge gezwungen.
Die Reste der Regimenter Nr. 3, 33 und 59 hatten gegen den
Thurm eine Flanke formirt und leisteten, was brave Soldaten ver-
mochten. Rosenberg hoffte daraufhin, diesen wichtigen Punkt dem
Feinde wieder zu entreissen, als ein kreuzendes Kartatschenfeuer,
welches die Angreifenden niederschmetterte, diesen letzten Versuch
vereitelte. Nun konnte man nicht länger auf die Ankunft des Erz-
herzogs Johann warten; dieser war um 12 bis 1 Uhr mittags von
Marchegg aufgebrochen, kam um 4 Uhr in die Gegend von Ober-
Siebenbrunn und da er die Meldung erhielt, dass bereits alles vor-
ober und nichts mehr zu machen sei, sendete er seine Kavallerie
auf Streifung, welche sogar das französische Hauptquartier momentan
in heillose Verwirrung brachte, machte einige Gefangene und kehrte
dann nach Pressburg zurück.
Der Erzherzog - Generalissimus gab um 1 Uhrdes Nachmittags
dem vierten Korps den Befehl zum Rückzüge. Somit verliess dasselbe
die durch das feindliche Geschütz enfilirte Stellung am Russbach
und trat den Rückzug gegen Bocklliess an. Als gegen Abend das
Korps das Defilße bei diesem Orte passirte, langte der Befehl an,
dass getrachtet werden solle noch an diesem Abende Hohenleithcn
zu erreichen. Der Rückzug wurde nun dorthin gerichtet, um jedoch
die Eingänge des Thaies von Schweinbarth, durch welches der Feind
Gaunersdorf früher hätte erreichen können, zu decken, wurden die
Reste der Regimenter Deutschmeister, Nr. 44, 40, 49, 58, ein Jäger-
Bataillon, das erste Znaimer Bataillon und drei Huszareu-Regimenter
unter dem Kommando des F.-M.-Lt. Radetzky dahin beordert.
Dort angelangt, bezogen sie auf den Höhen von Schweinbarth und
hinter diesem Orte eine Aufstellung, welche den Thaleingang deckte
und die sie die Nacht hindurch behaupteten.
Beinahe gleichzeitig mit dem vierten Korps hatten auch die
übrigen Armeetheile den Rückzug angetreten; Hohenzollern gegeu
Wolkersdorf, Bellegarde auf die böhmische Strasse, die Grenadiere,
die Korps Kollowrat und Klenau schlössen sich an. Gegen 6 Uhr
abends war die ganze österreichische Armee hinter der Strasse nach
Mähren, die Franzosen aber so erschöpft, dass sie nicht folgten
488
1H0« 1H09.
und datier Napoleon Aber liichiung und Ziel der Bewegung im
Unklaren blieb.
Die Franzosen hatten am 5. und C. Juli 14.000 Todte und
Verwundete, unter ihnen viele Generale. Die Oesterreicher zählten
20.000 Todte und Verwundete, 8000 waren gefangen. Das Kegiment
hatte 45 Todte, darunter den Oberlieutenant Baron Stockhausen,
Lieutenant Tichy und Fähnrich Schack, dann 089 Mann vom
Feldwebel abwärts an Verwundeten und Gefangenen, wovon jedoch
die letzteren auch grösstenteils verwundet waren. Diese hatten
meistens ihre Wunden durch Kanonen- oder Kartätschenkugeln
erhalten und wurden in die Scheunen und Häuser von Markgraf-
Neusiedl gebracht. Als dieser Ort in Flammen aufging, verbrannten
beinahe alle diese Unglücklichen, denn nur ein sehr geringer Theil
rückte nach dem Friedensschlüsse ein. .Das Geschrei dieser Opfer6,
schrieb ein Augenzeuge der Schlacht, „in dem brennenden Orte,
übertönte den Donner der Kanonen und machte das Herz erstarren."
Am folgenden Tage früh am Morgen setzte das Korps seinen
Marsch über Gaunersdorf nach Mistelbach fort. Der Feind griff um
6 Uhr morgens die bei Schweinebarth und in der dortigen Gegend
aufgestellte Vorkette an, während eine andere starke Kavallerie-
Kolonne gegen Gaunersdorf vorrückte. Die Versuche des Feindes,
diesen Ort zu nehmen, wurden immer abgewiesen und derselbe erst
dann verlassen, als sämmtliche Infanterie und das ganze Fuhrwerk
einen beträchtlichen Vorsprung erreicht hatten. Gegen Mittag besetzte
der Feind Gaunersdorf; seine ferueren Versuche, sich der Höhe zu
bemächtigen, blieben ohne Erfolg. Am Abende rückte die Arriere-
garde bei Mistelbach ein; bei diesem Orte fand am 8. Juli ein
Arrieregardegefecht statt.
Das Korps setzte seinen Rückzug in zwei Kolonnen fort, die eine
über Siebenhirten nach Hierersdorf, die andere über Markt Aspern
nach Altmans, wo beide Stellungen bezogen ; da aber die Arrieregarde
durch des Feindes Bewegungen zum Rückzüge von Mistelbach
genöthigt wurde, so trat das Korps um 4 Uhr nachmittags seinen
weiteren Rückmarsch gegen Laa an. Mit anbrechendem Morgen des
9. Juli hatte der Feind die Arrieregarde angegriffen und über Hierers-
dorf zurückgedrängt. Während diesem Gefechte langte die Tete des
Korps bei Düruholz an und setzte ihren Marsch bis Weissstätten
fort, wo gerastet und abgekocht wurde.
Digitized by Google
1806-1809. 4:J9
Um die Chausseen nach Brünn und Olmütz bei Zeiten zu
gewinnen, brach das Korps gegen Abend in zwei Kolonnen von
Weissstätten wieder auf. Die erste unter F. -M. -Lt. Radetzky,
dabei das Regiment, rückte gegen Maria -Hilf, wo sie sich auf der
Höhe zwischen diesem Orte und Weissstätten a cheval der Strasse
aufstellte, die zweite zog nach Muschau und nahm hinter diesem
Orte Stellung. Am frühen Morgen des 10. Juli rückte der Feind mit
einigen Kavallerie - Regimentern von Nikolsburg gegen das neue
Wirthshaus vor. Die Besatzung der Brücke, eine Division Huszaren,
wurde durch zwei Bataillone verstärkt, worauf der Feind sich auf
die Höhe bei dem neuen Wirthshause zurückzog, wohin ihn die
Huszaren verfolgten. Es kam zu einem kleinen Gefechte, während
welchem die Brücke zum Abbrennen hergerichtet wurde. Das Korps
erreichte auf seinem Rückmärsche beide nach Brünn und Olmütz
führenden Strassen und nahm Stellung.
Während diesem geordneten Rückzüge des vierten Korps,
welchen das Regiment in seinem Brigade - Verbände gefolgt war,
hatte das fünfte Korps, welches die Schlacht bei Wagram nicht
mitgemacht hatte, sich mit dem ersten, dritten und Grenadier-Korps
vereinigt und erhielten den Befehl, die Strasse nach Znaim zu ver-
folgen. Sie bezogen am 7. eine Stellung bei Kreuzenstein, während
das Kavallerie - Korps hinter Korneuburg die Arrieregarde bildete.
Der Erzherzog erhielt am 9. die Nachricht, dass eine feindliche
Kolonne unter Davoust über Staats und Laa nach Znaim im
Anmärsche sei und dass ihre Avantgarde bereits das Dorf Erdberg
zwei Stunden vor Znaim erreicht habe. Da nun kein Augenblick zu
versäumen war, so brach sogleich das ganze Reserve - Korps der
Grenadiere und der Kavallerie auf, um die Höhe bei Znaim auf
beiden Ufern der Thaya zu besetzen; die Armee folgte noch vor
Tagesanbruch und ihre Arrieregarde hatte Schöngraben und Hetzels-
dorf aufs Aeusserste zu halten.
Kaum hatten die Grenadiere so viel Zeit, den Uebergang durch
Erreichung der Höhen hinter Teschwitz und Zuckerhandl am linken
und jene von Pumlitz und Oblas am rechten Ufer zu decken, als
es schon zum Gefechte mit den feindlichen Plänkleru kam. Die
Brigade Merville, dabei das Grenadier -Bataillon Scovaud besetzte
die Brücke und wurde auch am rechten Thaya-LJfer gegen den über
Naschebitz vorrückenden Feind verwendet.
440 1806-1809.
Indessen hatte jedoch der Feind die vortheilhaftesten Punkte
auf den Höhen gewonnen und als er durch seine herbeigekommenen
Kolonnen auf 12 bis 14.000 Mann verstärkt worden, griff er sogleich
unter einem heftigen Geschützfeuer die Brigade Steyrer auf der Höhe
vor Teschwitz an. Ohne einen Schritt zu weichen, hielt diese fünf
Stunden lang im heissesten Kampfe, bis sich der Feind endlich gegen
ihre beiden Flauken bewegte. Nun zog sie sich auf Teschwitz zurück
und allsogleich warf sich der Feind auf das Grenadier - Bataillon
Hromada. Aber mit heldenmüthiger Ausdauer vertheidigte diess die
nach Teschwitz führende Schlucht so lange, bis sich die übrigen
Bataillone hinter demselben formiren konnten. Ein mörderisches Feuer
entstand am Eingänge des Ortes, welches endlich dem Feind über-
lassen ward, als Steyrer die rückwärtigen Höhen besetzt hatte.
Scovaud trieb den Feind am rechten Ufer über Naschebitz zurück,
während der Artillerie - Park und das ganze Armee - Fuhrwesen
durch Znaim defilirte. Die anmarschirenden Armeekorps erreichten
nun nach und nach ihre Stellungen und Erzherzog Karl beschloss
am folgenden Tage 11. Juli dem Feinde hier die Schlacht zu liefern.
Am 11. Juli mit Tagesanbruch standen die Truppen zum
Empfang des Feindes mit dem Gewehr im Arme bereit. Die Grena-
diere waren anfangs in zweiter Linie hinter Brenditz später zur
Unterstützung des rechten Flügels näher gegen Znaim aufgestellt.
Die feindliche Armee war auf den Höhen hinter Teschwitz und
Zuckerhandl angekommen ; Massen ;i erschien um 6 Uhr des Morgens
mit seinem Korps bei Neuschallersdorf am rechten Thaya-Ufer
und traf die Anstalten zum Uebergange.
Gleich nach Sonnenaufgang umschwärmteu die feindlichen
Plankler die vorgeschobene Stellung der Oesterreicher bei Teschwitz
und um die siebente Morgenstunde verbreitete sich das Gefecht
gegen die Thaya. Lange konnte sich kein Thcil eines Vortheils
rühmen, bis der Feind endlich die vordersten Truppen der Oester-
reicher durch ein mörderisches Kartätschenfeucr verdrängte und den
Uebergang über die Brücke forcirtc. Immer heisser entbrannte der
Kampf auf den Höhen von Znaim, so dass der Erzherzog das
Grenadier - Korps zur Unterstützung auf jenen Punkt abgehen lioss.
Die Grenadiere kamen herbei, als M a s s c n a um 4 Uhr nachmittags
mit Ungestüm gegen Znaim vordrang uud das Wiener- Thor beinahe
erreicht hatte. Sogleich Hess jetzt F. - M. - Lt. Fürst Ilcuss das
Digitized by Google
ISO« -ISO».
441
Grenadier -Bataillon Leiningen auf der Heerstasse in Masse vor-
rucken. In diesem Augenblicke ergiesst sich ein starker Platzregen,
dass vom Feuern keine Rede sein kann, ja, dass man die Gegen-
stände auf kurze Entfernung nicht erkennt. Während dieses Platz-
regens führt der tapfere Lein in gen die Grenadiere gegen den
Feind, der in gedrängter Kolonne auf der Heerstrasse steht, anfangs
im Schnellschritt dann im vollen Rennen. Zwei französische Generale
und mehrere Offiziere werden an der Spitze gefangen und wie ein
Strom, der seine Dämme durchbricht, wälzen die Grenadiere den
Feind vor sich. Wie Sturraeswehen reisst der Grenadiere Beispiel
alle Truppen in höchster Begeisterung hin. Alle eilen gegen den
Feind zu, unmöglich ist's, die Reserven zurückzuhalten, kein Befehl
fruchtet, dem ungestümen Angriffe und der Verfolgung Einhalt
zu thun. Da brechen plötzlich aus einer Seitengasse ein paar hundert
feindliche Kürassiere hervor und da sie keinen Widerstand an
Reserven finden, fallen sie den vorgedrungenen siegenden Kolonnen
in die Flanke und seh neiden sie in der Mitte ab. Das Grenadier-
Bataillon Scovaud kam glücklich zurück, aber die übrigen Truppen
verloren viele Leute und wurdeu bis an das Stadtthor verfolgt, wo
sich aber das fünfte Wiener Freiwilligen -Bataillon dem Feinde ent-
gegenwarf und ihn zurücktrieb.
Die Sonne neigte sieh, als ein feindlicher Parlamentär erschien
und die Gegenwart Berthier's mit Waffenstillstandsvorschlägen
ankündigte; er wurde mit einer Salve vom Pferde geschossen und
entwaffnet. Die erbitterten Truppen waren noch eine Weile nicht
aus dem Feuer zu bringen. Als die Waffenruhe eintrat, blieben beide
Theile in ihrer gegenseitigen Stellung. Die Grenadiere des Regiments
hatten 4 Todte und 17 Verwundete verloren.
Der Waffenstillstand wurde in der Nacht abgeschlossen, ver-
möge welchem der Brünncr-Kreis geräumt und das fünfte Korps,
dabei das Regiment, nach Prossnitz befehliget wurde. Um 4 Uhr
nachmittags am 13. Juli setzte sich das Korps nach Raussnitz in
Marsch, rückte am 14. nach Wischau und erreichte am 15. Pross-
nitz, wo in der Konkurrenz die Kautonnirungen bezogen wurden.
Am 28. Juli rückte das Regiment nach Oltschan u.id Olmütz und
wurde in den nächsten Ortsehafteu untergebracht. Hier löste dasselbe
wegen sehr schwachem Stande 12 Kompagnien auf und formirte
nurmebr ein Bataillon zu sechs Kompagnien, bis es im September
442
1M6-19W.
durch 800 Mann der Regimenter Nr. 17 und 42 in Stand gesetzt
wurde, wieder zwei Bataillons zu formiren.
Die Grenadiere bezogen nach abgeschlossenem Waffenstillstand
am 12. das Lager bei Budwitz. Am 20. wurden dieselben wieder
dem Korps der Reserve zugewiesen und marschirten nach Pardubitz;
brachen am 28. wieder auf und trafen am 23. August in Surany
beim Hauptquartier des Reserve -Korps ein.
Die am 1. August zu Ungarisch -Altenburg eröffneten Friedens-
unterhandlungen drohten in Folge der flbermüthigen Forderungen
Frankreichs zu scheitern, daher auch Kaiser Franz sich über den
zweifelhaften Fortgang derselben in dem Armeebefehl ddto. Komorn,
16. August, folgendermaßen aussprach: »Meine geliebten Unter-
Chanen, und selbst Meine Feinde, wissen, dass Ich bei dem gegen-
wärtigen Kriege weder durch Eroberungssucht, noch durch gereitzte
.leidenschaftliche Empfindungen zur Ergreifung der Waffen bewogen
»wurde.
.Selbsterhaltung und Unabhängigkeit, Friede, der sich mit der
.Ehre der Krone vertragt, in dem Meine Völker Sicherheit und Ruhe
.finden, war von jeher der erhabene, der einzige Zweck Meines
.Strebens.
.Das wandelbare Glück der Wafl'en entsprach Meinen Erwar-
.tungeu nicht; der Feind drang in das Innere Meiner Staaten und
.überzog sie mit allen Verheerungen des unversöhnlichen Krieges
.und einer grenzenlosen Erbitterung; aber er lernte dabei den Ge-
.meingeist Meiner Völker und die Tapferkeit Meiner Armee kennen
.und schätzen.
.Diese von ihm blutig erkaufte Erfahrung und Meine stets
.gleiche Sorgfalt für das Glück Meiner Staaten führten die gegen-
wärtige Annäherung zu friedlichen Unterhandlungen herbei. Meine
.Bevollmächtigten sind mit jenen des französischen Kaisers zusammen-
getreten.
.Mein Wunsch ist ein ehrenvoller Friede, ein Frieden, in
.dessen Bestimmungen Möglichkeit und Aufsicht seiner Dauer liege.
»Die Tapferkeit Meiner Kriegsheere und ihr unerschütterlicher Muth,
»ihre warme Vaterlandsliebe und ihr lauter Wunsch, die Waffen
»nicht eher, als nach Erlangung eines ehrenvollen Friedens nieder-
zulegen, können Mir nie gestatten, Bedingungen, welche die Grund-
„ feste der Monarchie zu erschüttern drohen und es entehren, nach
Digitized by Google
IHM 1HÜV
443
„so grossen und edlen Aufopferungen, nach so viel vergossenem
„Blute für das Vaterland einzugehen.
.Der hohe Geist, der die Armee belebt, ist Mir und ihr Bürge,
„dass, sollte der Feind Uns dennoch misskennen, Wir den Lohn der
„ Statthaftigkeit einst sicher erlangen werden."
Das Regiment kam im September nach Przimislau in Böhmen
und am 14. Oktober 1809 endlich nach den vom Kaiser Napoleon
absichtlich in die Länge gezogeneu Verhandlungen der Friede von
Wien zu Stande, in welchem Oesterreich 2000 Quadratmeilen
Flächeninhalt und vierthalb Millionen Seelen verlor. Wenn auch
dieser Friedensschluss empfindliche Nachtheile für die Monarchie
brachte, so hatte doch der Krieg vom Jahre 1809 in den Völkern
des Kaiserstaates das unauslöschliche Bewusstsein hoher innerer
Kraft zurückgelassen und mit Stolz blickte jeder Oesterreicher, jeder
Deutsche auf Erzherzog Karl und sein wackeres Heer, welches in
allen Gelegenheiten des jüngst abgelaufenen ereignissreichen Feld-
zugjahres dem sieggewohnten Feinde volle Achtung, ja Bewunderung
abzuzwingen wusste.
Am 1. November marschirte das Regiment nach Iglau und
den 29. Dezember wieder in die Werbbezirksstation Wien; am
8. Dezember waren 24 aus der Gefangenschaft zurückgekehrte Offiziere
wieder beim Regiment eingerückt. Die Grenadiere standen im August
in Neuhäusel, marschirten im November nach Sommerein, dann nach
Baraniay und rückten ebenfalls Ende Dezember in Wien ein.
Die Landwehr wurde am 23. Dezember 1809 aufgelöst, viele
Offiziere des Regiments, welche beim Beginn des Feldzuges zu der-
selben transferirt worden, rückten nun wieder in ihr früheres Rangs-
verhältniss ein. Das betreffende kaiserliche Auflösungs-Patent sagte :
„Das Vaterland achtet Euch, Ihr habt Euch im Kriege Ehre erworben!*
Oberst Anton v. Klopstein erhielt mit der 73. Promotion für
die tapfere Verteidigung des Enns - Ueberganges das Ritterkreuz
des Militär-Maria-Theresien-Orden8 ; auch die nachstehende Mann-
schaft wurde für ihre tapferen Thaten in diesem Feldzuge in Folge
Medaillen - Kommissions - Beschluss belohnt :
Korporal Thomas J a m e k gerieth bei Ebelsberg in Gefangen-
schaft, wusste sich mit besonderer Kühnheit selbst zu ranzioniren,
ging auf das linke Donau -Ufer, woselbst er in Gemeinschaft mit
den patriotischen Landbewohnern den Feind durch Muth, Umsicht
444 lftoe-lftoo.
und Tapferkeit durch längere Zeit am Uebergang aufhielt: erhielt
die goldene Tapferkeits - Medaille.
Korporal Franz Kugler hat sich in den Affairen bei Lands-
hut, Neumarkt, Ebelsberg und Enns unter Anführung des auf dem
Felde der Ehre gebliebenen Lieutenant T i c h y auf das Kühmlichste
ausgezeichnet. Als die Feinde bei Enns auf drei Schiffen über den
Fluss zu setzen suchten, war er unter der Zahl jener Braven, die
durch ihren Muth diesen Uebergang vereitelten. Bei Landshut rettete
er dem in der Folge vor dem Feinde gebliebenen Hauptmann Baron
Tinti vom Regiment Nr. 49 das Leben, indem er den feindlichen
Soldaten in dem Augenblick niedermachte, als dieser den Haupt-
mann mit dem Bajonuet durchbohren wollte; die silberne Tapfer-
keits - Medaille war der Lohn seiner tapfereu Thaten.
Führer Johann Mallath hielt bei Markgraf- Neusiedl trotz des
heftigsten Kartätschen- und Gewehrfeuers die Fahne hoch und trug sie
kühn dem Feinde entgegen; er trug durch seine Aufopferung und
Standhaftigkeit viel dazu bei, dass sich das dritte Bataillon nach
zwei abgeschlagenen Stürmen trotz den wüthenden Angriffen der
Franzosen wieder schnell um die Fahne sammelte und dem Feinde
so lange Widerstand leistete; erhielt die silberne Tapferkeits-Medaille,
ebenso der Regiments- Tambour Anton Henzenberger und der
Feldwebel Franz Holdenauer, welche bei allen Gelegenheiten der
Mannschaft das schönste Beispiel der Tapferkeit gegeben hatten.
Die Gemeinen Karl Jestel, Michael Putz und Franz Him-
mer, drei echte Wiener -Kinder und gute Kameraden, langweilten
sich auf Vorposten in der schwarzen Lacken und baten zur Ab-
wechslung ihren Offizier, die Donau in einem sogenannten Seelen-
tränker überschiffen zu dürfen, um den Franzosen die Gegenwart
der Deutschmeister bekaunt zu geben. Jestel setzte zweimal über
die Donau ; das erstemal erbeutete er mit seineu beiden Kameraden
32 Stück Schlachtvieh und machte bei dieser Gelegenheit einen
französischen Kapitän nebst dessen bewaffneten Bedienten gefangen,
die er aus einem Hause bei Nussdorf herausholte. In der Folge
setzte er noch einmal über die Donau, nahm an der Spitze dreier
Landwehrmänner G feindliche Infanteristen gefangen, schlug mit
Entschlossenheit 7 feindliche Jäger zu Pferd, welche zur Befreiung
ihrer Kameraden herbeieilten, in die Flucht und brachte die Ge-
fangenen in das Lager.
Digitized by Google
lsio-isi-».
445
Putz setzte allein Ober die Donau, Oberrumpelte acht feindliche
Infanteristen in einem Hause, nahm sie gefangen und brachte sie
in's Lager. Hiezu hatte er sich am jenseitigen Ufer ein besseres
Fahrzeug verschafft, schiffte dann mit dem Geraeinen Himmer
nochmals hinüber, hielt einen aus Nussdorf kommenden Pulverkarren
an, jagte die Bedeckung in die Flucht, warf die Munition in den
Strom, schiffte die Pferde ein und brachte sie unter dem Jubel df»r
Vorposten herüber.
Himraer Hess sicli auch nicht nehmen, allein ein Wagstück
auszuführen. Fjr schiffte hinüber und nahm einen französischen
Kriegskommissär nebst seinem Bedienten und zwei Infanteristen
gefangen.
Jeder dieser wackeren Leute erhielt laut Kommissionsbeschluss
drei Dukaten in Oold Belohnung.
1810-1812.
Im Jänner 1810 stand der Hegimentsstab, die Grenadiere und
das 1. Bataillon in Wien, die 7. und 8. Kompagnie in Perchtolds-
dorf, 9. 10. in Mödling, 11. 12. in Laxenburg, 13. Atzgersdorf,
14. Mauer, 15. Kaltenleutgeben, 16. in Liesing. In demselben Monat
rückten die letzten in Kriegsgefangenschaft gerathenen Offiziere,
sowie ein grosser Theil der Mannschaft ein.
Major Alexander Baron Majus wurde am 1. Februar 1810
vom Regiment Nr. 13 eingetheilt; ebenso Major Johann v. Vollny
am 16. April von der Jäger- Division Nr. C.
Die im Jahre 1809 aushilfsweise erhaltenen 8(X) Maun rückten
wieder zu ihren Regimentern ein und das Regiment war Ende
Februar durch die aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrte
Mannschaft und Rekruten mit 2 Grenadier- und 16 Füsilier -Kom-
pagnien wieder vollkommen koraplet.
Am 15. März 1811 wurde im Regiment das Allerhöchste Patent
vom 20. Februar kundgemacht, welches das bisher zirkulirte Papier-
geld, die „Banco -Zettel* auf den fünften Theil ihres Nennwerthes
herabsetzte. Der Gulden erhielt den Werth von 12 kr., zwei Gulden
galten jetzt 24 kr., fünf Gulden 1 11. u. s. w.
140
1810-1812,
Der seit 1802 bestandene Unterschied in der Kapitulationszeit
wurde 1811 dadurch ausgeglichen, dass die Dienstzeit bei allen in
den Erbländern Konskribirten ohne Rücksicht der Waffengattung auf
14 Jahre festgesetzt wurde. Von nun an durften auch keine Aus-
länder bei der leichten Kavallerie, Artillerie und den Jägern an-
genommen werden.
Ein hofkriegsräthliches Reskript legte besonderes Gewicht auf
das Seheibenschicsscn; das Regiment nahm diese Uebung im Juni
vor, und das Resultat derselben ist in soferne bemerkenswerth, als
unter 21.210 Schüssen 1933 Treffer und nicht weniger als 19.277 Fehl-
schüsse waren.
Der Maria-Theresien-Ordensritter Oberstlieutenant Rudolf Graf
8 a Iis des Infanterie -Regiments Nr. 3 erhielt das Kommando des
Grenadier -Bataillons. Oberst Josef v. Klopstein wurde in den
Freiherrustand mit dem Prädikate „Ennsbruck* erhoben.
Major Alexander Baron Majus wurde am 15. Juni 1811 zum
Infanterie -Regiment Nr. 24 transferirt; Hauptmann Johann Kray-
selle vom Regiment Nr. 22 am 1. November 1811 zum super-
numerären Major im Regiment befördert, und hatte bis zur Einbringimg
in die Wirklichkeit mit der Hauptmannsgage zu dienen. Major
Franz v. Drohn und Johann v. Vollny wurden am 31. Juli 1812
ersterer zum Regiment Nr. 10, letzterer zu Nr. 24 transferirt, da-
gegen Major Johann Kray seile beim Regiment in die Wirklichkeit
eingebracht.
Nach dem Wiener Frieden stand Kaiser Napoleon auf dem
Gipfel der Macht und Grösse! Nur der Gedanke, keinen Leibeserben
zu haben, quälte ihn; darum Hess er sich von seiner Gemahlin
J o s e f i n e scheiden und vermählte sich mit M a r i a L o u i s e, Tochter
Kaiser Franz I.
Am 11. April 1810 feierte er seine Vermählung mit der
„ Tochter der Cäsaren*, wobei fflnf Königinnen die Schleppe trugen
und eine unerhörte Pracht entfaltet wurde. Aber der Brand bei dem
Ballfeste, das der österreichische Botschafter Fürst Schwarzen-
berg zu Ehren der Vermählten veranstaltete, und wobei dessen
Schwägerin, die Gemahlin seines älteren Bruders, des regierenden
Fürsten von Schwarzenberg, als sie ihre Tochter, die nach-
herige Fürstin von Schönburg, retten wollte, in den Flammen
umkam, wurde als Unheil verkündende Vorbedeutung genommen.
Digitized by Google
1810-1818.
417
Als dem Kaiser im nächsten Jahre ein Sohn geboren wurde, der
den Titel eines Königs von Rom erhielt, schien sein Glück vollendet
und Frankreichs Zukunft entschieden. Doch Stolz und Herrschsucht
trieben ihn von Unternehmung zu Unternehmung und machten seinen
Namen zum Schrecken der Fürsten und Völker.
Anfangs April 1812 erhielt das Regiment den Befehl, die zwei
ersten Bataillone auf 180 Gemeine per Kompagnie zu komplettiren
und diese zum Ausmarsche bereit zu halten. Gleichzeitig wurde das
dritte Bataillon aus seinen vereinzelten Stationen in Perchtoldsdorf mit
den beiden ersten Bataillons in Wien vereinigt. Das dritte Bataillon
gab seine sämmtliche kriegsdiensttangliche Mannschaft an das erste
und zweite Bataillon, — mobile Bataillone genannt — erhielt aber
dafür die minder tauglichen Leute dieser Bataillone.
Die Mobilisirung des Regiments war eine Folge der Rüstungen
Oesterreichs, welches, gebunden durch Traktate, dem französischen
Kaiser auf seinem Kriegszuge gegen die Russen mit einem Auxiliar-
Korps beistehen musste. Das Regiment wurde jedoch nicht zu diesem
Hilfskorps bestimmt, welches 30.000 Mann stark, sich unter Kom-
mando des G. d. K. Fürst Karl Schwarzenberg Mitte Juni bei
Lemberg sammelte, anfangs Juli die russische Grenze betrat und den
rechten Flügel jener grossen Armee bildete, an deren Spitze Na-
poleon seine siegreichen Adler auf dem Kreml von Moskau auf-
pflanzte. Dort aber erreichte das Geschick den Unüberwindlichen;
denn durch den Brand der heiligen Stadt, gezündet von russischen
Händen, gingen dem Eroberer die gehofften Winterquartiere in Rauch
und Flammen auf, und zu spät dachte er an den Rückzug. Die
Schnee- und Eismassen der russischen Steppen begruben das stolze
Heer, und die Beresina verschlang die letzten Trümmer jener Legionen,
welche siegreich die halbe Welt durchzogen hatten. Von 270.000 Mann,
der Centrumsarmee, welche den Niemen im Juni 1812 überschritten,
waren nur 4000 Mann im kläglichsten Zustande im Jänner 1813
zurückgekehrt.
Oberstlieutenant Stanislaus de Best des Regiments Nr. 03
erhielt statt dem zum Obersten beförderten Grafen Sa Iis das
Kommando des aus den Divisionen der Regimenter Nr. 3, 4 und 63
zusammengesetzten Grenadier - Bataillons.
448
1813-181«.
1813-1815.
Oberstlieutenant Johann Niedermann v. Mayenfeld war
am 31. März 1813 in Ruhestand getreten und erhielt in Anerkennung
seiner vorzüglichen Dienstzeit im Kriege und Frieden den Obersten-
Charakter; in seine Stelle avancirte am 10. März Major Stefan
Baron E r d m a n n und Johann Trautmann zu Oberstlieutenants,
letzterer mit Belassung in seiner Anstellung beim Konskriptions-
geschäft, Major Johann Kray seile zum ersten Major und der Major
Franz Jaentschkc des Regiments Nr. 20 wurde am IG. April in
das Regiment eingetheilt.
Die Reste der grossen französischen Armee wichen im Jänner
1813 von der Memel hinter die Weichsel, — in den ersten
Tagen des März über die Oder, später hinter die Elbe. Die
Preussen hatten sich den Russen angeschlossen. Beide rückten nun
vereint gegen ihre Feinde und im April wurde auf vielen Punkten
lebhaft gefochten.
Als eine neue französische Armee vom Rheine au die Elbe
gelangte, kam es dann im Mai zu den Schlachten bei (iross-
Görschen und Bautzen. Die Franzosen blieben im Vortheil. Die
Alliirtcn zogen sich zurück. Am 4. Juni ward ein Waffenstillstand
unterzeichnet.
Das Regiment lag wie im verflossenen Jahre in seinem Werb-
bezirke zu Wien in Garnison. Im Monat Juni wurde die beurlaubte
und die Reserve -Mannschaft einberufen, das dritte Bataillon wieder
errichtet, die Aufstellung der zwei Landwehr -Bataillone (die Offiziers-
stellen wurden mit Offizieren des Pensiousstandes besetzt; das erste
Bataillon kommandirte der Maria - Theresien - Ordensritter Oberst-
lieutenant Leopold Baron Richter, das zweite Major Sebastian
Stein borg v. Lcidenthal) und der Reserve - Division anbefohlen
und das Regiment somit auf den Kriegsfuss gesetzt. Alle diese
Anstalt« Mi wurden mit solcher Anstrengung und patriotischem Eifer
betrieben, dass schon anfangs Juli 1813 das dritte Linien- und erste
Landwehr- Bataillon armirt, montirt und exerzirt waren und zu jeder
Stunde mobil gemacht werden konnten.
igni.
ed by Google
1809 — 1835.
i
■
T4 • evÄ %• 3 l*
L' rr; 7 1 e r und Herne. f. er vv,
Digitized by Google
5 ' » • •'•».
1 1 . • .1 \
• I.
• f • • .;
.1 3 ' »• :■■ •
■ \
• I; .• - .«, • '. !.
■ rt« * t ■■ .• . .'t • •
l
Ii i
•t| \\ \ \ | M' :i • * " • »« '• *:
. "I ' II .
» :.
. '.. 'ff •• im V 1
»•..>• '.i ; » . ' .! « ; :*< lt.
In*'
• i •
.!
1 ••,.!■ i!
i .
. .i
M" I I'i •
• •• i '•
. < i» i !•• \i i . :i '
1809 — 1835.
SOntllprfMtn Oruck dtt k k mihi |«oJr<f Jnllituttt
Offizier und Gemeiner von
Hoch-und Deutschmeister.
Digitized by Google
449
Die seit dem letzten Frieden im Regimeute stattgehabten
Militärsehulen hatten eine hinlängliche Anzahl Kadeten in den
ihrem Stande notwendigen Wissenschaften gebildet, wodurch das
Regiment bei der beträchtlichen Vermehrung der Offiziere nicht
nur in keine Verlegenheit gesetzt wurde, sondern auch noch an-
deren Regimentern mit geschickten Individuen auszuhelfen im
Stande war.
Iu Prag wurde, unter der Vermittlung Oesterreich^, über den
Frieden unterhandelt. So wie Frankreich boten auch Russland und
Preusseu alle Kräfte ihrer Länder auf, um, wenn der Friede nicht
zu Stande käme, den Krieg mit aller Anstrengung fortzusetzen.
Der Prager Kongress führte zu keinem Vergleich, weil Napo-
leon von Nachgiebigkeit entfernt war. Daher schlössen sich
Oesterreich und Schweden dem verbündeten Russland, England
und Preusseu an.
Der verlängerte Waffenstillstand endete am 10. August. Oester-
reich hatte in den letzten Monaten sein Heer auf mehr als 400.000
Mann vermehrt; in Deutschland wurden in drei Armeen 485.000
Alliirte aufgestellt, über welche Feldmarschall Fürst Schwarzen-
berg den Oberbefehl führte.
In ganz vorzüglichem Zustande brachen das erste und zweite
Linien - Bataillon, dann das erste Landwehr- Bataillon am 4. August
nach Oberösterreich auf. Ihnen folgte am 10. das dritte Bataillon.
Das zweite Landwehr - Bataillon, sowie die Reserve -Division blieben
in Wien zurück.
Laut Eintheilungs - Liste für den Monat August 1813 bestand
das Offiziers - Korps aus:
Oberst-Inhaber Erzherzog Anton, F.-Z.-M., Hoch- und Deutschmeister.
Oberst Regiments - Kommandant Josef Baron K 1 o p s t e i n.
Oberstlieutenant Stefan Baron Erdmann, supernuinerär Johann von
Trautmann.
Major Johann von Kray seile, Johann v. Jaentschke.
Landwehr -Bataillons -Kommandanten, Oberstlieutenant Leopold Baron
Richler, Major 8ebastian v. Steinberg.
Kaplan Michael Wüntsch.
Auditor Peter Dibold.
Arzt Dr. Johann Ketterer.
Rechnungsführer Josef Ha ekel.
Adjutant Oberlieut. Alexander Br. Engelhardt v. Schnellenstein.
Bataillons-Adjutant Philipp v. Bolza, Franz Di trieb, Daniel Schnor-
busch; bei der Landwehr Kran/. Berger, Baron H Immelberg.
29
450
1*13-1815.
a
ss
■3
A
KompJ
Hauptmann
Lieutenant
Fähnrich
TTntor-
\J II ICI"
5
1
1.
Georg
v. Wallek
Ferdinand
Steiger
Caspar
von Ingram
—
s>
Li
2.
Anton
Baron Stentseh
Franz
von Aumer
Thomas Fabry
—
1.
Georg Rieauer
Georg
Schlinger
Michael Mattern
Wenzel
Mcssinger
Christian Br.
Stookhausen
Stefan
Kerohmar
Georg Rodler
Josef Körn
Uti
B
-*-»
a.
Johann
von Till
Josef Wend
Josef
Bachnitzer
Heinrich
Neumann
X
E
4.
David Kranz
Georg Schulz
Thaddäus
Baron Bessler
Erasmus
Bar. Bcchinie
5.
Nepomuk Kolbe
Josef Zihser
Urban Wilhelm
Josef Sack
<;.
Johann
Bar. Bretton
Josef
Heiaensohreiter
Ludwig Hahn
Anton Buteani
7.
Jakob Strasky
Conrad
Möllmann
Wenzel
Bar. Beduine
Theodor
Purtscher
8.
Josef Faber
Franz Ardrario
Franz Stadler
Franz
von Ernst
o
9.
Andreas
Rösgen
Franz
von Buell
Martin
von Buell
Ferdinand
Jeschka
n:
10.
Josef Hoffmann
Thaddäus
Bruckmayer
Ferdinand
Bar. Leydnitz
Karl Bauernfeld
11.
Johann
VOM (tilg
Adolf
Hcrdlitzka
Ernst Alster
IT 1
Karl
Bar. Synoth
12.
Johann
Birkenstook
Caspar Riegel
Ludwig
von Mayer
DI _ J • *
v erdinand
Fischer
13.
Wenzel Ernst
August Witte
Antou Braun
Nikolaus
Maurer
14.
Georg
Mehlfuhrer
(iabriol
Sehneichels
Karl
Mehlfiihrer
Karl Metz
/.
. —
15.
Philipp
Weikcrsreiter
Johann
Unkel hauser
Franz
von Wertenfeld
Ferdinand
Fischer II
16.
Johann Ficbtl
Johann
Schwarz
Anton Reinert
Franz Braun
17.
Michael
von Schwabl
Johann Catty
Johann
Br. Maasburg
Karl
von Niedermann
18.
Caspar Gaya
Josef
Gf. Sürville
Ludwig
Eberling
Johann
Freisinger
Digitized by Google
isi.l-tsi:,.
151
£.
5
o
ttf
Hauptmann
Li eutenan t
Fähnrich
1
niei -
i§
1.
Jobann Schwarz
Andrä Stober
Johann Sacher
Johann
Schönberger
" — T — — rj
Kgydius
Prohaska
II
2.
Josef Blasius
Josef Wurst
Jos. Kranshaar
Melichor Ganz
Josef
Schmucker
1.
1
Graf liilleis
Adam
TW» 1 *
\\ igenheJm
Ignaz
Antuoine
Ignaz Pein
•
—
i
TS
s
—
2.
Peter
Baron Milius
Stefan Voigt
Jeau Maria
StiereiiHtid
Johann
Baumeister
3.
.lo*ef Pech
Wenzel
Baron Bolza
IgDU
l'otelly
Johann
Mann hart
ites L;
4.
Johann
Bar. Sichel
Philipp
<if. Gruiidernann
Franz
Schütter
Mathias Holzer
c
5.
Anton Honig
Alexander
Br. Lichtenstern
Heinrich
Neumann
Ludwig
Br. Büren
&
TT * 1
Heinrich
Carove
Alois
Malafas< bitz
Baron Ncf/ern
l/lll «II * ^ V I # r * 1 Ii
Franz Siegler
7.
Karl Josefi
Itrnaz Kriehuber
Jobann
Mayer
Karl
Br. Bolzer
■
u
8.
Johann
von Nuce
Franz
Bcrthotii
.Josef
Maurer
Peter Kilian
audwe
9.
Stanislaus
von Manzy
Andreas Balzer
Karl
Trens« hensky
Karl
Jnnphauser
09
O
10.
Michael Mimzel
Ijrnaz
von Hol heim
Max
Rar. MoBhardi
Ferdinand
Castaldo
'S
11.
Wilhelm
von Dittrich
Edmund
Baron Drosde
Andreas
Baader
Adam Menzel
12.
Johann Gumbert
Oeorg
Oiassem
Johann
Kornblum
Josef Wallner
Hauptmann Johann Innerhofe r, Generalkommando - Adjutant.
Stand 6749 Mann, Proviant-Bespannung 39 Mann, 97 Pferde; Pack-
Personal 6 Mann, 96 Pferde. Beim 37 Soldatcnweiber.
In der schönsten Stimmung, mit heissem Durst nach I liaten
gegen die Feinde des Vaterlandes, bezogen am 20. August die drei
Bataillons das Lager bei Wimspach. Das erste Linien - Bataillon
kam unter die Befehle des Vorposten - Kommandanten Oberst Baron
Mengen von Schwarzenberg - ühlanen Nr. 2 nach Wels, welchem
am 28. August auch noch das erste Landwehr - Bataillon beigegeben
wurde und die Verschanzungen bei Lambach besetzte. Bis hierher
zählten diese vier Bataillons seit ihrem Ausmarsche aus Wien nicht
mehr als 17 Kranke.
29*
•152
1818 1815
Oberst Josef Baroii v. Klops tein wurde mit Allerhöchstem
Befehl vom 1. September 1813 zum General- Major und Brigadier,
Oberstlieutenant Stefan Baron Erdmann mit 15. desselben Monats
zum Obersten und Regiments-Kommandanten, Oberstlieutenant Johann
Trautmann zum supernumerären Obersten. Major Johann von
Krayselle zum Oberstlieutenant, zweiter Major Johann Jaentschke
zum ersten und Hauptmann Johann Baron Wöber, des Infanterie-
Regiments Nr. 12 zum Major im Regiment, dagegen der Grenadier-
Hauptmann Georg v. Walleck zum Major bei Nr. 12 befördert.
Am 5. September feierte die Donau - Armee in ihrem Lager
bei Wrimspach das Te Deum Aber die von den verbündeten Heeren
erfochtenen glorreichen Siege. Die Regimenter gaben dabei ihre
Begeisterung laut zu erkennen und die angenehmste Witterung
begünstigte die Feierlichkeit. Bald aber fiel ein solches anhaltendes
Regenwetter ein, dass alle Bäche und Flüsse austraten, das Lager
überschwemmten und desshalb die Truppen am 10. September in
Kantonnirungs - Quartiere verlegt werden mussteu. Deutschmeister
erhielt seine Dislokation nach WTels und Umgegend.
Hier wurde den Truppen mit Armeebefehl vom 14. Oktober 1813
kund gemacht, dass mit dem König von Bayern Frieden und eine Allianz
abgeschlossen wurde, kraft welcher die österreichischen Truppen sich
mit den bayerischen vereinigten und gegen die Franzosen marschirten.
Die Division des F.-M.-Lt, P flach er, bestehend aus den Regi-
mentern Deutschmeister, Nr. 31, dem 4. Jäger - Bataillon und den
Brigade -Batterien, erhielt aber den Befehl zur Abrückung nach Inner-
Oesterreich, um sich au die Armee des F. -Z.-M. Baron Hill er
auzuschliessen, welche bestimmt war, gegen Italien zu operiren.
Am 17. Oktober brach das Regiment in der Brigade des
G.-M. Baron Süden an seine neue Bestimmung auf und marschirte
in starken Märschen ohne Rasttag über Wmdischgarstcn, Unzmarkt
nach St. Veit in Kärnten, wo es am 28. Oktober ankam und den Be-
fehl vom F.-Z.-M. H i 1 1 e r erhielt, seinen Marsch so zu beschleunigen,
dass es am 11. November in Trient eintreffe. Von Villach an, mussteu
täglich doppelte Märsche gemacht werden, jedoch waren zur Trans-
portirung der Tornister und Maroden für jede Kompagnie in den
Stationen zwölf halbe Vorspannswagen bereit.
Nach tinermüdeter Anstrengung ohne wesentliche Erkrankung
der Mannschaft legte das Regiment, trotz der eingetretenen äusserst
Digitized by Google
1818-181R
453
ungünstigen Witterung diese beschwerlichen Marsche zurrick und
erhielt bei seinem Eintreffen in Trient die Weisung, gleichfalls mit
doppelten Märschen durch das Val sugana nach Vicenza abzurücken,
woselbst es am 15. November anlangte. F. -Z. -M. Baron Hill er,
welcher dem Regiment entgegenritt, belobte die Haltung, die es
diesen angestrengten Märschen ungeachtet, bewahrte.
So dringend nöthig der Mannschaft auch nur ein Rasttag zur
Erholung und Ausbesserung der Armatur- und Montursstücke gewesen
wäre, so gestattete doch die damalige Lage der Dinge denselben
nicht und schon um Mitternacht musstc das Regiment wieder auf-
brechen, um nach Montebello vorzurücken und die Anhöhen von
Sario zu besetzen. Da jedoch der Tags zuvor bis Villa bella an den
Alpon vorgerückte Feind keine weiteren Bewegungen machte, so blieb
das Regiment am 16. und 17. ruhig in dieser Stellung.
Am 18. rückte die Armee gegen Verona vor. Das 3. Bataillon
ward der Avantgarde unter dem Befehle des G.-M. Baron Ekardt
zugetheilt; die andern Bataillone lagerten sich bei Colognola auf
jenen Höhen, welche 1796 Zeuge der ruhmvollen Thaten des Regi-
mentes waren. Am 19. mit Tagesanbruch ward der Feind auf s Neue
angegriffen und aus dem eine Stuude von Verona gelegenen S. Martiuo
vertrieben. Das dritte Bataillon musste vorgezogen werden und hatte
zum ersten Male Gelegenheit, unter den Augen des kommaudirenden
Generals Beweise seiner Tapferkeit an den Tag zu legen. Zwei
Kompagnien waren zur Deckung des rechts von S. Martino aufge-
führten Geschützes beordert; du; übrigen vier Kompagnien rückten
mit ihrem Kommandanten, Oberstlieutenant Krayselle, in Ab-
theilungen unter einem heftigen Kanonenfeuer gerade auf der Strasse
gegen S. Michaele vor, schwenkten sodann links, verjagten den Feind
aus Ghetto und lehnten den rechten Flügel an die Etsch. Da die
Absicht des kommandirenden Generals erreicht war, den Feind bis
unter die Thore von Verona zurückzudrängen, so machte die Nacht
diesem blutigen Gefechte eiu Ende. Dieses Bataillon, beim Ausmarsche
neu errichtet, bewies hier einen grossen Grad von Muth und Ent-
schlossenheit, wovon sich der F. -Z.-M. Baron Hiller persönlich
überzeugte. Es zählte 8 Todte, 31 Verwundete und 12 Vermisste.
Unter den Verwundeten befanden sich die Hauptleute v. W e i ke r s-
reiter und v. Fichtl. Der Armeebefehl vom 2. Dezember erwähnt
rühmlichst die Auszeichnung des Oberstlieuteuant v. Kray seile,
454
1*13-1815.
sowie der obgenanntcn beideu Hauptleute, welche mit ihren Kom-
pagnien die Meierhöfe rechts von Ghetto erstürmt hatten.
Bei eintretender Dämmerung wurden auch die andern drei
Bataillons vorgerufen und das Regiment übernahm die Vorposten-
kette von Montorio bis an die Etsch. In diesem beschwerlichen
Dieust verblieb dasselbe bis zum 6. Dezember, worauf es vom Re-
giment Nr. 27 abgelöst und zur Unterstützung rückwärts nach
Colognola, Illasi und Caldiero gelegt wurde. Die Beschwerden,
welchen das Regiment besonders in den letzten Wochen auf Vor-
posten bei immerwährender regnerischer Witterung unterworfen war,
wirkten so nacbtheilig auf die Gesundheit der Mannschaft, dass die
Anzahl der Kranken und Maroden sich beinahe täglich auf 80 bis
100 Mann belief.
Major Sebastian v. Steinberg war am 1. November 1813 in
Ruhestand getreten, dagegen hatte am 16. November Major Josef
Graf Gilleis des Ruhestandes das Kommando des zweiten Land-
wehr - Bataillons erhalten.
Feldmarschall Graf Bellegarde, welcher am 16. Dezember
das Kommando der Armee in Italien übernommen hatte, hielt am
27. Heerschau über die unterstehenden Truppen. Mittlerweile war
auch das zweite Landwehr- Bataillon unter dem Kommando des
Majors Grafen Gill eis von Wien in Marsch gesetzt worden. Es
traf in den ersten Tagen dieses Monats in Mestre ein, kam unter
den Befehl des F. -M.-Lt. Baron Marschall und wurde bei der
Blockade von Venedig verwendet. Desgleichen rückte das Grenadier-
Bataillon de Best, bei welchem die Grenadier-Division des Regiments
eiugetheilt war und bei Hanau ruhmvoll mitgefochten hatte, gleich-
falls bei der Armee in Italien im Hauptquartier zu Vicenza ein.
Da die feindliche Armee, Streifkorps über Quinto Romagnano
bis nach Cero entsandte und dadurch die österreichische rechte
Flanke bedrohte, so erhielt das Regiment den Befehl, mit einem
Bataillon Cero zu besetzen. Das zweite Bataillon, welches zu dieser
Unternehmung beordert wurde, fand zwar den Ort vom Feinde
wieder verlassen, ward aber in dieser ausgedehnten Stellung, welche
es den ganzen Monat Jänner 1814 hindurch inne hatte, von feind-
lichen Patrouillen ununterbrochen beunruhigt.
Die rückgängigen Bewegungen der Franzosen in den letzten
Tagen des Monats Jänner veranlassten die Vorrückung der öster-
Digitized by Google
1S1.1— 1H15.
455
reichisehen Armee über die Etseh. Das liegiment ward am 3. Februar
nach S. Martino vorgezogen. Am 4. marschirte es als Unterstützung
der Avantgarde in der Brigade des G.-M. Baron Bogdan durch
Verona, unter einem enthusiastischen Freudengeschrei der Bewohner,
welche zu Tausenden den österreichischen Truppen entgegenströmten.
Es bezog abends, als der Vortrab bei Villafranca mit dem feind-
lichen Nachtrab ein kleines Gefecht bestanden hatte, das Lager bei
Dosso buono. Am 5. rückte es über Villafranca nach Valeggio, wo
es die Anhöhen am Mincio besetzte.
Der 8. Februar war zur Vorrückung über diesen Fluss be-
stimmt. In der Nacht vom 7. auf den 8. musste bei den Mühlen
von Valeggio eine Bockbrücke geschlagen werden, wozu das zweite
Bataillon des Regiments verwendet wurde. Mit Tagesanbruch setzten
unter den Befehlen des F. -M.-Lt. Kadi v oje vi ch die Brigaden
Steffanini und Bogdan über diese Brücke. Die feindliche Division
Fressinet, welche bei Monzambano stand, hatte ihre Vortruppen bei
Borghetto, gegenüber Valeggio. Diese wurden angegriffen und ge-
worfen. Als ihnen aber der Feind Verstärkungen zusandte, wurde
das erste Landwehr - Bataillon des Regiments beordert, den Feind
von einer Höhe zu vertreiben, deren er sich bemächtiget hatte. Das
Bataillon führte diesen Auftrag unter seinem ergrauten tapferen
Anführer Oberst Baron Richlcr mit bewunderungswürdigem Muthe
und Ordnung aus. Die Anhöhe ward genommen und der Feind in
die Ebene längs dem Ufer des Mincio getrieben. Indessen ward
auch das dritte Bataillon dem mit neuen Verstärkungen anrücken-
den Feind entgegengeschickt. Oberstlieutenant Kray seile griff
ihn mit diesem Bataillon entschlossen an, erstürmte einige Häuser,
in welchen er sich festgesetzt hatte und verfolgte ihn in Verbindung
mit dem Landwehr -Bataillon gegen Monzambano. Es wurden bei
diesem Angriffe viele GcfaDgene gemacht und dem Feinde ein nam-
hafter Verlust beigebracht.
Ein Versuch, welchen ein feindliches Bataillon in die linke
Flanke des dritten Bataillons unternehmen wollte, ward durch die
Hauptleute v. Adlersburg und v. Gaya mit ihren Kompagnien
vereitelt. Im immerwährenden heftigsten Kanonen- und Gewehrfeuer
blieben diese beiden Bataillons, bis das erste und zweite Feld-
Bataillon, welche anfänglich gegen Volta zu marschiren befehliget
waren, von dort zurückgeholt, und ebenfalls auf die Höhen von
450
1813-1815.
Monzambano geführt wurden. Das zweite Bataillon wurde sogleich
zur Ablösung des dritten Bataillons, welches seine Munition ver-
schossen hatte, beordert. Mit kühner Entschlossenheit drang solches
unter Kommando des Majors Baron Wöber vor, vertrieb den Feind
aus den von ihm besetzten Häusern imd hinderte dadurch alle seine
Versuche, nochmals vorzudringen. In dieser Aufstellung dauerte das
Gefecht bei Monzambano mit gleicher Hartnäckigkeit bis zur ein-
brechenden Nacht.
Das erste Bataillon war auf der rückwärtigen Anhöhe als
Reserve aufgestellt, woselbst sich auch das aus dem Feuer zurück-
gezogene dritte Bataillon sammelte und mit frischer Munition ver-
sehen wurde. Diese beiden Bataillons erhielten nun den Befehl,
sogleich über den Mincio zurückzumarschiren und sich vor Valeggio
auf der Strasse nach Bozzolo aufzustellen, um die Division des
F.-M.-Lt. Baron Mer rille zu verstärken, welche von der feind-
lichen Hauptmacht aus Mantua angegriffen, den ganzen Tag hin-
durch mit der grösster Tapferkeit gegen deren Ueberlegenheit ge-
fochten hatte. Kaum in dieser neuen Stellung angelangt, wurde eine
Division des dritten Bataillons unter Kommando des Hauptmanns
v. Adlersburg zum Angriff beordert. Zugleich rückte Oberst
Erdmann mit dem ersten Bataillon in des Feindes rechte Flanke
und Hess die Häuser Ii Furoni wegnehmen, wobei 60 Franzosen
niedergemacht, 2 Offiziere und 8 Mann gefangen wurden. Das dritte
Bataillon rückte indessen unaufgehalten rechts der Strasse vor,
während der Major v. Jaentschke mit einer Division des ersten
Bataillons im Sturmschritt mit klingendem Spiele den Feind von
vorne angriff. Ein lebhaftes Feuer aus dem Geschütz unterstützte
diesen Angriff, worauf der Feind, von der bereits eingetretenen
Nacht begünstigt, seinen Rückzug antrat.
Bei diesen blutigen Gefechten hatte das Regiment einen Ver-
lust von 34 Todten, 366 Verwundeten, 13 Gefangenen und 45 Ver-
missten ; darunter waren todt : Oberlieutenaut Karl v. Witt e,
verwundet: Hauptmann Strasky, Hönig, Oberlieutenant Schulz,
Schwarz, Baron Leidnitz, Lieutenant Sack, v. Werte n fei «I,
v. Buell, Baron Synoth, Fähnrich v. Niedermann, Pfau,
Baron Büren und Pein.
Oberlieutenant v. Witte blieb bei einem Kavallerieangriff
vor Monzambauo ruhmvoll auf dem Felde der Ehre, nachdem die
Digitized by Google
1*18-1815.
457
von ihm kommandirte Abtheilung, durch sein tapferes Beispiel
enmithiget, die Kavallerie kühn zurückgewiesen hatte.
Der Armeebericht vou diesem hartnäckigen Gefechte rühmt
das tapfere Betragen summtlicher Offiziere und Mannschaft des Regi-
ments und benennt nebst dem Obersten und Kommandanten, dessen
tapferer und zweckmässigen Leitung man die so glücklichen Resultate
verdankte, noch die besondere Auszeichnung des Oberstlieutenants
und Landwehrbataillons - Kommandanten Baron R i c h 1 e r , des
Oberstlieutenants v. Kray seile, der Majors v. Jaentschke und
Baron Wöber, welche ihren braven Bataillons zum Beispiele gedient
und vor allem das Zeugniss des muthvollsten Betragens sich er-
worben haben; ferners den Hauptmann Carove, welcher gleich
anfangs mit seiner Division eine Anhöhe erstürmte ; den Hauptmann
Baron Mylius, welcher durch einen beherzten Augriff eine vom
Feinde bereits abgeschnittene halbe Kompagnie des 11. .Tager-
bataillons von der Gefangenschaft befreite ; den Hauptmann H ö n i g,
welcher ungeachtet zweier Wunden sich dennoch nicht von seiner
Kompagnie entfernte ; den Hauptmann Baron Stockhausen,
welcher den Angriff in die feindliche Flanke bei den Häusern le
Furoni mit besonderer Entschlossenheit unternahm; die Oberlieute-
nants v. Schulz, v. Zipser und Heidenschreiter, welche
bei Einnahme dieser Häuser zuerst in selbe eindrangen, dann den
Hauptmann v. Adlersburg, Oberlieutenant Unkelhäuser
und Lieutenant Eckstein, die durch ihr ermunterndes Beispiel
den Mutli der Truppen belebten und in schwierigen Augenblicken
die Ordnung handzuhaben beflissen waren. Feldwebel Eisen von
der 15. Kompagnie zeichnete sich bei Gelegenheit, als das Bataillon
zum Aufmarsch aus Abtheilungeu in die Front kommandirt war und
ein Kartätsch enschuss in seiner Abtheiluug Verheerung anrichtete,
durch sein vorzüglich tapferes und unerschrockenes Benehmen aus,
wofür er am Schlachtfelde zum Fähnrich befördert wurde. Feldwebel
Grimmel von der vierten Kompagnie erhielt die goldene, ferner
die Feldwebels Johann Fuchsgruber und Johann Höpfel, dann
der Korporal Ludwig von der fünften und Gemeiner Hirnschall
von der sechsten Kompagnie die silberne Tapferkeits-Medaille, deren
sie sich bei Erstürmung mehrbesagter Häuser Ii Furoni würdig
gemacht hatten; Fuchsgruber hatte überdies den schwer ver-
wundeten Lieutenant Baron Synoth aus den Händen der Feinde,
158
lftlS-lftl».
mit edler Selbstaufopferung befreit, auf den Verbandplatz gebracht,
war aber dann wieder in seine Eintheilung zurückgekehrt.
Se. Majestät der Kaiser verlieh dem Hauptmann Baron Mylitis
das Kitterkreuz des Leopold- Ordens; Se. Majestät der Kaiser von
Russland dem Obersten v. Er d mann, wegen seiner Auszeichnung in
diesem Treffen, den St. Anna -Orden zweiter Klasse.
Auch die Grenadier - Division nahm in der Division des F.-M.-Lt.
Mervillc vorzüglichen Antheil an dem Kuhme dieses blutigen
Tages. Ihr Verlust bestand in 11 Todten und 45 Verwundeten.
Am 10. Februar griffen die Franzosen, die auf dem rechten
Ufer des Mincio bei Borghetto stehenden Oesterreicher mit vielem
Nachdruck an und bemühten sich vergeblich, dieselben über diesen
Fluss zurückzudrücken. Vom Regiment wurde das zweite Bataillon
in dieses Gefecht verwickelt, wobei es abermals mit Ruhm gefochten
und sich, sowie dessen Kommandant, Major Baron Wöber, den
besonderen Beifall des kommandirenden General erworben hat. Es
verlor hiebei: 2 Todte, 52 Verwundete, darunter Lieutenant Fischer
jun. und 8 Gefangene.
Nach dieser Affaire wurde das Regiment auf dem Monte
Magarino am linken Ufer des Mincio aufgestellt, von wo es am
17. Februar mit der ganzen Division des F.-M.-Lt. v. Radi-
vojevich in das Lager bei Querni abrückte. Eine ungewöhnlich
starke Kälte trat jetzt ein ; Krankheiten nahmen überhand und der
Mangel an Lebensmitteln in dieser Gegend ward täglich fühlbarer,
was den Kommandirenden bewog, der Armee eine ausgedehntere
Kantonni rang an z u weise u .
Das Regiment brach am 9. März von Querni auf und marschirte
in das Hauptquartier nach Verona zurück. Hier hatte es Gelegenheit
sich zu erholen ; Ergänzungstransportc rückten ein , welche den
erlittenen Verlust ersetzten. Ein heiteres Frühlingswetter gestattete
die Waffenübungen und bald war jede Wunde vernarbt, die dieser
Feldzug geschlagen hatte.
Oberst Johann v. Traut mann wurde am letzten Februar 1814
zum Regiment Nr. 15 transferirt, dagegen der Maria - Tberesien-
Ordensritter Oberstlieutenant Leopold Freiherr v. Rieh ler am
3. März zum Obersten befördert.
Am 27. April 1814 ward nach der mit dem Vicekönig von
Italien geschlossenen Konvention die Vorrückung in die Lombardie
Digitized by Google
1K1S -IK15.
459
befohlen, worauf am 28. das Regiment von Veroua aufbrach und am
7. Mai zur Besatzung in Mailand einrückte. Am 27. Mai ging das
erste Landwehr -Bataillon von Mailand nach Venedig ab. Desgleichen
marschirte am 8. Juni das zweite Landwehr- Bataillon von Venedig
nach Wien zurück, welchem am 13. Juli auch das erste Landwehr-
Bataillon folgte. Die Grenadier- Division verliess gleichfalls am
14. August Mailand, um nach Wien zurückzukehren.
Am 30. Mai 1814 war der Pariser Frieden unterzeichnet
worden; Napoleon hatte am 12. April zu Fontainebleau der
Regierung entsagt und die Insel Elba zum Aufenthalte angewiesen
erhalten. König Ludwig XVIII. bestieg den Thron Frankreich^.
Oesterreich erhielt die meisten der durch die Traktat« 1805 und
180D verlorenen Provinzen zurück, dazu die Lombardie und M antun.
Se. Majestät Kaiser Franz stiftete als Auszeichnung für alle,
welche den Feldzug 1813 und 1814 mitgemacht haben, ein Kreuz.
Das diesbezügliche Handschreiben Se. Majestät ddto. Paris, 21. Mai
1814 lautet:
„Um das Andenken an die letztverflossene merkwürdige Epoche
„und die grossen Ereignisse, woran Meine Armee so vielen Antheil
, hatte, auf die spätesten Zeiten zu übertragen, finde Ich Mich
.bestimmt, ein eigenes Zeichen zu stiften, welches die Brust der
»österreichischen Krieger ohne Unterschied des Banges, welche das
„ Glück hatten, an dem beendeten Kriege Theil zu nehmen, zieren
.soll; dieses wird aus eroberteu Kauonenmetall geprägt und hat die
.Gestalt eines mit einem Lorbeerkranze umwundenen Kreuzes, auf
.der einen Seite die Legende: Libertate Europac asserta 1813 1814,
.auf der Kehrseite: grati prineeps et patria. Franciscus imp. Aug.,
,zu erhalten. Es wird an einem gelb und schwarz eingefassten
.seideneu Band am Knopfloch getragen und besteht für alle Krieger
.aus einer Klasse.
.Diese Ehrenzeichen werden nur einmal vertheilt, sie bleiben
.den Erben. Jedem Theilhabenden steht es frei, seinen Namen auf
.den Rand des Kreuzes stechen zu lassen. Individuen in Meinen
.Diensten haben auf diese Auszeichnung allein Anspruch."
4»io
1813-1815.
Die Erhebung der Bourbons mit Ludwig XVIII. durch die
Alliirten auf den Thron Frankreich^ hatte die Eitelkeit des fran-
zösischen Volkes verletzt und die Erinnerung au den Ruhm und die
Siege Napoleon's nach erhalten.
Seit dem Herbste 1814 war der Monarchen -Kongress in Wien
versammelt, um die Karte Europa's auf festen Grundlagen fest-
zustellen; aber die Arbeiten machten lange Zeit nur geringe Fort-
schritte, ja es waren wegen Sachsen und Polen sogar ernste Zerwürf-
nisse entstanden.
Napoleon, von allen diesen Vorgängen wohl unterrichtet,
fand die Zeit gelegen, sich wieder des verlorenen Thrones zu
bemächtigen und hoffte aus der Uneinigkeit der Mächte den Nutzen
zu ziehen, sich auf demselbeu zu behaupten.
Da durchflog plötzlich die staunenerregende Kunde alle Länder,
dass der entsetzte Franzosen -Kaiser am 20. Februar 1815 mit den
ihm belassenen 1200 Garden Elba verlassen und am l. März bei
Cannes au der südfrauzösischen Küste gelandet sei. Die gegen
ihn ausgesendeten Truppen gingen zu ihm über und schon am
20. März zog er in Paris ein, welches Ludwig XVIII. Tags vorher
verlassen hatte.
Nach seiuer Thronbesteigung gab er den Alliirten die bündigsteu
Erklärungen seiner friedlichen Absichten, aber gleichzeitig hatte sein
Schwager Murat, König von Neapel, Oesterreich den Krieg erklärt
und so schenkte man seinen Versicherungen keinen Glauben, um
so weniger, als er seine Armee schnell auf 375.000 Krieger brachte.
Diese Ereignisse bewirkten schnell die Einigkeit im Kongress zu
Wien. Napoleon wurde in die Acht erklärt uud alle Armeen der
Alliirten in Bewegung gesetzt.
Auf Allerhöchsten Befehl vom 11. Februar 1815 wurde Major
Ferdinand Baron Voith v. Sterbecz, Kefereut beim General-
Kommando superuumerär dem liegimente iu Stand gegeben.
Als sich im Monat März 1815 die Armee gegen den König
Murat am Po zusammeuzog, musste das Regiment iu Mailand ver-
bleiben und machte dessen alleinige Besatzung aus. Dass es sich
aber auch hier während dieser kritischen Epoche vorteilhaft ver-
wenden Hess, beweist die Auszeichnung, welche Se. Majestät dem
Obersten Krdmanu durch Verleihung des österr. kaiserl. Ordens
der eisernen Krone angedeihen zu lassen geruhten.
Digitized by Google
isis isir,.
401
Major Ottavio Bernardo wurde am 1. Mai 1815 von der
italienischen Armee in Stand gegeben, qnittirte aber an dem-
selben Tage.
Gleich nach den ersten, mit den Neapolitanern siegreich ge-
lieferten Gefechten, Obernahm der General der Kavallerie Baron
Frimont das Kommando der Armee in Italien gegen Frankreich
und das Regiment ward am 4. Juni einstweilen nach Monza verlegt.
Am 15. Juni brach es von dort auf und rückte Aber Arona, Domo
Dossola und den Simplon durch das Walliserland nach Genf vor, wo
es nach angestrengten Märschen am 29. das Lager bezog. In der
Nacht vom 3. auf den 4. Juli erhielt das Regiment den Befehl,
Ober Frangy nach Eloise vorzurücken und mit Tagesanbruch den
dortigen Brückenkopf an der Rhone zu erstürmen. Der Feind mag
von dieser Vorrückung unterrichtet worden sein und hielt es für
besser, in der Nacht sich zurückzuziehen und die steinerne Brücke
zu sprengen. Mit aller Thätigkeit ward sogleich unter der Leitung
des Oberstlieutenant Wirker vom Pionnier- Korps zu der Errichtung
einer Nothbrücke geschritten, welche aber wegen der steilen und
sehr hohen Ufer erst am 6. in der Früh hergestellt und von der
Division des F.-M. -Lt. Ignaz Graf Hardegg, zu welcher das
Regiment gehörte, passirt werden konnte. Zwei Kompagnien des
dritten Bataillons unter Kommando des Hauptmann v. Adlersburg
marschirten über Seysell zur Berennung der Forts Pierre Chatcl;
zwei andere Kompagnien desselben Bataillons unter Anführung des
Hauptmann v. Emst wurden zur Einschliessung des Forts I/Ecluse
entsendet. Die andern Bataillone setzten ihren Marsch gegen Nantua
fort. Am See Syant stiessen sie auf den Feind, welcher keine Miene
machte, die weitere Vorrflckung zu verwehren. F.-M. -Lt. Graf
Hardegg beorderte das Regiment, den Feind in der Front anzu-
greifen, während die Landwehr -Bataillone der Regimenter Nr. 49
und 8 denselben auf seinen beiden Flügeln zu umgehen, befehliget
wurden. Nach einigem Widerstand wurde der Feind bis Nantua
zurückgeworfen. Das Regiment verlor 1 Todten, 1.3 Verwundete und
3 Vermisste. Korporal Josef Scharf der achten Kompagnie erhielt
wegen besonderer Auszeichnung eine Belohnung von sechs Dukaten
in Gold.
Am 8. rückte Hauptmann v. Ernst mit seiner Division wieder
beim Regimente ein, nachdem sich am 7. mit Tagesanbruch das
462
1818-1815.
Fort de L'Ecluse mit seiner Besatzung auf Diskretion an ihn ergeben
hatte, da durch das wohlangebrachte Feuer der österreichischen
Artillerie das Pulvermagazin in die Luft gesprengt worden und dann
an eine fernere Verteidigung nicht mehr zu denken war.
Am 11. versuchte der Feind zwischen Maximieux und Montuel
sich abermals dem Vordringen nach Lyon zu widersetzen. Der kom-
mandirende General Baron Frimont ordnete die Regimenter zum
Angriff, worauf es jedoch der Feind nicht ankommen Hess, sondern
jenen Vertrag unterzeichnete, kraft welchem am 15., IG. und 17. Juli
Lyon geräumt und übergeben werden musste. Am 15. rückte das
Regiment in die Verschanzungen von Lyon und am 16. besetzte es
die Vorstädte am linken Ufer der Saone, in welchen es am 17. von
Truppen des Armee-Korps des F.-M.-Lt. Grafen Bubna abgelöst
und in's Lager nach Chalous sur Saone gezogen wurde. Da indessen
der allgemeine Waffenstillstand geschlossen war und die österreichische
Hauptarme« sich mehr südlich hinabdehnte, so ging die Armee des
Generals Baron Frimont nach Lyon zurück und dem Regimente
wurden die Kantonniruugs - Quartiere in St, Vallier, Departement
de la Drome angewiesen.
Auch die unter Kommando des Hauptmanns v. Adlersburg
zur Einschliessung des Forts de Pierre Chatel entsendete Division
hatte ihren Auftrag zur Zufriedenheit ausgeführt, einen Ausfall der
Besatzung tapfer zurückgewiesen und sich, nachdem sie von dem
Landwehr- Bataillon des Regiments Nr. 41» abgelöst worden, schon
am 19. Juli wieder mit dem Regimente vereinigt.
In St. Vallier blieb das Regiment bis zum 29. August, von wo
es durch Savoyen und über den Mont Cenis nach Mailand zurück-
marschirte und daselbst bis zum 6. April 1816 in Garnison verblieb.
Das erste Landwehr - Bataillon ward von Wien nach Italien
in Marsch gesetzt und war längere Zeit die Besatzung von Ancona.
Das zweite Landwehr -Bataillon rückte im Jahre 1815 nicht in's Feld.
Die Grenadier - Division war im Verbände des Grenadier-
Bataillons de Best im April 1815 von Wien aufgebrochen und über
Linz, Straubing, Regensburg, Ingolstadt nach Stuttgart marschirt,
wo dasselbe am 30. Mai eintraf und die Eintheilung in die Brigade
des G.-M. v. Trapp, kurz nachher G. -M. Bentheim, Division
F.-M.-Lt. Erzherzog Ludwig, im Reserve - Korps G. d. K. Erz-
herzog Ferdinand d'Este erhielt.
Digitized by Google
1818 isir>.
403
Auf die Nachricht von der Schlacht bei Waterloo überschritt
Feldmarschall Fürst Schwarzenberg die französische Grenze.
Das Reserve - Korps bildete mit dem ersten und zweiten Armee-
Korps den linken Flügel der Ober - Rhein - Armee und wurde gegen
Basel und Rheinfelden in Marsch gesetzt, wo das Grenadier-
Bataillon in seiner Brigade am 28. Juni eintraf und daun nach
zwei Rasttagen den Marsch, ohne mit dem Feinde in Berührung zu
kommen, in die Gegend von Troycs fortsetzte. Hier angelangt,
erhielt F. - M. - Lt. Fürst Moriz Lichtenstein am 11. Juli den
Befehl, mit den zwei Kürassier- Regimentern Nr. 5 und 8, dann
der Grenadier - Brigade Bentheim (Bataillon de Best) nach Paris zu
marschiren.
Am 12. kam die Grenadier- Brigade in Quartier zu Troyes
und am nächsten Tage setzte sie sich gegen Paris in Marsch, wo
sie am 10. Juli en parade einmarschirte und nach der auf dem
Place de la Concorde erfolgten Besichtigung durch die Monarchen
Oesterreichs, Russlands und Preussen3 kasernirt wurde.
Nach einem zweimonatlichen Aufenthalte in Paris marschirte
die Grenadier - Brigade in das grosse Parade - Lager bei Dijon, wo
sich 65 Bataillone, 128 Eskadronen und 37 Batterien versammelten.
Der 4. Oktober war zur Heerschau und zu einem grossen
Manöver bestimmt. An diesem Tage verliessen die Truppen vor
Sonnenaufgang das Lager und stellten sich rechts von Couternon,
Front gegen Dijon, in Massen formirt, auf. Um 7 Uhr morgens
erschienen Se. Majestät der Kaiser Franz, der Kaiser Alexander
von Russland, der Kronprinz von Württemberg, der Prinz
Emil von Hessen, der Herzog von WT e 1 1 i n g t o n, Fürst
Wrede u. a. m. mit einem glänzenden Gefolge von über 500 Offizieren
aller Grade und aller Nationen auf der Höhe von Varois. Unbeschreib-
licher Jubel erschallte aus den Massen bei Annäherung der Souveräne,
Allerhöchstweiche nach Besichtigung der Tmppen sich wieder auf
die Höhe von Varois verfügten, worauf zwei Kanonenschüsse das
Zeichen zum Beginne des vom F.-M. -Lt. Grafen Radetzky
entworfenen Manövers gaben.
Dieses denkwürdige Manöver , bei welchem General Graf
Degenfeld mit den Regimentern Nr. 31 und 56 und dem
Huszaren - Regiment Nr. 4 den Feind zu markiren hatte, wird in
dem Operations - Journal vom Jahre 1815 folgendermassen geschildert :
m
1818-181$.
„Der Feind hat eine Stellung auf den Höhen zwischen Mirando und
„ApoHnaire bezogen; seine Avantgarde steht am Barmont - Bache,
„sein Gros auf der Bergrläche von ApoHnaire; die Dörfer Russey,
„Chivey, Varois, Carco und Chevigny sind von ihm besetzt. Dieses
„feindliche Korps, beiläufig 10.000 Mann stark unter General
„Degenfeld, sollte von der grossen Armee angegriffen, sein linker
»Flügel umgangen und dessen Centrum gesprengt werden.
„Das Signal zum Angriffe war erfolgt; da brachen die Avant-
garden der Flügel-Kolonnen aus der Heermassa vor; der Erzherzog
„Maximilian rückte rechts gegen Varois, seine leichten Truppen
„reinigten schnell vor sich das Terrain und gewannen die Höhe
„von Varois. Dieses Dorf wurde hartnäckig vertheidigt, der Erzherzog
„Hess seine Batterien auffahren und es beschiessen und das sechste
„Jäger- Bataillon nahm es endlich mit Sturm. Die Avantgarde unter
„F.-M.-Lt. Stutterheim ging links gegen die Mühle TEmperey;
„indessen bildeten sich die Massen der Hauptarmee in Angriffs-
, Kolonnen und Erzherzog Ferdinand Hess das erste Treffen
„über den Barmont -Bach setzen, während das zweite und dritte
„sich auf der Höhe von Varois entwickelte. Starke Kolonnen, be-
sonders an Kavallerie, umgingen das Dorf Varois und wendeten
.sich gegen den feindlichen linken Flügel. Nun rückte der rechte
„Flügel des Feindes vor und es begann ein heftiges Artillerie- und
, Kleingewehr - Feuer.
„Der Feind rückte vorwärts, mit grösster Anstrengung wurde
„das Dorf Chevigny erstürmt und erst nach dem Vorrücken der
„Reserve und den heftigen Angriffen mehrerer Kavallerie-Regimenter
„konnte das Alignemeut von la Motte genommen werden. Während
„diesem Vorgange hatte sich die Schlacht gleich stark auf dem
„liuken feindUchen Flügel und nach und nach im Centrum entsponnen.
„Schon waren die Divisionen Erzherzog Maximilian und Kinsky bis
„gegen Russey und in des Feindes Hnke Flanke vorgedrungen, als sich
„bei Champleve grosse Massen der feindlichen Kavallerie zeigten, die
„entschlossen schienen, einen Angriff zu wagen und das Centmm
„von dem rechten Flügel zu trennen. Da erschien F.-M.-Lt. Nostitz
„mit der Kavallerie-Reserve, in den Flanken durch zahlreiche leichte
„Reiter gedeckt und sechs Batterien mit sich führend. Tn gestrecktem
„Trabe wurden die Stücke aufgeführt und es begann ein heftiges
„Feuer auf die feindliche Kavallerie, während sich hinter den
Digitized by Google
1*15.
4fi5
„Batterien die sechs Kürassier - Regimenter en echellons zum An-
griffe mit ausserordentlicher Schnelligkeit hildeten. Diesen gegen-
über stand das Huszarcn-Regiment Nr. 4. Dieses wurde angegriffen
.und geworfen. Kaum war dieses geschehen, als aus dem im starken
„ Bataille-Feuer engagirten Centrum die Grenadier-Bataillons de Best
„und Haller hervorbrachen und das Dorf St. Apolinaire, von dem
.Regimente Nr. 31 aufs Hartnäckigste vertheidigt, mit Sturm
„ nahmen. General Degenfeld, in seiner linken Flanke durch den
, Erzherzog Maximilian und F.-M.-Lt. Kinsky bedroht und
, angegriffen , im Centrum von der Infanterie des Erzherzogs
„Ferdinand gedrückt, zog sich nun fechtend nach den Regeln
„der Kriegskunst aus seiner Stellung zurück, in welcher sich die
»siegende Armee aufstellte und sodann die hohen Monarchen mit
„ einem Lauffeuer durch die drei unabsehbaren Treffen begrfisste.
„Nach Beendigung des Manövers formirte sich die Armee zum
„Defiliren. Um 2 Uhr nachmittags begann der Zug; an der Spitze
„der Kaiser, nach ihm Fürst Schwarzenberg, dann die Armee
„in gedrängter Kolonne, die Infanterie mit halber Divisions-, die
„Kavallerie mit Eskadrons-, die Artillerie in Batterie-Breite vorüber-
ziehend; jeder anwesende Regiments -Inhaber führte sein Regiment
„selbst vor."
Se. Majestät der Kaiser erliess aus Dijon, 7. Oktober 1815,
an F. - M. Fürst Schwarzenberg nachstehendes Allerhöchstes
Handschreiben, welches der gesammten Armee publizirt wurde:
„Lieber Feldmarschall Fürst Schwarzenberg!
„Ich habe Mich überzeugt, dass Meine braven Armeen auch
„diesmal mit voller Hingebung freudig dem Rufe des Ruhmes, der
„Ehre und Pflicht gefolgt, durch gewohnte Tapferkeit, Mannszucht
„und Ordnung sich ausgezeichnet und dadurch allen Meinen Erwar-
tungen zu Meiner ganz besonderen Zufriedenheit entsprochen haben.
„Kaum von einem früheren mühe- und gefahrvollen Kriege
„zurückgekehrt, mussten Meine braven Armeen neuen Beschwerlich-
keiten, Meine guten Unterthancn sich neuen Anstrengungen unter-
ziehen. Der grosse Kampf, der Europa' s Völkerruhe, der uns mit
„diesen Glück und Wohlfahrt versichert, ist nun glücklich beendet.
„In dem Augenblick, wo Ich einen bedeutenden Theil der Armee
„hier versammelt und Mich von dem guten Geiste, der sie beseelt,
30
4t>r, ISIS 1815.
„überzeugt habe, linde Ich, da selbe nun ihre Rückkehr nach der
.Heimat antritt, Ihnen, lieber Fürst, für die grossen Anstrengungen
«und zweckmässige Leitung des Ganzen zu danken und Ihnen
.zugleich aufzutragen, Meinen gesammten Armeen und insbesondere
.der italienischen und neapolitanischen, sowie ihren koramandirenden
„Generalen, welche in diesem Feldzuge mehrere Gelegenheit hatten,
„sich durch hohen Muth und Tapferkeit aufs Neue auszuzeichnen,
„Meine besondere Zufriedenheit zu erkennen zu geben und Meine
„gesammten Armeen zu versichern, dass Mir ihr Bestes, so wie
„bisher, auch stets vorzüglich am Herzen liegen wird, weil Ich
„überzeugt bin, dass Sie die neuerdings vor der Welt beurkundeten
„militärischen Tugenden sorgfältig zu bewahrcu wissen werden.'
Jedem Infanterie- und Kavallerie - Regiment wurde gestattet,
einen Hauptmann, respektive Kittmeister sammt Nachrfickung zu
ernennen; desgleichen erhielt jeder Stabs- und Oberoffizier der zu
Paris in Garnison gestandenen Truppen einen Eqnipirungs - Beitrag
von 500 Francs, alle übrigen Offiziere der in Frankreich anwesenden
Truppen den Betrag von -100 Francs; jene Stabsoffiziere, deren
monatliche Gage mehr als 400 oder 500 Francs betrug, erhielten eine
einmonatliche Kriegs - Gratis - Gage.
Am 2. und 3. Mai hatten die Oesterreicher das neapolitanische
Heer bei Tolentino vollständig geschlagen; Murat verliess seine
Truppen und eilte in seine Hauptstadt. Jeden Vorschlag von Unter-
handlungen, die der König mit dem General Nu gen t anknüpfen
wollte, von sich weisend, setzten die Oesterreicher ihren Sieges-
marsch unaufhaltsam fort und zogen am 23. in Neapel ein, von wo
Murat, um der Volkswuth zu entgehen, schon einige Tage früher
hatte entfliehen müssen.
Nach einer Zeit versuchte Murat mit einem kleinen Anhang
sich wieder des Thrones zu bemächtigen, wurde aber von der
Bevölkerung verhaftet, dann von der neapolitanischen Regierung vor
ein Kriegsgericht gestellt und am 15. Oktober zu Pizzo erschossen.
Nach der am 18. Juni verlorenen Schlacht bei Waterloo war
Napoleon nach Paris geeilt und Alles bis auf ein kleines Häuflein
Getreuer hatte sich nun von ihm abgewandt, Am 22. stellte er
seine Verzichtleistung auf den Thron Frankreichs aus und ging
am 25. nach Malmaison, während die Engländer und Preussen Paris
immer näher rückten. Am 5. Juli wurde Paris übergeben, am 7.
Digitized by Go
1818-1815.
467
besetzt und am 8. zog König Ludwig XVI1L wieder in seine
Hauptstadt ein.
Der nun zum zweiten Male gestnrzte Kaiser der Franzosen,
nun einfach , General Napoleon Buonaparte*, hatte am 28. Juni
Malmaison verlassen und sich gegen die Kflste Frankreichs gewandt.
Am 3. Juli war er in Rochefort und nachdem es ihm unmöglich
war, den englischen Kreuzern zu entrinnen, um nach Nordamerika
zu kommen, bestieg er am 15. Juli, sich Englands Schutz anver-
trauend, den „Bellorophon", der ihn nach Plymuth führte. In Paris
wurde am 2. August von den Ministem der verbündeten Mächte ein
Uebereinkommen unterzeichnet, laut dessen der General Napoleon
Buonaparte als gemeinschaftlicher Kriegsgefangener der verbün-
deten Mächte erklärt, jedoch der Obhut England's anvertraut wurde.
Am 8. August wurde der General Buonaparte an Bord des
„Nothumberland* gebracht und auf eine kleine Felseninsel im atlan-
tischen Weltmeere, mehr als 1800 Seemeilen vom nächsten Festlande
entlegen, nämlich nach St. Helena geführt, wo er 1821 starb.
Am 20. November 1815 war der zweite Pariser Friede ge-
schlossen worden. Das grosse Werk der Befreiung Enropa's von
der Gewaltherrschaft eines übermächtigen Mannes und der Wieder-
herstellung der staatlichen Verhältnisse des Welttheils war voll-
bracht. Was Oesterreich betrifft, hatte es sich durch die Weisheit
und Kraft seines Kaisers und durch den Patriotismus seiner Völker
aus dem Zustande tiefster Erniedrigung nicht Mos auf seine frühere
Höhe emporgeschwungen, sondern stand mächtiger da als je!
Das Regiment Hoch- und Deutschmeister hatte in diesen
zwanzigjährigen Kriegen „in 90 Schlachten und Gefechten oft sieg-
reich! immer mit Ehren!* gefochten.
Sein Gesammtverlust an Todten, Verwundeten, Gefangenen und
Vermissten betrug 190 Offiziere und 11.777 Mann vom Feldwebel
abwärts.
30*
1
408 1S10-1819.
1816-1819.
Nach dem zweiten Pariser Frieden wurde die Lorobardie wieder
mit Oesterreich vereinigt und Kaiser Franz I. stiftete am 1. Jänner
1816 zum Andenken den Orden der eisernen Krone.
Oberst Moriz Graf 0 "Don eil wurde am 1. Jänner 1816 vom
Regiment Nr. 61 als supernumerär in das Regiment eingetheilt.
Die Grenadier- Division im Bataillon de Best war im Oktober
1815 von Dijon aufgebrochen und rflekte am 22. Jänner 1816 in
Wien ein, wo dasselbe in der Gumpendorfer - Kaserne untergebracht
wurde.
Auf Allerhöchsten Befehl wurden die Reserve - Division und
beide Landwehr- Bataillone am letzten Februar 1816 aufgelost; ihre
beiden Kommandanten, Oberst Leopold Baron Rieh ler, Maria-
Theresien - Ordensrittor, trat in Pension (starb 22. Dezember 1830
zu Wien) und Major Josef Graf Gill eis in das Civil zurück, wobei
dem letzteren der Oberstlieutenants - Charakter verliehen wurde. Die
Offiziere dieser Bataillone wurden dem Regiment einverleibt; die
aus dem Pensionsstand eingeteilten, sowie die aus dem Civile über-
nommenen, aber wieder in ihr früheres Verhältniss zurückversetzt.
Das Regiment brach mit den drei Feld - Bataillons am 11.,
12. und 13. April 1816 von Mailand auf und rückte im Juni, das
erste Bataillon in Wiener - Neustadt, der Regimentsstab und das
zweite in St. Pölten, der Stab und eine Kompagnie des dritten Batail-
lons in Purgstall ein, die übrigen Kompagnien dieses Bataillons wurden
nach Steinakirchen, Rothenhaus, Oberndorf, Ipsitz und Waidhofen
verlegt, von wo sie im Oktober ebenfalls nach St. Pölten gezogen
und in Cadre gesetzt wurden.
Nach dem Einrücken in diese Garnisonen fand die feierliche
Vertheilung der Medaillen und Geld - Douceurs an jene Mannschaft
statt, welche bereits in der Geschichte der Feldzüge 1814 und 1815
benannt sind; ausser diesen erhielt noch der Feldwebel Firk für
hervorragende Tapferkeit bei Palestrina, die silberne Tapferkeits-
Medaille, Korporal Scharf und Gemeiner Bartholomäus H u b i a n o,
ersterer für Nantua sechs, letzterer für Palestrina drei Dukaten
in Gold.
Digitized by Google
1*20-1*28.
400
Oberst Moriz Graf 0 'Doneil wurde am letzten September 1816
zu dem Regiment Nr. 45 transferirt.
Sc. Majestät geruhte mit Allerhöchster Entschliessung vom
24. Juli 1817 die neue Regiments - Bezirks - Eintheilung in den
deutschen konskribirten und den italienischen Provinzen zu bestätigen.
Das Regiment behielt seinen alten Werbbezirk, verlor aber jenen
Antheil in Galizien, indem dort 11 Werbbezirke für Regimenter
errichtet wurden. In diesem Jahre war auch das Reskript erschienen,
wornach nicht mehr als der sechste Theil der Offiziere eines Regi-
ments verheiratet sein dürfen.
Die neue Regiments - Bezirks - Eintheilung bedingte eine neue
Eintheilung der Grenadier -Bataillone. Die Division des Regiments
Nr. 63 kam in das Bataillon Bilharz und statt dieser rückte die
Division des Regiments Nr. 8 beim Bataillon ein, welches nun der
Oberstlieutenant Ignaz Moese v. Nollendorf von Nr. 8 kom-
mandirte.
Oberstlieutenant Johann v. Krayselle trat am 31. Juli 1819
in den Ruhestand ; in seine Stelle wurde am 30. August der Maria-
Theresien-Ordensritter Major Ferdinand Freiherr Voith v. Sterpetz
zum Oberstlieutenant befördert.
In diesem Jahre erhielt das Regiment das hofkriegsräthliche
Reskript, dass an Sonn- und Feiertagen kein Spiel zu rühren sei
und auch die Wachen in der Stille anzuziehen haben, um durch
das Spiel den Gottesdienst nicht zu stören.
In Portugal waren im Jahre 1819 Unruhen ausgebrochen,
welche damit endigten, dass der König die spanische Konstitution
einführte. Die Carbonari in Italien wurden dadurch ermuthigt; es
brach eine Militärverschwörung aus und König Ferdinand sah
sich genöthigt, ebenfalls in die spanische Verfassung zu willigen,
ebenso wurde Sizilien von den Aufständischen zur Annahme dieser
Verfassung gezwungen. Aehuliches geschah in Piemont Der König
entsagte dem Throne zu Gunsten seines Bruders Karl Felix. Die
470
1820-1828.
Insurgenten waren im Besitz der Hauptstadt und der Citadelle und
so bewilligte auch dieser die verlangte spanische Konstitution.
Die Häupter der heiligen Allianz, durch diese Vorgänge beun-
ruhigt, versammelten einen Kongress in Laibach, wo beschlossen
wurde, diesen revolutionären Bewegungen ein Ende zu machen und
Oesterreich beauftragt, diesen Beschluss zu vollziehen.
Das Regiment erhielt den Befehl, sich mit dem ersten und
zweiten Bataillon auf den Kriegsstand zu setzen und marschbereit
zu halten. Major Franz v. Jaentschke wurde am 20. Februar 1820
zum Regiment Nr. 45 als Oberstlieutenant befördert, dagegen der
Major Maximilian Baron Fürth von Nr. 57 in das Regiment ein-
geteilt.
Laut Eintheilungs- Liste im Monate August 1820 bestand das
Offiziers - Korps :
Oberst-Inhaber Erzherzog Anton Viktor, F.-Z.-M., Hoch- und
Deutschmeister.
Oberst Regiments-Kommandant Stefan v. E r d m a n n.
Oberstlieutonant Ferdinand Freiherr V o i t h von S t e r p e t z, Maria-
Tlierosien-Ordensritter, Generalkommando-Adjutant in Nieder-Oesterreich.
Major Johann Freiherr Wöbe r, Maximilian Freiherr Fürth.
Kaplan Anton Lamprceht.
Auditor Johann Schwabonick.
Arzt Dr. Johann K e 1 1 e r e r.
Rechnungsführer Josef Unkel.
Adjutant Philipp von B o 1 z a.
Bataillons -Adjutanten Anton Braun, Franz Stadler, Leop. Eisen.
a
es
s
©
Hauptmann
Lieutenant
Fähnrich
«
a
Ober-
Unter-
l
5
'•3
—
1.
Eugen
Br. Bretton
Joliann
rnkelhäuser
Ludwig Hahn
Greni
2.
Anton
Br. Stensch
Josef
Gr. Sourville
Daniel
Schnorbusch
1.
Vincenz Viktor
Anton Braun
Robert
Br. Basse
Ambros Fenk
2.
Nepouiuk Kolb
Johann
v. Schwarz
Wenzel
Messinger
Ferdinand
v. Hartenfeld
CK
n
(-
a.
Andreas
Rosgen
Adam
Wagcuhcim
Karl Metz
Georg Reither
4.
Wenzel Ernst
Ludwig v. Mayer
Nikolaus Maurer
Johann
Fuchsgruber
5.
Johann
v. Till
Josef v. Zipser
Kerd. Prinz H< >-
seu-Philippstbal
Josef
v. Horvath
Digitized by Google
18*0-1828.
471
!5
Hauptmann
Lieutenant
i annnen
i
Ober-
Unter-
m
Ol
t
6.
Johann Sacher
Georg Schulz
Ferdinand
Fischer jun.
1 J 1 f t Fl II M
Dormann
7.
Karl
ßr. Legisfeld
Karl Voigt
Josef Sack
josei unroii
Starenfeld
8.
Georg
Br. Hikauer
. . —
Georg Schlinger
Bernhard Matt
Kranz
r Taut
v. Ratky
J
9.
Jobann
v. Birkenstock
Franz
v. Dueii
Karl Neumann
Josef Martinolli
10.
Josef
v. Innerhofer
Franz
or iicianiiz
Anton Lacroix
Franz Lindlau
11.
Philipp
v. Weikersreiter
Frani
v. JJietrien
Franz Schiitter
Karl Stephan
12.
Nikolaus
Brunner
Georg Roller
Ferd. Joschka
0 Uli Zill 11
Frauendorfer
13.
Thaddäus
Bruckmayer
-
Ludwig
hberling
Christof Nonner
v. Violand
14.
Josef Hoffmann
Joh.Schemberger
Melchior Ganz
Kgid Prohaska
Johann Klimsch
g
15.
Johann
v. Gilg
Br. Lichtenstern
Anton Beinert
Franz Pfau
Josef
Br. Hannig
s
16.
Johann
Br. Fichtel
Stephau
KersL-hmar
Philipp Litter
Karl
v. Haan
17.
Michael
v. Schwabel
Job. Bachnitzer
Andreas Stöbe r
Friedrich
Hofbauer
Peter
Br. Westbof
18.
Karl v. Mayer
Max v. Jarisbnrg
K. v. Mehlführer
Ferdinand
Fischer seu.
Anton Bosio
Fähnrich Karl HS ring, Krziohungshaus- Kommandant.
Der Regimentsstab, das erste und zweite Bataillon vereinigte
sich am 24. August 1820 zu Wr. -Neustadt und marschirte durch
Steiermark, Krain, Görz, das Venezianische nach Bergamo. Hier kam
das Regiment in die Reserve -Division des F.-M. -Lt. Graf Lilien-
berg. 49 Bataillons, 40 Eskadrons und 17 Batterien in den fünf
Divisionen der Generale Wallmoden, Wied-Runkel, Stutter-
heim, Hessen-Homburg und Lederer harrten des Aufbruches
über den Po.
Hauptmann Anton Baron Steutsch avancirte am 24. Sep-
tember 1820 zum Major beim Regiment Nr. 49, dagegen von dort
der Hauptmann Ludwig Baron Fels zum Major im Regiment.
472
1820 —
Im Dezember erhielt das Regiment die Eintheilung in die
Division des F.-M.-Lt. Baron Stutterheim und in die Brigade
des G.-M. Baron Geramb und gehörte nun zu den mobilen
Truppen. Diese wurden nach der Mitte des Jänner 1821 näher gegen
den Po kouzeutrirt Am 4. Februar machte der G. d. K. Baron
Frimont der Armee durch Generalsbefehl seine Ernennung zum
Kommandanten derselben bekannt. Die um Mantua kantonnirende
Division Stutterheim, dabei das Regiment, wurde bei San Benedetto
Ober den Po geschifft und jenseits konzentrirt. Das Regiment führte
einen unangrciflicheu viertägigen, die Kolonnen -Magazine einen
achttägigen Proviant- Vorrath mit sich, so dass das Regiment stets
auf zwölf Tage mit Lebensmitteln versehen war.
Am 9. traf die Division Wallmoden in Bologna ein, wendete
sich von hier links gegen Ancona, während die Hauptmacht rechts
gegen Florenz zog. Am 15. Februar kam das Hauptquartier in Florenz
an. Die Division Stutterheim hatte bereits Sieua erreicht. Am 17.
traf die Division Wallmoden in Ancona ein und bildete nun bei der
weiteren Vorrückung gegen Rom den linken Flügel. In der Mitte
marschirte der Kommandirende mit den Divisionen Wied, Hessen-
Homburg und Lederer über Perugia gegen Foligno, die Division
Stutterheim auf dem rechten Flügel über Morosi gegen Civita
Castellano.
Am 21. laugte der Kommandirende in Perugia an, wo die
Nachricht eintraf, dass die neapolitanische Armee in zwei Kolonnen
vormarschire. Stutterheim erhielt daher den Befehl, sich zwischen
Civita Castellano und Monte Rosi aufzustellen, die Brücke der Tiber
stark zu besetzen und das jenseitige Land gegen Rieti und Terni
zu überwachen, was auch am 22. in Vollzug gesetzt wurde.
Nachdem am 25. von der Division 1 Bataillon und 2 Eska-
drons an die Tiber nach Borghetto gerückt waren, um des Feindes
Bewegungen gegen Rieti zu beobachten, konzcutrirte sich die
Division am 27. in Monte* Rosi und marschirte am folgenden Tage
nach Ponte mollc bei Rom, dann am 1. März nach Tivoli.
Hier erhielten die Truppen das Mauifest des Königs von Neapel,
worin derselbe seiner gesammten Land- und Seemacht befahl, die
Truppen seiner erlauchten Alliirten als ein Heer zu betrachten,
welches nur allein für das wahre Wohl des Königreiches handle,
ebenso eine Proklamation des Kommaudirenden in vielen gedruckten
Digitized by Google
1*20 -182h.
473
Exemplaren, um dieselben in den benachbarten neapolitanischen
Provinzen zu verbreiten. Beide hatten nicht den gewünschten Erfolg,
im Gegentheile konzentrirten sich die Neapolitaner bei Civita Ducale,
um den Kampf zu beginnen.
Am 3. März blieben die Truppen der österreichischen Armee
in ihren Stellungen, und zwar: Wallmodeu in Rieti und Casa-
Vicentini, Wied und Hessen-Homburg bei Terni, Lederer
in Foligno und Stutterheim in Tivoli.
Am 4. März wurde die Armee zur bevorstehenden Vorrückung,
da die Neapolitaner sich zu widersetzen erklärten, in zwei Korps
geschieden. Das Eine, bestehend aus den Divisionen Wallmoden und
Wied, sollte F.-M.-Lt, Baron Mohr links gegen die Abruzzeu
führen; mit dem Zweiten, Divisionen Stutterheim, Hessen-Homburg
und Lederer, wollte F r i m o u t selbst gegen den Garigliauo operiren.
Die Disposition für den am 9. März bestimmten Angriff auf die
neapolitauischen Linien wurde am G. hiuausgegeben. Aber schon am
7. griff der feindliche General ohne vorausgesandte Kriegserklärung
die österreichischen Vorposten der Division Wallmoden bei Rieti an.
Bald entwickelte sich der Kampf, der zwei Stunden währte und mit
der Flucht des Feindes endete. Auch bei Pie di Lugo hatte der Feind
an demselben Tage zwei österreichische Bataillons angegriffen, war
aber ebenfalls in die Flucht geschlagen worden. Die in Tivoli stehende
Division Stutterheim wurde an diesem Tage gar nicht angegriffen,
sondern erhielt den Befehl, am 8. März nach Arsoli vorzurücken,
am 0. Carfoli zu nehmen, bis Colli zu gehen und Tagliacozzo zu
bedrohen. Der Vormarsch der Division erfolgte am 8. in mehreren
Kolonnen, welche sich bei Vicovaro sammelten. Am Morgen des
9. März bewegten sich die Truppen von allen Punkten zum Angriffe.
Die Division Wallmodeu sticss bei Cauetra auf den Feind und warf
ihn nach Borghetto zurück. Die Besatzung des Caatells Antrodocco
suchte Widerstand zu leisten, ergriff aber nach kurzer Beschiessung
die Flucht, worauf der Feind theils gegen Aquila retirirte, theils
sich im Gebirge zerstreute. Die Division Stutterheim war während
diesen Vorfällen über Rio freddo und Arsoli marschirt, stellte sich
bei der Osteria Cavalierc und hatte keinen Feiud getroffen.
Am lo. März rückte Wallmoden von Antrodocco über die
Hochfläche von Passo del corno, gegen Aquila vor. G. d. K. Baron
Frimont übertrug dem F.-M.-Lt. Mohr die Leitimg der Be-
474
1S20-1828.
wegungen auf dieser Seite und reiste uach Frascati, um die Vorrückung
der Divisionen Stutterheim, Hessen - Homburg und Lederer gegen
San Oermano und Mignano zu leiten, wo man einer bedeutenden
feindlichen Macht zu begegnen erw artete. An demselben Tage schlugen
die Truppen des F. - M. - Lt. Mohr die Feinde bei Aquila, Monte
reale und Marano derart, dass sie gänzlich aufgelöst in wilder Flucht
in dem Gebirge ihr Heil suchten. So hatte nun das zweite feindliche
Armeekorps zu existiren aufgehört, auf dieser Seite war kein Wider-
stand mehr zu erwarten.
Stutterheim nahm am 10. Kocca di Cervo. Kr hatte Befehl,
mit dem giö8sten Theil seiner Division über Valmonte zu marschiren,
wohin auch die Division Hessen - Homburg ihre Richtung nahm,
welche beide Divisionen sich bei dem Uebergang Ober den Liris bei
Coprano vereinigen sollten. Die Division Lederer stand zu Terni.
Am 11. ergab sich die Citadelle zu Aquila; Stutterheim traf mit
der Brigade Klopstein zu Arsoli ein, die Brigade Geramb zu Val-
montone, Lederer rückte auf Terni nach. Der Teverone konnte am
folgenden Tage nirgends passirt werden, daher raarschirte die Brigade
Klopstein nach Tivoli zurück und das Geschütz wurde über Kom
nach Valmontone geschickt. Die Brigade Geramb blieb an dem und
dem folgenden Tage in diesem Orte stehen und raarschirte am 14.
nach Anagni, Klopstein und die Division Hessen -Homburg nach
Valmontone, Lederer nach Monte -Kosi.
Am 15. marschirte die Division Stutterheim nach Frosinoue,
am 17. über Ceprano, wo die Pionuiere eine Bockbrücke über die
Liris schlugen, nach Arcc und lagerte bei liocca - secca, die Avant-
garde bei Pallazuolo. Eine nach San Germano geschickte Patrouille
brachte abends die Kunde, dass diese Stadt vom Feinde verlassen,
das befestigte Kastell Monte Gassino aber besetzt sei. Am folgenden
Tage bezog die Division Stutterheim ein Lager bei San Germano,
Hessen - Homburg am Flusse Melsa, Ledei er bei Caprano. Am
19. März setzte die Division Stutterheim ihren Vormarsch auf der
Strasse nach Trano fort. Das in der Geschichte so berühmte Kloster
Monte Gassino wurde von den zwei Grenadier- Kompagnien, die
dessen Besatzung bildeten, an diesem Tage auf die zweite Auf-
forderung mit cilf Gcschützeu übergeben.
Am 20. März vereinigten sich die beiden österreichischen Korps
gegen Capua. Die Division Stutterheim lagerte sich bei Toricella.
Digitized by
475
Am folgenden Tage wurde eine Konvention abgeschlossen, welcher
zufolge alle Feindseligkeiten eingestellt, Capua und Aversa von öster-
reichischen Truppen besetzt werdeu sollten. Stutterheim und die
übrigen beiden Divisionen lagerten nun um Capua, hielten hier am
22. Rasttag und marschirten am 23. nach Aversa, wo die Vorbe-
reitungen getroffen wurden, um am folgenden Tage in voller Parade
in die Hauptstadt des zu pacincireuden Reiches einzurücken.
Mit Tagesanbruch konzentrirten sich die österreichischen Divi-
sionen auf dem riesigen Exerzierplatze Neapel's auf dem Campo di
marte. Da lag Stadt, Rhede und der Vesuv vor den Augen der
Soldaten. Nach den Strapazen einer siebenwöchentlichen Winter-
operation durch die unwirklichen Appeninnengebirge glänzten ihnen
die Annehmlichkeiten einer so zu sagen unvergleichlichen Garnison
entgegen. Die Arme stelltee sich en Ordre de bataille nach Divisionen
und Brigaden auf und rückte bis Reclusorio vor. Sodann erschien
der Kommandirende G. d. K. Baron Frimont an der Spitze einer
glänzenden Suite und sofort begann der Einzug der Armee in Neapel.
Das Regiment Nr. 51 mit einem Zug Huszaren an der Spitze,
betrat zuerst das Innere, um die Stadt militärisch zu besetzen.
Sodann erst setzten sich die übrigen Truppen in folgender Reihen-
folge in Bewegung. Als Avantgarde marsehirte eiue Division des
Huszaren - Regimentes Nr. 5 mit dem Chef des Gencralstabs, zwei
Ordonnanz-Offiziere und vier Adjutanten voran. Darauf ritt der Kom-
mandirende mit allen nicht bei der Truppe verwendeten Generalen
und der Suite unmittelbar an der Spitze der nachiolgenden Divisionen
Wallmodeu, Hessen-Homburg, Stutterheim und Lederer. Alles befand
sich in vollster Parade und trug Feldzeichen von Olivenzweigen. Der
Einzug der Armee glich nicht etwa dem Einmarsch eiuer als feindlich
angesehenen Truppe, sondern im Gegeutheile einem wahren Fest-
gepränge. Die Fenster und Balkons waren allenthalben mit Teppichen
geschmückt, von allen Seiten wurde den Oesterreichern zum Will-
komm mit Tüchern eutgegengesehwenkt, der erste Gruss mit grünen
Baumzweigen zugewinkt. Donnernde Evivas schallten zu Ehren der
Befreier von Rebellenanarcbie. Die Kolonne bewegte sich durch dio
Strada Toria, bei Fossi dei Grani vorbei, über den Largo Mercatcllo,
durch die Strada Toledo zum Palazzo reale, von dessen Balkon der
Kronprinz Franz sammt der königlichen Familie der Detiliruug der
Armee anwohnte. Und durch dieselben Gassen, welche vor wenig
47(5
im- im.
Stunden ein pittoreskes Bild von ltebellenhaufen dargeboten hatten
und in denen die prahlerische Drohung erschallt war, dass die
Oesterreicher bis auf den letzten Mann würden vertilgt werden,
durch dieselben Gassen hallte nun der Jubelruf des bei weitem
grosseren Theiles jener Bevölkerung, welche sich nach Ordnung und
Ruhe sehnte. Nach geendigter Defilirung machte der kommandirende
General mit der gesammten Generalität und allen Stabsoffizieren
der königlichen Familie die Aufwartung. Das Regiment erhielt die
Quartiere in der Stadt.
Major Johann Baron Wöber war am 27 Februar 1821 zum
Oberstlieutenant und Hauptmann Karl Baron B r ä u n e c k von Nr. 28
am 10. März zum Major im Regiment befördert worden.
Anfangs Mai wurde auch die Insel Sizilien vom F. -M.-Lt.
Graf Wallmoden mit 8000 Mann besetzt. Gleichzeitig wurde das
Regiment gegen die Grenzen Calabriens nach Nocera di pagani,
La Cara und Salerno vorgeschoben, in welcher Provinz die Neigung
zur öffentlichen Ordnung noch nicht zur vollen Beruhigung der
Regierung zurückgekehrt war.
Ein zusammengesetztes Streifkorps aus dem ersten Bataillon
des Regiments, einer Abtheilung Jäger und Kavallerie bestehend,
marschirte unter Kommaudo des Obersten v. E r d m a u n im Monate
August von Nocera über Salerno und Eboli in das uuwirthbare
Calabrieu mit der schwierigen Bestimmung, diese ganze Provinz bis
au ihre äusserste südliche Spitze an der Meerenge von Messina uud
Reggio zu durchstreifen und dadurch die Autorität der politischen
Behörden zu befestigen. Das erste Feld - Bataillon kommandirte
Oberstlieutenaut Freiherr v. W ö b e r ; das in Nocera zurückgebliebene
zweite Bataillon Major Freiherr v. Fels, welchem für die Zeit der
Detachirung des Obersten auch das Regiments - Kommando über-
tragen war; das in Wien gurnisonireude Grenadier- Bataillon Oberst-
lieutenant Georg Freiherr v. Waldstätten des Regiments Nr. 3.
Binnen weniger als drei Monaten wurde diese wichtige uud
zugleich militärisch - politische Aufgabe bei vielen Entbehrungen,
Terrainhindcruissen und schädlichen klimatischen EiuHüssen gelöst.
Der Verlust an Mannschaft war um so bedeutender, als Calabrieu
hinsichtlich seines Iunern wenig bekannt, seit undenklichen Zeiten
von keiuer regulären Truppe durchzogen worden war uud daher
aller Anstalten einer geregelten Unterkunft und Verpflegung des
Digitized by Google
1820-
177
Soldaten entbehrte. Krankheiten, von anstrengenden Märschen und
dem Klima erzeugt, lichteten die Reihen der den Kriegsbeschwerden
keineswegs entfremdeten Mannschaft, welchen insbesondere die fünfte
Kompagnie unter Kommando des Hauptmanns Konrad Mollmann
bei ihrer Detaehimng zu Cosenza ausgesetzt war. Im Monate Oktober
1821 nach Nocera zurückgekehrt, erfreuten sich diese ermüdeten
Truppen einer baldigen Erholung in der Wiedervereinigung mit ihren
Waffenbrüdern unter dem mildesten und fruchtbarsten Himmels-
striche Italien's. Auch das zweite Bataillon unter Major Baron Fels
unternahm noch in diesem Jahre eine ähnliche Expedition in die
Provinz Basilicata, kehrte aber in kurzer Zeit zurück. Hierauf kan-
tonnirte das. Regiment in dem Distrikte von Nocera ununterbrochen
bis zum Monat Juni 1822, zu welcher Zeit ihm die Bestimmung
wurde, die Hauptstadt des alten Parthenope zu beziehen.
Vor dem Abmärsche dahin feierte es das Geburtsfest Seiner
Majestät des Kaisers Franz 1. am 12. Februar 1822 auf der Haide
von Nocera an einem jener herrlichen südlichen Frühlingsmorgen,
geschaart um das unter freiem Himmel errichtete Kapellenzelt auf
eine für das Regiment ebenso merkwürdige als rührende Weise.
Nach beendetem Gottesdienste traten nämlich die zwei Aeltesten
jeder Charge vom Feldwebel abwärts aus den Reihen hervor und
überreichten dem Obersten v. E r d m a n n ein von ihnen freiwillig
zusammengelegtes Kapital von 200 fl. C.-M. mit der Bitte, hievon
zum immerwährenden Andenken an jene Allerhöchste Geburtsfeier
des allgcliebten Kaisers F r a n z I. eine Stiftung zu gründen, von
deren Interessen alljährig am 12. Februar die zwei ältesten Invaliden
des Regiments betheilt werden sollen. Diese Stiftung wurde dem-
nach auch realisirt und den patriotischen Gründern das Allerhöchste
Wohlgefallen öffentlich zu erkennen gegeben. Der im Jahre 1823
am 20. Juli von weiland Se. Majestät Kaiser Franz I. unter-
fertigte Stiftungsbrief ist beim Regimente hinterlegt.
Tilajor Maximilian Baron Fürth des Regiments wurde 1822
Kommandant des Grenadier - Bataillons.
Vom Monate Juni 1822 angefangen garnisonirten beide Feld-
Bataillons des Regiments durch drei Jahre in Neapel und zwar bis
zum 10. Juli 1825, worauf dieselben an die Stelle des nach Ober-
Italien zurückmarschirten Infanterie - Regiments Nr. 21 als Besatzung
in die Festung Capua rückten.
Digitized by Google
478
1820-1828.
Während dieser Zeit am 22., 23. und 24. Oktober 1822 fand
ein imposanter Ausbruch des Vesuv's statt. Der Feuer-Regen reichte
bis Torrc Anunziate, der Aschen -Regen über Neapel, Salerno bis
Capua ; in Nocera wahrte .% Stunden volle Finsterniss. Die Soldaten
des Regiments gingen bis zur glühenden Lavastrasse alla Scala del
Cardinale, wurden aber hier durch einen heftigen Steinregen aus dem
Krater zum Rückzug genöthigt.
Mit Allerhöchster Entschliessung vom 8. April 1824 war Oberst
Stefan v. Erdmann zum General-Major und Brigadier in Mailand,
dagegen mit IG. Juni der Oberstlieutenant und General -Kommando-
Adjutant in Nieder-Oesfrrreich Ferdinand Voith Freih. v. Sterpetz
zum Obersten und Regiments-Kommandanten ernannt worden. Major
Baron Fürth wurde am 31. August 1824 zum Regiment Nr. 29
transferirt, dagegen von dort der Major Friedrich Prinz zu Nassau
am 1. September in das Regiment eingetheilt.
Oberstlieutenant Baron Wöber, welcher im Jahre 1823 mit
einer Abtheilung des Regiments aus Neapel mit auerkanntem Erfolge
einen abermaligen Streifzug durch Calabrien unternommen hatte,
wurde zu dem in Wr.- Neustadt garnisouirenden dritten Bataillon,
dagegen Major Karl Baron v. Bräun eck zum ersten Bataillon
übersetzt.
Nachdem das Regiment in der Kantonnirung zu Nocera in der
Brigade des G.-M. Baron Geppert und der Division des F.-M.-Lt.
Baron Leder er, während der Garnisonirung in Neapel aber in der
Brigade des Generalen v. Söldenhofen, Division F.-M.-Lt. Prinz
zu Hessen-Homburg gestanden, wurde es während der Okku-
pation der Festung Capua in die Brigade des G.-M. und Festungs-
Kommandanten Baron Paumgarten, Division des F.-M.-Lt.
Baron Lederer eingetheilt.
Die Mnnifizenz des Regenten hatte in Anerkennung der Ver-
dienste des k. k. Okkupations - Korps um die Wiederherstellung der
öffentlichen Ordnung in dem Königreiche beider Sizilien den Truppen
der dortigen Besatzung durch die ganze Zeit ihrer Anwesenheit und
bis zu dem Rückmärsche über den Po, die ursprünglich eingeführte
Etappen - Verpflegung belassen.
Diese bestand für den Hauptmann ausser der gewöhnlichen
Kriegsgebühr in täglichen 0 Franken und für den subalternen Offizier
in täglichen 5 Franken. Die Mannschaft bezog ein tägliches Etappen-
Digitized by Google
1S20-1S29. .170
Belutum von 10 Kreuzern. Ueberdiess lohnte Se. Majestät König
Franz I. die besonderen Verdienste um den väterlichen Thron
durch zahlreiche Ordensverleihungen. General v. Er d mann erhielt
das G rosskreuz, Oberstlieutenant Baron Wöber das Kommandeur-,
Hauptmann v. W ei kers reite r als Platzkommandant von Capua
das Ritterkreuz des k. sizilianischen St. Georg- Ordens.
In der Festung Capua garaisonirte das Regiment bis zu seinem
Rückmärsche aus dem Königreiche, nämlich bis zum Monate März
1827. Durch Verträglichkeit mit dem Civile, in allen Garnisonen
Italien's gerne gesehen, erwarb sich das Regiment besonders in
Capua die Liebe der Bewohner durch Verbesserung der Strassen
und Anlegung eines öffentlichen Gartens. Diese Verschönerungen
bewirkten die Arbeiten der Mannschaft und zum Theil auch die frei-
willigen Beiträge des Offiziers- Korps in Bezug auf den zum Bereich
der Kaserne gehörigen Garten.
Vor dem Abmärsche des Regiments, der letzten aus Neapel
zurückkehrenden Kolonne, verehrte demselben die Stadt Capua unter
Repräsentation ihres würdigen Syndikus, des vormaligen Obersten
Conte Friozzi ein reichgesticktes Fahnenband mit einer passenden,
die Dankbarkeit und fortdauernde Erinnerung der Börger an die
Humanität des Regiments ausdruckenden Inschrift.
Am 5. Mai 1825 hatte der Wiener Börger und gewesene
Feldwebel Gottlieb Reymann zum Andenken seiner Dienstleistung
im Regiment Hoch- and Deutschmeister eine Stiftung errichtet,
vermöge welcher von den alljährlich entfallenden Interessen des in
1000 fl. C.-M. bestehenden Stiftungs - Kapitales dem ältesten Feld-
webel des Regiments die Hälfte, dem ältesten Korporal ein Vier-
theil und den ältesten zwei Gemeinen ebenfalls ein Viertheil als
Zulage erfolgt werden soll.
Im Monat März 1827 nach wiederbefestigter Ordnung im
Königreiche Neapel trat das Regiment seinen Rückmarsch nach
Ober -Italien über Teracina, Viterbo, Rom, Florenz, Bologna und
Modena an, überschritt den Po bei St. Benedetto und erhielt die
Bestimmung, unter Kommando des F.-M.-Lt. Br. Lederer in
Bozzolo am Oglio und Casalmaggiore am Po zu kantonniren, wo das
Regiment im Monat Mai eintraf. Bei dem Marsche durch Rom
wurde dem mit dem Regimentsstabe vereinigten zweiten Bataillon
am Rasttage die Auszeichnung zu Theil, nach gehörtem Messopfer
480 1 «0-1*23.
in dem prachtvollen Riesentempel des heiligen Petrus den Segen
des Papst Leo X. zu empfangen, nach welcher feierlichen Weihe
das Offiziers -Korps im Empfangssaale des Vatican zum Kusse des
päpstlichen Fischerringes zugelassen wurde. Diese religiöse Feier
erheischt hesonders darum eine ausdrückliche Erwähnung, weil ehen
damals im Jahre 1827 das Säcular-Fest des heiligen Jahres ein-
getreten war.
Zum besondern Gedächtnis« derselben wurden von Se. päpstlichen
Heiligkeit jedem der Feld -Bataillons eine silberne Denkmünze ver-
liehen, welch*' auf Befehl Sr. kaiserl. Hoheit des durchlauchtigsten
Herrn Regiments -Inhabers Erzherzog Anton dem Erziehungshause
zur Aufbewahrung Obergeben wurden. Die wirkliche Uebergabe fand in
Gegenwart des Ohcrstlieutenants Baron Wöber und des gesammten
Offiziers -Korps des dritten Bataillons nach einer von dem Katecheten
Franz Stock may er an die versammelten Zöglinge gerichteten
angemessenen Rede statt.
Vom Monate Mai 1S27 bis zum März 1820 stationirte das
Regiment in Casalmaggiore und Bozzolo, in Ersterem der Regiments-
stab mit dem zweiten und in Letzterem das erste Bataillon.
Nachdem Unter- Italien und auch das päpstliche Gebiet von
der österreichischen Besatzung mit Ausnahme von Ferara vollständig
geräumt worden war, gebot es die Vorsicht, zur Verhinderung von
Reaktionen in den kleinen italienischen Staaten ein Observations-Korps
zwischen dem Po, Mincio und Oglio aufzustellen. Dieses Korps, in
beiläufiger Stärke von 14.000 Mann, stand unter dem Befehle des
F.-M.-Lt. Br. Lederer und behielt zu seiner Mobilität die Kriegs-
Rationen. Das Regiment bildete demnach gleichsam die Vorhut
jenes Observations-Korps, mit dem rechten Flügel gegen Parma und
Quastalla und mit dem linken gegen Mantua und S. Benedetto
gelehnt, mit der Front gegen Modena und den Kirchenstaat gestellt.
Am 17. Mai 1827 verlor das Regiment zu Casalmaggiore an
der Lungenlähmung seinen Kommandanten, Oberst Freiherr Voith
v. Storp et z, einen erfahrenen, einsichtsvollen und gerechtigkeits-
liebenden Chef, dessen vorgerückte Jahre und Gebrechlichkeit in
Folge schwerer, schon im Tfirkenkriegc erhaltenen Wuuden dem
fremden klimatischen Einflüsse unterlagen. Das Interims - Regiments-
Kommando übernahm Major Baron Fels, dessen Bataillon dem
Grenadier - Hauptmann Adlcrsburg übertragen wurde.
Digitized by Google
1*29-1847.
481
Mit Allerhöchster Erschliessung vom 27. Juni 1827 wurde
Oberstlieutenant Freiherr v. Wöber zum Obersten und Regiments-
Kommandanten, Major Ludwig Baron Fels zum Oberstlieutenant
und Kommandant des dritten Bataillons ernannt und der Oberst-
lieutenant Friedrich Prinz zu Nassau als supernumerär in das
Regiment eingetheilt.
1829-1847.
Beim Beginn des Jahres 1829 wurde das um Cremona und
Mautua aufgestellte Observations-Korps aufgelöst und das Regiment
zum Rückmarsch beordert. Dieser ging Ober Mantua, Verona, Vicenza,
Treviso, ödine, Cremona und Ponteba nach Kärnten, wo das Regiment
am 1. und 2. Mai in Klagenfurt eintraf. Das erste Bataillon mit
dem Regimentestab garnisonirte in der Hauptstadt Kärntens, das
zweite Bataillon mit vier Kompagnien in St. Veit unter Kommando
des mit Allerhöchster Erschliessung vom 1. Mai 1820 vom Haupt-
mann zum Major beförderten Michael v. Adlers bürg und die
sechste Division zu Villach.
Oberstlieutenant Friedrich Prinz zu N assau wurde letzten
März 1820 zum Regiment Nr. 51 transferirt.
Die Annehmlichkeit dieser Garnisonen, in welchen die Mann-
schalt nach langer Entbehrung wieder mit kräftiger deutscher Nahrung
versehen, sich einer heiteren Zufriedenheit flberliess, wurde nur noch
erhöht durch die biedere Zuvorkommenheit der Bewohner und ihre
bei allen Gelegenheiten hervorgetretene Liebe und Achtung für
das Regiment.
Im Monate Juni 1830 schien der Zeitpunkt gekommen zu sein,
wo die aus Italien zurückgezogenen Truppen nach langer Entfernung
in ihre Werbbezirke verlegt werden sollten. Das Infanterie-Regiment
Nr. 7, damals in Ober- Oesterreich stationirt, erhielt die Bestimmung
in seine Heimat zurückzukehren und das Infanterie -Regiment Hoch-
und Deutschmeister in den obigen Garnisonen abzulösen. Noch vor
dem Eintritte des Wechsels hatten Seine Majestät Kaiser Franzi,
mit Ihrer Majestät der Kaiserin Karoline Auguste die Stadt
Klagenfurt unvorhergesehen mit einem Besuche überrascht, das
31
482 1S2»-1H47.
Regiment ausrücken lassen, besichtiget und nach der Defiliruug die
Allergnädigste Zufriedenheit mit dem guten frischen Aussehen und
Haltung der Mannschaft zu erkennen gegeben. Bei dieser Gelegenheit
geruhte Se. Majestät huldvoll zu äussern, die Mannschaft ihrer
Heimat bald näher zu bringen, das Regiment aber vor der Hand
nach Enna und Wels zu disloziren. In Folge dieser Allerhöchsten
Bestimmung marschirte das erste und zweite Feld - Bataillon in dem
gedachten Monate mit dem Regimentsstabe über St. Veit, Neumarkt,
Zcyring, aber den unteren Tauren, sodann über Lietzen und den Byhm
auf der sogenannten Eisenstrasse durch Weyer und Steyer nach Enns.
wo das zweite Bataillou mit dem Regimentsstabe verblieb, das erste
Bataillon über die Kreisstadt Wels zur Garnisonirung erhielt. Durch
gleichzeitige Beurlaubungen wurden die Kompagnien auf den Friedens-
stand herabgesetzt und alles schien sich dem Genuss einer längeren
Ruhe hingeben zu können. Allein plötzlich erhob sich in Paris die
Juli - Rev olution und die demokratische Tendenz der Nation zwang
Karl X. zu der bekannten Abdikation und zum Verlassen seines
insurgirten Königreichs. Die nächste Folge dieser Umwälzung war
die schnelle Verbreitung ähnlicher Versuche in Italien, welche jedoch
bis dahin noch zu keinem entschiedenen Ausbruche gekommen waren.
Ihrer Heimat kaum wiedergegeben, wurden abermals deutsche
Truppen zur Verstärkung der österreichischen Waffen nach Italien
beordert.
Das Regiment erhielt inzwischen die Bestimmung, von Enns
und Wels, in die Nähe von Wien zu marschiren, wohin es am
10. September aufbrach. Während der Regimentsstab mit dem ersten
Bataillon in St. Pölten blieb und einige Kompagnien nach Wilhelms-
burg und Ochsenburg verlegt worden sind, wurde das zweite Bataillon
unter Kommando des Majors v. Adlers bürg nach Möllersdorf,
Perchtoldsdorf und die sonstige Konkurrenz der Hauptstadt vor-
geschoben.
Schon am 30. Oktober 1830 wurdeu beide Feld - Bataillons
mit dem Stabe wieder nach Oberösterreich zurückbeordert und da
das bisher in Linz stationirte Infanterie - Regiment Nr. 18 nach Italien
aufbrechen musste, so bezog das Regiment die dadurch erledigte
Garnison in der Hauptstadt Ober-Oesterreichs wo es am 1. und 2. No-
vember eintraf. Hier stand es die Monate November und Dezember
1830, dann Jänner und Februar 1831 in der Brigade General Baron
Digitized by Google
1829-1847
483
Schneider v. Arno, Division F. -M.-Lt. Baron Mecse'ry,
welcher ehemals als Obcrstlieutenant im Regiment diente.
Oberstlieutenant Prinz Karl zu Hessen und bei Rhein
wurde mit Allerhöchster Entschliessung vom 19. Jänner 1831 von
Nr. 21 in das Regiment eingetheilt und übernahm das Kommando
des Grenadier - Bataillons.
Die iu Folge der Juli - Revolution entstandene Gährung in den
italienischen Provinzen, besonders in Parma, Modena und dem
Kirchenstaate, hatte sich zu einem förmlichen Ausbruche gegen die
bestehenden Regierungsformen vorbereitet. Der ehemalige französische
General Zuchy, seit dem Pariser Frieden pensionirter österreichischer
Feldmarschall - Lieutenant, verliess heimlich Mailand und stellte sich
an dio Spitze der Insurrektion im Kirchenstaate. In Folge dieses
Ereignisses marschirte das Regiment am 23. Februar 1831 ohne
Rasttage aus Ober - Oesterreich zuerst nach Klagenfurt und St. Veit
in Kärnten, in der bestimmten Voraussetzung ohne Aufenthalt die
italienische Grenze zu überschreiten und an der Expedition gegen
die gedachte Insurrektion Tbeil zu nehmen. Allein treffen alle Er-
Wartung verblieb es fortan auf dem Friedensfussc in den vorgenannten
Garnisonen vom Monate März bis Ende Juli 1831. Erst im Monate
August erschien die langersehnte Weisung, Italien näher zu rücken,
in deren Folge das erste und zweite Feld - Bataillon mit Anfang des
Monats August über den Loibel nach Görz und Konkurrenz vorrückte.
Inzwischen hatte sich das erste aktive Landwehr-Bataillon formirt,
welches unter Kommando des Major Lorenz v. Kurz, welcher am
8. Februar 1831 aus dem Pensionsstando mit mehreren Offizieren
eingetheilt worden, ebenfalls dahin beordert wurde. Mit dem Stande
von 180 Gemeinen bei jeder Kompagnie erreichte das nun aus drei
kompleten Bataillons bestehende Regiment eine Stärke von mehr
als 4000 Mann und einen imposanten Eindruck gewährte die am
24. September 1831 auf der ausgedehnten Haide bei Gradiska von
dem General v. Bub na abgehaltene Revision.
Am 30. September 1831 folgte das Regiment der eben erflossenen
Bestimmung den Isonzo zu überschreiten und das italienische Gebiet
zu betreten. Ucber Gradiska und Versa marschirten die beiden Feld-
Bataillons mit dem Stabe nach Udine, formirten daselbst statt des
nach Trcviso dislozirten Infanterie - Regiments Nr. 26 die Garnison
mit der dazu gehörigen Konkurrenz und Besatzung der Festung
31*
4S4 1829-1847.
Palmanuora, wahren»! das erste Landwehr - Bataillon am linken Ufer
des Isouzo einstweilen noch zwischen Oörz und Gradiska in Kanton-
nirnng znrnckhlieb.
Laut Kinthcilungs - Liste bestand das Offizier - Korps aus:
Oberst - Inhalier Erzherzog Anton Viktor, P. -Z. -M., Hoch- und
Deutschmeister.
Oberst, Regiments-Kommandant Johann Baron Wöber.
Obcrstlieutenant Ludwig Baron Fels, Karl Prinz zu Hessen und bei
R he i n.
Major Kar! Baron Bräu neck, Michael von Adlersburg, Loren*
von Kurz.
Kaplan Adalbert Bittennann.
Auditor Wenzel See mann.
Arzt Renatus Kromayer.
Rechnungsführer Franz Moderier.
Adjutant Olierlientenant Leopold Eisen.
Bataillons-Adjutaiit Kranz von Ratky, Leopold de Kavalla, Anton
Stadler.
1
d.
S
Hauptmann
L i e u t e n a n t
Fähnrich
ä
Ober-
l'nter-
i
-o
es
i.
Karl v. A inner
au p^ert
Florid Leeb
C
i
I
Johann v. Kolbe
Karl Hiiring
Vincenz Dcwald
Franz Stadler
Aegid
Prohaska
Ludw. Lechncr
Johann Kofler
2.
Karl
Br. Legisfeld
Anton Lacroix
Karl Wolff
Karl Leithe
S
3.
Karl
v. Mayer
Josef
ßr. Hannig
Karl Budie
Georg Ritter
Ncumüller
2
4.
Nikolaus
Brunner
Franz Lind lau
Eduard Baron
La Marre
Karl
v. Dollhopfen
6.
Josef Wurst
Ambros Denkh
Ludwig
v. Dagnen
Josef Nickerl
6.
Johann
Schembergcr
Josef
M ar tinoll y
Kduard
Baron Geisau
Jobann Blatt
7.
Daniel
Schnorl>usch
Josef Sehiftor
Josef Huber
'S
&
Georg Schlinger
Philipp
v. Bitter
Peter Schermeng
Johann Gillich
&
9.
Karl Voigt
Karl Stephan
Josef Prucker
Vincenz Viktor
,,.|
Adam
Wagenheim
Ferdinand
Fischer jun.
Adam Eisen
Johann
Sp&tzierer
Digitized by Google
1S29 1S47.
485
"3
en
Hauptmann
Lieutenant
Fähnrich
"2
aa
o
UOcr-
fTntor-
U BMI "
ce
'3
11.
Johann
Unkelhäuser
Ferdinand
TT* 1
tischer sen.
Joh. Schiitter
Johann Bocky
S
N
12.
Franz Schiitler
Karl Neumann
Rudolf
v. Botter
Ferdinand Platz
13.
Ludwig Hahn
Karl v. Haan
Jakob Mauthner
Adolf Microys
1
14.
Johann
t. Birkfnstock
Friedrich
TT ^1
Hofbauer
Karl Ochs
Eduard Graf
Kotumarofsky
Im
Q
15.
Johann
t. Schwarz
Ludwig
v. Roland
Casimir
Br. Lutzendorf
Margio Marquis
de Bonne
16.
Johann Sacher
Ludwig
TT o A»
Br. Saffram
Sigismund
Gr. Thnrn
L
Alois
Br. Sternegg
Heinrich Icke
Rudolf
Ertel t. Seau
—
2.
Kran 7
i i am»
Br. Leidnitz
Johann
Frauendorfer
Eduard Kolb
Landwehr-
8.
Franz
?. Dietrich
Ferdinand Linz
Jakob
Gr. Colloredo
4.
Max
Br. Lichtetistein
Karl
v. Mehlführer
Benedikt Kollet
5.
Karl v. Frank-
Franz I'fau
Josef Strack
6.
Karl Kaprotti
Karl
Herdliczka
Karl Pelrkscvieh
1
Wegen der aus dem südlichen Ungarn heraufziehenden Seuche
(Cholera) wurde ein Sauitäts - Kordon gezogen, Kontumaz -Anstalten
errichtet, jede Kommunikation geschlossen und das Regiment erhielt
die schwierige Bestimmung, die ausgedehnte, Ober das hohe Gebirge
gezogene Kordonslinie von Kärnten, Krain und dem KQstenlande
an der ganzen Umgebungslinie von Friaul zu besetzen, welche Auf-
gabe mit Ordnung und zur Zufriedenheit der Provinzial - Direktion
des Kordons gelöst wurde.
Major Lorenz v. Kurz war am 30. September 1831 in Iluhe-
stand zurückgetreten und in seine Stelle wurde mit Allerhöchster
Entschliessung vom 1. Oktober 1831 Hauptmann Karl A inner
v. Galtivini zum Major und Kommandanten des ersten Landwehr-
Bataillons ernanut. Dieses Bataillon wurde nach Besetzung der Kor-
donslinie durch die Feld - Bataillons, gleichfalls nach Italien gezogen
4SG
1*29 1S47.
und theils zur Besetzung der Festung Palmanuova, theils zur Ver-
richtung des Garnisonsdieustes in Udine verwendet. Nachdem diese
Bataillone abwechselnd vom Monate Oktober 1831 bis August 1832
in der Provinz Friaul kantonnirt hatten, wurde das Regiment, näm-
lich die beiden Feld - Bataillone mit dem Stabe im Monate Sep-
tember 1832 nach Bassauo und Belluno vorgeschoben. Die Route
ging über Codroipo, Pordenone und von hier das erste Bataillon
nach Belluno, wo dasselbe zugleich Seravalle und Feltre besetzte,
für das zweite Bataillon und den Stab aber Ober Treviso nach
Bassano, wo es am 2. September 1832 eintraf.
Oberst und Regiments - Kommandant Johann Baron Wöber
avancirte in Folge Allerhöchster Erschliessung vom 30. Oktober 1832
zum Generalmajor und Brigadier; Major v. Adlersburg ubernahm
bis zur provisorischen Ernennung des Oberstlieutenants Baron Fels,
das Regiments - Kommando.
Der Frühling des Jahres 1833 weckte die allgemeinen grossen
Truppen - Konzentrirungen der mobilen Armeekorps in Italien und
da das Regiment zu denselben noch nicht eingeteilt, sondern seit
Ueberschreitung des Isonzo blos mit der Hälfte der Kriegsrationen
betheilt, dem Reserve - Korps beigegeben worden war, so traf es die
Bestimmung, während des Monats Mai mit beiden Feld - Bataillons
die Garnisonsdienste in Verona zu versehen, mit 1. Juni aber das
Uebungslager bei Altavilla zwischen Viceuza und St. Bonifacio zu
beziehen, wo sowohl Offiziere als Mannschaft in hölzernen Baraken
untergebracht waren.
Das niedere, hie und da mit Sümpfen durchzogene Terrain,
das Beisammenleben in den Baraken, nächtliche Regengüsse und die
brennende Hitze am Tage, verbunden mit den anstrengenden Feld-
übungen erzeugten ein schnell um sich greifendes Fieber, welches in
kurzer Zeit mehr als 300 Mauu als Opfer forderte. In der That ein
Verlust, welcher ein wirklicher Feldzug kaum gekostet haben würde.
Im Monate Juli kehrte das Regiment zwar wieder in seine vorigen ge-
sunden Stationen Bassauo und Belluno zurück, inusste jedoch in Folge
der herbstlichen Truppen - Konzentrirung gegen Ende August 1833
abermals nach Verona marschiren und daselbst während des Monats
September die Garnisonsdienste versehen. Erst mit Anfang des Monats
Oktober wurde das Regiment dieser Verwendung enthoben, um sodann
die Winterquartiere in den vorljcnamiteu Städten zu beziehen.
Digitized by Google
1K29-1S47.
487
Oberstlieutenaut Prinz Karl zu Hessen und bei Kh ein hatte
am 11. März 1833 seine Charge quittirt und Oberstlieutenant Fer-
dinand Baron Wenz des Regiments Nr. 3 das Kommando des
Grenadier- Bataillons übernommen.
Mit Allerhöchster Erschliessung vom 31. Dezember 1833
wurde Hauptmann Karl Baron Legisfeld zum Major befördert;
Major Karl Aumer v. Galtivini am 15. Februar 1834 in Ruhe-
stand übernommen und au dessen Stelle Hauptmann Karl Fischer
v. See des Regiments Nr. 23 mit 2. April zum Major, Oberst-
lieutenant Ludwig Baron Fels mit 21. April 1834 zum zweiten
Oberst beim Regiment Nr. 42 und von dort Oberstlieutenant Karl
Fürst zu Schwarzenberg mit 17. April 1834 zum Obersten und
Kommandanten des Regiments befördert.
Das Regiment marschirte im Monate Juli 1834 abermals nach
Verona, garnisonirte daselbst während des Monats August und bezog
anfangs September die Kantonnirung zu Valeggio und Mouzambano.
In der zweiten Hälfte des Monats September wurde es nach Villa-
franca dislozirt und auch hier zu den fortgesetzten Manövers des
zweiten mobilen Armeekorps verwendet. Diese endeten mit Anfang
Oktober in dem nördlichen Theil der Provinz Verona nach ab-
wechselnder Kantonnirung mit der grossen Kirchenparade auf der
Haide bei Medole. Mit geringen Ausnahmen war die gesammte
Truppenmacht der k. k. italienischen Armee unter dem Komman-
direnden G. d. K. Graf Radetzky hier versammelt.
Unmittelbar nach Beendigung dieser grossartigeu militärischen
Feierlichkeit, welcher nebst Ihrer Majestät der Erzherzogin Maria
Louise auch noch mehrere andere Personen hohen Ranges, dann
Generale und Stabsoffiziere verschiedener Mächte beiwohnten, mar-
schirte das Regiment nach Volta und verblieb daselbst bis 18. Oktober.
In Folge der Anerkennung, welche sich das Regiment unter
der ausgezeichneten Führung seines Obersten Fürsten Schwarzen-
berg bei den grossen Feldübungen nächst Verona erworben hatte,
erhielt es die Bestimmung nach Mailand zu marschiren und einen
Theil der Garnison zu bilden, wohin dasselbe über Desenzano, Tra-
vagliato und Chiari marschirte und am 20. Oktober 1834 zu Mai-
land eiutraf. Das erste Bataillon wurde in die Kasernen St. Fran-
cesco, Eustorgio und Vittore bequartirt, das zweite aber nach Pavia
detachirt.
488
1829-1847.
Major Michael Schwabl Edler v. Adlersburg wurde mit
Allerhöchster Erschliessung vom 13. Juni 1834 zum Oberstlieutenant
und Hauptmann Karl Unkelhäuser mit jener vom 18. August 1834
zum Major, ebenso Hauptmann Josef Ritter v. Stand eisky von
Nr. 60 mit jener vom 15. September 1834 zum supernumerären
Major im Regiment, mit der Zutheiluug als Personal - Adjutant beim
Erzherzog Inhaber, befördert. Major v. Kolb übernahm das Kom-
mando des Grenadier -Bataillons.
In der Nacht vom 1. zum 2. März 1835 starb in Wien Kaiser
Franz I. im 67. Lebens- und 43. Regierungsjahre. Die Nachricht
von diesem Trauerfall gelangte am 4. (Aschermittwoch) nach Mai-
land, am 5. legte das Regiment die grosse Trauer für den abge-
schiedenen Monarchen an. Kaiser Ferdinand I., geboren 19. April
1793, bestieg mit dem Wahlspruche „Recta tueri* den Thron seiner
Väter und machte dem Heere den grossen Verlust durch nach-
stehendes Handschreiben an den Hofkriegsraths - Präsidenten bekannt:
, Lieber Graf Hardegg!
,1m Anschlüsse theile Ich Ihnen eine Abschrift Meines soeben
„au den eisten Obersthofmeister erlassenen Handschreibens mit,
»dessen Inhalt Ihnen in Beziehung auf die administrativen Organe
„der Kriegsverwaltung von demselben auch im herkömmlichen Wege
„ eröffnet werden wird, zugleich ist es aber Mein Wille, dass Sie
„Meiner getreuen Armee den grossen Verlust, den sie erlitt, ohne
„Verzug bekannt machen.
„Ich verweise die ganze Generalität, Stabs- und Oberoiliziere,
„sowie die gesammte Mannsehall Meiner Armee auf ihre aufhabende
„Eidespflicht und erwarte, dass in Folge derselben die Befehlshaber
sallerGrade fortfahren weiden, ihre Pflichten nach ihren bekleideten
„Chargen und Aemtern getreulich zu erfüllen und den ihnen anver-
trauten Truppeukörper nach den Reglements- und Dienstes - Vor-
schriften vorstehen.
„Meine Armee hat zu alleu Zeiten und in jeder Gelegenheit
„die Tugenden strenger Ordnung und Mannszucht unerschütterlicher
„Treue und ruhmvoller Tapferkeit bewährt und Ich rechne darauf,
„diese Eigenschalten stets in ihren Reihen einheimisch zu finden.*
„Wien, 2. März 1835."
Digitized by Google
1*20-1847,
489
Gleichzeitig wurde nachstehender Auszug des Testamentes
weiland Sr. k. k. Apostolischen Majestät des Kaisers Franz I. der
Armee kundgemacht:
„Meine Liebe vermache Ich Meinen ünterthanen, Ich hoffe,
„dass Ich für sie bei Gott werde beten können und Ich fordere sie
„auf zur Treue und Anhänglichkeit gegen Meinen legitimen Nach-
folger, so wie sie Mir dieselbe in guten und schlimmen Tagen
„bewiesen haben.
„Ich sage Meiner treuen Armee Meinen herzlichen Dank für
„die Dienste, welche sie Mir erwiesen und durch welche sie Meinen
„Thron erhalten hat. Ich fordere sie auf, dieselbe Treue und Anhäng-
lichkeit immerfort zu beweisen.
„Allen Staatsdienern, die Mir gut dienten, bezeige Ich hiemit
„Meinen Dank."
Dieses Allerhöchste Handschreiben, sowie der Absatz aus dem
Testamente Kaiser Franz I. wurde dem en parade ausgerückten
Regimente feierlich kundgemacht; auch fand in dem prachtvollen
Mailänder Dom, der hiezu ganz schwarz ausgeschlagen war, ein
Trauergottesdienst statt, während welchem Offiziere des Regiments,
mit gezogenen Degen die Spalier am Castrum doloris bildeten.
Am 2. April 1835 starb auch der Inhaber des Regiments,
Erzherzog A n t o u, Hoch- und Deutschmeister, k. k. Feldzeugmeister.
Erzherzog Anton war zu Florenz am 31. August 1779 geboren,
achter Sohn des Kaisers Leopold II. und Maria Ludovika,
wurde anfänglich zum geistlichen Stande bestimmt und wuren ihm
auch die Bisthümer Köln und Münster zugedacht; aber im Hinblick
auf die revolutionären Bewegungen in Frankreich lehnte er beide
Würden ab. Als Erzherzog Karl das Hochmeisterthum des deutschen
Ordens ablegte, wurde der Erzherzog am 30. Juni 1804 dazu berufen
und bekleidete diese Würde, welche am 20. Dezember 1805 im
Pressburgcr Frieden erblich au Oesterreich überging, zeitlebens,
verlor aber durch Artikel 4 des Wiener Friedens 14. Oktober 1809
alle Güter, welche von den deutschen Fürsten mit Beschlag belegt
worden sind und blieb, da der Orden in Deutschland und Italien
aufgehoben wurde, auf die österreichische Monarchie beschränkt
Im Oktober 1805 begab er sich in einer Sendung nach Berlin, als
Mack die Festung Ulm übergeben hatte und der siegreiche Feind
die Kaiserstadt bedrohte, um Preussen zu einer Offensiv-Allianz zu
400
1K29-1H47.
gewinnen, welche jedoch ohne das gewünschte Resultat blieb. Im
Jahre 1816 wurde der Erzherzog Vicekönig des eben gegründeten
lombardisch - venezianischen Königreiches, welchen Posten jedoch
anfangs 1828 sein Bruder Erzherzog Rainer übernahm.
Erzherzog Anton lebte nunmehr abschliessend seinem Berufe,
den Wissenschaften und dem Wohlthun. Seit mehreren Jahren be-
wohnte er den Sommer über in Baden eine freundliche Villa und
verdankt ihm diese Stadt die mannigfaltigsten Verschönerungen.
Nach dem unglücklichen Brande 1812 war es der Erzherzog, der
den Wiederaufbau der Stadt, von der 137 Häuser eingeäschert
wurden, wesentlich förderte. Auch unterstfitzte er auf das Kräftigste
das Blinden -Institut, erwirkte, dass dasselbe zu einer Staatsanstalt
erhoben wurde und führte dessen Verbindung mit der als Privat-
unternehmen gegründeten Versorgungs- und Beschäftigungs - Anstalt
für unheilbare erwachsene Blinde durch. Nach dem Tode seines
Bruders des Erzherzogs - Kardinals Rudolf übernahm er auch das
Protektorat der „Gesellschaft für Musikfreunde" und in der kurzen
Frist seines Schutzes erhob sich diese Anstalt zu einer hohen Be-
deutung; ferner das Protektorat der „Gesellschaft der Gartenfreunde",
welche durch seine Munifizenz in die Lage kam, die Zahl ihrer
Preise zu vermehren und überhaupt die sich gestellten Zwecke
energisch zu fördern.
Um das Regiment war der Erzherzog sehr bemüht, ging bei
den Beförderungen mit der strengsten Gerechtigkeit zu Werke und
schützte dasselbe möglichst vor Einschoben. Als grosser Wohlthäter,
welcher viel Gutes im Verborgenen that, wurde auch das Regiment
oft reichlich bedacht, insbesouders das Erziebuugshaus und die
Musik sehr unterstützt.
Erzherzog Anton war Ilumanist in des Wortes edelster Be-
deutung, ein Freund und Förderer der Wissenschaften und sein
Thatenkreis auf den Bereich des inneru Menschen, wissenschaftliche
Arbeiten und des edelsten Wohlthuns beschränkt.
In seine Stelle wurde Se. königliche Hoheit Erzherzog Maxi-
milian Josef d' Este zum Hoch- und Deutschmeister und mit
Allerhöchster Erschliessung vom 2(3. April 1835 zum Oberst-Inhaber
des Regiments ernannt.
Major Karl Baron Legisfeld wurde mit 1. April 1835 in
den normalmässigen Ruhestand übernommen und Hauptmann Heinrich
Digitized by Google
1*2» 1H47
401
Edler v. Hab ermann des General -Quartiermeisterstabes mit
8. April zum Major im Regiment befordert. Major Johann Unkel-
häuser trat am 1. Juni in den Ruhestand, dagegen wurde der bis-
herige Adjutant Sr. k. Hoheit weiland Erzherzogs Anton, Major
Josef Ritter v. Standeisky, in die Wirklichkeit eingebracht.
Mit dem Eintritte der Sommermonate 1835 begannen wieder
die gewöhnlichen Feldübungen sowohl für das mit dem Regiments-
stabe in Mailand garnisonirende erste, als auch für das in Pavia
detachirte zweite Feld -Bataillon.
"Während den gewöhnlichen Feldübungen der Mailander Garnison
wurde das erste Bataillon in die nähere Konkurrenz von Mailand,
später aber im August, September und für die erste Hälfte Oktober
in die Kantonnirung von Monza, Vimercata, Mariano und Cautu bis
an die Ufer des Corner -See's dislozirt, für welche Zeit das zweite
Bataillon den Garnisonsdienst in Mailand versah. Am 15. Oktober
marschirte das erste Bataillon wieder nach Mailand zurück, wogegen
das zweite seine vorige Station Pavia bezog.
Auch das erste Landwehr -Bataillon war im Herbste 1835
aus dem venezianischen Königreiche in die Lombardie nachgesendet
worden und kantonnirte bis zum erfolgten Rückmarsch nach Oester-
reich in Treviglio, Vimercatc und Konkurrenz.
Oberstlieutenant Michael Schwabel Edler v. Adlers-
burg trat am 10. Jänner 1830 in den Ruhestand; in seine Stelle
wurde mit dem selben Tage Major Viucenz Viktor des Regiments
Nr. 42 zum Oberstlieutenant im Regiment, Major Karl Fischer
v. See dagegen zum Oberstlieutenant beim Regiment Nr. 42
befördert; Major Johann Kolb v. Riesthal am 1. April 1830
mit Oberstlieutenauts - Charakter und Pension in den Ruhestand über-
nommen und Hauptmann Franz Per in mit 12. März zum Major
im Regiment ernannt. Das Grenadier- Bataillon erhielt Major Guido
Edler v. Giraldi des Regiments Nr. 3.
Im Monate April 1S30 erfolgte die Allerhöchste Bestimmung,
gemäss welcher die italienische Armee auf ein mobiles Korps von
25.000 Maun und ein zweites, sogenauutes Reserve -Korps, von
gleicher Truppenzahl reduzirt wurde. Mehrere Regimenter marschirten
in ihre Heimat zurück und daruuter befand sich auch das erste
und zweite Feld- sammt dem Landwehr- Bataillon des Regiments
und dem Regimentsstabe. Hiernach marschirte das Landwehr-
492
1829-1847.
Bataillon von Monza am 16. Mai 1836 nach Oesterreich ab, welchem
das zweite mit dem Regimentsstabe am 17. aus Mailand folgte. Das
erste Bataillon verliess in gleicher Marschordnung Mailand am
18. Mai. Der Marsch dieser Bataillone ging über Gorgonzola, Brescia,
Desenzano, Pesehiera, Verona, Vicenza, Treviso, Pordenone nach
Udine, wo sie in lebhafter Erinnerung au die Garnisoniruug 1831—1832
von den Einwohnern mit der herzlichsten Auszeichnung empfangen
wurden, dann weiter über Ponteba, Villach, Klagenfurt, Neumarkt,
Leoben, Bruck an der Mur, am 4. Juli nach Wiener -Neustadt, wo
das zweite Bataillon verblieb, während der Regimentsstab mit dem
ersten Bataillon nach Kaiser Ebersdorf, das Landwehr -Bataillon noch
nach Mödling marschirte.
Am 30. August marschirte das Regiment mit dem zu Korneu-
burg stationirten dritten Bataillon zur Truppen - Konzentrirung nach
Wien, wo die Mannschaft durch den ganzen Monat September von
den Bürgern der Vorstädte Wieu's gastfreundschaftlich bewirthet
wurde. Daselbst ereignete sich der seltene Fall, dass am 15. Sep-
tember an einer im Gartensaale der goldenen Birn in der Vorstadt
Landstrasse veranstalteten grossen Tafel alle Offiziere der vier Ba-
taillons und der Grenadier- Division versammelt waren. Nach vollen-
deter Waflcuübung und Revue der Garnison vor Sr. Majestät dem
Kaiser am 28. September marschirte das Regiment am 29. wieder
nach Kaiser Ebersdorf zurück, erwartete hier das zu seiner Ab-
lösung bestimmte Infanterie - Regiment Nr. 3, brach dann am 1. No-
vember auf und erreichte am 14. seine neue Garnison Linz, von wo
die dritte Division nach Enus detachirt wurde.
Hauptmann Franz v. Hranaky avancirte in Folge Aller-
höchster Entschliessuug vom 24. Februar 1837 zum Major.
Im Sommer des Jahres 1837 war der Hauptstadt Oberöster-
reich's die langersehnte Freude vorbehalten, das hochgeliebte
Herrscherpaar in ihren Mauern zu bewillkommeu. Schon im Juni
bereiste deshalb der kommandirende General, F.-Z.-M. Baron
Wimpffen, die gedachte Provinz, liess beide Bataillone ausrücken
und dieselben einige Involutionen ausführen.
Am 2. Juli 1837 verkündete der Kanonendonner aus allen
umliegenden WaHenthürmen des Gebirges von Liuz die Ankunft
Ihrer Majestäten des Kaisers Ferdinand I. und der Kaiserin
Maria Anna, Allerhöchstweiche im Regierungspalaste abstiegen,
um die Bewohner von Linz durch einen mehrtägigen Aufenthalt zur
Digitized by Google
1S29 1S47.
493
allgeraoinen Freude mit Ihrer Gegenwart zu beglücken. Am 3. Juli
geruhten Ihre Majestäten das Offiziers - Korps der Garnison zu
empfangen und am 4. die beiden Feld -Bataillons des Regiments in
Parade ausrücken zu lassen. Die auf dem Exerzierplätze unter dem
Kommando des Obersten Karl Fürsten zu Schwarzenberg rasch
und mit Präzision ausgeführten Bewegungen erwarben sich die
Zufriedenheit Sr. Majestät des Kaisers, worüber sich ein Tagsbefehl
des Militär -Oberkommandanten sehr ehrenvoll für das Regiment
aussprach. Am G. Juli veranstaltete der durchlauchtigste Regiments-
Inhaber am Freienberg Ihren Majestäten ein überraschend schönes
militärisches Fest. Alle Soldaten der Garnison zu Linz und Kon-
kurrenz waren von Sr. königl. Hoheit dem Herrn Erzherzog Maxi-
milian mit den Generalen, Stabs- und Oberoffizieren sammt ihren
Familien und alle Honoratioren auf der herrlichen den ganzen En-
viron von Linz beherrschenden Anhöhe zu Gaste geladen, um daselbst
einige Stunden unbeschreiblichen Jubels, das hochgeliebte Hcrrscher-
paar in ihrer Mitte, an wohlbesetzten Tafeln unter dem blauen
Himmelszelte gemessen zu können. Oberlieutenant Erco beschrieb das
denkwürdige Fest ebenso schön als treffend in einem Gedichte, wofür
er von Sr. Majestät mit inner kostbaren goldenen Dose beehrt wurde.
Am 8. Juli verlicssen Ihre Majestäten Linz und setzten Ihre Reise, be-
gleitet von den Segenswünschen aller Bewohner, nach Salzburg fort.
Der Monat September 1837 rief die beurlaubte Mannschaft zu
den gewöhnlichen Waffenübungen, nach deren Beendigung die dritte
Division zu Enns durch die sechste abgelöst wurde.
Mit Allerhöchster Entschliessung vom 10. Mai 1837 wurde
Major Josef Ritter v. S t a n d e i s k y zum Oberstlieuteuant bei dem
Infanterie-Regiment Nr. 2 und in seine Stelle der Hauptmann Anton
Hertz inger des Regiments Nr. 25 zum Major ernannt. Oberst-
lieutenant Standeisky war während mehrerer Jahre als Erzieher
des Herzogs von Reichstadt kommandirt und erhielt für seine er-
spriesslichen Dienste in dieser Verwendung das Ritterkreuz des kais.
österr. Leopold- und dos parmaischen Constantin-St.-Oeorg-Ordens.
Die Zurückberufimg des Infanterie- Regiments Nr. 14 aus Italien
in seinen Werbbezirk veranlasste die Dislozirung des Regiments nach
Kaiser Ebersdorf. Der Marsch dahin wurde mit dem Stabe und dem
zweiten Bataillon am 8. April 1830 angetreten und am 20. zurück-
gelegt. Einen Tag später rückte das erste Bataillon in die Stationen
Perchtoldsdorf, Laxenburg und Mödling ein.
404 1821»-1S47.
Mit Allerhöchster Erschliessung vom G. Mai 1839 wurde der
Oberstlicutenant Vincenz Viktor zum Obersten und Kommandanten
des Infanterie-Regiments Nr. 12, der Major Heinrich Edler v. Haber-
mann zum Oberstlieutenant und der Hauptmann Ernst Blank ardt
von Nr. 12 zum Major im Regiment befördert.
Am 4. September beging das Regiment, welches mit allen
vier Bataillons in Wien zu den Waffenflbnngcn konzentrirt war, die
erhabene und tief orgreifende Feier der Fahnenweihe für die beiden
Feld -Bataillone in der Kathedral- und Domkirehe zum heil. Stefan.
Um 0 Uhr vormittags rückten die Bataillons mit der Grenadier-
Division in Parade auf den Stefansplatz und formirten unter dem
Zudrang einer zahlreichen Volksmenge, welche das Ungewöhnliche
dieser heiligen Handlung versammelte, ein Viereck um die imposante
Kathedrale. Ihnen schlössen sich eine Abtheilung Invaliden nebst
einer bedeutenden Anzahl von Borgern der Residenz an, welche als
ehemalige Veteranen des Regiments mit Rflhrung dem Wechsel der
alten Feldzeichen entgegensahen, die ihnen so oft auf der Bahn zum
Siege und zur Ehre vorangeweht. Die k. k. Generalität, an ihrer
Spitze der Hofkriegsrathsprasident 0. d. K. Graf H ardegg, der
. Kommandirende F. - Z. - M. Baron W i m p f f e n, Divisionär F. - M. -Lt.
Baron C s o r i c h und der Brigadier G.-M. Graf Bellegarde
nebst einer zahlreichen Suite Stabs- und Oberoifiziere der Garnison
versammelten sich zum Empfang des Erzherzogs Regiments-Inhabers
Maximilian d'Este, welcher in Begleitung seines Bruders des
Herzogs Franz von M o d e n a erschien und die Ankunft Ihrer
Majestät der Kaiserin Maria Anna erwartete, welche für das
Regiment die dasselbe hoch ehrende Huld hatte, der erhabenen
Feier als Fahnenmutter beizuwohnen, eine Auszeichnung, die noch
keinem Regiment« zu Theil wurde.
Nach dem Eintreffen der Allerhöchsten Herrschaften eröffnete
der Regiments - Kaplan Johann Dreising durch eine vor dem
Thore der Kathedrale gehaltene feierliche Rede die heilige Handlung.
Bei der Uebergabe der neuen Fahnen an die Führer G r u h e r und
Lach mann erinnerte der Oberst Fürst Schwarzenberg an den
unverwelklichen Waffenruhm des Regiments an den Tagen von Novi,
Ebelsberg, Wagram und Valeggio in folgenden Worten:
„ Soldaten! Die alten Fahnen werden euch nicht mehr voran-
gehen, sie schmücken zum letzten Male euere Reihen, aber die
Digitized by Google
405
»Geister der Helilen, welche in ihrer Bewachung rühmlich gefallen
„und den Ruhm des Regiments erkämpften, werden euch umschweben,
.wenn diese Fahnen sich entfalten. Dass ihr deren Beispiel folgen,
„dass ihr die euch vom Vaterlande als Pfand des Vertrauens über-
sehenen Paniere nie verlassen werdet, dass ihr bereit seid, fflr
.deren Verteidigung das Leben hinzugeben, werdet ihr durch einen
„Eid geloben, dass ihr ihn halten werdet, dafür bfirgen die Helden-
„thaten von Novi, Ebelsberg, Wagram, Valeggio und überhaupt des
„Wieners stets bewährte Tapferkeit, Treue und Hingebung für sein
„Fürstenhaus, an welchen der Uebennuth so mancher Feinde sich
„gebrochen. Vor Wien's Mauern sanken wiederholt die feindlichen
„Rossschweife und Standarten.
„Blickt auf diese Fahnen, seht ihr dieses Band? Euere
„Kaiserin knüpfte es an Euere Fahne als Zeichen Ihrer Huld und
„Ihres Vertrauens in Eueren Muth, Euere Tapferkeit und Euere
„Treue. Dürfte dieses doppelt geheiligte Panier Euch je entrissen
„werden? Könnte einer von Euch diese Schande überleben? Nein,
„so lange ein Blutstropfen in unsern Adern rollt, werden diese
„Fahnen wehen zu Oesterreichs Ruhm, zur Ehre des Regiments
„Und Euch die Balm zeigen zum Siege oder zum Tode für Kaiser
„und Vaterland!"
Hierauf wurde vor den Allerhöchsten Herrschaften auf dem
Graben defilirt. Um 3 Uhr nachmittags versammelte sich das ge-
sammte Offizierskorps nebst der dazu geladenen Generalität, zu einem
von dem Erzherzoge Regiments- Inhaber in dem Kiosk des Volks-
gartens veranstalteten glänzenden Gastmahle.
Die alten Fahnen wurden auf Befehl des Erzherzog Inhabers
durch den Oberlieutenant Microis nach Linz gebracht und dem
Kloster am Frauenberge durch den F. -M. -Lt. Schneider feier-
lichst übergeben.
Nach beendeter Waffenübung im Jahre 1840 kehrten die Feld-
Bataillone nicht mehr in ihre früheren Stationen zurück, sondern
kamen an die Stelle des Infanterie - Regiments Nr. 3 nach Wien in
die Aiser -Kaserne.
Oberst Karl Fürst zu Schwarzenberg wurde mit Aller-
höchster Entschliessung vom 20. Oktober 1840 zum General - Major
und Brigadier, Oberstlieutenant Heinrich Edler v. Habermann
mit jener vom 20. Jänner 1841 zum Obersten und Regiments-
406
1829-1H47
Kommandanten, Major Franz Per in Edler v. Wogenburg zum
Oberstlicutenant bei Nr. 18, Hauptmann Franz Baron Leidnitz
zum Major bei Nr. 40, Major Franz Bub na v. Warlich von
Nr. 50 zum Oberstlieutenant, zweiter Major Anton Hertz inger
zum ersten, Major Ernst Blank Ii ardt zum zweiten und Haupt-
mann Nikolaus v. Lagusius von Nr. 40 zum Major im Regiment,
endlich mit jener am 0. Juli Major Anton Hertzinger zum Oberst-
lieutenant bei Nr. 20 und der Hauptmann Franz Wunsch von
Nr. 2G zum Major im Regiment befordert.
Wfifcrend der Waffenübung des Jahres 1841 befand sich das
Regiment bei der vor der Bundeskommission stattgefundenen Heer-
schau und trug durch gute Haltung und vortheilhaftes Aussehen
das Seiuige dazu bei, von der Kommission die schmeichelhafte
Anerkennung zu erhalten, dass der Zustand des österreichischen
Kontingents in jeder Art den Erwartungen des Bundes entspreche.
Das dritte Feld - Bataillon wechselt«; dann die Garnison mit dem
ersten Landwehr- Bataillon, so dass das erstcre nach Wr.- Neustadt,
das letztere dagegen nach Korneuburg kam.
Mit Reskript des Hofkriegsrathes vom 0. August 1843 wurde
dem Regiment bekannt gegeben, dass der Tabak-Distrikts-Verleger
und ehemaliger Lieutenant des Regiments Karl Strakate eine
Stiftung gegründet habe, wornach von den entfallenden Interessen
des Kapitals von 500 fl. CM. alle Jahre am 15. August, als dem
Gedachtnisstage der im Jahre 1700 bei Novi gewonnenen Schlacht,
bei welcher das Regiment Deutschmeister sich durch vorzügliche
Tapferkeit hervorthat, nach dem an diesem Festtage abgehaltenen
Gottesdienste acht bestkonduisirte und (wenn der Fall einträfe) durch
Tapferkeit ausgezeichnete Männer und zwar 1 Korporal und 7 Gemeine
der sechsten Kompagnie, mit welcher der Stifter als Feldwebel der
Schlacht beiwohnte, nach der vom Regimentskommando getroffenen
Auswahl betheilt werden sollen.
Im Jahre 1844 wurde am 20. Oktober die bisher in den Ort-
schaften um Korneuburg bequartirte zweite Landwehr -Division in
die neu gebaute Kaserne zu Stockerau untergebracht.
Mit Allerhöchster Entschliessung vom 1. Jänner 1844 wurde
Hauptmann Daniel Schnorbusch zum Major befördert und der
Hauptmann Gustav Graf Breda als Major zum Infanterie - Regi-
ment Nr. 12 transferirt.
1S29-1847.
497
Regimentsarzt Dr. Renatus Frommayer erhielt mit Aller-
höchster Entschliessung vom 28. Juni 1844 in Anerkennung seiner
durch 38 Jahre geleisteten ausgezeichneten Dienste die grosse goldene
Medaille am Oehr und Band und als am 2. Dezember seine Er-
nennung zum dirigirenden Feldstabsarzte und kaiserlichen Rathe
erfolgte, sah sich das Offiziers-Korps veranlasst, dem Scheidenden,
welcher beinahe 21 Jahre im Regiment mit Auszeichnung gedient,
ein Silber-Service für 12 Gedecke als Zeichen der besonderen Hoch-
achtung zu verehren, damit er sich recht oft an das Regiment
erinnern möge.
Am 31. August rückte das dritte Bataillon aus seiner Garnison
zu Wiener - Neustadt und das Landwehr - Bataillon aus Korneuburg
und Stockerau zur Waffenübung in grösseren Körpern nach Wien
und nach Beendigung derselben wieder in ihre Stationen zurück.
In diesem Jahre ereignete sich der im Regiment unerhörte
Fall, dass der Korporal Anton Weissböck und Gefreiter Josef
Schlögel durch Gemeine der Kompagnie meuchelmörderisch um's
Leben gebracht wurden. Die beiden. Mörder, schon im Civile ver-
kommene Individuen, bfissten ihr Verbrechen durch Henkershand
an dem Galgen.
Major Nikolaus v. Lagusius trat am 15. Jänner 1845 in
Ruhestand und in seine Stelle avancirte mit Allerhöchster Ent-
schliessung vom 23. Jänner Hauptmann Franz Lindlau zum Major.
Im Jahre 1845 erhielt die Infanterie ein neues Abrichtungs-
Reglement und die bisherige 14jährige Kapitulation wurde auf
acht Jahre herabgesetzt.
Major Franz Hranaky avancirte in Folge Allerhöchster Ent-
schliessung vom 9. Mai 1845 zum Oberstlicutenant.
Im Monat August erhielt das Regiment die Uniform und Rüstung
zum Andenkeu, in welcher Se. kaiserliche Hoheit Erzherzog Franz
Josef durch den Kapitänlieutenant Rudolf Ertl v. Seau in dem
Infanterie - Abrichtungs - Reglement unterrichtet wurde.
Vom 31. August bis Ende Dezember war das Regiment zu
den Waflfenfibungen in Wien konzentrirt; am 17., 18., 20. und 21.
wurde das erste Feld-Bataillon auf dem Lerchenfeldcr Exerzierplatz
von Sr. kaiserlichen Hoheit Erzherzog Wilhelm exerzirt. Am letzten
Tage war dabei Se. kaiserliche Hoheit Erzherzog Albrecht an-
wesend, wobei das Bataillon mit Sack und Pack in Parade ausrückte.
408
die volle Zufriedenheit erwarb nnd jeder Mann eine 4tägige Gratis-
lohnung erhielt.
Am 18. November fand in Folge der herabgesetzten Kapitula-
tion die Entlassung von 1059 Mann statt.
Gelegentlieh der Anwesenheit Sr. Majestät des Kaisers Niko-
laus von Russland in Wien fand am 31. Dezember eine grosse
Revue der ganzen Garnison vor den Majestäten statt. Das Regiment
erhielt die besondere Zufriedenheit, Oberst Heinrich Edler v. Haber-
mann den kaiserlich russischen St Anna -Orden zweiter Klasse,
Major Ernst Blankhardt den kaiserlich russischen St. Wladimir-
Orden vierter Klasse.
Mit Allerhöchster Erschliessung vom 10. Jänner 1840 wurde
dem Major Daniel Schnorbusch in Anerkennung seiner stets
ausgezeichneten 43jährigen Dienstzeit im Regiment und seiner er-
littenen schweren Wunden im Feldzuge 1815, bei seinem Uebertritt
in den wohlverdienten Ruhestand der Oberstlieutenants - Charakter
nebst der mit dieser Charge verbundenen Pension von 1000 tl. CM.
huldreichst verliehen.
Europa befand sich in tiefster Ruhe und Frieden; allseits
herrschten die besten diplomatischen Beziehungen und diese Ver-
hältnisse Hessen die Ausübung der Kriegskunst nicht so bald erwarten.
Nach der blutigen Niederwerfung des polnischen Aufstandes
gegen Russland im Jahre 1831 hatte sich die polnische Emigration
in Frankreich. England, der Schweiz und Belgien gebildet, welche
ununterbrochen an dem Nenbaue des alten Polens arbeitete. Emissäre
und Flugschriften überzogen die Länder polnischer Zunge und be-
reiteten den Aufstand. Krakau, dem durch den Wriener Kongress
1815 die letzten Reste politischer Unabhängigkeit unter dem Schutze
von Oesterreich, Russland und Preussen erhalten blieben, wurde zum
Stapelplatz der Revolution ausersehen und der 21. Februar 1846
als der Tag des Ausbruches bestimmt. An diesem Tage kam es
richtig mit der schwachen Brigade Collin zum Kampfe, welche zwar
Sieger blieb, aber dann doch wegen Mangel an Munition und Lebens-
mitteln die Stellung in Podgorce besetzte. Nun beschlossen die drei
genannten Mächte in Krakau einzurücken, um die Revolution im
Keime zu ersticken. Die österreichischen Truppen in Galizien wurden
zum Theile gegen Krakau konzentrirt und auch Truppen ans den
anderen Provinzen herbeigezogen. So erhielt das Regiment am
Digitized by Google
1*29-1*47.
199
27. Februar 1846 den Befehl mit dem Stabe und den beiden Feld-
Bataillons am 3. und 4. März mittelst Eisenbahn von Wien nach
Leipnik in Mähren abzurücken.
Vor seinem Abmärsche erliess der Kommandirende General
Erzherzog Albrecht folgenden, das Regiment sehr ehrenden Ge-
nerals - Befehl :
„Ein Allerhöchster Befehl ruft das Infanterie - Regiment Hoch-
,und Deutschmeister an eine sehr ehrenvolle Bestimmung; dasselbe
„wird am 3. und 4. künftigen Monats mit der Eisenbahn nach
„Leipnik rücken und von dort nach weiterer Weisung den Marsch
„ fortsetzen.
„Dieses Regiment hat sich während seiner mehrjährigen
„Dienstesleistung in der Haupt- und Residenzstadt durch gute
„Mannszucht, durch pünktliche Erfüllung seiner Berufspflichten,
„durch eine ausgezeichnete Haltung und sein schönes militärisches
„Acussere hervorgethan ; es ist mir daher eine angenehme Pflicht,
„dem Regiments, dessen ich schon oft rühmlich erwähnte, auch bei
„dem gegenwärtigen Aulasse die volle Anerkennung seines Werthes
„in der Ueberzeugung auszusprechen, dass seine vorzüglichen Eigen-
schaften ihm auch die Zufriedenheit jener Vorgesetzten sichern
„wird, deren Führung es nun anvertraut sein wird.
„Wien, 28. Februar 184C.
„Erzherzog Alb recht m. p.*
Am 1. März fand die letzte Kirchenparade in der Aiser -Kaserne
statt, welcher Se. kaiserliche Hoheit Erzherzog Albrecht mit der
Generalität beiwohnte. Nach der Defilining geruhte der Erzherzog
noch huldvolle Abschiedsworte an das Offiziers - Korps zu richten;
auch der greise Generalissimus Erzherzog K a r 1 sagte dem Obersten
v. Habermann bei der Abschiedsvorstellung das Regiment hoch
ehrende Worte.
Am 3. erfolgte der Ausmarsch des ersten und am 4. jener des
zweiten Bataillons mit dem Regimentsstabe. Das Regiment erhielt
seine Eintheilung in das Armeekorps des F. -M. -Lt. GrafWrbna,
Division General Graf Schaffgotsch und Brigade General Graf
Nobili.
Der Andrang des Publikums beim Abmärsche war der Art,
dass er das Fortkommen hemmte. Erzherzog Albrecht, mit sämmt-
38*
I
500
-1S47.
liehen Generalen, Stabs- und Oberoffizieren der Garnison begleitet«
beide Bataillone nacb dem Bahnhof der Nordbahn. Bei dem Ein-
treffen in diesen, defilirto jedes Bataillon, wornaeh sämmtliche
Offiziere und das Publikum, so weit dasselbe Platz fand, eintrat.
Die huldvolle Weise, womit der Erzherzog der Mannschaft seine
Gunst bezeugte, steigert«' den Beifallssturm stets höher und unter
Vivats HBr Se. Majestät und den durchlauchtigsten Erzherzog fuhr
der Zug um 8 Uhr ah.
In Leipnik am selben Tage auswaggonirt, marsehirte das erste
Bataillon am A. nach Neutitschein, 5. Tesehen, 0. Skotsehau,
Bielitz, 10. Kenty. Der Stab und das zweite Bataillon folgten in
dieselben Stationen einen Tag später und machten am 10. in Biala
Halt. An diesem Tage besetzte Hauptmann Scan mit droi Kom-
pagnien die Sola-Brrtcko bei Kopernice, während Kapitänlieutenant
Microy in der Nacht mit seiner Kompagnie auf Streifung gegen
herumziehende Insurgenten abging. Die dritte Division marschirte
nach Oswieczim und besetzte das Ufer der Weichsel von Brzesze bis
Machnati.
Mittlerweile hatte sich die Stadt Krakau am 3. März unter
den Willen der drei Schntzmächte unterworfen und noch denselben
Tag rückten die Oesterreicher und Russen ein.
Es folgte nun der zweite Akt des Aufstamles, das eigentliche
Trauerspiel, jene höchst beklagenswerthe Katastrophe, in welcher
die kaum entstandene Revolution ihre furchtbaren Stacheln mit
abscheulicher Grausamkeit gegen ihre eigenen Erzenger wendete.
Die Häupter des Aufruhrs trachteten nämlich, das galizische Land-
volk zur Theilnahme zu bewegen. In Lisia Gora lagen Waffen,
Munition und Lebensmitteln und dahin beschied man die Bauern.
Da sprach man zu ihnen von Wiederherstellung des alten Polen-
reiches, Abschaffung aller Adelsrechte u. dgl. Das alte Polen war
aber für die Bauern ein Schreckbild, denn es mahnte sie an die
furchtbarste Zeit ihres Standes, an die Leibeigenschaft. Dieses, nicht
minder das brutale Benehmen einiger Revolutionäre, welche Zwangs-
mittel anwendeten, stachelte die Bauern zur entschiedenen Weigerung,
die Waffen gegen eine Regierung zu fahren, die sie stets geschützt
und der sie nur Dank schuldig waren. Leider blieb ihr Loyalitäts-
gefnhl bei dieser Weigerung nicht stehen, sondern sie zflekten das
ihnen aufgedrungene Schwert gegen den Adel. Im Sandecer - Kreise
Digitized by Google
1029-18*7,
501
sammelten sieb bewaffnete Bauern, auch fielen solche in Massen aus
den umliegenden Kreisen über Cziczkovice, Podole, Kenty, Szocerzec,
Dobra und Limanow unter dem Rufe „Ordnung zu machen* ein.
Sie zogen nach den Edelsitzen und indem die dämonische Wirkung
des Branntweines den letzten Funken des Loyalitätssinnes erstickte,
leitete bald nur Rachegefühl die halbthierische Menge. Allenthalben
wurde unter haarsträubenden Szenen summarische Justiz geübt und
Empörer, sowie gänzlich Unschuldige jeden Alters und Geschlechts
fielen unter den grässlichsten Martern, nur weil sie dem Adel
angehörten.
Um diesen Grcuelthaten Schranken zu setzen, beeilte man sich,
Truppen nach den bedrohten Punkten zu entsenden und so erhielt
auch das Regiment den Befehl, einzelne Orte zu besetzen und die
Zusammenrottung der Bauern strengstens hintanzuhalten. Drei Kom-
pagnien marschirten nach Kenty, die füulte Kompagnie nach Bilany,
nachdem sie zur Ucberwachung des Ortes Osieck 30 Mann zurück-
gelassen hatte. Am 23. besetzte eine Kompagnie Andrichau und eine
Division Wadowice. Beim Erscheinen der Regimentsabtheilungen
kehrte sogleich Ruhe und Ordnung zurück. Am ü. erhielt das Re-
giment den Befehl, seine Stationen zu verlassen und mit den beiden
Bataillons nach Tamow abzurücken. Das erste Bataillon marschirte
daher am 0. nach Wadowice, 10. Iszdebuik, 11. Gdow, 12. Bochnia,
13. Woynitz und ruckte am 14. in Tamow ein; der Regimentsstab
und das zweite Bataillon marschirten am 9. nach Kenty, lo. Klacza,
11. Iszdebnik 12. Nigowice, 13. Bochnia, 14. Woynitz und vereinigten
sich am 15. zu Taruow mit dem ersten Bataillon. Hier wurde ein
sehr strenger Garnisonsdieust gehandhabt, die Stadt mit Piquets
umgeben, eine Kompagnie nach Tuchow, eine nach Dembice, eine
in das Schloss Gumnisk und eine Division nach Pilsno detachirt.
Nachdem auch in dieser Gegend die gesetzliche Ordnung rasch
hergestellt war, marschirte der Regimeutsstab und das zweite Ba-
taillon auf derselben Route am 23. Juni nach Wadowice zurück, wo
dieselben am 1. Juli eintrafen und mit je einer Kompagnie Zator,
Kenty, Skawina und Oswicczim besetzten.
Hauptmann Ludwig Hahn wurde zum Major beim Iulänterie-
Regimcnt Nr. 50 befördert, dagegen von dort Major Friedrich Baron
Merville in das Regiment eingeteilt. Major Franz Wunsch
trat am 18. Juli 1840 in den normalmassigen Kuhestand und iu
502
1H29-1H47.
seine Stelle avancirte der Hauptmann Ferdinand Schlemöller
des Regiments Nr. 60 zum Major im Regiment.
Das dritte Bataillon befand sich im Monat September im
Exerzierlager zu Floridsdorf, wurde dort vom Regiments - Inhaber
Erzherzog Maximilian besichtigt und in Folge der errungenen
höchsten Zufriedenheit mit einer zweitägigen Gratislöhnung belohnt.
Tn Rücksicht des ungünstigen Gesundheitszustandes der in der
Weichselgegend kantonnirenden Truppen wurde die 12. Kompagnie
von Oswieczim nach Sucha, die 11. Kompagnie nach Jordanow ver-
legt. Sämmtliche Abtheilungen des Regiments passirten im September
die Musterung.
Die Bequartierung der Mannschaft und auch vieler Offiziere
in den verschiedenen, vom Regiment besetzten Stationen liess viel
zu wünschen übrig, war aber bei der Armuth der Bevölkerung nicht
zu ändern. Hier bewährte sich wieder der Wohlthätigkeitssinn des
Wieners im schönsten Lichte. Um den armen Leuten zu helfen,
veranstalteten Unteroffiziere und Gemeine in Tarnow eine theatralische
Abendunterhaltung und der Erfolg erwies sich so günstig, dass
129 rl. 30 CM. und 1 Dukaten in Gold dem Magistrat abgeführt
werden konnte. Auch bei den Feuersbrünsten zu Pilsno und Sucha
zeichnete sich die Mannschaft beim Löschen hervorragend aus, 80
dass das k. k. Kreisamt erklärte, dass es nur ihrer äusserst that-
kräftigen Unterstützung zu danken sei, dass beide Orte nicht ein
Raub der Flammen wurden. Als dann der Magistrat 60 fl. CM. als
Belohnung für die Mannschaft spendete, leistete sie darauf mit der
Bitte Verzicht, mit dem Gelde Getreide für die armen Einwohner
ankaufen zu wollen. Hierüber gab der kommandirende General
F.-M.-Lt. Baron Hammersteiu mit Erlass vom 10. April 1847
sein besonderes Wohlgefallen zu erkennen.
Am 17. April wurde unter Trommelschlag und mit präsentirtem
Gewehr der nachstehende Zusatz zum ersten Kriegsartikel publizirt:
„Auch jener, der sich eines nächsten Mordversuches gegen einen
„Vorgesetzten in oder ausser dem Dienste schuldig macht, begeht
„das Verbrechen der Subordinationsverletzung im höchsten Grade
„und ist mit gleicher Strafe zu belegen."
Major Franz Lind lau trat am letzten April 1847 in den
normalmässigen Ruhestand. Major Koloman Baron Wimpffen von
Nr. 44 und Ferdinand Rossy von Nr. 34 wurden am 1. August
Digitized by Google
1S-29-1K47
503
in das Regiment eingetheilt, ersterer aber am 15. zu Nr. 34
transferirt.
Am 1. Mai 1847 erhielt das Regiment den Befehl, sich zum
Marsche in die Landeshauptstadt Lemberg bereit zu halten. Am 12.
marschirte der Regimentsstab und das zweite Bataillon nach Kai-
varia, 13. Mislenice, 14. Gdow, 10. Bochnia, 17. Brzesko, 18. Won-
nitz, 20. Taruow, 21. Pilsuo, 22. üembica, 24. Szendiczow, 25. Rze-
szow, 20. Lancut, 28. Przeworsk, 29. Radymuo, 30. Przemysl, 1. Juni
Mosciska, 2. Szandowawiznia, 3. Grodek und am 5. nach Lemberg.
Das erste Bataillon brach am 20. Mai auf, marschirte dieselbe
Route und erreichte am 3. Juni Lemberg. Das zweite Bataillon
marschirte am 0. Juni weiter nach Zolkiew, wo der Regiments- und
Bataillonsstab nebst der 8., 9., 10. und 11. Kompagnie verblieben,
während die 7. nach Sokal, die 12. nach Beiz verlegt wurden. Am
15. September trat Major Ernst Blank hardt in Ruhestand.
Am 20. November 1849 wurde dem Regimente der nach-
stehende Geueralsbefehl publizirt:
,Es ist mir die Anzeige zugekommen, dass der im hiesigen
„Spitale als Oberwärter kommandirte Gemeine Leopold Ober-
„inaier der 1. Kompagnie von Deutachmeister Infanterie die ärztliche
„Ordination an dem in der höchsten Gefahr gänzlicher Erblindung
.gestandenen Grenadier Georg Nomiak von Regiment Bianchy mit
„solch' hingebendem Fleiss und einer ebenso verständigen, als auch
„beschwerlich mühevollen Plage vollzogen und unterstatzt hat, dass
„es hiedurch gelang, diesen Grenadier vor gänzlicher Erblindung
„zu retten.
„Dieses verdienstliche und menschenfreundliche Benehmen des
„Gemeinen Obermaicr, womit derselbe eine echtmilitärische,
„kameradschaftliche Theilnahme bewährte, rinde ich hiemit öffentlich
„zu beloben und das Regiment Deutschmeister zu beauftragen,
„diesem Manne raeine Anerkennung bekannt zu geben.
Baron Hammerstein inp. F.-M.-Lt.
1836 — 1848.
Seh.iclprttstn-Druck dt* k k milit gtojraf Jnstitutts.
Gemeiner und Grenadier von
Hoch-und Deutschmeister.
Digitized by Google
504
1848.
Das Jahr 1848 fand den grösseren Theil Europa' s von Neuerungs-
gelüsten erfüllt, jede gesellschaftliche Ordnung wurde angetastet und
allerwärts offenbarte sich das Verlangen nach einer gewaltsamen
Umwälzung des Bestehenden. Der Sonderbundkrieg im Jahre 1847,
die politische Aufregung in Italien seit der Thronbesteigung Pius IX.
waren die Vorboten der nahen Krise und endlich brach im Februar 1848
zu Paris die Revolution aus, deren Sieg zündend in die zur Mode
gewordene Sucht zum Umstürze traf und über Europa eine fieberhafte
Freiheitssucht erzeugte, welche die ehrwürdigsten Institutionen zu
vernichten, grosse alte Reiche zu zertrümmern und geheiligte Throne
zu stürzen drohte.
Auch Oesterreichs immer loyale Völker entgingen nicht dem
Einflüsse dieser geistigen Epidemie. Es ist nicht Sache einer Regiments-
geschichte politische Begebenheiten zu schildern, da der Armee
diese fremd sind und unter allen Umstanden fremd bleiben müssen;
mithin werden diese nur in so ferne berührt, als sie auf die Be-
wegungen des Regiments und seiner Abtheilungeu Bezug haben, in
einer Zeit, in welcher der grosse Dichter mit Recht ausrufen konnte:
„in deinem Lager ist Oesterreich!"
Beim Beginn des Jahres 1848 war der Regimentsstab mit dem
I. Bataillon in Lemberg, die 7. Kompagnie in Sokal, 8., 9., 10. und
II. inZolkiew, 12. Beiz, 13. Pisling, 14., 15., 16. Wiener -Neustadt,
1. und 2. Landwehr -Kompagnie in Stockerau, 3. und 4. in Kor-
neuburg; die Greuadier-Division im Bataillon Schwarzl in Wien.
Die nieder -österreichischen Laudstände hatten für den 13. März
einen Zusammentritt zur Berathung dringender Reformen beschlossen ;
aber schon am 11. legten die Bürger Wien's eine Adresse öffentlich
auf, welche die Wünsche der Bevölkerung enthielt und daher auch
rasch mit tausenden Unterschriften bedeckt war. Sie wurde am
folgenden Tage dem verordneten Kollegium überreicht; gleichzeitig
beschloss aber der akademische Senat, eine Deputation mit der
Adresse Se. Majestät dem Kaiser vorzustellen, was auch wirklich
um 6 Uhr abends geschah.
Digitized by Google
Digitized by Google
505
Am 13. März versammelten sich die Studirenden schon morgens
in der Aula und zogen dann unter dem Zusammenflusse einer bedeu-
tenden Menschenmenge in das ständische Haus, wo eine Deputation
aus ihrer Mitte vor die versammelten Landstände beschieden wurde,
um ihre Wünsche darzulegen.
Mittlerweile hatte sich der Hofraum des Landhauses mit
Menschen gefüllt; auch in der Herrengasse, auf der Freiung, dem
Hofe, dem Ballplatze bildeten sich zahlreiche Versammlungen unter
denen einzeluc Itedner auftraten, welche über nothwendige Aen-
derungen im Verwaltuugssystem, Censur und Unmöglichkeit hoch-
gestellter Personen debattirten.
Um die aufgeregten Massen zu beruhigen, entschlossen sich
die Stände, die Wünsche des Volkes zur Kenntniss Sr. Majestät
zu bringen. Während dieser Berathung begann die im Hofraume
versammelte Menge tumultuariscb aufzutreten, Thüren zu erbrechen
und die Einrichtungsstücke in mehreren Zimmern zu zerschlagen.
Diese Vorgänge bemüssigten die Regierung, ernste militärische
Massregeln zu ergreifen. Die Thore der Stadt wurden für Fahrende
gesperrt, die Basteien mit Kauonen besetzt, solche auf mehreren
riätzen aufgefahren und diese mit Truppen - Abtheilungen besetzt.
Um 12 Uhr mittags rief das Allarmzcichen die Garnison unter
die Waffen. Die Grenadier -Division des Regiments rückte auf den
Minoritenplatz und nach einer Stunde in geschlossener Kolonne durch
die Landhausgasse, wo sie mit allen Arten Geräthschallen aus den
Fenstern des landständischen Gebäudes beworfen wurde. Um diesem
Treiben Einhalt zu thuu, feuerten die Grenadiere einzelne Schüsse
gegen jene Fenster und als dann die Kolonne am Ausgange in die
Herrengasse mit Steinwürfen und Beschimpfungen empfangen in
ihrem Weitermarsche aufgehalten wurde, jagte die erste Abtheilung
mit dem Bajounet die Masse auseinander. Nach dem Anlangen
einer anderen Kolonne stellte sieh eine Grenadier- Kompagnie im
Hofraume des Landhauses auf, während die andere auf den Minoriten-
platz zurück marschirte. Nach ungefähr drei Stunden rückte die
Kompagnie aus dem Laudhau.se auch liier ein, wo dann die Division
bis den folgenden Tag stehen blieb.
Noch am 1U. abends wurde unter der Bevölkcruug die Kund-
machung des nieder-österreichischen Kegieruugs-Präsidiums vertheilt,
dass Se. Majestät die Aufhebung der Censur, Einführung der Press-
50G
1848.
freiheit, Errichtung der Nationalgarde angeordnet und seinen Staaten
eine Konstitution zugesagt habe. Unbeschreiblicher Jubel erfüllte
ganz Wien, welches wie durch einen Zauberschlag beleuchtet war.
Inzwischen wurden die in der Nähe Wiens stationirten Truppen
herbeigezogen. Vor dem Abende erhielt das dritte Bataillon, um
8 Uhr das Landwehr-Bataillon Befehl, mittelst Eisenbahn nach Wien
abzurücken, wo beide noch in der Nacht eintrafen und am Glacis
zwischen dem Burg- und Schottenthorc das Freilager bezogen.
Am 14. in der Früh rückte das dritte Bataillon iu die kaiser-
liche Hofburg, stellte eine Division zu den Ausgängen gegen den
Kohlmarkt und der Schauflergasse, eine Kompagnie auf die Bellaria
und eine zum äussern Bunrtbor. Die Grenadiere blieben bis 10 Uhr
am Minoritenplatz, rückten dann in die Kaserne, wurden aber um
1 Uhr mittags wieder allarmirt und beim Franzensthor aufgestellt.
Das Landwehr - Bataillon bezog die Posten bei den Hof-Stallungen,
dem Arbeitshause, dem Kärutncrthore, beim General-Kommando und
Ballplatze. In diesen Stellungen blieben die Abtbeilungen des Regi-
ments bis zum 16. März.
Am Abende wurde den Uegimentsabtheiluugen nachstehender
Generalsbefehl des Erzherzog AI brecht publizirt: .Laut Aller-
höchstem Handschreiben vom heutigen Tage, waren Se. Majestät
.der Kaiser mit der ausnehmend guten Haltung, musterhaften Ord-
nung, Mässigung und Ausdauer, welche die hiesige Garnison am
.gestrigen Tage bewiesen hat, höchst zufrieden und haben derselben
.für diesen Tag eine Gratislöhnung vom Feldwebel abwärts zu
.bewilligen geruht." Daun erfolgte am folgenden Tage, 15. März,
ein zweiter, nachstehenden Inhalts: .Se. kaiserliche Hoheit der
.durchlauchtigste Erzherzog Albrecht, welcher das Kommando
.über die Truppen im hiesigen Generalate ad iuterim abgelegt
.haben, sehen sich hiebei huldreich augeregt, für die ihm jederzeit
.bewiesene Anhänglichkeit und Ergebenheit seinen wärmsten Dank
.ausdrücken zu lassen. Ich schätze mich glücklich, so wohlbewährte
.Truppen unter meinen Befehl zu erhalten und schmeichle mir,
,dass mich dieselbeu mit gleichem guten Willen, Ausdauer und
.Thätigkeit iu meineu Anordnungen zur Herstellung der Ruhe und
.Ordnung unterstützen werden. Mit viel Befriedigung habe ich die
.Hingebung ersehen, mit welcher sich die Truppen bis nun allen
»Anstrengungen unterzogen haben und ich hoffe mit Zuversicht, dass
Digitized by Google
1848. 507
„sie auch fortan allen von den gegenwärtigen Umstanden gebotenen
»Anforderungen entsprechen werden.
„Fürst Windisch -Grätz m. p., F.-M.-Lt."
Se. Majestät Kaiser Ferdinand der Gütige begab sich am
15. ohne jede Begleitung unter die Bevölkerung und wurde mit
nicht endenwolleudem Jubel umsomehr empfangen, als gleichzeitig
die Verleihung der Konstitution erschien. Abends strahlte Wien und
seine Vorstädte in prachtvollster Illumination. Am folgenden Tage
nahm die Stadt wieder allmählig ihr gewohntes Ansehen an. Die
siebente Division marschirte zur KaketenhQtte auf der Haide, die
achte Division blieb in ihrer Stellung; das Landwehr -Bataillon
konzentrirtc sich auf dem Burgplatze, wohin auch die Grenadiere
vom Franzensthore abrückten. In dieser Postirung blieben die Re-
giments - Abteilungen am 17. und 18.
Sonntag den 19. März war für alle in der Hofburg kampiren-
den Truppen Kircheuparade, nach welcher dieselben vor Sr. Majestät
dem Kaiser detilirteu. Nachmittags rückte das Landwehr -Bataillon
und die achte Division wieder auf das Glacis, wo sie bis den
folgenden Tag bivouakirten, die Grenadier - Division aber in die
Salzgrits -Kaserne. Am 20. erhielt das Landwehr -Bataillon und die
achte Division Quaitiere in der Leopoldstadt.
Gleich nach dem Bekanntwerden der Vorfälle in Wien wurde
in Lemberg eine Adresse am Fcrdiuandsplatzc aufgelegt, öffentliche
Reden gehalten und die Bevölkerung zur Unterschrift aufgefordert. Um
die Gemüther zu beruhigen, entliess der Gouverneur Graf Stadion
in Anhoffung der Genehmigung Sr. Majestät die politischen Ver-
brecher gegen Bürgschalt , was einen unendlichen Enthusiasmus
hervorbrachte und sämrutliche Häuser wurdeu illuminirt. Am folgen-
den Tage, 21. März, hielt man eiu feierliches Seelenamt für die in
Wien Gebliebenen ab, wozu alle Behörden und auch die Offiziere
geladen wurdeu, welchen die Damen nach dem Gottesdienste Blumen-
sträusscheu prüsentirten. Schon hoffte man, dass alles ruhig ab-
laufen werde, als nachmittags durch das sich schnell gebildete
revolutionäre Comite, Demonstrationen und Ruhestörungeu in
Szene gesetzt und überspanntere Forderungen an den Gouverneur
gestellt wurden. Als die Volkshaufen drohendere Stellungen an-
nahmen, wurde um %5 Uhr Allarm geschlagen. Das erste Ba-
508
1848.
taillon besetzte sofort alle Regierungsgebäude und wichtigen Punkte.
Der lärmende Volkshaufe auf dem Ringplatze vor dem Magistrate
und der Hauptwache war nicht zu beruhigen und zum Aus-
einandergehen zu bewegen, bis nicht der Moment eintrat, wo
die gestörte Ruhe durch Waffengewalt hergestellt werden sollte.
Erst dann ging alles auseinander und die Garnison blieb bis
11 Vü Uhr nachts unter dem Gewehr.
Durch energische Kundmachungen des Gouverneurs, das ent-
schlossene Benehmen der Truppen und wohl auch durch die ent-
schieden ausgesprochene Stimmung des loyalen Landvolkes wurde
bewirkt, dass die Ordnung und Ruhe keine weitere Störung erlitt.
Trotzdem hatten die Truppen einen so angestrengten Dienst, dass
sich Offiziere und Mannschaft eine gauze Woche nicht entkleiden
konnten.
In Wien hob ein Handschreiben Sr. Majestät die militärische
Bereitschaft auf. In demselben wurde das durchaus musterhafte Be-
nehmen der Truppen während der bewegten Tage und der gelieferte
Beweis von dem trefflichen Geiste, welcher das tapfere Heer unter
allen Verhältnissen beseelt, lobend erwähnt und erhielt jeder Stabs-
und Oberoffizier eine Gratifikation, die Mannschaft eine viertägige
Gratislöhnung uud die Grenadiere eine Zulage.
Mit Reskript vom 28. März wurde die Erhöhung auf den
kompleteu Kriegsstand, die Errichtung der 9 Feld- und 3 Laudwehr-
Divisiouen angeordnet, da in Mailand am 18. die Revolution aus-
gebrochen war, die sich schnell über das ganze lombardisch-venetia-
nische Königreich verbreitete und zu deren Unterdrückung die ge-
ringen militärischen Kräfte unter Feldmarschall Graf Radetzky
nicht ausreichten.
In Wien organisirten sich Freiwilligen -Bataillone mit der Be-
stimmung gegen die Feinde in Italien zu marschiren. Major S c h 1 e-
müller erhielt den Befehl diese Leute aufzunehmen, zu verpflegen
und sie förmlich zu organisiren. Am 30. März marschirte das Land-
wehr-Bataillon nach Korneuburg und Stoekerau; mehrere Detache-
ments streiilen auf dem ilachen Lande, um arbeitsscheue Leute,
welche dort arge Excesse verübten, aufzugreifen und zu ver-
scheuchen.
Se. kais. Hoheit Erzherzog AI brecht nahm am 31. März
mit folgendem Befehle von den Truppen Abschied: „Seine Majestät
Digitized by Google
1
509
»der Kaiser hat mich auf meine unterthänigste Bitte von der Führung
„des Generalkommando-Geschäftes allerguädigst zu entheben geruht.
„Ich setze die unter meinem Befehl gestandenen Truppen hievon in
„Kenntniss und erfülle zugleich eine theuere, aber höchst schmerz-
liche Pflicht, indem ich mich von ihnen beurlaube und ihnen ein
.herzliches Lebewohl wünsche. Ich danke allen Herren Generalen,
„Stabs- und OberofTizieren, ich danke der gesammten Mannschaft
,für die mir bewiesene Anhänglichkeit und den strengen Gehorsam,
„wodurch die Erfüllung der ehrenvollen Pflichten, welche das Aller-
höchste Vertrauen mir übertrug, so leicht und lieb gemacht wurde.
„Obgleich nunmehr dem dienstlichen Wirken dieser Truppen ent-
fernter stehend, werde ich ihnen immer die wärmste Anerkennung
„ihrer militärischen Tugenden gewähren und mich durch die Hotf-
„nung trösten, dass ihnen und dem sämmtlichen Heere von der Zu-
„kunft noch glänzende Erfolge auf der Bahn des Ruhmes und der Ehre
„vorbehalten sind, auf welchen wir uns vereinigt wiederfinden werden."
Anfangs April bezog die achte Division mit den bereits zahl-
reich versammelten Freiwilligen das Bivouak in der Kaserne am
Rennwege. Jeder Offizier dieser Division hatte über 400 Freiwillige
zu kommandiren und nach Leoben zu transportiren. Oberlieutenant
Ludwig Baron Vogelsang und Lieutenant Friedrich Baron Schweik-
hardt haben sich durch ihr erfolgreiches Wirken bei dieser Ge-
legenheit die Zufriedenheit Sr. königl. Hoheit des Herrn Regiments-
Inhabers erworben.
Am 3. April erhielt das Regiment den Befehl, auch die beiden
Feld - Bataillone auf den Kriegsstand zu setzen ; die detachirte vierte
Division rückte in Lemberg ein.
Oberst und Regiments -Kommandant Heinrich Edler v. Hab er-
mann wurde mit Allerhöchster Erschliessung vom 26. März 1848
zum Generalmajor und Brigadier, mit jener vom 19. April Oberst-
lieutenant Franz Vahr lieh v. Bub na zum Oberst und Regiments-
Kommandanten, Major Friedrich Freiherr Merville zum Oberst-
lieutenant und Hauptmann Wilhelm v. Mertens des zweiten
Wallachen - Grenz - Regimentes mit 1. Mai zum Major im Regiment,
dagegen Hauptmann Michael v. B a j z a t h mit 19. April zum Major
bei Nr. 12 betordert. Hauptmann Aegidius Prohaska erhielt bei
seiner Versetzung in den Ruhestand den Majors - Charakter und
800 fl. CM. Pension.
Digitized by Google
510
L848
Das Landwehr - Bataillon brach am 21. April von Korneuburg
auf, marschirte stationatim nach Linz und bezog dort die Fabriks-
Kaserne.
Am 15. Mai fand in Wien abermals eine Erhebuug statt. Man
war mit der am 27. April publizirten Verfassung nicht zufrieden;
abends rückte die bewaffnete Nationalgarde und Studenten - Legion,
gefolgt von einer grossen Volksmenge in den Schweizerhof der Hof-
burg und es wurden Sr. Majestät dem Kaiser durch eine Deputation
beim Ministerium die Forderungen abgedrungen. Indem hiedurch
das kaiserliche Ansehen verletzt wurde, dankte das Ministerium ab.
Se. Majestät verliessen Wien und begaben sich nach Innsbruck,
nachdem gleichzeitig das Vorgefallene in einem Manifeste den
Völkern Oesterreich 's kundgegeben wurde.
Zur Sicherung des Monarehen hatte die erste fircnadier-Kom-
pagnie in der Burg, die zweit«; auf der Deilaria Stellung genommen,
wo beide bis zum Morgen verblieben.
Am 20. Mai, gelegentlich der Auflösung der akademiacben
Legion kamen wieder Ruhestörungen vor; die Grenadiere besetzten
die Nationalbank. Dann wurde aber beschlossen, der Nationalgarde
die Herstellung der Ordnung zu überlassen und das k. k. Militär
wurde bis auf einige Wachen zurückgezogen.
In Wiener -Neustadt hatte eine Hotte arbeitsscheuer Leute
am 28. Mai abends das Haus eines Hackers erstürmt und dessen
Habe zertrümmert. Da alle gütlichen Aufforderungen zur Ruhe nichts
fruchteten, mussten die drei Kompagnien des dritten Dataillons über
Aufforderung der Behörde ausrücken. Da aus einem Fenster des
erstürmten Hauses auf die Truppe gefeuert wurde, so machte auch
diese von den Waffen Gebrauch, wodurch ein Ruhestörer getödtet
und zwei verwundet wurden. Die Volksmasse zerstreute sich rasch
und der grösste Theil der Uebelthäter wurde verhaftet.
Von Lemberg wurde der Oberlieutenant Rudolf Längs fei d
mit 40 Mann und einem Zug Huszaren in mehrere Ortschatten
abgesendet, um die Autorität der Behörde gegen die widerspenstige
Landbevölkerung herzustellen, was ihm vollkommen gelang und
worauf das Kommando am 28. Juni wieder einrückte.
Das dritte Bataillon erhielt den Befehl, in Eilmärschen nach
Triest abzugehen, brach am 10. Juni auf, fuhr, nachdem der Semmering
überschritten war, mit der Eisenbahn bis Cilli und dann mittelst
Digitized by Google
1 h4^»
511
Vorspannswagen nacli Triest, wo dasselbe schon am 20. eintraf.
Die neunte Division rückte nach Wiener-Neustadt, um .nach voll-
endeter Kompletirung dem Bataillon nachzufolgen. Bei dem Eintritte
des dritten Bataillons in das Gebiet von Triest erhielt dasselbe die
Kriegsgebühr; auch wurde dasselbe für sein vorzügliches Aussehen
vom F.-M.-Lt. Graf Gyulay ganz besonders belobt.
Der Ilegiments-Tagsbefehl vom 16. Juni brachte dem Regimente
das edclmüthige Benehmen des Gemeinen Adalbert Kopilka bei
Rettung eines Hirtenknaben aus den Fluthell als belobende Anerkennung
dieses wackeren Mannes zur Keuntniss.
Mit Befehl vom 1. Juni wurde die Errichtung des ersten Reserve-
Bataillons angeordnet und zum Kommandanten der Hauptmann Rudolf
Ertl v. Seau ernannt.
In Folge der Ereignisse im Mai in Wien und der dadurch
herbeigeführten Alueise des geliebten Kaisers nach Tirol hat sich
die Garnison Lemberg, zu weither acht Kompagnien des Regiments
gehörten, veranlasst gefunden, einen Aufruf an die Armee zu erlassen,
um diesen Wirren zu steuern und die Generale zu bitten, «uns
, dorthin zu stellen, wo wir Kaiser und Vaterland schirmen können!*
Dieser Aufruf vom 23. Mai mit den Unterschriften aller Generale,
Stabs- und Überoffiziere und per Kompagnie eines Mannes von jeder
Charge wurde dem Kriegsmiuisterium und Sr. Majestät unterlegt.
Se. Majestät geruhte die darin ausgedrückten loyalen Gesinnungen
und treueste Anhänglichkeit an Monareheu und Vaterland, dann den
sehnlichen Wunsch für Gesetz und Ordnung mit unbedingter Auf-
opferung einzustehen mit Wohlgefallen zur Allerhöchsten Kenntniss
zu nehmen.
Ende Juni eskortirte eine Division des dritten Bataillons unter
Hauptmann Leeb 1000 gefangene Piemontesen, welche in die
Festungen Böhmen's transporlirt wurden, bis EiYcrding und rückte
dann wieder beim Bataillon ein. Am 3. Juli erhielten die beiden
Feld -Bataillone ihre Ergänzungsmannschaft auf den vollen Kriegs-
stand. Am 10. Juli war auch die dritte Division des dritten Bataillons
komplet und selbe erhielt den Befehl, nicht nach Triest zu mar-
schiren, sondern bis auf weiteres in Wr.- Neustadt zu verbleiben.
Das neu errichtete erste Reserve -Bataillon bezog am 28. Juli
die Station Langenlois. 700 freiwillige Wiener befanden sich in
seineu Reihen.
512
184S.
Mit Allerhöchster Erschliessung vom 1. Juli 1848 wurde der
Hauptmann Eduard Freiherr La Marre zum Major beim Regiment
Nr. 11 befördert.
Anfangs August erhielt das Landwehr -Bataillon den Befehl,
sich zum Marsche zur Armee des Feldmarschalls Radetzky nach
Italien in Bereitschaft zu setzen. Mit wahrer Begeisterung wurde
dieser Befehl entgegen genommen, durch welchen endlich der lang
ersehnte Wunsch, sich mit den Feinden des Vaterlandes zu messen,
in Erfüllung gehen sollte. Schon am 4. August brachte der Telegraf
die Aufbruchs- Ordre, die mit unbeschreiblichem Jubel aufgenommen
wurde. Am 5. August setzte sich die erste Division unter Begleitung
der Generalität und der Linzer Nationalgarde -Offiziere von Linz aus
in Marsch; ihr folgte am <i. die zweite Division. Am 8. August
hatten beide Divisionen das Glück, erstere am Marsch von Unken
nach St. Johann, letztere von Salzburg nach Lofer Sc. Majestät
Kaiser Ferdinand I. auf seiner Reise von Innsbruck nach Wien
zu begegnen. Die Divisionen stellten sich mit militärischer Präzision
auf der Strasse in die Fronto gekehrt auf. Als Se. Majestät an der
Spitze derselben anlangte, vcrliessen Höchstdieselbeu den Wagen,
besichtigten die Reiben, die Front hinabgehend, sprachen mit mehreren
Soldaten in der bekannt herablassenden Freundlichkeit, reichten dann
dem Bataillons -Kommandauten Major Mertens die Hand und
bestiegen mit dem herzlichen Zurufe an die Divisionen „ auf baldiges
Wiedersehen!41 den Wagen, die Reise nach Wien fortsetzend. Am
10. August marschirte auch die dritte Division von Korneuburg nach
Italien und das erste Reserve -Bataillon nickte von Langenlois in
diese Garnison. Die beiden ersten Landwehr -Divisionen erreichten
am 21. und 22. August Verona, traten nun in die Kriegsgebühr und
erhielten reichliche Etappen- Verpflegung; schon nach einigen Tagen
wurde das Bataillon nach Brescia verlegt und rückte dort am 4. Sep-
tember ein. Am 11. nahm F.-M. -Lt. Baron Hayn au dessen
Inspizirung vor und sprach seine volle Zufriedenheit aus. Schon am
15. verliess das Bataillon Brescia und rückte am 18. wieder in
Verona ein, wo Tags vorher auch die dritte Division angelangt war.
Major Anton Meinong v. Handschuchsheim wurde mit
Allerhöchster Erschliessung vom 28. September von Nr. 31 in das
Regiment eingetheilt und übernahm das Kommando des ersten
Reserve - Bataillons.
Digitized by Googl
184«.
513
Die beiden in Zolkiew stationirten Divisionen des zweiten
Bataillons rückten Ende September beim Regimente in Lemberg
ein ; die siebente Division war am 3. Oktober von Triest aufgebrochen,
um Palmanuova zu besetzen, erhielt aber in Monfalcone den Befehl,
hier bis auf weiteres stehen zu bleiben. Da dann die Festung das
zweite steierische Freiwilligen - Bataillon als Besatzung erhielt, rückte
die Division am 8. wieder in Triest beim 3. Bataillon ein, welches
am selben Tage eine Kompagnie nach Cormons detachirtc.
Mittlerweile waren in Ungarn ernste Konflikte ausgebrochen.
Die Südslaven wollten sich durchaus nicht au dieses Reich anschliessen,
man grilT beiderseits zu den Waffen, der Banns von Kroatien rückte
mit seinen Bataillonen in Ungarn ein, stand schon am 27. September
bei Weissenburg und bedrohte Pest. Durch diesen Umstand fand
sich der Palatin Erzherzog Stephan bewogen, diese Würde in die
Hände des Kaisers niederzulegen, Allerhöchstwclchcr »im den in der
Armee entstandenen Zwiespalt auszugleichen und den Bürgerkrieg
zu verhindern, den F.-M.-Lt. Franz Graf Lamberg als ausser-
ordentlichen kaiserlichen Kommissär, mit ausgedehnten Vollmachten
nach Ungarn sendete, um das Oberkommando über die k. k. und
ungarischen Landwehr- Truppen zu übernehmen und in Ungarn die
Ruhe herzustellen.
Die königliche Verordnung, sowie der Aufruf an die Truppen
zur Rückkehr wurde noch in der Nachtsitzung des ungarischen
Landtags vom 27. als Verletzung der Konstitution verworfen und
F.-M.-Lt. Graf Lamberg am 30. September auf dem Wege in
die Reichsversammlung auf der Schiffbrücke ermordet.
In Folge dieser Gräuelthat erliess der Kaiser am 3. Oktober
ein neues Manifest, in welchem der ungarische Landtag als aufgelöst
erklärt, das Königreich unter das Kriegsgesetz gestellt und der
Banus zum königlichen Kommissär mit den umfassendsten Voll-
machten ernannt wurde.
Nach der Eintheilungs-Liste bestand das Offiziers-Korps anfangs
Oktober 1848 aus:
Oberst-Inhaber Erzherzog Maximilian Josef d'Kste. F.-Z.-M. Hoch- und
Deutschmeister.
Oberst, Regiments-Kommandant Franz Bubna von Warlich.
Oherstlieutenant Friedrich Baron Merville. Franz Hranaky.
Major Ferdinand Sc h I e in ü Her, Ferdinand Rossi, Anton Meinong
von Handscbuchsheim, Wilhelm Ritter vor Mertens.
33
514
IMS.
Kaplan Franz Peer.
Auditor-Hauptmann Johann Hineiss.
Arzt Dr. Anton Unger.
Rechnungsführer Wenzel Friedl.
Adjutant überlicntenant Anton Keller.
Bataillons-Adjutant Lieutenant Franz Fabrici, Friedrich Br. Schweik-
hardt, Friedruh Kühne, Ferdinand Much, Kduard Enthoffer, Edmund
v. Karwinsky.
'3
S
Hauptmann
Lieutenant
«
©
fad
Über-
höherer Gebühr minderer Gebühr
\
1.
Ludw. Lechner
Ferdinand Paar
Robert
Br. Rueber
—
Grein
2.
Josef
Brandmayer
Kurl
Br. Grainger
Antou
lloratscheck
—
1.
Adolf Microis
Anton Kapiller
Jakob Nitschner
Rudolf Alxcr
2.
August
v. Amberg
Franz Wolf
Franz Schwarz
Karl Schrömmer
3
3.
Rudolf
Langsfeld
Eduard
v. Eliatsc he k
Josef Helmich
Karl Iwansky
m
4.
Josef Trucker
Eduard Lyncker
Franz
v. Czikowski
Georg Fürst
5.
Casimir
Br. Lütgendorf
Chev.
Johann Gcrand
Mathias
Lukasseck
Kaspar
Br. Riesenfels
6 j August
Wallnöfer
— ~
Theodor
Br. Riesenfels
Adolf du Rieux
Alois Ritter
Haymerle
7.
Friedrich
Wussin
Eduard
v. Wolfenburg
Ludwig
Rumpelmaycr
Ferdinand
Hofmann
8.
Gustav Schuster
Friedrich
Tichatschek
Wilhelm v. Weil
Johann
Drakullich
«
<•*
9.
Friedrich Benda
Wilh. Hössner
Hermann
Kolleschowsky
Eugen
Ruczizka
3
Es
K!
10.
Anton Keller
Adolf Catty
Ladislaus
v. Mottusz
Ludwig
v. Rosenkranz
^.
Ludwig Dagnen
Ferdinand
v. Fröhlich
Wilhelm
Br. Stokhardt
Georg Meissl
12.
Eduard Kolb
Wilhelm
v. Ekart
Karl v. Tretter
Eduard Loos
13.
Josef Schifter
Andreas Rossi
Moriz Adelmann
Martin Türk
Drittes
14.
Anton Joss
Friedrich Br.
Schweikhardt
Hermann v. Lill
Paul Gledttsch
15.
Franz Schwarz
Josef
v. Riekauer
Anton
v. Högerstein
Heinrich
Reinhold
Digitized by Google
1S4S.
515
'3
en
a
Hauptmann
i
Lieutenant
«9
=Q
Ober-
j höherer Gebühr [minderer Gebühr
16.
Nikolaus Baber
Mathias
i lannennoiz
Adolf
Effenberger
Norbert Albert
Drittes
17.
Ludwig
Br. Vogelsang
Franz Seraphin
Johann Svalla
Franz Thomas
18.
Karl Leithe
Franz
1 .tli'll'l l'.lllh
Matth. Hänger
Adolf Vitzthum
1!».
Rudolf
v. Seau
Josef
v. iicrmincninai
Anton Triulzi
Frommeyer
20.
Johann Linke
Leopold Eckher
Alfred v. Lebin
Viertes
21.
Friedr. Arming
Adolf
iMifnuergtr
Ernst
Schwerdtner
Alexander
Strnad
22.
Josef Appel
Viktor Graf
WTim irrt r« L* v
Jgnaz Kaiser
Anton v. Weil
23.
Max Trzecinsky
Heinrich Kutzer
Eduard Aichner
24.
Moriz Schlier
Camillo (.'onte
Dl'IlllUMS.t
(!eut " (ioissler
Alfred Graf
Aichelburg
1.
Karl
v. Terputoez
Leopold
Halkowitsch
Josef Wiesinger
Andreas Geiger
2.
Florid Leeb
Philipp
du Rieux
Josef Lintz
Christ. Schmidt
Landwehr-
3.
Nikolaus Baber
Willi. Clement
August Kopp
Josef Leithner
4.
Johann Koffler
Wilhelm
v. Kegeln
Karl Müker
Fcrd. Ascher
5.
Josef Bolletny
Johann Catty
Heinrich
Lahousen
Heinrich
Schannberg
6.
Johann Oillich
Friedrich Lohr
Eduard Schwarz
Zur Verstärkung der Tmppen in Ungarn sollte das Grenadier-
Bataillon Richter, bestehend aus den Divisionen der Regimenter
Nr. 14, 49 und 59 von Wien nach Pressburg abgehen. Am 6. Oktober
brach dasselbe zeitlich frflh aus seiner Kaserne auf und marschirte
gegen den Tabor. Schon auf diesem Wege stellte sich ihm eine
bedeutende Volksmenge entgegen, welche aber gesprengt wurde.
Trotzdem folgten aber die meisten dem Bataillon und als dasselbe
endlich den Tabor erreichte, um sich nun einzuwaggoniren, sah es
sich von einer ungeheueren höchst aufgeregten Menschenmenge
33*
51 Ii
1S4S.
umringt, welche mit den Waffen in der Hand das Abziehen des
Bataillons durch Aufreisscn der Schienen etc. zu verhindern trachtete.
Da man dicss vorausgesehen hatte, waren vier Kompagnien des Re-
giments Nr. 15 unter Oberstlieutenant Klein bald darauf ebenfalls
erschienen, welche rechts der Brücke in Fronte aufmarschirten.
Der anwesende General v. Bredy war eifrigst bemüht, das
Volk zu fiberreden, dem Abmarsch der Grenadiere kein Hinderniss
zu bereiten. Diese Unterhandlungen währten bis Mittag, während
welcher Zeit sich immer mehr Volk ansammelte und auch das
Bataillon von Nr. 15 ganz umringten. Plötzlich zwischen 12 und
1 Uhr fielen zwei Schüsse und General v. Bredy sank todt, Oberst-
licutenaut Klein schwer verwundet vom Pferde. Diese beiden
Schüsse waren das Signal für die Revolutionäre, welche nun die
Truppen mit Gewehrfeuer und Steinwürfen angriffen. Die Kom-
pagnien von Nr. 15 eröffneten nun, zu ihrer Vertheidigung ohne
Kommando das Feuer und schnell war der Kampf allgemein, welcher
dann mehrere Stunden fortwährte.
Tn der Stadt war die Kunde von diesem Kampfe schnell ver-
breitet, die Nationalgarde trat unter das Gewehr, die Truppen der
Garnison rückten theils nach Schönbrunn und andere Orte. Nur ein
Bataillon des Regiments Nr. 15, drei Kompagnien Pionniere und die
Grenadier - Division Deutschmeister blieben in der Stadt zurück.
Der Ministerrath war im Kriegsgebäude versammelt und empfing
viele Deputationen. Die Grenadier-Division erhielt den Befehl dieses
Gebäude und das Zeughaus zu besetzen und gegen die Aufständischen
zu vertheidigen. Die erste Kompagnie mit einem Zuge der zweiten,
zusammen 12G Mann, besetzten unter Kommando des Oberlieutenants
Ferdinand Paar das Zeughaus ; die andern drei Züge der zweiten
Kompagnie unter Hauptmann Brandmayer und Oberlieutenant
Karl Baron Grainger das Kriegsgebäude. Diese wurde in einzelnen
Rotten zu den Thoren und Fenstern zur Vertheidigung des Hauses
aufgestellt. Kurz darauf marschirte das Landwehr -Bataillon von
Nr. 15 mit den Pionuieren auf dem Hofe auf und es war nach der
Aufregung, welche sich bei den zahlreich versammelten obskuren
Gestalten zeigte, der nahe Kampf in gewisser Aussicht.
Als um 2 Uhr Revolutionäre den Stefansthurm besteigen
wollten, um Sturm zu läuten, hinderten sie wackere National-
gardisten, welchen der Sinn für Gesetz und Ordnung noch nicht
Digitized by Google
lH-lK.
517
abhanden gekommen war. Es entspann sich ein Kampf, welcher
dann auch im Innern der Kirche geführt wurde und um die
Nationalgarde in ihrem ehrenvollen Werke zu unterstützen, rückten
die Pionniere auf den Graben, wurden aber aus den Fenstern so
heftig beschossen, dass sie zurück mussten. Die Menschenmasse
drängte ihnen nach, aus den meisten Fenstern wurde auf die Truppe
gefeuert, so dass sich die Pionniere im Verein mit dem Bataillon
von Nr. 15 zuerst auf die Freiung und endlich gegen 4 Uhr durch
die Schottengasse auf das Glacis zurückzogen.
Die ganze überaus grosse Menschenmenge versammelte sich
nun vor dem Kriegsgebäude, dessen Wache sich in das Innere
zurückgezogen und die Thore geschlossen hatte. Eine Kanone wurde
in dem Hofe des Kriegsgebäudes gegen das Thor gerichtet; die
Grenadiere von Deutschmeister und die Wachmannschaft derart an
den Thoren placirt, wie sie das Eindringen abzuwehren hätten. So
vorbereitet harrten die Grenadiere mit dem Gewehr im Arm im
vollen Bewusstsein ihrer Pflicht, gepaart mit dem festen Willen,
diesen auch als Männer von Ehre zu erfüllen.
Man beschloss im Falle des Einbrechens des Hauptthores
nach Abfeuerung der Kanone mit den Grenadieren einen Bajonnet-
ausfall gegen die eindringenden Aufrührer zu machen. Indessen
sollte es anders kommen.
Ein Student hatte sich im versammelten Ministcrrathe Ein-
gang zu verschaffen gewusst und hier erklärt, dass, wenn an das
Militär der Befehl zum Einstellen des Feuers gegeben würde, sich
das Volk gewiss beruhigen und auseinandergehen werde. Nach einer
kurzen Berathung diktirte der Kriegsminister F. -Z. -M. Theodor
Graf Baillet-Latour den Befehl: „das Feuer ist überall ein-
zustellen," welchen dann die Minister unterfertigten und von dem
Studenten und mehreren Anwesenden aus einem Fenster des ersten
Stockwerkes dem Volke vorgelesen wurde. Allein sein Bemühen
blieb ohne Erfolg; die Menge, welche mittlerweile eine bedeutende
Oeffnung im Thorrlügel durchgeschlagen hatte, schrie und tobte
wild durcheinander, verlangte den Abzug des Militärs, die Oeffnung
der Thore und viele Stimmen verlangten die Abdankung, ja sogar
den Tod des Kriegsministers.
Ein dem edelmüthigen Kriegsmiuister gemachter Vorschlag,
sich unter dem Schutze der Grenadiere auf das Glacis durch-
518
im.
zuschlagen, lehnte derselbe, um nicht das Leben der übrigen Minister
preiszugeben, ab.
Da nun die Katastrophe jeden Augenblick hereinbrechen musste,
hatte man die Kanone mit Kartätschen geladen und knapp vor-
geschoben, während die Grenadiere fest geschlossen mit fertigem
Gewehr daneben standen, bereit ihre Pflicht zu erfüllen. In diesem
kritischen Momente befahl F. -Z.-M. Graf Latour, zweifellos in
der Hoffnung durch eine, männliches Vertrauen zeigende Handlung
die aufgestachelten Gemüther zu beruhigen und neues Blutvergiessen
zu verhindern, dem General Frank, die Thore zu öffnen, das Volk
hereinzulassen und mit demselben zu reden. Nebenbei rief er durch
das geöffnete Fenster den Grenadieren im Hofe zweimal hinab:
„ nicht feuern!*
Auf diesen Befehl waren die Grenadiere wie erstarrt und es
bemächtigte sich diesen braven Soldaten das Gefühl der tiefsten
Niedergeschlagenheit; mechanisch setzten sie den gespannten Hahn
in die Ruhe und auf Befehl die Gewehre in Pyramiden. Die Kanone
wurde bei Seite geschoben, die Thore geöffnet und nun stürmte
ein wilder Haufe Aufrührer, darunter vielo mit verwitterten un-
heimlichen Gesichtern in den Hof. Ein Grenadier stellt« sich mit
gefälltem Bajounet entgegen, wurde aber sofort zu Boden ge-
rissen, entwaffnet und unter argen Misshandlungen gefangen weg-
geschloppt.
Immer mehr und mehr drangen zahlreiche bewaffnete und
mitunter trunkene Kotten in das Kriegsgebäude, dessen untere
Räume allmälig durch sie besetzt wurden; auch drängten sie sich
unter die Grenadiere und forderten sie theils durch Drohungen,
theils durch allerlei Verheissuugen zur Auslieferung der Waffen und
Munition auf. Entschieden verweigerten die Grenadiere die Ablegung
der Waffen, aber demungeachtet löste sich unter solchen Einwir-
kungen und bei dem Mangel aller Energie der Führer doch zum
Theile die militärische Ordnung der Mannschaft, um sowohl bei ihr
als den Offizieren einer vollständigen Verwirrung und Rathlosigkeit
Platz zu machen.
Der dritte Zug hatte einige Zeit die Hauptstiege in der Rich-
tung gegen den Bazar behauptet und als diese Mannschaft auch
hier durchbrochen und verdrängt ward, wälzte sich die Menge nun
schrankenlos über die Treppe, was etwas früher schon auf den
Digitized by Google
1818.
510
anderen der Fall wai», in die .oberen Räume und Zimmer, wo sie
das Werk einer vandalischen Zerstörung begann.
Hauptmann Brandmayer, welcher während seiner ganzen
Dienstzeit als ein sehr tüchtiger und energischer Offizier bekannt
war, schien durch das Eindringen des Volkes alle Fassung verloren
zu haben; anstatt mit aller Energie seine Leute zu sammeln und
fest beisammen zu halten, entsendete er von seiner ohnehin nicht
zahlreichen Mannschaft ein Kommando auf die Hauptwache, um von
dort Verwundete in das Spital zu schaffen, dann einen anderen Theil
seiner Leute in das erste Stockwerk und sah mit Oberlieutenant
Baron Grainger ruhig der allmäligen Auflösung und Zerstreuung
der Mannschaft zu, von welchen sich einige in die Stallungen zurück-
zogen, andere einzeln oder gruppenweise im Volksgedränge des
Hofes standen.
Auf die Anfrage des Feldwebels, was zu thun sei, gab Haupt-
mann Brandmayer die Weisung, dass sich die Mannschaft in die
Kaserne begeben solle, was denn auch theilweise geschah. Aus-
drücklich muss aber bemerkt werden, dass Offiziere und Mannschaft
im festen Glauben waren, der Kriegsminister habe bereits das Gebäude
verlassen und sei mithin gerettet.
Bald darauf wurde der Kriegsminister im oberen Stockwerke
gefunden, in den Hof geschleppt und hier auf die grausamste Art
ermordet.
Nach dieser gräulichen Schandthat eilte alles gegen das Zeug-
haus, in der Hoffnung auch hier so leicht fertig zu werden und in
den Besitz der dort aufgespeicherten Wallen zu gelangen. Aber hier
war der energische Oberlieutenant Paar, dann eine Kompagnie
Grenadiere des Regiments Nr. 8 unter Oberlieutcnant Naske und
der Artillerie - Hauptmann Castel.
Ungefähr um '/g5 Uhr geschah der erste Anfall, einige freche
Bursche verlangten die Auslieferung der Waffen, die keiner Antwort
gewürdiget wurden. Nun versuchten die Aufrührer die Mauern zu
untergraben und auch sonst einzubrechen, worauf Oberlieutenant
Paar einen Ausfall machte und diese Leute verjagte.
Vor Mittemacht rückte eine Schaar mit einer Kanone an. Der
erste Kanonenschuss, welchen sie von der hohen Brücke abfeuerte,
zerschmetterte das alte morsche Thor des Zeughauses, worauf die
Besatzung rasch ihre einzige Kanone in den Thoreingang stellte und
520
184».
einen Kartätschenschuss abfeuerte. Gleich hierauf machte Ober-
lieutenant Paar mit seinen Grenadieren einen Ausfall, warf die
Angreifer zurück und eroberte die Kanone, welche sofort in das
Zeughaus abgeführt wurde.
Nach Mitternacht erschien unter argem Lärmen und Schreien
eine lange Kolonue mit Fackelträgern, welche eine Kanone mitzogen,
sich durch die Wipplingerstrasse über die hohe Brücke gegen das
Zeughaus in Bewegung setzte und viele Flintenschüsse gegen das-
selbe abfeuerte. Auch diese wurde mit einem Kartätschenschuss
empfangen, worauf die ganze Kolonne zu Boden fiel, bei welcher
Gelegenheit die Aufrflhrer mit den brennenden Fackeln sich die
Kleider anzündeten. Oberlieutenant Paar machte abermals einen
Ausfall, nahm diese Kanone, während alles sofort auseinander stäubte
und die Munizipal -Garden die \ielen Todten und Verwundeten
fortschleppten.
Nach diesem Ausfalle erschienen die Aufrührer bald wieder
in einzelnen Gruppen, suchten durch Pechkränze das Zeughaus in
Brand zu stecken und nun nahm der Kampf einen sehr ernsten
Charakter an.
Die Angriffe wurden von mehreren Seiten versucht und von
den gegenüberliegenden Häusern das Gewehrfeuer eröffnet; drei
Kanonen fuhren auf der Bastei auf und beschossen auf das Heftigste
das Gebäude, so dass ein Thcil des rückwärtigen Traktes ein-
stürzte und in Brand gerietb. Die tapfere Besatzung bekämpfte
die Angriffe von aussen und den Brand der zu wiederholtenmalen
entstand, mit wahrem Heldcnmuthe und aller Aufopferung bis den
andern Tag '/t8 Uhr früh, um welche Zeit auf Befehl des Reichs-
raths die Uebergabe an die Natioual - Garde erfolgte und die Gre-
nadiere, welche nur den Grenadier Alois Winkelmayer todt und
vier Verwundete eingebüsst hatten, durch das untere Thor in die
Kaserne unangefochten einrückten.
Oberlieutenaut Ferdinand Paar, welcher sich ausser den Aus-
fällen auch bei der Vertheidigung ruhmvoll ausgezeichnet und seinen
Leuten das schönste Beispiel der Tapferkeit und der heldenmflthigsten
Ausdauer gegeben luitte, wurde mit dem Militär- Verdienstkreuz,
Feldwebel Georg Kocher, Grenadier Autou Grein er, Anton
Kappen bei ger, Martin Strauss und Viktor Kämmerzell,
Welche bei der Vertheidigung unter den Tapfereu die Tapfersten
Digitized by Google
1H4S.
521
waren, und zwar Grenadier Anton Greiner mit der silbernen
Tapferkeit* -Medaille erster, alle übrigen mit jener zweiter Klasse
belohnt.
Die grauenhafte Ermordung des greisen Kriegsministers hatte
auf Se. Majestät den Kaiser einen tief schmerzlichen Eindruck
hervorgebracht, so dass sich der gütige Monarch entschloss, aber-
mals Wien zu verlassen und nach Olmütz zu reisen. Dieser Entschluss
wurde auch am 7. Oktober in der Frflh 1 ,7 l'hr ausgeführt. 20 Kom-
pagnien und 6 Eskadronen Kürassiere begleiteten den kaiserlichen
Wagen bei der Abfahrt von Schönbrunn, während der junge Erz-
herzog Franz Joseph zu Pferde den Wagen des Kaisers begleitete.
Diesem Kommando hatte sich der Werbbezirks -Revisor Lieutenant
Christian Schmidt mit seinen Leuten angeschlossen und war bis
Klosterneuburg marschirt, dann aber wieder nach Wien zurück-
gekehrt.
Vor seiner Abreise erliess der Kaiser an den Reichstag die
nachstehende Botschaft:
„ Alles, was ein Herrscher an Güte und Vertrauen für sein
.Volk thun kann, habe Ich erschöpft, habe Mich Meiner vererbten
, absoluten Macht begeben, um durch die Konstitution der Selbst-
ständigkeit Spielraum zu gewähren, durch dieselbe die Kraft und das
„Selbstgefühl Meiner Völker zu erhöhen. Und wenn die Gewalt des
„15. Mai Mich aus der Burg Meiner Väter vertrieben hat, so ward
„Ich doch nicht müde, zu gewähren. Auf der breitesten Grundlage
„des Wahlrechtes wurde ein Reichstag berufen, um in Ueberein-
„ Stimmung mit Mir die Konstitution zu berathen. Hierauf kehrte
„Ich in Meine Hauptstadt zurück, ohne für Meine persönliche Sicher-
heit eine andere Bürgschaft zu verlangen, als das Rechtsgefühl
„und die Dankbarkeit Meiner Völker. Allein eine geringe Anzahl
„Irregeführter bedroht die Hoffnung jedes Vaterlandsfreundes mit
„Vernichtung. Die Anarchie hat ihr Aeusserstes vollbracht. Wien
„ist mit Brand und Mord erfüllt. Mein Kriogsminister, den schon
„sein Greisenalter hätte schirmen sollen, hat unter den Händen
„meuchelmörderischer Rotten geendet. Ich vertraue auf Gott und
„Mein Recht, verlasse die Nähe Meiner Hauptstadt, um Mittel zu
„finden, dem unterjochten Volke Hilfe zu bringen. Wer Oester-
deich, wer die Freiheit liebt, schaare sich um seinen
„Kaiser !*
522
1S4S.
Noch vormittags 11 Uhr um 7. Oktober erhielt die Grenadier-
Division den Befehl, nach Zurücklassung sämmtlicher Bagagen in
den Schwarzenberg- Garten am Renuwege zu rücken, wo sich mittler-
weile die ganze Garnison versammelt hatte. Bei ihrem Eintreffen
Hess sich Feldmarschall -Lieutenant Graf Auers perg die Grena-
diere vorstellen, welche in treuer Erfüllung ihrer Pflicht so tapfer
das Zeughaus vertheidigt hatten. Er begrüsste ihren Heldenmuth
mit abgezogenem Hute und lobender Anerkennung vor allen Truppen
und reichte ihrem Führer , dem tapfern Überlieutenant Paar,
die Hand.
Inzwischen wurde das Zeughaus rein ausgeplündert ; eine grosse
Zahl Waffen, angesammelte seltene Alterthümer, Trophäen aus einer
für Wien ruhmreichen Zeit wurden in kurzer Zeit eine Beute der
Proletarier. In der Stadt blieben die Barrikaden besetzt, Wachfeuer
brannten auf den Wällen und überall bivouakirte die Nationalgarde.
Major v. Meinong hatte mit einer Division des vierten Ba-
taillons die grosse Donaubrücke bei Stein besetzt, um selbe bis zur
Ankunft des Allerhöchsten Hofes vor Zerstörung zu schützen. Am
Tage der Ankunft wurde das ganze Bataillon von Langenlois herbei-
gezogen, welches dann in der Stadt Spalier machte, das Bataillon
von Nr. 49 ablöste und dann die Ehre hatte, Se. Majestät auf der
Heise bis Znaim zu begleiten, wo seine Ablösung durch ein Bataillon
von Nr. 8 erfolgte. Nach einer Hast von fünf Tagen rückte das
Bataillon in Eilmärschen nach Troppau und von hier 4 Kompagnien
nach Teschen, 2 nach Biclitz und Biala.
Der Banns von Kroatien, F. -M.-Lt. Baron Jelacitf, war auf
die Nachricht von den traurigen Vorfällen in der Residenz aus seiner
Stellung zu Altenburg sogleich aufgebrochen und erschien schon am
10. Üktober mit seinen kampfesmuthigen Bataillonen beim Neu-
gebäude vor Wieu.
Am 12. Üktober um 5 Uhr früh rückte die Garnison aus dem
Schwarzenberggarten und Belvodere an den Lauerberg ; das Grenadier-
Bataillon Schwarzl bezog in Inzersdorl Kantonnirungen. Hier befand
sich das Hauptquartier und die Truppen umschlossen Wrien in einem
Halbkreise von Simmering bis über Schönbrunu, sich an die Truppen
des Banns anschliessend, welche bis gegen die Leitha ausgedehnt,
eine beobuchtende Stellung gegen die aus Ungarn im Anrücken
begriffene Armee uuter Moga einnahmen.
Digitized by Google
1848.
523
Feldwebel Johann Meier und Gefreiter Veith waren in dieser
Zeit nach Wien gegangen und brachten über alle dortigen Vorgänge
die genauesten Rapporte. Beide wurden im Tagsbefehl belobt und
durch Beförderung belohnt.
Die Grenadier - Division des Regiments besetzte am 13. das
Neugebäude und blieb dort bis zum 17., worauf dieselbe wieder in
die Eantonnirungsstation einrückte.
Se. Majestät der Kaiser erliess von Olmfltz am 16. Oktober
jenes berühmte Manifest „au meine Völker!4, in welchem der Feld-
marschall-Lieutenant Fürst Win (lisch -Grit« zum Oberbefehls-
haber über sämmtliche Truppen, mit Ausnahme jener unter Feld-
marschall Radetzky in Italien und zum Feldmarschall ernannt
und ihm die Herstellung der Ruhe und Ordnung anbefohlen wurde.
Der Fürst erliess hierauf von Lundenburg eine Proklamation, welche
Wieu und die Vorstädte in Belagerungszustand erklärte und zur
Uebergabe aufforderte. Dieser Aufforderung wurde keine Folge ge-
leistet. Nun rückten die Truppen vom 20. an, mittelst Kisenbahn
und in Eilmärschen gegen Wien und bald waren 58 Bataillone,
07 Eskadronen, mit 204 Geschützen in drei Korps, unter dem Banus
Jelacic, F.-M.-Lt. Graf Auersperg und Fürst Reuss und
eine Reserve - Division unter Serbeloni, vor Wien versammelt.
Während dem Anrücken der Truppen hatte der Fürst Wien
zum zweitenmalc aufgefordert und den 26. Oktober als letzten Termin
zur Uebergabe festgesetzt. Auch dieser verstrich ohne Erfolg und
so nahinen an diesem Tage die Truppen ihre Stellungen zum An-
gritfe ein. Das Kommando des Grenadier -Bataillons hatte Major
Martini vom Regiment Nr. 8 übernommen und dasselbe seine
Kintheiluug in die Brigade Generalmajor Frank, mit den Grenadier-
Butaillons Strastil und Gaus erhalten. Am 27. um %9 Uhr früh
brach die Brigade von lnzersdorf auf, marschirte durch Simmering
die Haide, über die Donau, beim k. k. Lusthause vorüber in den
Prater und bezog hier ein Freilager, mit dem rechten Flügel an
die Militär- Schwimmschule und mit dem liuken au die Brigade
Gramont gelehnt.
Am 28. Oktober eröffneten die kaiserlichen Batterien ihr Feuer
gegen alle Linienthore, mit Ausnahme gegen jenes von St. Marx.
Um die cilfte Stunde begann der Angritr auf diese Linie und gegen
die Leopoldstadt. Nach einem hartnäckigen Kampfe wurden die
524 18**-
Barrikaden erstürmt und die vorgerückten Truppen standen in un-
mittelbarer Verbindung. Während General Hart lieb, welcher beim
Franzensthor eingedningen war, sich immer mehr in der Stadt aus-
breitete, leistete die Barrikade an der Johanneskirche in der Jager-
zeile, obgleich die grosse Barrikade am Pratersterne bereits ge-
nommen war, noch immer Widerstand.
Um diese zu nehmen wurden vom Grenadier-Bataillon Martini
die Divisionen der Regimenter Nr. 3 und 8 zum Durchschlagen der
Häuser, dagegen die Division Deutschmeister zum direkten Angriffe
beordert. General Frank erinnerte die Grenadiere der ersten Kom-
pagnie an ihre Tapferkeit bei Vertheidigung des Zeughauses und
rief der zweiten zu: „Ihr habt eine Scharte auszuwetzen, die Ge-
legenheit dazu ist hier!« Ein Grenadier erwiederte: „Es war nicht
unsere Schuld.«
Nun rückte die Division vor. Die erste Kompagnie an der
Tete unter Oberlieutenant Paar an der rechten Häuserreihe, die
zweite unter Hauptmann Brandmayer an der linken. Sogleich
wurden einige Grenadiere niedergeschossen , aber unaufhaltsam
stürmten beide Kompagnien vor. Hauptmann Brand mayer
muthig voran, fiel kaum 3U Schritte in der Gasse durch eine Kugel
tödtlich getroffen, wodurch in seiner Kompagnie eine Stockung ein-
trat Paar war so gegen 2U0 Schritte mit seinen Leuten voraus,
warf sich schnell in ein Haus uud Hess von dessen Fenstern die
Barrikade lebhaft beschicssen. Nun fuhr die in Bereitschaft ge-
standene Zwölfpfünder - Batterie am Eingange der Jägerzeile auf
und überschüttete die Barrikade mit Projektilen. Oberlieutenant
Paar sammelte seine Leute unter der HausHur und stürmte im
vollen Laufe ge£en die Barrikade. Dieser muthige Offizier war der
Erste oben, während seine braven Grenadiere rasch folgten mid
sich auch jene der zweiten Kompagnie anschlössen. Die Aufrührer
hatten in der Flucht ihr Heil gesucht und nur aus den Fenstern
Helen noch einzelne Schüsse. Man rückte bis zum Theater vor, wo
sich die Truppen, auch jene, welche durch die Seiteugassen vor-
gedrungen waren, sammelten und das Lammgasthaus und die Kaffee-
häuser an der Schlagbrücke besetzten. General Frank rief den
Grenadieren zu: „Ihr habt euch recht tapfer betragen!« Die Division
hatte nebst dem Hauptmann Brandmayer noch fünf Verwundete,
stellte sich abends bei dem Theater und der kleiuen Fuhrmanus-
Digitized by Google
184«.
525
gasse auf und wurde von der nun zahlreich erscheinenden Be-
völkerung als Retter begrflsst und die Grenadiere reichlich mit
Speise und Trank bewirthet.
Der Feldmarschall Hess, um das Blutvergiessen zu vermeiden,
den andern Tag die Angriffe nicht fortsetzen. Die Brigade Frank
marschirte gegen 4 Uhr nachmittags durch den Prater (Iber die ge-
schlagene Schiffbrücke und Simmering auf den Laaerborg, wo sich
der Feldmarschall schon eingefunden hatte, um die Bewegungen der
Ungarn zu beobachten, deren Stärke sich auf 21 reguläre und einige
freiwilligen Bataillone, 20 Eskadronen und 71 Kanonen belief.
In der Nacht vom 20. auf den 30. erschien eine Deputation
aus Wien, welche ihre Unterwerfung ankündigte und um schleuniges
Einrücken bat, da volle Anarchie herrsche und nichts mehr sicher
sei. Der Feldmarschall bestimmte die Kommission zur Festsetzung
der Punkte und sagte die Einrücknng zu.
Am Morgen des folgenden Tages rückten die Ungarn auf allen
Punkten vor und es entspann sich ein heftiges Kanonen- und Ge-
wehrfeuer. Unter dem Donner der Kanonen wurde der Grenadier-
Division Deutschmeister die belobende Anerkennung Sr. Majestät
des Kaisers und dem tapferen Überlieutenant Ferdinand Paar, welchen
der Feldmarschall ausser der Tour zum Kapitän - Lieutenant be-
förderte, die Allerhöchste Zufriedenheit bekannt gegeben ; auch erhielt
Korporal Georg Schober und Grenadier Josef K o b i n g e r,
welche sich besonders ausgezeichnet hatten, die silberne Tapferkeits-
Medaille erster Klasse, ausserdem ersterer von einem österreichischen
Patrioten 50 tl. C.-M. In Folge dieser Allerhöchsten Belobung brach
unter der Truppe ein begeisterter Jubel aus, in welchen die ganze
Brigade recht kameradschaftlich einstimmte und insbesondere war
der durch des Kaisers Huld ausgezeichnete Kapitän - Lieutenant
Paar Gegenstand der allgemeinen wohlverdienten Ovationen.
Auch der Erzherzog- Inhaber und der Oberst Regiments -Kom-
mandant fanden sich bewogen, Paar durch eigenhändige Schreiben
auszuzeichnen; das erstere lautet:
.Mit Freuden erfüllt über Ihr ausgezeichnet tapferes Benehmen
, sowohl bei der Verteidigung des Zeughauses am 6. Oktober, als
.bei der Erstürmung der Barrikade in der Jägerzeile fühle ich das
.Bedürfniss, Ihnen hierüber Glück zu wünschen, so wie ich dem
.ganzen Regimente, dessen Inhaber zu sein ich mir zur grössten
520
1848.
„Ehre rechne, aufrichtig Glück wünsche, einen so ausgezeichneten
„Offizier in seiner Mitte zu haben, der den Ruhm desselben auf
„solche Weise erhebt. Erfreut war ich nicht minder darüber, dass
„Ihnen eine öffentliche Anerkennung Ihres Verdienstes durch den
„Kommandirenden Feldmarschall Fürst Windisch-Grätz zu
„Theil wurde durch Ihre Beförderung zum Hauptmann. Mögen Sie
„stets fiberzeugt sein meiner aufrichtigsten Hochschätzung."
, Ebenzweier, 5. November 1848.
„ Erzherzog Maximilian.'
So wie den Major Graf So ro bei Kolin als seinen ersten
Theresien-Ordensritter, zählt das Regiment den Kapitän-Lieutenant
Paar mit Stolz zu seinem ersten Ritter der eisernen Krone.
Die Kanonade, auf welche sich der Kampf bis Nachmittag be-
schränkte, war sehr heftig. Die Umsturzpartei in Wien schöpfte
neue Hoffnung, die meisten Fahnen verschwanden und von allen
Thörmen heulten die Sturmglocken: der Sieg der Ungarn wurde
allenthalben publizirt und die Bevölkerung zum Widerstande terrorisirt.
In Folge dessen begann das Feuer gegen die Truppen, welche in
friedlicher Absicht gegen Wien vorrückten.
Die Grenadier -Division marsehirte nacli Schönbrunn, passirte
das Schlott, rückte nach Rustendorf, besetzte die Gassen in Fönf-
und Sechshaus und endlich die Ausgänge gegen Wien. Die ungarische
Armee war gegen Abend geschlagen und im vollen fluchtartigen
Rückzüge; nur die einbrechende Nacht rettete sie vor einer totalen
Niederlage, welche durch die grosse Zahl der österreichischen vor-
trefflichen Kavallerie so leicht gewesen wäre.
Der grösste Theil der Bevölkerung Wien's wollte sich nun
ergeben, aber es herrschte Anarchie und wilde Rotten drohten die
kaiserliche Burg und andere Gebäude den Flammen Preis zu geben.
Auf die bestimmte Drohung des Feldmarschalls, den Angriff auf
die Stadt zu eröffnen, wenn sie bis 2 Uhr am 31. Oktober nicht
fibergeben würde, erbat sich der Gemeinderath eine Verlängerungs-
frist bis den folgenden Tag, was unter der Bedingung zugestanden
wurde, dass sofort das Schiessen eingestellt werde. Da aber der
Gemeinderath gar keine Macht besass und das bewaffnete Proletariat
und insbesondere viele Fremde erklärten, sich eher unter den Trüm-
mern Wien's begraben zu lassen, blieb wohl dem Feldmarschall
Digitized by Google
1 ^4^i
527
nichts flbrig als dio Erstürmung der Stadt zu befehlen. LTm 3 Uhr
wurde der Angriff von den Truppen, welche bereits die Vorstädte
durchzogen hatten, begonnen, fanden überall nur unbedeutenden
Widerstand und um 5 Uhr war die Stadt militärisch besetzt; der
heklagenswerthe Aufstand hatte sein Endo erreicht.
Die Regiments - Geschichte hat die Vorfälle der Grenadier-
Division etwas ausführlicher beleuchtet, weil dieselben sehr entstellt,
meistens unrichtig bekannt geworden waren. Die hier Aufgezeichneten
sind vollkommen richtig und nur aus offiziellen Akten und Mit-
theilungeu von Männern von Ehre geschöpft.
Am 1. November nahm die Grenadier- Division Stellung bei
Casa picola und entsendete ein Detachement in die Salzgries-Kaseme,
um die dort zurückgelassenen Effekten und Bagagen der Offiziere
und Mannschaft abzuholen. Diese Sendung war nutzlos, denn das
Proletariat hatte alles geraubt.
Am folgenden Tage wurde den Truppen der nachstehende
Armee -Befehl publizirt:
„Die für die Erhaltung der Monarchie durch den vortrefflichen
„Geist, die Entschlossenheit und Ausdauer der hier vereinten Tmppen
„erreichten glänzenden und bedeutungsvollen Resultate machen es
„mir zum wahren Bedürfnisse, Euch tapferen Kämpfern für die ge-
heiligten Rechte unseres Monarchen, für die Ruhe und Sicherheit
„des redlichen Staatsbürgers, hiemit aus dem Grunde meines Herzens
.die gebührende Anerkennung Euerer schönen Thaten auszudrücken
„und Euch zuzurufen: „„Ich Inn stolz an Euerer Spitze zu stehen
„Hetzendorf, 2. November 1848.
„Fürst Windisch -Gr ätz m. p., Feldmarschall. *
Hauptmann Josef Brandmayer starb nach unsäglichen
Schmerzen an der erhaltenen Schusswunde am 4. November im
Spitale der barmherzigen Brüder. Sehr treffend sagt der Befehl des
Militär - Kommandanten in Triest: „Mit besonderer Befriediguncr
„muss ich hervorheben, dass die Grenadier - Kompagnie Deutsch-
meister, die am 6. Oktober im Kriegsgebäude die Wache hatte,
„durch besonderes herzhaftes Benehmen sich vollkommen rehabilitirte.
„Der Kommandant derselben liess an einer Barrikade der Jägerzeile
„zur Sühnung der ihm allenfalls an jenem verhängnissvollen Tage
„treffenden Schuld sein Leben."
52*
1K4S.
An demselben Tage als in Wien der Aufstand niedergeworfen
wurde, erhob derselbe in Lemberg sein Haupt. Ein geringfügiger
Anlass, nämlich eine Balgerei zwischen einem Artilleristen und
Nationalgardisten am Abend des l. November, gaben der Umsturz-
partei die erwünschte Gelegenheit mit den Waffen in der Hand
aufzutreten. Es kam zu einem Angriffe gegen die Artillerie-Kaserne
und gegen 10 Uhr riefen Allarmschusse die Garnison unter die
Waffen. Das Regiment rückte vor das Generalkommando -Gebäude
und sendete von hier die Kompagnien auf die schon bestimmten
Posten ab. Die dritte Division besetzte das Verpflegsamt, die neunte
Kompagnie die Frohnfeste; die zweite Division stellte sich unter
Hauptmann Längsfeld längs dem Wiener Kaffeohause mit der
Front gegen das Gubcrnium auf. Die übrigen Kompagnien besetzten
die Ostseite der Stadt, Oberlieutenant Guerard kam mit zwei
Zügen zur Kanonenbedeckung auf dem Wall, ebenso rechts von ihm
Hauptmann Wallnüfer mit der sechsten Kompagnie, während
vier Kompagnien das Postgebäude und das Karmeliter - Kloster be-
setzten. In diesen Stellungen blieb die Truppe die ganze Nacht
unter dem Gewehr. Im Innern der Stadt wurden Barrikaden gebaut
und an verschiedenen Punkten auch auf die kaiserlichen Patrouillen
gefeuert.
Parlamentäre erschienen beim Kommandirenden F.-M.-Lt
Baron Hammerstein, um eine gütliche Vermittlung mit dem
Nationalgarde - Kommandanten vorzuschlagen, welche angenommen
und die strengste Untersuchung des bei der Artillerie - Kaserne vor-
gefallenen Excesses zugesagt wurde. Um 7 Uhr morgens begann das
Civil die Barrikaden einzureissen. was von den Truppen mit nicht
zu bemeisternden Lebehochrufen aufgenommen ward, denen dann
die Absiugung der Volkshymne folgte. Es hatte den Anschein als
wenn die Sache ohne Blutvergiessen abgehen sollto und schon erhielt
das Regiment den Befehl, nach Wegiäumung der Barrikaden in die
Kaserne einzurücken.
Die zahlreich in Lemberg anwesenden Emigranten, welche sich
nach dem raisslungenen Aufruhr in Krakau hieher begeben hatten,
thaten nun alles Mögliche, um den Aufstand doch in's Leben zu
rufen. Leider Hessen sich mehrere Hitzköpfe von diesen Leuten ver-
leiten, und anstatt die Barrikaden zu zerstören, fing man an, neue
zu bauen, auch wurde ganz plötzlich auf die. Patrouillen und auf
Digitized by Google
1*4«.
520
die Division vor dem Guberniiim geschossen, was aber diese mit
einer vollen Decharge erwiderte. Von allen Seiten mit Barrikaden
eingeschlossen, zog sich die Division in das Innere des Gubemiuras
zurück und traf alle Anstalten zur Vertheidigung.
Der kommandirende General vermied den Strassenkampf, und
liess die Stadt bombardiren. Um 10 Uhr begann das Feuer aus allen
Geschützen und schon um 12 Uhr wehte die weisse Fahne als
Zeichen der Unterwerfung auf dem Rathhausthurme, worauf das
Feuer sogleich eingestellt wurde. Es erschien eine Deputation, welcher
eine Frist zur sofortigen Unterwerfung bis 2 Uhr bewilligt wurde.
Nachdem aber das Feuer nicht eingestellt wurde, begann das Bom-
bardement aufs Neue und nun so energisch, dass bald mehrere
Gebäude in hellen Flammen standen. Erst jetzt kam die Kapitulation
zu Stande, deren Bedingnisse die Ablegung der Waffen, Ausweisung
saramtlicher Emigranten aus den österreichischen Staaten u. a. m.
enthielten. Nach eingetretener Ruhe marschirten die Tnippcn in die
Stadt und besetzten die Plätze und öffentlichen Gebäude, von wo
sie dann am folgenden Tage in ihre Kasernen einrückten. An diesem
Tage wurde aus einem Hause in der Nähe des Generalkommando"^
auf vorübergehende Soldaten geschossen. Oberlieutcnant v. Fröh-
lich nahm mit der halben 12. Kompagnie dieses Haus mit Sturm
und arretirte dessen Bewohner. Die Gemeinen Michael Karibuck
und Franz Döller wurden wegen ihrem muthigen Benehmen auf
Patrouille, wobei der letztere drei National -Gardisten, die ihn mit
den Waffen in der Hand angegriffen, niedergeschossen hatte, im
Regiments -Tagsbefehl belobt. Der Verlust des Regiments bestand
in 4 Verwundeten vom Feldwebel abwärts.
Bis 10. November hielten die Bataillons strenge Bereitschaft;
dann begann der gewöhnliche Dienst und Ruhe und Ordnung wurde
nicht weiter gestört. Ein Generalsbefehl hob die Leistungen der
Truppen lobend hervor, auch wurde dem Regiment die Zufriedenheit
des Erzherzogs - Inhaber kund gemacht.
Die Grenadier -Division erhielt am 14. November im Verbände
des Bataillons Martini ihre Eintheilung in die Brigade G.-M. Liebler,
Division F.-M.-Lt. Fürst Schwarzenberg, im Reserve - Korps
unter F.-M.-Lt. Duca Serbelloni.
Die neunte Division in Wr. Neustadt, welche Ende Oktober
im Streif- Kommando des Oberst Horväth zur Aufrechthaltung
34
530
1H4R.
der Ruhe in jener Gegend mitgewirkt hatte, war nun mit dem Ab-
nehmen der Wallen in den nächsten Ortschaften beschäftigt, was
ohne Anstand vor sich ging. Das vierte Bataillon in Teschen hatte
die Hälfte seiner Mannschaft fortwährend auf Kommandos und
Eskorten kommandirt. Die 20. Kompagnie unter Hauptmann Linke
transportirte eine halbe Raketen - Batterie und 1000 Gewehre mit
der Munition nach Teschen, mit welchen das gegen Ungarn bestimmte
slovakische Freikorps zu bewaffnen war. Dieses Korps unter dem
Agitator H n r b a n , welchem der Oberstlieutenant Frischeisen
mit vier Kompagnien des Regiments Nr. 30 und ein Flügel Chevaux-
legers beigegeben wurde, sammelte sich am 23. November in Teschen
und marschirte dann Aber Jablunka nach Ungarn. Die 21. Kom-
pagnie unter Hauptmann A r m i n g besetzte zur Unterstützung dieser
Kolonne am 3. Dezember Jablunka, sowie die eine halbe Stunde vor-
liegende Schanze und errichtete hier ein Depot mit Waffen und
Lebensmitteln. Lieutenant Strnad versah bei der Kolonne die
Pionuier - Dienste.
Am 2. Dezember 1848 entsagte Kaiser Ferdinand I., der
Gütige, zu Gunsten Allerhöchst Seines Neffen, des Erzherzogs
Franz Joseph, des Thrones.
Erhebend waren die Worte, welche der scheidende Monarch
zu seinen Kriegern sprach: .Unserer tapferen Armee sagen Wir
»dankend Lebewohl! Eingedenk der Heiligkeit ihrer Eide, ein Boll-
werk gegen auswärtige Feinde und gegen Verräther im Innern,
.war sie stets und nie mehr, als in neuester Zeit eine feste Stütze
»Unseres Thrones, ein Vorbild von Treue, Standhaftigkeit und Todes-
verachtung, ein Hort der bedrängten Monarchie, der Stolz und die
„Zierde des gemeinsamen Vaterlandes. Mit gleicher Liebe und Hin-
» gebung wird sie sich auch um ihren neuen Kaiser schaaren!*
Mit der hohen Befriedigung, welche dieses ehrende Vertrauen
hervorrief, vernahm die Armee dann die Stimme ihres jungen
ritterlichen Kaisers Franz Joseph I.. welche in nachstehendem
Erlasse des Kriegsministers bekannt gegeben wurde.
An die k. k. Armee:
»Se. Majestät der Kaiser Franz Joseph der Erste hat
»den Thron Seiner Väter bestiegen.
»Indem ich dieses durch das angeschlossene Manifest bekräftigte,
»welthistorische Ereigniss der tapferen Armee verkünde, lasse ich
»die Allerhöchsten eigenen Worte hier wiederholt anfahren:
Digitized by Google
531
..Von Unserer glorreichen Armee versehen Wir Uns der alt-
bewährten Tapferkeit, Treue und Ausdauer; Sie wird Uns, wie
.»Unseren Vorfahren ein Pfeiler des Thrones, dem Vaterlande und
„„den freien Institutionen ein unerschütterliches Bollwerk sein."
.Dies sind die wenigen, aber inhaltreichen Worte, die Seine
„Majestät der jugendliche Kaiser an uns gerichtet; eine weitere
„Erklärung derselben kommt mir nicht zu, die unerschütterliche
„Treue der Armee ist unbestritten, sie belebt die biedern Herzen
„aller, bewährte sich stets durch Thaten und bedarf weiterer Worte
„nicht.
„In einem feierlichst abzuhaltenden Te Deum wird es an uns
„sein, den Allmächtigen zu bitten, damit er uns die Kraft verleihe,
„unserem neuen jugendlichen Herrn bei Vollführung der grossen
„Aufgabe, als jene unerschütterliche Stütze zu dienen, welche die
„Zeitverhältnisse mehr denn jemals erfordern.
„Kremsier, am 2. Dezember 1848.
„Cordon m. p., Generalmajor, Kriegsrainister.*
Unterm 10. Dezember erliess Se. Majestät nachstehendes Aller-
höchstes Handbillet an den Kriegsmiuister:
„Die vieleu Beweise von Treue, Hingebung und Tapferkeit,
»durch welche sich Meine Armee als die wahre Stütze des Thrones,
„als sicherer Hort der Ordnung und Gesetzlichkeit jederzeit bewährt
„hat, veranlassen Mich, derselben ein erstes Denkmal Meines unbe-
„ dingten Vertrauens dadurch zu geben, dass Ich gleich Meinen
„erhabenen Vorfahren, alle Generale, Stabs- und Oberoffiziere, sowie
„die gosammte Mannschaft von der bei Thronbesteigungen sonst
„üblichen eigenen Eidesabiegung entbinde und hiemit lediglich auf
»ihre aufhabende Eidespflicht verweise, welches Meinem gesammten
»Heere in allen Sprachen bekannt zu geben ist.*
Während, wie früher erwähnt, die 21. Kompaguie in Jablunka
Stellung genommen hatte, rückte die Kolonne des Oberstlieutenant
Frischeisen am 1. Dezember in Ungarn ein und marschirte nach
einem imbedeutenden Gefechte über Csucsa nach NeustadÜ. Die
21. Kompagnie wurde nun nach Csucsa beordert und hatte nach
ihrem Eintreffen einen sehr angestrengten Dienst, da der Angriff
durch feindliche Nationalgarden avisirt war. Frischeisen rückte
am 11. von Neustadtl nach Sillein und lieferte hier dem Feinde ein
H*
532 184«.
glückliches Gefecht. Trotz dem musste er sich ans dieser exponirten
Stellung nach Csncsa zurückziehen, da ihm jeder Rückhalt fehlte.
In letzterem Orte blieb dann Hauptmann Arming mit der 21. Kom-
pagnie noch 24 Stunden als Nachhut stehen und folgte dann der
Kolonne nach Jablunka, welches besetzt wurde. Major v. M e i n o n g
sendete die 22. und 24. Kompagnie als Unterstützung in diese
Stellung, welche aber vom Feinde, der nur bis Csuesa gefolgt war,
nicht angegriffen wurde.
In Teschen rückte dann je ein Bataillon der Regimenter Nr. 15
und 03 ein, auch erhielt das vierte Bataillon einen Ergänzungs-
transport von 107 Mann und Aber diese Truppen übernahm General
Götz das Kommando. Als dieser General neuerdings vorzurücken
beschloss, wobei das vierte Bataillon nur eine Aufnahmsstellung
beziehen sollte, baten zwei Korporale im Namen des Bataillons auch
in den Kampf geführt zu werden. In Folge dessen besetzte eine
Division bei der Vorrückung Jablunka, eine zweite Csucsa, wohin
sie mit Vorspann gebracht wurde, während nur die dritte in Teschen
verblieb.
Auch die Hauptarmee, bei welcher sich die Grenadiere im
Bataillon Martini im Reserve-Korps befanden, eröffnete gegen Mitte
Dezember die Campagne. Am 14. Dezember rückte dieses Bataillon
aus dem Standquartiere ab und bezog ein Lager bei Fischamend,
am 15. bei Prellenkirchen. Die Armee überschritt die Leitha und
zog in Pressburg ein, welches der Feind ohne Widerstand verlassen
hatte. Wegen der strengen Kalte verliess das Reserve - Korps das
Lager bei Prellenkirchen und bezog Kantonnirungen, in welcher
dasselbe bis 23. verblieb, an welchem Tage die Brigade Liebler
aufbrach, bis Sandorf marschirte, hier den 24. rastete, den 25.
nach Zanek, 26. nach Hochstrass und am 27. gegen Raab vorrückte.
Diese Stadt hatte der Feind stark besetzt und mit bedeuten-
den Verschanzungen umgeben. Die Vorrückung geschah daher am
27. in voller Gefechtsbereitschaft. Nachdem das erste Korps ober
der Stadt, das zweite unter derselben die Raab passirt hatten und
somit der Rückzug des Feindes bedroht war, verliess derselbe eiligst
alle seine festen Positionen ohne den geringsten Widerstand zu
leisten und zog sich mit dem Haupttheile gegen Komorn, während
der geringere Theil auf der Fleischhauerstrasse nach Ofen retirirte.
Als der Feldmarschall an der Spitze des Reserve - Korps gegen die
Digitized by Google
1H48.
533
Rähnitz und danu gegen Raab vorrückte, war der Feind schon ab-
gezogen und die kaiserlichen Truppen (Brigade Liebler) besetzten
ohne Anstand die Stadt Raab, welche abends illuminirte.
Da der Feldmarschall die Nachricht erhielt, dass ein feind-
liches Korps auf der Fleischhauerstrasse anrücke und bei Babolna
lagern werde, entsendete er noch in der Nacht auf den 28. die
Kavallerie -Brigade Ottinger in jene Gegend, um den Feind zu Ober-
fallen. Früh den 28. erschallte aus der Ferne Kanonendonner und
schon Mittag wurde bekannt, dass Otting er dem Feind ein sehr
günstiges Gefecht geliefert und gegen 600 Mann eines über-
gegangenen Regiments von den tapferen Kürassieren zusammen-
gehauen worden.
Das zweite Korps marschirte gegen Komorn, das erste unter
Banus Jelacic gegen Stuhlweissenburg , das Reserve -Korps
rückte auf der Fleischhauerstrasse vor und die Brigade Liebler
erreichte am 31. Dezember Böny. Die Witterung war sehr günstig,
immer trockene Kälte und sehr heitere Tage; die Truppen wurden
gedrängt bequartirt.
Major Schlemüllcr, Kommandant des dritten Bataillons in
Triest, hat sich durch einen Fall so stark beschädigt, dass Haupt-
mann Schifter ad interim das Kommando übernehmen rausste;
das Landwehr- Bataillon stand wie früher in Verona.
An bemerkeuswertheu Aenderungen in der Armee im Jahre
1848 sind anzuführen: die Bewilligung des Tragens der Schnurbärte
für Stabs- und Oberofliziere mit Allerhöchster Erschliessung vom
5. April; die Abschaffung der Feldwebels-Röhre und Korporals-
Stöcke, dafür die Einführung der weisswollenen Litzen an den
Krügen, welche dann auch die Offiziere nach den Knöpfen von
Gold und Silber erhielten, die Benennung der Unterolfiziere mit
„Sie" statt dem bisherigen „Er* mit Allerhöchster Erschliessung
vom 18. April und endlich die Einführung der Säbel statt den bis-
herigen Degen bei den Offizieren der deutschen Infanterie-Regimenter
mit Allerhöchster Entschliessuug vom 22. April 1848.
534
1840.
• 1849.
Laut Eintbeilungs - Liste für den Monat Jänner 1849 bestand
das Offiziers-Korps:
Oberst-Inhaber Erzherzog M a i i m i 1 i a n Josef d'Este, F.-Z.-M. Hoch- and
Deutschmeister.
Oberst, Regiments-Kommandant Franz Warlich von Bubna.
Oberstlieutenant Friedrich Baron Merville, Franz Hranacky.
Major Ferdinand 8ch lern ül ler, Ferd. Rossi. Anton Meinong
v. Handschuchsheim, Wilhelm Ritter von Merten.
Kaplan Franz Peer.
Arzt Dr. Franz I nger.
Auditor-Hauptmann Johann H i n e i ■ 8.
Rechnungsführer Hauptmann Wenzel F r i e d 1.
Adjutant Oberlieutenant Franz F a b r i c i.
Bataillons-Adjutant Lieutenant Gustav Baron Schweikhardt, Friedrich
Kühne, Ferdinand Much, Eduard Enthoffor, Edmund v. Karwinsky.
1
Hauptmann
Lieutenant
«a
CQ
o
Ober-
1. Klasse
• 2. Klasse
adier-
L
Ludwig Lechner
Johann Catty
Hermann v. Lill
s
Ol
B
CS
2.
Ferdinand Paar
Karl
Br. Grainger
Anton
Horatscheck
1.
Adolf Microis
Anton Kapiller
Karl Schrömmer
Eugen
Ruczizka
2
Augast v.Amberg
Theodor
Br. Riesenfels
Franz Schwarz
Rudolf Alxer
09
m
au
3.
Rudolf
Längsfeld
Eduard
v. Wolfenburg
Eduard Schwarz
Johann
Drakulich
c
m
4.
Josef Pruokcr
Eduard
v. Eliatschek
.losef Helmich
Johann
v. Kostecky
5.
Casimir
Br. Liitgendorf
Adolf Catty
Heinrich Kutzer
Kaspar
Br. Riesenfels
ti.
August
Wallnöfer
Jokann
Chcv. Gerard
-
Mathias
Lukasseck
Georg Meissl
7.
Friedrich
WuBsin
Franz WolfT
Adolf du Rieux
Ludwig
v. Rosenkranz
weites
8.
Gustav Schuster
Eduard Lyucker
Ludwig
Rumpelmayer
Karl Jaiiski
i
|7
1
Friedrich Benda
Friedrich
Tichatseheck
Wilhelm v. Weil Robert Englisch
Digitized by Google
184'J.
535
1
*
aa
| Komp. 1
Hauptmann
Lieutenant
Ober-
1. Klasse
2. Klasse
■
10.
Anton Keller
Wilh, Hössner
Hermann
Kolleschowsky
Ferdinand
Hofmann
1
II.
Ludwig Dagnen
Friedrich Lohr
Georg Fürst
Alois
Haymerle
s:
12.
Eduard Kolb
Ferdinand
v. Fröhlich
Wilhelm
Br. 8tockhardt
Eduard Loop
—
13.
Josef Schifter
Wilhelm
v. Ekart
Karl v. Tretter
Josef Putsalko
14.
Anton Jose
—
Moriz Adelmann
Paul Gleditsch
OD
lf>.
Franz Schwarz
Friedrich
Br. Schweikhardt
Christian
Schmidt
Heinrich
Reinhold
o
16.
Nikolaus Baber
Josef v. Rickauer
Anton
v. Högerstein
Norbert Albert
17.
Ludwig
Dl - * UgClBclilg
Mathias
Pfannenholz
Adolf
Effenberger
Franz Thomas
18.
Karl Leithe
Franz Seraphin
Josef Leithncr
Adolf Vitzthum
19.
Rudolf v. Seau
Matthäus Gänger
Nennel
Ignaz
Frommayer
20.
Johann Linke
Josef
v. Herruinenthal
Anton Triulzi
Alfied
v. Lebin
—
21.
Friedr. Arming
Leopold Eckher
Ladislaus
v. Mottusz
Alexander
Strnad
>
22.
Andreas Appel
Adolf
Effenberger
Ernst
Schwerdtner
Anton v. Weil
23.
Max
Br Trxecinskv
Viktor
Gr. Wengersky
Ignaz Kaiser
Eduard Aichner
21.
Moriz Schlier
Franz
Vanderbank
Franz
v. Czichowsky
Alfred firaf
Aichelburg
1.
Karl
Camillo Contc
Benincasa
Georg Geisslcr
Andreas Geiger
2.
Florid Leeb
Leopold
Hai ko witsch
Josef Wiesinger
Karl Frisch
1
(1
ja
o>
3.
Nikolaus Baber
Philipp
du Rieux
Josef Liutz
Martin Türk
o
J3
4.
Johann Koffler
Willi. Clement
August Kopp
Ferd. Ascher
5.
Josef Bolletny
Wilhelm
v. Kegeln
Karl Möcker
Heinrich
Spannberg
6.
Johann Gillich
Robert
Br. Ruebcr
Heinrich
Lahonsen
Heinrich
Hössler
Supernumerär Hauptmann Johann S c h o n a t. Stand 7001» Mann.
530
1S4!>,
Das Reserve -Korps raarschirte am 1. Janner 1849 gegen die
Hauptstadt Ungarns auf der Fleischhauerstrasse bis Nagy-Igmänd.
Da das zweite Korps auf die Aufförderang zur Uebergabe Kornorns
eine abschlägige Antwort erhalten hatte, Hess dasselbe ein Beobach-
tungs -Korps bei Szöny zurück und marschirtc über Nagy-Igmänd
ebenfalls gegen die Hauptstadt, welchem das Reserve -Korps über
Kors und Schemling am 2. folgte.
Ueber die Zustände in Ofen hatte man keine Nachrichten und
die Armee erwartete unter den Mauern der alten Königsstadt auf
ernsten Widerstand zu stossen. Aber der ungarische Reichstag hatte
nach der Niederlage der ungarischen Truppen bei Moor die Räumung
von Buda-Pest und den Rückzug des grösseren Theiles seiner Armee
hinter die Sümpfe der Theiss beschlossen. In der Nacht vom 4.
auf den 5. wurden daher die Städte verlassen und am Morgen des
5. besetzte ein Theil des zweiten Armeekorps Ofen. Das Reserve-
Korps war am 3. bei 20 Grad Kälte bis Saar, am 4. bis Oedegg
marschirt und rückte am 5. ebenfalls um 1 Uhr nachmittags in
Ofen ein, wo das Grenadier- Bataillon Martini in der Wasserstadt
die Quartiere bezog.
Der Feind hatte sich mit einem Theile seiner Streitkräfte nach
dem Norden gegen die Bergstädte gezogen. Zur Verfolgung des-
selben rückte am 7. bei hohem Schnee und empfindlicher Kälte das
zweite Korps aus Pest und marschirte nach Duna-Keszi, dann am
8. nach Waitzeu, von wo ein Theil des Korps wieder nach Pest
zurückkehrte und nur eine Division unter General Csorich die
weitere Verfolgung fortsetzte.
In den Karpatheu rückte am 5. Jänner Major T r e n k mit
einer Kompagnie von Nr. 24 und der 23. und 24. von Deutschmeister
bis Budatin vor. Lieutenant S t r n a d leistete wesentliche Dienst«
durch den raschen Brückenschlag, so dass das Detacheraent die
Waag überschreiten und am 9. Sz. Märton besetzen konnte. Die
20. Kompagnie marschirte nach Csucsa, die 21. Budatin, die 22.
nach Neustadt. Die Mannschalt wurde in dieser kalten Jahreszeit
von mancher patriotischen Sammlung unterstützt. Di«' Stadt Teschen
sendete 70 Ii., die erzherzoglichen Beamten 03 11. und der Kauf-
mann B u t s c h e k in Teschen 20 Stück Wollstoffe.
Das erste Feld- Bataillon war am 9. Jänner mit der Be-
stimmung in die Bukowina von Lemberg abmarschirt, erhielt aber
Digitized by Google
1H45J.
537
schon am 11. den Befehl Ober Stryi an die ungarische Grenze zu
nicken. Da täglich zwei Stationen zur Zurücklegung bestimmt waren,
wurde das Bataillon täglich eine Station mit Vorspann expedirt und
langte so schon am 15. in Stryi ein.
In Budatin war am 11. Jänner Feuer ausgebrochen, wobei
sich der Korporal Rechthaler durch seine umsichtige Leituug
beim Löschen und eigene Handanlegung so vortheilhafte auszeichnete,
dass nur ihm die Erhaltung des Ortes zu danken war.
Am 15. marschirte die 21. Kompagnie bis St. Märton vor und
wurde unter die Befehle des Major Trenk gestellt. Die 19. Kom-
pagnie rückte nach Csucsa und die 20. nach Neustadt.
Lieutenant Frommeyer besetzte am 16. Jänner den Thurocser-
. Fass Hess die Strasse abgraben und Verhaue anlegen.
Am 17. traf die mobile Kolonne bei Mosocs auf den Feind.
Es kam zu einem Gelechte, in welchem eine Haubitze erobert und
viele Gefangene gemacht wurden. Leider fiel 1 Stabs- und 1 Ober-
ofllzier nebst 27 Manu in Gefangenschaft, welche sich durch das
Schwenken mit weissen Tüchern irre leiten Hessen. Noch in der
Nacht wurde lebhaft gekämpft, bis der Feind sich gegen Kremnitz
zurückzog. Während General Götz weiter vorrückte, erhielt die
12. Division den Befehl am 22. Jänner nach Mosocs zurück zu
marschiren, um den Rücken der Kolonne zu decken. Durch das
plötzlich eingetretene Thauwetter war die Kisucsa ausgetreten,
daher eine halbe Kompagnie zur Herstellung der Verbindung Kadola
besetzte.
Die 22. und 23. Kompagnie rückten den 29. gegen Turany
und die 24. den 30. Jänner nach Krepelan, um in der Arva und
Liptau die Insurgenten zurückzuweisen. Bei dem Vorrücken der
22. Kompagnie über Puran war Korporal Michael Prem mit einem
Detachemeut von 1 Gefreiten und 15 Gemeinen, an welche sich
20 Freiwillige unter Leitung des Landsturmführers Zach an-
geschlossen hatten, bestimmt, die feindlichen Vorposten zu um-
gehen und in der Flanke anzugreifen. Es kam bei Kluknowa in der
Zips zum Gefecht mit feindlichen Vorposten, auf welche diese Ab-
theilung stiess. Bei dieser Gelegenheit hat sich die gesammte Mann-
schaft sehr tapfer und entschlossen betragen, Korporal Prem,
Gefreiter T r o h a r t s c h und Gemeiner Franz K o b e r wurden be-
sonders gerühmt. Der Feind liess 3 Todte und 1 Verwundete am •
Digitized by Google
538
1H49.
Platze, während das Detaihement, welches noch 2 Gefangene maehte,
keinen Verlust erlitt.
In den Monaten Februar und März wurden die Kompagnien
des vierten Bataillons vielseitig zu Detachirungen verwendet, ohne
in eine feindliche Gelegenheit zu kommen. Im Monat April waren
die Kompagnien im Trentschiner Komitat, in der Thurocz und Arva.
Lieutenant Purkini c, welcher mit einem Kommando Waffen nach
Leopoldstadt transportiren sollte, konnte, da überall der Feind vor-
drang, nicht mehr auf dem geraden Wege in das Trentschiner Komitat
gelangen, entkam aber sehr umsichtig nach Mähren und rflckte
dann in Budatin beim Bataillon wieder ein. Die halbe 21. Kompagnie
unter Oberlieutenant Czichowsk y war am 7. April zur Verstärkung
nach Kremnitz, dann die vereinigte 21. Kompagnie am 15. nach Xeu-
sohl zum Schutze der Kassen marschirt. Die Kassen von Kremnitz und
Schemnitz mit grossen Vorräthen wurden nacli Wien geschafft und
da letzterer Ort schon am 17. in die Hände des Feindes fiel, so
ging die 21. Kompagnie am 2U. April mit der Kasse von Neusohl nach
St. Märtou zurück. Immer mehr zeigten sich feindliche Patrouillen,
daher alle Detachirungen einberufen und der Kückzug an die Grenze
augetreten wurde, auf welchem die 21. Kompaguie die Nachhut bildete.
Da der Feind rasch nachrOckte, wurde in der Nacht auf den
22. ein Ueberfall vorgenommen. Der Feind bezweckte dasselbe und
so sticss mau morgens 2 Uhr bei dem Dorfe Pribowec zusammen.
Die feindliche Kavallerie brach durch die Infanterie - Kolonne, ver-
lor viele Todte und Verwundete, während die Infanterie keinen Ver-
lust hatte. Oberlieutenaut Cziehowsky, welcher gute Ordnung
hielt und dem Feinde namhafte Verluste beibrachte, wurde vom
Major Trenk ganz besonders belobt.
Auf die Kuude von dem Kückzuge rückte Major v. M e i n o n g
mit der 19. und 20. Kompagnie zur Sicherung des Waagüberganges
bis Budatin in Eilmärschen vor. Um Umgehungen zu verhüten,
detachirte er den Lieutenant Nenncl mit der halben Ii). Kom-
pagnie in das bei Krasno ausmündende Thal; die andere Hälfte
rückte nach Csucsa uuter Hauptmann v. Seau zur Deckung des
Jablunka - Passes. Ende April vereinigte sich das vierte Bataillon in
Budatin; die 22. Kompagnie stand in Nedetz, die 12. Division in
Variu. Ihnen gegenüber befand sich der Feind, welcher Anstalten
traf bei Varin die Waag zu überschreiten.
Digitized by Google
1849.
530
Am 1. Mai früh 5 Uhr griff der Feind mit einer bedeutenden
Uebermacht aller Waffengattungen die Stellung der 12. Division
lebhaft, an. Unter dem Schutze eines heftigen Eanonenfeuers rückten
die feindlichen Huszaren rasch vor, wurden aber an dem verharri-
kadirten Orte so lange aufgehalten, bis sich die zum Theile bequartirte
Mannschaft gesammelt hatte. Obgleich nun die Stellung behauptet
wurde, musste sich die Division, um nicht abgeschnitten zu werden
und da sie keine Unterstützung zu hoffen hatte, doch zurückziehen.
Oberlieutenant Kapiller formirte eine Tirailleurkette und deckte
den Rückzug gegen den Feind, welcher unter fortwährendem Kanonen-
und Tirailleurfeuer folgte. So erreichte die Division im steten Kampfe,
wobei sich alles sehr tapfer hielt, die zu ihrer Aufnahme vorgerückte
11. Division, mit welcher vereint, immer vom Feinde gefolgt, dann
der weitere Rückzug über Nedest, Hellan, Moisz und Tepliczka bis
Csucsa fortgesetzt, wo dann um 1U Uhr abends Stellung genommen
wurde. Lieutenant Nennel liess sogleich die Brücke über den
Kisucsatiuss abtragen und die 21. Kompagnie deckte durch eine
gute Aufstellung die von dem Gefechte und einem Hstündigen
Marsche sehr ermüdeten Kompagnien.
In diesem Kampfe bei Varin waren theils gleich todt, theils
in Folge Verwundung, 12 Mann geblieben (Gemeine Johann Karger,
Thomas Kübel ka, Anton Schlich tinger, Eduard Vall, Franz
Kattner, Leopold Schefböck, Ferdinand Guutersdorfer,
Alexander Bittner, Gottfried Seyfert, Alois Zangerl, Johann
Braunst einer, Alois Müller) 23 waren verwundet, 22 gefangen.
Korporal Michael Neger, Georg Krenn, Gemeiner Josef Filip,
Josef Hofmann, Karl Koblisch haben sich durch besonderen
Muth und Entschlossenheit ausgezeichnet. Die Gemeinen Peter
Eigner und Wenzel Tichofsky haben im Gefechte, obwohl ver-
wundet, fortgekämpft und ihre Kameraden durch Wort und Beispiel
aufgemuntert zum tapferen Kampfe.
Am 2. Mai raarschirte das Bataillon mit den übrigen Truppen
nach Jablunka und verblieb hier bis 9. in Kantounirung.
Am folgenden Tage betrat das Bataillon im Vereine mit einer
Kompagnie von Nr. 30, zwei von Nr. 0, einer Division Kflrassiere,
einer halben Fuss- und einer halben Raketten- Batterie abermals
den ungarischen Boden und nickte in die frühere Stellung an der
Waag. Major v. M e i n o n g blieb mit dem linken Flügel in Budatin.
540
1H4Ü.
In dieser Zeit zog General Benedek, nach ihm F.-M. -Lt.
Vogel aus Galizien durch die Zips über Varin nach Sillein ; am
28. traf die Brigade Barco ein.
Das erste Feld - Bataillon befand sich, wie früher erwähnt, seit
15. Jänner in Stryi. Bei Gelegenheit eines ausgebrochenen Feuers
haben sich hier der Gefreite Balthasar W i e s e r und Gemeiner Felix
Knopp er durch aufopfernde Entschlossenheit und edle Menschen-
freundlichkeit ausgezeichnet, indem sie aus dem brennenden Hause
mit der höchsten Gefahr für ihr eigenes Leben eine kranke Jüdiu
sammt ihren beiden Kindern dem sicheren Flammentode entrissen.
Gegen Mitte Februar rückte das erste Bataillon, welches sich
in der Brigade des G. - M. Barco eingetheilt befand, an die Grenze
Ungarns vor. Die dritte Kompagnie Hauptmann Längsfeld kam
hart an die Grenze nach Welosianka, um den dortigen Pass zu
hfithen, die vierte und fünfte Kompagnie nach Klinice. 500 Schritte
vor diesem Orte wurde ein einzeln stehendes Haus mit 3G Mann
besetzt. Lieutenant Baron Uiescnfcls war mit 45 Mann in Zupanich
aufgestellt und sicherte seine Stellung durch Vedetten; die sechste
Kompagnie stand in Tucholk*, welches von Klinice durch den Lassa-
Berg getrennt ist; die erste und zweite Kompagnie in Skob mit
einer kleinen Abtheilung in Stryi. Jede Nacht stiesseu die Patrouillen
auf feindliche, worauf sich immer ein Plänklerfeuer entspann.
Am 27. Februar versuchte der Feind die äussersteu Posten
der vierten und fünften Kompagnie auzugreifen und begann schon
auf 300 Schritte ein erfolgloses Feuer. Korporal Krainel sendet*
kleine Patrouillen in des Feindes Flanke, rückte mit seinem Piquet
in eine Plänklerlinie formirt herzhall dem Feinde entgegen und
trieb ihn mit einigen Schüsseu in die Flucht.
Am folgenden Tage rückte die halbe dritte Kompagnie unter
Hauptmann Längste ld über die Grenze, um den feindlichen Posten
in Torouya aufzuheben. Auf dem Marsche stiess die Avantgarde im
Dorfe Prislub auf ein feindliches Piquet, welches aus einem Hause
das Feuer eröfl'nete. Korporal Nostwitz, welcher die Avantgarde
führte, nahm dieses Haus mit Sturm, in welchem 1 Unteroffizier
und 3 Mann getödtet, 3 verwundet und 2 gefangen wurden. Gemeiner
Maisch raiter war der Tapferste und der Erste eingedrungen.
Die Feinde in Toronya hatten Nachricht von dem Anrücken der
Truppe erhalten und suchten in der Flucht ihr Heil. Hauptmann
1849.
541
Längs fei d fand bei seinem Eintreffen das Nest leer, erbeutete
aber Waffen, Munition und Lebensmitteln und kehrte mit diesen in
die Station zurück.
Anfangs März wurde die isolirte dritte Kompagnie durch die
zweite verstärkt, welche drei Züge in Intenkorate und den Lieutenant
Rolletsc bek mit dem vierten Zug in Operetz aufstellte. Am
7. März um 10 Uhr morgens ruckten beide Kompagnien gegen
Wattowa, um diesen Ort, der eine Besatzung von 300 Mann haben
sollte, zu fiberfalleu. Der Marsch ging über die Dörfer Holatyn,
Mayden ohne Hinderniss , trotz des tiefen Schnee's und strenger
Kälte von statten. Um 3 Uhr früh langten die Kompagnien die zweite
voraus bei Soyme an. Hier hatte der Feind seine Piqnets, welche
sogleich Feuer gaben. Lieutenant Schwarz als Kommandant der
Avantgarde Hess dasselbe erwidern, als der Oberlieutenant Baron
Riesen fei d erschien und sofort zum Sturme kommandirte. Diese
beiden Offiziere eilten kflhn voraus , fiberschritten den einzigen
Balken, welchen der Feind zu seiner Kommunikation auf der Brücke
liegen gelassen hatte; die Mannschaft folgte rasch nach, aber der
Feind, begünstigt durch die Dunkelheit lief, nach Znrficklassung
eines Todten und eines Verwundeten nach allen Richtungen aus-
einander. Um mit dem Feinde zugleich Wattowa zu erreichen, rückten
die Kompagnien unaufhaltsam vorwärts, und als sie gegen Tages-
anbruch bei diesem Orte anlangten, hatte der Feind denselben
bereits verlassen und eine Stellung auf dem südlich gelegenen
Gebirge genommen. Alles war derart vom Tbatendurst und dem
Wunsche, endlich au den Feind zu kommen, durchdrungen, dass
beide Kompagnon trotz des höchst beschwerlichen Nachtmarsches
mit bewundernswerther Schnelligkeit den hohen mit Eis bedeckten
Berg erstiegen. Hier empfing sie der Feind mit einer vollen Lage
aus 300 Gewehren, aber zum höchsten Spass der Deutschmeister
war auch nicht ein Mann getroffen. Baron Riesenfeld an der
Spitze, Hess das Feuer nicht erwidern, sondern stürmte mit der
zweiten Kompagnie gegen die Bergspitze. Der Feind wartete den
Kampf mit dem Bajonnet nicht ab, sondern ergriff die Flucht. Nun
feuerten die Soldaten fleissig nach, wodurch der Feind viele Leute
verlor, alles von sich warf und sich auf das Eiligste den Kugeln
zu entziehen trachtete. Gegen zwei Stunden weit, bis zum Dorfe
Wihow, wurde die Verfolgung fortgesetzt und hier ein reissendes
542
1*49.
Gebirgswasser bis zum Oberschenkel durchwatet, welches dem Feinde
viele Leute kostete, die hier ertranken. Nun wurde die Verfolgung
eingestellt und nach Wattowa zurfickmarschirt. Der Feind Hess
20 Todte am Platze, 15 wurden gefangen; viele Gewehre, Trommeln,
Tornister, Feldkesseln, welche die Feinde auf der Flucht weggeworfen
hatten und ein Fass mit GOOO Patronen waren die Trophäen der
Sieger.
Um 5 Uhr nachmittags marschirten die Kompagnien nach
Novaseiice zurück, da vielseitig die Nachricht einlief, dass der Feind
mit bedeutenden Streitkräften anrflckc. Der Rückmarsch war mit
sehr vielen Beschwerlichkeiten verbunden, da durch das an diesem
Tage eingetretene Thauwctter die Gcbirgsbäehc bedeutend anschwollen,
welche durchwaten werden mnssten, daher auch die Kompagnien
erst am folgenden Tage 5 Uhr frfth Novaseiice erreichten. Im
Gefechte- hatten sich hervorragend ausgezeichnet: Oberlieutenant
Baron Riesenfels und Lieutenant Schwarz, Feldwebel Boyn-
ger, Kadet Hofmann, Korporal Planer, Gefreiter Wieser und
Wächter, Gemeine Lei bl, Bachmeier, Schmidt, Willinger,
Staudinger, Burkhardt, Krassel und Rainlander.
Ueber den Bericht des Brigadier General Barco hat sich der
kommandirende General Baron Hammerstein mit Prasidial-Krlass
vom 15. sehr belobend für die bewiesene Bravour ausgesprochen
und besonders den Kommandanten der Expedition, Kapitänlieutenant
L ä n g s f e 1 d und dann den Oberlieutenant Baron R i e s e n f e 1 s und
Lieutenant Franz Schwarz anerkennend genannt.
Am 16. erhielt die Division die Mittheilung, dass der Feind
beabsichtige, Aber Holadin einen AngritT auszuführen. Die Kom-
pagnien rückten um 0 Uhr abends aus den Quartieren und kampirten
kampfbereit am Eingange des Passes im hohen Schnee und bei
eisiger Kälte bis 6';2 Uhr früh. Da sich nichts vom Feinde zeigte,
blieb eine halbe Kompagnie stehen, während die übrigen Abtheilungen
in die Quartiere zurückkehrten. Gegen 11 Uhr mittags wurde diese
halbe Kompagnie plötzlich von drei Seiten mit Uebermacht an-
gegriffen, und um nicht abgeschnitten zu werden, zog sie sich eiligst
fechtend zurück. Die Mannschaft, zu zwei und drei im Orte bequartiert,
der beinahe eine halbe Stunde lang war, griff rasch zu den Waffen
und eilte auf die Gasse. Aber schon waren die Feinde eingedrungen
und rückten rasch vor. Oberlieutenant Baron Riesenfels sammelte
Digitized by Google
1S49.
543
mehrere Leute und setzte am Ende des Ortes dem Feinde kräftigen
Widerstand entgegen, obgleich er von drei Seiten heftig beschossen
wurde. Mittlerweile hatteu sich die zurückeilenden Leute am Ein-
gange der Thalschlucht um ihre Offiziere gesammelt und hielten
hier nun wacker Stand. Ein feindlicher Huszaren- Offizier, welcher
mit seinen Huszaren einbauen wollte, wurde saramt Pferd, ebenso
der ihm am kühnsten gefolgte Huszar erschossen. Diese todten Pferde
bildeten einen guten Wall, welchen die Leute sofort benützten und
hinter denselben gedeckt fleissig auf die Feinde feuerten. Besonders
unerschrocken bewies sieb bei dieser Gelegenheit Feldwebel Boyn-
ger und Kubasta, welch' letzterer von der anderen Seite der
Thalschlucht durch Tirailleurfeuer gerade den Feind noch aufhielt,
als Baron Riesenfcls ebenfalls in die Schlucht gelangen wollte.
Um 3 Uhr nachmittags kam die Truppe nach einem sehr geringen
Verlust, 1 Vermis8ter und 3 Verwundete auf den Beskid, welcher
Galizien von Ungarn scheidet. Hier nahm die Truppe Stellung und
erhielt den Befehl, diese auf das Hartnäckigste zu vertheidigen.
Im hohen Schnee und bei 12 und mehr Graden Kälte, heftigen
Wind und unausgesetztem Schneegestöber stand hier die Division
am 18., 19. und 20. März im Bivonak.
Lieutenant Schwarz hatte am 10. März mit 59 Mann das
1 '/i Stunden östlich von Novaseiice gelegene Dorf Toronya besetzt,
um die linke Flauke der Division zu decken. Am 17. machte der
Lieutenant mit 5 Mann eine Streifung gegen das nächste Dorf und
traf auf dem halben Wege mit einer im Vorrücken begriffenen
feindlichen Kolonne zusammen, deren Avantgarde stehen blieb und
das Feuer eröffnete. Diesen Umstand benutzte der Lieutenant, um
eiligst zurückzukehren und eine Verteidigungsstellung vor Toronya
zu nehmen. Um 12 Uhr mittags rückte der Feind in der Stärke
von 200 Mann an, zog sich jedoch nach einem kurzen Geplänkel,
in welchem er 3 Tode verlor, wieder zurück ohne verfolgt zu werden,
da die gute Position nicht zu verlassen war. Um G Uhr abends er-
schien der Feind von Neuem, besetzte das Terrain gegenüber des
Dorfeinganges und nun entspann sich ein Tirailleurgefecht, welches
eine halbe Stunde währte. Da dieses jedoch zu keinem Resultate
führte, rückte der Feind mit einer geschlossenen Abtheilung von
beiläufig 100 Mann zum Sturme vor. Lieutenant Schwarz ging
ihm mit dem Reservezug kühn entgegen. Hess auf kurze Distanz
544
1K4».
eine Decharge geben und warf ihn mit dem Bajonnet zurück. 7 Todte
und schwer Verwundete bedeckten den Wahlplatz, während vom
Detachement nur 2 Mann leicht verwundet waren.
Der Feind zog sich weiter zurück, und da in der Nacht 1 1 Uhr
der mit der Meldung nach Novaseiice gesendete Bote mit der
Nachricht zurückkehrte, dass der Feind diesen Ort besetzt und auf
Toronya im Anmärsche sei, marschirte Lieutenant Schwarz mit
seinem braven Detachement um 4 Uhr frflh ab und rückte über
den Beskid nach Wiszkow. Hier fand er eine Abtheilung Grenzwache,
welche sogleich auf Vorposten auf den Beskid gegen Toronya ge-
sendet wurde, um dem Detachement einige Kühe zu gönnen; auch
ging die Meldung von dem Vorfalle an das Brigade-Kommando ab.
General Baron Barco beschloss nun den Feind in den ein-
genommenen Orten Novaseiice und Toronya zu überfallen. Hiezu
wurden 8 Kompagnien, und zwar 4 vom Regiment und 4 von
Nr. 9 bestimmt. Die feindliche Kolonne zählte 2 — 3000 Mann und
hatte ihre Vorposten an dem Gebirgsfuss der Beskiden bis auf 600
Schritte gegen die Truppen der Brigade vorgeschoben, welche ihrer-
seits die Ucbergängo bei Klimetz, Wolosianka und Wyszkow be-
setzt hielten.
Um 7 Uhr abends, am 20. Marz, brach die Kolonne auf.
Oberstlieutenant Baron Her Till 6 mit der dritten und sechsten
Kompagnie des Regiments und der 14. und 15. von Nr. 9 machte
eine Umgehung, um den Feind in Toronya zu überfallen: die erste
und zweite Kompagnie unter Hauptmann Microi s hatte den Angritf
auf die Fronte zu machen, während Lieutenant Ekher das Dorf
Studena zur Sicherung der linken Flanke mit 80 Mann besetzte und
General Barco selbst mit 50 Mann des Regiments, unter Lieutenant
Schwarz und 25 Mann von Nr. 0, welchen eine Division dieses
Regiments folgte, von Jelenkowce über Hlasowec, längs dem so-
genannten faulen Bache, zum Angriffe der rechten Flanke des Feindes
bei Novasei icc vorrückte.
So ausgedehnt diese Disposition war, uud bei den äusserst
schwierigen Terrainverhältnissen nur mit grosser Ausdauer ausgeführt
werden kounte, gelang selbe doch vollkommen. Bei einem furchtbaren
Sturmwindo und Schneegestöber, bis über die Kniee im Schnee
watend, wurde der Marsch über die 4000 Fuss hohen Beskiden auf
Strecken, durch welche kein Weg führte, zurückgelegt. Nach 1 Uhr
1S49.
545
Mitternacht langte Oberstlieutenant Merville bei dem letzten
Hause des jenseitigen Theiles von Novaseiice an. Die Umgehung
war vollkommen gelungen; das erste Piquet wurde ohne Lärm auf-
gehoben, Niemand ahnte bei diesem Unwetter einen Ueberfall. Die
Piquete gegen die andere Seite wurden auch überfallen, theils ge-
langen oder niedergemacht.
Nun liess General Barco in der Fronte angreifen. Ober-
lieutenant Baron Kiesenfels stürmte mit der zweiten Kompagnie
voraus in den Ort, überrumpelte das Hauptpiquet und nahm den
Kommandanten persönlich gefangen. Durch den Lärm aufgeschreckt,
flohen die Feinde aus den Häusern, trachteten sich zu formiren,
was aber die im Sturmschritte vorrückende Division verhinderte und
selbe an das Ende des Ortes jagte, wo sie Oberstlieutenant Merville
mit der Division mit gefälltem Bajonnet erwartete. Viele wurden
niedergemacht, ein grosser Theil gefangen; aber durch das rasche
Nachdringen der Division war die andere, welche in der Dunkelheit
Feind vom Freunde nicht unterscheiden konnte, gerade bereit, eine
Lage abzufeuern, als Oberlieutenant Baron Kiesenfels, als der
Vorderste, noch rechtzeitig die Irrung aufklären konnte. Nun erschien
auch General Barco mit seinen Leuten; es entspann sich noch ein
Kampf im Orte, da aus manchen Häusern, welche starke Ein-
quartierungen hatten, heftig geschossen, oder andere feindliche
Abtheilungen sich durchzuschlagen trachteten.
Korporal Johann Molly, welcher mit zehn Mann die Avant-
garde des General Barco führte, stürmte auf dessen Befehl mit
besonderer Bravour ein vom Feinde stark besetztes Haus, wobei 7
getödtet und 15 gefangen wurden.
Um 9 Uhr früh war des Gefecht beendet und der Zweck voll-
kommen erreicht; der Feind war total geschlagen, 140Todte bedeckten
den Wahlplatz, über' 500 waren gefangen und der Rest unter Be-
günstigung der Nacht nach allen Richtungen einzeln geflohen.
Trotz diesem mitunter sehr erbitterten Kampfe hatten die Kom-
pagnien des Regiments nur drei Verwundete, von welchen der
Gemeine Ertel in der Früh seiner Wunde erlag. Den meisten
Offizieren waren zwar die Uniformen durchschossen, aber nicht einer
verwundet.
Die Relation nennt als die Ausgezeichnetsten: Hauptmann
Microis, Oberlieutenant Baron Riesenfels, v. Wolfenburg,
35
546
1*40
Kühne, K c k h e r , Lieutenant D r a k u 1 i c h , Korporal Moll y,
Meier, Schmidt, Rudolf, Halluscha, Derntl, Mayer,
Zimmermann, Nenlingcr, Gemeine Hauer, Fromeier und
Janitschek. Hauptmann Microis, Oberlieutenant Hiesenf eis
und Wolfenburg erhielten die Allerhöchste Belobung Sr. Majestät
des Kaisers und dann statt deren das Militär- Verdienstkreuz; Kor-
poral M olly und Gemeiner Bau er die silberne Tapferkeits-Medaille
zweiter Klasse. General Ii a reo erhielt das Maria -Theresien- Kreuz.
Auch der U eberfall von Toronya ^olaiij? vollkommen. Lieutenant
Schwarz hatte von der hier agirenden Division des Regiments
Nr. 9 zu seinem Dataehement noch 25 Mann Verstärkung erhalten,
mit welchen vereint er nachts 2 Uhr das Dorf in der rechten Flanke
umging, die zunächst liegenden und vom Feinde besetzten Häuser
überrumpelte und die Besatzung gefangen nahm. Eine Abtheilung
der fliehenden Feinde stellte sich auf einer Anhöhe, wurde aber
umrungen und musste die Waffen strecken. Der Verlust des Feindes
bestand in 52 Todten, worunter 2 Offiziere, und 149 Gefangene mit
dem Bataillons - Chef und G Offizieren.
Bei diesen beiden Unternehmungen hatten sich Offiziere und
Mannschaft durch Ertragung unerhörter Strapazen, durch Tapferkeit
und Muth im Angriffe sehr ausgezeichnet und lobende Anerkennungen
des Brigadiers und kommandirenden Generaleu erworben.
Die Feinde Hohen zehn Meilen weit und unternahmen in dieser
Gegend nichts mehr. Noch am Vormittage trat die Truppe ihren
Rückmarsch an; die erste Kompagnie führte die Gefangenen nach
Stryi, unter welchen sich mancher befand, der die Revolution in Wien
mitgekämpft und dann beim Feinde um einige Gulden Dienst ge-
nommen hatte. Ein Schelm, welcher früher im Regiment als Feld-
webel, dann in der Wiener Revolution bei den Aufständischen in
einer höheren Stellung diente, wurde in diesem Gefechte von einem
Soldaten des Regiments mit dem Bajonnet durchbohrt.
Auch die vierte und fünfte Kompagnie unternahmen unter
Führung des Oberstlieutenauts Merville von Klinitz aus einen
Angriff gegen den Feind. Gegen Mitternacht auf den 25. März
marschirte die vierte Kompagnie unter Hauptmann P rucker über
die Grenze nach Wrbiasz, die fünfte unter Hauptmann Lütgen-
dorf über Zapanic und das hohe Schneegebirge ebenfalls dahin.
Lieutenant Meissl unternahm gleichzeitig mit 70 Mann eine Um-
1*49.
547
gehung und Lieutenant Thal er hatte den Feind in Rosloki zu
überfallen.
Gegen 3 ühr morgens waren die Abtheilungen auf den be-
stimmten Punkten angelangt und unternahmen sofort den Angriff,
welcher vollkommen gelang. Obcrlieutenant Kühne erstürmte das
Wirthshans, wobei sich die Gemeinen L a g 1 e r und Schenk
besonders auszeichneten und nahm einen feindlichen Offizier mit
47 Mann gefangen. 1«) Todte bedeckten den Kampfplatz und von
den Kompagnien war nur der Gemeine Alois Ho fb au er geblieben.
Auch der Ueberfall auf Rosloki war vom besten Erfolg begleitet;
der Feind Höh nach allen Richtungen und verlor mehrere Todte und
Verwundete. Nach der Expedition marschirteu die Kompagnien nach
Klinitz zurück und Ende März stand die zweite und dritte Kom-
pagnie in Strvi, der Bataillonsstab mit den übrigen Kompagnien in
Klimetz.
Im Monat April wurde beschlossen, auch von Norden in Ungarn
einzubrechen, wozu sämmtliche Truppen unter das Kommando des
F.-M.-Lt. Vogel gestellt wurden und der Regimentsstab mit dem
zweiten Bataillon den Befehl erhielt, Lemberg zu verlassen und sich
in Strvi mit dem ersten Bataillon zu vereinigen. Am 14. April raar-
schirte der Stab und das zweite Bataillon unter Begleitung sämmtlicher
Generale, Stabs- und Überoffiziere und einer grossen Volksmenge
von Lemberg ab, vereinigte sich in Stryi mit dem ersten Bataillon
und traf am 18. in Klimetz bei der Brigade ein.
G. - M. Baron B a r c o erliess hier folgenden Befehl :
„Soldaten! Morgen überschreiten wir auf Befehl unseres allge-
, liebten Kaisers und Herrn die Grenze und rücken nach Ungarn
„vor, um mit unserem letzten Blutstropfen die Rechte unseres
„Monarchen zu vertheidigen. Es freut mich innigst an Euerer Spitze
„zusein, denn Ihr seid brave und tapfere Soldaten ! Das Eigenthum
„der Bewohner Ungarns sei uns heilig, nur der ist unser Feind, der
„uns mit der Waffe in der Hand entgegentritt. Ich hoffe, dass Ihr
„Euerem Generalen, der mit Euch leben und sterben wird, die
„Freude machen werdet, ihn nie in die Lage zu setzen, strafen zu
„müssen. Musterhafte Ordnung und Discipliu sind die schönsten
„Zierden eines tapferen Soldaten.
„Die Namen derjenigen, welche Gelegenheit haben werden,
„sich auszuzeichnen, werde ich in die Zeitung setzen lassen. Bedenkt
86«
548
184».
„Ihr Söhne Oesterreichs! welche Freude Euere Eltern, Geschwister
„und Verwandte haben werden, wenn sie die Namen der geliebten
„Fernen ruhmvoll genannt lesen werden, die sich ausgezeichnet
„haben in Vertheidigung für Kaiser und Vaterland. Darum Soldaten
„mit Gott vorwärts. Hoch lebe Franz Joseph LI-
Am folgenden Tage zwischen 2 und 3 Uhr nachmittags passirte
die Brigade Barco mit klingendem Spiel und dem Jubel der Soldaten
die Grenze. Das dritte Bataillon vom Regiment« Nr. 9 war die
Avantgarde, dann folgten die beiden Bataillone des Regiments, die
Batterie und Kavallerie. Hauptmann Dagnen hatte die Verpflegung
der Brigade, Oberlieutenant Lukas sek das Proviantgeschäft beim
Regiment zu versehen.
Mit dem ersten Schritte auf feindlichem Boden begannen auch
die Hindernisse; die Brücken waren zerstört, Strassen abgegraben,
so dass man die alte Strasse Aber den Beskid benützen musste. Zur
Sicherung der rechten Flanke marschirte die vierte Division durch
Rostok und dann längs den Höhen, drei Kompagnien von Nr. 9
rückten über Timsen und Felsö-Verecske in den Rücken von Also-
Verecske. Die feindlichen Vorposten zogen sich nach einigen Schüssen
zurück und deren Haupt-Truppe verliess ihre Stellung, ohne Wider-
stand zu leisten.
Die Dörfer waren öde und leer, das Vieh weggetrieben und
nur hie und da ein Einwohner sichtbar. An der Vereinigung der
Strassen von Felsö- und Also - Verecske wurde das erste Bivouak
bezogen, welches sehr nass war, da es bereits fünf Stunden regnete.
Am 20. früh 3 Uhr brach das zweite Bataillon auf und marschirte
über Felsö-Verecske nach Volocz und Szölgira, um dieses Thal vom
Feinde zu reinigen und durch Bedrohung seiner Kommunikation
zum Rückzüge zu zwingen. Die Brigade trat eine Stunde später den
Marsch an und fand wie am vorigen Tage alle Brücken über die
angeschwollenen Gebirgsw&sser abgetragen und auch theilweise die
Strasse zerstört, was einigen Aufenthalt, insbesondere für die
Batterie verursachte.
Der Feind über 800 Mann stark, in beiden Flanken bedroht,
da auch eine Kompagnie über Kis-Abrunka vorgerückt war, verliess
ohne Kampf alle Stellungen und unbegreiflicherweise auch den
Engpass, der nur mit wenigen Leuten gegen eine bedeutende
Macht zu halten gewesen wäre und zog sich bis Rozdilow zurück.
1N41).
549
Nachdem die Brücken nothdfirftig hergestellt waren, wurde dem
Gegner mit einem Bataillon gefolgt, während das andere Bataillon,
die Geschütze und Kavallerie nur langsam weiter kommen konnten.
Bei Rozdilya fand die Avantgarde den Feind in einer vortheilhaften
verschanzten uud mit Verhauen verstärkten Position auf dem Berge
mit beiläufig 1200 Mann aufgestellt.
Sowie die Feinde die Avantgarde ausichtig wurden, begannen
sie schon auf 7—800 Schritte ganze Lagen abzufeuern, welche
natürlich Niemand beschädigten. Die erste Kompagnie rückte rechts,
die zweite löste sich als Avantgarde in Plänkler auf und das
Bataillon folgte zum Sturme, zwei Haubitzen fuhren auf. Aber noch
bevor sie sich in's Feuer gesetzt hatten, trat der Feind in höchster
Eile fluchtartig den Kückzug an, und als das Bataillon die steile
Höhe möglichst rasch im heftigsten Regen erstiegen hatte, war der
. Feind spurlos verschwunden.
Dieses fortwährende Verlassen der günstigen Stellungen ver-
anlasste deu Brigadier um in keinen Hinterhalt zu gcratheu, mit
aller Vorsicht und stets kampfbereit vorzurücken. Nach Kücklegung
von 5Vi Meilen, Passirung von neun Brücken, von welchen fünf
zerstört waren, kam die Brigade mit Einbruch der Nacht erschöpft
und durchnässt nach Potena, wo sie das Freilager bezog.
Major Kossi hatte an diesem Tage mit dem zweiten Ba-
taillon eine Umgehung von 14 Stunden gemacht. Gegen G Uhr
abends stiess man auf einen Verhau, der vom Feinde verlassen
war, dann um 8 Uhr auf ein kleines Dorf, welches der Feind in
eiligster Flucht verliess. Erst um 1 1 Uhr nachts rückte das Bataillon
in Polyra ein, wo, um sich vor dem Unwetter zu schützen, in den
Häusern Stellung genommen wurde.
Am 21. April brach die Brigade wieder auf, vereinigte sich
mit dem zweiten Bataillon und marschirte bis Paszika in's Lager.
Der Feind war bis in seine Stellung vor Munkats geflohen und die
Brigade hatte daher auf diesem Marsche nur mit Terrainhindernissen
zu kämpfen. Es war zwar erst Mittag, als die Brigade das Lager
bezog, aber doch keine Holl'uung, vor abends die feindliche Stellung
zu erreichen, auch wareu die Truppen seit 48 Stunden ohne
Nahrungsmitteln. Die Brigade kochte ab, alles war fröhlich und
guter Dinge, jeder von Kampfeslust beseelt, und als abends die
Regimentsmusik die Volkshvmue intouirte, erschollen aus dem Munde
550
lR4i>.
eines jeden Soldaten begeisterte Hocbs auf das Wohl des jungen
ritterlichen Kaisers.
Am 22. früh 5 Uhr brach ein Bataillon von Nr. 9, eine
Eskadron und zwei Geschütze als Avantgarde aus dem Lager auf,
welcher die Brigade später folgte. St. Miklos war vom Feinde ver-
lassen, welcher erst hinter der zerstörten Brücke der Latoreza
Stellung genommen hatte. Zum Angriffe eröffneten die beiden Ge-
schütze der Avantgarde das Feuer, während das zweite Bataillon
gegen Kolczeny zur Unternehmung eines Scheinangriffes und um
den Feind zur Demaskirung seiner Streitkräfte zu zwingen, vorrückte.
Die Brigade marschirte auf, der Rest der Batterie und drei Kom-
pagnien folgten dem zweiten Bataillon als Unterstützung. Das erste
Bataillon rückte gegen die Brücke vor, um die links über derselben
aufgestellten Geschütze zu nehmen, konnte aber nichts ausrichten,
da kein Material zur Herstellung der BrQcke vorhanden und das hoch
angeschwollene Wasser unmöglich zu passiren war; dasselbe kehrte
daher zurück und rangirte sich an der Queue.
Der Angriff des zweiten Bataillons auf Kolczeny veranlasste
den Feind seine Streitkräfte zu entwickeln und seine vielen Geschütze
in's Feuer zu setzen, welche denn auch den Ort mit einem Eisen-
hagel überschütteten. Das Terrain bot keine gute Stellung zum Auf-
fahren der Brigade -Geschütze, welche sich daher nur einzeln ins
Feuer setzen konnten, worauf der Feind diese mit allen seinen Ge-
schützen auf's Korn nahm und zum Abfahren zwang. Das zweite
Bataillon warf zwar den Feind aus dein Orte, aber nun zeigte sich
dem vorgesprengten Brigadier, dem hier ein Pferd unter dem Leibe
erschossen wurde, dass die feindliche Stellung nur mit Aufopferung
der Brigade zu nehmen sei. Er befahl daher den Bückzug, zu dessen
Deckung sogleich vier Kompagnien des ersten Bataillons die auf
die Rückzugslinie einmündenden Pässe besetzten, worauf dann die
Brigade ohne vom Feinde verfolgt zu werden, in bester Ordnung
zurückging.
Der Verlust der beiden Bataillone bestand in 5 Todten und
34 Verwundeten, unter letzteren schwer an der Hüftgegend der
Oberst und Regiments - Kommandant Warlich von Bubua.
Die Brigade rückte am 22. bis zu einem Meierhofe, am 23.
nach Vereczke, überschritt am 24. die Grenze und marschirte bis
Klimetz. Einen schönen Beweis von Anhänglichkeit gab die brave
1841».
551
Mannschaft, indem sie freiwillig den im Regiment sehr verehrten
Obersten auf einer improvisirten Bahre alle diese Stationen und
dann noch bis Stryi trug.
Vor seinem Scheiden aus Klimetz diktirte der Oberst unter
den heftigsten Schmerzen noch nachstehenden Abschied, an „ seine
„ .braven Deutschmeister" " : da ich wegen der im Gefechte bei Munkats
.erhaltenen schweren Verwundung das Regiments - Kommando sieht
»mehr fortführen kann, sondern mich zur ärztlichen Behandlung
„nach Stryi begebe, so hat Herr Oberstlieutenant Baron Merville
„das Regiments - Kommando zu übernehmen, dagegen das Kommando
„des ersten Feld - Bataillons an Herrn Hauptmann Pr ucker zu
„übergeben.
„Kameraden! Euer Oberst blutet an einer höchst ehrenvollen
„Wunde für Kaiser und Vaterland und scheidet vielleicht für immer
„aus den Reihen eines Regiments, das durch seine ausgezeichnete
„Haltung, guten Geist und Treue zu seinem angestammten Kaiser
„und Herrn sich bisher der vollen Anerkennung aller Vorgesetzten
„stets im hohen Grade zu erfreuen hatte.
„Lasst mich also die Beruhigung mitnehmen, dass Ihr auch
„jetzt, wo das bedrängte Vaterland der aufopfernden Mitwirkung
„eines jeden Einzelnen so sehr bedarf, das Vertrauen das man in
„Euch setzt, rechtfertigen und durch eine ausgezeichnete Disciplin,
„Muth und Entschlossenheit vor dem Feinde keinem Truppenkörper
„unserer ruhragekrönten Armee nachstehen werdet."
Am 25. und 26. April blieb das Regiment mit dem ersten
Bataillon in Klimetz; das zweite in Zapanic und Calsdorf. Täglich
bezog je eine Kompagnie die Vorposten und hütete die Grenze, bis
am 27. und 28. die Bataillone nach Stryi marschirten und dort am
29. und 31. eintrafen.
Am 6. Mai trat das Regiment in der Brigade Barco den
Marsch nach Westen an und erreichte, jeden Tag eine Station in
Fussmärschen, die zweite mittelst Wagen zurücklegend, am 18.
Laas. Von hier rückte das erste Bataillon mit dem Regimentsstabe
am 19. bis Seybusch, wo sich am 2;i. die ganze Brigade sammelte,
dann am 24. bis Kamesnika, am 25. über die Grenze nach Ungarn bis
Csucsa, am 20. nach Sepluzka und bezog hier das Lager. Dieses wurde
am folgenden Tage nach Budatin verlegt, wo sich das Regiment mit
dem seit längerer Zeit hier stehenden vierten Bataillon vereinigte.
552
1849.
Hauptmann Karl Adelsberger von Illingcnthal von
Nr. 18 wurde am 30. März zum Major befördert und in das
Regiment eiugetheilt, Hauptmann Floridus Leeb am 22. April
zum Major befördert. Major Ferdinand Schleemüller war am
15. April 1849 in Kubestand getreten und in seine Stelle wurde
Hauptmann Josef Vandony von Nr. 17 mit 1. Mai zum Major
im Regiment befördert. Major Karl Kellner von Köllen st ein,
des Regimentes Nr. 35, avancirte am 3. Mai zum Oberstlieutenant
im Regiment und Obernahm das Kommando des Grenadier-Bataillons;
Major Wilhelm Ritter von Mertens wurde am 15. Mai zum
19. Jäger -Bataillon transferirt.
Die Regimentsgeschichte hat die Grenadier - Division beim
Reserve -Korps in Ofen verlassen. Als die Hauptarmee ihre weiteren
Operationen begann, verliess auch das Grenadier - Bataillon am
20. April seine Quartiere in Ofen und marschirte an diesem Tage
bis Deregh bei Gran, rückte am rechten Donau -Ufer am 21. bis
Neudorf, den 22. bis Nazfaly gegen Dotis. Am 24. wurde dasselbe
bis 0 Szöny vorpoussirt und bezog hier die Vorposten am 25. April.
Die erste Kompagnie, mit dem rechten Flflgel an die Donau gelehnt,
schloss sich mit dem linken an der Einfassung des Ortes an die
zweite an; die Unterstützung und das Bataillon war im Dorfe,
welches dasselbe zu vertheidigen hatte, wozu ihm eine Kanone bei-
gegeben war.
Um Mitternacht unternahm der Feind mit bedeutenden Streit-
kräften einen Ausfall, erstürmte gegen 2 Uhr den nur mit einem
Bataillon besetzten Sandberg und drang gegen 0- Szöny vor. Als
in der Nähe Schüsse fielen, Hess Oberstlieutenant von Kellner
Allarm schlagen und begab sich, nachdem das Bataillon formirt
war, zu den äussersten, gegen Komorn aufgestellten Piquets, von
wo er, da die Finsterniss keine Aussicht gestattete, Patrouillen vor-
sendete, welche meldeten, dass in der Richtung gegen die Schanze
Nr. 8 ein Kampf stattfinde. Bald darauf wurde das Schiessen immer
heftiger und es schien sich gegen den Ort zu ziehen. Oberstlieutenant
von Kellner marschirte nun mit den beiden Divisionen der Regi-
menter Nr. 3 und 8, mit der Kanone und Kavallerie aus dem Ort
und nahm eine sehr vortheilhafte Stellung beim kalvinischen Fried-
igle
1849.
553
hofe. Es verging eine Stunde, der Kampf währte fort, aber die
Dunkelheit und Entfernung Hessen den Stand der Dinge nicht
erkennen.
Die Grenadiere des Regiments hatten den Befehl, so lange in
der Vorposten3tellung zu verbleiben, bis der Tambour Vergatterung
schlagen oder ein eigener Befehl das Abrücken verordnen würde.
Als der Feind, schon sehr nahe anrückte und sich auch in den
Flanken ausdehnte, erhielt der Divisions - Kommandant Hauptmann
Lechner den Befehl, die Ortsvertheidigung aufzugeben, dann aber
den weiteren, sich auf das Kavallerie - Lager, welches sich 3000
Schritte links befand, zurückzuziehen. Obgleich der Bataillons-
Kommandant die Absicht hatte, die Division aufzunehmen, so konnte
die vereinzelte Brigade bei dem übermächtigen Vordringen des
Feindes nicht länger verweilen, ohne sich der Gefahr auszusetzen,
abgeschnitten zu werden, befehligte daher das Bataillon zum Nach-
rücken und marschirte ab.
Die Grenadiere des Regiments waren eben im debouchiren aus
dem Dorfe begriffen, als der Bataillons- Adjutant mit der Weisung
erschien, dass die Division rasch dem Bataillon zu folgen, im Falle
eines feindlichen Angriffes aber sich in die Weingärten zurück-
zuziehen habe. Kavallerie - Ordonnanzen riefen noch die einzelnen
Posten der Division zwischen O-Szöny und Puzeto ein, welche auch
glücklich zum Bataillon gelangten.
Als die Division das Dorf verlassen hatte, erschien sogleich in
ihrer rechten Flanke feindliche Reiterei, der Andrang wurde immer
stärker und der gerade Rückmarsch gegen die Haupttruppe nicht
mehr rathsam, daher nichts übrig blieb, als sich in die Wein-
gärten zurückzuziehen. Hinter diesen hegt flacher Wiesengrund;
die feindliche Reiterei mit einer halben Batterie hatte die Wein-
gärten rasch umritten und nahm im Rücken der Division Stellung.
Man bemerkte in der Niederung ein günstiges Terrain, welches nun
die Division zu erreichen trachtete, aber die feindliche Kavallerie war
schneller, schloss dieselbe von drei Seiten ein und liess auf der
vierten die Geschütze auffahren. Ein Stabsoffizier forderte zur Ueber-
gabe auf und überliess es den Offizieren sich von der Lage zu
überzeugen, und da sie sahen, dass aller Widerstand fruchlos sein
müsse, legte die Division die Gewehre ab, und wurde in die Festung
geführt. So geriethen 3 Offiziere, Hauptmann Lechner, Paar,
554
1H49.
und Lieutenant Li 11, 3 Feldwebels, 18 Korporals, 4 Tambours,
2 Zimmerleute und 221 Grenadiere in feindliche Gefangenschaft.
In der Festung wurde den Offizieren der Säbel abgenommen und
die Mannschaft von ihnen getrennt. Die Offiziere blieben vier Wochen
in Komorn und wurden dann mittelst Wagen nach Erlau, von da
nach Szegedin, Gyula und Lippa gefahren und erhielten ihre Freiheit
nach der Waffenstreckuug des Feindes bei Vilägos. Die Mannschaft
blieb meistentheils in Komorn und wurde zum Krankendienste ver-
wendet. Kein einziger Mann hatte Dienste beim Feinde genommen,
selbst jene nicht, welche an andere Orte transportirt, die härteste
Behandlung ertragen mussten. Sie erhielten ihre Freiheit bei Ueber-
gabe der Festung Ende September; viele waren in Komorn gestorben.
Die neunte Division war seit dem vorigen Jahre als Garnison
in Wiener-Neustadt. Am 9. April marschirte dieselbe nach einem
herzlichen Abschiede von Seite der loyalen Bürger nach Oedenburg,
wo sie untor das Kommando des Distrikts-Kommandanten F.-M.-Lt.
Graf Castiglione gestellt wurde. Hauptmann Baron Vogelsang
marschirte mit der 18. Kompagnie am 29. nach Unter - Pulndorf,
woselbst nach den Gerüchten sich ein Landsturm gebildet haben
sollte, welche sich aber unrichtig bewiesen, denn die Ruhe wurde
nicht gestört.
Am 2. Mai bezogen drei Züge gegen Hurka, Kolnhof und Wolfs
Vorposten, rückten jedoch am 4. wieder in Oedenburg ein. Am
folgenden Tage wurde Hauptmann Baron Vogelsang nach Eisen-
stadt gesendet und musste dort einige Arretirungen vornehmen lassen.
Auch fand eine strenge Untersuchung wegen Abnahme der kaiser-
lichen Fahne vom Thurine statt.
Da das Anrücken feindlicher Abtheilungen zu besorgen war,
stellte die Division Piquete am Neusiedler -See bis 20. Mai auf. In
dieser Zeit fanden viele Truppeumärscho durch Oedenburg statt,
auch wurden verschiedene Streifkorps zusammengesetzt, jedoch die
Division nicht dazu verwendet und alle Bemühungen des Divisions-
Komraandanten wirklich vor den Feind zu kommen, blieben fruchtlos.
Da jedoch dieser Wuusch bei Offizieren und Mannschaft immer leb-
hafter wurde, so nahm der Kommandant Veranlassung diess in einem
Promemoria direkte dem Armee - Kommandanten zur Kenntniss zu
Digitized by Google
1H49.
555
bringen und um die Einüieilung zu einer gegen den Feind rücken-
den Truppe zu bitten. Diese Bitte wurde willfahrt und die Division
statt der in Gefangenschaft gerathenen Grenadier- Division in das
Grenadier- Bataillon Kellner eingetheilt. In gehobener Stimmung,
nachdem ihr F.-M.-Lt. Graf Castiglione für die musterhafte
Aufführung und erspriesslichen Dienste seine volle Zufriedenheit aus-
gesprochen hatte, trat die Division am 30. Mai den Marsch nach
Pressburg an.
Schon anfangs Mai waren die diplomatischen Verhandlungen
zwischen den Kabineten Oesterreichs und Russlands so weit gediehen,
dass die Vorrückung einer russischen Hilfsarmee in naher Aussicht
stand; bis zu ihrem Eintreffen suchte F.-M.-Lt. Baron Weiden,
welcher statt dem Feldmarschall Fürst Windisch-Grätz das
Kommando der Armee in Ungarn übernommen hatte, durch Manöver
seiner geübteren Truppen den kaum organisirten Gegner in Schach
zu halten.
Der strategische Missgriff, welchen der Feind durch die Be-
lagerung von Ofen mit bedeutenden Kräften beging, kam der öster-
reichischen Armee sehr wohl zu Statten und gewährte ihr Zeit sich
festzustellen und zu verstärken, so dass das Gleichgewicht der Kräfte
bereits hergestellt war, als der Feind nach dem Falle von Ofen mit
bedeutender Stärke an der Waag und an der Raab erschien. Eine
k. russische Hilfsarmee von 130.000 Mann war bereits an der nörd-
lichen Grenze von Galizien konzentrirt, um in Ungarn einzubrechen;
von dieser Armee wurde die neunte Infanterie - Division (2 Linien-
und 2 Jäger- Regimenter zu 4 Bataillons mit 48 Geschützen) unter
Führung des G.-Lt. 1' an u Line detachirt und von Krakau bis
Hradisch in Mähren auf der Eisenbahn befördert, wo sie am 14.
und 15. Mai mit der Bestimmung eintraf, der k. k. österreichischen
Donau -Armee als Unterstützung zu dienen.
Die neunte Division rückte am 1. Juni in Pressburg ein und
vereinigte sich am folgenden Tage mit dem Grenadier- Bataillon,
welches nun Major Baron Koudelka kommandirte, da Oberst-
lieutcuant v. Kellner zur Ueberuahmc des Regiments -Kommandos
statt dem schwer verwundeten Oberst v. Bub na nach Budatin
abgegangen war. Am 3. marschirte das Bataillon über Lanschütz,
4. Dioszeg und am 5. nach Szered au die Waag, wo dasselbe die
Uebergängo zu beobachten hatte. Dieser Marsch war wegen der
556
1849.
abnormen Hitze sehr beschwerlich; drei Mann blieben am Sonnen-
stich todt.
Am 0. Juni bezog die Division Vorposten mit der Abwechs-
lung, dass sie einen Tag in erster und den folgenden in zweiter
Linie stand. F.-M.-Lt. Benedek deckte den Waag- Uebergang im
Norden und die Pässe uach Mahren, Schlesien und West - Galizien
und eröffnete die Verbindung mit dem russischen G.-Lt. Saas über
Kubin nach Rosenberg. Dahin kam aucli die russische Division
Panutine, die nach dem Eintreffen bei Pressburg wegen Umsichgreifen
der Cholera einstweilen nach Bösing und Modern verlegt wurde.
Auch im Lager der drei Bataillone des Regimentes zu Budatin
brach die Cholera mächtig aus und forderte viele Opfer. 130 Mann
starben in kurzer Zeit und viele Krauke konnten dem nun beginnenden
Siegeszuge nicht beiwohnen. Unter den Verstorbenen betrauerte das
Regiment vorzüglich den Oberstlieuteuant und Regiments-Komman-
danten Kellner v. Köllenstein und Oberlieutenant Kaiser,
welche beide am 7. Juni ein Opfer der Epidemie wurden. Das
Leichenbegängniss fand am 9. abends 6 Uhr statt, wozu die beiden
Feld - Bataillone in Parade ausrückten. Major Rossi übernahm das
Kommando des Regiments, Hauptmann Appel jenes des ersten,
Hauptmann Prucker des zweiten Bataillons; statt dem erkrankten
Oberlieutenant Schromer übernahm Oberlieutenant Kühne den
Regiments - Adjutanten - Dienst.
Um die Verbindung mit dem russischen Korps Saas herzustellen,
war das vierte Bataillon aus der Vorpostenstellung bei Nedest mit
drei Geschützen und 50 Mann Kavallerie am 9. Juni über Varin bis
Wialkovetz bei Kubin bis au das russische Lager des Avantgarde-
Korps Rüdiger gerückt und kehrte, da der Operations - Plan dieses
Korps zur russischen Hauptarmee einberief, am folgenden Tag
wieder zurück.
Die Epoche von Anfang Mai bis Mitte Juni 1849 wurde an der
oberen Donau durch kein kriegerisches Ereigniss von Bedeutung
ausgefüllt. Der Feind hatte zwar 00.000 Mann bei Komorn und
an der Waag konzentrirt und schien zu einem Angriffe entschlossen,
aber die Vorbereitungen hiezu, die Ungewissheit über Stärke und
Stellung der k. k. Armee und über die Richtung, welche die
k. russischen Armeckörper einschlugen, verzögerten sein Unternehmen
bis Mitte Juni.
1841).
557
F. -Z. -M. Baron Weiden, welcher der k. k. Armee eine
Achtung gebietende Aufstellung gegeben, legte wegen zerrütteter
Gesundheit das Oberkommando nieder, worauf F. -M. -Lt. Baron
Hayn au um die Mitte Mai von Italien berufen und unter gleich-
zeitiger Ernennung zum Feldzeugmeister mit dem Oberkommando über
sämmtliche in Ungarn und Siebenbürgen operirenden k. k. Truppen
betraut wurde. Hayn an traf am 22. Mai in Pressburg ein und
theilte die Armee in vier Armeekorps; Chef des Generalstabes war
Oberstlieutenant Kam min g, Artillerie - Direktor G. - M. Haus lab,
Genie -Direktor Oberstlieutenant PI atz er. Das Grenadier-Bataillon
Koudelka befand sich mit noch drei Grenadier - Bataillons und der
sechspfündigen Fussbatterie Nr. 10 in der Brigade G.-M. Baron
Perin, Division G.-M. Herzinger; das 1., 2. und 4. Bataillon des
Regiments, das zwölfte Jäger- und Landwehr -Bataillon von Nr. 18,
acht Eskadrons Erzherzog Karl Chevauxlegers, nebst der sechs-
pfündigen Fussbatterie Nr. 31 und Kavallerie - Batterie Nr. 20 in
der Avantgarde - Brigade G.-M. Kitter Benedek, viertes Armee-
korps F. - M. - Lt. Baron W o h 1 g e m u t h. Dieses Armeekorps führte
auch den Namen „Reserve -Korps.*
Der Feind hatte am 8. Juni nachmittags ein Korps in Urmfay
gesammelt und rückte am 9. vor Anbruch des Tages zum Angriff
auf Schintau vor. Noch am vorhergehenden Tage um 7 Uhr abends
hatte die 17. Kompagnie eine Stunde vor Schintau den Wald besetzt.
Beim Angriff des Feindes am 9. zogen sich die schwachen Vor-
truppen überall zurück und nur die 17. Kompagnie, welche in ihrer
vorpoussirten Stellung keine Kenntniss von der Lage hatte, blieb
noch einige Zeit stehen, bis Hauptmann Baron Vogel sang der
feindlichen Vortruppen ansichtig wurde, worauf auch die Kompagnie
zurückging. Das feindliche Korps sammelte sich hierauf bei Köpösd
und unternahm eine Rekognoszirung gegen Pata und Sopornya. Als
auch hier die österreichischen Vorposten zurückgezogen waren, rückte
eine feindliche Division selbst bis Pata vor, während eine zweite
nach Sopornya mit der Bestimmung zog, den Brückenkopf bei
Schintau durch eine Bewegung längs der Waag aufwärts in der
Flanke anzugreifen. Die Brigade Perin, welche mit drei Bataillons
bei Szered stand, nahm hinter Pata eine Aufstellung, musste aber bald
vor der fünf Bataillons, acht Eskadrons und 17 Geschützen starken
feindlichen Division weichen. Da der Bau des Brückenkopfes bei
558
1S40.
Schintau, gegenüber von Szered noch nicht vollendet war, so zog
sich auch das Bataillon Koudelka zurück. Die 17. Kompagnie,
welche sich mit der 18. vereinigt hatte, übersetzten mit einer Schiff-
brücke schon im Angesichte des Feindes den Fluss, worauf diese
verbrannt, ein Theil jener bei Szered abgetragen wurde und die
Brigade Perin die Stellung auf dem rechten Ufer bezog, um den
Uebergang des Feindes zu hindern.
Um 9 Uhr vormittags wurde das Geschützfeuer auf beiden
Seiten eröffnet und dauerte bis l\ Uhr nachmittags, wornach der
Feind, durch das wirksame Feuer der österreichischen Geschütze an
jedem weiteren Versuche gehindert, sich wieder nach l'ata zurückzog
und nur schwache Vortruppen bei Schintau Hess. Das Resultat
dieses feindlichen Angriffes war die momentane Besitznahme des
linken Waag -Ufers bei Schintau.
Die nennt«» Division musste noch an demselben Tage am Flusse
weiter hinabrücken, bezog dann unterhalb Waga an der Waag die
Vorposten, welche fortwährend vom Feinde beunruhigt wurden.
Haynau wollte die Uebergiinge bei Freistadt und Szered fest-
halten, um das rechte Waag- Ufer zu beherrschen, den Gegner an
die Waag zu fesseln und ihn in der Täuschung zu erhalten, als
beabsichtige die österreichische Armee eine Offensive am linken
Donau-Ufer. Es wurde demnach angeordnet, Freistadt zu halten, die
Brücke bei Szered wieder herzustellen und durch Verschanzungen
zu sichern.
Am 15. Juni war nicht nur die Brücke fertig, sondern auch
das linke Ufer nach unbedeutendem Widerstande des Feindes wieder
in Besitz genommen, die Verschanzungen daselbst vollendet, und
darin, sowie in dem zur Verteidigung hergerichteten Dorfe Schintau
die Grenadier -Bataillone Koudelka und Päszthory nebst neun Ge-
schützen aufgestellt. Die neunte Division bezog vorwärts dieser
Stellung die Vorposten und blieb hier auch die folgenden Tage.
Tags darauf besichtigte F.-Z.-M. Baron Haynau die neu
angelegten Verschanzungen bei Schintau und Hess sämmtliche
Grenadier - Bataillone vor sich ausrücken, wobei er seine üeber-
zeugung aussprach, dass diese Kerntruppe bei nächster Gelegenheit
die Scharte von Nagy-Sarlo auswetzen und stets ihren alten ehren-
vollen Ruf auf eine glänzende Weise bewähren werde. Noch am
selben Abende ergab sich hiezu die Gelegenheit. Der Feind, in der
1S49.
559
Absicht die Waag -Linie durch einen Angrifl' auf die Mitte der
kaiserlichen Donau-Armee zu durchbrechen und so deren Flflgel zu
trennen, rückte um 5 Uhr nachmittags mit seinem ganzen ersten
Korps zu einem kräftigen Angriff auf Schintau vor. Hier und in
Szered standen 3 Grenadier- Bataillone, 1 Division Kürassiere und
9 Geschfitze der Brigade Perin («las Bataillon Koudelka hinter der
Brücke am rechten Ufer in Reserve), 0 Bataillone feindliche Land-
wehr und 2 Geschütze mit einigen Eskadronen nahmen auf den
Anhöhen von Schintau eine vortheilhafte Stellung, eröffneten ein
sehr heftiges Geschützfeuer gegen die Verschanzungen an der
Neutraer - Strasse und rückten mit einigen Bataillons zum Sturm
auf Schintau vor. Der Feind gewann anfangs einige Vortheile, brachte
unsere Batterien momentan zum Schweigen und drang in die ersten
Häuser des barrikadirten Dorfes Schintau ein.
F.-M.-Lt. Baron Wohlgem uth, welcher das Gefecht persönlich
leitete, hatte die Unterstützung der Brigade Perin aus Szered auf
das linke Waag -Ufer gezogen, Hess 1 Bataillon und 2 Eskadronen
links von der Strasse gegen die Weingärten von St. Havast vor-
rücken, um die feindlichen Kolonnen in der rechten Flanke zu fassen
und verstärkte die Besatzung von Schintau, welcho nunmehr den
eingedrungenen Feind mit dem Bajonnet wieder hinauswarf und
verfolgte.
Mittlerweile waren die Feinde mit ihren Batterien immer weiter
auf der Strasse vorgerückt, zogen ihre Reserven heran, richteten
ein mörderisches Feuer auf die Verschanzungen an der Neutraer-
Strasse und drangen in diese sowohl, als in den Friedhof von
Schintau ein. In diesem kritischen Momente befehligte F.-M.-Lt.
Baron Wohlgem uth das Grenadier-Bataillon Koudelka mit einer
halben Raketten - Batterie vor. Die Grenadier -Division von Nr. 8
nahm bei der Brücke Stellung, während die neunte Division Deutsch-
meister im Laufschritt über dieselbe eilte. „Sie müssen Schintau
„nehmen und behaupten, dann brauche ich nur Ihren Namen", rief
F.-M.-Lt. Wohlgemuth dem Hauptmann Baron Vogelsang zu.
Ueber der Brücke formirte die Division die Sturmkolonne ; die junge
Mannschaft wurde mit einigen Worten zum tapferen Streite ent-
flammt und dann im ersten Anlaufe mit unwiderstehlicher Tapferkeit
Schintau genommen, wobei die erste Grenadier - Kompagnie von
Nr. 8 unter Oberlieutenant Weigl redlich mitgewirkt hatte.
5tiü
184f>.
Der Divisions-Kommandant gab dem Hauptmann Pfanneuholz
den Befehl, mit seiner Kompagnie das Dorf zu besetzen und zu
halten und rückte dann mit der 17., gefolgt von der Kompagnie von
Nr. 8 unter dem heftigsten feindlichen Geschütz- und Gewehrfeuer
aus dem Dorfe heraus, eilte im Laufschritt über die freie Wiese,
erstürmte mit lautem Hurrah den mit dichtem Weidengebüsch und
vom Feinde stark besetzten Graben und erstieg dann rasch die
vorliegende Höhe, wodurch die Kompagnien den feindlichen Ge-
schützen in der Flanke standen.
Obgleich die Mannschaft durch diese angestrengten Stürme
sehr erschöpft war, dachte Niemand an Ruhe und alles eilte den
fliehenden Feinden nach. Feldwebel Maier und Korporal Schwinge n-
schlögel stürmten mit ihren Planklern, welchen Oberlieutenant
Basso mit einem Zuge folgte, mit wahrem Heldenmuthe bis an
die Mündungen der Kanonen. Die Batterie - Bedeckung (Huszaren)
wurden im freien Felde mit dem Bajonnet attaquirt, in die Flucht
gejagt und so vier zwölfpfündige Kanonen erobert.
Der Angriff war somit hier mit glänzendem Erfolge, zu welchem
die Division Deutschmeister ruhmvoll beigetragen hatte, abgeschlagen
und der Verlust ungeachtet des heftigsten feindlichen Feuers, welcher
meist überschoss, nur gering. Er bestand bei der Brigade in 9 Todten
und 40 Verwundeten; die Division Deutschmeister hatte nur durch-
schossene Mantel und Czako's.
Noch um 10 Uhr abends wurde gemeldet, dass der Feind
nächst Kirälyfalva, drei Meilen abwärts von Szered einen Brücken-
schlag mit Schiftmühlen beabsichtigte; F.-M.-Lt. Baron W obi-
ge muth schob noch in der Nacht ein Bataillon bis Väghä und das
Bataillon Koudelka nach Szerdahely, wo die Division Deutsch-
meister den Brückenkopf besetzte.
Sowohl F.-Z.-M. Baron Hayn au, der dem Gefechte bis zum
Ende beigewohnt hatte, als auch F.-M.-Lt. Baron Wohlgemuth
sprachen sich höchst belobend über die bewiesene Tapferkeit aus.
Von der Division wurden in der Relation als die ausgezeichnetsten
genannt: Der Divisions - Kommandant Hauptmann Ludwig Baron
Vogelsang (erhielt den Orden der eisernen Krone dritter Klasse),
Lieutenant Matthäus Gänger und Josef Basso (erhielten die
Allerhöchste Zufriedenheit und später statt derselben das Militär-
Verdienstkreuz) und Lieutenant Romani; von der Mannschaft: Feld-
1*4».
501
webel Johann Mai er erhielt die goldene Tapferkeits-Medaille und
das k. russische Georgs -Kreuz dritter Klasse, Korporal Michael
Schwingensch lögel die goldene Tapferkeits-Medaille, Korporal
Anton Löhn er und Michael Dolzer die silberne Tapferkeits-
Medaille erster Klasse, Korporal Johann Kreitmeier, Johann
Kittenbauer, Samuel Bodenstein, Gefreiter Josef Viere ekel,
Zimmermann Johann Wegremel, Grenadier Friedrich Hauer,
Gemeine Emst Jagd schütz, Laurenz Müller, Iguaz Berthold
Vincenz Dolezal, Johann Gross, Michael Fischer und Leopold
Schraml, sämmtliche die silberne Tapferkeits - Medaille zweiter
Klasse.
Mit Tagesanbruch des 17. Juni zeigten sich am Waldrande
vor dem Brückenkopf feindliche Kolonnen, welche Miene machten,
diesen anzugreifen. Um die schwache Besatzung und den Mangel
an Geschütz zu maskiren, rückte die Division vorwärts und benfitzte
das hier liegende sehr coupirte Terrain zu einem Tirailleurgefecht,
welches von 4 Uhr früh bis 4 Uhr nachmittags wahrte. Wiederholt
versuchte der Feind, welcher durch eine halbe Batterie unterstützt
wurde, die Division zurückzuwerfen, aber jedesmal scheiterte dieses
Beginnen an der Standhaftigkeit der Deutschmeister, welche um
Mittag alle Patronen verschossen hatten und dann GOOO frische
erhielten. Leicht blessirte Leute eilten freiwillig wieder in den
Kampf und es herrschte überhaupt der fröhlichste Muth. Hier blieb
die Division bis 20. Juni. — Täglich, gewöhnlich in den Mittags-
stunden, wiederholten sich die feindlichen Angriffe.
Am 20. Juni rückte die Division nach Waga, um das Grenadier-
Bataillon Rattai abzulösen, welches gegen Zsigard abrückte. Um
diese Zeit war auch die russische Division Panutine bei Dioszeg
zur Unterstützung des vierten Korps eingetroffen und die oberen
Truppen im Anmärsche. Die 18. Kompagnie bezog die Vorposten,
während die 17. noch in der Nacht wieder nach Szerdahely zurück
disponirt wurde. Am folgenden Tage, 21. Juni, fand die Schlacht
bei Pered statt, in welcher der Feind geschlagen und nach Verlust
von 2254 Mann, 6 Kanonen und 1 Fahne zum Verlassen der Gegend
diesseits der Waag und an dem Neuhäusler Donauarme gezwungen,
auch über die Schutt die Kommunikation auf das rechte Donau-Ufer
eröffnet wurde. Zeitlich früh an diesem Tage hatte der Feind die
Gewissheit erlangt, dass bei W;aga nur eine Kompagnie stehe und
36
562
184».
traf sogleich alle Anstalten zum Brückenschlag. Unter dem heftigen
Feuer von drei Zwölfpfündern liess er um Mittag die ersten Flosse
ein, doch die Mannschaft der 18. Kompagnie, welche kühn his an's
Ufer vorging, tödtete durch ihr wohlgezieltes Feuer mehrere und
trieb dadurch wiederholt die übrigen in die Flucht. Gegen 2 Uhr
langte Hauptmann Haugwitz mit einer Grenadier - Kompagnie von
Nr. 8 mit zwei Geschützen zur Ablösung an, als sich die Mann-
schaft von Deutschmeister bereits verschossen hatte. Die 18. Kom-
pagnie wollte von Ablösung nichts wissen, sondern liess sich von
den Grenadieren Patronen geben und blieb im Gefecht. Bald war
abermals Mangel an Munition eingetreten, als Hauptmann Baron
Vogelsang mit der 17. Kompagnie und einer halben Raketen-
Batterie erschien, wodurch das Gleichgewicht mit der feindlichen
Stärke hergestellt war. Der Feind wurde nun gezwungen, seine
Geschütze zurückzuziehen und sein Vorhaben gänzlich aufzugeben,
wobei das Dorf Vapornya in Flammen aufging. Hauptmann Baron
Vogelsang und Pfannenholz, Oberlieutenant Gänger, Lieute-
nant Baron Stockard und Eckher hatten sich besonders hervor-
gethan und erhielt Hauptmann Pfannen holz die Allerhöchste Zu-
friedenheit ausgesprochen, daher später das Militär - Verdienstkreuz.
Von der Mannschaft leuchteten durch besondere Tapferkeit und
Ausdauer hervor: Feldwebel Josef Murmann, Eduard Fuchs.
Korporal Franz Angelmaier, Franz Regner, Georg Strak, Alois
Alber, Josef Isel, Michael Iser, Michael Christian, Grenadier
Johann Malinsky, Johann Laseicky, Mathias Davidek, Michael
Körper, Gemeiner Michael Marschall, Andreas Schneider,
Johann Trauh und Rudolf Pank, welche sämmtliche mit der
silbernen Tapferkeits - Medaille zweiter Klasse ausgezeichnet wurden.
Der Verlust der Division bestand in 7 Verwundeten.
Noch in der Nacht des 22. Juni bezog die Division wieder
die Stellung bei Szerdahely und stellte am 23. die Vorposten aus.
F.-Z.-M. Baron Hayn au erliess am 24. Juni nachstehenden
Armee-Befehl: »Soldaten! Unser Feind ist am 20. und 21. Juni
, entscheidend geschlagen worden. Die Truppen des Armee-Reserve-
, Korps unter Führung des umsichtigen und tapferen F.-M.-Lt.
„ Baron Wohlgemut h, nebst der Brigade Pott, in Verbindung mit
„der k. russischen Division unter den Befehlen des gleich tapferen
„und kriegserfahrenen G.-Lt. Pa nutine haben das über die Waag
1K4«.>.
563
.gedruugene Rebellenheer Görgey's in wilder Flucht wieder zurüek-
. getrieben. Mit freudigem Hochgefühle gebe ich es der gesainniten
.Armee bekannt, dass sich der kühne Muth und die Hingebung
.unserer Truppen jeder Waffe, die unwiderstehliche Ruhe und Tapfer-
keit der nissischen Bataillons gegenseitig zu uberbieten suchten.
, Hiermit hat an der Waag eine Reihe neuer Siege begonnen, deren
„letzter alle Stützen niederträchtigen Verrathes in diesem un-
glücklichen Lande zu Boden geworfen haben wird. Soldaten ! Harret
„muthig aus im wiederbegonnenen Kampfe zur Ehre unseres Vater-
landes, zum fortgesetzten Ruhme der Armee Oesterreichs; der
.Dank Eueres geliebten Kaisers und der Völker, denen Ihr den
.ersehnten Frieden bringt, wird Euer schönster Lohn sein."
Am 23. abends rückte die Division, welche sich mit dem Ba-
taillon Koudelka vereinigte, in das Bivouak von Kiralyrev, am 24.
in jenes von Podasa in der Schütt, am 25. vor Döborgaz, wo die
ganze Infanterie des vierten Armeekorps auf Dampfschiffen auf
das rechte Donau-Ufer überführt wurde und lagerte am 26. hinter
Ungarisch - Altenburg , dem Konzeutrirungspunkte des gesammten
vierten Korps.
Während diesen geschilderten Begebenheiten war die Brigade
Barco, dabei das 1., 2. und 4. Bataillon des Regiments, am 16. Juni
von Budatin abmarschirt und hatte auf der vom Oberlieuteuant
Eckher gebauten Flossbrücke die Waag überschritten. Am 17. über-
nahm G.-M. Ritter Benedek das Kommando der Brigade, welche
an diesem Tage nach lllava, 18. Trentsiii, 19. Vag-Ujhely, 20. Koz-
tolän und am 21. nach Tyrnau marschirte, wo das vierte Bataillon
verblieb ; am 22. und 23. Juni wurden der Regimentsstab und die
beiden ersten Feld - Bataillons mit der Pferde - Eisenbahn nach
Pressburg befördert und hier vom F.-Z.-M. Baron Haynau be-
sichtigt. Am 24. wurde der Marsch nach Altenburg und am 25. nach
Kaltenstein fortgesetzt, wo sich beide Bataillons in der Brigade
vereinigten.
Mit Ausnahme des zweiten, auf dem linken Donau-Ufer zur
Vertheidigung der grossen Schütt und Beobachtung der Waag zurück-
gebliebenen Korps war nunmehr die ganze Donau -Armee am rechten
Ufer der Donau auf der Pressburg -Raaber -Hauptstrasse zu einem
Hauptschlage auf die bei Raab in einer vortheilhaften Stellung
befindlichen Heerestheile des Gegners vereinigt.
36*
504
lK4f>.
Mit Allerhöchster Entschliessung vom 22. Juni wurde Oberst-
lieutenant Friedrich Barou M er vi 11 e zum Obersten beim Regiment
Nr. 49, dagegen der Major Albert Fürst des Regiments Nr. 46
zum Oberstlieutenant und mit jeuer vom 27. Juni die Hanptleute
Eduard Rottee von Nr. 10 und Johann Baron Rüstel von Nr. 34
zu Majors im Regiment befördert.
Heim Beginn der Operationen wurde dem Regiment der nach-
stehende Armee-Befehl des F.-Z.-M. Baron Haynau vom 20. Juni
publizirt:
„Soldaten! Die Armee ist zum Wiederbeginne der Operationen
.versammelt. Aus diesem Anlasse ist auch unser gütiger, für das
„Wohl seines Heeres unablässig besorgter Monarch in unsere Mitte
„gekommen. Soldaten Oesterreichs! Euer ritterlicher und hoch-
herziger Kaiser und Herr und Ihr, nissische Krieger, der Freund
„Eueres erlauchten Czars, will Zeuge sein unseres gemeinschaft-
lichen Wetteifers im Kampfe, diess soll, diess wird unseren Muth
„zur Begeisterung entflammen, unsere Kraft verdoppeln, deren
„Streiche das Heer der magyarischen Rebellen und ihrer verworfenen
„Genossen erschüttern und vernichten werden. Es ist nicht Ungarns,
„nicht Oesterreichs Frieden allein, den zu erringen wir gemein-
schaftlich berufen sind. In ganz Europa werden Millionen, die das
„Glück der Staaten in Ruhe und Ordnung, in gesetzlicher Entwicklung
„suchen, unseren Siegen zujubeln, unsere Erfolge segnen. Darum
„seid muthig und ausharrend in der Gefahr des Kampfes, seid aber
„auch edel und menschlich gegen die wehrlosen und bedrängten
„Landesbewohner, übt diese Tugenden im Vereine mit Tapferkeit
„zur Ehre unseres Standes und zur Ehre unseres Sieges. Soldaten!
„Ich vertraue auf Euch, so wie auch ihr überzeugt sein möget,
„dass ich Eueren Anstrengungen die verdiente Anerkennung Eueres
„geliebten Kaisers und Herrn zu verschaffen mir zur angenehmsten
„Pflicht machen werde."
Das vierte Armeekorps rückte am 27. Juni nach Leyden; die
Avantgarde Brigade Benedek bis Encse vor und suchte dann in der
Nacht zum 28. einen Uebergang in der Gegend von Raba-Patona.
Der Fluss, obgleich nur 50 bis 60 Schritt breit, hat schlammigen
Grund und sumpfige Ufer, so dass nur wenige Stellen zu einem
Brückenschlage sich eignen. Durch die vorhergegangenen Regentage,
mehr noch durch das Abstechen der Dämme war die ganze Strecke
zwischen der Kaab und Marczul bei Käba - Patona , Ikreny und
bis über Gyarmath hinab ganz ungangbar. Da ein Uebergang des
vierten Korps auf dieser Strecke unmöglich war, so wies der Feld-
zeugmeister diesem Korps um 7 Uhr früh die Richtung über Lesvür
mit der Bestimmung an, zwischen der Kaab und der Rabnitz vor-
zurücken, die feindlichen Verschanzungen an der Abda- Brücke im
Rücken zu nehmen und dadurch dem ersten Armeekorps den Ueber-
gang über die Rabnitz zu öffnen.
Dieser Disposition gemäss rückte das vierte Korps über Lesvär
gegen Abda vor. Eine Stunde über Lesvär hinaus traf die Avant-
garde Brigade Benedek auf die feindlichen Vortruppen, die sich
zurückzogen. Nach kurzer Verfolgung entwickelte der Feind, eine
halbe Stunde vor Raab, eine lange Liuie Kavallerie in zerstreuter
Schlachtordnung mit Batterien, hinter dieser aber geschlossene
Fronten. General Benedek führte seine, sowie die zu seiner Unter-
stützung vorgezogene Zwölfpfünder- Batterie auf vortheilhafte Punkte
vor und ehe sich seine Kavallerie zum Angriffe entwickelt hatte,
zog sich schon der Feind nach kurzem Geschützkampfe in die Ver-
schanzungen zurück.
Durch dieses rasche Vordringen der Brigade Benedek, welcher
das Gros des vierten Korps folgte, musste der Feind seine Ver-
schanzungen an der Abda -Brücke eilig verlassen und das erste
Korps konnte die in Brand gesteckte Brücke herstellen.
Nachdem der Feind diese Brücke verlassen hatte, wurde die
Brigade Benedek von der Rabnitz weg und mehr rechts gezogen,
um gegen den linken offenen Flügel der Verschanzungen verwendet
zu werden, aus welchen der Feind alsbald auf weite Distanz ein
sehr lebhaftes Geschützfeuer eröffnete. Er machte sogar Miene, aus
seinen Stellungen hervorzubrechen und die Brigade Benedek anzu-
greifen. F.-M.-Lt. Wolligem uth Hess aber zu deu Batterien der
Avantgarde noch zwei Fuss- und eine Kavallerie -Batterie rasch iu
die Gefechtslinie vorziehen und richtete ein gemessenes aber sehr
wirksames Feuer auf die feindlichen Batterien. Das vierte Korps
marschirte unterdessen in Schlachtordnung auf.
Zur Unterstützung der Brigade Benedek folgte die Grenadier-
Division Herzinger, dabei das Bataillon Koudelka, in zwei Treffen.
Das Regiment Karl - Chevauxlegers von der Brigade Benedek
bildete im ersten Treffen den rechten Flügel des Korps und brach
r>r,<;
184».
gegen den offenen Kaum zwischen der verschanzten Linie und dem
Flusse vor. Ihm folgte als zweites Treffen die Kavallerie- Brigade
Lederer, und nun ubernahm F. -M.-Lt. Graf Schlick die Leitung
Ober alle zwischen der Raab und Rabnitz vereinigten Truppen des
ersten und vierten Korps.
Kaum hatte der Feind den Aufmarsch des vierten Korps und
die Entwicklung der Kavallerie am rechten Flügel wahrgenommen,
als er mit bedeutenden Kavalleriemassen aus dem offenen Räume
vor der Wiener Vorstadt hervorbrach und die rechte Flanke des
Korps, besonders der aufgefahrenen Batterien, bedrohte. Aber die
raschen Bewegungen, welche die Chevauilegers dagegen ausführten
und wodurch sie die linke Flanke der Uuszaren zu gewinnen wussteu,
hielten sie vom ferneren Vorrücken ab. Mehrereraale wiederholte
sich ihr Versuch, aber erfolglos; und als auch die Kavallerie-
Brigade Lederer zur Umgehung der üuszaren in Bewegung gesetzt
wurde, zog sich die feindliche Reiterei, ohne ein ernstes Gefecht
angenommen zu haben, innerhalb die Verschanzungen zurück.
Nachdem noch zwei Batterien in die Gefechtslinie vorgezogen
waren, avancirten nun die zusammengefahrenen Batterien, 42 Ge-
schütze, in einer umfassenden Linie bis auf 500 Schritte gegen die
linke zurückgebogene Flanke der feindlichen Verschanzungen. Es
entspann sich ein lebhafter Geschützkampf, welcher von unserer
Artillerie mit so gutem Erfolg geführt wurde, dass schon nach einer
Stunde, in welcher vier feindliche Munitionskarren in die Luft flogen,
viele Mannschaft und Pferde getödtet wurden, die Besatzung der
verschanzten Linie in volle Unordnung gerieth und mit Zurück-
lassung zweier Kanonen und Karren sich eilig nach Raab zurück-
zog. Unsere brave Artillerie wartete nicht erst das Nachrücken der
Infanterie - Angritfskolonnen ab, sondern drang selbst in die Ver-
schanzungen und nahm sie in Besitz. Der Feind besetzte nun die
zum Theil harrikadirten Eingänge der Raaber Vorstädte, um Zeit
zur Abführung seines Geschützes und zum Abtragen der Brücken
zu gewinnen. Um aber dem Feind diese nicht zu gönnen, Hess
Schlick sogleich nach Einnahme der verschanzten Linie fünf
Batterien vorrücken und die Stadt sammt den Vorstädten beschiesseu.
Die vorrückenden Truppen trafen erst an der Rabnitz in der
Stadt selbst auf ernstlichen Widerstand. Die Brücke über den Fluss
war abgetragen und in Brand gesteckt. Die Feinde unterhielten von
1K49.
5C7
den Stadtwklleu uud einigen Häusern der Vorstadt ein sehr lebhaftes
Feuer gegen die Kolonne des Fürsten Lichtenstein, welches
jedoch durch die an der Tete befindlichen Tiroler - Kaiser - Jäger
und eine Rakettenbatterie erwidert wurde. Als hiedurch ein Haus
in Brand gerieth, fing der Feind zu wanken au und zog sich bald
zurück. Se. Majestät der Kaiser, welcher dem Angriffe auf die Ver-
schanzungen vor der Wiener Vorstadt im heftigsten Geschützfeuer,
so dass die feindlichen Kanonenkugeln die Erde faktisch aufackerten,
beiwohnte, und dessen Gegenwart die Truppen begeisterte, zog
gleichzeitig durch die Wiener Vorstadt, während noch heftig in den
Gassen gefeuert wurde, an der Spitze des Regiments Deutschmeister,
Brigade Benedek, in Raab ein. Das erste Bataillon hatte hier die
Ehre, vor dem Quartiere Sr. Majestät in der Wiener Vorstadt die
Ehrenwache beizustellen ; beide Bataillone lagerten auf der Haupt-
strasse dieser Vorstadt bis 29. Die Grenadiere waren durch Raab
marschirt uud die Division des Regiments bezog nachts 1 Uhr auf
den Höhen von Szabadhegy die Vorposten, wo sie immer durch
Huszaren umschwärmt war, welchen aber die Uebcrzeugung bei-
gebracht wurde, dass die Deutsehmeister ihr Pulver nicht umsonst
verschieden, denn so mancher Huszar büsste seine Kühnheit mit
dem Leben.
Die Bataillone des Regiments waren im heftigsten feindlichen
Geschützfeuer wie Mauern gestanden und nur die siebente Kompagnie
hatte zwei Verwundete verloren.
Am 20. stand der Feind hinter dem Czonczo-Bach, von der
Donau bis Nagy-Igmänd ausgedehnt und wurde aus der Komorner-
Garnison verstärkt. Hier beabsichtigte er einen entscheidenden
Kampf aufzunehmen und zog daher auch sein drittes Korps vom
linken auf das rechte Donau-Ufer.
Das erste Bataillon hatte an diesem Tage die Ehrenwache
bei Sr. Majestät dem Kaiser dem zweiten Bataillon übergeben und
wurde auf einige Stunden bequartirt. Dem Regiment wurde der
nachstehende Brigade-Tagsbefehl publizirt:
„Es ist mir eine augenehme Pflicht, sämratlicheu Stabs-, Ober-
„officieron und der Mannschaft meine unbegränzte Hochachtung für
»die in der heutigen Schlacht au den Tag gelegte Bravour, Manns-
,zucht und Ruhe zu bezeugen. Eine Truppe, die so tapfer und
.ehrenvoll kämpft, wie ich tieute die Brigade zu kommandiren die
1H49.
„Khre uud das Glück hatte, wird sich auch bei jeder Gelegenheit
„durch Dienstordnung, den strengsten Gehorsam, moralisches und
„ehrenvolles Benehmen auszeichnen. Dies fühlend, kann ich nur
„aufrichtig gestehen, dass es mich unendlich ehrt und beglückt,
„der Kommandant einer so braven und wohl geordneten Brigade
„zu sein.
„Raab, am 28. Juni 1849.
„Beuedek m. p. G.-M.*
Am 29. brach die Donau -Armee auf, um in drei Kolonnen
bis in die Höhe von Komorn vorzurücken; das vierte Korps rückte
auf der Fleischhauerstrasse bis Böny und nahm hier Stellung. Am
folgenden Tage rückte das Korps an den Czonczo-Bach, wo es bei
Csanati Stellung nahm und Nagy-Igmänd besetzte; unterwegs war
dasselbe vor Sr. Majestät, welcher mit dem Hauptquartier raitfolgte,
defiliert.
Der Feind hatte sich ganz nach Komorn zurückgezogen und
hielt die ausgedehnten, auf dem rechten Donau-Ufer aufgeworfeneu
Verschanzungen besetzt. In der Hoffnung ihn zu einer entscheidenden
Schlacht zu bewegen, ordnete F.-Z.-M. Baron Hayn au am 2. Juli
eine allgemeine Vorrückung gegen die Festung an.
An diesem Tage um 5 Uhr früh rückte das vierte Korps von Nagy-
und Kis-Igmänd über Puszta-Cscm auf der Strasse von Uj-Szöny
bis in die Höhe von Puszta - Harkäly vor. Sr. Majestät der Kaiser
setzten sich selbst au die Spitze dieses Korps, welches bis nahe
in den Geschützbereich des feindlichen Lagers in geschlossener
Schlachtordnung und mit klingendem Spiele marschirte und nun auf
den gegen Komorn hin sanft abfallenden Hügelreihen mit der
Division Herzinger im zweiten Treffen Stellung nahm.
Der Feind hatte sich beinahe gänzlich in seine Verschanzungen
zurückgezogen, nur den ausserhalb derselben am linken Flügel
liegenden Ort O-Szöny stark besetzt, und durch zahlreiche Batterien
gedeckt. Bald aber vermehrte der Feind seine vor der Festung
befindliche Kavallerie, besonders gegen O-Szöny hin bedeutend und
rückte mit dieser und mehreren Batterien gegen die österreichische
Stellung, weshalb eine Kavallerie-Division vorbrach und die Huszaren
bald in die Verschanzungen zurückdrängte. Der feindliche Angriff
wiederholte sich indessen bald wieder, aber die österreichischen
Digitized by Google
1840.
569
Chevauxlegers warfen die Huszureu in grösstcr Unordnung bis hinter
die Weingärten von O-Szöny zurück und nahmen ihnen sechs
Geschütze ab.
Auch gegen die Front des vierten Korps war der Feind mit
mehreren Batterien aus seinen Verschanzungen hervorgebrochen,
und liess vorzüglich in der Richtung auf Puszta - Harkaly grosse
Kavallerie-Massen und Geschütz vor seinem Lager sich formiren. Das
4. Korps rückte demungeachtet so weit als es der Ertrag des Festungs-
geschützes erlaubte vor und brachte die vorgefahrenen Batterien
des Feindes nach und nach zum Schweigen. Schon während dieser
Vorrückung wurde die Brigade Benedek gegen das Dorf O-Szöny
an der Donau entsendet, um es zu nehmen, da dessen Besitz für
die Erschliessung der Festung von Wichtigkeit schien. Die Ka-
vallerie-Brigade Simbschen sollte diese Vorrückung unterstützen.
Mit Benützung der deckenden Terrain - Gegenstande rückte General
Benedek, den Feind in der linken Flanke bedrohend, bis gegen
O-Szöny vor. Die Jäger des 12. Bataillons versicherten sich der
Zugänge und verjagten die im Orte befindlichen Feinde, worauf
dasselbe durch eine Division des Landwehr - Bataillons vom Regi-
ment Nr. 18 besetzt und in Eile barrikadirt wurde. Die Brigade
stellte sich ausserhalb des Ortes auf und hier sowie beim vierten
Korps verstummte bald darauf der Kampf.
Gegen Mittag war der Feind auf allen Punkten in sein ver-
schanztes Lager zurückgeworfen und der Zweck der allgemeinen
Vorrückung schien erreicht. Das vierte Korps wurde gegen 4 Uhr
nachmittags in die ihr bezeichnete Lagerstellung bei Mocsa in
Marsch gesetzt, die Brigade Benedek vor O-Szöny zurücklassend.
Am linken Flügel der Armee, von welchem Abtheilungen siegreich
sogar bis in die Verschanzungen eingedrungen waren, war jedoch
mittlerweile ein Rückschlag erfolgt. Der feindliche Oberkommandant
Görgey trieb seine zur Flucht gewendeten Bataillone mit Kar-
tätschenschüssen in den Kampf, der österreichische linke Flügel wurde
zurückgedrückt und immer heftiger wurde der Kampf im Acser-
walde und bei Puszta Harkaly. Zwischen 4 und 5 Uhr sah auch die
Brigade Benedek sich bei O-Szöny mit bedeutender Kraft angegrill'en.
Zum Sturm liess der Feind vier Bataillone, welchen drei Ba-
taillone als Unterstützung folgten, unter einem mörderischen Feuer
aus IG Geschützen, vorrücken. General Benedek liess dieses
570
1H49.
heftige Geschützfeuer kräftig erwidern, zwei feindliche Bataillons
drangen durch Gärten gedeckt in das Dorf ein und besetzten die
Hälfte desselben, während sich die Vertheidiger bis an die barrikadirte
Brücke zurückziehen niussten.
Um O-Szöny zu halten und den Feiud wieder hinauszuwerfen,
sendete Benedek das zweite Bataillon Deutschmeister mit dem
12. Jäger - Bataillon und zwei sechspfündigen Kanonen in das Dorf,
während das erste Bataillon en Reserve blieb. Der Feind überschüttete
mit seinen vielen Geschützen den noch besetzten Theil des Dorfes
und die Brigade mit einem Hagel aller Projektilen, aber frischen
Muthes rückte die sechste Division in Schwärme aufgelöst, die zehnte
Kompaguie als Bedeckung der beiden Geschütze, die neunte als
Flankendeckung und die vierte Division als Reserve, dem Feinde ent-
gegen, welcher bereits bis zur steiuernen Brücke an der Kirche
vorgedrungen war. Mit unwiderstehlicher Tapferkeit, unter lautem
Hurrah stürmten die Deutschmeister in den Ort und obgleich sie
aus Fenstern, Dachluckeu und Kellerlöchern mit dem lebhaftesten
Feuer begrüsst wurden, warfen sie mit gefälltem Bajonuet den Feind
hinaus. Dieser hatte mittlerweile seino drei Bataillons Reserve knapp
herangezogen, welche wieder eindrangen und nun entspann sich ein
mörderischer Kampf im Dorfe. General Benedek unterstützte die
Kämpfenden mit der dritten, vierten, fünften und sechsten Kompagnie
Deutschmeister, welche sogleich in das Gefecht mit besonderer
Bravour eingriffen und so vereint den Feiud derart hinausschlugen,
dass er sich unter den Schutz seiner Batterien flüchten musste, welche
ihr Feuer mit aller Heftigkeit auf das Dorf fortsetzten, ohne hiemit
einen Erfolg zu erzielen. Es war 8 Uhr abends.
F.-M.-Lt Wohlgemut Ii hatte auf seinem Rückmärsche mit
dem vierten Korps etwa um 5 Uhr erfahren, dass Benedek heftig
angegriffen sei, daher er die Brigade Jablonowski zu seiner Unter-
stützung disponirte; allein das Vorrückeu des Feindes auch gegen
Puszta-Harkäly bestimmte den Fcldmarschall - Lieutenant mit seinem
ganzen Korps auf diesen Punkt der Entscheidung zu eilen und er
ertheilte demgeraäss an General Benedek den Befehl, falls er sich
nicht halten könne, den minder wichtigen und nunmehr isolirten
Punkt zu verlassen und sich auf Mocsa zurückzuziehen.
Nachdem auch die Kavallerie -Brigade Simbschen von den
Höhen der O-Szönyer Weingärten sich gegen Harkäly gewendet
1849.
571
hatte, so durfte die Brigade Bcnedek oline Gefahr abgeschnitten
zu werden, nicht länger in O-Szöny verweilen. Als nun General
Benedek seine Truppen fechtend und in bester Ordnung zurück-
zog, stürzte sich der Feind in das Dorf und suchte die Brigade zu
verfolgen, welche jedoch in ruhiger und geregelter Vertheidigung
denselben abwies, so dass er von der Verfolgung bald ganz ab-
stand und die Brigade ihren Marsch nach Mocsa unangefochten
fortsetzen konnte.
Der Kampf um die Behauptung des Ortes O-Szöny unter der
Leitung dieses tapferen und einsichtsvollen Generals war einer
der schönsten uud heissesten im ganzen Feldzuge.
Der Feind liess vor dem Orte 200 Todte und 80 Gefangene führte
die Brigade beim Rückzüge mit. Das vierte Korps lagerte nach
beendigtem Gefechte am Abende bei Mocsa.
Lieutenant Ad eis heim und vier Mann blieben todt auf dem
Felde der Ehre; Hauptmann Eliatschek, Oberlieutenant du Rieux
und Weil nebst sieben Mann wurden verwundet. Einer dieser Ver-
wundeten verlor durch eine Kanonenkugel den Fuss und wurde von
einem Oberarzt der Jäger verbunden. Als er beim Wegtragen den
abgeschossenen Fuss mitnehmen wollte und der Arzt fragte, zu was
er solchen brauche, er möge ihn liegen lassen, gab er kaltblütig
zur Antwort: »Was wird denn der Herr Hauptmann sagen, wenn
ich ohne meine neuen Schuh einrück?"
Hervorragend haben sich ausgezeichnet die beiden Hauptleute
Friedrich Benda und Ludwig Daguen; von der Mannschaft Ge-
freiter Franz St ix und Privatdiener Lorenz Fernhammer, ferner
Feldwebel Johann Roberiech ner, Kadet Karl Stadler, Korporal
August Lisch ka, Franz Schiffer, Gefreiter Johann Hof mann
und die Gemeinen Anton Fuchs, Gustav Czemy, Johann Winter-
meier, Kaspar Finter, Ferdinand Dussak, Leopold Köbel,
Lorenz Schöfböck, Josef Hönig, welche erstere beide mit der
silbernen Tapferkeits-Medaille erster Klasse, alle übrigen mit jener
zweiter Klasse dekorirt wurden. Feldwebel Karl Pich ler, Gefreiter
Gustav Minkovits, Gemeiner Johann Schneider und Josef
Ried er erhielten im Regiments - Tagesbefehl die belobende An-
erkennung ihrer Tapferkeit.
Lieutenant Bataillons -Adjutant Weil war im Dorfgefechte
verwundet worden. Der Gefreite Johann Swoboda des Regiments
572
1S4Ö.
Nr. 18 schützte ihn im heiligsten Kugelregen mit dem eigenen
Körper, verband die Wunde nach Möglichkeit und entfernte dann
den Verwundeten aus dem Schussbereiche, selben den Gemeinen
Josef Laisner und Johann K o u b a übergebend, welche ihn in die
links des Dorfes liegenden Gärten trugen. Bald drang der Feind
auch auf diesen Punkt vor und suchte die hier stehende Reserve
abzuschneiden. Ohne Aufforderung brachten die beiden Wackeren den
Blessirten ungeachtet der Ermüdung, in die der mehrstündige Kampf
sie bereite versetzt, auf den Verbandplatz, übergaben ihn hier und
eilten als brave Soldaten wieder in's Gefecht. Gefreiter Johann
S wob oda erhielt die silberne Tapferkeits - Medaille erster, die
Gemeinen Josef Laisner und Johann Kouba jene zweiter Klasse.
Das k. k. Hoflager und das Armee -Hauptquartier wurden am
3. Juli nach Babolna verlegt, von wo Se. Majestät der Kaiser, welcher
sich bei der Aflaire am vorigen Tage mit bewunderungswürdiger
Ruhe dem heftigsten Kanonenfeuer ausgesetzt hatte, über Raab nach
Wien zurückkehrte. Das vierte Korps marschirtc von Mocsa nach
Puszta-Cscm und stellte sich in enger Verbindung mit dem ersten
Korps bei Puszta-Harkäly und Csem auf. Ausser kleinen Patrouillen-
Gefechten hei bis zum 11. Juli nichts von Bedeutung vor.
Oberstlieutenant Albert Fürst rückte am 9., von Italien
kommend, beim Regimente ein und übernahm am 10. das Kommando;
Major Rottöe befehligte nun das erste, Major Baron Rüstel das
zweite Bataillon.
Am 10. Juli entsendete F.-Z.-M. Haynau zwei Brigaden
des dritten Korps über Acso- Galla nach Ofen -Pest, um sich dieses
wichtigen Punktes zu bemächtigen, von wo aus sie dann den auf
der Linie Erlau und Hatvan siegreich vorrückenden Russen die Haud
reichen oder gegen Süden Operiren konnten. Eine dritte Brigade
war zur Nachrückung bestimmt, welche am 11. sich über Moor
nach Stuhlweissenburg in Marsch setzte.
Der Feind hielt den Abmarsch des dritten Korps für den
richtigen Moment zu einem Durchbruchversuche der von der kaiser-
lichen Douauarmee nothwendig eingenommenen weiten Zerniruugs-
linie. Durch einen dichten Nebel begünstigt, dem später eiu starker
Regen folgte, brach der Feind am 11. Juli vormittags 10 Uhr mit
40.000 Mann, 7000 Pferden und 160 Geschützen aus seiner ver-
schanzten Stellung, welchen kaum 32- bis 34.000 Mann mit 176 Ge-
1M0.
573
schützen entgegengestellt werden konnten ; so sehr hatte die Cholera
die kaiserlichen Truppen dezimirt.
Der Kampf entbrannte zuerst auf dem liuken Flügel ; mehrere
feindliche Divisionen griffen den Acscr-Wald heftig an, wurden
aber vom ersten Korps Schlick mit gewohnter Tapferkeit empfangen.
Gegen das österreichiche Centrum war der Hauptangriff des Feindes
gerichtet. Zwei seiner Korps, wovon das eine gleichzeitig den Acser-
Wald umgehen sollte, griffen hier an. F.-Z.-M. Baron Hayn au
beorderte die nissische Division Panutine zur Vorriiekung nach Puszta-
Cs6m, das vierte Korps links von demselben auf die Höhen von
Puszta - Harkäly. Die (irenadier- Division Herzinger formirte sich
rechts, von vier Kskadrons in Stoffel gefolgt, zwischen Puszta-
Harkaly, wo die Brigade Benedek stand, und Puszta -Cs^m in
Schlachtordnung und rückte ungesäumt mit vorgezogenem rechten
Flügel vor, um die feindliche (Jeschützlinie, welche Puszta-Harkaly
heftig beschoss, in der linken Flanke zu fassen. Mittlerweile war
aber ein feindliches Korps auf dem von Uj-Szöny gegen Puszta-
Csem führenden Wege mit seiner Avantgarde, durch das trübe
Wetter, sowie durch die vorgeschobenen Batterien maskirt, bis nahe
an den rechten Flflgel der Division Herzinger gelangt. Einige
feindliche Landwehr - Bataillons hatten sich in dem wellenförmigen
Terrain herangeschlichen, verbargen sich in den hier liegenden Mais-
feldern, deren Frucht mannshoch stand und fielen nun überraschend
die Tete, nämlich das Bataillon Koudelka, der Division Herzinger
an. Das Bataillon stutzte, aber auf den Ruf , vorwärts" griff das-
selbe sogleich den Feind mit dem Bajonnet an, wobei sich die
Division Deutschmeister durch Herzhaftigkeit auszeichnete ; der Feind
rückte aber in Kolonnen vor, führte Batterien auf und umging die
Division in der rechten Flanke mit grösseren Kavallerie-Abtheilungen.
Die Division Herzinger, deren rechter Flügel ohne Anlehnuug war,
wich dann vor diesem überraschenden Gegenangriffe und ward
fechtend in eine Stellung zurückgezogen, welche sich links an die
Brigade Benedek, rechts an Puszta -Cseua lehnte.
Es war beiläufig 7,8 Uhr nachmittags, als diese Krisis der
Schlacht eintrat. Das erste und vierte Korps bildeten eine Linie,
auf deren linkem Flügel die Feinde den Acser-Wald in Besitz
genommen hatten und ihre Anstrengungen verdoppelten, um gegen
Acs selbst vorzudringen ; auf dem rechten Flügel des vierten Korps
574
waren sie ebenfalls mit Erfolg bis Csem vorgerückt und gingen nun
zum Sturm auf diesen Maierhof über. Die Schlachtlinie gestaltete
sich daher zu einem Bogen, dessen vorspringende Mitte die Brigade
Benedek, Regiment Deutschmeister, bei Puszta - Harkäly bildete. Auf
diesen Punkt richtete sich nun das konzentrische Feuer von fünf
Batterien mit beispielloser Heftigkeit. Die tapferen Truppen dieser
Brigade, beseelt durch den bekannten Heldenmuth ihres Führers,
wichen während mehreren Stunden des mörderischen Geschützkampfes
nicht einen Schritt aus ihrer exponirten, durch keinen Terraingegen-
stand gedeckten Stellung und imponirten dem Feinde derart, dass er
weder zu einem Bajonnet- Angriffe, noch zu einer Attaque mit seiner
zahlreichen Kavallerie überzugehen wagte. Von der Kavallerie-Batterie
Nr. 20 wurden viele Leute und Pferde getödtet, auch fünf Geschütze
demoutirt; Oberlieutenant Kühne und Kadet-Feldwebel Herdliczka
begaben sich freiwillig zu dieser Batterie uud als auch Freiwillige
des Regiments zur Geschützbedienung gerufen wurden, stellten sich
bedeutend mehr ein, als nöthig waren. Durch angestrengteste
Thatigkeit gelang es diesen braven Leuten mit den wenig übrig
gebliebenen Artilleristen, im heftigsten feindlichen Feuer drei demon-
tirtc Geschütze wieder brauchbar herzustellen und in eine solche
Position zu bringen, dass dem Fejnde, welcher schon auf sehr nahe
Distanz vorgerückt war, ein bedeutender Verlust beigebracht werden
konnte. Dem General Benedek, Oberstlieutenant F ü r s t und dem
Adjutanten Georg Fürst wurden die Pferde unter dem Leibe er-
schossen.
Durch diese heldeumüthige Sündhaftigkeit bat die Brigade
Benedek das erneuerte Vordringen der beiden Flügeln unserer
Schlachtlinie nicht nur erleichtert, sondern auch der noch nicht
in's Gefecht gebrachten Reserve die Zeit zur Mitwirkung verschallt
und auf diese Art die rasche Wendung des Kampfes ermöglicht.
F. - M. - Lt. R a m m i n g sagt in seinem Werke, über dieses
heroische Aushalten der Brigade:
„Wir bewundern stets mit erhebendem Gefühle die aus einem
„raschen und kühnen Angriffe entspringenden Thaten der Krieger;
„und doch ist es unläugbar schwieriger und heroischer, unter un-
günstigen Umständen, wo eine Reaktion momentan unmöglich wird,
„passiv auszuharren: das Gemflth entbehrt hier jenen zauberhaften
.Schwung, der sich fast immer des Stürmenden bemächtigt, von
1840
.Glied zu Glied durch Beispiel fortreisst und das Ziel erreichen
, macht, ehe das Bewusstsein der Gefahr vor die begeisterte Seele
.tritt."
Mit welchem Gleichmut!) als die Deutschmeister in diesem
Gefechte, in welchem der Tod in seinen entsetzlichsten Gestalten
an sie herantrat, sich benahmen, möge von den vielen Beispielen
nur eines hier seinen Platz finden. Eine Kanonenkugel reisst einem
Tambour den Czako vom Kopfe; lachend setzt er die Holzmütze
auf und als ihm bald darauf auch diese von einer Kanonenkugel
weggerissen wird, sagt er: .Jetzt sein alle hin, jetzt könnts mi
— gern haben.*
Während so die Bataillone Benedek's (Deutschmeister) eine
eherne Mauer bilden, an welcher alle Durchbruchsversuche des
Feindes zerschellen, stürmt F.-M.-Lt. Schlick, der nun alle seine
Kräfte entwickelt hat, den Aeser Wald und wirft nach einem
mörderischen Gefechte die eingedrungenen feindlichen Kolonnen aus
allen Waldtheilen wieder heraus. Gleichzeitig geht F.-M.-Lt. Baron
Wohlgemut!) mit der durch eine Zwölf- Pfünder- und Baketen-
Batterie verstärkten Division Herzinger entschieden zum Angriffe
über. Der Feind, durch die Batterien des vierten Korps heftig be-
schossen, geriet!) in Unordnung und wich zurück. Die Division
Herzinger rückt ihm rasch am Fusse nach. In diesem Augenblicke
erscheint P a n u t i n e mit seiner Division auf der Anhöhe von Puszta-
Csem gegen Kis-Igmänd und bewirkt seinen Aufmarsch; der Feind,
vom F.-M.-Lt. Wohlgemuth verfolgt, gerieth nun in den konzen-
trischen Angriff von drei Seiten, versucht es noch einmal sich zu
stelleu, aber es war zu spät! F.-Z.-M. Baron Hayn au ordnet nun
die Vorrückung der Division Panutine an und zwar rechts neben der
in Verfolgung des Feindes begriffenen Grenadier-Division Herzinger,
um den Feind in der Flanke zu fassen. Die Batterien richten ein
so mörderisches Feuer auf den bereits ausser Fassung gebrachten
Feind, dass er Höhe um Höhe verlässt und der Rückzug der Infanterie
in volle Flucht ausartet.
Gegpn 5 Uhr nachmittags verhallte das Feuer und der ge-
schlagene Feind zog sich unter den Schutz seiner Festungswerke
zurück. Die k. k. Armee umgab dieselben in einem grossen Halb-
kreise und blieb Iiis zur einbrechenden Nacht in dieser Stellung,
worauf sie mit verstärkten Vorposten ihre früheren Lagerplätze bezog.
570
1840.
Nach dem Gefechte sprachen der Korps-Kommandant F.-M.-Lt.
Baron Wohlgemuth und der Brigadier General Benedek dein
Regiment Deutschmeister das wohlverdiente Lob seiner Tapferkeit
aus; auch waren mehrere Generale herbeigeritten und beglück-
wünschten dasselbe zu dem erworbenen Ruhme. Ks war in der Armee
nur eine Stimme, dass die Brigade Benedek, dann ein Bataillon
Nassau und die Truppen Sehlick'a siel» die Palme des Sieges er-
rungen haben.
Lieutenant Christian Ohle wurde so schwer verwundet, dass
er schon Tags darauf starb, 1 Gefreiter und 19 Mann blieben todt
am Platze, 02 Mann waren verwundet, von welchen viele zu Babolna
und Raab in den Feldspitäleru ihren Wunden erlagen. Die neunte
Division in der Grenadier -Division Heranger hatte keinen Todten, ■
dagegen war der Hauptmann Divisions- Kommandant Baron Vogel-
sang von einer Kanonenkugel, 0 Mann schwer, 8 Mann leicht
verwundet.
General Benedek sagt in seiner Relation : „Bei der Wichtig-
keit meiner Stellung als Pivot beider zurückgewichenen Flügel bot
.ich alles auf, dieselbe zu erhalten, was jedoch nur mit einer
»Truppe, die mit ihrer Tapferkeit, unbedingten Gehorsam und
„Appel, sowie mit ihrem fröhlichen Muthe und ihrer Kriegslust
„sich den Würdigsten anreiht, ausführbar war", und F.-Z.-M. Baron
Hayn au: .Alle Truppen, angeeifert durch das glänzende Beispiel
„ihrer Führer, haben mit ausgezeichnetem Muthe und Tapferkeit
„gefochten. An der Ruhe und Ordnung, mit welcher sie unter dem
„heftigsten Kanonenfeuer wie auf dem Exerzierplatze manövrirten,
„erkannte man kriegsgeübte Truppen, die mit Siegesahnung in den
„Kampf gehen.*
Major Eduard K o 1 1 e e, Hauptmann Ludwig Baron Vogel-
sang, Oberlieutenant Friedrich Kühne und Lieutenant Ferdinand
Hof mann erhielten die Allerhöchste Zufriedenheit und dann später
das Militär- Verdienstkreuz. In der Relation des Regiments wurden
wegen hervorragender Tapferkeit genannt : Oberlieutenant Schwarz,
Lieutenant Georg Fürst und Ludwig J a n s k y, Korporal Lorenz
Edermaier, Johann Hofstadler, Gefreite Ignaz Haumer,
Michael Schill, Gemeine Franz Stangelmaier, Anton Bock,
Georg T r ö p t y, Heinrich H i n s e n, Mathias B i n d e 1, Michael
Stark, Franz Patzelt, Georg Hub er, Johann Bauer, Alois
577
Esner, Josef Janauschek, Franz Watzing, Josef Pilwein,
Anton Schaufler, Johann Hanusch ek, Josef Schneller,
Mathias Lehncr und Karl Z e i r i n g c r.
Am 12. Juli blieb die Brigade Benedek auf Vorposten, wurde
am 13. abends G Uhr abgelöst, bezog das Lager bei Pusta-Csem
und blieb hier den 14. Am folgenden Tage um 11 Uhr mittags
rückte die Brigade in der Insel Schritt Ober die bei Leväd gegen
Lei geschlagene Brücke und bezog bei Aranyos ein Lager. Den
IG. Juli wurde wieder nach Puszta - Harkaly zurückmarschirt und
die Brigade bezog abermals die Vorposten.
Görgey hatte mit drei Armeekorps 2G- bis 28.000 Mann
mit 140 Geschützen in der Nacht vom 13. auf den 14. nach Zurück-
iassung von 20.000 Mann die Festung Komorn verlassen. F.-Z.-M.
Baron Hayn au rückte nach Zurücklassung des ersten und zweiten
Armeekorps zur Zernirung Komorns, am IG. Juli mit der Donau-
Armee gegen Pest. Das vierte Korps marschirte am 17. Juli nach
Kocs und traf über Also-Galla 18., Bicske 10. und Buda-Eörs 20.,
am 21. in Pest ein, wo sich nunmehr im Lager östlich der Stadt
die ganze Donau -Armee mit Ausnahme der beiden vor Komorn
zurückgebliebenen Armeekorps sammelte.
Die russische Hauptarmee hatte einstweilen den ganzen nörd-
lichen Theil Ungarns erobert und sich mit der Donau- Armee am
12. Juli in Verbindung gesetzt, während die Streitkräfte des Feindes
in zwei Theile zersprengt, jeder isolirt, in divergirender liiehtung
gegen Norden und Süden in eiligem Rückzüge gegen die Theiss ihr
Heil suchen mussten.
F.-M.-Lt. Baron Wohlgemuth wurde zum Gouverneur in
Siebenbürgen ernannt und F.-M.-Lt. Fürst Lichtenstein über-
nahm das Kommando des vierten Korps; nach Abgang des G.-M.
P e r i n erhielt G. - M. Graf T h u n das Kommando der zweiten
Grenadier - Brigade in der Division Herzinger.
F.-Z.-M. Baron Haynau dirigirte nun die Donau -Armee in
drei Kolonnen zum Entsätze der hart bedrängten Festung Temesvär
gegen Szegedin. Das vierte Korps brach zuletzt am 24. Juli von
Pest auf, erreichte am 26. Czeghid, schob noch an demselben Tage
seine Avantgarde -Brigade Benedek nach Abony vor und Hess Streif-
kommanden bis Törtöl und Szolnok ziehen. Am 27. besetzte Benedek
mit einem Theile seiner Brigade (ein Bataillon Deutschmeister)
37
578
1*4».
Szoluok obne Widerstand und fand daselbst 22 zum Theil sehr be-
schädigte Lokomotive der Eisenbahn vor. Das Gros des vierten Korps
war am 27. nach N. Körös und am 28. in Kecskem^t eingerückt,
um sich mit der Hauptkolonne zu verbinden.
Wahrend des bisherigen Vorrilckens der Armee wurden die
k. k. Truppen, welche eine musterhafte Disziplin hielten, fast Überall
mit Bereitwilligkeit empfangen ; nur aus wenigen Ortschaften hatten
sich die Bewohner aus Furcht geflüchtet und kehrten allmälig wieder
zurück. Alle ausgesprengten Gerücht« vom Verschütten der Brunnen,
Verheeren der eigenen Saaten, Anzfiudeu der Häuser von Seite der
Landbewohner erwiesen sich als unbegrfludet. Das eigentliche Land-
volk verhielt sich selbst in den echt magyarischen Bezirken ganz
ruhig und nahm am Waffendienst nur gezwungen Theil. Es musste
daher um so mehr fiborraschen, als in der Stadt Csongräd ein Haufe
bethörter und fanatisirter Leute Venrath ausübten. Zwei Eskadrons
waren nämlich am 29. Juli in dieser Stadt eingerückt, wurden
plötzlich von vielen Bewaffneten unvermuthet angegriffen und es blieb
ihnen nichts übrig, da gleichzeitig auch der Feind mit Kavallerie
und Geschütz anrückte, um den Rückzug abzuschneiden, als sich
nach Felegyhaza zurückzuziehen. Auf die Meldung dieser Vorgänge
sendete der Armee -Ober -Kommandant am 30. Juli die ganze Gre-
nadier-Brigade Thun nach Csongräd, bei deren Annäherung nicht
nur die feindliche Kavallerie, sondern auch die Bewohner Csongräd's,
deren Zahl 20.000 beträgt, mit Ausnahme weniger die Stadt ver-
liessen und sich über die Theiss flüchteten. Die der Brigade bei-
gegebene Kavallerie rückte in die Stadt, während das Grenadier-
Bataillon Päszthory eine Rekognoszirung des Theiss - Ueberganges
bei Szentes vornahm. Die übrige Infanterie besetzte am 31. die
Stadt ohne Widerstand, aber nachmittags brach an sieben Stellen
zugleich Feuer aus und griff so mächtig um sich, dass die Brigade
für diese Nacht Csongräd räumte und erst am 1. August wieder
besetzte. Noch an diesem Tage erfolgte der Abmarsch der Grenadier-
Brigade Thun, mit Zurücklassung eines Bataillons in Csongräd, nach
Felegyhäza, am 2. nach Kis-Telek und am 3. nach dem von der
Hauptkolonne bereits besetzten Szegedin.
Die Brigade Benedek hatte sich am 30. bei Toszeg gesammelt,
rückte am 31. nach Uj-Kecske, 1. August Csongräd und am 2. bis
Kis-Tellek. Hier wurde die Mannschaft der beiden Bataillons mit
579
neuen Mänteln, Kitteln und Wäsche betheilt, denn dieselbe hatte
bereits seit längerer Zeit an reiner Wäsche empfindlichen Mangel
gelitten; auch waren die Uniformen sehr herabgekommen.
Am 3. marschirte die Brigade im Verein mit dem vierten
Korps gegen Szegedin, welches der Feind ohne einen Schuss räumte,
die Theissübergänge abbrach und nach Szflreg retirirte; nur seine
Arrieregarde, welche das liuke Theiss-Ufer bei Uj -Szegedin fest-
hielt, beunruhigte die Stadt Alt -Szegedin durch Geschützfener.
F.-Z.-M. Baron Hayn au schlug, gleichwohl schon am 3.
früh, sein Hauptquartier in dieser Stadt auf und beschloss, den Feind
unverzüglich aus Uj- Szegedin zu delogiren. Trotz der sehr starken
und wohl besetzten feindlichen Stellung übersetzte General Beue-
-dek an der Spitze des 12. Jäger- Bataillons auf Pontons den Fluss
mit glänzender Bravour. Die erston Jäger - Abtheiluugeu warfen sich
jubelnd auf die vom Feinde besetzten Häuser des jenseitigen Ufers,
nahmen sie in Besitz, eroberten eine Kanone und schlugen nun alle
Angriffe des Feindes ab, bis eine Grenadier -Division zur Unter-
stützung heranrückte. Oberhalb der Stadt fand dann noch ein lebhafter
Kampf um den Brückenkopf statt, bis auch dieser von den Oester-
reichern mit dem Bajonnet erstürmt ward.
Die Thätigkeit der Pionniere hatte den Brückenschlag in
2'/j Stunden vollendet, worauf gegen 3 Uhr die Brigade Dossen
übersetzte, in die Ebene debouchirte und sich in zwei Treffen
formirte.
Der forcirte Theiss-Uebergang bildete die strategische Ein-
leitung zur Schlacht bei Szöreg am 5. August. Die feindliche
Theiss -Armee hatte in der Nacht auf den 2. August das aus-
gedehnte verschanzte Lager vor Szegedin, auf dessen Widerstands-
fähigkeit der Feind grosse Hoffnungen gesetzt hatte, ohne einen
Schuss zu thun geräumt und sich nach Szöreg zurückgezogen. In
dieser sehr festen Stellung hatte der Feind 41.000 Mann mit mehr
als 100 Geschützen zum nachdrücklichsten Widerstand vereinigt.
Die Front war durch die sumpfige Beschaffenheit des Bodens und
durch einen hohen breiten Damm gedeckt, hinter welchem 50 Ge-
schütze, zumeist Zwölfpfünder, aufgeführt waren.
Dem Feinde lag alles daran, diese Stellung zu halten, um das
Debouchiren der Oesterreicher in die Ebene des Banate zu hindern
und um Görgey die Zeit einzuräumen, seine Vereinigung über
37*
580
1H40.
Arad zu bewirken; allein das Eintreten des ersten Korps am
4. August bei Mako veranlasste den feindlichen Kommandanten am
5. August um 12 Uhr mittags den allmäligen Rückzug Ober Be'ba
anzuordnen. Der Angriff der Oesterreicher an diesem Tage nach-
mittags erfolgte also eben zur günstigen Stunde, um noch die feind-
liche Armee zu treffen und ihr einen entscheidenden Schlag zu
versetzen.
Um 4 Uhr nachmittags war die k. k. Armee im Brückenkopfe
formirt ; die Brigade Benedek stand im ersten Treffen links von der
Araderstrasse, im zweiten Treffen die Grenadier - Division Herzinger.
Die hier vereinten Heerestheile hatten eine Stärke von 25.000 Mann,
worunter bei 5000 Mann Kavallerie mit 160 Kanonen.
Auf dem linken Flügel debouchirten zuerst die zwei ZwÖlf-
pffindcr-Batterien Nr. 9 und 10 des vierten Korps aus dem Brücken-
kopf, fuhren rasch bis auf 800 Schritte an die feindlichen Ver-
schanzungen heran und eröffneten das Feuer, während alle übrigen
Batterien des vierten Korps successive nachfolgten und sich rechts
von den ersteren formirten. Gleichzeitig mit den genannten zwei
Zwölfpfünder - Batterien ruckte die Brigade Benedek (Regiment
Deutschmeister) mit überraschender Schnelligkeit, dnreh den Strassen-
damra gedeckt, mit der Kavallerie - Batterie Nr. 20 und einer Ra-
ketefbatterie an der Spitze, längs der Maros bis an den Strassen-
bug zunächst der feindlichen Verschanznng vor. Zwei Mann des
Regiments wurden bei dieser Gelegenheit schwer verwundet.
Auch auf dem rechten Flügel debonchirte die ganze Geschütz-
Reserve und rückte gleichzeitig mit den Batterien des vierten Korps
vor. Die Bewegung dieser Geschützmasse von lö'/s Batterien geschah
unter der Leitung des Artillerie - Generals H a u s 1 a b mit solcher
Präzision und Schnelligkeit, dass alle Batterien gleichzeitig in einem
weiten Halbkreise vor den feindlichen Verschanzungen auffuhren und
ihr Feuer eröffneten. Der Feind erwiderte dasselbe sehr lebhaft,
besonders gegen den vorgeschobenen linken Flügel, überschoss aber
meist die im steten Vorrücken begriffeneu Batterien und als diese
in ihrer umfassenden Bogenlinie eingefahren waren, beschossen
unsere 09 Geschütze durch ihr wohlgezieltes Feuer derart die feind-
liche Artillerie, dass sie allmälig in ihrem Feuer nachlie s, dann ganz
verstummte und ihren Abzug begann. Tausendstimmiger Jubel der
Truppen lohnte unsere brave Artillerie für diese eminente Leistung.
1H49.
581
Nun rückte die Infanterie zum Sturme vor, um das zu vollen-
den, was die Artillerie so ausgezeichnet vorbereitet hatte. Die Brigade
Benedek bildete die Tete, welche längs dem mit Auen bedeckten
Ufer der Maros eine Jäger - Kompagnie, welcher zwei Kompagnien
Deutschmeister als Unterstützung folgten, kotoyirte. Rechts, als
Echelon folgte die Brigade Jablonowski, dieser die Grenadier-Division
Herzinger in zwei Treffen formirt, endlich noch weiter rechts eine
Brigade Hussen.
Die Brigade Benedek, welche nach abermaliger Verwundung
ihres tapferen Generals jetzt vom Oberst Siegenthal befehligt
wurde, fand die Verschanzung bereits vom Feinde verlassen; nicht
„ so die Brigade Jablonowski, welche rechts von dieser zum Sturm
schritt und der als Unterstützung die Grenadier - Brigade Thun auf
dem Fusse folgte. Einige feindliche Landwehr -Bataillons mit einer
Batterie hielten hier noch die Mitte des Dammes, um den Abzug
der Geschütze zu decken und schlugen den ersten Angriff ab, der
nur von den zwei vordersten Kompagnien mit Verwegenheit unter-
nommen worden. Als aber drei andere Kompagnien als Unterstützung
folgten, wurde der Sturm sogleich erneuert, der Feind mit dem
Bajonnet vom Damm vertrieben und ihm zwei Geschütze abgenommen.
Der Kampf auf diesem Theile des Schlachtfeldes hatte kaum zwei
Stunden gedauert und schon war der Schlüssel der Stellung in
unseren Händen. Nun erfolgte noch ein Reitergefecht, welches mit
dem Rückzüge der geschlagenen feindlichen Huszaren endete.
Das Dorf Szöreg, welches von den Einfällen der Serben in
einen Schutthaufen verwandelt war, liess sich, rechts au die Maros
gestützt, mit seinen vortheilhaft erhöhten Punkten dennoch ziemlich
gut vertheidigen ; aber der Feind war bereits am eiligen Rückzug
und nur seine Arrieregarde schien sich hier halten zu wollen. F.-M.-Lt.
Fürst Lichtenstein liess nach kurzer Beschiessung das Regiment
Deutschmeister zum Sturm vorrücken. Der Feind wartete aber auch
diesen nicht ab, sondern floh in der Richtung auf Dessk, wohin ihn
Kavallerie-Abtheilungen der Brigade verfolgten und einige Hunderte
Gefangene machten.
Nach beendigtem Kampfe rückte die Avantgarde Brigade
Benedek über Szöreg hinaus auf dem Wege von Zombor und
schob ihre Kavallerie bis gegen Dessk vor. Die Grenadier -Division
Herzinger besetzte Szöreg und bezog hinter dem Dorfe das Lager.
582
Die Schlacht von Szöreg war kurz aber von grosser Ent-
scheidung, denn sie verschaffte der österreichischen Armee nicht nur
den freien Eintritt in das Banat, sondern führte am folgenden Tage
die Vereinigung mit dem dritten und ersten Korps, folglich der
ganzen Armee herbei. Die Trophäen bestanden in sechs eroberten
Geschützen und in 3 bis 400 Gefangeneu, deren Zahl aber bei der
Verfolgung der nächsten zwei Tage anf mehrere Tausende stieg.
Allenthalben blieben in den hohen Maisfeldern Nachzügler zurück,
welche die Waffen streckten.
Vom Regiment, welches in dieser Schlacht mit Enthusiasmus
in's Feuer gegangen war, blieben die Gemeinen Mathias Bauer
und Ignaz Hammer todt, 10 wurden schwer verwundet.
Mit tiefer Trauer nahm die Brigade von ihrem tapferen Führer
General Benedek, welcher durch eine Granate am Fusse ver-
wundet war, Abschied. Unter seiner Führung war das Regiment als
das Erste in Raab eingedrungen, focht tapfer den isolirten Kampf
bei O-Szöny, trug aufopfernd mit aller Ausdauer durch mehrere
Stunden das Gewicht der Schlacht am 11. Juli, stürmte Szöreg, den
Schlüssel der feindlichen Stellung, und hatte seinen alten Ruf von
Zenta her, eines der tapfersten Regimenter der ruhmgekrönten öster-
reichischen Armee zu sein, nach dem öffentlichen Ausspruche hervor-
ragender Generale, mit neuen Lorbeeren geschmückt. Die Brigade
übernahm Oberst Siegenthal von Karl Chevauxlegers.
Den 6. August rückte das vierte Korps nach Zombor, den 7.
nach St. Miklos, und den 8. nach Paszak vor. Das Grenadier-
Bataillon Koudelka, dabei die 9. Division blieb als Besatzung in
Szegedin, wo dann auch die ranzionirten Grenadiere einrückten.
Am 9. vereinigte sich das vierte Korps über Kn£z, bei Hodony
mit den übrigen gegen Temesvar vorrückeuden Armeetheilen. Die
Avantgarde - Brigade Siegenthal ward bis Merzidorf vorgeschoben,
um die allenfalls von Temesvar gegeu Arad abziehenden feindlichen
Truppen und Transporte anzugreifen und abzufangen. In der Nähe
des Ortes angekommen, stiess sie hier auf eine, zwei Bataillons
und vier Eskadrons starke feindliche Abtheilung, warf sie zurück
und war ebeu im Begriffe, sie zu verfolgen, als F.-M.-Lt. Fürst
Lichtenstein daselbst erschien und die Brigade gegen St. Andreas
zur Theilnahmc an der siegreichen Schlacht bei Temesvar führte.
Der Kampf war bereits auf allen Punkten entbrannt und die früher
184».
583
nach St. Andrds beorderte Division Herzinger hatte die Feinde
bereits gegen die Waldungen zurückgedrückt, als nach ihrem Ein-
treffen die Brigade Siegenthal östlich vom Orte auf der Arader-
Chauss£e vorgezogen wurde, um den Nyäräd-Bach im Rücken der
feindlichen Stellung zu überschreiten. Diess steigerte die Verwirrung
der feindlichen Infanterie so sehr, dass ihr Rückzug in regellose
Flucht ausartete. Einige Huszaren - Regimenter suchten zwar ihre
Infanterie zu decken, wurden jedoch durch die Batterien des Korps
in ein so mörderisches Kreuzfeuer genommen, dass sie jeden Wider-
stand aufgaben. Das vierte Korps überschritt hierauf den Nyärad-
Bach und rückte gegen den Jagdwald vor, wobei die Brigade
Siegenthal gegen den nördlichen Rand desselben disponirt war.
Das richtige Eintreffen des vierten Korps am Kampfplatze hatte
die Schlacht entschieden. Am Abende lagerte Oberst Siegenthal
bei Kovacsi.
Der Verlust des Regiments bestand in 2 Todten, 6 Verwun-
deten und 7 Vermissten vom Feldwebel abwärts; die Letzteren
waren vor Erschöpfung zurückgeblieben, denn das Regiment hatte
fünf Meilen zurückgelegt, war von Früh morgens unter den Waffen
und mehrere Stunden im heissesten Kampfe ohne Speise und bei
der brennenden Sonnenhitze ohne Tropfen Wasser.
Zur Auszeichnung einzelner Individuen war wenig Gelegenheit
vorhanden, da die Schlacht eigentlich nur aus einem grossen Ge-
schützkampf, begleitet von einzelnen Reitergefechten bestand.
Am 10. August erliess F.-Z.-M. Baron Haynau folgenden
Armeebefehl: .Soldaten! die von Euch auf dem beschwerlichen
.Marsche von Pest hieher überstandenen Entbehrungen und Müh-
seligkeiten, die blutigen Kampfe an der Theiss und Maros, und
.der gestrige harte zwölfstündige Kampf sind von dem glänzenden
»Erfolge des Entsatzes von Temesvär gekrönt worden. Ihr werdet
.schon aus diesem Erfolge den Lohn für alle von Euch mit der
.männlichsten Ausdauer und Un Verdrossenheit erduldeten Beschwerden
.und Gefahreu finden, ihn aus Eurer eigenen Brust schöpfen können.
.Ihr seid die Befreier jener Helden geworden, die durch eine drei-
„ monatliche Belagerung schon hart bedrängt, vielleicht bald wegen
.Mangel dem traurigen Loose verfallen wären, Rebellen als ihre
.Sieger anerkennen zu müssen. Ihr habt durch die Schnelligkeit
.Eurer Märsche, welchen die Kriegsgeschichte wenige gleiche zur
584
„Seite zu stellen vermag, durch Eure Tapferkeit das wichtigste
„ Bollwerk Nieder-Ungams gerettet.
, Soldaten! Unser geliebter ritterlicher Kaiser wird diese Enere
„Thaten anerkennen, Euer Lob aus seinem Munde ist, wie ich weiss,
„der höchste Lohn, nach dem ihr strebet. Ich, der Zeuge Eueres
„Muthes, Euerer Beharrlichkeit, kann Euch nur meinen Dank sagen
„für die freudige Bereitwilligkeit, womit Ihr meine Befehle bei jeden,
„selbst den schwierigsten Anlässen vollzogen habt. Ich drücke er-
neuert meine Erwartung aus, dass Ihr die gleiche Ausdauer und
„Tapferkeit auch in der weiteren Folge dieses Krieges bewähren
„und dadurch denselben seinem baldigen ruhmwürdigen Ende zuführen
„werdet."
Am 10. August wurde die Armee zur raschen Verfolgung des
total geschlagenen Feindes wieder in Bewegung gesetzt. Das vierte
Korps rückte nach Gyarraäth und unterhielt die Verbindung mit dem
ersten Korps über Vinga, dann am 12. von Gyarmäth nach Janova,
um das dritte Korps in der linken Flanke zu unterstützen. Es traf
auf keinen Widerstand, nachdem der Feind schon vor Tagesanbruch
die Orte Janova und Jassvie verlassen hatte, schob sogleich die Avant-
garde - Brigade Siegenthal bis Hernyakora vor und entsendete Streif-
parteien bis Thes, dann über Bencsek und Fibisch gegen Allicos.
Am 13. Hess Haynau die vorgeschobenen Heerestheile in
ihren Aufstellungen, weil die wiederholten Versuche Görgey's, die
Maros zu übersetzen, vielleicht das Entgegenrücken mit einem Theile
der Hauptarmee auf Lippa erheischen konnte. Aber der letzte Ver-
such des Feindes wurde am 12. früh von den Truppen des ersten
Korps bei Lippa zurückgewiesen und so blieb Görgey, dem die
Russen auf dem Fusse folgten, nichts übrig, als mit 23.000 Mann
und 130 Kanonen in der Ebene von Szöllös, unweit Vilägos, vor
dem dritten russischen Korps die Waffen zu strecken.
Um die feindliche Stellung bei Kissettf anzugreifen, setzte sich
das vierte Korps am 14. wieder in Bewegung, rückte um 4 Uhr
von Janova nach Hernyakora und Lukarecz, mit der Avantgarde bis
Zusanorecz. Der Feind setzte der Avantgarde des dritten Korps nur
eiueu geringen Widerstand entgegen und zog sich eiligst gegen Lugos
zurück. Um ihn auch von hier zu vertreiben, rückte das dritte
Korps am 15. gegen diese Stadt vor, während das vierte Korps
nach Kostil marschirte, um den auf Lugos dirigirten Heerestheileu
1840.
585
als Unterstützung zu dienen. F.-M.-Lt. Fürst Lichtens tein hatte
schon früh morgens die Brigade Siegenthal über Perul nach Hezeris
dirigirt, um den Angriff des dritten Korps zu unterstützen. Diese
Brigade erschien auf den Anhöhen von Hezeris eben in dem Augen-
blicke, als der Feind bei Poganjest seine zweite Position bezog.
Fürst Lichtenstein Hess nun die Brigade sogleich von Hezeris
auf die Facseter-Strasse herabrüeken, um den Feind in der Flanke
zu fassen; allein das Erscheinen der an der Tete murschirenden
Bataillone Deutsehmeister reichte schon hin, den Gegner zum eiligen
Rückzug bis Bossur zu bewegen.
Am 17. rückte die Division Herzinger nach Facset, wahrend
ein Theil der Brigade Siegenthal, das erste Bataillon Deutschmeister,
6 Eskadronen und 1 Batterie von Rakitta aus nach Birkis in das
Maros-Thal entsendet wurde, um das dorthin geflüchtete feindliche
Korps Vecsey aufzusuchen und zu verfolgen. Als die Avantgarde
dieser Kolonne auf den Anhöhen vor Birkis ankam, entdeckte man
die Kolonnen des feindlichen Korps, welches bei Soborcin die Maros
überschritten hatte und sich über Töt-Värad längs dem Flusse
hinabzog. Die Kavallerie eilte bis an den Fluss vor und zwang durch
einige Kanonenschüsse den Train zum Halten, worauf eine Eskadron
Huszaren und 2150 Wagen in Beschlag genommen wurden. Die
Kavallerie setzte die Verfolgung eifrig fort und fand über Slatina
hinaus sämmtliches Geschütz ohne Bespannung; viele Huszaren und
Landwehr, welche umherlagerteu streckten die Waffen. 71 Geschütze,
62 Munitionskarren und 1200 Gefangene fielen dem Kommando in
die Hände. Der Rest des feindlichen Korps streckte am 20. August
mit 7440 Mann, 1007 Pferden und 2 Geschützen auf Gnade und
Ungnade die Waffen.
Die Division Herzinger erreichte am 18. August Kossova; die
beiden Bataillons des Regiments wurden der Brigade Simbschen
zugetheilt und marschirten in Doppelmärschcn aus dem Maros-Thal
über Facset und Lugos gegen Karansebes. Der Feind hatte in der
Nacht vom 18. zum 19. diesen Ort verlassen und zog sich flucht-
artig nach Obresca auf der Hätseger Strasse zurück. Die Avant-
garde besetzte sofort am 19. früh ohne Kampf Karansebes und
unterbrach die Verbindung mit jenem feindlichen Korps, welches nach
Mehadia floh und hier am Abende desselben Tages mit 3000 Mann,
000 Reitern und 36 Geschützen die Waffen streckte. Die Brigade
586
1H4D.
rückte am 21. bis Zaguzsen vor und entsendete Streifkommandos
nach allen Richtungen, um die zahlreich herumirrenden zersprengten
feindlichen Abtheilungen gefangen zu nehmen, von welchen sich
übrigens die meisten selbst stellten, um der Rache des erbitterten
Landvolkes zu entgehen.
F.-Z.-M. Baron Hayn au erliess am 18. August nachstehenden
Armee -Befehl:
« Soldaten! Es ist für mich ein erhebendes Gefühl, heute am
« glorreichen Geburtsfeste unseres geliebten Kaisers und Herrn, Euch
»verkünden zu können, dass der grösste und schwierigste Theil
« unserer Aufgabe im gegenwärtigen Kriege, ja dieser selbst seinem
«Ende zugeführt ist. Mit der unbedingten Unterwerfung und Ent-
waffnung der Rebellen - Armee des Görgey, der Besitznahme der
„Festung Arad, mit der Flucht der anderen Insurgentenkorps, welche
«völlig aufgelöst, ohne Munition und Lebensmittel von unseren
«tapferen Truppen bereits an der Grenze Siebenbürgens verfolgt
«wurden, kann die Macht der Rebellen nunmehr als gebrochen au-
sgesehen werden. Soldaten! Dieser in unerhört kurzer Zeit erreichte
«Sieg ist das Werk Euerer Tapferkeit, Eueres Gehorsams, Euerer
«unverdrossenen Beharrlichkeit in Ertragung aller Mühen des Krieges.
«Mit Stolz dürft Ihr auf die glänzenden Früchte Euerer Leistungen
«blicken, sie gewannen Euch gerechten Anspruch auf den Dank des
«Vaterlandes, die Anerkennung aller Völker, dio ihre Beglückung
«in Achtung vor dem Gesetze, in sittlicher Freiheit und Ordnung
«suchen; die Geschichte wird es der Nachwelt bewahren, dass Euere
«Treue, Euere Tapferkeit und Ausdauer, österreichischer Krieger
«würdig ist. Unseres erhabenen Monarchen Liebe für sein Heer,
«dasselbe seit dem ersten Augenblick seiner glorreichen Thronbe-
«steigung durch so viele huldvolle Beweise stets beglückend, wird
»nach diesen Eueren glänzenden Thaten in Seinem ritterlichen und
«heldenmüthigen Vaterherzen noch tiefere Wurzeln fassen, denn diese
, Thaten bringen ihm die Gewähr des ersehnten Friedens Seiner
«Völker, sie umstrahlen Seine Kriegsbanner mit neuem Ruhme.
«Meinen Dank Euch mit Worten auszudrücken, vermag ich
«um so weniger, als mir der grosse Umfang jener Leistungen und
«Mühen stündlich vor Augen schwebt, die ich Euch aufzubürden,
«um des grossen Zweckes willen, gezwungen war. So erkennt denn
«meinen innigsten Dank in der Versicherung, dass ich überglücklich
1819.
587
Jim. meine kühnsten Erwartungen durch Eueren guten Willen,
„ Gehorsam, Standhaftigkeit und Tapferkeit übertroffen gesehen zu
„habeu. Den väterlichen Absichten unseres allverehrten Kaisers
,und dem ewigen Gesetze edler Krieger gemäss, werdet Ihr nun
„dein unglücklichen Brudervolke, dessen feindlich erhobene Waffen
„Ihr geschlagen, durch Euer Benehmen beweisen, dass wir als be-
freundete Mitbürger zu seinem eigenen Wohle das Land betreten
«haben. Strenge Disziplin ist eine ebenso grosse Kriegertugend als
„Muth und Tapferkeit."
Sr. Majestät der Kaiser belohnte wenige Tage darauf das Heer
durch nachstehende Worte des Dankes:
»Mein tapferes Heer hat sich neue unvergängliche Verdienste
,uin Mein Haus uud das Vaterland erworben.*
„Die Gefahren, womit Aufruhr und Verrath den Bestand des
»Reiches bedrohten, sind besiegt und Euren muthigen Thaten, Eurer
„heldenmüthigen Ausdauer wird es die Wiederkehr des Friedens
„und die Eintracht im Innern, die Kräftigung seiner Macht nach
„Aussen zu verdanken haben.'
„Söhne aller Stämme des Keiches haben den Brüderbund, der
„sie umschlingt, in den Reihen Meines glorreichen Heeres mit ihrem
„Blute neu besiegelt und im edlen Wetteifer Oesterreich's alten
„Kriegsruhm äusseren und inneren Feinden gegenüber, glänzend
„bewährt. Soldaten! Euer Kaiser dankt Euch im Namen des Vater-
„laudes; Ihr werdet Euch stets gleich bleiben, der Stolz und die
„Zierde Oesterreich's, die unerschütterliche Stütze des Thrones und
„der gesellschaftlichen Ordnung.*
.Schönbrunn, 23. August 1849."
„Franz Joseph m. p."
Das Grenadier - Bataillon Müller bestand vor Mehadia, wo
wieder eine versprengte feindliche Abtheilung Posto gefasst hatte,
am 23. ein kleines Gefecht, da dieses Bataillon ganz isolirt war,
wurde das erste Bataillon Deutschmeister, welches an diesem Tage
bis Teregova gerückt war, nach Mehadia befehligt. Der feindliche
Kommandant suchte einen achttägigen Waffenstillstand an, um sich
vonGörgey's Waffenstreckuug zu überzeugen, verliess aber in der
Nacht den Pass, zog gegen Orsowa und setzte sich eine Meile vor
diesem Orte, bei dem Schlüssel von Koramik neuerdings fest, um
588
1S40.
den Uebergang der Flüchtenden über die Donan in das türkische
Gebiet zu decken. Am 24., noch bevor die Avantgarde von Deutsch-
meister ihn einholen konnte, verliess auch die letzte Abtheilung
des Feindes den österreichischen Boden, um sich in den Schutz der
Türkei zu begeben, welche die Flüchtlinge etwa 1800 Mann ent-
waffnen und nach Widdin abfahren Hess.
Der Regimentsstab mit dem ersten Bataillon, dem das zweite
am folgenden Tage folgte, setzten sich am 1. September mit den
beiden Rakettenbatterien Nr. 22 und 26 von Karansebes nach Pest
stationatim über Lugos, Teraesvär, Szegedin in Marsch und erreichten
am 22. Ofen, wo dieselben Quartiere bezogen. Die neunte Division,
welche in Szegedin garnisonirte, hatte diese Stadt am 7. September
verlassen und war am 10. in Szolnok eingerückt, wo sie bis
20. verblieb, dann mit der Eisenbahn bis Pest fuhr und sich in
Ofen mit dem Regiment vereinigte. Die Grenadier-Division, so weit
sie sich in Szegedin formirt hatte, blieb in Szolnok im Bataillon
Haymann, wurde mit den aus den Feld - Bataillonen ausgesuchten
Leuten wieder kompletirt und rückte im November nach Pest.
Oberstlieutenant Hranaky war am 1. August in den Ruhe-
stand getreten, und Major v. Meinong in seine Stelle zum Oberst-
lieutenant vorgerückt; Major Baron Rüstel wurde mit Allerhöchster
Entschliessung vom 10. September mit dem Major Julius Graf
Pöttin g des Regiments Nr. 33 verwechselt.
Gegen Ende September erhielt das Regiment die Weisung
vor Komorn zu rücken. Vor dem Abmärsche fand am 30. September
vor dem auf der Generalswiese en Parade ausgerückten Regiment
die feierliche Vertheilung der Tapferkeits-Medaillen an jene Braven
statt, welche bei den verschiedenen Schlachten bereits namentlich
angeführt erscheinen. Der Korps - Kommandant F. - M. - Lt. Fürst
Lichtenstein bellete jedem einzelnen Mann die wohlverdiente
Medaille persönlich an die tapfere Brust und äusserte sich in
Gegenwart der anwesenden Generalität und seines Stabes: „Ich
„habe in mehreren Schlachten Regimenter kämpfen gesehen, auch am
.11. Juli vor Komorn das Regiment Deutschmeister und muss sagen :
„Sr. Majestät unser allgeliebtester Kaiser hat kein
„Regiment, welches besser und tapferer kämpft, als
,ich es von diesem Regimente dort gesehen habe!*
1M9.
589
Wie bekannt, war das vierte Bataillon des Regiments unter
Major v. M e i n o n g bei der Vorrückung der Donau-Armee gegen
Raab in Tyrnan zurückgeblieben, erhielt anfangs Juli die Einteilung
in die Brigade G.-M. Pott, brach am 11. Juli von Tyrnau auf,
vereinigte sich zu Szered an der Waag mit der Brigade und wurde
zu Streifungen nach Neutra und Mocsonek zur Abnahme der Waffen
verwendet. Hierauf rückte die Brigade zur Cernimng vor Koraorn,
erreichte am 10. Neuhäuscl und am 20. stellte das Bataillon die
Vorposten gegen Baics bis Bagota und O-Gyula aus.
Am 27. rückte das Bataillon im Verbände der Brigade nach
St. Peter zur engeren Cemirung der Festung vor, und wurde von da
mit einem Zug Ublanen nach Het<5ny auf die äusserste Vorpostenlinie
detachirt. Die Brigade Pott mit 5 Bataillons, 2 Eskadrons und
6 Geschützen befand sich nun in der Division des F.-M.-Lt. Fürsten
Colloredo, zweites Korps F.-M.-Lt. Baron Csorich, IG Bataillons,
6 Escadrons in der Starke von 11 — 12.000 Mann, 1300 Reiter
und 75 Geschütze. Der Feind in der Festung verfflgte über 22 Ba-
taillons, 12 Eskadrons und GO Feld -Geschütze; auf den Wällen
befanden sich 310 Stück. Die unverhältnissmässige Schwäche des Cer-
nirung8- Korps blieb dem Feinde nicht lange unbemerkt und er
beschloss die Offensive gegen die einzelnen Theile desselben und
zwar zuerst gegen die Brigade Pott zu ergreifen.
Am 29. Juli abends um 11 Uhr rückte der Feind mit 10 Ba-
taillous. G Eskadrons und 24 Geschützen aus der Festung nach
Path, sammelte sich daselbst und ging am 30. mit Tagesanbruch
in drei Kolonnen zum Angriffe über. Seine Absicht war, die Brigade
Pott in beiden Flanken zu umgehen, von Neuhäusel abzuschneiden,
gefangen zu nehmen oder aufzureiben.
General Pott, der sich auf den ersten Allarm zu dem in
Hete*ny stehenden vierten Bataillon Deutschmeister begeben hatte, kon-
zentrirte, als er die Richtung der feindlichen Angriffs -Kolonnen
übersehen hatte, seine Truppen zwischen Hetäny und St. P£ter und
zog sich fechtend bis zu der von ihm für solche Fälle fürgewählten
Position auf den Höhen zwischen Bagora und St. P6ter zurück, wo
das vierte Bataillon Stellung nahm und so lange den energischesten
Widerstand leistete, bis die in Kurtakeszi und Marczalhäza gestan-
denen zwei Bataillons mit einem Geschütz und den Uhlanen heran-
gekommen waren.
500
Noch zweimal nahm das vierte Bataillon wahrend dem weiteren
Rückzüge auf den Höhen Stellung und dieser Kampf währte (Iber
eine Stunde vorzüglich mit Geschützen, bis die erwähnten Bataillons
diese Höhen ebenfalls erreichten, worauf General Pott durch das
Vorrücken einer feindlichen Kolonne auf der Strasse nach 0 - Gyula
für seine rechte Flanke und Rückziigslinie besorgt, sowie gegen die
feindliche Uebermacbt jeden ferneren Widerstand für zwecklos er-
kennend, den Befehl zum Rückzug gegen Bajts gab.
Dieser wurde in bester Ordnung angetreten, dann das vor
Bajts liegende Wäldchen mit der zehnten Division Deutschmeister
besetzt und durch 1'/, Stunden tapfer vertheidigt. Ja diese brave
Arrieregarde ging sogar momentan zur Offensive über, griff eine
feindliche Sturmkolonne mit dem Bajonnet an und warf sie zurück.
Hauptmann Johann Linke wurde bei dieser Gelegenheit verwundet.
Im heftigsten feindlichen Feuer wurde sofort der Uebergang
über die Zsitva bei Bajts und Tiber den einig«1 100 Schritte weiter
Hiesseuden Abzugskanal bewirkt, sodann die Brücke durch den Ober-
lieutenant E c k h e r mit einigen Zimmerleuten und Kanoniers ab-
getragen und verbrannt, wobei er durch das Feuer einer halben
Batterie protegirt wurde. Zimmermann Josef Peingere r, welcher
bald einen Schuss erhielt, legte doch weiter Hand an die gefähr-
liche Arbeit und forderte seine Kameraden zum muthigen Ausharren
auf. Dieser Brave erhielt die silberne Tapferkeit^ -Medaille erster
Klasse ; Oberlieutenant Leopold E c k h e r, dessen Umsicht, Tapfer-
keit und Ausdauer überhaupt die Zerstörung der Brücke im feind-
lichen Feuer zu danken war, die Allerhöchste Zufriedenheit und in
Folge deren dann das Militär- Verdienstkreuz.
Kaum war die Brücke zerstört und der weitere Rückzug an-
getreten, traf auch die feindliche rmgehungskolonnc von Uj-Gyula
zum Glück etwas verspätet bei Bajts ein ; General Pott hielt mit
der aus 3 Kompagnien, 1 Eskadron und G Geschützen gebildeten
Arrieregarde auch dieses Detile'e noch eine längere Zeit und setzte
sodann seinen Rückzug, vom Feinde nur eine kurze Strecke ver-
folgt, nach Neuhäusel fort.
Der Verlust des vierten Bataillons in diesem sieben bis acht-
stündigen Kampfe bestand in 20 Todten oder schwer Verwundeten
und 82 Vermissten. Diese letzteren waren theils an der Cholera
erkrankt, theils verwundet oder erschöpft zurückgeblieben, in feind-
1S49.
591
liehe Gefangenschaft oder hilflos umgekommen, denn nach dem
Frieden kehrten nur wenige zurück. Ausser Hauptmann Linke
war auch Lieutenant Bataillons - Adjutant Josef Kaufmann ver-
wundet.
Major Anton Meinong v. Hau d schlich sheim erhielt für
die umsichtige Leitung und Tapferkeit die Allerhöchste belobende
Anerkennung und in Folge deren das Militär - Verdienstkreuz. Feld-
webel Karl Grillen 1) erger, Zimmermann Franz Jung, Gefreite
Ernst Paska und Johann Doblitzky, Gemeine Anton Schwein-
hof er und Karl Gell hofer, welche durch besondere Tapferkeit
hervorleuchteten , sammtliche die silberne Tapferkeit«? - Medaille
zweiter Klasse.
Am 31. entsendeten die Feinde, welche in Bajts stehen
geblieben, Streifkolonnen gegen Surany in Flanke und Kücken der
Brigade Pott und wollten Tags darauf auch gegen Neuhäusel vor-
rücken, um so die Brigade von zwei Seiten anzugreifen. General
Pott marschirte aber in der Nacht auf den 1. August in der Stille
von Neuhäusel nach Csike und weiter bis Tardosked, indem er die
gegen Surany entsendete feindliche Streifkolonne selbst abzuschneiden
beabsichtigte. Der Feind, seine Absicht vereitelt sehend, zog sich
hierauf mit dem grüssten Theile seiner Truppen wieder in die
Festung zurück. General Pott rückte am 3. August wieder nach
Neuhäusel vor und sollte wieder die frühere Stellung bei Hcteny
einnehmen, als der Feind mit allen disponiblen Kräften einen Aus-
fall machte und das schwache Cernirungs-Korps sprengte, wodurch
die Vorrückung der Brigade Pott unterbleiben musste. Als am
4. August der Feind seine Vorrückung gegen Raab fortsetzte, zogen
sich die Cernirungs-Truppen an diesem Tage bis Nyarasd und Gutta
zurück, räumten auch die Schütt, marschirten am 5. bis Szerdahelv
und am 6. bis Waltersdorf und Bruck, wo sie stehen blieben. Die
Brigade Pott hatte ebenfalls den Befehl zum Rückzüge hinter die
Waag und Pressburg erhalten, wurde aber in Dioszeg zum Halten
und Wiederbesetzen der Waaglinie beordert.
Das k. k. Kriegsministerium hatte gleich nach den Vorfällen
bei Komorn, den F. - M. - Lt. Grafen Nobili mit den in Wien und
Konkurrenz disponiblen Truppen nach Ungarisch -Altenburg gesendet.
Unter diesen Truppen befand sich auch das zweite Landwehr -Ba-
taillon des Regiments, welches im Februar in Krems errichtet worden
592
1*49.
und seine Offiziere theils vom Regiment, theils aus dem Pensions-
stand erhalten hatte. Zum Kommandanten war der Major Friedrich
Ferari da quada des Regiments Nr. 45 ernannt, welcher aber
nicht eiurOckte und daher Hauptmann Pengg ad interim das
Kommando führte, bis Major v. Adelsberg eintraf. Am 10. Mai
war dasselbe mittelst Dampfschiff von Krems nach Wien gefahren,
wurde am 12. nach Aderklaa und in die nächsten Ortschaften im
Marchfelde verlogt, fibernahm am IG. Juni die Ueberwachung der
ungarischen Orenze längs der March von ihrem Eiuflusse in die
Donau bis Hohenau und blieb hier bis zum obangeffihrten Marsche
im Korps Nobili nach Ungarisch -Altenbnrg.
Am 10. August war dieses Korps im Lager bei üngarisch-
Altenburg und Wieselburg eingetroffen und wurde in das zweite
Korps einverleibt. Am 14. traf der Kriegsminister F.-M.-Lt. Graf
Gyulay im Hauptquartier zu Karlburg ein und fibernahm das
Kommando des zweiten Korps. Am 15. August wurde vorgerückt,
während der Feind auf die Nachricht von der Schlacht bei Temesvär
und gänzlicher Auflösung der Armee schon am 13. Raab verlassen
und sich nach Komom zurfickgezogen hatte. Am IG. wurde Raab
besetzt, am 20. nach Acs marschirt, am Csoncsa-Bach Stellung
genommen und der feindliche Kommandant zur Uebergabe der
Festung aufgefordert, was zur Abschliessung eines 14tägigen Waffen-
stillstandes ffihrte. Die Brigade Pott (vier Bataillone) marschirte am
3. September in die Schfitt, lagerte bei Vasarkut, später bei Ekel
und versah bis IG. den Vorpostendienst.
Nach langwierigen Unterhandlungen erschien F.-Z.-M. Baron
Hayn an am 26. September persönlich bei der Belagerungs-Armee
und am folgenden Tage waren nach einer zweistündigen Unterredung
mit der aus der Festung erschienenen Deputation die Kapitulations-
Bedingungen festgestellt und auch unterfertigt. Am 3. Oktober zog
die Besatzung ohne Waffen ab, wohin sie wollte, die Oesterreicher
besetzten die Festung und damit hatte dieser unheilvolle Krieg, in
welchem das Regiment Hoch- und Deutschmeister zu seinem alten
Ruhme von Ausdauer, Hingebung und Heldenmuth neue Lorbeeren
gewunden hatte, ein Ende.
Das zweite Landwehr - Bataillon war am 10. September nach
Oberlaa, Rothneusiedl, Schwechat und Klederling marschirt; am 24.
ging die 29. und 30. Kompagnie nach Wien ab und hatte in der
1H41).
593
Gumpendorfer Kaserne die vielen Transenen und Gefangenen zu über-
wachen. Das Regiment war am 1. Oktober von Ofen aufgebrochen
und stationatim nach Komorn marschirt, wo dasselbe am 6. ein-
rückte ; auch das vierte Bataillon war von Aranyos abmarschirt und
vereinigte sich am selben Tage in Komorn mit dem Regiment.
Die Soldaten waren vorerst bei den Borgern untergebracht,
denn die Gebäude der Festung waren in einem Ekel erregenden,
nicht zu beschreibenden Zustande. Alles war zerstört und unwohnbar
gemacht, Fenster und Thürstücke aus den Mauern gebrochen, die
Fussböden aufgerissen, verfaulte Kadaver lagen in den mit Unrath
gefällten Zimmern. Die Reinigung der beschmutzten Bettfornituren
war ebenso schwierig, wie die der Lokalitäten. Die Mannschaft hatte
zur Lagerstätte Stroh und als Decke dieute nur der Mantel.
Das zweite Landwehr-Bataillon vereinigte sich am 12. Oktober
in der Kaserne zu Kaiser- Ebersdorf.
Oberstlieutenant Albert Fürst avancirte mit Allerhöchster
Entschliessung vom 13. Oktober 1849 zum Obersten und Regiments-
Kommandanten , Hauptmann Anton Appel erhielt mit jener vom
17. Oktober bei seinem Uebertritt in den Ruhestand den Majors-
Charakter ad honores.
Das erste Landwehr-Bataillon, welches die Regiments-Geschichte
Ende des Jahres 1848 in Verona verlassen hat, erhielt im Monat
Jänner 1849 die Eintheilung in die Brigade G.-M. v. Schönhals,
Division F.-M.-Lt. Fürst Taxis, rückte am 13. von Verona ab, kam
am 18. in seiner neuen Garnison Bergamo an und sendete ein
Streifkommando von 50 Mann unter Lieutenant Möker nach Mar-
tinengo und Romano, um in jenen Gegenden die öffentliche Sicher-
heit zu wahren.
Die mit Sardinien abgeschlossene Waffenruhe war zu wieder-
holten Malen verlängert und beiderseits zu Rüstungen verwendet
worden. Die österreichische Armee in Italien zählte anfangs März
1849 nahezu 120.000 Streiter mit 340 Geschützen. Die glänzenden
Leistungen im letzten Feldzuge hatten die moralische Kraft der
Armee sehr gesteigert. Die Truppen waren gut geschult, von Treue
und kriegerischem Geiste beseelt, so dass die Aufkündigung des
Waffenstillstandes, am 12. März mit Blitzesschnelle verbreitet, mit
38
594
1*49.
wahrem Jubel und Begeisterung; von den österreichischen Kriegern
aufgenommen wurde. Die ganze Armee, vom greisen Feldmarschall
bis zum jüngsten Soldaten, trug das Vorgefühl des Sieges zur Schau!
Das hoflnungsgrflno Feldzeichen aufgesteckt, zogen die Truppen
durch die Strassen ihrer Garnisonen und brachten unter den Klängen
des Volksliedes dein Kaiser und ihrem Feldherrn begeisterte Hochs.
Folgender denkwürdiger Armeebefehl verkündete die Thatsache :
„Soldaten! Euere heissesten Wünsche sind erfüllt: der Feind
„hat uns den Waffenstillstand aufgekündigt. Noch einmal streckt
„er seine Hand nach der Krone Italien 's aus; doch er soll erfahren,
„dass sechs Monate nichts an Eurer Treue, an Eurer Tapferkeit,
„an Eurer Liebe für filtern Kaiser und König geändert haben. Als
„Ihr aus den Thoren Verona's auszogt, und von Sieg zu Sieg eilend,
„den Feind in seine Grenzen zurücktriebt, gewährte Ihr ihm gross-
„mflthig einen Waffenstillstand; denn er wollte den Frieden unter-
handeln, so sagte er, doch statt diesem hat er sich zu neuem
, Krieg gerüstet. Wohlan denn, auch wir sind gerüstet! Den Frieden,
„den wir ihm grossmfithig geboten, wollen wir in seiner Hauptstadt
„erzwingen. Soldaten! der Kampf wird kurz sein; es ist derselbe
„Feind, den ihr bei Santa Lucia, bei Somma Campagna, bei Custozza,
„bei Volta und vor den Thoren Mailand'* besiegt habt. Gott ist
„mit uns, denn unsere Sache ist die gerechte.
„Auf also, Soldaten! Noch einmal folgt Eurem greisen Führer
„zum Kampf und Siege! Ich werde Zeuge Eurer tapfern Thaten
„und es wird der letzte frohe Akt meines langen Soldatenlebens
„sein, wenn ich in der Hauptstadt eines treulosen Feindes die Brust
„meiner wackeren Gefährten mit dem blutig und ruhmvoll errungenen
„Zeichen ihrer Tapferkeit werde schmücken können.
„Vorwärts also, Soldaten! nach Turin lautet die Losung; dort
„finden wir den Frieden, um den wir kämpfen. Es lebe der Kaiser!
„es lebe das Vaterland!
„Hauptquartier Mailand, am 12. März 1840.
Graf Kadetzky m. p., Feldmarschall.*
Diese schwungvollen Worte steigerten noch mehr die Be-
geisterung der Armee, das Losungswort Turin entflammte vollends.
Das Landwehr - Bataillon, anfangs sowie alle übrigen Land-
wehren als Besatzungstruppe bestimmt, erhielt am 15. März den
1S49.
595
Befehl am folgenden Tage aufzubrechen. Unbeschreiblich war hierüber
der Jubel, nun auch der operir enden Armee anzugehören. In das dritte
Armeekorps F.-M.-Lt. Baron Appel, Truppen - Division F.-M.-Lt.
Fürst Thum und Taxis und Brigade G. -M. Graf Thun ein-
geteilt, war es nebst jenem von Nr. 20 das einzige Landwehr-
Bataillon, welches dem zu eröffnenden Feldzuge beigezogen wurde.
Die operirende Armee, in vier Annce- nnd ein Reserve-Korps
eingetheilt, zahlte 58.000 Streiter mit 18G Geschützen, unter Kom-
mando des F.-M. Graf Kudetzk y; jene des Feindes 98.000 Streiter
mit 150 Geschützen, unter dem Oberbefehl Karl Albert's, Königs
von Sardinien.
Das dritte Korps stand um Brescia und Bergamo und erhielt
den Befehl, sich am 17. in Lodi zu konzentriren. Diesem gemäss
setzte sieh das Landwehr- Bataillon am IG. unter schmetternder
Feldmusik und dem Jubel der Truppen in Bewegung, rückte bis
mittags 1 Uhr in gedrängte Kantonnirung zu Cassano und am 17.
nach Lodi, wo die Vereinigung mit dem Korps stattfand. Am 18.
setzte die Brigade den Marsch über Columbano fort und erreichte
zu Mittag auf der Strasse nach Pavia Chiogolo am Po, wo das
Bataillon die Vorposten bezog. Am 19. mittags 12 Uhr marsehirte
das Bataillon im Verbände der Division auf der Hauptstrasse nach
Pavia über liinaldo, Corte Olona und Belgiojoso bis vor St. Donino,
wo um 9 Uhr abends das Bivouak bezogen wurde. In der Nacht
wüthete ein heftiger Orkan bei empfindlicher Kälte. Tags darauf
war bei Pavia die ganze, zum Operiren bestimmte Armee ver-
sammelt. Mit dem zwölften Glockenschlage der Mittagsstunde,
welcher den Ablauf des Waffenstillstandes verkündete, ertönte der
Ruf „Vorwärts! nach Turin!" aus jedem Munde des dicht in Massen
zusammengedrängten Heeres. Der Feldmarschall Hess die Truppen
mit klingendem Spiele vor seinem Absteigequartier, auf dessen
Balkon er trat, zu den Brücken vorbeiziehen. Der Anblick des
geliebten Führers wirkte elektrisirend ; ein Jubelruf war es, den
Alle, vom Generalen bis zum einfachen Soldaten, ihm zujauchzten!
Ein Wunsch beseelte die ganze Armee: zu siegen oder zu sterben!
Gleich den Kriegern des Alterthums zog das Heer wie zu einem
Freudenfest in den gerechten Kampf. Die überraschende Vereinigung
bei Pavia hatte das Vertrauen in die geistvolle Führung Radetzky's,
so wie die Siegeszuversicht in der Armee noch erhöht.
38*
r.oo
Der üebergang Ober den Ticino begann; das zweite Korps
bildete die Tete, ihm folgte nachmittags gegen 3 Uhr das dritte
Korps. Die Stellung von la Cava wurde nach unbedeutendem Wider-
stande genommen und beide Korps setzten ihren Marsch Ober Car-
bonara nach Cropello fort. Das erste Korps lagerte hei Zerbolo,
das vierte bei la Cava, das Reserve- Korps vor Oraveltone; eine
zusammengesetzte Truppen - Division blieb als Rückendeckung in
Pavia. Durch dieses rasch ausgeführte Manöver war bereits die
feindliche Linie durchbrochen, ihr rechter Plflgel, die Heerestbeile
jenseits des Po, von der Hauptmacht getrennt und diese in der
rechten Flanke umgangen.
Um die nämliche Stunde, als das österreichische Heer über
Pavia hereinbrach, hatte der König von Sardinien mit einem Theile
seines Heeres den Ticino bei Magenta überschritten und fand zu
seinem grössten Erstaunen den Weg nach Mailand frei. Als abends
die Nachricht von dem Uebergange Radetzky's bei Pavia ein-
laugte, berief der König den bei Magenta übergangenen Heerestheil
schleunigst zurück und ertheilte den Befehl zur Konzentrirung bei
Vigevano und Mortara.
Unter den Jubelchören »1er Regimentsmusiken begrüsste die
kaiserliche Armee die aufgehende Sonne des 21. März nach einer
eisig kalten Nacht und setzte nach dem Abkochen ihren Marsch in
der Richtung auf Mortara fort; das erste Korps gegen Gambolo,
das zweite und dritte, gefolgt vom Reserve -Korps, über Garlasco
nach Trumello; das vierte über Domo und St. Giorgio. Das erste
Korps drückte den Feind nach lebhaftem Widerstande bis St. Siro,
Gambolo und Sforsezza bis Vigevano zurück und bestand hier einen
glänzenden Kampf gegen drei feindliche Divisionen, wahrend das
zweite Korps bei Mortara gegen die erste und Reserve -Divisionen
des feindlichen Heeres einen herrlichen Sieg erfocht, 6 Kanonen
und 10 Munitionskarren eroberte und gegen 3000 Feinde ausser
Gefecht setzte. Das erste Korps lagerte nachts bei Gambolo, das
zweite bei Mortara, das dritte bei Trumello, das vierte bei St. Gior-
gio und das Reserve - Korps bei Cropello.
Am 22. morgens setzte sich die Armee um 11 Uhr vormittags
in der Richtung von Novara neuerdings in Bewegung. Das erste
Korps erreichte an diesem Tage Cillavegna, das zweite und dritte
sowie das Reserve- Korps rückten dagegen auf der Strasse von
1840.
597
Morton gegen Novara vor. Das zweite lagerte vor Vespolate, seine
Avantgarde bei Carbagna; das dritte und Reserve-Korps, das erstere
eine Miglie hinter Vespolate, das letztere aber vor Mortara. Das
vierte Korps rückte Aber Robbio an die Agogna, wo es lagerte und
in nahe Verbindung mit dem zweiten trat.
Am 23. März um 10 Uhr vormittags nach dem Abkochen
brach die Armee auf. In Ungewissheit über die Rückzugsbewegungen
des Feindes disponirte der Feldmarschall das zweite Korps, gefolgt
vom dritten und Reserve-Korps gegen Novara ; das erste und vierte
gegen Bergo - Vercelli in paralleler Richtung gegen die Rückzugs-
linie des Gegners, um sich nach Umständen auf Vercelli oder
Novara wenden zu können.
Die Piemontesen hatten sich von Vigevano und Mortara nach
Novarra zurückgezogeu und hier ihre Streitkräfte, 60.000 Mann mit
122 Geschützen, in einer sehr vortheilhaiten Stellung konzentrirt.
F.-Z.-M. Baron d'Aspre war morgens 10 Uhr nach dem
Abkochen mit dem zweiten Korps, der vorgeschobensten Spitze der
Armee auf dor Strasse gegen Novarra aufgebrochen. Die Truppen-
Division F.-M.-Lt. Erzherzog Albrecht bildete die Avantgarde. Es
war beiläufig um 11 Uhr vormittags, als vor dem Orte Olengo die
äusserste Avantgarde des Erzherzogs auf den Feind stiess, der die
Hohen rechts und links besetzt hielt. Allsogleich entspann sich ein
heftiges Plänklerfeuer, das neunte Jäger-Bataillon warf die Bersag-
lieri zurück und F.-Z.-M. d' A s p r e formirte zu beiden Seiten der
Strasse die Angriffs - Kolonneu. Erzherzog A 1 b r e c h t übernimmt
links der Strasse selbst die Leitung des Gefechtes und es gelingt
ihm trotz dem Kreuzfeuer der piemontesischen Batterien, bis Villa-
Visconti vorzudringen. Allein König Karl Albert, welcher
düsterer Vorahnungen voll sich an diesem Tage jeder Gefahr aus-
setzte, führt die tapferen Brigaden Savoyen und Savona persönlich
in's Gefecht, welche die Gehöfte bis Gravalotta wieder erstürmen
und die linke Flanke des Erzherzogs bedrohen. G.-M. Graf Stadion
rückte hier zur Unterstützung vor, worauf der Erzherzog so-
gleich wieder den Angriff auf den in den vorliegenden Häusern
sich festgesetzten Feind unternahm, welcher aber ebenso wie der
folgende, trotz der ausgezeichneten Tapferkeit der Truppen, durch
das an Zahl überlegene und verheerende feindliche Geschützfeuer
misslang.
508
1H49
Beim Beginn des Kampfes war eiue Seiten-Kolonne in die
rechte Flanke des Feindes detachirt worden, welche um diese Zeit
bei Torrione-Quartera erschien und durch ihre kühnen Angriffe den
Feiud an seinem Vorhaben, unseren linken Flügel zu umgehen, mit
aller Kraft verhinderte.
In dieser äusserst schwierigen und verzweifelten Lage der
Front der Schlachtlinie, in welcher Offiziere und Mannschaft die
grösste Aufopferung bewiesen, sendete F. -M.-Lt. Graf Schaf f-
gotsch noch zwei Bataillone in die erste Linie, allein auch ihr
muthiger Angriff scheiterte an der Festigkeit der feindlichen Stellung.
Mit der grössten persönlichen Anstrengung und der treuen Hilfe
seiner Umgebung sammelte und ordnete der tapfere Erzherzog
seine Truppen, um mit ihnen die äussersten südlichen Häuser zu
halten und Verstärkungen abzuwarten. Zugleich traf die Kunde ein,
dass die Seiten-Kolonne von grosser feindlicher Uebermacht gedrängt,
in ein sehr gefährliches Gefecht verwickelt wäre. Nun erhielt nur
der Heldenmuth und die Aufopferung des Erzherzogs Albrecht
und die Standhaftigkeit seiner wenigen erschöpften Truppeu, unter-
stützt von zwei tapferen Batterien diese Stellung, gegen welche
der Feind dann keinen weiteren Angriff wagte.
In derselben Zeit, als der Kampf auf dem linken Flügel der
Division Erzherzog Albrecht so heilig eutbrannte, war G.-M. Graf
Ko low rat gegen den linken Flügel des Feindes vorgedrungen.
Zweimal stürmte er an der Spitze seiuer Truppen die stark besetzte
Casine Castelazzo, doch ward er jedesmal durch die Uebermacht
des Feindes gezwungen, diese zu verlassen. Mit zwei angelangten
frischen Bataillonen wird der Sturm wiederholt, Castelazzo genommen
und der Feind stürmend gegen Forsada verfolgt, woselbst jedoch
durch die l ebermacht des Feindes dem weiteren Vorgehen neuer-
dings Einhalt gelhan wurde. Der Feiud ergriff nun hier eine gross-
artige Offensive und draug mit solcher Uebermacht vor, dass sich
die Bataillone zurückziehen mussten, ja der Feind drang sogar bis
an das Dorf Olengo vor, welches aber die Tiroler Kaiser -Jäger
auf das heldcumüthigste vertheicligten und dem schon siegreichen
Feinde durch ihre über jedes Lob erhabene Todesverachtung ein
kralliges Halt boten.
Es war gerade in diesem kritischen Momente, 2'/2 Uhr nach-
mittags, als von dem Feldmarschall angefeuert, das dritte Korps
184Ü.
500
mit 14 Bataillonen, dabei Landwehr Deutschmeister anlangte, um
das mit aller Anstrengung fechtende und erschöpfte zweite Korps
zu unterstützen.
Die Truppen - Division F. - M. - Lt. Graf Lichuowsky bildete
die Spitze und wurde gleich nach ihrem Eintreffen auf beiden Flügelu
des zweiten Korps v ertheilt. Die Truppen - Division Fürst Taxis
blieb als Rückhalt hinter der Mitte in Divisions- Kolonnen neben der
Strasse formirt, um das Eintreffen des Reserve - Korps abzuwarten.
24 Geschütze fuhren vor und eröffneten ihr Feuer gegen die feind-
liche Schlachtlinie.
Drei Bataillone mit einer Batterie rückten auf den linken Flügel.
Mit seltener Kühnheit griffen diese todesmuthigen Truppen den weit
überlegenen Feind mit dem Bajonnet an und obwohl das mörderische
feindliche Feuer verheerend dagegen wirkte, wurde derselbe bald
geworfen. Auf dem rechten Flügel der Schlachtlinie waren die kaiser-
lichen Truppen, nachdem sie ebenfalls drei Bataillone des dritten
Korps zur Unterstützung erhalten hatten, rasch über Olengo vor-
gedrungen, hatten den Hof Forsada mit Sturm genommen, vertrieben
den Feind aus allen seinen Stellungen und bedrohten hart seine
linke Flanke. Endlich wurde das letzte Dorf vor Novara, Biccoca
siegreich mit Sturm genommen und so der Feind noch in der dunklen
Nacht bis an die Thore uud Wälle von Novarra getrieben.
Das vierte Korps war gegen G Uhr abends in der rechten
Flanke des Feindes erschienen uud beschleunigte durch seine Angriffe
dessen allgemeinen Rückzug. Die bereits eingetretene Duukelheit,
welche bei einem starken Regen bald in gänzliche Finsterniss über-
ging, machte die Fortsetzung des Kampfes unmöglich und die
Truppen des zweiten, dritten, vierten und Reserve -Korps, welch'
letzteres auch gegen Abend auf dem Schlachtfelde eingetroffen war,
lagerten in ihren Gefechtsstellungen. Radetzky ritt mit seinem
Stabe nach Vespolate.
Die Schlacht von Novarra war glänzend gewonnen ; der
23. März 1840 steht mit goldenen Lettern in der Geschichte Oester-
reich's. Der fünftägige Feldzug, beispiellos iu der Geschichte wegen
seiner kurzen Dauer, die Art seiner Führung und grossen Erfolge
war beendet. F.-M. Graf Radetzky spricht sich bezüglich der
Leistungen der k. k. Truppen in seinem Berichte vom 24. März an
den Minister-Präsideuten Fürsten Schw arzenberg folgendermasseu
600
1SI9.
aus: „Ich kann bei diesen Kämpfen nur mit gerührtem Herzen die
„Ergebung für Sr. Majestät Dienst und die an höchste Begeisterung
„grenzende Tapferkeit meiner würdigen Generale, der tapferen Offiziere
„und der Mannschaft meines tapferen Heeres erwähnen. Jeder Einzelne
„war ein Held. Um gerecht zu sein, müsste Ich eigentlich alle nennen;
„denn der tapfere Einklang von oben herab war der gerechten Sache
„würdig. Ich wünsche Sr. Majestät Glück zu so einem Heere. Viribus
„unitis war der Wahlspruch dieser Schlacht. Niemand war zu halten,
„man wollte nicht nur allein nicht der Letzte, man wollte überall
„der Erste sein."
Der Verlust des Landwehr-Bataillons bestand nur in zwei todten
Gemeinen, da dasselbe in der Reserve - Stellung verbleiben musste.
Am 25. März sprach F.-M. Graf Radetzky den Truppen
mittelst nachstehendem Armee-Befehl seine dankende Anerkennung
ihrer Leistungen aus:
„Soldaten! Ihr habt Euer Wort rühmlich gelöst, Ihr habt einen
„Feldzug gegen einen Euch an Zahl überlegenen Feind begonnen
„und in fünf Tagen siegreich beendet. Die Geschichte wird Euch
„den Ruhm nicht streitig machen, dass es keine tapferere, keine
„treuere Armee gibt, als diejenige, deren Oberbefehl mir raein Herr
„und mein Kaiser anvertraute.
„Soldaten! Im Namen des Kaisers und Vaterlandes danke ich
„Euch für Euere tapferen Thaten, für Euere Hingebung, für Euere
„Treue. Mit trübem Blicke weilt mein Auge auf den Grabhügeln
„unserer im rühmlichen Kampfe gefalleneu Brüder, ich kann an die
„Ueberlebenden mein dankbares Wort nicht richten, ohne mit Rührung
„der Todten zu gedenken.
„Soldaten! Unser hartnäckigster Feind K arl Albert ist vom
„Throne gestiegen; ich habe mit seinem Nachfolger, dem jungen
„Könige einen Wartenstillstand geschlossen, der uns Bürgschaft für
„den baldigen Abschluss des Friedens gewährt.
„Soldaten! Mit Jubel hat uns, Ihr wäret Zeuge davon, das
„Land unseres Feindes empfangen, das in uns Retter von Anarchie
„und keine Unterdrücker erblickte. Ihr werdet diese Erwartungen
„rechtfertigen und durch Beobachtung strenger Manuszucht der Welt
„beweisen, dass Oesterreich'« Krieger ebenso furchtbar im Kampfe
„wie ehrenhaft im Frieden sind, dass wir gekommen sind, um zu
„erhalten, nicht um zu zerstören. Ich baue auf Euch. Ich sehe den
1KI9.
601
„Namen jener Tapferen entgegen, die sich besonders auszeichneten,
„um ihre Bmst mit dem rühmlich errungenen Zeichen der Tapfer-
keit entweder sogleich schmücken, oder mir dieselben von Seiner
.Majestät dem Kaiser erbitten zu können.*
Die Gemeinen Karl Klein und Josef Katzert erhielten die
silberne Tapferkeits-Medaille zweiter Klasse ; ersterer hat einen ver-
wundeten Hauptmann eines anderen Truppenkörpers mit der höchsten
Gefahr aus den Gewühle der Schlacht getragen, letzterer war von
einer Patrouille abgekommen, mit einer anderen Truppe bis an die
Mauern von Novarra gerückt und hatte sich hervorragend tapfer
benommen.
Bis 26. März blieb das Landwehr - Bataillon im Bivouak vor
Novarra bei St. Martino. Am 27. trat es mit dem dritten Korps den
Bückmarsch nach Magenta, am 28. nach Mailand an. Von hier rückte
dasselbe am 29. nach Stessalora, 30. Rho und am 31. nach Monza.
Noch am Tage der Schlacht von Novara hatte sich in Brescia
das Gerücht verbreitet, die kaiserliche Armee sei in Piemont gänzlich
geschlagen worden und in voller Flucht begriffen. Diess war das
Signal für diese Stadt sich zu erfrechen, die Fahne des Aufruhrs
aufzupflanzen, dafür aber auf eine Weise gezüchtiget wurde, wie sie
es verdiente. Hier hatten sich gegen Ende März nahe bei 2000 In-
surgenten eingefunden, welche die Beamten zur Flucht zwangen und
eine revolutionäre Junta einsetzen. Die Besatzung des Castells war
zu schwach, um die fremden Eindringlinge abzuwehren oder die
Empörung niederzuhalten und so begann die Pöbelherrschaft ihr
Wirken mit Misshandlung und Gefangennehmung einzelner Offiziere
und Soldaten, von welchen viele, die sich im Spitale krank befanden
oder nicht in das Castell flüchten konnten, auf die grausamste Art
ermordet wurden.
Das dritte Korps hatte die Bestimmung erhalten, in Brescia
Ordnung zu machen und traf am 1. April spät in der Nacht vor
der Stadt ein. Allein F.-M.-Lt. Baron Haynau hatte am näm-
lichen Tage bereits mit einer schnell kouzeutrirten Brigade die Stadt
nach einem äusserst hartnäckigen, 25 Stunden fortgesetzten Wider-
stande mit Sturm genommen. Vergeblich hatte Haynau die
Empörer zur Niederlegung der Waffen aufgefordert, vergeblich die
ihnen hiezu gewährte Frist um mehrere Stunden verlängert; man
antwortete mit Sturmgeläute und dem lebhaftesten Feuer von allen
002
Thürmen und Dächern gegen das Castell. Die DeniQihigung folgte
auf dem Fusse, aber erst in Blut und Flammen konnte der Auf-
stand unterdrückt werden.
Am 2. April zog das Landwehr- Bataillon in die Stadt ein.
Die Truppen blieben in den Kasernen konsignirt, die Thore wurden
besetzt und durch Patrouillen die verborgenen Insurgenten auf-
gegriffen. Gemeiner Josef Kötzer, welcher im dortigen Armee-
spitale kommaudirt war, hatte sich besonders tapfer und muthvoll
benommen und wurde hiefür vom Feldmarschall mit Erlass vom
4. Juni belobt.
Den schönen Schluss des glorreichen Feldzuges bildete der
Dank des Kaisers an seine Armee, welchen der Feldmarschall im
nachstehenden Armeebefehle verlautbarte.
„Seine Majestät der Kaiser und König haben mir mit Aller-
, gnädigstem Handschreiben vom 3. d. M. (April) die Allerhöchste
«Zufriedenheit über die Siege ausgesprochen, die wir unter dem
„ Schutze des Allmächtigen jüngst erfochten haben. „.Sagen Sie
„„ Meiner tapferen Armee (das sind die Worte des Kaisers), dass
„„sie sich in Meinem Herzen ein unvergängliches Denkmal der Liebe
„„und Dankbarkeit errichtet hat.'"' Seine Majestät fügen die für
„mich so höchst schmeichelhaften Worte bei: „„aus dem Munde
„„ihres würdigen Feldherrn wird sie diesen Ausspruch am liebsten
„„vernehmen.4"4 Soldaten! mit Stolz erfülle ich diesen Allerhöchsten
„Befehl; denn Euerer Treue, Euerer Tapferkeit verdanke ich die
„Zufriedenheit meines Kaisers. Lasst uns hoffen, dass der entflohene
„Frieden und mit ihm liuhe und Glück bald wieder in das schwer
„geprüfte Vaterland zurückkehren, werden. Sollten jedoch die Stürme,
„die es heimgesucht, noch nicht ausgetobt haben, so sind wir heute
„wie jüngst bereit den letzten Blutstropfeu für einen geliebten
„Kaiser, für deu liuhm, die Ehre und die Einheit des Vaterlandes
„freudig zu verspritzen. Das sind meine, das sind Euere Gesüi-
„nungen; Ihr habt sie mir auf so manchem Schlachtfeld gelobt und
„bis jetzt treu und ehrlich erfüllt."
Die Brigade Oberst Graf Thun verliess schon am 3. April
Brescia und rückte nach Palazollo, am 4. nach Bergamo, verblieb
hier bis 8. und marschirte dann wieder nach Brescia zurück.
Im Einklänge mit dem im Monate April im Grossherzogthume
Toscana vordringenden zweiteu Anneckorps sollte auch im Kircheu-
IM».
003
Staate eine entsprechende Heeresabtheilung Ober Bologna gegen
Ancona operiren. Die von der Anarchie durchwühlten römischen
Provinzen unter die Herrschaft ihres legitimen Souveräns zurück-
zuführen, den Wiederaufbau der gesellschaftlichen Ordnung anzu-
bahnen und eine geordnete Verwaltung wieder herzustellen, war der
Zweck der von der kaiserlichen Regierung beschlossenen Intervention.
Die Lösung dieser schwierigen Aufgabe wurde dem F.-M.-Lt.
Franz Graf Wim pffen übertragen und zu diesem Ende eine Armee-
Division unter dem Titel: „detaehirte Division in der Romagna*
unter seine Befehle gestellt, in welcher das Landwehr -Bataillon
Deutschmeister in der Brigade Oberst Graf Thun mit 2 Bataillons
des Regiments Nr. 3, der 6pfündigen Fussbatterie Nr. 23, 6 Ge-
schütze, einer halben Pionnier-Kompagnie mit einer halben Brücken-
Equipage und einer Sanitäts- Abtheilung ihre Eintheilung erhielten.
Das Landwehr -Bataillon brach am 29. April von Brescia auf
und marschirte nach Potisella, wo sich die Brigade sammelte und
bezog liier enge Kantonnirungen. Für den 6. Mai war der Beginn
der Operationen befohlen, daher das Bataillon am 5. nach Maria
Maddalena marschirte, mit Tagesanbruch des 0. den Po überschiffte,
mit der zweiten Division die Strasse nach Ferara besetzte uud die
übrigen Kompagnien in die rechte und linke Flanko zur Beobachtung
der Strassen nach Casaglia und Ivancoliuo aufstellte. In dieser
Stellung erwartete das Bataillon das Regiment Nr. 3, welches erst
um 9 Uhr den Po passirte. Nach geschehener Passirung des Flusses
marschirte die Brigade ohne auf den geringsten Widerstand zu
stossen, direkt nach Ferrara, wo sie auf dem Glacis der Citadelle
ein Lager bezog.
Tags darauf, den 7. Mai, setzte die Brigade den Marsch nach
Cento fort, bivouakirte bei diesem Orte bis 12 Uhr nachts, um
welche Zeit wieder aufgebrochen und gegen Bologna vorgerückt
wurde. Eine vorgesendetc Kavallerie - Patrouille fand die Porta
galliera orten, welche aber bei ihrem Anrücken geschlossen und da
die Reiter von deu Bolognesern mit Flintenschüssen von den Wällen
begrüsst wurden, befahl der Brigadier das Thor mit Kanonenkugeln
einzuschiessen. Zwei Geschütze rückten auf der Strasse mit der
Bedeckung unter Lieutenant Alxer des Bataillons vor, protzten
ab und eröffneten ihr Feuer auf das Thor, jedoch ohne Erfolg. So-
gleich begrüsste der Feind diese Geschütze mit einem so heftigeu
«04
1849
Feuer, dass eines nach kurzem Kampfe demontirt war. Mehrere
Leute der Bedienungsmannschaft blieben todt oder wurden verwundet,
darunter der Feuerwerker, welchem Lieutenant Rudolf A 1 x e r hilf-
reich beisprang, dabei aber selbst einen Schuss in das RQckgrad
erhielt, in Folge dessen er am 15. in Modena, von seinen Kameraden
allgemein betrauert, starb.
Die Brigade zog sich, um nicht nutzlos viele Leute von dem
gedeckt feuernden Feinde zu verlieren, in die nächst der Strasse
liegenden Häuser. Das Landwehr - Bateilion in den nur einige Häuser
zählenden Weiler Lasacca.
Unter dem Schutze eines heftigen Feuers machten gegen Mittag
40 feindliche Reiter einen Ausfall, um die auf der Strasse liegende
Kanone zu nehmen. Die Geschützbedeckung, welche nun Feldwebel
Josume kommandirte, empfing sie mit einem wohlgezielten Feuer,
so dass viele todt vom Pferde fielen ; insbesondere hat der genannte
Feldwebel den an der Spitze reitenden Obersten todtgeschossen. Die
Reiter brachen im wilden Rennen durch, geriethen dann aber in
das Feuer der Brigade, so dass keiner zurückkehrte und sich nur
einige zu Fuss in die dichte Kultur retteten. Die Bedeckungsmann-
schaft warf nun im heftigsten feindlichen Feuer beide Geschütze in
den Strassengraben, da wieder ein Ausfall zu besorgen stand, hielt
aber in ihrer exponirten Stellung wacker aus.
In der Abenddämmerung zog man beide Kanonen wieder aus
dem Graben heraus und brachte sie sofort in Sicherheit. Die braven
Leute unterzogen sieh auch dieser Arbeit im feindlichen Feuer mit
der grössten Anstrengung und mit todesverachtender Aufopferung.
Erst nachdem die schon fast verloren geglaubten zwei Geschütze
geborgen waren, zog sich sofort auch die ganze Brigade aus dem
Schussbereiche bis Corticella zurück.
Der Verlust des Bataillons bestand ausser dem schon genannten
Lieutenant Rudolf Alxer aus Gemeiner Johann Podeschl todt,
Lieutenant Möcker, den übrigens seine starke Uhr vor dem Ein-
dringen der Kugel rettete, und 2 Mann verwundet. Hervorragend
ausgezeichnet haben sich: Lieutenant Rudolf Alxer, welchem auch
die Allerhöchste kaiserliche Anerkennung zu Theil wurde ; Feldwebel
Ferdinand Josume, Korporal Markus Vollgold und Dominik
Piest, Gemeiner Heimich Huber und Jakob Seidl, sämmtliche diese
Braven erhielten die belobende Anerkennung Sr. Majestät des Kaisers.
1849.
005
Während dieses oben geschilderten Kampfes war die rechte
Seitenkolonne und endlich auch die Hanpttroppe der Division auf
der anderen Seite gegen Porta Feiice vorgerückt und hatte durch
zwei Stunden die Stadt mit Granaten beworfen. Gegen Abend
erschien eine Deputation mit der dringenden Bitte, um einen
24stündigen Waffenstillstand, in welcher Zeit sie der Pobelanarchie
Meister zu werden hoffte. Diese Frist, welche bis zum nächsten
Mittag, 0. Mai, währte, verstrich ohne Resultat, daher die Beschiessnng
mit Granaten von Neuem begann und die Truppen ihre früheren
Stellungen bezogen, während die Brigade Thun schon in der Früh
2 Uhr von Corticella wieder in ihre gestrige Position vorgegangen war.
Durch zwei Stunden währte die Beschiessnng ohne ein anderes
Resultat, als dass neuerdings eine Deputation des Municipiums er-
schien und wieder dasselbe Ansuchen stellte, was abermals bewilliget
wurde. Aber trotzdem währte das Feuer von den Wällen fort und
nachmittags 2 Uhr machten sogar gegen 500 Mann einen Ausfall
gegen die einzelnen Häuser, welche Hauptmann Bolletny mit der
dritten Division besetzt hatte. Dieser Hauptmann sammelte sogleich
die 6. Kompagnie, rückte den Insurgenten mit gefälltem Bajonnet
entgegen und warf sie nach einem kurzen Kampfe in die Stadt
zurück. Lieutenant Sp a n n her g, welcher die Plänkler kommandirte,
war den Insurgenten bis an das Thor gefolgt und wurde durch
einen Schuss in die linke Seite verwundet. Die Division bezog ihre
frühere Aufstellung und hatte nur vier Verwundete, während die
Insurgenten einen bedeutenden Verlust erlitten.
Mittlerweile wurde der Nachmittag des 0. und der 10. Mai
benützt, um die (.'eruirung der Stadt, soweit es die schwachen
Kräfte erlaubten, zu vervollständigen. Die Brigade Thun, als linker
Flügel, (Bataillon Deutschmeister) beobachtete den Umfang der
Stadt von Porta Galliera bis Porta Maggiore, nämlich bis zu der
von Bologna über Imola ziehenden Emilienstrasse ; das Gros war auf
der Ferrareser Strasse postirt. Alle aus der Stadt führenden Wege
wurden verrammelt, die Wasserleitung nächst S. Michele in Bosco
gänzlich zerstört und auch der Renokanal, welcher die meisten
Mühlen in Bologna treibt, durch Schliessung der Schleusse trocken
gelegt.
F.-M.-Lt. Wimpffen beschloss, durch einen Sturm auf die
Porta Saragossa in die Stadt einzudringen und schon waren hiezu
606
1S40.
für die Nacht vom 11. auf den 12. Mai die Dispositionen vertheilt,
als die Nachricht anlangte, dass der G. d. K. Gorczkowsky
mit 8 Bataillons und 2 Batterien im Anmärsche sei und sehon am
14. eintreffen werde, in Folge dessen auch die Ausführung, um
Menschen und Munition für die ferneren und ernsteren Unter-
nehmungen zu sparen, eingestellt wurde.
Im österreichischen Hauptquartier war die Nachricht eingelangt,
dass eine Insurgenten -Kolonne mit Geschütz auf der Strasse von
Imola im Auzuge sei und dass am 13. morgens aus Bologna ein
Ausfall stattfinden solle, um den Hinmarsch der an demselben Tage
erwarteten Verstärkung zu unterstützen. Um dieses zu verwehren,
wurde Oberst Graf Thun mit dem steierischen Schützen- Bataillon,
einer halben Eskadron und zwei Geschützen auf der Emilienstrasse
aufgestellt, welcher den anrückenden Feind angriff, in die Flucht
schlug und ihm drei Geschütze abnahm. Die. Geschlagenen zerstreuten
sich mit Windeseile nach allen Richtungen. Gleichzeitig unternahm
der Feind mit 700 päpstlichen Soldaten und Guardia civica einen
Ausfall aus der Porta maggiore. Major Lech, welcher diesen Ausfall
von einem dominirenden Gebäude beobachtete, Hess die dritte Division
unter Hauptmann Bolletny vorrücken, welcher eine halbe Kompagnie
in Plänkler auflöste, mit der zweiten Hälfte die an der Strasse
liegenden Hänser besetzte und die sechste Kompagnie als Reserve
behielt. Der Feind, anstatt anzugreifen, blieb auf der Strasse stehen
und bemühte sich eine Barrikade zu errichten. Erst als diese beinahe
hergestellt war, sendete er eine Abtheilung gegen den rechten Flügel
der Division, welcher aber der Lieutenant I) ob ler mit der halben
vierten Kompagnie entgegenrückte und durch ein wirksames Feuer zum
Stehen brachte. Nun rückte der Feind auch auf der Strasse vor und
besetzte ein vor der Plänklerlinie gelegenes Haus. Hauptmann Bol-
letny hatte das Feuern beim Anrücken verboten in der richtigen
Voraussicht, dass dann der Feind dieses Haus besetzen werde. So wie
dieser Fall eingetreten war, stürmte Lieutenant Türk mit einem
Zuge Freiwilliger mit Überraschender Schnelligkeit und ausnehmender
Bravour darauf los und kaum hatten die Feinde Zeit ihre Gewehre abzu-
schiessen, als auch schon der Lieutenant mit seinen Leuten eindrang,
wobei mehrere Feinde niedergemacht und gefangen wurden, während
die Reste durch die Fenster ihr Heil in der Flucht suchten. Gleichzeitig
mit Lieutenant Türk war rechts Hauptmann Bolletny vorgerückt,
007
liesst wie Türk mit dem Aufräumen jener Besatzung fertig war,
Sturmstreieh schlagen, worauf die Division mit lautem Hurrah und
wahrer Kampfeslust den ehen vorrückenden Insurgenten im vollen
Laufe mit gefälltem Bajonnet entgegenstürmte, alles niedermachte
was sich in den Weg stellte und die Ueberlehenden bis an das
Stadtthor verfolgte. Unterwegs fand man ein Haus mit 40 Insurgenten
besetzt; auch dieses wurde im ersten Anlaufe erstürmt und wer sich
widersetzte niedergemacht. Die Mannschaft war so erbittert, dass
sie nur wenig das Bajonnet benützten, sondern die meisten Insur-
genten mit den Kolben niederschmetterten. Nach diesem siegreichen
Kampfe gingen die Kompagnien wieder in ihre Stellung zurück und
stellten die Vorposten gegen die Stadt aus.
Der Korps-Kommandant erliess anlässig dieses Gefechtes nach-
stehenden Tagesbefehl ddto. Borg« Harre gallo 14. Mai 1849:
/Das erste steierische Schützen- Bataillon und eine Division
»des Infanterie - Regiments Hoch- und Deutschmeister nebst zwei
„ Geschützen der Batterie Nr. 213 haben gestern unter Kommando
„des Herrn Obersten qua Brigadier Graf Th im den Feind geschlagen
„und demselbeu drei Kanonen abgenommen. Ich bringe diese glän-
zende WafTenthat zur Kenntnis* meiner braven Truppe, weil ich
„deren Antheil an jeder neuen Siegesnachricht kenne und dabei
, zugleich Gelegenheit linde, diesen Tapferen hiemit öffentlich meinen
„Dank im Namen Sr. Majestät des Kaisers und unseres hochver-
ehrten Feldmarschalls Grafen Kadctzkv auszudrücken.
.Wo wir den Feind im offenen Felde und nicht feige hinter
,deu Mauern verborgen rinden, wird er überall geschlagen sein und
„vor den siegreichen Waffen der österreichischen Soldaten fliehen."
Sechs Mann, vom Feldwebel abwärts waren verwundet. Feld-
webel Ignaz H o 1 z m a n n , Ferdinand L ü d e k e und Erhardt Stein-
mann, Gefreiter Franz Wiedermaun und Gemeiner Vincenz
Jellinek haben sich in dieser Affaire durch Muth und Entschlossen-
heit sehr vortheilhaft ausgezeichnet; ersterer erhielt die silberne
Tapferkeits - Medaille erster, Lüdeke jene zweiter Klasse, allen
übrigen, sowie den Lieutenants Türk und Dobler wurde die be-
lobende Anerkennung zu Theil.
Die Strasse gegen Ancona zu blieb mit sechs Kompagnien
steierischer Schützen, zwei Kompagnien Deutschmeister, eine halbe
Eskadron Chevauxlegers und zwei Geschützen besetzt, zu welchen
1*49.
am folgenden Tage noch das dritte Wiener Freiwilligen - Bataillon
mit zwei weiteren Geschützen stiessen.
Mittags am 14. erfolgte die Ankunft des G. d. K. Gorcz-
kowsky mit seinen Truppen und zwei Mörsern, mit welchen abends
einige Probewürfe abgegeben wurden, welche den Muthwillen der
bewaffneten Insurgenten so einschüchterten, dass kein Schuss mehr
vom Walle fiel. Am folgenden Tage begann das Bombardement aus
den beiden Mörsern und IG Haubitzen, welches zwei Stunden dauern
• sollte; doch schon nach einer halben Stunde wehten die weissen
Fahnen auf dem Thurme »los Palazzo apostolico, die sich bald ver-
vielfältigten und die Einstellung des Feuers zur Folge hatten. Nach
einigen Stunden erschien eine Deputation, die um Schonung bat;
doch ward selbe mit der ausdrücklichen Erklärung entlassen, dass,
wenn sich die Stadt bis 5 Uhr des nächsten Morgens nicht unbedingt
ergebe, das Bombardement wieder beginnen würde. In Folge dessen
erschien am 10. um die bestimmte Stunde eine Deputation und
nach längeren Unterhandlungen kam die Kapitulation zu Stande.
Die Thore wurden geöfluet und die Stadt militärisch besetzt.
Am 17. Mai sammelten sich drei Brigaden, dabei Graf Thun,
auf der Via Emilia vor der Porta maggiore und traten am Mittage
unter Kommando des F.-M.-Lt Graf Wimpffen den Marsch
nach Aucona an. Die Tmppen rückten an diesem Tage bis zu dem
Dörfchen S. Lazzaro, wo sie Stellung nahmen; die Avantgarde bis
Castel S. Pietro. Am 18. wurde nach Imola, 19. Forli, 20. Cesena,
21. nach Bimini marschirt, wo Stellung genommen wurde, da der
feindliche Oberst Garibaldi das Gerücht ausgestreut hatte, auf
den Höhen südlich von Cattolica einen entscheidenden Kampf auf-
zunehmen. Schon waren die Dispositionen zu dem ersehnten Kampfe
gegeben, wornach die Brigade Thun den Feind in der Fronte an-
greifen sollte, als man sich überzeugte, dass der Feind seine vor-
theilhafte Stellung fluchtartig verlassen habe. Selbst die rasch nach-
gesendete Kavallerie konnte ihn nicht mehr erreichen. Am 22.
marschirte das Expeditionskorps nach Pesaro und am 23. Mai nach
Sinigaglia, ohne das geringste Hinderniss. Am 24. wurde unter
Verdoppelung aller militärischen Vorsichtsmassregeln die weitere
Vorrückung gegen Ancona fortgesetzt. Unterwegs fand an den Ufern
des Esino zum Abkochen eine kurze Rast statt, während welcher
das k. k. Seegeschwader auf dem Meere erschien, welches mit
1S49.
609
Jubel von den Truppen begrüsst wurde. Nach wenigen Ruhestunden
brachen die Truppen wieder auf und rückten vor Ancona. Die Bri-
gade Graf Thun bezog als Reserve bei Torette ein Lager und liess
das Landwehr -Bataillon Deutschmeister bei dem Artillerieparke am
Flusse Esino ;rts Bedeckung zurück.
Am 27. Mai war die Cernirung geschlossen, daher der Artillerie-
Park unter Bedeckung des Bataillons nach Torette vorgenommen
wurde. Hier blieb das Bataillon während der ganzen Zeit der Be-
lagerung und kam nicht zur Aktion. Am 19. Juni kapitulirte Ancona
und wurde von den österreichischen Truppen besetzt, welche 130 Ge-
schütze übernahmen.
Während der Belagerung handelte es sich im Röcken des
Blockade -Korps um die Beruhigung der Provinzen, wo noch herum-
ziehende Banden ihr Unwesen trieben. Es wurde am 4. Juni Haupt-
mann B olle tu y mit seiner Kompagnie und ein Flügel Chevaui-
legers über Corinaldo nach Barchi disponirt, wo noch eine Kom-
pagnie von Nr. 38 dazu stioss, worauf diese Kolonne das von den
Insurgenten geräumte Fossombrone besetzte. Die Gefahr mit seiner
immerhin noch sehr schwachen Abtheilung in dem gebirgigen Terrain
ohne Geschütz weiter vorzurücken, bestimmte jedoch den Komman-
danten, nach kurzem Aufenthalte zu Fossombrone nach Pesaro zu
marschiren, von wo die Kompagnie von Nr. 38 ihren Rückmarsch
nach Bologna fortsetzte und der Flügel Kavallerie in das Lager vor
Ancona wieder einrückte. Die Landwehr -Kompagnie Deutschmeister
diente nun dazu, die anfangs blos aus marschunfähigen Maroden
gebildete kleine Garnison von Pesaro zu verstärken und so auch den
Rayon der Stadt gegen Beunruhigung durch Guerillas zu schützen.
Die glückliche Beendigung dieses kurzen, aber schönen Feld-
zuges gestattete, einen Theil der entbehrlichen Truppen aus der
Romagna und den Marken zur Belagerung vor Venedig zu ziehen.
Schon am 25. Juni brach die Brigade Thun gegen die Lagunenstadt
auf. Das Landwehr -Bataillon erreichte am 2. Juli Bologna, hielt hier
am 3. Rasttag, marschirte am 4. nach Malalbergo, 5. nach Ferrara
und am 7. nach Adria, wo dasselbe die Eintheilung zu der beim
Cernirungs- Korps vor Venedig befindlichen Brigade G.-M. Dierkes,
Division F.-M.-Lt. Baron Simbschen, erhielt, dann am 8. nach Cavar-
cere, wo drei Kompagnien Stellung nahmen, während die anderen
drei sich am linken Ufer der Etsch aufstellten.
39
610
1849.
Um den Insurgenten die Gelegenheit zu benehmen, Schlacht-
vieh zu requiriren, wurde auf dem üussersten rechten Flügel der
ganze Landstrich vom Meere angefangen, auf dem rechten Etschufer
bis an den Lorno- Kanal, am linken hingegen bis Cavarcere alles
Vieh zurückgetrieben, wozu auch Abtheilungen des Bataillons ver-
wendet wurden.
Schon einige Tage nach dem Anlangen des Bataillons erkrankten
viele Offiziere und Mannschaft am Lagunen -Fieber, so dass der Vor-
postendienst bei der Brigade namhaft vermindert werden musste.
Am 19. Juli waren die Vorbereitungen zur Beschiessung der
Stadt Venedig vollendet. Gegen halb 12 Uhr nachts des 30. Juli
begann das Feuer aus 10 unter einem Winkel von 45 Graden auf-
gestellten Geschützen und aus Morsern gegen die feindliehen Batterien.
Bis zum Morgen des 31. Juli wurden 2130 Schüsse und Würfe
gemacht und die Stadt mit glühenden Kugeln und Granaten auf
Dreiviertel ihrer Ausdehnung erreicht. Hiedurch sah Venedig seine
Sicherheit verschwunden ; die Einwohuer durch die zerstörenden Ge-
schosse aus ihren W'ohnungen vertrieben, mussten in den entlegeneren
Theilen eine Unterkunft suchen. Allein auch diess konnte den Starr-
sinn der Machthaber nicht beugen, welche die Verteidigung fort-
setzten. Zu dem Lagunen-Fieber gesellte sich gegen Ende des Monats
Juli auch noch die Cholera und die Standesliste des 31. weist
13 Offiziere und 8G1 Mann vom Bataillon als krank aus. Alle dispo-
niblen Truppen mussten in erster Linie verwendet werden, zur Ab-
lösung blieb nichts mehr übrig. Ja schon einige Tage spater hatten
die Krankheiten derart um sich gegriffen, dass eine 120 Mann starke
Kompagnie nach Verlauf von 14 Tagen nur 12 Dienstfähige hatte.
In Hinblick auf diese ausserordentlichen Opfer drängte Alles
zur endlichen Entscheidung und der Feldmarschall beorderte neuer-
dings vier Bataillone zur Unterstützung des Cernirungs- Korps, wo-
durch es möglich wurde, einige Truppen zurückzuziehen ; unter diesen
war auch das Landwehr -Bataillon, welches nach Monfelice zurück-
raarschirte.
Der Krankenstand war anfangs August 14 Offiziere und 907
Mann. Die Cholera wüthete schrecklich in den Reihen des braven
Bataillons, viele Kranke starben in wenigen Stunden. In diesem
Zustand erhielt dasselbe den Befehl nach Rovigo aufzubrechen,
welches am 8. erreicht wurde. Hier blieben zwei Kompagnien, je
Digitized by Google
1*49.
eine halbe rückte nach Polesella und Maria Maddalena und drei nach
Adria mit der Bestimmung, die im Römischen gesprengten Banden
Garibaldi^, welche von allen Seiten Venedig zu erreichen trachteten,
unschädlich zu machen. Diese Aufstellung wurde indessen schon
nach einigen Tagen dahin abgeändert, dass nur eine Kompagnie
Polesella und die Po - Ueberfuhr bei Pontelago scuro besetzte und
alle übrigen Kompagnien nach Rovigo einnickten. In der gut ein-
gerichteten Kaserne hätten sich die Soldaten wieder erholen können,
aber auch hier forderte die Cholera noch viele Opfer, so dass das
Bataillon zur Feier des Geburtsfestes Sr. Majestät nur eine Kom-
pagnie formiren konnte.
Am 24. August 1849 kapitulirte Venedig und wurde am 28.
von den kaiserlichen Truppen besetzt. Das Bataillon brach an dem-
selben Tage von Rovigo auf und marschirte über Monfelice und
Vrerona nach Brescia. Auf dem Marsche erschien der weitere Befehl
nach Lecco zu rücken, wo dasselbe am 7. September eintraf und
die Kintheilung in der Division des G.-M. Baron Jellacie erhielt.
Hier blieb das Bataillon 20 Tage, brach am 27. September nach
Görz auf und traf am 10. Oktober dort ein, aber schon am 15. De-
zember erschien der Befehl, dass alle Landwehr- Bataillone in ihre
Regiments - Werbbezirke einzurücken haben. Das Bataillon brach
daher am 20. von Görz auf, marschirte stationatim bis Laibach,
von hier am 27. mittelst Eisenbahn nach Mürzzuschlag, dann am
29. mit Fussmarsch über den Semmering und rückte am 29. in
Wiener Neustadt ein.
Die Regimentsgescbichte hat das dritte Feld - Bataillon Ende
des Jahres 1848 in Triest verlassen, wo dasselbe auch in den
Monaten Jänner, Februar und März 1849 den Garnisondienst ver-
sah und am 29. März von dem mit Allerhöchster Entschliessung
vom 21. März vom Regiment Nr. 17 anher transferirten Major Josef
V a n d o n i übernommen wurde.
Am 14. April erhielt das dritte Bataillon die Weisung an die
Meeresküste abzurücken und etwaige Landungsversuche der sardo-
venezianischen Flotte zu verhindern; demgemäss brach dasselbe am
14. auf und marschirte nach Capo d'Istria, wo die 16. Kompagnie
39*
612
1*49.
verblieb. Am folgenden Tage rückten die übrigen Kompagnien nach
Buje, wo der Stab mit der 13. und 14. Kompagnie verblieb, während
die 15. am IG. April nach Visignano marschirte. Nun stellte das
Bataillon untereinander verbundene Posten von Orsera bis Capo
d'Istria aus. Da jedoch um die Mitte des Monats die österreichische
Flotte zur Blockirung Venedigs ausgelaufen und ein Landungsversuch
nicht mehr zu besorgen war, kam der Stab nach Picano, die 14. Kom-
pagnie nach Visinado, 15. Parenyo, die 13. blieb in Buje und die
16. in Capo d'Istria.
In diesen Garnisonen blieb das Bataillon bis 6. Dezember 1849,
an welchem Tage dasselbe nach Triest und dann weiter nach Treviso
marschirte, welches am 27. Dezember erreicht wurde.
Wie wahr es ist, dass unter dem österreichischen Kommissrock
ein echter ritterlicher Mann steckt, hat auch die Mannschaft dieses
Bataillons bewiesen. Als sie durch die Tagesbefehle die Kunde erhielt,
dass so viele Kameraden theils durch auf dem Felde der Ehre er-
haltene Wunden, theils durch die Epidemien sich in den Spitälern
befinden, machten sie unter sich zur Verbesserung des Looses der
Kranken eine freiwillige Sammlung von ihrer kargen Löhnung und
führten an das Regiments - Kommaudo die unter diesen Verhältnissen
jedenfalls sehr bedeutende Summe von 275 fl. CM. ab, welche dann
die Mannschaft des Landwehr- Bataillons auf 400 fl. ergänzte. Diese
menschenfreundliche That wurde im Regiments - Tagsbefehle belobt
und zur Kenntniss des Armee-Kommandanten F.-M. Grafen Radetzky
gebracht, welcher Bezug nehmend auf die Biederkeit und Mildthätig-
keit der Wiener, dieser Mannschaft seine besondere Anerkennung
ertheilte.
Während dem Feldzuge war auch ein Reserve - Bataillon er-
richtet, welches in Wien, Korneuburg, Wr.-Neustadt den Garnisons-
Dienst versah, im Npvember aber aufgelöst wurde.
In den Feldzügen 1848 und 1849 wurden für hervorragend
ausgezeichnete Leistungen, welche bereits in der Geschichte ange-
führt erscheinen, im Regimente nachstehende Auszeichnungen ver-
liehen: das Ritterkreuz des Leopold - Ordens Oberst Albert Fürst;
den Orden der eisernen Krone dritter Klasse Major Johann Freih.
v. R ü s 1 1, Hauptmann Ferdinand Paar, Ludwig Baron Vogel-
sang, Ferdinand Fröhlich v. El mbach, Mathias Pfannenholz,
Oberlieutenant Friedrich Kühne; das Militär- Verdienstkreuz Oberst
Digitized by Google
IM»
G13
Franz War lieh v. Bub na, Oberstlieutenant Anton Mcinong
v. Handschuchsheim, Major Eduard Rottee, Hauptmann Fer-
dinand Paar, Ludwig Baron V o g e 1 s a n g, Ludwig Dagnen, Adolf
Microis, Friedrich Lohr, Theodor Baron Riesenfels, Eduard
Wolfv. Wolfenburg, Friedrich B e n d a, Oberlieutenant Leopold
Eckher, Matthäus Gänger, Josef Basso, Lieutenant Ferdinand
Hofmann, Martin Türk; die Allerhöchste Zufriedenheit Ober-
lieutenant Friedrich Kühne; den kaiserlich russischen St. Anna-
Orden zweiter Klasse Oberst Franz War lieh v. Bubna und
Albert Fürst; den kaiserlich russischen Wladimir - Orden vierter
Klasse Major Johann Freih. v. Rüstl, Eduard Rottee und Haupt-
mann Friedrich Arming.
Im Mai 1849 haben Se. Majestät der Kaiser für lange und
gute Militärdienste, sowohl für Offiziere als auch für die Mannschaft
des Heeres, das «Militär- Dienstzeichen " am schwarzgelben Bande
gestiftet. Dasselbe ist ausschliesslich nur für .wirklich Kombattanten"
bestimmt. Mit 12. Mai wurde das Tragen von Civilkleidern gänzlich
untersagt.
Mittelst Allerhöchsten Kabinetsschreiben vom 5. Juni 1849
geruhte Se. Majestät der Kaiser nachstehende Allerhöchste Bestim-
mungen zu erlassen:
1. Jeder brave Soldat Meiner Armee kann bei wiederholten
tapferen WafTenthaten mit der goldenen und silbernen Tapferkeits-
Medaille erster und zweiter Klasse ausgezeichnet werden, ohne bei
Erhalt eines höheren Grades jenes des niederen ablegen zu müssen,
so dass alle drei Ehrenzeichen die Brust eines solchen Tapferen
zieren können.
2. Die goldene, dann die silberne Medaille erster Klasse geben
jede für sich Anspruch auf den systemisirten ganzen oder halben
Löhnungszuschuss, so dass Leute, die sich durch wiederholte Züge
von persönlichem Muthe und Tapferkeit beider Medaillen würdig
gemacht haben, für jede derselben die entsprechende Zulage gemessen.
Mit der Vorschrift vom 30. August wurde der weisse Waffen-
rock eingeführt und statt der Litzen Sterne als Auszeichnung be-
stimmt; die Hauptleute und Kapitänlieutenants erhielten die Be-
zeichnung: Hauptleute erster und zweiter Klasse, sowie die Unter-
lieutenants höherer und niederer Gebühr, jene: Unterlieutenants
erster und zweiter Klasse. Bei jeder Grenadier - Kompagnie wurde
614
1850- 1*5S.
ein Lieutenaut zweiter Klasse systemisirt, dagegen ging der drei-
zehnte Korporal ein.
Se. Majestät der Kaiser stiftete mit Allerhöchster Entschliessung
vom 22. Oktober 1849 in huldvoller Anerkennung der vielen aus-
gezeichneten Waffenthaten und der bei jeder Gelegenheit bewieseneu
aufopfernden Hingebung der Armee, das Militär - Verdienstkreuz am
Bande der Tapferkeits - Medaille. Dasselbe wird nur an wirkliche
Offiziere verliehen, welche im Kriege durch höhere Einsicht, Muth
und Entschlossenheit, im Frieden durch hervorragenden Eifer und
Thatkraft besonders erspriessliehe Dienste geleistet haben; über
Allerhöchsten Befehl wurde jedem Offizier, welcher sich in den
Feldzugen 1848—1849 die Allerhöchste Belobung erworben hatte,
ausnahmsweise das Militär - Verdienstkreuz verliehen. Auch wurde
mit Allerhöchster Entschliessung vom 2. Dezember der Franz Joseph-
Orden in drei Klassen gestiftet.
1850-1858.
Am 19. Juni rückte der Regimentsstab und das 1. Bataillon
Ober Bäth und Verbelly in die neue Kantonnirung nach Neutra;
die 1. Division wurde nach Freistadt, die 5. Kompagnie nach
Aranyos - Maroth und die G. nach Kis - Tapolczän verlegt Die
18. Kompagnie rückte von Gradiska nach Görz und es verblieb nur
ein Offizier mit einem Detachement zurück. Das 4. Bataillon war
in Leva, Ipolysägh und Balassa-Gyarmäth bequartiert. Von letzterer
Station marschirte die 22. Korapaguie am 12. Juni nach Nagy-
Oroszi. Auch beim Landwehr- Bataillon fanden Dislokations - Ver-
änderungen statt, dessen 3. Kompagnie kam nach Lichtenwörth und
die 4. nach Theresienfeld.
Am 22. Juni fand die Vertheilung der päpstlichen Erinnerungs-
Medaillc an jene Offiziere und Mannschaft statt, welche an der
Intervention im römischen Gebiete theil genommen hatten. Den
folgenden Tag trat das Landwehr - Bataillon seinen Marsch über
Traiskirchen und Wien nach Korneuburg an, wo dasselbe am 25. Juni
Digitized by Google
uigiiizea uy
Google
1850 — 1860
ScftnillpriiMn-DruCk üe» > > milit {••^rtf. Jntlituttl
Hauptmann und Fahnenträger von
Hoch- und Deutschmeister.
by Google
1H50-1R&8.
615
anlangte und von den loyalen Bewohnern dieser Stadt aut das
feierlichste und freundlichste empfangen wurde. Vor dem Thore
begrüssten der Magistrat und die Beamten die Angekommenen, lauter
Jubel empfing dieselben in der Stadt, Offiziere und Mannschaft
wurden gastlich bewirthet. Der Stab und die 2. Division blieb in
Korneuburg, die 1. Division kam nach Stockerau, die 5. Kompagnie
nach Leobendorf, die 6. nach Richersdorf.
Major Eduard Rottet Edler v. Romaroli wurde im Juli
1850 zum 15. Gendarmerie - Regiment transferirt.
Im August 1850 wurde der Hauptmann Michael Baron Lütgen-
dorf zum Major befördert und zum Infanterie -Regiment Nr. 21
transferirt, dagegen von dort der Major Johann Plochl in das
Regiment eingetheilt.
In Folge Allerhöchsten Befehls wurden in diesem Monat
sämmtliche vierten Bataillone in ihre Werbbezirke zurückgezogen
und der Stand einer Kompagnie auf 60 Gemeine reduzirt ; das dritte
Bataillon dagegen zum Regiment einberufen. Auch das Regiment
erhielt Marschbefehl, brach am 17. aus seinen Stationen auf und
erreichte der Regimentsstab und das erste Bataillon am 11. September
Kaschau, das zweite am 30. Eperies, welches eine Division nach
Leutschau und je eine Kompagnie nach Käsmarkt und Bartfeld
detachirte, endlich das dritte Bataillon, welches am 6. von Görz
aufgebrochen war, am 18. Erlau, welches drei Kompagnien in Mis-
kolcz bequartierte. Das vierte Bataillon war am 17. aufgebrochen
und am 31. in Stockerau eingerückt und wurde am 5. September
nach Krems verlegt.
Während diesen Märschen hatten die Regiments-Abtheilungen
am 15. August den Jahrestag der für das Regiment sehr ruhm-
reichen Schlacht bei Novi zum fünfzigsten Male gefeiert und die
Interessen der Strakati'schen Stiftung an jene Leute vertheilt,
welche sich im letzten Feldzuge hervorragend ausgezeichnet hatten.
Der edle Stifter und ehemalige tapfere Korporal des Regiments
war zwei Tage früher, am 13., zu Teplitz gestorben.
Oberlieutenant Friedrich Kühne, Ritter der eisernen Krone,
war am 21. September mit der 6. Kompagnie in das Zempliner
Komitat bis an die Theiss auf Räuberkommando abgerückt und es
gelang seiner Umsicht und Energie, in 12 Tagen 122 solcher Schelme
und viele Waffen den Gerichten abzuliefern.
616 1850-1868.
Die Regimenter hatten kaum die Friedensformation angenommen
und ihre Bespannungen und Packpferde abgegeben, als eine neue
politische Verwicklung durch das eigenmächtige Vorgehen Preussen's
gegen die Unabhängigkeit der deutschen Bundesstaaten eintrat,
gegen welche Se. Majestät der Kaiser beschloss, sein gutes Recht
mit militärischen Kräften zu verfechten. Eine Armee wurde mit
überraschender Schnelligkeit an den Grenzen Sachsens und Preussens
aufgestellt, und da zu derselben mehrere Regimenter aus Ungarn
abrückten, änderte auch das Regiment seine Dislokationen. Das
vierte Bataillon rückte nach Bruck a. d. Leitha, der Regimentsstab
mit dem zweiten und dritten Bataillon nach Komorn, das erste nach
Fünfkirchen, das Landwehr - Bataillon , nachdem es sich auf den
Kriegsstand gesetzt hatte, nach Marchegg und die Grenadier-Division
im Bataillon Wetzlar von Ofen nach Wien.
Nach dem Abrücken der Bataillone aus ihren Garnisonen
erschien von der dortigen Bevölkerung nachstehender Nachruf in
den öffentlichen Blättern: „Mit wahrem Bedauern sehen wir das
.erst eine kurze Zeit bei uns und in der Umgegend stationirt ge-
„wesene Infanterie - Regiment Hoch- und Deutschmeister wieder
.scheiden und rufen demselben ein herzliches Lebewohl nach ;
.Offiziere und Soldaten haben sich während ihrer hiesigen Statio-
.nirung die Liebe und Achtung der Bewohner erworben und mit Ver-
„gnögen werden wir der wackeren Deutschmeister gedenken, die sich
.durch ihre Disciplin und Humanität besonders ausgezeichnet haben."
Lieutenant Franz Höchsmann, bisher als Lehrer in der
Vorbereitungsklasse der Neustädter Akademie kommandirt, rückte
beim Regiment ein und erhielt vom Kriegsministerium die vollste
Zufriedenheit über seine erfolgreiche Verwendung ausgedrückt
Major Karl Adelsberger v. Illingenthal wurde im
Dezember 1850 zum Militär- Referenten beim Generalkommando zu
Wien ernannt und dann zum Obcrstlieutenant beim Infanterie-
Regiment Nr. 40 befördert, dagegen Major Adolf Freiherr von
Wimpffeu von Nr. 18 in das Regiment transferirt.
Die politischen Verhältnisse gestalteten sich sehr bald fried-
licher und nachdem die Konvention von OlmQtz zu Stande gekommen
war, in welcher Preussen von seinen Fordeningen abstand, wurde
die Armee wieder auf deu Friedensfuss gesetzt und die Regimenter
marschirten von der Stellung an der Grenze in ihre Garnisonen.
ls«0 18Ö8
617
Bis Ende Dezember war das Landwehr- and vierte Bataillon wieder
auf 60 Geraeine per Kompagnie herabgesetzt; die Grenadiere rückten
mittelst Eisenbahn nach Prag, wo sie bis zur Auflösung der Grenadier-
Bataillone verblieben.
Von den Neuerungen im Jahre 1850 sind hervorzuheben: Die
Unteroffiziere erhielten am Kragen Distinktionssterne von weissem
Tuche. Für jene Mannschalt, die zweimal kriegsrechtlich bestraft
war, wurden in Festungen Disciplinar-Kompagnien errichtet. Das Ab-
geben schlecht konduisirter Mannschaft der Kavallerie und Artillerie
zur Infanterie hörte auf. Die Oftlzierswohnungen in den Aerarial-
gebäuden erhielten die nöthige Einrichtung. Die Mannschaft erhielt
längere Mäntel mit zwei Knopfreihen. Mit 1. November trat das
Armee -Verordnungsblatt in"s Leben.
Anfangs Februar 1851. wechselte das vierte mit dem Landwehr-
Bataillon seine Garnison. In diesem Monat wurde der Oberstlieute-
nant Anton Meinong v. Handschuchsheim zum Obersten
und Kommandanten des aus den aufgelösten Szekler- Grenzern neu
errichteten Infanterie -Regiments Nr. 5 ernannt, dagegen Oberst-
lieutenant Johann Böck vom zweiten Szekler in das Regiment
transferirt. Auch erschien der Allerhöchste Befehl, dass 14 Tage
nach dessen Erhalt sämmtliclie Truppen nur mehr die systemisirte
Friedeusgcbühr zu erhalten haben. Die Grenadiere und das dritte
Bataillon wurden auf 80 Gemeine per Kompagnie reduzirt, letzteres
rückte beim Regiment in Komom ein. Die Armee erhielt ein neues
Exerzier -Reglement und um dieses gleichförmig einzuführen, wurden
Lehr- Bataillons zusammengestellt. Beim Regiment komraandirte das-
selbe der Major Baron W i m p f f e n ; vom vierten Bataillon war Haupt-
mann Friedrich A r ra i n g mit den nöthigen Chargen nach Mauer
kommandirt. Oberlieutenant Julius Schwerdtner befand sich bis
30. April mit einem Kommando von 80 Mann am Kordon von der
ungarischen Grenze bis Marchegg.
Das Offiziers - Korps des Regimeuts hatte während seiner
Garnisonirung zu Komorn den Beschluss gefasst, den am 2. uud
11. Juli 1819 auf den Feldern der Ehre, bei Puszta - Harkäly
gebliebenen Regimentsmitgliedern, zur immerwährenden Erinnerung
ein Denkmal zu setzen und dieses auch sofort ausgeführt. Der Guts-
besitzer jener Gegend, Herr Camillo Graf Zichy, übergab in einem
eigenen Schreiben dem Regiment den zum Monumente nöthigen
618
18*0- 18&8.
Raum von fünf Klafter mit ihn sehr ehrender Bereitwilligkeit and
so konnte schon am 9. Juni 1851 die Einweihung dieses schönen
Denkmales stattfinden. Hiezu rückte das erste und zweite Bataillon
in vollkommenster Parade auf das Schlachtfeld und stellten sich
vor dem Monument in Massen formirt auf. Der Truppen - Brigadier
6.-M. Baron Paumgarten nebst vielen Stabs- und Oberoffizieren,
sowie eine grosse Zahl der Bevölkerung waren bei dem neben
dem Monumente aufgeschlagenen Kapellenzelte erschienen.
Nach Besichtigung der Bataillone begann die heilige Messe,
welche zum Andenken an die für Kaiser und Vaterland auf diesen
Feldern gebliebenen vom Regiments-Kaplan celebrirt wurde, welcher
dann eine treffliche Rede hielt, darin auf die Treue und Tapferkeit
hinweisend, welche als erste Soldatentugenden immerdar das Regi-
ment Hoch- und Deutschmeister zu seiner Ehre und Ruhm ge-
schmückt haben.
Nach deren Schluss erfolgte die kirchliche Weihe, worauf
Oberstlieutenant Böck statt dem erkrankten Obersten eine kernige
Rede hielt, welche mit dreimaligem Hoch auf Se. Majestät den
geliebten Kaiser Franz Joseph I. endete, in welche alle An-
wesenden enthusiastisch einstimmten.
Der Regiments - Kaplan erthcilte dann den Segen, worauf drei
Ehren -Salven von den Bataillons über das Schlachtfeld gefeuert
wurden. Zum Schlüsse liess General Baron Paumgarten die
Truppe defiliren und nach einer Rast, während welcher der Herr
Graf Zichy das Offizierskorps in splendidester Weise bewirthen
liess, wurde wieder nach Komorn zurückmarschirt. Der Herr Graf
liess hier jedem ausgerückten Mann ein halbes Pfund Fleisch und
ein Seidel Wein verabreichen.
Das Denkmal steht auf der Höhe eines Hügels nächst Harkäiy.
von allen Seiten bis auf eine Meile sichtbar. Dasselbe ist ein
Obelisk von rothem Marmor, 12 Schuh hoch, oben mit einem Bündel
gestürzter Fackeln, darüber mit einem Kriegerhelm bedeckt. Die
Vorderseite gegen Komorn gewendet, enthält die Inschrift: „Denk-
„mal der in den Schlachten bei Komorn gefallenen Krieger des
» Regiments Hoch- und Deutschmeister Nr. 4 im Jahre 1849*, ober
dieser ein Kreuz und unter derselben ein Schwert. Auf der Rück-
seite sind die Namen der am 2. und 11. Juli Gefallenen, welche
mit jenen der Lieutenants Adelsheim und ühle beginnen.
1Ü50-1858.
619
Am folgenden Tage begann der Abmarsch aus Komorn; der
Regimentsstab und das erste Bataillon marschirten nach Raab, das
zweite nach Pest.
Se. kaiserl. Hoheit Erzherzog Maximilian d'Este, Regiments-
Inhaber besichtigte in diesem Monat die Grenadier - Division in
Prag und sprach derselben nicht nur seine volle Zufriedenheit aus,
sondern liess auch den Offizieren ein Equipirungs - Douceur, der
dekorirten Mannschaft Geldgeschenke und ausserdem der gesammten
Mannschaft eine doppelte Gratislöhnung übergeben.
Schon im August 1851 änderte das Regiment abermals seine
Garnisonen; der Regimentsstab und das erste Bataillon rückten
nach Pressburg, das dritte nach Raab. Hier hielt das Letztere am
28. August 1851 die Weihe seiner neuen Fahne ab.
Zu dieser erhebenden Feier war der Korps - Kommandant
F.-M.-Lt. Fürst Colloredo-Mannsfeld, der Divisionär
F. -M. -Lt. Erzherzog Ernst, der Festungs - Kommandant von
Komorn F.-M.-Lt. Baron Simunich, der Oberst Regiments-
Kommandant Fürst, das Offizierskorps des ersten Bataillons und
v iele Offiziere des zweiton, vierten und Landwehr - Bataillons er-
schienen. Ihre kaiserliche Hoheit die durchlauchtigste Frau Erz-
herzogin Hilde gar de, Gemahlin Sr. kaiserl. Hoheit des Armee-
Kommandanten G. d. K. Erzherzog Albrecht hatte huldreichst
die Stelle als Fahnenmutter angenommen und liess sich durch die
Frau Gräfin Attems vertreten.
Am Vorabende wurde der Zapfenstreich mit Musik abgehalten
und eine ebensolche Tag - Reveille verkündete die Feier des Tages.
Um 9 Uhr rückte das Bataillon in vollkommenster Parade auf den
Stadthausplatz und nahm vor dem Portale der Benedictiner - Kirche
Stellung. Der Diüzesan - Bischof K a r n e r empfing die Herrschaften
in Pontificalibus umgeben von einer zahlreichen Assistenz am Kirchen-
portale und der Regimentskaplan Patanitschek eröffnete dann
die kirchliche Funktion mit einer Predigt an das Bataillon und die
sehr zahlreiche Volksmenge, welche den Platz füllte. Er erinnerte
an den Ruhm, welchen sich das Bataillon in den Feldzügen 1809,
1813, 1814 und 1815 unter der alten Fahne erworben hatte und
- forderte zu gleich erhabenen Thaten unter der neuen auf, erwähnte
die Pflichten eines wackeren Kriegers und schloss mit einem ergreifen-
den Epilog, dem ein Gebet folgte.
620
1H50-1H5H.
Nun verlügten sich die Gäste und das Offizier - Korps in die
Kirche, wo nach abgehaltenem Hochamte Bischof Käme r die Fahne
weihte und dieselbe dann mit nachstehenden Worten dem Obersten
überreichte: »Nehmet Sie hin, die mit dem göttlichen Segen geweihte
.Fahne, sie sei furchtbar den Feinden unseres durchlauchtigsten
.glorreichen Kaisers, des Erzhauses, des Vaterlandes und seinen
„Völkern; der Herr verleihe Ihnen und Allen, die zu dieser Fahne
„schwören, die Gnade, damit sie im siegreichen Kampfe unverletzt
„die Reihen der Feinde durchschreiten, zur Verherrlichung des gött-
lichen Namens, zum Schutze und zur Vertheidigung des Aller-
höchsten Thrones, des Staates und der heiligen Kirche."
Nun verfügte sich alles vor die Kirche, wo die Ceremonie des
Nägeleinschlagens stattfand. Nach deren Beendigung bestieg der
Oberst Fürst sein Pferd und übergab dem Bataillon seine neue
Fahne, dekorirt mit dem wahrhaft fürstlich ausgestatteten blauen
Bande, welches auf dem einen Ende das Wappen des deutschen
Ritterordens, auf dem anderen die Devise: „Bewahret den alten
Ruhm Oesterreichs" und das Familien wappen der durchlauchtigsten
Frau Erzherzogin führte, mit der kräftigen Anrede: „Soldaten! Ich
„übergebe Euch die soeben durch Se. bischöfliche Gnaden geweihte
„und von Ihrer kaiserlichen Hoheit der Erzherzogin Hildegarde
„mit diesem köstlichen Fahnenbande geschmückte Fahne und bin
„überzeugt, dass Ihr sie bei jeder Gelegenheit schützen, unter ihr
„tapfer und muthvoll streiten und treu ausharren werdet im ehren-
vollen Kampfe und willig hingeben werdet Euer Blut und Leben
„für unseren allgeliebten Kaiser, dem wir auch ausbringen ein drei-
maliges herzliches Lebehoch!«
Nachdem der Oberlieutenant Regimentsadjutant Karl Schröm-
mer die Kriegsartikeln vorgelesen hatte, leistete das Bataillon den
Eid der Treue. Die Gäste und der Klerus begaben sich dann wieder
in die Kirche, wo der Bischof das Te Deum anstimmte, welches
das Bataillon mit einer General - Decharge erwiderte, und dann dem
Bataillon vom Portale aus mit dem Hochwürdigsten den Segen
ertheilte, dem noch zwei Dechargen folgten. Zum Schlüsse defilirte
das Bataillon in schönster Haltuug vor den Herrschaften, welche
durch ihre Gegenwart das Fest verherrlicht hatten.
Um 1 Uhr mittags war Empfang beim Erzherzog Ernst und
dann Tafel beim Bischof Karner, welcher einen zum Herzen
1850- 185*.
021
dringenden Toast auf das Wohl Sr. Majestät des Kaisers ausbrachte
der mit stürmischen Hochs seine Erwiderung fand. Das Offizierskorps
bewirthete alle anderen Gäste, die wegen beschranktem Räume an
der bischöflichen Tafel keinen Platz fanden, im ersten Hotel mit
einem Mahle, hei welchem ungemeiner Frohsinn herrschte und eben-
falls begeisterte Toaste ausgebracht wurden. Abends war vom Offiziers-
korps ein Festball im Redoutensaale veranstaltet, zu welchem die
Elite der Raaber Einwohner geladen nnd durch die Gegenwart der
hohen Herrschaften und des Klerus verherrlicht wurde; erst der
anbrechende Morgen machte dem unvorgesslichen Feste ein Ende.
Auch die Soldaten hatten einen fröhlichen Tag ; das Offizierskorps
gab denselben per Mann eiu Pfund Fleisch und die Stadt Raab
10 Eimer ganz vorzfl glichen Wein.
Der Herr Bischof von Raab, Anton Karner, ersuchte um die
Aufbewahrung der alten Fahne in dem dortigen Dome und als hiezu
der Regimentsinhaber Erzherzog Maximilian die Zustimmung
ertheilte, richtete er nachstehendes Schreiben an den Obersten:
„Die geehrteste Mittheilung lautet für mich um so erfreulicher,
„als Se. köng. Hoheit der durchlauchtigste hochwürdigste Herr Re-
„gimentsinhaber Erzherzog Maximilian von der b. Funktion,
«welche ich bei der kirchlichen Weihe der Fahne des dritten Ba-
»taillons vom löbl. k. k. Regiment Hoch- und Deutschmeister zu
.verrichten die Ehre hatte, nicht nur zur gefälligen höchsten Kennt-
, niss zu nehmen, sondern auch meiner unterthänigsten Bitte bezuglich
„der alten rühmlichst geführten Fahne zu willfahren huldvollst
, geruht haben.
„An diese nunmehr raeine Domkirche zierende Fahne knüpft
„sich das freundliche Andenken an ein k. k. löbl. Regiment, dessen
„verebrungs- und liebenswürdiger Oberst und gesammtes Offizierkorps
„sich die Hochachtung und Liebe der Bürger von Raab derart
»erwarb, dass bei dem wohlthuenden, allgemein dankbar anerkannten
.Einvernehmen, welches zwischen dem k. k. Militär und der Raaber
„Stadt, vorzüglich seit der Anwesenheit des Bataillons Hoch- und
„Deutschmeister stattfindet, von Seite der Einwohner von Raab
„nichts so angelegentlich als die Aufrichtigkeit und Dauer dieses
„so angenehmen Verhältnisses gewünscht werden kann.
„Die meiner Kathedrale gewidmete Fahne hat daher für Raab
„einen zweifachen Werth, weil sie bei Freunden aufbewahrt wird,
022
1860-1868.
»die der tapferen und humanen Krieger des Regiments Hoch- und
.Deutschmeister stets mit Warme und freundlichen Wünschen ge-
denken werden.*
Im Septemher 1851 avancirte Oberstlieutenant Johann Böck
zum Obersten des ersten Liccaner Grenz - Regiments und der Oberst
Gabriel Ritter v. Rodich, bisher Flflgel -Adjutant heim Banus
Ton Kroatien, wurde als zweiter Oberst iu das Regiment eingetheilt.
In diesem Monat befand sich das vierte und Landwehr - Bataillon
bei der Konzentrirung im Marchfelde; auch der Regimentsstab und
das erste Bataillon wurden zu einem grossen Manöver mittelst
Eisenbahn von Pressburg beigezogen und erhielten die Allerhöchst«
Belobung Sr. Majestät des Kaisers. Nach dem Manöver nickten alle
Truppen wieder in ihre früheren Garnisonen.
Am 18. September brach in Leopoldau ein heftiges Feuer aus,
welches durch die thätige Hilfeleistung des dort stationirt gowesenen
vierten Bataillons bewältiget wurde, worüber die k. k. Bezirkshaupt-
mannschaft demselben den verbindlichsten Dank ausdrückte.
Das zweite Feld - Bataillon brach am Iii. Oktober 1851 von
Pest auf und marschirte stationatim nach Trentschin, wo dasselbe
am 22. eintraf. Das dritte Bataillon vcrliess am 10. Raab und mar-
schirte stationatim nach Neutra, wo der Stab und die siebente
Division verblieb; die beiden anderen Divisionen setzten den Marsch
fort, die achte Division blieb dann in Schemnitz und die nennt«
rückte nach Neusohl.
In diesem Monat erhielt das Regiment den Allerhöchsten
Befehl, wornach das vierte Bataillon auf 60 Geraeine per Kompagnie
zu reduziren, die Mittel -Division des Landwehr- Bataillons ganz
aufzulösen, die übrigen Kompagnien aber auf den Chargenkadre
herabzusetzen sind, was auch sofort in Vollzug gesetzt wurde. Der
Kadre kam nach Kornenburg.
Am 17. November verliess das dritte Bataillon wieder seine
erst vor einigen Tagen bezogenen Garnisonen und marschirte nach
Pressburg.
In Folge Allerhöchster Entschliessung erhielt der Ritter der
eisernen Krone, Oberlieutenant Friedrich Kühne im Jänner 1852
für seine freiwillige Hilfeleistung bei der Batterie Nr. 20 am 11. Juli
1849 vor Komorn die Allerhöchste Zufriedenheit, Die Gemeinen
Franz Stanglmaier, Anton Beck, Heinrich H i n s o n und
1*50^ 1S58.
623
Michael Binder wegen derselben That, ersterer die silberne
Tapferkcits- Medaille erster, die übrigen jene zweiter Klasse.
Im Laufe des Jahres 1851 hatten viele Neuerungen und Aende-
mngen stattgefunden. Am 5. Janner wurde die Verwendung der
Soldaten als Statisten bei Theatervorstellungen untersagt, die Assen-
tirung von ei propriis Gemeinen eingestellt, das Institut der Kadeten
auf neue Grundlagen gesetzt und durch diese jedem gebildeten jungen
Manne ohne Standesunterschied die Möglichkeit geboten, Kadet zu
werden. Im März erschien ein neues Abrichtungs- und Exerzier-
Reglement und jede Kompagnie erhielt IG mit KammerbQchsen be-
waffnete Schfltzeu und 2 Hornisten ; auch waren gleichzeitig Aende-
mngen in der Adjustimngs- Vorschrift ergangen. Die Bemerkens-
wertheste traf die Czakos, welche statt wie bisher aus Tuch, aus
wasserdichtem Filz erzeugt wurden. An Stelle der Kokarden traten
als Embleme die Adler und statt den wollenen Rosen jene aus
Messing. Die Infanterie -Stabsoffiziere, welche bisher goldbordirte
Höte (seit 1849 mit schwarzem Federbusch) trugen, erhielten jetzt
gleichfalls Czako. Der Infanterie -Säbel wurde mit gerader Klinge,
der Griff mit einem Stichblatt versehen, auch wurden die Schurz-
felle der Zimmerlente abgeschafft.
Am 15. Mai erschien eine Bequartinings- Vorschrift des Heeres.
Jedes Regiment erhielt eine Musikbande von 10 Hautboisten und
38 Bandisten. Die Zulagen des Maria -Theresien- Ordens und der
Tapferkeits- Medaillen wurden von der Einkommensteuer befreit;
endlich die Vertheilung von Prämien für die besten Schützen an-
geordnet und mit Armeebefehl Nr. 13 vom 0. Juli die Gagen und
Naturalgebühren für den Frieden, die Bereitschaft und den Krieg
erhöht und geregelt.
Im Monat Februar 1852 rückte die sechste Division von
Trentschin nach Tyrnau; am 18. d. M. die neunte Kompagnie zur
Dämpfung eines ausgebrochenen Arbeiteraufstandes nach Schemnitz
und nachdem rasch die Ordnung hergestellt war, wieder nach
Tyrnau zurück ; im Monat März erhielt die sechste Division Pressburg
als Garnison.
Bei dem am 7. April in Pressburg ausgebrochenen Feuer
hatten sich beim Löschen die Kompagnien des dritten Bataillons so
ausgezeichnet, dass der Magistrat seinem Danke auch noch einige
Eimer Wein für die brave Mannschaft beifügte. Ende desselben
024
1850-18Ö8.
Monats wurde auch das zweite Bataillon nach Pressburg gezogen,
dagegen raarschirte im Mai das dritte nach Komorn, welches im
Juni mit dem zweiten wechselte.
Im September rflckte der Rcgiraentsstab mit den drei Feld-
Bataillons in das Lager bei Pest am Rakos, wohnte hier den grossen
Manövern vor Sr. Majestät bei und marschirte dann wieder in die
früheren Garnisonen zurück. Am 8. Oktober kam auch das vierte
Bataillon nach Pressburg, wo sieh nun der Stab, das erste, zweite,
dritte und vierte Bataillon vereinigt befanden; je eine Division war
in Neutra, Raab und Tyrnau detachirt.
Oberst Gabriel Ritter v. Rodich wurde im Dezember 1852
zum Kommandanten des Infanterie - Regiments Nr. 46, Major
Adolf Baron Wimpffen zum Oberstlieutenant bei Nr. 30, Haupt-
mann Ludwig Lechner zum Major bei Nr. 54 ernannt, dagegen
erhielten der Oberst Anton v. L a a b a von Nr. 30 als zweiter Oberst
und der Major Johann Edler v. Weissbarth von Nr. 54, im
Regimente ihre Kintheilung. Hauptmanu Johann S c h o n a t avan-
cirte zum Major und Kommandanten des Kadeten - Instituts zu
Neu-Cilli.
Mit der in diesem Jahre eingeführten neuen Organisation der
Infanterie trat das »Reserve -Statut" in's Leben, womit in allen
Kronländern die Reserve - Verpflichtung eingeführt; nämlich jeder
Soldat nach vollstreckten! Liniendienst von acht Jahren, noch eine
zweijährige Reservepflicht zu erfüllen hatte.
Kraft einer Reorganisirung der Militär -Bildungs- Anstalten
hörten die Regiments - Knaben - Erziehungshäuser auf. Dankbarst
fühlte die Armee die Munifizenz Sr. Majestät, Allerhöchstwelcher in
väterlicher Obsorge für das Wohl des Heeres den Bildungs-Anstalten
desselben eine in diesem Fache bisher nicht geahnte reiche Aus-
stattung verliehen hatte. Bei dem Aufhören des eigenen Regiments-
Knaben - Erziehungshauses aber kann die Regimentsgeschichte nicht
umhin eine anerkennende Erinnerung diesem Institute zu bewahren,
welchem es im Laufe seines Bestehens trotz der vom Staate karg
zugemessenen Mittel gelungen war, dem Regimente sehr viele
praktische Unteroffiziere, ja auch tüchtige Oberoffiriere zu liefern.
Im Februar 1853 marschirte die achte Kompagnie nach Bruck,
die sechste Division nach Hainburg zur Versehung des Garnisons-
dienstes, dann vier Kompagnien des ersten Bataillons nach Waiien
lSöO-lSf,«.
625
und die Mittel - Division nach Komorn; endlich das vierte Bataillon
nach Kaiser - Ebersdorf, kehrte aber schon nach drei Tagen wieder
nach Pressburg zurück. Im April wurde die 17. Kompagnie nach
Tyrnau verlegt, wohin im Mai das dritte Bataillon folgte.
Mit 1. Juni 1853 wurde das Kriegsministerium in das .Armee-
Oberkommando" umgewandelt; bei Beförderungen hörte die einjährige
Gage -Karrenz, ebenso das bisher übliche Sterbquartal auf und an
deren Stelle trat die , Dienstestaxe •. Die Zimmerleute erhielten
Pionniersäbel, die Fourierschützen und Privatdiener die Benennung
Offiziersdiener und blaue Montur. Die Proviantwägen und Packpferde
wurden abgeschafl't, dafür zweispännige vierräderige Bagagekarren,
einer per Kompagnie, eingeführt.
Major Josef V a n d o n y trat im Juli 1853 mit Oberstlieutenants-
Charakter in Pension, Major Floridus Leeb normalmässig in den
Ruhestand, dagegen wurden die Majore Leodegar Kneissler von
Nr. 16 und Wilhelm v. Aggermann von Nr. 11 in das Regiment
eingetheilt und die Hauptleute Ludwig Dagnen und Adolf Mi-
crois zu Majors, ersterer bei Nr. 11 und letzterer bei Nr. 16,
ernannt.
Im September rückte das dritte Bataillon wieder von Tyrnau
ab und marschirte nach Komorn, wohin im Oktober auch der Re-
gimentsstab mit dem ersten und zweiten Bataillon von Pressburg
folgte. Hier wurden sodann die Kompagnien auf 60 Gemeine herab-
gesetzt und die Mittel-Divisionen der dritten und vierten Bataillons
ganz aufgelöst.
Auf Allerhöchsten Befehl Sr. Majestät blieben von nun an alle
Diener- und Manipulationsposten bei allen landesfflrstlichen Aemtern
und Staatsanstalten, 23.000 Civilbedienstungen, ausschliesslich Unter-
offizieren und Soldaten zur Belohnung langer und treuer Dienste
vorbehalten.
Major Leodegar Kneissler trat im März 1854 in Ruhestand.
Die traditionelle Politik Russlands, welche im Laufe der Zeiten
stets eine Ausbreitung nach dem Süden anstrebte, wähnte den Zeit-
punkt herangekommen, diese Pläne zu verwirklichen. Noch im Jahre
1853 besetzten russische Truppen die Moldau und Walachei und
Oesterreich musste, weil sich auch Serbien rührte, im Winter
1853—1854 ein Beobachtungs- Korps an dieser Grenze konzentriren.
Bald kam es an der untern Donau zwischen Russen und Türken
40
020
zum Kampfe, der aber ohne wesentliche Erfolge blieb, dagegen
erhielten die Türken an Frankreich und England Alliirte, welche
ebenfalls an Russland den Krieg erklarten. Als nun der Krieg grössere
Dimensionen annahm, musste auch Oesterreich zur Wahrung seiner
Interessen grössere Streitkräfte an den östlichen Grenzen sammeln,
verharrte aber in strenger Neutralität und bot Alles auf, um eine
befriedigende Vermittlung herbeizuführen.
Mit dem Allerhöchsten Erlasse vom 28. Februar wurde nebst
der allgemeinen Mobilisirung der Reserven im Innern der Monarchie
auch die sogleiche Versetzung des neunten Armeekorps auf den
Kriegsstand angeordnet. Das Regiment berief daher die Mannschaft
auf den kompleten Kriegsstand ein, brach mit dem zweiten, dritten
und vierten Bataillon am 5. und 6. März von Komorn auf und
marschirte nach Wien, um das von dort in das Ranat abrückende
Regiment Nr. 37 abzulösen. Bei seinem Eintreffen in Wien am 7.
und 8., wohin auch am 31. das erste Bataillon folgte, wurden die
Mittel - Divisionen des dritten und vierten Bataillons wieder auf-
gestellt: das erste, zweite und dritte Bataillon stationirten in der
Heumarkt- und Aiser- Kaserne, das vierte in Mauer.
Im April 1854 avnncirte Oberst Albert Fürst zum General-
Major und Brigadier; Oberst Anton La aha v. Rosenfeld über-
nahm das Regiments -Kommando.
Am 6. April besichtigte der Oberst -Inhaber Erzherzog Maxi-
milian die Kasernlokalitäten der Regimentsabtheilungen und liess
zum Zeichen der Zufriedenheit jedem Mann vom Feldwebel abwärts
1 fl. ausbezahlen.
Zu dem am 23. April erfolgten Einzüge Ihrer kömglichen Hoheit
Elisabeth, Amalie, Boge nie, Herzogin in Bayern, der durch-
lauchtigsten Braut unseres allergnädigsten Herrn und Kaisers, aus
dem Theresianum in die k. k. Hofburg, bildeten das erste und dritte
Bataillon die Spalier vom Stock im Eisenplatze bis zur Burg; die
zweite Grenadier- Kompagnie stand auf der Burgwache. Am 24.
abends V*? Uhr fand die feierliche Vermählung in der Augustiner-
Hofkirche statt, wozu die vier Grenadier- Kompagnien des Regiments
in ein Bataillon formirt, mit der Regiments -Musik und der Fahne
des dritten Bataillons auf der Augustiner - Bastei Parade - Stellung
nahmen und die Dechargen gaben, welche von den Batterien der
Basteien sekundirt wurden.
Digitized by Google
1*50-1*58.
(>27
Auf Allerhöchsten Befehl Sr. Majestät erhielt jeder ausge-
rückte Grenadier 1 h\, Korporal 2 und jeder Feldwebel 3 fl. CM.
Gratifikation.
Im Monate Mai 1854 wurde Oberst Anton L a a b a v. Ro seil-
te ld zum Festungs - Kommandanten in Palmanuova, dagegen der
Oberstlieutenant Karl Wächter Edler v. Wachenhain des
Regiments Nr. 37 zum Oberst und Regiments - Kommandanten, Major
Johann Plochl zum Oberstlieutenant, und Hauptmann Friedrich
Arming zum Major befördert, dieser mit gleichzeitiger Transferirung
zum Regiment Nr. 14, ferner Hauptmann Gottfried Graf Auersperg
von Nr. 13 mit der Beförderung zum Major und Major Josef Ple ug-
makers von Nr. 3 in das Regiment eingetheilt.
Am 2. Mai fand grosse Parade der gesammten Garnison auf
dem Josefstädter-Glaeis vor Sr. Majetät dem Kaiser statt, bei welcher
auch Ihre Majestät die Kaiserin das erste Mal erschien. Se. königl.
Hoheit Erzherzog Maximilian führte als Oberst- Inhaber persönlich
das Regiment den Majestäten vor, welches für sein gutes Aus-
sehen und gelungene Dehliruug die Allerhöchste belobende Aner-
kennung erhielt.
Am 15. rückte das vierte Bataillon mit Ausnahme einer Division,
welche seit vorigem Monat in Wr. -Neustadt garnisonirte , nach
Wien in die Salzgries - Kaserne ; aber schon am 27. erhielt dasselbe
die Bestimmung nach Komorn, wohin es auch am selben Tage
abging und unterwegs die Division aus Wr. - Neustadt an sich zog.
Die friedlichen Versuche Oesterreichs scheiterten, seine Be-
ziehungen zu Russland gestalteten sich immer schroffer und riefen
endlich eine drohende Aufstellung k. k. Truppen gegenüber der
in den Donau - Fürstentümern weilenden Russen hervor. Letztere
räumten hierauf die Fürstenthfimer , welche das österreichische
.Serbisch -Banater- Armeekorps" besetzte. Dem neunten Armeekorps
fiel die Bestimmung nach Siebenbürgen zu, wohin es sich über
Grosswardein in Marsch zu setzen hatte. Der Regimentsstab mit
dem ersten, zweiten und dritten Bataillon verliessen am 6., 7. und
8. Juni Wien und rückten mittelst Eisenbahn nach Pest, wo jedes
Bataillon einen Tag Rast hielt und dann am 8., 9. und 10. wieder
mittelst Eisenbahn nach Szolnok fuhren. Von hier marschirten die
Bataillone den Tag nach ihrem Eintreffen stationatim über Gross-
wardein nach Klausenburg, wo sie am 29. und 30. Juni eintrafen.
40*
028
Der Regimentsstab mit dorn ersten Bataillon, dann der 4. und
6. Division blieben in Klausenbnrg, die 0. Kompagnie wurde zu
Bacs, die 10. zu Szuozag, der Stab des dritten Bataillons mit der
7. Division zu Thorda, die 8. in Mihayfalva, die 17. Kompagnie zu
Egerbegy und die 18. zu Gyeros bequartirt. Das Regiment bezog
die Bereitschaftsgebühren und erhielt dir Kintheilung in das cilfite
Armeekorps.
Im Sommer wurde die Armee auf den Kriegsfuss gesetzt
und F.-Z.-M. Freilierr v. Hess zum Oberkommandanten der von
Sr. k. k. Hoheit dem G. d. K. Erzherzog A 1 b r e c h t komraan-
dirten dritten und der vom G. d. K. Grafen Schlick befehligten
vierten Armee ernannt. Die im grossartigsten Massstabe einge-
leiteten Rüstungen erforderten von Oesterreich ungeheuere Opfer.
Zur Erschwingung derselben hatte man eine Anleihe durch frei-
willige Beiträge der Bevölkerung des (Jesammtstaates ausgeschrieben,
wozu auch das Offizierskorps des Regiments eine bedeutende
Summe subskribirte.
Vermöge Armeebefehls vom 29. Juni wurde das eilfle Armee-
korps in die Bukowina und nach Galizien beordert. Deragemäss
brach das Regiment am 12. und 14. von Klausenburg und Thorda
auf und marschirte über Walazut, Does, Remete, Szigeth, Tribusa,
Körös, Janina, Delatyn, Nadvorna nach Bohorrozan, wo der Stab
und das erste Bataillon verblieben, dagegen das zweite in Szolotvina,
das dritte in Ottynia und Konkurrenz bequartirt wurden. In Tribusa
hatten die Bataillone bivouakirt und bei Ueberschreitung der galizi-
schen Grenze das Regiment die Einteilung in die vierte Armee
erhalten. Am 1. Juli war das vierte Bataillon von Komorn nach
Pest zurück.
Mit Allerhöchster Erschliessung vom 12. Juli geruhten Seine
Majestät anzuordnen, dass die vier Grenadier -Kompagnien sich in
ein Bataillon zu vereinigen und an deren Stelle die 1., 7., 13. und
19. Füsilier -Kompagnie aus Reservemännern zu errichten seien. Zum
Kommandanten des Grenadier -Bataillons geruhte Se. Majestät den
Oberstlieutenant Johann P 1 o c h 1 und als Kommandanten des Trains
bei der dritten Armee den Hauptmann Alexander Strasser unter
gleichzeitiger Beförderung zum Major zu ernennen.
Die vier obgenannten Füsilier -Kompagnien wurden in Korneu-
burg so überraschend schnell errichtet, dass dieselben, nachdem sie
1860-1888.
629
die Fahne des ehemaligen Landwehr-Bataillons erhalten hatten, schon
am 30. mit der Eisenhahn nach Pest abgehen konnten, wo sie am
folgenden Tage eintrafen und die Quartiere bezogen. Die 19. Kom-
pagnie rückte hier beim vierten Bataillon ein, wogegen sich die
vierte Grenadier -Kompagnie an die neuen Kompagnien am 4. Sep-
tember beim Weitermarsche anschloss. Diese vier Kompagnien fuhren
an diesem Tage mittelst Eisenbahn nach Szolnok und dann nach
Tokay. Diese Fahrt wahrte drei Tage und vier Nächte. Von Tokay
wurde der Marsch stationatim über Keresztur, Beregszasz, Munkaez
gegen Stryi fortgesetzt. Mittlerweile hatte die Brigade G.-M. Graf
Monteforte Marschbereitschaft erhalten und das Bataillon wurde
zu St. Miklos befehligt mit dem Stabe in Munkaez zu verbleiben,
die Kompagnien in der Umgebung zu bequartireu und den weiteren
Marschbefehl abzuwarten.
Das Regiment erhielt in seiner Stabsstation Bohorodzan den
Befehl zum Befestigungsbau nach Przemysl 1 Stabs-, 10 Ober-
offiziere, 34 Korporale und 1035 Gemeine abzusenden, daher am
14. September Major Aggermanu mit 10 Offizieren und per
Kompagnie 59 Mann aus Bohorodzan aufbrachen und am 25. zu
Przemysl anlangten.
Major Josef Pleugmakers trat im September in Ruhe-
stand, Hauptmann August Wallnöfer avancirte zum Major beim
Regiment Nr. 42, dagegen von dort Hauptmann Leopold Mayer-
h o f e r v. G r ft n b ü h 1 und Hauptmann Eduard C a 1 v a s von
Nr. 31 zu Majors im Regiment.
Nach dem Abzug der Russen aus den Donau - Fürstentümern
gestalteten sich die Verhältnisse zwischen Oesterreich und Russland
friedlicher, die Alliirteu aber landeten in der Krim, wo nach einigen
Affairen die Verbündeten an die Belagerung von Sebastopol schritten.
Diese Belagerung, welcher für alle Zeiten ein denkwürdiger Abschnitt
in der Kriegsgeschichte eingeräumt bleiben wird und die mit dem
Falle des russischen Bollwerks und der russischen Macht an dem
schwarzen Meere endete, brachte dann auch den Orientkrieg zum
Abschlüsse, dem der Frieden von Paris, 30. März 1850, folgte.
Das 11. Armeekorps wurde Ende September in die Winter-
quartiere beordert.
Am L, 2. und 4. Oktober verliessen der Regimentsstab mit
den drei Feld - Bataillons ihre Stationen und marschirten über Mi-
630
1K50-1858.
Uli/in. Körösmczö, Tribusa nacb Szigeth, wo der Stab und das
erste Bataillon verblieb ; der rechte Flügel des dritten wurde in
Hozumezö, der linke in Szlatina, das zweite Bataillon in Fecsö
und Huszth bequartirt. An demselben Tage waren auch die Ersatz-
Kompagnien von Munkacz in Szigeth eingetroffen, welche nun zu
ihren Bataillons einrückten, wahrend die Grenadier - Kompagnien
beim Regimentsstab im Bataillon sich sammelten.
Major Alexander Strasser erhielt im November 1854 die
Einteilung zum Regiment Nr. 40. Major Eduard Calvas wurde
im Mai mit dem Major Friedrich Ritter v. Friess des Regiments
Nr. 2 verwechselt,
Am 2. Mai erhielt das Regiment Marschbereitschaft und am
5. den Marschbefehl nach Ober-Ungarn. Die Bataillone brachen am
8., 9. und 10. aus ihren Stationen auf und rückten über Szöllös,
Ujlak, Munkacz nach Kaschau, wo der Regimentsstab mit dem
Grenadier- Bataillon verblieb; das erste Bataillon kam nach Rosenau,
das zweite Moldau und das dritte nach Rima - Szombäth.
Vermöge Allerhöchster Erschliessung vom 12. Juui 1855
hatten sich die Infanterie - Regimenter auf vier Feld - Bataillone zu
je ein Grenadier- und fünf Füsilier- Kompagnien zu stellen, was die
Auflösung des Grenadier-Bataillons und der vier Ersatz-Kompagnien
zur Folge hatte. Gleichzeitig mit der Reduzirung erhielt das Regi-
ment Marschbefehl nach Pest, setzte sich auf den Friedensstand
und rückte in drei Kolonnen am 9. Juli aus seinen Stationen nach
Pest ab, wo dasselbe am 20., 23. und 24. anlangte. Am 18. Juli
war das vierte Bataillon von Pest mittelst Eisenbahn nach Wien
gefahren und dann nach Korneuburg gerückt. Hier eingetroffen, trat
es in die Obliegenheiten des Depot- Bataillons, welches nun eben-
falls aufgelöst wurde ; auch rückte im Oktober das Arbeiter-Detache-
ment von Przemysl beim Regimente ein. Hauptmann Friedrich Baron
Schweikhardt wurde als Professor in das Kadeten - Institut zu
Strass, ebenso Lieutenant Josef Weil in die Genie - Akademie
kommandirt. Ende Oktober rückte der rechte Flügel sammt dem
Stabe des dritteu Bataillons nach Stuhlweissenburg.
Die bemerkenswerthen Neuerungen aus dem Jahre 1855 sind:
Mit Allerhöchstem Befehlschreiben vom 15. Jänner wurde die Spitz-
ruthenstrafe, das sogenannte Gassenlaufen, abgeschafft. Mit Armee-
Befehl Nr. 20 vom 23. Juli erschien ein neues Pensions - Normale
18M-18S8.
631
für Generale, Stabs- und Oberoffiziere und am 1. Juli 1855 ein
neues Militär - Strafgesetzbuch und Kriegsartikeln 35 an der Zahl.
Am 1. Juni 185G begann die Bezahlung der Offiziers - Geld-
gebühren im Vorhinein, statt wie bisher nachträglich.
Vom 1. bis 26. Juni befand sich das Regiment im Exerzier-
Lager zu Vörösvär. Am 27. August marschirte das erste Bataillon
zur Einweihung des Domes nach Gran und rückte am 1. September
wieder in Pest ein, worauf am 7. am Räkos eine grosse Feldraesse,
zu welcher die gesammte Garnison ausrückte, stattfand.
Se. Majestät der Kaiser langte am 21. September 1856 mitteist
Dampfschiff in Ofen au. Die zweite Grenadier - Kompagnie war als
Ehren - Kompagnie am Landungsplatze aufgestellt und am folgenden
Tage fand eine Revue auf der Haide bei Keresztur statt, nach
welcher Se. Majestät dem versammelten Offiziers - Korps Allerhöehst-
seiue Zufriedenheit über das gute Aussehen und die Maiiüvririähig-
keit des Kegiineuts in den huldvollsten Ausdrücken bekannt zu geben
und jedem Manne eine dreitägige Gratislöhuuug zu bewilligen geruhte.
Abends brachte die Gemeinde Sr. Majestät einen Fackelzug, bei
welchem Kapellmeister Josef D u b e z des Regiments sämmtliche
vereinigten Musikbanden dirigiite. Am 26. reiste Se. Majestät nach
Czegled ab, zu welchem Behule sich sämmtliche Stabs- und Ober-
oftiziere bei der k. Burg versammelten.
im Oktober 1856 trat Hauptmann Josef Bolletny in den
Ruhestand und erhielt für seine ausgezeichnete 42jährige Dienstzeit
den Majors - Charakter ad honores.
Die Werbbezirke erhielten im März 1857 die Benennung „ Er-
gänzungsbezirke * und wurden regulirt. Das Regimeut erhielt zu
seinem alten Bezirk in Nieder -Oesterreich mit der Reichs-, Haupt-
und Residenzstadt Wien noch einen Aushilfs - Bezirk im Pressburger-
Comitate mit der Stadt Pressburg und 14 Ortschalten. Major Wilhelm
Aggermann v. Bellenberg erhielt im April 1857 unter Ver-
setzung in den Armeestand die Eintheiluug bei der Hauptmonturs-
kommission zu Stockerau.
Das Regiment, welches seit dem Jahre 1839 statt den Stein-
schloss- mit Zünder -Gewehren bewaffnet war, erhielt nun solche
mit Kapseln und gezogenen Läufen; die grossen Patrontaschen
wurden durch kleinere ersetzt und an dem Riemen eine schiebbare
Kapseltasche angebracht.
632
lftSO-lftftft.
Beim feierlichen Einzüge Ihrer Majestäten anfangs Mai in Ofen
stand die erste Grenadier - Kompagnie auf der Burgwache und zwei
Bataillone bildeten Spalier von der Kettenbrücke bis zum Thore.
Am 6. rückte die ganze Garnison zu einem Parade - Produktions-
Exerziren vor Sr. Majestät auf dem Rakos aus; die Mannschaft
erhielt eine dreitägige Gratis -Löhnung.
Am 18. Juni ward in allen Garnisonen Oesterreichs das
hundertj ährige Bestehen des Militär- Maria -Theresien- Ordens ge-
feiert. Eine besondere Pracht war diesfalls in Wien entfaltet, wo
von Seite des Regiments der Ritter der eisernen Krone Haupt-
mann Kühne mit 1 Feldwebel, 1 Korporal, 1 Grenadier und 1 Ge-
meinen, sämmtliche mit Tapferkeits-Medaillen Dekorirte, als Depu-
tation anwesend waren.
Hundert Jahre waren seit dem Tage vergangen, an welchem
sich das Regiment bei Kolin hohen Ruhm erwarb und seitdem es
das stolze Bewusstsein trägt, mit seiner Tapferkeit und seinen]
Blute zur Gründung des Maria Theresien-Ordens redlich beigetragen
zu haben.
Würdig den Tapferen, die damals unter dem alten Namen
»Hoch- und Teutschmeister* gekämpa, focht seither das Regiment
in allen Feldzügen, die Oesterreich führte und seine in der Ge-
schichte verzeichneten Thaten in so vielen Schlachten geben Zeugniss,
dass die Tapferkeit der Deutschmeister bei Kolin an ihre Nach-
kommen ungeschmälert überging.
Am 2. Juli marschirte das Regiment in das Zeltlager bei
Vörösvär, machte alle Uebungen mit und rückte am 31. wieder in
Pest ein. Major Johann Schonat wurde im November 1857 zum
Kommandanten des Kadeten - Instituts zu Strass ernannt; Major
Friedrich Ritter v. Friess am 28. Dezember zum Regiment Nr. 20
transferirt.
In diesem Jahre war im Februar ein „Organisation - Statut*
erschienen, nach welchem das Regiment im Frieden : Aus dem Stabe
mit 94, und 4 Feld - Bataillons gleich 2730 Mann; im Kriege: Stab
166 und in 32 Kompagnien 6720 Mann, 76 Pferden, 29 Bagage-
karren, 1 Feldschmiede, 1 Kassa- und 1 Sanitätswagen zu bestehen
hatte. Bei jeder Kompagnie erfolgte die Systemisirung von 4 Zugs-
führern. Diese erhielten die bisherigen Distinktionszeichen der Feld-
webel, letztere aber noch eine schmale gelbe Borte an den Kragen
lKoO-isr,*.
633
der Waffenröcke. Die Auditore verloren deu Offiziers - Charakter. Das
Adjutanten - Korps wurde errichtet.
Am 14. Jänner 1858 wurde in der Pfarrkirche zu Pest ffir den
verstorbenen Helden Oesterreichs, Feldmarschall Grafen Radetzky,
ein Trauergottesdienst abgehalten, bei welcher Gelegenheit sechs
Oberlieutenants des Regiments mit gezogenen Säbeln am Katafalke
die Wache hielten.
In Ofen verkündeten am 21. August 1858, 101 Kanonenschüsse
die Geburt des Kronprinzen Erzherzog Rudolf.
Im Laufe der Konzentrirung erhielt das Regiment die Ver-
ständigung, dass die Abhaltung der seit einigen Jahren unterbliebenen
Musterungen wieder angeordnet wurde, in Folge dessen das Regiment
am 30. August die Musterung passirte. Zur nämlichen Zeit wurde
kundgemacht, dass die Offiziere in Fällen von Privattrauer den
ArmHor ausser Dienst tragen können.
Am 1. Oktober 1858 rückte der Regimentsstab mit dem ersten
Bataillon mittelst Eisenbahn nach Debreczin, das zweite nach Szegedin
und von hier stationatim nach Arad, am 3. das dritte Bataillon
mittelst Eisenbahn nach Grosswardein in Garnison. Am 1. November
erschien ein neues Gebühren - Reglement, welches alle Gebührensätze
der Armee umfasste.
Lieutenant Josef Weil wurde nach zurückgelegter sechsjähriger
Dienstzeit in der Bildungsanstalt ausser der Tour zum Oberlieutenant
ira Regiment Nr. 57 ernannt. Derselbe quittirte später, wurde Pro-
fessor an der k. k. Kriegsschule und Oustos an der k. k. Hof-
Bibliothek. Hatten schon seine patriotischen Gedichte »die Männer
vom Schwerte* noch während seiner Verwendung in der Akademie,
in der Armee den ungetheiltestcu Beifall gefunden, so vorschafften
ihm dann seine vorzüglichen Tragödien, welche im k. k. Burg-
theater zur Aufführung gelangten, in weiten Kreisen den Ruf
eines genialen Dichters und Se. Majestät der Kaiser belohnte
seine Krfolge in der Kunst und Wissenschaft mit dem Orden der
eisernen Krone.
634
1S59.
1859.
Im Angesichte der zu Beginn des Jahres 1859 in ganz un-
bescheidenem Masse angewachsenen Forderungen und feindlichen
Kundgebungen Sardinien^, dann des mit diesem Staate alliirten
Frankreichs wurden die Garnisonen der Lombardie verstärkt und
weil die genannten beiden Staaten in einer für Oesterreich bedroh-
lichen Weise rQsteteu, wurde auch bald der grösste Theil der
k. k. Regimenter auf den Kriegsstand gesetzt.
So erhielt auch das Regiment mit Allerhöchstem Befehl vom
24. April die Weisung, sich mit seinen vier Feld - Bataillonen auf
den vollen Kriegsstand zu setzen und das Grenadier- und Depöt-
Bataillon zu errichten; ferner wurde mit 16. Mai die Aufstellung
eines fünften Bataillons, die Versetzung der Depot - Kompagnien auf
den Stand von 180 Gemeinen uud die Einziehung sämmtlicher
Urlauber uud Reservemänner angeordnet. Am 20. April erhielt das
Regiment Marschbereitschaft ; am 29. rückten die Bataillone mittelst
Eisenbahn aus ihren Garnisonen ab und erreichten am 30. Pest.
Der Regimentsstab und das erste Bataillon fuhren noch am Abende
dieses Tages ab, welchen in der Nacht die übrigen Bataillone folgten
und am 1. Mai das ganze Regiment in Wien eintraf.
Major Gottfried Graf Auersperg avaucirte im Mai zum
Obersüieutenant und Kommandanten des zweiten Wieuer Freiwilligen-
Bataillons, Hauptmann Friedrich Fröhlich v. Elmbach und
Wilhelm Eckart v. Eckenfeld zu Majors, enterer beim Regiment
Nr. 8, letzterer bei Nr. 42, dagegen wurden die neu beförderten
Majore Otto Schön vom Regiment Nr. 8 und Cornelius v. Henning
von Nr. 42 in das Regiment cingetheilt, in welchem Hauptmann
Eduard Baron Eliatschek von Siebenburg zum Major vorrückte.
Während dieser geschilderten Veränderungen im Innern des
Regiments hatte es die italienische Kriegspartei so weit gebracht,
dass das zum Aeussersten gedrängte Oesterreich am 23. April ein
Ultimatum an Piemont sendete, welches die Regierung in Turin
am 26. ablehnte und den Krieg proklamirte, während Frankreich
seine Truppen über den Mont Cenis zu Land, dann über Marseille
1851).
635
nach Genua, zur See in Bewegung setzte. Aiu 28. erliess Se. Majestät
der Kaiser Franz Joseph I. ein Manifest an Seine Völker und am
21». erfolgte von Seite Oesterreichs die Kriegserklärung.
Die Truppen erhielten folgenden Armee - Befehl : „Nach frucht-
losem Bemühen, Meinem Reiche den Frieden zu erhalten ohne seine
„Wörde in Frage zu stellen, bin Ich gezwungen zu den Waffen zu
„greifen. Mit Zuversicht lege Ich Oesterreichs gutes Recht in die
„besten und bewährten Hände Meiner braven Armee. Ihre Treue
„und Tapferkeit, ihre musterhafte Disziplin, die Gerechtigkeit der
„Sache, die sie verlieht und eine glorreiche Vergangenheit verborgen
„Mir den Erfolg. Soldaten der zweiten Armee ! An Euch ist es, den
„Sieg an die unbefleckten Fahnen Oesterreich^ zu binden. Geht mit
„Gott und dem Vertrauen Eueres Kaisers in den Kampf!
„Wien, am 27. April 1859.
„Franz Joseph m. p."
Die zweite Armee rückte am 30. April über den Tessin in
Fiemont ein, während die sardinische Armee hinter den Po und die
Sesia gegangen war, um unter dem Schutze der Festungen Ales-
sandria und Casale, die Ankunft der Franzosen zu erwarten, deren
Spitze schon am 26. in Genua gelandet war.
Die Oesterreicher fanden beim Ueberschreiten der Grenze keinen
Anstand, setzten unangefochten ihren Marsch bis an die Sesia fort
und gestatteten in dem von dem Po und der Sesia geschützten
Dreieck Vercelli, Valenza, Pavia den Anmarsch der Franzosen, die
sich bald mit den Sarden vereinigt hatten. In dieser Stellung, eine
Demonstration über die Sesia ausgenommen, verblieben die Truppen
bis 18. Mai, an welchem Tage, da durch die Konzentrirung der
Feinde bei Alessandria der linke Flügel der k. k. Armee bedroht
schien, die Stellung am Po durch das fünfte Korps verstärkt wurde.
Gleichzeitig erhielt dieses Korps den Befehl mit drei Brigaden den
Po zu überschreiten und eine forcirte Rekognoszirung in der Richtung
gegen Voghera auszuführen. Am 20. Mai geschah diese Vorrückung,
welche zu dem Gefechte bei Montebello führte, in welchem sich die
k. k. Bataillone mit besonderer Bravour schlugen, so dass Se. Majestät
der Kaiser nachstehende telegraphische Depesche an den Armee-
Kommandanten seudete: „Ich danke Meinen braven Truppen für ihre
„ausgezeichnete Tapferkeit bei dem Gefechte von Montebello."
«36
1850.
Mit heisser Ungeduld hatte das Regiment bisher die Abberufung
auf den Kriegsschauplatz erwartet, als endlich der Befehl erschien,
am 17. aufzubrechen und zum Korps nach Istrien zu rucken, welches
die Meeresküste zu decken hatte. In der Brigade G.-M. v. Anthoine
trat das Regiment mit dem Grenadier-, ersten, zweiten und dritten
Bataillon und der Kavallerie - Batterie Nr. 18 den Marsch am ge-
nannten Tage mittelst Eisenbahn an. Der Brigadestab und die
Batterie blieben in Adelsberg, während alle fibrigen Abtheilungeu
nach »St. Peter weiter fuhren, von wo der Regimentsstab mit dem
ersten Bataillon nach Feistritz, das zweite nach Grafenbrunn und
das dritte in Sagurie bequartirt wurden, während die Grenadiere in
St. Peter verblieben. Die Brigade Pionniere und Zimmerleute unter
Oberlieutenant Bauer marschirten nach Fiume, mit dem Auftrage,
die dorthin führenden Strassen und Brücken auszubessern und prakti-
kabel herzustellen.
In dieser Kantonnirung erhielt das Regiment den Befehl, auch
das fünfte Bataillon zu errichten, wozu Hauptmann Franz Fabrici
bestimmt wurde, welcher mit den nöthigen Offizieren sogleich nach
Korneuburg abging. Das Regiment übte den Vorpostendienst, das
Patrouilliren und Tirailliren, als am 27. der General und Brigadier
v. Anthoine den Befehl erhielt, sogleich mit allen Abtheiluugen auf-
zubrechen und in Doppelmärschen ohne Rasttag nach Italien zu mar-
sehiren. Noch am Abende desselben Tages rückten die Abtheilungen
jubelnd aus ihren Dislokationen, kouzentrirten sich in und um St. Peter
und nach eiuer dreistündigen Rast setzte sich die Brigade über Pre-
wald, Wippach, Görz, Gradiska in Bewegung und traf am 2. Juni
in Treviso ein, wo am 3. der erste Rasttag gehalten wurde.
Oberst Karl Wächter Edler v. Wachenhain wurde zum
General - Major und Brigadier, Oberstlieutenaut Johann Plochl
zum Oberst und Regiments - Kommandanten, Major Johann Weiss-
bar t h , Edler v. 0 u r t Ii e - W c h r zum Oberstlieutenaut, Major
Johann Schonat zum Oberstlieutenaut im Armeestande, Hauptmann
Franz Fabrici und Theodor Baron Riesenfels zu Majors, letzterer
in seiner Anstellung als Inhabers- Adjutant, endlich der Ritter der
eisernen Krone Hauptmann Friedrich Kühne zum Kommandanten
des dritten Wiener Freiwilligen - Bataillons ernannt.
In Italien kam die Brigade Anthoine in die Armee -Division
des F.-M.-Lt. v. Marziani, welche den Po gegen das Korps des
Digitized by Google
1859.
037
Prinzen Napoleon zu beobachten und zu decken hatte, damit die
linke Flanke und der Rucken der operirenden Armee gesichert sei.
Se. Majestät geruhte zu befehlen, dass zur möglichsten Schonung
der Soldaten die Tornister auf Wagen naehgeführt, ferner dass auf
Doppelmärschen zweimal abgekocht und wo diess nicht möglich,
dem Manne eine Durchzugsgebühr zu seiner Verfügung ausbe-
zahlt werde.
Am 4. Mai marschirte die Brigade nach Noale, 0. Padua,
0. Estevo, wo am 7. Rasttag gehalten wurde, am 8. nach Montagnana
und am 9. nach Ostiglia. In allen diesen Stationen waren die
Bataillons in Kirchen, Schulen oder sonst leeren Gebäuden unter-
gebracht. Vom 9. au hatte täglich eine Division per Bataillon
Bereitschaft, welche nach dem Abessen in der Mitte der Station
Stellung nahm und unter den Waffen blieb. Der Brigade- und Re-
gimentsstab mit dem ersten und dritten Bataillon blieben in Ostiglia,
das Grenadier-Bataillon wurde nach Veravalle verlegt und das zweite
über den Po nach Revere vorgeschoben, von wo am 10. der linke
Flügel dieses Bataillons nach Sermide detachirt wurde, um feind-
lichen Einfällen aus dem modenesischen Gebiete begegnen zu können.
Während diesen Bewegungen der Brigade hatte der Feind
durch einen Flankenmarsch über Novara sich dem Tessin genähert
und diesen Fluss am 3. Juni passirt. Tags darauf fand die Schlacht
bei Magenta, statt und obgleich die österreichische Armee mit an-
erkannter heldenmüthiger Tapferkeit focht, hatte diese doch deu
Rückzug des k. k. Heeres über die Adda und Chiese gegen den
Miucio zur Folge.
Am 13. Juni rückte das Regiment aus seiner vorhezeichneten
Stellung. In Ostiglia blieb eine Division des dritten Bataillons, drei
Kompagnien desselben wurden nach Ronca nuova und eine nach
Bergantino verlegt; der Regimentsstab mit dem ersten und zweiten
Bataillon nebst der Pionnier-Abtheiluug kamen nach Sanguinetto,
das Grenadier- Bataillon nach Nogara. Die Pionnier- Abtheilung er-
baute Batterien, richtete Häuser zur Verteidigung ein und ver-
nichtete die Fahrzeuge auf dem Po. Am folgenden Tage wurden auf
Befehl Sr. Majestät zur weiteren Erleichterung des Mannes, die
Waffenröcke und Kamaschen in der Festung Legnago deponirt.
Am 15. brach das Regiment wieder auf und marschirte der
Regimentsstab mit dem ersten und zweiten Bataillon nach Ronca
Digitized by Google
nuova, Gazzo uud Corezzo; das Grenadier -Bataillon nach Ponte
molivo; das dritte Bataillon blieb mit einer Division in Ostiglia,
verlegte je eine Kompagnie nach Melara und Massa und zwei nach
Ficearolo.
Am 21. Juni wurde die Lombardie zum grössten Theil von
der österreichischen Armee geräumt, welche nach Zuröcklassung
von vier Brigaden auf dem rechten Mincio -Ufer über diesen Fluss
zurückging. Nachdem am 22. Juni die neue Ordre de Bataille in
der Armee durchgeführt war, erfolgte am 23. die allgemeine Vor-
rückung sämmtlicher Heerestheile in der Linie Pozzolengo, Solferino,
Cavriana, Guidizzolo.
Am 24. erfolgte die Schlacht bei Solferino. Früh morgens
hallte schon der Kanonendonner der mit den Feinden engagirten
Armee, dumpf bis in die Stellung des Regiments herüber und ira
weiteren Verlaufe des Vormittags bewies das ferne Rollen der
Kanonenschüsse, dass die ganze Armee ira Kampfe sei.
Wahrend das achte Korps siegreich die Piemontesen weit
zurflckdrückte, hatten die Franzosen nachmittags nach dem hart-
nackigsten Widerstande der Oesterreicher das Centrum der Schlacht-
linie, die Höhen von Solferino mit ihrer Uebermacht erstürmt und
nachdem das zweimalige Vorrücken des linken Flügels in den Ebenen
von Guidizzolo auch nicht den erwünschten Erfolg hatte, wurde der
allgemeine Rückzug angetreten. Schritt für Schritt, dabei öftere
OfFensivstösse ausführend, gingen nun die Korps, gefolgt von den
Feinden, zurück, bis sich gegen 5 Uhr ein furchtbarer Sturm erhob
und einen wolkenbruchartigen Regen über die Kämpfenden entlud,
welcher der Schlacht ein Ende machte. Noch bis 10 Uhr hielten
Abtheilungen Guidizzolo, Volta und Pozzolengo besetzt und rückten
erst am 25. hinter den Mincio.
Die Brigade Anthoine wurde am 27. abends nach Vigo und
Trecenta zurückgezogen. Am 4. Juli rückten das Grenadier- erste,
zweite und dritte Bataillon in einem Marsche über Villa nuova nach
Rovigo und am 11. wurde der Regimentsstab mit den Grenadieren
nach Monfelice, das erste Bataillon nach Tubano, das dritte nach
Conselve verlegt.
Nachdem sich die österreichische Armee gegen Verona zurück-
gezogen hatte, überschritt der Feind den Mincio und rückte bis
Villafranca vor. Am 11. Juli fand dann in diesem Orte eine persön-
Digitized by Google
039
liehe Zusammenkunft der beiden Kaiser Franz Joseph I. und
Napoleon III. statt, wobei letzterer mit Friedensanträgen hervor-
trat. Tags darauf wurde der Präliminar - Friede zu Villafranca unter-
zeichnet und den Truppen mit nachstehendem Armeebefehl Nr. 41,
dto. Verona 12. Juli 1859 kundgegeben:
a Gestützt auf Mein gutes Recht, bin Ich in den Kampf für
»die Heiligkeit der Vertrage getreten, zählend auf die Begeisterung
, Meiner Völker, auf die Tapferkeit Meines Heeres und auf die
„natürlichen Bundesgenossen Oesterreichs.
„ Meine Völker fand Ich zu jedem Opfer bereit; die blutigen
„Kämpfe haben der Welt den Heldenmuth und die Todesverachtung
„Meiner braveu Armee erneuert gezeigt, die in der Minderzahl
„kämpfend, nachdem Tausende von Offizieren und Soldaten ihre
„Pflichttreue mit dem Tode besiegelt, ungebrochen an Kraft und
„Muth der Fortsetzung des Kampfes freudig entgegensieht.
„Ohne Bundesgenossen weiche Ich nur den ungünstigen Ver-
hältnissen der Politik, denen gegenüber es Mir vor Allem zur
, Pflicht wird, das Blut Meiner Soldaten, sowie die Opfer Meiner
„Völker nicht erfolglos in Anspruch zu nehmen. Ich schliesse Frieden
„ihn auf die Minciolinie basirend.
„Aus vollstem Herzen danke Ich Meiner Armee; sie hat Mir
„aufs Neue gezeigt, wie unbedingt Ich bei künftigen Kämpfen auf
„sie rechnen kann.
„Franz Joseph m. p."
Das vierte Bataillon war im April stationatim nach Schärding
marschirt, hatte hier die Eintheilung im sechsten Armeekorps in die
Brigade G. - M. Baron Henikstein erhalten, welche bestimmt
war mit den Truppen des deutschen Bundes sich zu vereinigen und
zur Bekämpfung des Feindes mitzuwirken.
Die Verhandlungen mit Preussen stellten jedoch bald die
deutsche Bundeshilfe keineswegs in sichere Aussicht und so erhielt
das sechste Korps am 31. Mai die Weisung, in stärkeren Märschen
ohne Verzug sich nach Süd-Tirol in Bewegung zu setzen, wobei in
möglichst grossen Kolonnen und unterwegs bivouakirend zu mar-
schiren, die Tornister aber mittelst Vorspann mitzufühlen waren.
Digitized by Google
640 185».
Das vierte Bataillon erhielt nun die Eintheilung in die zweite
Marschkolonne, welche aus fünf Bataillons bestand und am 7. Juni nach
Salzburg, 8. Lofer, 0. Wörgol und den 10. nach Innsbruck marschirte.
Hier wurde ein Rasttag gehalten, dann am 12. nach Steinach,
13. Sterling, 14. Brixen, 15. Klausen und Bötzen weiter marschirt.
Am 17. abends setzte sich die Brigade Henikstein zur Be-
setzung der Thaleingänge Rocca d'Anfo, Bagolino, Riva, Vezzano,
Cles und Male in Bewegung. Auf dem Marsche, am 18. in Cassavo
erhielt die Brigade den Befehl, Rocca d'Anfo und Bagolino zu
besetzen, das Val Bona und den Zugang zu deu Judicarien zu ver-
teidigen. Diesem gemäss besetzte die zwölfte Division Deutsch-
meister unter Kommando des Hauptmanns August Kopp Rocca
d'Anfo, welche Feste ohne Oeschfitz und hinsichtlich des Unter-
haltes lediglich auf Requisition angewiesen war; drei Kompagnien
besetzten Bagolino und eine den Monte Zuello, die gegen den in
das Val Trompia fahrenden Passo della Maniva, dann gegen den
wichtigen Uebergang Passo di Croce domini in das Val Camonica
streiften. Als Reserve lagerten zwei Kompagnien Tiroler Kaiserjäger
und eine halbe Raketten - Batterie in Cassano.
Am 20. Juni brachten Reisende die Mittheilung, dass be-
deutende feindliche Streitkräfte am Anmärsche sich befinden, daher
von Rocca d'Anfo eine Patrouille von 14 Mann auf der Strasse
gegen Treviso vorgesendet wurde, welche bei einer Strassenwendung
bei Laverone auf ein feindliches Bataillon stiess und theils gefangen,
theils zersprengt wurde. Der zur Unterstützung dieser Patrouille
nachgesendete Oberlieutenant Mai er stiess eine halbe Stunde von
Rocca d'Anfo bei Casa d'Idro ebenfalls auf den Feind und zog sich
fechtend zurück. Um die Mittagszeit rückten mehrere feindliche
Kolonnen in Anfo ein, welche am 22. die Stärke von drei Bataillons
mit vier Geschützen erreichten.
Lieutenant Karl H o f f m a n n hielt mit 60 Mann der 24. Kom-
pagnie die Kaserne besetzt, deren Thor verbarrikadirt und mit
Schiessscharten versehen war. Im Fort selbst wurden alle Wachen
verstärkt und die übrige Mannschaft auf den Waffenplätzen kon-
8ignirt. Am 21. um V42 Uhr nachmittags begann der Angriff des Feindes
mit einem heftigen Geschützfeuer gegen die Kaserne, gleichzeitig
eröffneten ungefähr 200 Schützen von den die Feste umgebenen
Höhen ein lebhaftes Feuer auf die ungedeckt stehenden Wachen,
Digitized by Google
ist»,
041
bestrichen die Waffenplätze und alle inneren ungedeckten Ver-
bindungen.
Nachdem Lieutenant Hoffmann dem Feinde tapferen Wider-
stand geleistet hatte, erhielt er den Refehl, sich in's Fort zurück-
zuziehen, was dieser nur mit Verlust eines Todten, Gemeiner Christ,
in bester Ordnung ausführt«'. Nun besetzte der Feind die verlassene
Kaserne, sowie auch die venezianische Mauer placirte eine Hatterie
von vier Geschützen vor ihrem Sfidthore und verbarrikadirte dasselbe,
nachdem er es zuvor eingeschossen hatte.
Durch den Geschützdonner aufmerksam gemacht, brach der
Vorposten - Kommandant Major Sc lud lach sofort mit einem Zug
Tiroler Kaiserjäger, zwei Kompagnien des Regiments Nr. 4ß und
zwei Raketen - Geschützen zur Unterstützung der Besatzung auf.
Um 4 Uhr gelangten zwei Raketen -Geschütze, welche aber
nur mit je vier Geschossen versehen waren, in das Fort, richteten
ihr Feuer auf die feindliche Ratterie, ohne jedoch ein besonderes
Resultat zu erzielen.
Ungefähr um 5 Uhr, als der Feind die Gewissheit hatte, dass
das Fort ohne Geschütze sei, rückte derselbe mit zahlreichen
Tirailleurs gegen dasselbe vor. Ein heftiges von allen Seiten und
aus jeder Schiessscharte eröffnetes und wohlunterhaltenes Feuer
trieb denselben jedoch bald mit dem Verlust von einigen Todten
und Verwundeten hinter die Kaserne zurück, wo er sich verbarri-
kadirte und das Feuer der Resatzung erwidert«.1.
Gegen 5l/2 Uhr erschien die obgenannte Unterstützung und
eröffnete das Feuer gegen die Tirailleurs auf den Höhen, ohne sie
vertreiben zu können. Um die siebente Stunde abends verstummte das
Geschützfeuer und fielen auch die letzten Gewehrschüsse.
Der Verlust der Division bestand in 1 Todten und 2 Ver-
wundeten, von welchen einer in der Nacht seiner Wunde erlag.
Bei Bagolino standen, wie bekannt, vom Bataillon drei Kom-
pagnien, während die 22. zur Beobachtung des Feindes am Monte
Zuello detachirt war. Oberlieutenant Maison v. Lobenstein
hielt mit einer Abtheilung das dortige Blockhaus besetzt ; Vorposten
waren ausgestellt und Patrouillen streiften in der Gegend.
Am 22. nachmittags 4 Uhr wurde eine Patrouille unter Führer
Wohlmuth, welche auf dem Berge gegenüber Bagolino sich auf-
stellen sollte, vom Feinde am Passo della Maniva angegriffen, ura-
41
642
gangen und nach kurcer Gegenwehr durch die Uebermacht gefangen.
Hierauf beorderte der Bataillons - Kommandant Major Baron Eli ät-
sch elc den Oberlieutenant Buchfelder mit zwei Zügen und den
Feldwebel Lang mit einem Zuge in jene Gegend, um den Feind
im ferneren Vordringen aufzuhalten, welcher sich aber schon in
weiter Ferne zurückzog und hinter dem Berge sein verschanztes
Lager bezog. Diese Abtheilungen nickten dann beim Bataillon wieder
ein, welches, da die Nacht hereingebrochen war, am Fusse des
Berges die Vorposten aufstellte und auf dem mit Mauern umgebenen
Friedhofe von Bagoliuo kampfbereit lagerte.
Am 23. Juni gegen 9 Uhr morgens bemerkte Major Baron
Eliatschek auf der Höhe des Monte Maniva stärkere Plänkler-
schwärme, denen Kolonnen in der Stärke von mehreren 1000 Mann
folgten. Diese Uebermacht und der im Röcken der Stellung gelegene
Markt Bagolino, dessen gegen 4000 Einwohner zählende Bevölkerung
feindlich gesinnt war, bestimmten den Kommandanten, den feind-
lichen Angriff abzuwarten.
Bald darauf zeigten sich auf den Gebirgsrücken des Monte
Maniva, Monte Dasdana, Monte Bagoligolo und Monte C'arena, wie
auf den Felswänden des Dosso Alto, Leute in Hemdärmeln und
zwar auf den schwierigsten und unbekanntesten Pfaden. In kurzen
Intervallen waren sie in Sicht, bald in Gruppen, bald einzeln und
verschwanden wieder, ihren Weg fortsetzend. Major Baron Eliat-
schek zog darüber Erkundigungen bei der Bevölkerung ein, welche
erwiderte; es seien Bauern, die aus der Kirche heimkehren. Es
wurden jetzt von der Gemeinde Führer verlangt, um sich durch
Patrouillen von jener verdächtigen Annäherung überzeugen zu lassen;
aber im ganzen Orte wollte sich Niemand rinden, der die Steige
kannte oder als Führer zu dienen geeignet war.
Gegen 2 Uhr nachmittag debouchirte der vom Passo della
Maniva herankommende Feind, grösstenteils reguläre piemontesische
Truppen, bei 6000 Mann stark, theils aus der Schlucht Recigano
und dem Valle di Vaja, theils von Prefegno, über den Dosso Alto
kommend, aus dem Valle della Berga, erstieg, den Thalrand ver-
meidend, sofort die Hänge des Dosso Alto und Monte Piazza, in
der Front durch Plänkler sich deckend. Auf das Feuerzeichen wurde
es an allen Hängen mit einem Male lebendig ; heftiges Gewehrfeuer
drang aus dem Walde in der rechten Flanke der Stellung, unsicht-
Digitized by Google
1859.
cm
bare Schützen sandten auch einzelne Schüsse aus dem Walde am
Monte Piazza. Jetzt erschienen auch in der Front die Tirailleurs
der mehrfach überlegenen feindlichen Hauptmacht. Eines Sturmes
gewärtig, hielt Major Baron Eliatschek eine Kolonne zur Abweisung
desselben bereit; doch der Feind beschränkte sich darauf, die drei
Kompagnien Deutschmeister in der Front durch ein unwirksames
Gewehrfeuer zu beschäftigen, um die Umgehung der rechten Flanke
durch Gewinnung des östlichen Ortsausganges zu vollenden. Diess
und eine unverkennbare Aufregung im Orte Bagolino selbst bewogen
den Kommandanten zum Kückzuge. Kaum aus dem Orte gelangt,
wurden die drei Kompagnien schon von mehreren Salven geschlossener
Abtheilungen empfangen, die von dem hoher gelegenen, nach Ricco-
massimo führenden Wege gegeben wurden. Auf diesem Rückzüge,
den Kompagnien voraneilend, stand der Feind schon in der Flanke
der Ponte Reinieri, als kaum erst die Tete derselben diese Brücke
überschritten hatte und beunruhigte aus sicherem Versteck den
Uebergang.
Die mittlerweile unter Major S c h i d 1 a c h auf deu Höhen von
Riccomassimo angelangte Unterstützung setzte der feindlichen Ver-
folgung eiu Ziel. Der Feind rannte zwar auch gegen die Stellung
von Riccomassimo an, Hess aber, durch einige Raketenwflrfe er-
schüttert, bald von weiteren Angriffen ab. Um G Uhr abends hatte
Major Baron Eliatschek mit seinen drei Kompagnien Deutsch-
meister den Monte Zuello erreicht und besetzte die dortigen Ver-
schanzungen. Die Front gegen Bagolino gewendet, bestanden diese
aus einem auf der Höhe erbauten Blockhause, welches durch Ver-
haue und Palissadirungen mit einer am Hange aufgeworfenen Brust-
wehr zusammenhing. Behufs Bestreichung der Strasse und des
Bergabhanges war eine Batterie für zwei Geschütze errichtet, am
Fusse der Höhe die Strasse durch zwei Sperren gesichert. Die
Geschütze waren nicht vorhanden, daher der Brigadier mit zwei
Raketen - Geschützen aushalf.
Der feindliche General Cialdini ging am 24. Juni zum An-
griffe dieser Stellung mit seinen 6000 Mann in drei Kolonnen vor,
wovon eine den Weg auf der Lehne des linken Caffaro- Ufers gegen
die Position des Major Schidlach bei Riccomassimo, die zweite
von Bagolino direkt auf Monte Zuello, die dritte endlich aus dem
oberen Theile des Valle di Lerrazzo, und von den k. k. Truppen
41*
Digitized by Google
644
1*59.
unbemerkt auf dem Kamme des zwischen dem See und dem Caffaro-
Baeh liegenden Rückens die Richtung gegen die linke Flanke der
Befestigung nahm.
Die Truppen des Generals Cialdini griffen mit Ungestüm
an, wurden aher am Blockhause vom Oberlieutenant v. Maison
mit seiner tapferen Besatzung kräftig empfangen. Der Kampf währte
hier eine volle Stunde, bis der wackere Oberlieutenant der Ueber-
macht weichend, vom Feinde hart gedrängt, sich zum Bataillon in
die Verschanzungon zurückzog. Der Feind besetzt«' nun das Block-
haus und die nur 100 Schritte entfernten Höhen, von welchen die
Stellung der nun vereinigten vier Kompagnien eingesehen und
beschossen werden konnte. Nach einem lebhaften Feuer versuchte
der Feind einen Sturm, der aber von der Mesatzung der Ver-
schanzung abgeschlagen wurde. Major Baron Eliatsehek Hess
nun das Blockhaus mit Raketen so glücklich bewerfen, dass schon
nach dem zweiten Wurf die hellen Flammen autloderten und der
Feind seine Errungenschaft verlassen musste. Mittlerweile suchte
derselbe die linke Flanke der Verschanzung zu umgehen und unter-
nahm gegen das hier an der Strasse palisadirte Thor, welches von
der halben 20. Kompagnie besetzt war, einen Sturm. Als diess
bemerkt wurde, eilte die andere Hälfte der Kompagnie herbei und
so gelang es dieser, nicht nur den Sturm abzuschlagen, sondern
auch dem Feinde bedeutende Verluste beizubringen. Die Deutsch-
meister hatten hier ihr Pulver nicht umsonst verschossen, denn
viele Todte bedeckten den Wahlplatz und viele Verwundete schleppte
der Feind auf seinem Rückzüge, der in volle Flucht ausartete, mit
sich zurück. Die übrigen Positionen des Feindes wurden nun mit
Raketen beworfen und aus der Verschanzung heftig beschossen, so
dass derselbe bald sein Vorhaben aufgab und sich fluchtartig gegen
Rocca d'Anfo zurückzog. Die vier Kompagnien Deutschmeister hatten
mithin die Stellung am Monte Zuello gegen G000 Feinde, dessen
zweite Kolonne der Stellung des Major Schidlach ausgewichen
und ebenfalls gegen Monte Zuello vorgerückt war, nicht nur helden-
müthig vertheidigt, sondern auch den Feind in die Flucht geschlagen.
Der Verlust des Bataillons bestand an den beiden Tagen in 13 Todten
und 20 Verwundeten vom Feldwebel abwärts.
Gemeiner Wenzel Lukesch, welcher sich bei Vertheidigung
des Blockhauses besonders ausgezeichnet hatte, erhielt die silberne
Digitized by Google
1H6».
645
Tapferkeits-Medaille erster Klasse, Korporal Anton Seholtes uud
Gemeiner Andreas Fr an kl, welche sich hei Vertheidigung der
Schanzen sehr tapfer benommen hatten, jene zweiter Klasse. Mit
derselben Medaille wurde auch der Gemeine Ferdinand Kohlen-
berger ausgezeichnet, welcher mit der Patrouille am 21. vor
Rocca d'Anfo gefangen wurde. Die Freischärler hatten ihn nicht nur
seiner Barschaft beraubt, sondern rissen ihm auch unter empörenden
Misshandlungen alle Kleider vom Leibe und eskortirten ihn nur im
Hemde weiter. Diess war dem echten Wiener-Kind denn doch zu
stark, und schon an der nächsten Biegung der sehr engen Strasse
stiess er den einen mit dem Kopf so tüchtig an die nahe Felsen-
wand, dass er taumelnd zusammenstürzte und im selben Augen-
blicke schlug er den zweiten mit einem kräftigen Fausthieb zu
Boden, sprang dann in's Wasser, schwamm hinüber und entkam
glücklich in die Berge, obgleich ihm die beiden, als sie ihrer Sinne
wieder mächtig wurden, nachfeuerten. Nach dreitägigem mühseligem
Herumirren in den Gebirgen ohne Speise erreichte er seine Kom-
pagnie. Diese Thatsachc bestätigten feindliche Offiziere und auch
Bauern, welch' letztere selbst zugesehen hatten. Mit Korps-Befehl
wurden für besondere Tapferkeit belobt: Zugsführcr Jakob Haas
und Mathias Schierl, Korporal Anton Zaut und Leopold Rein-
berg er, Gemeiner Ferdinand Kubetz und Karl Trausmüller.
Der Oberst-Inhaber Erzherzog Maximilian beschenkte noch den
Gemeinen Lukesch mit drei, den Gemeinen Kubetz mit einem
und alle übrigen mit zwei Dukaten in Gold und gab mit Erlass
vom 28. Juli dem Bataillon seine volle Zufriedenheit über sein
braves und tapferes Verhalten kund.
General Baron Heuikstein erhielt über die Meldung der
angeführten Vorfälle vom Korps-Kommando den Befehl wieder nach
Bagolino vorzurücken, welcher am 26. in drei Kolonnen ohne
Anstand ausgeführt wurde, da General (Maldini am 24. nach
dem Gefechte am Monte Zucllo den Befehl zum Abmärsche in das
Val Trompia erhalten und denselben am 25. vollzogen hatte.
Die vier Kompagnien des vierten Bataillons waren nach dem
Gefechte abends 10 Uhr von vier Kompagnien des Regiments Nr. 56
abgelöst worden und dann nach Condino zurückmarschirt, wo erst
nach Mitternacht abgekocht werden konnte. Am folgenden Tage
rückten zwei Kompagnien gegen Montagna Darza und stellten die
Digitized by Google
646
1*59.
Vorposten aus. Bei der Brigade rückten eilf Tiroler Landesschützen-
Kompagnien ein.
Seit 23. Juni war der Feind vor Rocca d'Anfo, welches die
Division Deutschmeister besetzt hielt, unthätig, bis er am 27. Ver-
stärkungen in bedeutender Stärke und noch vier Geschütze erhielt.
Am Abende dieses Tages begann der Feind nun in der alten Rocca
und an der venezianischen Mauer an einem Durchbruche des
Gemäuers zu arbeiten, um ein günstiges Emplacement für die
Geschütze zu gewinnen. In der Feste selbst trat nach und nach
Proviantmangel ein; am 26. Juni abends wurde zwar ein kleiner
Lebensmittel-Transport glücklich hineingebracht, dagegen aber das
Trinkwasser täglich imgeniessbarer.
In der Erwartung jeden Augenblick angegriffen zu werden,
kam vom Brigade -Kommando der Befehl alle Feindseligkeiten ein-
zustellen, indem am 8. Juli zu Villafranca ein fünfwochentlicher
Waffenstillstand abgeschlossen wurde. Die Division blieb in Rocca
d'Anfo, der Bataillonsstab mit den übrigen Kompagnien in Condino.
Erst am 6. September wurde das Bataillon in seinen Stellungen
vom vierten Bataillon des Regiments Nr. 46 abgelöst und mar-
schirtc nach Tione, dann am 24. nach Bozen, wo es am 29. an-
langte und die Winterquartiere bezog. Hauptmann Friedrich Baron
Schweikhardt war im Juli zum Major avancirt.
Behufs des Abmarsches aus Italien nach Ungarn konzentrirte
sich das Regiment am 9. August in Padua, von wo dasselbe am
10. Bataillonsweise nach C'asarsa mittelst Eisenbahn befördert wurde,
marschirtc dann am 11. nach Codroipo, 12. Palma, 13. Monfalcone
und am 14. nach Nabresina; von hier dann weiter mittelst Eisen-
balm über Wien nach Pressburg als Garnison. Das Grenadier- und
Reserve -Bataillon wurde aufgelöst und die Offiziers -Avancements
eingestellt. Am 18. marschirte das zweite Bataillon als Garnison
nach Tyruau. Das vierte Bataillon verliess am 20. Oktober Bozen
und rückte am 8. November iu Korneuburg ein. Am 4. Dezember
marschirtc das zweite Bataillon nach Komorn. Sämmüiche Mann-
schaft deutscher Nationalität wurde zum ersten und vierten, jene
der slavischen zum zweiten, dritten und Depot-Bataillon transferirt.
Das Depot -Bataillon verliess Korueuburg und rückte am 29. in
Pressburg als seiner künftigen Kantounirungsstation ein. Der Stand
sämmtlicher Kompagnien wurde auf 80 Gemeine herabgesetzt.
Digitized by Google
1860-18«.
647
1860-1865.
Im Jänner 1860 setzte sich das Regiment per Kompagnie von
80 auf 60 Gemeine herab. Major Otto Schön trat in den normal-
massigen Ruhestand.
Gemäss Allerhöchster Entschliessung vom 27. Dezember 1859
hatte zu Anfang Februar 1860 die Umwandlung der bisher im Frieden
zu je vier Bataillone bestandenen 62 Linien - Infanterie - Regimenter
in 80 derlei Regimenter zu je drei Bataillone, dann einer Depöt-
Division im Kriege stattzufinden. In Durchführung dieser Formation
wurde das zweite, dritte und Depot - Bataillon mit dem gesammten
Offiziers- und Mannschaftsstande am 1. Februar 1860 zu dem neu
errichteten Infanterie - Regiment Nr. 72 transferirt und demselben
auch der frühere Aushilfsbezirk des Regiments, Pressburg zuge-
wiesen. Diesem gemäss rückten mit diesen Bataillonen Major Eduard
Baron Eliatschek von Siebenburg und Friedrich Baron
Schweikhardt nebst 82 Oberoffizioren an ihre neue Bestimmung
ab. Dagegen wurde in das Regiment das dritte Bataillon des Regi-
ments Nr. 14 eingeteilt und erhielt die Nr. 2 ; das ehemalige vierte
wurde nun das dritte Bataillon.
Diese neue Organisation hatte im österreichischen Heere auch
der Grenadier-Truppe ein Ende gemacht. Die Grenadier-Kompagnien
wurden in die 1., 7. und 13. Füsilier-Kompagnien umgewandelt; die
bisherigen Grenadiere behielten zwar fortan diese Benennung und
ihre Abzeichen, allein es durften keine Neukreirungen mehr stattfinden.
Das vom 14. Regiment eingetheilte Bataillon rückte am
2. Februar unter Kommando des Major Henning in Pressburg
ein; beim Tyrnauer - Schranken von dem Offiziers - Korps mit der
Regimentsmusik erwartet, wurde es in die Schlosskaserne begleitet,
wo Oberst Plochl an die Offiziere nachstehende Begrüssungs-
rede hielt:
»Ich bin stolz darauf, eine Abtheilung des vor dem Feinde
„mit ausserordentlicher Bravour ausgezeichneten Regiments erhalten
„zu haben und bin im vorhinein überzeugt, dass diese Abtheilung
„auch unter meinem Kommando in jeder Beziehung vollkommen
.entsprechen wird.*
648 18«0-1865.
Durch die grossen Reduzirungen waren sehr viele supernumeräre
Offiziere entfallen, und weil der stark hergenommene Staatsschatz
eine Erleichterung dringend benüthigte, so wurde den Offizieren
freigestellt, mit zehnperzcntigem Gageabzug in Disponibilität zu
treten und die Chargequittirung gegen zweijährige Gageabfertigung
bewilligt. Mit Ende 1860 hatten vom Regiment 1 Ober- und 5 Unter-
lieutenauts gegen Gagenabfertigung quittirt ; 5 waren in Disponibilität
getreten.
Am 27. Februar besichtigte der Oberst - Inhaber Erzherzog
Maximilian das Regiment, liess sich dann die dekorirte Mann-
schaft vorstellen, sprach mit jedem einzelnen in herzlichst gütigster
Weise imd beschenkte sie fürstlich. Höehstderselbe hielt sich mehrere
Tage beim Regimcnte auf und hielt eingehende Belehrungen über
die von ihm erfundenen Spingarden, von welchen sechs Stück den
Kompagnien zur Erprobung übergeben wurden. Die Bedienungs-
mannschaft dieser Geschütze hiessen im Regiment „Spingardiere*
und wurde der Unterricht vom Oberlieutenant Balogh geleitet,
während bei den Uebungen Oberlieutenant Beck und Lieutenant
Tritton als Batterie - Kommandanten fungirteu.
Mit kais. Entschliessung vom 12. Januar 1860 wurde an-
geordnet, dass die unmittelbar vor dem Feinde erworbenen De-
korationen zum Unterschied gegen jene, welche für anderweitige
militärische oder Civil - Staatsverdienste verliehen werden, die Be-
zeichnung «Kriegs -Dekoration des N. Ordens oder Militärverdienst-
kreuzes * zu erhalten und mit einem Lorbeerkranz auszuzeichnen sind.
Oberstlieutenant Johann Weissbarth Edler v. Ourthe-
Wehr trat im September 1860 als Real -Invalid in Ruhestand und
erhielt für seine ausgezeichneten Dienste den Obersten- Charakter ad
honores; in seine Stelle avancirte der Major Leopold May erhofer
v. Grün b Ohl zum Oberstlieutenant und Hauptmann Anton Kastel
des 16. Jäger -Bataillons zum Major im Regiment.
Bemerkcnswerthe Neuerungen im Jahre 1860 sind: Die pen-
sionirten, gleichwie die mit Charakter -Beibehalt quittirten Stabs-
und Oberoffiziere, welche bisher eine eigene Uniform, bestehend aus
weissem Rock mit weissem Kragen, rothen Aufschlägen und Hut
mit schwarzem Federbusch trugen, sollten von nun an mit Ausnahme
der Feldbinde, ihre volle bisherige Uniform beibehalten und als
Unterscheidung nur den Kragen des Wafl'enrockes von der Farbe
Digitized by Google
Digitized by Google
I
Uli
Digitized by Google
1860 — 1867.
Scn«iijrfjs«n Druck in . « mhl gtogrjf Jiutitutes
Offizier und Gemeiner von
Hoch-und Deutschmeister.
Digitized by Google
610
des letzteren uud nicht vom Egalisirungstuche tragen. Ferners wurde
anbefohlen, dass in Hinkunft jede Ernennung in eine Ofhziers-Charge
dem Betreffenden mittelst besonderem Ernennungsdekrete bekannt
gegeben und dass allen dermal aktiven Offizieren die Ernennung in
ihre gegenwärtige Charge nachträglich zu bestätigen sei. Die Truppen-
Divisionen wurden aufgelassen. Die von Alters her in der k. k. Armee
vorgesehrieben gewesenen Bchabraquen von rothem Tuche mit Gold-
borden wurden abgeschafft und hiefür die Wallrappe (schwarze
Lammfelle) eingeführt.
In Folge Allerhöchsten Befehls vom 22. Dezember 1860 hatte
Bich das erste und zweite Bataillon auf dem Kriegsstand zu setzen.
Da nun der Belagsraum in Pressburg fehlte, so wurde die erste
Division nach Neutra verlegt, wo im Jänner 1861 Unordnungen
stattfanden, daher Oberstlieutenaut v. Mayerhof er mit noch vier
Kompagnien dorthin abrückte, die Behörden in ihren Wirkungskreis
einsetzte und dann wieder nach Pressburg zurückkehrte. Die vierte
Division wurde ebenfalls wegen Mangel an Raum nach Theben verlegt.
Noch im Laufe dieses Monats fanden in Ungarn die bekannten
Steuerverweigerungen und andere Unordnungen statt. Um diese hintan-
zuhalten, wurde eine mobile Armee-Division unter F.-M.-Lt. Cseh
formirt, in welcher auch das Regiment in der Brigade O.-M. Vcver
die Eintheilung erhielt. Hiezu setzte sich dasselbe am 7. und 8. Februar
in Bewegung und rückte am 1». und 10. in Grosswardein ein; acht
Kompagnien bezogen das Castell, vier wurden in der Stadt bequartirt.
Von hier fanden die Steuer- Einhebungen durch die Finanz-
beamteu statt, welchen ganze Kompagnien zur Unterstützung bei-
gegeben wurden. Bei diesem schwierigen Geschäfte that sich die
Mannschaft durch richtigen Takt und Selbstverläugnung sehr hervor
und es war auch nicht ein Exzess zu verzeichnen, obgleich derselbe
von der Bevölkerung nur zu oft provozirt wurde. In Szilagy-Somlyö
und Zilah wurden Kommandos zu 1 Offizier und 60 Mann aufgestellt,
welche erst am 20. Juni 180^ wieder beim Regiment einrückten.
Am 1. November 1861 wurde der Kriegsstand per Kompagnie
um 58 Gemeine verringert, daher die überzählige Mannschaft sofort
in ihre Heimat abgeschickt. Dagegen wurde das vierte Bataillon mit
sechs Kompagnien zu 20 Gemeinen in Korneuburg neu errichtet.
Viele Offiziere und Mannschaft erkrankten in Folge der schlechten
Quartiere und Kost am Wechseltieber und das Regiment hatte viele
650
IHM)- 1HK5.
Sterbcialle zu verzeichnen; durch Transferirung der Kranken nach
Korneuburg wurde dem Uebel möglichst gesteuert.
Das vierte Bataillon hatte nach seiner Formirung in feier-
lichster Weise nach dem Reglement die Fahnenweihe abgehalten
und hiezu ein prachtvolles Fahnenband von Ihrer königlichen Hoheit
Adelgunde, Herzogin von Modena als Fahnenmutter, mit der
Devise „Treue und Sieg begleite Dich" erhalten.
Ende Jänner 18G1 war für die gesammten Fusstruppen der
Waffenrock mit umgeschlagenem Kragen und einer Reihe Knöpfe
eingeführt worden. Der Waffenrock für Offiziere erhielt eine goldene,
schwarz geritzte Achselschlinge sammt kleinem Knopfe zum Fest-
halten der nun von der rechten Schulter zur linken Hüfte zu tragen-
den Feldbinde. Auch über dem mit zwei tuchenen Achselspangen
versehenen Offiziersmantel war die Feldbinde in der vorbeschriebenen
Art zu tragen. Im Felde und auf Friedensmärschen musste der
Mantel stets angelegt werden; bei warmer Witterung über dem
Hemde, bei kaltem Wetter über dem Waffenrocke. Die Kittel blieben
bei Ausbruch eines Feldzuges zurück.
Von den im k. k. Heere 18G1 eingetretenen Neuerungen sind
noch bemerkenswerth : Bei jeder Kompagnie wurden .zwei Kom-
pagnie - Schuster" kreirt ; die kleinen Feldflaschen fQr jeden Mann
eingeführt, das Tragen der Mäntel en bandalier, statt wie bisher
auf den Tornister geschnallt anbefohlen. Ein neues Ausmass der
Fuhrwerke bestimmte für ein Infanterie - Regiment einen vier-
spännigen Kassawagen, einen zweispännigen Sanitätswagen, einen
zweispännigeu Bagagewagen für deu Regimentsstab und einen derlei
Karren für jede Division, einen zweispännigen Rüstwagen per, Ba-
taillon zur Unterbringung der Offiziers - Bagagen und einen vier-
spännigen Proviantwagen für jede Division.
Oberst Johann Plochl war im Januar 1861 in Ruhestand
getreten, Oberstlieutenaut Leopold Mayerhof er von Grünbühl
wurde mit dem Oberstlieutenant Josef Kolbenschlag Ritter von
Reinhartsstcin des Regiments Nr. 49 verwechselt und Major
Heinrich Med er von Nr. 13 in das Regiment eingetheilt.
Anfangs Februar erschien die Verordnung, wonach die Regi-
ments- und Bataillons- Adjutanten mit Dienstpferden versehen wurden.
Gefreiter Port rettete am 2. Februar 1862 einen Tag-
löhner mit eigener Lebensgefahr vom Tode des Ertrinkens und
Digitized by Google
1860 1865
651
wurde für diese menschen freundliche That mit Inhaber-Befehl öffent-
lich belobt.
Im Monate Februar 1802 stiegen die Gewässer der Donau
in höchst bedrohlicher Weise und überschwemmten endlich Wien
und dessen Umgebung. Auch für Korneuburg war die höchste
Gefahr vorhanden, welche aber durch die Erhaltung des Dammes,
an welchem die Bevölkerung und Soldaten durch vier Tage und
Nächte ununterbrochen mit aller Anstrengung arbeiteten, abgewendet
wurde. Diese Thätigkeit fand Allerhöchsten Orts Anerkennung uud
es wurden für ihre Aufopferung und Unermüdlichkeit nachbenannten
Individuen des vierten Bataillons die Allerhöchste Zufriedenheit im
Armee - Befehle bekannt gegeben: Korporal Johann Novinski,
Gefreiter Robert Hacker, Zimmermann Ferdinand Schneider,
Gemeiner Michael L e h n e r, Johann Kant, Mathias Wurm-
bauer, Georg D o 1 1 i n g e r , Vinzenz W o s e i t z k i , Karl
Harr ich, Anton Wild, Nikolaus Borsos, Michael Flasser,
Anton Steininger und Johann S c h i e s s 1.
Das Offiziers - Korps betheiligte sich an den Sammlungen,
welche zu Gunsten der von dem Elementar- Ereignisse hart Be-
troffenen eingeleitet wurde, mit dem Betrage von 500 fl., welcher
für Wien bestimmt wurde.
Bei jedem Reginiente wurde eine eigene Sanitats- Abtheilung
eingeführt, welche die Verwundeten zurückzutragen hatte und bei der
Infanterie die über 100 Jahre bestandene Stellung in drei Gliedern
aufgehoben, dagegen jene in zwei Gliedern eingeführt, worüber eigene
Exerzier- Vorschriften erschienen.
Anfangs April 1862 erhielt das Regiment den Befehl nach
Alt-Arad als neue Garnison zu marschiren. Nachdem alle Exekutions-
Kommandos eingezogen wareu, wurde am 8. April mit dem ersten
Bataillon vou Grosswardein aufgebrochen und über N.-Zerend, Kis-
Jennö am 14. in Alt-Arad eingerückt. Das zweite Bataillon blieb
in Grosswardein. Am 7. Mai wurde das erste Bataillon als Besatzung
in die Festung Arad verlegt und es verblieb nur der Regimentsstab
und die vou Grosswardein herbeigezogene sechste Division in Alt-
Arad, worauf dann in demselben Monate die Rückversetzung des
Regiments vom Kriegs- auf den Friedensstand mit 80 Gemeinen
und den restringirten Chargen per Kompagnie erfolgte.
Am 20. November 1862 marschirte das dritte Bataillon nach
652
1 H60 — 1 Hl»t>.
Stockerau; das vierte war in Korneuburg, bei welchem die Lieute-
nants zweiter Klasse auf Allerhöchsten Befehl wegzubleiben hatten.
Weisse Aermelleibel von Sehafwollstoff traten an die Stelle
der Kittel und an den Gewehren wurden neue Riemen angebracht,
die beliebig verlängert oder verkürzt werden konnten. Die Musik-
bande erhielt den iStand von 10 Mann , jedoch konnten weitere
26 Mann des Lokostandes für die Musik entnommen werden.
Oberstlieutenant Josef K o 1 b e n s c h 1 a g Ritter von R e i n-
hartsstein avancirte im Jahre 1862 zum Oberst and Regiments-
Kommandanten , Oberstlieuteuant Hieronymus Graf Z e d t w i t z
wurde vom dritten Pionnier - Bataillon , Major Anton C a r m a g-
n o 1 a vom Regiment Nr. 44 eingethcilt, dagegen Major Kornelius
H e u d i n g zu Nr. 43 und Major Anton Kastel zu Nr. 11
transferirt.
Am 1. Jänner 1863 wurde das seit dem Feldzuge 1859 ein-
gestellte Avancement wieder eröffnet. Die Mannschaft erhielt neue
Czakos von kleinerer und gefälligerer Form.
Erzherzog Maximilian Josef dEste, Feldzeugmeister,
Hoch- und Deutschmeister und Oberst- Inhaber des Regiments, starb
am L Juni 1863 zu Ebenzweier. Am 2. Juni erhielt das Regiment
diese Trauerkunde mit dem schmerzlichsten Bcwusstsein nicht nur
den Inhaber, sondern deu wahren gütigen Vater, der durch 28 Jahre
mit unzähligen Licbeswerkeu und Wohlthaten. die er nicht nur dem
Ganzen, sondern jedem Einzelnen in herzlichster Weise angedeihen
liess, sich die Liebe und Verehrung aller erwarb, uuu verloren zu
haben. Ein ausgesprochener Wohlthätigkeitssiun im engsten Bunde
mit allen Tugenden, die den Menschen adeln, bezeichneten seinen
, zurückgelegten Lebenspfad von 81 Jahren.
Zur feierlichen Beerdigung wurden der Oberst, Regiments-
Kommaudant Ritter v. Kolbensehl ag, nebst einer Deputation
von 1 Stabs- uud 2 Oberoffizieren, dann 6 Unteroffizieren nach
Ebenzwoier befohlen, welcher sich viele Offiziere des dritten und
vierten Bataillons freiwillig anschlössen. Am 6. Juni wurde die
Leiche des dem Regimente unvergesslichen hohen Verstorbenen nach
seinem eigenen Wunsche zu Alt -Münster der „Erde" übergeben.
Nebst den hohen Leidtragenden und zahlreich herbeigeströmtem Volke,
wohnten diesem Trauerakte eine Masse Landleute aus der Umgegend
des Schlosses Ebenzweier bei. Trauernd und klagend folgten diese
Digitized by Google
iH«o-iHftr.
653
armen Gebirgsbewohner der Bahre, welche die entseelte Hfllle ihres
Wohlthäters enthielt. In allen Regimentsstationen wurden feierliche
Exequien ffir den hohen Verstorbenen abgehalten.
Mit 7. Juni 1803 geruhte Se. Majestät der Kaiser den Nach-
folger des hohen Verstorbenen als Grossmeister des hohen deutschen
Kitter -Ordens Se. k. k. Hoheit Kr/herzog Wilhelm, k. k. Feld-
marschaU - Lieutenant, zum Oberst -Inhaber des Regiments zu er-
nennen, höehstwelcher aus diesem Aulasse nachstehenden Tnhabers-
Befehl erliess:
„Durch die Allerhöchste (Suade Sr. Majestät des Kaisers zum
»Oberst- Inhaber des Regiments ernannt, drängt es Mich, die ersten
„Worte an dasselbe in jenem feierlichen Augenblicke zu richten,
„wo der tief empfundene Schmerz Ober den Verlust Meines dahin-
geschiedenen durchlauchtigsten Herrn Vorgängers in der Brust
„jedes einzelnen Regiments - Angehörigen gewiss erschütternden
„Nachhall findet. Ks sind vor Allem Worte des Trostes, deren das
„Regiment bedarf, bei der Erinnerung an den durchlauchtigsten Ver-
glichenen, Höchstdessen langjährige Inhaberschaft,, nur durch edles
„Wirken und Akte der ritterlichsten Hochherzigkeit gekennzeichnet
„ist; os sind aber auch Gefühle höchster Befriedigung, denen Ich
„Meinerseits Ausdruck zu geben wünsche, da Ich Mich mit Stolz
„als Inhaber eines Regiments sehe, das an Treue, Tapferkeit
„und Hingebung für seinen Allerhöchsten Kriegsherrn ein würdiges
„Glied der glorreichen kaiserlichen Armee ist und gewiss auch
„bleiben wird.
0
„Mögo das Regiment versichert sein, dass Ich ihm mit Meiner
„ersten Begrüssung die wohlwollendsten Gesinnungen entgegen bringe,
„und dass ich die Uebertragung der erprobten Anhänglichkeit des
„Regiments für dessen Höchstseligen Herrn Oberst - Inhaber auf
„Meine Person als ein theueres Vermäch tniss hochhalten werde."
„Wrien am 7. Juni 1803.
Erzherzog Wilhelm m. p., F.-M.-Lt.*
Am 27. Juli wurde der Stab, das erste Bataillon und die
sechste Division von Arad, am 28. das zweite Bataillon von Gross-
wardein mittelst Eisenbahn in die neue Garnison Pest befördert und
dann am 15. August der feierliche Akt der Fahnenweihe von beiden
Bataillons auf der Generalswiese zu Ofen begangen.
CM 1860-1MS,
Dieser vom schönsten Wetter begünstigten Feier wohnten der
Landes - Koramandirende F.-Z.-M. Graf Corouini nebst allen
Generalen und vielen Stabs- und Oberoffizieren der Garnison bei.
Vom dritten und vierten Bataillon aus Stockerau und Korneuburg
hatte sich eine Deputation Offiziere eingefunden. Nach einer den
Gehorsam, die Ehrenhaftigkeit, Treue und Tapferkeit, sowie die
vielen glanzenden Momente der Geschichte des Regiments hervor-
hebenden Rede des Regiments - Kaplans Pospischill wurde die
kirchliche Funktion und Weihe durch den k. k. Feldsuperior fflr
Ungarn, Keller, vollzogen.
Die neuen Fahnen wurden durch die durchlauchtigsten Fahnen-
mütter, und zwar jene des ersten Bataillons durch Ihre k. k. Hoheit
die Frau Erzherzogin E Ii s abeth, jene des zweiten durch die Frau
Erzherzogin Maria Theresia zu Oesterreich - Este mit pracht-
vollen Bändern geziert, deren erstes die Devise „Mit mir trotzet
jedem Feinde, keinem weichet", das zweite .Mit Gott,
fflr Kaiser und Vaterland!" fflhrt. Als Stellvertreterinnen
fungirten Ihre Excellenzen Frau Gräfin Pälffy, Gemahlin des Statt-
halters von Ungarn und Frau Ritter von Frank, Gemahlin des
nachmaligen Feldmarschall - Lieutenants und Kriegsrainisters.
Der Oberst und Regiments - Kommandant Josef Ritter von
Kolbenschlag hielt bei Ueberreichung der neuen Fahne an die
Fahnenfflhrer eine kurze Ansprache, der Trappe aber stellte er die
Fahnen mit folgenden Worten vor:
„Und ihr Soldaten! die ihr heute den Eid der Treue und
.Ergebenheit erneuert, Ihr werdet diese heiligen Paniere diese
„Zeichen des höchsten Vertrauens nie verlassen. Ihr werdet Euch
„vielmehr im Gewflhle der Schlachten dicht um dieselben schaarend,
„ich bin es gewiss, als brave Oesterreicher, dieselben muthvoll ver-
„theidigen, wie heute vor 64 Jahren, wo das Regiment durch Muth.
„Tapferkeit und zähe Ausdauer den Sieg mit erringen half und sich
„mit unvergänglichem Ruhm bedeckte.
„So werdet Ihr zur Ehre und zum Ruhrae des Regiments, zum
„Stolze des theueren Vaterlandes, zur Ehre, zum Ruhm und Stolze
„des obersten Kriegsherrn die Wahlsprüche erfüllen, welche die
„prachtvollen, von höchsten Händen grossmüthig gespendeten Fahnen-
.bänder tragen: „„Mit Gott, für Kaiser und Vaterland, jedem Feinde
„,zu trotzen, keinem zu weichen.*"
Digitized by Google
1SA0-1M5.
055
Die alten ehrwürdigen Feldzeichen wurden an die Garnisons-
kirche zu Ofen übergeben.
Nachmittags versammelte sich das Offiziers -Korps zu einem
Festdiner im Offiziers -Kasino, welches auch der kommandirende
General, sowie viele Generale, Stabs- uud Oberoffiziere der Garnison
mit ihrer Gegenwart beehrten. Den ersten Toast brachte der Oberst
auf Se. Majestät den Kaiser aus, welchen der koramaudireude General
mit einem sehr ehrenden „Hoch" auf das Regiment erwiderte. Die
Mannschaft erhielt an diesem Festtage Braten und Wein.
Mit Ende Jänner 1864 wurde bei allen 80 Infanterie -Regi-
mentern ein Depot-Divisions-Kadre von 1 Hauptmann, 2 Lieutenants
und 10 Mannschafts-Chargen aufgestellt, die Reserve-Mannschaft in
den Grundbuchsstand der Depnt-Division eingetheilt und der Kriegs-
stand mit 120 Gemeinen per Kompagnie systemisirt. Auf Aller-
höchsten Befehl wurde das Tragen der Kittel bei den Generalen, Stabs-
und Oberoffizieren, sowie auch die erst vor Kurzem eingeführte
Neuerung des Tragens der Feldbinde fiber den Mantel abgestellt.
Oberst Josef Kolbenschlag, Ritter v. Reinhartsstein
wurde zum Regiment Nr. 42, dagegen von dort Oberst Johann Töply
v. Hohenvest in das Regiment, ferner Oberstlieutenant Hieronymus
Graf Zedtwitz zum Regiment Nr. 23 und von dort Oberstlieutenant
Wilhelm Peinlich in das Regiment transferirt. Major Cajetan
Baron Lazarini des Regiments Nr. 17 wurde Dienstkämmerer bei
Sr. kaiseil. Hoheit dem Herrn Erzherzog Wilhelm und dem Re-
gimente in Stand gegeben.
Am 21. Juli 1864 besichtigte der Oberst - Inhaber Erzherzog
Wilhelm das erste Mal sein Regiment, gab demselben seine volle
Zufriedenheit in jeder Richtung zu erkennen und lud das Offiziers-
Korps zur Tafel, bei welcher Höchstderselbe durch seine bekannte,
in unserem hochverehrten Kaiserhause traditionelle herablassende
Freundlichkeit alle Herzen gewann, wodurch sich auch diese Tafel
zu einer Art Familienfest gestaltete.
Die in Ungarn dislozirten Truppen, dabei das Regiment, wurden
in ein Armeekorps (sechstes) vereinigt und F.-M.-Lt Baron Ramming
zum Kommandanten ernannt. Aus diesem Anlasse erhielt das dritte
Bataillon den Befehl, seine Garnison Stockerau zu verlassen und
nach Pest zum Regiment zu rücken, was sofort mittelst Eisenbahn
ausgeführt wurde.
Digitized by Google
G5G
Am 12. Dezember 18G5 langten So. Majestät der Kaiser in
Pest -Ofen an, um persönlich den zusammengetretenen Landtag zu
eröflnen. Am K3. rückte die Garnison vor Sr. Majestät aus, Aller-
höchstwelcher am 10. die vom Regimente belegte fllöer - Kaserne
besichtigte, die erste Division ausrücken und im Kasernhofe einige
Bewegungen ausfuhren liess. Sowohl über die Nettigkeit in den
Lokalitäten, als auch hinsichtlich des guten Aussehens und Haltung
der ausgerflekteu Division, geruhten Se. Majestät die Allerhöchste
Zufriedenheit huldreichst auszusprechen.
Den 29. Jänner 18GG geruhten Ihre Majestäten der Kaiser
und die Kaiserin nach Ofen zu kommen und daselbst bis 5. Marz
zu verbleiben. Am G. Februar fand vor Sr. Majestät ein Manöver
auf dem Räkos statt.
Das dritte Bataillon hatte am IG. April die Fahnenweihe auf
der fJencralswiese zu Ofen, wozu das Regiment mit drei Bataillons
en Parade ausrückte. Ihre k. k. Hoheit die durchlauchtigste Frau
Erzherzogin Mathilde zierten die Fahne mit einem prachtvollen
Bande, welches die bezeichnenden Worte: „Der immerwährende
Ruhm des deutschen Ordens* als Devise enthielt. Die
kirchliche Weihe ging in vorgeschriebener Weise vor sich, nach
deren Beendigung der Oberst von Töply die neue Fahne mit
folgenden Worten überreichte:
„Fahnenführer! Hier übergebe ich Ihnen unser neues Panier,
„das Heiligthum des Soldaten! — Sind Sie stets eingedenk des
„ehrenden Vertrauens und ketten Sie in gefahrvollen Momenten Ihr
„Leben mit jener Hingebung an diese Fahne, wie es die Pflicht
„Ihres Standes fordert.
„ Und jetzt ein Wort an Euch „„Soldaten des Regi-
ments Deutschmeister.'" Blickt auf diese alte Fahne, die
„heute von uns scheidet, Ihr seht sie zum letzten Male, sie, die
„vor 58 Jahren unseren Vorfahren mit heiliger Weihe übergeben
„wurde. Sie ist dem Einflüsse der Zeit erlegen, aber Alle, die sie
Digitized by Google
ISA«.
G57
»zuerst erhoben als heiliges Panier ihrer Treue für Kaiser und
.Vaterland, sie alle sind vorausgegangen, haben die Reihen des
.Regiments längst verlassen.
»Dieser letzte heute von uns scheidende Veteran der damaligen
»Zeit ist Zeuge des von unseren Voifahren gegebenen und treulich
.gehaltenen Versprechens. Makellos haben sie dieses Panier auf uns
.übertragen, makellos wird es von uns zur Ehrenruhc der heiligen
.Stätte abergeben.
.Deutschmeister! Ihr wackeren Söhne der Kaiserstadt Wien!
.Ihr echten Kinder vom Herzen Oesterreichs! Hier fibergebe ich
.Euch ein neues Siegeszeichen, das Euer Kaiser und Herr Euch
.anvertraut. Ihr werdet zu dieser neuen Fahne schwören den alten
.Schwur der Treue. Ihr werdet au diese Fahne knüpfen die alte
.Ehre, Ihr werdet sie bewahren mit Euern Bajonneten, mit Eurem
.Herzblute die alte Ehre und Treue des Regiments Deutschmeister.
.Seit seinem Bestellen durch 170 Jahre fuhrt es diesen Ehren-
.namen und mit Stolz können wir sagen, es führt ihn mit unge-
, schmückten Ruhme. Das weiss Euer Vaterland, das wusste auch
.die hohe Frau, die unsere ueue Fahne mit dem Bande schmückte,
.das lag Ihr im Sinne als Sie darauf die goldenen Worte schrieb:
..Der immerwährende Ruhm des deutschen Ordens." • Mit diesen
»Worten hat die hohe Fahnenmutter, selbst einem Heldengeschlechte
.entsprossen, den Heldensinn des Regiments gekennzeichnet, mit
»diesen Worten hat Sie in sinnreicher Deutung das vollste Ver-
» trauen in uns gesetzt.
»Dieses Vertrauen werden wir rechtfertigen und treu den
»Wahlspruch unserer vier Fahnen: »Mit Gott für Kaiser und Vater-
»land, jedem Feinde trotzen, keinem weichen, von Treue und von
.Sieg begleitet, zum immerwährenden Ruhm des deutschen Ordens,
.unsere Banner drohend wenden gegen jeden Feind unseres Kaisers
.und des grossen mächtigen Oesterreichs.
»Wo dann unsere Fahnen flattern, da winkt unsere Ehre, da
»ruft unser Kaiser, da folgen wir und gelte es auch den blutigsten
»Kampf. Wir werden ihn als brave Deutschmeister kämpfen, wir
»werden siegen oder sterben für Kaiser und Vaterland. Diess ge-
, loben wir unserem höchsten Kriegsherrn, diess schwören wir unserem
.Kaiser, Ihm gehört unser Leben, Ihm unsere Liebe, Ihm unsere
.Treue und so lasst uns nun unter freiem Himmel unser innigstes
42
058
1«««.
„Wünschen in einen lauten Ruf aus Herzensgrund zusammendrängen :
„Es lebe hoch unser Kaiser! hoch das ganze Kaiserhans! Hoch! 4
Oberst v. T ö p 1 y hatte jedem Einzelnen aus der Seele ge-
sprochen. Ein tausendstimmiges enthusiastische stürmisches Hoch
erscholl aus den Reihen ; es war ein erhebender, bedeutungsvoller
Moment.
Die Generalität, der Landeskommandirende G. d. K. Fürst
Friedrich Lichtenstein au der Spitze (einer jener Helden aus
Radetzky's Armee), das Offiziers -Korps der Garnison, sowie eine
grosse Menge Znseher wohnten dem feierlichen Akte bei.
Keldxig 1H60 gcgei Preissei.
Laut Rangs-Liste für April 1866 bestand das Offiziers-Korps :
Oberst-Inhaber Erzherzog Wilhelm, F.-M.-Lt., Hoch- und Deutschmeister.
Oberst und Regiments-Kommandant Johann Tüply v. Hohenvest.
Oberstlieutenant Wilhelm reinlich.
Major Anton Garmagnola, Franz Fabrici Edler Ton Südwaiden.
Heinrich Med er t. Nemes-Apäthy, Kajetan Freiherr von Lazarini. (sup.)
Kaplan Johann Pospischill.
Auditor Hauptmann Karl Meixner.
Arzt Dr. Ignaz Degn, Dr. Friedrich Golling.
Adjutant Oberlieutenant Franz Gaipl.
Rechnungsführer Moriz Seitner.
Hanptkute 1. Klasse Anton LcHer, Gustav Freiherr von Schweik-
bardt, Franz Schwarz, Heinrich Lahousen, Anton Triulzi, Karl
Schrömmer, Rudolf Merkt, Eduard Ai ebner von Possbach, Karl
Iwänsky, Demeter Orubetir, Robert Englisch, Moriz Edler von Bari*
sani, Kajetan Mai er, Maximilian Freiherr v. Potier des Echelles, Eduard
Weidlich, Karl Preyss, Josef Selig, Sebast. Romanok. Eduard Mcissl.
Hauptleute 2. Klasse Anton Chitry von Fraiselsfeld, Mathias
Prüger, Stephan v. Balogb, Basil. Bian, Karl Ficcohi, Karl Saxinger,
Karl R u d d a, Jakob P a b 1 a s e k, Alois Player.
Oberlieutenant Thomas Neubauer, Boguslaw von Krüger, Frans
Gaipl, Josef Risch ner, Jobann L c u s s m a n n, Karl Buch fei der, Adolf
v. Einem, Michael Fried, Joh. Gzeriuak, August Chandelier, Edmund
Ritter von Troll, Wilhelm Geissler, Karl Weissgärber, Johann Beck,
Wilhelm Wannisch, Johann Arthold, Karl Ferrari, Adolf Walter,
Josef Frediani, Alexander Hold, Anton Rössler, Ludwig Castaldo,
Alois Prohaska, Franz Troharsoh. Karl Ballitzer, Johann Pointner,
Josef Kleindienst, Philipp Gunsam, Anton Furian.
Unterlieutenant 1. Klasse Wilhelm Kuhn, Johann Wieninger, Wilh.
Schroll, Karl Torna, Franz Bergmaie r, Mathias Hohensinn. August
Schubert, Ludwig Fikar, Ferdinand S ch an dl, Joh. Muck, Jakob Kraus,
Franz Prawdik, Peter Ennser, Eduard Luschinsky, Ignaz Schmidt,
Digitized by Google
f.59
Emil Oaitncr, recte Rouland, Johann Krück mü 11 er, Michael Becher,
Alexander Preschnofsky, Roman Lbckber.
Unterlieutenants 2. Klasse Ludwig Köborl, Ferdinand Karger, Karl
Leveling, Krail Clodi, Sava Pavlovi«'-, Martin Podgorschegg, Ciisar
Potesta, Friedrich Ritter von Hauer, Alexander Ritter von FrieBB, Leo
Grimm, Andreas Dostahler, Alois Frühwirth, Franz (iugler, Leopold
Ts c h e b u lz Kdlcr v. T s e h n I y, Kmil 8 pi ndle r, Karl Mülle r. Adolf R o s-
manith, Ferdinand Gramzow, Friedrich Jäger, Karl Weibl, Eduard
Schmidt, Hermann Bartl, Franz Höckmayer, Johann Uppenaucr.
Kadetcn Adalbert A bs al o n, (iuido Ritter v. Arnstorff, Alois Honan-
bauer, Julius Edbauer, Kuierioh Etiler v. G e u /. i n g« r, Anton G e tti n ge r,
Willibald G roh, Karl Holtz, Anton Katt, Karl Kleindicnst, Hermann
K n o t z, Josef K o 1 1 o w i 1 8 c h, A lois L a c h n i k, M a n f r e d i L a n z a, Marchese
di Morcato Bianco, Anton Marc hetti, Franz Merenda du Bosse, Josef
Oester reicher, Anton Paschor, Karl Pichl, Job. Platt, Karl Sturm,
Adolf v. S z e 1 c o z k y, Tgnaz V e i t h, Johann Z w i o k I.
Zu Ende des Jahres 18G3 hatte, sich Oesterreicli mit Preussen
verhnnden, um die deutschen Herzogtümer Schleswig-Holstein von
Danemark zu trennen. In dieser Absicht rückte anfangs des Jahres
1864 ein österreichisches und kombinirtes preussisches Armeekorps
an die Grenzen dieser Herzogtümer. Am letzten Jänner geschah
die Einrückuug, wo die Dänen durch die vordringenden Oesterreicher
zum Verlassen der starken Dannewirkstellung gezwungen und in
einer Reihe von Gefechten besiegt wurden; die Preussen nahmen
dann die Düpplerschanzen und hierauf die Insel Alsen.
Am 30. Oktober erfolgte zu Wien der Friedensschluss, in
welchem Dänemark Schleswig- Holstein sammt Lauenburg an Oester-
reich und Preussen abtrat. Letztere Macht schuf jedoch bald hin-
sichtlich des beiderseitigen Besitzrechtes mancherlei Schwierigkeiten
und mit diesen eine sich mehr und mehr steigernde Spannung
zwischen beiden Mächten. Um diese nun zu begleichen fand am
14. August zu Gastein der Abschluss einer Konvention statt, ver-
möge welcher Oesterreich in Holstein und Preussen in Schleswig
die im Wiener Frieden enthaltenen Rechte ausüben sollte.
Die preussische Regierung trat jedoch mit ihren Absichten,
beide Herzogtümer gänzlich zu erwerben, immer mehr hervor und
erlaubte sich, der Gasteiner - Konvention zuwider, derartige Ueber-
griffe, dass es bald zu einem ernsten Zerwürfnisse zwischen Oester-
reich und Preussen kommen musste, und da es schon zu dieser Zeit
allgemein bekannt war, dass Preussen nicht nur die umfangreichsten
Rüstungen treffe, sondern auch mit Italien in Allianzverhandlungen
42*
GGO
stehe, so war es nicht mehr zweifelhaft, dass Prenssen den Krieg
mit Oesterreich aurh wegen der Suprematie in Deutschland suche.
Unter diesen Umständen ward nun auch Oesterreich gezwungen,
seinerseits zu Rüstungen für den Krieg zu schreiten und es setzte
demnach seine Armee in Italien am 21. April, die ganze Armee
mit 7. Mai auf den Kriegsfuss, gab aber dennoch den Beweis seiner
Friedensliebe, indem es wiederholt seine Bereitwilligkeit für eine
gleichzeitige beiderseitige Abrüstung erklärte. Preussen erwiderte
mit Gegenansinnen, deren Annahme eine Preisgebung der Ehre und
Sicherheit des Reiches gewesen wäre und machte alle Verhand-
lungen scheitern. Am 1. Juni übertrug daher Oesterreich die Ent-
scheidung dem deutschen Bunde; doch auch dagegen protestirte
Preussen, und indem es am 7. Juni seine Truppen in Holstein
einrücken, die dort von dem kaiserlichen Statthalter einberufene
Ständeversammlung sprengen und die Regicrungsgewalt auch in
Holstein ausschliesslich Mir sich in Anspruch nehmen Hess, nöthigte
es die nur aus einer Brigade bestehende österreichische Besatzung
mit seiner Uebermacht zur Räumung dieses Herzogthums. Die
österreichische Regierung erklärte nun diese Besetzung als einen
Vertragsbruch und stellte beim Bunde den Antrag auf schleunige
Mobilmachung des ganzen Bundesheeres mit Ausnahme der zu
Preussen gehörenden Korps. Dieser Antrag wurde in der Bundestag-
sitzung am 14. Juni mit Stimmenmehrheit angenommen und die
Mobilisirung des 7., 8., 9. und 10. Bundes-Armee-Korps beschlossen.
Preussen erklärte hierauf den Bund für aufgelöst und legte einen
neuen Reformentwurf vor, erklärte aber auch schon am 15. Juni an
Sachsen, Hannover, Kurhessen offiziell den Krieg und rückte sofort
in diese Länder ein.
Am 17. Juni verkündete Sr. Majestät der Kaiser Franz
Joseph I. Seinen Völkern durch ein Allerhöchstes Manifest, dass
auch für Oesterreich der Ausbruch eines Krieges unvermeidlich sei
und wirklich erfolgte am 20. Juni von Seite Italiens die formelle
Kriegserklärung, am selben Tage dagegen von Seite Preussens die
einfache Anzeige, dass es Oesterreichs Forderungen am Bunde als
Krieg ansehe.
Im Vertrauen auf seine deutschen Bundesgenossen nahm
Oesterreich zur Vertheidigung seines ihm damals von fast ganz
Europa zuerkaunten Rechtes, den Doppelkampf auf und stellte
Digitized by Google
18««. 061
gegen Italien 8U.000 Manu mit 278 Geschützen mit der Benennung
, Süd -Armee* unter Sr. k. Hoheit dem Feldmarschall Erzherzog
Albrecht und gegen Preussen 230.000 Mann mit 704 Geschützen
als „ Nord- Armee" unter Kommando des Feldzeugmeisters Ritter
Beuedek in's Feld. Bayern stellte 45.000 Manu und 144 Geschütze,
Sachsen 23.000 Mann und 50 Geschütze und Hannover 21.000
Mann und 50 Geschütze, von welchen sich aber nur die Sachsen
mit den Oesterreichern vereinigen konnten.
Das Avancement, welches seit 1864 eingestellt war, wurde mit
17. April wieder eröffnet. Tags darauf erhielt das Regiment den
Befehl, die Kriegsformation anzunehmen und empfing an demselben
Tage seine Kriegsbespannung. Auch erfolgte die Ergänzung der
Depöt-Division auf die volle Kriegsstarke, wahrend diess beim vierten
Bataillon schon am 12. März stattgefunden hatte.
Ein Erlass des Kriegsministeriums vom 3. Mai ordnete auch
die Versetzung des Stabes und der drei Feld - Bataillons auf den
vollen Kriegsstand und jener vom 7. Mai die Errichtung des fünften
Bataillons an, welches aus der bereits bestehenden Depöt-Division
und zwei neu zu errichtenden Kompagnien zusammenzustellen war;
in demselben Erlasse wurde auch die Ergänzung des Stabes und
der drei Feld - Bataillons in der Offiziers - Charge auf dem Kriegs-
stand angeordnet, in Folge dessen mit 11. Mai bedeutende Beför-
derungen erfolgten; der Moment war herangerückt, den jedes
wackere Soldatenherz mit Freude begrüsst, im Regiment herrschte
ein unbeschreiblicher Jubel und alles bemühte sich, so rasch als
möglich die Komplettirung zu vervollständigen.
Das Regiment mit einem streitbaren Stand von 2825 Mann
und 89 Pferden befand sich mit dem Regiment Nr. 55, dem Jäger-
Bataillon Nr. 17 und 4pfünder Fuss - Batterie Nr. 3 X in der Brigade
des G.-M. v. Rosenz weig, zusammen 6930 Streitbare, im sechsten
Armeekorps unter F.-M.-Lt. Baron Rammin g, welches noch
aus den Brigaden Waldstätten, Hertwek und Jonak, in der Gesammt-
stärke von 27.149 Mann, 587 Pferden und 72 Geschützen bestand.
Am 21. Mai, Pfingstmontag, setzte sich der Stab mit neun
Kompagnien abends 6 Uhr mittelst Eisenbahn von Pest in Bewegung
und langte am 22. um 10 Uhr nachts in Weisskirchen an; der
Transport der anderen neun Kompagnien wurde um 8 Uhr abends
am 21. in derselben Weise bowirkt, so dass am 23. Mai der Stab
Digitized by Google
IHM.
mit dem Train und der 7., 8., 9. Kompagnie in Draholusch, das
I. Bataillon in Weisskirchen, die 10. Kompagnie in Sla?ic, 11. Kägs-
dorf. 12. Wittenau, 5 Kompagnien des 3. Bataillons in Jessernik,
die 18. Podhorn bequartirt waren. Der Brigade -Stab befand sieh in
Weisskirchen, das Korps -Hauptquartier in Prerau.
Vom 25. Mai angefangen wurde die eifrigste Tbätigkeit im
Exerzieren der eingerückten Urlauber und Rekruten entwickelt und
auch das Scheibensch iessen fieissig geübt. In diesen Tagen erhielt
das Regiment den Armee-Befehl vom 12. Mai, welchen der Regiments-
Kommandant den versammelten Bataillonen publizirte und dieselben
aufforderte, den allbewährten Kriegsruhm des Regiments Hoch- und
Deutschmeister auch in den folgenden Kämpfen zu bethätigen. Ein-
stimmig antwortete das Regiment auf diese Ansprache: ,Es lebe
der Kaiser! Es lebe unser Kommandant!"
Für den bevorstehenden Feldzug wurde angeordnet, die Aermel-
leibel und Fäustlinge zurückzusenden, den Mantel stets angezogen
zu tragen und den Waffenrock unter dem Tornisterdeckel zu ver-
packen.
F.-Z.-M. Benedek hatte sich in Folge der aus Wien er-
haltenen Mittheilungen über die Bewegungen der feindlichen Armee
zum Abmarsch nach Böhmen in die Stellung Josefstadt - Miletin ent-
schlossen und am 17. Juni die nöthigen Dispositionen hiezu erlassen;
auch wurde gleichzeitig den Truppen der Armee -Befehl Nr. 29
kundgemacht, welcher den Beginn der Fcinseligkeiten anzeigte.
Se. Majestät geruhte mit Allerhöchster Entschliessung vom
II. Juni 1800 den Oberstlieutenant Wilhelm Peinlich zum Obersten
und Regiments - Kommandanten, den Major Anton Carmagnola
zum Ober8tlieuteuant und den Hauptmann Gustav Freiherr von
Schweikhardt zum Major zu ernennen.
Oberst von Töply erhielt eine Brigade bei der Süd -Armee.
Das sechste Korps begann die Bewegung gegen Böhmen am
18. Juni und zwar hatte sich das Regiment am 17. in Leipnik
kouzentrirt und marschirte am 18. über Olmütz nach Krönau, das
erste Bataillon nach Bruchstein. Nachmittags besuchte der Regiments-
Inhaber Erzherzog Wilhelm das Regiment und Hess die Mannschaft
reichlich mit Bier versehen. Am 19. wurde wieder aufgebrochen und
mit dem Stab, dritten Bataillon und sechsten Division nach Schwarz-
bach, ersten Bataillon, vierten und fünften Division nach Dreihöfen,
IM1,
003
am 20. nach Muglitz und am 21. nach Mährisch-Trübau marschirt
und hier von der patriotischen Bevölkerung in herzlich gastfreund-
licher Weise aufgenommen ; am 22. nach Ober-Johnsdorf, wegen der
Nahe des Feindes in voller Kampfbereitschaft mit geladenen Ge-
wehren, 23. über Rothwasser. Wetzdorf, Erlitz nach Geiersberg, am
24. über Senftenberg, Helkowic, Slatina nach Jamornice gerückt.
Die ganze Nacht vom 24. auf den 25. fiel ein strömender Regen,
daher wurde der Marsch nach Suchrow freudig angetreten, um den
während der Nacht im nassen Grase und Regen erstarrten Körper
durch die Bewegung wieder zu erwärmen, wozu der Marsch auf Wegen
schlechtester Art hinlängliche Gelegenheit bot. Am 26. marschirte
die Brigade über Dobruschka, Gross-Putitz nach Pohor, wo dieselbe
eine Zeit lang unter den Waffen blieb, da die Nachricht einlangte,
dass der Feind von Lewin über Giesshübel und Neu-Hradek anrücke.
Auf die neuere Meldung, dass nur ein feindliches Detachement von
200 Reitern und 60 Infanteristen sich mittags in Giesshübel gezeigt
und nach vollzogener Requirirung von Lebensmitteln wieder über
die Grenze zurückgegangen sei, wurde das Bivouak bezogen. Hier
erhielt das Regiment die freudige Mittheilung, dass der Kommandant
der Süd-Armee, Erzherzog A 1 b r e c h t, am 24. Juni einen glänzenden
Sieg bei Custozza erfochten habe, welche mit grossem Jubel be-
grüsst wurde.
Das Armee-Kommando hatte in Erfahrung gebracht, dass sich
grössere feindliche Streitkräfte an der Neisse befanden und erliess
am 26. um 8 Uhr abends aus Josefstadt folgenden Befehl: .Nach
„soeben eingelaufenen Meldungen rücken bedeutende feindliche Ab-
teilungen über Polic gegen Trautenau und Starkenbach vor.
«Ich befehle demnach Folgendes: Das sechste Korps rückt am
,27. um 3 Uhr früh von Opocno gegen Skalic, wo es Stellung
«nimmt und eine Avantgarde gegen Nachod vorpoussirt. Die erste
»Reserve -Kavallerie -Division wird diesem Korps -Kommando unter-
geordnet. Die beihabende Kavallerie ist zu weitausgehenden, jedoch
»starken Patrouillen, in Front und Flanken zu verwenden."
Dieser Befehl war kurz nach Mitternacht im Hauptquartiere
des sechsten Korps zu Opocno übergeben worden. F.-M.-Lt. Ra In-
nung äuderte daher die bereits hiuausgegebene Marsch-Disposition,
wornach das Korps am 27. den Marsch auf dem rechten Elbe-Ufer
in die nächste Umgebung von Josefstadt hätte antreten sollen und
664
orduete au, dass die Brigade Rosenzweig um 3 Uhr früh aufzubrechen,
Aber l'erncic, Krcin, Nahofan, Lhota, Spita nach Skalic zu marschiren
und nördlich vom Orte am rechten Ufer der Aupa, Front gegen
Osten, eine Aufstellung zu nehmen habe; der Marsch wird mit
kleiner Bagage zurückgelegt und die grosse ist sogleich nach Opocno
zu senden.
Die ziemlich beträchtliche Entfernung des Korps-Hauptquartiers
von der Brigade verursachte eine Verzögerung in der Zustellung
dieses Befehls und somit auch im Abmarsch der Brigade, welche
erst zwischen 4 und 5 Uhr aufbrechen konnte. Das 17. Jäger-
Bataillon bildete die Avantgarde, hierauf folgte das Regiment Nr. 55,
dann die Batterie und an der Queue das Regiment Deutschmeister,
nach Ausscheidung der neunten Kompagnie, welche den Train eskor-
tirte. Auf dem Weitermarsche in Bohuslawitz wurde der grosse Train
in nordwestlicher Richtung, der kleine unter Bedeckung der Arriere-
garde der neunten Kompagnie von Oerncic aus direkte nach Skalic
dirigirt. Bis Cerncic wurde in raschem Tempo marschirt, hier eine
kurze Rast gehalten, und da man die Nachricht erhielt, dass die
Preussen das Plateau der Branka-Höhe bereits besetzt hätten, die
Gewehre geladen und dann der Marsch fortgesetzt.
Ks war gegen '/29 Uhr als die ersten Kanonenschüsse aus der
Gegend von Wrchonim ertönten; die Brigade Hertwek, welche den
rechten Flügel des Korps bildete, war bereits im Gefecht. In allen
Ortschaften, welche das Regiment passirte, standen Schaaren von
geflüchteten Landleuten, welche mit ihren Wagen, Geräthschaften und
Vieh fast die Strassen verstopfton.
F.-M.-Lt, Ramming sendete der Brigade den Befehl, nicht
nach Skalic, sondern nach Kleny zu marschiren; um 8% Uhr über-
stieg dieselbe das Plateau östlich Dombravicz und war somit im
Angesichte des Feindes.
Nachdem der Angriff des ersten Treffens der Brigade Hertwek
vom Feinde zurückgewiesen worden, forderte der Brigadier den
Obersten Jonak zur Unterstützung auf, welcher mit seiner Brigade
um 9 Uhr bei Domkow eingetroffen war, nun sofort gegen Sonov
vorrückte und als er dieses erreicht hatte, sich zum Angriffe vor-
bereitete.
Die Brigade Rosenzweig, beinahe gleichzeitig mit der Brigade
Jonak bei Domkow angelangt, schlug ebenfalls die Richtung gegen
Digitized by Google
665
den Kampfplatz ein und stellte sich unter den Augen des nach dem
Kampffelde vorgeeilten Korps - Kommandanten, konzentrirt östlich
von Prowodow auf. Nur das 17. Jäger - Bataillon unter Oberst-
lieutenant Kr zisch, welches als Avantgarde der Brigade schon die
Hauptstrasse bei Kleny erreicht und sich von dort gegen die Höhen
gewandt hatte, war bereits gegen das nördlich Wenzelsberg liegende
Wäldchen vorgegangen, so zwar, dass dasselbe ziemlich gleichzeitig
mit der Brigade Jonak zum Angriffe schritt.
Der Aufmarsch der Brigade erfolgte: im ersten Treffen das
Regiment Nr. 55 ; im zweiten Treffen das Regiment Deutschmeister,
dessen rechter Flflgel das dritte Bataillon unter Hauptmann Franz
Schwarz, neunte Division Hauptmann Sebastian Roraanek, achte
Moriz v. Barisani, siebente Eduard Meisl; Centrum, erstes
Bataillon unter Major Gustav Baron Schweikhardt, zweite
Division Hauptmann Franz Gaipl, erste Anton Triulzi, dritte
Anton v. Chitry; linker Flügel zweites Bataillon unter Oberst-
lieutenant Anton Carmagnola, vierte Division Hauptmann Bo-
guslav v. Kröger, sechste Karl Saxinger, fünfte nur die zehnte
Kompagnie unter Hauptmann Thomas Neubauer. Die neunte
Kompagnie Hauptmann Josef Selig auf Trainbedeckung bei Skalic.
Die Batterie nahm ihre erste Position hinter Sonov am rechten
Flügel der Brigade, am Kamme der südlich gelegenen Anhöhe und
begann ihr Feuer auf die vor und zunächst des Jägerhauses auf-
marschirten feindlichen Bataillons, später auf die westlich der
Wenzelskapelle gelegene Waldparzelle.
Die Brigade Jonak leitete den Angriff ein, indem sie vom
Sonower- Maierhofe die Höhen erstieg und die Richtung gegen die
Wenzelskapelle nahm. Während der Vorrückung dieser Brigade
wurde dem 17. Jäger- Bataillon, welches, wie bereits gesagt, im
Vormarsche gegen das Wäldchen begriffen war, die Annahme einer
mehr östlichen Direktion befohlen, um die vorrückenden Truppen
von dem belästigenden Feuer aus dem Wäldchen zu befreien und
die feindlichen Abtheilungen von dort zu vertreiben. Die braven
Jäger drangen sonach an der Nordwestspitze des Wäldchens ein,
kamen dadurch den Preussen in den Rücken und zwangen sie zum
Rückzüge.
Das Gros der Brigade liosenzweig war mittlerweile mit klingen-
dem Spiele (die Musikbande von Deutschmeister spielte den Radetzky-
»
Üt>6 1866.
Marsch so lange, bis einige Musiker verwundet wurden) gegen die
Südspitze des Waldchens vormarschirt. Dieser Marsch war bei der
sehr schwülen Temperatur durch die hohen Kornfelder und den
steil* u Bergrücken hinan sehr erschöpfend, doch blieben die Divi-
sionen, welche hiebei mehrere Todte und Verwundete zahlten, fest
wie am Exerzierplatze geschlossen. Da Oberst Jonak eine Unter-
stützung seines linken Flügels verlangte, wurden vom General
v. Rosenzweig die beiden Batailloue von Nr. 55 — das dritte war
als Geschützbedeckuug zurückgeblieben — beordert, von der West-
seite in das Wäldchen zu rücken. Das Regiment Deutschmeister
hielt einige Zeit ausserhalb des Wäldchens an der südwestlichen
Spitze desselben, wo auch inzwischen die Batterie aufgefahren war,
ging aber dann, eine Frontveränderung rechts ausführend, gleichfalls
vor und zwar mit dem dritten und zweiten Bataillon in der Richtung
über die Kapelle und mit dem ersten durch das Wäldchen ; letzteres
Bataillon brach beiläufig in der Mitte der Südlisiere wieder heraus
und schloss sich als linker Flügel an das Regiment, welches durch
diese Vorrückung die noch an der Kirsch -Allee (beim Gehölz)
stehenden zwei feindlichen Halb - Bataillons des Oberstlieutenants
v. Eberstein trotz ihres mörderischen Schnellfeuers, welches viele
Leute niederstreckte, zum Rückzüge zwang und selbst bis ungefähr
an diese Allee vordrang. F.-M.-Lt. Ramraing besorgt, das Re-
giment Deutschmeister würde, von Kampfesmuth hingerissen, sich
zu sehr engagireu, sandte um diese Zeit dem Brigadier den Befehl,
die Verfolgung nicht zu weit auszudehnen.
Obgleich durch das lauge beschwerliche Bergsteigen im scharfen
Marschtempo bei drückendster Mittagshitze bereits der äusserste
Grad der Erschöpfung eingetreten war und das Regiment bereits
den Verlust der gebliebenen tapferen Lieutenants Emil Clodi und
Friedrich Ritter v. Hauer, dann mindestens 15 Mann per Division
erlitten hatte, war doch alles von Kampflust beseelt und in bester
Ordnung.
Der Feind zog sich nach Verlassen des Waldes hinter die
Brankaschlucht zurück; auch die feindlichen Abtheilungen bei der
Unterföisterei und Sochors, deren Rückzug durch das siegreiche
Vordringen des Regiments und der Brigade Jonak auf das Aeusserste
bedroht war, zogen sich ebenfalls nach dem Branka- Walde zurück
und nahmen an der Neustädter - Strasse Stellung. Das feindliche
Digitized by Google
1*4}<5.
667
8. Dragoner- und 1. Uhlanen - Regiment waren um dieselbe Zeit
auf dem Plateau bei Wisokow von der Kavallerie - Brigade Prinz
Solms angegriffen und nach heissem Kampfe zurückgeworfen worden.
Es war 12 Uhr mittags, bisher war alles gut gegangen; die
Truppen des sechsten Korps waren auf allen Punkten des rechten
Flügels vollständig Sieger; die Brigaden Jonak und Bosenzweig
hatten den Feind entschieden geworfen und sich zu Herren des
Plateaus südlich von Wisokow gemacht.
Gleich nach dem Kavalleriekampfe war die Tete der preussischen
10. Division auf dem Kampfplatze eingetroffen und deren ersten
Bataillone erschienen schon südlich der Chaussee, als sich die
preussische Kavallerie nach dem Kampfe in der Nähe derselben
rallirte.
Um diese Zeit versuchten die am nordöstlichen Saume des
Wäldchens angelangten österreichischen Bataillons des Regiments
Nr. 20 und andere ebendahin vorgegangene Abtheilungen des
25. Jäger -Bataillons und des Regiments Nr. 41 gegen den grossen,
von der feindlichen Infanterie besetzten Wald an der Neüstädter-
Strasse vorzudringen und traten aus dem Wäldchen auf den offenen
Raum, der sie von der feindlichen Aulstellung trennte. Auch das
17. Jäger- Bataillon war bei dieser Vorrückung gefolgt und gelangte,
gleich allen übrigen genannten Abtheilungen, in das heftigste Klein-
gewehrfeuer der in der Mulde an der Chaussee und längs des Wald-
saumes gedeckt stehenden fünf bis sechs feindlichon Halb-Bataillons.
Da sich in demselben Augenblicke auch feindliche Kavallerie zeigte,
formirten diese Truppen Klumpen und zwangen dieselbe, sich mit
empfindlichen Verlusten zurückzuziehen. Das nun erneuert beginnende
feindliche Infanteriefeuer nöthigte die vorgegangenen Abteilungen,
den Angriff aufzugeben und zurück zu gehen.
Während der linke Flügel diese Rückwärtsbeweguug antrat,
war das Regiment Nr. 55 und auch Deutschmeister vorgebrochen.
Der Lärm, den der feindliche Kavallerie - Angriff in der vordersten
Linie verursachte, dann das Erscheinen einer anderen feindlichen
Kavallerie - Abtheilung auf der Neustädter - Strasse veranlasste hier
ebenfalls die Formation der Quarrees. Die feindliche Kavallerie stand
jedoch vom Angriffe ab und die beiden Regimenter rückten gegen
die Neustädter - Strasse vor. Dort von der im Walde gedeckt
postirten feindlichen Infanterie mit heftigem Schnellfeuer empfangen,
668
IHM.
gelang es ihnen nicht, die Strasse zu erreichen, sondern mussten
sich auf Wenzelsberg zurückziehen.
Das Regiment Deutschmeister war beim Beginn der vor-
beschriebenen Gefechts - Momente in Divisionskolonnen mit vor-
gesendeten Plänklern im feindlichen Feuer ohne zu stocken vor-
gerückt. Letztere mussten endlich bis auf eine halbe Kompagnie
verstärkt werden, so furchtbar wüthete das feindliche Feuer unter
denselben. Die Quartes und Klumpen wurden mit aller Ordnung
formirt und ein kühner, feindlicher Offizier, welcher seiner Truppe
vorausattaquirte, todt vom Pferde geschossen. Als hierauf die Ka-
vallerie verschwand und die Kolonnen formirt waren, setzten sich
dieselben ohne zu zaudern in Bewegung. Jeder einzelne Mann fühlte,
dass er dem sicheren Tod entgegen gehe, aber auch nicht einer
verlor den Muth. Schon in der Stellung der Quarrees blieb der Boden
mit Todten und Verwundeten dicht besät, trotz all1 dem hörte man
nur den Ruf »vorwärts!* aus den Reihen der braven Soldaten. Ja
einzelne stürmten mit gefälltem Bajonnet todesmuthig kühn voraus
gegen die feindliche Stellung, die wie ein feuerspeiender Krater die
Geschosse in die Reihen schleuderte, so dass die Offiziere ihnen
zurufen mussten „wollt ihr denn allein gegen Bataillone stürmen!*
Furchtbar wüthete auf diese Art das feindliche Feuer und doch
rückten die Kolonnen noch immer vorwärts.
In dieser kurzen Spanne Zeit hatte der Tod fürchterliche
Ernte im Regiment gehalten: Oberst Peinlich, welcher stets an
den gefährlichen Stellen als ein schönes Beispiel der Aufopferung
und Tapferkeit vorleuchtete, erhielt einen Schuss in die Hüfte,
während gleichzeitig sein Pferd todt zusammenstürzte; nach einem
schnell angelegten Noth verbände war der wackere Oberst auf dem
Pferde des Adjutanten wieder an der Spitze des Regiments. Oberst-
lieutenant Carmagnola sank schwer verwundet vom Pferde, ebenso
Major Baron Schweikhardt. Letzterer kam nur zögernd dem
Andringen der Offiziere nach, sich auf den Verbandplatz bringen zu
lassen, in diesem Momente traf ihn ein zweiter Schuss, der diesen
Helden todt niederstreckte; ebenso blieben Hauptmann Gaipl und
Neubauer todt auf dem Felde der Ehre. Dem Hauptmann Schwarz,
Kommandant des dritten Bataillons und S a x i n g e r wurden die
Pferde unter dem Leibe erschossen, viele von der Mannschaft blieben
todt, eine grosse Anzahl, dabei auch viele Offiziere, wurden ver-
Digitized by Google
IHM.
G69
wundet. Das Regiment hatte somit alle Stabsoffiziere verloren.
Erwägt man die Situation, in welcher sich die Regiments -Abthei-
lungen in diesem kritischen Momente befanden, so ist es ein-
leuchtend, dass ein ferneres Darauflosgehen in diesem mörderischen
Schnellfeuer nur die unnütze Aufreibung des Regiments herbei-
geführt haben mflsste. In der rechten Flanke und den Hohlweg
enfilirend stand das zweite Bataillon dos feindlichen 37. Regiments,
direkte in der Flanke, ja sogar im Rücken war die zweite und
dritte Kompagnie des 58. Regiments. Diese beiden feindlichen
Abtheilungen wehrten sich mit dem Mnthe der Verzweiflung in der
höchsten Gefahr, durch das Regiment abgeschnitten und gefangen
zu werden. Die linke Flanke bedrohten .Tilger des fünften Bataillons
und Abtheilungen des 37. und 58. Regiments ; auch war es im
letzten Momente der zehnten feindlichen Division gelungen, sich
auf der mit Fuhrwerken arg verstopften Strasse Bahn zu brechen
und mit 13 frischen Halb - Bataillons der in das Wäldchen zurück-
gegangenen Brigade .Tonak zu folgen. Das Regiment stand allein,
ohne Unterstützung und ohne günstige Rückzugsstellung, da die
Brigade Waldstätten mittlerweile auch in die erste Gefechtslinie
gegen Wysokow gerückt war.
Iu diesem Momente, ungefähr 3 Uhr nachmittag, deckte das
erste Bataillon die linke Flanke offensiv mit der Fronte fast nörd-
lich gegen die Branka, das zweite Bataillon stand im Centrum,
zunächst der Wiese am Plateau mit der Front gegen das Wegkreuz
von Bracec und das dritte Bataillon mit einer Division im Hohlwege
von Bracec, einer an dessen Lehne, während die dritte den Rand
behauptete. Der tiefe Weg von der evangelischen Kirche gegen die
Altstädter -Strasse, war mit Todten und Verwundeten so angefüllt,
dass er nicht zu passiren war.
In dieser Stellung blieb das Regiment fast dreiviertel Stunden
im heftigsten Kampfe, als der Befehl zum Rückzüge erfolgte, welchen
das erste Bataillon decken sollte. Das ganze Regiment, in dessen
Gliedern die wirkliche Lage weniger aufgefasst wurde, hatte trotz
seiner Verluste und Ermüdung jeden Augenblick erwartet, zum ent-
scheidenden Sturme gefuhrt zu werden, — die Ungeduld in den
Reihen war sichtlich, umsomehr war es enttäuscht als der Befehl
zum Rückzug erscholl, welcher nun bedeutenden Schwierigkeiten
unterlag, da sich die Situation durch das Vordringen der 13 feind-
Digitized by Google
670
liehen Halb - Bataillons wesentlich verschlimmert hatte. Es gab nur
mehr den Rückzug nach Bracec - Sonov, aber trotz seiner Gefährlich-
keit wurde er mit staunenswerther Präzision ausgefflhrt. Die Kom-
mandanten des zweiten und dritten Bataillons suchten vor allem die
Schlucht zu gewinnen, fanden aber dieselbe vollgepfropft mit Todten
und Verwundeten, auch feuerte nun der langsam nachrückende Feind
in dieselbe und lichtete im vollen Sinne des Wortes ein Blutbad an.
Wie erschöpft die Leute waren, zeigte hier der Umstand, dass sich
dieselben um eine kleine schmutzige blutgedrängte Lacke im heftigsten
feindlichen Feuer drängten, um den brennenden Durst zu löschen.
Es war ein Momeut der Verzweiflung. Die Offiziere hatten alle
Mühe, um dio Mannschaft aus diesem Mcnschenknäuel fortzubringen
und den Berg hinabzuführen.
Das erste Bataillon, welches nun Hauptmann Triulzi kom-
mandirte, mit der dritten Division als letzte Arrieregarde, wich
Schritt für Schritt, fechtend längs den Obstgärten des Wenzelsberges
gegen don Weg von Sonov zurück ; mit ihr verliess auch die Batterie
ihre Position, welche bis zum letzten Augenblicke dio Bewegung
kraftigst unterstützt hatte.
Hauptmann v. Krüger war mit der vierten Division aus
der Schlucht hinter dem Wenzelsberge rasch zu dem Wäldchen
geeilt, hatte dort die zurückkehrenden Leute gesammelt und eine
sehr gute Position bezogen, um durch einen kräftigen Offensivstoss
den Gegnor an dem Debouchiren ans dem Orte zu hindern, bis
das Regiment eine neue Stellung bezogen habe. Ein feindlicher be-
rittener Offizier, welcher rekognosziren wollte, wurde todt vom
Pferde geschossen, und nachdem das zweite und dritte Bataillon
sich hinter dem Bache von Sonov aufgestellt und das erste Bataillon
den Maierhof besetzt hatte, rückte auch die vierte Division ein.
In dieser Stellung, mit einigen Pänklern vor der Front, wurden
nun die Abtheilungen geordnet und die Rückkunft einzelner Plänkler
erwartet, welche im Feuergefecht das Signal nicht gehört hatten.
Der Feind folgte ihnen in geschlossenen Abtheilungen sehr vorsichtig
und ohne Kampf nur bis zum Fusse der Höhen, so dass noch viele
einrückten, während das Feuer ganz verstummte.
Der Brigadier G.-M. von Rosenzweig ordnete nun eine
neue Vorrückung an, um den Feind vom Verfolgen abzuhalten
und zurückzuwerfen. Nachdem aber der Angriff auf Wysokow
♦
ISO«.
071
durch die Brigade Waldstatten auch nicht das gewünschte Resultat
erzielt hatte und die Erfolglosigkeit dieser Unternehmung nach der
ganzen Gefechtslage vorauszusehen war, so wurden die sich bereits
in Bewegung gesetzten und auf die ersten Höhen vorgerückten Batail-
lone zurückbeordert.
Der Korpskommandant befahl nach 4 Uhr den Rückmarsch
des Korps nach Skalic und liess denselben dnreh drei Batterien der
Geschütz- Reserve und die Kavallerie - Brigade G.-M. Schindlöker
decken. Der Feind vom langen Marsche und Kampf selbst äusserst
erschöpft, belästigte den Rückmarsch fast gar nicht. Das Feuer
seiner Reserve -Artillerie, die mit 40 Geschützen auf dem Plateau
Stellung nahm, erreichte die retirireuden Truppen nicht mehr. Nach-
dem das Korps Skalic erreicht hatte, bezog das Regiment ein Lager
vor dem Plateau und stellte die Vorposten längs der Bahnlinie aus;
das erste Bataillon besetzte den Bahnhof, das Gasthaus und alle
zunächst gelegenen Gebäude mit dem speziellen Befehle, im Falle
eines Angriffes Skalic zu vertheidigen. In dieser Stellung, Angesichts
des Feindes wurde abgekocht und hiezu die Geschirre aus Skalic
requirirt, da das Regiment während dem Kampfe am Wenzelsberge
wegen der grossen Hitze die Tornister abgelegt und, weil man an
dieselbe Stelle nicht mehr zurückkam, auch sammt den Kochkesseln
und Essschalen verloren hatte, ein Umstand, der sich dann während
dem weiteren Feldzuge sehr fühlbar machte.
Die Verluste des Regiments in dem Treffen bei Nachod am
27. Juni waren sehr bedeutend. Todt: Oberstlieutenant Anton Car-
magnola, Major Gustav Baron Sch weickhardt, Hauptmann
Thomas Neubauer, Franz Gaipl, Oberlieutenant Alois P ro-
ch aska, Martin Deveranne, Lieutenant Emil Clodi, Friedrich
Ritter v. Hauer, Anton Malocsay, Ferdinand Prinz Salm-
Reifferscheid und 37 Manu vom Feldwebel abwärts; verwundet:
Oberst Wilhelm Peinlich, Hauptmann Anton Rössler, Ober-
lieutenant Mathias Hohcnsinn und Johann Bruckmüller,
Lieutenant Eduard Schmidt, Josef Kollowitsch, Georg Schubert,
Arthur Baron Sommaruga und 118 Mann, dazu verwundet
gefangen, die auf dem Schlachtfelde liegen blieben, 62 Mann, un-
verwundet gefangen 68 und vermisst 123 Mann vom Feldwebel
abwärts. Die Vermissten waren bis zum Monate Mai 1868 nicht
zu eruiren und können daher zu den Todten gezählt werden,
072
IHM.
Die Fahnenstange des dritten Bataillons erhielt beim Vorgehen
gegen Bracec einen Gewehrschuss, in Folge dessen dieselbe entzwei
brach, wurde jedoch vom Fahnenführer Qiratschek im Gefechte
so weit reparirt, nämlich die Stflcke zusammengebunden, dass sie
getragen werdeu konnte. In dem preussischen Armee - Bulletin
Sr. königl. Hoheit Friedrich Wilhelm Kronprinz von Preussen
kam die irrige Bemerkung vor: „die Fahne des dritten Bataillons
Deutschmeister fiel dabei in unsere Hände*, welche später von
preussischer Seite natürlich dahin berichtigt wurde, dass jene Fahne
nicht dem Regiment Deutschmeister, sondern Nr. 20 gehört habe.
Während des kurzen Aufenthaltes des Regimentes nach dem Feld-
zuge zu Wien wurden die Stangentheile durch einen Metall-Oy linder
verbunden und an der Stelle des Bruches eine Platte mit der Auf-
schrift angebracht .Durchschossen im Gefechte bei Nachod beim
Sturme auf Waclawicc am 27. Juni 18G6.«
Der Korps- Kommandant F.-M.-Lt, Baron Hamming sagt
in seiner Relation über das Regiment: „Dem Regimente Deutsch-
meister Nr. 4, unter Führung des Herrn Obersten Peinlich,
„wurde die Aufgabe zu Theil, den Sturm gegen Kirche und Plateau
„von Wenzelsberg zu unternehmen, welcher vollkommen glückte;
„sogleich wurde die Kirche und deren Umfassungsmauer zur Ver-
teidigung hergerichtet, von einem Theile des Regiments Deutsch-
meister besetzt, während der übrige Theil des Regiments auf dem
„Plateau Stellung nahm und den Feind mit Plänkleru verfolgte. Bei
„diesem Sturme litten die Truppen durch das Kleingewehrfeuer
„beträchtliche Verluste, dennoch wurde die Ordnung aufrecht erhalten
„und die Verbindung mit den uebeustehenden Truppen bewirkt."
Und dann zum Schlüsse: „Sämmtliche Truppen des sechsten Armee-
„korps sind mit grösster Bravour in den Kampf gegaugen. Das
„grösste Lob gebührt in dieser Beziehung der Artillerie. Nicht
„minder ausgezeichnet haben sämmtliche Fusstruppen des Korps
„gefochten."
In diesem Treffen haben sich besonders ausgezeichnet:
Vor Allen ist es Pflicht der Regimentsgeschichte, die hervor-
ragende Tapferkeit, Umsicht und Entschlossenheit des Brigadiers
G.-M. Rosenzweig v. Drau wehr aufzuführen. Das Regiment,
sowie die ganze Brigade erfüllte ein Ruf der Dankbarkeit und An-
erkennung des Muthes ihres Führers im festen Vertrauen auf seine
186«.
673
Massnahmen. Vom Beginn bis zum Ende der Aktion sah ihn das
Regiment im verheerendsten Kugelregen, theils in den Reihen der
Plankler und immer an den gefährlichsten Punkten mit der grössten
Ruhe und Kaltblütigkeit die Befehle ertheilen und zum Schlüsse
nur schwer die Versuche aufgeben, die durch die Ungunst der Ver-
hältnisse kein Resultat mehr erreichen konnten. Die Uniform des
verehrten Generals wurde von Kugeln durchlöchert, wiederholt rissen
feindliche Geschosse Federn aus dem Federbusch, doch blieb er zur
allgemeinen Freude unversehrt.
Führer K n c h t a und Gefreiter Josef Morhammer zeichneten
sich durch kühnes Vorgehen und Aneiferung der übrigen vortheilhaft
aus. Korporal Rudolf Ritter v. Gyra, welcher sich in demselben
Zuge befand, übersprang der Erste eine vom Feinde hartnäckig ver-
theidigte Hecke zunächst der Wenzels- Kapelle ; ihm folgten die
Uebrigen und er hatte die Genugthuung, die Feiude eine weite
Strecke zurückgedrängt zu haben. Gefreiter Anton Brenner übte
einen vorzüglichen EinÜuss auf seine Kameraden, durch seine mit
Wienerischem Humor gewürzten Aneiferungcn. Der nicht combattante
Kompagnie - Schuster Josef H o 1 z i n g e r ergriff das Gewehr eines
Gefallenen, trat in die Reihen und verrichtete mit Bravour den Dienst
des streitbaren Mannes. Hornist Anton W a d 1 hatte eben das Gewehr
eines Gefalleneu ergriffen, als das Quarree - Signal erfolgte. Ein
feindlicher ReiterofHzier hatte sich genähert, um vor der Attaque zu
rekognoszieren, diesen nahm er sofort aufs Korn und schoss ihn
todt vom Pferde, worauf die hinter dem Offiziere nachrückende
Abtheilung sogleich umkehrte. Feldwebel Johann Zimmermann
hatte im Getöse das Rückzugs - Signal überhört und suchte nun mit
seinen Leuten die Truppe zu erreichen. Bei dieser Gelegenheit sali
er Plänkler des Regiments so arg vom Feinde bedrängt, dass für
sie die höchste Gefahr vorhanden war, abgeschnitten und gefangen
zu werden. Schnell warf er sich mit seinen Leuten den Feinden in
die Flanke, wodurch jene Plänkler Zeit gewannen, sich zu sammeln
und mit ihm vereint die Feinde zurückzuwerfen und von der Ver-
folgung abzuhalten. Tambour Schirm er schoss einen höheren
feindlichen Offizier nächst der Wenzels - Kapelle vom Pferde, auch
Zimmermann Wunder ergriff das Gewehr eines Gefallenen und
feuerte fleissig in der Plänklerlinie. Bataillons - Hornist Hallaba
blieb, obgleich verwundet, in den Reihen und war eifrigst bemüht,
43
G74
die Leute anzueifern. Korporal Pioringer und Gemeiner Slaraa
waren ebenfalls verwundet und konnten nicht bewogen werden, aus
dem Gefechte zu gehen. Kadet - Feldwebel Levasseur, obwohl
krank, hielt sich mit aller Aufopferung aufrecht und belebte seine
Mannschaft durch Wort und Beispiel ; dieser Brave fand bei König-
grätz den Ehrentod auf dem Schlachtfelde. Feldwebel Ludwig
Föderl erschoss einen feindlichen Offizier an der Spitze seiner
Truppe und erhielt die silberne Tapferkeit« - Medaille zweiter Klasse.
Korporal Jakob Berger zeichnete sich durch besonderes muthvolles
Benehmen ans. Führer Qua-Feldwebel Wolfgang Marktbereiter gab
die vorzflglichsten Beweise seiner Tapferkeit und Geistesgegenwart.
Als Kommandant der vordersten im Vorrücken begriffenen Abtheilung
sah derselbe plötzlich die Flanke der Schwannkette durch eine feind-
liche Abtheilung bedroht. Schnell besonnen, Inste er seine Ab-
theilung in Schwärme auf und trieb den Feind durch einen kühnen
Angriff zurück; Führer Franz Pillwein, Gefreiter Johann Tullner
und Alois II s k a r n i t h standen ihm hiebei herzhaft zur Seite und
letzterer hatte überdicss wiederholt seinen Hauptmann gebeten, zum
Sturme geführt zu werden; der tapfere Felwebel Marktbereiter
erhielt die silberne Tapferkeits- Medaille erster Klasse.
Gefreiter Johann Hoff mann hatte sich beim Vormarsche auf
den Wenzelsberg durch seine Kühnheit besonders bemerkbar gemacht.
Jede Deckung verschmähend, der ganzen Kette voraus, immer
urwüchsige Wiener Witze im Munde, war er für seine Abtheilung
das belebende Element und gab durch sein kühnes Drauflosgehen
gegen jene Gegend, von wo das heftigste Feuer auf ihn gerichtet
war, das schönste Beispiel muthiger Todesverachtung. Dieser Kühne
erhielt die silberne Tapferkeits -Medaille zweiter Klasse.
Feldwebel Martin Koch trug den schwerverwundeten Lieute-
nant Baron Soramaruga auf seinen Armen aus dem Gefechte, erhielt
dabei einen Prellschuss, kehrte aber doch augenblicklich wieder in
das Gefecht zurück, wo er auf das Eifrigste seine Leute aneiferte und
die besten Dienste leistete ; erhielt die silberne Tapferkeits - Medaille
zweiter Klasse.
Führer Georg Stiefel und Gefreiter Johann Hamböck,
standen zunächst des Oberstlieuteuant Carmagnola, als dieser
tödtlich getroffen, vom Pferde fiel und nun der Gefahr ausgesetzt
war, in Gefangenschaft zu gerathen. Schnell hoben diese Braven den
\
lfm.
675
Oberstlieutenant von der Erde auf und trugen ihn zurück, wobei
Führer Stiefel ebenfalls verwundet wurde; für diese edle Selbst-
aufopferung erhielten diese Braven jeder die silberne Tapferkeits-
Medaille zweiter Klasse.
Führer Hermann Judtmann verliess, obgleich am Kopfe
bedenklich verwundet, so dass ihm das Blut das Gesicht überströmte,
nicht einen Augenblick seine Abthciluug und gab ein schönes Bei-
spiel der Ausdauer. Auch war seine Thätigkeit im Gefechte vom
besten Erfolge begleitet; erhielt die silberne Tapferkeits -Medaille
zweiter Klasse. Feldwebel Karl Hof bau er, Gefreiter Swatz und
Gemeiner Welk thaten sieh in der Kette durch ausgezeichnetes
Schiessen hervor; vorzüglich setzte der Feldwebel eine bedeutende
Anzahl feindlicher Tirailleurs ausser Gefecht ; er erhielt die silberne
Tapferkeits-Medaillc zweiter Klasse. Ebenso der Kompagnie- Schuster
Johann Gabmayer, welcher mit dem Gewehre eines Gefallenen
stets in den ersten Reihen mit aller Tapferkeit focht.
Sämmtlichc Stabs- und Oberoffiziere haben sieh nach Aus-
spruch der Generale mit Ruhm bedeckt.
Das achte Armee -Korps erschien um 0 Uhr morgens des
28. Juni bei Skalic und löste das sechste Korps in seineu Stellungen
ab. Die Brigade Schulz übernahm die Position der Brigade Rosen-
zweig, worauf letztere um 8 Uhr als Arrieregarde des sechsten Korps
nach Tfebisow zurückraarschirte. Der Feind war gleichzeitig mit
bedeutenden Kräften von Naehod vorgerückt und griff nnverweilt
das achte Korps bei Skalic an.
Nun erhielt die Brigade Rosenzweig den Befehl sich als letzte
Brigade des sechsten Korps, jedoch vor dem achten Korps zurück-
zuziehen. Der durch die feindliche Uebermacht herbeigeführte Rück-
zug des letzteren Korps, sowie die Gefahr, in welcher die auf der
Strasse zusammengedrängten Truppen dieses Korps schwebten, über-
zeugten den General Rosenzweig von der Noth wendigkeit, eine
Stellung in der Höhe von Trebisow zu beziehen, um so dem in Aus-
sicht stehenden Nachdrängen des Feindes Schranken zu setzen und
dem achten Korps Zeit zu verschaffen unbelästigt das vierte Korps
zu erreichen.
Das Regiment Deutschmeister bildete den linken Flügel und
besetzte mit zwei Divisionen den ausgedehnten Meierhof, der sogleich
zur Verteidigung hergerichtet wurde; eine Division stand hinter
43«
Digitized by Google
G7Ö
dem Gebäude als Unterstützung. Ein Bataillon besetzte die längs der
Strasse sich hinziehende Höhe und das dritte wurde rechts der
Strasse aufgestellt. Das Regiment kommandirte ad interim Haupt-
mann Franz Schwarz, das erste Bataillon Hauptmann Anton
Triulzi, dessen Divisionen, und zwar die erste Hauptmann Karl
Buchfclder, zweite Adolf von Einem, dritte Anton von Chitry;
das zweite Bataillon Hauptmanu Josef Selig, vierte Division Haupt-
mann Boguslav Krneger, fünfte Oberlientenant Wilhelm Schroll,
sechste Hauptmann Karl Saxinger; drittes Bataillon Hauptmann
Karl Rudda, siebente Division Hauptmann Eduard Meisl, achte
Moriz von B a r i s a n i, neunte Oberlieutenant Karl F e r a r i ; Brigade-
Batterie-Bedeckung Oberlieutenant Alexander Ritter von Friese mit
24 Mann. Das 55. Regiment und Jäger - Bataillon stellten sich als
rechter Flügel auf; die Batterie, welcher am 27. ein Geschütz de-
montirt wurde, protzte in der Ebene mit sieben Geschützen in der
Mitte der Brigade ab und eröffnete unter Kommando ihres Ober-
lieutenants Eis ler sogleich das Feuer gegen die vor Skalic aufge-
fahrenen feindlichen Geschütze mit so gutem Erfolge, dass sich
jenes der letzteren bald verminderte. Nun suchte der Feind durch
Verstärkung seiner Geschütze, die ein sehr lebhaftes Feuer gegen
die Brigade eröffneten, dieselbe zum Rückzüge zu zwingen, jedoch
umsonst, donn die Bataillone blieben ruhig in ihren Stellungen, wo-
durch das achte Korps den Rückzug hinter denselben vollziehen
konnte. Das Regiment Nr. 8 und die Batterie der Brigade Schulz
schlössen sich an die Truppen des General Rosenzweig an; ebenso
verstärkten später zwei Uhlanen- und ein Kürassier - Regiment den
rechten Flügel.
Das nachdrängende feindliche Regiment Nr. 52 wurde von der
im Maierhofe postirten Division Deutschmeister mit einem lebhaften
Gewehrfeuer empfangen und zurückgewiesen. Die 16 Geschütze der
Brigade Rosenzweig, welche nun eine vorzügliche Stellung nördlich
Trebisow genommen hatten, hielten den Feind vom Vordringen ab,
steckten einen Theil von Skalic in Brand, wodurch das Debouchiren
der Preussen zum Theil verhindert wurde.
In dieser Stellung verblieb die Brigade bis 5 Uhr, als der
Befehl zu ihrem Rückzüge anlangte. Nachdem die Division den
Meierhof verlassen hatte, suchte der Feind sogleich sich darin fest-
zusetzen, wurde aber durch das Geschützfeuer bald wieder hinaus-
677
geworfen. Das erste Bataillon Deutschmeister bildete die Arrieregarde,
und nachdem das erste Treffen des 8. Korps, welches aus Batterien
bestand, passirt war, zog auch dieses auf der Strasse nach Josef-
stadt der Brigade, vom Feinde unbehelligt nach, welche Ober Westez,
Billic, Dubenec erst mit grauendem Morgen, vollständig erschöpft,
Lancow erreichte. Die Brigade war nur mit einem kurzen Auf-
enthalte die ganze Nacht marschirt.
Der Verlust des Regiments bei Trebisow betrug nur einen
Verwundeten und einen Vermissten.
Der kurze Aufenthalt zu Lancow wurde zum Abkochen benutzt,
und dann um 5 Uhr abends wieder aufgebrochen. Der Marsch ging
nach Dubenec und bei der Kirche dieses Ortes links auf die Strasse
nach Schurz einbiegend, gegen Sibojed. Es war in der Dämmerung,
als das Regiment den Pfarrhof passirte, vor welchem sich der
Armee-Kommandant F.-Z.-M. Ritter Benedek mit seinem Stabe
zur Besichtigung der Truppen aufgestellt hatte und Worte des
Muthes und der Hoffnung auf glücklichere Tage an die vorbei-
ziehenden Soldaten richtete. Sichtlich erfreut war das Regiment
Aber das Erscheinen seines verehrten Inhabers, Sr. kais. Hoheit des
Herrn Erzherzog Wilhelm, Höchstweicher eine Strecke mit dem-
selben zu marschiren, mit mehreren Offizieren zu sprechen und sich
über den Zustand Seines Regimentes zu erkundigen geruhte.
Auf dem Weitermarsche wurde das Regiment oftmals durch
andere Regimenter im Ausschreiten gehindert, es musste oft eine
halbe Stunde und auch länger gehalten werden, worüber die Nacht
hereinbrach. Während einem dieser längeren Aufenthalte erschien
plötzlich eine Kavallerie - Abtheilung im scharfen Tempo, die man
in dem Dunkel der Nacht nicht erkennen konnte. Die Ahnung der
Nähe des Feindes erzeugte eine plötzliche Verwirrung unter den
Soldaten, welche sich für überfallen hielten; die Batterie versuchte
umzukehren, Schüsse fielen von allen Seiten, kurz es begann in
der Finsterniss ein verhängnissvolles Durcheinander.
Die Abtheilungen des Regiments formirten sich mit über-
raschender Schnelligkeit rechts von der Strasse auf der Höhe in
Bataillonsmassen. Plänkler rückten vor und Patrouillen von Offizieren
geführt, wurden ausgeschickt, welche bald mit der Meldung ruck-
kehrten, das8 keine Spur vom Feinde zu entdecken sei. Nun ruckte
das Regiment zunächst der Strasse in Gefechtsstellung vor, und als
67g
18««.
man sich überzeugt«, dass alles nur blinder Lärm gewesen, wurde
wieder die Kolonne formirt und der Marsch fortgesetzt. Trotz dieser
heillosen Verwirrung hatte nicht ein Manu in Reih' und Glied
gefehlt.
Die Stockungen dieses Marsches waren so unerhört, dass zur
Hinterlegung der kurzen etwa dreiviertel Stunden langen Wegstrecke
von Dubenec bis Silberleit am Abhänge des Elbethales fast die
ganze Nacht in Anspruch genommen wurde. Es graute bereits der
Morgen, als das Regiment am Kamme der Höhe anfmarschirte. Die
Brigade uahm an den waldigen Abhängen von Silberleit eine Ver-
teidigungsstellung gegen Norden; das erste Bataillon besetzte
Schurzleiten, hatte Vorposten längs der Elbe und war rechts mit
einem Detachement des zweiten Korps nächst Schurz in Verbindung ;
nächst diesem Bataillon links bezog das 17. Jäger - Bataillon die
Vorposten, hinter welchem das dritte Bataillon des Regiments eine
Verteidigungsstellung auf einem äusserst abschüssigen steinigen
Terrain einnahm. Rückwärts des dritten Bataillons auf dem Höhen-
kamme stand die abgeprotzte Batterie und hinter dieser das Gros
der Brigade mit vier Bataillons, dabei das zweite des Regiments
mit dem Stabe. Die ganze Position war rechts mit der Brigade
Waldstättun und links mit der Brigade Jonak in Verbindung.
Am Morgen des 30. Juni, kaum nach vollendeter Aufstellung
tönte der Kanonendonner vom linken Flügel aus der Stellung des
zweiten Korps herüber, der gegen Mittag verstummte. Nachmittags
war grosse Bewegung im feindlichen Lager bemerkbar; man hörte
deutlich das Hurrah - Kufen und das Spielen der Musiken, mit
welchen die Preussen die Ankunft ihres Königs bei der Armee
feierten. Gegen 10 Uhr versuchte sich feindliche Kavallerie gegen-
über von Schurz zu postiren, die aber durch einige gute Schüsse
der Brigade - Batterie sehr schnell vertrieben wurde. An diesem Tage
übernahm Major Fabrici das Kommando des Regiments, dagegen
Hauptmann Schwarz jenes des dritten Bataillons.
Die Stellung Josefstadt -Miletin war nach dem, was bisher
bei den einzelnen Korps vorgefallen war, nicht mehr zu halten,
daher erliess am 30. Juni der Armee-Kommandant die Dispositionen
zur Sammlung der Armee bei Königgrätz.
Um 11 Uhr nachts erhielt die Brigade den Befehl, um Mitter-
nacht aufzubrechen und die Lagerfeuer zur Täuschung des Feindes
Digitized by Google
070
nicht auszulöschen. Die Brigade konzentrirte sich am Plateau nächst
Zibojed, trat um 1 Uhr nachts den Marsch an, erreichte um 2 Uhr
nachmittags Wsestar und bezog längs der Strasse Jiciu - Königgrätz
ein Bivouak. Der Nachmittag des 1. und der ganze 2. Juli war
endlich dem Regiraente nach diesen übennässigen Anstrengungen
zur Erholung gegönnt und sichtlich wirkte diese auf die Thatkraft
der Leute, welche hier das erste Mal Wein erhielten; auch war zu
bemerken, dass sich viele Leute wieder Tornister und Kochgeschirre
verschafft hatten ; ein Tornister auf der Strasse oder sonst bemerkt,
wurde mit Freuden aufgenommen und recht gerue getragen.
Die am 2. Juli weitausgehenden Patrouillen meldeten überein-
stimmend das Anrücken zahlreicher feindlicher Streitkräfte (Armee
des Prinzen Friedrich Karl und Elbe -Armee) von Nordwest.
Am Abende stand das sechste Korps an der Chaussee bei Wsestar
und erhielt für den 3. Juli die Disposition, dass das Korps für den
Fall, als der feindliche Angriff sich auf den linken Flügel der Armee
beschränkte, nur in Bereitschaft zu halten, sollte aber der feind-
liche Angriff grössere Dimensionen annehmen und auch gegen die
Mitte oder den rechten Flügel gerichtet werden, dann trete die
ganze Armee in Schlachtordnung und es sollte das erste und sechste
Korps, die fünf Kavallerie - Divisionen und die Armee - Geschütz-
Reserve, die Reserve der Armee zur ausschliesslichen Verfügung
des Armee - Kommandanten bleiben. Das sechste Korps hatte sich
in diesem Falle auf den Höhen von Wsestar zu sammeln.
Schon zeitlich früh am Morgen des 3. Juli als das Regiment
abkochte, verkündeten Kanonenschüsse bei Sadowa, dass der Feind
zum Angriff schreite und um 3 Uhr begab sich der Armee -Kom-
mandant mit seinem Stabe nach dem Kampfplatze. Beim Vorfiber-
reiten des Hauptquartiers richtete der Oberst- Inhaber Erzherzog
Wilhelm einige das Regiment ehrende Worte au dessen Kom-
mandanten und genehmigte den Ersatz der durch die Verluste bei
Wissokow nöthigeu Beförderungen im Offiziers -Korps, welche auch
sofort unter dem Donner der Kanonen publizirt wurden.
Unter strömendem Regen gegen 8 Uhr wurde das Geschütz-
feuer immer mehr gegen den rechten Flügel hörbar. F.-M.-Lt.
Rammiug ordnete um Uhr die Konzentrirung des Korps auf
der Höhe zwischen Wsestar und Sweti au, wobei die Brigade
Rosenzweig den rechten Flügel des ersten Treffens zu bilden hatte.
G80
Der Zeitpunkt des Eintreffens in diese Stellung wurde von einem
speziellen Befehle abhängig gemacht und da dieser eine ge-
raume Zeit nicht erschien, so wurde beim Regimente
die Mannschaft mit Wein und Branntwein betheilt.
Später erhielt F.-M. -Lt. Kam min g den Befehl, das Korps
in der Richtung von Langenhof in Bewegung zu setzen und in der
Niederung südöstlich dieses Ortes in konzentrirter Aufstellung die
weiteren Befehle zu erwarten, üm 11 74 Uhr war diese Bewegung
durchgeführt und stand das sechste Armeekorps in Massen formirt,
östlich Langenhof mit den Brigaden Rosenzweig und Jonak im
ersten, Waldstätten und Hertwek im zweiten Treffen, das Regiment
Clam-Uhlanen am linken Flügel des ersten Treffens, die Korps-
Geschütz -Reserve hinter der Brigade Hertwek. Bei der Brigade
Rosenzweig, welche den rechten Flügel bildete, stand rechte das
17. Jäger-, dann das erste und zweite Bataillon des Regiments im
ersten, das dritte Bataillon und das Regiment Nr. 55 im zweiten
Treffen.
Rechts vorwärts dieser Korps -Aufstellung stand das dritte
Korps bei Lipa und Chlum, das fünfte Korps vor Langenhof, das
vierte Korps aber nordwestlich von Nedelist im Kampfe. Vom letzt-
genannten Korps wurde F.-M. -Lt. Ramming um Unterstützung
gebeten; dieser wies jedoch die Forderung au den Armee-Komman-
danten, von dem er hierauf den Befehl erhielt, zur Unterstützung
des zweiten und vierten Korps nordöstlich vom Aufstellungsplatze
abzurücken. F.-M. -Lt. Ramming setzte seine Brigaden gegen
Nedelist in Bewegung ; doch fast unmittelbar darauf wurde der Befehl
widerrufen und F.-M. -Lt. Ramming angewiesen, in der Reserve-
steilimg zu verbleiben,
Trotz der peinlichen Unthätigkeit, zu welcher sich das Re-
giment verurtheilt sali, war docli alles recht guter Stimmung, zu
welcher die Klänge der Musik das ihrige beitrugen; jeder Mann
sehnte sich nach Revanche für die vorhergegangenen Kämpfe und
einige Male kam die Nachricht, dass die Schlacht gut stände und
vorzüglich unsere brave Artillerie mörderisch in den feindlichen
Reihen wirke. Unter den K laugen der Volkshymne ertheilte der
Kaplan Pospischill dem Regimeute die General -Absolution.
Um 10 Uhr hatte der Regen nachgelassen, dagegen lagerte
sich der Pulverdampf einiger Hundert im heftigsten Feuer stehender
Digitized by Google
18««.
681
Geschütze, deren Donner die Erde erbeben machte, wie ein Schleier
auf dem Schlachtfelde. Gegen 3 Uhr nachmittags stand Chlum in
Flammen und Gewehr -Projektile schlugen bis in der Nähe des
Korps in die Erde, ein Zeichen, dass der Kampf sich naher zog
und bald das ersehnte Angreifen des Regiments zu erwarten stand.
Um 3 Uhr nachmittags begann plötzlich auf der Höhe von
Chlum Geschütz- und Kleingewehrfeuer. F. -M. -Lt. Kamming
hatte früher schon auf eine neue dringende Aufforderung des 4.
Korps einen Theil seiner Geschützreserve in's Feuer gesetzt und
ordnete nunmehr die Entwicklung des Korps in die rechte Flanke an.
Die Armee des Kronprinzen von Preussen hatte sich durch
das wellenförmige Terraiu gedeckt in eine entstandene Gefechtslücke
zwischen Maslowed und Sendrasitz geschoben, die Höhen von Ohlum
und Nedelist forcirt und somit die rechte Flanke der österreichischen
Armee biosgestellt.
Der Aufmarsch des 6. Korps geschah im heftigsten Feuer
der feindlichen Artillerie, von welcher acht Batterien auf den
Höhen bei Chlum aufgefahren waren. Noch während des Auf-
marsches erhielt das Korps vom Armee-Kommandanten den Befehl,
gegen Chlum vorzurücken. F.-M.-Lt. Ramming disponirte nun die
Brigade Rosenzweig zum Angriffe auf Chlum, die Brigade Wald-
stätten auf Rozbefic. Die beiden Brigade - Batterien setzten sich
sogleich in den Brigade - Intervallen in's Feuer, um den Sturm
einigermassen vorzubereiten.
Mit dem 17. Jäger - Bataillon vor der Front, dem Regiment
Deutschmeister im ersten, Nr. 55 im zweiten Treffen, rückte die
Brigade Rosenzweig vor, warf sich aber, als sie aus Rozbefic heftig
beschossen wurde, gegen diesen Ort, welchen preussische Garden
besetzt hatten.
Das Regiment Deutschmeister, welches die 400 Schritte bis
zum Dorfe im heftigsten Feuer der feindlichen Elite - Truppe, daher
mit grossen Verlusten zurückzulegen hatte, stockte nicht einen
Augenblick, denn jeder hatte sich vorgenommen, für den 27. Juni
Revanche zu nehmen. Schon beim Orte angelangt, fand man den
Eingang verrammelt, daher kühne Leute vorgingen, um aufzuräumen,
während die vordersten Abtheilungen ein heftiges Feuer eröffneten,
wodurch viele Feinde getödtet oder verwundet wurden. Kaum war
die Verrammlung geöffnet, so erscholl ein tausendstimmiges Hurrah
Digitized by Google
682
IBM,
und mit gefälltem Bajounet drang das Regiment, obgleich aus allen
Fenstern, Dackluken und hinter deckenden Gegenständen auf selbes
gefeuert wurde, in das Dorf und sprengte die hier befindlichen
Garde -Bataillone auseinander, welche, geführt von tapferen Offizieren,
sich dann in Haufen hinter den Häusern, Hecken etc. zu halten
suchten. Aber unwiderstehlich war der Augriff des Regiments, in
kurzer Zeit der Feind hinausgeworfen und 2 Offiziere nebst 200 Garden
gefangen, welche Lieutenant Frühwirth zur Rücktransportirung
übernahm. Die preussisehen Abtheilungen zogen sich auf die Höhe
östlich von Chlum und es war schwer, dieselbe zu ordnen; doch
besetzten dichte Haufen den Hohlweg südlich des Ortes, wo der
grösste Theil der ersten Garde -Division vereint war.
G.-M. Rosen zweig gab dem Regiment Deutschmeister den
Befehl, das in Brand gerathene Rozberic zu besetzen, während er
persönlich mit dem Regiment Nr. 55 den Angriff gegen Chlum fort-
setzte. Ein verheerendes Feuer der südlich Chlum stehenden Batterien
und der dicht zusammengedrängten feindlichen Infanterie empfing
das vorstürmende Regiment. Nichtsdestoweniger drang es gegen den
brennenden Ort vor und occupirtc den oberen Theil desselben bei
der Kirche, worauf der Brigadier das Regiment Deutschmeister auf-
forderte, Chlum ebenso tapfer wie früher Rozberic zu stürmen und
dessen Vorrückung befahl. Das dritte Bataillon, welches Hauptmann
Triulzi überraschend schnell gesammelt und an der Dorf - Lisiere
aufgestellt hatte, setzte sich nun gegen Chlum mit frohem Muthe
in Bewegung, während die beiden übrigen Bataillone nachrückten.
Der Feind war nach dem Angriffe des Regiments Nr. 55 in
Unordnung zurückgewichen und seine Artillerie, die durch die öster-
reichischen Batterien sehr stark gelitten hatte, in eine rückwärtige
Position auf die Anhöhe nordöstlich Chlum abgefahren. Drei Ge-
schütze fielen in die Hände der Angreifer und der feindliche General
Hill er, welcher bald darauf von einer Granate getroffen fiel, gab
bereits seinen auseinander gekommenen Truppen Befehl sich rück-
wärts zu sammeln.
Doch der Erfolg der kaiserlichen Truppen war kein andauernder
und der kritische Moment für die erste preussische Garde -Division
ging bald vorüber, indem sie von allen Seiten bedeutende Verstärkungen
erhielt Der Angriff der Brigade Rosenzweig war ganz vereinzelt
unternommen worden ; die Brigade Waldstätten war, als die Brigade
Digitized by Google
186«.
683
Rosenzweig die Kirche bei Ohlum erreichte, erst in Rozbefic ein-
getroffen, somit bei 1000 Schritte von dieser entfernt und ausser
Lage sie zu unterstützen.
F.-M.-Lt. Ramming führte wohl persönlich zwei Bataillone
des Regiments Nr. 00 gegen den Feind vor, doch war diese Hilfe
zu gering.
General Rosenzweig hatte sich kaum notdürftig bei Chlum
festgesetzt, als er in der Front und Flanke von bedeutenden Streit-
kräften angegriffen, wieder Ober die Höhe zurückgedrängt ward.
Viele Gefangene und die eroberten Geschütze mussten zurückgelassen
werden. Dabei entwickelte sich links neben der Garde auf den Höhen
bei Nedelist die preussische 11. Division und unterhielt aus zahl-
reichen Geschützen ein verheerendes Feuer.
Das Regiment Deutschmeister, welches Chlum noch nicht er-
reicht hatte, musste unter diesen Umständen ebenfalls zurück; das
erste und zweite Bataillon besetzte wieder Rozbefic, welches nun
der Feind mit einem Hagel von Projektilen überschüttete. Trotzdem
uud obgleich der ganze Ort in hellen Flammen stand, hielten sich
die beiden Bataillone doch so lange bis jede Hoffnung verschwunden
war, Chlum erneuert zu nehmen, und Hauptmann Selig blieb dann
mit einer Abtheilung bis zum Eindringen des Feindes. Hauptmann
Triulzi hatte mit dem dritten Bataillon Wsestar besetzt und war
eifrigst bemüht die Westseite des Ortes in Vertheidigungsstand zu
setzen, obgleich dessen Ucberfüllung mit Verwundeten eine nach-
haltige Vertheidiguug sehr in Frage stellte. Doch hielt er sich so
lange bis ein grosser Theil der Verwundeten fortgeschafft und der
Ort durch die leiudliche Ueberflügelung von Sweti her nicht mehr
haltbar war.
Der grössere Theil des Regiments zog sich nach Königgrätz,
der kleinere nach Pardubitz zurück. Auf diesem Rückzüge ging die
taktische Ordnung durch das Ineinanderschieben aller Truppen-
gattungen und das heftige feindliche Geschützfeucr theilweise ver-
loren. Aber immer waren die Leute in kurzer Zeit wieder gesammelt ;
Unteroffiziere, ja sogar Infanteristen trachteten bei diesen Momenten
der Unordnungen Erhöhungen zu erreichen, von wo sie mit lauter
Stimme „Deutschmeister hierher!" riefen, und so gelang es den
Offizieren, von der braven Mannschaft unterstützt, ihre Abteilungen
beisammen zu halten.
684
im.
In der Dämmerung gelang es erst den in den Aussenwerken
der Festung Königgrätz eingetroffenen Abtheilungen durch die Stadt
zu gelangen und in Neu - Königgrätz sich mit den übrigen Abthei-
lungen des Regiments zu vereinigen. G. - M. von Rosenzweig
befahl eine mehrstündige Rast, worauf am 4. Juli um 3 Uhr früh
aufgebrochen und nach Holic marschirt wurde, wo sich die gan2e
Brigade vereinigte.
Hier konnte man erst die bedeutenden Verluste, welche das
Regiment erlitten, übersehen. Lieutenant Ignaz Veith und Simon
Blaschke waren beim Sturm auf Rozböfic todt geblieben; an
den erhaltenen Wunden starben: Hauptmann Karl Rudda nach
einigen Wochen in Wien, Lieutenant Franz Höckmayer und Emil
Levasseur in den Feldspitälern; verwundet waren Hauptmann
Moriz v. Barisani, Eduard Meisl, Anton Chitry v. Fraiselsfeld,
Josef Rischner, Karl Buchfelder, Boguslav v. Krfiger, Johann
Czermak, Oberlieutenant Adolf Walter, Lieutenant Leo Grimm.
Konrad Sturm, Adolf Loidolt, Josef Czernick, Emerich v. Gen-
zinger, Adolf v. Szeleczky, Josef Witt mann, Alois Donau-
bauer; Oberlieutenant Peter Ennser und Lieutenant Alois Schuh,
welch' letztere beide aber dienstbar blieben. Von diesen Verwundeten
mussten auf dem Schlachtfelde zurückgelassen werden, welche dann
in Gefangenschaft geriethen, Hauptmann Meisl, Krüger, Lieute-
nantSturm, Czernick, Genzingcr, Donauberger,Lieutenant
Alfred Becher gerieth wegen gänzlicher Erschöpfung und Julius
Barth gelegentlich selbstaufopfernder Hilfeleistung ebenfalls in
Gefangenschaft. Vermisst waren: Hauptmann Franz Schwarz und
Oberlieuteuant Adjutant Ferdinand Karger, welche bis heutigen Tag
nicht mehr zu eruireu waren, daher jedenfalls todt auf dem Schlacht-
felde blieben. Von der Mannschaft waren 67 Mann todt, 98 ver-
wundet, 113 verwundet gefangen, 84 gefangen und 103 vermisst.
Diese Vermissten sind ebenfalls zu den Todten zu zählen, da auch
nicht einer mehr einrückte.
Major v. Fabrici, welcher durch einen Sturz mit dem ver-
wundeten Pferde eine bedeutende Kontusion erlitten und so gezwungen
war, sich zurücktragen zu lassen, hatte sich nach der Schlacht
so weit erholt, dass er wieder das Regiments-Kommando übernahm.
General Major v. Rosenzweig hebt in seiner Relation .die
»Tapferkeit und Entschlossenheit des Regiments, trotz der sehr
Digitized by Google
IS««.
085
.beträchtlichen Verluste« hervor. F.-M.-Lt. Baron Ramming
sagt in der seinigen zum Schluss: „Aber auch die Fusstruppen
„des sechsten Armeekorps haben in dieser Schlacht bis zum Eintritt
„des allgemeinen Rückzuges eine gute feste Haltung bewiesen. So
„unglücklich auch der Ausgang dieses Kampfes fflr die k. k. Armee
„gewesen, so darf doch den Truppen des sechsten Armeekorps das
„ehrenvolle Zengniss nicht versagt werden, dass sie bei dem Ein-
tritte der ungünstigen Wendung fast allein den Kampf fibernahmen.
„Das sechste Korps war in geordneter Schlachtstellung das letzte
„auf dem Kampfplatze, hat, obgleich in beiden Flanken stark be-
„ droht, dem Nachdrängen des Feindes lange Zeit kräftigen Wider-
„ stand geleistet und dadurch die Armee vor noch grösseren Verlusten
„bewahrt.«
Von der Mannschaft haben sich hervorragend ausgezeichnet:
Der auf Kriegsdauer eingetretene Ffihrer Julius Kämpf nahm in
Rozb£fic 24 preussische Garden gefangen und lieferte sie dem Festungs-
kommando in Königgrätz ein; Gemeiner Josef Sei dl verrichtete
freiwillig als die Unteroffiziere ausser Gefecht gesetzt waren, mit
besonderer Bravour und bestem Erfolge deren Dienste und bewies
sich als ein ganz ausnehmend tapferer unerschrockener Mann ; beide
erhielten die silberne Tapferkeit« - Medaille erster Klasse. Korporal
Josef Mitterer, Gefreiter Moriz Berthold und Gemeiner Anton
Zellner zeichneten sich im Handgemenge in Rozbefic nicht nur
durch ihre Kühnheit besonders aus, sondern trugen auch ihren
schwer verwundeten Hauptmann Meisl im heftigsten Feuer aus
dem Gefechte; jeder erhielt die. silberne Tapferkeits- Medaille zweiter
Klasse, ebenso der Gemeine Heinrich Hess, welcher schon bei
Wysokow einen schwer verwundeten Jäger- Offizier und nun den
verwundeten Hauptmann Barisani vor Gefangenschaft rettete.
Ausser diesen erhielten noch Ffihrer Josef Nachtmann, Zimmer-
mann Josef Heller, Gemeiner Franz Schodl, Franz Hubert
und Georg Huber für bewiesene Bravour die silberne Tapferkeits-
Medaille zweiter Klasse, Regiments - Tambour Josef Swoboda,
Feldwebel Johann Holz er, Johann Karl, Führer Hubert Dietl,
Jakob Hescb, Lorenz Kalfer, Kadet Korporal Karl Holz und
Anton Jäger, Korporal Anton Heller, Gefreiter Ignaz Klaus,
Gemeiner Johann Dusch ek und Johann Milkowitsch die Aller-
höchste belobende Anerkennung Sr. Majestät des Kaisers. Ausser
686 18««.
diesen wurden noch als sehr tapfer genannt: Feldwebel Sehauf-
linger, Marktbereiter, Martin Koch, Korporal Kastner,
Wegrath, Rietl nnd Neu gsehwandtner. Fuhrer Haakel,
Gemeiner Wimberger, Schneider, Heuvogel, Bockenbauer,
Gruber und Schreibeis. Feldwebel Satzke hatte sich durch
Muth und erfolgreiche Führung seiner Abtheilung hervorragend aus-
gezeichnet und wurde als Belohnung zum Lieutenant befördert. Viele
wackere Thatcn konnten in dem Kampfgew ilhle nicht beobachtet
werden, oder gingen mit so manchem Tapforn zu Grabe; alle Stabs-
und Ober -Offiziere, deren Beruf die Führung des Regiments oder
einzelner Abtheilungen in der Schlacht war, sind einstimmig in dem
Lobe der Tapferkeit, des Heldeumuthes und der Ausdauer der Mann-
schaft in diesem Kriege und Niemand konnte mehr leisten, als die
braven Soldaten des Regiments Deutschmeister.
Auch der im Regiment einheimische heitere fröhliche Muth
ging seihst in den Momenten, als der Tod in dessen Reihen die
fürchterlichste Ernte hielt, nicht verloren; von den vielen urwüchsigen
Aeussernngen, die bei solchen Gnlegcnheiten alles beleben, möge die
folgende hier Platz finden : Beim Sturm auf Rozbefic, schon nahe
des barrikadirten Einganges wurden viele Leute erschossen oder
verwundet; da ertönte eine laute Stimme aus den Reihen: „Halt's
eng Leutl, nur allerweil vorwärts! alle bleiben mer not, und wann
mer a alle bleiben, so sein mor do a schöne G'sellschaft!*
Die Stabs- und Oberoffiziere dienten auch hier der Mannschaft
als Muster der Tapferkeit und es herrschte im Korps nur eine
Stimme, dass sie sich durch den brillanten Angriff und die tode3-
muthige Erstürmung von Rozbefic mit Ruhm bedeckt haben.
Se. k. Hoheit der durchlauchtigste Oberst- Inhaber, Erzherzog
Wilhelm, der einzige Inhaber, welcher seit der Errichtung des
Regiments mit demselben auf dem Schlachtfelde gegenwärtig war,
befand sich als Artillerie- Direktor iu der Suite des Armee -Kom-
mandanten in dem Momente als der Feind aus Chlum vordrang
und die Suite mit einem heftigen Fcuor begrüsste. Bei dieser Ge-
legenheit wurden einige Offiziere der Suite getödtet, Se. k. Hoheit
durch eine Flintenkugel am Kopfe verwundet. Ruhig hielt der
tapfere Sohn des Helden von Aspern im nahen Feuer aus, bis das
Blut das Gesicht überströmte, worauf er dem Armee-Kommandanten
von seiner Verwundung die Meldung erstattete und dann in Be-
Digitized by Google
184MJ
G87
gleitung seines Adjutanten Oberst Röblitz auf den Verband-
platz ritt
Am Morgen nach der Schlacht kommandirte Major Fabrici
das Regiment, Hauptmann Tritt Izi das erste, Selig das zweite
und B o e h e i m das dritte Bataillon. Noch am 4. wurde nach einiger
Rast der Weitormarsch nach Hohenmauth angetreten, woselbst die
Uber Pardubitz zurflckgelangtcn Theile des Regiments anlangten und
eingereiht wurden. Das Regiment war von diesem Tage an wieder
vollständig organisirt und schlagfertig. Per weitere Rückmarsch der
Armee nach Olmfltz wurde anbefohlen und das Regiment rückte im
Verbände des sechsten Korps am 5. nach Lcitomischel, wo die
Tmppen Fleisch, Brod und Wein erhielten, aber nichts wurde mit
grösserem Jubel begrflsst, als die lang entbehrten Cigarren, auch
wurde die Munition ergänzt.
Am 6. übernahm das Korps den Arricregarde- Dienst für die
ganze Marschkolonne und bezog das Lager bei Nikel ; am folgenden
Tage mnsste dasselbe Zwittau passiren, wurde dort durch Fuhr-
werke und die eben eintreffenden sächsischen Truppen bedeutend
aufgehalten und bezog dann nordöstlich von Mährisch -Trübau ein
Lager an der Strasse nach Altstadt.
Am 8. setzte die Armee ihren Rückmarsch fort; das sechste
Korps marschirte auf der Hauptstrasse und bezog Lager im Osten
von Gewitsch, nördlich des Weges nach Jaromefitz, rückte am 9.
in zwei Kolonnen, die Brigade Rosenzweig auf der Hauptstrasse über
Könitz nach Laschkau, am 10. über Gross -Latein nach Nebetein
und nachdem hier Rast gehalten war, in das Lager zwischen der
Eisenbahn, dem Bistfitza-Flnss, der March und der Holitzer-Wiese.
Den Truppen wurden nun in Olmütz und dessen Umgebung
nach den langen harten Strapatzen, Entbehrungen und erschüttern-
den Unglücksfällen einige Tage der Ruhe und Erholung gegönnt.
Die Depot -Division des Regiments, welche sich in Olmütz als Be-
satzung in der Brigade Müller befunden hatte, rückte ein und wurde
unter die Kompagnien des dritten Bataillons vertheilt, welches am
meisten gelitten hatte.
Hier kam dem Regimente der Armeebefehl zu, mittelst welchem
Se. Majestät der Kaiser Sr. k. Hoheit den Herrn Erzherzog Albrecht
zum Kommandanten der Nord- und Süd -Armee zu ernennen geruhte,
auch wurde der darauf bezügliche nachstehende Armeebefehl des
68H
18««.
Erzherzogs vom 13. Juli publizirt: ,Se. Majestät der Kaiser haben
„allergnädigst mir das Kommando der gesammten operativen Armee
.anzuvertrauen geruht und ich flbernehme dasselbe mit heutigem
.Tage.
.Soldaten vom Norden und vom Süden ! treue wackere Ver-
bündete aus Sachsen! Vereint wie unsere Oefiihle stets gewesen,
.wird nun auch unser Wirken sein ! Mächtiger als je zuvor, sammelt
»sich eine Armee aus kampfgeühten, an Tapferkeit und Ausdauer
.gleichbewährten Kriegern, die mit dem Bewusstseiu einerseits schon
.errungenen Sieges und anderseits mit dem heissen Verlangen ein
.unverdientes Missgeschick zu rächen, sicli nach der Gelegenheit
.sehnen, dem Ueberrauthe des Feiudes ein Ende zu machen!
.Lasst uns mit vereinten Kräften das grosso Werk vollbringen
.und uns hiebei stets in Erinnerung halten, dass der Erfolg dem-
jenigen zu Theil wird, der Kopf und Herz zugleich am rechten
.Flecke hat, der gleichzeitig ruhig zu denken und energisch zu
.handeln und dass, möge das Glück begünstigen wen es wolle, nur
.derjenige verloren ist, der sich einschüchtern lässt und sich selbst
.aufgibt. Lasst uns also unerschütterlich vertrauen auf Gott, der
.die gerechte Sache schützt, auf unsere Monarchen, welche von uns
,die Wahrung der Wohlfahrt ihrer Völker erwarten, lasst uns ver-
trauen auf unsere eigene Kraft, die sich mit jeder neuen Aufgabe
.neu belebt und dann getrost zum Entscheidungskampf schreiten
.mit dem alten Rufe: Es lebe der Kaiser!-
Das sechste Korps erhielt bei dem Aufbruche der Armee zum
Marsch an die Donau die Bestimmung, in Olmütz zurückzubleiben,
da aber der Erzherzog befahl, dass die Besatzung nur aus 10 Ba-
taillons zu bestehen habe, rückte das Korps am 15. Juli nach Leipnik
ab. Das Regiment brach im Verbände der Brigade Rosenzweig um
4 Uhr morgens von Olmütz als Avantgarde auf, marschirte über
Leipnik hinaus bis in die Gegend von Jeffernik und stellte zwischen
diesem Orte und Bohuslawek Vorposten aus. Am 16. brach die
Brigade um 4 Uhr aus dem Lager auf, marschirte über Weiss-
kirchen bis auf die Wasserscheide zwischen diesem Orte und Bölten,
nahm hier Stellung mit der Front gegen Nordost und kochte, durch
vorausgesandte Patrouillen gedeckt, ab. Nach dem Abkochen bildete
die Brigade die Tete des Korps und marschirte bis Walachisch-
Meseritsch, am 17. nach dem Abessen um 9 Uhr in ein Lager
Digitized by Google
l *<;<;.
GBO
zwischen Wsetin und Aasti, am 18. in das Lager zwischen Przikas
und Klohauk. Um 4 Uhr morgens am 19. brach die Brigade aus
diesem Lager auf, nahm bei Bilnitz Stellung und entsandte das
erste Bataillon nebst der Batterie zur Deckung der Flanke des
vorbeimarschirenden Korps nach Stittna, welches in einer Aufstellung
zwischen diesem Orte und Jastrabi das G. Jäger - Bataillon mit der
demselben beigegebenen Kavallerie- Abtheilung aufnahm. Nach dem
Abessen wurde dasselbe vom zweiten Bataillon abgelöst und bei dem
Abmärsche der Brigade die Stellung verlassen. Wahrend eines
wüthenden Sturmes und Wolkenbruches musste der Wlar-Pass
passirt werden und erst nach Ueberwindung vieler Schwierigkeiten
rückte das Regiment um 10»/, Uhr nachts bei Nemsova in's Bivouak,
wo, den Pass beobachtend, Stellung genommen wurde. In Folge der
erhaltenen Kontusion und ununterbrochenen angestrengten Dienst-
leistung erkrankte Major v. Fabrici ernstlich und war genöthigt,
das Regiments -Kommando dem Hauptmann Triulzi zu abertragen,
von welchem Hauptmann Einem jenes des ersten Bataillons über-
nahm ; am folgenden Tage (20. Juli) wurde ein sehr nöthiger Rast-
tag gehalten, dann am 21. wieder aufgebrochen, zwischen Kostolna
und Somarovec ein Bivouak, nachmittags aber wegen der überaus
schlechten Witterung Kantonnements bezogen.
Hier erhielt das Regiment vom Inhaber das Telegramm, dass
Se. Majestät mit Allerhöchster Kntschliessung vom 17. Juli den
Major Franz Fabrici von Südwaiden zum Oberstlieutenant,
Hauptmann Anton Triulzi zum Major zu befördern geruhte;
Major Anton L e i 1 e r war am genannten Tage in Ruhestand
getreten.
Am 22. marschirte die Brigade im Korps-Verbande nach Waag-
Neustadtl, 23. Gross-Orowitsch, 24. Dubovan, 25. Klein-Schenkwitz,
passirte am 26. um 2 Uhr nachmittags mittelst Dampf - Schleppern
die Donau und rückte nach Kitsee, am 27. nach Neudorf in enge
Kantonnirungen. An demselben Tage wurden die Friedens - Prä-
liminarien und der Waffenstillstand zu Nikolsburg abgeschlossen.
Am 2. August erhielt das Regiment den Befehl, am folgenden Tage
nach Wien zu marschiren; am frühen Morgen des 3. formirte sich
dasselbe unter Kommando des Major Triulzi in konzentrirter Auf-
stellung in Divisions -Massen, worauf der hochverehrte Korps-Kom-
mandant F.-M.-Lt. Wilhelm Freiherr Ramming v. Riedkirchen
44
f
690 18««.
mit seinem Stabe erschien, das Offiziers -Korps vor die Front berief
und nachstehende Ansprache hielt:
.Meine Herren! Als ich gestern den Befehl erhielt, dass das
, Regiment aus dem Verbände des Korps zu treten habe, war ich,
.waren wir alle höchst unangenehm überrascht.
„Ich komme also, um von Ihnen Abschied zu nehmen, der
.Dienst fordert es, dass wir auch unangenehme Befehle willig voll-
.Das Regiment hat in allen Zeiten seinen guten Ruf bewahrt,
.es hat in der Garnison sich herrorgethan, nicht allein durch Mannes-
zucht und Disziplin, Nettigkeit, Frohsinn, Kameradschaft, gutes
.Einvernehmen mit den Bewohnern, auch durch seine schöne Haltung
.und Adjustirung, so dass selbst Se. Majestät die allerhöchste Zu-
friedenheit auszudrücken geruhten.
.Das ist aber Alles noch wenig; das Regiment hat noch mehr
.geleistet! Ks bat in jüngster Zeit in beiden Fällen, wo es Gelegen-
heit hatte, mit Muth, Ausdauer und hingebender Aufopferung ge-
.kämpft. Alle Truppen des sechsten Armee-Korps haben sich tapfer
.gehalten, insbesondere aber das Regiment Deutscb-
.meister! es war so brav wie wenige; Ihre gefallenen Kameraden
.und Sie haben der Mannschaft das Beispiel dazu gegeben. Ich
.danke Ihnen dafür!
.In diesen ernsten Tagen trennen uns die Geschicke, können
.uns aber auch ebenso schnell wieder vereinen, und so hoffe ich,
.dass, wenn das Regiment nicht wieder unter mein Kommando ge-
stellt werden sollte, ich mit demselben doch recht bald wieder in
.Berührung komme. Und so leben Sie wohl, meine Herren, ich
.scheide bewegt, ich wünsche Ihnen viel Glück. Sagen Sie dies
.Alles auch der Mannschaft. Gott geleite Sie auf allen Ihren Wegen.
.Auf frohes Wiedersehen! Adieu!*
Jedem Mitgliede des Regiments war die Trennimg von dem
hochverehrten sehr beliebten Korps -Kommandanten, der sich schon
von den Schlachtfeldern von 1848 her den Ruf eines tüchtigen
Generals erworben hatte, umso schmerzlicher, als durch die üeber-
nahme des Armee - Kommandos durch den Helden von Novara
und Sieger bei Custozza, den Erzherzog Albrecht, dem alle
Soldatenherzen freudig entgegen schlugen, jedes Gemüth in der
Ahnung künftiger Siege für die Grösse und Machtstellung des theueren
Digitized by Google
1R«6. 691
Vaterlandes wieder frisch auflebte und daher den bewährten Korps-
Kommandanten ungern vermisste.
Das Regiment defilirte hierauf zum letzten Male vor dem Korps-
Kommandanten und marschirte nach Schwadorf, am 4. nach Wien,
wo es beim Einmarsch an der Manerlinie die Freude hatte, seinen
verehrten Obersten von Töply an der Spitze seiner Brigade, mit
welcher er sich bei Custozza hervorragend ausgezeichnet hatte, zu
sehen. Unter stürmischem Jubel zogen die Bataillone an ihrem ge-
liebten alten Obersten vorüber und bezogen in den westlichen Vor-
städten die Quartiere. Erst jetzt, gerade in der Heimat, konnten
sich die Soldaten seit dem Beginn des Feldzuges in einem Bett
ausruhen.
Der Aufenthalt in Wien war nur von sehr kurzer Dauer, denn
schon am 8. wurde das Regiment Bataillonsweise mittelst Eisenbahn
nach Villach befördert, wo sich dasselbe am 9. konzentrirte. Erzherzog
Albrecht befahl die Czako und WafFenröcke in Klagenfurt zu
deponiren, worauf der Stab mit dem ersten Bataillon im Orte Lack,
das zweite in St. Georg und das dritte in Hersdorf, sämmtliche
Orte im CJail-Thal gelegen, am 10. Quartiere bezog. Um 12 Uhr
nachts wurde Allann geschlagen und das Regiment marschirte
sogleich nach Tarvis, dann am 13. bis Uggowitz vor. Jeden Augen-
blick erwartete mau den Befehl zum Ueberschreiten der italienischen
Grenze; statt dessen blieb das Regiment ruhig in diesem Orte und
erhielt in Folge des mit Italien abgeschlossenen vierwöchentlichen
Waffenstillstandes die Weisung zum Rückmärsche bis Feistritz in
das Gail-Thal, wo dasselbe nach einem höchst beschwerlichen
Marsche Ober die Alpen am 15. anlangte. Stab und erstes Bataillon
blieben in Feistritz, das zweite kam nach Sack, das dritte nach
Emmeredorf. Die 18. Kompagnie war seit 10. auf Bedeckung des
Kolonnen -Magazins und rückte erst am 23. September ein.
Oberst Wilhelm von Peinlich rückte am 19. August, von
seiner am 27. Juni erhaltenen Wunde genesen, beim Regimente ein
und übernahm am folgenden Tage das Kommando. Die Zeit der
Ruhe wurde zum Einexerziren der jungen Mannschaft, Felddienst
und Scheibenschiessen verwendet, und dass viele angenehme und
vergnügte Stunden, die beim bekannt kameradschaftlichen Sinn im
Regimente natürlich nicht fehlten, die sonst monotone Zeit in diesen
einsamen Orten wesentlich verkürzte, ist wohl selbstverständlich.
44*
002
I8M.
Am 23. August wind»1 der Friede zwischen Oesterreich und
Preussen und am 3. Oktober auch mit Italien abgeschlossen.
Feldmarschall Erzherzog Alb recht hatte am 17. August
folgenden Armeebefehl erlassen :
»Soldaten! Der Abschluss des Waffenstillstandes im Norden
»wie im Sflden hat voraussichtlich den kriegerischen Operationen
»nunmehr ein linde gemacht.
»In der ersten Periode dieses Krieges hattet Ihr Gelegenheit
»in grossen Schlachten wie in kleineren Gefechten FiUren Helden-
»muth, Eure aufopfernde Hingebung zu beweisen. Am südlichen
„Kriegsschauplatze hat der Erfolg gesprochen, der unseren Fahnen
»zu Wasser wie zu Lande gegen einen tapferen und überlegenen
»Feind zu Theil geworden. Aber auch im Norden, wo das Glück
»uns nicht begünstigte, war die Welt einig in Anerkennung der
»Tapferkeit, welcher Ihr einer nicht unerheblichen Ueberzahl, einer
»überlegenen Feuerwaffe und den ungünstigsten, die Ausdauer des
»Soldaten auf die härtesten Proben stellenden Verhältnissen ent-
gegengesetzt.
»Der bedrohten Reichshauptstadt vom Norden und Süden zu
»Hilfe eilend, hat die am Donanstrande versammelte Armee durch
»ihre achtunggebietende Stellung dem Vordringen des Feindes ein
»Ziel gesetzt.
»Als inzwischen der Gegner in Italien den Abmarsch der Süd-
» Armee benützend mit frisch gesammelten Kräften den offenen
, Theil Veneziens überschwemmte und über die Grenzen der deutschen
»Provinzen vorzudringen begann, hat sich wieder dort mit bisher
»beispielloser Schnelligkeit aus dem Norden eine Armee ihm ent-
» gegen geworfen, deren Erscheinen, im Vereine mit der tapferen
»ausdauernden Gegenwehr in Tirol, ihn zum Rückzüge auf allen
»Punkten und zum Begehren eines Waffenstillstandes veranlasste.
»Dio österreichische Armee hat, auf zwei Seiten angegriffen
»von den Heeren mächtiger Staaten und am entscheidenden Kriegs-
, schauplatze vom Unglücke heimgesucht, unter den obwaltenden
»Umständen das Möglichste geleistet und erreicht.
»Der Krieg hat dem Kaiserstaate schwere Opfer gekostet;
»das Blut von Tausenden seiner Helden ist aber nicht umsonst
»geflossen. Es hat dem Stolze und Schilde Oesterreichs, seiner
»Armee ruhmvolle Erinnerungen und wichtige Lehren, die dank-
Digitized by Google
603
.bare Theilnahme des Vaterlandes, die Anerkennung seiner Gegner,
„die Achtung der ganzen Welt erkauft. Bereichert durch die ge-
dachten Erfahrungen möge die Armee mit unerschütterlicher Zu-
versicht in die Zukunft blicken. Des Rufes unseres erhabenen
«Monarchen gewärtig, werden wir selbem stets wieder freudig folgen
,mit der gleichen Losung, mit welcher wir diesen Krieg begonnen
»haben und beschliessen wollen.»
„Hoch Oesterreich! Es lebe der Kaiser!«
Mit Allerhöchster Entschliossung vom 1. September wurde
Hauptmann Friedrich Ochsenheim er des Regiments Nr. 42 zum
Major im Regiment befördert, dann mit jener vom 8. September
Oberst Wilhelm Peinlich zum Regiment Nr. 20 transferirt,
dagegen der bei der Süd - Armee als Brigadier in Verwendung
gewesene Oberst Johann Töply von Hohenvest wieder zur
Uebemahme des Rcgiments-Kommando's angewiesen.
Beim Scheiden des Oberst Peinlich aus dem Regiment,
welches nun ad interim Major Triulzi kommandirte, erliess der
Oberst nachstehenden Abschieds-Befehl:
«Indem ich das Regiments - Kommando an seinen früheren
„Kommandanten Herrn Oberst von Töply wieder zurück übergebe,
»sage ich allen Herren Offizieren, Chargen und Mannschaft ein
»herzliches Lebewohl!
»Ich war stolz, das Kommando über ein so treu bewährtes,
.tapferes und intelligentes Regiment zu führen; der vortreffliche
.Geist uud die biedere Kameradschaft im Offiziers - Korps, vereint
„mit dem willigen und anhänglichen Sinn der Mannschaft, welche
»Tugenden mein Herr Vorgänger mit so richtigem Takte zur
»höchsten Blflthe zu erheben wusste, so wie vor allem die An-
»erkennung, welche das Regiment in diesem Feldzuge sich erworben
»hat, machten mich zu einem überaus glücklichen Obersten.
»Mit dem tiefsten Schmerze scheide ich aus dem Verbände
»eines Regiments , welches uuvergesslich in meiner Erinnerung
»bleiben wird."
Oberst Peinlich hatte den Wunsch ausgesprochen, als
letzten Dienst in dem ihm lieb gewordenen Regiment die Medaillen-
Vertheilung vornehmen zu wollen. Das Regiment rückte hiezu auf
einem Felde bei Feistritz am 20. September aus, bei welcher
Gelegenheit nach Anheftung der Medaillen auf die Brust der
694
1866.
Wackeren und Verlesung der Allerhöchsten Belobungen, der vom
Regiment hochverehrte Oberst noch einmal Anlass nahm, in herz-
erhebenden Worten Abschied zu nehmen.
Es erübrigt nur noch die Vorfalle und Leistungen des vierten
Bataillons zu schildern, welches beim Ausbruche des Feldzuges die
Bestimmung als Stabstruppe erhielt.
Die 19. und 20. Kompagnie waren dem 8. Armeekorps bei-
gegeben, erstere folgte diesem bis zum 28. Juni, dem Gefechtstage
von Skalic, als Bedeckung des Trains bis Dölau. Am 29. war die
Kompagnie in Lancow und in der Nacht in Kasow ; dort von feind-
licher Artillerie beschossen, wurde dieselbe nach Dubenec dirigirt,
rückte am 1. Juli nach Nedelist und kam am 3. nach Kuklena.
Bei dem allgemeinen Bückzuge nach der Schlacht retirirte der
Train nach Pardubitz und von dort am 4. über Chrast, Borowa,
Stangendorf, Trübau und langte am 11. bei Olmütz an. Am 15.
wurde der Rückzug des Trains fortgesetzt, musste jedoch in Folge
des Gefechtes bei Tobitschau über die March ausweichen und
gelangte nach Prerau, rückte dann in's Waagthal und passirte am 25.
die Donau. Nach mehrtägigem Aufenthalte in Bruck a. d. Leitha
marschirte der Train am 5. August nach Wien, woselbst die Kom-
pagnie bis zur Auflösung des Armeekorps am 15. September verblieb.
Als ein Zeichen der Anerkennung für die geleisteten Dienste liess
der Korps - Kommandant 100 fi. unter die Mannschaft vertheilen.
Die 20. Kompagnie deckto das Kolonnen -Magazin des 8. Korps
und folgte bis 7. der Route der 21. Kompagnie. Die sächsischen
Truppen hatten auf dem Rückzüge am 7. Juli an der Strasse von
Leitomischl - Zwittau keine regelmässige Vorposten - Stellung ge-
nommen, und als nachmittags 5 Uhr die Nachricht einlief, dass
der Feind mittags in Leitomischl eingerückt sei, ertheilte der Kron-
prinz von Sachsen den Befehl, dass eine Eskadron nach Nihel
vorausgehen und sich mit den Posten des 8. Korps verbinden solle.
Die Ausführung dieses Befehls verzögerte sich, und so wurde es
700 preussiseheu Reitern mit zwei Geschützen möglich, ohne auf
Widerstand zu stossen, bis an die westlichen Ausgänge von Zwittau
zu gelangen und den dort aufgestellten Train und Munitions - Park
des 8. Korps zu uberfallen. Diese waren gerade im Abmärsche
begriffen und die als Bedeckung kommandirte 20. Kompagnie des
Regiments bei den 600 Wagen vertheilt. Der Feind setzte seine
Digitized by Google
IHM.
695
Geschütze in's Feuer, was in dem Train eine heillose Verwirrung
hervorbrachte. Nichtsdestoweniger sammelten die Offiziere schnell
ihre Leute und rückten dem Feinde entgegen, der aber mit seiner
üebermacht sie nach kurzem Gefechte bald umzingelte und gefangen
nahm. Hiedurch gerieth Hauptmann Player, Oberlieutenant Muk,
Lieutenant Gugler (verwundet) und Soyka ferner 93 Mann,
darunter 5 verwundet, in feindliche Gefangenschaft. 33 Mann gelang
es zu entkommen, welche Führer Johann Auer dann zur 19. Kom-
pagnie brachte. Den Train Hessen die Feinde stehen, daher die
Armee weiters keinen Verlust einbüsste.
Die 20. Kompagnie wurde unter Oberlieutenant Koberl mit
der Bestimmung für das 10. Korps neu aufgestellt, aber nicht ver-
wendet, sondern am 4. Oktober wieder aufgelöst
Die eilfte Division mit dem Bataillons - Stab befand sich beim
zweiten Korps. Nach Abkommandirung des Major Fabrici zur
Uebernahme des Regiments- Kommandos führte Hauptmann Aichner
jenes des vierten Bataillons. Selbe trat am 6. August nach vorzüglich
geleisteten Diensten aus dem Verbände dieses Korps und bildete
dann die Bedeckung der Armee -Geschütz -Reserve. Der Korps-
Kommandant erliess beim Abgehen der Division nachstehenden Tags-
befebl: „Ich kann diese braven Truppen nicht scheiden sehen, ohne
«selben meine vollständige Anerkennung für die bei jeder Gelegenheit
«bewiesene Tapferkeit und Ausdauer, sowie für ihr musterhaftes
„Verhalten mit dem Beisatze auszusprechen, dass es für mich
«eine angenehme Pflicht sein wird, die besonders hervorragenden
„Leistungen zur verdienten Belohnung namhaft zu machen.*
Die 23. Kompagnie, welche beim ersten Korps das Kolonnen-
Magazin mit 1000 Wägen und 200 Reserve -Pferden zu decken
hatte, bewies ihre Trefflichkeit vorzüglich in der Deckung des
Marsches bei Libna und Horsic. Ein besonderes Verdienst erwarb
sich diese Kompagnie im Sammeln der vielen Versprengten nach
der Schlacht, welche geordnet ihren Truppenkörpern zugesendet
wurden. Auch während dem Gefechte bei Prerau hielt sie strenge
Ordnung in der Kolonne, so dass dieselbe immer im gleichen Trott
den Rückzug fortsetzte.
Die 24. Kompagnie eskortirte den Train des ersten Korps.
Nach bedeutenden Schwierigkeiten war es den aufopfernden Anstren-
gungen der Offiziere und Mannschaft gelungen, den Train nach dem
696
mm.
Gefechte bei Gitschin nach Kuklena zu bringen. Während dem irrigen
Allarm am 30. Juni, besetzte die Kompagnie rasch einen tiefen
Wassergraben nebst der Brücke mit der festen Absicht, sich so
lange zu halten, bis der Train gesichert sei, auch gab sie sich alle
Mühe, Ordnung unter den Fuhrwerken beim Abfahren zu halten,
worüber sich der Korps - Kommandant sehr lobend im Tagesbefehle
ausdrückte.
Der Wiener Männer - Gesangsverein, gleich berühmt durch seine
künstlerischen Leistungen als seinen Patriotismus, hat am 9. August
ein Kapital von 864 fl. 70 kr. Oe. W. respektive die dafür an-
gekaufte Staatsschuldverschreibung von 2000 fl. zur Gründung einer
Invalidenstiftung für das Regiment derart gewidmet, dass mit den
jährlichen Interessen invalid gewordene Krieger des Regiments vom
Feldwebel abwärts betheilt werden; ferner haben die k. k. priv.
Grosshändler Gebrüder Guttmann in Wien zwei Stück National-
anlehens Obligationen ä 500 fl. CM. zu Anfang des Kampfes den-
jenigen zwei verwundeten Soldaten vom Feldwebel abwärts des
Regiments gewidmet, welche sich in diesem Kriege besonders aus-
zeichnen sollten. Diese grossmüthige, die patriotischen Geber sehr
ehrende Spende wurde mit Genehmigung des Kriegsministers am
11. September an den Führer Josef Nachtmann der sechsten
und dem Gemeinen Thaddäus Stadler der siebenten Kompagnie zu
gleichen Theilen übergeben.
Herr Steueramts - Assistent Johann Dolezal widmete eine
National -Anlehens -Obligation ä 20 fl. CM. für einen verwundeten,
auch sonst verdienstvollen Gemeinen; ein Ungenannter eine 5°/0
Metalliques - Obligation ä 100 fl. CM. für einen verwundeten, auch
sonst verdienstvollen Unteroffizier; Oberkellner Rudolf Gussmann
5 Thaler in Silber an Witwen und Waisen gebliebener Soldaten.
Mit Allerhöchster Entschliessung vom 30. August hatte Seine
Majestät den Major Ulysses v. Albertini des Regiments Nr. 59
in Anerkennung seiner besonders tapferen und rühmlichen Leistungen
im Gefechte bei Vezza in der Lombardie, am 4. Juli zum Oberst-
lieutenant im Regimente befordert, welcher am 1. Oktober ad interim
das Regiments - Kommando übernahm.
Mit 23. September wurde die Annahme der neuen Friedens-
formation angeordnet, in Folge deren acht Kompagnien und die
erste Depot- Division aufzulösen waren. Am 20. September wurden
Digitized by Google
1SG(1.
097
die Kantonnirungsstationen des Regiments nach Villach und Um-
gebung verlegt und es bezogen die Bataillone folgende Stationen:
RegimeDtsstab, erstes Bataillon, fünfte und sechste Kompagnie,
nebst dem zweiten Bataillonsstab Villach, drittes Bataillon Riegers-
dorf und Umgebung, viertes Bataillon, 17. und 18. Kompagnie
Arnoldstein und Umgebung.
Se. kaiserliche Hoheit, Oberst - Inhaber Erzherzog Wilhelm,
Hoch- und Deutschmeister, geruhte am 28. September nachstehenden
Inhabers - Befehl an das Regiment zu erlassen: „Mit freudiger Be-
friedigung Meiner sicheren Erwartung habe Ich zur Kenntniss
»genommen, dass der Mannschaft Meines Regiments als ehrende
»Zeichen der Tapferkeit 21 Stück Medaillen anerkannt wurden.
„Die Geschichte des Regimentes und dessen schöne Vergangen-
heit liess mich von den Leistungen desselben in der jüngst ver-
gossenen Aktion in Vorhinein überzeugt sein. War der letzte Feld-
„zug auch nicht vom Kriegsglücke begleitet, so strahlen doch die
„Thaton Einzelner im schönsten soldatischen Lichte. Ich fühle mich
„daher veranlasst, den Herren Offizieren für ihr thatkräftiges Ein-
„wirken zur Erhaltung des von jeher gepflegten und bekannten Re-
„gimentsgeistes Meinen Dank, der Mannschaft aber für die erneuert
„abgelegten Beweise von wahrer Standesliebe, Pflichttreue und be-
herzter Tapferkeit Mein anerkennendes bestes Lob zu zollen, wobei
„Ich die feste Uebcrzeugung ausspreche, dass diese bewährten
„soldatischen Tugenden zur hohen Ehre des Regiments stets erhalten
„bleiben werden.
„Erzherzog Wilhelm m. p., Feldmarschall- Lieutenant.-
Dessgleichen richtete auch der bisherige Korps - Kommandant
Erzherzog Ernst bei Auflösung des Korps einen Befehl an die
ihm unterstandeneu Truppen, worin unter der vollsten Anerkennung
ihrer bewieseneu Tüchtigkeit und Tapferkeit denselben ein herz-
liches Lebewohl zugerufen wurde.
Am L Oktober marschirte das erste, am 2. der Regimeuts-
stab mit dem zweiten, am 3. das dritte Bataillon mit der 17. und
18. Kompagnie nach Klagenfurt. Am 4. wurden die Abtheilungen
des neuen vierten Bataillons 13. bis IG. Kompagnie nebst den Ab-
theilungcn der 17. und 18. und allen in Folge der Versetzung auf
den Friedensstand zu beurlaubenden Soldaten der übrigen Ab-
008
1866.
theilungeu unter dem Kommando des neu ernannten Kommandanten
des vierten Bataillons und Ergänzungs - Bezirks Major Triulzi,
mittelst Eisenbahn nach Korneuburg in Marsch gesetzt, wo die-
selben am 5. abends anlangten, den folgenden Tag die Beur-
laubungen vornahmen und damit die neue Formation beendeten.
Mit Allerhöchster Entschliessung, Ischl am 3. Oktober, Ver-
ordnungsblatt Nr. 56, geruhte Se. Majestät für hervorragend tapfere
oder sonst verdienstliche Leistungen im Feldzuge gegen Preussen nach-
stehenden Mitgliedern des Regiments Belohnungen zu ertheilen:
Oberst - Inhaber, Feldmarschall - Lieutenant und Artillerie-
Inspektor Erzherzog Wilhelm das Grosskreuz des Leopold-
Ordens mit der Kriegsdekoration; Major Franz Schwarz, Haupt-
mann Eduard Meisl, Anton Chitry v. Fraiselsfeld, Karl
Buchfelder, Johann C z e r m a k, Oberlieutenant Leo Grimm
und Lieutenant Karl Sturm das Militär -Verdienstkreuz mit der
Kriegsdekoration ; dem auf dem Felde der Ehre gebliebenen Oberst-
lieutenant Anton Carmagnola, dann dem Major Anton Triulzi,
Hauptmann Maximilian Freiherr Potior des Echelles, diesem
für sein einsichtsvolles und hervorragend tapferes Verhalten beim
Generalstab des zweiten Armeekorps und dem Oberlieutenant Re-
giments-Adjutanten Philipp Gunsam die belobende Anerkennung,
ferner das goldene geistliche Verdienstkreuz dem Feldkaplan Johann
Pospischill, das goldene Verdienstkreuz mit der Krone dem
Regiments -Arzt Dr. Vincenz Blaschke.
Der Brigadier, G.-M. Ferdinand Ritter Rosenzwoig von
Drau wehr erhielt das Ritterkreuz des Leopold -Ordens mit der
Kriegsdekoration.
Oberst Johann Töply v. Hohenvest, welcher als Brigadier
in Italien in der Schlacht von Custozza am 24. Juni erneuerte
Beweise seiner hervorragenden Tapferkeit und eminenten Fähig-
keiten gegeben hatte und in deren Anerkennung mit Allerhöchster
Entschliessung vom 18. Juli mit der Kriegsdekoration des Ordens
der eisernen Krone zweiter Klasse huldvollst belohnt wurde, sendete
nach Erhalt des Allerhöchsten Befehls vom 8. September zur Wieder-
übernahme des Regiments demselben seinen schriftlichen Gruss mit
folgenden Worten:
.Nach Auflösung der mir Allerhöchst verliehenen Brigade über-
,nahm ich nunmehr wieder das Kommando des Regiments, welches
Digitized by Google
186«.
609
«bis zur Beendigung meiner gegenwärtigen Verwendung Herr Oberst-
„lieutenant v. Albertini führen wird. Kurz, aber ereignissschwer
«war die Zeit meiner Abwesenheit Schmerzlich lastet auf der braven
«Armee der Alp der erlittenen Niederlage und es gehört männlicher
«Muth dazu, aus dem Unglücke neue Kraft zu schöpfen und uns
«selbst vertrauend den künftigen Ereignissen mit neuer Begeisterung
«entgegen zu treten, die, wir wollen es hoffen, die Scharte aus-
« wetzen soll.
«Euch meine braven Deutschmeister trifft kein Vorwurf, dafür
«sprechen die Abschiedsworte Eueres verehrten Korps - Komman-
«danten, dafür sprechen die vielen Opfer, die auf der Wahlstatt
«blieben. Meine Worte, die ich Euch bei der Fahnenweihe kurz vor
«meinem Scheiden zurief, — «dass Ihr die alte Ehre der Deutsch-
«meister mit Euerem Blute schützen werdet," — Ihr habt sie be-
»wahrheitet.«
«Wieder an Euerer Spitze, sehe ich getrost der Zukunft ent-
, gegen. Wahrt den Euch eigenen fröhlichen Sinn, er ist ein kost-
, bares Kleinod des Soldaten; knüpft daran Gehorsam, die Grundfeste
«unseres Standes, erweckt und hebt gegenseitiges Vertrauen je nach
«Euerer Stellung, und da Muth und Tapferkeit Euer angeborenes
«Eigenthum sind, so wiederhole ich, dass ich getrost und mit gc-
«wohntem Vertrauen au Euere Spitze trete.
«Und somit sendet Euch allen Euer alter Oberst bei seiner
«Rückkehr seinen herzlichen Gruss.
«Wien, 20. Oktober 1866.
v. Töply m. p., Oberst.*
Am 25. Oktober marschirte der Regimentsstab mit dem zweiten
Bataillon, dann der neunten und zehnten Kompagnie nach Völker-
markt ; die beiden genannten Kompagnien am 26. weiter nach Griffen,
das erste Bataillon am 26. und 27. nach Bleiburg und die eilfte
und zwölfte Kompaguic nach Völkermarkt. Das zweite Bataillon und
die fünfte Division hatten die Eisenbahn benützt, die übrigen Ab-
theilungen in Fussmärschen ihre Stationen erreicht. Das erste Ba-
taillon kommandirte Oberstlieutenant von Albertini, das zweite
Major Gustav Ritter Borosiui von Hohenstern, welcher vermöge
Allerhöchster Entschliessung vom 25. September von Nr. 27 aus
der General - Adjutantur Sr. Majestät des Kaisers in das Regiment
Digitized by Google
700
eingetheilt worden, das dritte Major Ochsenheimer und das
vierte nebst dem Ergänzung - Bezirks - Kommando Major Triulzi.
Am 1. November verlicss das Regiment seine Stationen, begann
den Marsch in seine neue Friedens - Garnison Ragusa und fuhr an
diesem Tage in zwei Eisenbahnzügen nach St. Peter, dann am 2.,
3. und 4. nach Fiume, am 6. mit dem Lloyddampfer Neptun nach
Ragusa; die nach Igalto bestimmte sechste Division mit demselben
Dampfer nach Castelnuovo, von wo sie im Fussmarsch ihre Garnison
erreichte. Das Regiment wurde mit dem Stabe, ersten und zweiten
Bataillon nach Ragusa, der dritte Bataillonsstab mit der fünften
Division nach Gravosa, die sechste nach Jgalto verlegt und erhielt
die Eintheilung in die Brigade G. -M. von Morhammer.
Major Kajetan von Lazarini, Dienstkämmerer Sr. kaiser-
lichen Hoheit des Oberst - Inhabers, wurde mit Allerhöchster Ent-
Schliessung vom 30. August zum Oberstlieutenant im Armeestande
befördert; Major Heinrich von Med er trat mit 30. Dezember in
normalmässigen Ruhestand.
Mit Allerhöchster Erschliessung vom 4. Jänner 1867 geruhte
Se. Majestät den Oberst -Inhaber, Se. kaiserl. Hoheit Erzherzog
Wilhelm, Hoch- und Deutschmeister, zum Feldzeugmeister zu
befördern.
Mit kaiserl. Erschliessung vom 21. Februar 1807 erhielt die
Infanterie eine neue Organisation, nach welcher ein Regiment in
erster Linie aus dem 1., 2., 3. und 4. Bataillon, in zweiter Linie
aus dem 5. und 0. Bataillon und eiuer Depot - Division zu bestehen
hatte. Der Stand einer Kompagnio wurde auf vier Offiziere und
228 Mann, eines Bataillons auf IG Offiziere und 872 Mann, der
gesaramte Stand eines Regiments auf 138 Offiziere, G008 Mann,
98 Pferde und 22 Fuhrwerke normirt. Mit 7. April erschien ein
neues Abrichtungs - Reglement.
Major Josef D o r o t k a v. E h r en w all des Generalstabs,
wurde zu Folge Allerhöchster Erschliessung vom 11. Mai 1807
Digitized by Google
Digitized by Google
Digitized by Google
1867.
Schntllpr«*f«n Druck 4tt ■ k miM geojrtf JnjMglei
Offizier und Jnfanterist von
Hoch-und Deutschmeister
Digitized by Google
Digitized by Goog
1807 -1S7». 701
zum Regiment, dagegen Major Friedrich Ochsenheimer zum
Generalstab transferirt.
Mit der k. Entschliessung vom 15. Juni hatte die Armee ein
neues Exerzier - Reglement erhalten, jene vom 16. systemisirte die
Offiziers - Aspiranten, dio vom 14. Oktober bestimmte, dass jeder
Soldat mit »Sie* angesprochen werde. Die wichtigste Veränderung
war die Umänderung der Gewehre in Hinterlader nach dem System
Wänzl und die Annahme des Systems Werndl für die seinerzeitige
definitive Bewaffnung.
Hauptmann Eduard Meisl wurde zu Folge Allerhöchster Ent-
schliessung vom 5. November 1807 wegen seiner schweren Ver-
wundung vor dem Feinde als Real - Invalid mit dem Charakter und
der Pension eines Majors, unter Zuzählung von 10 Jahren zur
anrechnungsfTihigen Dienstzeit in den definitiven Ruhestand flber-
nommen. Olierstlieutonant Franz Fabriri Edler v. Sudwaiden,
welcher am 0. Oktober 1800 in zeitlichen Ruhestand getreten war,
wurde am 21. November 1807 Real -Invalid.
Mit der Verordnung des Reichs - Kriegsministeriums vom
2. April 1808 wurde die weisse Farbe der Röcke bei der Infanterie
und den Dragonern abgeschafft und dafür bei der Infanterie die
dunkelblaue eingeführt. Die Beinkleider blieben lichtblau, verloren
aber den weissen Einsatz; an die Stelle der schwarzen Gamaschen
traten lichtblaue und es wurden dunkelblaue Blousen eingeführt;
die Achselvcrzierungen der Musiker, Tarabours und Hornisten wurden
abgeschafft. Die Offiziers- Aspiranten erhielten ein goldenes Börd-
ehen auf dem Kragen, auf dem Czako die Feldwebelsborde; die
Oftiziers-Stellvertreter einen silbernen plattirten Stern auf den Kragen,
ausserdem den Säbel der Offiziere, jedoch mit seidenem Porte - ep£e
und solcher Kuppel. An die Stelle der Ober der Brust sich kreuzen-
den Riemen für Seitengewehr und Patrontaschen trat ein Ledergurt
für beides und der Mann erhielt zwei Patrontaschen.
Eine am 1 7. April erflossene kaiserl. Entschliessung bestimmte,
dass die Infanterie - Regimenter künftig nur zwei Fahnen zu fuhren
hätten, eine für das 1., 2. und 3., die zweite für das 4. und 5. Ba-
taillon. Den Regimentern ward freigestellt, welche ihrer Fahnen sie
in Rücksicht auf historischen Werth beibehalten wollten und so
wählte das Regiment die Fahne des 3. Bataillons, welche bei Nachod
abgeschossen wurde und die jene des 2. Bataillons filr das 4. und
702
1807-1 »79.
5. Bataillon, während die übrigen an das k. k. Artillerie - Arsenal
in Wien abgeführt wurden. Arn 21. April erhielt das Regiment die
Wänzl - Gewehre.
Die kais. EntSchliessung vom 21. Mai führte ein neues Eierzier-
Reglement ein und setzte das Manövrir - Reglement und die Feld-
Instruktion von 1867 ausser Kraft ; jene vom 9. Juni hob das
Recht der Regiments - Inhaber, Offiziere zu ernennen, auf, das nun
alleiniges Recht des Kaisers wurde, die gprichtsherrliche Gewalt
überging an die Generalkommanden, das Ehebewilligungsrecht an
das Kriegsministerium.
Oberstlieutenant Karl Bolzano Edler v. Krön statt des
Regiments Nr. 40, wurde mit Allerhöchster Entschliessung vom
20. März 1868 zum Oberst im Regiment, dagegen mit jener vom
28. Oktober der Oberst und Regiments -Kommandant Johann Frei-
herr Töply v. Höh en v est zum General - Major befördert.
Das Offiziers - Korps des Regiments ehrte das Andenken an
seine bei Nachod auf dem Felde der Ehre gebliebenen Kameraden
durch ein Monument am Friedhofe nächst der Wenzelskapelle. Des-
gleichen wurde Ober Anregung der Offiziere des sechsten Armeekorps
ein Comite mit dem Auftrage gebildet, um sämmtlichen vom Korps
Gebliebenen ein wflrdiges Denkmal zu setzen.
Das Monument, ein Obelisk von rothbraunem böhmischen
Marmor mit Emblemen , Kranz von Lorbeeren und Eichenlaub* aus
Metall geziert, in einer Höhe von 20', 2", am Friedhofe nächst der
Wenzelskapelle, wurde am 1. Juni 1868 feierlich eingeweiht, bei
welcher Festlichkeit eine Deputation des Regiments unter Führung
des Major Triulzi anwesend war. Die Reiseauslagen bestritt Seine
kais. Hoheit der Oberst - Inhaber Erzherzog Wilhelm mit einem
bedeutenden Betrage.
Das Monument des sechsten Korps stellt eine Marmor-Piramide
16', 2" dar und hat ein Gewicht von 200 Centner. Die Kosten
beliefen sich auf 2400 fl., welche von den Offizieren bestritten wurden.
Dasselbe ruht auf vier Stufen von hartem Sandstein und ist von
einem Metall - Gitter aus gekehlten Lanzenspitzen umgeben. Die
Inschrift lautet: „Den am 27. Juni 1866 hier gefallenen Waffen-
brüdern; die Kameraden des sechsten Armeekorps.*
Mit Cirkular - Verordnung vom 18. August 1868 wurde der
Konkretual - Status für die Oberstlientenants, Majore, Hauptleute,
Digitized by Google
18*7-1*79.
703
Ober- und Unterlieutenants der gesammten Infanterie und Jäger-
truppe eingeführt, demzufolge das Avancement nicht mehr auf die
einzelnen Truppenkörper beschränkt bleibt, sondern innerhalb des,
sämmtliche Chargen der betreffenden ganzen Waffengattung vom
Oberstlieutenant abwärts umfassenden Konkretual-Status sich bewegt.
Der Armeebefehl des Kaisers vom 5. December gab dem Heere
die Annahme eines neuen Wehrgesetzes (allgemeine Wehrpflicht)
und die Errichtung der Landwehr kund und das Verordnungsblatt
vom 7. December die Abschaffung der körperlichen (Stockstreiche)
und der Kettenstrafe; auch wurde in diesem Jahre zur rationellen
einheitlichen Behandlung der Hinterlander, die Armee - Schützen-
schule im Bmcker Lager errichtet.
Mit 1. Februar 1869 hörten die Regiments - Seelsorger auf,
die Militär-Geistlichkeit wurde in den Garnisonen stabilisirt; an die
Stelle des Kriegskommissariats trat die Intendanz und am 1. April
gelangten die Verwaltungs- Kommissionen bei den Truppen zur Aus-
führung. Im April wurde die mit kais. Entschliessung vom 24. Jänner
festgestellte neue Benennung der Chargen - Grade beim Regiment
veröffentlicht, der Name Gemeiner durch Infanterist ersetzt.
Mit Allerhöchster Entschliessung vom 23. April 1869 wurde
Major Gustav Borosini v. Hohenstern zum Oberstlieutenant
und Hauptmann Adolf Freyschlag, Edler v. Freyenstein
von Nr. 14 zum Major im Regiment ernannt.
Mit 1. Mai trat ein neues Organisationsstatut der Infanterie
(Linien -Regiment ä 3 Bataillone, Reserve -Kommando ä 2 Bataillone
und Ergänzungs- Bataillons -Cadre) in's Leben.
Im Mai erhielt das Regiment den Befehl, Dalmatien zu ver-
lassen und in seine neue Garnison Graz zu rücken. Am 1. Juni
schiffte sich dasselbe auf dem Dampfer Ceres ein, hatte während
der Seereise einen sehr heftigen Sturm zu bestehen und erreichte
erst am 3. Triest. An demselben Abende wurde der Marsch mittelst
Eisenbahn fortgesetzt, unterwegs in Villach abgekocht und am 5.
in Graz eingerückt.
Die kais. Entschliessung vom 5. August hatte statt der Granate
als Auszeichnung für die länger als ihre gesetzraässige Liniendienst-
zeit bei der Truppe verbleibenden Unteroffiziere, Armstreifen von
gelber Wolle eingeführt. Dieses am linken Unterarm zu tragende
Dienstzeichen besteht nach drei Jahren in 1, nach sechs Jahren 2
7or,
1%7- 187»,
Dienstleistung der Ausdruck der Allerhöchsten Zufriedenheit bekannt
gegeben; in seine Stelle der Oberstlieutenant v. Borosini zum
Reserve -Kommandanten ernannt: dann mit jener vom 1. Oktober
Major v. Freyschlag zum Professor in der Militär -Akademie zu
Wiener-Neustadt ernannt, mit jener vom 20. Oktober Oberstlieute-
nant Othmar Crnsiz bisher Überkomplet im Geniestab, Major Karl
Ritter v. Questiaux von Nr. 43 und Hauptmann Josef Edler
v. Faby von Nr. 57 als Majore in das Regiment eingetheilt.
Noch vor Schluss dieses Jahres beging Oesterreich - Ungarn ein
seltenes hohes Fest. Se. Majestät der Kaiser feierte am 2. De-
zember 1873 Allerhöchst sein fQnfundzwanzigjähriges Regierungs-
Jubiläum. Vom edelsten Patriotismus beseelt, diesen von so hoher Be-
deutung sprechenden Zeitraum, sowie die Liebe und treue Anhäng-
lichkeit an den ritterlichen Kaiser zu manifestiren, waren zahlreiche
Stiftungen für wohlthätige Zwecke von der Bevölkerung und der
k. k. Armee in's Leben gerufen: in jeder Stadt, ja jedem Orte des
weiten geliebten Vaterlandes wurde dieser Tag zur Ehre des Mon-
archen als Freudentag begangen, Festlichkeiten und Illuminationen
veranstaltet.
Das Reichs -Kriegsministerium fand anlässig dieser Feier Nach-
stehendes anzubefehlen: „Am 1. Dezember 1. J., als dem Vortage
»des hohen Festes; haben zur Zeit der Retraite die Militärmusiken
„nach Anordnung der Militär -Stations- Kommandanten die Gassen
„mit klingendem Spiele zu durchziehen. In gleicher Weise hat dies
„am 2. Dezember 1. J., als am Festtage selbst, zur Zeit der Tag-
„ wache zu geschehen und es sind zur selben Zeit Einhundert und
„ein Kanonensch flsse abzufeuern. In der Weise, wie es im Dienst-
„ Reglement fflr das Namensfest Sr. k. und k. apost. Majestät vor-
geschrieben erscheint, ist in allen Garnisonsorten ein feierlicher
„Gottesdienst abzuhalten. Die Wachen haben an diesem Tage in
„Parade adjustirt, die dienstfreie Mannschaft ausser der Kaserne
„wie am Sonntage gekleidet zu sein. Die Mannschaft ist von der
„täglichen Beschäftigung frei zu halten, und es ist derselben am
„Festtage selbst eine dreitägige Gratislöhnung auszubezahlen.*
Der Mannschaft des Regiments wurde noch ein Abendessen
und Bier verabfolgt.
Am 2. Dezember empfing Se. Majestät, der hohe Jubilar, im
Rittersaale der Hofburg die von Sr. k. k. Hoheit dem Herrn Feld-
Digitized by Google
1WJ7 -1879,
707
marschall Erzherzog Alb recht geführten aktiven Generale, Stabs-
offiziere und Militärpersonen von äquiparirendem Rang des k. k.
Heeres, dann eine Anzahl höherer Offiziere der Kriegsmarine und
beider Landwehren.
Die Ansprache, welche Sr. k. k. Hoheit der Herr Feldmarschall
Erzherzog Alb recht an Sr. k. k. apost. Majestät richtete, und die
Antwort, welche Sr. Majestät darauf zu ertheilen geruhte, wurden in
Form eines Gedenkblattes in jedem Mannschaftszimmer angebracht.
Die k. k. Armee, stolz auf die Liebe ihres obersten Kriegsherrn,
wird diese warmen und treuherzigen Worte nie und nimmer ver-
gessen.
Anlässig des Regierungs -Jubiläums erliess Sr. Majestät nach-
stehenden Allerhöchsten Armeebefehl dfco. 2. Dezember: »Ein Viertel-
Jahrhundert Meiner Regierungszeit findet heute unter Meinem Herzen
„wohlthuenden Kundgebungen seinen Abschluss. Viele und schwere
.Kämpfe fallen in die Epoche, in denen Meine Armee und Kriegs-
marine glänzende Beweise heldenmOthiger Tapferkeit und un-
erschütterlicher Treue gegeben haben. Es ist Mein Wunsch, alle
„Jene, die in welch' immer Charge und Eigenschaft an den Kriegen
„dieser Zeit theilgenommen haben, durch ein sichtbares Zeichen
„ ehrend auszuzeichnen. Ich habe daher beschlossen, eine Erinnerungs-
medaille zu stiften, wegen deren Ausfahrung und Zuwendung an
„die Anspruchsberechtigten Ich die Statuten und Befehle erlasse."
Durch diese Stiftung ward der Armee ein langgehegter Wunsch
erfüllt. Jeder Soldat legt den höchsten Werth in eine solche Aus-
zeichnung, welche bezeugt, dass er der heiligsten seiner Pflichten
nachgekommen, dass er in schweren Tagen seinen Kaiser beschützte
und beschirmte. Die in Medaillenform aus Bronze geprägte Denk-
münze trägt auf der Vorderseite das Bildniss Sr. Majestät des Kaisers
und Königs mit der Umschrift des Allerhöchsten Namens und auf
der Rückseite die von einem Lorbeer- und Eichenkranze umschlungene
Inschrift des Stiftungstages „2. Dezember 1873* ; diese Kriegsmedaille
wird an einem schwarz und gelben gerippten Bande mit glatter
Einfassung in den gleichen Farben auf der Unken Brust getragen.
Die Kriegsmedaille erhielten im Regiment 88 Stabs- und Ober-
Offiziere und 1768 Mann vom Feldwebel abwärts; im Ergänzungs-
bezirk wurden 14.000 pensiouirte oder ehemals in der Armee gediente
Stabs- und Oberoffiziere und ehemalige Mannschaft betheilt.
45*
708
1S4J7-1S79
«
Major Alfred Sturz erhielt mit Allerhöchster Entschliessung
vom 2. April 1874 die Bewilligung, das ihm verliehene Offiziers-
kreuz des köng. italienischen St. Mauritius- und La2arus - Ordens
annehmen und tragen zu dürfen; derselbe trat am 30. August als
ganz Invalid in den bleibenden Ruhestand.
Mit Allerhöchster Entschliessung vom 25. April 1874 avan-
cirten die Majore Anton Triulzi und Maximilian Freiherr Potier
des Echelles zu Oberstlieutenants.
Major Urban Luxardo des Regiments Nr. 22 wurde mit
19. Oktober 1874, ebenso mit 31. Oktober Major Kmcrich Polak
des Regiments Nr. 14, letzterer bisher Supplent des Professors am
Central - Infanterie - Curse , zu Obersttientenants befördert und in
das Regiment eingotheilt. Major Karl Freih. Hausmann - Stetten
erhielt mit 17. August 1874 unter Wahrung des Rücktritts in das
stehende Heer die definitive Ernennung zum Kommandanten des
aktiven Landes-Schfitzen- Bataillons Ober - Etschthal Nr. 4.
Im Jahre 1874 war das Linien - Regiment vom 27. Mai bis
20. Juni im Lager bei Bruck; am 10. Juni vor Sr. Majestät aus-
gerückt, hatte sich dasselbe abermals die Allerhöchste Zufriedenheit
erworben.
Mit Allerhöchster Entschliessung vom IG. April 1875 wurden
die Oberstlieutcnants Gustav B o r o s i n i v. Hohenstern und Franz
Weikard zu Obersten befördert: mit jener vom 20. Juni der
Ritter der eisernen Krone Ludwig Bandian zum Kommandanten
der ersten Infanterie-Brigade in der XXXI. Truppen-Division, Oberst
v. Borosini zum Regiments -Kommandanten und Oberstlicutenant
Triulzi zum Reserve -Kommandanten ernanut.
Vom 2G. Juli bis 20. August wohnte das Linien - Regiment
einer Lager-Periode im Brucker-Lager bei, war am 13. August
vor Sr. Majestät ausgerückt, hatte die Allerhöchste Belobung er-
halten und bezog dann wieder seine früheren übikationen in der
Heumarkt - Kaserne.
Hauptmann Ernst Schmedes, Professor an der technischen
Militär -Akademie avancirte am 1. November 1875 zum Major und
mit demselben Tage wurde der Major Adolf Freyschlag Edler
v. Freyenstein zum Regiment Nr. 28 transferiri
Mit 31. Jänner 1876 geruhte Se. Majestät den Oberst Franz
Weikard, Oberstlieutenant Othmar Crusiz, Militär -Attache« bei
Digitized by Google
1867-1879.
709
der k. k. Botschaft zu Paris, und Oberstlieutenant Maximilian Frei-
herr Potier des Echelles in das neu formirte Generalstabs-
Eorps einzuteilen. Hauptmann Robert Englisch, Lehrer an der
Militär-Akademie zu Wiener- Neustadt, avancirte mit 1. Mai 1876
zum Major im Armeestande.
Auch in diesem Jahre war das Linien - Regiment vom 9. bis
31. Mai eine Periode im Brucker -Lager.
Oberstlieutenant Urban Luxardo wurde am 19. Oktober zum
Regiment Nr. 50 transferirt.
Mit 1. November 187G avancirte der Oberst -Qua -Brigadier,
Ritter der eisernen Krone Ludwig Band i an zum General -Major;
die Majors Anton Edler v. Möraus und Karl Freiherr v. Sali 8-
Samaden, letzterer in seiner Anstellung zu Oberstlieutenants, die
Hauptleute Leopold Wagner des Jäger -Bataillons Nr. 3 und
Mathias P r ü g e r zu Majors im Regiment, dagegen wurde der Major
Karl Ritter v. Questiaux zum Regiment Nr. 43 transferirt.
Mit Allerhöchster Entschliessung vom 24. April 1877 wurde
der Oberstlieutenant Karl Freiherr v. Salis-Samaden zum Re-
giment Nr. 58 transferirt.
Seine Majestät der Kaiser erliess anlässig des Dienstjubiläums
des Erzherzogs Alb recht nachstehenden Armeebefehl:
.Mein Herr Vetter der Feldmarschall Erzherzog Alb recht
„feiert sein fünfzigjähriges Jubiläum als Soldat. Ich habe bei diesem,
„für Mich und Meine Armee so erfreulichem Anlasse das nachstehende
„Handschreiben an Se. kais. Hoheit erlassen und befehle, dass das-
selbe allen Theilcu Meiner bewaffneten Macht in entsprechender
„Weise kundgemacht werde.
Lieber Herr Vetter, Feldmarschall
Erzherzog Alb recht!
„Eine erhebende Feier ist es, die Ich in freudiger Erinnerung,
„dass Euer Liebden nunmehr ein halbes Jahrhundert Meiner Armee
„angehören, zu begehen im Begriffe bin.
»Das warme Soldatcnherz, welches der Jüngling in fernliegender
„Zeit der Armee entgegenbrachte, Sic haben es Ihr bis zum heutigen
„Tage unverändert bewahrt.
„In Zeiten des Friedens war Ihre hingebungsvolle Thätigkeit,
„Ihr ganzes Sinnen und Streben stets der Wohlfahrt und der tüchtigen
710
1867—1870.
„Ausbildung des Heeres geweiht; galt es aber in ernsten Tagen,
„für Kaiser und Reich einzutreten, dann sind Sie — ein leuchtendes
„Vorbild edler Selbstverleugnung und Aufopferung — freudig meinem
»Rufe gefolgt und haben Oesterreichs Krieger zu Sieg und Ruhm
„geführt
„Die Ueberlieferuug und Verherrlichung Ihrer Thaten und
„Verdienste bleibt der vaterländischen Geschichte vorbehalten und
„wird gewiss in deren schönsten Blättern ihren würdigen Platz finden.
„Ich aber will, dem Drange Meines Herzens folgend und mit
„dankbarem Rückblicke auf solch' eine ruhmvolle Vergangenheit,
„Euer Liebden Meine eigenen und die nicht minder herzlichen und
„aufrichtigen Glückwünsche Meiner Armee hiemit darbringen.
„Möge die Gnade des Allmächtigen Euer Liebden zu Meiner
„Freude und zum Heile des Vaterlandes noch lange Jahre in unge-
brochener Kraft erhalten!
„Wien, am 17. April 1877.
„Franz Joseph m. p.*
Bei dem abends stattgefundenen Fackelzuge hatte sich das
gesammte Offizierskorps eingefunden und brachte dem geliebten
Helden von Novara und Sieger bei Custozza im Vereine mit dem
Offizierskorps der Residenz, aus dem Herzen dringende begeisterte
Hochs aus.
An dem Tage der Jubiläumsfeier hatte Oberst v. Borosini
mit einem Stabs- und Oberoftizier des Regiments die Ehre mit den
Deputationen der Armee vereint, bei der vom Kriegsminister F.-M.-Lt
Grafen Byland-Rheidt vorgetragenen Beglückwünschung gegen-
wärtig zu sein und dann auch zur Tafel gezogen zu werden.
Die Thaten Sr. kais. Hoheit des hochverehrten Feldmarschalls
Erzherzog Alb recht bleiben unsterblich in der Geschichte Oester-
reichs! Das Regiment, welches sowohl im Kriege als Frieden oft
unter Seinem speziellen Kommando zu stehen die Ehre hatte, bewahrt
hierüber ruhmvolle Momente in seiner Geschichte. Die Verehrung
Höchstseiner Person ist sprichwörtlich im weiten Vaterlande.
Oberstlieutenant Anton Triulzi wurde am 1. Mai 1877 zum
Obersten, Hauptmann Anton Player zum Major befördert.
In diesem Jahre war das Reserve-Kommando vom 30. August
bis 13. September zum ersten Male im Lager bei Bruck, und zwar
Digitized by Google
1867-1879.
711
der Regimentsstab und da» 1. Feld - Bataillon, Reserve - Kommaudo
mit dem 4. und 5. Bataillon. Am 3. September rückten die ob-
bezeichneten Abtheilungen vor Sr. Majestät aus, und erfreuten sich
der huldreichsten Zufriedenheit des obersten Kriegsherrn.
Vom Linien - liegiment waren während dieser Lager - Periode
das 2. und 3. Bataillon an Stelle des Reserve - Kommandos, behufs
Vornahme der Wafl'cnübungen mit den Reservemännern in Korneu-
burg dctachirt.
Hauptmann Stanislaus Edler v. Vitali erhielt mit Aller-
höchster Entschließung vom 27. Oktober 1877 bei seiner Versetzung
in den bleibenden Ruhestand den Majors-Charakter ad honores, Major
Leopold Wagner war 1877 gestorben. Hauptmann Edmund Rinek
avancirte am 1. November 1877 zum Major.
Vom 5. bis 30. Juli 1878 befand sich das Linien - Regiment
eine Periode im Brucker - Lager, hatte bei der Ausrückung am
24. Juli die Allerhöchste Zufriedenheit Sr. Majestät erworben und
bezog danu wieder iu Wien die Heumarkt - Kaserne.
Oberst Anton Edler v. Triulzi wurde mit 21. August 1878
zum Plutzkommaudanten beim Hauptquartier der zweiten Armee,
dagegen in seine Stelle Oberstlieutcuaut Anton Edler v. Möraus
zum Reserve - Kommandanten, Major Josef Edler v. Faby mit
15. September zum Oberstlicutenant und mit demselben Tage Haupt-
mann Franz Lettovsky zum Major, dann mit 1. November Major
und Ergäuzuugs- Bezirks -Kommandant Emerich Polak zum Oberst-
lieutenant ernannt.
Mit Allerhöchster Eutschliessung vom 22. März 1879 wurde
Oberst Gustav Boro sin i Edler v. Hoheustern zum Komman-
danten der 53. Infanterie - Brigade, dagegen der Oberst Karl Prevot
Reserve - Kommandant des Regiments Nr. 36, zum Regiments -Kom-
mandanten ernannt.
Im März 1879 erhielt das Regiment den Befehl, am 1. April
in seine neue Garnison uach Cattaro abzurücken. Am 31. veranstaltete
das Offiziers - Korps im „Grand Hotel" ein Abschiedssouper, an
welchem der Adlatus des Kommandirendeu, F. -M.-Lt. Ritter von
Abele, F. -M.-Lt. v. Biene rth, der Brigadier G.-M. Ritter von
Hoffinger, alle Stabsoffiziere der zweiten Division und je eine
Deputation von jedem zur Division gehörigen Reginiente, im Ganzen
120 Offiziere aller Grade theilnahmcn. Den ersten Toast brachte
712
1867-1879.
der F.-M.-Lt. Ritter v. Abele auf den obersten Kriegsherrn, den
zweiten auf den Regiments - Inhaber Erzherzog Wilhelm und den
dritten auf den Kommandirenden F. -Z.-M. Baron Maroicic aus.
F.-M.-Lt. v. Bienerth brachte einen Toast auf das tapfere Re-
giment und seinen Obersten Ritter v. B o r o s i n i aus, welchen Toast
der Oberst erwiderte. G.-M. Ritter v. Hoffinger gab dem schmerz-
lichen Gefühle Ausdruck, dass ein so braves und beliebtes Regiment
aus dem Verbände der Division und Brigade scheidet.
Der kommandirende General F. -Z.-M. Baron Maroicic hat
folgenden Generalkommando - Befehl erlassen:
„Da8 Linien- Infanterie -Regiment Hoch- und Deutschmeister
aNr. 4 verlässt nach beinahe sechsjähriger Anwesenheit in Wien
»am 1. April d. J. die Garnison und damit seine eigene Heimat, um
»nach Dalmatien abzurücken. Bei diesem Anlasse gereicht es mir
»zur besonderen Befriedigung, dem Regimente für seine jederzeit
»bewährte vorzügliche Haltung, seine treffliche Ausbildung, sowie
»für seinen guten Geist meine Anerkennung und den Dank im Namen
»des Allerhöchsten Dienstes auszusprechen. Ich bin der festen Ueber-
» zeugung, dass das Regiment seinen bisherigen, im Kriege wie im
»Frieden erworbenen Ruf auch unter den neuen schwierigen Ver-
hältnissen aufrecht erhalten werde. Meine besten Wünsche begleiten
»es an seine neue Bestimmung.
»Maroicic, F.-Z.-M.4
Bei dem am 1. April, 6 Uhr früh, erfolgten Abmärsche war
eine unabsehbare Menschenmenge versammelt, alle, Verwandte oder
gute Freunde und Bekannte, welche bei der Abfahrt am Südbahn-
hofe die herzlichsten Glückwünsche ihrem beliebten Regimente (im
Volksmunde »die Edelknaben") nachriefen. Bei dieser Gelegenheit
sei wegen der Abstammung dieses allgemeinen Namens »Edelknaben4,
mit welchem die Mannschaft immer benannt wurde, erwähnt, dass
derselbe nach den genauesten Forschungen aus der Zeit Kaiser
Josef U. stammt. Der Monarch war dem Regimente, wie auch aus
der Regimentsgeschichte hervorgeht, besonders gewogen, wiederholt
erfreute sich dasselbe der besonderen Aufmerksamkeit und Aus-
zeichnung des grossen Kaisers und stellte dasselbe im Lager den
übrigen Truppen als Muster dar. Schnell bemächtigte sich der immer
blühende Witz der Wiener dieser Auszeichnung ihrer Brüder und
Digitized by Google
1867-1879.
713
Söhne mit dem allgemeinen Ausspruche: „Unsere Deutschmeister
sind unserm Kaiser seine Edelknaben" und diess erhielt sich bis
auf den heutigen Tag.
Das Regiment rückte am 2. April abends in Triest ein, blieb
hier über Nacht, wurde am folgenden Tage auf dem Lloyd-Dampfer
»Minerva" eingeschifft und erreichte, die Fahrt ununterbrochen fort-
setzend, am 5. April, 6 Uhr morgens Castelnuovo, wo das dritte
Bataillon ausbarkirt wurde. Die übrigen Abtheilungen setzten dann
die Fahrt fort, rückten mittags in Cattaro ein und detachirten die
5. Kompagnie nach Mula, 0. Risano, 7. St. Matteo und die 8.
nach Persagno.
Oberstlieutenant Reserve - Kommandant Anton Edler v. Möraus
wurde am 1. Mai 1879 zum Obersten befördert.
Am 8. Mai ist der Oberst -Inhaber, F.-Z.-M. Erzherzog
Wilhelm mit dem Dampfer .Andreas Hofer* zur Inspizirung der
Artillerie in Cattaro angekommen, lud die Stabsoffiziere zur Tafel
und Hess der Mannschaft des Regiments eine dreitägige Gratis-
löhnung auszahlen. Am folgenden Tage setzte Se. kais. Hoheit die
Weiterreise fort.
Das Reserve - Kommando war vom 10. Juni bis 8. Juli im
Brucker-Lager, rückte am 18. Juni vor Sr. Majestät aus, erwarb
die Allerhöchste Belobung und rückte am 11. Juli wieder in seiner
Garnison Korneuburg ein.
Im Jahre 1191 bestätigte Papst Cölestin HI. den im heiligen
Lande erstandenen „Orden der Brüder des deutschen Hauses Unserer
Lieben Frau zu Jerusalem". König Heinrich von Jerusalem und
der Herzog Friedrich von Schwaben gaben vierzig deutschen Edel-
leuten im Einverständnisse mit Kaiser Heinrich VI. den Ritter-
schlag und der Patriarch vou Jerusalem das Ordenskleid, einen
weissen Mantel mit einem schwarzen Kreuze.
In den Reihen der christlichen Heere, welche gegen die
Sarazenen zu Felde zogen, kämpften nun die Ritter des „deutschen
Ordens" und machten sich bald durch ihren Heldenmuth berühmt.
714
1867-1870.
Unier dem Meister üermaim von Sulza 1210 zählte der Orden
schon 2000 Kitter. Herzog Leopold von Oesterreich, welcher dem
Orden wegen seiner Tapferkeit besonders zugethan war, errichtete
in seinem Lande die erste Bailei und Kaiser Friedrich IL gab
dem Meister den Titel „ Hochmeister" und das Hecht, den deutschen
Keichsadler im goldenen Schilde auf dem Ordenskreuze zu tragen.
Um dieselbe Zeit ging Jerusalem verloren, der Orden zog 1224
nach Venedig und von hier in Folge Aufforderung des Herzogs
Konrad von Massovieii in den Kampf gegen die Preussen.
Nach damaliger Sitte sollte dem Orden das eroberte Land
überlassen bleiben und wirklich gelang es den Rittern bald Preussen
und Liefland zu erobern und sich das Land zu unterwerfen. Die
Städte Kulm, Elbiug, Thorn, Danzig, Marienburg entstanden durch
die Thätigkeit des Ordens. Kultur und Sitte, Wissenschaft und
Glaube wurde durch den deutschen Orden nach Preussen gebracht
Im Jahre 1324 begann ein langjähriger Krieg mit Polen und
den Lithauern, in welchem die Macht des Ordens bereits so hoch
gestiegen war, dass er ein Heer von 40.000 Mann im Felde hatte
und anfangs des Jahres 1400 sechzig Städte und eben so viele
Burgen besass. Diess war die Zeit seines höchsten Glanzpunktes.
1457 kam der Hauptsitz Marieuburg in feindliche Hände und
der Friedensschluss zu Thorn 1400 war für den Orden, welcher
bald darauf seinen Sitz in Mergcntlieim nahm, verderblich.
Von nun au kämpften nur einzelne Mitglieder mit ihren Kom-
pagnien im Kriege gegen die Türken. Maximilian, Erzherzog
von Oesterreich als Hochmeister kommandirte 1590 als Feldherr
die kaiserliche Armee. Im dreissigjährigen Kriege erwarben sich die
Hochmeister Kaspar v. Stadion und Erzherzog Leopold Wilhelm
mit den Rittern besondere Verdienste, dann 1083 bei dem Entsätze
Wiens der Herzog Ludwig Anton von Pfalz - Neuburg.
Nach des letzterem Tode wurde sein Bruder Herzog Franz
Ludwig von Pfalz -Neuburg Hochmeister, welcher das Regiment
errichtete und in welchem von nun an die Ordensritter als Offiziere
dienten. Das Regiment Hoch- und Deutschmeister wurde dadurch,
dass der jeweilige Hochmeister die Oberst -Inhabersstelle bekleidet,
dasselbe den Namen auf ewige Zeiten zu führen hat und die Ritter
in demselben dienten, der Erbe dieses ruhmreichen Ordens, dessen
Heldenthaten einst Europa erfüllten.
Digitized by Goog
1867-187«.
715
Ein Zeitraum von 688 Jahren liegt seit Errichtung des Ordens
und 183 Jahre seit Errichtung des Regiments. Der Erstere ist in
mehreren Werken beschrieben; die Geschichte des Letzteren ist in
diesem Buche nach den offiziellen Feldakten der k. k. Archive ent-
halten. Es ist diess ein Zeitraum, in welchem das Regiment Hoch-
und Deutschmeister festhaltend an den Traditionen ritterlicher Sitte,
seine Liebe und Treue für Kaiser und Vaterland, seine Tapferkeit,
seine Ruhmbegierde und seinen heitern, fröhlichen, biederen Sinn,
sein warmes Herz und seine eiserne Faust ungetrübt und unbefleckt
von Generation auf Generation vererbte.
Mit dem Bewusstsein treu und redlich erfüllter Pflicht steht
das Regiment an der Schwelle eines neuen Theiles seiner Geschichte
und was auch dieser zweite Theil den Enkeln einst erzählen mag.
die Enkel und Söhne der Männer von Kolin, Novi, an der Euns,
von Aspern und Valeggio, die bewährten Kämpfer vor Komorn und
die Erstürmer von Rosbcfic, sie blicken mit ruhigem Soldaten-
gewissen der Zukunft entgegen, wird ja diese das allzeit treue
und tapfere Regiment fortan freudig bereit finden, für seinen Aller-
gnädigsten Kaiser und Kriegsherrn die unerschütterlichste Anhäng-
lichkeit, für Oesterreich 's Heil und Waffenehre die vollste Hin-
gebung mit seinem Blute zu besiegeln.
716
(f)
ü
'53
e
Verluste
Summe
— —
S 1 1 1 1 ° 1 i i
ojouujo
"o
~£
P 2
SA
fei
>
jssimjsA
•3uwjo9
^ 1 1 1 » III
■ «
pUllAUdA
• 1 1 1 1 1 f 1
, I 1 | i e» 1 i |
Offiziere
jösiuueA
i i i i Iii
3u«ja3
PUUAU9A
|H 1 1 1 I . 1 1 1
1P0J
Betheiligte
Abtheilung
Leib-Bataillon
dto.
1 Bataillon
Regiment
dto.
dto.
dto.
1 Kompagnie
dto.
Regiment
dto.
A f f a i r e
Gefecht a. d. Szireger Haide
Schlacht bei Zenta
Gefecht bei Jablonitz
Gefeeht bei Schibo
Gefecht bei Trentsehin
Belagerung Neutra
Blockade Neuhäusel
Gefecht bei Wol
Belagerung Arva
Gefecht bei Vadkert
Belagerung Neuhäusel
CK
4>
<*>
9
U
M
•
-
i
it|«r
£• -v i-: oo c. ©
c. - © © © e « o - •— '
4S * i- r~ t- - t— -
Tag und
Monat
B
—
« •
*•
$
22. Mai
11. November
4. August
August
September
14. Jänner
Jänner
22. Jänner
September
i
s
S
s
ä
Feldzug gegen
die Türken
Feldzug
in Ungarn
Digitized by Google
717
«g co
— . t-
eo
1 - 'cö -3 • • S • • • ■§ ?i 3 2 -3 • Ä • •
1 71 l- 1-4 CO «—
- • 2
-H. © M »o o » .
| " — < " iH • • • '
• ■ • | -S 3 rS * * ^ * * '
' CO
. . 00
. . 00
i i-i
r* . CO
Leib-Bataillon
Obrist-Bataillon
2 Bataillons
Grenadiere
dto.
1 Grenadier-Komp.
Regiment
Detachement
Regiment
dto.
dto.
1 Bataillon
Regiment
dto
dto.
Detachement
1 Bat., 1 Gren.-K.
1 Bataillon
dto.
Regiment
1 Bataillon
Regiment
dto.
dto.
— =2 —
03
O 3
1*1
.s T3 a
0
o
«- ._ ö
* 2 03 3
S 'So
! 1 1 •
•2 ¥ .2
o S Q
» H ,_.
3 a *°
™ 3 ~»
a 5 -a
a *
u bc es
D
E
o
OS«
© 9 s
^ _B es
- e Ä
o Z,
> a
©
CO
ä 3
B
tu
■
" 53 *
®
■
3 i 1
Ol S
es SS ©
» ■ ~ --
es ■ B
Ä B -
8 g«'
5 = ^
s j« a
Iii
es
SS a.
11
c
B
O*
— 'S
B
-
■»» ja «
ü » 5
09 • —
— « «a
CO
1
o g
a. >-
I
S i
ü
•S
a a a
pS
■< «* -2
L» "B
B °
g B S
> O
S _S
S
p
■
p
— . SM W
B - <S
g E J
« £ 8
I
<M CO
1-
1 ■ '
co t- io
S
a> B
b s
.2 §
^ S
| 2
5h
So, -S 2 — -o b
B S* -5 3 ® 3
B
00 o o
r » ffi io iö »' es -I oi
£f -a .t: s 'a
6h ^ •< <<; « -s
5. i
30 Ol — •—
g s s s
©
718
0)
m
=
>
Summa
•qosnti«j£
§<- • § - 2 3 §2 . . g |
ajatzgjo
• * * ■
vom Feldwebel
abwärts
jsstituaA
* • • •
8 S
•SinyaS
_ * *
p • • • -o
?l
'paiuuM
ipoi
— T 1
• > — «
» «fl .1- t~ 05 O ».^
g«.gJ.S;..^..«S
Offiziere
jsstauaA
• • • ■
SusjaS
• | • •
ptm.wjaA
• • • •
• • • •
t-,.<N.i-> ^e*
Betheiligte
Abtheilimg
Regiment
dto.
dto.
dto.
Regiment
Grenadiere
Regiment
Kompagnie
Division
Regiment
dto.
Division
Grenadiere
Regiment
dto.
dto.
dto.
A f f a i r e
Gefecht bei Rivarolo
Vorrückung auf Genua
Gefecht bei Argentiera
Gefecht bei Campo frcddo
Schlacht bei Kolin
Sturm auf Gabel
Erstürmung von Zittau
Erstürmung v. Wittgendorf
Belagerung von Schweidnitz
Schlacht bei Breslau
Schlacht bei Leuthen
Vertheidigung v. Schweidnitz
Gefecht bei Kronau
Schlacht bei Hochkirchen
Belagerung von Xeisse
Schlaoht bei Landshut
Schlacht bei Liegnitz
Des Krieges
xqtf
55 - s3
t- - i-
|H i-i
'{2 t t c e s s £5 = si££ i
<-< I-I
3 g
g*
21. Mai
13. Juni
1. September
13. Mai
18. Juni
13. Juli
23. „
17. August
Oktober
22. November
5. Dezember
April
7. Juli
14. Oktober
Oktober
22. Juni
15. August
Benennung
| Spanischer
Erbfolgekrieg
j Siebenjähriger
Krieg
Digitized by Google
719
z ■ - ~Zl
•£> 'S SS SO 'S
... . - . • ....
• • • o • *
-V 11
— • ^ -~
MW — -TO U tü
. . . . . • • • •
—
in ~ r.
. 1 . 4 fj^j • • • • • •
• • • •
• •
. . . «
•
• ■ ■
Regiment
dto.
dto.
Division
•
'S
a
3 o
.2 *
3 53
> 'rt
Q ä
pa
3
3 Bataillone
Jäger
Grenadiere
dto.
Obrist-Bataillon
dto.
dto.
dto.
dto.
dto.
dto.
Regiment
dto.
Leib-Bataillon
3 Bataillon
dto.
Uofccht bei Reichenau
Gefecht bei Friedland
Gefecht bei Reichenberg
Verteidigung v. Schweidnitz
1 -
3 2
■9 =
§ £
'33 2
-5 >-
55
Ö
Einnahme von Sabac
Gefecht bei Semliu
dto.
dto.
Dresnik, Dubitza, Stnrlich
Gefecht bei Dresnik
Sturm auf Dubitza
Gefechte bei Czevostany
Gefecht vor Dubitza
dto.
dto.
Belagerung von Berbir
Einnahme von Belgrad
Gefecht bei Losnicza
Gefecht bei Priboy
Eroberung von Czettin
U - - -
a
i-
i~
t— i
oo o> o
oo - . - . * od - oi
t- - • - - - • • t- - i-
«i
0.
5
-~ 00
O t- <£ jj»
5 »
1 3
O
CO
Bayerischer 11. Janner
Erbfolgekrieg 28. Februar
April
30. August
9. September
Fe'bruar
•t. April
25. „
Mai
9. August
20. „
Juni, Juli
9. Oktober
22. n
7. November
20. Joli
!
S
Digitized by Google
720
Verluste
Summe
■qOSUUBff
SD Ci M » n ©a S? "? *5 2
— ■«- —
vom Feldwebel
abwärts
jssinnoA
IUI
1
•pnnwjoA
. . . . * » « « . W ~ . »• <D « « . .
Offiziere
jsstnuaA
äanjaS
•pnn.wjaA
-r
1P<>1
-i
Betheiligte
Abtheilung
Leib-Bataillon
dto.
, dto.
dto.
Division
Regiment
dto.
Obrist-Bataillon
dto.
Regiment
dto.
Grenadiere
dto.
dto.
Regiment
dto.
Stab u. 2 Bataillons
Grenadier-Division
■~
ca
t~
Treffen bei Aldenhofen
Gefecht bei Rolduc
Gefecht bei Aigneux
Cernimng von Maubetige
Gefecht vor Maubeuge
Schlacht bei Famars
Gefecht bei Villerspol
Gefecht vor le Quesnoi
Einnahme von le Quesnoi
Gefecht bei Pont
Gefecht bei Philippeville
Gefecht bei Schöneberg
Gefecht bei Retschweiler
Gefecht am Geissberge
Gefecht bei Haspres
Vertheidigung v. Landrecy
Kapitulation v. Landrecy
Gofecht bei Schwetzingen
Des Krieges
§ rsSSSSStssstsi,^ z z z
i-l IH
Tag und
Monat
1. März
April
7. Mai
23. ,
5. Jnli
25. August
September
3. November
•1. Dezember
26. November
22. Dezember
26.
23. April
Juni, Juli
16. Juli
bp
a
s
a
I
8
•st,
.2 a
OD O
:© -rj
N 5
3 "o
* 1
Digitized by Google
s
3 8 ■
•—i
11!»
r-
09
•— i
§ 3
00
s
1 —
o
•
•
•
•
—
•
• • •
• • • •
•
• • •
•
•
s •
pH
•
s
• •
«
5
i-
• ov
• • ■
t
05
3
• • •
IM
a
Cl
—
et
t—
t -
<M
S
• a •
• 2
o
l-
—
00
— r-
SB (M
•
o
i-i
eo
m
•
•
• a •
1
■
•5 c 1 S
8 £ S ■
TS w .3 .Ä
1 M |«
S Ö
i 1 1 i
| ä | a 3 3 1
1 Ii 2 i|
HS ►» <d «
- "3 - j: C <-
1 1
* «3
«*:
05
9
I
■
2
: _
,1
± « Ö 09 ^
1-1 fH — —
3
.- tt
3 ^
3
HC
9
-2
e s
. 1 i
- ■> 5
(J0 *
b. et
Ct 3
9 M >—
9 ,0 3 3
—2 *U *i
egg« i: o
00 (0
ei ob c4 ci ©"
4C,
722
| -qittiiinJjY
S
JS91UU3A
J2 -ptlllAVJDA
CS 1
)P<>J
i— oo
• 5
—
£ s
2 g
S
öl 99
99 "9
m tn
99 l-l
I- 1.9 99
99
13
J88UUJ0A
9J
1P<>»
S
B
S ©' d © £
'5 ? 5 ^
I J
- g
e
— •
'S 5 .5 'S 'S s
§42 <?° 43 g -o
2 m l « g
^ _ Ä — ö
T3 T3 t3 -O g
T
i - s § s «
5 l» .2 OS DO
CS ?k >■ ~ -— g
a je «S ?|>|
* « .a
3 E 9
£?1
a
a
fct)
a
=
ep
Mi
CS
"3
s i 2
— <5 -a
© «< S
«> S 'S
« 5
c/j
o
p c =■
|» o 5
§ s 53
.£r sü) 'S
2 '-5 ~
Iis
H t* CJ
i.
CU
O
o
a
a
-.«
CS
CO
«V
US
o
es
■
00
e
1 i
9 S
a £|
S 'S 65
a «. ^
■ ja „
9 M A
fief
8
S «5
o x
* B
OD ©
<1> l»
TZ
«* I
p ja
©
e
o
o
<a
M
cn
C0
n
id
C
—
a
■
.O
I
t» 00 04
Ol 1/9 O »— i
— CJ Ol 99
tu
a
a
a
a
a
9
*
S. E " - '3 S.
< a <
«' d td w ei
SC s
•i S
«p ©
I!
a -
i i
60 1
If s
5 £
Digitized by Google
723
Ks ~-
I-H
. SB
S
1532
n
1276 j
©
-
i— i
LZ
z
a:
2
L= 00
* CJ
Ii
c
Ol
ii
u
=.
i 11
Ol
n
ii
Ol
-r
1-
1-
•
—
—
> — >
i
L= C.
t-
•
— *
s
i -
V.
Sä
IQ.
2 |
i—
• CS
»— "
11
u
SA .
i:
t—
n
Li
Ol
11
11
es <m
. *r
22
• —
SU
•
•
• •
•
• •
^-
•
£1
. — .
"2 d ©* _d ©"
^ -•— *-> ~
9)
-
g
■«*
0)
03
=3 .2
B
=
C
« *
o
B
in
er-
Tu
"2 's
Ol
■ — '
o 5
- 2 -
© a ö - a ©
c
Et
a
a 5 J ; I i i J
_ • 6fl .2 M) T3 ,2
£ et, « «6 « - —
£ e B
Q
3
s
g .2
CS u>
s
CO o
—
1
5
-
o
Hag s
.5 ig « S g
S > j
■
es
>5 S
Ii«
«2 o
CSS
3 t= -0 J
•ä 2 ~
-2 -5 s
Iii.
i~
'S >- ^ «
s -8
S 60
§ 3
« 9 S
— CL' .~
<• ■ «
. —
=
'3
■2 'S -S X • ^
£ <S g © O c5
Ol
Ol ^3
ts «
© Ä 'S
B" 5 o
o ^
3 2
g
o o
P Ä
3
— & e c
^ M> -2 «
- '-5 3 ^
'S 2 2 *
- . — — — »
* S es «
9 ^ M J
«3 ^
(B
El
-
-
'S -3 J
— * 'S
■g 3 'S
* «s I
o
-3
-
-
= 1
B
•1 Q
—
5
01
>
©
1 i
1 p ^
t» so. »-
© . CL,
>5 s <
es
—
o
— '
O Ls g OC ^ »0 »
21 2i
Sk Si
Dl 21 fil m OJ. *i
«> .2
<x> 3
. tc >-
c
46*
724
i
I - O tl)
5
— J88IUJJ0A
m %
* •* 'POIUU9A
S
S
'4 •
CO
5 =
?!
—
1
s
jssiauaA
pun.wJoA
IPOJ
d
e
a
o
48
• — S G ß ß
Q ■ O o o *
C S i « 'S B
.2 'Gl .2 > S M>
^ K « Q Q K
a a
CB <u
1-1 t»
» 09
o
u
o
B
o
1
6
s
i
ß
cb
«b
—
u
-
Ä
•** C B
1 * « 2 «
S o. o o« o
2 3 '« S 'S d
1 5 j 3
I
I
2
I
i
m 5
» w S
.2 o *^
■r 3
J» TS
B
g «> 2
B 5 S
i 5 *
! £
ß
<ö CJ
-ß M
U, k-
S °
o bc
Si
C
= tC
SC B
;= 3
2 S
D k-
J3 10
2 -*-»
k. BD
S i
a |
Ol CB
►•s
I 3
5 «•
TS -ß
■- o
OB ,0>
"t; o
B ©
o
ca
SS
I .
o
e
k ß
US
1 5
Ol
—
I
■9
2 —
11s
*S "8 o
«t cS ®
ß o —
t~ —• m
£ $ l
B B sr-
O o
> P B
O
"eä "3
k, k.
P Ö
■
. -
00 - OD
s 3 s
s :
CS
CB
tt)
CB
-
CO
Q
-
--5
S
~
«B
iL,
--L
a
a
a
s
«
ß
<s
03
O MM
t* .2
tu. >->
tü> ß
U5
s
CB
o
"2 c
S .2
S .a
5
ha
CB
:ca
— .
53
2 88^8t-S
N
2
I
B
t3
Digitized by Google
725
•o ea g g
64 00 ^
X)
5
04 ~1
• SS
t- -M I- "O -M '-O
I-
C4
13
o § ö
« s ä s .1 s ä s i 1
> TS T3 tfl *0 "O *W »J
0
r3
3 2 2 3 2
p£3 *0 *0 *ü
B
i
T3
.fl « =3 .2 JS
<W O A Li
'S £ 4S
2 'S 1
1
9
2 2
T3 TT
1 s
* .5?
S g
I 1
i s
■
Ol
3
Ol
1
~4
=
Hl
a
g
0
►"»
a
a a
«5 Ol
00 Ol
d | 1
SC
I
ÖD
s
U4
Digitized by Google
72*3
E
B
s
XI
-
Ts t:
ItsrauM
= pUtU\J3A
«
>
E
z
J8SIUIJ0A
J'UUAUJA
« 5
®
1
M
CD
O
P
3 «
3 s
es «'S
I
IM
(M BQ
M
X
IC
3 £
— .-.
IM
IM
00 IN
l-3
I i l 1 3
S © o a
'5j t5 £■
* 5
s
•-
l -
1
©
Ol
•8 =
< § S
^3 = ^
p m ä> &
5 f 9 .2
>- t3 D9 — «
5 $
ü ti -g -
Ü I "3
i j 'S
2 J3
1 i 1 §
* H & N =
*J 2 £ §
— — s 1
S 1 1 1 2
* *B J5 «S "5
" O 'S U o
5i M Ol b-'i M
7
M M
SC i-
0 k.
N —
2 .2
- 1
M »1
"3 _,
1
i
•a
B
I
g
I
I
5
S
5
Cß
5
«
i
»V
Digitized by Goog
Digitized by G
Digitized by Google
n* MM'VERSITY OF MICHIGAN